Komm & Geh

Er aber sprach: Komm! Und Petrus stieg aus dem Schiffe und wandelte auf den Wassern, um zu Jesu zu kommen. Als er aber den starken Wind sah, fürchtete er sich; und als er anfing zu sinken, schrie er und sprach: Herr, rette mich! Alsbald aber streckte Jesus die Hand aus, ergriff ihn und spricht zu ihm: Kleingläubiger, warum zweifeltest du? Und als sie in das Schiff gestiegen waren, legte sich der Wind. Die aber in dem Schiffe waren, kamen und huldigten ihm und sprachen: Wahrhaftig, du bist Gottes Sohn!
Elberfelder 1871, Matthäus 14,29–33

Er sagte: „Komm!“ Darauf stieg Petrus vom Boot herab, schritt über die Wasser und ging Jesus entgegen. Als er aber auf den Windsturm blickte, wurde ihm angst, und als er zu sinken anfing, schrie er: „Herr, rette mich!“ Sofort streckte Jesus seine Hand aus, faßte ihn und sprach zu ihm: „Du Kleingläubiger, warum hast du dem Zweifel Raum gegeben?“ Und nachdem sie in das Boot gestiegen waren, ließ der Windsturm nach. Die im Boot waren, huldigten ihm dann, indem sie sprachen: „Du bist wirklich Gottes Sohn.“
neue Welt Übersetzung – Bi12 – Matthäus 14:29–33

Jesus sagte nur: „Komm her!“ Gesagt, getan, Petrus stieg aus dem Boot aus, und das Unglaubliche passierte: Er konnte tatsächlich auf dem Wasser zu Jesus gehen! Plötzlich bemerkte Petrus aber die großen Wellen, die um ihn herum waren. Er verlor Jesus aus dem Blick und bekam plötzlich voll die Panik. „Hilfe, Jesus, ich ertrinke!“, schrie er und ging unter. Jesus ging schnell zu ihm hin, packte seine Hand und zog ihn aus dem Wasser raus. Er sagte dann zu Petrus: „Hast du so wenig Vertrauen, Petrus? Ich hab’s dir doch gezeigt! Mir kannst du echt glauben!“ Beide gingen dann zusammen zum Boot. Sobald sie an Bord waren, verschwand der Wind von selber. Die anderen waren alle schwer beeindruckt, knieten sich vor Jesus hin und sagten: „Ganz sicher, du bist wirklich Gottes Sohn!“
Volxbibel – Matthäus 14,29-33

Mt 14:22-36
(Mk 6,45-56; Joh 6,16-21) Nach dem Speisungswunder schickte Jesus seine Jünger in einem Boot voraus, und nachdem er das Volk hatte gehen lassen, stieg er allein auf einen Berg, um zu beten (vgl. Joh 6,15). Mit dem Wegschicken der Jünger bezweckte er zweierlei: zum einen entfernte er sie dadurch von der Menge, und zum anderen gab er ihnen Gelegenheit, über das, was soeben durch sie geschehen war, nachzudenken. Sie gerieten bald darauf in einen Sturm, und irgendwann zwischen drei und sechs Uhr morgens (in der vierten Nachtwache) kam Jesus zu ihnen und ging auf dem See zu ihrem Boot. Es handelte sich dabei um eine Entfernung von etwa 5 Kilometern (vgl. Joh 6,19 „als sie nun etwa eine Stunde gerudert hatten“). Was hier geschah, war ein Beweis für die Macht Jesu über die Naturelemente, mehr noch aber war es eine Lehre für den Glauben der Jünger. Ihre anfängliche Furcht, ein Gespenst zu sehen (Mt 14,26), legte sich erst, als Jesus mit ihnen sprach.
Doch Petrus genügte diese Bestätigung nicht, er wollte einen stärkeren Beweis dafür, daß es wirklich der Herr war. Er sagte: „Herr, bist du es, so befiehl mir, zu dir zu kommen auf dem Wasser.“ Der Herr sagte einfach: „Komm her!“ Petrus‘ erste Reaktion spricht sehr für seinen Glauben, denn er stieg aus dem Boot und kam auf Jesus zu. (Petrus‘ Gang auf dem Wasser wird nur bei Matthäus erwähnt.) In der ganzen Geschichte der Menschheit, soweit sie aufgezeichnet wurde, gingen nur zwei Menschen auf dem Wasser: Jesus und Petrus. Aber der Glaube des Jüngers geriet ins Wanken, als er den starken Wind, d. h. das vom Sturm aufgewühlte Wasser, sah. Er begann zu sinken und schrie: „Herr, hilf mir!“ Sogleich streckte Jesus die Hand aus und ergriff ihn. Er tadelte Petrus jedoch für seinen Kleinglauben (vgl. Mt 6,30;8,26;16,8), der ihn beinahe hatte untergehen lassen.
Als die beiden das Boot erreichten, beruhigte sich der Sturm und die erstaunten Jünger fielen nieder und beteten Jesus an. Ihr Bild von Jesus hatte eine neue Dimension hinzugewonnen, sie erkannten ihn nun als Gottes Sohn an. Ganz anders die Leute aus Genezareth (Mt 14,34), einer fruchtbaren Ebene südwestlich von Kapernaum: Als sie hörten, daß Jesus angekommen sei, brachten sie alle Kranken zu ihm, damit er sie heile. Daß sie nur den Saum seines Gewandes berühren wollten, erinnert an die Frau mit dem Blutfluß aus dieser Gegend, die ebenfalls gesund geworden war, weil sie Jesu Gewand berührt hatte (Mt 9,20). Diese Menschen sahen in Jesus einen großen Heiler, doch wer er wirklich war, konnten sie nicht ganz begreifen. Das Verständnis der Jünger für seine wahre Identität wuchs dagegen ständig.

