Tag: 14. Juli 2025

Petrus weinte

Und Petrus gedachte des Wortes Jesu, der zu ihm gesagt hatte: Ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen. Und er ging hinaus und weinte bitterlich.
Elberfelder 1871 – Matthäus 26,75

Und so erinnerte Petrus sich an den Ausspruch von Jesus, als er bereits kundgetan hat: »Bevor ein Hahn kräht, hast du mich dreimal verleugnet.» Und nachdem er nach draußen hinausgegangen war, weinte er bittere Tränen.
Andreas Eichberger – Gottes Agenda – Matthäus 26:75

Da erinnerte sich Petrus an das, was Jesus gesagt hatte: »Bevor der Hahn seine Stimme hören lässt, wirst du schon dreimal bestritten haben, dass du mich kennst!« Und Petrus ging hinaus und weinte sehr.
Roland Werner – Das Buch – Mt 26,75

Der Hahn hat in gewissem Sinne die Weltgeschichte verändert: Und Petrus erinnerte sich an das Wort Jesu, wie er gesagt hatte: Ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen (V. 75). Von der dreimaligen Verleugnung (τρὶς ἀπαρνήσῃ με [tris aparnēsē me]) war tatsächlich in Mt 26,34 wortwörtlich sowie in Mk 14,30; Lk 22,34 und Joh 13,38 die Rede. So genau erfüllt sich die Prophetie Jesu! Man vgl. mit unserem Vers die Rolle des זכר [zkr] (sich erinnern) im AT. Unter diesen Stellen steht Hes 6,9 Mt 26,75 parr. besonders nahe. Man wird aus jenem er erinnerte sich des Petrus auch unmittelbar den Schluss ziehen dürfen, dass jede Gemeinde darauf hinwirken muss, dass das Gedenken an das Wort Jesu jederzeit möglich bleibt. Jede Verunsicherung dieses Wortes hat Mt 26,75 gegen sich.
Bei Petrus bleibt die Erinnerung nicht auf den intellektuellen Bereich beschränkt. Die Selbsterkenntnis erschüttert seine ganze Persönlichkeit: Und er ging hinaus und weinte bitterlich. Für er ging hinaus setzt Matthäus nur ein Partizip: ἐξελθών [exelthōn]. Wie unwichtig werden da die Umstände, unter denen er aus dem Palast hinausgelangt! Nicht einmal die Bewahrung vor weiteren Ausforschungen, die er vermutlich erlebte, wird hier erwähnt. Petrus entrann. Sein äußeres Leben war gerettet. Aber er stand vor der Erkenntnis, dass er seinen Herrn verleugnet, ja ihm abgeschworen hatte. Wie oft wird sich dies alles in der Geschichte der Christen wiederholen! Und doch liegt schon die Wende vor: er weinte bitterlich (ἔκλαυσεν πικρῶς [eklausen pikrōs], auch Lk 22,62). Die Formulierung erinnert an Jes 22,4: „Lasst mich bitterlich weinen. Dringt nicht darauf, mich zu trösten“ (vgl. Jes 33,7). Im Hintergrund seht also das hebr. מרר [mrr]. Man kann sagen, dass in jenem Augenblick die Selbstgerechtigkeit des Petrus zerbrach. Es sind Tränen der Reue, und zugleich Tränen, die nach der Hilfe des Herrn rufen (Ps 39,13).
Man hat bei den Berichten aller vier Evangelien den Eindruck, dass Petrus selbst ihre Quelle ist. Man meint noch die Bewegung zu spüren, in der dies alles erzählt ist.

Gerhard Maier – Historisch-Theologische Auslegung Neues Testament

Während Jesus vor dem Hohen Rat stand, hatte auch Petrus eine Prüfung zu bestehen. Er war dem Herrn gefolgt, hatte sich Zutritt zum Haus des Hohenpriesters verschafft (Joh 18,15-16) und saß draußen im Hof (Mt 26,58), um den Ausgang des Prozesses abzuwarten. Dabei hätte er dreimal die Gelegenheit gehabt, für seinen Herrn einzustehen. Doch alle drei Male leugnete er, den Angeklagten auch nur zu kennen oder in irgendeiner Weise mit ihm in Verbindung zu stehen. Das erste Mal verleugnete er ihn, als eine Magd vor den anderen sagte, daß er zu den Leuten gehöre, die mit Jesus zusammengewesen seien (V. 69). In der Torhalle dann deutete eine andere direkt auf ihn und sagte ebenfalls, daß er zu Jesu Gefolgsleuten gehöre (V.71). Schließlich traten einige der Herumstehenden hinzu und beschuldigten Petrus, einer von denen zu sein, die mit Jesus gewesen waren, denn seine Sprache, sein galiläischer Akzent, verriet ihn (V.73). Bei der dritten Anklage fing Petrus an, sich zu verfluchen und zu schwören (V.74). Sich selbst zu verfluchen war ein üblicher Weg, seine Unschuld zu versichern; wenn die Unglücksfälle dann nicht eintraten, wurde man für unschuldig gehalten (vgl. Hi 31).
Unmittelbar nachdem er den Herrn zum dritten Mal öffentlich verleugnet hatte, krähte der Hahn. Das rief ihm die Worte des Herrn in Erinnerung: „Ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen“ (Mt 26,34). Petrus wußte sofort, daß er den Herrn im Stich gelassen hatte. Obwohl er ihm noch vor kurzem versichert hatte, daß er ihn nie verleugnen werde, hatte er genau das nun öffentlich und mehrmals getan. Voller Scham und Kummer verließ er den Hof und weinte bitterlich. Seine Tränen entsprangen echter Reue, daß er den, den er liebte, verraten hatte.

