„Freude im Himmel“

Ich sage euch: Also wird Freude im Himmel sein über einen Sünder, der Buße tut, mehr als über neunundneunzig Gerechte, welche der Buße nicht bedürfen.
Elberfelder 1871 – Lukas 15,7

Ich sage euch: Also wird Freude im Himmel sein über einen Sünder, der Buße tut, mehr als über neunundneunzig Gerechte, die da die Sinnesänderung nicht nötig haben!» -Mt 18,13; Lk 5,32.
Abraham Meister – Lukas 15,7

Ich versichere euch, dass auf dieselbe Weise im Himmel Freude vorhanden sein wird im Hinblick auf nur einen vor Gott schuldigen Menschen, der sich besinnt, wie über 99 Rechtschaffene, solche, die keine Umkehr nötig haben.
Gottes Agenda – Das Neue Testament urtextnah ins heutige Deutsch übersetzt von Andreas Eichberger – Lukas 15,7

ὅτι V. 2. ἔσται Fut. εἰμί; οὕτως χαρά … ἔσται ἐπὶ ἑνὶ ἁμαρτωλῷ … ἢ ἐπί so wird … mehr Freude sein/herrschen über einen Sünder … als über (H-S § 242b). μετα-νοοῦντι Ptz. -νοέω seinen Sinn ändern, Reue empfinden, umkehren; attr. χρείαν ἔχω τινός jmdn./etwas nötig haben, brauchen. μετά-νοια Sinnesänderung, Umkehr, Bekehrung.

Neuer Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament

Gott fordert jeden Menschen auf, Buße zu tun (Apg 17,30). Manche folgen diesem Gebot, andere weigern sich. Hier gibt es nur ein Entweder-oder! Davon, dass jemand nicht genug Buße getan hätte, lesen wir in der Bibel nichts.
Die Schwierigkeit entsteht dadurch, dass Empfindungen der Reue mit der einmaligen Buße des Sündersverwechselt werden. Das Empfinden darüber, wie schlecht unsere Taten gewesen sind, ist veränderlich und kann nicht ausschlaggebend dafür sein, dass wir Vergebung bekommen. Vergebung hängt davon ab, ob wirüberhaupt Buße getan haben – ob wir vor Gott kapituliert und eingestanden haben, dass wir schuldig sind.
Außerdem hat nie jemand genug über seine Sünden Leid getragen, denn Gottes heilige Maßstäbe sind unerreichbar für uns Menschen. In seinen Augen ist eine einzige Sünde schlimmer als für uns alle Sünden der Welt zusammengenommen. Wir sehen die Sünden nie so, wie Gott sie sieht. Doch wer einmal als Sünder über seine Schuld Buße getan hat, darf wissen, dass er neues Leben und ewiges Heil besitzt (Apg 11,18; 2 Korinther 7,10).
Hast du Buße getan und dein Vertrauen allein auf den Herrn Jesus gesetzt? Dann war Freude über dich im Himmel (Lk 15,7.10). Und auch du darfst dich freuen.
Ich sage euch: Ebenso wird Freude im Himmel sein über einen Sünder, der Buße tut. (Lukas 15,7)

Gerrid Setzer – Anker der Seele

Verachtet denn ein Mensch sein Eigentum, ein Hirte ein einziges seiner Schafe? Wenn ihm von seinen hundert ein einziges entläuft, gibt er es nicht auf, weil er noch andere hat, sondern überlässt diese vorerst sich selbst — mögen auch sie sich zerstreuen in den Bergen, in denen er sie weidet, er wird sie schon wiederfinden — und sucht das verirrte! An ihm hat er, wenn er es findet, eine besonders tiefe Freude. Denn die Gefahr des Verlustes hat die Liebe zu dem, was ihm gehört, nicht geschwächt, vielmehr erregt, und darum ist seine Freude, nachdem die Gefahr überwunden ist, besonders stark. Jesus redet hier mit den Jüngern wie mit den Pharisäern, als er ihnen den Willen Gottes über den Sabbat erläuterte. Er macht auch ihnen an der Liebe des Menschen zu seinem Vieh klar, wie die Liebe denkt. An unseren Tieren, deren Wohlsein unser Gewinn ist und deren Verlust uns schädigt, müssen wir harten, lieblosen Menschen lernen, was es heißt, einander liebhaben, und erkennen, dass die

Geringschätzung, die die Schwachen aufgibt und zu trag ist, ihnen zu helfen, Sünde ist. Hier sollen wir es merken, wie die Liebe auch für das Kleine sorgt, dem Verirrten gegenüber nicht schwächer, sondern kräftiger wird und daran, es zu finden und heimzubringen, ihre größte Freude hat. Denn die Gnade Gottes umfasst auch alle Kleinen, die an Jesus glauben.

Schlatter – Erläuterungen zum Neuen Testament

Und endlich: Der Anlass des Gleichnisses zeigt deutlich, wen Jesus meint, wenn Er dem einen Verlorenen die neunundneunzig Nichtverlorenen gegenüberstellt und sie zurücklässt . Er meint die murrenden Pharisäer.
Wie Jesus bisher zeigte, dass sie zum Murren kein Recht haben, sagt Er ihnen jetzt, dass sie in rechter Herzensstellung geradezu eine liebende Mitfreude aussprechen müssten. Der Gedanke des Gleichnisses ist, wenn schon ein Mensch wegen seines wiedergefundenen Schafes die Freunde und Nachbarn zur Mitfreude auffordert, wie viel mehr darf Jesus die Teilnahme an der Freude über die Bekehrung der Sünder beanspruchen?
Die Berechtigung Seines Verlangens, sich über die Bekehrung der Sünder zu freuen, zeigt der letzte Satz des Gleichnisses. Er fordert aber nun die Pharisäer nicht auf, sich mit Ihm zu freuen, sondern hält ihnen vielmehr vor, dass im Himmel die Freude des Heilandes über die Bekehrung auch nur eines einzigen Sünders wirklich mit Ihm mit überströmendem Glücksgefühl geteilt wird. Dieser Hinweis musste die Murrenden in besonderem Maße beschämen. Die Zukunftsform: „Es wird Freude sein“ ist gewählt, um anzudeuten, dass sich die Bekehrung des Sünders bis in die fernsten wiederholen wird.
Der Herr hält den Pharisäern in heiliger Ironie zur Beschämung ein Zweifaches vor: 1. Die Himmelsbewohner freuen sich über die Bekehrung eines Sünders, was ihnen ein Anlass des Murrens ist; 2. die Engel Gottes haben an einem Sünder, der sich bekehrt, mehr Freude als an neunundneunzig Gerechten ihrer Art.

Wuppertaler Studienbibel

Vielmehr entscheidet sich das Verständnis all dieser Worte daran, ob man begreift, was hier inhaltlich gesagt wird: Wer ist der, der das Verlorene reitet, der der gute Hirte heißt, der das Weltgericht vollzieht, der die Misshandelten und Darniederliegenden heilt, die Zerstreuten sammelt, der zu den Verlorenen gesandt ist? Die Frage nach der Würde Jesu beantwortet der, dem es aufgeht, was Jesu Tun, Wirken, Reden bedeutet.

Bei unserem Gleichnis liegt die Würde Jesu in der einfachen Tatsache beschlossen, dass er eben dies Gleichnis, dass er alle unsere drei Gleichnisse erzählt! Er bildet sie, um sein eigenes Verhalten gegenüber den Sündern zu beschreiben, beschreibt es aber so, dass er von Gottes Tun und von Gottes Freude redet. Gott wendet sich zu den Sündern, gerade zu den Sündern, zu denen, auf die er den gleichen Anspruch hat wie auf die Gerechten- die sich aber Von seiner Herde verloren haben. Und Gott freut sich, wenn die Verlorenen wiederkehren. Von Gottes Freude nämlich wird in Lk 15,7 gesprochen; „Freude im Himmel“ heißt so viel wie „Freude bei Gott“.

Der Name Gottes wird ehrerbietig verschwiegen; ebenso im Bekenntnis des verlorenen Sohnes (Lk 15,21): „Ich habe gesündigt gegen den Himmel“, d.h. „gegen Gott“.

Umkehr zu Gott ist Freude. Wir übersetzen das Wort, das Luther mit „Buße tun“ wiedergibt, durch „umkehren“. Buße ist Umkehr, ist Bekehrung! Die Übersetzung „Sinnesänderung“ genügt nicht. Sie entspricht nicht dem Klang der Muttersprache Jesu, sondern sie stammt aus einem Missverständnis des betreffenden griechischen Wortes. Es geht bei der Buße nicht nur um den Sinn, sondern zugleich um das ganze Tun; es geht nicht nur um den Menschen und seinen Sinn, sondern um unser ganzes Verhalten zu Gott. Aber diese Umkehr aus der Verlorenheit und Gottesferne ist nicht. Qual und Angst, sondern über ihr sieht Gottes Freude. – Gewiss, auch Jesus spricht von „Buße in Sack und Asche“ (Mt 11,21), er zeichnet uns die Reue des verlorenen Sohnes. Der Schmerz über das Versäumte, Verdorbene – bis zu Tränen – behält sein Recht. Wenn die Evangelien von Petri Verleugnung erzählen – „Er weinte bitterlich“ -, wenn Jesus den Frauen von Jerusalem sagt: Weinet über euch und über eure Kinder !, wenn Lukas die große Sünderin in ihren Reuetränen zeigt: so ist das alles nicht Sentimentalität, sondern bitterer Ernst. Es ist hier nicht anders um Reue und Umkehr z bestellt als in den Psalmen und in unseren Kirchenliedern: unsere Trennung; von Gott geht an unser innerstes Herz. Aber in dem allen vollzieht sich nicht T eine Leistung der Reue, durch die wir Menschen auf Gott einwirken, auf der; wir dann ausruhen, auf die wir stolz sein könnten. Paulus unterscheidet ein- Z mal (2 Kor7,10) die göttliche Traurigkeit von der Traurigkeit der Welt. Es kann auch bei der Reue eine weltliche Traurigkeit geben, der es nur um die; Folge der Sünde, um die Enttäuschung der eigenen Vortrefflichkeit oder um l Ähnliches geht. Eine solche Traurigkeit, sagt Paulus, führt zum ewigen Tod; eine Traurigkeit aber, die nach Gottes Art ist, führt zur Umkehr und zur ewigen Rettung. Ebenso beschreibt Jesus in der Bergrede das rechte Fasten (Mt 6,16ff.). Fasten ist Zeichen der Trauer, der Reue; und es kann sein, dass solches Fasten sehr am Platze ist. Dann aber, sagt Jesus, „salbe dein Haupt und wasche dein Antlitz“; fast möchte man sagen: Wasche die Tränen ab.; Deine Reue steht vor Gott, und Gott vergibt die Sünde. Noch stärker ist i das Wort: „Können Hochzeitleute fasten, solange der Bräutigam bei ihnen ist?“ (Mk 2,18.19.) Die Pharisäer fasten und die Jünger Johannes des Täufers, und ihr Fasten ist ein Zeichen der Entsagung und der Reue. Aber E bei Jesus ist Hochzeitfreude. So wird in der Geschichte von Zachäus ausdrücklich gesagt (Lk19,6): Zachäus „nahm ihn auf mit Freuden“, – da er nun umkehrt und alles, was er gutmachen kann, wiedergutmacht; und Jesus spricht, dass er gekommen sei, das Verlorene zu suchen (Lk19,8-10).

Diese Freude muss das Kennzeichen der Gegenwart Jesu gewesen sein, im Gegensatz auch zu Johannes dem Täufer (Mt 11,16ff.), mit dem sich Jesus doch sonst in eins setzt (Mt 21,23-27. 32). Diese Freude, so sagen unsere Gleichnisse, ist der Widerschein der ewigen Freude Gottes. Jesus spricht in unserm Gleichnissen Gottes Urteil, Gottes Freude denen zu, die Ohren haben zu hören.

Werden die Pharisäer hören, wie Gottes Ruf in unserem Gleichnis an sie ergeht? Gottes Ruf heißt: Freut euch mit mir. Freut euch, dass die Verlorenen meiner Herde zurückkehren! Seid barmherzig, wie der Vater im Himmel barmherzig ist. Das dritte unserer Gleichnisse wird davon reden, dass die Frommen an Gottes Freude nicht teilnehmen, die Barmherzigkeit Jesu tadeln und lästern, die anderen verachten und, da Gott sie ihnen gleichstellt, sie beneiden. Bedürfen sie wirklich, wie es hier heißt, der Umkehr nicht?

Schniewind – Das Gleichnis vom verlorenen Sohn