„bin Christ damit es mir gut geht“?

Und als sie jener Stadt das Evangelium verkündigt und viele zu Jüngern gemacht hatten, kehrten sie nach Lystra und Ikonium und Antiochien zurück, indem sie die Seelen der Jünger befestigten, und sie ermahnten, im Glauben zu verharren, und daß wir durch viele Trübsale (O. Drangsale) in das Reich Gottes eingehen müssen.
Elberfelder 1871 – Apg 14,21–22

Sie reisten wieder über Lystra, Ikonion und Antiochia,  und in allen drei Städten stärkten sie die Jünger ´in ihrem Vertrauen auf Jesusund ermutigten sie dazu, unbeirrt am Glauben festzuhalten. »´Nach Gottes Plan«, so sagten sie zu ihnen, »müssen wir viel Schweres durchmachen, ehe wir in sein Reich kommen.«
Neue Genfer Übersetzung – Apostelgeschichte 14,21–22

Da angekommen, bauten sie erst mal die Christen auf, die noch nicht so lange dabei waren. Sie ermutigten sie, mit Gott voll durchzuziehen. Sie erinnerten sie auch noch einmal dadran, dass der Weg, der in das Land führt, in dem Gott das Sagen hat, echt hart ist und auch viel Schmerzen mit sich bringen kann.
VolxBibel – Apg 14:22

Im Glauben
«Sie befestigten die Seelen der Jünger und ermahnten sie, im Glauben zu verharren, und dass wir durch viele Trübsale in das Reich Gottes eingehen müssen (Apg 14,22).
Paulus und Barnabas besuchten auf ihrer Rückreise nach Antiochien die neuentstandenen Versammlungen in Kleinasien, um die Jünger zu befestigen. Sie ermahnten sie, im Glauben zu verharren.
Glaube war der Ausgangspunkt ihres neuen Lebens. Sie hatten Gott geglaubt, der sagt, dass alle Menschen gesündigt und sein heiliges und gerechtes Gericht verdient haben, und dass es nur einen einzigen Weg der Erlösung gibt: über das Kreuz von Golgatha, wo sein Sohn für fremde Schuld gestorben ist.
Aber das war nur der Anfang. Ihr weiteres Leben auf dieser Erde würde ein Leben des Glaubens sein, wo sie sich nicht am Sichtbaren festhalten konnten. Ihre Berufung war himmlisch. Es war ihnen kein angenehmes Leben inmitten sichtbarer irdischer Segnungen verheissen. Im Gegenteil! Der Weg des Gläubigen ist oft mühsam und gefahrvoll. Er ist alles andere als gemütlich. Gott weiss, wie oft uns der Glaubensblick nach oben fehlt, auf die Fürsorge unseres himmlischen Vaters, und wie leicht wir auf die Umstände und zu Boden schauen, statt im Glauben vorauszublicken an das herrliche Ziel.
An manchen Stellen des Neuen Testaments ist mit «Glaube» das ganze Glaubensgut, die Verheissungen und Lehre, auf die sich der Glaube stützt, gemeint. «Sofern ihr in dem Glauben gegründet und fest bleibt und nicht abbewegt werdet von der Hoffnung des Evangeliums» (Kol 1,23; siehe auch Kol 2,7; 1 Timotheus 1,19; 3,9; 6,20.21). Auch in diesem Sinn sollen wir im Glauben verharren, da die Gefahr besteht, dieses Glaubensgut zu verlieren. Das Wort benützt dafür sehr ernste Ausdrücke: «was den Glauben betrifft, Schiffbruch erleiden», «vom Glauben abirren» oder «hinsichtlich des Glaubens das Ziel verfehlen»
So ist die Aufforderung, im Glauben zu verharren, bestimmt auch für uns geschrieben!

