Familie Thomas Pape

19 Replies to “Hohes Lied”

  1. Hohelied 1 – 4

    tut mir leid: dies soll zwar das erhabenste Liebeslied sein, aber ich persönlich kann nicht sonderlich viel damit anfangen. Das hier ist einfach nicht mein Fall!

    Selbst, als ich es Ende 2005 gelesen habe, wo ich ja noch schwerst verliebt war (was ich heute übrigens immer noch bin), konnte ich nichts damit anfangen

    Einzig und allein eine Frage:
    „wenn es hier um eine keusche Liebe geht – wieso verbringt dann der Liebste, mit dem sie noch nicht verheiratet ist, die Nacht zwischen ihren Brüsten?“

  2. Hohelied 5 – 8

    neee, wirklich…

    warum will sie heimlich die Nacht mit ihm verbringen und spricht von Liebkosungen?
    Und das, während sie nur verlobt sind?

    Unter Keuschheit und „rein erhalten vor der Ehe“ stelle ich mir irgendwie was anderes vor…

  3. Hohelied 5-8
    Zitate von J.N.Darby


    Kapitel 5 zeigt uns eine andere Erfahrung. Durch die Bezeugung der Liebe des Bräutigams ist Vertraulichkeit entstanden, und das beruhigte Herz, Seiner Liebe gewiß, redet von seiner Trägheit. Ach was für ein Herz haben wir! Kaum sind wir durch das Zeugnis der Liebe des Herrn getröstet, so wenden wir uns wieder uns selbst zu! Das zartfühlende und aufrichtige Herz des Bräutigams tut nach ihrem Wort: Er entzieht sich einer Seele, die nicht auf Seine Stimme lauscht. Sie steht dann auf, um zu erkennen, wie töricht sie gewesen ist, und wie genau es Ihm, den sie vernachlässigt hat, gerechterweise mit Seinen Wegen ihr gegenüber hält.
    ie Geliebte wird von denen geschlagen, die über den Frieden Jerusalems wachen. Was hatte sie nachts in den Straßen zu tun, sie, die der Bräutigam zu Hause gesucht hatte? Und nun setzt gerade ihre Liebe sie dem Tadel aus, indem die Kraft derselben sie in eine Lage gebracht hat, welche ihre Vernachlässigung des Geliebten beweist. Ähnlich ist es mit uns. Wenn wir nicht in dem friedlichen Genuß der Liebe Christi stehen, da wo Er uns in Gnade entgegenkommt, so führt uns gerade die Kraft unserer Liebe und unsere Selbstverurteilung dahin, diese Liebe in gewissem Sinn in verkehrter Weise zu offenbaren und bringt uns in Verbindung mit solchen, die unsere Stellung verurteilen. Es war recht für einen Wächter, ein Weib zu strafen, das draußen umherlief, was auch die Veranlassung dazu sein mochte. Bezeugungen der Liebe zu ihrem Geliebten daheim sowie die Liebe in ihrem Herzen sind nicht Sache des Wächters. Es mag wahre Liebe vorhanden sein, aber der Wächter hat für Ordnung und einen geziemenden Wandel zu sorgen. Dennoch war ihre Liebe echt und führte zu einer glühenden Beschreibung alles dessen, was ihr Geliebter ihr war; aber auch hier sind ihre Worte an andere gerichtet, die sie hätten verstehen sollen, an ihre Gefährtinnen, nicht an den Wächter. Doch wenn Trägheit sie verhindert hatte, Ihn bei Seinen liebenden Besuchen zu empfangen, so weiß ihr Herz jetzt, wo Er zu finden ist, nachdem es durch den Wächter gestraft und ihrem Geliebten wieder zugewandt ist, und nun, von Gott belehrt, von Seinem Lobe überfließt.

    Diese Erfahrung läßt sie durch die Gnade eine andere Seite ihrer Beziehung zu Ihm verstehen, sie legt dabei einen wirklichen Fortschritt sowohl in dem Verständnis der Gabe als auch in ihrem eigenen Herzenszustand an den Tag. An die Stelle des Verlangens, den Geliebten für sich selbst zu besitzen, ist das Bewußtsein getreten, daß sie Ihm gehört: „Ich bin meines Geliebten.“ Das ist ein sehr wichtiger Fortschritt. Eine Seele, die Errettung und Befriedigung für die neu erwachten Zuneigungen sucht, ruft, sobald sie Gewißheit darüber erlangt hat, aus: „Mein Geliebter ist mein.“ Macht sie dann tiefere Erfahrungen von sich selbst, so kommt sie zu der Erkenntnis, daß sie Sein Eigentum ist. Es heißt deshalb mit Bezug auf uns nicht: „Wir haben Den gefunden, von welchem die Propheten geschrieben haben“, sondern: „Wir sind nicht unser selbst, denn wir sind um einen Preis erkauft.“ So Christo anzugehören, indem man nicht mehr an sich selbst denkt, das ist Glückseligkeit für die Seele. Nicht daß wir das Bewußtsein verlören oder verlieren sollten, wie kostbar es ist, den Heiland zu besitzen, aber der andere Gedanke, der Gedanke, Sein zu sein, nimmt den ersten Platz ein.

    Aufs neue bezeugt der Geliebte, wie kostbar die Braut in Seinen Augen ist. Doch auch hier zeigt sich ein Unterschied. Wenn Er vorher von ihr sprach, fügte Er der Beschreibung der Anmut und Schönheit ihrer äußeren Gestalt all die Tugenden hinzu, die in ihr sichtbar wurden: Er redet von dem Honig, der von ihren Lippen floß, von den lieblichen Früchten, die sich in ihr fanden, von den süßen Wohlgerüchen, die er durch den Odem Seines Geistes „träufeln“ ließ. Von dem allem spricht Er jetzt nicht, sondern nur von dem, was sie für Ihn ist. Nachdem Er ihre persönliche Schönheit beschrieben hat, verweilt Sein Herz bei dem, was sie für Ihn Selbst ist. „Eine ist meine Taube, meine Vollkommene.“ Seine Liebe kann keine andere sehen; keine kann mit ihr verglichen werden. Es gibt viele andere, aber sie sind nicht die Eine, die Er liebt. Die Person des Herrn erfüllt das Herz, das wieder zu Ihm zurückgebracht ist, und dann bilden der Anblick und die Tugenden der Braut den Gegenstand des Zeugnisses des Bräutigams. Überdies gibt es für Ihn keine außer ihr, sie ist die einzige ihrer Mutter. So wird es mit dem Überrest Israels in den letzten Tagen sein, im geistlichen Sinne ist es heute so mit uns.

    In den folgenden Versen wird die Aufnahme Christi und Seine Vereinigung mit dem Überrest zu Jerusalem in sehr eindrucksvoller Weise dargestellt. Wir sehen da nicht mehr den Geliebten, der aus der Wüste heraufkommt (wo Er Sein Volk mit Sich verbunden hatte) in Herrlichkeit und in Liebe. jetzt ist es die Braut, die, schön wie der Mond und strahlend von Herrlichkeit, gleich einem Heere mit wehenden Bannern auf dem Schauplatz erscheint. Der Geliebte war hinabgegangen, um die jungen Triebe des Tales zu besehen und um zu untersuchen, ob Sein Weinstock ausgeschlagen sei. Ehe Er es Sich bewußt wird, macht Ihn Seine Liebe gleichsam zu dem Prachtwagen Seines willigen Volkes (vgl. Ps 110, 3). Er leitet sie in Herrlichkeit und Triumph. Er hatte die Früchte der Gnade unter ihnen gesucht; aber nachdem Er zu diesem Zweck herabgekommen war, erhöht Er sie in Herrlichkeit. Erst dann, wenn Sein Volk völlig in Gnade wiederhergestellt ist, wird alles an ihnen Schönheit und Vollkommenheit sein, und dann erst werden sie erkennen, daß sie gänzlich Christo angehören und zugleich Seine Liebe voll und ganz besitzen.

    Dieser letzte Gedanke ist die Ruhe des Herzens der Braut. In der dritten Erfahrungsformel dieses göttlichen Liedes – wenn ich in so kalter Weise reden darf -, in der die volle Glückseligkeit der Braut zum Ausdruck kommt, wird dies mit den Worten ausgesprochen: „Ich bin meines Geliebten, und nach mir ist Sein Verlangen.“

    Kapitel 8 steht für sich da und scheint mir die Grundzüge des ganzen Buches noch einmal zusammenzufassen. Es geht auf den Grund von dem zurück, was alle diese Seelenübungen hervorgerufen hat. Die völlige Befriedigung aller Wünsche des Überrestes wird in prophetischer Weise angekündigt und der Pfad bezeichnet, auf dem seine Zuneigungen sich entwickeln werden. Dieses Bild wird jedoch zur Ermunterung derer entworfen, die sich der Wirklichkeit noch nicht erfreuen, und drückt den Wunsch nach die dieser Verwirklichung aus, indem es so dem brennenden Verlangen des Überrestes, Christum zu besitzen und volle Freiheit zur Gemeinschaft mit Ihm zu haben, Gottes Zustimmung und Weisung gibt. Die Erwiderung, die darauf erfolgt, lehrt mit besonders kostbarer Deutlichkeit die Art und Weise, in der dies in Erfüllung gehen wird. Die heiße Liebe der Braut wird vorgestellt, und der Geliebte wünscht, daß sie in Seiner Liebe ruhen und dieselbe ohne Störung genießen möge, solange es ihr gefällt.

  4. Hohelied 1-4
    Zitate von J.N.Darby


    Kapitel 1 gibt uns in der klarsten und einfachsten Weise die Zusicherung des völligen Genusses der Segnung; aber obwohl Liebe vorhanden ist, wird doch alles mehr durch Verlangen als durch Frieden gekennzeichnet. Nachher finden wir Herzensübungen, die zu einem vollen Verständnis der Liebe des Geliebten führen. In diesem Verständnis gibt es ein Fortschreiten, und zwar trotz der Fehler und der Herzensträgheit, welche der Liebe, die in Tätigkeit ist, einen neuen Wert verleihen. Das Herz beschäftigt sich mit den Eigenschaften, mit den Charakterzügen des Geliebten. Ist man einmal in den Besitz des geliebten Gegenstandes gekommen, so ist man mehr mit dem Gegenstand selbst beschäftigt. Ohne Zweifel bilden die Eigenschaften eine Quelle des Glückes; doch wenn auch die Stellung den Genuß dieser Eigenschaften vermittelt, denkt man doch mehr an die Person, die sie offenbart, als an die Eigenschaften. Gnade, Güte und ähnliche kostbare Dinge mögen das Herz anziehen und beschäftigen, wenn aber die Beziehung einmal besteht, so ist es die Person, an die wir denken. Die Eigenschaften gehören uns dann sozusagen von selbst.

    Die Geliebte spricht im Hohenliede viel von den Eigenschaften ihres Geliebten; sie redet gern davon für sich und zu anderen. Man könnte einwenden, daß der Geliebte das noch mehr tue als sie, obwohl Er doch das Verhältnis, in dem Er zu ihr steht, genau kennt. Es ist so; aber warum? Gerade weil sie noch nicht in jenem Verhältnis steht, ist es Seine Freude, ihr immer aufs neue zu versichern, welchen Wert sie in Seinen Augen hat.

    In Kapitel 2 scheinen mir die ersten sechs Verse (mit Ausnahme des zweiten) nur Worte der Braut zu sein. Man hat sie auch anders aufgefaßt, aber wohl mit Unrecht. Man beachte hier, daß Christus der Apfelbaum ist; das wird uns weiterhin behilflich sein. Überdies redet die Braut von sich selbst. Ihrem Verständnis nach hat sie die Beziehung, in welcher sie steht, erfaßt und redet hauptsächlich von sich; aber es ist auch wahre Zuneigung bei ihr vorhanden. Der Bräutigam will nicht erlauben, daß sie gestört werde, wenn sie mit völligem Vertrauen in Seiner Liebe ruht (V. 7). Seine eigene Stimme, die einzige, auf die sie nun horcht, wird sie aufwecken. Er Selbst ruft ihr zu, daß sie sich aufmachen solle, daß der Winter vorbei sei – die Zeit des Trauerns und des Kummers. Er begehrt auch ihre Stimme zu hören. So wird ihr Herz beruhigt und gewiß, und sie sagt: „Mein Geliebter ist mein.“ Wie getreu stellt uns das alles das Erwachen göttlicher Zuneigungen und die Rückkehr des Vertrauens in dem Überrest dar, der so lange erfahren hat, was es ist, wenn Jehova Sein Angesicht vor ihm verbirgt; und wie zeigt es uns andererseits, in welcher Fülle die unauslöschliche Liebe Dessen, der einst über Jerusalem weinte, in gesegnetster Weise in Tätigkeit tritt, um dieses Vertrauen wachzurufen und das Herz des betrübten Volkes zu beruhigen! Die Stelle ist von außergewöhnlicher Schönheit, sie enthält nicht Unterweisungen bezüglich der Umstände, steht auch nicht in Verbindung mit Verantwortlichkeit, sondern es ist ausschließlich Gnade – die Verbindung Christi (Jehovas) Selbst mit Israel.

    In Kapitel 3 sehen wir die Braut in einer anderen Stellung, in einem anderen Herzenszustand. Sie ist allein, und um sie her ist es finster. Sie sucht ihren Geliebten, findet Ihn aber nicht. Liebe ist vorhanden, aber keine Freude. Sie fragt die Wächter in Jerusalem, die in der Stadt umhergehen. Sobald sie an ihnen vorüber ist, findet sie Ihn. Wiederum wünscht Er, daß sie in Seiner Liebe ruhe. Doch dies alles ist nur prophetisch und soll als Zeugnis dienen, zum Trost für solche, die Ihn noch nicht gefunden haben, indem ihnen gezeigt wird, was Er für sie ist. Der Geist der Prophezeiung stellt dann den Bräutigam dar, wie Er mit Seiner Braut aus der Wüste kommt, wo Er (wie Mose) im Geiste mit ihr gewesen ist. Das Kapitel bestätigt die Richtigkeit der Anwendung auf Israel. In ihrem Zustand der Vereinsamung sucht die Braut den Messias, und nachdem sie die Wächter befragt hat, findet sie bald Den, den ihre Seele liebt, und bringt Ihn auf den Platz Israels; denn der Sohn wurde aus Israel geboren, obschon in einer neuen Beziehung. Dort tritt Er wieder für ihre Ruhe ein, und dann kommt, als Kehrseite des Bildes, der wahre Salomo von der Wüste herauf, jetzt am Tage Seiner Vermählung und am Tage der Freude Seines Herzens gekrönt durch dasselbe Israel, das Ihn einst verworfen hat.

    Darauf, in Kapitel 4, zählt Er alles auf, was Er an ihr sieht, obwohl sie in der Höhle des Löwen gewesen ist. Von dort beruft Er sie, die in Seinen Augen ganz Schöne und Makellose, indem Sein Herz Seiner Wonne an ihr Ausdruck gibt. Es liegt meines Erachtens eine schöne Vollkommenheit des Denkens und Fühlens darin, daß die Braut niemals von den vollkommenen Eigenschaften des Bräutigams zu Ihm Selbst spricht, als ob sie Ihm ihre Anerkennung kundtun müsse; sie redet viel von Ihm, um ihren eigenen Gefühlen Ausdruck zu geben, und sie tut dies anderen, nicht Ihm gegenüber. Er Seinerseits spricht frei und eingehend über sie zu ihr selbst, indem Er sie Seiner Wonne an ihr versichert. Dies ist in lieblicher Weise anwendbar, wenn wir an Christum und unsere Beziehung zu Ihm denken.

    Im Wachtturm hieß es 1980

    Die unerschütterliche Liebe eines Mädchens
    ES GIBT nichts Schöneres als die unerschütterliche Liebe zwischen einem Mann und einer Frau. Selbst Beobachter sind berührt, wenn sie sehen, wie eine solch innige Liebe einem gewaltigen Druck von außen standhält.
    Ein orientalisches Mädchen aus Sunem oder Sulem verliebt sich in einen stattlichen Hirten. Um die Sulamitin vor einer Versuchung zu bewahren, halten ihre Brüder sie davon ab, der Einladung ihres Geliebten zu folgen und an einem herrlichen Frühlingstag mit ihm einen Spaziergang zu machen. Sie übertragen ihr die Aufgabe, die Weingärten vor den Raubzügen kleiner Füchse zu schützen (Hohesl. 1:6; 2:8-15).
    Zu dieser Zeit erscheint König Salomo in königlicher Pracht und schlägt sein Lager in der Nähe des Hauses der Sulamitin auf. Er sieht sie, während sie ihrer Arbeit nachgeht. Aufgrund ihrer Schönheit wird sie in das königliche Lager gebracht und ist dort dem Liebeswerben des Königs ausgesetzt (Hohesl. 6:11, 12; 1:2-4).
    Läßt sich die Sulamitin beeindrucken? Wankt sie in ihrer Liebe? Nein. Sie schämt sich nicht, ihr Verlangen nach ihrem geliebten Hirten zu gestehen. Doch Salomo will sie nicht gehen lassen. Ständig überschüttet er sie mit Liebesäußerungen und verspricht, auserlesenen Schmuck für sie anfertigen zu lassen. Die Sulamitin spricht jedoch von ihrer unsterblichen Liebe zu ihrem Hirten. Später nimmt der Hirte Verbindung mit ihr auf. Sie tauschen Liebesworte aus (Hohesl. 1:7-17; 2:1, 2).
    König Salomo kehrt nach Jerusalem zurück und nimmt die Sulamitin mit. Hier in der Stadt macht der Hirte eine Möglichkeit ausfindig, sie zu sehen (Hohesl. 3:6-11; 4:1-5). Nachdem alle Bemühungen Salomos, die Liebe der Sulamitin zu gewinnen, fehlgeschlagen sind, läßt er sie schließlich nach Hause zurückkehren (Hohesl. 8:5a). Welch ein Triumph für die Sulamitin!
    Dieses Mädchen vom Lande gab durch ihre standhafte Liebe, eine Liebe, von der sie sich nicht abbringen ließ, zweifellos ein hervorragendes Beispiel. Eine solche Liebe haben auch die treuen Glieder der geistigen Braut Christi und seine „anderen Schafe“ zu ihrem „vortrefflichen Hirten“. (Vergleiche Johannes 10:14, 16; 2. Korinther 11:2; Epheser 5:25-32.)

    „DIE LIEBE IST SO STARK WIE DER TOD“
    Wahre Liebe zwischen einem Mann und einer Frau kann außergewöhnlich stark, beständig und unnachgiebig sein. Das zeigt ein poetisches Buch der Bibel, das vor etwa 3 000 Jahren von dem weisen Salomo, dem König von Israel, verfaßt wurde. Es wird „Das Hohelied“ genannt. Es berichtet von der unerschütterlichen Liebe, die zwischen einem Hirten und einem Mädchen vom Lande aus dem Dorf Sunem (Sulem) bestand. Dieses „erhabenste Lied“ erzählt auch davon, daß es dem König mit all seinem Glanz und Reichtum nicht gelang, die Liebe dieser schönen Sulamitin zu gewinnen (Hohesl. 1:1-14; 8:4).
    Dieses „erhabenste Lied“ schildert die Schönheit beständiger und dauerhafter Liebe….
    Folgendes diene als Beispiel: Das Hohelied läßt erkennen, daß man sich nicht in jeden verlieben kann. Die Sulamitin fühlte sich nicht zu König Salomo hingezogen. Sie sagte: „Ich habe euch unter Eid gestellt, o Töchter Jerusalems, bei den Gazellenweibchen oder bei den Hindinnen des Feldes, daß ihr nicht versucht, die Liebe in mir zu wecken oder zu erregen, bis sie sich dazu geneigt fühlt“ (Hohesl. 2:7; 3:5). Für eine ledige Person ist es daher weise, geduldig so lange zu warten, bis sie einen Partner findet, den sie wirklich lieben kann. Der voraussichtliche Ehegefährte eines Dieners Jehovas sollte ebenfalls Gott hingegeben sein und ihm treu dienen (5. Mose 7:3, 4; Esra 9:1-15; 1. Kor. 7:39). Die Anbetung Jehovas ist dann für beide von überragender Bedeutung. Als ein durch den Glauben geeintes und in einer harmonischen Ehe lebendes Paar können sie durchs Leben gehen, wogegen eine betrübliche Leere entstehen würde, wenn die geistige Einheit fehlte.
    Ein Christ, der Gottes Anerkennung wünscht, sollte vor der Heirat seine Keuschheit bewahren. Die Brüder des sulamitischen Mädchens waren schon auf seine Tugend bedacht, als es noch ziemlich jung war, denn einige Jahre zuvor hatte einer ihrer Brüder über sie gesagt: „Wir haben eine kleine Schwester, die keine Brüste hat. Was werden wir für unsere Schwester an dem Tage tun, da man um sie werben wird?“ Ein anderer Bruder erwiderte: „Wenn sie eine Mauer sein sollte, so werden wir eine silberne Zinne auf ihr bauen, sollte sie aber eine Tür sein, werden wir sie mit einer Zedernplanke versperren.“ König Salomo hatte versucht, die Liebe der Sulamitin zu gewinnen, doch sie erwies sich in der Liebe und in der Tugend nicht als unbeständig, als wäre sie eine Tür, die sich in ihren Angeln dreht und mit einer Planke verschlossen werden müßte, um zu verhindern, daß sie sich vor einer unerwünschten oder schädlichen Person öffnet. Sie hatte den Verführungskünsten eines Königs nicht nachgegeben, sondern widerstand allen materiellen Verlockungen wie eine Mauer; sie hatte ihre Qualitäten bewiesen und konnte nun als eine reife Frau mit tugendhaften Grundsätzen anerkannt werden (Hohesl. 8:8-10). Sie gab ledigen gottesfürchtigen Frauen von heute ein vorzügliches Beispiel.
    Die demütige Sulamitin war zurückhaltend, doch in den Augen ihres Hirten, der sie liebte, war sie etwas Besonderes. „Nur ein Safran der Küstenebene bin ich, eine Lilie der Tiefebenen“, sagte sie. Aber für den Hirten war sie mehr. Er antwortete: „Wie eine Lilie unter dornigem Unkraut, so ist meine Gefährtin unter den Töchtern“ (Hohesl. 2:1, 2). Das war nicht nur Verliebtheit. Das Mädchen diente Jehova, war schön und tüchtig und hatte viele lobenswerte Eigenschaften. Zeigt das unverheirateten Christinnen nicht, daß sie lernen sollten, den Verpflichtungen einer Frau nachzukommen und gleichzeitig eine gute geistige Gesinnung zu entwickeln?
    Beachten wir aber, wie die Sulamitin den Hirten schätzte, wenn sie sagte: „Wie ein Apfelbaum unter den Bäumen des Waldes, so ist mein Liebster unter den Söhnen“ (Hohesl. 2:3). Ihr Hirte glich nicht einfach irgendeinem der vielen Bäume eines Waldes. Er war Jehova ergeben, hatte wünschenswerte Charakterzüge und Fähigkeiten und muß bestimmt ein geistiggesinnter junger Mann gewesen sein. (Vergleiche 1. Korinther 2:6-16.) Ja, für die hübsche Sulamitin war er „wie ein Apfelbaum unter den Bäumen des Waldes“. Sollte sich ein unverheirateter Christ nicht anstrengen, um eines Tages in den Augen seiner Geliebten ebenso wertvoll zu sein?
    Die Sulamitin und der junge Mann liebten einander zweifellos von ganzem Herzen. Das brachte das Mädchen deutlich zum Ausdruck, als es zu seinem geliebten Hirten sagte: „Lege mich wie ein Siegel auf dein Herz, wie ein Siegel auf deinen Arm; denn die Liebe ist so stark wie der Tod, das Beharren auf ausschließlicher Ergebenheit ist so unnachgiebig wie der Scheol. Ihre Gluten sind die Gluten eines Feuers, die Flamme Jahs [Jehovas]. Selbst viele Wasser vermögen die Liebe nicht auszulöschen, noch können selbst Ströme sie hinwegschwemmen. Wenn ein Mann [wie Salomo] für Liebe alle wertvollen Dinge seines Hauses gäbe, würde man sie bestimmt verachten“ (Hohesl. 8:6, 7). Wie wahr dies doch ist! Liebe ist nicht mit materiellen Dingen zu erwerben. Wahre Liebe ist indes so stark wie der Tod, der unfehlbar Anspruch auf das Leben der verurteilten Menschen erhebt. Und das Beharren dieser Liebe auf ausschließlicher Ergebenheit ist ebenso unnachgiebig wie der Scheol oder das Grab, das die Leiber der Menschen fordert. Doch was ist von der „Flamme Jahs“ zu sagen? Ein Bibelgelehrter erklärte einmal, Liebesflammen, die sich im Menschenherzen entzünden, gingen von Jehova aus — dem Gott der Liebe, der den Menschen diese wunderbare Fähigkeit verliehen hat (1. Joh. 4:8). Ja, wahre Liebe ist unerschöpflich, loyal und beständig. (Vergleiche 1. Korinther 13:8.) Wer zu heiraten gedenkt, handelt weise, wenn er auf „eine Liebe, die so stark ist wie der Tod“, wartet und darauf hinarbeitet.
    WIE DIE LIEBE WÄCHST
    Doch die Liebe kann wachsen, während sich das Leben des Mannes und das Leben der Frau immer mehr miteinander verflechten. Isaak war kein verliebter Jüngling mehr, sondern ein reifer Mann von 40 Jahren, als er Rebekka zur Frau nahm, die kein junges Mädchen mehr war, sondern eine „junge Frau“. Der Bericht sagt: „Und er gewann sie lieb“ (1. Mose 24:57-67). Gottesfürchtige Ehepartner haben im Laufe der Jahre in geistiger Hinsicht vieles gemeinsam. Vereint gehen sie durch Prüfungen und treten an die Probleme des Lebens heran. Aus ihren gemeinsamen Bemühungen ergeben sich wertvolle Erinnerungen, die sie einander immer näherbringen. Selbst etwas so Einfaches wie ein nettes Gespräch auf einem gemeinsamen Spaziergang durch Feld und Wald wird zu etwas Unvergeßlichem. Ja, die hübsche Sulamitin sehnte sich danach, mit ihrem Hirten durch die Gegend zu streifen (Hohesl. 2:8-14). Und nachdem sie verheiratet waren, haben sie das sicher noch oft getan.
    ….
    Die Liebe der Sulamitin zu ihrem Hirten war „so stark wie der Tod“, und zwei gottesfürchtige Ehepartner können heute eine ebenso tiefe Liebe zueinander haben. Doch die Sulamitin sagte auch: „Das Beharren auf ausschließlicher Ergebenheit ist so unnachgiebig wie der Scheol“ (Hohesl. 8:6). …
    …Andererseits werden wir dadurch vor eigennützigem, materialistischem, ungeistigem Streben bewahrt. Es stärkt auch unsere Bande zu Jehova, dem Gott, der den Menschen so geschaffen hat, daß er ‘eine Liebe, die so stark ist wie der Tod’, haben kann.

  5. *** w80 15. 7. S. 16-17 Die unerschütterliche Liebe eines Mädchens ***

    Gottes Wort ist lebendig

    Die unerschütterliche Liebe eines Mädchens

    ES GIBT nichts Schöneres als die unerschütterliche Liebe zwischen einem Mann und einer Frau. Selbst Beobachter sind berührt, wenn sie sehen, wie eine solch innige Liebe einem gewaltigen Druck von außen standhält.

    Ein orientalisches Mädchen aus Sunem oder Sulem verliebt sich in einen stattlichen Hirten. Um die Sulamitin vor einer Versuchung zu bewahren, halten ihre Brüder sie davon ab, der Einladung ihres Geliebten zu folgen und an einem herrlichen Frühlingstag mit ihm einen Spaziergang zu machen. Sie übertragen ihr die Aufgabe, die Weingärten vor den Raubzügen kleiner Füchse zu schützen (Hohesl. 1:6; 2:8-15).

    Zu dieser Zeit erscheint König Salomo in königlicher Pracht und schlägt sein Lager in der Nähe des Hauses der Sulamitin auf. Er sieht sie, während sie ihrer Arbeit nachgeht. Aufgrund ihrer Schönheit wird sie in das königliche Lager gebracht und ist dort dem Liebeswerben des Königs ausgesetzt (Hohesl. 6:11, 12; 1:2-4).

    Läßt sich die Sulamitin beeindrucken? Wankt sie in ihrer Liebe? Nein. Sie schämt sich nicht, ihr Verlangen nach ihrem geliebten Hirten zu gestehen. Doch Salomo will sie nicht gehen lassen. Ständig überschüttet er sie mit Liebesäußerungen und verspricht, auserlesenen Schmuck für sie anfertigen zu lassen. Die Sulamitin spricht jedoch von ihrer unsterblichen Liebe zu ihrem Hirten. Später nimmt der Hirte Verbindung mit ihr auf. Sie tauschen Liebesworte aus (Hohesl. 1:7-17; 2:1, 2).

    König Salomo kehrt nach Jerusalem zurück und nimmt die Sulamitin mit. Hier in der Stadt macht der Hirte eine Möglichkeit ausfindig, sie zu sehen (Hohesl. 3:6-11; 4:1-5). Nachdem alle Bemühungen Salomos, die Liebe der Sulamitin zu gewinnen, fehlgeschlagen sind, läßt er sie schließlich nach Hause zurückkehren (Hohesl. 8:5a). Welch ein Triumph für die Sulamitin!

    Dieses Mädchen vom Lande gab durch ihre standhafte Liebe, eine Liebe, von der sie sich nicht abbringen ließ, zweifellos ein hervorragendes Beispiel. Eine solche Liebe haben auch die treuen Glieder der geistigen Braut Christi und seine „anderen Schafe“ zu ihrem „vortrefflichen Hirten“. (Vergleiche Johannes 10:14, 16; 2. Korinther 11:2; Epheser 5:25-32.)

  6. *** w72 1. 7. S. 410-413 Lohnt sich eine gute Geschlechtsmoral? ***

    Was junge Leute wissen möchten und was ihnen helfen kann
    Lohnt sich eine gute Geschlechtsmoral?

    HEUTE meinen viele Menschen, außereheliche Geschlechtsbeziehungen lohnten sich. Besonders junge Leute vertreten immer mehr diese Ansicht.

    Personen, die dem entschlossen entgegentreten, weil sie sich an sittliche Maßstäbe halten, werden oft mit einem gewissen Mitleid oder gar mit Verachtung als altmodisch, schwächlich, naiv oder unerfahren angesehen. Mit Recht? Was zeigen die Tatsachen?

    IST DIE „NEUE MORAL“ WIRKLICH NEU?

    In Wirklichkeit ist an der Sittenlosigkeit nichts Neues oder „Modernes“. Es gibt sie schon seit langer, langer Zeit. Die Bewohner Sodoms und Gomorras pflegten sie nahezu zweitausend Jahre vor der Geburt Jesu. Wenn du die Geschichte des alten Römischen Reiches liest, wirst du feststellen, daß es wegen all der Arten von Sittenlosigkeit, die heute verübt werden, berüchtigt war. Ja, sein Niedergang war weitgehend auf den Sittenverfall zurückzuführen.

    Warum sollten wir daher denken, an der sogenannten „neuen Moral“ von heute sei wirklich etwas Neues? Es ist genau dasselbe wie früher; ungewöhnlich ist nur, daß sie jetzt so weit verbreitet und nicht örtlich beschränkt ist und daß sie in Ländern, die vorgeben, christlich zu sein, etwas so Auffallendes geworden ist.

    Vielleicht hast du schon diesbezügliche Artikel gelesen, in denen es heißt, die gegenwärtige Welle sexueller „Freiheit“ rühre von den in neuerer Zeit entwickelten Empfängnisverhütungsmitteln her, die die Menschen angeblich von der Furcht vor einer außerehelichen Schwangerschaft befreien. Auch soll der medizinische Fortschritt in der Verhütung von Geschlechtskrankheiten die sexuelle „Freiheit“ begünstigt haben. Sind wir naiv, wenn wir nicht mit diesen Erklärungen übereinstimmen? Wieder fragen wir uns, was tatsächlich der Fall ist.

    Tatsache ist, daß unerwünschte Schwangerschaften jetzt häufiger sind als je zuvor. Die Zahl unehelicher Kinder nimmt ständig zu, und das gilt auch für sogenannt „fortschrittliche“ Länder, in denen Empfängnisverhütungsmittel weit und breit verwendet werden. In den Vereinigten Staaten zum Beispiel ist von je zwölf Geburten etwa eine unehelich; in Schweden ist es etwa eine von je sieben.

    Außerdem denke man an die gewaltige Zahl von Abtreibungen; allein in den Vereinigten Staaten sind es jedes Jahr etwa eine Million. Man kann also ohne weiteres sehen, daß Empfängnisverhütungsmittel keinen „sicheren“ Schutz vor einer Schwangerschaft bieten. Es ist naiv, anders zu denken.

    Ferner sind Fachleute auf dem Gebiet der Medizin in vielen Ländern besorgt, weil sich die Geschlechtskrankheiten seuchenartig ausbreiten und eine auffallende Zahl der Opfer junge Menschen unter zwanzig Jahren sind. In den Vereinigten Staaten steht die Syphilis jetzt unter den ansteckenden Krankheiten, die die meisten Todesfälle verursachen, nach der Tuberkulose gleich an zweiter Stelle. Fachleute auf dem Gebiet der Medizin sagen, moderne Arzneimittel erwiesen sich als wirkungslos, um der Ausbreitung von Tripper und Syphilis ein Ende zu bereiten. Und allzuoft erkennen die Betroffenen die Krankheit zu spät, um einen schweren, unabänderlichen Schaden für ihren Körper zu vermeiden. Warum die Möglichkeit riskieren, einen dauernden Schaden davonzutragen, indem man zufolge von Unsittlichkeit vielleicht sogar blind oder unfruchtbar wird?

    IST EINE GUTE MORAL EIN ZEICHEN VON SCHWÄCHE?

    Ist es ein Zeichen von Schwäche, wenn sich jemand weigert, vor der Ehe Geschlechtsbeziehungen zu haben? Nun, was erfordert deiner Meinung nach mehr Willenskraft — der Leidenschaft nachzugeben oder sie zu zügeln?

    Dem Geschlechtstrieb nachgeben kann eigentlich jeder Schwächling. Aber man muß schon wirklich ein „Mann“ (oder wirklich eine „Frau“) sein, um diesen Trieb zu beherrschen, bis man mit jemandem eine Ehe eingeht. Das erfordert sogar noch mehr Kraft in der heutigen Zeit, in der in der ganzen Welt die entgegengesetzte Neigung besteht; es bedeutet, gegen den Strom zu schwimmen.

    Das Bibelbuch der Sprüche gibt einen Bericht wieder, der diesen Punkt veranschaulicht. Er handelt davon, wie ein junger Mann unter den „Unerfahrenen“, dem es am guten Beweggrund des Herzens fehlt, in ein Viertel geht, wo eine Prostituierte an ihn herantritt. Unter dem Druck ihrer schlauen Überredungskunst gibt er nach, und „ganz plötzlich geht er ihr nach wie ein Stier, der sogar zur Schlachtung kommt, und gerade wie gefesselt [oder gekettet] zur Züchtigung eines Törichten“. (Spr. 7:6-23) Er hatte nicht die moralische Kraft zu widerstehen.

    Dagegen vermittelt uns das Hohelied Salomos ein Bild von einem anziehenden jungen Mädchen aus Sunem, das allen Verlockungen widerstand, die ein reicher König zu bieten hatte, indem es vorzog, dem jungen Hirten treu zu bleiben, den es zu heiraten hoffte. Ja, statt einer „Tür“ zu gleichen, die leicht aufgestoßen werden kann, bewies dieses Mädchen seinen älteren Brüdern, daß es in seiner Entschlossenheit, seine Jungfräulichkeit für den Mann zu bewahren, auf den es wartete, so fest war wie eine „Mauer“. — Hohesl. 8:8-10.

    WARUM SICH EINE GUTE GESCHLECHTSMORAL LOHNT

    Der Hauptgrund, weshalb sich eine gute Geschlechtsmoral lohnt, ist die Tatsache, daß dies der Weg ist, den der Eine gezeigt hat, der über das Glück des Menschen am meisten weiß, derjenige, der Geschlechtsbeziehungen überhaupt möglich gemacht hat: Jehova Gott. Als unser Lebengeber hat er das Recht, uns zu sagen, was wir tun sollen, und Verhaltungsmaßregeln über den Gebrauch unserer Fortpflanzungsorgane mit ihrer Kraft zur Weitergabe von Leben aufzustellen.

    Durch den Apostel Paulus sagt Gott zu uns: „Die Ehe sei ehrbar unter allen, und das Ehebett sei unbefleckt, denn Gott wird Hurer und Ehebrecher richten.“ (Hebr. 13:4) Hurerei schließt nicht nur ungeregelte Geschlechtsbeziehungen mit irgend jemandem ein — sondern auch voreheliche Geschlechtsbeziehungen, zum Beispiel zwischen Personen, die verlobt, aber nicht verheiratet sind.

    Gottes Wort verurteilt Hurerei und sonstigen zügellosen Wandel klar und deutlich. Es zeigt, daß Personen, die solche Dinge treiben, keinen Anteil an Gottes Königreich haben werden. (Gal. 5:19-21; Eph. 5:5) Diese Bestimmtheit des Gesetzes Gottes ist wirklich zu unserem Guten. Der Geschlechtstrieb kann sehr stark sein, und im Leben der meisten kommt es manchmal vor, daß es leicht wäre, unter dem Druck der Versuchung nachzugeben. Wäre Gottes diesbezügliches Gesetz unklar oder nicht überzeugend, so würde es uns dann bestimmt nicht helfen. Aber weil es so klar und eindringlich ist, hilft es uns, vernünftig zu bleiben, unsere moralische Kraft aufrechtzuerhalten, und was am wichtigsten ist, es hilft uns, die verkehrte Handlungsweise hassen zu lernen. Ist dir ein geschlechtlich unsittliches Verhalten verhaßt? Warum sollte es so sein?

    Wenn ein solches Verhalten manchmal reizvoll zu sein scheint, so frage dich: „Hätte ich es gern, wenn meine eigenen Familienangehörigen so etwas täten, meine Eltern, meine Brüder und Schwestern? Möchte ich, daß sie uneheliche Kinder hätten? Würde dadurch meine Liebe zu ihnen und meine Achtung vor ihnen zunehmen?“ Wenn nicht, verdient es dann eine solche Handlungsweise nicht, gehaßt zu werden?

    Und die Kinder, die zufolge eines solchen unsittlichen Verhaltens geboren werden? Stell dir vor, du hättest ein solches Kind — wer würde für das Kind sorgen? Deine Mutter und dein Vater? Du selbst? Wie würdest du es tun? Und was würde das Kind empfinden, wenn es aufwächst und herausbekommt, wie es empfangen wurde? Und wenn du dich weigertest, die Verantwortung auf dich zu nehmen, und du das Kind adoptieren ließest, wie würden dann andere Leute über dich denken? Wie würdest du selbst über dich denken? Du könntest versuchen, die Geburt zu verheimlichen, das Kind dann vor anderen verbergen, indem du es adoptieren ließest, und so versuchen, vor Schande und Verantwortung davonzulaufen. Aber du kannst doch nie vor dir selbst davonlaufen.

    Zu welchen guten Ergebnissen hat geschlechtliche Unmoral eigentlich je geführt? Wie kommt es, daß so viel Unerwünschtes damit verbunden ist, unter anderem lähmende Geschlechtskrankheiten, Abtreibungen, eifersüchtige Kämpfe und sogar Morde? Wie kommt es, daß in Ländern, in denen große sexuelle „Freiheit“ gestattet ist, wie in Dänemark und Schweden, die Scheidungsziffern zu den höchsten der Welt zählen? Bedeutet eine Scheidung Erfolg oder Mißerfolg? Ist sie ein Zeichen von wahrem Glück oder von Unglück und Unzufriedenheit?

    Eine gute Geschlechtsmoral lohnt sich auch deshalb, weil diejenigen, die daran festhalten, mit weitaus größerer Wahrscheinlichkeit eine erfolgreiche Ehe führen werden. Das ist darauf zurückzuführen, daß sie die Ehe in hohem Ansehen bewahrt haben, indem sie Gottes Einrichtung respektiert und ihren künftigen Ehepartner und ihr beiderseitiges Recht auf einen reinen Ehepartner geachtet haben. (Vergleiche 2. Korinther 11:2; Epheser 5:26, 27.)

    Ja, je sorgfältiger du darauf achtest, einen zügellosen Wandel zu vermeiden und dir in der Zeit der Werbung und Verlobung keine Freiheiten zu erlauben, desto wahrscheinlicher wird deine Ehe erfolgreich sein. Weder du noch dein Ehepartner wird dann quälende Zweifel an der Echtheit der Liebe des anderen haben, weil er argwöhnen würde, das Geschlechtliche sei der einzige Beweggrund für die Heirat gewesen. Denn die Ehe ist letzten Endes nicht nur die Vereinigung zweier Körper — sie ist die Vereinigung zweier Personen. Und auf beiden Seiten muß die Person hoch geachtet und geliebt werden, wenn die Ehe dauerndes Glück bewirken soll.

    EINE WEISE WAHL MIT BLEIBENDEN ERGEBNISSEN TREFFEN

    Liebe, der Leidenschaft zugrunde liegt, ist keine bleibende Liebe. Es ist eine selbstsüchtige, begierige Liebe. Ein Beispiel für eine solche Liebe sehen wir in dem Fall eines Sohnes Davids namens Amnon. Er „verliebte sich“ in seine schöne Halbschwester Tamar. Durch Betrug zwang er sie dann, Beziehungen mit ihm zu haben. Und was geschah danach? Aus dem Bericht erfahren wir folgendes: „Und Amnon begann sie mit sehr großem Haß zu hassen, denn der Haß, mit dem er sie haßte, war größer als die Liebe, mit der er sie geliebt hatte.“ Er schickte sie hinaus auf die Straße. (2. Sam. 13:1-19) Solltest du nun, wenn du ein junges Mädchen bist, so naiv sein, zu denken, daß ein Junge, weil er dir gegenüber leidenschaftliche Liebe zum Ausdruck bringt und will, daß du mit ihm Beziehungen hast, dich deshalb auch aufrichtig liebt? Er mag ohne weiteres schließlich genauso sein wie Amnon.

    Die Frau des ägyptischen Beamten Potiphar brachte ebensolches Interesse für den jungen Joseph zum Ausdruck. Als er all ihren Versuchen, ihn zu verführen, widerstand, zeigte sie ihr wahres Gesicht. Sie sagte ihrem Mann eine gemeine Lüge über Joseph, so daß dieser zu Unrecht eingesperrt wurde. — 1. Mose 39:7-20.

    Ja, die sogenannte sexuelle „Freiheit“ macht das, was etwas Schönes und Reines sein sollte, zu etwas Schlechtem und Abscheulichem.

    Was wünschst du also — gelegentlich einen kurzen Augenblick lang ein unerlaubtes sexuelles Vergnügen mit allen Gefahren und Problemen, die damit verbunden sind, oder die Befriedigung, vor Gott und allen Menschen tagein, tagaus ein reines Gewissen, verbunden mit Selbstachtung, zu haben?

    Wenn du frei von Unsittlichkeit bleiben möchtest, dann halte dich von dem fern, was dazu führt: Unterhaltung, die sich stets um das andere Geschlecht dreht, Lesestoff oder Bilder, die nur ein Ziel haben — geschlechtliche Leidenschaft zu erregen. Beschäftige deinen Sinn, deine Augen und deine Zunge statt dessen mit positiven Dingen, wodurch du auf lohnende Ziele hinarbeitest, die dauernde Segnungen mit sich bringen und weder Schande noch Kummer zurücklassen.

    Vor allem nimm an Erkenntnis über deinen Schöpfer und über die Richtigkeit und Weisheit seiner Wege und seines Vorhabens sowie an Wertschätzung dafür zu. Wende dich im Gebet an ihn, und richte dein Herz auf das, was er denen verheißt, die ihm dienen. Wenn du wirklich willst, kannst du beständig auf dem Weg einer guten Geschlechtsmoral bleiben, denn Jehova Gott und sein Sohn werden dir die Kraft geben, die du dafür benötigst.

  7. *** w73 1. 12. S. 713-714 Vom Mädchen zur Frau ***

    In dem Bibelbuch „Das Hohelied“ finden wir die interessanten Worte, die offenbar von den älteren Brüdern eines jungen Mädchens aus Sulem stammen. Der eine sagte: „Wir haben eine kleine Schwester, die keine Brüste hat. Was werden wir für unsere Schwester an dem Tage tun, da man um sie werben wird?“ Mit anderen Worten, was würden sie für ihre Schwester tun, wenn sie nicht mehr flachbrüstig wäre, sondern herangewachsen wäre und nun jemand beabsichtigen würde, sie zu heiraten? Ein anderer Bruder erwiderte: „Wenn sie eine Mauer sein sollte, so werden wir eine silberne Zinne auf ihr bauen, sollte sie aber eine Tür sein, werden wir sie mit einer Zedernplanke versperren.“ (Hohesl. 8:8, 9) Was bedeutet dies?

    Ihre sinnbildlichen Worte bedeuteten offenbar, daß sie ihre Schwester großzügig belohnen und sie ehren würden, wenn sie fest bliebe wie eine „Mauer“. Wie könnte sie dies tun? Indem sie beweisen würde, daß sie fest entschlossen wäre, keusch zu bleiben, und deshalb jedem Versuch, sie in eine unmoralische Handlung hineinzuziehen, unerschütterlich standhielte. Im heiratsfähigen Alter würde sie beständig sein und an guten Grundsätzen festhalten. Wäre sie aber wie eine „Tür“, die sich jedem öffnet, der nur ein wenig dagegen drückt — selbst jemandem, der schlechte Absichten hat —, dann müßten sie Schritte unternehmen, um ihre Schwester in ihrer Freiheit zu beschränken, ja sie müßten ihr „einen Riegel vorschieben“, da ihr im Umgang mit dem anderen Geschlecht nicht zu trauen wäre. Sie könnte aber auch in dem Sinne einer Tür gleichen, daß sie sich von ihren Gefühlen hin und her reißen ließe und einmal für diesen Menschen entflammt wäre und dann für jenen.

    Die Sulamitin, die nun herangereift war und Brüste hatte, bestand diese Prüfung und konnte deshalb zu ihren Brüdern sagen: „Ich bin eine Mauer, und meine Brüste sind wie Türme. In diesem Fall bin ich in seinen Augen [in den Augen ihres zukünftigen Mannes] wie die geworden, die Frieden findet.“ — Hohesl. 8:10.

    Als heranreifendes Mädchen stehst du vor einer ähnlichen Prüfung. Wenn du echten Herzensfrieden genießen und ein gutes Gewissen haben sowie dich vor Problemen schützen möchtest, die dich des Friedens berauben, dann mußt du Selbstbeherrschung üben und unerschütterlich an dem festhalten, was recht ist. (Ps. 119:165) Solltest du durch kurze, enge Röcke, tief ausgeschnittene Blusen oder enganliegende Pullover absichtlich die Aufmerksamkeit auf deine weiblichen Reize lenken? Dadurch könntest du bei Männern sinnliche Gefühle erregen. Was dann?

    Bist du dann stark genug, irgendwelchen Annäherungsversuchen, die aufgrund einer solchen Betonung gewisser Körperteile gemacht werden mögen, standzuhalten? Du magst zwar körperlich voll entwickelt sein, hast du aber auch die geistige und die seelische Reife, die für die Ehe und eventuell für die Mutterschaft erforderlich sind? Eine Katze ist mit zwölf Monaten so weit, daß sie Junge haben kann, und sie weiß instinktiv, wie sie sie betreuen muß. Der Mensch läßt sich aber nicht vom Instinkt leiten wie das Tier. Der Mensch lernt zu dem, was ihm angeboren ist, viel hinzu, und das Lernen erfordert Zeit. Versuchen zu wollen, diesen Prozeß zu beschleunigen, wäre ungefähr so, wie wenn man die Blütenblätter einer Rosenknospe vorzeitig mit Gewalt öffnen wollte. Man würde dadurch lediglich die Blüte beschädigen und verhindern, daß sie sich in voller Pracht entfalten könnte. Vergiß nicht, zu heiraten bedeutet nicht nur, Hochzeit zu machen, sondern es bedeutet auch, eine Hausfrau zu sein, die kochen und waschen muß, ja es bedeutet außerdem, Mutter zu sein, und das setzt viel Geduld und große Ausdauer im unermüdlichen Betreuen der Kinder voraus — und das alles in guten und in schlechten Zeiten, in krankem und in gesundem Zustand.

    Abgesehen davon sollte sich ein Mädchen, das das Gefühl hat, es sei für die Ehe bereit und könne die Arbeit und die Probleme, die damit verbunden sind, bewältigen, fragen: „Was für einen Mann möchte ich gewinnen?“ Ist anzunehmen, daß ein junger Mann, der sich zu einem Mädchen hingezogen fühlt, nur weil er denkt, es würde ihn in sexueller Hinsicht befriedigen, ein guter Ehemann wird? (Vergleiche 2. Samuel 13:1-9.) Wäre es nicht viel besser, du würdest, statt dich zu bemühen, auf diese Weise anziehend zu wirken, versuchen, mit jemandem eine dauerhafte Freundschaft anzuknüpfen, der dich als Mensch — als das, was du innerlich, in Herz und Sinn, bist — schätzt? Das kannst du dadurch tun, daß du eine Wesensart und Charakterzüge entwickelst, die auf andere anziehend wirken. Du kannst es auch durch deine Gespräche und durch eine vernünftige, bejahende Lebensauffassung sowie dadurch tun, daß du ehrlich, bescheiden, anständig, freundlich und selbstlos bist.

    Du kannst beweisen, daß diese vortrefflichen Eigenschaften bei dir echt sind, indem du es ablehnst, sie gegen ein augenblickliches Vergnügen einzutauschen, durch das du in deiner eigenen Achtung und in der Achtung anderer, die du respektierst, bewunderst und liebst, sinken würdest. Besonders wenn du zu erkennen gibst, daß du wirklich lohnende Ziele anstrebst und dich bemühst, ‘deines Schöpfers in den Tagen deines Mädchenalters zu gedenken’, kannst du Menschen als Freunde gewinnen, deren Freundschaft du stets schätzen wirst, weil sie dich wirklich glücklich macht. — Pred. 12:1; 1. Tim. 2:9, 10.

  8. *** w91 1. 10. S. 11-12 Abs. 15 Vertraue auf Jehovas rettenden Arm ***

    Wer mit Jehovas Organisation verbunden ist, dem hilft Jehova auch in persönlichen Angelegenheiten. Vielleicht sucht jemand einen christlichen Ehepartner (1. Korinther 7:39). Wenn es dabei zu einer Enttäuschung kommt, ist es nützlich, das zu betrachten, was Salomo, dem König Israels, widerfuhr.

    Es gelang ihm nicht, die Gunst der Sulamith zu gewinnen, weil sie einen einfachen Hirten liebte. Die Aufzeichnungen des Königs über diese Angelegenheit könnten „Das Hohelied der unglücklichen Liebe“ genannt werden. Wir mögen Tränen vergießen, wenn unser Liebeswerben in einem bestimmten Fall vergeblich ist, aber Salomo kam über seine Enttäuschung hinweg, und das können wir auch. Gottes Geist kann uns beistehen, Selbstbeherrschung und andere gottgefällige Eigenschaften zu bekunden.

    Sein Wort hilft uns, die oft schmerzliche Tatsache zu verwinden, daß sich nicht jeder in jeden verlieben kann (Hoheslied 2:7; 3:5). Das Hohelied zeigt indes, daß es möglich ist, einen Mitgläubigen zu finden, der einen von Herzen liebt, wenngleich es bedeutsamer ist, daß sich dieses „Lied der Lieder“ durch die Liebe des vortrefflichen Hirten, Jesus Christus, zu seiner Braut, seinen 144 000 gesalbten Nachfolgern, erfüllt (Hoheslied 1:1; Offenbarung 14:1-4; 21:2, 9; Johannes 10:14).

  9. Das Wort Jehovas ist lebendig

    Höhepunkte aus dem Hohen Lied

    „WIE eine Lilie unter dornigem Unkraut, so ist meine Gefährtin unter den Töchtern.“ „Wie ein Apfelbaum unter den Bäumen des Waldes, so ist mein Liebster unter den Söhnen.“ „Wer ist diese, die herabschaut wie die Morgenröte, schön wie der Vollmond, lauter wie die Sonnenglut?“ (Hohes Lied 2:2, 3; 6:10). Was für erhabene Verse! Sie stammen aus dem Hohen Lied, einem Bibelbuch in Gedichtform, und da es so bedeutungsvoll und schön ist, wird es auch „das schönste (vorzüglichste) Lied“ genannt (Hohes Lied 1:1, Fußnote).

    Das Lied hat König Salomo komponiert, wahrscheinlich um 1020 v. u. Z., also in der ersten Hälfte seiner 40-jährigen Herrschaft. Es erzählt von der Liebe eines Mädchens vom Land, der Sulamith, zu einem jungen Hirten. Neben den Hauptpersonen kommen in dem Gedicht die Mutter und die Brüder des Mädchens zu Wort sowie „Töchter Jerusalems [Hofdamen]“ und „Töchter Zions [Frauen von Jerusalem]“ (Hohes Lied 1:5; 3:11). Für den Leser ist es nicht immer einfach, die jeweiligen Sprecher zu identifizieren, doch wenn man darauf achtet, was gesagt wird, merkt man, wer zu oder von wem spricht.

    Die Botschaft des Hohen Liedes ist ein Teil von Gottes Wort und aus zwei Gründen für uns sehr wertvoll (Hebräer 4:12). Erstens lehrt dieses Bibelbuch, was wahre Liebe zwischen Mann und Frau bedeutet. Zweitens vermittelt das Lied ein Gefühl für die tiefe Liebe zwischen Jesus Christus und der Versammlung gesalbter Christen (2. Korinther 11:2; Epheser 5:25-31).

    VERSUCHT NICHT, „DIE LIEBE IN MIR ZU WECKEN“
    (Hohes Lied 1:1 bis 3:5)

    „Er küsse mich mit den Küssen seines Mundes, denn deine Liebkosungen sind besser als Wein“ (Hohes Lied 1:2). So beginnt der Dialog im Hohen Lied — mit den Worten eines einfachen Mädchens vom Land, das in das königliche Zelt Salomos gebracht wurde. Wie ist sie dorthin gekommen?

    „Die Söhne meiner eigenen Mutter wurden zornig auf mich“, sagt sie. „Sie setzten mich zur Hüterin der Weingärten ein.“ Ihre Brüder sind zornig auf sie, weil der junge Hirte, den die Sulamith liebt, sie an einem schönen Frühlingstag eingeladen hat, mit ihm spazieren zu gehen. Ihre Brüder wollen das verhindern und lassen sie als Hüterin arbeiten — wegen der „kleinen Füchse, die die Weingärten verheeren“. Diese Arbeit führt die Sulamith in die Nähe von Salomos Lager. Auf dem Weg „zum Nussbaumgarten“ wird ihre Schönheit bemerkt und man bringt sie ins Lager (Hohes Lied 1:6; 2:10-15; 6:11).

    Als die junge Frau erklärt, wie sehr sie sich nach ihrem geliebten Hirten sehnt, raten ihr die Hofdamen, nach ihm zu suchen: „So geh selbst hinaus, den Fußspuren der Kleinviehherde nach.“ Doch Salomo erlaubt ihr nicht, das Lager zu verlassen. Er bewundert ihre Schönheit und verspricht ihr „Ringe aus Gold . . . mit silbernen Kügelchen“. Das beeindruckt die Sulamith jedoch überhaupt nicht. Irgendwie gelingt es dem jungen Hirten, in Salomos Lager zu kommen, wo er sie findet und ausruft: „Siehe! Du bist schön, o meine Gefährtin. Siehe! Du bist schön.“ Und die junge Frau stellt die Hofdamen unter Eid: „Versucht [nicht], die Liebe in mir zu wecken oder zu erregen, bis sie sich dazu geneigt fühlt“ (Hohes Lied 1:8-11, 15; 2:7; 3:5).

    Antworten auf biblische Fragen:

    1:2, 3 — Warum ist die Erinnerung an die Liebkosungen des Hirten wie Wein und sein Name wie Öl?
    So wie Wein das Herz eines Menschen erfreut und das Ausgießen von Öl auf den Kopf gut tut, fühlte sich die junge Frau gestärkt und getröstet, wenn sie an die Liebe des jungen Mannes und an seinen Namen dachte (Psalm 23:5; 104:15). Ebenso stärkt und ermuntert es wahre Christen, vor allem Gesalbte, über die Liebe nachzudenken, die Jesus Christus ihnen entgegenbringt.

    1:5 — Warum vergleicht das Mädchen vom Land ihr schwärzliches Aussehen mit den „Zelten von Kedar“?
    Gewebe aus Ziegenhaar war vielseitig verwendbar (4. Mose 31:20). Beispielsweise wurden „Tücher aus Ziegenhaar für das Zelt über der Stiftshütte“ benutzt (2. Mose 26:7). Sehr wahrscheinlich wurden die Zelte von Kedar, so wie Beduinenzelte heute noch, aus schwarzem Ziegenhaar gefertigt.

    1:15 — Was meint der junge Hirte mit den Worten: „Deine Augen sind Taubenaugen“?
    Damit sagt der junge Hirte, dass die Augen seiner Gefährtin weich und sanft wie die von Tauben sind.

    2:7; 3:5 — Warum werden die Hofdamen „bei den Gazellenweibchen oder bei den Hindinnen des Feldes“ unter Eid gestellt?
    Gazellen und Hindinnen sind für ihre Anmut und Schönheit bekannt. Im Grunde verpflichtet die Sulamith die Hofdamen bei allem, was anmutig und schön ist, nicht zu versuchen, die Liebe in ihr zu wecken.

    Lehren für uns:

    1:2; 2:6. Für ein Paar, das vorhat zu heiraten, können sittlich reine Liebkosungen angebracht sein. Allerdings sollten sie echte Zuneigung ausdrücken und nicht unreine Leidenschaft, die zu sexueller Unmoral führen könnte (Galater 5:19).

    1:6; 2:10-15. Die Brüder der Sulamith ließen ihre Schwester mit ihrem Liebsten nicht allein an einen einsamen Ort in den Bergen gehen. Das lag jedoch nicht daran, dass sie sich unsittlich verhalten oder unreine Beweggründe gehabt hätte. Es handelte sich einfach um eine Vorsichtsmaßnahme, die sie davor bewahren sollte, in Versuchung zu geraten. Paare, die noch nicht verheiratet sind, lernen daraus, einsame Orte zu meiden.

    2:1-3, 8, 9. Trotz ihrer Schönheit sagte die Sulamith bescheiden: „Nur ein Safran [eine einfache Blume] der Küstenebene bin ich.“ Doch in den Augen des jungen Hirten war sie aufgrund ihrer Schönheit und ihrer Treue zu Jehova „wie eine Lilie unter dornigem Unkraut“. Und was ist über den Hirten zu sagen? Da er gut aussah, verglich sie ihn mit „einer Gazelle“. Auch war er sicherlich gottesfürchtig und Jehova ergeben. „Wie ein Apfelbaum [der Schatten spendet und Obst liefert] unter den Bäumen des Waldes“, sagte sie, „so ist mein Liebster unter den Söhnen.“ Sind Glaube und Gottergebenheit nicht Eigenschaften, die man sich bei einem künftigen Ehepartner wünschen würde?

    2:7; 3:5. Das Mädchen vom Land empfand keine zärtlichen Gefühle für Salomo. Außerdem mussten die Hofdamen ihr unter Eid versprechen, in ihr nicht Liebe zu jemand anders zu wecken, ausgenommen zu ihrem jungen Hirten. Man kann sich nicht in jeden verlieben, und selbst wenn man das könnte, wäre es nicht richtig. Ledige Christen, die gerne heiraten würden, sollten nur jemanden ins Auge fassen, der Jehova treu dient (1. Korinther 7:39).

    „WAS SEHT IHR AN DER SULAMITH?“
    (Hohes Lied 3:6 bis 8:4)

    Etwas ‘kommt wie Rauchsäulen von der Wildnis herauf’ (Hohes Lied 3:6). Was sehen die Frauen von Jerusalem beim Hinausgehen? Salomo mit seinem Gefolge! Der König kehrt in die Stadt zurück und mit ihm die junge Sulamith.

    Doch der Hirte folgt der jungen Frau und findet schnell eine Möglichkeit, sie zu sehen. Während er ihr seine Liebe beteuert, sagt sie, wie gern sie die Stadt wieder verlassen würde: „Bis der Tageswind weht und die Schatten entflohen sind, werde ich meines Weges zum Myrrhenberg und zum Hügel duftenden Harzes gehen.“ Sie lädt den Hirten ein, „in seinen Garten [zu] kommen und dessen erlesenste Früchte [zu] essen“. Er antwortet: „Ich bin in meinen Garten gekommen, o meine Schwester, meine Braut.“ Die Frauen von Jerusalem fordern die beiden auf: „Esst, o Gefährten! Trinkt, und werdet trunken von Liebkosungen!“ (Hohes Lied 4:6, 16; 5:1).

    Die Sulamith erzählt den Hofdamen einen Traum und gesteht ihnen, sie sei „krank vor Liebe“. Daraufhin fragen sie: „Wie kommt es, dass dein Liebster mehr ist als irgendein anderer Liebster?“ Sie antwortet: „Mein Liebster ist blendend und rötlich, der Hervorragendste aus zehntausend“ (Hohes Lied 5:2-10). Auf die überschwänglichen Komplimente Salomos entgegnet sie bescheiden: „Was seht ihr an der Sulamith?“ (Hohes Lied 6:4-13). Daher denkt der König, er könne doch noch ihre Liebe gewinnen, und überschüttet sie mit weiteren Komplimenten. Aber das Mädchen hält standhaft an seiner Liebe zu dem jungen Hirten fest. Schließlich lässt Salomo sie nach Hause zurückkehren.

    Antworten auf biblische Fragen:

    4:1; 6:5 — Inwiefern ist das Haar der jungen Frau „gleich einer Herde Ziegen“?
    Der Vergleich besagt wohl, dass ihr Haar so glänzend und üppig war wie das Haar von schwarzen Ziegen.

    4:11 — Was bedeutet es, dass die Lippen der Sulamith „von Wabenhonig triefen“ und ‘Honig und Milch unter ihrer Zunge sind’?
    Wabenhonig ist aromatischer und süßer als Honig, der der Luft ausgesetzt war. Dieser Vergleich sowie die Aussage, Honig und Milch seien unter der Zunge der Sulamith, unterstreichen ihr gütiges und angenehmes Reden.

    5:12 — Welcher Gedanke steht hinter der Formulierung: „Seine Augen sind wie Tauben an den Wasserkanälen, die sich in Milch baden“?
    Hier spricht die junge Frau von den schönen Augen ihres Liebsten. Vielleicht verbindet sie auf poetische Weise die dunkle Iris, umgeben vom Weiß seiner Augen, mit blaugrauen Tauben, die in Milch baden.

    5:14, 15 — Warum werden die Hände und Beine des Hirten auf diese Weise beschrieben?
    Offenbar meint die junge Frau mit „goldene Walzen“ die Finger des Hirten und mit „Chrysolith“ seine Fingernägel. Seine Beine vergleicht sie mit „Marmorsäulen“, weil sie schön und stark sind.

    6:4, Fußnote — Ist mit dem Ausdruck „Liebliche Stadt“ Jerusalem gemeint?
    Nein. Die „Liebliche Stadt“ ist Tirza. Diese kanaanitische Stadt war von Josua eingenommen worden und wurde nach der Herrschaft Salomos die erste Hauptstadt des nördlichen Zehnstämmereiches Israel (Josua 12:7, 24; 1. Könige 16:5, 6, 8, 15). „Offenbar handelte es sich um eine sehr schöne Stadt“, so ein Bibelkommentar, „was erklären würde, warum sie an dieser Stelle erwähnt wird.“

    6:13, Fußnote — Was ist der „Reigentanz zweier Lager“?
    Dieser Ausdruck kann auch als „Reigentanz von Mahanajim“ wiedergegeben werden. Die Stadt mit diesem Namen lag östlich des Jordan nahe des Wildbachtals Jabbok (1. Mose 32:2, 22; 2. Samuel 2:29). Der „Reigentanz zweier Lager“ bezieht sich vielleicht auf einen bestimmten Tanz, der in dieser Stadt bei einem Fest getanzt wurde.

    7:4 — Warum vergleicht Salomo den Hals der Sulamith mit einem „Elfenbeinturm“?
    Zuvor hatte das Mädchen bereits das Kompliment erhalten: „Dein Hals ist wie der Turm Davids“ (Hohes Lied 4:4). Ein Turm ist hoch und schlank, und Elfenbein ist glatt. Salomo bewundert den schlanken, glatten Hals des Mädchens.

    Lehren für uns:

    4:1-7. Die Sulamith erwies sich trotz ihrer Unvollkommenheit als sittlich rein und wies Salomos Verlockungen zurück. Ihre moralische Stärke unterstrich noch ihre buchstäbliche Schönheit. Das sollte auch bei Christinnen der Fall sein.

    4:12. Wie ein schöner Garten, der von einer Hecke oder einer Mauer umgeben ist und sich nur durch ein verschließbares Tor betreten lässt, gewährte die Sulamith ihre Zärtlichkeiten nur ihrem künftigen Ehemann. Bestimmt ein gutes Beispiel für unverheiratete christliche Frauen und Männer!

    „DIE FLAMME JAHS“
    (Hohes Lied 8:5-14)

    „Wer ist diese, die aus der Wildnis heraufkommt, an ihren Liebsten gelehnt?“, fragen die Brüder der Sulamith, die sie bei ihrer Heimkehr erblicken. Früher hatte einer von ihnen gesagt: „Wenn sie eine Mauer sein sollte, so werden wir eine silberne Zinne auf ihr bauen, sollte sie aber eine Tür sein, werden wir sie mit einer Zedernplanke versperren.“ Jetzt, da die Beständigkeit ihrer Liebe erprobt und erwiesen ist, sagt die Sulamith: „Ich bin eine Mauer, und meine Brüste sind wie Türme. In diesem Fall bin ich in seinen Augen wie die geworden, die Frieden findet“ (Hohes Lied 8:5, 9, 10).

    Wahre Liebe ist „die Flamme Jahs“. Warum? Weil Jehova der Ursprung dieser Liebe ist. Er ist derjenige, der uns die Fähigkeit zu lieben gegeben hat. Und die Flammen solch einer Liebe sind unauslöschlich. Das Hohe Lied beschreibt sehr schön, dass die Liebe zwischen Mann und Frau „so stark [unbezwingbar] wie der Tod“ sein kann (Hohes Lied 8:6).

    Salomos herrliches Lied vermittelt uns auch eine Vorstellung von der intensiven Verbundenheit zwischen Jesus Christus und den Gliedern seiner himmlischen „Braut“ (Offenbarung 21:2, 9). Die Liebe Jesu zu den gesalbten Christen übertrifft jegliche Liebe zwischen Mann und Frau. Die Glieder der Brautklasse sind unerschütterlich in ihrer Hingabe. Aus Liebe gab Jesus sein Leben auch für die „anderen Schafe“ (Johannes 10:16). Somit haben alle wahren Anbeter Grund, die unerschütterliche Liebe und Hingabe der Sulamith nachzuahmen.

  10. „DIE LIEBE IST SO STARK WIE DER TOD“

    Wahre Liebe zwischen einem Mann und einer Frau kann außergewöhnlich stark, beständig und unnachgiebig sein. Das zeigt ein poetisches Buch der Bibel, das vor etwa 3 000 Jahren von dem weisen Salomo, dem König von Israel, verfaßt wurde. Es wird „Das Hohelied“ genannt. Es berichtet von der unerschütterlichen Liebe, die zwischen einem Hirten und einem Mädchen vom Lande aus dem Dorf Sunem (Sulem) bestand. Dieses „erhabenste Lied“ erzählt auch davon, daß es dem König mit all seinem Glanz und Reichtum nicht gelang, die Liebe dieser schönen Sulamitin zu gewinnen (Hohesl. 1:1-14; 8:4).

    Dieses „erhabenste Lied“ schildert die Schönheit beständiger und dauerhafter Liebe….

    Folgendes diene als Beispiel: Das Hohelied läßt erkennen, daß man sich nicht in jeden verlieben kann. Die Sulamitin fühlte sich nicht zu König Salomo hingezogen. Sie sagte: „Ich habe euch unter Eid gestellt, o Töchter Jerusalems, bei den Gazellenweibchen oder bei den Hindinnen des Feldes, daß ihr nicht versucht, die Liebe in mir zu wecken oder zu erregen, bis sie sich dazu geneigt fühlt“ (Hohesl. 2:7; 3:5). Für eine ledige Person ist es daher weise, geduldig so lange zu warten, bis sie einen Partner findet, den sie wirklich lieben kann. Der voraussichtliche Ehegefährte eines Dieners Jehovas sollte ebenfalls Gott hingegeben sein und ihm treu dienen (5. Mose 7:3, 4; Esra 9:1-15; 1. Kor. 7:39). Die Anbetung Jehovas ist dann für beide von überragender Bedeutung. Als ein durch den Glauben geeintes und in einer harmonischen Ehe lebendes Paar können sie durchs Leben gehen, wogegen eine betrübliche Leere entstehen würde, wenn die geistige Einheit fehlte.

    Ein Christ, der Gottes Anerkennung wünscht, sollte vor der Heirat seine Keuschheit bewahren. Die Brüder des sulamitischen Mädchens waren schon auf seine Tugend bedacht, als es noch ziemlich jung war, denn einige Jahre zuvor hatte einer ihrer Brüder über sie gesagt: „Wir haben eine kleine Schwester, die keine Brüste hat. Was werden wir für unsere Schwester an dem Tage tun, da man um sie werben wird?“ Ein anderer Bruder erwiderte: „Wenn sie eine Mauer sein sollte, so werden wir eine silberne Zinne auf ihr bauen, sollte sie aber eine Tür sein, werden wir sie mit einer Zedernplanke versperren.“ König Salomo hatte versucht, die Liebe der Sulamitin zu gewinnen, doch sie erwies sich in der Liebe und in der Tugend nicht als unbeständig, als wäre sie eine Tür, die sich in ihren Angeln dreht und mit einer Planke verschlossen werden müßte, um zu verhindern, daß sie sich vor einer unerwünschten oder schädlichen Person öffnet. Sie hatte den Verführungskünsten eines Königs nicht nachgegeben, sondern widerstand allen materiellen Verlockungen wie eine Mauer; sie hatte ihre Qualitäten bewiesen und konnte nun als eine reife Frau mit tugendhaften Grundsätzen anerkannt werden (Hohesl. 8:8-10). Sie gab ledigen gottesfürchtigen Frauen von heute ein vorzügliches Beispiel.

    Die demütige Sulamitin war zurückhaltend, doch in den Augen ihres Hirten, der sie liebte, war sie etwas Besonderes. „Nur ein Safran der Küstenebene bin ich, eine Lilie der Tiefebenen“, sagte sie. Aber für den Hirten war sie mehr. Er antwortete: „Wie eine Lilie unter dornigem Unkraut, so ist meine Gefährtin unter den Töchtern“ (Hohesl. 2:1, 2). Das war nicht nur Verliebtheit. Das Mädchen diente Jehova, war schön und tüchtig und hatte viele lobenswerte Eigenschaften. Zeigt das unverheirateten Christinnen nicht, daß sie lernen sollten, den Verpflichtungen einer Frau nachzukommen und gleichzeitig eine gute geistige Gesinnung zu entwickeln?

    Beachten wir aber, wie die Sulamitin den Hirten schätzte, wenn sie sagte: „Wie ein Apfelbaum unter den Bäumen des Waldes, so ist mein Liebster unter den Söhnen“ (Hohesl. 2:3). Ihr Hirte glich nicht einfach irgendeinem der vielen Bäume eines Waldes. Er war Jehova ergeben, hatte wünschenswerte Charakterzüge und Fähigkeiten und muß bestimmt ein geistiggesinnter junger Mann gewesen sein. (Vergleiche 1. Korinther 2:6-16.) Ja, für die hübsche Sulamitin war er „wie ein Apfelbaum unter den Bäumen des Waldes“. Sollte sich ein unverheirateter Christ nicht anstrengen, um eines Tages in den Augen seiner Geliebten ebenso wertvoll zu sein?

    Die Sulamitin und der junge Mann liebten einander zweifellos von ganzem Herzen. Das brachte das Mädchen deutlich zum Ausdruck, als es zu seinem geliebten Hirten sagte: „Lege mich wie ein Siegel auf dein Herz, wie ein Siegel auf deinen Arm; denn die Liebe ist so stark wie der Tod, das Beharren auf ausschließlicher Ergebenheit ist so unnachgiebig wie der Scheol. Ihre Gluten sind die Gluten eines Feuers, die Flamme Jahs [Jehovas]. Selbst viele Wasser vermögen die Liebe nicht auszulöschen, noch können selbst Ströme sie hinwegschwemmen. Wenn ein Mann [wie Salomo] für Liebe alle wertvollen Dinge seines Hauses gäbe, würde man sie bestimmt verachten“ (Hohesl. 8:6, 7). Wie wahr dies doch ist! Liebe ist nicht mit materiellen Dingen zu erwerben. Wahre Liebe ist indes so stark wie der Tod, der unfehlbar Anspruch auf das Leben der verurteilten Menschen erhebt. Und das Beharren dieser Liebe auf ausschließlicher Ergebenheit ist ebenso unnachgiebig wie der Scheol oder das Grab, das die Leiber der Menschen fordert. Doch was ist von der „Flamme Jahs“ zu sagen? Ein Bibelgelehrter erklärte einmal, Liebesflammen, die sich im Menschenherzen entzünden, gingen von Jehova aus — dem Gott der Liebe, der den Menschen diese wunderbare Fähigkeit verliehen hat (1. Joh. 4:8). Ja, wahre Liebe ist unerschöpflich, loyal und beständig. (Vergleiche 1. Korinther 13:8.) Wer zu heiraten gedenkt, handelt weise, wenn er auf „eine Liebe, die so stark ist wie der Tod“, wartet und darauf hinarbeitet.

    WIE DIE LIEBE WÄCHST

    Doch die Liebe kann wachsen, während sich das Leben des Mannes und das Leben der Frau immer mehr miteinander verflechten. Isaak war kein verliebter Jüngling mehr, sondern ein reifer Mann von 40 Jahren, als er Rebekka zur Frau nahm, die kein junges Mädchen mehr war, sondern eine „junge Frau“. Der Bericht sagt: „Und er gewann sie lieb“ (1. Mose 24:57-67). Gottesfürchtige Ehepartner haben im Laufe der Jahre in geistiger Hinsicht vieles gemeinsam. Vereint gehen sie durch Prüfungen und treten an die Probleme des Lebens heran. Aus ihren gemeinsamen Bemühungen ergeben sich wertvolle Erinnerungen, die sie einander immer näherbringen. Selbst etwas so Einfaches wie ein nettes Gespräch auf einem gemeinsamen Spaziergang durch Feld und Wald wird zu etwas Unvergeßlichem. Ja, die hübsche Sulamitin sehnte sich danach, mit ihrem Hirten durch die Gegend zu streifen (Hohesl. 2:8-14). Und nachdem sie verheiratet waren, haben sie das sicher noch oft getan.
    ….
    Die Liebe der Sulamitin zu ihrem Hirten war „so stark wie der Tod“, und zwei gottesfürchtige Ehepartner können heute eine ebenso tiefe Liebe zueinander haben. Doch die Sulamitin sagte auch: „Das Beharren auf ausschließlicher Ergebenheit ist so unnachgiebig wie der Scheol“ (Hohesl. 8:6). …

    …Andererseits werden wir dadurch vor eigennützigem, materialistischem, ungeistigem Streben bewahrt. Es stärkt auch unsere Bande zu Jehova, dem Gott, der den Menschen so geschaffen hat, daß er ‘eine Liebe, die so stark ist wie der Tod’, haben kann.

    (aus einem älteren WT)

  11. „Wahre Liebe ist so stark wie der Tod“

    Die Sulamitin und der junge Mann liebten einander zweifellos von ganzem Herzen. Das brachte das Mädchen deutlich zum Ausdruck, als es zu seinem geliebten Hirten sagte: „Lege mich wie ein Siegel auf dein Herz, wie ein Siegel auf deinen Arm; denn die Liebe ist so stark wie der Tod, das Beharren auf ausschließlicher Ergebenheit ist so unnachgiebig wie der Scheol. Ihre Gluten sind die Gluten eines Feuers, die Flamme Jahs [Jehovas]. Selbst viele Wasser vermögen die Liebe nicht auszulöschen, noch können selbst Ströme sie hinwegschwemmen. Wenn ein Mann [wie Salomo] für Liebe alle wertvollen Dinge seines Hauses gäbe, würde man sie bestimmt verachten“ (Hohesl. 8:6, 7). Wie wahr dies doch ist! Liebe ist nicht mit materiellen Dingen zu erwerben.

    Wahre Liebe ist indes so stark wie der Tod, der unfehlbar Anspruch auf das Leben der verurteilten Menschen erhebt. Und das Beharren dieser Liebe auf ausschließlicher Ergebenheit ist ebenso unnachgiebig wie der Scheol oder das Grab, das die Leiber der Menschen fordert. Doch was ist von der „Flamme Jahs“ zu sagen? Ein Bibelgelehrter erklärte einmal, Liebesflammen, die sich im Menschenherzen entzünden, gingen von Jehova aus — dem Gott der Liebe, der den Menschen diese wunderbare Fähigkeit verliehen hat (1. Joh. 4:8). Ja, wahre Liebe ist unerschöpflich, loyal und beständig. (Vergleiche 1. Korinther 13:8.) Wer zu heiraten gedenkt, handelt weise, wenn er auf „eine Liebe, die so stark ist wie der Tod“, wartet und darauf hinarbeitet.

    Diesen Text und Kommentar dazu kann man auch so verstehen, dass einem gar nichts anderes übrig bleibt, als seinen Ehepartner zu verlassen – wenn man plötzlich auf seinen Seelenverwandten, die wahre Liebe trifft!

    Aber wäre dies dann richtig? Wie denkt Jehova über die Ehe?

    Wäre es in seinen Augen richtig, wenn wir eine Ehe brechen, beenden, weil wir nun die wahre Liebe gefunden hätten?

  12. Hohelied 1 – 4

    Hohelied 1 – Du bist mein König

    1 Das schönste aller Lieder, von Salomo.

    2 Komm und küss mich, küss mich immer wieder! Ich genieße deine Liebe mehr als den besten Wein.

    3 Der Duft deiner Salben betört mich. Dein Name ist wie ein besonderes Parfüm, darum lieben dich die Mädchen.

    4 Nimm mich bei der Hand! Schnell, lass uns laufen, zu dir nach Hause wollen wir eilen!
    Du bist mein König! Ich freue mich über dich, du bist mein ganzes Glück.
    Deine Liebe ist kostbarer als der edelste Wein. Kein Wunder, dass die Mädchen für dich schwärmen!

    Schaut nicht auf mich herab!

    5-6 Schaut nicht auf mich herab, ihr Mädchen von Jerusalem, weil meine Haut so dunkel ist, braun wie die Zelte der Nomaden. Ich bin dennoch schön, so wie die wertvollen Zeltdecken Salomos. Meine Brüder waren streng mit mir, sie ließen mich ihre Weinberge hüten. Doch mich selbst zu pflegen, meinen Weinberg, dafür hatte ich keine Zeit! Darum hat die Sonne mich dunkel gebrannt.

    Wo bist du?

    7 Sag mir, mein Geliebter, wo lässt du deine Schafe weiden, wo lässt du sie am Mittag lagern? Lass mich nicht vergebens nach dir suchen, nicht umherirren bei den Herden andrer Hirten!

    8 Weißt du’s wirklich nicht, du schönste aller Frauen? Folg den Spuren meiner Schafe, und weide deine kleinen Ziegen bei den Hirtenzelten!

    Du bist schön!

    9 Wie schön du bist, meine Freundin, schön wie eine Stute vor dem Prachtwagen des Pharaos!

    10 Deine Wangen sind von Ohrringen umrahmt, deinen Hals schmückt eine Muschelkette.

    11 Ein Geschmeide aus Gold sollst du haben und Perlen um den Hals, in Silber gefasst!

    12 Wenn mein König mit mir speist, riecht er den Duft meines Nardenöls.

    13 Mein Geliebter ruht an meiner Brust wie ein mit Myrrhe gefüllter Beutel.

    14 Er duftet wie die Blüten des Hennastrauchs, der in den Weingärten von En-Gedi wächst.

    15 Wie schön du bist, meine Freundin, wunderschön bist du, deine Augen glänzen wie das Gefieder der Tauben.

    16 Schön bist auch du, mein Liebster – wie freue ich mich über dich! Das Gras ist unser Lager,

    17 Zedern sind die Balken unsres Hauses und die Zypressen unser Dach.

    Interessant, was der Kommentator Darbey auszugsweise zum Thema Liebe und Geliebter sagte:

    Das Herz beschäftigt sich mit den Eigenschaften, mit den Charakterzügen des Geliebten. Ist man einmal in den Besitz des geliebten Gegenstandes gekommen, so ist man mehr mit dem Gegenstand selbst beschäftigt. Ohne Zweifel bilden die Eigenschaften eine Quelle des Glückes; doch wenn auch die Stellung den Genuß dieser Eigenschaften vermittelt, denkt man doch mehr an die Person, die sie offenbart, als an die Eigenschaften. Gnade, Güte und ähnliche kostbare Dinge mögen das Herz anziehen und beschäftigen, wenn aber die Beziehung einmal besteht, so ist es die Person, an die wir denken. Die Eigenschaften gehören uns dann sozusagen von selbst.

    Die Geliebte spricht im Hohenliede viel von den Eigenschaften ihres Geliebten; sie redet gern davon für sich und zu anderen.

    Ebenso sollte es mit unserer Liebe zu Jehova sein: sie muss uns ganz erfüllen und wir müssen voller Begeisterung über IHN und seine wunderbaren Eigenschaften übersprudeln!

    Hier in diesem Kapitel wird auch die tiefe Sehnsucht gezeigt, die uns befällt, wenn der Geliebte nicht da ist. Sie sucht ihn, fragt, wo er denn sei.

    Wie steht es mit unserer Liebe zu unserem Gott Jehova? Sehnen wir uns danach, Zeit mit ihm zu verbringen – indem wir in seinem Wort lesen und uns mit ihm unterhalten?

    Oder sind wir mit allen möglichen anderen Dingen beschäftigt, so dass wir „schon froh sind“, wenn wir den Tagestext gelesen haben? Könnten wir dann wirklich zu Recht sagen, dass wir Jehova lieben?

    Ich erinnere mich noch sehr gut an die Zeit, als ich entdeckte, dass meine Gefühle für meinen Mann mehr als Freundschaft sind. Das ist nun fast 7 Jahre her und ich kann mich noch sehr gut an mein eigenes Verhalten erinnern. Eine Freundin hatte schon fast ein halbes Jahr vorher von „dem neuen Mann in meinem Leben“ gesprochen – da war ich selbst mir noch garnicht über meine wahren Gefühle im Klaren. Ich dachte, es sei nur Freundschaft. Die Freundin hat es an der Art und Weise, was und wie ich geredet habe, erkannt. Müßten andere nicht ebenso an dem, was und wie wir reden, erkennen können, dass wir Jehova wirklich lieben?

    Nachdem mein Mann und ich uns über unsere Gefühle im Klaren waren – da geb es kein Halten mehr. Obwohl er in Berlin war und wegen der Arbeit nicht weg konnte und ich in Iserlohn (NRW) wohnte, haben wir jede freie Sekunde miteinander verbracht. Angefangen mit Chatten oder Telefonieren beim Frühstück, endend mit „mit dem Telefonhörer am Ohr“ einschlafen. Wir wollten keine Sekunde ohne den anderen sein, haben uns die Zeit und den Raum einfach füreinander genommen (was im Übrigen auch heute noch so ist). Niemand mußte uns ermahnen, dass man den anderen doch mal wieder anrufen oder doch zumindest eine sms schreiben solle. Die Liebe drängt uns doch dazu, wenn wir lieben.

    Ebenso sollte uns unsere Liebe zu Gott drängen, Zeit mit ihm zu verbringen und uns mit ihm zu unterhalten. Wie kann es dann sein, dass ich sage „ich liebe Jehova“, aber ich bin schon stolz auf mich, wenn ich es schaffe, jeden Tag den Tagestext mit Kommentar zu lesen. Für mehr habe ich keine Zeit. Aber ich habe Zeit für meine Freunde und meine Hobbies, Zeit um meine Mails zu checken, sogar den ganzen Spam-Ordner („könnte ja was Wichtiges sein“), Zeit mit allen möglichen Leuten zu chatten, stundenlang bei Facebook zu verbringen usw. Ich habe auch die Zeit, irgendwelche Romane zu lesen, oder die halbe Nacht vor der Glotze abzuhängen. Aber Jehova muss sich mit dem Tagestext zufrieden geben? Ob Jehova da wirklich das Gefühl hat, dass ich ihn von Herzen liebe?

    Vielleicht ist es ja ganz sinnvoll, das Hohelied mal unter diesem Aspekt zu lesen: dabei nicht an eine Mann-Frau-Beziehung denken, sondern an unsere Beziehung zu Jehova!

  13. Hohelied 2 – Du bist einzigartig!

    1 Ich bin nur eine Narzisse in der Scharonebene, eine Lilie aus den Tälern.

    2 Wie eine Lilie unter Dornen, so ist meine Freundin unter allen andren Mädchen!

    3 Wie ein Apfelbaum unter den Bäumen des Waldes, so ist mein Liebster unter allen andren Männern! In seinem Schatten möchte ich ausruhn und seine Früchte genießen.

    Ich bin krank vor Liebe

    4 Ins Weinhaus hat er mich geführt, dort zeigt er mir, dass er mich liebt.

    5 Stärkt mich mit Rosinenkuchen, erfrischt mich mit Äpfeln, denn ich bin krank vor Liebe!

    6 Sein linker Arm liegt unter meinem Kopf, und mit dem rechten hält er mich umschlungen.

    7 Ihr Mädchen von Jerusalem, ich beschwöre euch: Lasst uns jetzt allein! Wir sind wie scheue Rehe und Gazellen – schreckt uns nicht auf, wir lieben uns.

    Der Frühling ist da!

    8 Da kommt mein Geliebter! Er springt über die Berge und hüpft über die Hügel.

    9 Schnell wie eine Gazelle läuft er, flink wie ein Hirsch. Schon steht er vor dem Haus! Er späht durch das Gitter, blickt zum Fenster herein.

    10 Er sagt zu mir: »Steh auf, meine Freundin, meine Schöne, und komm!

    11 Die Regenzeit liegt hinter uns, der Winter ist vorbei!

    12 Die Blumen beginnen zu blühen, die Vögel zwitschern, und überall im Land hört man die Turteltaube gurren.

    13 Die ersten Feigen werden reif, die Reben blühen und verströmen ihren Duft. Steh auf, meine Freundin, meine Schöne, und komm!

    14 Versteck dich nicht wie eine Taube im Felsspalt! Zeig mir dein schönes Gesicht, und lass mich deine wunderbare Stimme hören!«

    15 Fangt uns doch die kleinen Füchse, denn sie verwüsten den Weinberg, wenn die Reben in schönster Blüte stehn.

    16 Nur mir gehört mein Liebster, und ich gehöre ihm, dem Hirten, der seine Schafe auf Wiesen voller Lilien weidet.

    17 Abends, wenn es kühl wird und die Nacht ihre Schatten über das Land breitet, dann komm zu mir, mein Liebster! Sei schnell wie eine Gazelle, flink wie ein junger Hirsch, der von den rauen Bergen kommt!

    Auch hier wieder der Gedanke von Liebe, die sich mitteilen muss. Der eine schwärmt von dem anderen, erzählt allen davon, wie toll der Geliebte ist.

    Auch die Sehnsucht nacheinander. Es ist die Rede davon, dass man vor Liebe krank sei – weil man den anderen vermisst, weil jede Sekunde ohne den anderen sinnlos erscheint.

    Als es endlich Zeit ist, dass man sich treffen kann, da schlendert der Geliebte nicht gemächlich hin oder sagt, er müsse erst dieses oder jenes tun. Er springt vor Begeisterung los, kann gar nicht schnell genug hin kommen. Er lässt alles stehen und liegen und eilt los. Was könnte es jetzt wichtigeres geben als die Geliebte?

    Wie wichtig ist es uns, Zeit mit unserem Gott zu verbringen? Freuen wir uns auf jede Minute mit IHM, können es gar nicht erwarten, seine Nähe zu genießen, indem wir in seinem Wort lesen und mit ihm darüber reden? Oder ist es nur eine lästige Pflicht, wenn wir uns einmal die Woche auf das WT-Studium vorbereiten „müssen“? Wollen wir das am liebsten schnell hinter uns bringen – weil wir noch so viel anderes zu tun haben oder noch einen tollen Roman lesen oder einen spannenden Film sehen wollen?

    Auch wollen die beiden ungestört sein, ihre Zweisamkeit genießen, voll und ganz für den anderen da sein. Gilt dies auch für uns und Jehova? Blenden wir jede Ablenkung aus – oder sehen wir nebenbei Fern oder hören Musik oder chatten mit unseren Freunden, wenn wir in der Bibel lesen oder uns auf die Zusammenkünfte vorbereiten?

    Wenn wir diese beiden ersten Kapitel vom Hohenlied unter dem Aspekt „unsere Beziehung zu Jehova“ lesen – müßten wir uns dann „in Grund und Boden schämen“?

  14. Hohelied 3 – Nächtliche Sehnsucht

    1 Nachts auf meinem Bett sehnte ich mich nach meinem Liebsten. So gern wollte ich bei ihm sein, doch er war nicht da!

    2 »Ich will aufstehn, die Stadt durchstreifen, durch die Gassen und über die Plätze laufen. Meinen Liebsten muss ich finden!« Ich suchte nach ihm, doch vergebens.

    3 Bei ihrem Rundgang griff die Wache mich auf: »Habt ihr meinen Liebsten gesehen?«, fragte ich sie.

    4 Kaum war ich an ihnen vorbei, da fand ich ihn, dem mein Herz gehört. Ich hielt ihn fest und ließ ihn nicht mehr los. Ich führte ihn in das Haus meiner Mutter, in jene Kammer, in der sie mich geboren hat.

    5 Ihr Mädchen von Jerusalem, ich beschwöre euch: Lasst uns jetzt allein! Wir sind wie scheue Rehe und Gazellen – schreckt uns nicht auf, wir lieben uns.

    Der Hochzeitszug

    6 Wer kommt dort herauf aus der Wüste, umgeben von Rauchsäulen aus Weihrauch und Myrrhe und allen Parfümen der Händler?

    7 Seht! Es ist die Sänfte Salomos, von sechzig Männern ist sie umringt, von Israels tapferen Soldaten.

    8 Sie alle sind im Kampf erprobt, sie tragen das Schwert an der Seite zum Schutz gegen Überfälle in der Nacht.

    9 Eine Sänfte ließ König Salomo sich bauen aus dem kostbaren Holz des Libanon.

    10 Die Pfosten sind mit Silber beschlagen und die Lehnen mit Gold überzogen. Der Stoff des Thronsitzes ist purpurrot, liebevoll bestickt von Jerusalems Frauen.

    11 Kommt heraus, ihr Mädchen von Jerusalem! Seht König Salomo mit seiner Krone! Heute hat ihn seine Mutter gekrönt, am Tag seiner Hochzeit, am Tag seines Glücks!

    Wieder voller Sehnsucht nach dem Geliebten. Ach, wenn man doch noch mehr Zeit mit ihm verbringen könnte. Da geht man sogar mitten in der Nacht los, um ihn zu suchen.

    Wir müssen Jehova nicht erst mühsam suchen. Er ist da. Stets wartet er auf uns, dass wir uns an ihn wenden.

    Wie schade, wenn wir ihn da nicht bemerken, weil wir mit allen möglichen anderen Dingen beschäftigt sind! Ob er sich da von uns geliebt fühlt? Muss Jehova jetzt Verständnis für mich haben?

    Wie geht es denn mir als liebende Ehefrau? Den ganzen Tag habe ich mich auf meinen Mann gefreut. Ich habe die Wohnung schön aufgeräumt und behaglich vorbereitet. Ein leckeres Essen wartet schon auf meinen Liebsten und ich habe mich für ihn schön gemacht. Ich kann es kaum erwarten, dass er nach Hause kommt, mich liebevoll in den Arm nimmt, mit mir gemeinsam isst und sich über das tolle Essen freut. Wir werden miteinander über seinen Tag reden und die Zeit miteinander geniessen.

    Ach da kommt er ja schon. Mein Herz klopft voller Liebe und Vorfreude. Aber was ist das?

    Er geht ohne Gruss an mir vorbei, schmeißt seine Klamotten achtlos in die Ecke, schmeißt sich aufs Sofa, bestellt erst mal eine Pizza, ruft seine Kumpels an und fragt, ob die nicht mit ein paar heißen Weibern vorbei kommen und mit ihm irgendwelche entwürdigenden Filme ansehen wollen. Wie fühle ich mich jetzt als Ehefrau?

    Auf meine Verwunderung sagt mein Mann mir jetzt, dass er einen stressigen Tag hatte und das nun braucht, um zu entspannen. Ich muss ja nicht mitmachen, ich kann ja solange ins Schlafzimmer gehen. Dort höre ich dann, wie es laut und heiß hergeht im Wohnzimmer, wie mein Mann mit seinen Kumpels und den aufreizenden Frauen jede Menge Spaß hat.

    Fühle ich mich jetzt geliebt von meinem Ehemann? Muss ich jetzt dafür Verständnis haben, dass er keine Zeit hat, da er Wichtigeres zu tun hat und es eben dieses ist, was ihn nun entspannt?

    Wenn wir jetzt über diese Schilderung empört sind – keine Angst, mein Mann benimmt sich nicht so – erwarten wir dann von Jehova, dass er es versteht, wenn wir uns schon mit dem Tagestext abmühen? Muss ER für unsere Schwachheiten Verständnis haben – aber das Verhalten dieses Ehemannes weckt leider keinerlei Verständnis bei uns?

    Haben wir unser Verhalten und unsere Beziehung zu Jehova schon mal von dieser Warte aus gesehen?

  15. Hohelied 4 – Wie schön du bist!

    1 Wie schön du bist, meine Freundin, wie wunderschön! Deine Augen hinter dem Schleier glänzen wie das Gefieder der Tauben. Dein Haar fließt über deine Schultern wie eine Herde Ziegen, die vom Gebirge Gilead ins Tal zieht.

    2 Deine Zähne sind weiß wie geschorene Schafe, wenn sie aus der Schwemme kommen. Keiner von ihnen fehlt.

    3 Wie ein scharlachrotes Band leuchten deine Lippen, sie sind schön geschwungen. Hinter dem Schleier schimmern deine Wangen wie eine Scheibe vom Granatapfel.

    4 Dein Hals ist rund und hoch wie der Turm Davids, dein Schmuck wie tausend Schilde, die daran hängen.

    5 Deine Brüste sind wie junge Zwillinge einer Gazelle, die auf Blumenwiesen weiden.

    6 Abends, wenn es kühl wird und die Nacht ihre Schatten über das Land breitet, will ich zu dem Hügel kommen, der nach Myrrhe und Weihrauch duftet.

    7 Deine Schönheit ist vollkommen, meine Freundin, kein Makel ist an dir.

    Du hast mich verzaubert

    8 Komm mit mir, meine Braut, steig mit mir herab vom Libanon, verlass den Gipfel des Amanaberges, den steilen Senir und den Hermon! Denn dort leben die Löwen und Panther!

    9 Du hast mich verzaubert, mein Mädchen, meine Braut! Mit einem einzigen Blick hast du mein Herz geraubt. Schon eine Kette deines Halsschmucks zog mich in deinen Bann!

    10 Wie glücklich macht mich deine Liebe, mein Mädchen, meine Braut! Ich genieße deine Liebe mehr als den besten Wein. Dein Duft ist bezaubernder als jedes Parfüm.

    11 Wie Honig schmecken deine Lippen, meine Braut, ja, süße Honigmilch ist unter deiner Zunge! Und wie der Wald dort auf dem Libanon, so duften deine Kleider!

    Ein Gartenvoll edler Pflanzen

    12 Mein Mädchen ist ein Garten, in dem die schönsten Pflanzen wachsen. Aber noch ist er mir verschlossen. Meine Braut ist eine Quelle mit frischem Wasser, aber noch kann ich nicht davon trinken.

    13 An Granatbäumen reifen köstliche Früchte, und die Hennasträucher blühen.

    14 Dort wachsen Narde und Safran, Kalmus und Zimt, Weihrauchsträucher, Myrrhe und Aloë und die edelsten Balsamgewächse.

    15 Eine Quelle bewässert den Garten, ihr Wasser sprudelt herab vom Libanon.

    16 Kommt, Nordwind und Südwind, durchweht meinen Garten, tragt seine Düfte hinaus! Komm, mein Liebster, in deinen Garten, und genieße die köstlichen Früchte!

    Ein Loblied auf die Geliebte. Der Mann ist so hingerissen, dass er sie immer wieder ansehen muss. Er prägt sich jede Einzelheit von ihr ein, so dass er sie vor seinem inneren Auge sehen kann, wenn sie nicht da ist.

    Das erinnert mich an Thom und unser allererstes Treffen damals auf dem BZK in Dortmund. Ich hatte ihn und die Kinder in der Pause von der U-Bahn abgeholt. Obwohl den ganzen Tag und die halbe Nacht unterwegs, um zu mir zu kommen, hatte er keinen Hunger. Beim Programm haben wir dicht beieinander gesessen und ich habe wie üblich Notizen gemacht. So kann ich mich halt besser auf das Programm konzentrieren. Irgendwie habe ich doch mitbekommen, dass er die ganze Zeit mich ansah statt auf die Bühne zu sehen. Auf die Frage, was er da mache, kam die Antwort, dass er ein „Kopfviedeo“ dreht, für die Zeit, wenn er wieder zu Hause ist. Er musste bereis am nächsten Tag nach Programmmende wieder fahren. So hatte er mit den Ohren dem Programm gefolgt, aber mich mit den Augen die ganze Zeit unverwandt angesehen um sich alle Einzelheiten einzuprägen. Live ist halt doch anders, als nur ein Foto 😉

    Wie gut kennen wir unseren Gott Jehova? Wie genau sehen wir hin? Erkennen wir, wie wichtig jede Einzelheit ist?

    Könnten wir von unserem Gott ein ebenso begeistertes Loblied singen, wie dieser junge Mann hier in dem Kapitel? Wollen wir unseren Gott noch besser kennenlernen und uns jede Einzelheit über IHN einprägen, wie es mein Mann beim ersten persönlichen Treffen getan hat?

    Haben wir ein „Kopfvideo“ von Jehova „gedreht“, auf das wir zurückgreifen könnten, wenn wir von ihm abgetrennt würden? Erinnern wir uns an die vielen Erlebnisberichte von den Brüdern, die unter Verfolgung oftmals sogar in Einzelhaft waren? Wie sie in der Zeit jede Einzelheit von Jehova aus ihrem Gedächtnis wieder hervorgekramt haben, was sie jemals über Jehova gelesen und gehört hatten? Wie sie in ihrer Phantasie Rückbesuche gemacht oder Vorträge gehalten haben, um ihre Liebe zu Jehova wach zu halten? Dies konnten sie nur deshalb tun, weil sie zuvor die gelegene Zeit genutzt hatten.

    So, wie Thom damals ein „Kopfvideo“ von mir „gedreht“ hat. Er wußte, dass er die Zeit nutzen mußte, weil wir uns danach eine sehr lange Zeit nicht mehr persönlich würden sehen können!

    Haben auch wir so ein Dringlichkeitsgefühl, was Jehova und die Wahrheit angeht? Oder sind wir vielleicht dadurch eingelullt, dass wir ja alles haben? Heute ist es ja kein Problem mehr, an Bibeln und Literatur heranzukommen. Nehmen wir sie aus diesem Grund vielleicht für selbstverständlich und denken, wir hätten ja noch jede Menge Zeit, sie zu lesen? Wir hier in Deutschland werden ja nicht verfolgt und darum ist es in unseren Augen vielleicht nicht ganz so wichtig, denn wir müssen ja nicht mit Einzelhaft rechnen?

    Könnten wir – wie hier dieser verliebte junge Mann – unseren Gott „mit geschlossenen Augen“ bis in die kleinste Einzelheit beschreiben?

    Oder sind wir ein junger Mann, der seine Liebste auf Nachfrage wie folgt beschreibt: „sie ist eine Frau, nicht ganz so groß und sie hat Haare, zwei Augen und zwei Ohren und eine Nase…“? Würde dieses so beschriebene Mädchen sich wirklich von ihrem Verlobten geliebt fühlen?

  16. Hohelied 5 – 8

    Hohelied 5

    1 Ich betrete den Garten, mein Mädchen, meine Braut. Ich pflücke die Myrrhe und ernte den Balsam. Ich öffne die Wabe und esse den Honig. Ich trinke den Wein und genieße die Milch. Esst auch ihr, Freunde, trinkt euren Wein! Berauscht euch an der Liebe!

    Suche in der Nacht

    2 Ich schlief, doch mein Herz war wach. Da, es klopft! Mein Liebster kommt!
    Mach auf, mein Mädchen, meine Freundin, meine Liebste, meine Vollkommene! Mach auf, denn mein Haar ist nass vom Tau der Nacht.

    3 Ich habe mein Kleid schon ausgezogen, soll ich es deinetwegen wieder anziehn? Meine Füße habe ich schon gewaschen, ich würde sie nur schmutzig machen.

    4 Jetzt streckt er seine Hand durch die Öffnung in der Tür. Mein Herz schlägt bis zum Hals, weil er in meiner Nähe ist.

    5 Ich springe auf und will dem Liebsten öffnen; meine Hände greifen nach dem Riegel, sie sind voll von Myrrhenöl.

    6 Schnell öffne ich die Tür für meinen Liebsten, doch weg ist er, spurlos verschwunden. Entsetzen packt mich: Er ist fort! Ich suche ihn, doch ich kann ihn nirgends finden; ich rufe laut nach ihm, doch er gibt keine Antwort.

    7 Bei ihrem Rundgang greifen mich die Wächter auf. Sie schlagen und verwunden mich, sie reißen mir das Kopftuch weg.

    8 Ihr Mädchen von Jerusalem, ich beschwöre euch: Wenn ihr meinen Liebsten findet, dann sagt ihm, dass ich krank vor Liebe bin.

    9 Warum beschwörst du uns, du schönste aller Frauen? Was hat dein Liebster anderen voraus?

    10 Mein Liebster ist schön und kräftig, unter Tausenden ist keiner so wie er!

    11 Sein Gesicht schimmert wie Gold, sein Haar ist rabenschwarz, seine Locken erinnern an die Blütenrispen einer Dattelpalme.

    12 Seine Augen sind von vollkommener Schönheit, so wie Tauben, die in Milch baden und aus vollen Bächen trinken.

    13 Seine Wangen duften nach Balsamkräutern, nach kostbaren Salben. Seine Lippen leuchten wie rote Lilien, sie sind benetzt mit Myrrhenöl.

    14 Seine Arme sind wie Goldbarren, mit Türkissteinen verziert. Sein Leib gleicht einer Statue aus Elfenbein, über und über mit Saphiren bedeckt.

    15 Seine Beine sind Alabastersäulen, die auf goldenen Sockeln stehn. Eindrucksvoll wie der Libanon ist seine Gestalt, stattlich wie mächtige Zedern.

    16 Seine Küsse sind zärtlich, alles an ihm ist wunderschön.
    So ist mein Liebster, mein Freund, ihr Mädchen von Jerusalem.

    Was macht unseren Gott Jehova so besonders? Was würden wir jemanden antworten, warum wir auch weiterhin an ihm und der wahren Anbetung festhalten?

    Empfinden wir in dieser Hinsicht überhaupt so?

  17. Hohelied 6

    1 Wohin ist dein Liebster denn gegangen, du schönste aller Frauen? Wir wollen mit dir gehn und nach ihm suchen, wo könnte er denn sein?

    2 Mein Liebster ging in seinen Garten, wo Balsamkräuter wachsen. Dort ist die Weide seiner Herde, dort pflückt er schöne Lilien.

    3 Nur mir gehört mein Liebster, und ich gehöre ihm, dem Hirten, der seine Schafe auf Wiesen voller Lilien weidet.

    Schöner als alle bist du!


    4 Schön bist du, meine Freundin, schön wie Tirza, bezaubernd wie Jerusalem; du hast mich erobert wie ein mächtiges Heer, das zum Krieg auszieht.

    5 Wende deine Augen von mir ab, denn dein Blick überwältigt mich.
    Dein Haar fließt über deine Schultern wie eine Herde Ziegen, die vom Gebirge Gilead ins Tal zieht.

    6 Deine Zähne sind weiß wie Schafe, wenn sie aus der Schwemme kommen; keiner von ihnen fehlt.

    7 Hinter dem Schleier schimmern deine Wangen wie eine Scheibe vom Granatapfel.

    8 Mag der König sechzig Ehefrauen haben, achtzig Nebenfrauen und Mädchen ohne Zahl:

    9 Ich liebe nur die eine, meine Liebste, die Vollkommene. Sie ist die einzige Tochter ihrer Mutter, ihr Lieblingskind, dem sie das Leben gab. Könnten die Frauen und Nebenfrauen des Königs sie sehen, sie alle würden von ihr schwärmen:

    10 Sie ist so schön wie das Morgenrot, so herrlich wie der Mond und der Schein der Sonne! Sie kann einen Mann erobern wie ein mächtiges Heer, das zum Krieg auszieht.

    Sehnsucht

    11 Ich ging hinunter ins Tal, in den Garten, wo die Walnussbäume stehen. Ich wollte sehen, ob die Bäume schon blühen, ob der Weinstock neue Blätter treibt und ob am Granatbaum Knospen sprießen.

    12 Ohne dass ich es merkte, trieb mich die Sehnsucht zu meinem Mädchen, hin zu meiner Liebsten.

    Ein ähnlicher Gedanke wie vorhin: ist unser Gott für uns einzigartig – oder ist er austauschbar?

  18. Hohelied 7 – Dreh dich im Tanz!

    1 Dreh dich, Sulamith, dreh dich beim Tanz im Kreise, denn wir wollen dich bewundern!
    Was gibt es denn zu sehen, wenn ich den Reigen von Mahanajim tanze?

    2 Wie schön sind deine Füße in den Sandalen, du Fürstentochter! Die Rundungen deiner Hüften sind wie ein Halsgeschmeide, ein Werk aus Künstlerhand.

    3 Dein Schoß gleicht einer runden Schale, die stets mit edlem Wein gefüllt ist. Dein Bauch ist golden wie Weizen, von Lilien umkränzt.

    4 Deine Brüste sind wie junge Zwillinge einer Gazelle.

    5 Dein Hals gleicht einem Turm aus Elfenbein, und deine Augen sind wie die Teiche von Heschbon am Bat-Rabbim-Tor. Deine Nase ist wie der Libanonturm, der nach Damaskus blickt.

    6 Dein Kopf ist schön und majestätisch wie das Karmelgebirge. Dein Haar schimmert wie Purpur, deine Locken können einen König fesseln.

    Deine Liebe macht mich glücklich

    7 Wie schön du bist! Deine Liebe macht mich glücklich.

    8 Deine Gestalt gleicht einer hohen Dattelpalme, und deine Brüste sind wie ihre Früchte.

    9 Ich will auf die Palme steigen und ihre reifen Früchte genießen. Freuen will ich mich an deinen Brüsten, die den Trauben am Weinstock gleichen. Deinen Atem will ich trinken, der wie frische Äpfel duftet;

    10 deine Lippen will ich spüren, denn sie schmecken mir wie edler Wein.
    Ja, möge der Wein dich erfreuen, dass du ihn im Schlaf noch auf den Lippen spürst.

    11 Ich gehöre meinem Liebsten, und sein Herz sehnt sich nach mir.

    Ich will dir meine Liebe schenken

    12 Komm, wir gehn hinaus aufs Feld, mein Liebster, unter Hennasträuchern lass uns die Nacht verbringen!

    13 In der Frühe wollen wir zum Weinberg gehen und sehen, ob der Weinstock treibt, ob seine kleinen Blüten aufgegangen sind und der Granatbaum schon die ersten Knospen hat. Dort will ich dir meine Liebe schenken!

    14 Die Liebesäpfel verströmen ihren Duft. Köstliche Früchte liegen vor unsrer Tür, frisch geerntete und solche, die ich für dich, mein Liebster, aufbewahrt habe.

    Eine große Liebe, tiefe Sehnsucht, einander ganz nah zu sein. Beide können es nicht abwarten, dem anderen so nah wie möglich zu sein. Wunderschöne Worte für die tiefe romantische Liebe zwischen Mann und Frau. Sie lieben sich, sind stolz, dass sie einander gehören. Da ist kein Platz für einen anderen Mann oder eine andere Frau.

    Wie könnten wir diese Worte nun auf uns und unser Verhältnis zu Jehova beziehen?

    Wie sehr sehnen wir uns nach IHM?

    Ist bei uns der Wunsch da, auch ihm ganz nah zu sein? Wie könnten wir unserem Gott noch näher kommen, als wir es schon sind? Wollen wir das überhaupt? Durchdringt dieser Wunsch unser ganzes Denken und Fühlen?

    Sind wir ausschließlich auf IHN fixiert, oder hätten andere Dinge oder Menschen zwischen uns Platz?

  19. Hohelied 8 – Könnten wir doch ungestört sein!

    1 Ach wärst du doch mein Bruder, hätte meine Mutter dich gestillt! Dann könnte ich dich unbekümmert küssen, wenn wir uns auf der Straße treffen, und niemand würde Anstoß daran nehmen!

    2 Ins Haus meiner Mutter würde ich dich führen, dort könntest du mir deine Liebe zeigen; ich gäbe dir gewürzten Wein zu trinken und Nektar von den Früchten des Granatbaums.

    3 Sein linker Arm liegt unter meinem Kopf, und mit dem rechten hält er mich umschlungen.

    4 Ihr Mädchen von Jerusalem, ich beschwöre euch: Lasst uns jetzt allein! Schreckt uns nicht auf, wir lieben uns.

    Die Macht der Liebe

    5 Wer ist sie, die heraufkommt aus der Wüste, Arm in Arm mit ihrem Liebsten?
    Unter dem Apfelbaum, da habe ich deine Liebe geweckt, dort, wo deine Mutter dich empfing, wo sie dir das Leben gab.

    6 Lass mich deinem Herzen nahe sein, so wie der Siegelring auf deiner Brust. Ich möchte einzigartig für dich bleiben, so wie der Siegelreif um deinen Arm.
    Unüberwindlich wie der Tod, so ist die Liebe, und ihre Leidenschaft so unentrinnbar wie das Totenreich! Wen die Liebe erfasst hat, der kennt ihr Feuer: Sie ist eine Flamme Gottes!

    7 Mächtige Fluten können sie nicht auslöschen, gewaltige Ströme sie nicht fortreißen. Böte einer seinen ganzen Besitz, um die Liebe zu kaufen, so würde man ihn nur verspotten.

    Leicht zu erobern?

    8 Unsre Schwester ist fast noch ein Kind und hat noch keine Brüste. Doch kommt einmal die Zeit, dass jemand um sie werben wird, dann müssen wir zur Stelle sein!

    9 Wenn sie uneinnehmbar ist wie eine Mauer, dann schmücken wir sie mit einem silbernen Turm. Doch wenn sie leicht zu erobern ist wie eine offene Tür, dann verriegeln wir sie mit Zedernbalken.

    10 Ich bin wie eine Mauer, und meine Brüste sind wie Wachtürme. Doch meinem Liebsten gebe ich mich hin.

    Reicher als Salomo

    11 Salomo besaß einen Weinberg in Baal-Hamon. Er überließ ihn den Pächtern, und bei der Ernte sollte jeder ihm tausend Silbermünzen zahlen.

    12 Die tausend gönne ich dir, Salomo, und zweihundert den Pächtern, doch mein Weinberg gehört mir allein!

    Rufe nur mich

    13 Du Mädchen in den Gärten, noch andre Männer lauschen, ob du sie rufst. Nur mich lass deine Stimme hören!

    14 Ja, komm rasch zu mir, mein Liebster! Sei schnell wie eine Gazelle, flink wie ein junger Hirsch, der von den Bergen kommt, wo duftende Kräuter wachsen!

    Hier sind einige Gedanken sehr interessant. Zuerst der, dass sie ungestört sein wollen. Wir hatten ja schon über diesen Gedanken nachgesonnen: dass wir uns nicht ablenken lassen wollen, sondern die Zeit mit unserem Gott intensiv genießen.

    Aber auch sehr aussagekräftig sind die Verse 6 und 7:

    Lass mich deinem Herzen nahe sein, so wie der Siegelring auf deiner Brust. Ich möchte einzigartig für dich bleiben, so wie der Siegelreif um deinen Arm.
    Unüberwindlich wie der Tod, so ist die Liebe, und ihre Leidenschaft so unentrinnbar wie das Totenreich! Wen die Liebe erfasst hat, der kennt ihr Feuer: Sie ist eine Flamme Gottes!

    7 Mächtige Fluten können sie nicht auslöschen, gewaltige Ströme sie nicht fortreißen. Böte einer seinen ganzen Besitz, um die Liebe zu kaufen, so würde man ihn nur verspotten.

    Auch Jehova will für uns einzigartig sein. Er selbst sagt von sich, dass er ein eifersüchtiger Gott ist und die ersten der zehn Gebote handeln davon.

    Er will nicht nur unsere Anbetung und dass wir ihm dienen – er will unsere Liebe. Treu bis in den Tod! In unserem Vortrag heute, der um die Freundschaft zu Jehova ging, wurde gezeigt, dass dazu Vertrauen gehört und dass man sich aufeinander verlassen kann, auch – oder gerade besonders – in schwierigen Zeiten. Denn erst dann zeigt sich, ob unsere Gefühle echt sind. Nicht umsonst heißt es in dem Ehegelübde „in guten wie in schlechten Zeiten“.

    Auch Jehova will unsere ganze Liebe. Er will sich unserer Liebe sicher sein, nicht ständig darum bangen müssen.

    Kennen wir das ungute Gefühl der Verunsicherung, wenn unser Partner ständig nach anderen Frauen (oder Männern) sieht und sagt: „ich gucke ja nur“, um uns zu beruhigen? Würde uns dies wirklich beruhigen? Wir kennen den Spruch: „den Appetit kannst du dir holen, aber gegessen wird zu Hause“?. Wenn wir einen Partner haben, der gern anderen hinterhersieht, wie fühlen wir uns dann, wenn wir wissen, dass er sich gern in der Nähe aufreizender Frauen aufhält?

    Jehova ist ein eifernder Gott, der weiß, dass der Satan um uns rum schlawänzelt und uns „schöne Augen macht“. Er ist wie ein aufreizendes Weib, das uns von Jehova abbringen will. Welches Gefühl vermitteln wir unserem Gott?

    Nehmen wir unser Hingabegelübde „in guten wie in schlechten Zeiten“ ernst, „bis dass der Tod uns scheidet“? Weiß Jehova, dass er sich auf uns verlassen kann, dass wir wie Hiob ‚einen Bund mit unseren Augen geschlossen haben‘? Oder liebäugeln wir doch hin und wieder mit der Welt?

    Erinnern wir uns an den Vergleich aus dem Studienartikel heute, als es um den Mann am Pflug ging, wie er eigentlich gar keine rechte Lust zun Pflügen hatte, sondern lieber so unbeschwert sein wollte, wie der Rest der Familie?

    Wie ist es um unsere Liebe zu Jehova bestellt? „Lieben“ wir ihn in guten Zeiten, aber gehen dann unseren eigenen Weg, wenn es beschwerlich wird? Stehen vielleicht doch unsere eigenen privaten Interessen im Vordergrund und wir dienen Jehova nur unter bestimmten Bedingungen?

    Ich denke da an den jungen Mann, der auf Jesu Aufforderung „Folge mir nach“ sagte, er wolle zuerst seinen Vater beerdigen. Beim Kommentar zu diesem Absatz zitierte ein Bruder einen Gedanken aus dem Einsichtenbuch, dass der Vater scheinbar noch nicht mal gestorben war. Dass dieser Mann zu Jesus hier eigentlich sagte: „ich warte erst mal, bis mein Vater tot ist und dann sehn wir weiter“! Wie mag sich Jesus wohl dabei gefühlt haben? Und wie fühlt sich wohl Jehova, wenn wir ihm zwar dienen, aber nur soweit, wie es für uns bequem ist?

    Im Gegensatz dazu ist Jesus für seine Freunde gestorben. „Naja, der war ja auch vollkommen“. Aber im Vortrag wurde eine Erfahrung aus einem Jahrbuch zitiert, wo sich ein Bruder vor einen anderen geworfen hat. Der eine Bruder sollte erschossen werden, weil er sich zur falschen Zeit am falschen Ort aufhielt. Als der Soldat ankündigte, den Bruder der aus einem anderen Land kam zu erschießen, sprang ein einheimischer dazwischen und rief: „lass ihn leben, erschieß mich!“

    Wie weit geht meine Liebe zu Jehova?

    Zum Thema, dass man die Echtheit unserer Liebe zu Gott an unseren Früchten erkennen könne, sagte ein Interessierter (!), dass wir es an unseren Gedanken sehen:

    „Woran denken wir, wenn wir morgens wach werden? Was beschäftigt uns am Tage und woran denken wir, wenn wir Abends schlafen gehen?“

    Hier sind wir wieder bei den Gedanken, die wir zu Beginn des Buches Hohelied hatten: wenn wir nun von der Liebe zwischen Mann und Frau sprechen – woran mögen die beiden wohl denken?

    Und wie steht es mit unserer Liebe zu Jehova? Welche Sprache sprechen unsere Früchte?

Schreibe einen Kommentar