Kennst du seine Stimme?

Diesem tut der Türhüter auf, und die Schafe hören seine Stimme, und er ruft seine eigenen Schafe mit Namen und führt sie heraus. Wenn er seine eigenen Schafe alle herausgebracht hat, geht er vor ihnen her, und die Schafe folgen ihm, weil sie seine Stimme kennen.
Elberfelder 1871 – Johannes 10,3–4

Der Schafhirt geht durch die Tür hinein; der Wächter am Eingang öffnet ihm. Die Schafe erkennen seine Stimme; er ruft die, die ihm gehören, einzeln beim Namen und führt sie ins Freie. Wenn sie alle draußen sind, geht er vor ihnen her und sie folgen ihm, weil sie seine Stimme kennen. (Offb. 14,4)
Gute Nachricht Bibel – Joh 10,2–4

«Wahrlich, wahrlich, ich sage euch*: Wer nicht durch die Tür in die Schafhürde geht, sondern anderswo hineinsteigt, der ist ein Dieb und Räuber-1-. -1) die Schafherden übernachteten in einer durch eine Mauer eingeschlossenen Hürde, an deren Tür des Nachts ein Unterhirt Wache hielt.++
Wer aber durch die Tür eingeht, der ist der Hirt der Schafe.
Dem öffnet der Türhüter, und die Schafe vernehmen seine Stimme-1-. Er ruft die Schafe seiner Herde-2- mit Namen-3- und führt sie hinaus. -1) sein Locken und Rufen.   2) in einer Hürde pflegten verschiedne Herden zu übernachten.   3) auch im Altertum gaben die Hirten den einzelnen Schafen bes. Namen.++
Hat er dann seine Schafe alle hinausgebracht, so geht er vor ihnen her, und die Schafe folgen ihm; denn sie kennen seine Stimme.
Einem Fremden aber würden sie nimmermehr folgen, sondern sie würden vor ihm fliehen; denn sie kennen des Fremden Stimme nicht.»
Ludwig Albrecht – Joh 10,1–5

Kennt Christus deinen Namen? Und kennst du seine Stimme?
Oder folgst du „anderen Stimmen“ die ihre eigene Wahrheiten und ihre eigenen Auslegungen haben?

Vers 1 – 5 beschreiben das morgendliche Ritual eines Hirten, der seine Schafe auf die Weide bringt. Er geht zur Tür in ein umzäuntes Gehege, einen Schafstall, hinein, in dem sich mehrere Herden befinden. Der Stall,der Steinmauern hat, wird nachts von einem Türhüter bewacht, um Diebe und wilde Tiere abzuhalten. Wer also über die Mauern kletterte, hatte auf keinen Fall etwas Gutes im Sinn.
Der Hirte dagegen hat das Recht, den Schafstall zu betreten. Dem macht der Türhüter auf, und der Hirte kommt herein, und die Schafe (seine Schafe) hören seine Stimme. Ein Hirte kennt die Schafe seiner Herde und hat jedem einzelnen einen Namen gegeben. Wenn die Schafe die vertraute Stimme ihres Herrn hören, laufen sie zu ihm hin. Er führt sie hinaus aus dem Stall und sammelt die Herde. Dann geht er vor ihnen her, und die Schafe folgen ihm nach.
Wenn jedoch ein Fremder den Stall betritt, fliehen die Schafe vor ihm, denn sie kennen die Stimme der Fremden nicht. In diesem Gleichnis geht es darum, wie ein Hirte seine Herde sammelt. Die Menschen kommen zu Gott, weil er sie ruft (vgl. V. 16.27; Röm 8,28.30). Die richtige Antwort auf diesen Ruf ist, ihm zu folgen (vgl. Joh 1,43;8,12;12,26;21,19.22). Doch die Jesus zuhörten, verstanden nicht, was er ihnen damit sagen wollte, obwohl ihnen das Beispiel des Hirten und seiner Schafe zweifellos einleuchtete. In ihrer Blindheit konnten sie ihn nicht als den Herrn, der auch Hirte war, erkennen (vgl. Ps 23).

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

Man kennt den Dieb und Räuber an dem Weg, auf dem er sich an die Schafe macht. Er meidet die Türe und steigt an anderer Stelle in die Hürde ein. Wer so kommt, ist unzweifelhaft ein Dieb; denn der Hirte kommt auf dem ordentlichen Weg durch die Türe. Die Hirten, die damals die Gemeinde unter ihre Macht zwangen, hatten diese mit eigenmächtigem Griff an sich gerissen. Weil sie sich ihren Dienst an der Gemeinde nicht von Christus geben und nicht von ihm dafür ausrüsten ließen, waren sie auch nicht durch den Willen Gottes in ihr Amt und Ansehen eingesetzt. Wer aber mit eigenem Willen sich an die Menschen macht, mit seinem eigenen Licht sie erleuchten und mit seinem eigenen Wort sie speisen will, wird ihnen niemals zum Hirten; er handelt an ihnen vielmehr wie der Dieb an der Herde, und sein Recht zur Herrschaft über die Gemeinde ist null und nichtig. Darum ist auch diese ihnen gegenüber in ihrem Gewissen frei, so gewiss der Dieb kein Recht an die Herde hat und diese ihm nicht verpflichtet ist. So befreit Jesus die Seinen von der Furcht vor ihren alten Meistern, ähnlich wie er Petrus, als dieser vor dem Zorn der Pharisäer zagte, die Antwort gab: „Jedes Gewächs, das nicht mein Vater gepflanzt hat, wird ausgerottet.“ {Matthäus 15,13} Zugleich schützt er seine Gemeinde auch für die Zukunft vor allen, die sie von ihm, dem Christus, weg 7.11 sich selber rufen und ihrem eigenen Willen unterwerfen wollen. An solche Flirten ist die Gemeinde nicht gebunden; sie hat ihnen vielmehr ihr Ohr zu versagen und steht nicht unter ihrer Gewalt.
Wer durch die Türe eingeht, der ist der Hirte; das erläutert Jesus nachher, weil die Hörer das Gleichnis nicht verstanden, mit dem Hinweis: „Ich bin die Türe zu den Schafen.“ Er ist dazu gekommen, um den Menschen Hirten zu schenken, die ihnen dienen, Wahrheit in die dunklen Herzen legen, Glauben in den an Gott Verzagenden wecken und den Dürstenden lebendiges Wasser geben. Das geschieht aber nur dann, wenn Jesus den Hirten zur Türe dient, wenn sie ihm untergeben sind, in seinem Wort bleiben und in seiner Liebe stehen. Wie der Sohn durch seine Gebundenheit an den Vater seine Königsmacht erlangt, so ist auch unsere Macht, andere als Flirten zu führen, zu schützen und zu lehren, daran gebunden, dass wir selbst Jesus untergeben sind. Weil er allein der rechte Hirte ist, ist er auch die Türe für alle, die sich des Hirtenamts annehmen; so kann auch nur er fruchtbare Reben aus sich wachsen lassen, weil er allein der rechte Weinstock ist. {Johannes 15,4.5} Wir werden nur dann an den Menschen nicht zu Dieben und Räubern, wenn wir von Jesus empfangen, was wir ihnen darbieten.
Joh 10,3: Diesem tut der Türhüter auf, und die Schafe hören seine Stimme, und er ruft die eigenen Schafe mit Namen und führt sie hinaus.
Bei der Türe wacht über der Herde der Türhüter. Dem Hirten, der durch die Türe eingeht, öffnet er sie. Der Dienst, den Jesus den Seinen anweist und den sie in seinem Gehorsam üben, geschieht nach dem Willen Gottes und steht unter seinem Wohlgefallen und Segen. So hat Jesus in seinem Wort an Petrus mächtig bezeugt: „Du lösest auf Erden, und im Himmel ist es gelöst; du bindest auf Erden, und im Himmel ist es gebunden.“. {Matthäus 16,19} Was aus dem hoffärtigen und selbstsüchtigen Trieb des Menschen hervorgeht, erreicht keine bleibende Autorität. Alle wirkliche, wirksame, göttliche Autorität, die die Menschen innerlich erfasst und führt, wird uns als Gabe verliehen, die kein Regierender und Lehrender anderswoher als aus Gottes Hand empfangen kann. Es zeigt sich aber auch an den Schafen, ob jemand das echte Hirtenamt hat. Des Hirten Stimme hören die Schafe. Für das, was von oben stammt, hat der Mensch ein Ohr. Immer wieder sorgt Gottes Regierung und Gnade dafür, dass sein Zeugnis in der menschlichen Seele sieghaft durchbricht, so dass sie das, was wahr, heilig und heilsam ist, bejaht und erfasst. Unverrückbare Unterschiede machen das Wort kenntlich. Entweder hat es das Siegel der Wahrheit, und das Ohr des Menschen ist dafür geschaffen, oder es ist mit dem Stempel der Leere und Nichtigkeit gezeichnet, und das Ohr des Menschen vermisst an ihm, wonach es immer kraft seiner eigenen Natur verlangt und sucht. Zwar zeigte der Streit der Juden gegen Jesus aufs deutlichste, wie stark der Mensch sich gegen die Wahrheit sträuben und wie leidenschaftlich er lügen kann; dennoch ist Jesus dabei geblieben, dass seine Stimme in die Menschenseele dringt und sie immer wieder wahrnehmen, dass ihr Hirte sie ruft. Er sagt dies auch den Seinigen zum Trost.
Der Hirte ruft zu sich, was ihm gehört. Wieder macht Jesus die Grenze sichtbar, die für sein Werk und ebenso für das Werk der Seinen gültig ist. Er kann nicht alle an sich ziehen; die der Vater ihm gibt, sind sein. Die ihm gehören, lässt er freilich nicht zurück. Nichts, was sein eigen ist, geht ihm verloren. Er spricht auch nicht nur die Menschen in unbestimmter Undeutlichkeit im allgemeinen an; an den einzelnen Menschen richtet er sein Wort. Jeden ruft er mit Namen, jedem gibt er sein Wort persönlich ins Herz entsprechend seinem besonderen Bedürfnis und Vermögen; er stiftet ein innerliches Band von Person zu Person, das den einzelnen mit ihm, ihn mit dem einzelnen verbunden hält. Im vollen Sinn gilt dies nur von dem einzigen Hirten aller, der mit dem Geist und mit der Wahrheit von innen her zu allen, zu jedem einzelnen reden kann. Auch dem Dienst, zu dem seine Jünger berufen sind, gibt Jesus mit diesem Wort die Regel; denn auch sie reden das Wort nur dann richtig, wenn es den Menschen in seinem persönlichen Innenleben erfasst und ihm so ins Herz gelegt wird, dass er sich selbst mit Namen von Gott gerufen weiß.
Joh 10,4-5: Wenn er alle seine Schafe herausgeholt hat, geht er vor ihnen her, und die Schafe folgen ihm, weil sie seine Stimme kennen. Aber einem Fremden werden sie nicht folgen, sondern vor ihm fliehen, weil sie die Stimme der Fremden nicht kennen.
Es braucht nicht Zwang und Gewalt, damit die Herde beim Hirten bleibt; seine Stimme hält sie bei ihm, die ihnen wohl bekannte, die sie sofort über ihren Weg belehrt. Jesus sah oftmals mit an. wie die Schaf- und Ziegenherden aus den galiläischen Dörfern ausgetrieben wurden; den alltäglichen Vorgang macht er zum tiefen, herrlichen Bild seines messianischen Werks. Die Gemeinde zu schaffen, die seine Gegenwart wahrnimmt und einträchtig unter seiner Leitung steht, die ihm folgt, wohin er geht, und seinen Schutz und seine Gaben genießt, dazu hat ihn der Vater gesandt, und keine Gewalt in der Welt wird ihn daran hindern, sie zu sammeln. Ruft ein Fremder die Herde, so hören sie nicht, sondern fliehen, einfach deshalb, weil es nicht des Hirten Stimme ist, sondern ein fremder Ruf. So sind die Seinen ihm allein und ganz verbunden; sie wissen, was von ihm kommt, und hängen in Liebe und Vertrauen an ihm allein. Damit sind sie für jeden Fremden verschlossen. So erläutert uns Jesus an der Weise, wie die Herde sich zum Hirten hält, was er meint, wenn er uns sagt: „Glaubt an mich! „

Schlatter – Erläuterungen zum Neuen Testament

Gottes Helden erwarten Widerstand, aber sie erwarten auch, dass Gott ihnen hilft, ihn zu überwinden. Paulus schrieb an seine Freunde in Korinth: „Aber ich werde bis Pfingsten in Ephesus verweilen. Denn eine große und wirksame Tür hat sich mir geöffnet, und es gibt viele Gegner “(1 Kor 16: 8–9, NKJV). Wir würden erwarten, dass er sagt, dass er in Ephesus bleibt, weil die Dinge so gut laufen und es keine Gegner gibt, aber es war genau das Gegenteil. Opportunites wecken immer Gegner, aber Gegner haben die Möglichkeit, mehr Möglichkeiten zu bieten. Gottes Helden packen nicht ein und gehen nicht, nur weil sich jemand ihnen und ihrer Arbeit widersetzt. Das ist der Unterschied zwischen dem wahren Hirten und dem Mietling (Johannes 10: 1–5). Der Hirte ist für die Schafe da, nicht für das Gehalt, und das Vorhandensein von Schwierigkeiten macht ihn nur fleißiger. Hirten erwarten, dass Wölfe die Schafe angreifen und bereiten sich darauf vor. Die frühe Kirche erwartete Widerstand und ließ Gott sich darum kümmern. Ihre größte Sorge war nicht ihr Komfort oder sogar ihre Sicherheit. es war ihr Dienst. Sie beteten nicht um Flucht. Sie beteten um Ermöglichung. „Nun, Herr, betrachte ihre Drohungen und befähige deine Diener, dein Wort und mit großer Kühnheit zu sprechen“ (Apostelgeschichte 4:29, NIV). So beten Gottes Helden, ein gutes Beispiel, dem wir heute folgen können.

Sei heldenhaft