Schweigen – Reden – Tratschen ??

Denn jede Natur, sowohl der Tiere als der Vögel, sowohl der kriechenden als der Meertiere, wird gebändigt und ist gebändigt worden durch die menschliche Natur; die Zunge aber kann keiner der Menschen bändigen: sie ist ein unstetes Übel, voll tödlichen Giftes.
Elberfelder 1871 – Jakobus 3,7–8

denn jede Natur, der wilden Tiere und auch der Vögel, der kriechenden ‹Tiere› und auch der Meerwesen, wird gebändigt und ist gebändigt worden von der menschlichen Natur, aber die Zunge vermag keiner der Menschen zu bändigen, ein ungehaltenes Übel, voll todbringenden Giftes.
Jantzen Jettel – Jak 3,7–8

Die Menschen haben es gelernt, Löwen zu dressieren, Vögeln das Sprechen beizubringen und Delfine aus dem Wasser springen zu lassen, aber die Zunge haben sie nie in den Griff bekommen. Unkontrolliert verbreitet sie ihr tödliches Gift.
Mit ihr sagen wir Gott, unserem Vater, wie toll er ist, und im nächsten Augenblick verfluchen wir einen Menschen, obwohl der ja nach dem Vorbild von Gott gemacht wurde. Gute Wünsche und fiese Aggrosprüche kommen aus demselben Mund. Leute, genau das soll bei euch nicht abgehen!
VolxBibel – Jak 3,7–10

In den 10 Worten/Geboten wird dem Volke Gottes verboten, Lügen oder Schlechtes über andere zu sagen. Aber wie trifft uns dies?

Zunge Die Z. als Werkzeug menschlicher → Sprache kann Urheberin und Mittlerin sowohl vieler Sünden (Jak 3,5ff) als auch des Lobes Gottes sein (Phil 2,11).

Bes. das Buch Hiob, die Psalmen und die Sprüche warnen vor ihr. Sie ist Trägerin der List (Hiob 15,5), Heuchelei (Ps 5,10Röm 3,13) und Lüge (Ps 50,1978,36). Zank (Ps 31,21), Verführung (Spr 6,24), überhaupt Bosheit und Sünde (Hiob 20,12; vgl. Ps 39,2) gehen von der Z. aus. Bildlich bezeichnet man sie als Schlange (Ps 140,4), eine Geißel (Hiob 5,21) oder ein Schwert (Ps 57,564,4).

Die Z. des Gottesfürchtigen dagegen rühmt und preist den Herrn (Ps 66,17126,2) und redet von seiner Gerechtigkeit (Ps 35,28). Der Gottesfürchtige hütet seine Z. vor Trug und Sünde (Hiob 27,4Ps 39,2), weil er weiß, dass kein Wort auf seiner Zunge ist, das Gott nicht kennt (Ps 139,4).

An vielen dieser und anderer Stellen der Bibel kann das bildhaft-konkrete Wort »Zunge« ohne Weiteres durch die dem heutigen Sprachgebrauch gemäßen Wörter »Rede, Worte, Sprache« ersetzt werden.

Lexikon zur Bibel

Der nach dem Ebenbild Gottes erschaffene Mensch (V. 9 ) wurde zum Herrn über die gesamte Schöpfung ernannt ( 1.Mose 1,26 ). Er kann sich, wie Gott es geboten hat, alle Kreaturen der Schöpfung unterwerfen ( 1.Mose 1,28; 9,2 ). Die Zunge aber ist wie eine Schlange voll von tödlichem Gift ( Ps 140,4 ; vgl. 58,2-6 ; die –Schriftrollen vom Toten Meer und andere jüdische Schriften). Auch die stoischen Philosophen befassten sich manchmal mit dem Thema der Herrschaft des Menschen über die Tiere.
Jak 3:9-10 : Auch andere jüdische Lehrer verwiesen auf die Inkonsequenz, die darin liegt, Gott zu loben und gleichzeitig die Menschen, die doch nach seinem Bild geschaffen sind, zu verfluchen; und noch häufiger machten sie warnend deutlich, dass man, was immer man einem anderen Menschen antut, Gott selbst antut, da die Menschen nach seinem Bild geschaffen sind; die Leser des Jakobusbriefes konnten den Verfasser in diesem Punkt also gar nicht missverstehen. Die Passage stellt noch einmal die Form klar, was unter »verfehltem« Reden zu verstehen ist, wie es bereits in 3,1-2 angesprochen wurde: ein widersprüchliches Reden, in dem Gotteslob und Fluch sich mischen; damit ist der Verfasser bei der Grundproblematik, mit der sich sein ganzer Brief auseinander setzt. Sei es nun durch zündende Volksverführung oder durch den Ruf zur Schlacht – die Verfluchung menschlicher Feinde ist unvereinbar mit der Anbetung Gottes, ganz gleich, wie sehr ein solches Verhalten in patriotischen jüdischen Überlieferungen auch gerühmt werden mochte (seit der Makkabäerzeit ).

Kommentar zum Umfeld des Neuen Testaments

In Vers 7 merkt Jakobus an, dass das Tierreich zähmbar und zu bändigen ist. Indem er mit dem Wort Denn beginnt, schlägt er eine Brücke zu den Versen 5-6. Jakobus sagt nicht, dass jedes Geschöpf oder jedes Tier vom Menschen gezähmt worden ist. Das hier verwendete griechische Wort bedeutet „Wesen“. Das Wesen eines jeden Tieres ist vom Menschen gebändigt worden. Es gibt eindeutige, wesenseigene Charakteristika, welche die Tiere in klare Gruppen unterteilen; und jede Kategorie – nicht unbedingt jedes Tier – ist gezähmt worden. Die Kategorien sind jeder Art oder jeden „Wesens“. Der Ausdruck jede Art in diesem Vers gründet sich auf 1 Mose 9,2. Es gibt vier Tierkategorien. Die von ihm erwähnten „Arten“ sind Tiere – gemeint sind laufende Tiere; Vögel – gemeint sind fliegende Tiere; kriechende – also krabbelnde Tiere; und Seetiere, also alle schwimmenden Geschöpfe. Der letzte Ausdruck Seetiere [Dinge im Meer – Anm. d. Übers.] ist ein griechisches Wort, das nur hier im griechischen Text gebraucht wird. Der Ausdruck gebändigt bedeutet nicht domestiziert. Es heißt „untertan machen“, „abschwächen“ oder „Einhalt gebieten“ – ein nur hier und in Markus 5,4 gebrauchtes Wort. In der Gegenwartsform ist das eine von der Menschheit wiederholt beobachtete Tatsache. Der Ausdruck ist gebändigt worden steht im Perfekt und weist darauf hin, dass die Geschichte diese vorangegangene Beobachtung bestätigt. Daher sind alle Kategorien gebändigt und gebändigt worden durch die menschliche Art. Das Griechische betont „die Art“ des Menschen; die „Art“ der Geschöpfe aus der Tierwelt steht der Kontrolle durch menschliche „Art“ offen. Betont wird die Überlegenheit der menschlichen Art über die vier Arten der Tiere, ob sie nun laufen, fliegen, kriechen oder schwimmen.

Arnold Fruchtenbaum – Der Jakobusbrief

Während jedoch alle vier Bereiche der Tierwelt gebändigt oder dem Menschen unterworfen sind, erklärt Jakobus in Vers 8, dass die Zunge nicht gebändigt ist. Das Wort aber hebt diesen Kontrast hervor. Die Zunge aber kann keiner der Menschen bändigen. Kann in der Gegenwartsform lenkt die Aufmerksamkeit auf die ständige Unfähigkeit des Menschen, die Zunge zu zähmen. Wenn Jakobus von keinem der Menschen schreibt, heißt das: Es gibt keine Ausnahmen. Die Betonung liegt hier auf dem Wort „Mensch natürlich“. Das griechische Wort lautet anthropos (z. B. Ursprung des Wortes „Anthropologie“) – es bedeutet „nach Menschenart“. Die Menschheit verfügt nicht über die Fähigkeit, die Zunge zu bändigen. Diese Unfähigkeit ist eine moralische Unfähigkeit, eine Schwäche des menschlichen Willens. Im griechischen Text steht das Wort Mensch am Ende des Satzes, und es heißt wörtlich: „Die Zunge kann nicht gezähmt werden vom Menschen.“ Diese Bedeutung bietet Gott die Möglichkeit, diese Bändigung vorzunehmen. Was der Mensch von Natur aus nicht tun kann, kann Gott übernatürlich tun. Die einzige Möglichkeit für uns, die Zunge zu beherrschen, ist die übernatürliche durch den Heiligen Geist. Andernfalls ist die Zunge ein unstetes Übel. Der griechische Ausdruck für ein unstetes Übel trägt auch die Bedeutung von „instabil“ oder „wankelmütig“ – die Übersetzung in 1,8. Die Aussage: Die Zunge ist unbeständig und unzuverlässig. Hier in diesem Vers lautet die Definition unbeherrscht, unbeherrschbar, ein Instrument der Bosheit, unfähig, zurückgehalten zu werden, und immer geneigt, in lasterhafte Worte auszubrechen. Durch die Bezeichnung rastlos meint Jakobus, dass sie sich immer rührt und ändert; sie entgeht dem menschlichen Zugriff und drosselt alle Versuche ab, sie zu dämpfen. Sie gleicht einem ungebändigten Tier, das hin- und herwandert, bereit, sich auf alles zu stürzen, was ihm zu nahe kommt. Die Art der Zunge ist übel. Das griechische Wort meint „gemein“ und „verroht“ im Wesen. Er fügt hinzu: [Sie ist] voll tödlichen Giftes. Der Einfluss der Zunge ist tödlich. Wörtlich lautet das Griechische „Tod tragend“; es wird nur hier gebraucht. Das Bild ist eine tödliche Schlange wie die in Psalm 58,5 und 140,4.

Arnold Fruchtenbaum – Der Jakobusbrief

Der falsche Gebrauch der Zunge
Beim genauen Lesen des Jakobusbriefes und anderer Stellen in der Bibel wird uns klar, wie wir die Zunge zu Bösem gebrauchen können. Aber lasst uns dies in unserem Leben vermeiden.
1. Gott beschuldigen, wenn man versucht wird (Jak 1,13.14.).
2. Die Mitmenschen verleumden und Geheimnisse enthüllen (Spr 20,19). Wenn die Liebe zu unseren Geschwistern aufrichtig ist, so wird die Zunge keine Gelegenheit haben, ihre Schwachheiten und Fehltritte zur Schau zu stellen. Vielmehr wird die Zunge gebraucht, um sie zurechtzubringen im Geist der Sanftmut (Gal 6,1).
3. Sich grosser Dinge rühmen (Jak 3,5). Wer sich rühmt, hat noch nicht begriffen, was der Apostel Paulus sagt: «Ich weiss, dass in mir … nichts Gutes wohnt.» Wenn wir etwas zu rühmen haben, so rühmen wir uns des Herrn (1 Korither 1,31; Gal 6,14).
4. Den Nächsten richten (Jak 4,12; 5,9; Röm 14,12.13). Das Richten steht allein Gott zu.
5. Schwören und den Namen Gottes missbrauchen (Jak 5,12). Wie viele schenken gerade diesen Worten keine Beachtung!

Der richtige Gebrauch der Zunge
Lasst uns nun die positive Seite beachten und als Kinder Gottes die Zunge in einer für Gott wohlgefälligen Weise gebrauchen!
1. Mit ihr preisen wir den Herrn und Vater (Jak 3,9). Wenn wir die Güte Gottes und seine reiche Gnade betrachten, die uns offenbart und geworden ist im Herrn Jesus, so wird unsere Zunge überfliessen von Dank (Eph 5,20).
2. Mit ihr beten wir zu Gott, dass Er uns Weisheit schenke, uns in allen Umständen des Lebens richtig zu verhalten, dass wir ein gutes Beispiel sein können für unsere Familien, Geschwister und Mitmenschen. Wir dürfen und sollen beten für unsere Verwandten, für alle Heiligen, für das Werk des Herrn, für die Diener Gottes, für alle Menschen und alle, die in Hoheit sind (Eph 6,18 und 1 Timotheus 2,2).
3. Mit ihr singen wir, vor allem dem Herrn, zur Ermunterung für andere und zu unserer eigenen Freude (Ps 51,16; Eph 5,19 und Jak 5,13).
4. Mit ihr ermuntern wir einander (Heb 10,25).
5. Mit ihr trösten wir die anderen (2 Korinther 1,4; 1 Thessalonicher 4,18).

Halte fest 1976