Wer ist ER?

Denn durch ihn (W. in ihm, d. h. in der Kraft seiner Person) sind alle Dinge geschaffen worden, die in den Himmeln und die auf der Erde, die sichtbaren und die unsichtbaren, es seien Throne oder Herrschaften oder Fürstentümer oder Gewalten: alle Dinge sind durch ihn und für ihn geschaffen.
Elberfelder 1871 – Kolosser 1,16

Denn in ihm ist alles erschaffen worden,
was im Himmel und auf der Erde lebt,
die sichtbaren Geschöpfe auf der Erde
und die unsichtbaren im Himmel –
die Thronenden, die Herrschenden,
die Mächte, die Gewalten. ( Die Ausleger sind sich weitgehend einig, dass Paulus in den Versen 15–20 ein altes Christuslied zitiert. Durch einzelne Zwischenbemerkungen (eingerückte Zeilen) setzt er es in Beziehung zu Themen, die ihm im Blick auf die Gemeinde in Kolossä besonders wichtig sind. Zu der Zwischenbemerkung in Vers 16 vgl. 2,10. 15. 18. 23 und Sacherklärung »Mächte«; zu der in Vers 18 vgl. 1,24; 2,19 (ursprünglich ist an den Kosmos als »Leib« gedacht); zu der in Vers 20 vgl. 1,22; 2,13–14 sowie Röm 5,1–10; 2Kor 5,14–21.)
Alles hat Gott durch ihn geschaffen,
und alles findet in ihm sein letztes Ziel.
Gute Nachricht Bibel – Kol 1,16

Durch Jesus ist sogar alles entstanden, was auf der Erde und im Himmel existiert! Alles, was man sehen kann, und alles, was man nicht sehen kann, alle Regierungen, jede Partei, jeder Regierungschef, jede Macht auf der Welt ist durch ihn und für ihn gemacht worden.
VolxBibel – Kolosser 1,16

 Denn in ihm (als der Grundlage (ohne ihn keine Schöpfung)) ist alles geschaffen, was im Himmel und auf Erden ist, das Sichtbare und das Unsichtbare: Throne, Herrschaften, Fürstentümer und Gewalten (hier sind Ordnungen o. Stufen in der Engelwelt gemeint.); alles ist durch ihn und für ihn geschaffen- Eph 1,10.21.22a; Joh 1,3.
Ludwig Albrecht – Kol 1,16

ἐν αὐτῷ bez. hier wohl persönl. Tätigkeit Christi (BDR § 2191) durch ihn, von ihm. ἐ-κτίσθη Aor. Pass. κτίζω103 (er)schaffen. ὁρατός sichtbar. εἴτε … εἴτε ob … oder; hier seien es … oder. θρόνος Thron; übertr. Herrschaft. κυριότης3 ητος ἡ Herrschaft, Herrschergewalt; konkret: Herrscher. ἀρχή hier Herrschaft, Macht. εἰς αὐτόν auf ihn hin (als Ziel) bzw. für ihn (zu seiner Verherrlichung). ἔ-κτισται Pf. Pass. (A242) sie sind geschaffen (u. existieren jetzt).

Neuer Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament

»Denn in ihm ist alles geschaffen, was im Himmel und auf Erden ist, das Sichtbare und das Unsichtbare, es seien Throne oder Herrschaften oder Mächte oder Gewalten; es ist alles durch ihn und zu ihm hin geschaffen.«

Der Christus ist nicht Teil der Schöpfung; er ist der Schöpfungsmittler: »In ihm ist alles geschaffen«. Christus wird als der Urheber aller Schöpfung vorgestellt. Der Vater hat nichts ohne den Sohn getan. Die übliche Teilung, die den Vater »Schöpfer« nennt, den Sohn »Erlöser« und die dem Heiligen Geist die Kirche zuordnet, ist zwar hilfreich, aber nicht im Sinne einer Ausschließlichkeit zu verstehen. Der Vater schafft mit dem Sohn: »in ihm« meint die dem Christus innewohnende Macht, die aller Schöpfung Gestalt gibt (vgl. auch Joh 1,3 und 1Kor 8,6). Es »ist alles geschaffen worden«; wieder weist die Zeitform auf einen abgeschlossenen geschichtlichen Vorgang hin. Schon in diesem Wortgebrauch liegt ein deutliches biblisches Nein gegen alle Evolutionstheorien. »Was im Himmel und auf Erden ist« fasst die ganze Schöpfung zusammen. Wenn wir unter »Schöpfung« nur diese Erde verstehen, denken wir biblisch zu kurz: »Am Anfang schuf Gott – und wir setzen jetzt mit dem Kolosserbrief hinzu: »in Christus« – Himmel und Erde«. (1Mose 1,1). Beide gehören zueinander, sind die eine Wirklichkeit, was mit den Begiffen »sichtbar« und »unsichtbar« festgehalten wird. Himmel und Erde waren nicht auf Trennung angelegt. Der Riss, die »tiefe Kluft« (vgl. Lk 16,26), kam durch den Sündenfall in die vollkommene, ganze Schöpfung. Im Paradiesgarten ging Gott in der Abendkühle durch den Garten (vgl. 1Mose 3,8), und das beschreibt Wirklichkeit und ist nicht bildhafte Rede.

