Denn gleichwie in dem Adam alle sterben, also werden auch in dem Christus alle lebendig gemacht werden. Elberfelder 1871 – 1.Korinther 15,22
Genauso, wie wir alle sterben müssen, weil wir von Adam abstammen, werden wir alle lebendig gemacht werden, weil wir zu Christus gehören. Neue Genfer Übersetzung 2013 – 1.Korinther 15:22
Genauso wie alle Menschen durch Adam vom Tod erfasst worden sind, so werden auch alle durch den Messias wieder zum Leben erweckt werden. Roland Werner – Das Buch – 2009 – 1.Kor 15,22
ὥσ-περ gleichwie, wie. ἐν in hier = durch Adam verursacht, durch die Verbindung mit Adam (vgl. B I5d). Ἀδάμ indekl., Adam, Stammvater der Menschheit. ζῳο-ποιηθήσονται Fut. Pass. -ποιέω lebendig machen.
Neuer Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament
Von den beiden Stellvertretern, Adam und Christus, kommt Paulus nun auf die, die mit ihnen verbunden sind. Paulus vergleicht beide Personen. Ὥσπερ („wie“) leitet den Vergleich ein und οὕτως („so“) bezieht diesen auf Christus. Das Verb ἀποθνῄσκουσιν („sie sterben“) ist Präsens und zeigt das gegenwärtige Sterben aller Menschen. Das Verb ζῳοποιηθήσονται („sie werden lebendig gemacht werden“) zeigt ein zukünftiges Ereignis an, wobei alle in Christo leben werden, wenn der Herr kommt, dabei ist ἐν τῷ χριστῷ („in Christo“) restriktiv, d.h. nur die in ihm sind, d.h. die Christen, werden lebendig gemacht werden, die anderen werden zum ewigen Tod auferstehen und nicht zum Leben. Dies zeigt auch der nächste Vers.
Peter Streitenberger – 1.Korinther
»Adam« und »Christus« werden als Oberhäupter dargestellt. Als solche handelten sie stellvertretend für andere Menschen, und alle, die mit ihnen verbunden sind, werden von ihren Handlungen betroffen. »Alle«, die von »Adam« abstammen, »sterben«. Auf diese Weise »werden auch in Christus alle lebendig gemacht werden«. Dieser Vers ist manchmal als Beweis für die Lehre einer allgemeinen Erlösung herangezogen worden. Man argumentierte, dass dieselben, die in Adam sterben, in Christus lebendig gemacht werden und dereinst erlöst werden. Doch das ist nicht die Aussage dieses Verses. Die Schlüsselwörter sind »in Adam« und »in Christus«. »Alle«, die »in Adam« sind, »sterben«. Alle, die »in Christus« sind, werden »lebendig gemacht«, d. h. nur an den Herrn Jesus Christus Gläubige werden aus den Toten auferweckt, um mit ihm in Ewigkeit Gemeinschaft zu haben. Mit dem hier befindlichen Ausdruck (»alle«, die »lebendig gemacht werden«) werden in Vers 23 diejenigen definiert, die bei Christi Wiederkunft ihm gehören. Er umfasst nicht die Feinde Christi, denn sie werden »unter seine Füße gelegt« werden (V. 25). Wären sie darin eingeschlossen, wäre dies, wie jemand einmal gesagt hat, eine seltsame Beschreibung des Himmels.
MacDonald – Kommentar zum Neuen Testament
In 15,21.22 erklärt Paulus, wie er sich den Zusammenhang der Auferweckung Christi und der der Toten vorstellt. Er greift auf die biblisch und nachbiblisch verbreitete Vorstellung von Adam als kollektivem Körper der Menschheit zurück. So wie der kollektive Adam den Tod in die Welt bringt (vgl. Röm 5,12), so bringt der kollektive Körper des auferweckten Messias das Leben für alle, für die ganze Menschheit und die Erde. Was meint Paulus hier mit dem Tod, den Adam in das Leben aller Menschen bringt? Das erläutert später 15,45.46. Es ist der Tod, wie er zu jedem lebenden Wesen (psyche zosa 15,45) gehört. Paulus kann das Wort Tod aber auch in einem weiteren Sinn benutzen. Da ist jedes lebende Wesen von einer Macht des Todes bedroht, die weit über das Sterben, wie es zu allem Lebendigen gehört, hinausgeht. Dieser Tod ist eine zerstörerische Macht, die Gott entgegensteht und die als letzter Feind von Gott entmachtet wird (15,26). Dieser Tod ist ein anderer Name für die Sündenmacht. Adam bringt Tod in diesem doppelten Sinn: das Sterben der Lebewesen und ihre Versklavung durch den Tod. Dass auch von einem weiteren Menschen / anthropos gesagt wird, er sei wie Adam kollektiver Körper, wie ein Raum, in (en) dem Menschen leben, findet sich so nicht in der biblischen Schöpfungsgeschichte. Eine zweite Adamsgestalt findet sich in nachbiblischen Adamserzählungen, auch in Sophia / Weisheitserzählungen gibt es Vergleichbares. Der Mensch, der Messias ist Schöpfung Gottes wie Adam und verkörpert das Lebendigwerden aller Menschen. Dass Christus so betont anthropos / Mensch genannt wird (15,21.47), verweist auf die Schöpfungsgeschichte (s. nur Gen 1,26.27; 2,7; 1 Kor 15,45).
Schottroff – Theologischer Kommentar zum Neuen Testament
Und nun zeigt Paulus, wer diese beiden „Menschen“ sind, von denen solche gewaltigen Wirkungen ausgehen. „Denn wie in dem Adam alle sterben, so werden auch in dem Christus alle lebendig gemacht werden.“ Der eine Mensch ist „der Adam“, also der, der ausdrücklich „Adam = Mensch“ heißt. Der Artikel zeigt, daß hier nicht ein einzelner Mensch gemeint ist, der nur gerade diesen Namen trägt, sondern das wirksame Haupt der Menschheit, durch das sie als ganze mit dem unentrinnbaren Sterben beladen worden ist. Paulus formuliert darum, daß „in dem Adam alle sterben“. Ihm steht gegenüber „der Christus“. Auch er ist Glied der Menschheit; aber wie sein Christustitel zeigt, ist er vollends das bestimmende und schaffende Haupt, welches das Leben in die sterbende Menschheit trägt. „In dem Christus werden alle lebendig gemacht werden.“ Auf die Frage nach der Schuld Adams und der entsprechenden Schuldtilgung durch Christus als Voraussetzung der Lebensverleihung geht Paulus hier nicht wie in Rö 5, 12–21 ein. Er bleibt streng bei dem Thema, das ihm jetzt durch die Leugnung der Auferstehung in Korinth gestellt ist. Und auch darauf fällt jetzt nicht sein Blick, daß die Abhängigkeit der Menschheit von „dem Adam“ und von „dem Christus“ eine wesenhaft verschiedene ist und das Wort „alle“ dementsprechend in den beiden Satzhälften, trotz seiner äußeren Gleichheit, einen verschiedenen Inhalt hat. „In dem Adam“ sterben tatsächlich „alle“ Menschen ausnahmslos, denn sie sind von Natur ausnahmslos alle „in dem Adam“, Adamssöhne, „Fleisch“. „In dem Christus“ ist freilich auch für „alle“ ausnahmslos die Möglichkeit geschenkt, zum Leben zu gelangen. Aber tatsächlich sind keineswegs „alle“ Menschen „in dem Christus“. Nur die alle sind es, die zum Glauben an Christus kamen und ein Eigentum Jesu wurden. Nur sie werden im eigentlichen Sinn „in dem Christus lebendig gemacht werden“. In dem Wort „lebendig gemacht werden“ ist jener Ausdruck für „Leben“ („zoe“) enthalten, der im NT auch ohne ein hinzugefügtes „ewig“ in sich selbst schon das eigentliche, echte, dem Tode nicht verfallende Leben bezeichnen kann. Auch die „Verlorenen“ müssen nach ihrem leiblichen Tod „fortleben“, aber dieses Leben „draußen“ (Offb 22, 15) in der „Finsternis“ (Mt 8, 12; 22, 13; 25, 30), „fern von dem Angesicht des Herrn und von seiner heiligen Macht“ (2 Th 1, 9) ist gerade nicht wirkliches „Leben“, sondern ewiger Tod.
de Boor – Wuppertaler Studienbibel
Die Todesgewalt beherrscht »in Adam alle«, »weil sie alle gesündigt haben« (Röm 5,12; vgl. auch 1 Mo 6,5ff.; 8,21; Hi 14,4; Ps 14,3; Mt 15,19; Röm 3,23). Der Mensch ist von Natur Sünder, er ist »Fleisch«. »In Adam« bezeichnet die Verderbnis des menschlichen Herzens; die Adamsnatur ist seit Adam menschliches Sein. »In Christus« ist die Wende der Äonen, »in dem Christus« (es steht – wie bei Adam – betont der Artikel), ist die neue Natur erschienen, und diese erfaßt alle in der Auferstehung der Toten. Doch nicht so, daß alle gerettet würden, aber alle werden auferstehen, die einen zum ewigen Leben, die nämlich hier und jetzt »in Christus« leben, die anderen zum zweiten Tod (vgl. Offb 2,11; 20,6.14). Wie Adam Haupt des Todesgeschickes wurde, so ist der Christus Haupt der Neuschöpfung. Solchen umfassenden Ewigkeitshorizont reißt die Auferstehung Jesu Christi auf. Wer sie leugnet, der leugnet die Macht Jesu Christi.
Edition C Bibelkommentar
Wir wollen nun die Anwesenheit des Artikels vor jedem Namen beachten: „dem Adam“, „dem Christus“ (Elberf, griechischer Grundtext). Das zeigt den entsprechenden Vorrang an: Adam in Bezug auf die alte Schöpfung, Christus in Bezug auf die neue. Betont wird die Gemeinsamkeit jeder Rasse mit dem jeweiligen Haupt. Man beachte auch die veränderte Präposition: In V.21 war es dia, was die Vermittlung bezeichnet, hier ist es en, was die Verbindung ausdrückt. Das erste „alle“ bezieht sich auf alle Menschen, die in Verbindung mit Adam stehen, das zweite nur auf die Gläubigen, die jetzt als „in Christus“ gesehen werden. Einige haben versucht, es als beides umfassend zu betrachten, was einen Universalismus andeuten würde. Es muß aber beachtet werden, daß der Ausdruck „lebendig gemacht“ niemals auf Ungläubige angewendet wird. Siehe Joh 5,21;6,63; Röm 8,11; 1Kor 15,45 .Es ist wahr, daß Christus alle Menschen (Joh 5,28-29) zu unterschiedlichen Zeiten auferwecken wird, aber in diesem Abschnitt geht es nur um Gläubige, solche, die „in Christus“ sind.
Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt
Hier geht Paulus auf die biblische Lehre von den „zwei Adams“ ein. (Er verwendet dieses Argument auch in Röm. 5.) Durch die Sünde des ersten Adams kam der Tod in die Welt; aber durch den letzten Adam (Christus) ist der Tod besiegt worden. Christus ist die Erstlingsfrucht, das heißt, er ist der Erste einer großen Ernte, die noch kommen wird. Christus ist Gottes „letzter Adam“, und er wird das Unrecht, das der erste Adam in diese Welt gebracht hat, rückgängig machen. Wenn Christus kommt, werden die Toten in Christus auferweckt (V. 23 und 1. Thess. 4:13-18). Jesus wird schließlich alle Dinge unter seine Füße legen, auch den Tod. Mit anderen Worten: Wer die Auferstehung der Toten leugnet, leugnet das zukünftige Reich Christi. Wenn Gläubige „tot und weg“ sind, dann ist Gottes Verheißung für die Zukunft null und nichtig.
Wiersbes Erläuterungen zum Neuen Testament
Auch wenn Pessach (Passah) oft die Sfirat HaOmer in den Schatten stellt, hat dieser Feiertag im Neuen Testament eine große Bedeutung und wird mehrfach erwähnt. 1. Korinther 15,20–23 zeigt die entscheidende Verbindung zwischen der Sfirat HaOmer und dem Wirken des Messias. Als Sha’ul die Gläubigen über die Lehre von der Auferstehung unterrichtet, stellt er eine erstaunliche Verbindung zu diesem biblischen Feiertag her: Tatsache ist aber, dass der Messias von den Toten auferweckt wurde, als Erstling der Verstorbenen. Denn wie durch einen Menschen der Tod gekommen ist, so ist auch durch einen Menschen die Auferstehung der Toten gekommen. Denn wie in Verbindung mit Adam alle sterben, so werden in Verbindung mit dem Messias alle lebendig gemacht werden. Aber jeder in seiner eigenen Ordnung: Der Messias ist der Erstling; dann die, die dem Messias angehören, bei seiner Wiederkunft.
Obwohl viele diese Passage als Kommentar zur Reihenfolge der Auferstehung lesen, bezieht sich Sha’ul tatsächlich fachlich auf den heiligen Tag von Sfirat HaOmer. Es geht nicht nur darum, dass Jeschua als Erster leiblich aus dem Grab auferstanden ist, sondern dass er dadurch die direkte Erfüllung des Festes der Erstlingsfrüchte ist! Das ergibt vollkommen Sinn, wenn wir über die Details dieses Tages nachdenken.
Rubin – The Complete Jewish Study Bible: Notes
Die ersten Erstlingsfrüchte deuteten darauf hin, dass es noch spätere Ernten geben würde, denn wenn die Gerste – die früheste landwirtschaftliche Ernte – nur spärlich ausfiel, wäre es unwahrscheinlich, dass es später eine reichliche Ernte geben würde. Wenn die frühen Regenfälle nicht genug Wasser für das Wachstum der Gerste lieferten, wäre der Boden zu trocken, als dass andere Feldfrüchte wachsen könnten. In gewisser Weise war das Ernten der Erstfrüchte und das Darbringen als Opfer an Gott so etwas wie eine Anzahlung auf die noch kommenden guten Ernten.
Paulus muss das im Sinn gehabt haben, als er seine Gedanken zur Auferstehung fortsetzte: Denn wie der Tod durch einen Menschen gekommen ist, so ist auch die Auferstehung der Toten durch einen Menschen gekommen. Denn so wie in Verbindung mit Adam alle sterben, so werden in Verbindung mit dem Messias alle lebendig gemacht werden. Aber jeder in seiner eigenen Reihenfolge: Der Messias ist die Erstlingsfrucht; dann diejenigen, die dem Messias gehören, zum Zeitpunkt seines Kommens; dann der Höhepunkt, wenn er das Reich an Gott den Vater übergibt … Es wird nur einen Augenblick dauern, einen Wimpernschlag, beim letzten Schofar [Widderhorn]. Denn das Schofar wird erschallen, und die Toten werden auferstehen, um ewig zu leben, und auch wir werden verwandelt werden … dann wird sich diese Stelle im Tanach erfüllen: „Der Tod ist verschlungen vom Sieg“ (1. Korinther 15,21–24, 52, 54).
Die endgültige Ernte ist die Auferstehung der gesamten Menschheit, „die einen“, wie Daniel schrieb, „zum ewigen Leben, die anderen zur Schande und ewigen Verachtung“ (12,2). Diejenigen, die ihr Vertrauen auf den Retter Israels, Jeschua, den Messias, gesetzt haben, werden zum ewigen Leben auferweckt werden, denn es steht geschrieben: „Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen und einzigartigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, ewiges Leben hat, anstatt gänzlich vernichtet zu werden“ (Johannes 3,16). Doch das ewige Leben beginnt mit den Erstlingen der Auferstehung. Wenn wir nicht an die historische Tatsache glauben, dass Jeschua buchstäblich von den Toten auferstanden ist, wie können wir dann erwarten, an den Segnungen teilzuhaben, die aus der späteren Auferstehung hervorgehen?
