Ein guter Name ist vorzüglicher als großer Reichtum, Anmut besser als Silber und Gold
Elberfelder 1871 – Sprüche 22,1
Wertvoller ist ein guter Name als viel Reichtum, Ansehen als Silber und Gold.
Die Philippson-Bibel – Sprüche 22:1
Erlesen ist vor Reichtums Menge ein Name,
Gunst ist besser als Silber und Gold.
Buber & Rosenzweig – Spr 22,1

Ein guter Name (vgl. Sprüche 3,4; Pred 7,1 ), also ein guter Ruf aufgrund eines guten Charakters, wird höher geschätzt als großer Reichtum. Reichtümer sind sinnlos (vgl. Sprüche 1,19;10,2;13,11 ), wenn man seinen Charakter zerstören muß, um sie zu erlangen.
Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar
Ein gerechtes Leben unter den Menschen verschafft einen »guten Namen« (vgl. 10,7), und das ist mehr wert als »großer Reichtum«, der zwar ein gewisses Ansehen verleihen mag; aber ein Mann von gutem Ruf erwirbt sich Respekt, und das ist mehr. Für »Anmut« steht hier chên, das auch »Lieblichkeit« bedeutet wie in Sprüche 1,9; 4,9 (wo wörtlich steht: »ein Kranz der Lieblichkeit«); 5,19 (wörtlich: »Hinde der Anmut«); 11,16 (»Frau der Anmut«); 31,30. Ein anmutiges, liebliches Wesen ist besser »als Silber und Gold«, weil man damit die Zuneigung der Menschen gewinnen kann – etwas, was kein Geld vermag.
Benedikt Peters – Das Buch der Sprüche
Nun kann man aber sowohl den Namen, šêm, als auch die Anmut, ḥên, auf Gott beziehen. Der »gute Name« ist der Name Jahwes, und den wähle man eher als »großen Reichtum«, denn im Namen Jahwes empfängt, wer ihn liebt, unvergängliche Güter: Vergebung der Sünden, Gerechtigkeit und ewiges Leben. ḥên wird auch verwendet für »Gunst«, welche Menschen uns erweisen können (so in 1Mo 30,27; 32,6; 47,29; 50,4), aber auch für göttliche Gunst oder Gnade (in Stellen wie in 1Mo 6,8; 18,3; 19,19). In seiner Gnade gibt uns Gott, was »Silber und Gold« nicht erwerben können.
Mit Gold und Silber wird gewöhnlich die Weisheit verglichen. Dazu steht unser Vers nicht im Widerspruch. Man wird den Namen zu den 8,19 erwähnten Früchten der Weisheit zählen dürfen (20,15). Denn nur ein Weiser wird zu einem solchen Ruf gelangen, der ihm große Beliebtheit einbringt.
Dietrich – Wuppertaler Studienbibel
Die LXX ergänzt Namen durch »gut«. Vielleicht hat man damals nicht so selbstverständlich, wie wir es heute tun – »sich einen Namen machen« –, den Namen als positiv empfunden. Auch der Frevler konnte einen Namen haben (10,7), der allerdings verging. Das hebr. Wort für »Name« ist von einem Wort abgeleitet, das »hoch, erhaben« bedeutet. Das weist schon auf den Vorzug des Namens vor dem Reichtum. Denkbar ist sogar, daß er erst zutage tritt, wenn Gold und Silber bedeutungslos geworden sind, nämlich nach dem Tod des Menschen.
Versteht man Beliebtheit subjektiv, dann wäre es die Anmut. Es wird aber die Anerkennung gemeint sein, die Anmut findet. Dieser Spruch fordert den Hörer auf, intensiver für seinen Namen zu arbeiten als für Reichtum. In besonderem Sinn gilt das in der ntl. Zeit. Durch den Dienst für den Herrn, dessen Namen über allen Namen ist, erlangt der Christ einen Namen, der im Buch des Lebens geschrieben steht.
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