„bis ich komme“

Jesus spricht zu ihm: Wenn ich will, daß er bleibe, bis ich komme, was geht es dich an? Folge du mir nach. Es ging nun dieses Wort unter die Brüder aus: Jener Jünger stirbt nicht. Und Jesus sprach nicht zu ihm, daß er nicht sterbe, sondern: wenn ich will, daß er bleibe, bis ich komme, was geht es dich an?
Elberfelder 1871 – Joh 21,23

Jesus sagt zu ihm: „Wenn ich will, daß er bleibt, bis ich komme, was geht es dich an? Folge du mir nach!“ Da verbreitete sich die Meinung unter den Brüdern: Dieser Jünger stirbt nicht. Jesus aber hatte nicht gesagt: „Er stirbt nicht“, sondern: „Wenn ich will, daß er bleibt, bis ich komme, was geht es dich an?“
Bruns 2013 – Johannes 21,22-23

Jesus sagt zu ihm: „Wenn ich will, dass er [am Leben] bleibt, bis ich komme, was [kümmert es] dich? Folge du mir!“ Da ging dieses Wort zu den Geschwistern aus, dass jener Jünger nicht sterben würde. Aber Jesus hatte nicht zu ihm gesagt, dass er nicht stirbt, sondern: „Wenn ich will, dass er [am Leben] bleibt, bis ich komme, was [kümmert es] dich?“
Leonberger Bibel – Joh 21,22-23

„Das soll dir doch egal sein, Petrus! Wenn ich das wollte, dass er so lange lebt, bis ich wieder da bin, na und! Hauptsache, du lebst mit mir und tust das, was ich von dir möchte.“ Das war der Grund, warum sich unter den ersten Christen das Gerücht verbreitete, dass dieser Freund von Jesus nicht sterben würde. Aber das hatte Jesus gar nicht gesagt, er meinte nur: „Wenn ich das wollte, dass er noch lebt, bis ich wiederkomme, soll dir doch egal sein!“
VolxBibel – Johannes 21,22-23

Die Heilige Schrift lehrt, dass das Kommen des Messias für den Gläubigen unmittelbar bevorsteht, das heißt, er kann zu jeder Zeit oder zu jedem Zeitpunkt kommen. Zum Beispiel geht aus Johannes 21,20-23 hervor, dass der Messias in den Tagen des Apostels Johannes gekommen sein könnte

Arnold Fruchtenbaum – Die Entrückung der Gemeinde

Mit diesem Wort deutet Jesus an, dass er nicht allen seinen Jüngern dasselbe Ende auferlegt. Der eine preist ihn am Kreuz, der andere bleibt. Das Maß des Dienstes und Leidens der Boten ist verschieden; dennoch ist es ein und derselbe Dienst, eine und dieselbe Jüngerschaft, ein und derselbe Herr, der sie alle führt. Es ist Jesu letztes Wort im Evangelium; es gilt Johannes wie das erste Wort, das er uns erzählt. {Johannes 1,38} Wie er Jesus fand, damit beginnt er; wie Jesus ihm die Apostelarbeit zuteilte, damit schließt er seine Erzählung ab. Der Anfang war, dass der Täufer Jesus bei Israel und den Jüngern einführte; den Schluss bildet, dass Jesus die Seinen in ihre Arbeit einwies.

Jesus erneuert mit seinem letzten Wort den Jüngern zugleich die Verheißung seines Kommens. Weder Petrus noch Johannes führen die Gemeinde zum Ziel; das tut der Christus allein; er allein führt sein Werk auf Erden zu Ende und schafft, allein die vollendete Gemeinde mit dem offenbar gewordenen Leben, die nicht mehr hofft und nicht mehr leidet und nicht mehr am Seufzen der Kreatur teilnehmen muss, sondern die Erfüllung des Gebetes Jesu empfangen hat und seine Herrlichkeit sieht, nicht mehr nur glaubt. {Johannes 17,24} Jesus hat auch jetzt den Blick auf sein Kommen den Seinen nicht in die Ferne gerückt; sie sollen an ihn als den Nahen, immer Bereiten, der nicht durch irgendein Hemmnis gebunden ist, ihr Hoffen heften. Doch hebt Johannes hervor, dass ihm Jesus nicht zusagte, er werde am Leben bleiben bis zu dem Tag der neuen Offenbarung Jesu.