Edition C

Deshalb wird auch die Neuschöpfung den »neuen Himmel und die neue Erde« umfassen (vgl. Jes 65,17; 66,22; 2Petr 3,13; Offb 21,1). Uns ist jetzt »der Himmel« unsichtbar. Wir können die Wirklichkeit des Himmels Gottes, seiner Herrlichkeit mit unseren »Todes -Sinnen« nicht mehr erfassen. Bei der Wiederkunft Jesu aber, bei der Vollendung der Neuschöpfung wird wieder ein Ganzes sein. Das Reich Gottes wird neuer Himmel und neue Erde sein.

Weil Christus der Schöpfungsmittler ist, weil »in ihm« alles geschaffen ist, darum steht er über allem: über allen »Thronen« (damit sind wohl Engelmächte gemeint. vgl. Ps 122,5), über allen »Herrschaften« (eigentlich »Hoheiten«) und über allen »Mächten« und »Gewalten«. Diese Aufzählung beschreibt wohl »Ordnungen« und Stellungen in der Engelwelt. Gegen alle Irrlehren (vgl. Kol 2,18), die Verehrung der Engel fordern, betont der Apostel die alles überbietende Stellung und Macht Jesu Christi. Er ist die Macht über alle »Mächte« (vgl. Eph 1,21; auch Röm 8,38: 1Kor 15,24; Eph 3,10; 6,12; Kol 2,10.15).

Alles ist »durch ihn»geschaffen. Er ist nicht passives Werkzeug gewesen, sondern in dem Eins -Sein mit dem Vater ist er der Schöpfer, der aktiv Wirkende, dessen Macht und Kraft ins Sein bringt. Betont »in ihm« mehr die umfassende Macht des Christus, so legt »durch ihn« den Nachdruck auf sein wirkendes Tun. »Zu ihm« hin bringt schließlich das Schöpfungsziel in den Blick. So wie der Christus zu dem Seher Johannes sagt: »Ich bin das A und das O, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende« (Offb 22,13; vgl. auch 1Kor 15,45; Oftb 1,8; Offb 1,17; 2,8; 21,6). In Christus liegt das Ziel, die Erfüllung, die Vollendung alles Geschaffenen. So sind wir Christen, die wir »in Christus« am Ziel sind, und leben in der Erfüllung. Dorthin wird Gott alles bringen. Er hat dem Sohn alles übergeben und wird dieses Herrlichkeitsziel vollenden. Alles läuft auf den Christus zu: Das ist biblische Zukunftsansage, dort wird alles »am Ende« sein.