Wenn wir während der Passahzeit über die Auferstehung des Messias nachdenken, können wir – wie die Juden zu Jeschuas Zeiten – mit dem Psalmisten bekräftigen: „Die Erde hat ihre Früchte hervorgebracht; Gott, unser eigener Gott, segnet uns.“ Jeschua, die „Erstlingsfrucht der Auferstehung“, ebnet den Weg für die spätere Auferstehung und das ewige Leben – den größten Segen, den man überhaupt haben kann.
Rubin – Der auferstandene Messias: Erstlingsfrucht der Auferstehung
Da sprach Jesus zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Es sei denn, daß ihr das Fleisch des Sohnes des Menschen esset und sein Blut trinket, (O. gegessen… getrunken habt) so habt ihr kein Leben in euch selbst. Elberfelder 1871 – Johannes 6,53
Da antwortete Jesus ihnen: »Ich sage euch mit allem Nachdruck: Wenn ihr nicht das Fleisch des ewigen Menschensohns als eure Speise annehmt und sein Blut nicht trinkt, dann tragt ihr das wahre Leben nicht in euch! Roland Werner – Das Buch – 2009 – Johannes 6:53
{Der} Jesus sagte also zu ihnen: Amen, Amen (Wahrlich, wahrlich), ich sage Euch, wenn Ihr nicht das Fleisch des Menschensohns (des Sohns des Menschen) eßt und sein Blut drinkt, habt Ihr kein Leben in Euch. offene Bibel – Joh 6,53
Rettung durch eigenen Glauben? Rettung durch Mitgliedschaft in einer Kirche oder Organisation? Oder Rettung durch Jesus Christus? Nur eins von den vielen Möglichkeiten ist wirkliche Rettung!
Neuer Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament
Beim Passahfest wurde zwar das Fleisch des Lammes verzehrt ( 2.Mose 12,8 ), doch das Trinken seines Blutes (oder auch des Blutes irgendeiner anderen Kreatur) war streng verboten ( 3.Mose 17,10-11 ). Ein aufmerksamer Hörer zog hier jedoch sicherlich eine Parallele zu dem »Traubenblut«, von dem in 1.Mose 49,11 die Rede ist; Wein spielte beim Passahmahl ebenfalls eine wichtige Rolle.
Craig Keener – Kommentar zum Umfeld des Neuen Testaments
Das Essen u. Trinken, von dem im Buche Qoheleth die Rede ist, wird später einmal als allegorische Bezeichnung des Torastudiums u. der Übung guter Werke gedeutet.
Midr Qoh 2, 24 (15b): R. Tanchuma (um 380) hat im Namen des R. Nachman b. R. Schemuël b. Nachman (um 300) gesagt u. R. Menachema (um 350) — nach andren R. Jirmeja (um 320) u. R. Meascha (gegen 300) haben es im Namen des R. Schemuël b. Jiçchaq (um 300) gesagt: Bei allem Essen u. Trinken, von dem in dieser Rolle (Qoheleth) geredet wird, redet die Schrift vom Torastudium u. von guten Werken. R. Jona (um 350) hat gesagt: Die Hauptstelle (בִּנְיַן אָב, s. Einl. S. 97 f.) für alle (übrigen Stellen) ist Qoh 8, 15: „Nichts ist besser für den Menschen, als zu essen u. zu trinken …, u. daß dies ihn begleite bei seiner Arbeit“ בעמלו, d. h. בעולמו „in seiner Welt“, nämlich in dieser Welt; „die Tage seines Lebens“, d. h. bis ins Grab. Wie, gibt es denn Speise u. Trank im Grabe, daß sie den Menschen in sein Grab begleiten? Allein diese bezeichnen das Torastudium u. die guten Werke. — Dasselbe Midr Qoh 3, 12 (20a); 5, 17 (29a); 8, 15 (40b).
Strack & Billerbeck – Kommentar zum Neuen Testament aus Talmud und Midrasch
Erneut erkannte Jesus als Allwissender genau, was sie dachten und sagten. Deshalb warnte er sie ernstlich, dass sie kein »kein Leben in« sich selbst hätten, wenn sie nicht sein Fleisch essen und sein Blut trinken würden. Das kann sich nicht auf das Brot und den Wein beim Mahl des Herrn beziehen. Als der Herr dieses Mahl in der Nacht, als er verraten wurde, einsetzte, war sein Leib noch nicht gebrochen und sein Blut noch nicht vergossen worden. Die Jünger hatten an Brot und Wein teil, doch sie aßen nicht im wörtlichen Sinne sein Fleisch und tranken auch nicht sein Blut. Der Herr Jesus sagt hier einfach, dass wir nicht gerettet werden können, wenn wir uns nicht durch den Glauben den Wert seines Todes auf Golgatha zu eigen machen. Wir müssen an ihn glauben, ihn aufnehmen, ihm vertrauen und ihn gewissermaßen »in Besitz nehmen«.
MacDonald – Kommentar zum Neuen Testament
Die folgende Äußerung Jesu wird durch die zum vierten Mal wiederholte Wendung „wahrlich, wahrlich, ich sage euch“ (vgl. V. 26.32.47) als besonders wichtig gekennzeichnet. Exegeten, die an dieser Stelle bereits an die Einsetzung eines Sakramentes denken, verstehen die Worte „wenn ihr nicht das Fleisch des Menschensohns eßt und sein Blut trinkt“ als Hinweis auf die Eucharistie. Wie bereits gesagt, ist der grundlegende Einwand gegen diese These historischer Natur: Jesus stiftete das Sakrament des Heiligen Abendmahls erst ein Jahr später. Auch das „Trinken des Blutes“ ist nur eine kühne Redefigur. Die Juden kannten das Gebot, „daß ihr weder Fett noch Blut esset“ (3Mo 3,17; vgl. 3Mo 17,10-14). Und doch war das Blut das Mittel der Versöhnung. Durch Blut konnte das Leben entsühnt werden (3Mo 17,11). Jesu Hörer müssen von diesen rätselhaften Worten schockiert und völlig verwirrt gewesen sein. Diese Verwirrung löst sich jedoch, wenn man versteht, daß Jesus hier von der Versöhnung sprach, die er durch seinen Tod, durch die Hingabe seines Lebens für die, die ihm gehören, erwirkte (vgl. Joh 6,63). Der Glaube an Christi Tod bringt das ewige Leben (vgl. V. 40.47.50 – 51) und (später) die leibliche Auferstehung (vgl. V. 39 – 40. 44).
Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar
Eine der bewegendsten und oft vergessenen Geschichten über König David stammt aus der Zeit, als er gegen die Philister kämpfte, die seinen Geburtsort Bethlehem besetzt hatten. Unter Davids leidenschaftlichen getreuen Kampfgefährten waren insbesondere drei, die bekannt waren für ihre Tapferkeit und Bereitschaft, alles zu tun, was der König von ihnen verlangte. Als er und seine Männer eines Tages belagert wurden, verlangte David nach einem Getränk und sprach laut aus, wie sehr er sich wünschte, Wasser aus dem Brunnen bei Bethlehem zu trinken – der natürlich wegen der Philister unerreichbar war. Aber das hielt seine drei Helden nicht zurück. Sie gingen los, durchbrachen die Kampflinie der Philister, nahmen Wasser aus dem Brunnen bei Bethlehem und brachten es zu David. David trank es aber nicht. Sein scharfsinniges Gespür für politisches Kalkül war noch größer als sein Durst. „Gott bewahre mich davor“, sagte er, „dass ich das Blut dieser Männer trinke, die ihr Leben aufs Spiel gesetzt haben“ (2. Samuel 23,17; 1. Chronik 11,19). Er wollte nicht als jemand angesehen werden, der von der Bereitschaft derer profitierte, die ihr Leben für ihn riskiert hatten. Er goss das Wasser auf den Boden. Stellen Sie sich bloß mal einen Juden vor, der davon spricht, Blut zu trinken! Eine der bekanntesten der vielen jüdischen Vorschriften über Essen und Trinken lautete, dass Blut absolut verboten war (3. Mose 17,10–14 ist die zentrale Darstellung des Prinzips). Tatsächlich hatte das komplizierte System des koscheren Schlachtens unter anderem das Hauptziel, dass kein Blut im Tier zurückbleiben durfte, weil man sonst riskierte, dieses Blut zu essen oder zu trinken. Natürlich gebrauchte David genau deshalb diesen Satz. Dieses Wasser zu trinken wäre gleichbedeutend mit dem Trinken von Blut. Er würde es nicht, er sollte es nicht, er konnte es nicht tun. Aber die Tatsache, dass Jesus im vorliegenden Zusammenhang davon spricht, „sein Blut zu trinken“, liefert uns einen entscheidenden Schlüssel zur Bedeutung dieses außergewöhnlichen Abschnitts. Er sagt damit: Wer von dem profitieren möchten, was ich tue, muss „mein Fleisch essen“ und „mein Blut trinken“. Wer das tut, wird ewiges Leben haben und ich werde sie oder ihn am jüngsten Tag zum Leben erwecken. Wir können im Licht der Geschichte von David zuversichtlich sagen, dass die tiefere Bedeutung dieses Abschnitts nicht darin besteht, dass alle, die an ihn glauben, Kannibalen werden sollten. Es geht auch nicht darum, dass man immer noch gegen das jüdische Gesetz über das Verzehren von Blut verstoßen würde, wenn man ihn „essen“ und „trinken“ würde. Jesus meint hier das, was David meinte. David lehnte es ab, „das Blut seiner Kameraden zu trinken“ – also davon zu profitieren, dass sie ihr Leben riskierten. Jesus übertrifft als wahrer Messias wieder einmal David: Er wird sein eigenes Leben riskieren – er wird es sogar verlieren; und seine Kameraden werden von diesem Tod profitieren. Sie werden „sein Blut trinken“. Durch seinen Tod und alles, was er bedeutet, wird ihr Durst gelöscht werden. Es ist natürlich möglich, die Sprache vom Essen und Trinken zu „vergeistlichen“, damit sie sich nur auf ein rein innerliches, unkörperliches Geschehen bezieht, auf Meditieren, Feiern und dankbare Kontemplation. All das ist wichtig, aber Johannes besteht hier wie Paulus in 1. Korinther 10 und 11 darauf, dass das „Essen“ und „Trinken“ tatsächlich auch das physische Essen und Trinken mit einschließt. Das Wort für „essen“ in den Versen 54–58 ist tatsächlich ausdrücklich körperlich gemeint. Es wurde von griechischen Rednern häufig in der Bedeutung von „geräuschvoll mampfen“ oder „kauen“ gebraucht und konnte auch zur Beschreibung der geräuschvollen Fressgewohnheiten von Tieren dienen. Folgendes ist gut möglich: Einige Mitglieder der frühen Kirche erinnerten sich aller Wahrscheinlichkeit nach an die Worte Jesu im ursprünglichen Aramäisch, das er sprach. Sie standen vielleicht (verständlicherweise) in der Versuchung, die Bedeutung dieser Worte zu vergeistlichen und damit jedes Gespür zu verlieren, dass Jesus auf ein tatsächliches Essen verweisen wollte. Johannes, der auf Griechisch schrieb, wählt hier absichtlich ein Wort, das dies ausschließt. Die mit Abstand einfachste Erklärung hierfür ist – obwohl sie in den letzten Jahrhunderten sehr kontrovers diskutiert wurde –, dass Johannes die Sprache Jesu hier in Bezug auf die Eucharistie deutet, auf das Abendmahl, das Sakrament, in dem der Leib und das Blut Jesu den Gläubigen auf geheimnisvolle Weise zu essen und trinken angeboten werden. Johannes beschreibt nicht die tatsächliche Mahlzeit beim letzten Abendmahl, wie er auch die eigentliche Taufe von Jesus nicht beschreibt. Wir nehmen an, dass er das nicht tut, weil er es als unwichtig angesehen hätte oder es hätte herunterspielen wollen, sondern weil er davon ausgeht, dass es so bedeutungsvoll ist, dass es in seiner Auswirkung auf die gesamte Geschichte des Evangeliums betrachtet werden muss. Im Anschluss an die Speisung in der Wüste, in der die Brotvermehrung Jesu (wie in den anderen Evangelien) mit Worten beschrieben wird, die den Worten beim Abendmahl sehr ähnlich sind, folgt nun eine lange Rede, auf deren Höhepunkt Jesus nun verkündet: Damit zwischen ihm und seinen gläubigen Nachfolgern eine wahrhaftige Einheit entsteht, ist es notwendig, dass sie sein Fleisch „mampfen“ und sein Blut trinken. Die das tun, werden zu Menschen des wahren Exodus. Im ursprünglichen Exodus hatten die Vorfahren der anwesenden Israeliten das Brot gegessen, das ihnen gegeben wurde, aber sie starben trotzdem. Dieses Brot, dieses Brot des Lebens, also Jesus selbst, wird gegeben, um im Tod gebrochen zu werden, damit diejenigen, die davon essen, nicht sterben werden, sondern in der Gegenwart und Zukunft ewiges Leben haben und am Jüngsten Tag auferweckt werden. Es ist nicht verwunderlich, dass dies damals großes Aufsehen erregte (Vers 52). Es ist heute immer noch so. Doch das, was wir vielleicht als „sakramentales“ Denken bezeichnen, ist für das Johannesevangelium von absolut zentraler Bedeutung. Wenn das Wort Fleisch geworden ist (1,14), sollten wir nicht überrascht sein, wenn dasselbe Prinzip von Gott dazu gedacht ist, sich seinen Weg durch die gesamte Schöpfung zu bahnen. Hier gilt es, sorgfältig das Gleichgewicht zu halten, wie der nächste Abschnitt deutlich machen wird. Wir können uns nicht vorstellen, dass die gesamte Schöpfung in dem Sinne „sakramental“ zu verstehen ist, als ob nichts an ihr falsch ist und als ob jede Erfahrung der geschaffenen Ordnung in irgendeiner Weise mit der Gegenwart Jesu schwanger wäre. Ein solches Denken führt uns direkt in den Pantheismus, Naturmystizismus und Götzendienst. Wir können aber auch nicht davon ausgehen, dass jeder, der das christliche Sakrament unachtsam und ohne echten Glauben zu sich nimmt, irgendwie „magisch“ für immer gerettet ist. Gott lässt sich nicht spotten. Essen und Trinken ist ohne Glauben, ohne den Geist unnütz (siehe Verse 63–64). Aber es bleibt wahr, dass „Gott die Welt so sehr geliebt hat“ (3,16). Diese Welt, die er liebt, hat einst das fleischgewordene Wort beherbergt. Wie ein wunderschönes Kristallglas darauf wartet, mit gutem Wein gefüllt zu werden, so wartet diese Welt auf den Tag, an dem Gott sie vollkommen mit seiner Gegenwart überfluten wird (siehe Römer 8,18–25). Johannes war wie einige andere frühchristliche Autoren bereit, das Brot und den Wein der Eucharistie als Vorgeschmack auf diesen großartigen Augenblick zu verstehen. Mit Sicherheit werden fast alle seine ersten Leser die Verse 53–58 auf diese Weise gelesen haben. Um den Text an dieser Stelle noch besser verstehen zu können, müssen wir etwas tun: nämlich das vollziehen, wozu Jesus uns selbst auffordert, und zwar „in Erinnerung an mich“ (Lukas 22,19; 1. Korinther 11,25).
