Tag: 24. Dezember 2009

„Sie können gar keine Schmerzen haben…“

„…weil anderen tut das auch nicht weh!“ ????

Hirn-Vernetzung verhindert Schmerzen
Individuelle Schmerzempfindlichkeit spiegelt sich in Gehirnfunktion wider

Dass die Vernetzung im Gehirn das subjektive Schmerzempfinden beeinflusst, hat jetzt ein internationales Wissenschaftlerteam gezeigt. Die Ergebnisse der neuen Studie stellt die Fachzeitschrift „Proceedings of the National Academy of Sciences“ (PNAS) in ihrer aktuellen Ausgabe vor.

Wie und wie intensiv ein Mensch Schmerzen empfindet, ist in höchstem Maße subjektiv: Der objektiv gleiche Schmerzreiz wird von verschiedenen Menschen und zu unterschiedlichen Zeitpunkten ganz unterschiedlich wahrgenommen.

Markus Ploner und seine Kollegen aus der Klinik für Neurologie am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität (TU) München untersuchten zusammen mit der Universität Oxford nun die Gehirnaktivität, die diesen Unterschieden zugrunde liegt.

Empfänglichkeit für Schmerz untersucht
Die Forscher konnten zeigen, dass die Vernetzung bestimmter Gehirnareale untereinander dafür verantwortlich ist, wie empfänglich jemand für einen voraussichtlichen Schmerzreiz ist. Mit Hilfe der funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT) zeichneten sie in ihrer Studie die Gehirnaktivität von Personen auf, die potenziell schmerzhafte Hitzereize empfingen. Sie betrachteten dabei insbesondere die Gehirnaktivität in dem Zeitraum kurz vor dem erwarteten Schmerzreiz.

„Unsere Untersuchung ergab, dass ein Reiz mit geringerer Wahrscheinlichkeit als schmerzhaft empfunden wird, wenn eine bestimmte Region der Hirnrinde und der Hirnstamm kurz vor dem Schmerzreiz enger vernetzt sind. Ist die Vernetzung geringer, ist auch das Schmerzempfinden größer“, erläutert Ploner.

Schmerzpersönlichkeiten identifiziert
Die Forscher konnten zudem zeigen, dass auch individuelle Persönlichkeitsmerkmale wie Ängstlichkeit oder Aufmerksamkeit gegenüber dem Schmerz mit dem Grad der Vernetzung korrespondieren.

Dazu Ploner: „Bei ängstlicheren Personen konnten wir zum Beispiel eine schwächeren Einfluss der Vernetzung in der Phase kurz vor dem Schmerzreiz feststellen. Die Studie belegt somit, dass es unterschiedliche ‚Schmerzpersönlichkeiten‘ gibt und dass sich diese Unterschiede in der funktionellen Vernetzung des Gehirns manifestieren.“

(idw – Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München, 02.12.2009 – DLO)

Studie bewertet verschiedene Schmerztypen bei Arthrose

Einbildung? Wie mit Schmerzen umgehen?

Gefunden bei der Schmerzakademie

Studie bewertet verschiedene Schmerztypen bei Arthrose
(sra) Bei der Arthrose handelt es sich um eine Gelenkerkrankung, die durch Über- oder Fehlbelastung entsteht. Meist ist ein kleiner Knorpelschaden Auslöser der immer weiter fort-schreitenden Veränderungen am Gelenk. Am häufigsten betroffen sind die Knie, Hüfte und Handgelenke. Nun verursacht die Arthrose unterschiedliche Beschwerden bei den Betroffenen. Der eine klagt über unerträgliche Schmerzen, die sein ganzes Leben bestimmen. Andere kommen ganz gut mit der Belastung klar. Kanadische Wissenschaftler haben versucht, die unterschiedliche Schmerzerfahrung von Arthrosepatienten zu verstehen.

Von den 143 Männern und Frauen im Alter von 47 bis 92 Jahren, die an der Studie teilnahmen, wurden Fragebögen ausgefüllt. Darin beschrieben sie die Art ihrer Schmerzen und bewerteten sie. Die Auswertung ergab, dass Arthrosepatienten es meist mit zwei unterschiedli-chen Schmerztypen zu tun haben. Ein Schmerz ist dumpf, tritt aber ununterbrochen über den ganzen Tag auf. Dieser Schmerz wird mit zunehmendem Krankheitsverlauf immer stärker. Hinzu kommt aber auch ein punktueller spitzer Schmerz, der nur kurz anhält, dafür aber völlig überraschend auftritt.

Genau diese kurzen aber heftigen Schmerzepisoden sind es, die Arthrosepatienten sehr belasten, so das Ergebnis der Untersuchung. Mobilität, Stimmung und Schlaf leiden sehr unter den kurzzeitigen Beschwerden. Weil das Auftreten des Schmerzes nicht vorherzusagen ist, hat er den größten Einfluss auf die Lebensqualität. Bei der schmerztherapeutischen Behandlung von Arthrose sind daher nicht nur langfristig wirksame Medikamente für den Dauerschmerz gefragt. Es muss vor allen Dingen an den kurzfristig wirksamen Mitteln gefeilt werden.

Quelle:
GA Hawker et al.: Understanding the pain experience in hip and knee osteoarthritis ? an OARSI/OMERACT initiative. Osteoarthritis Cartilage (2008) in Druck

ist denn heute Weihnachten??

Habe heute auf der Website vom einem Wissenschaftsmagazin gefunden. Dort heißt es auszugsweise:

Alle Jahre wieder…. feiert man fast überall auf der Erde das Weihnachtsfest. Auch bei uns sind die Vorbereitungen schon in vollem Gange: In den Wetterberichten läuft der Countdown für die weißen Weihnachten, geschmückte Tannenbäume stehen überall und die ersten Weihnachtsgänse mussten schon „dran glauben“.

