auf daß ihr völlig zu erfassen vermöget mit allen Heiligen, welches die Breite und Länge und Tiefe und Höhe sei,
Elberfelder 1871 – Epheser 3,18
Infolgedessen werdet ihr auch imstande sein, mit allen Gottestreuen zu erfassen, was die Breite und Länge, die Tiefe und Höhe des geistigen Lebens bedeutet,
Greber 1936 – Epheser 3:18
Ich bitte ihn, dass ihr zusammen mit der ganzen Gemeinschaft der Glaubenden begreifen lernt, wie unermesslich reich euch Gott beschenkt.
Gute Nachricht Bibel 2018 – Eph 3,18
Das wird euch dazu befähigen, zusammen mit allen anderen, die zu Gottes heiligem Volk gehören, die Liebe Christi in allen ihren Dimensionen zu erfassen – in ihrer Breite, in ihrer Länge, in ihrer Höhe und in ihrer Tiefe.
Neue Genfer Übersetzung 2013 – Eph 3:18

Die Verse im Zusammenhang hatten wir schon einmal…
Trotz all des Reichtums, den messianische Juden und messianische Nichtjuden erfahren haben, betet der Abgesandte, dass wir in unserem Verständnis all dessen weiter wachsen mögen. Es übersteigt in der Tat unser vollständiges Wissen in der Olam Haze (diesem gegenwärtigen Zeitalter), aber wir werden ermahnt, danach zu streben, mit der ganzen Fülle Gottes erfüllt zu werden. Wo immer wir uns auf unserer spirituellen Reise befinden, können wir immer wachsen. Geistliches Wachstum ist in der Tat das Zeichen eines Menschen in einer wahren Beziehung zu Jeschua. Es ist gleichzeitig entmutigend und doch aufregend, da unsere Beziehung zu Gott niemals abgestanden oder statisch sein sollte. Wir sollten uns fragen, ob wir Fortschritte machen und in unserer persönlichen Beziehung zu Gott durch Jeschua wachsen.
A Messianic Commentary: Rabbi Paul Enlightens the Ephesians on Walking with Messiah Yeshua
Zunächst (V. 18-19 a) geht es um das volle Erfassen der unfassbaren Liebe Christi in all ihren Dimensionen. Dabei ist V. 18 von V. 19 a her zu erklären: Bei der »Breite und Länge und Höhe und Tiefe«, die es zu erfassen gilt (V. 18), geht es um die allen Verstand weit übersteigende »Liebe Christi« (V. 19 a). Während die Irrlehrer in und um Ephesus alle möglichen Erkenntnisse feilbieten (vgl. Kol 2,16-23), richtet Paulus das Augenmerk seiner Leser auf die Liebe Christi als das, was umfassend erkannt werden soll. Diese Liebe erfasst man nicht mit theologischer Theorie. Nur wer in der Kraft des Heiligen Geistes, unter der Herrschaft Christi und in der Liebe Gottes verwurzelt lebt (V. 16-17), wird als Resultat (»damit«!, V. 18 a) die Liebe Christi ausloten können. »Erkennen« bedeutet biblisch gesehen, eine Sache oder Person wahrzunehmen, indem ich ihr begegne, mich auf sie einlasse. Wie kommt solche Erkenntnis zustande? Vom Zusammenhang her ergibt sich folgende Antwort. Erstens: Gott offenbart seinen von Ewigkeit her bestehenden Liebesplan durch das apostolische Wort (Eph 1-3). Zweitens: Es bedarf des Gebets, damit das, was Gott in seinem Wort zusagt, durch den Glauben gelebte Wirklichkeit bei den Gläubigen wird (V. 14-17) und sie von daher verstehen lernen, was menschlicher Verstand von sich aus nicht begreifen kann: nämlich wie umfassend groß die Liebe Christi ist (V. 18-19 a). Dabei ist noch eines wichtig: diese Liebe zu erkennen ist nicht nur einer kleinen christlichen Elite vorbehalten. Dieses Ziel ist vielmehr allen Christen in allen Gemeinden gesetzt: »… damit ihr mit allen Heiligen« diese Liebe erfassen könnt! Nicht Elitebildung, sondern Auferbauung der ganzen Gemeinde ist das Ziel des Apostels.