Wright – Johannes für heute
In Vers 53 betont das doppelte »Amen« die Wichtigkeit der folgenden Aussage. Von 1,51 wissen wir, dass der »Menschensohn« Jesus ist. Der Titel bezeichnet ihn als den himmlischen Messias aus Daniel 7,13. Gerade dann, wenn man weiß, dass man es mit dem himmlischen Messias zu tun hat, wird Vers 53 außerordentlich rätselhaft. Wie passen das irdische »Fleisch« und der himmlische »Menschensohn« zusammen? Wie sollen die Menschen sein »Fleisch essen«? Wie sollen sie sein »Blut trinken«, da überdies der Blutgenuss im AT verboten ist (3Mose 3,17; 17,10ff.)? Alle diese Rätsel lösen sich, wenn man erkennt, dass Jesus von der Taufe an wusste, dass er gerade als der himmlische Menschensohn den Sühnetod sterben musste. Hier gibt er »Fleisch und Blut« – nach den Abendmahlsberichten »Leib und Blut« – zum Opfer hin. Dieses Opfer bedarf aber der persönlichen Aneignung, um für den Betreffenden hilfreich zu sein. Eben diese innige persönliche Aneignung bezeichnet Jesus mit den realistischen Begriffen »essen und trinken«. Wer den gekreuzigten Jesus so innig und persönlich als Erlöser annimmt, der hat das ewige »Leben in« sich. Eine Beziehung zum Abendmahl ist sicher gegeben. Aber das Abendmahl ist nur eine Konsequenz und eine Konkretisierung des Glaubens, der eben als enge Glaubensverbindung durch die Worte »essen« und »trinken« beschrieben wird. Eine Beschränkung auf das Abendmahl widerspricht dem Zusammenhang der Worte in Johannes 6. Einige Einzelheiten sind noch abzuklären: Dass der Menschensohn sein Leben als Opfer hingeben sollte, war für den Juden dann verständlich, wenn er Menschensohn und Gottesknecht, Daniel 7 und Jesaja 53, zusammenschaute als Beschreibungen ein und desselben Messias. 2. Dass man eine geistliche und glaubensmäßige Aneignung als »essen« und »trinken« bezeichnen konnte, ergibt sich aus Sprüche 9,2ff.; Jesaja 44,3 und Jes 55,1ff. Auch hierzu besaßen also die Juden einen Zugang. 3. Dass man gerade »Blut« in einem positiv-geistlichen Sinne genießen kann, ergibt sich aus 3Mose 17,11, wonach »das Blut die Entsühnung ist« (vgl. Heb 9,22). Man darf also nicht sagen, dass die Juden die Worte Jesu in Johannes 6,53ff. nicht verstehen konnten.
Gerhard Maier – Edition C
Jesus gibt keine Erklärung für das, was er gesagt hat. Er bekräftigt die Wirklichkeit und Wichtigkeit der Sache mit einem „Wahrlich, wahrlich ich sage euch“ und verschärft die anstößige Formulierung, indem er nun ausdrücklich vom „Essen seines Fleisches“ und vom „Trinken seines Blutes“ spricht und daran den Besitz des wahren Lebens knüpft. „Wahrlich, wahrlich ich sage euch, wenn ihr nicht eßt das Fleisch des Menschensohnes und trinkt sein Blut, habt ihr nicht Leben in euch.“ Alles, was sie jetzt in sich tragen, auch an religiösem Leben und zelotischer Aktivität, ist kein wirkliches „Leben“. Gerade die Galiläer, die „Gottes Werke wirken wollen“, müssen es sich gesagt sein lassen, daß das Heil genau in der entgegengesetzten Richtung liegt: in der Annahme dessen, was der Menschensohn-Messias blutend und sterbend für sie tun wird. Ob es den Galiläern (und uns!) gefällt oder nicht, die Unausweichlichkeit der Tatsachen ist wichtiger als alles „Erklären“. Das Bild des „Essens und Trinkens“ ist dabei hilfreich. Wir alle ernähren unser irdisches Leben, auch wenn wir die geheimnisvollen Vorgänge, in denen das geschieht, nicht verstehen und erklären können. Jesus nennt sich hier mit dem Hoheitstitel „der Menschensohn“. Er unterstreicht dadurch, daß gerade der Danielsche Menschensohn zu seiner ewigen Herrschaft nur dadurch kommt, daß er Fleisch wird und dieses Fleisch opfert. Nur als geopfertes kann es ja „gegessen“ werden. Mit dem „Fleisch“ verbindet sich das „Blut“. Und auch dieses kann erst „getrunken“ werden, wenn es vergossenes Blut ist. Das herrliche Endziel, auf das der Menschensohntitel besonders hinweist, ist nur zu erreichen auf dem Weg durch die Tiefen der Leiden und des Todes. Das ist das eigentliche Evangelium, das „Wort vom Kreuz“, das hier Jesus selbst den Galiläern vor Augen stellt. So will und muß der „Menschensohn“ angenommen, aufgenommen, „gegessen“ und „getrunken“ werden, wenn das äonische Leben erlangt werden soll. Nur von dem, der ihn so in seinem hingeopferten Fleisch und Blut aufnimmt, kann Jesus es sagen: „und ich werde ihn auferwecken am letzten Tage.“ An dieser Stelle erst erhält das schon mehrfach ausgesprochene Wort Jesu (5, 26; 6, 39. 40. 44) seine ganze Deutlichkeit und seine volle Wahrheit. Es geht tatsächlich um den entscheidenden Punkt des Evangeliums. Gerade die Darstellung, die Johannes von Jesus gibt, konnte zu der Auffassung verleiten, es handle sich bei ihm um einen „vergeistigten“ Christus, den wir bruchlos und immittelbar aufnehmen können, um in ihm das wahre Leben zu haben. „Zu Jesus kommen“ und „an Jesus glauben“, das scheint direkt und ohne weiteres möglich zu sein. Vielleicht beruht die Beliebtheit des Johannesevangeliums gerade bei „religiösen“ und geistig hochstehenden Menschen auf diesem Mißverständnis, bei dem es ein Christentum ohne das anstößige Wort vom Kreuz und ohne das abstoßende Wort vom rettenden und reinigenden Blut zu geben scheint.
de Boor – Wuppertaler Studienbibel
In diesem Vers wird ein neuer Gedanke eingeführt, der des Blutes des Menschensohnes. Es ist das Blut des Opfers, ein zum herannahenden Passah besonders passendes Thema, wurde doch bei jenem Fest das Blut des Passahlammes vergossen. Dieser Hinweis erklärt, was der Herr meinte, als er in V.51 vom Geben Seines Fleisches sprach. Sein Opfer würde mit Seinem Tod enden, eine Wahrheit, die diesen jüdischen Ungläubigen nicht bekannt war, obwohl ihre Obersten bereits auf Seinen Tod sannen (aber nicht an den Opfercharakter Seines Todes dachten). Wie der Herr dem Apostel Johannes auf der Insel Patmos gesagt hatte: Obwohl Er der Lebendige war, war Er in den Tod gegangen (Offb 1,18). Sowohl essen als auch trinken bedeutet, sich im Glauben etwas aneignen. Diese beiden Verben weisen nicht auf Kontinuität hin, denn sie stehen beide im Aorist. Damit sprechen sie von einer einmaligen Aneignung, die zum Besitz des ewigen Lebens führt. Von Kontinuität ist in V.56 die Rede. Ritualistisch eingestellte Leute verbinden diese Handlung gerne mit der Eucharistie (was dem entspricht, was das Mahl des Herrn für die Gläubigen ist). Aber es besteht kein Zusammenhang zwischen dem Fleisch und dem Blut in diesem Vers und dem Leib und dem Blut (dem Brot und dem Kelch) bei der Einsetzung des Brotbrechens (Mt 26,26-28). In Joh 6,53 geht es um die anfängliche Aneignung; es ist der Grundsatz der Abkehr vom Unglauben und Hinkehr zum Glauben, vom Tod zum Leben, von der Finsternis zum Licht. Aber das Brotbrechen ist ein Akt des Gedächtnisses und der Anbetung an jedem ersten Tag der Woche und ist für solche, die bereits gläubig sind. Ersteres ist ein Anfang, letzteres etwas fortwährend Praktiziertes. Ersteres geschieht ein für allemal, letzteres Woche für Woche, nämlich „so oft, als“ (1Kor 11,26). Wenn ersterer Akt der Aneignung nicht geschieht, dann sagt der Herr „habt ihr kein Leben in euch“; nimmt man hingegen am Brotbrechen nicht teil, dann ist man nicht ohne Leben, sondern demonstriert damit lediglich geistliche Schwachheit.
Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt
So wie die Nahrung, die in den Körper aufgenommen wird, ein Teil des Körpers wird, wird der Messias ein Teil der Person, die ihren Glauben an ihn setzt. Er wird in dieser Person leben, und diese Person wiederum wird im Messias leben. Jeschua wiederholte, dass er das Brot ist, das vom Himmel herabgekommen ist und ewiges Leben hervorbringen wird (Johannes 6:58). Das Manna sorgte für das physische Leben in der Wüste, aber es gab kein ewiges Leben.
Arnold Fruchtenbaum – Jeschua – Das Leben des Messias aus einer messianisch-jüdischen Perspektive
Bei Greisen ist Weisheit, und Einsicht bei hohem Alter Elberfelder 1871 – Hiob 12,12
Bei den Greisen ist Weisheit, Länge der Tage, das heißt Vernunft: Buber & Rosenzweig – Hiob 12:12
Bei den Bejahrten ist die Weisheit? Bei hohen Tagen Einsicht? Tur-Sinai 2022 – Hiob 12,12
Ja, bei den Großvätern ist die Weisheit und der Verstand bei den Alten. Luther & Osiander – Luther Studienbibel – Hiob 12:12
Auf den ersten Eindruck könnte man diesen Vers dafür verwenden, Menschen „in die Arme“ von Ältesten und Pastoren zu treiben. Aber hatte das Hiob das im Sinn? Einige Kommentare:
Das Sprichwort besagt: Der Mensch hat nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht, Worte zu prüfen. Die Sprüche der Väter sind nicht schon deshalb wahr, weil sie gegründet sind »auf das Alter ihrer Autoren und das Gewicht ehrwürdiger Tradition«. Der Mensch muß sie prüfen und darf sie nicht einfach kritiklos hinnehmen. Auf die Belehrung der Freunde durch Hiob folgt ein Hymnus auf die Weisheit und die Kraft Gottes.
Bräumer – Wuppertaler Studienbibel
Wer von jungen Leuten lernt, wem gleicht er? Dem, der unreife Trauben geniesst, welche dem Geschmack nicht munden, und Wein aus der Kelter trinkt, der wohl einen süssen, angenehmen Geschmack hat, der aber keine Kraft besitzt und durch die darin enthaltene Hefe der Gesundheit nicht zuträglich ist. In gleicher Weise fehlt der Jugend Besonnenheit, Reife und Erfahrung, den Lehrstoff gründlich, verständlich und anziehend zu lehren. Wer aber von alten Leuten lernt, wem gleicht er? Dem, der reife Trauben geniesst, deren Geschmack angenehm ist, und alten Wein trinkt, der gut schmeckt, rein ist und auch eine kräftigende Wirkung ausübt. In gleicher Weise ist der Unterricht des mit Erfahrung und Ruhe ausgestatteten Mannes anziehend, lehrreich und gründlich, so dass der Schüler gerne lernt und infolge der Gründlichkeit auch dauernden Nutzen durch den Unterricht erlangt. Einen ähnlichen Gedanken enthält der oben S. 82 angeführte Ausspruch: „Wenn die Jugend dir rät zu bauen“ u.s.w. Denselben Gedanken übermittelt uns auch der Sifre: „Wie der Wein, den du kostest, zwar schon von vornherein den Geschmack des Weines hat, je länger er aber in der Flasche liegt, desto besser wird, so werden auch die Worte der Thora, je länger sie im Geiste des Menschen verarbeitet werden, um so wertvoller, denn es heisst: Bei den Greisen ist Weisheit, und die Dauer der Tage bringt Einsicht“ (Ijob 12, 12). RABBI bezweckt mit diesem Ausspruch, die Anwendung des vorhergehenden Ausspruches etwas einzuschränken. Er sagt deshalb: Schaue nicht auf den Krug, schaue nicht auf das Alter des Lehrenden, sondern auf das, was darin ist: auf den Lehrinhalt, auf die Kenntnis und Fähigkeit des Lehrers. Es gibt manchen neuen Krug voll alten Weines, ein Bild für den jungen Mann, der viel gründliches Wissen und eine gute Lehrbefähigung besitzt. Und manchen alten Krug, in welchem nicht einmal neuer Wein ist; ein Bild für den alten Mann, der nicht einmal oberflächliches Wissen, wenig Lehrgeschick und wenig Lebensweisheit besitzt.
Die Sprüche der Väter: Kommentar
Noch einmal antwortete Hiob auf Zofars Bemerkung über den Esel ( Hi 11,12 ), indem er ihm sagte (die Anrede steht in Hi 12,7-8 im Singular), daß er von dem Vieh, den Vögeln, ja sogar von den Sträuchern der Erde und den Fischen lernen solle. Er meinte damit, daß die Tiere und Pflanzen immer noch klüger seien als Zofar, denn sie wüßten, daß auch die Widrigkeiten aus des Herrn Hand kommen (vgl. Hi 2,10 ) und nicht unbedingt die Folge von Sünden sein müssen. Sie wüßten auch, daß ihre Seele (wie der Odem des Menschen; vgl. Hi 10,12; 27,3; 34,14-15 ) aus der Hand Gottes komme. Hiob konnte die Fehler in der Argumentation seiner Freunde so deutlich erkennen, wie der Mund die Speise schmeckt (vgl. Hi 6,30 ). Er war erstaunt, daß die drei Gefährten keine Weisheit besaßen, wie sie im Normalfall ältere Menschen besitzen (vgl. die ähnlich lautenden Worte Elihus in Hi 32,7 ). Dies widerlegte Bildads Aussage, daß die Weisheit stets mit dem Alter komme ( Hi 8,8-10 ). Hiob hatte also in Hi 12,1-12 auf die Reden aller drei Freunde geantwortet.
Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar
Is wisdom with aged men, and understanding in length of days?
Torah Nevi’im u-Khetuvim. The Holy Scriptures according to the Masoretic text
Seine beiden Hörner werden zu Trompeten, seine beiden Beinknochen zu Flöten, aus seiner Haut wird eine Trommel gefertigt, seine Innereien werden für Leiern verwendet und seine Därme für Harfen, Z Manche sagen: Auch seine Wolle wird zu Blau verarbeitet [für die blauen Granatäpfel des Hohepriesters] [Ex 28,33], AA R, Simeon b, Aqashya sagt: „Wenn die Ältesten des Am haares alt werden, schwindet ihr Verständnis, wie es heißt: Er nimmt den Treuen die Sprache und den Ältesten das Verständnis (Hiob 12,20), BB ‚Aber die Weisen der Tora sind nicht so; vielmehr wird ihr Verständnis, während sie alt werden, gestärkt, wie es heißt: Bei den Alten liegt Weisheit und in der Länge der Tage Verständnis (Hiob 12,12),‘“
Die Mischna: Eine neue Übersetzung
In den Versen 12-25 beschreibt Hiob die Weisheit und Macht Gottes. Vers 12 bezeichnet Gott wahrscheinlich als „den Alten“ und „den, der lange lebt“. Diese göttlichen Namen sind ein Vorwurf an Hiobs betagte Freunde, die dachten, sie hätten durch ihre jahrelange Erfahrung so viel gelernt! Hiob wies darauf hin, dass Gott völlig souverän ist in dem, was er mit der Natur (V. 14-15) und mit den Menschen (V. 16-25) tut. Was er zerstört, kann er nicht wieder aufbauen, und was er einschließt, kann er nicht wieder freigeben (Offb 3,6-8). Er kann Dürre oder Flut schicken, und niemand kann ihn aufhalten (Hiob 12,15). Er hat die Weisheit zu wissen, was zu tun ist, und er hat die Macht, es zu vollbringen (Vv. 13, 16).
