Denn ihr selbst wisset, Brüder, unseren Eingang bei euch, daß er nicht vergeblich war; sondern nachdem wir in Philippi zuvor gelitten hatten und mißhandelt worden waren, wie ihr wisset, waren wir freimütig in unserem Gott, das Evangelium Gottes zu euch zu reden unter großem Kampf (O. großer Anstrengung)
Elberfelder 1871 – 1.Thessalonicher 2,1–2
Wie ihr wisst, hatten wir zuvor in Philippi viel ausstehen müssen und waren misshandelt worden. Trotzdem fassten wir im Vertrauen auf unseren Gott den Mut, euch seine Gute Nachricht zu verkünden, und ließen uns nicht davon abbringen, als es auch bei euch zu harten Auseinandersetzungen kam. (Apg 16,19–24; 17,1–9)
Gute Nachricht Bibel 2000 – 1.Thessalonicher 2:2
Kurz zuvor, in Philippi, hatten wir noch viel zu leiden gehabt; ihr wisst, dass wir beschimpft und misshandelt worden waren. Aber unser Gott schenkte uns neuen Mut, und obwohl wir ´auch in Thessalonich` auf heftigen Widerstand stießen, konnten wir euch sein Evangelium frei und offen verkünden.
Neue Genfer Übersetzung 2013 – 1.Thess 2,2
Wir hatten ja vorher, wie ihr wisst, in Philippi leiden müssen und waren dort misshandelt worden. Doch wir konnten durch unseren Gott wieder neue Zuversicht gewinnen, sodass wir danach auch euch die gute Gottesbotschaft weitergeben konnten, wenn auch inmitten von vielen Kämpfen.
Das Buch – 2009 – 1.Thess 2:2

Paulus hatte schlimmes erlebt – aber er sprach nicht über das, was er erlebt hatte, sondern verkündigte weiter die Botschaft des Christus! Und was machen „unsere Prediger“? Reden diese über das was sie erlebt haben oder über den Christus???
Als die Prediger nach ihrer dreitägigen Reise von Philippi in Thessalonich ankamen, trugen sie immer noch die Striemen der Rutenschläge der dortigen Schergen. Es nagte an Paulus‘ Innerem. Das Leiden war nicht nur körperlich, sondern auch seelisch. Als römischer Bürger war er eigentlich von der Schande einer öffentlichen Auspeitschung ausgenommen. Die Mißhandlung in Philippi verschloß Paulus‘ Mund nicht, sondern hatte eine genau gegenteilige Auswirkung: »… waren wir freimütig in unserem Gott, das Evangelium Gottes zu euch zu reden unter großem Kampf«. Das Wort »freimütig« bedeutet »frei heraus, unerschrocken sprechen, offen mit jemand reden«. Nach ihrer Behandlung in Philippi hätte diplomatische Einsicht wohl zu zurückhaltenderem Vorgehen geraten, indem sie interessierte Menschen einzeln zu erreichen versucht und so keinen öffentlichen Widerstand erregt hätten. Aber dies war nicht Paulus‘ Methode. Beachten wir, daß er sagt: »Freimütig in unserem Gott«. Es war kein bloßer natürlicher Mut oder Begeisterung, sondern göttliche Befähigung. Manche Menschen behaupten, heimliche Jünger zu sein, aber, wie Walvoord bemerkt, »heimliche Gläubige führen Menschen nicht zu Christus.«
Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt
Dann war es »das Evangelium Gottes«, das sie predigten. Die Schrift spricht vom »Evangelium des Königreiches« (Mt 4,23) und »dem Evangelium der Gnade Gottes« (Apg 20,24). Schließlich finden wir in Offb 14,6 die Bezeichnung »das ewige Evangelium«. Das Wort »Evangelium bedeutet einfach »frohe Botschaft« oder »Gute Nachricht«. Während die Form der Frohbotschaft Gottes in jeder Haushaltung oder Periode der Menschheitsgeschichte verschieden ist, so ist es doch wesensmäßig dasselbe Evangelium. Im gegenwärtigen Zeitalter der Gemeinde ist es das Evangelium Gottes, denn Gott ist seine Quelle, und das Evangelium der Gnade Gottes, denn die Gnade ist seine Grundlage und sein Inhalt. Es gründet sich auf das Werk Christi am Kreuz, auf Sein Begräbnis und Seine Auferstehung am dritten Tag (1.Kor 15,1-3).