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

Es war etwas später, an einem anderen Tag. Als es Abend wurde, sagte Jesus zu seinen Jüngern, sie sollten ein Boot besteigen und ihm voraus auf die andere Seite des Sees fahren. Dann stieg Jesus allein auf den Berg. Es war ein ruhiger Ort, wo er zu seinem Vater, Jehova Gott, beten konnte.
Die Jünger stiegen in das Boot und segelten dann über den See. Aber bald begann ein Wind zu wehen. Er blies immer heftiger. Es war nun schon Nacht.
Die Männer zogen das Segel ein und begannen zu rudern. Aber sie kamen nicht sehr weit, weil sie starken Gegenwind hatten. Das Boot wurde von den hohen Wellen hin und her geworfen, und das Wasser spritzte hinein. Die Männer arbeiteten hart, um das Ufer zu erreichen, doch gelang es ihnen nicht.
Jesus war immer noch allein auf dem Berg. Er war lange dort gewesen. Jetzt aber konnte er sehen, daß seine Jünger in den hohen Wellen in Gefahr waren. So kam er vom Berg herunter an das Ufer des Sees. Er sprang nicht ins Wasser, um zu schwimmen, noch watete er hinein. Nein, sondern Jesus begann, über den stürmischen See zu gehen, so wie wir über einen grünen Rasen gehen würden!
Was würde geschehen, wenn du versuchtest, auf dem Wasser zu gehen? Weißt du es? — Du würdest sinken, und du könntest ertrinken. Aber bei Jesus war es anders. Er hatte besondere Kräfte.
Jesus hatte eine lange Strecke von etwa fünf bis sechs Kilometern zu gehen, um das Boot zu erreichen. So war es um die Morgendämmerung, als die Jünger Jesus über das Wasser auf sich zukommen sahen. Aber sie konnten nicht glauben, was sie sahen. Sie fürchteten sich sehr und schrien in ihrer Furcht.
Dann sprach Jesus zu ihnen: „Faßt Mut, ich bin’s; fürchtet euch nicht.“
Sobald Jesus in das Boot hereinkam, hörte der Sturm auf. Die Jünger waren wiederum überrascht. Sie fielen vor Jesus nieder und sagten: „Du bist wirklich Gottes Sohn.“ — Matthäus 14:23-33; Johannes 6:16-21.
Wäre es nicht wunderbar gewesen, damals zu leben und zu sehen, wie Jesus solche Dinge tat? — Nun, wir dürfen zu einer Zeit leben, da Jesus Dinge tun wird, die ebenso wunderbar sind.

Auf den großen Lehrer hören

Mt 14,28: Aber Petrus antwortete ihm und sprach: Herr, wenn du es bist, dann gebiete mir, über das Wasser zu dir zu kommen.

Im Anblick der Macht Jesu hob sich das Herz des Petrus hoch. Nichts soll ihn von Jesus scheiden dürfen. Er begehrt, an der Macht Jesu über die Natur teilzuhaben, zu ihm zu kommen und neben ihm zu stehen. Nicht darum bittet er: „Lass mich über die Wellen gehen!,“ sondern darum: „Lass mich zu dir kommen über das Wasser hin!“ Darum wagt er es nicht, in Hoffart, ohne die Erlaubnis Jesu in den See zu springen. Er weiß, dass er an der Macht Jesu nur teilhat, wenn Jesus ihm an ihr Anteil gibt, und bittet deshalb zuerst um Jesu Befehl.