Ich ermahne euch nun, Brüder, durch die Erbarmungen Gottes, eure Leiber darzustellen als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Schlachtopfer, welches euer vernünftiger Dienst (O. vernünftiger Gottesdienst) ist. Elberfelder 1871 – Römer 12,1
Ich habe euch vor Augen geführt, Geschwister, wie groß Gottes Erbarmen ist. Die einzige angemessene Antwort darauf ist die, dass ihr euch mit eurem ganzen Leben Gott zur Verfügung stellt und euch ihm als ein lebendiges und heiliges Opfer darbringt, an dem er Freude hat. Das ist der wahre Gottesdienst, und dazu fordere ich euch auf. Neue Genfer Übersetzung 2013 – Römer 12:1
Deshalb ermutige ich euch nun auch, Geschwister, aufgrund der Barmherzigkeit, die Gott uns geschenkt hat, euch ganz, einschließlich eures Körpers, Gott zur Verfügung zu stellen wie ein Opfer, das lebendig, heilig und ihm wohlgefällig ist. Das soll der Ausdruck eures Gottesdienstes sein, die angemessene Antwort auf Gottes Wort. Roland Werner – Das Buch – 2009 – Röm 12,1
διά m. Gen. unterstreicht hier die Dringlichkeit der Bitte: bei (B AIII1f), angesichts (Einh.). οἰκτιρμός Barmherzigkeit; hier hebr. „Abstraktions“-Pl. (Bdtg. wie Sg.). παρα-στῆσαι Aor. Inf. παρ-ίστημι zur Verfügung stellen; darbringen (term. tech. der Opfersprache, B 1d). θυσία Opfer; Obj.-Präd. (H-S § 153b; A65) als Opfer. ζῶσαν Ptz. Fem. ζάω, attr. εὐ-άρεστος11 angenehm, wohlgefällig. λογικός vernünftig, geistig; gemeint ist ein Gott angemessener Dienst, übers. etwa wahr, viell. geistlich. λατρεία Gottesdienst; τὴν λογικὴν λατρείαν ὑμῶν App. zum ganzen Satz (vgl. H-S § 260k), übers. (das sei) euer vernünftiger/wahrer Gottesdienst.
Neuer Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament
Die Doxologie am Ende von Kap. 11 und die Art und Weise, wie die Verse von Kap. 12 eröffnet werden, signalisieren einen neuen Abschnitt in der paulinischen Auslegung. Der „Appell“ oder die Ermahnung des Paulus – begründet („darauf“) auf Gottes Gnade – macht eine Wendung von Gottes errettendem Wirken zu der Reaktion, welche die Gnade Gottes in den Gläubigen hervorrufen sollte. Von dieser Stelle an bis zum Abschluss des gesamten Briefes konzentriert sich Paulus auf die Anwendung seiner Lehre im Hinblick auf das christliche Verhalten und die Beziehungen untereinander.
Gottes Erbarmen Paulus kann die Lehrinhalte in Kap. 3–11 mit Begriffen des unverdienten Wohlwollens Gottes gegenüber bedürftigen Sündern zusammenfassen. Die biblische Lehre von der Gnade führt zu einem Leben, das von Dankbarkeit bestimmt ist.
als ein lebendiges und heiliges Opfer darbringt Juden und Nichtjuden gehören nun als Volk Gottes zusammen, für welches das endgültige Sühneopfer vollzogen wurde (3,25). Das einzige Opfer, das bestehen bleibt, ist das Opfer einer dankbaren Antwort (vgl. 6,17). Mit „Körper“ ist hier die gesamte Person als leibliches Wesen gemeint (6,12f.19; 8,13). Paulus wird diese Opfersymbolik in 15,16 verwenden, um seinen „priesterlichen“ Dienst als Apostel zu beschreiben, indem er gläubige Nichtjuden als Opfergabe in der Anbetung seines Herrn darbringt (Phil 2,17).
der wahre Gottesdienst Dies ist der Gottesdienst, der für versöhnte Geschöpfe angemessen ist und auf diese Weise vollzogen werden sollte. Der griechische Begriff logikọs, der hier mit „geistlich“ wiedergegeben wird, spielt nicht auf den Geist Gottes an (anders z.B. in 1.Kor 12,1), sondern unterscheidet den christlichen Gottesdienst von den Tieropfern des alttestamentlichen Gottesdienstes. Nichtsdestotrotz wird unser Gottesdienst nun durch die Kraft des Heiligen Geistes ermöglicht (15,16).
Sproul – Reformations-Studien-Bibel
Ich: Nachdem Paulus gelehrt hat, dass wir durch den Glauben gerecht werden, ohne des Gesetzes Werke, und dass man die Seligkeit, die uns Christus erworben hat, mit beständiger Hoffnung gegenwärtig sein muss, so geht er jetzt zur Lehre von der Liebe, oder den guten Werken: Ehe denn er aber allerlei gute Werke erzählt, lehrt er mit einer allgemeinen Ermahnung, was die Frommen, welche durch den Glauben wiedergeboren sind, Gott für einen Gottesdienst zu leisten schuldig sind. Ermahne: Bei diesem Wort sollen die Kirchendiener erinnert werden, dass ihnen keine Herrschaft über die Zuhörer gehört [1. Petr 5]. Brüder: Dies Wort soll die Prediger der Freudigkeit und Demut erinnern. Barmherzigkeit: Welche er euch gezeigt hat, indem er seinen Sohn zum Erlöser gesandt. Darum es dadurch auch richtig ist, dass ihr euch wiederum dankbar gegen ihn verhaltet. Denn die Lehre von der Gnade und Barmherzigkeit Gottes soll den Frommen eine andere Reizung sein zum gottseligen Leben und Wandel. Darum irren sich die sehr, welche meinen, dass die Predigt von der Rechtfertigung des Glaubens aus Gnaden den Menschen zur Bosheit und zu gottlosen Wesen Anleitung gebe. Lebendig: Und nicht ein totes, wie man bisher Opfer von geschlachtetem und erwürgtem Vieh auf dem Alter geopfert hat. Diese Art der Opfer ist durch des Messias Ankunft aufgehoben worden: Sondern dass ihr Gott ein lebendiges angenehmes Opfer seid. Es bringen aber diejenigen Gott ihrer Leiber zum lebendigen Opfer, welche sich auch in dem Gehorsam Gottes ergeben und des Fleisches Lüste töten, also, dass sie diese nicht mehr in ihren Leibern regieren lassen, auch bereit sind, alles zu dulden, was ihnen Gott zu leiden auferlegt. Heilig: Denn die Gewissen sind heilig, weil ihnen die Heiligkeit Christi zugerechnet wird, und der Heilige Geist ihnen geschenkt ist, dass sie wiedergeboren und heilig macht. Wohlgefällig: Denn beide, unsere Person und Werke, so sie aus dem Glauben kommen, gefallen Gott um Christi willen. Vernünftiger Gottesdienst: Also, dass der Gottesdienst, welchen ihr nun verrichten werdet, nicht bestehe auf das Opfern der unvernünftigen Tiere, sondern dass ihr euch selbst als vernünftige Kreaturen Gottes dem Herrn aufopfert: Denn ein solcher Gottesdienst in Christentum gefällt ihm wohl. Darum sind alle Christen vor Gott Priester, nach Art der aufgezeigten Opfer, welches sie alles zu opfern schuldig sind. Darum irren sich die Katholiken sehr, welche besondere Leute (die Messpfaffen meine ic h) dazu erwählen, dass sie den Leib und das Blut Christi in der Messe für die Lebendigen und die Toten aufopfern sollten, da sie vielmehr durch die Lehre des Evangeliums, wenn sie diese predigten, das zuwege bringen und schaffen sollten, damit die Zuhörer sich selbst Gott dem Herrn opferten, wie gesagt ist. Nach Luther: Paulus nennt hier alle Opfer, Werke, Gottesdienste unvernünftig, wenn sie ohne Glauben und Gottes Erkenntnis geschehen.
Osiander – Luther Studienbibel
Wer die »Erbarmungen Gottes«, wie sie uns in den Kapiteln 1–11 vorgestellt werden, ernsthaft und mit Bedacht betrachtet, kann nur eine Schlussfolgerung ziehen – wir sollten unsere »Leiber darstellen als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Opfer«. Unsere »Leiber« stehen für alle unsere Glieder und – im weiteren Sinne – auch für unser Leben. Völlige Hingabe ist unser »vernünftiger Gottesdienst«. Ein »vernünftiger Gottesdienst« ist sie in folgender Hinsicht: Wenn der Sohn Gottes für mich gestorben ist, dann ist das Mindeste, das ich tun kann, für ihn zu leben. »Wenn Jesus Christus Gott ist und für mich starb«, sagte der bedeutende britische Sportler C. T. Studd, »dann kann für mich kein Opfer für ihn zu groß sein.« Isaac Watts’ großartiges Lied geht in dieselbe Richtung: »Was ich zum Dank auch gebe Dir, / die ganze Welt ist noch zu klein; / der Dank für diese Liebe hier / kann nur mein eignes Leben sein.« »Vernünftiger Gottesdienst« kann auch mit »geistlicher Gottesdienst« übersetzt werden. Als Gläubige und Priester kommen wir nicht mit den Leibern geschlachteter Tiere, sondern mit dem geistlichen Opfer eines hingegebenen Lebens zu Gott. Wir opfern ihm auch unseren Dienst (Kap. 15,16), unseren Lobpreis (Hebr 13,15) und unser Eigentum (Hebr 13,16).
MacDonald – Kommentar zum Neuen Testament
Ich ermahne euch darum, Brüder, durch die Barmherzigkeit Gottes, eure Leiber als lebendiges, heiliges Opfer darzubieten, das Gott wohlgefällig ist, als euren vernünftigen Gottesdienst. Durch die Barmherzigkeit Gottes hat er soeben die getröstet, die um Israel Leid trugen; durch die Barmherzigkeit Gottes mahnt er nun auch. Denn es ist Gottes Barmherzigkeit, daß er uns seinen Willen zeigt, uns mit Pflicht und Dienst beschenkt und uns zu ihrer Erfüllung seine Gaben darreicht. Unser ganzer Gottesdienst steht aber unter der Regel Jesu: „Gebt Gott, was Gottes ist.“ Opfer kann und muß das werden, was seine Gnade uns gab, damit nicht unser eigensüchtiger Wille es an sich raffe und verderbe, sondern es ihn ehre, der es uns gegeben hat. Das erste Eigentum, über das uns Macht gegeben ist, das darum unser Opfer werden muß, ist unser Leib. Derselbe Leib, der uns früher in die Gewalt der Sünde hinunterriß und die Begierden, die uns unrein und ungerecht machten, in uns hervortrieb, bekommt jetzt seine richtige, herrliche Verwendung dadurch, daß er unser Werkzeug zur Erfüllung des göttlichen Willens wird. Unsere Glieder, durch die wir in der Welt tätig sind, übergeben wir nun Gott, daß sie seiner Wahrheit und Ehre dienen. Auch in unserem Gottesdienst sind wir alle einander gleichgestellt. Reiche und Arme, Knechte und Freie, Juden und Griechen, alle haben Gott dieselbe Gabe zu bringen; jeder hat in seinem Leib das Mittel, einen priesterlichen Dienst zu üben, der vernünftig ist. Bisher hatte der Opferdienst noch kein vernünftiges Ziel. Die Furcht, die Gott begütigen wollte, brachte das Opfer dar oder die eigennützige Sucht, die mit ihren Gaben Gottes Segen zu erkaufen suchte, oder die Eitelkeit, die die Größe ihrer Geschenke prunkend ausstellte zur eigenen Erhöhung des Opfernden. Dazu verwendete aber der Mensch immer nur einen Teil seines Eigentums, weil er sich selbst Gott nicht unterwerfen wollte und es auch nicht konnte, Römer 8,7, und er machte das, was er Gott gab, dadurch zum Opfer, daß er es tötete, damit es seinem eigenen Gebrauch entzogen sei. Machen wir dagegen aus unserem Leib das Opfer, dann ist es lebendig und besitzt Gottes Wohlgefallen. Ist unser Leib heilig und unter Gottes Verfügung gestellt, so ist auch alles, was wir sonst besitzen, unser gesamtes Eigentum, der ganze natürliche Inhalt unseres Lebens unter Gottes Willen gebracht, und damit ist uns der vernünftige Gottesdienst geschenkt, mit dem wir in bleibender Untertänigkeit und tätigem Gehorsam wirklich Gott dienen, so daß sein gnädiger Wille durch uns geschieht.
Schlatters Erlӓuterungen zum Neuen Testament
Paulus stellt seine gesamte apostolische Mahnung in den Bereich »des Vaters der Barmherzigkeit« (2Kor 1,4). Ich ermahne euch folglich, Brüder, durch die Barmherzigkeit Gottes. Eigentlich ermahnt gar nicht er selber. Das wäre ihm zu schwächlich, ja zu gewagt.5 Die Barmherzigkeit Gottes dagegen ist eine Vollmacht und Großmacht ohnegleichen, kaum erfahrbar, ohne anders zu werden, ohne dass sie in uns »Wollen und Vollbringen bewirkt« (Phil 2,13). Wenn wir uns nicht selber die Augen zuhalten, werden wir durch den Anblick seines Christus »verwandelt von Herrlichkeit zu Herrlichkeit« (2Kor 3,18). Freilich kommt dies Verwandeltwerden nicht wie unter Betäubung über uns, sondern durchläuft Mahnung, gehorsames Hinhören, freies Entscheiden, entschlossenes Wollen und energisches Tun. Was Paulus hier mit »Barmherzigkeit« der Sache nach vor Augen steht, verrät das vorangestellte »folglich«. Es knüpft an 11,30–32 an, denn dort hatte er gerade das ganze rettende Tun Gottes unter dem Stichwort »Barmherzigkeit, sich erbarmen« zusammengefasst. Es umgreift, was Paulus elf Kapitel lang nahe zu bringen sich gemüht hat. Damit schwingt jetzt die Ermahnung im Kraftfeld der Christusbotschaft. Zwar fehlt der Name »Christus« in diesen zwei Kapiteln (bis auf 12,5), aber der Vollklang »Herr Jesus Christus« im letzten Vers (13,14) zeigt, was immer gegenwärtig war. Wie mag nun das Leben derer aussehen, die von einer Viertelstunde zur anderen durch diesen Inbegriff der Barmherzigkeit Gottes und sonst nichts gehalten werden? [1b] Ganzheit göttlichen Erbarmens ruft nach unserer Ganzheit. Das findet hier einmaligen Ausdruck: Ich ermahne euch, darzubringen eure Leiber zu einem Opfer. Ohne Frage wird hier bildlich gesprochen, und zwar im Gedanken an Tempelgottesdienste, bei denen auf dem Altar »Leiber« lagen (Hebr. 13,11). Sofort aber macht Paulus die Grenzen dieses Bildes bewusst. Es geht jetzt nicht um Tierleiber, sondern um »eure Leiber«, und es geht nicht um Leichname, sondern um lebendige Opfer. Die bildliche Rede vom Opfer gerade des Leibes fällt auf. Im Hintergrund steht sicher der Opferleib Christi, zu dem sich das NT häufig und mit großem Gewicht bekennt. Sein Opfer in diesseitiger, sichtbarer, öffentlicher Leiblichkeit und unsere Opfer gehören zusammen. Aber wie? Paulus fordert, wenn man die Fortsetzung in V. 2 und im ganzen Kapitel beachtet, nicht zum Martyrium auf. Wenn er trotzdem zur Hingabe des Leibes mahnt, setzt er einen besonderen Akzent. Bliebe es bei dem allgemeinen Ruf von 6,11: »Lebt für Gott!«, könnte die Hingabe leicht einseitig nach innen schlagen und dadurch eine rein innerliche, gedankliche, religiöse, mystische Gestalt annehmen – ohne ernsthafte Bedeutung für die Praxis. Es ist aber so, als ob Paulus seine Leser herausfordernd anschaut: »Habt ihr angesichts der Barmherzigkeit Gottes im Opfer Christi dazu noch Lust? Zieht doch die Konsequenzen und setzt eure gesamte Geschöpflichkeit seiner Barmherzigkeit aus!« »Leib« unterscheidet sich vom einzelnen Glied als das Umfassende. Der nur abgezirkelte, auf eine Stunde, auf einen Raum, auf eine Gefühlsläge begrenzte Gottesdienst ist es darum nicht, was Paulus vorschwebt. Im NT werden einzelne Zusammenkünfte der Christen nie »Gottesdienst« genannt, sind sie doch nur Teilstücke eines Gottesdienstes, der das ganze Leben umspannt. Überflüssig zu sagen, dass der »Leib« hier nicht geringschätzig als äußerliches Anhängsel angesehen wird. Sonst käme ja die unsinnige Aufforderung heraus: Gebt Gott das Nebensächliche, das Eigentliche könnt ihr behalten! Die wesentliche Rolle des Leiblichen wird uns bewusst, wenn wir uns vorstellen, wir hätten keinen Leib. Ohne ihn könnten wir nicht essen, nichts sagen, hören, sehen, fühlen. Ohne die Nervenzellen unseres Gehirns könnten wir nicht denken, lesen, verstehen, glauben. Wir könnten nicht lieben, nicht Gutes tun, wie uns auch nicht Gutes getan werden könnte. Wir könnten schließlich auch nicht auferstehen. Es gibt kein leibloses Menschsein. Darum darf man zuspitzen: Wir haben nicht einen Leib, sondern wir sind Leib. Dieses Leibsein, sprich Menschsein, ist hier eingefordert. Gott hatte es uns verliehen, doch es wurde Bereich der Sünde und des Todes. Aber durch Christus erkauft, soll dieser Leib wieder uneingeschränkt Segensbereich des Heiligen Geistes werden, so dass an ihm Christus hochgepriesen wirdc. Hier ist ein Einwand möglich: Wenn es um ein heiliges, Gott wohlgefälliges Opfer geht, darf man ihm dann das streckenweise so unbedeutende und glanzlose Leibesleben unsortiert anbieten? Muss man nicht wenigstens das Kostbare heraussuchen? Doch was ist an unsern sterblichen, verweslichen Leibern (8,11), behaftet mit Schwäche, Irrtum und Schuld, schon kostbar? Tatsächlich sind sie nie kostbar an sich, aber sie werden es dadurch, dass sie als Material für Gottes Allmacht in seine Hände gelangen. Darin besteht des Menschen Vollkommenheit, dass er sich in nichts seinem Gott vorenthält. So wird er auferstehen in Unverweslichkeit, Herrlichkeit und in Kraft (1Kor 15,42–44). Das wäre »vernünftiger Gottesdienst«! Schon die Propheten des AT übten vernichtende Kritik an widersinnigen Gottesdiensten ihrer Zeitd Paulus scheint hier gewisse Erscheinungen seiner Zeit zu treffen. Er könnte einen Lieblingsausdruck damaliger heidnischer Philosophen kritisch aufgenommen haben – darum hier die Anführungszeichen. Gebildete Kreise jener Zeit wandten sich von den groben blutigen Opfern und der Fülle äußerer Zeremonien in den Tempeln ab und priesen einen rein gedanklichen Gottesdienst. Gott war für sie nämlich reiner Gedanke, höchste Vernunft. Darum galt ihnen auch der Gedanke als das Höchste, was Gott darzubringen war, während sie das Leibliche für verächtlich erklärten. In diesem Sinne rühmten sie den »vernünftigen Gottesdienst«. Nun brüskiert Paulus diesen Modetrend. In einem deutlich erkennbaren Zusatz entwindet er den Philosophen diesen Ausdruck und füllt ihn neu: Wahrhaft »vernünftig« ist nur ein Gottesdienst, der folgerichtig und angemessen auf Gottes Barmherzigkeit in Jesus Christus antwortet. Damit ist er vom feinen Heidentum genauso weit entfernt wie vom groben Heidentum. Völlig ungriechisch mahnt er gerade zum Opfer des Leibes als von eurem, der Christusangehörigen, »vernünftigen Gottesdienst«. Man spürt, was er von einem gedanklich verdünnten Christentum, von Theologie nur als Denkerlebnis halten würde.
Pohl – Wuppertaler Studienbibel
Schlatter übersetzt: »Ich ermahne euch darum, Brüder …« Das Wort »darum« ( oun , Elberf: »nun«) kennzeichnet einen wichtigen Punkt in diesem Brief. Die folgenden Darlegungen des Apostels müssen im Licht alles bisher Geschriebenen gesehen werden. Eine weitere entscheidende Stelle wurde mit Ende von Kap. 4 durch dasselbe Wort gekennzeichnet, wo Paulus schrieb: »Da ( oun ) wir nun gerechtfertigt worden sind aus Glauben, so haben wir Frieden mit Gott« (5,1). Eine andere Schlußfolgerung erreicht Paulus am Ende von Kap. 7, wo er die wunderbare Aussage macht: »Also ist jetzt keine Verdammnis für die, welche in Christo Jesu sind« (8,1). Daher muß hier, am Beginn des praktischen Abschnitts, die geforderte Reaktion mit der großartigen Wahrheit des Evangeliums und der Gerechtigkeit Gottes übereinstimmen. »Ich ermahne« ( parakaleô ) kann auf verschiedene Weise übersetzt werden. In diesem Zusammenhang faßt man besser das Wort nicht als einen Befehl auf. Paulus will die Gläubigen nicht durch seine apostolische Autorität zum Gehorsam beeinflussen oder gar zwingen, sondern drängt sie vielmehr zu einer bereitwilligen Reaktion aus ihrem eigenen Antrieb. Der Aufruf gilt den »Brüdern«, was die christliche Beziehung zu ihnen betont, und basiert auf den Erbarmungen ( oiktirmôn ) Gottes. W. E. Vine unterscheidet in seinem Expository Dictionary of New Testament Words zwischen oiktirmos und eleos , die im NT beide mit »Erbarmen« übersetzt werden. Hier verwendet Paulus oiktirmos , ein sanfteres Wort als eleos , um seinem Aufruf Herzlichkeit zu verleihen. Das herzliche Mitgefühl Gottes verleiht der Bitte des Apostels die nötigen Eigenschaften, damit die Gläubigen dieser Bitte nachkommen. Die Gläubigen werden aufgerufen, ihre Leiber als lebendige Opfer darzustellen. Das ist keine Aufforderung zu extremen Heldentaten, wie es von den Heiden gegenüber ihren heidnischen Göttern erwartet wurde. Vielmehr ist es ein lebendiges Opfer, eine andauernde Weihe des Lebens für Gott. Das Opfer muß heilig sein. Die Erwartungen an das Volk Gottes entsprechen keinem geringeren Maßstab als die Erwartungen in Verbindung mit den Tieropfern unter dem Gesetz. Gläubige müssen ein Leben führen, das den Anforderungen Gottes entspricht, und somit müssen sie Ihm wohlgefällig leben. Mit »Leiber« meint Paulus womöglich etwas Tiefergehendes als nur den physischen Körper. Der Zusammenhang spricht von völliger Hingabe, wobei dem inneren Menschen durch den Körper mit allen seinen Bestandteilen voll Ausdruck verliehen wird. Für Paulus ist das Darstellen des Leibes als lebendiges Opfer die vernünftige, logische Reaktion der Gläubigen. Er beschränkt die resultierende Handlung nicht auf eine passive Reaktion, die der Natur der Umstände gemäß zu erwarten wäre. Er betont, daß die aktive Reaktion das Ergebnis eines wohlüberlegten Urteils ist. Sie ist intelligent und steht in ihrem tiefsten Sinne in völliger Übereinstimmung mit der Vernunft. Der Dienst ist nicht religiöser, sondern geistlicher Art. Dieses Verb benutzte Paulus, um zu beschreiben, wie er Gott mit dem Evangelium diente: mit seinem Geist, und er konnte sich auf Gott als Zeuge dafür berufen (1,9).
Und sie standen zur selbigen Stunde auf und kehrten nach Jerusalem zurück. Und sie fanden die Elfe und die mit ihnen waren versammelt, welche sagten: Der Herr ist wirklich auferweckt worden und dem Simon erschienen. Elberfelder 1871 – Lukas 24,33–34
Man empfing sie mit den Worten: »Der Herr ist tatsächlich auferstanden! Er ist Simon erschienen!« Neue Genfer Übersetzung 2013 – Lukas 24:34
Die sagten: »Es ist tatsächlich so: Der Herr ist auferstanden und hat sich dem Simon gezeigt!« Das Buch – 2009 – Lk 24,34
Wann klärte Jesus das „Problem mit Petrus“? Viele Christen vermuten, dass Jesus erst mit Petrus am See „Vergebung zusprach“. Aber dabei wird die Stelle in Lukas 24 Vers 34 vergessen: Hier wird deutlich; bevor Jesus überhaupt weiteren Jüngern erschien, hatte er das Verhältnis zwischen ihm und Petrus wiederhergestellt!
Sie hatten den Frauen nicht geglaubt (V. 11), aber die Erscheinung vor Simon Petrus war scheinbar überzeugender.
Sproul – Reformations-Studien-Bibel
Erzählten: Nämlich, die beiden Jünger sagten den elf Aposteln und anderen, wie Christus mit ihnen gegangen, und ihnen die Schrift erklärt hätte. Denn der frommen Gespräche, die sie miteinander haben, stärken beiderseits ihren Glauben [Röm 1].
Osiander – Luther Studienbibel
Obwohl es inzw. Nacht ist (vgl. V. 29), brechen die beiden auf: Die Schrift wurde ihnen erschlossen, ihr Herz brannte (V. 32) und an Nachtruhe ist nicht zu denken. Bei der Begegnung mit den Elf und denen, die bei ihnen waren (vgl. V. 9), kommen sie jedoch zunächst nicht zu Wort. Auch jene sind ergriffen von der Erkenntnis: der Herr ist wahrhaftig auferstanden und dem Simon erschienen. Von dieser Erscheinung vor Simon → Petrus gibt es keinen Einzelbericht im NT (vgl. aber 1. Kor 15,4–5).
Stuttgarter Erklärungsbibel
Die Erfahrung, dass Jesus auferstanden ist und lebt, lässt die Jünger umkehren, zurück in die Gemeinschaft der anderen. Hier hat sich inzwischen Grundlegendes ereignet (V. 34). Über die Erscheinung vor Petrus (Simon) wird nirgendwo im Neuen Testament ausführlich berichtet, doch aus verschiedenen Überlieferungen geht hervor, dass sie die erste und entscheidende gewesen sein muss (außer V. 34 vgl. 22:31–32; 1Kor 15:5; Mk 16:7; Mt 16:18–19; Joh 21:15–17). Die »Emmausjünger« bringen dazu nun auch ihre Erfahrung ein (V. 35). Sie wird in den Augen des Evangelisten besonders wertvoll gewesen sein, weil sie den Gemeinden seiner Zeit (und aller Zeit) Wichtiges sagt über ihre eigenen Möglichkeiten, dem Auferstandenen zu begegnen und ihn zu »erkennen«. Grundsätzlich gelten für sie die Worte Mt 18:20; 28:20b. – Zu Herr in V. 34 vgl. Erklärung zu 7:13.
Einführungen und Erklärungen aus der Stuttgarter Erklärungsbibel
λέγοντας Ptz. λέγω, mod. ὅτι recitativum = Doppelpunkt (A333). ὄντως in Wahrheit, wirklich. ἠγέρθη V. 6. ὤφθη Aor. Pass. ὁράω.
Neuer Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament
Ehe die Emmausjünger ihre freudenvolle Nachricht weitergeben konnten, verkündigten die Jerusalemer Jünger voller Freude, dass »der Herr wirklich auferweckt worden und dem Simon« Petrus »erschienen« sei.
MacDonald – Kommentar zum Neuen Testament
Die Versammelten sind so bewegt von einem ungewöhnlichen Vorfall, dass sie die Emmausjünger zunächst gar nicht zu Wort kommen lassen. Vielmehr »erklärten sie« den eben Hereintretenden: »Der Herr ist wahrhaftig auferstanden und Simon erschienen« (V. 34). »Der Herr«: Das konnten sie früher schon von Jesus sagen (vgl. Mt 18,21; Lk 19,8). Jetzt aber gewinnt es einen neuen, gewissermaßen himmlischen Klang. »Simon erschienen«: Auch Paulus berichtet von dieser Begegnung des Auferstandenen mit »Simon« Petrus. Er stellt sie sogar an die Spitze seiner offiziellen Zeugenliste (1 Kor 15,5). Leider gibt es keine ausführliche Schilderung von dieser Begegnung des Auferstandenen mit Simon Petrus. Beachten wir, dass der Name des Petrus hier »Simon« ist – wie vor seiner Bekehrung (vgl. Joh 1,41). Liegt darin nicht eine Andeutung, dass er sich jetzt ein zweites Mal bekehren muss (vgl. Lk 22,32; Joh 21,15ff.)? Und enthalten die Worte »und Simon erschienen (oder: und auch dem Simon erschienen)« nicht auch ein großes Erstaunen darüber, dass er als der Verleugner einer Begegnung mit dem Auferstandenen gewürdigt wurde? Es liegt eine seltsame Zeugen -Auswahl Gottes darin, dass die Frauen und der Verleugner an der Spitze stehen (vgl. dazu Apg 10,41ff.; 1 Kor 1,27ff.)! »Erschienen« heißt wörtlich »sichtbar geworden«. Es geht hier nicht um eine Halluzination, sondern um das Sichtbarwerden einer sonst den leiblichen Augen verborgenen Realität. Gerade diese Realität wird unterstrichen durch das betonte »wahrhaftig«, »wirklich« (vgl. Lk 23,47). Es geht um das, was wirklich und echt vorhanden ist (im Griechischen wörtlich: »seienderweise«, vgl. 1 Tim 5,3.5.16, wo dasselbe Wort für »rechte« Witwen benutzt wird). Erneut ist also klar: Jesus lebt. Der Vater hat ihn von den Toten auferweckt.
Gerhard Maier – Edition C
Der Unglaube der versammelten Jünger ist durch Freude und Verwunderung verdrängt worden. Die Tatsache, daß der Herr dem Petrus allein erschien, wird nur hier und in 1Kor 15,5 bezeugt, wo er als erster Zeuge der Auferstehung angeführt wird. Nach der dreimaligen Verleugnung, den bitteren Tränen und der Umkehr, von der der Herr gesprochen hatte, können wir mit Gewißheit annehmen, daß der Herr hier mit Petruseine persönliche Aussprache hatte. Petrus konnte die Worte des David aus persönlicher gesegneter Erfahrung sprechen: „Er erquickt (im Englischen: „er stellt wieder her“) meine Seele.“ Das Schweigen über die Einzelheiten dieses Zusammenseins ist ein Zeugnis der Gnade des Herrn gegenüber Seinem Jünger. Es gibt Begegnungen mit dem Herrn, die vollständig persönlich und so innig sind, daß sie nicht in der Öffentlichkeit besprochen werden sollten. Es genügt zu wissen, daß Petrus eine persönliche Begegnung mit dem Herrn hatte, und daß zwischen ihm und dem Herrn, den er verleugnet hatte, alles wieder gut war.
