wächst Gott ?

Jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk kommt von oben herab, von dem Vater der Lichter, bei welchem keine Veränderung ist, noch ein Schatten von Wechsel.
Elberfelder 1871 – Jakobus 1,17

Alle gute Gabe und alles vollkommene Geschenk kommt von oben herab, von dem Vater der Lichter, bei dem keine Veränderung ist noch ein Schatten infolge von Wechsel. (1) wie ein solcher Schatten an den Lichtern, d.h. an den Sternen, durch den Wechsel ihrer Stellung manchmal entsteht, z.B. bei Sonnen- und Mondfinsternissen. (a) Mt 7:11; Joh 3:27; Rö 11:29; 1Jo 1:5
Zürcher 1931 – Jak 1,17

Alles, was gut und vollkommen ist, wird uns von oben geschenkt, von Gott, der alle Lichter des Himmels erschuf. Anders als sie ändert er sich nicht, noch wechselt er zwischen Licht und Finsternis.
Neues Leben – Bibel 2006 – Jakobus 1:17

Beim heraussuchen zu diesem Bibelvers bin ich über die unterschiedlichsten Ansichten gestoßen. Unter anderem, dass Gott in seinen Taten noch wachsen würde, dass es keine Zeit gäben würde, wenn Gott nicht die Sterne erschaffen hätte und vieles andere mehr. All diese Gedanken zeigen, dass Menschen nicht die Bibel als Gottes Wort, sondern als ein weiteres interessantes Buch betrachten. Denn der Schlüssel zur Zeit liegt in 1.Mose 1:1 – Erst nach der Zeit wurden die Sterne erschaffen 😉

Aber schauen wir uns zu dem obrigen Vers – aus Jakobus – erst einmal an, was die Menschen damals glaubten:

Statt die Menschen in der Absicht zu versuchen, sie zum Straucheln zu bringen ( 1,12-16 ), schickt Gott ihnen gute Gaben, darunter die geistliche Wiedergeburt (V. 18 ). Die Tatsache, dass Gott der Urheber alles Guten ist, war ein Gemeinplatz der jüdischen und griechischen Weisheitsliteratur. Was im Himmel ist, war für die Menschen der Antike vollkommen, die jüdischen Schriftsteller gebrauchten daher den Ausdruck »von oben« häufig als Synonym für »Gott«. Die Wendung »Vater des Lichts« könnte bedeuten »Schöpfer der Sterne«; für die Heiden waren die Sterne Götter, für die Juden Engel. (Die Kanaanäer in Ugarit hatten El schon vor Urzeiten als »Vater des Lichts« bezeichnet, und in den Schriftrollen vom Toten Meer tragen die höchsten Engel den Titel »Herrscher des Lichts«. In mehreren alttestamentlichen Schriften werden die Sterne als »Lichter« bezeichnet – vgl. 1.Mose 1,14-19; Jer 31,35 .) Die Astronomen der Antike beschrieben an den Himmelskörpern beobachtbare Veränderungen unter anderem mit dem Ausdruck »wandernde Schatten«, für die Philosophen dagegen war das Vollkommene, das, was im Himmel ist, unwandelbar und ohne direkten Bezug zur Erde. Die meisten Menschen der damaligen Zeit glaubten an Astrologie und fürchteten die Macht der Sterne. Jakobus redet hier jedoch nicht etwa der Astrologie das Wort, sondern bezeichnet Gott wie viele andere jüdische Autoren als Herrn der Sterne und bestreitet gleichzeitig, dass Gott auch nur im Geringsten wankelmütig sei, wie es den Gestirnen gern zugeschrieben wurde. Seine Leser konnten der vorliegenden Passage also entnehmen, dass Prüfungen oder Versuchungen, wie sie sie gerade erfuhren, nicht das Resultat eines willkürlich über die Menschen hereinbrechenden Schicksals sind, sondern dass auch in ihnen das Wirken eines treu sorgenden und liebenden Vaters spürbar wird.

Craig Keener – Kommentar zum Umfeld des Neuen Testaments

OK – ähnliche Gedanken kennen wir ja auch heute noch in vielen Religionen.
oder schauen wir uns folgende an:

Von dem Vater der Lichter.
Zieht man den Genitiv τῶν φωτῶν zu τοῦ πατρός (was jedenfalls das Nächstliegende), so kann verglichen werden Apok Mos 35 f.: (Eva sieht, wie die Himmlischen für den gestorbenen Adam beten; sie macht ihren Sohn Seth darauf aufmerksam u. spricht zu ihm:) Wer mögen wohl die beiden Äthiopier sein, die deinem Vater im Gebete beistehn? Da spricht Seth zu seiner Mutter: Das sind Sonne u. Mond; auch sie fallen nieder u. beten für meinen Vater Adam. Spricht Eva zu ihm: Wo ist denn ihr Licht (geblieben)? u. warum sehen sie so schwarz aus? Und Seth spricht zu ihr: Ihr Licht haben sie nicht verloren; aber sie können nicht leuchten angesichts vom Lichte des Alls, dem Vater der Lichter, um deswillen verbarg sich das Licht von ihnen. — Das. 38: Der Erzengel Michael bat den Vater der Lichter um die Beschickung der Überreste (Adams).