Johannes deutet Jesu Wort nicht so, dass darin die Verheißung läge, Jesus werde kommen, ehe sein Dienst und Leben vollendet sei; vielmehr habe er damit Petrus an die königliche Macht seines Willens erinnert, mit der er die Seinen auch schirmen und erhalten kann, so dass niemand sie antastet, niemand sie gegen ihren Willen gürtet und kein Kreuz für sie errichtet wird, sondern die Seinen bleiben, bis er kommt. Johannes spricht darüber, weil in der Christenheit Jesu Wort zum Teil so verstanden wurde, als hätte Jesus ihm zugesagt, er werde bis zu seiner Wiederkunft am Leben bleiben; das konnte ihr, wenn Jesus ihn nun abruft, ein Anlass zum Zweifel und Anstoß werden. Er selbst steht anders zum Herrn: er legt seinen Lebenslauf in Jesu Hände, bleibt, weil Jesus ihn bleiben heißt und solange er ihn bleiben heißt, und stirbt nicht mit dem Vorwurf: Du hast mir dein Wort nicht gehalten, vielmehr mit lauter Dank und vollendeter Freude im Herzen, weil ihm Jesus seine Liebe gegeben hat und sein Wille in seiner königlichen Hoheit zwar für alle ein Geheimnis, jedoch nichts anderes als reine, volle Gnade ist.

So schließt Johannes mit dem Bild der beiden Jünger, die beide nichts Besseres kennen, als ihren Herrn zu liehen. Beide legen in seinen Dienst ihr ganzes Leben: der eine nimmt das Kreuz aus Jesu Hand entgegen, der andere dagegen überlebt unter Jesu Schutz seine Genossen und wird von einem jüngeren Geschlecht noch mit Ehrfurcht als der betrachtet, der mit dem Herrn selbst gelebt hat. Beide sind mit ihrem Los herzlich einverstanden und haben die fröhliche Gewissheit, dass der Auferstandene ihren Weg geordnet hat, der sie als die Seinen zu seinem Mahle lud und mit ihnen auch in der Herrlichkeit seines ewigen Lebens die volle Gemeinschaft hält.

Der Schlusssatz bezeichnet diesen Jünger als den Zeugen, der mit seinem Wort für die Botschaft, die wir gelesen haben, einsteht und sie niederschrieb.

Schlatter – Erläuterungen zum Neuen Testament

Die Aussage im Zusammenhang mit der Berufung des Jüngers, »den Jesus lieb hatte«, lautete, dass Jesus zu Petrus gesagt hatte: »Was geht’s dich an?« Sie wurde jedoch dahingehend missverstanden, dass der geliebte Jünger nicht sterben, sondern bis zur Rückkehr Jesu leben würde. Hier geht es darum, dass Jesus das Recht hat zu bestimmen, wer den Märtyrertod sterben und wer überleben wird. Nach einer ebenfalls gut bezeugten (wenn auch nicht durchgängigen) Überlieferung war Johannes einer der wenigen ersten Apostel , die nicht das Martyrium erlitten.