Alle Schrift ist von Gott eingegeben und (O. Alle von Gott eingegebene Schrift ist auch) nütze zur Lehre, (O. Belehrung) zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit, Elberfelder 1871 – 2.Timotheus 3,16
Denn alles, was in der Schrift steht, ist von Gottes Geist eingegeben, und dementsprechend groß ist auch der Nutzen der Schrift: Sie unterrichtet in der Wahrheit, deckt Schuld auf, bringt auf den richtigen Weg und erzieht zu einem Leben nach Gottes Willen. Neue Genfer Übersetzung – 2.Timotheus 3:16
Alle Schrift ist gottgehaucht und nützlich zum Lehren, zum Überführen, zum Zurechtweisen, zur Erziehung in Gerechtigkeit, Jantzen & Jettel – 2.Tim 3,16
Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich zum Lehren, zum Zurechtweisen, zum Richtigstellen der Dinge, zur Erziehung in [der] Gerechtigkeit, neue Welt Übersetzung – Bi12 – 2.Tim 3:16
Kennst du wirklich die ganze Schrift? Oder liest du nur einzelne Verse, immer „schön aus dem Zusammenhang gerissen“??
Was soll der Christ tun, wenn diese satanischen Verführer weiter machen? Dem Wort Gottes weiterhin treu sein. Die einzige Antwort auf Satans Lügen ist Gottes Wahrheit. Wenn jede Ortsgemeinde zum Wort Gottes zurückkehren würde und wenn jeder Pastor und Sonntagsschullehrer das Wort Gottes lehren würde, wären die Jünger Satans besiegt.
Timotheus‘ Beziehung zur Bibel wird in diesen Versen umrissen. Sie begann, als er ein Kind war und von seiner Mutter und Großmutter die Alten Schriften lernte. Sie lehrten ihn nicht nur die Fakten der Bibel, sondern gaben ihm Sicherheit und geistliches Verständnis. Timotheus kannte die Wahrheit des Wortes selbst; er war nicht auf andere angewiesen, die das Wort für ihn verteidigten. Dieses Wort vermittelte ihm den Glauben (Röm 10,17), und dieser Glaube an Christus brachte die Rettung.
Die Verse 16-17 sind ein großartiges Zeugnis für den göttlichen Ursprung und Charakter der Bibel. Manche sagen: „Die Bibel enthält nur das Wort Gottes“ oder „Die Bibel ist inspiriert, so wie Shakespeare inspiriert ist“. Aber Paulus würde diesen Aussagen nicht zustimmen. Die Bibel ist das inspirierte Wort Gottes. Das Wort „inspiriert“ bedeutet „von Gott gehaucht – erfüllt mit dem Atem Gottes“. Der Geist Gottes befähigte Männer Gottes, das Wort Gottes zu schreiben (siehe 2. Petrus 1,20-21), denn der Geist Gottes ist der „Atem“ Gottes (Johannes 3,1-8; Hes. 37,1-14). Männer wie Shakespeare mögen zwar literarische Inspiration von hoher Qualität gehabt haben, aber sie haben nicht die Worte Gottes selbst geschrieben. Die „ganze Schrift“ bedeutet, dass jedes Wort von Gott inspiriert ist.
Was ist der Zweck der Bibel? Natürlich ist die Errettung der erste Zweck (V. 15), aber auch das christliche Leben gehört dazu. Das Wort ist nützlich zur Lehre (Doktrin), zur Überführung (Zurechtweisung), zur Zurechtweisung (Korrektur) und zur Zucht (Unterweisung). Es befähigt das Kind Gottes, ein Mann oder eine Frau Gottes zu werden, gereift in den Dingen des Herrn. „Vollkommen“ (V. 17) bedeutet nicht sündlos; es bedeutet „reif“. Und „gründlich ausgestattet“ bedeutet „voll ausgerüstet“ (V. 16-17). Die Bibel verwandelt also das Kind aus V. 15 in eine reife Person in Christus; sie rüstet die Heiligen aus, um Diener zu sein. Es ist in Ordnung, wenn Christen Studienkurse besuchen und Methoden des Dienstes erlernen, aber der beste Weg für sie, sich auszurüsten, um Gott zu dienen, ist das Studium und die Praxis des Wortes Gottes. Studienbücher sagen uns, wie es geht, aber die Bibel gibt uns die Motivation und die Kraft, das zu leben, was wir lernen.
Es ist interessant, den Gebrauch der Bibel mit der Reihenfolge der Briefe zu vergleichen: Lehre – Römer; Zurechtweisung – 1. und 2. Korinther; Korrektur – Galater; Unterweisung in der Gerechtigkeit – Epheser und Kolosser.
Das große Bedürfnis der Kirchen und Christen heute ist es, zur Bibel zurückzukehren. Wenn die Kirchen nicht zu Gottes Wort zurückkehren, werden die satanischen Betrüger die Oberhand gewinnen und Millionen von verlorenen Sündern werden in die Hölle kommen, weil sie durch religiöse Lügen in die Irre geführt wurden.
Wiersbes Erläuterungen zum Neuen Testament
πᾶσα γραφή jede Schriftstelle = alles, was in der (Heiligen) Schrift steht. θεό-πνευστος11 von Gott (bzw. Gottes Geist) eingegeben/inspiriert; wohl Präd.-Nom.: πᾶσα γραφὴ θεόπνευστος καί alles, was in der Schrift steht, ist von Gott eingegeben und, evtl. attr. jede von Gott eingegebene Schrift ist (daher) auch. ὠφέλιμος11 nützlich, förderlich. διδασκαλία V. 10. ἐλεγμός Überführung (v. Schuld/Irrtum). ἐπ-αν-όρθωσις8 Wiederherstellung; übertr. Besserung, Zurechtbringung. παιδεία Erziehung.
Neuer Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament
Alle Schrift ist von Gottes Geist eingegeben und nützlich zur Lehre, zur Überführung, zur Wiederherstellung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit. Der vierfache Nutzen der Heiligen Schriften begründet, warum und inwiefern sie weise zu machen vermögen zum Heil: Sie haben diese Fähigkeit (s. V. 15: ta dynamena), diese göttliche Dynamik, weil sie aus Gottes Geist entstanden sind und von demselben Geist gebraucht werden. Zunächst sei wieder jedes einzelne Wort betrachtet: Alle: pasa, kann bedeuten: jede, alle, ganz; Rö 11, 26: ganz Israel; Apg 2, 36. Eph 3, 15: jedes Geschlecht. Kol 4, 12: in allem. Darum umschreiben wir: die ganze Schrift, gesehen in jedem einzelnen Teil und gleichzeitig: jede einzelne Schriftstelle als Teil des Ganzen (wie Eph 2, 21: der ganze Bau ist zusammengefügt aus den einzelnen Teilen). Vgl. 1 Ko 12, 12. 13: was hier vom Christusleib gesagt wird, das gilt auch für den Wortleib: denn wie die Schrift nur eine ist und doch viele Schriftstellen hat, alle Schriftstellen aber, obgleich es viele sind, einen einzigen Leib bilden, so auch der Christus. Siehe dazu II 1, 13: „Die Gestalt (Sg.) heilsamer Worte“ (Pl.) — Singular und Plural zusammen genannt, das Ganze und die Teile: als geistgewirkte Wortgestalt. Schrift: graphe, ohne Artikel, müßte für die Übersetzung „jede Schriftstelle“ sprechen; doch „Schrift“ kann auch ohne bestimmten Artikel den Sinn haben von „die Schriften“; 1 Pt 2, 6: en graphe ist sinngemäß zu übertragen: darum steht in der Schrift folgende Schriftstelle; 2 Pt 1, 20: hoti pasa propheteia graphes: „keine einzige Weissagung der (ganzen) Schrift.“ Der ntl Gebrauch für das AT: „die Schrift sagt“ kann aber auch Schriftstelle bedeuten, irgendeinen Text der Bibel, einen Gottesspruch (Jo 19, 36. 37; 20, 9; Apg 1, 16; 8, 32; Rö 16, 26; 1 Pt 2, 6). Also haben die beiden Worte „pasa“ und „graphe“ gemeinsam, daß sie sowohl das Ganze wie jede einzelne Stelle als Teil des Ganzen und alles als sämtliche Teile des Ganzen bezeichnen können. Holtz übersetzt: „Jede Bibelstelle ist von Gottes Geist eingegeben und nützlich zur Lehre.“ (186) Unsere Übersetzung aber soll den in der Schwebe gehaltenen Doppelsinn bewußt offenlassen: sowohl die ganze Schrift wie auch jede einzelne Bibelstelle. S. I 5, 18! Die Texte der Apostel können nicht ausgeschlossen werden von dem in II 3, 16 Bezeugten. Beinahe alle ntl Schriften existierten bereits um die Zeit, da II Tim, der letzte Brief des Apostels, abgefaßt ist. Schon sein ältester Brief gibt zu erkennen, daß Paulus sich dessen bewußt ist, im Auftrag Gottes zu schreiben: 1 Th 5, 27; 1, 5; 2, 13; 5, 20; II 2, 2; 3, 14; vgl. 2 Pt 3, 15–16, wo die Briefe des Paulus bereits den übrigen Heiligen Schriften, d.h. dem AT, gleichgestellt werden. (Ist) von Gottes Geist eingegeben. Die Kopula (ist) fehlt im Griechischen, was für die Übersetzung einige Unsicherheit mit sich bringt. Ist aber bekannt in den Past: I 1, 8. 15, beide Male ohne Kopula. Theopneustos (nur hier): zusammengesetzt aus theos = Gott und pneustos = gehaucht (von Pneuma = der Geist), also: gottgehaucht. In dem aus dem Lateinischen übernommenen Wort „inspiriert“ ist ebenfalls der Hinweis auf den Geist (spiritus, lat.) enthalten, was in „eingegeben“ verlorengeht und deshalb ergänzt werden muß: „geist-gegeben“. Alle Schrift ist geistgegeben, geistgewirkt. Dieses Verständnis der göttlichen Inspiration der Heiligen Schriften unterscheidet sich nicht von den atl Zeugnissen. Wenn auch das Wort nur hier vorkommt, so ist doch die Sache, die es bezeichnet, bei Paulus überall anzutreffen, denn sie liegt seinem Schriftverständnis zugrunde, Rö 1, 17; 3, 4.10; 8, 36; 1 Ko 9, 9. Nützlich. I 4, 8; Tit 3, 8.9. Die Schrift ist nützlich, sie kann gebraucht werden für eine Aufgabe, die in vier Schritten entfaltet wird. Wie sind nun die Worte „alle Schrift“, „gottgehaucht“, „nützlich” miteinander zu verbinden? Das hängt zum Teil von dem Verständnis des griechischen Wortes „kai“ ab, das entweder mit „und“ oder mit „auch“ übersetzt werden kann. Wir entscheiden uns für „und“ in Anlehnung an I 4, 4: alles von Gott Geschaffene ist gut und nützlich, wo über das von Gott Geschaffene zwei Aussagen gemacht und miteinander verbunden werden. Damit haben wir gleichzeitig entschieden, wie wir „theopneustos“ beziehen wollen: nicht als ein die Schrift beschreibendes Adjektiv: „gottgehauchte Schrift”, sondern als Prädikat, d.h. als erste Aussage über die Schrift: sie ist 1. gottgehaucht und 2. nützlich. Ein Streit um Worte ist hier allerdings weder nützlich noch notwendig, denn grammatikalisch ist es durchaus möglich, das Wort theopneustos adjektivisch, also mit „gottgehauchte Schrift“, zu übersetzen. Was wird dann aber aus dem „kai“? Man vgl., wie in diesem Fall I 4, 4 lauten würde: Jede gute Kreatur ist auch nicht zu verwerfen. Vgl. zu I 4, 4 auch I 1, 8.15. Da für Paulus wie für Timotheus vom AT her klar ist, daß jede Schrift inspiriert ist, würde die adjektivische Verwendung zugleich eine tautologische Aussage ergeben, d.h. dasselbe würde zweimal gesagt: jede gottgehauchte Inspirationsschrift. Wenn aber Paulus und Timotheus das wissen, weil sie beide von Kind auf in diesen Heiligen Schriften unterwiesen worden sind, warum schreibt dann der Apostel darüber? Er erinnert ihn an das, was er weiß, weil er das jetzt ganz neu in Herz und Gedächtnis fassen und erwecken muß angesichts der Irrlehrer, die schon da sind und die noch kommen werden, da die heilsame Lehre nicht mehr erträglich und annehmbar — heute sagt man: nicht mehr „zumutbar“! — erscheint, sondern haufenweise neue Lehrer neue Lehren und Schriften ein- und aufbringen (II 4, 3–4). Daß die Bibel inspiriert ist, bedeutet, daß sie Geist und Buchstabe vereinigt, eben weil Gottes Geist sie hervorgebracht hat durch die Propheten (und Apostel). Jeder in Schrift gefaßte Gottesspruch ist gottgehaucht und darum für die Gemeinde mit Autorität versehen. Die biblischen „Schriftsteller“ waren nicht eigenmächtig von ihren Vorstellungen, Wünschen und Lüsten, geschweige denn vom Vater der Lüge inspiriert (wie die Irrlehrer II 2, 26; 3, 13; 4, 4; Jo 8, 44; 2 Ko 11, 13–15), sondern von Gottes Heiligem Geist bewegt (2 Pt 1, 21). Der Wille Gottes, nicht der Wille des Menschen, stand am Anfang jeder Schrift, die heilig genannt ist. Wilckens zu 2 Pt 2, 21: „Die Vorstellung göttlicher Eingebung war in der Antike weitverbreitet und ist im späteren Judentum auch als Erklärung für die göttliche Autorität des AT benutzt worden.“ Mit solchen Erklärungen (Übernahme von weitverbreiteten Vorstellungen) ist aber das Entscheidende keineswegs erklärt: sowohl innerhalb des AT wie des NT sind wahre und falsche Propheten aufgetreten. Daß der Heilige Geist die Schrift eingegeben hat, ist nur eine formale Erklärung, wenn nicht deutlich wird, daß eben dieser Geist die Schrift als von Gott gekommen an den Menschen bestätigt, die sich ihrem Anspruch, Wort und Autorität Gottes zu sein, unterstellen. Genauso ist auch der Sinnzusammenhang unserer Stelle II 3, 16: Wie kannst du beurteilen, ob mein Evangelium Gottes Wort ist? Messe es an der Wirkung, die es auf mich und dich ausübte, wie es uns die Rettung in Christus brachte durch den Glauben, indem Gottes Wort uns überführte, uns zurechtwies und in der Gnade erzog. Gebrauche so die Heilige Schrift, und du wirst erkennen, wie Gott zu seinem Wort steht. Aber in Wortkämpfe lasse dich nicht ein! Der Heilige Geist, der die Schrift durch den Mund von Propheten gegeben hat, wird eben diese Schrift zur Überführung von Irrlehre und Irrleben gebrauchen. Die Schrift hat, weil sie geistgegeben ist, „bleibende Geltung und immer neue Wirkung“ (Schlatter, 259). Oft wird gegen die Inspiration der Heiligen Schrift angegangen, indem man unhaltbare Theorien aufgreift und ihre Unmöglichkeit demonstriert. Schon Philo verbreitet die Meinung, daß die menschliche Geistestätigkeit beim Vorgang der Inspiration ausgeschaltet werde zugunsten des göttlichen Geistes im Propheten; so schon bei Plato, doch nirgends im AT, denn das wäre eine dualistisch-mechanistische Vorstellung, typisch für hellenistisches, aber nicht für biblisches Denken, das eine ganzheitlich geschichtliche und damit eine „organische“ Anschauung von Gottes Wirken in und mit Menschen hat. Von daher ist es gegeben, das Bekenntnis des Glaubens zur Heiligen Schrift ganzheitlich auszudrücken: Wir glauben, daß Gottes Geist am Wirken war für den ganzen Entstehungsprozeß der Bibel, darin eingeschlossen redaktionelle Verarbeitung von Quellen, Endgestalt der einzelnen Bücher und schließlich auch das geschichtliche Werden des Kanons. Gewiß, die Bibel ist geschichtlich geworden, aber ihre Geschichte ist spezifische Gottesgeschichte mit und durch Menschen. Die Bibel, wirklich von Gottes Geist durch wirkliche Menschen geschrieben und zustande gekommen, gleicht wohl allen anderen geschriebenen Büchern und unterscheidet sich doch so von ihnen, wie Jesus als wahrer Gott und wahrer Mensch allen Menschen wirklich gleicht und doch gleichzeitig sich von ihnen grundlegend unterscheidet als der Eine. Die eine Schrift des alten und neuen Bundes kündet den einen Mittler für alle Menschen.