Strack_Billerbeck – Kommentar zum Neuen Testament aus Talmud und Midrasch

dieser Teil aus der „Apokalypse des Mose“ könnte auch aus dem Buch Mormon stammen – aber eben NICHT aus der Bibel. Wie das wohl kommt?
Aber schauen wir uns an, was Jakobus eigentlich sagt:

Der Vater der Lichter

Das Buch Jakobus verdient seinen Ruf als eines der praktischeren, bodenständigeren Bücher im Neuen Testament. Aber während wir seinen Reichtum für das christliche Leben ausschöpfen, können wir leicht die kraftvollen theologischen Aussagen übersehen, die in diesem kurzen Brief versteckt sind. Diese hier erscheint im ersten Kapitel (Jak 1,17):

Jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk kommt von oben, vom Vater der Lichter herab, bei dem es keine Veränderung und keinen Schatten durch Wandel gibt.

Jakobus‘ Ausdruck „Vater der Lichter“ ist einzigartig in der Bibel. Das Verständnis dieses Satzes ist entscheidend, um zu verstehen, was er damit meint, dass es bei Gott „keine Veränderung oder Schatten durch Wandel“ gibt. „Vater der Lichter“ weist auf Gottes Rolle als Schöpfer der Sterne und anderer himmlischer Objekte hin. Wir sehen diesen Gedanken sowohl im Schöpfungsbericht als auch in den Psalmen (Gen 1,14-18; Ps 136,7-9; 148,1-5). Ähnliche Formulierungen, die auf dieselbe Idee hinweisen, finden sich sporadisch in anderer altjüdischer Literatur, wie den Schriftrollen vom Toten Meer. 1

Die Himmelskörper markieren die Jahreszeiten und den Ablauf der Zeit (Gen 1,14-18). Sie werden mit Veränderung in Verbindung gebracht. Das Wort, das in Jakobus 1,17 mit „Veränderung“ (griechisch tropē) übersetzt wird, ist ein Substantiv, das an anderer Stelle in der griechischen Literatur verwendet wird, um die Bewegung und Positionierung der Sterne, die jahreszeitlichen Veränderungen und ihre Auswirkungen auf das Land sowie die beiden jährlichen Sonnenwenden zu beschreiben. 2 Jakobus‘ Verwendung von „Veränderung“ mit „Schatten“ deutet auf eine Sonnenfinsternis hin. Sein Punkt ist tiefgründig. Obwohl sich die Lichter – die Himmelskörper – verändern und variieren, tut das ihr Vater nicht. Er ist unerschütterlich.

Aber die Formulierung „Vater der Lichter“ vermittelt mehr als Gottes Rolle als Schöpfer. Sein Charakter und seine Natur unterscheiden sich grundlegend von denen aller anderen göttlichen Wesen. Wie in anderen antiken Kulturen ist auch in jüdischen Schriften der Glaube weit verbreitet, dass die Sterne himmlische Wesen sind. Diese Vorstellung findet sich im Alten Testament, wo die Söhne Gottes metaphorisch als „die Sterne Gottes“ bezeichnet werden (Hiob 38,7). Jakobus‘ Beschreibung von Gott als „Vater der Lichter“ spricht dann von Gott als dem Schöpfer aller himmlischen Wesen – und betont damit, dass sie erschaffen sind und daher minderwertig sind. Gott allein ist ungeschaffen.

Diese Idee wirft auch Licht (Wortspiel beabsichtigt) auf 1 Johannes 1:5, wo Johannes schrieb, dass „Gott Licht ist“. Sein Punkt war nicht, dass Gott Energieteilchen ist – was bedeuten würde, dass Gott Teil der Schöpfung ist, was Johannes an anderer Stelle ausdrücklich verneint (Johannes 1,1-3). Vielmehr verwendet Johannes den Satz metaphorisch und relativiert ihn, indem er sagt, dass in Gott „überhaupt keine Finsternis ist.“ Nur Gott ist ganz und gar wahr und gut.

Unser Vater der Lichter steht allein als derjenige, der die Zeit und ihre Markierungen geschaffen hat. Die Himmelskörper bewegen sich so, wie er es bei der Schöpfung bestimmt hat, während sein Wesen konstant bleibt. Der Urheber der Veränderung ändert sich selbst nicht. Sein Wesen schwankt nie. Der Vater der Lichter schuf die geistigen Wesen, die seine himmlische Heerschar sind (1. Könige 22,19), aber nur er ist beständig wahr und gut. Ihr Wesen mag schwanken. Sein Wille nicht.