Craig Keener Kommentar zum Umfeld des Neuen Testaments

Als „Papsttum“, das ihn zum Oberhirten auch über die andern Hirten macht, darf Petrus seinem Auftrag nicht verstehen. Wie Johannes leben und seinem Herrn dienen wird, „geht Petrus nichts an“. „Einer ist euer Meister, ihr aber seid alle Brüder“ (Mt 23,8). So werden wir dann auch wirklich gerade Petrus und Johannes brüderlich nebeneinander im Dienst finden (Apg 3,1;8,14 und Gal 2,9). Dabei wird Johannes, wie auch hier in unserm Text und im ganzen Evangelium, der Stille sein, der aber ohne die Wortführung offensichtlich in seinem Wesen so wirksam war, dass die Gemeinde ihn als „Säule“ neben Petrus stellte.
Es geht bei den Wegen der Jünger nicht um ein „Schicksal“, das alle in gleicher Weise zu erleiden hätten. Zwar „die Seele einsetzen für die Brüder“ muss jeder, auch Johannes (1 Joh 3,16). Aber dabei gibt es kein Schema. Das Leben und Wirken des Johannes kann völlig anders verlaufen als das des Petrus. Am Kreuz muss Johannes nicht enden. Ein langes Leben kann vor ihm liegen, wenn es Jesus so will, ein Leben bis hin zum Kommen des Herrn. Johannes ist weder damit bevorzugt, noch benachteiligt. Ein treuer Diener des Herrn und ein rechter Zeuge wird man nicht erst durch einen gewaltsamen Tod. Johannes ist nicht geringer als Petrus, wenn er im hohen Alter in der Stille stirbt. Es geht im Leben und Sterben der Jünger nicht nach menschlichen Gedanken und Idealen, es geht nur nach dem Willen des Herrn. Darum kann die Aufforderung an Petrus nur noch einmal heissen: „Du folge mir nach.“ Das „du“ ist dabei im Griechischen betont. Petrus hat sich nicht „umzusehen“ und auf andere zu blicken. Er hat allein seine eigene Aufgabe zu ergreifen und gehorsam nach dem Willen seines Herrn für ihn zu fragen.
Zu achten haben wir noch darauf, wie selbstverständlich Jesus von seinem neuen Kommen sprach: „Wenn ich will, dass er bleibt, bis ich kommen.“ Auch im Johannesevangelium ist die Zukunftsschau nicht in lauter gegenwärtiges Geschehen verwandelt, wie manchmal behauptet wird. Es kann gar nicht anders sein. Sobald die Auferstehung Jesu ernst genommen wird, kann die weitere Geschichte der Gemeinde und der Welt nicht als ein Prozeß aufgefasst werden, der sich im Unbestimmten verliert. Der erhöhte Herr muss sein Werk zum Abschluß bringen, in der Gemeinde und in der Welt. Dazu muss er aufs neue „kommen“.
Über den Zeitpunkt seines Kommens sagt Jesus auch hier so wenig etwas, wie er es sonst getan hat. Aber sein Wort über Johannes löst im Kreise der Brüder, die auf dieses sein Kommen warteten, ein Missverständnis aus. „Es kam nun dieses Wort bei Brüdern auf: Jener Jünger stirbt nicht“, nämlich vor dem Kommen des Herrn und darum überhaupt nicht. An ihm würde sich erfüllen, was auch ein Paulus für sich ersehnte: „Wir wollen lieber nicht entkleidet werden, auf dass das Sterbliche würde verschlungen von dem Leben“ (2 Kor 5,4). Je weiter die Zeit voranschreitet und je länger Johannes lebte, um so gewisser schien es zu sein, dass ihm das Sterben erspart würde. Wir haben an dieser Stelle den Beweis dafür, dass Johannes sehr alt geworden sein muss. Wäre er mit seinem Bruder Jakobus früh hingerichtet worden A, hätten solche Erwägungen gar nicht erst aufkommen können. Wenn der „Nachtrag“ doch von Johannes stammt, dann hätte er hier mit eigener Hand falsche Erwartungen abwehren wollen. Er sieht in dem, was Jesus damals Petrus antwortete, nicht die Zusage, dass er das Kommen Jesu noch lebend erfahren werde. Er ist zum Sterben bereit und hält sich selbst und seinen Brüdern den Wortlaut dessen vor, was Jesus gesagt. Sprächen im Nachtrag aber bereits die Herausgeber des Evangeliums, dann ist der Tod des Apostels erfolgt und seine Schüler und Freunde wollen helfen, ein Erschrecken in den Gemeinden zu überwinden, das durch diesen Tod ausgelöst worden war. „Aber Jesus sprach zu ihm nicht, dass er nicht sterbe, sondern: wenn ich will, dass er bleibt, bis ich komme, was geht es dich an?“

Wuppertaler Studienbibel

»Petrus wandte sich um«: Was steckt in diesen drei griechischen Worten! Der Ort der Szene ist noch derselbe: irgendwo in der Gegend des Petruskirchleins am See Genezareth. Er »wandte sich um«: Also ist er mit Jesus zusammen, langsam gehend, unterwegs. Vielleicht hatte V. 19 (»Folge mir nach!«) sogar einen doppelten Sinn: Komm mit mir ein Stück weiter. Warum wandte sich Petrus um? Dass er die Schritte des folgenden Jüngers gehört habe, ist eine ungenügende Auskunft. Viel mehr muss uns berühren, dass Petrus nicht bei seiner eigenen Sache bleibt. Nach allem Vorausgehenden hätte er wahrhaftig keinen Grund gehabt, sich um andere zu kümmern. Er hätte vielmehr allen Grund gehabt, so konzentriert an Jesus zu bleiben, dass ihn kein Dritter von dieser Konzentration abgelenkt hätte! Aber so ist der alte Mensch: Kaum haben wir Vergeltung und Verheißung empfangen, so haben wir schon wieder Zeit, uns in Dinge hineinzumischen, die uns nichts angehen.