Wintersonnwende versus Christfest
Wann ist Jesus wirklich geboren?

Dass wir Weihnachten am 24. und 25. Dezember feiern, ist keineswegs Zufall. Allerdings weniger deshalb, weil Jesus Christus an diesem Tag geboren sein soll, sondern weil er schon vor den Anfängen des Christentums eine besondere Bedeutung hatte. Sie wurde im wahrsten Sinne des Wortes durch den Himmel selbst vorgegeben: Es ist der Tag der Wintersonnwende, von diesem Zeitpunkt an beginnen die Tage wieder länger zu werden. Fast alle Völker und Religionen haben diesen „Sieg der Sonne über die Finsternis“ mit besonderen Festen und Kulten gefeiert.

„Denn am 25. Dezember geschieht dieser Einschnitt, der eine Wende ist, und es beginnt zu wachsen der Tag, da das Licht den Zuwachs bekommt….“
(Epiphanios, 315-403 v. Chr.)

Sonnengötter zur Wintersonnwende…
Gerade im Mittelmeerraum, in dem das Christentum in den ersten Jahrhunderten nur eine Religion unter vielen war, mischten sich die verschiedensten Kulte und Gebräuche. Besonders etabliert waren der Mithras-Kult und die Feiern zu Ehren des thrakischen Gottes Dionysos. Dionysos wurde im alten Griechenland als Erlöser und Gott der Fruchtbarkeit und des Wachstums verehrt. Das „Wachsen“ der Tage stand für seinen Einfluss. Die Anhänger des Mithras-Kultes dagegen verehrten einen – ursprünglich indischen – Lichtgott.

Mit der Ausbreitung des römische Reiches wanderte dieser Glaube aus Mesopotamien und Vorderasien ein und wurde zu Beginn des vierten Jahrhunderts zur römischen Staatsreligion erklärt. Die Wintersonnwende galt seitdem als offizieller Reichsfeiertag, als Geburtstagsfeier des „sol invictus“ – der unbesiegbaren Sonne. Auch die Idee eines Geburtsfestes zur Wintersonnwende war keineswegs eine Erfindung des Christentums: Im ägyptischen Glauben wurde an diesem Tag das Fest der Göttin Isis und die Geburt des Horuskindes gefeiert.

Wann ist Christus geboren?
Für die noch vergleichsweise junge Religion Christentum war es nicht leicht, sich in der Fülle der etablierten Kulte und Gebräuche zu etablieren. Die ersten Christen kannten noch keine Feier zur Geburt Jesu, einziger Feiertag war das Passahfest. Erst nachdem sich die neue Religion weiter ausgebreitet hatte, unternahmen Kirchenfürsten die ersten Versuche, Ereignisse im Leben Christi und auch seinen Geburtstermin zu berechnen und danach einen Festkalender anzulegen.

Der Legende und auch diesen Berechnungen nach konnte Christus jedoch auf keinen Fall mitten im Winter geboren worden sein. Glaubte man den Berichten von den „auf dem Felde lagernden Hirten“, muss die Geburt zwischen Frühjahr und Herbst stattgefunden haben, denn nur dann hielten sich die Hirten Judäas und mit ihren Herden überhaupt draußen auf. Entsprechend kursierten Termine am 28. März, 2. oder auch am 19. April oder 20. Mai. Allerdings war dabei von vornherein klar, dass sich dieses eher unauffälligen Termine nicht gegen die etablierten Feste der „heidnischen “ Kulte würden durchsetzen können. Was also tun?

Ein heidnisches Fest wird annektiert….
Im Jahr 217 ging die Kirche in die Offensive: Papst Hippolytos setzte sich für den 25.Dezember als Tag der Christgeburt ein. Er hoffte, damit die ursprünglich „heidnische “ Bedeutung dieses Festes langsam mit christlichen Inhalten zu „unterwandern. Währenddessen breitete sich das Christentum immer weiter aus und begann, sich zu etablieren.

Um 330 schließlich wurde es offiziell: Kaiser Konstantin erklärte das Christentum zur römischen Staatsreligion und funktionierte kurzerhand den alten Sonnengott zum Christengott um, der als „lux mundi“ – Licht der Welt – die „Sonne der Gerechtigkeit erschaffen hat“. Damit wurde auch die Christgeburt auf den 25. Dezember fixiert, seit 381 sogar als offizielles Dogma der Kirche.

Im Mittel- und Nordeuropa sollte es allerdings noch einige Jahrhunderte dauern, bis sich das neue Christfest gegen die germanischen und keltischen Sonnen- und Fruchtbarkeitskulte zur Wintersonnwende durchsetzen konnte. Im deutschen Sprachraum erkannte eine Synode den 25. Dezember erst im Jahr 813 als allgemeinen kirchlichen Feiertag an.

………..

Warum gerade Rentiere?
Der Weihnachtsmann und seine stillen Helfer

Während der Weihnachtsmann seinen umfangreichen Leib durch den Kamin zwängt, um im Haus die Geschenke zu verteilen und sich an Milch und Keksen zu laben, warten sie treu auf dem Dach: Die Rentiere. Das Bild vom Weihnachtsmann, der auf einem von Rentieren gezogenen Schlitten durch die Luft fliegt, ist weitverbreitet. Aber warum gerade Rentiere? Hätte der Weihnachtsmann nicht einfach Pferde vor seinen Schlitten spannen können, wie jeder andere auch?