Michael S. Heiser – Die Bibel ungefiltert – Annäherung an die Heilige Schrift nach ihren eigenen Bedingungen

Weiter in Vers 17. Jakobus befasst sich mit der Quelle des Guten: Jede gute und vollkommene Gabe kommt von Gott. Die Vorstellung vom gebenden Gott in Vers 5 wird nun weiter ausgeführt. Im Englischen wird für Gabe und Geschenk nur ein einziges Wort gebraucht; der griechische Text [wie auch die Elberfelder Übersetzung] gebraucht zwei verschiedene Worte. Das erste Wort betont die Handlung des Gebens; dieser Begriff wird im Neuen Testament nur zwei Mal gebraucht – hier und in Philipper 4,15. Die Gabe ist gut im Sinne von nützlich und vorteilhaft. Das zweite Wort betont nicht die Handlung, sondern das Geschenk selbst. Das Wort vollkommen bedeutet „vollständig“; diesem Geschenk fehlt nichts. Sowohl die Handlung des Gebens – die gut ist – wie auch das vollkommene Geschenk selbst kommt von oben herab. Das ist die Quelle. Gabe und Geschenk kommen von oben herab; und sie kommen eher aus der himmlischen als aus der irdischen Sphäre. Der Gebrauch der Gegenwartsform deutet an, dass es sich hier um eine andauernde Wahrheit handelt: das vollkommene Geschenk kommt fortwährend von oben herab. Dieser Ausdruck „von oben herab“ ist die wörtliche Übersetzung des griechischen Textes. Gemeint ist, dass diese Gaben fortwährend, andauernd in einem Strom herabkommen – in einer Folge ohne Ende. Alles Gute kommt von ihm. Alles Gute; Nützliche; Vorteilhafte; Gewinnbringende; ebenso alles Vollkommene; Vollständige; Fehlerlose – das alles kommt von ihm. Zuvor hat Jakobus schon Ähnliches von der Weisheit geschrieben. Nun lehrt er, dass dies nicht nur auf die Weisheit zutrifft, sondern auch auf alle anderen guten Dinge, die von Gott kommen. Weiter schreibt er, dass dieses Geschenk vom Vater der Lichter kommt – das ist Jakobus’ Titel für Gott. Nirgends sonst im Neuen Testament wird diese Anrede Gottes gebraucht; sie findet sich jedoch in jüdischer Literatur, etwa in Philo und den Schriftrollen vom Toten Meer. Er ist der Vater – gemeint ist der Urheber – der Lichter. Die Lichter beziehen sich auf die Himmelskörper; gemeint ist, dass er der Schöpfer der Himmelskörper, der Dinge im äußersten Weltall ist. Weil er der Vater der Lichter ist, kann es in ihm keine Veränderung geben. Dieses Wort für Veränderung wird nur hier und nirgendwo sonst gebraucht. Gemeint ist eine innere Veränderung. Gottes Licht ist so vollkommen, dass es keine Abweichung vom festgesetzten Kurs oder Muster zulässt. Die astronomischen Körper haben feste Richtlinien (die Erde braucht eine gewisse Zahl an Monaten, Wochen, Stunden, Minuten und Sekunden für ihre Umkreisung der Sonne, und sie braucht eine festgesetzte Zahl an Stunden, Minuten und Sekunden, um sich um ihre eigene Achse zu drehen). Genauso ist Gott in seinem Wesen. Es gibt keine Veränderung. Zwar mögen die Himmelskörper gewisse Veränderungen zeigen, wenn sie Schatten werfen; Gott aber tut das nicht: [in ihm ist] keines Wechsels Schatten. (Das Gegenteil träfe zu, wenn man vor einem Licht oder im Rad einer Sonnenuhr stünde.) Die griechischen Worte sowohl für Wechsel als auch für Schatten finden wir nur hier und sonst nirgends. Wichtig ist: Das von Gott kommende Licht ist konstant.

Folgendes können wir lernen: Erstens kann es nie eine „Gottesfinsternis“ geben. Zweitens ändert sich das Licht Gottes niemals – es ist beständig und gleichförmig. Drittens – wie in Johannes 1,5 ausgedrückt – gibt es in ihm überhaupt keine Dunkelheit, er ist vollständig Licht. Und viertens gilt in diesem Kontext: Weil Gottes Licht und Gottes Heiligkeit nicht getrübt werden kann, ist er vollkommen unfähig, mit Sünde versucht zu werden oder den Menschen mit Sünde zu versuchen.

Arnold Fruchtenbaum – Der Jakobusbrief