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

Doch nun erleben wir auch verschiedene Mittel der göttlichen Bewahrung, die Petrus wieder auf den rechten Weg zurücklenkt. Das eine Mittel ist der Blick Jesu, von dem Lk 22,61 berichtet. Das andere ist der »Hahn«. Der krähende Hahn ruft das Wort Jesu aus Mt 26,34 in die Erinnerung des Petrus zurück. Wohl dem Menschen, der sich »des Wortes Jesu« erinnern kann! Worte des Herrn, und d. h. ganz praktisch: Worte der Bibel, die wir einmal gelernt haben, können lebensrettend und lebenswendend sein. In diesem Augenblick wird Petrus klar: Sein gedemütigter Herr, der scheinbar hilflos in den Fesseln hängt, angespuckt, geschlagen und gehöhnt, behält recht. Sein Wort ist ein ewiges Wort, ein »Wort des Lebens« (Joh 6,68). Und er kehrt zu seinem Herrn zurück. Aber das geschieht mit der bitteren Erfahrung des Verrats, der Unwürdigkeit. Klassischer hat man nirgendwo in der Welt formuliert, was Erkenntnis der Sünde bedeutet: »Und er ging hinaus und weinte bitterlich.« Auch von Judas heißt es: »er ging hinaus« (Joh 13,30). Aber in die Nacht weiterer Sünde! Petrus dagegen ging hinaus, nicht um seine Sünde fortzusetzen, sondern um sich von ihr zu trennen. Mit seinem bitterlichen Weinen ist Petrus weiter gekommen als mit seiner großspurigen Versicherung, Jesus niemals zu verleugnen (vgl. Mt 26,35 sowie Ps 51,19; 1 Joh 3,20).

Dass alle vier Evangelisten den bitteren Verrat des größten menschlichen Führers der Gemeinde berichten, gibt zu denken. Ein solches Urchristentum hatte keinen Platz für Personen oder Heiligenkult. Dieses Christentum zeigte weg von allen Menschen und lehrte uns »aufsehen auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens« (Hebr 12,2) allein.

Gerhard Maier – Edition C

Der Hahn kündigte das Morgengrauen des letzten Tages des Herrn auf der Erde an. Es war Nacht gewesen, als der Herr Petrus angekündigt hatte, er werde Ihn innerhalb weniger Stunden verleugnen. In Mk 14,68 lesen wir, daß der Hahn bereits nach der ersten Verleugnung krähte, als hätte er Petrus zur Besinnung rufen wollen. Er gedachte aber erst am Ende der dritten Verleugnung der Worte des Herrn. Der Herr hatte Petrus, der ihm Hof saß, angeblickt. Während Seine Augen an anderer Stelle wie eine Feuerflamme sind, blickten sie hier den armen, gestrauchelten Jünger mit Liebe und Mitgefühlt an.
 Petrus weinte Tränen der Buße, was die drei Synoptiker alle überliefert haben, und er mußte sich aus der Gegenwart des Herrn wegbegeben. Seine Buße aber wurde vom Herrn in Seiner dreimal wiederholten Frage: »Liebst du mich?« (Joh 21,15-17) bestätigt. Petrus gewann wiederum völlige Freimütigkeit, da der Herr ihn wiederhergestellt und in seinem Glauben und Dienst bekräftigt hatte (Apg 4,29.31), wenn er auch später wiederum strauchelte (Gal 2,12). Am Ende seines Lebens wurde er um seines Meisters willen gekreuzigt (Joh 21,18). Nach seinen Erfahrungen von Straucheln und wieder Aufgerichtetwerden konnte er später schreiben: »auf daß die Bewährung eures Glaubens…erfunden werde zu Lob und Herrlichkeit und Ehre« (1 Petrus 1,7).

Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt

Wieder einmal „lustig“ wenn eine „bibelerklärende Zeitschrift“ erzählt, dass Jesus dem Petrus erst in Johannes 21:15-17 erscheint, und dem Petrus dann erst die Möglichkeit gibt, sich „auszusprechen“! Schön, dass da selbst die KI schlauer ist:

GENAU! Das „klärende Gespräch“ zwischen Petrus und Jesus findet direkt nach Jesu Auferstehung statt!!! – und wird, wie die KI richtig meldet in Lukas 24,34 erzählt!