Nützlich zur Lehre (didaskalia, vgl. den Wortgebrauch in der Pädagogik: Didaktik). Steht am Anfang wie Vers 10; vgl. I 5, 20; Tit 1, 9–13; 2, 15. In den Past hat die Lehre wohl einen besonderen Akzent, weil die Irrlehre überhand nimmt, doch steht die Lehre im ganzen NT — und nicht erst in den Past — immer am Anfang, denn sie ist die Grundlage des neuen Lebens. Apg 2, 42: Sie verharrten aber in der Lehre der Apostel; vgl. II 3, 14: Du aber verharre … in der Schrift; Eph 2, 20: aufgebaut auf dem Fundament der Apostel und Propheten, wobei der Messias Jesus sein Eckstein ist. Was bedeutet „Lehre“? Sie vermittelt Verständnis für den Zusammenhang göttlichen Handelns und göttlicher Weisung). Die Schrift ist nicht selbst schon Lehre, aber sie ist nützlich zur Lehre. Das eben ist der Dienst am Wort, worin ein Arbeiter sich vor Gott zu erweisen hat, daß er das Wort der Wahrheit richtig austeilt, es im Zusammenhang der göttlichen Offenbarung auslegtg). Hierin ist die Hauptaufgabe der Theologie als Dienst am Wort zu sehen. Die Lehre allein aber ohne das entsprechende Leben kann nicht im rechten Zusammenhang bleiben. Deshalb genügt Orthodoxie allein nicht, denn die rechte Lehre muß fähig sein, vom Unrecht zu überführen; die Wahrheit muß sich an dem Gewissen dadurch erweisen, daß sie alle Unwahrheit aufdeckth).
Überführung (elegmos) nur hier im NT; Aufdeckung sowohl der Schuld wie der Wahrheit. Das Verb (elencho) in Tit 1, 9. 13 gibt denselben Zusammenhang ausführlicher: „Aufgrund der gesunden Lehre ermahnen und die Widersprechenden überführen.“ Das kann sowohl für Irrlehrer wie für Gemeindeglieder gelten. Jak 2, 9; Eph 5, 11. 13; Mt 18, 15: unter vier Augen zur Rede stellen; I 5, 20: die, welche sündigen, in Gegenwart aller überführen und zurechtweisen; 1 Ko 14, 24: wo Rede aus Eingebung ist, wo der Geist aufgrund einer Weissagung in eine konkrete Lage hinein spricht, da wird ein Mensch von allen (in denen der Geist wirkt) überführt, von allen erforscht, und er fällt auf sein Angesicht nieder und betet Gott an — als Ausdruck des Überführtwordenseins in Beugung vor Gott. Er erkennt und bekennt: so bin ich, sein Wort ist wahr an mir. Vgl. Jo 16, 8–11: der Heilige Geist wird überführen von Sünde, Gerechtigkeit und Gericht. Ps 38, 14–19: das Bekenntnis eines überführten Menschen. Wer von der Wahrheit seiner Schuld überführt wird, der ist beschämt. Überführen heißt aber nicht, einen Menschen in der Beschämung stehen lassen, sondern ihn zum Bekenntnis, d.h. zum Eingeständnis der Sünde vor Gott zu führen und ihn dann der Vergebung von Gott her zu vergewissern, wie das der Prophet Nathan mit David getan hati). Das ist das Musterbeispiel für prophetische Überführung aufgrund der Weisung Gottes (oder der Schrift). Über die Reue hinaus zum Bekenntnis führen, das ist schon der erste Schritt zur Wiederherstellung.
Wiederherstellung (epanorthosis, nur hier), Zurechtweisung = wieder den rechten Weg weisen, der verlassen worden ist, den Sünder zurückführen. Wer viele zum Leben in Gerechtigkeit zurückführt, der ist weise, er rettet Menschen vom Tode). Der Reuige soll wieder aufgerichtet werden. Er wurde auf dem falschen Weg gestoppt, von seinem verfehlten Treiben überführt (2.). Jetzt soll er auf den rechten Weg zurückgeführt werden (3.)). Wiederherstellung ist ein Tun des Erbarmens, während Überführung mit Entschiedenheit, ja Strenge geschehen kann, wobei Strenge nie dasselbe ist wie Härte. Man denke an die Anklagerede des Stephanus, dessen Angesicht dabei leuchtete wie das eines Engels und der für diejenigen im Gebet eintrat, die ihn steinigten und die er zu überführen versucht hatte. Ihr Knirschen mit den Zähnen zeigt ihre Verschlossenheit, sein Angesicht und vergebendes Bitten offenbart seine Offenheitm). Diese Rede zeigt übrigens den Ernst der Lage, auch für die Past. Auch und gerade dem Zeugen, durch den der Heilige Geist auf Grund der Schrift die Herzen und Gewissen überführt, kann und wird Verfolgung und Widerstand bis zum Martyrium entgegengebracht werden, wenn sich die Menschen verhärten. Das Musterbeispiel wunderbarer Wiederherstellung nach dem Fall und den Tränen der Beugung ist das Gespräch des Herrn mit seinem Jünger, der ihn dreimal verleugnet hat).
Erziehung in der Gerechtigkeit (paideia; Pädagogik!), eigentlich mit dem heute oft gebrauchten Wort ‚Training‘ gut zu übersetzen; ebenso aus der Sportswelt: in Kondition bringen. Vgl. II 2, 22; Tit 2, 11–14: Gottes Gnade erzieht! Nicht strenger Rigorismus wird vor alten Wegen und Abwegen bewahren, sondern geduldiges Anleiten wird die Füße befestigen auf dem neuen Weg. Paideia meint die Formung des Menschen im äußeren wie im inneren Leben; auf die Vervollkommnung hin trainieren, aber nicht unter dem Gesetz, sondern unter Gnade). Eph 6, 4: Die Kinder erziehen in der Zucht und Ermahnung des Herrn. Um beim Wort „Erziehung“ ein bloß philosophisch-pädagogisches Bemühen und Verständnis abzuwehren, steht hier: Erziehung in der Gerechtigkeit: Gestaltwerdung, Menschwerdung des Menschen ja, aber zum Menschen Gottes (17), dessen Menschsein in Gottes Gerechtigkeit, in Gottes Gerechtsprechung und Gottes Gerechtmachung wurzelt. I 6, 11: Du aber, o Mensch Gottes … jage der Gerechtigkeit nach.
Bürki – Wuppertaler Studienbibel
»Alle Schrift (ist) von Gott eingegeben« (wörtlich: »von Gott«, seinem Geist, »durchhaucht«) (V. 16). Gott machte den Menschen zum Menschen, indem er etwas aus sich selbst in ihn hineinschenkte: seinen Lebenshauch, seinen Geist (1 Mo 2,7; »Hauch« und »Geist« sind in der Ursprache dasselbe Wort). Aber entzieht Gott dem ihm widerstrebenden Menschen seinen Geist wieder, dann ist dieser »tot in Sünden« (Eph 2,1; vgl. Offb 3,1). Doch nun gab Gott sein Wort, die Heilige Schrift, »von Gottes Geist durchhaucht«. Sie ist einst durch Gottes Geist entstanden; gewiß waren bei ihrer Entstehung auch Menschen am Werk, aber zugleich, in allem, vor allem und durch alles hindurch Gott mit seinem Geist. Das gilt für die Schrift des Alten und Neuen Testaments. Und nun redet und handelt Gott, unser Herr Jesus Christus, durch die Schrift und gibt mit ihr seinen Geist, sein neues Leben. So spricht Jesus Christus: »Meine Worte sind Geist und sind Leben« (Joh 6,63). Ja, mit, unter und im Wort der Heiligen Schrift, wenn wir betend auf sie hören, schenkt uns Gott seinen Geist und redet und handelt durch seinen Geist an uns. Und dieses Wort hat es in sich: Wo und wie Gott es will, springt unter diesem Wort auf Menschen der Funke neuen Lebens aus Gott über. Dabei bindet sich der Geist an die Schrift (vgl. Joh 14,26; 16,14; 1 Kor 4,6). Die die biblischen Schriften abfassenden, sammelnden und abgrenzenden Zeugen waren nicht an sich unfehlbare Menschen; aber sie konnten, was sie sollten: »uns den ganzen Ratschluß Gottes«, so wie es für uns nötig und heilsam ist, »verkündigen« (vgl. Apg 20,27). Denn wo Gott Aufgaben stellt, gibt er auch die erforderlichen Gaben, in seiner Gemeinde die entsprechenden Geistesgaben (vgl. Röm 12,4–8), auch jenen, die die Aufgabe hatten, die Heilige Schrift, etwa die Schriften des NT, abzufassen und zu sammeln. Wir dürfen das Vertrauen haben, daß Gott in seiner väterlichen Fürsorge für so viele Generationen seiner Kinder bis zu dem großen Tag Jesu Christi der Schrift die Gestalt schenkte, die für uns nötig und heilsam ist, so daß »unser Gang« fest zu sein vermag »durch sein Wort« (Ps 119,133).
Was Gott durch die Schrift an uns Menschen tut und was sie demzufolge an uns wirkt und bei uns fruchtet »Denn alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze zur Lehre, zur Zurechtweisung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, daß der Mensch Gottes vollkommen sei, zu allem guten Werk geschickt« (V. 16f.). »Denn«: Die Wirksamkeit dessen, was Timotheus von Paulus und auch von seiner Mutter und Großmutter gelernt hat (V. 14), ist nur ein Beispiel dafür, was die Schrift an allen wirkt, die sich ihr öffnen: Zunächst ist das Wort der Schrift der Keim neuen Lebens, der in uns Menschen gelegt wird. So spricht unser Herr: »Der Same ist das Wort Gottes« (Lk 8,11). Auf diese Weise kommt ein Mensch durch die Schrift zum Glauben, empfängt den Heiligen Geist (Joh 6,63) und wird wiedergeboren (Joh 3,3.5). Und auch danach arbeitet Gott durch das Wort der Schrift – AT und NT – am Menschen weiter. – Was in V. 15 im Blick auf Timotheus in dem Ausdruck »unterweisen zur Seligkeit« (oder: »weise machen zur Seligkeit«, wie auch übersetzt werden kann) zusammengefaßt ist, wird in V. 16f. für alle Glaubenden entfaltet:
»Die Schrift ist nütze zur Lehre«: Durch die Schrift wird ein Mensch dazu angeleitet, den Plan Gottes mit den einzelnen Menschen, mit der Menschheit, mit der Welt zu erfassen. In der Schrift hat uns Gott ins Vertrauen gezogen (Joh 15,15). Durch die Schrift lernt ein Mensch, mit Gott zu denken, zu reden und zu handeln, d.h. Jesus zu folgen, sich von Seinem Geist leiten zu lassen und überhaupt in Seinen Bahnen zu leben, im Gehorsam des Glaubens (Röm 1,5; 16,26; 1 Petr 2,21).
»Zur Zurechtweisung« (wörtlich: »zur Überführung«): Durch Gottes Wort und Geist wird ein Mensch von seiner Sünde überführt (in Joh 16,8 steht im Griech. derselbe Wortstamm) und der Vergebung, des Heilandes bedürftig. Zunächst ist der natürliche Mensch immer geneigt, alles in seinem Leben zu beschönigen und sich selbst zu rechtfertigen. Doch der Spiegel des Wortes Gottes vermag ihm deutlich zu machen, wie es um ihn steht, so daß er zu Jesus eilt – im Wissen, daß dieser keinen, der zu ihm kommt, hinausstößt (Joh 6,37).
»Zur Besserung«, »zur Wiederherstellung«, »zur Aufrichtung«: Die Schrift hilft nicht nur zur Erkenntnis der Sünde, sondern der Herr hilft uns durch sie auch zurecht und den richtigen Weg weiterzugehen. Das Wort der Schrift ist überaus vielgestaltig, das ist insofern sachgemäß und nötig, als Gott durch dieses Wort auf die vielgestaltigste Weise an uns wirkt und auch durch uns, indem er auch uns sein Wort austeilen läßt – worauf alle Sorgfalt zu verwenden ist (vgl. 2 Tim 2,15).
»Zur Erziehung in der Gerechtigkeit«: Der himmlische Vater arbeitet an uns, seinen Kindern; er erzieht uns. Sein Erziehungsmittel dabei ist vor allem sein Wort, das Wort der Schrift. Durch dieses zeigt er uns auch sein Erziehungsziel, das heißt, er zieht uns dabei ins Vertrauen, worauf er bei uns hinwirken will. Das ermöglicht es uns, innerlich recht mitzugehen: Gott will uns zur »Gerechtigkeit« erziehen, dahin, daß wir Gott recht sind, ihm ganz gefallen, seinem Willen ganz entsprechen. Er will uns zum wahrhaft Guten anleiten (vgl. Mt 19,17), zur Ausgestaltung in das Wesen Jesu; ihm, dem eingeborenen Sohn, sollen wir ja als Gotteskinder ähnlich werden (vgl. Gal 4,19). Dabei will uns auch Gott manches abgewöhnen und nehmen, das ihm mißfällt. Wichtig ist es, in dem allem dem stillen, unaufdringlichen Mahnen von Gottes Wort und Geist zu gehorchen.
Grünzweig – Edition C Bibelkommentar
Obwohl es Teile dieses Verses gibt, über die von verschiedenen Auslegern heftig gestritten wird, stimmen die meisten darin überein, daß „alle“ genauer mit „jede“ wiedergegeben werden sollte. Über den Ausdruck „Schrift“ haben wir bereits in dem vorhergehenden Vers gesprochen. Hier ist das verwendete Wort graphe, was einfach „ein Schreiben, eine Schrift“ bedeutet. Wir haben es in unserer Sprache in „Photograph“, „Paragraph“ und ähnlichen Wörtern (siehe auch Mt. 26,54.56). „Jede Schrift“ bezieht sich nicht einfach auf das Ganze, sondern ist ein Hinweis auf jede einzelne Passage der ganzen Schrift. In Vers 15 geht es um das Alte Testament, aber hier wird ganz deutlich eine weitergefaßte Beschreibung der Schrift vorgestellt. „Jede Schrift“ schließt auch die neutestamentlichen Schriften ein. 2.Petr. 3,2 verbindet die „Worte“ der alttestamenteichen Propheten mit denen der neutestamentlichen Aposteln, und die Verse 15-16 desselben Kapitels umfassen die Schriften des Paulus und die „anderen“ Schriften. Der Apostel Paulus bittet, daß seine Briefe öffentlich in verschiedenen Versammlungen vorgelesen werden (Kolosser 4,16; 1.Thes. 5,27) und nennt seine Botschaft „das Wort Gottes“ (1.Thes. 2,13). 1.Tim. 5,18 ist in diesem Zusammenhang ein äußerst bedeutsamer Vers, wo der Apostel das Alte Testament mit den Worten unseres Herrn verbindet, indem er den einen Ausdruck „Schrift“ für beide zusammen verwendet (siehe 5.Mo. 25,4 und Lk. 10,7). Die traditionellen Übersetzungen dieses Verses sind in der Vergangenheit oft heftig kritisiert worden, und verschiedene Gelehrte haben alle möglichen Varianten vorgeschlagen. Die häufigste Version lautet: „Jede von Gott inspirierte Schrift ist auch nützlich“. im Grundtext hat der griechische Satz kein Hauptverb. Vom grammatikalischen Standpunkt ist es deshalb zulässig, das Zeitwort „ist“ nach, statt vor dem Eigenschaftswort „von Gott eingegeben“ einzufügen und dann wie obige Version zu übersetzen. Gegen dies spricht jedoch, daß es dem kleinen Wort „und“ (kai) nicht gerecht wird, das zwischen den beiden Eigenschaftswörtern „von Gott eingegeben“ und „nütze“ steht. Dieses „und“ deutet an, daß der Apostel zwei Tatsachen über die Schrift feststellt: sie ist inspiriert sie ist nützlich. Deshalb ist die klassische Übersetzung vorzuziehen. Außerdem könnte die alternative Übersetzung so verstanden werden, als ob sie Zweifel an der Inspiration bestimmter Teile der Schrift anmeldet. Die Unterstutzer dieser anderen Lesart, die dennoch an der vollen Inspiration der Heiligen Schrift festhalten, argumentieren, daß es im Zusammenhang keinen Hinweis darauf gibt, daß die Inspiration der Heiligen Schrift in Frage gestellt wird und betonen, daß sich der ganze Abschnitt um Nutzen und Brauchbarkeit der Schrift zur Ausrüstung des Gläubigen für den Dienst dreht (siehe die spätere Anmerkung zu dieser Diskussion). „Von Gott eingegeben“ ist buchstäblich „Gott geatmet, Gott gehaucht“, ein Ausdruck, der nur hier im Neuen Testament gebraucht wird, obwohl sich der Gedanke in vielen anderen Stellen findet. Er will nicht die Idee vermitteln, daß Gott in die Autoren hineingeatmet hat, sondern vielmehr, daß die eigentliche Schrift von Gott ausgeatmet wurde. Sie wurde durch den Atem, den Hauch Gottes selbst ins Leben gerufen. Diese große Wahrheit der Inspiration zerstört nicht die Individualität der verschiedenen Schreiber. Eine Betrachtung von 2.Petr. 1,21 ist in dieser Sache hilfreich. Der göttliche Ursprung der Heiligen Schrift erklärt, warum sie nützlich ist. F. F. Bruce sagt in seiner Expanded Paraphrase: „Jeder einzelne Teil dieser Schriften ist göttlich inspiriert und nützlich zum Lehren der Wahrheit“. „Lehre“ ist ein sehr allgemeines Wort, das sowohl die Handlung als auch den Inhalt der Belehrung beschreibt. Sie hat die Vermittlung von Kenntnis im Blickfeld (1.Tim. 5,17), und Gegenstand aller Lehre sollte das Wort Gottes sein. „Überführung“ hat seine Wurzeln in dem Zeitwort tadeln und bedeutet zur Einsicht bringen (Titus 1,9). Einzelne Abschnitte des Galaterbriefes wären ein gutes Beispiel einer solchen Belehrung der Heiligen Schrift. „Zurechtweisung“ bedeutet wörtlich die Richtigstellung, dessen was falsch ist oder eine Wiederherstellung zu einer aufrechten Position. „Unterweisung“ vermittelt den Gedanken von Training. Das Wort bedeutete ursprünglich das Großziehen eines Kindes. Alle Gläubigen müssen in der Gerechtigkeit trainiert werden, was durch die Anwendung des Wortes Gottes geschieht. W. E. Vine sagt, daß die Gerechtigkeit hier nicht nur die Unterweisung charakterisiert, sondern auch den Zustand der Aufrichtigkeit und Geradheit vor Gott beschreibt, was auch die Auswirkung der Unterweisung sein muß.
Und Jehova zeugte gegen (O. warnte) Israel und gegen Juda durch alle Propheten, alle Seher, indem er sprach: Kehret um von euren bösen Wegen und beobachtet meine Gebote, meine Satzungen, nach dem ganzen Gesetz, das ich euren Vätern geboten, und das ich euch gesandt habe durch meine Knechte, die Propheten. Elberfelder 1871 – 2.Könige 17,13
Da vergegenwärtigte ER Jissrael und Jehuda durch all seine Künder, alljeden Schauempfänger, im Spruch: Kehret um von all euren bösen Wegen, wahret meine Gebote, meine Satzungen, nach all der Weisung, die ich euren Vätern gebot und die ich euch durch meine Diener, die Künder, übersandte! Buber & Rosenzweig – 2.Könige 17:13
und weil der Ewige Jisraël und Jehuda durch alle Gottbegeisteten und jeden Seher verwarnt hatte und gesprochen: «Kehrt um von euren bösen Wegen und wahrt meine Gebote, meine Satzungen, gemäß der ganzen Weisung, die ich euren Vätern geboten, und zu euch durch meine Diener, die Gottbegeisteten, entsandt habe», Tur-Sinai – 2.Kön 17,13
Zwar hatte der Ewige Jisrael und Jehudah gewarnt durch alle seine Propheten, alle Seher, indem er sprach: Kehrt um von euren bösen Wegen und wahrt meine Gebote und meine Satzungen entsprechend der ganzen Lehre, die ich euren Vätern geboten und die ich zu euch gesandt durch meine Knechte, die Propheten. Die Philippson-Bibel – 2.Kön 17:13
Diese Verse erklären die Gründe, warum Gott kein Wohlgefallen mehr an Israel hatte und es zuließ, dass das Volk erobert und ins Exil geführt wurde. Das Volk hatte andere Götter gefürchtet, nach den Bräuchen der Heiden gelebt und sich Höhen in all seinen Städten gebaut, dazu überall Gedenksteine und Ascherim (hölzerne Bilder), sowie ständig Götzendienst getrieben. Die Israeliten weigerten sich, auf seine Propheten zu hören, verhärteten stattdessen ihre Nacken und weigerten sich, dem Wort des Herrn, ihres Gottes, zu glauben. Sie kehrten den Ordnungen Gottes den Rücken und nahmen die von Menschen erfundene Religion ihrer Nachbarn an. Sie waren eifrig im Tun des Bösen und opferten ihre Söhne und Töchter falschen Göttern.
MacDonald – Kommentar zum Alten Testament
Der Verfasser unseres Textes ist sich bewusst, dass Gott sein Volk nicht mit dem Dekalog auf den Weg geschickt und dann sich selbst überlassen hatte. Vielmehr hatte Gott die beiden israelitischen Staaten immer wieder durch alle seine Propheten, jeden Seher warnend an seinen Willen erinnert. Chronologisch ist die Bezeichnung gewisser Gottesmänner als Seher vermutlich älter als deren Bezeichnung als Propheten. Worin besteht der Unterschied zwischen Seher und Prophet? Schon auf Gottes Offenbarung an Bileam wurde die hebr. Wortwurzel angewandt, die »zunächst das visionäre Schauen« meinte129, dann aber (anders als die Wurzel für »sehen«, die »in den prophetischen Visionsbericht einführt«) »allgemein auf den Empfang einer Offenbarung«, sei sie nun visueller oder akustischer Art, hinweist131. Bei den (zeitlich nach den »Sehern« auftretenden) »Propheten« im engeren Sinne, also nach Samuel, finden wir ein ganzes Spektrum von Offenbarungsformen, sodass verständlich wird, warum die Bezeichnung »Seher« auch auf sie angewandt werden konnte. In den Königsbüchern waren es neben anderen Prophetenj, die aber nur als Randfiguren und mit sehr begrenzter Wirksamkeit vorkamen, vor allem Elia und Elisa, auf die V. 13 zutrifft. Gestalten wie Amos und Hosea im Nordreich, Jesaja und Jeremia im Südreich, die ja gewiss auch Aufsehen erregt haben, kommen hier nicht vor. Das 2Kön erwähnt für das Nordreich nach Elisa keine konkreten Prophetengestalten mehr. War die Tatsache, dass Jahwe keine Propheten mehr sandte, für den Verfasser unseres Buches ein Grund für die Katastrophe Israels? V. 13 beschreibt den Inhalt der prophetischen Verkündigung in äußerster Gedrängtheit: Es ist die Umkehrbotschaft, d.h. die Aufforderung zur Rückkehr zu Gott, und die Erinnerung an Gottes Willen, wie er sich in der Thora niedergeschlagen hat. Beides steht in einem unlösbaren Zusammenhang miteinander: Man kann nicht in Verbindung mit Gott leben und dabei seinen Willen ignorieren; das wäre Schwärmerei. Man kann nicht nach Gottes Geboten leben und dabei Gott selbst ignorieren – das wäre tote Gesetzlichkeit. Das hat auch Jesus gewusst: Nicht umsonst hat er seinen Jüngern eingeprägt: »Liebt ihr mich, so werdet ihr meine Gebote halten« (Joh 14,15). Es ist bemerkenswert, dass die Gabe der Thora an die »Väter« – also durch Mose auf dem Sinai – und an die jetzige Generation durch die Propheten geradezu auf eine Stufe gestellt wird. Beide Vorgänge verhalten sich zueinander wie die grundsätzliche Bekanntmachung zur jeweiligen Aktualisierung. Damit ist den Propheten und ihrer Verkündigung eine sehr große Bedeutung beigemessen, die man nicht ungestraft unbeachtet lassen durfte.
Neudorfer – Wuppertaler Studienbibel
Der Erzähler führt die Ursachen an, die die göttliche Strafe erforderlich machten. Seine Anklage gegen Israel beginnt mit einer Erinnerung daran, dass Gott allein die Israeliten aus ihrer Unterdrückung und Knechtschaft in Ägypten befreit und sie in das Gelobte Land gebracht hatte. Ihr historisches Fundament war im Wesentlichen ein geistliches. Nachdem Gott Israel aus der Knechtschaft in die herrliche Freiheit geführt hatte, konnte er mit Recht von ihnen erwarten, dass sie in einem neuen Leben wandeln, wie es sich für ein erlöstes Volk gehört (vgl. Dtn 5-6; 10,12-11,32).
Das Gegenteil war jedoch der Fall. Die schändliche Bilanz der geistlichen Hurerei Israels wird aufgezählt (vgl. Jes 5; Mich 6,3-5.9-16). Entgegen den klaren Verboten Gottes (Ex 20,2-6; Lev 18,4-5.26; 20,22-23; Dtn 5,6-10) ließ sich das Volk auf die Anbetungsformen der heidnischen Völker ein, die Gott aus dem Land vertrieben hatte. Israels eigene Könige leiteten diesen Abfall förmlich ein, und ganz Israel folgte ihrem hinterhältigen Plan, so zu tun, als würde man Gott in der offiziellen Staatsreligion anbeten.
Die Dinge wurden noch schlimmer. Die äußeren Riten wurden immer offenkundiger falsch. Zu Israels Anbetung gehörten das Aufstellen von Heiligtümern und Aschera-Stangen, die Befolgung heidnischer Räucherbräuche, die Anbetung auf kultischen Höhen und sogar offener Götzendienst. Obwohl Gott die Völker, die diese Abscheulichkeiten praktizierten, aus dem Land vertrieben hatte, verderbte sich Israel weiterhin mit ihnen. Obwohl Gott Propheten gesandt hatte, um das Volk zu warnen, sich von dieser Schlechtigkeit abzuwenden, verband sich Israel weiterhin mit den Gräueln der Kanaaniter. Außerdem machte es sich ihre Strafe zu eigen. So wie Gott die Kanaaniter vertrieben hatte, so würde er auch Israel vertreiben (V. 18-20, 23), ins Exil (V. 23).
Die Warnung erwies sich als vergeblich. Die Israeliten waren starrsinnig und weigerten sich, Gottes Gebote und Warnungen anzuerkennen. Wie die umliegenden Völker folgten sie wertlosen Götzen und wurden für Gott nutzlos. Sie probierten alle Arten von Götzendienst aus, von den Kälbern Jerobeams bis zu den Pfählen der Aschera, von der Anbetung der himmlischen Heerscharen bis zu der des Baal und der abscheulichen Praxis der Menschenopfer. Wahrsagerei und absichtliche Zauberei hatten ihre spirituelle Erfahrung weiter verdorben. Vor allem aber hatten sie nicht nur Gottes Bund mit ihnen verleugnet, sondern auch den Gott des Bundes, indem sie seine rechtmäßige Herrschaft über sie ablehnten.
Tremper Longman III & David E. Garland – Der Bibelkommentar des Auslegers
Dennoch: Da der Text nur die übliche hebräische Konjunktion am Anfang dieses Verses hat, kann man sie wie in GNT und NJPSV unübersetzt lassen. In einigen Sprachen kann es jedoch notwendig sein, die Beziehung dieses Verses zum vorhergehenden genauer darzustellen. Dies kann durch den Beginn „Sie taten [all] dies, obwohl….“ geschehen.
Gewarnt: REB übersetzt dieses Verb mit „feierlich beauftragt“. Da die Warnung des HERRN den Handlungen des Volkes Israel und Juda vorausging, die ebenfalls in der Vergangenheit lagen, wird in vielen Sprachen eine Verbform wie das Perfekt von GNT: „hatte gesandt … zu warnen“.
Jeder Prophet und jeder Seher: Im Hebräischen gibt es keine Konjunktion und, aber BHS hat wahrscheinlich recht, wenn sie vorschlägt, dass der hebräische Buchstabe waw am Ende des hebräischen Wortes für Prophet (wörtlich „sein Prophet“ auf Hebräisch) an den Anfang des nächsten Wortes verschoben werden sollte, damit das waw zu einer Konjunktion wird. Die Worte Prophet und Seher sind als Synonyme zu verstehen. Das hebräische Wort, das mit Seher übersetzt wird, findet sich in 2 Sam 24,11, wo es parallel zu Prophet verwendet wird. Die Bedeutungen der beiden Begriffe überschneiden sich und beziehen sich mit ziemlicher Sicherheit auf dieselben Personen. Das Wort Seher konzentriert sich auf die Tatsache, dass die Person eine Art Vision gesehen hat.
GNT lässt das wiederholte Adjektiv every weg, aber es scheint keinen legitimen Grund dafür zu geben. Den Übersetzern wird daher empfohlen, das Adjektiv nicht wegzulassen, da es der Betonung des Textes dient.
Kehrt um von euren bösen Wegen …: Nur bei Jeremia (7:3, 5; 18:11) und Hesekiel (33:11) wird von Propheten berichtet, die so etwas wie diese Warnung ausgesprochen haben. Da diese beiden Propheten mehrere Jahre nach der Zeit von König Hoschea auftraten, sehen Ausleger dies als eine Aussage an, die zeitlich nicht in die Geschichte passt. Aber nach Dtn 18,18 ist Mose das Vorbild für alle zukünftigen Propheten.
Zu den Worten Gebote, Satzungen und Gesetz siehe die Kommentare zu 1 Könige 2:3.
Eure Väter bezieht sich in diesem Zusammenhang auf „eure Vorfahren“ (GNT).
Die ich euch gesandt habe: Das hebräische Verb für senden ist ein allgemeines Verb, das sich auf das Senden von Personen und Dingen, einschließlich Nachrichten, bezieht. In diesem Zusammenhang gibt es auch die Übersetzungen „die ich euch übermittelt habe“ (NJPSV) und „die ich euch weitergegeben habe“ (GNT).
Das direkte Zitat in diesem Vers könnte auch indirekt in vielen Sprachen wiedergegeben werden. Es ist unwahrscheinlich, dass diese genauen Worte jedem Propheten und Seher in Israel und Juda mitgeteilt wurden. Ein mögliches indirektes Sprachmodell könnte wie folgt aussehen: -… hatte Israel und Juda ermahnt, ihre bösen Wege zu verlassen und seine Gebote zu befolgen. Diese Gebote sind in dem Gesetz enthalten, das der HERR ihren Vorfahren gegeben hat und das ihnen von allen Propheten, den Dienern des HERRN, überliefert wurde.
Neueste Kommentare