Halte fest 1980

„Sie stärkten die Seelen der Jünger, sie mahnten im Glauben zu bleiben.“ Auch die entschiedenste und klarste Bekehrung ist nur ein Anfang! Es ist eine gefährliche Täuschung, wenn man meint, nun gehe alles „von selber“ weiter. Jetzt gerade kommen die Kämpfe, die Anfechtungen, die Fragen. Ein Christenleben ist nicht ein erbaulicher Spaziergang auf Rosenpfaden, sondern ein gefahrvoller Weg durch Feindesland! Darum bedürfen die Seelen der Jünger der Stärkung und des Zuspruchs! Wie ernst hat ein Paulus diese Aufgabe genommen, jeden einzelnen „wie ein Vater seine eigenen Kinder“ zu ermahnen, ja zu „beschwören“, Gottes und seines Rufes würdig zu wandeln (1 Th 2,11; Apg 20,31)! Im NT ist immer beides zugleich als lebendige Wahrheit da, was logisch sich zu widersprechen scheint: die selige Gewissheit, dass niemand und nichts uns aus der Hand des guten Hirten reißen kann, und die ernste Notwendigkeit, dass wir mit allem Einsatz „im Glauben bleiben“. Wer das eine vom andern in falscher Konsequenz löst, gerät entweder in gefährliche Sicherheit oder in ebenso gefährlichen unruhigen Eifer.
Die beiden Missionare sagen den Gemeinden, was wir lange Zeit viel zu wenig gesagt haben: „… dass wir durch viele Drangsale in das Reich Gottes eingehen müssen.“ Wieder bestätigt der 1. Thessalonicherbrief (3,3 f) diese Angabe des Lukas. Hier sind nicht die Leiden gemeint, die, ganz abgesehen von der Glaubensstellung, jede Kreatur in dieser Welt des Todes treffen. Durch sie kommt man ja doch nicht in das Reich Gottes! Sondern es sind die „Drangsale“ gemeint, die eben durch unsern Glauben an Jesus über uns kommen. Solche „Drangsale“ sind nicht ein unangenehmes Missgeschick, das man eigentlich vermeiden kann und das nur selten und vorübergehend einmal Christen trifft. Nein, mit Notwendigkeit führt der Weg in das Reich Gottes durch sie hindurch. Wir müssen uns fragen, ob wir überhaupt auf dem richtigen Wege in das Reich Gottes sind, wenn wir solchen Drangsalen nicht begegnen. Darum aber stärkt uns umgekehrt das Ziel dieses Weges auch für das Ertragen dessen, was zur Erreichung des Zieles durchlitten werden muss. Denn dieses Ziel ist von einzigartiger Größe und Herrlichkeit: „die Königsherrschaft Gottes“. „In das Reich Gottes eingehen“ ist nicht „in den Himmel kommen“. Wohl ist uns Gutes auch für den „Zwischenzustand“ nach dem leiblichen Sterben verheißen (Lk 23,43; Röm 14,7 f; 2 Kor 5,8; Phil 1,23; Joh 14,3), aber für den Blick der ntst. Männer war das wirklich nur „Zwischenzustand“, auf den das Auge nicht eigentlich gerichtet war. „Reich Gottes“, das sind die mächtigen Ereignisse, in denen Gott durch Jesus seinen weltweiten Plan vollendet. Und dieser Herrlichkeit gegenüber wiegen die Leiden des gegenwärtigen Äons nichts (Röm 8,18; 2 Kor 4,17).

Wuppertaler Studienbibel

Auch in der (wohl recht alten, historisch aber unbedeutenden) Stadt Derbe wird das Evangelium verkündigt, ohne dass Lukas nähere Einzelheiten kennt oder weitergeben will. Einzig von Interesse für uns ist, dass Gajus, ein späterer Mitarbeiter des Paulus, aus dieser Stadt stammte (vgl. Apg 20,4). Insgesamt muss dort eine recht ansehnliche Gemeinde entstanden sein. In dem griech. Wort für »beträchtlich« steckt weniger der Gedanke an die »große Menge«, wohl aber der, dass die schon vorher bestimmte Vollzahl erreicht wurde, mit anderen Worten: dass all jene zum Glauben kamen, die Gottes Plan dazu bestimmt hatte.