Angefangen hat der Weihnachtsmann überhaupt ganz anders. Als Papst Gregor im Jahre 354 den 25. Dezember offiziell zum Geburtstag Jesu erklärte und damit die heidnische Feier der Wintersonnenwende christianisierte, spielte der Weihnachtsmann noch keine Rolle für das Fest. Lange Zeit brachte das Christkind die Geschenke, die die Gaben der Heiligen Drei Könige symbolisieren. Erst im 19. Jahrhundert setzte sich der Weihnachtsmann zunächst in Norddeutschland durch.

Er entstand als eine Mischung des heiligen St. Nikolaus („Ich hab euch auch was mitgebracht.“) und dem eher negativ besetzten, strafenden Knecht Ruprecht („Seid ihr denn auch brav gewesen?“). Das erste Bild des Weihnachtsmannes entstand 1847, als Moritz von Schwind einen weißbärtigen, beleibten Mann mit langem Kapuzenmantel zeichnete: Herrn Winter. Herr Winter als Weihnachtsmann setzte sich zunehmend durch, vielleicht auch, weil er leichter in Schokoladenform zu pressen war, als das Christkind. Rentiere besaß er aber noch nicht.

Ein Besuch vom Nikolaus
Der Rentierschlitten tauchte erst im Jahre 1868 in einer Zeichnung im Harper’s Magazine auf. Aus Amerika stammt auch die Vorstellung, dass der Weihnachtsmann durch den Kamin in die Häuser steigt. In dem Gedicht „Ein Besuch vom Nikolaus“ von Clement Moore werden die Rentiere, die den Schlitten ziehen, erstmals schriftlich erwähnt. Möglicherweise wurden Rentiere einfach deshalb gewählt, weil sie als Zugtiere für Schlitten bei den Nomaden eine lange Tradition haben. Es gibt aber auch andere Theorien:

Einige nordostsibirische Stämme (die Korjaken, Tschuktschen und Kamtschadalen) verehrten den großen Rentiergeist. Mithilfe von Fliegenpilzen, die als Sud oder in getrocknetem Zustand verzehrt wurden, konnten die Schamanen Kontakt mit diesem Geist aufnehmen. Ein polnischer Kriegsgefangener schilderte 1658 diese Gewohnheit: „(…) Sie essen gewisse Pilze, die wie Fliegenpilze aussehen und davon werden sie schlimmer betrunken als von Wodka, aber für sie ist das das schönste Bankett.“

Von den halluzinogenen Pilzen berauscht, „schwebte“ der Schamane durch das Rauchabzugsloch seiner Hütte in die Welt der Rentiergeister, aus der er Tänze, Geschichten und Lieder als „Geschenke“ für sein Volk mitbrachte. Ersetzt man nun den Rauchabzug durch einen Kamin und die Lieder und Tänze durch Barbie und Playmobil, ist man schon ziemlich nah dran am Weihnachtsmann.

Von geflügelten Rappen zu fliegenden Rentieren
Eine andere Theorie basiert auf einem muslimischen Wanderprediger namens Sari Saltuk. Die zahlreichen Legenden, die sich um diese Gestalt gebildet haben, decken sich teilweise mit Erzählungen vom Nikolaus in Europa. Vermutlich flossen in die Gestalt des Weihnachtsmannes Elemente dieses Wanderpredigers mit ein. Sari Saltuk gelangte schließlich auf dem geflügelten Pferd Ankabil nach Lappland, wo er unsterblich weiterlebt. Möglicherweise entstanden aus diesem geflügelten Rappen die fliegende Rentiere.

Aber egal, ob nun Moore als Professor für ostasiatische Sprachen eine seiner Lieblingslegenden der Korjaken in sein Weihnachtsgedicht einbaute oder ob Ankabil sich zum Rentier gewandelt hat, eines ist sicher: Ohne seine Rentiere wäre der Weihnachtsmann ganz schön aufgeschmissen.

Weihnachtsmann versus Christkind
Wer bringt denn nun die Geschenke?

Weihnachtsmann und Christkind treten nie gemeinsam auf. Immer ist es nur einer von beiden, der die Geschenke bringt. Bei einer Umfrage im Jahr 1932 kristallisierte sich eine deutlich räumliche Trennung in der Verbreitung des Weihnachtsmannes beziehungsweise des Christkindes als Gabenbringer heraus. In ganz West-, Südwest-, und Süddeutschland glaubten die Kinder an das Christkind, in Mittel-, Nord und Ostdeutschland dagegen an den Weihnachtsmann.

Auf ersten Blick lassen sich daraus die Korrelationen Christkind – katholisch, Weihnachtsmann – evangelisch ableiten. Dies trifft jedoch erst seit dem 19. Jahrhundert zu. Zurzeit der Entstehung der Bräuche war die Verteilung genau umgekehrt: für die evangelischen Kinder brachte das Christkind die Geschenke, bei den katholischen Kindern übernahm zunächst der Nikolaus diese Aufgabe, aus dem sich später der Weihnachtsmann entwickelte.

Die Funktion dieser Figuren ist die gleiche. Die beschenkten Kinder werden in Unwissenheit über die Spender ihrer Geschenke belassen. Nicht die Eltern, Großeltern, Tanten und Onkel haben die Geschenke gekauft, sondern eben der Weihnachtsmann oder das Christkind. Das Verhältnis des Beschenkens war einseitig, denn Christkind und Weihnachtsmann kann man nichts schenken. Außer mit Artigsein konnte man sich nicht einmal bedanken. Selbst konkrete Wünsche per Wunschzettel hatten wenig Erfolg, denn man wusste nicht, ob – und wenn ja – was sie bringen würden. Schließlich hielten sich beide die übrige Zeit des Jahres irgendwo in unerreichbarer Ferne – im Himmel oder in einem riesigen Wald weit im Norden – auf und kamen extra für Weihnachten zu uns.

