und uns gemacht hat (Eig und er hat uns gemacht) zu einem Königtum, zu Priestern seinem Gott und Vater: Ihm sei die Herrlichkeit und die Macht in die Zeitalter der Zeitalter! Amen
Elberfelder 1871 – Offenbarung 1,6
und uns zu einem Königreich, zu Priestern für Gott, seinen Vater, gemacht hat, ihm gebührt der Ruhm und die Kraft in alle Ewigkeit. Amen.
Off 5:10; 1Pe 2:5.9; 2Mo 19:6; Jes 61:6
Zürcher 1931 – Offenbarung 1:6
ihm, der uns zu Mitherrschern in seinem Reich
und zu Priestern für seinen Gott und Vater gemacht hat,
ihm gebührt die Ehre und die Macht für immer und ewig. Amen.
Neue Genfer Übersetzung 2013 – Offb 1,6
er gibt uns Anteil an seiner Herrschaft und hat uns zu Priestern gemacht, die Gott, seinem Vater, dienen. Ihm gehören Ehre und alle Macht für immer und ewig. Das steht unumstößlich fest! (Wörtlich: Amen)
Hoffnung für alle – 1996 – Offb 1:6
und Er machte uns zu einer Königsdynastie, zu Priestern dem Gott und Vater von Ihm – Ihm kommt zu die Herrlichkeit und die festhaltende Kraft in die Äonen der Äonen. Das ist ausgemacht.
Pfleiderer Übersetzung – Offb 1,6
ihm, der uns zu einem Königreich gemacht hat, zu Priestern für Gott, seinen Vater, ihm gebührt die Ehre und die Herrschaft in die Ewigkeiten hinein! Amen, ja, so ist es!
Das Buch – 2009 – Offb 1,6

Wieder ein Vers, über den man unterschiedlichster Auffassung sein kann! Die einen meinen, dass ALLE Christen hier gemeint sind, andere glauben es wäre nur eine kleine Gruppe. Deshalb ohne Wertung einige Kommentare, um zu verstehen, warum so unterschiedliche Meinungen entstanden sind.
Christus verwandelt die, die ihm nachfolgen, in ein Königreich und zu Priestern. Diese Symbole eschatologischer Vollkommenheit finden sich parallel auch in Qumran (1QSa) sowie im Buch der Jubiläen und klingen in der gesamten Offenbarung des Johannes an (vgl. Offb 5,10; 20,6; baut vermutlich auf Ex 19,6 und Jes 61,6 auf).
Das Neue Testament – jüdisch erklärt
Neben Gott erwähnt Johannes dann auch den Messias Jesus als Quelle für Gnade und Frieden. Auch ihn umschreibt er mit mehreren Titeln und Umschreibungen. Jesus ist der Messias, der „Christus“, der von Gott verheißene Erlöser. Er ist der „treue Zeuge“ der allezeit in seinen Worten und Werken Gottes Willen kundtat und bezeugte. Weiterhin ist der Messias der „Erstgeborene von den Toten“, da er der erste aller Toten war, der zu ewigem Leben auferstand. Als Messias ist er zudem „Fürst der Könige auf Erden“. Er herrscht allerdings nicht mit politischer Macht wie die Könige auf Erden, sondern seine Herrschaft ist nicht von dieser Welt, sondern geschieht mittels Gottes Prinzipien, wie er bereits während seines irdischen Wirkens bekundete und lehrte.
Wolfgang Schneider – Buch der Offenbarung
Dann erinnert Johannes noch an das, was der Messias für die Gläubigen getan hat. Er hat sie aus Liebe mit seinem Opfer von ihren Sünden erlöst und nun zu Gliedern seines Reichs und zu Priestern vor Gott, dem Vater Jesu, gemacht. Gott ist es, dem allezeit Ehre und Gewalt zusteht.
Das Grußwort macht – ähnlich wie der anfängliche Gruß in den paulinischen Briefen und das Grußwort im 2. Johannesbrief, der ja vom selben Verfasser stammt – genauere Angaben über den Bestimmungsort des Schreibens. Empfänger der hier verkündeten Botschaft waren die sieben Gemeinden in der römischen Provinz Asien in Kleinasien ( Offb 1,4; 2,3 ). Die Worte „Gnade und Friede“ bezeichnen den Stand des Christen vor Gott und seine Gotteserfahrung. „Gnade“ bezieht sich auf das Verhältnis Gottes gegenüber den Gläubigen; „Friede“ auf das Verhältnis der Gläubigen zu Gott und die Erfahrung des göttlichen Friedens, der ihnen geschenkt wird.
Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar
Ungewöhnlich an der Grußformel ist, daß sie Gott Vater als den beschreibt, der da ist und der da war und der da kommt (vgl. Offb 1,8). Mit den sieben Geistern ist wahrscheinlich der Heilige Geist gemeint (vgl. Jes 11,2-3; Offb 4,5;5,6 ), obwohl auch diese Bezeichnung für die dritte Person der Trinität außergewöhnlich ist. An letzter Stelle wird Jesus Christus genannt, möglicherweise, weil er im Buch der Offenbarung eine ganz besondere Rolle spielt. Er ist der treue Zeuge, die Quelle der hier verzeichneten Offenbarung, der Erstgeborene von den Toten (vgl. Kol 1,18) – ein Hinweis auf seine Auferstehung. Und er ist der Herr über die Könige auf Erden – ein Zeichen für seine prophetische Rolle nach seiner Wiederkunft (Offb 19).
Die Auferstehung Christi geschah von den Toten. Als der „Erstgeborene“ ist er der erste, der mit einem ewigen Leib auferweckt wurde und somit ein Sinnbild für die Schar der Auferweckten, zu denen die Heiligen, die im Zeitalter der Kirche sterben (Phil 3,11), die Märtyrer in der Zeit der Großen Trübsal (Offb 20,5-6) und die bösen Menschen aller Zeiten ( Offb 20,12-13 ) gehören. In seinem Sterben am Kreuz ist Christus, der uns liebt, derjenige, der uns erlöst hat von unsern Sünden mit seinem Blut (in einigen griechischen Handschriften steht an dieser Stelle „gereinigt“ statt „erlöst“). Die Gläubigen sind damit zu Königen und Priestern geworden, die Gott jetzt und in Ewigkeit dienen werden. Diese Aussicht veranlaßte Johannes zu einer Doxologie, die in dem Schlußwort „Amen“ (wörtlich „so geschehe es“) gipfelt.
Er gibt den Seinen teil an dem, was er ist, hat und tut. So haben wir auch Anteil an seinem königlichen und priesterlichen Amt (1 Petr 2,9):
Gerhardt Maier – Edition C
a) »Er hat uns zu Königen« oder, wie auch übersetzt werden kann, »zu einem Königtum« »gemacht«. Er regiert über die Seinen als ihr König, und er gibt ihnen teil an seiner Königsherrschaft (Offb 3,21; 20,4).
b) Und er hat uns zu »Priestern gemacht vor Gott, seinem Vater«: Jetzt schon dürfen wir durch unsere Fürbitte, wenn auch verhüllt, an Jesu Weltherrschaft mitwirken. »Das Gebet der Kinder Gottes ist ihre Teilhabe am Weltregiment Gottes.« (Friedrich Oetinger).
c) Und auch an Jesu prophetischem Amt dürfen wir teilhaben, indem wir seine Zeugen sein dürfen und er uns sein Wort in den Mund legt. Allen Glaubenden gilt Jesu Auftrag und Bevollmächtigung: »Ihr sollt meine Zeugen sein« (Apg 1,8).
Bei unserem »prophetischen Dienst« stehen wir für Gott vor der Welt. Und in unserem »priesterlichen Dienst« stehen wir für die Welt vor Gott, dem Vater Jesu Christi.
Die Anbetung.
»Ihm sei Ehre und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen«:
Johannes kann von dem allem nicht reden ohne große Bewunderung Gottes, ohne Anbetung vor ihm. Gott hat Ehre und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit, auch ohne dass der kleine Mensch das ausspricht. Dennoch gefällt es Gott, wenn der Mensch das tut. Es ist das genaue Gegenteil zur Rebellion gegen Gott, zur Ursünde, mit der der Feind den Menschen infiziert hat. Es ist das tiefe, uneingeschränkte Ja von Herzensgrund – noch einmal durch das »Amen« unterstrichen – zu Gottes Gottsein, zu Gottes Macht und Herrschaft und zu seiner Ehrung. Das schließt das Verlangen ein, auch sein Lob zu vermehren und sich selbst seiner Macht zu unterstellen, sich ihm neu und vertieft hinzugeben. Ähnlich kommt das in anderen neutestamentlichen Schriftstellen zum Ausdruck (z. B. Röm 11,33-36; 1 Tim 1,17; 6,16; 1 Petr 4,11; 5,11; 2 Petrus 3,18).