Bemerkenswert ist, dass Paulus beginnt, nach den von ihm begründeten Gemeinden zu sehen, und das selbst dann, wenn es für ihn mit Gefahr für Leib und Leben verbunden sein sollte. Er war nicht der Typ des Evangelisten, der einen Ort »evangelisiert«, um dann auf Nimmerwiedersehen zu verschwinden. Er war immer auch Seelsorger, dem es nicht um den zahlenmäßig zu erfassenden »Erfolg« einer Arbeit ging, sondern um die Menschen, die durch ihn in neue Lebensverhältnisse gebracht worden waren. In unserem Text wird das seelsorgerliche Element eben an dem Wort deutlich, dass sie »die Seelen der Jünger stärkten« (V. 22). »Seele« ist im Griechischen (und übrigens auch im Hebr.) nicht mit jenem Akzent des Gefühlvollen belastet wie im Deutschen. Wenn es um die Seele geht, geht es um den ganzen Menschen, um sein Leben, mehr noch: um seine (ewige) Existenz. Nicht nur blasses Mutmachen ist hier gemeint. Seelsorge hat die ewige Existenz des Menschen vor Gott im Blick. Sie schließt selbstverständlich das Mutmachen nicht aus, beschränkt sich aber nicht darauf. Die jungen Christen sollen »im Glauben bleiben«. Hier klingt der Ton des Beharrens trotz Schwierigkeiten und Widerständen mit. Das wird sogleich auch ausgesprochen, wenn die Apostel sagen: »Es ist uns bestimmt, durch viele Bedrängnisse in die Königsherrschaft Gottes einzugehen« (V. 22 b). Dem »Bestimmtsein« haftet wieder der Gedanke des göttlichen Plans an. Die Apostel sahen in ihrem Leiden um Christi Willen einen guten Plan Gottes sich erfüllen. Welchen Sinn aber mag solches Leiden haben? Es mag der Läuterung des Glaubens, auch des Charakters dienen, es mag das Vertrauen auf die eigenen Möglichkeiten läutern, es mag die Glaubwürdigkeit des Zeugnisses verstärken.

Gerhard Maier – Edition C

VV 21–22 Mit εὐαγγελισάμενοι nimmt der Bericht die Notiz von V 7 auf: Die „Apostel“ verkündigten ihre Botschaft auch in Derbe, dem äußersten Punkt ihrer Reise. Die verkürzende Formulierung, die die Stadt selbst als Adressat der Botschaft nennt, deutet zugleich auf den öffentlichen Charakter der Verkündigung hin. Viele „Jünger“ werden gewonnen. Dann kehren Paulus und Barnabas wieder zurück, auf dem gleichen Weg, den sie gekommen waren, „nach Lystra und Ikonium und Antiochia“. Es handelt sich um die gleiche Trias von Städten, die auch 2Tim 3,11 nennt. Daß Lukas mit dieser Trias einer vorgegebenen Tradition folgt, wird auch dadurch ersichtlich, daß er nur von diesen drei Städten berichtet, hier seien die beiden Apostel verfolgt worden (vgl. 2Tim 3,11). Mit dieser Tradition über Verfolgungen hängt wohl auch zusammen, daß gerade von diesen drei Städten gesagt wird, die dortigen Christen seien im Glauben gestärkt worden (V 22). Auch die Einsetzung der Presbyter (V 23) wird, da sie sich zunächst nur auf die genannten Städte bezieht, als Maßnahme der Gemeinde-Konsolidierung angesichts eines angefochtenen Glaubens verstanden sein. Die „Apostel“ stärken „die Seelen der Jünger“. Sie ermahnen sie, „beim Glauben zu bleiben“. Dabei wird in direkter Rede ein Satz christlicher Paraklese zitiert: Es entspricht heilsgeschichtlicher Notwendigkeit (δεῖ) bzw. einer gottverfügten Gesetzmäßigkeit, daß „viele Drangsale“ auf dem Weg zum „Reich Gottes“ begegnen. Die θλίψεις sind notwendigerweise Durchgang zur himmlischen Herrlichkeit. Lukas liest dieses „Gesetz“ u.a. am Weg Jesu ab: Er führte durch Leiden zur Herrlichkeit (Lk 24,26). Deswegen dürfen noch so viele Drangsale die Christen nicht vom Glauben abbringen. Der Satz besagt: „die Leiden, bei denen an Verfolgungen zu denken ist, gehören nicht bloß zur apostolischen, sondern überhaupt zur christlichen Existenz“.

Herders Theologischer Kommentar zum Neuen Testament

Nein, Jehovah ist kein Weihnachtsmann, bei dem man ein „gutes Leben bestellen kann“ … – sondern der Schöpfer, der unseren Gehorsam verdient, weil Er unser Schöpfer ist. Wir werden kein besonders behütetes Leben führen, wenn wir uns entschließen, Ihm heute zu glauben und Seinem Sohn zu folgen. Christen geht es nicht immer gut! Das wirkliche Leben beginnt erst, …