einer, der sich an das treue Wort der Lehre hält

anhangend dem zuverlässigen Worte nach der Lehre, auf daß er fähig sei, sowohl mit der gesunden Lehre (O. Belehrung) zu ermahnen, (O. ermuntern) als auch die Widersprechenden zu überführen.
Elberfelder 1871 – Titus 1,9

festhaltend an dem der Lehre entsprechenden, zuverlässigen Wort, damit er imstande sei, auf Grund der gesunden Lehre sowohl zu ermahnen als auch die Widersprechenden zu überführen. (a) 2Ti 4:2
Zürcher 1931 – Titus 1:9

Er muss an der vertrauenswürdigen Botschaft festhalten, wie sie ´von Anfang angelehrt worden ist; denn mit Hilfe dieser gesunden Lehre ist er imstande, ´die Gemeinde im Glauben zu stärken und die, die sich der Wahrheit widersetzen, zurechtzuweisen.
Neue Genfer Übersetzung – Tit 1,9

Auch muß er sich in Lehrfragen an das verläßliche Gotteswort halten, damit er imstande ist, in gesunder Unterweisung zu ermahnen und zugleich die Widerstrebenden zurechtzuweisen.
Bruns 2013 – Tit 1:9

Er muss festhalten an der zuverlässigen Gottesbotschaft, die der verbindlichen Lehre entspricht, sodass er in der Lage ist, die gesunde Lehre weiterzugeben und auch die von ihrer Gültigkeit zu überzeugen, die ihr widersprechen.
Das Buch – Titus 1,9

einer, der sich an das treue Wort der Lehre hält, damit er in der gesunden Lehre aufrufen ‹und Zuspruch geben› und auch die Widersprechenden zurechtweisen kann;
Jantzen & Jettel – Titus 1:9

Wo ist der Aufschrei der Ältesten, wenn in Vorträgen Politik für oder gegen eine Partei vorgetragen wird? Wo ist der Aufschrei, wenn biblische Wahrheiten verdreht werden? Wo ist der Aufschrei, wenn Kindesmissbrauch vertuscht wird? Ist es nicht die Verantwortung der „älteren Männer“ genau in solchen Momenten die biblischen Wahrheiten der Bibel zu verteidigen?
Oder sollte „das Dulden von Missständen“ nur deutlich zeigen, dass diese Gruppen und Organisationen bzw Kirchen nicht mehr oder noch nie den „Geist Gottes“ hatten, und deshalb es gar keine „mit heiligen Geist befähigten Männer“ in diesen Kreisen gibt????

Der Älteste muss einen nüchternen Glauben haben. Er muss an geistlich gesunder Lehre festhalten, die vom Herrn Jesus und den Aposteln gelehrt und für uns im NT festgehalten wurde. Nur dann wird er imstande sein, dafür zu sorgen, dass sich die Heiligen mit »gesunder Lehre« ausgewogen nähren können. Er wird diejenigen zum Schweigen zu bringen können, die gegen die Wahrheit reden.
Dies sind die Qualifikationen für geistliche Leiter in der Ortsgemeinde. Man sollte festhalten, dass nichts über die körperlichen Fähigkeiten, die Ausbildung, den sozialen Status oder den Geschäftserfolg eines Ältesten gesagt wird. Obwohl es manchmal behauptet wird, stimmt es nicht, dass dieselben Qualitäten, die einen Mann im Beruf erfolgreich sein lassen, ihn auch zur Leiterschaft in der Gemeinde befähigen.
Ein anderer Punkt sollte noch erwähnt werden. Wenn es hier um einen gottesfürchtigen Ältesten geht, wird nicht das Bild eines Menschen gezeichnet, der Vorträge organisiert, Finanzen verwaltet, Verträge für Gebäudesanierungen aufsetzt, und damit hat es sein Bewenden! Der wahre Älteste ist in erster Linie am geistlichen Leben der Gemeinde beteiligt, indem er lehrt, ermahnt, ermutigt, zurechtweist und korrigiert.

MacDonald – Kommentar zum Neuen Testament

In positiver Weise: Er muss (Vers 8) gastfreundlich sein. Solch eine Einstellung und eine solche Praxis, entsprechend den Möglichkeiten und Gelegenheiten, sind für solche stimmig, die Vorbilder in guten Werken sein sollten. „Das Gute liebend“; geistliche Leiter sollten darin beispielhaft sein, das Gute zu lieben. Besonnen, oder selbstbeherrscht oder weise, das ist eine notwendige Gnadengabe für einen geistlichen Leiter – sowohl für sein Verhalten und seinen Umgang im Dienst als auch im Privatleben. Gerecht, rechtschaffen in den Dingen, welche das bürgerliche Leben betreffen. Heilig in dem, was die Religion betrifft. Beherrscht, diszipliniert; der Ausdruck kommt von einem Wort, welches „Stärke“ bedeutet, und beschreibt jemanden, der Gewalt über seine Gelüste und Gefühle hat.
1.2 Was seine Lehre betrifft:
Hier ist seine Pflicht: „Einer, der sich an das zuverlässige Wort hält, wie es der Lehre entspricht“, der sich in seinem eigenen Glauben und Bekenntnis und beim Lehren anderer fest an es hält. Geistliche Leiter müssen sich in ihrem Lehren und ihrem Leben fest an das zuverlässige Wort halten und es durch beides predigen.
Hier ist ihr Ziel: „damit er imstande ist, sowohl mit der gesunden Lehre zu ermahnen als auch die Widersprechenden zu überführen“ (die sich ihr widersetzen). Wie könnte er dies tun, wenn er unsicher oder unbeständig wäre und sich nicht an das zuverlässige Wort und die gesunde Lehre hält?

Der Neue Matthew Henry Kommentar

»Er halte sich an das Wort der Lehre, das gewiß ist« (V. 9 a): Einerseits soll sich ein solcher Mitchrist »enthalten«, manches loslassen, andererseits aber um so mehr sich halten an das Wort, mit dem uns Gott ins Vertrauen gezogen hat über das, was er getan hat, tut und tun wird, um uns zu retten, und an das Wort davon, wie wir daraufhin recht den Weg gehen können, den Weg des Glaubensgehorsams, der Jesusnachfolge bis zum herrlichen Ziel, »durch Leiden zur Herrlichkeit« (Apg 14,22). Dazu gehört auch, daß gerade ein solcher Christ, der für andere zum Dienst berufen ist, auch in besonderer Weise in diesem Wort, so wie es uns von den Aposteln (Apg 2,42) übermittelt ist, lebt, in seinen Bahnen denkt und geht und ihm uneingeschränkt Vertrauen entgegenbringt, also dem Herrn selbst, der uns dieses Wort gegeben hat.
Noch einmal, wie bereits V. 2, betont Paulus die Gewißheit, die Zuverlässigkeit dieses Wortes: Wir können uns darauf verlassen, daß Gott tatsächlich das in der Vergangenheit zu unserem Heil getan hat – insbesondere mit Kreuz und Auferstehung Jesu –, was zu unserem und aller Welt Heil nötig ist. Wir können uns darauf verlassen, daß Gott das jetzt an uns tut, wovon das uns heute verkündigte, unsere Gegenwart betreffende Wort sagt. Auch da gilt: »Wenn er spricht, so geschieht’s; wenn er gebietet, so steht’s da« (Ps 33,9); Gottes Wort ist Tat. Und wir können uns weiter darauf verlassen, daß er all das in der Zukunft noch tun wird, was er verheißen hat und was einen neuen heilsgeschichtlichen Schritt betrifft, zumal bereits in der Vergangenheit alle Voraussetzungen dafür geschaffen sind, vor allem mit Jesu Sieg in Gethsemane, auf Golgatha und an Ostern (vgl. Offb 5). » Des Herrn Wort ist wahrhaftig, und was er zusagt, das hält er gewiß« (Ps 33,4).

Nicht nur darum geht es, daß wir selbst von diesem Wort leben, sondern daß wir es weitersagen und dazu mithelfen, daß auch andere von diesem Wort leben können. Das gilt insbesondere für die, die Aufträge und Dienste in der Gemeinde haben. Dazu auch sollen sie sich an das Wort halten, damit sie die Kraft haben, »zu ermahnen mit der heilsamen Lehre und zurechtzuweisen, die widersprechen« (vgl. V. 9b). Durch das Leben im Wort werden wir dazu befähigt, es auch in der rechten Weise weiterzusagen. Und gerade dadurch, daß wir selbst dem Wort gehorsam sein wollen und uns von ihm erziehen lassen, wird uns durch Gottes Gnade die innere Vollmacht geschenkt, es auch andern auszurichten. – Von zweierlei redet hier Paulus:
a) Vom »Ermahnen mit der heilsamen Lehre«. Das Urtextwort für »ermahnen« bedeutet »zurufen«, »herbeirufen«, »einladen«, »trösten«, »Seelsorge üben«, »aufmuntern«; in diesem Sinn wurde das Wort auch für die Anfeuerungsrufe im Sportstadion gebraucht. Kurz: Es ist nötig, so miteinander zu reden, daß wir doch ja zusammen auf dem Weg bleiben zu dem herrlichen Ziel und uns auf dem Weg die Heilbehandlung durch unseren Heiland Jesus Christus, durch seinen heiligen, heilenden und heiligenden Geist, gefallen und uns von ihm Aufträge geben lassen, damit wir in Ewigkeit miteinander bei unserem Herrn das wahre Leben haben. Und nötig ist auch, daß wir solchen, die noch ganz draußen sind, hereinhelfen in die Gemeinschaft mit unserem Herrn, auf die Spur seiner Nachfolge und in die Gemeinschaft seiner Gemeinde.
b) Auch dazu befähigt uns Gottes Wort, durch das wir ja immer zugleich unter dem wunderbaren Einfluß seines Geistes stehen (Joh 6,63), daß wir diejenigen »zurechtweisen, die widersprechen«. Das Urtextwort bedeutet auch, daß wir die »überführen«, die widersprechen. Diese gibt es überall, auch in den Gemeinden, die Gottes Wort, Gnade und Anspruch gegenüber Widerspruch anmelden: Nein, auf Gnade und Barmherzigkeit Gottes wollen sie nicht angewiesen sein; sie möchten viel lieber sagen können, daß sie Heil und Seligkeit selbst verdient und »geschafft« haben. Auch wollen sie Gott und seinem Gebot nicht Gehorsam leisten, sondern ihre eigenen Herren bleiben, sich selbst ihre »Tafeln bauen« und selbst das Maß aller Dinge sein. Letztlich wollen sie sich selbst, nach eigener Fantasie, ihre »Religion« zusammenstellen, sozusagen sich aus der bunten Wiese der Religionen und Weltanschauungen einiges herauspflücken und nach ihrem Geschmack einen »Strauß« winden. Nach ihrem Bild wollen sie sich einen »Gott« schaffen, der überall den Menschen bestätigt und ihn auf seinen selbstgewählten Wegen segnet und segnet. Wort und Geist des lebendigen Gottes haben es in sich, das Wort, das wie »ein Hammer« ist, »der Felsen zerschmeißt« (Jer 23,29), den Menschen von seiner Eigenmacht, seinem törichten Denken und seinen falschen Wegen zu »überführen«. Dazu sind Verkündiger und Seelsorger nötig, die selbst in Gottes Wort leben, sich selber nach Gottes Wort richten und sich von ihm korrigieren lassen, die Gott in ihrem Leben recht geben. Gott tut durch solche Leute mehr, als ihnen bewußt ist und für sie in Erscheinung tritt. Solche leidensbereite Zeugen Jesu sind insbesondere in der Zeit des endgeschichtlichen Abfalls unentbehrlich (vgl. 2 Thes 2,3; Offb 11).

Edition C Bibelkommentar Neues Testament

Der letzte Teil von V. 7 und der gesamte V. 8 können als Einschub angesehen werden. Daher ist es möglich, den vorliegenden Vers mit dem ersten Teil von V. 7 zu verbinden, was wie folgt lautet: „als Gottes Verwalter … anhangend dem zuverlässigen Worte“. Sein Verwalteramt schließt das „Festhalten am (antecho) zuverlässigen Wort“ (rev. Elberf.) ein. Diese Wiedergabe läßt richtigerweise die Vorstellung von trotziger Gegnerschaft erkennen, eine Tatsache, die in der nichtrevidierten Elberfelder nicht zum Vorschein kommt.
Der Älteste darf mit der Heiligen Schrift kein falsches Spiel treiben, da sie absolut glaubwürdig sowie verläßlich und nicht unzuverlässig wie die falschen Lehren der Irrlehrer ist. Das zuverlässige Wort ist die einzige Autorität und das letzte Berufungsgericht bei jeder Streitfrage; daß es in voller Übereinstimmung mit der von den Aposteln gegebenen Lehre ist, wird durch die Erläuterung „nach der Lehre“ (kata ten didachen), wörtlich „das der Lehre entspricht“, angezeigt. Der Älteste muß durch lehrmäßige Festigkeit gekennzeichnet sein. Er ist dafür verantwortlich, fest am Wort Gottes als der eigenen Anleitung zu bleiben, ohne ihm etwas hinzuzufügen oder etwas daran zu schmälern, damit er fähig ist,

die Gläubigen in der gesunden Lehre (eine mögliche Wiedergabe) zu ermahnen;

die Widersprechenden zu überführen.
Hier erkennen wir die besondere Verantwortung, die Älteste in der Lehre haben. Folglich müssen sie „lehrfähig“ (1.Tim. 3,2) sein. Die Betonung liegt auf gesunder (hygiaino) Lehre. Das Wort bedeutet „gesund sein“ (unser deutsches Wort „Hygiene“ ist davon abgeleitet) und soll sich von der widerwärtigen, unpraktischen Lehre der falschen Lehrer abheben. Es ist möglich, um den Erwerb gesunder Kost zur körperlichen Ernährung sehr besorgt zu sein und sich dennoch weniger Sorgen um gesunde geistliche Nahrung für die Seele zu machen. Gläubige müssen ständig ermuntert (Parakater) werden. Muß der Älteste die Heiligen ermahnen, dann nimmt er sie zu sich in die Gemeinschaft und verlangt von ihnen nicht, geistliches Gebiet zu betreten, auf dem er sich selbst nicht befindet.
Außerdem muß der Älteste in der Lage sein, mit Gegnern der Wahrheit umzugehen, die hier als Widersprechende (vom Verb antilege) oder Widerredner erwähnt werden, d. h. diejenigen, die gegen die gesunde Lehre sprechen. Er soll auf keinen Fall ihr Handeln stillschweigend dulden, sondern sie vielmehr überzeugen (elencho) oder überführen. Das Wort bedeutet mehr als „tadeln“, es läßt eine Darlegung des Beweises erkennen, so daß die Argumente der Gegner widerlegt werden, sich als unbegründet erweisen und die früheren Widersprechenden beschämt werden. Welch eine Vollmacht liegt in dem zuverlässigen Wort!

Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt