reden oder schweigen?

Der Herr aber sprach durch ein Gesicht in der Nacht zu Paulus: Fürchte dich nicht, sondern rede und schweige nicht!
Elberfelder 1871 – Apg 18,9

Der Herr sagte in einer nächtlichen Vision zu Paulus: »Hab keine Angst, sondern verkünde unbeirrt die Gute Nachricht!
Gute Nachricht Bibel – Apostelgeschichte 18,9

Der Herr teilte jedoch dem Paulus durch eine Vision bei Nacht mit: „Hab keine Angst, sondern rede immer wieder und hör bloß nicht auf,
Gottes Agenda – Das Neue Testament urtextnah ins heutige Deutsch übersetzt von Andreas Eichberger – Apg 18,9

In einer nächtlichen Vision sagte der Herr zu Paulus: »Du brauchst dich nicht zu fürchten! Verkünde ´das Evangelium`, und lass dich durch nichts zum Schweigen bringen!
Neue Genfer Übersetzung – Apg 18,9

Jer 1,18.19; Apg 23,11; 2Mo 14,13; Apg 4,29; 2Mo 3,12; Apg 16,9; 23,11; 1Kor 2,3; 2Tim 4,2.

Wer schickt den „Missionar“ in sein Gebiet? Welche Website muß er aufrufen, um zu erfahren, wie es weiter geht?
Sollte sich Paulus nun in die Politik der Stadt einmischen? Über welche Botschaft sollte und wollte Paulus reden?

Die hier geschilderte Form göttlichen Zuspruchs (»fürchte dich nicht … denn ich bin mit dir«) kennen wir vor allem aus dem A.T. (z.B. 1.Mose 15,1; 26,24; 28,15; Jer 1,8; 15,20 ). In der griechischen Literatur erschienen die Götter und Göttinnen den Menschen meist in der Nacht, häufig sogar im Schlaf; aber auch im A.T. offenbaren sich Gott oder seine Engel häufig auf diese Weise (z.B. 1.Mose 26,24; 28,12-15; 31,24 ).

Craig Keener – Kommentar zum Umfeld des Neuen Testaments

Die Frucht seiner Arbeit konnte den Apostel schon zu beständigem Fortschritt ermutigen, da er täglich einige Leute für Christus gewann. Zu dieser Stärkung kommt nun noch der himmlische Zuspruch. Aus demselben schließen wir, dass ihm ein großer Kampf oblag und er in mancherlei Weise heftig umgetrieben wurde. Denn der Herr spricht nicht ins Ungefähre, und für Paulus waren Gesichte keine alltägliche Sache. Vielmehr bedient sich der Herr diese Heilmittels, wenn es nötig ist. Und der Tatbestand zeigt, dass auf dem heiligen Mann eine ungeheure Last von Geschäften lag, unter der er nicht nur schwitzte, sondern ohne eine neue Hilfe und Erquickung sich beinahe hätte aufreiben müssen. Mit gutem Grunde spricht Paulus davon (1. Kor. 2, 3), dass sein Auftreten in Korinth verächtlich war und er in Furcht und Zittern sich dort aufhielt. So wird man annehmen müssen, dass das wunderbar kräftige Wirken des Geistes, welches dem Apostel schon früher zuteil ward, durch den Zuspruch eine neue Stärkung erfuhr. Zwischen einem Gesicht und einem Traum unterscheidet die Schrift (vgl. auch 4. Mos. 12, 6): bei dem Gesicht fand eine Entrückung statt, bei welcher dem Paulus eine bestimmte Erscheinung gegeben ward, aus welcher er Gottes Gegenwart erkannte. Ohne Zweifel machte sich Gott an irgendeinem Zeichen kenntlich.
Fürchte dich nicht. Dieser Zuruf, der bei einer ruhigen und heiteren Lage überflüssig wäre, zeigt, dass Paulus Grund zur Furcht hatte. Der Herr will einen Diener haben, der treulich und wacker seine Pflicht tut; so hebt er damit an, ihn vor Furcht zu warnen. Daraus schließen wir, dass eine reine und freimütige Verkündigung des Evangeliums durch nichts mehr behindert wird als durch die Engigkeit eines furchtsamen Geistes. Die Erfahrung zeigt, dass ein Mensch, dem dieser Fehler im Weg steht, kein treuer und beherzter Diener des Wortes wird. Zum Lehren recht geschickt ist nur, wer die Gabe hat, mit tapferem Geist sich über jede Gefahr zu stellen. Darum schreibt Paulus (2. Tim. 1, 7), dass den Verkündigern des Evangeliums nicht ein Geist der Furcht gegeben ward, sondern der Kraft und der Liebe und der Zucht. Bemerkenswert ist auch die Verbindung: Fürchte dich nicht, sondern rede! Diese Zusammenstellung will besagen: Lass dich nicht durch Furcht am Reden hindern! Übrigens macht uns die Furcht nicht völlig sprachlos, sondern hält uns nur gebunden, so dass wir nicht lauter und freimütig sagen, was nötig ist. Darum rührt Christus in Kürze beides an: Rede und schweige nicht, d. h. rede nicht mit nur halbgeöffnetem Munde! Diese Worte geben den Dienern am Wort die allgemeine Regel, dass sie schlicht, ohne Umschweife und Verhüllungen alles darlegen sollen, was der Herr seine Gemeinde wissen lassen will. Sie sollen nichts unterschlagen, was zu gottgemäßer Erbauung und zum Fortschritt dient.

Jean Calvin – Apostelgeschichte

Immer wieder bestätigte sich die Gewissheit des Apostels, dass durch den Verlauf seiner Arbeit sich nur die schon unsichtbar bestehenden, vom Himmel her begründeten Beziehungen enthüllen, in denen der Herr zu den Menschen steht. Nicht der Apostel erwirbt ein großes Volk für den Herrn; Christus hat es und schickt ihm deshalb durch den Apostel sein Wort, das die aufnehmen, die sein Eigentum sind. In beiden Beziehungen erfüllte sich die Zusage Jesu: zahlreiche Bekehrungen fanden statt, und Paulus blieb gegen Angriffe geschützt. Da Korinth der Sitz des Statthalters von Achaja war, durften die Vorsteher der Judenschaft nichts selbständig unternehmen, und auch die Aufhetzung der städtischen Obrigkeiten konnte ihnen hier nichts helfen. Sie mussten versuchen, ein Urteil des Statthalters gegen Paulus zu erwirken. Als der neue Prokonsul Gallio nach Achaja kam, von dem wir auch sonst einige Nachrichten haben, da er der Bruder Senekas, des stoischen Morallehrers, war, versuchten die Juden, ein Urteil gegen Paulus zu erwirken.

Schlatter – Erläuterungen zum Neuen Testament

Die Situation begann offensichtlich für Paulus und seine Mitarbeiter bedrohlich zu werden. Deshalb erhielt er diesen direkten Zuspruch seines Herrn, der wieder in der Form einer nächtlichen Erscheinung geschah (vgl. Apg 16,9). »Fürchte dich nicht« – diese Redewendung wird in der ntl. Wissenschaft manchmal als »Beschwichtigungsformel« bezeichnet. Mit diesen Worten wurden die Hirten in Bethlehem angesichts der Engelserscheinung beruhigt (Lk 2,10), aber schon Abram, der auch eine Erscheinung Gottes sah, wurde so die Angst genommen. Die Konkordanz weist eine Vielzahl von Stellen aus, an denen diese Formel vorkommt. Hier nun ging es darum, Paulus angesichts der drohenden Gefahr zu ermutigen. Folglich hatte auch er gelegentlich mit der Furcht zu kämpfen, was ja angesichts seiner einschlägigen Erfahrungen nicht verwunderlich ist. Die Mission in Korinth soll weitergehen, ungeachtet der Gefahren, weil Jesus selbst bei seinem Boten ist, wie er es den Jüngern beim Abschied versprochen hatte (Mt 28,20). »Niemand soll dich angreifen, um dir zu schaden.« Angesichts der tatsächlichen späteren Entwicklung (V. 12ff.) wird deutlich, dass Gottes Schutz nicht in den Bereich des Vordergründigen gehört. Paulus wurde angegriffen, man versuchte, ihm zu schaden. Aber da war das Werk in Korinth schon vollendet, die Vollzahl der Erwählten schon erreicht. Das »große Volk in dieser Stadt« war – wieder äußerlich betrachtet ein ziemlich armseliger Haufen, wie die Korintherbriefe zeigen. Und doch wirkte Gott in ihm und durch ihn, dass Menschen das Leben fanden.

Gerhard Maier – Edition C

War damit nicht die Arbeit in Korinth getan? Konnte, ja musste Paulus nicht weiter? Oder sollte er wieder den Sturm abwarten, der ihn mit Gewalt vertrieb? Paulus mag mit solchen Fragen betend vor seinem Herrn gestanden habe und bekommt nun die Antwort: „Es sprach aber der Herr eines Nachts durch ein Gesicht zu Paulus; Fürchte dich nicht, sondern rede und schweige nicht! Denn ich bin mit dir und niemand wird Hand an dich legen, dir Böses anzutun, denn ich habe ein zahlreiches Volk in dieser Stadt.’„ Dieses Wort gibt Paulus wie allen, die im Evangelisationsdienst stehen, den wahren und tiefen Blick in das eigentliche Wesen ihres Tuns. Nicht sie gewinnen durch ihren Einsatz dem Herrn Jesus ein Volk; so denken wir es uns gern in der angeborenen Ichhaftigkeit unseres Herzens. In Wirklichkeit aber ist Jesus gleichsam schon längst vor Paulus in Korinth gewesen und hat sich dort ein großes Volk erwählt – So hat es Paulus auch für die Thessaloniker gesehen: 1 Th 1,4. –

