15.Nisan – „und es war Nacht“

Und Gott nannte das Licht Tag, und die Finsternis nannte er Nacht Und es ward Abend und es ward Morgen: erster Tag (O. ein Tag)
Elberfelder 1871 – Gen 1,5

Und Gott nannte das Licht Tag und die Finsternis nannte Er Nacht; und es war Abend und es war Morgen, der erste Tag (H. Tag eins). Dan 8,14.26.
Tafelbibel mit hinzugefügten Sachparallelstellen – Genesis 1,5

Gott rief dem Licht: Tag! und der Finsternis rief er: Nacht!
Abend ward und Morgen ward: Ein Tag.
Buber – Gen 1,5

Das hebräische Wort für „Tag“ in 1. Mose heißt yom. Wenn hinter yom eine Zahl steht, bedeutet es immer einen 24-Stunden-Tag (vgl. 1 Mo 7,11; 2 Mo 16,1). Auch der Wortlaut der Zehn Gebote belegt, dass die Schöpfungswoche aus „24-Stunden-Tagen“ bestand. Auch die Deutung, jeder Schöpfungstag habe 1000 Jahre umfaßt, verursacht Probleme. Denn bei solch einer Annahme wäre Adam gegen Ende des sechsten „Tages“ – des ersten „Tages“ seines Lebens – schon viel älter gewesen als seine in der Bibel angegebene Lebenszeit (1 Mo 5,5).

Siehe T. H. Jemison, „Christian Beliefs“, S. 116.117.

Das Modell für jeden der Schöpfungstage wird hier deutlich: (a) das erschaffende Wort, (b) der Bericht über dessen Wirkung, (c) Gottes Bewertung des Erschaffenen als »gut«, (d) gelegentlich die souveräne Namensgebung und (e) die Zählung eines jeden Tages. Zum Begriff Tag ( yOm ) gibt es zahlreiche Interpretationen: (1) Die Schöpfungstage beziehen sich auf ausgedehnte geologische Zeitalter vor dem Dasein des Menschen auf der Erde; (2) die Tage sind 24-Stunden-Tage, in denen Gott seine schöpferischen Taten offenbarte, die schon vorher geschehen waren; (3) die Tage sind wörtlich zu nehmende 24-Stunden-Tage des göttlichen Handelns. Zugunsten der dritten Sichtweise spricht die Tatsache, daß der Begriff yOm zusammen mit einem Ordnungszahladjektiv (erster, zweiter usw.) einen 24-Stunden-Tag bezeichnet, wo immer sich diese Konstruktion im AT findet. Auch das vierte Gebot( 2Mo 20,11 ) legt diese Auslegung nahe.
Gottes erstes Schöpferwort erzeugte Licht . Die Schönheit und Majestät der Schöpfung durch Gottes Anordnung steht in erhabenem Gegensatz zu den bizzaren Schöpfungsgeschichten der heidnischen Völker. Hier wird die Macht des Wortes Gottes demonstriert. Es war eben dieses Wort, das Israel motivierte, Gott zu vertrauen und zu gehorchen.
Das Licht war natürliches, also physikalisches Licht. Seine Erschaffung war ein unmittelbarer Sieg, weil das Licht die Finsternis vertrieb. Licht und Finsternis sind in der Bibel auch Symbole für Gut und Böse. Hier nahm Gottes Werk seinen Anfang, das im kommenden Zeitalter seinen Höhepunkt erreicht, wenn es keine Finsternis mehr geben wird ( Offb 22,5 ). Israel sollte erkennen, daß Gott das Licht ist und daß die Wahrheit und der Weg bei ihm allein zu finden sind. In der Finsternis Ägyptens ( 2Mo 10,21-24 ) hatten sie das Licht und bei der Befreiung aus Ägypten folgten sie seinem Licht ( 2Mo 13,21 ).

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

Das Werk des ersten Tages in Vers 3 beginnt mit den Worten: Und Gott sprach. So beginnen alle sechs Schöpfungstage (die Verse 6, 9, 14, 20 und 24). Diese Symmetrie zeigt, dass der erste Tag in Vers 3 beginnt und dass die ersten beiden Verse von 1 Mose 1 kein Teil des ersten Schöpfungstages sind. Außerdem ist es das Werk des Logos, des Wortes Gottes – wie es das Johannes-Evangelium in den ersten 3 Versen deutlich macht. Wie es in Psalm 33,6 heißt: Durch Jehovas Wort sind die Himmel gemacht und all ihr Heer durch den Hauch seines Mundes. Die Worte Gottes waren: Es werde Licht. Das Ergebnis: Und es wurde Licht. Das Licht, das am ersten Tag ins Dasein gerufen wurde, unterscheidet sich vom Licht der Sonne, weil die Sonne ja erst am vierten Tag geschaffen werden sollte. Dieses Licht diente als Leuchte für die ersten drei Tage; das war aufgrund der Finsternis aus Vers 2 ein notwendiger erster Schritt. Dieses Strahlen war wohl das Licht der Schechinah-Herrlichkeit, die in 2 Korinther 4,6 erwähnt wird: Denn Gott, der gesagt hat: Aus Finsternis wird Licht leuchten! Er ist es, der in unseren Herzen aufgeleuchtet ist zum Lichtglanz der Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes im Angesicht Jesu Christi. Auch die Rabbiner erkannten, dass es sich hier um ein einzigartiges Licht handelte, dass nicht das Leuchten der Sonne gemeint sein kann. Laut rabbinischer Theologie war es ein besonderes Licht, das nur an diesen sieben Schöpfungstagen funktionierte; danach funktionierte es nicht mehr. Der Befehl es werde ist im Hebräischen ein Wort: yehi. Auch der Satz und es wurde ist im Hebräischen ein Wort: vayehi. Beide Worte – yehi und vayehi – sind mit dem Namen Gottes verwandt, der aus den vier hebräischen Lettern für JHWH besteht. Sie bilden die Quelle des hebräischen Wortes für »sein«. Gott, der ICH BIN, sagte also: Es werde … und es wurde. Das war Gottes erstes ausgesprochenes Wort: yehi – es werde; und dieses Wort ist auch mit Gottes Eigennamen verwandt. Die rabbinische Auslegung dieses Verses besagt: Als Gott sprach Es werde Licht, sollte das offenbaren, dass Gott letzen Endes Israel mit dem Licht des Messias erleuchten wird, von dem geschrieben steht (Zitat aus Jesaja 60,1); das Licht ist dann natürlich der Messias. Darum erhielten sowohl dieser Vers als auch Jesaja 60,1 in der rabbinischen Theologie einen deutlichen messianischen Unterton.

Genesis 1,4 nennt das Ergebnis: Und Gott sah das Licht, dass es gut war; und Gott schied das Licht von der Finsternis. Das Werk des ersten Tages schied das Licht von der Finsternis. So wurde die Dunkelheit aus Vers 2 teilweise beseitigt. Die Beiden – Licht und Finsternis – sollten nun gleichzeitig wirken, allerdings in entgegengesetzten Bereichen. Dies ist die erste von fünf Scheidungen in diesem Kapitel; die anderen vier finden sich in den Versen 6, 7, 14 und 18. Ein rabbinischer Kommentar zu diesem Vers sagt: »Gott sah, dass die Bösen es nicht wert waren, sich des Lichtes zu erfreuen; darum sonderte er es für die Gerechten in der Messianischen Zeit ab.«

In 1 Mose 1,5a erfolgt die Namensgebung: Und Gott nannte das Licht Tag, und die Finsternis nannte er Nacht. Die Namensgebung zeigt in der Bibel einen Akt der obersten Herrschaft. Regenten pflegten zum Erweis ihrer Macht Dinge zu benennen oder deren Namen zu ändern. In 2 Könige 23,34 beispielsweise änderte der Pharao Necho den Namen Eljakims zu Jojakim. In 2 Könige 24,17 änderte Nebukadnezar den Namen Mattanja zu Zedekia. Auf diese Art zeigten diese Könige, dass sie die Vorherrschaft und Kontrolle über den Thron Judas innehatten. Darüber hinaus betont die Namensgebung in der Bibel oft das Wesen, die Essenz oder die Qualität des Benannten. Daher hat Gott nun das Licht und die Finsternis fixiert; ein Licht und eine Finsternis haben einen festen Platz in der Schöpfungsordnung gefunden.

Arnold Fruchtenbaum – Das 1. Buch Mose


Genesis 1,5b nennt die Vollendung des ersten Tages: Und es wurde Abend, und es wurde Morgen: ein Tag. Der Abend wird zuerst genannt, weil der Tag in jüdischer Zeitrechung mit dem Abend beginnt. Der Tag geht von Sonnenuntergang bis Sonnenuntergang. Diese Ausdruckweise »Abend und Morgen« lässt einfach gar nichts anderes als einen Zeitraum von 24 Stunden zu. Der Vers schließt mit den Worten ein Tag – auf Hebräisch jom echad. Hier findet sich die Zahl eins in ihrer Kardinalform (eins) anstelle der Ordnungsform (erster). Alle anderen Tage werden in der Ordnungsform aufgezählt: zweiter, dritter, vierter, fünfter, sechster und siebter Tag (nicht: Tag, Tag zwei, Tag drei, Tag vier, Tag fünf, Tag sechs, Tag sieben). Somit lautet die Lesart nicht »erster Tag«, sondern Tag eins. Eine Erklärung der Rabbiner stammt von Raschi; er behauptet, der Vers sollte mit »Tag des Einen« übersetzt werden, da niemand außer Gott existiert habe; und niemand außer Gott habe irgendeinen Nutzen aus diesem Tag ziehen können. Engel seien erst am zweiten Tag geschaffen worden. Rabbi Nachmanides jedoch verkündete, das Wort erster deute einen Vorgänger an, als es beide schon gegeben habe. In diesem Falle war der zweite noch nicht gekommen. Es gab noch keinen zweiten Tag. Statt daher »erster« zu sagen, sagte Gott »Tag eins«. Nochmals: Das ist rabbinische Theologie; und diese kann manchmal sehr phantasievoll sein. Das Wort echad kann »eins« im absoluten (unteilbaren) oder im zusammengesetzten Sinne bedeuten. Dasselbe Wort wird in 5 Mose 6,4 verwendet 7: Jehova, unser Gott, ist Einer (echad Jehovah). In 15b bezieht sich echad auf eine zusammengesetzte Eins, weil sie von zwei Einheiten gebildet wird: Abend und Morgen.

Das Wort Licht ist fünf Mal zu finden, das Wort Finsternis zwei Maleachi Zählt man diese Erscheinungen zusammen, erhält man sieben. Die Rabbiner nennen zwei Gründe, aus denen fünf Mal das Licht erwähnt wird. Der erste Grund ist, dass fünf Lichter die fünf Bücher der Torah (des Pentateuch) repräsentieren. Der zweite Grund für die fünfmalige Erwähnung des Lichtes ist, dass die fünf Arten des Lichts dargestellt werden: das Licht der Schöpfung; das Licht der Erlösung; das Licht für denjenigen, der Buße tut; das Licht des Tempels; und das Licht der Torah und ihrer Gebote.

Arnold Fruchtenbaum – Das 1. Buch Mose

zu der „Verwandschaft“ des Namens Jehovah mit „es werde“ und „es wurde“ siehe auch diesen Artikel hier...