Mt 14,29a: Er sagte: Komm!

Jesus freut sich, wenn sich der Jünger durch das, was er an ihm sieht, zu einem starken Glauben, der an seine Seite tritt, emporheben lässt . Er hat seine Gemeinschaft mit dem Vater nicht deshalb den Jüngern in Werken der Macht gezeigt, um sie in der Erkenntnis, dass er unendlich größer sei als sie, niederzubeugen, sondern um sie aufzurichten; denn er stellt sie neben sich in das Reich seines Vaters. Aber Petrus muss zuerst lernen, was Glaube ist.

Mt 14,29b-31: Und Petrus stieg aus dem Schiff und ging über das Wasser und kam zu Jesus. Als er aber den Wind sah, erschrak er und fing an zu sinken und schrie: Herr, rette mich! Aber Jesus streckte sofort seine Hand aus, ergriff ihn und sagte zu ihm: Kleingläubiger, wozu hast du gezweifelt?

Als er Jesus vor sich auf dem See stehen sah, wünschte Petrus sich neben ihn zu stellen; als er aber den Sturm sah, vergaß er Jesu Nähe und Befehl und sank, so dass Jesus ihn retten muss. Jesus macht ihm den Grund deutlich, weshalb sein Gang für ihn gefährlich wurde. Er war es für den Kleingläubigen, für den, der des Sturmes wegen das Wort Jesu für schwach hielt und es ihm nicht zutraute, dass er ihn auch jetzt erhalte. Ohne Grund und Nutzen hat er seine Gedanken geteilt, sowohl die Macht des Sturmes als die Macht Jesu erwogen und nicht nur an den Befehl Jesu, sondern auch an die Gefährlichkeit seines Ganges gedacht. Er hätte sich ohne Teilung seines Herzens mit festem Griff an das Wort Jesu halten sollen.

Mt 14,32-33: Und als sie in das Schiff einstiegen, legte sich der Wind. Die aber, die im Schiff waren, warfen sich vor ihm nieder und sagten: Du bist wahrhaftig Gottes Sohn.

In dieser Stunde brachten die Jünger Jesus die Anbetung dar; sie sahen von seinen Taten zu dem Grund seiner Macht empor und wurden gewiss, dass er aus Gott hervorgegangen ist und mit seinem ganzen Leben an ihm hängt.

Schlatter, Erläuterungen zum Neuen Testament

Siegesstimmung
Ein gewaltiges Zeichen hatte Jesus getan. 5000 Menschen hatte er satt gemacht. Aus Johannes 6,15 erfahren wir, dass das Volk in seiner Begeisterung auf der Stelle den Herrn Jesus zum König ausrufen wollte.
Wie war wohl das Herz der Jünger in dieser Stunde mit Freude erfüllt! Endlich begannen die Massen zu begreifen, wie herrlich ihr Heiland war. Sie waren in dieser Stunde sicher bereit, ihm alles zuzutrauen und jedes Opfer für ihn zu bringen.
Jeder gläubige Christ kennt diese hohen Stunden, in denen das Herz singt: »Jesus Christus herrscht als König, / alles wird ihm untertänig …«

Die abgebrochene Siegeslinie
Es ist merkwürdig, dass Jesus in diesem Augenblick seine Jünger in das Schiff »trieb«. Er bittet sie nicht, er redet ihnen nicht zu, er befiehlt ihnen nicht. Er schickt sie weg wie kleine Kinder, die man abends ins Bett schickt. Und dann treibt er das Volk ebenso von sich. Seltsam! Hätte Jesus nicht allen Grund gehabt, diese Erweckungsstimmung auszunützen? So denkt unsere Vernunft. Aber Jesus tut genau das Gegenteil. Albrecht Bengel hat gesagt: »Für die Vernunft sieht es aus, als verstände Gott sich schlecht auf seinen Vorteil.«
Jeder Jesusjünger kennt diese Enttäuschung, wenn so eine Siegeslinie plötzlich abgebrochen wird – wenn nach einer Evangelisation auf einmal alles armseliger zu sein scheint als vorher – oder wenn in unserem eigenen Leben es aussehen will, als seien wir wieder auf die Anfänge unseres Christenlebens zurückgeworfen.
Warum handelt Jesus so? In Johannes 12,24 erklärt er: »Es sei denn, dass das Weizenkorn in die Erde falle und ersterbe, so bleibt’s allein; wo es aber erstirbt, so bringt es viele Früchte.« Sowohl das Christenleben als auch das Leben der Gemeinde Jesu trägt immer das Kreuzeszeichen. »Es geht durch Sterben nur.«

Widerwärtigkeiten
»Sie litten Not von den Wellen; denn der Wind war ihnen zuwider.« Grauester Alltag! Alles scheint verkehrt zu gehen. Wo ist nun die Siegesfreude vom Nachmittag? Jetzt ist sie wenige Stunden später in tiefe Depression verwandelt.
Ich erinnere mich, wie ich einmal in der »Hammerhütte« in Siegen eine herrliche Segensstunde erlebte. Mein Glaube war so groß, dass ich dachte, ich könnte allen Gewalten der Hölle trotzen. Aber als ich meinen Wagen nach Hause steuerte, ging es immerzu durch dicken Nebel. Man kam nicht vorwärts. Und dann wurde es meinem jungen Begleiter schlecht. Das zwang mich, immer wieder den Wagen anzuhalten. Und mit Schrecken entdeckte ich, wie schnell mein großer Glaubensmut vom Nachmittag verflogen war.
Da musste ich an Paulus denken, der mit Silas zerschlagen im Kerker sitzt und doch Loblieder singt. Erst der, der die Loblieder singt, auch wenn der Wind zuwider ist, hat das Evangelium richtig begriffen.

Die Not der Herzen
Das ist eine Not, wenn unsere Glaubensfreude durch die alltäglichen Widrigkeiten so gedämpft wird, dass nur noch Verzagtheit da ist. Aber das war nicht die einzige Not der Jünger.
Es kam noch etwas anderes dazu:
Sie hatten Jesus aus den Augen verloren. Es gibt nichts Schrecklicheres für Menschen, die gewohnt sind, mit Jesus zu leben, als wenn seine Gegenwart ihnen verdunkelt wird. Und nun kommt die tiefste Not: In dieser dunklen Stunde kam auf einmal das Unterste der Herzen wieder zum Vorschein: »Sie sprachen:
Es ist ein Gespenst! Und schrien vor Furcht.«
War denn durch die Gegenwart Jesu der alte Aberglaube nicht längst abgetötet? War die tiefe Furcht, die ganz unten im Menschenherzen sitzt, nicht ausgerottet?
Das ist eine schreckliche Not, wenn Christen auf einmal merken, dass die »alte Sünde« wieder auftaucht; dass das Tiefste des Herzens noch gar nicht umgewandelt ist.
Und das geschah den Jüngern ausgerechnet nach dem Siegesnachmittag. Es ist eine alte Erfahrung, dass Jesusjünger nach besonders reichen Segenstagen an sich selber die tiefsten Enttäuschungen erleben.
Das könnte beinahe so aussehen, als sei im Leben der Jünger überhaupt nichts geändert worden. Nun, so ist es nicht. Wer Jesus gehört, erfährt wohl noch schmerzlich die Macht der Sünde. Aber er dient ihr nicht mehr. Er sieht sie als seinen Feind an. Paul Humburg sagte einmal: »Ein bekehrter Jesusjünger ist nicht sündlos. Aber vor seiner Bekehrung sündigte er fahrplanmäßig. Nach seiner Bekehrung ist die Sünde ein Eisenbahnunglück.«

Geborgen!
Wie mag wohl den Jüngern zumute gewesen sein, als in ihren ganzen Jammer hinein das Wort des Herrn tönte: »Seid getrost, ich bin’s! Fürchtet euch nicht!« So kann in der ganzen Welt niemand sprechen außer dem Herrn Jesus selbst. Und: »So er spricht, so geschieht’s; so er gebeut, so steht’s da.«
Wenn Jesus einem Herzen und Gewissen sagt: »Fürchte dich nicht!«, dann ist die Furcht wirklich verschwunden, und der Friede kehrt ein. Die ganze Geschichte zeigt zwischen den Zeilen, wie mit einem Schlag die Situation der Jünger verändert war. »Ach, mein Herr Jesu, / dein Nahesein / bringt großen Frieden ins Herz hinein. / Und dein Gnadenanblick / macht uns so selig, / dass Leib und Seele darüber fröhlich / und dankbar wird.« Da heißt es nun wirklich: »Die Freude am Herrn ist eure Stärke.«

Glaubensmut
So dachte auch Petrus. Alle Depression ist verschwunden. David sagte: »Mit meinem Gott kann ich über die Mauern springen.« Und Petrus: Mit meinem Herrn Jesus will ich über die wilden Wellen gehen.
Es würden wohl keine großen Dinge in der Welt geschehen, wenn nicht Christenherzen immer wieder diesen fröhlichen Glaubensmut fassen könnten, der ihnen sagt, dass mit Jesus das Unmögliche möglich wird.