Beide Figuren haben sich erst im Laufe der Schenktradition entwickelt und sind längst nicht so alt, wie das Weihnachtsfest selbst.

Ursprung des Christkinds
Urheber der Figur des Christkindes ist indirekt Martin Luther. Der wollte den bis dahin für die Geschenke zuständigen Nikolaus – der auf den heilig gesprochenen Bischof Nikolaus von Myra zurückgeht – in seinem allgemeinen Kampf gegen die Verehrung von Heiligen zurückdrängen. Daher verlegte er 1535 die bisher am Nikolaustag gebräuchliche Kinder- und Familienbescherung auf Weihnachten. Die Gaben brachte nun nicht mehr der heilige Nikolaus, sondern der „heilige Christ“. Für die Kinder und die einfachen Leute war diese Figur zu anonym und gestaltlos und wurde daher nach und nach zum Christkind verniedlicht.

Das Christkind symbolisiert nicht, wie wohl häufig angenommen wird, das neugeborene Jesuskind in der Wiege, sondern ist eine aus den vielfältigen Weihnachtsumzügen und Krippenspielen entnommene Figur. Maria und Joseph mit dem Jesuskind wurden von engelhaften, weißgewandeten Mädchen mit offenem goldenen Haar begleitet, deren Anführerin das häufig verschleierte „Christkind“ war. Diese Figur wiederum war von den zahlreichen Heiligenbildchen und Kirchendarstellungen abgeguckt.

Entstehung des Weihnachtsmanns
Auch der Weihnachtsmann hat eine lange Entwicklung hinter sich. Im 16.Jahrhunder füllte in der katholischen, aristokratischen Oberschicht der Nikolaus in der Nacht vom 5. auf den 6. Dezember die Stiefel oder Socken. Brave und fleißige Kinder belohnte er, faule ließ er von einem Gehilfen bestrafen: Knecht Ruprecht – auch Hans Muff, Krampus oder Klaubauf genannt.

Während des 19. Jahrhunderts ging die Verwandlung zum Weihnachtsmann vor sich. Zusammengesetzt aus den Stiefeln, dem Sack und der Rute des Knecht Ruprecht, dem langen weißen Bart aus der kindlichen Gottvater-Vorstellung und dem roten Bischofsornat und der schenkenden Funktion des Nikolaus, entstand der typische Weihnachtsmann.

Inzwischen hat sich die Funktion des Weihnachtsmannes vom liebevollen, aber dennoch autoritären Vater, der das Kind für Bravsein belohnt und für Ungehorsam tadelt, zu einer mehr spaßigen Figur in einem dicken, roten Pelzmantel, einem mächtig runden Bauch und roten, dicken Backen gewandelt.

Oh Tannenbaum…
Die Geschichte des Weihnachtsbaums

Mehr als 25 Millionen Weihnachtsbäume werden auch dieses Jahr wieder in deutschen Wohnzimmern stehen. Für (fast) alle deutschen Familien gilt demnach: Ein Weihnachten ohne „Christbaum“ ist kein richtiges Weihnachten. Aber woher stammt eigentlich der Weihnachtsbaumbrauch? Seit wann gibt es ihn? Und wie sieht es mit der Geschichte vom „Tannen“baum in anderen Ländern und Kulturen aus?

Häufig liest man in Geschichten rund um das Weihnachtsfest von einem germanisch-heidnischen Ursprung des Weihnachtsbaumbrauchs. Dies ist mit Sicherheit genauso falsch, wie viele der Tannenbäume, die uns zur Adventszeit in den Städten und Läden begegnen. Der Weihnachtsbaum ist als Symbol so sehr in unserer Kultur verwurzelt, dass man sich nicht vorstellen kann, dass er wirklich erst seit circa 300 Jahren zum Christfest dazu gehört.

Die Idee den Jahreswechsel mit grünen Zweigen zu feiern, war zwar schon den Römern nicht fremd, feierten sie doch die Kalenden in Häusern, die mit Lorbeerzweigen geschmückt waren. Und auch in Deutschland verzierten die Menschen schon zur Zeit des Mittelalters Haus und Hof mit Tanne, Mistel oder Wacholder, um sich vor Gefahren zu schützen. Sehr zum Missfallen der Kirche übrigens, wie viele Verbote zu dieser Sitte aus der damaligen Zeit belegen. Als Weihnachtsbäume nach unserem Kulturverständnis kann man diese „Dekoration“ jedoch nicht gelten lassen. Betrafen sie doch eher den Außenbereich des Hauses und von Kerzenscheinromantik gab es nicht die geringste Spur.

Lichtergold und Baumgrün
Wann also fängt die „richtige“ Geschichte unseres Christbaums mit der idealen Verbindung von Lichtergold und Baumgrün wirklich an?

Bremen 1570 n.C.: Aus diesem Jahr stammen die ersten Belege für den Weihnachtsbaumbrauch in Deutschland. In den Zunfthäusern des städtischen Handwerks stellte man kleine Tannenbäumchen behängt mit Datteln, Nüssen, Äpfeln auf, die dann zur Weihnachtszeit von den Kindern „geplündert“ werden durften. Knapp 30 Jahre später zogen auch in Basel Handwerksgesellen zur Weihnachtszeit mit grünen Bäumen durch die Straßen. In der Unterkunft angekommen, wurden die mit Äpfeln und Käse verzierten Bäume schließlich aufgestellt und die Leckereien in geselliger Runde verzehrt.

Zischgold, Papierrosen und Oblaten
Aus diesen „Happenings“ fand das Weihnachtsbäumchen dann im Laufe des 17. Jahrhunderts seinen Weg in die Wohnstuben der Familien. Die neue Mode konnte man aber ausschließlich in den Städten des Landes beobachten und zunächst fehlte noch immer der Kerzenschmuck wie er heute üblich ist. Stattdessen war der Baum mit Zischgold, Papierrosen und Oblaten behängt. Erst ab 1730 kamen dann auch allmählich Kerzen dazu, der Weihnachtsbaum wie man ihn heute kennt war „geboren“.

Schnell wurde er danach zum Mittelpunkt des Heiligen Abends in der wohlhabenden Kleinfamilie, zum Symbol des bürgerlichen Kinderbescherfestes. Und auch der zum Teil heute noch übliche Ablauf des Heiligabend entwickelte sich bereits zur damaligen Zeit. Das heimliche Schmücken des Baums durch die Eltern, die Spannung der erwartungsfrohen Kinder, das rituelle Anzünden der Kerzen, die Begeisterung beim Auspacken der Geschenke.

Neben dem Großbürgertum nahm sich aber noch eine gesellschaftliche Gruppe der Verbreitung des Weihnachtsbaumbrauchs an: die Aristokratie. Nachweislich erstrahlten lichtergeschmückte Weihnachtsbäume bereits im Jahre 1796 im Wandsbeker Schloß und weniger später, 1816, gab es sie auch am Österreichischen Hof.

Einzug in alle Schichten
Zum Festsymbol für die breite Masse wurde der Weihnachtsbaum aber erst zurzeit des deutsch-französischen Krieges von 1870/71. Um die Moral der Truppe zu stärken, ließ man in Lazaretten, Quartieren und Unterständen Weihnachtsbäume aufstellen und Kerzen entzünden. Die Kriegsheimkehrer trugen dieses gefühlsbeladene Erlebnis mit in ihre Familien, der Weihnachtsbaum wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts in ganz Deutschland bekannt. Da durch den zunehmenden Eisenbahnverkehr auch die Versorgung mit Weihnachtsbäumen gesichert war, hielt der Christbaum nach und nach Einzug in die Wohnzimmer aller sozialen Schichten.

Schnell entbrannte allerdings der Wettbewerb um den größten Baum, die meisten Kerzen, den teuersten Baumschmuck und die kostbarsten Geschenke zum Fest. Nach dem 1. Weltkrieg hatte sich der Weihnachtsbaum schließlich überall durchgesetzt und war zum unverrückbaren Mittelpunkt des Heiligen Abends geworden. Trotz des Versuches der Vereinnahmung durch den Nationalsozialismus und der Entwertung durch die Werbung und den Konsumrausch seit den Wirtschaftwunderjahren hat der Weihnachtsbaum diese Stellung bis heute nicht verloren.

Weitere Daten und Fakten zum Weihnachtsbaum

1642 wird der erste Weihnachtsbaum in einem Privathaus aufgestellt
1775 gibt es in der Stadt Zürich den ersten weihnachtlichen Lichterbaum
1820 kommt die Weihnachtsbaumsitte in die Prager Adelspaläste
zur gleichen Zeit erobert der Weihnachtsbaum über Dänemark den norwegischen Königshof und Russland
im Laufe des 19. Jahrhunderts erreicht der „Christmas Tree“ Amerika und andere überseeische Gebiete
1891 wird erstmals ein Christmas Tree vor dem weißen Haus in Washington aufgestellt
1924 gibt es den ersten Straßenweihnachtsbaum (für die Armen) in Weimar
ab 1930 erlangt der Weihnachtsbaum auch in England große Popularität
nach dem zweiten Weltkrieg erobert der lichterglänzende Christbaum sogar Lateinamerika:
so importiert man beispielsweise nach La Paz, der Hauptstadt Boliviens, – wenn man es sich denn leisten kann – gerne Tannenbäume aus Deutschland und besteckt sie am Heiligabend mit Watteflocken
seit 1947 schickt die norwegische Hauptstadt Oslo jedes Jahr einen Weihnachtsbaum nach London, der dort auf dem Trafalgar Square aufgestellt wird

……

Weihnachtskerle und Mistelzweige….
Weihnachtsbräuche in aller Welt

Wenn alle den selben Anlass feiern, müssten sich dann nicht auch die Feste ähneln? Keineswegs. Besonders das Weihnachtsfest zeigt deutlich, wie stark Geschichte, Gesellschaft und alte („heidnische“) Bräuche die Traditionen auch der christlichen Feste geprägt haben.

Während bei uns Weihnachtsbaum, Besinnlichkeit und Kerzenschein die Weihnachtszeit prägen, gleicht das Fest in einigen Ländern mehr unserem Karneval oder Silvester. In anderen spielen statt Weihnachtsmann und Christkind Zwerge, Weihnachtskerle und sogar Ziegenböcke die Hauptrollen im Weihnachtsgeschehen.

Wenn der Weihnachtsmann per Hubschrauber kommt…
In Südamerika fällt Weihnachten in den Hochsommer, Krippen stehen unter Palmen und neben Sambarhythmen erklingen auch bei 40 Grad Hitze die Lieder von der „stillen Nacht“. Statt an Tannen oder Fichten werden die Weihnachtskerzen an Pinien und Kakteen befestigt, und in Rio de Janeiro ziert ein riesiger Weihnachtsbaum aus Pappmaché den Hauptplatz.

Ein absolutes „Muss“ in den Weihnachtstagen sind für viele Südamerikaner Weihnachts-Stierkampf und Weihnachtslotterie, ein Erbe der spanischen Traditionen. Mit deutschen Einwanderern haben sich deutsche Weihnachtstraditionen inzwischen bis ins Hochland Chiles und Perus ausgebreitet: In La Paz gilt ein importierter Tannenbaum heute als Prestigeobjekt, er wird am Weihnachtstag mit Wattebäuschen als Schnee-Ersatz geschmückt.
In Brasilien kommt der Weihnachtsmann seit kurzem ganz modern – mit dem Hubschrauber. Statt „Von drauß‘ vom Walde…“ jetzt „Out of the Blue…“

Krippen, Mandelzucker und Weihnachtsklotz…
In den meisten romanischen Ländern war Weihnachten ursprünglich weniger ein besinnliches Fest der Familie als vielmehr ein Anlass zu ausgelassenem Feiern. Die traditionelle Mitternachtsmesse wird häufig zum großen und prunkvollen Schauspiel, bei der besonders in Italien die Weihnachtskrippe im Mittelpunkt steht. Es wird viel und lange gegessen und tagsüber besucht man die bunten Märkte, auf denen die typischen Weihnachtssüßigkeiten Mandelzucker und „Panderetas“ verkauft werden.

Als Höhepunkt des Festes verbrennen in Frankreich viele Familien noch immer den traditionellen Weihnachtsklotz, den „Bouche de Noel“ im Kamin. Der Weihnachtsbaum wurde erst in den letzten Jahrzehnten aus Deutschland importiert, setzt sich aber heute immer mehr durch.

Julschinken, Zwerge und Weihnachtsziegen…
In Skandinavien sind zu Weihnachten oder „Jul“ ursprünglich weder der würdige oder strenge Weihnachtsmann noch das goldige Christkind die Hauptperson. Stattdessen treiben die Julenissen – die Weihnachtszwerge ihr Unwesen. Die Geschenke werden nicht von ihnen gebracht, sondern im „Julklapp“ unter lautem Rufen ins Zimmer geworfen. Wie bei einem Gesellschaftspiel muss jeder selbst herausfinden, welches Geschenk für ihn bestimmt ist. In den letzten Jahrzehnten hat allerdings auch hier der Weihnachtsmann begonnen, die Zwerge langsam zu verdrängen.

Auf dem Lande zogen in Norwegen und Schweden früher ganze Scharen von „Julböcken“ herum. Diese mit Masken aus Fell und Birkenrinde verkleideten jungen Männer werden bewirtet und beschenkt, dabei verteilten sie selbst sowohl Lob als auch Tadel.. Eine Julgeit – Weihnachtsziege – passte außerdem auf, dass an Weihnachten auch jeder neue Kleider trug, wie es der Brauch vorschrieb.

Auf Island waren es früher die „dreizehn Weihnachtskerle“, die an den Tagen vor Weihnachten auftauchten. Diese ziemlich wüsten Gesellen stahlen Lebensmittel, erschreckten Kinder und trieben auch sonst allerhand Schabernack. Im Laufe der Zeit sind aber auch sie „gezähmt“ und zu freundlichen Geschenkebringern umfunktioniert worden….

Truthahn, Mistletoe und Santa Claus
In England und Amerika ist es der Santa Claus, der in der Nacht von 24. auf den 25. Dezember die Geschenke bringt. Er ist weniger der würdige Weihnachtsmann, als vielmehr ein liebenswürdig drolliger Kauz, der mit seinen Zwergenhelfern Geschenke bastelt und sie mit den Rentierschlitten verteilt. Besonders ausgelassen geht es in England am Weihnachtsabend zu: Nach dem Essen mit Truthahn und brennendem Plumpudding dürfen die Kinder sich verkleiden, es wird getanzt und wer unter dem über der Tür aufgehängten Mistelzweig steht, darf geküßt werden…

Oh Tannenbaum am Äquator?
Wie Christmas Island zu seinem Namen kam…

10° 30′ Süd und 105° 40′ Ost: Christmas Island steht an dieser Stelle auf der Atlaskarte. Wagt man dann aber wirklich den Trip auf das winzige Eiland im Indischen Ozean, findet sich keine Spur von Weihnachtsmännern, Frost, Schnee oder Tannenbäumen…

Ganz im Gegenteil. Das Klima auf der Weihnachtsinsel ist tropisch mit dem typischen jahreszeitlichen Wechsel von Regen- und Trockenzeiten, die Durchschnittstemperatur liegt etwa bei heißen 27 Grad.

Ganze 135 Quadratkilometer groß ist die Insel und damit viel kleiner als beispielsweise Washington DC oder andere Großstädte der Erde. Gut 2.500 Einwohner – meist Chinesen, Malaien oder Europäer – leben zurzeit auf Christmas Island und Jahr für Jahr kommen fast 200 neue Bewohner hinzu. Ein klarer Fall von „Bevölkerungsexplosion“ nahe des Äquators. Obwohl das Eiland zum australischen Staatsgebiet gehört, ist die indonesische Insel Java in 360 Kilometer Entfernung der nächste Nachbar für die Insulaner.

Durch Feuer geboren
Die Weihnachtsinsel ist vulkanischen Ursprungs. Vor ungefähr 60 Millionen Jahren, so vermuten Geowissenschaftler heute, erreichte der Kegel eines Unterwasservulkans die Meeresoberfläche. Schnell bildete sich darauf ein Korallen-Atoll. Im Laufe der Jahrmillionen entstand in einem ständigen Prozess von Korallenwachstum, Sedimentablagerung und Erosion sowie einer Serie von Anhebungen schließlich die heutige Form der Insel mit dem Zentralplateau und seinem dichten tropischen Regenwald im Mittelpunkt.

Der höchste „Berg“ von Christmas Island ist der Murray Hill. Mit seinen 361 Metern ist er zumindest in den nächsten Jahrzehnten vor dem globalen Meeresspiegelanstieg sicher.

Wieso aber trägt so ein typisches tropisches Paradies inmitten des Indischen Ozeans den Namen Weihnachtsinsel? Für Jahrhunderte verhinderten die isolierte Lage und die rauen Küsten der Insel eine Besiedlung durch den Menschen. Erst im frühen 17. Jahrhundert wurde sie von britischen und holländischen Seefahrer entdeckt und in die Schiffskarten aufgenommen.

Piraten kamen als Erste
William Mynors, ein Kapitän der „East India Ship Company“, war es schließlich, der am 25. Dezember 1643 die winzige Insel mit seinem Schiff „Royal Mary“ erreichte und ihr seinen Namen gab. Wegen des hohen Feiertags an dem er die Insel anlief, taufte er das Eiland Christmas Island. Keiner seiner Leute hat jedoch den Flecken Erde je betreten, zu bedrohlich schienen die zahllosen steilen Felsen und Klippen entlang der Küstenlinie.

50 Jahre sollte es deshalb noch dauern bis die ersten Menschen Christmas Island in Besitz nahmen. Zwei Mitglieder der Crew von Kapitän William Dampier, dem berüchtigten Seefahrer und Piraten, waren es, die im Jahr 1688 erstmals auf Christmas Island landeten. 1888 wurde dann Christmas Island endgültig von England annektiert. Wissenschaftler hatten auf dem Eiland größere Mengen an phosphathaltigem Gestein gefunden, die sich auszubeuten lohnten…

Paradies für Naturliebhaber
Die Weihnachtsinsel als Tourismusziel

Heute ist Christmas Island zum Paradies für Naturliebhaber geworden und lockt Jahr für Jahr zahlreiche Touristen an. Nur zwei beziehungsweise vier Flugstunden von Singapur oder Perth entfernt, eignet sich die Insel perfekt zu einer mehr oder minder kurzen Stippvisite im Indischen Ozean. Zu sehen gibt es in der Tat eine Menge, wenn auch wenig Weihnachtliches. Schroffe Klippen, der Inselberg Murray Hill oder die Boat Cave sind lohnende Ausflugsziele.

Ein Großteil der Insel gehört zudem zu einem Nationalpark, der in weiten Teilen aus tropischem Regenwald besteht. Angesiedelt hat sich hier eine vielfältige Fauna und Flora, die in dieser Zusammensetzung einmalig auf der ganzen Welt ist.

Invasion der Krabben
Berühmt ist das Tropeneiland aber vor allem für seine roten Landkrabben. Bis zu 130 Millionen Exemplare dieser Art – so schätzen Zoologen – sollen im tropischen Regenwald der Insel leben. Zu Beginn der Regenzeit im November oder Dezember verlassen die Tiere dann alle fast zeitgleich ihre Wohnhöhlen und machen sich auf die jährliche Wanderung zum Meer. Ein kaum vorstellbares Gewimmel von Krustentieren bewegt sich dann jedes Mal Richtung Strand und macht auch vor den Ortschaften nicht halt.

Ungefährlich ist diese Prozession zum Zwecke der Fortpflanzung allerdings nicht. Auf ihren acht Beinen überwinden die Krustentiere im Seitwärtsgang nicht nur zahllose Klippen, sondern müssen sich auch ihren Weg durch den dichten Stadtverkehr suchen. Allein eine Million Krabben werden dabei jedes Jahr von Autos und Lastwagen getötet. Eine moderne Variante des „Struggle for life “ oder der natürlichen Auslese…

Kriegerische Ameise bedroht Krabben
Doch seit einiger Zeit haben die roten Landkrabben noch einen anderen, viel gefährlicheren Feind zu fürchten. Eine vor 60 Jahren auf einem Handelsschiff eingeschleppte kriegerische Ameise hat sich im tropischen Regenwald der Insel breit gemacht und bedroht die Krustentiere in ihrer Existenz.

Bei der Jagd auf die Krabben haben sich die Ameisen dabei eine einfache, aber sehr wirkungsvolle „Overkill-Strategie“ zurechtgelegt: In gewaltigen Horden überfallen sie die Krustentiere und schießen ihr Gift auf sie ab. Wenn das Gift dann wirkt und die Krabben gelähmt sind, verspeisen die Mikro-Monster sie mit Genuss. Innerhalb weniger Jahre ist der Bestand an Landkrabben auf diese Weise um fast ein Drittel zurückgegangen. Und trotz aller Gegenmaßnahmen ist ein Ende der Ameiseninvasion nicht in Sicht…

Schokolade – die süße Lust
Von Azteken, Heißhunger und Serotonin

Schokoladenweihnachtsmänner, süße Adventskalender, Plätzchen, heißer Kakao – im Winter und besonders zur Weihnachtszeit hat Schokolade wieder Hochkonjunktur. Aber was steckt eigentlich hinter der „süßen Lust? Macht Schokolade wirklich süchtig? Was verursacht dem Heißhunger auf die braunen Tafeln?

Der Ursprung der Schokolade liegt in Südamerika, dort galt die Kakaobohne schon bei den Azteken als wertvolles Genuss- und sogar Zahlungsmittel. Mit den Spaniern gelangte der Kakao nach Europa und hier wurde heiße Schokolade schon bald zu einem beliebten Getränk der Wohlhabenden.