Edition C

in der Wendung » denn durch ihn sind alle Dinge erschaffen worden « wird hoti (denn, weil) verwendet, um den Grund anzugeben, warum Christus dieser Titel, Erstgeborener aller Schöpfung, gegeben wird. Er ist nicht nur jedem Geschöpf überlegen, sondern Er ist Selbst der Wirkende in aller Schöpfung. Sechsmal sagt Paulus » alle Dinge « (V. 16-20), was damals der Ausdruck für das Universum war. Das ist auch zweifelsohne der Sinn des Ausdrucks, obwohl das lateinische Wort Universum im NT nicht vorkommt.
ektisthä (wurde erschaffen) ist ein passiver Aorist Indikativ von kti zo, » erschaffen « . In Christus fand die Schöpfung statt als eindeutiges historisches Ereignis. Das deckt sich mit der Wahrheit, die in Johannes 1,3 über das Wort gesagt wird. » Alles ward durch dasselbe, und ohne dasselbe ward auch nicht eines, das geworden ist « (vgl. 1.Kor 8,6). Dem Ausdruck » Durch ihn « sind zwei weitere präpositionale Ausdrücke in diesem Vers zugeordnet. Es Sind Ausdrücken die in übereinstimmender Weise die Schöpfungsgewalt und den Vorrang Christi offenbaren.
    1. In Ihm (Rev. Elbf. so müßte das erste » durch Ihn « wörtlich übersetzt werden): Christus wird als der Urheber aller Schöpfung bezeugt. Seine Ihm innewohnende Macht gibt allem Geschaffenen Charakter, Sinn und Geschlossenheit. Die Schöpfung besteht Seiner Ihm innewohnenden Macht wegen.
    2. Durch Ihn: Nicht als ein bloßes passives Werkzeug, sondern als der göttliche Wirkende ist Er der Erhalter aller Schöpfung. Ihr Fortbestand beruht auf Seiner erhaltenden Kraft.
    3. Für Ihn: Das Ziel aller Schöpfung ist Christus. Zu Seinem Zweck ist alles geschaffen. Wie er der Anfang, so muß Er auch das Ende der Schöpfung sein (Off 22,13).
    In den Worten » die in den Hirnmein und die auf der Erde, die sichtbaren und die unsichtbaren « beachten wir die chiastische (d.h. über Kreuz angelegte Symmetrie) Struktur, denn das » Sichtbare « ist der Erde, das » Unsichtbare « dem Himmel zugeordnet. Von welcher Seite man auch die Sache betrachtet, bleibt die herrliche Tatsache bestehen: Alles Sein hängt vom Sohn Gottes ab.
    » Es seien Throne oder Herrschaften oder Fürstentümer oder Gewalten « sind die von Paulus verwendeten Bezeichnungen für die unsichtbare, die himmlische Welt. Im entsprechenden Abschnitt im Epheserbrief (1,21) fehlt der Ausdruck » Throne « . Dort sagt Paulus, daß Gott den Sohn erhöht hat. Hier in unserem Vers fehlt hingegen das Wort » Kraft « (Eph 1,21). Es ist das charakteristische Merkmal dieses Briefes, daß alle Gewalt, irdische und anderweitige, gänzlich der Autorität des Sohnes unterstellt ist. Eine absteigende Folge mag in der Aufzählung des Paulus zufällig sein, aber sie laßt sich dennoch ausmachen. Wahrend sie im Epheserbrief aufsteigend ist, woraus ersichtlich werden soll, daß Er, Christus, erhöht worden ist weit über alle Gewalt und Herrschaft. Sollte jemand so töricht sein und auch das Höchste dieser geschaffenen Wesen zum Mittler zwischen Gott und dem Menschen erwählen, würde Paulus das als eine krasse Leugnung der höchsten Würde des Sohnes ansehen. Wenn sie überhaupt Existenz besitzen, dann verdanken sie alles Ihm; daher sind sie Seiner Autorität unterworfen. Das Thema des Briefes und auch die Tatsache, daß diese Worte nach aorata (unsichtbare) verwendet werden, unterstreicht, daß hier himmlische Wesen, nicht irdische Gewaltige gemeint sind.
    In der Wendung » alle Dinge sind durch ihn und für ihn geschaffen « wechselt in auffälliger Weise das Tempus; es wird der Indikativ des Perfekt Passiv von ktizo verwendet, während am Anfang des Verses der Aorist stand. Was ist die Bedeutung dieses Wechsels? Paulus hebt im ersten Teil des Verses hervor, daß die bloße Existenz der Schöpfung auf das schöpferische Wirken Christi zurückgeht. Jetzt verwendet er das Perfekt, um damit die weiterwirkende Tatsache zu unterstreichen, daß der Erhalt, die Entfaltung und das Ziel der Schöpfung auf Christus ruht. Die Schöpfung existiert Seinetwegen; aber sie hat gleichenfalls Seinetwegen Bestand. Diese Wahrheit wird wunderschön in der Worten vorn Hebräer 1,2 ausgedrückt: » alle Dinge tragend durch das Wort seiner Macht. «

Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt

„Alles ist durch Ihn und zu Ihm hin geschaffen.“ Wissen wir das eigentlich? Bedenken wir es? Wenn wir nachts in den Weltraum hinausblicken und Ozeane von Sonnen über uns sehen – durch Jesus und für Jesus ziehen diese ungeheuren Glutbälle ihre Bahn. Aber auch die kleine Blume im Wald, die niemand sieht und beachtet – durch Jesus und für Jesus blüht sie. So groß ist Jesus! Denken wir daran, wenn wir betend den Namen Jesu nennen, daß wir nun zu Dem reden, in dem „alles in den Himmeln und auf der Erde geschaffen wurde, das Sichtbare und das Unsichtbare“? Wird nicht zugleich diese uns oft so unheimliche Welt vertrauter und heimischer für uns, weil wir es nun wissen dürfen, daß wir uns im schöpfungsmäßigen Eigentum unseres herrlichen Heilands bewegen? Und hat nicht deshalb jener Matrose recht, der sagte: „Das Meer, in das mein Leib versinkt, ist auch nur die hohle Hand meines Heilandes, aus der mich nichts reißen kann“? (Gorch Fock.)

Jesu Schaffen endet nicht bei dem „Sichtbaren“, bei dem, was „auf der Erde“ ist. Er schuf auch „das Unsichtbare“ und belebte auch „die Himmel“ mit unzähligen Geschöpfen, für die wir den Namen „Engel“ brauchen. Freilich, diese Engel sind etwas sehr anderes als die lieblichen Kinder-, Mädchen- und Frauengestalten, die uns von unsern Malern vor Augen gestellt wurden. Wo immer in der Bibel Menschen einen Engel sehen, da erschrecken sie und fürchten sich. Dieser Engel gibt es „vieltausendmal tausend“ (Offb 5,11;Da 7,10 ). Welch eine |181| Welt von Leben, Kraft und Licht! Wie alles in Gottes Schöpfung mannigfaltig und geordnet zugleich ist, so gibt es offenbar auch in der unsichtbaren Geisterwelt große Ordnungen und Gruppierungen, auf die die Ausdrücke „Throne“, „Herrschaften“, „Mächte“, „Gewalten“ hier wie auch an andern Stellen des Neuen Testaments hinweisen. A Sind diese majestätischen Wesen und Mächte nicht äußerst wichtig für den Menschen? Greifen sie in sein Leben, ja selbst in die Geschichte der Völker nicht wirksam ein? (Da 10,13. ) Können sie nicht sehr hilfreich oder sehr gefährlich sein? Muß man nicht zu ihnen ein Verhältnis zu gewinnen suchen, ja ihnen gar Anbetung zukommen lassen? Solche Fragen waren auch unter den Christen in Kolossä laut geworden. Also nicht mehr „Jesus allein“, sondern „Jesus und die Engel“? Wurde das Christentum nicht erst dadurch weit und vollkommen, daß man die geheimnisvollen kosmischen Mächte mit hineinnahm? Nein! Wie gewaltig diese unsichtbare Welt immer sein mag, auch sie ist durch Jesus und zu Jesus hin geschaffen. Auch zwischen dem herrlichsten und mächtigsten Engel und Jesus liegt die ganze Kluft, die das Geschöpf vom Schöpfer trennt. „Vor dem die Seraphim anbetend niederknien, um den die Engel dienen“, das ist Jesus. So groß ist Jesus! Darum gibt es kein „Jesus und die Engel“. Es gilt auch im Blick auf die unsichtbare Welt mit all ihren Geheimnissen: „Drum auch, Jesu, Du alleine sollst mein ein und alles sein.“

A) Anm. Für Paulus wie für alle seine Zeitgenossen war das Bestehen und die Wirksamkeit dieser unsichtbaren Mächte in der Welt ganz anders gewiß und bekannt als für uns. Die nur kurz genannten Namen sagen daher ihm und den Lesern des Briefes viel mehr als uns. Für uns bleiben viele Fragen offen. Vielleicht hat Paulus „Throne“ und „Herrschaften“ als Gott dienende Engelbereiche von den „Mächten“ und „Gewalten“ unterschieden, die, in die satanische Revolution mit hineingezogen (vgl. 1 Ko 6,3;2 Petr 2,4;Jud 1,6 ), nun in angemaßter Selbständigkeit ihr Regiment in der Schöpfung Gottes ausüben. Denn da, wo er von der Beseitigung dieses Regimentes der Engel redet, nennt er nur die „Mächte“ (archai) und „Gewalten“ (exousiai): 1 Ko 15,24;Eph 6,12;Kol 2,15 in 1 Ko 2,8 spricht er von den „archontes“ dieser Welt; Röm 8,38 von „angeloi“ und „archai“. Eph 3,10 ist wieder von „archai“ und „exousiai“ die Rede, aber es ist an dieser Stelle fraglich, ob gottwidrige Mächte damit gemeint sind. An unserer Stelle aber betont Paulus in der Form der Aussage: „einerlei ob es nun Throne' oderHerrschaften‘ oder Mächte' oderGewalten‘ sind …“, daß diese Unterscheidungen in der Engelwelt, die den Kolossern als wesentliche und notwendige Lehren hingestellt wurden, vor der Größe Jesu belanglos werden.