Es folgt ein Lobpreis der Herrlichkeit Jesu Christi (Doxologie). Dazu wird einleitend auf die Liebe Jesu Christi zu uns Menschen und seine Erlösungstat am Kreuz hingewiesen.
Pastor Michael Mainka – Offenbarung des Johannes
Interessant ist die Aussage, dass die Leser dadurch zu „einem Königtum, zu Priestern seinem Gott und Vater“ gemacht wurden. Hier wird 2Mo 19,6 aufgegriffen: „Und ihr sollt mir ein Königreich von Priestern sein …“ (vgl. 1Petr 2,5.9). Ähnlich formuliert 5,10a: „… und hast sie unserem Gott zu einem Königtum und zu Priestern gemacht“. Dann wird in 5,10b hinzugefügt: „… und sie werden über die Erde herrschen“. Das bedeutet: Die Nachfolger Jesu werden in der Zukunft als Könige und Priester „herrschen“ (20,6; 22,3-5), haben aber schon jetzt königliche und priesterliche Würde.
Die Doxologie gipfelt in einer verbreiteten liturgische Formel: „Ihm sei die Herrlichkeit und die Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit!“ (vgl. Gal 1,5; 1Petr 4,11; 2Tim 4,18; 2Petr 3,18). Sie unterstreicht noch einmal die Majestät Jesu Christi und wird mit einem bekräftigenden „Amen“ abgeschlossen.
Die Verse 4-6 „ergeben … einen geschlossenen Zusammenhang. Gott regiert in seinem himmlischen Heiligtum, umgeben von heiligen Geistern. Christus, durch seine Erhöhung Herrscher über alle Herrscher, bezeugt das und teilt es den Seinen mit. Sie werden zu Gottes Königsherrschaft und Priestern, die ihm auf Erden unverbrüchlich nahe und kraftvoll dienen.“ (Karrer, 222).
Mitherrscher/Priester. Die frühe Kirche verstand sich selbst als das wahre Israel und bezog alle Verheißungen für das Volk Gottes auf sich (vgl. Gal 3,28; Phil 3,3; 1 Petr 2,5.9).
Die Offenbarung: Der Zukunft entgegensehen
Die zweite Handlung, welche auf der ersten beruht, wird durch die Elbf zuverlässig übersetzt: »und uns gemacht hat zu einem Königtum, zu Priestern seinem Gott und Vater«. Die Zeitform zeigt, dass hier von der Stellung gesprochen wird, welche gereinigte Sündern bereits besitzen. Man wird unweigerlich an 2.Mo 19,6 erinnert, wo Gott dem Volk Israel verheißen hatte:»Und ihr sollt mir ein Königreich von Priestern und eine heilige Nation sein.« Was damals auf eine bestimmte Nation beschränkt wurde, ist im gegenwärtigen Zeitalter das Teil aller Erlösten. Auch 1.Pet 2,9 geht über das Volk Israel hinaus. Die Erlösten aus allen Nationen sind zu »einem Königtum« geworden, denen ein Reich und ein Herrscher gehören. Das Expositors Greek New Testament sagt, dass diese Stelle den Christen angesichts der Unterdrückung durch den römischen Kaiser besonderen Trost geben musste: »Wir Christen, die jetzt geschunden und verachtet sind, sind eine Gemeinschaft mit einer großen Geschichte und einer noch größeren Hoffnung. Unsere Verbindung mit Christus macht uns wahrlich kaiserlich.« Es muss klar gesagt werden, dass das Bild des nationalen Priestertums Israels zwar verwendet wird, um geistliche Realitäten des gegenwärtigen Zeitalters zu illustrieren, dass das aber keineswegs heißt, die Verheißungen an Israel als Nation seien hinfällig geworden; denn jene Verheißungen werden im Millennium buchstäblich erfüllt werden.
Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt
Als Gemeinschaft sind wir ein Königtum, das aus einzelnen Priestern besteht, die Zugang zu Gott haben und in seinem Auftrag handeln. Priesterliche Funktionen werden jetzt von allen Gläubigen ausgeübt (Heb 13,15; 1.Pet 2,5; Röm 12,2; Phil 2,17), in den Evangelien werden die Gläubigen aber nie Priester genannt. Die Verwendung dieses Ausdrucks in diesem Buch (siehe 5,10; 20,6) zeigt, dass die öffentliche Ausübung des Priestertums erst mit dem Offenbarwerden des Reiches anfangen wird. Jetzt haben die Gläubigen als Priester Zugang zu Gott, aber im Tausendjährigen Reich werden sie öffentlich für Gott und in Seinem Auftrag handeln. In der Herrlichkeit des Tausendjährigen Reiches werden alle Erlösten des gegenwärtigen Zeitalters die Würde von Königen und das Amt von Priestern haben. Sie werden sowohl mit dem Thron als auch mit dem Tempel in Verbindung stehen. Sie werden sein wie einst »die Söhne Davids zu seiner Seite« (1.Chr 18,17).
Sollten wir dem, der so Großes gewirkt hat, nicht unser Lob bringen? In diesem Buch wird immer wieder ein Lob dieser Art angestimmt (5,13; 7,10). Zwei Dinge gehören Christus ewig: Herrlichkeit, die man am ehesten als manifestierte Vollkommenheiten umschreiben kann, gehört Ihm wesenhaft. Was Seinem Wesen eigen ist und sich in Menschwerdung und Kreuzestod bekundete, wird eines Tages in der Herrlichkeit des Reiches in Seiner erhabenen Stellung und in Seinem sichtbaren Handeln offenbar werden. Alle Welt wird dann sehen, dass die Herrschaft über Israel, die Ihm bei Seinem ersten Kommen verweigert wurde, Ihm gehört. Ihm wird die Herrschaft über alle Welt gegeben werden und Er wird herrschen vom Strom bis an die Enden der Erde (Sach 9,10). In Ewigkeit hat Er Teil am ewigen Thron Gottes (22,1). Sein ist wahrhaft das Reich!
Im Lobpreis kommt kein Verb vor, aber es ist korrekt es im Deutschen mit einem »sei« zu ergänzen, und damit wird es zum Ausdruck eines Verlangens. Noch besser ist es, ein »ist« zu ergänzen, und damit wird das Lob zu einer Aussage. Ihm gehört die Herrlichkeit und die Macht; sie sind Sein rechtliches Teil.
»Von Ewigkeit zu Ewigkeit« ist eine sehr gute Übersetzung einer dem klassischen Griechisch unbekannten Ausdrucksweise (eis tous aionas ton aionon) . Es wird ein hebräischer Ausdruck imitiert, der eine zeitlich nicht begrenzte Dauer bezeichnet. Zwölfmal konnte der Ausdruck in diesem Buch vor.
»Amen« kommt zehnmal vor (1,6.7.18; 3,14; 5,14; 7,11.12; 19,4; 22,20). Das ist zunächst einfach die Umschrift des griechischen amen, welches wiederum die Umschrift eines hebräischen Wortes ist. In den Evangelien wird es nur vom Herrn Jesus verwendet. Johannes verwendet es fünfundzwanzigmal in der Verdoppelung amen, amen, »wahrlich, wahrlich«. In den Lehrbriefen kommt es am Ende von Gebeten und Lobpreisungen vor. Offensichtlich gebrauchte man das Wort in den Zusammenkünften, um damit auszudrücken, dass man sich mit dem gesprochenen Gebet einverstanden erklärte (1.Kor 14,16). Hier drückt Johannes stellvertretend für alle Heiligen seines Zeitalters seine Zustimmung in das eben gesprochene Lob aus.