»Er sieht den Jünger, den Jesus liebte, folgen« (V. 20). Statt »folgen« könnte man auch hier übersetzen: »nachfolgen«. Sehr wahrscheinlich druckt das Wort beides aus: das Hinterhergehen und den Willen, ein Nachfolger Jesu zu sein. »Der Jünger, den Jesus liebte«, ist genau wie in Joh 13,23 bezeichnet. Und damit keinerlei Zweifel entstehen, fährt Johannes fort: »Es war der Jünger, der gesagt hatte: Herr, wer ist’s, der dich verrät?« Es handelt sich also um Johannes selbst (vgl. Joh 19,26; 20,2; 21,7 und Joh 13,21ff.).

»Als Petrus nun diesen sah, sagt er zu Jesus: Herr, was wird aber mit diesem?« (V. 21). Manche übersetzen: »Was wird mit dem?« oder: »Was soll dieser?« Geht es Petrus um die Frage, ob Johannes ebenfalls Märtyrer wird? Nach V. 18 erscheint die Begrenzung auf diese Frage als zu eng. In Entsprechung zu V. 18 nimmt man besser an, dass die Frage des Petrus die ganze Zukunft des Johannes umfasst, natürlich auch dessen Lebensausgang. Es fällt auf, dass der Name »Johannes« nicht genannt wird. Stattdessen heißt es zweimal: »dieser«. Vielleicht hat Johannes den Namen aus Bescheidenheit verschwiegen. Er verschweigt seinen Namen ja auch sonst im ganzen Evangelium. Fragt Petrus aus Freundesliebe? Oder aus Eifersucht? Auch die Apostel waren ja Menschen. Wieder muss man zugeben, dass wir nicht mehr wissen, was Petrus damals bewegt hat. Eventuell war es doch eher Eifersucht, die ja durchaus auch unter Freunden und Brüdern aufbrechen kann. Bengel notierte zu Joh 21,21

»Es kommt uns nicht so schwer an, uns dem göttlichen Willen zu überlassen, als den Vorwitz zu verleugnen, der sich so sehr um andere bekümmert, besonders wenn sie uns fast oder gar gleichgestellt sind.«

Die Antwort Jesu in V. 22 klingt schroff: »Wenn ich will, dass er bleibt, bis ich komme, was geht es dich an?« So viel steht jedenfalls fest: Petrus »geht es« jetzt nichts »an«, was aus Johannes wird. Er soll sich ganz auf seine eigene Aufgabe und auf seine Verbindung mit Jesus konzentrieren.

Aber was ist der genaue Sinn der Worte: »Wenn ich will, dass er bleibt, bis ich komme«? Bornhäuser meinte, Johannes solle an Ort und Stelle warten, bis Jesus von seiner Wanderung mit Petrus wieder zurückkehre. Grammatisch ist das möglich (ebenso Zahn). Oder sollen diese Worte bedeuten: »bis ich komme«, um die Johannesoffenbarung mitzuteilen (so Bengel)? Oder bedeuten sie: bis zur Wiederkunft als Weltvollender und Richter? Oder hat Jesus noch gar keine nähere Entscheidung getroffen (so Schneider)? Merkwürdigerweise hat Johannes keine Erläuterung dazu gegeben, im Unterschied zu V. 18 und V. 19. Wollte er deshalb keine Erläuterung geben, weil er noch lebte und erst abwarten wollte, was der geheime Sinn jener Worte war? Fragen über Fragen! Allerdings steht eines fest: Die Deutung, Johannes solle einstweilen an Ort und Stelle warten, bis Jesus seine Wanderung mit Petrus beendet habe, ist ganz unwahrscheinlich. Sonst hätte das Missverständnis von V. 23 gar nicht entstehen können. Dann aber heißt »bleiben«: am Leben bleiben (vgl. 1 Kor 15,6; Phil 1,25; Offb 17,10). Darin ist eingeschlossen, dass Johannes Petrus überleben soll. Das ist in der Tat geschehen. Petrus starb unseres Wissens in der neronischen Christenverfolgung 64 n. Chr. in Rom; Johannes lebte bis ca. 100 n. Chr. Er war offensichtlich derjenige Apostel aus dem Zwölferkreis, der am längsten lebte. Nun können wir noch eine weitere Fehldeutung ausschließen. Die Worte »bis ich komme« können unmöglich die Wiederkunft meinen. Denn Jesus erwartete viele Generationen von Jüngern (Joh 17,20) und eine langdauernde Weltmission (Joh 4,42; 10,16; 20,21-23). Dann aber kann er nicht gleichzeitig Johannes versprochen haben, er werde noch zu dessen Lebzeiten wiederkommen.