Jesus, der Schöpfer über aller Kreatur – ahnen wir nun, was in den Wundertaten Jesu während Seines Erdenwandels vor sich geht? Der rührt die kranken, entstellten Leiber an, durch den der Menschenleib geschaffen wurde. Der vermehrt das Brot und verwandelt das Wasser, durch den Gott Korn und Wein ins Dasein rief. Willig trägt das Meer den Erstgeborenen aller Schöpfung, und Wind und Wellen verstummen vor dem, der ihr Herr ist! Und daß die großen Geistermächte des Kosmos tatsächlich Seiner einzigartigen Hoheit zu Füßen liegen, das zeigt der willige Dienst der Engel (Lk 2,9-14;Mt 4,11; Jo 1,51;Mt 26,53 ) ebenso wie das Zittern der Dämonen (Mk 1,23-27 u. a).

Von allen Geschöpfen das wichtigste aber ist der Mensch. Und nun dürfen wir es auf den Menschen, auf uns selbst anwenden: „durch Jesus und zu Jesus geschaffen!“ Wie wichtig ist das für alle Mission |182| und Evangelisation. Wenn wir Menschen zu Jesus rufen, so rufen wir sie nicht zu einem Fremden. Wenn wir ihnen Jesus bezeugen, drängen wir ihnen nicht künstlich eine fremde Gestalt auf. Wir rufen sie zu Dem, dem sie schon von Schöpfungs und Rechtes wegen gehören, und bringen ihnen Den, der als Ursprung und Ziel ihres Daseins schon längst ihre eigentliche Heimat ist. Über die Ablehnung Jesu steht darum immer wieder das Wort: „Er kam in Sein Eigentum, und die Seine nahmen Ihn nicht auf“ (Jo 1,11 ). Wohl spricht dies Wort zuerst und in besonderer Weise von Israel. Aber da der Prolog des Johannesevangeliums ebenso weltumfassend ist wie des Paulus Darlegung hier und von dem ewigen Wort des Vaters als dem Licht und Leben „der Menschen“ redet, wird in der Schuld Israels die Schuld der gesamten Menschheitswelt offenbar. Jeder von uns muß im Rückblick auf sein eigenes Leben bekennen: „Er kam zu mir, der ich Ihm doch vom Ursprung her gehörte, und ich – wies Ihn ab!“ Gerade so erst wird die Sünde (die Sünde, „daß sie nicht glauben an Mich“ Jo 16,9 ) in ihrer ganzen Unbegreiflichkeit und Unentschuldbarkeit deutlich. Die Bekehrung zu Jesus aber ist für jeden von uns bei aller dadurch geschenkten Neuheit des Lebens ein wunderbares Nach-Hause-Kommen. Umgekehrt: Die Tatsache, daß Menschen aller Rassen und Entwicklungsstufen Jesus erkennen und sich von Herzen Ihm anvertrauen konnten, bestätigt und bezeugt, daß Er der ist, durch den und zu dem wir alle geschaffen sind. Paulus gibt uns hier bei allem Eingehen auf Fragestellungen und Begriffe der zeitgenössischen Philosophie doch nicht Theoretische Gedankengespinste über Jesus. Er bleibt im festen Zusammenhang mit der lebendigen Glaubenserfahrung und zeigt uns die Größe Jesu so, wie wir sie für unsern eigenen Glauben und für unsern Dienst an andern kennen müssen.

Es wird uns durch diese Erkenntnis Jesu auch eine Sorge abgenommen, die vielen Menschen den Zugang zu Jesus erschwert. Wenn ich mich in einer redlichen Bekehrung ganz Jesus ausliefere, wird dann mein Leben nicht arm, eng und einseitig? Wäre Jesus nur eine kleine religiöse Einzelgestalt, dann könnten wir mit dieser Befürchtung recht haben. Aber wenn wir uns Dem anvertrauen, durch den und zu dem alles geschaffen ist, können wir dann irgend etwas verlieren und um irgend etwas kommen? Gewinne ich dann nicht notwendig mit Jesus – alles? Umfassender und vollständiger kann mein Besitz und Reichtum doch gar nicht werden, als wenn der Schöpfer und Herrscher aller Welt mich zu Seinem geliebten Eigentum annimmt. So hat es der Apostel Paulus mit kühner Freude gesehen: „Es sei Paulus oder Apollos oder Kephas, es sei Welt oder Leben oder Tod, es sei Gegenwärtiges oder Zukünftiges: Alles ist euer, ihr aber Christi, Christus aber Gottes“ (1 Ko 3,22.23 ) und „Wenn aber Kinder, so auch Erben – Erben Gottes und Miterben Christi …“ (Röm 8,17 ).

Wuppertaler Studienbibel