Gerhard Maier – Edition C
daß ihr in der Liebe gewurzelt und gegründet seid, damit ihr zusammen mit allen Heiligen zu erfassen vermöget, was die Breite und Länge und Höhe und Tiefe sei. Wenn sie durch den Glauben mit Christus verbunden sind, so ist auch die Liebe da, die ihnen verschafft, was die Wurzel dem Baum oder das Fundament dem Hause gewährt. Ist die Liebe in ihnen kräftig und rein, so daß sie ihr Denken und Handeln bewegt, dann fallen und schwanken sie nicht. Das erhält sie bei Christus und stellt sie unter seine Gnade und Hilfe, wie der Baum nicht stürzt, dessen Wurzeln sich in den Boden senken, oder das Haus nicht fällt, das ein Fundament besitzt. Aus der Liebe, nur aus ihr, entsteht sodann das Vermögen, die ganze Ausdehnung in allen Richtungen zu erfassen, die die göttliche Gnade und darum das Heilswerk des Christus und darum die ihnen verliehene Gabe hat. Nicht nur ein kleines Stück, sondern ihr volles Maß mit ihrem ganzen Inhalt soll vor ihren Blick und in ihre Erfahrung treten. Darum macht Paulus die zuversichtlich nach dem Ganzen greifende Bitte in ihnen wach. Er will ihnen aber damit nicht ein Ziel zeigen, das bloß ihnen gezeigt wäre. Bitten, die eine besondere Gunst von Gott für uns begehren, haben das Bewußtsein gegen sich, daß sie sich mit Überhebung vermengen. Sie geschehen deshalb nicht mit Glauben und Gewißheit. Paulus leitet sie auch nicht dazu an, daß sie sich auf eine besondere Höhe der Vollkommenheit erheben, sondern sie sollen den Einblick in das Ganze der göttlichen Liebe zusammen mit allen Heiligen gewinnen und ihn so erlangen, wie ihn Gott allen gönnt und gewährt.
Schlatters Erläuterungen zum Neuen Testament
Ziel vermehrten Glaubens und vertiefter Liebe ist es, »imstande zu sein, mit allen Heiligen zu begreifen, was die Breite, Länge, Höhe und Tiefe ist«.
Wuppertaler Studienbibel
Aus der Anordnung der Verse 16–19 wird klar, daß dieses »Begreifen« keine einseitig rationale Bemühung sein kann, sondern das zuvor Gesagte vielmehr umgreift. Der Ausdruck »begreifen« (griech.: katalambanein) stellt eine Intensivierung der Grundform »annehmen« (griech.: lambanein) dar und meint daher »vollständig ergreifen«, »endgültig habhaft werden«. In diesem Sinne benutzt ihn Paulus in Röm 9,30: die Heiden sind der Glaubensgerechtigkeit habhaft geworden – ohne sie gesucht zu haben! Ähnliches gilt für Phil 3,12f: Die Gemeinschaft mit Christus muß stets neu ergriffen, bejaht und bewährt werden. Somit könnten wir den Ausdruck an unserer Stelle mit »sich innerlich zutiefst aneignen« wiedergeben.167
»Mit allen Heiligen« zusammen sollen die Adressaten begreifen. Damit ordnet sie Paulus als Heidenchristen wie bereits in 2,19 und 3,8 (vgl. 1,15 und 6,18) allen anderen zu, die an Jesus Christus glauben und Glieder am Leib Christi sind. Sie sind daher in ihrem Verstehen in keiner Weise zurückgesetzt.
Was aber sollen die Angesprochenen »begreifen«? Es ist lediglich die Rede von der »Breite, Länge, Höhe und Tiefe«, ohne den Inhalt des so bezeichneten Raumes zu erwähnen. Vergleichbar ist 1Kor 2,9, wo Paulus das Prophetenwort aus Jes 64,3 zitiert: »Was kein Auge gesehen hat und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz gekommen ist, was Gott bereitet hat denen, die ihn lieben.« Beide Stellen stehen »im Zusammenhang mit dem von den Äonen verborgenen, jetzt enthüllten Geheimnis«.
Der Hintergrund für diese Redeweise ist im AT zu suchen. Dort begegnet in Hiob 11,8f eine Beschreibung der Weisheit Gottes: Sie ist »höher als der Himmel … tiefer als die Hölle …, länger als die Erde und breiter als das Meer«. Ähnlich heißt es ebenfalls von Gottes Weisheit im Eingang des Sirachbuches: »Die Höhe des Himmels, die Breite der Erde und die Tiefe des Meeres, wer kann sie messen? Vor allen Dingen ist die Weisheit erschaffen, und die verständige Einsicht ist ewig« (Sir 1,3f).169
Deutet man diese Ausdrucksweise im Zusammenhang des Eph, so wird man darin den Bezug auf die unergründliche Weisheit Gottes in der Offenbarung des Geheimnisses Christi herstellen; in ihrer Mannigfaltigkeit (3,10) ist sie von überwältigender Fülle. »Begreifen« kann dies kein Mensch. Wohl aber wird durch den Glauben das Geheimnis zugänglich, indem der Mensch Anteil am Heilswerk Christi gewinnt, ja indem er hineingenommen wird in den Leib Christi und in die Fülle Gottes.