In Thessalonich wurde das Evangelium freimütig gepredigt »unter großem Kampf« oder Konflikt. Das griechische Wort für Kampf ist agôn. Es ist ein Ausdruck aus dem Bereich des sportlichen Wettkampfes bei den Olympischen Spielen. Ein damit verwandtes Wort agônia fand als »Agonie« seinen Eingang in unsere Sprache. In 1.Tim 6,12; 2.Tim 4,7 wird das Wort auf Soldaten und Kriegführung angewandt. In Kol 2,1 wird es auf kämpfend ringendes Gebet angewandt.
Die Feinde, die Paulus und seine Mitarbeiter aus der Stadt Thessalonich gejagt hatten, führen nun eine Verleumdungskampagne, um seinen charakterlichen Ruf zu unterminieren. Dies ist der Hintergrund von Kap. 2. Paulus ist diese Methode nicht unbekannt. Er erinnert uns an die grausame und brutale Behandlung, die er und Silas in Philippi erfahren hatten. Aber Verleumdung und unwahre Unterstellungen bezüglich seines Charakters fallen in eine andere Kategorie. Leider haben schon viele von Gottes geachteten Dienern in dieser Beziehung leiden müssen. Paulus schrieb 1 Thessalonicher aus Korinth. In Thessalonich kam die Verleumdung von seinen unbekehrten Feinden, aber in Korinth kam sie von seinen Kindern im Glauben. Sie stellten seine apostolische Autorität in Frage. »Wo ist dein Empfehlungsbrief und deine Beglaubigung als Diener Christi?«. Sie kritisierten seine Predigt und seine persönliche Erscheinung. »Er schreibt gewichtige Briefe«, sagten sie, »aber seine körperliche Erscheinung ist schwach und seine Rede verächtlich: (2.Kor 10,10). Dann war da die Unterstellung, daß irgendein krummer finanzieller Beweggrund dahinterstünde, als er sie bat, den verarmten Heiligen in Jerusalem mit einer Gabe zu Hilfe zu kommen (2.Kor 12,17.18). Praktisch der ganze 2. Korintherbrief ist eine Verteidigung und Rechtfertigung seines Charakters, seines Dienstes und seiner Motive. In Kap. 2 von 1 Thessalonicher haben wir die gleiche Verteidigung in knapper Form. Hogg und Vine listen in ihrem Kommentar über diese Passage sieben von ihren Feinden in Thessalonich gegen Paulus und seine Mitarbeiter erhobene Vorwürfe auf: Den Vorwurf »des Betrugs, der Fleischlichkeit, der Täuschung, der Kriecherei, der Schmeichelei, der Habsucht, des Strebens nach materiellen Vorteilen«.
Paulus war äußerst sensibel gegenüber Vorwürfen, die die Wahrheit seiner Botschaft und die Reinheit seines Lebens in Frage stellten.
Dio Chrysostomos kritisierte die falschen Philosophen, die sich vor der Kritik der Menschen fürchteten, und bezeichnete ihre Reden als leer und hohl, letztlich als vergeblich. Wahre Philosophen hingegen zeigten sich seiner Ansicht nach auch dann, wenn sie auf Opposition stießen, unerschrocken, mutig und kühn in der Rede. Paulus und seine Begleiter waren kurz vor ihrer Ankunft in Thessalonich in Philippi »misshandelt« worden; der Ausdruck deutet darauf hin, dass die Missionare zutiefst gedemütigt und dann ohne Anhörung öffentlich entkleidet und ausgepeitscht wurden ( Apg 16,22-23 ).
Craig Keener – Kommentar zum Umfeld des Neuen Testaments
Dem Aufenthalt in Thessalonich ging eine leidvolle Phase in »Philippi« voraus. Die Andeutungen finden sich in Apg 16,19-40 ausgeführt, wo berichtet wird, wie Paulus und Silas vor Gericht geschleppt, misshandelt und in schwere Haft gesetzt, am folgenden Tag jedoch rehabilitiert wurden. »Misshandeln« steht dabei für einen Ausdruck mit breit gefächerter Bedeutung: »übermütig behandeln«, »verhöhnen«, »beschimpfen«, »beleidigen«, »vergewaltigen«. Als römischem Bürger wird Paulus diese Behandlung, der er theoretisch nicht unterworfen werden durfte, besonders entwürdigend erschienen sein.
Gerhard Maier – Edition C
Derartige Erfahrungen hätten eigentlich die Missionare von der Fortsetzung ihres Verkündigungsdienstes abhalten müssen. Dies aber trat nicht ein. Vielmehr »gewannen sie Mut«, ihre Mission weiterzuführen. Solche Zuversicht schöpften sie nicht aus sich selbst. Quelle dieser neuerlichen Unerschrockenheit war vielmehr »unser Gott«. Damit erläutert Paulus durch sein eigenes Beispiel, was er in 1Thess 1,6 von den Thessalonichern geschrieben hat: Auch angesichts großer Bedrängnis ist der christliche Glaube von der Freude gekennzeichnet, die ihm durch den Heiligen Geist geschenkt und stets neu erhalten wird (vgl. dazu 2Kor 6,4-10). Die Gemeinschaft mit »unserem Gott« lässt die Feindschaft der Menschen als gering erscheinen. Dabei handelt es sich nicht um ein mystisches Einswerden mit dem Göttlichen, sondern um das Vertrauen zu dem, der Jesus Christus von den Toten auferweckt und auch das Gefängnis von Philippi durch ein Erdbeben geöffnet hat (Apg 16,26).
Der in Gott gewonnene »Mut« befähigt zum »Reden des Evangeliums Gottes«. Das Evangelium ist Sache Gottes; er lässt es verkündigen (Röm 1,1; 15,16). Er tut den Zeugen den Mund auf. Dabei sind die Umstände in Philippi und Thessalonich durchaus parallel: Auch hier begleitet »viel Kampf«, in innerlicher und vor allem auch in äußerlicher Hinsicht, den Missionsdienst.
Paulus erinnert die Briefempfänger noch einmal an seinen kurzen Aufenthalt in Thessalonich, den er hier „unseren Eingang bei euch“ nennt. Bereits in Kapitel 1,9 hatte er erwähnt, dass man sogar in Mazedonien, in Achaja und darüber hinaus davon sprach, welchen Eingang (o. welche Aufnahme) sie bei den Thessalonichern hatten.
Werner Mücher – Die Briefe des Paulus an die Thessalonicher
Nachdem wir in Philippi zuvor gelitten hatten: Apostelgeschichte 16 berichtet uns, wie Paulus und Silvanus (Silas) in Philippi gelitten hatten. Zuerst hatte man sie auf den Markt zu den Vorstehern (hohe Behördenbeamte) geschleppt und danach zu den Hauptleuten, den obersten Richtern der Stadt; man hatte ihnen die Kleider vom Leib gerissen und sie ausgepeitscht; danach waren sie an einem besonders sicheren Ort im Gefängnis eingekerkert worden; zu guter Letzt wurden ihre Füße in einem Stock befestigt, das war ein blockförmiges hölzernes Marterwerkzeug, in das die Füße der Gefangenen eingespannt wurden. Was war der Anlass dazu? Sie hatten einer von Satan geknechteten Frau einen Dämon ausgetrieben. Und wie hatten Paulus und Silas auf die Misshandlungen reagiert? Um Mitternacht beteten sie und lobsangen Gott. Was für ein eindrucksvolles Zeugnis!
Sicher hatte die Erzählung von dem, was diese beiden Männer erlebt hatten, einen bleibenden Eindruck bei den Thessalonichern hinterlassen. In den Leiden hatten Paulus und Silas die Freude der Gemeinschaft mit ihrem Herrn erfahren (vgl. Kap. 1,6). Es war übrigens nicht das erste Mal, dass Paulus misshandelt worden war. In Lystra war er ein oder zwei Jahre zuvor gesteinigt worden, und da man glaubte, dass er gestorben sei, hatte man ihn zur Stadt hinausgeschleift (Apg 14,19).
Das Evangelium Gottes zu euch zu reden: Trotz dieser so ungünstigen äußeren Umstände hatten sie im Herzen dennoch tiefen Frieden. Und mit dem Mund verkündigten sie unerschrocken und bereitwillig das Evangelium Gottes. Sie ließen sich durch nichts abhalten, Menschen mit der Botschaft für Sünder, dem Gnadenangebot Gottes durch seinen Sohn Jesus Christus, bekannt zu machen.
Waren wir freimütig in unserem Gott: Wir wollen uns fragen, ob auch wir unerschrocken und freimütig unseren Herrn vor den Menschen bekennen, die Ihn noch nicht kennen. Das geht nicht ohne geistlichen Kampf. Es gilt Hindernisse zu überwinden: bei dem einen ist es Bequemlichkeit, bei dem anderen mangelnder Mut, bei dem anderen mangelnde Zeit, bei dem anderen … Was ist es bei dir, dass du aufgehört hast, den Herrn Jesus zu bekennen und dich um die Errettung verlorener Menschen zu kümmern, die alle eine unsterbliche Seele haben? Sicher steht an erster Stelle das ernste Gebet um Verlorene, und bereits das ist Kampf.
Unter großem Kampf: Die Verkündigung des Evangeliums geschah unter großem Kampf. Wie viele Hindernisse gab es doch, nicht zuletzt die Feindschaft der Menschen, die sich dem Evangelium entgegenstellten. Paulus verkündigte kein „Nimm-oder-lass-es-Evangelium“. Er war weder „Theologe“ noch christlicher Philosoph, der die Wahrheit korrekt darlegte; er war auch kein Mystiker, der über seine Träume, Eindrücke oder Erfahrungen sprach. Er verkündigte das Evangelium mit dem brennenden Verlangen, dass verlorene Menschen sich bekehrten. Bei solch einer Verkündigung blieben die entsprechenden Früchte nicht aus.
Leer wäre der Verkehr des Paulus mit den Thessalonichern dann gewesen, wenn er ihnen nichts zu bringen hätte, womit zugleich bewiesen wäre, daß sein Unternehmen nicht aus Gottes Willen und Sendung stammte. Aber schon die Reihenfolge der Ereignisse machte allen deutlich, daß Gottes Geist und Kraft mit Paulus war. Denn seiner Arbeit in Thessalonich ging unmittelbar seine Verhaftung und Mißhandlung in Philippi voran. Man wußte in Thessalonich, was dort geschehen war, sah aber auch, daß dies die Gewißheit des Paulus nicht lähmte und seinen Eifer nicht schwach machte. Trotz ihrer harten Erfahrung verkündigten Paulus und seine Gefährten Jesus wieder mit voller Freudigkeit. Auch in Thessalonich waren sie gleich wieder genötigt, ihre ganze Kraft zu gebrauchen. Die Arbeit stellte gleich wieder die höchsten Ansprüche an ihre Selbstlosigkeit und Leidenswilligkeit, an ihre Liebe, die sich um jeden bemüht, an ihre Besonnenheit, die allen Einreden gewachsen ist und keine Schwierigkeiten fürchtet. Aber alle diese Hindernisse und Leiden verwandelte Paulus für sich in Arbeitsmittel, durch die er sein Werk kräftig vorwärts führt. Denn er macht dadurch sichtbar, daß er sich von allem unterscheidet, was die Menschen von ihm erwarten, und beweist, daß er sein Werk mit Gott vollbringt. Daß die Not, die ihn trifft, diesen Wert für ihn hat, hat er später den Korinthern ausführlich gezeigt.
Schlatters Erläuterungen zum Neuen Testament
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