Wieder eine Niederlage
Nach den bisherigen Erfahrungen dieses Tages hätte man dem Petrus wohl zutrauen müssen, dass er nun auf dieser Glaubenshöhe bleibt. Wir sehen ihn über das Wasser schreiten. Sein Blick ist auf den Herrn gerichtet. Ach, wäre er doch dabei geblieben, unverwandt auf seinen Herrn zu schauen! Aber er erlebt, was auch wir so oft erleben, dass die Dinge dieser Welt sich sehr geräuschvoll bemerkbar machen. »Er sah aber einen starken Wind; da erschrak er und hob an zu sinken.« Auf einmal ist die Natur nur noch drohend und schrecklich. Auf einmal sieht er nur noch eine Umwelt, die sich gegen ihn verschworen hat. Blitzartig fängt sein Gehirn an zu berechnen, welche entsetzliche Tiefe unter seinen Füßen ist. Er ist jetzt bloß noch ein Mann der Vernunft, der rechnet, wie ein Mensch rechnet, und der die Macht des Herrn in keiner Weise mehr einkalkuliert.
Schreckliche Stunden sind das, die keinem Christenleben erspart bleiben, wo die Welt mit ihren Drohungen und Sorgen bereitenden Wellen viel mächtiger zu sein scheint als der Herr.

Ein Gebet aus Herzensgrund
Als die Wogen über Petrus zusammenschlagen wollen, besinnt er sich auf seinen starken Herrn. Und nun kommt ein Schrei aus seinem Mund: »Herr, hilf mir!«
Es gibt mancherlei Gebete. Da sind die Gebete in der kirchlichen Agende. Wenn der Pfarrer sagt: »Lasst uns beten!«, dann faltet die Gemeinde die Hände und beugt das Haupt. Wenn ich das sehe, frage ich mich manchmal erschrocken: »Wie viele werden wohl jetzt richtig mit dem Herrn reden?« Und dann gibt es das Gebet des Pharisäers, der dem Herrn alle seine Tugenden ausbreitet. Es gibt Tischgebete, die so leer sind, dass einmal ein christlicher Mann darüber spottete: »Es ist nur ein Wa-wa-wa über dem Suppenteller.«
Wie anders das Gebet des Petrus! Da ist die Verzweiflung über die eigene Ohnmacht und das Vertrauen zu der Stärke des Herrn. Da ist das Wissen um die Abgründe unter seinen Füßen und das Vertrauen zu der starken Hand Jesu. Dass wir doch dies Gebet recht lernten: »Herr, hilf mir!« So sollten wir rufen in den Nöten unseres Lebens. »Herr, hilf mir!« sollten wir rufen, wenn die Anfechtungen der Sünde zu stark werden. »Herr, hilf mir!« – das ist die Antwort des Glaubens auf das Evangelium.

Erfahrung der Errettung
»Jesus aber reckte alsbald die Hand aus und ergriff ihn.« So hat der Herr Jesus wieder die Hand ausgestreckt und hat den Petrus ergriffen, als der nach der Auferstehung Jesu meinte, er sei nicht mehr tüchtig zum Jüngersein und Apostelamt. Davon erzählt Johannes 21. Errettung, die man erfahren hat – das ist die
Melodie der ganzen Bibel. Israel wird aus Ägypten errettet. Und die Gemeinde Jesu wird errettet durch das Blut Jesu von Sündenschuld und Sündenmacht, vom drohenden Gesetz und von der Verlockung der Welt, von der Macht Satans und vom ewigen Verderben.

Jesus allein
Welche Temperaturschwankungen hat der Glaube der Jünger in kurzer Zeit durchgemacht! Es ist tröstlich, das zu lesen; denn jeder Jesusjünger leidet unter diesen Temperaturschwankungen des Glaubens. Davon weiß ein unbekehrter Mensch nichts. Aber einer, der sich aufgemacht hat, Jesus nachzufolgen, weiß davon um so mehr. Und er lernt über all den Schwankungen: »Mein Heil beruht nicht in mir, sondern allein in Jesus und dem, was er für mich getan hat.« So lernt man dann als reifste Erfahrung seines Glaubenslebens singen: »Auf dem Lamm ruht meine Seele.

Wilhelm Busch, – In der Seelsorge Gottes

Wo wären wir? Wäre ich überhaupt mit im Boot? Und hätte ich den Mut, aus dem Boot auszusteigen?

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