Die erste „Schokolade“ stellte man durch das Verreiben der gerösteten Kakaokerne mit Zucker unter Zugabe von Mais und Bohnen (gewürzt mit Paprika, Vanille und Zimt) her. Geschmacklich hatte diese Variante mit den heutigen Erzeugnissen vermutlich nicht mehr viel gemeinsam. Mittlerweile ist der Schokoladenverbrauch der Deutschen Weltspitze: Im Durchschnitt nascht jeder Bundesbürger etwa acht Kilogramm pro Jahr. Nur Briten, Norweger und Schweizer verzehren mit zehn Kilo Schokolade jährlich noch mehr.

Kalorienbomben…
Fatale Nebenwirkung der süßen Lust: Sie macht schnell dick: Durch den hohen Gehalt an Kakaobutter und Zucker ist Schokolade eine extreme Kalorienbombe. Unter anderem auch deshalb gehörte früher immer eine Tafel Schokolade zur Notration für Bergsteiger und Soldaten. Schon vier Tafeln decken den gesamten kalorischen Tagesbedarf eines mittelschwer arbeitenden Menschen.

Wie wirkt die Schokolade im Körper und warum empfinden wir manchmal Heißhunger darauf?
Nach den Erkenntnissen der Wissenschaft sorgen wir offenbar mit dem Griff zur Schokolade dafür, dass der Serotoninspiegel im Blut und damit unsere Stimmung wieder steigen. Serotonin ist ein Botenstoff, der im Gehirn die „Gute Laune“ auslösen kann und deshalb häufig auch Bestandteil von Medikamenten gegen Depressionen ist. Der Zucker in der Schokolade bewirkt eine rasche Ausschüttung des blutzuckerregulierenden Hormons Insulin. Dieses wiederum regt die Bildung des Serotonins an und führt zu einem relativ langandauernden Anstieg des stimmungsbeeinflussenden Serotonins im Blut.

Wie Untersuchungen zur so genannten „Winterdepression“ zeigen, ist die Produktion von Serotonin auch von der Länge und dem Ausmaß der Sonneneinstrahlung auf unseren Körper abhängig. Besonders in den Gebieten oberhalb der Polarkreise, in denen es im Winter überhaupt nicht hell wird, nimmt die Häufigkeit von Depressionen während der Polarnacht deutlich zu. In diesem Zusammenhang verwundert es kaum, dass Nordeuropäer im Durchschnitt mehr Schokolade essen als Südeuropäer. Eine Ausnahme bilden lediglich die Schweizer, die (obwohl sie eigentlich genug Sonne haben) europaweit den höchsten Schokoladenkonsum aufweisen.

Geschlechterunterschiede der „süßen Lust“
Auch zwischen den Geschlechtern gibt es deutliche Unterschiede in der „süßen Lust“: Untersuchungen zeigten, dass Frauen Schokolade 22mal häufiger brauchen als Männer. Schenkt man der Zeitschrift „ELLE“ glauben, verzichten 50 Prozent aller Amerikanerinnen lieber auf Sex als auf Schokolade. Der Grund: Nach dem Eisprung sinkt der Serotoninspiegel im Körper langsam, kurz vor der Menstruation dann sogar stark ab. Die Folge ist das so genannte „Prämenstruelle Syndrom“ mit wechselnden Stimmungen, Schwermut oder auch Reizbarkeit. Schokolade kann diese „Stimmungstiefs“ zumindest zum Teil abpuffern.

Ähnlich zyklusabhängig ist auch die Produktion des Endorphins. Kurz vor der Menstruation sinkt der Blutspiegel dieses körpereigenen Opiates und damit leider auch oft die Stimmung. Schokolade kann im Gegenzug die Eigenproduktion wieder anregen. Außerdem enthält Schokolade Phenylethylamin, eine Substanz, die vermehrt im Blut zu finden ist, wenn wir uns verlieben. Phenylethylamin ist aufgebaut wie die körpereigenen Muntermacher Dopamin und Adrenalin. Sie steigern die Pulsfrequenz, erhöhen den Blutdruck und den Blutzuckerspiegel. Die Substanzen machen dadurch wach und bereiten uns auf Aktivität vor.

Sogar Anandamid, ein dem Haschisch ähnelnder Rauschstoff, konnte in Schokolade in geringen Mengen nachgewiesen werden. Die gefundenen Mengen sind allerdings viel zu gering, um eine Wirkung hervorzurufen. Kürzlich entdeckten Forscher in der Schokolade zusätzlich zwei Substanzen, die den Abbau von Anandamid verhindern und so zumindest theoretisch eine Akkumulation von Anandamid im Gehirn ermöglichen könnten.

Auf der Suche nach den Ursachen des Heißhungers auf Schokolade, sind auch Wissenschaftler aus San Diego wieder einen Schritt weitergekommen. Im Kakaopulver und dunkler Schokolade – nicht aber in weißer Schokolade – entdeckten sie drei ungesättigte N-Acylethanolamine. Diese können nach ihren Angaben die Wirkung haschisch-ähnlicher Stoffe direkt oder indirekt imitieren.

Doch trotz all dieser Inhaltsstoffe – noch ist Schokolade weder Rezept- noch Apotheken-pflichtig und über Risiken und Nebenwirkungen informieren Sie sich am besten in ihrem Supermarkt.

(Redaktion scinexx.de,19.12.2008)
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Und feiern wir als Christen vielleicht einen Teil dieses Festes mit, weil es alle machen?