V. 23 hilft uns im Verständnis weiter. Johannes berichtet, »unter den Brüdern« habe »sich der Satz (wörtlich: das Wort, die Rede) verbreitet: Jener Jünger stirbt nicht«. Johannes korrigiert diesen Satz: »Aber Jesus hatte nicht zu ihm (= zu Petrus) gesagt: Er stirbt nicht, sondern: Wenn ich will, dass er bleibt, bis ich komme, was geht es dich an?« Dieser 23. Vers ist hochinteressant. Er zeigt uns Folgendes: 1. Die normale Bezeichnung, die die Christen damals für sich selbst gebrauchten, lautete »Brüder«. Dieser Sprachgebrauch geht auf Jesus selbst zurück (vgl. Mt 12,48ff.parr; Mt 23,8; 28,10; Lk 22,32; Joh 20,17). 2. In der Urgemeinde gab es auch Fehldeutungen der Worte Jesu (vgl. 2 Tim 2,18; 2 Petrus 3,16). Die Apostel wehrten sich dagegen, indem sie an den genauen Wortlaut der Aussagen Jesu erinnerten und falsche Deutungen korrigierten. Ein Beispiel dafür ist Joh 21,23 (vgl. noch 2 Thess 2; 2 Petrus 3,14ff.; 1 Joh 4,1ff.). 3. In der Urgemeinde wurden alle Worte Jesu lebhaft »verbreitet« und diskutiert. Sonst hätte Joh 21,23 nicht geschrieben werden müssen. 4. Johannes rechnet ganz klar mit seinem Sterben vor der Wiederkunft Jesu. Sonst hätte er sich nicht gegen den Satz: »Jener Jünger stirbt nicht« gewehrt. Also ist es ausgeschlossen, die Worte »bis ich komme« auf die Wiederkunft Jesu zu beziehen.

Unter diesen Umständen ist die naheliegendste Deutung diejenige, die sich aus einem Vergleich mit den Abschiedsreden ergibt. Dort redet Jesus immer wieder von seinem »Kommen«, wobei dieses Kommen die Ausrüstung mit dem Heiligen Geist bedeutet (vgl. Joh 14,3.18.23; 16,7ff.; Joh 16,22ff.). Vermutlich will Jesus in Joh 21,22 also sagen: »Bis ich im Heiligen Geist zu ihm komme und solange in ihm bleibe, wie es mir gefällt.« Jesus gibt absichtlich kein Datum dafür an, wie lange Johannes noch am Leben »bleiben« soll. Er lässt es als der souveräne Herr offen. Und genauso offen lässt es Johannes in seinem Kommentar. Nur das eine steht für ihn fest, dass er sterben muss.

Im Rückblick auf V. 22 fällt noch eines auf. Jesu letztes Wort heißt ja: »Folge du mir nach!« Dabei ist das »du« im Urtext betont.

Das letzte Wort Jesu an Petrus ist also mutmachend, vorwärtsweisend. Nicht der Tadel bildet den Abschluss, sondern der verheißungsvolle Auftrag. Hat das nicht auch eine symbolische Bedeutung? Jedenfalls stellt Johannes gerade dieses Wort an den Schluss: »Folge du mir nach!« Es lädt ein zur Nachfolge, stellt uns unter den Auftrag Jesu, schließt alle Verheißungen der Nachfolge ein und zielt ganz persönlich auf uns: »Du« – gerade »du«! – »folge mir nach!«

Gerhard Maier – Edition C

Lebe ich – lebst du – so, dass Jesus heute oder morgen wiederkommen könnte?