Die Schlussfolgerungen, zu denen Paulus und die Hebräer in Bezug auf das Priestertum kamen, waren im frühesten Christentum nicht idiosynkratisch oder außergewöhnlich. Im Gegenteil, sie scheinen das gemeinsame Selbstverständnis der Christen und der Diaspora-Gemeinden gewesen zu sein, als sie sich im nordöstlichen Quadranten des Mittelmeers ausbreiteten. Dies geht insbesondere aus dem ersten Petrusbrief und der Offenbarung eindeutig hervor:
James D. G. Dunn – Die Wege, die sich trennen – Zwischen Christentum und Judentum und ihre Bedeutung für den Charakter des Christentums
1 Petrus 2,5: „… als lebendige Steine lasst euch zu einem geistlichen Haus aufbauen, zu einer heiligen Priesterschaft (hierateuma), um Gott durch Jesus Christus geistliche Opfer darzubringen“;
1 Petrus 2:9 – „Ihr seid ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft (hierateuma), ein heiliges Volk …
Offb 1,5-6: „Dem, der uns liebt und uns durch sein Blut von unseren Sünden befreit hat und uns zu einem Königreich, zu Priestern (hiereis) seines Gottes und Vaters gemacht hat …
Offb. 5:10: „Du hast sie zu einem Königreich und zu Priestern (hiereis) für unseren Gott gemacht, und sie werden auf Erden herrschen“.
Der Punkt ist, dass sich diese Beschreibungen auf alle Christen beziehen. In der Vorstellung dieser Autoren sind alle Christen Priester, entweder in einem gemeinschaftlichen Sinn (1 Petr 2,5, 9-hierateuma), oder individuell (Offb 1,6; 5,10-hiereis), nicht einfach eine Untergruppe innerhalb der Reihen der Christengläubigen. Dies stimmt mit den Belegen des NT als Ganzes überein. In allen Hinweisen auf den christlichen Gottesdienst und die christliche Gemeinschaft im NT gibt es einfach keine Anspielung auf eine Priesterordnung innerhalb der christlichen Gemeinden. Es wird auf viele Ämter verwiesen – aber nie auf das eines einzelnen Christen, der ein Priestertum ausübt, das nicht von anderen Christen geteilt wird. Und das kann kein Zufall sein, zumal das Priestertum in anderen Kulten der damaligen Zeit ein so verbreitetes Element war. Das Schweigen zu diesem Punkt kann kaum anders als beabsichtigt sein. Es muss einfach bedeuten, dass es in den Kirchen der ersten beiden Generationen kein solches Amt oder eine solche Ordnung gab.
Und der Grund dafür ist auch hinreichend klar – nämlich der Sinn für die eschatologische Erfüllung, der eines der Hauptmerkmale der christlichen Bewegung in ihren Anfängen war. Was zuvor der Vermittlung eines Priesters bedurft hatte, stand nun durch die direkte Vermittlung Christi allen offen. Die Unmittelbarkeit der direkten Gotteserkenntnis, nach der sich die Propheten gesehnt hatten (z. B. Jes 54,13; Jer 31,31-34; Joel 2,28-29), wurde nun in der Endzeit erlebt (Joh 6,43-51; 2 Kor 3,2-18; Apg 2,17-18). Das alte Ideal eines „Königreichs von Priestern“ (Ex 19,6; vgl. Jes 61,6) wurde in der Bewegung verwirklicht, die durch die eschatologischen Ereignisse des Todes und der Auferstehung Christi und durch die Ausgießung des Geistes an Pfingsten eingeleitet wurde. Der christliche Glaube, wie er in diesen Passagen zum Ausdruck kommt, sah seinen Unterschied zum traditionellen Judentum gerade darin, dass die Abgrenzung des heiligen Raums, der einem besonderen Priestertum vorbehalten war und besondere priesterliche Handlungen erforderte, die nur einige ausführen konnten, im Zeitalter Christi nicht mehr angemessen ist. Es war dieses starke eschatologische Bewußtsein der unmittelbaren Beziehung zu Gott durch Christus und seinen Geist, das die Abkehr von diesem zentralen Merkmal des Judentums des Zweiten Tempels unvermeidlich machte.
Mose 19,5-6 noch im Hinterkopf, fügt Petrus nun vier weitere Beschreibungen hinzu, um die Stellung des Überrestes im Gegensatz zum ganzen Israel zu zeigen. Erstens: Sie sind ein auserwähltes Volk, basierend auf Jesaja 43,20. Auserwählt zu sein zeigt, dass sie auf Gottes Initiative hin auserwählt wurden (1 Petrus 2:4, 6). Dies ist ein Hinweis auf ihre individuelle Erwählung. Die Verwendung des Begriffs „Rasse“ zeigt, dass Petrus sich auch mit ihrer nationalen Erwählung befasst. Die Gemeinde ist jedoch keine Rasse; sie setzt sich aus Gläubigen aller Rassen zusammen. Zweitens: Der Überrest Israels ist eine königliche Priesterschaft. In Vers fünf wurde der Überrest ein heiliges Priestertum genannt, was ihr Recht betonte, das himmlische Heiligtum zu betreten. Jetzt sind sie auch eine königliche Priesterschaft. Da der Hohepriester, Jesus, ein Priesterkönig nach der Ordnung Melchisedeks ist (Hebräer 7,1-28), sind diese Gläubigen daher eine königliche Priesterschaft, denn sie sind sowohl Priester als auch Könige. Im Moment fungieren sie als Priester (Heb 13,15-16), aber in der Zukunft werden sie als Könige fungieren und königliche Autorität im messianischen Königreich ausüben (Offb 5,10; 20,6). Es stimmt zwar, dass alle Gläubigen ein Priestertum bilden, aber das Priestertum aller Gläubigen kann nicht legitimerweise aus dieser Stelle abgeleitet werden; vielmehr wird das Konzept des Priestertums der Gläubigen in Offenbarung 1,6; 5,10 und 20,6 gelehrt. Drittens: der gläubige jüdische Überrest ist eine heilige Nation. Israel wurde am Berg Sinai zu einer Nation und wurde dazu aufgerufen, heilig zu sein und sich von der Sünde vor Gott abzusondern. Die Nation als Ganzes hat jedoch versagt, aber der Überrest hat nicht versagt. Die Gemeinde ist keine Nation (Römer 10,19), sie besteht aus Gläubigen aus allen Nationen. Viertens: Sie sind ein Volk zu Gottes eigenem Besitz. Das gründet sich nicht nur auf 2 Mose 19,5-6, sondern auch auf Deuteronomium 7,6; 14,2; 26,18; Jesaja 43,21 und Maleachi 3,17. Während sie am Berg Sinai zu einer Nation wurden, wurden sie mit Abraham durch Isaak und Jakob zu einem Volk. Der Überrest ist Gottes eigener Besitz, denn diese jüdischen Gläubigen wurden durch das Blut des Messias erkauft und gehören deshalb einzigartig zu Gott (1 Petrus 1,18-19).
Arnold Fruchtenbaum – Die Fußstapfen des Messias : eine Studie über die Abfolge der prophetischen Ereignisse
Nachdem Petrus den Status des Überrestes auf diese Weise beschrieben hat, gibt er als nächstes in Vers 9b den Grund für ihre Erwählung an:
Damit ihr die Vorzüge dessen zeigt, der euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht berufen hat: …
Der Hintergrund für dieses Konzept ist Jesaja 43:20-21. Sie sollen die Vorzüge oder die Eigenschaften des Gottes zeigen, der sie aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen hat. Sie sollen die Botschaft den Menschen draußen verkünden.
In Vers zehn schließt dieser Abschnitt mit einem Verweis auf Hosea 1:10-2:1, 23 ab:
die vorzeiten kein Volk waren, jetzt aber das Volk Gottes sind; die keine Barmherzigkeit erlangt hatten, jetzt aber Barmherzigkeit erlangt haben.
Früher gehörten sie zum Nicht-Remnant; geistlich gesehen waren sie in der Vergangenheit kein Volk und hatten keine Barmherzigkeit erlangt. Jetzt sind sie Glieder des Überrestes, des Volkes Gottes, und haben nun Barmherzigkeit erlangt.
Zusammenfassung
Um den Status des Überrestes zusammenzufassen, zieht Petrus keine Unterscheidung zwischen Israel und der Gemeinde oder zwischen ungläubigen Juden und gläubigen Nichtjuden. Die Unterscheidung besteht zwischen gläubigen und ungläubigen Juden. Sein Punkt ist, dass, während Israel als Ganzes versagt hat, der gläubige Überrest Israels nicht versagt hat, also erfüllt der Überrest Israels die Berufung der Nation als Ganzes. Paulus wird den gleichen Punkt in seiner Theologie Israels in Römer 9, 10 und 11 machen.
Wenn wir alle ein besonderes Verhältnis zu Jehovah aufbauen können und sollen, wenn wir alle durch den heiligen Geist in eine besondere Beziehung gelangen können, warum tun wir das denn nicht? Warum lassen wir uns dann an diesem persönlichen Verhältnis zu Jehovah hindern, und lassen uns von anderen Menschen dazwischen treten?
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