Noch ahnt dieses Volk selber nichts davon, aber der Blick Jesu ist schon auf es gerichtet . Darum hat Jesus überhaupt Paulus nach Korinth geführt, um dieses sein Volk dort durch das Evangelium herauszurufen. Noch aber hat Paulus nicht alle erreicht, die Jesus dort zu seinem Eigentum haben will. Darum fordert ihn der Herr zum getrosten Bleiben und Reden auf. Er versteht das Bangen im Herzen auch eines Paulus nach der ganzen Kette schwerster Erlebnisse: Antiochia, Ikonion, Lystra, Philippi, Thessalonike, Beröa. Auch die großen Boten im alten Bund haben sich gefürchtet vor der Größe und Härte ihres Auftrages und vor dem drohenden Hass der gottlosen oder der frommen Welt. Wie oft erklingt darum das „Fürchte dich nicht!“ und das „Ich bin mit dir!“ aus Gottes Mund (vgl. 2 Mo 3,11.12; Jos 1,6.7.9; Jes 41,20; 43,5; Jer 1,8). Nun redet Jesus, der erhöhte Herr, die Sprache Gottes und sagt seinem Paulus das gleiche zu: „Ich bin mit dir.“ Er gibt ihm die Zusicherung seines Schutzes, so dass es in Korinth anders gehen wird als in jenen Städten.

Wuppertaler Studienbibel

finden wir ein weiteres der vielen Gesichte des Paulus. Es heißt ja: „Wo kein Gesicht da ist, wird ein Volk zügellos“ (Spr 29,18). Mit anderen Worten: Ohne diese Vision des Willens Gottes hätte sich Paulus vielleicht auf neue Arbeitsfelder begeben. Statt dessen wurde ihm gesagt, daß er in Korinth bleiben sollte, weil es dort viele Menschen gab, die Gott im Blick hatte. Für diesen Dienst verhieß ihm Gott sowohl Seine Gegenwart als auch Seinen Schutz. Folglich blieb er eineinhalb Jahre lang da und lehrte das Wort Gottes, indem er sowohl Unbekehrten das Evangelium brachte als auch Gläubige mit der gesamten Schrift erbaute.
 Somit wurde in Korinth eine Gemeinde gegründet. Diesbezügliche Sachverhalte kann man im 1. Korintherbrief finden. Paulus bezeichnete sie als „die Versammlung Gottes, die in Korinth ist“ (1,2), während er ihre Glieder „Heilige“ nannte. Der Brief sollte zwar viele Mißstände in Korinth beheben, richtete sich aber dennoch an „alle, die an jedem Orte den Namen unseres Herrn Jesu Christi anrufen“ (V.2). Paulus erinnerte an Themen seiner Lehre während seines Aufenthaltes bei ihnen: das Evangelium und die Auferstehung Christi (15,1.3) sowie das Mahl des HERRN (11,23). Er erinnerte ebenso an sein Wirken, daran, daß er ihr geistlicher Vater war, der sie in Christus Jesus durch das Evangelium gezeugt (4,15) sowie das Wort Gottes gepflanzt (3,6) und den einen Grund gelegt hatte (3,10). Er beschrieb auch die Wesensart seiner Verkündigung mit den Worten: „Ich nahm mir vor, nichts anderes unter euch zu wissen, als nur Jesus Christus, und ihn als gekreuzigt“
(2,2). Diese Gemeinde war „in ihm … reich gemacht worden … in allem Wort und aller Erkenntnis“ (1,5), wobei er trotz des falschen Gebrauchs dieser Gaben in Kap.12-14 ausführlich darlegte, was Gott in einer Ortsgemeinde erwartet. Das Thema der Prophetie ist in einer Gemeinde entscheidend wichtig, denn von den Korinthern heißt es: „… indem ihr die Offenbarung (A.d.Ü.: „das Kommen“ im Original) unseres Herrn Jesu Christi erwartet“ (1,7). Das Mahl des HERRN sollte man feiern, „bis er kommt“ (11,26). Merkmale wie diese ermöglichen heute einem Gläubigen zu erkennen, welcher Kreis von Christen eine Ortsgemeinde nach dem Willen Gottes bildet. Weitere Merkmale, wie z.B. Ältestenschaft und die Wesensart des Dienstes, kommen in anderen Briefen vor.

Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt

Spannend? Paulus war „Missionar“, der NUR seiner Heimatversammlung verantwortlich war, und der seine Anweisungen direkt von Jehovah erhielt! Kein Internet! Keine Email! Aber auch kein politisches Bestreben! Denn Pauli ganzes Streben war die gute Botschaft über den Herrn Jesus Christus bekannt zu machen! Und wie steht es bei mir? Was mache ich, wenn ich vielleicht keine Heimatversammlung mehr habe?