Jesus aber sprach zu ihnen: Sie haben nicht nötig wegzugehen; gebet ihr ihnen zu essen.
Elberfelder 1871 – Matthäus 14,16
Der [Jesus] aber sagte ihnen: „Sie haben kein Bedürfnis (nicht nötig) zu gehen, gebt ihr ihnen zu essen.“
offene Bibel – Matthäus 14:16

Kennst du auch das Problem: du möchtest mit anderen Menschen über die Bibel sprechen, aber dann fragst du dich: „wohin führe ich diese dann?“, weil man dir beigebracht hat, dass du interessierte Personen in eine Organisation führen müsstest? Nehmen wir diesen Vers, dann wäre die richtige Reaktion: „Gott wird mir helfen, die Menschen die an IHM interessiert sind, direkt zu einer Beziehung zu Jehovah zu führen“ – und zwar ohne eine Organisation 😉
Alliteration
Wortspiel in der Bibel
χρείαν ἔχουσιν
„Sie haben nicht nötig“ (Mt 14,16, ELB)
Alliterationen entstehen durch die Wiederholung von Konsonanten, die in „nötig“ (χρείαν chreian) verwendet und in „Sie haben“ (ἔχουσιν echousin) wiederholt werden.
Der Herr versicherte ihnen, dass es nicht nötig sei, sie wegzuschicken. Warum sollten die Menschen den Einen verlassen, der seine Hand auftut und alles Lebendige nach seinem Wohlgefallen sättigt (Ps 145,16)? Dann brachte er seine Jünger in Verlegenheit, indem er sie aufforderte: »Gebt ihr ihnen zu essen!« Sie waren fassungslos: Wie sollten sie den Menschen etwas zu essen geben? »Wir haben nichts hier als nur fünf Brote und zwei Fische.« Sie hatten ganz vergessen, dass sie auch noch Jesus hatten. Geduldig sagte der Heiland: »Bringt sie mir her!« Das war ihre Aufgabe.
MacDonald – Kommentar zum Neuen Testament
Herrliches Wort! »Es ist nicht nötig, dass sie weggehen.« Wir sind imstande, wenn Er mit uns ist, allem Mangel abzuhelfen, der entstehen mag; wir brauchen nie die Menge wegschicken, um sie dem Staat oder der Pfarrei oder Mietlingen zu überlassen. Wenn wir nur ans Werk gehen, so werden wir finden, dass der Herr uns für jeden Notfall ausrüstet. »Gebt ihr ihnen zu essen.« Ihr redet davon, dass sie für sich kaufen sollen, aber sie sind mittellos und können nichts kaufen. Alles muss umsonst sein, sonst werden sie verhungern. Ihr seid die Leute dazu, sie umsonst zu speisen. Geht daran und beginnt sogleich.
Charles H. Spurgeon – Das Evangelium des Reiches
Aber Jesus sagte zu ihnen: Sie brauchen nicht wegzugehen; gebt ihr ihnen zu essen. Das ist kein rechtes Mitgefühl, sagte er ihnen, wenn es nicht euch selbst zum Geben treibt. Ihr sollt nicht nur bedenken, daß das Volk Mangel hat, sondern Hand anlegen, sollt ihnen nicht bloß sagen: Kauft euch Speise! sondern sie speisen. Das ist das rechte Mitleiden, nicht das, das uns nicht zum Handeln bewegt.
Schlatters Erlӓuterungen zum Neuen Testament
Der Einfache Befehl des Herrn: »Gebt ihr ihnen zu essen« zeigt, daß wir dem Herrn ohne zu fragen geben müssen, was wir besitzen. Es ist notgedrungen wenig, aber der Herr wird das Übrige tun wie mit der Handvoll Mehl im Topf und dem wenigen Öl im Krug (1Kö 17,12; 2Kö 4,2). In Joh 6,5 fragte der Herr den Philippus, wo er Brote kaufen wollen, um »ihn zu versuchen«, aber Philippus gab keine zufriedenstellende Antwort. In Matthäus 14,16 folgte auf die Aufforderung »gebt ihr ihnen zu essen« auch keine befriedigende Antwort. Als sie auf die fünf Brote und die zwei Fische hinwiesen, offenbarten sie lediglich ihren Unglauben. Es mag sein, daß hier eine gleichnishafte Bedeutung vorliegt. Der Fisch läßt uns an den Fischzug von Lk 5,1-11 denken. Als der Herr Fische aus dem See austeilte, wollte er sagen, daß die Ungeretteten aus allen Nationen zu Ihm gezogen werden würden, um das Volk Gottes zu bilden. Das Brot läßt und an 1Kor 10,17 denken, wo die Heiligen als »ein Brot« gesehen werden, als Gläubige, die in örtlichen Gemeinden zu Gemeinschaften gesammelt worden sind.
Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt
Die Antwort: »Sie brauchen nicht wegzugehen« ist doppelgründig. Natürlich meint Jesus zunächst, dass sie nicht woanders Lebensmittel kaufen müssen. Aber darüber hinaus klingt eine Lebensregel für alle Notlagen der Jünger an: »Sie brauchen nicht wegzugehen«. Bei Jesus ist volle Fürsorge für große und kleine Nöte unseres Lebens da: »Ich bin gekommen, dass sie das Leben und volle Genüge haben sollen!« (Joh 10,10). Ähnlich steht es mit dem zweiten Satz: »Gebt ihr ihnen doch zu essen!« Er fordert die Jünger auf, die Menschen in ihrer Not nicht alleinzulassen. Sie, die Jünger Jesu, werden doch Hilfe wissen! Jetzt, am Ostufer in der Abenddämmerung, und in der ganzen Gemeindezeit bis zur Wiederkunft Jesu: Ihr, meine Jünger, könnt in meiner Kraft helfen. Der helfende Messias hat auch helfende Jünger. Allerdings: Haben sie Jesus nicht bei sich, können die Jünger niemals helfen.
Gerhard Maier – Edition C
Bei dem Satz der Jünger: »Wir haben hier nur fünf Brote und zwei Fische« achten wir auf dreierlei. Die »fünf Brote und zwei Fische« sind der erste Punkt. Bei dem raschen Aufbruch der Menge, die Jesus bei der Landung begegnen wollte, war natürlich keine Versorgung mit Speisen möglich. Kleine Krüge oder Gefäße mit Wasser waren eher bereit und leichter mitgenommen. Das Zweite: »nur« sagen die Jünger. Andreas fügt hinzu: »Was ist das unter so viele?« (Joh 6,9). Aber fünf Brote und zwei Fische in den Händen Jesu sind genug, um 5000 Menschen zu speisen. Wo die eigenen Mittel klein sind, da beginnt erst Gottes Herrlichkeit zu strahlen! So war es bei David gegen Goliath, bei Gideons 300 Mann gegen 120.000 Midianiter, beim knienden Hiskia gegen Hunderttausende von Assyrern. Umgekehrt: Wo unsere Hände schon voll sind, kann Gott nichts dazutun. In ein volles Glas kann man nichts mehr einschenken.
Hier stoßen wir geradezu auf ein Wirkungsgesetz des Reiches Gottes. Das Dritte: »hier« haben sie nur so wenig. Aber gerade jetzt brauchen sie mehr! Das weist auf die Unausweichlichkeit von Entscheidungen und Maßnahmen hin, die hier und jetzt zu treffen sind. Wie nahe liegen uns Ausweichen und Ausflüchtemachen. Und doch will ausgerechnet »hier« Gott ein Wunder tun. Der Satz: »Bringt sie mir her!« ist denkbar kurz und einfach. Aber auch er enthält ein Geheimnis. Jesus sagt nicht: »Das Wenige hat keinen Wert.« Sondern er will das Wenige treu eingesetzt haben. Er knüpft an das an, was der Vater bisher schon gegeben hat, und nimmt es als Angeld für das kommende Größere. Zugleich sind damit die Jünger in sein Werk einbezogen.
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