Peter Streitenberger – Der Epheserbrief
Mit ἵνα („dass“) leitet Paulus die zweite Bitte ein. Die komitative Angabe σὺν πᾶσιν τοῖς ἁγίοις („mit allen Heiligen“) weist darauf hin, dass die Dimensionen nicht nur von den direkten Adressaten des Epheserbriefs zu erfassen sein mögen, sondern von allen Gläubigen gemeinschaftlich und gemeinsam. Paulus beschreibt vier Dimensionen, die es für alle Heiligen zu erfassen gilt. An einer Stelle in der griechischen Literatur finden sich diese ebenfalls. Der Arzt Galen beschreibt in einer Abhandlung über den natürlichen und unnatürlichen Puls, Galenus, De pulsibus libellus ad tirones 8.445,7, wie dieser zu beschreiben ist: „ἐν τούτῳ χρὴ μεμνημένον σε, οἷος ἦν ὁ κατὰ φύσιν σφυγμὸς, καὶ εἰ μὲν τῷ πλάτει μείζων ὁ παρὰ φύσιν εὑρίσκοιτο, πλατὴν καλεῖν, εἰ δὲ τῷ μήκει, μακρὸν, εἰ δὲ τῷ βάθει, ὑψηλὸν, καὶ τοὺς ἐναντίους αὐτοῖς τοὺς ἐλάττους τοῦ κατὰ φύσιν ὀνομάζειν ἀνάλογον, στενὸν καὶ βραχὺν καὶ ταπεινόν“. „Dabei ist es nötig, dass man sich erinnert, wie der naturgemäße Puls wäre. Und wenn er der Breite nach mehr ist, möge man ihn als unnatürlich erkennen, als breit bezeichnen, wenn aber der Länge nach (mehr), als lang zu bezeichnen, wenn aber Tiefe nach (mehr), als hoch. Und die Gegensätze dazu, die weniger als naturgemäß sind, sind analog zu benennen, eng und kurz und niedrig“. Da Galen allerdings drei Dimensionen, wie er sie zunächst am Menschen erklärte, annimmt und den letzten (die Tiefe) als „hoch“ bezeichnet, ist die vierdimensionale Sicht bei Paulus einzigartig. Die beste Analogie zu Paulus, zumal er eine Verwurzelung in Liebe nennt, ist ein Baum mit Breite, Länge und Höhe und einer vierten Dimension der Tiefe, wenn man an die Wurzeln denkt, die unter die Erde gehen. Ebenso möglich ist, zumal Paulus ein Fundament (z.B. in Form eines Felsens), das ebenfalls in die Tiefe unter die Erde reicht, anspricht. Als Anwendung könnte man an die Aspekte der Errettung, die alle Menschen zum Ziel hat (Breite), die ganze Ewigkeit umfasst (Länge) und bedeutete, dass der Herr in den Tod ging (Tiefe) und danach über alle Himmel erhöht wurde (Höhe).
»daß ihr vermögt« (hìna exischysete, Aorist) bedeutet, damit ihr Kraft empfangen mögt. Durch den Geist am inneren Menschen gestärkt sein (V. 16), durch Glauben Christus im Herzen wohnen lassen und in göttlicher Liebe gegründet sein (V. 17), gibt die Kraft »völlig zu erfassen« (katalambàno) . Erfassen im Sinn von völlig begreifen übersteigt die Fähigkeit sogar aller Heiligen, obgleich diese am inneren Menschen göttlich gestärkt sind. »Mit allen Heiligen« zeigt, daß kein isolierter Heiliger es zu erfassen vermag, »welches die Breite und Länge und Tiefe und Höhe sei«. Der Apostel bricht den Satz unvollendet ab, ohne ein Objekt genannt zu haben. Dieses ist nicht »die Liebe des Christus« (V. 19) aus dem einfachen Grund, daß mit Vers 19 ein neuer Satz beginnt. Es scheint, daß der Apostel an das Geheimnis denkt, welches in seiner Breite und Länge solch einander entgegengesetzte Menschen wie Juden und Heiden umfaßt, in seiner Tiefe dem Bedürfnis beider begegnet und in seiner Höhe Gott verherrlicht. Diese Ausdrücke von Maß lassen an Ordnung denken, die notwendigerweise allen göttlichen Werken zu eigen ist. Um Breite, Länge, Tiefe und Höhe zu erfassen, muß man sich im Zentrum befinden, und das scheint das Herzensanliegen des Apostels zu sein.
Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt