wenn Jehovah sein Volk ruft

Jene (d. h. die Entronnenen aus der Zerstreuung Israels) werden ihre Stimme erheben, werden jubeln. Ob der Majestät Jehovas jauchzen sie vom Meere her: Darum gebet Jehova Ehre im Osten, (Eig in den Lichtgegenden) auf den Inseln des Meeres (d. h. den Inseln und Küstenländern des Mittelländischen Meeres) dem Namen Jehovas, des Gottes Israels!
Elberfelder 1871 – Jes. 24,14–15

Diese werden ihre Stimme erheben, und jauchzen, und von dem Meere aus Gottes Allmacht preisen. Darum preiset Jehova im Osten, und auf den Inseln des Meeres den Namen Jehova’s, des Gottes Israels!
van Ess 1858 – Jesaja 24,14–15

Sie erheben ihre Stimme, sie jubeln, ob der Hoheit Jehovahs lassen sie es ertönen vom Meere her. Darum verherrlicht Jehovah in Urim, auf des Meeres Inseln den Namen Jehovahs, des Gottes Israels. Jes 49,1f; Ps 97,1.
Tafelbibel mit hinzugefügten Sachparallelstellen – Jes. 24:14–15

Jene (d. h. die Entronnenen aus der Zerstreuung Israels) werden ihre Stimme erheben, werden jubeln. Ob der Majestät Jehovas jauchzen sie vom Meere her: Darum gebet Jehova Ehre im Osten, (Eig. in den Lichtgegenden) auf den Inseln des Meeres (d. h. den Inseln und Küstenländern des Mittelländischen Meeres) dem Namen Jehovas, des Gottes Israels!
Paderborner Bibel – Jesaja 24:14–15

Jesaja sieht im Geist bereits die Zerstörung der großen Widersacherin Babylon (V. 10). Anschaulich wird die Trauer und das völlige Entsetzen gemalt (V. 12) und demgegenüber die dankbare Freude im Mittelpunkt der Erde (V. 13), d. h. in Jerusalem, wo die Hoheit des Herrn laut gepriesen wird. Ja, schon hört man von überall her den Grundton dieses Dankliedes: Ehre dem Gerechten (V. 16)!

Bruns 2013 – Die Bibel mit Erklärungen: Erklärungen

Aus der Perspektive JHWHs. Schließlich fehlt jegliche Vorstellung eines irrationalen Schicksals: Kap. 24 zieht aus den vorangehenden zehn Aussprüchen die Bilanz (Kap. 13–23). Hier wurde über alle Völker der damals bekannten Welt, die mächtigen Imperien Babel und Ägypten, das reiche Phönizien, die kleinen angrenzenden Nachbarvölker, das Urteil JHWHs gefällt. Außerdem hat der Prophet das Urteil der Exilierung in seinem eigenen Auftreten als Warnung dargestellt (Kap. 20). Jes 24 liegt die Schlussfolgerung zugrunde, dass das Maß der Bosheit für JHWH voll ist (vgl. Gen 6, 5–7).
Wie das über die Erde gesprochene Urteil Gottes eine nachweisbare Ursache hat, nämlich den Bruch des ewigen Bundes (V 5), so sind auch seine Auswirkungen vorhersehbar: JHWH wird seine Herrschaft ausüben und alle widerwilligen Machthaber in den Kerker der Vergessenheit sperren (V 21–23). Diese neue Weltordnung wird er vom Zion aus begründen. So zeigt sich Jerusalem als Alternative für »die Ortschaft der Ödnis« (V 10).
Aus der Perspektive der Menschen. Wie das Wort »apokalyptisch« bereits vom göttlichen Standpunkt aus keinen geeigneten Terminus für das Geschehen in Kap. 24 darstellt, so ist er auch aus der Perspektive der Menschen unzureichend. Denn inmitten der Zerstörung, wenn die Klage in Stille übergeht (V 11–13), setzt aus allen Himmelsrichtungen ein Lobgesang auf den Gott Israels ein (V 14–16). Es ist die Stimme derjenigen, die den Untergang der sündigen Weltordnung nicht für das absolute Ende halten, sondern in ihm den Beweis erbracht sehen, dass »JHWHs Hoheit« über alles triumphiert. Das Bekenntnis, dass die transzendente Souveränität des Gottes Israels in der Umgestaltung der Welt historisch Gestalt annimmt, überstimmt die Klage über das Böse auf Erden.

Herders Theologischer Kommentar zum Alten Testament

Nicht mehr, wie in den vorhergehenden Kapiteln, handelt es sich in dieser Gerichtsschilderung um die Katastrophe einzelner Völker. Es handelt sich um die Erde, um die Menschheit, die das Ende eines Zeitalters, das Ende ihrer Geschichte und ihrer Kultur erlebt. Denn das Bild, das der Prophet beschreibt, ist Endgeschichte eines Zeitalters, wenn auch noch nicht das Ende der Geschichte überhaupt. Wer den Kulturbolschewismus Russlands in seinem innersten Wesen geschaut hat, der braucht keine nähere Exegese dieser Prophetenworte. Der weiß, wie mit dem Beginn der Machtentfaltung und dem Zukunftsaufbau des Bolschewismus das Ende eines bisherigen Russland gekommen ist. In demselben wird das Gericht, das Altes zerschlug, zum Inhalt für die Zukunft erhoben.
Wird jedoch Gericht innerhalb der Geschichte zum Dauerzustand, zum Inhalt und zum Gesetz für die Zukunft gemacht, nimmt man dem Gericht seine herbe Bedeutung und erhebt man es zum Evangelium für den kommenden Neuaufbau, – dann nivelliert sich das Leben zur Gleichheit, dann hungern Bürger und Bettler, dann ist der Priester wie der Ungläubige, dann herrschen weder Knecht noch Herr, dann sind in ihrem Besitz sich gleich Gläubiger und Schuldner. Und mit seiner Kultur stirbt der Mensch, siecht das Volk: die. Erde wird leer! Der Volksseele ist der Kulturkörper erschlagen, in dem sie atmete, durch den sie wirkte, in dem sie stark und hoffnungsfreudig war. Mit einer untergehenden Kultur stirbt auch die alte Gesellschaft,
„es trauert, es welkt die Erde, weil gebrochen, welk ward die Menschenwelt, gebrochen sind, die die Höhenschicht der Bevölkerung der Erde bilden.“
Wo liegen jedoch die letzten Quellen solch einer Endkatastrophe? Der Prophet deutet sie mit den wenigen Worten an:
„Indem sie die Unterweisungen übertraten, das Gesetz vertauschten, haben sie den für ewig bestehenden Bund vernichtet.“
Auch die Geschichte hat ihre innerlichen Gesetze, die ein Volk nie ungestraft verleugnen kann. Es besteht ein Bund, den Gott auch für den natürlichen Aufbau eines Volkes festgelegt hat. Wird er vernichtet, dann hört ein Volk auf, ein sittlich-geordnetes, organisch-verbundenes, durch strenge Gesetze geleitetes Volk zu sein. Es wird gärende Masse, ungezügelte Macht, herrschendes Chaos. Verliert der Mensch seine höchste Autorität in Gott, dann sucht er bald vergeblich nach einer menschlichen Autorität zur Sicherung seiner Geschichte, zur Pflege seiner Kultur und letzthin zur Erhaltung seiner Existenz.
„Hinfort verzehrt Fluch die Erde, ihre Bewohner sind schuldbeladen, deshalb verzehren sich in Glut (Leidenschaft) die Bürger der Erde, eine gesunkene Menschheit bleibt als winziger Rest.“
Noch war Gottlosigkeit innerhalb der Geschichte immer die Mutter der Kulturlosigkeit. Eine kranke Seele schuf nie einen gesunden Volks- oder Kulturkörper. Siechte sie, dann zerbrach auch ihr Organismus. Er erlag den Kräften, von denen er sich umgeben sah. Je mehr jedoch der Mensch die Kräfte der Erde und den Aufbau der Kultur für die von Gott ihnen angewiesenen Zwecke verwendet, desto mehr wird die physische Natur in den Dienst der sittlichen „Weltzwecke“ gehoben und dann „fördert und segnet Gott die Erde“. Ergreifend ist nun die Schilderung des Propheten, wie in Zeiten, wo die Auflösung jeglicher bisherigen Kultur Dauerzustand wird, jede Freude, aller Genuss, die menschliche Beziehungen sich in öde Leere verwandeln. „In Russland lacht man nicht mehr!“ – sagten die Flüchtenden aus der russischen Sowjetunion. Die Erde beginnt zu schweigen, schweigt der Mensch erst seinem Gott gegenüber.
Erlebt man das Ende eines Kulturzeitalters, dann gibt es kaum ein Entrinnen, weil die umfassende Katastrophe das ganze Leben, alle Kreise, die höchsten Werte erfasst.
„Da wird, wer vor der Stimme der Angst flieht, in die Grube stürzen, und wer aus der Grube emporsteigt, in die Schlinge gefangen werden, denn aus der Höhe sind Schleusen geöffnet, darum erbeben die Grundpfeiler der Erde.“
Und selbst die Würdenträger und Könige der Erde entgehen solch einem Ende nicht,
„sie werden als Gefangene zum Kerker geführt und unter Verschluss gehalten und erst nach vielen Tagen ihrer Bestimmung wiedergegeben werden.“
In solchem Ende der Geschichte, bei solchem Zusammenbruch jeglicher Autorität, wird jedoch sichtbar werden, dass nur ein Thron fest steht, das ist der Stuhl Gottes, und nur eine Majestät nicht wankt, das ist die Herrschaft des Allerhöchsten. Der Prophet drückt es mit den Worten aus:
„Denn König wird Jahve der Heere sein auf dem Berg Zion und in Jerusalem, und denen, die seine Ältesten sind, bleibt die Offenbarungsherrlichkeit.“

Kroeker Jakob – Das lebendige Wort Band 7