Schlachtenlärm und Kunde von Schlachten

Ihr werdet aber von Kriegen und Kriegsgerüchten hören. Sehet zu, erschrecket nicht; denn dies alles muß geschehen, aber es ist noch nicht das Ende
Elberfelder 1871 – Matthäus 24,6

[Wenn] ihr aber künftig Schlachten[lärm] und Kunde [von] Schlachten hört, seht [zu], seid nicht bestürzt; denn [so] muß es geschehen, jedoch ist es noch nicht die Vollendung.
Adolph Ernst Knoch – Konkordante Übersetzung 1939 – Matthäus 24,6

Ihr werdet in der Zukunft bestimmt und im Begriffe sein, zu hören Kriegslärm und Kriegsgerüchte; sehet zu, lasst euch nicht durch das Geschrei betäuben; denn es ist ein notwendiges Muss, dass es so wird, aber noch ist es nicht das Endziel.
Pfleiderer – Matthäus 24:6

Ihr werdet viel Unheil zu Ohren bekommen: Kriege und Kriegsberichte. Passt nur auf, dass ihr dadurch nicht aus der Bahn geworfen werdet! Das alles muss geschehen. Aber das ist längst noch nicht das Ende der Zeit!
Das Buch – Matthäus 24:6

Die Frage, die wir in Gesprächen mit anderen Christen immer wieder stellen: WOHIN schauen wir? Wir können auf die Nachrichten schauen, auf unsere Sorgen und Probleme, ja sogar auf unsere Gesundheit. Aber wir können auch zu IHM aufschauen, und in IHM die Hoffnung hegen! Ich denke, dass das Aufschauen zum Schöpfer der sinnvollere Teil ist – der uns Ruhe und Frieden schenken kann, denn ER hat ALLES in Seiner Hand!


Nüchternheit und seelsorgerliche Mahnung prägen diese »Antwort«. Jesus greift hier die zweite der gestellten Fragen auf: die nach dem Ende der Geschichte. Die erste Frage findet erst ab V. 15 eine Antwort.
Es fällt auf, dass Jesus die Warnung vor den Verführern an die Spitze stellt. Verführung ist für die Gemeinde gefährlicher als Verfolgung. Verfolgung eint die Gemeinde, Verführung spaltet sie. Verfolgung lässt das Echte hervortreten, Verführung das Unechte triumphieren. Jesus nennt auch sofort einen konkreten Fall: »Viele werden in meinem Namen kommen und sagen: Ich bin der Christus.« Das »Kommen in meinem Namen« geschieht nicht so, dass sie behaupten: »Ich bin Jesus«, sondern so, dass sie »sagen: Ich bin der Christus.« Einige dieser falschen Christusse nennt schon die Apostelgeschichte: Theudas, Judas der Galliäer, und der Ägypter (Apg 5,36ff.; Apg 21,38). Ähnliches findet sich im 1.Johannesbrief (1 Joh 2,18ff.; vgl. Joh 5,43). Letzterer spricht sogar von »vielen« Widerchristen. Moderne Sektenführer geben sich ebenfalls als Verkörperung Christi aus. Es ist nicht auszuschließen, dass auch Eingebungen darunterfallen, bei denen Glieder der Gemeinde aufstehen und im »Ich«-Stil scheinbar Worte Christi weitergeben. Jedenfalls aber ist die Reihe der falschen Christusse noch längst nicht zu Ende. Und das Erstaunliche passiert: Sie »werden viele verführen«. Der oben erwähnte Ägypter führte 4000 Männer in die Wüste (Apg 21,37). Simon bar Kochba überzeugte im 2. Jh. sogar den berühmten Rabbi Akiba, dass er der Christus sei, und gewann Zehntausende von Anhängern. In moderner Zeit können daraus Millionenheere werden. Jesus aber rät zur Nüchternheit: »Passt auf…« Warnte Jesus zuerst vor der Verführung, so warnt er danach vor der lähmenden Furcht. Die Gemeinde wird »von Kriegen und Kriegsnachrichten hören«. Offenbar ist damit mehr gemeint als die jüdisch -römischen Kriege 66-73 bzw. 132-135 n. Chr. V. 7 fährt ja fort: »Denn es wird ein Volk gegen das andere aufstehen und ein Reich gegen das andere.« Demnach denkt Jesus an Kriege im Weltmaßstab.

Erst seit dem 20. Jh. sind solche Weltkriege möglich geworden, bei denen alle Kontinente und Staaten in Mitleidenschaft gezogen werden. Nicht ganz sicher ist der Begriff »Kriegsnachrichten«. Das griechische Wort könnte sowohl den Lärm der Schlachten als auch die Kunde von Kriegen oder auch »Gerüchte« von Kriegen bedeuten. Vermutlich geht es um »Nachrichten« im Sinn von Kunde. Bei »Gerüchten« könnte man an Situationen der Angst oder auch an psychologische Propaganda denken. Wenn »ein Volk gegen das andere aufstehen wird«, dann sind hier sowohl Bürgerkriege (vgl. Jes 19,2; 2 Chr 15,6) als auch Kämpfe zwischen verschiedenen Nationen eingeschlossen. Es wird aber auch die Unruhe ausgedrückt, die keinen anhaltenden Friedenszustand kennt. Ähnlich ist es mit der Wendung »ein Reich wird gegen das andere aufstehen«. Statt »Reich« könnte man auch übersetzen: »Herrschaft«. Geniale Führer ringen also um die Herrschaft in Volk und Welt, ja ganze Systeme kämpfen um die Weltherrschaft. Wenn Jesus hinzufügt: »und in verschiedenen Gegenden werden Hungersnöte und Erdbeben sein -, dann meint er dies wieder universal. Was weltwelte Hungersnot ist, lernten wir ebenfalls erst seit dem 20. Jh. kennen. Vorher gab es nur regionale Hungersnöte. Namen wie »Hungerhilfe«, »Weiternährungsorganisation«, »Brot für die Welt«, »Sahel-Zone«, »Club of Rome« und die Diskussion über das Überleben der Menschheit kennzeichnen die Wende. »Hungersnot« und »Erdbeben« sind in der Bibel Mittel des göttlichen Gerichts (vgl. Jes 8,21; 13,13; 14,12; Off 6,12). Wichtig ist, »dass ihr euch nicht fürchtet!«. Zwar wird es Angst und Schrecken auch in der Gemeinde geben. Die Gemeinde wird diesen Nöten ja nicht entnommen. Dennoch soll sie im Blick auf Jesus die Angst überwinden (Joh 16,33). Nicht Furcht vor den Katastrophen, sondern Hoffnung auf die Erlösung (Lk 21,28) soll ihre Haltung bestimmen.

Jesu dritte Warnung gilt der vorschnellen Erwartung. Immer lag die Versuchung nahe, zu sagen: »Jetzt ist das Ende da« (vgl. 2 Thess 2,2). Diese Versuchung ist deshalb besonders gefährlich, weil jeder lebendige Christ in steter Bereitschaft lebt. D. h. er rechnet mit einem baldigen Kommen Jesu in Macht und Herrlichkeit. Aber der lebendige, bibelorientierte Christ hält dadurch die geistliche Balance, dass er kein Datum berechnet und sich täglich bewährt. Luthers häufig überliefertes Wort: »Wenn morgen die Welt untergingen würde ich heute noch mein Bäumlein pflanzen«, ist dafür ein Musterbeispiel. Aber schon zu Lüthers Zeit hat der aus Eßlingen/Neckar stammende Pfarrer Michael Stifel diese Balance verloren und den 19. Oktober 1533 als Termin des jüngsten Tages berechnet, und zwar morgens um 8.00 Uhr. Die Bauern bestellten ihre Felder nicht mehr und zogen an diesem 19. Oktober dem Herrn entgegen. Solche Vorfälle wiederholten sich in der Kirchengeschichte. Der Amerikaner William Miller berechnete die Wiederkunft auf die Zeit zwischen dem 21. März 1843 und dem 21. März 1844. Viele verschenkten daraufhin ihre irdischen Güter. Aus dieser Bewegung entstanden die Siebenten -Tags -Adventisten. Der Amerikaner Charles Russell dachte, die Wiederkunft ereigne sich 1874. Von ihm leiten sich die Zeugen Jehovas ab. Als neue Termine der Wiederkunft nannten sie 1914, 1918 und 1925.

Wie beurteilt nun Jesus diese übereilte Erwartung? Schon in V. 6 stellt er im Blick auf die Kriege fest: »es ist noch nicht das Ende«. Und im Blick auf alles in V. 4-8 Genannte unterstreicht er: »Aber all das ist erst der Anfang der Wehen« (V. 8). Die »Wehen« sind nach jüdischem Sprachgebrauch die Umwälzungen, die der Neuschöpfung bzw. dem Gottesreich vorausgehen. Damit ist von Jesus klargestellt, dass die endzeitlichen Entwicklungen Zeit brauchen. Er wehrt jedem schwärmerischen Kurzschluss. Diese Linie setzen Paulus in 2 Thess 2 und Johannes in der Offenbarung fort. Wir erinnern uns auch der Saatgleichnisse Jesu (Mt 13,1ff.) , die ebenfalls mit einem Ausreifen des Bösen, d. h. mit längeren Zeiträumen rechnen. Deshalb hätte die Bibelkritik nie behaupten dürfen, Jesus habe mit der sofortigen Vollendung des Gottesreiches gerechnet. Die Gemeinde Jesu muss zwischen beiden Abgründen hindurchgehen: zwischen der Haltung des Knechts, der sagt: »Mein Herr kommt noch lange nicht« (Mt 24,48) , und der Haltung derer, die verkünden: »der Tag des Herrn sei schon da« (2 Thess 2,2). Auch Jesu Bemerkung »Denn es muss geschehen« weist in diese Richtung. Er nimmt hier Dan 2,28 auf und gibt so indirekt zu verstehen, dass alles nach Gottes Plan kommt – weder zu schnell noch zu spät (vgl. Off 1,1). Eine lebendige, aber auch nüchterne und belastbare Hoffnung – das ist es, wozu Jesus seine Gemeinde erzieht.
Über diesen Warnungen sollten wir eine schlichte Tatsache nicht vergessen: Dass Jesus nämlich kraft des Heiligen Geistes wesentliche Entwicklungen der Zukunft prophezeit. Kein Mensch weiß, was morgen ist. Aber Jesus deckt uns die wichtigsten Zukunftsereignisse auf, damit die Gemeinde den richtigen Weg einschlagen kann.

Gerhard Maier – Edition C

Jesus begann nun, die Ereignisse, die zu seiner Rückkehr in Herrlichkeit führen sollten, und die Vorzeichen seiner Wiederkunft zu beschreiben. Zunächst (in Mt 24,4-8) sprach er über die erste Hälfte der sieben Jahre, die seinem zweiten Kommen vorangehen. Diese Zeitspanne wird die „siebzigste Woche“ Daniels (Dan 9,24-27) genannt. (Über die genaue Zuordnung der Zeiten herrscht jedoch Uneinigkeit. Manche glauben, daß Christus in Mt 24,4-8 von allgemeinen Zeichen im gegenwärtigen Kirchenzeitalter sprach und ab V.9 von der Zeit der Not. Andere setzen die Zäsur noch später und beziehen erst Vers15 folgende auf die Zeit der Trübsal.) Die in Mt 24,4-8 beschriebenen Geschehnisse entsprechen bis zu einem gewissen Grad den sieben Siegeln in Offb 6. (Walvoord vertritt allerdings die These, daß alle sieben Siegel des Gerichts in der zweiten Hälfte der sieben Jahre geöffnet werden; vgl. den Kommentar zu Offb 6.)
Diese Zeit wird gekennzeichnet sein durch (a) das Auftreten von Leuten, die sich fälschlich als Christus ausgeben (Mt 24,4-5; vgl. Offb 6,1-2; das erste Siegel ist der Antichrist), (b) Kriege und Kriegsgeschrei (V.6; vgl. Offb 6,3-4; das zweite Siegel ist der Krieg), in denen sich weltweit ein Volk gegen das andere erheben wird, und durch ungewöhnliche Naturereignisse wie Hungersnöte (V.7; vgl. Offb 6,5-6; das dritte Siegel ist der Hunger; das vierte und fünfte sind Tod und Martyrium [ Offb 6,7-11 ]) und Erdbeben (Mt 24,7; vgl. Offb 6,12-14; das sechste Siegel ist ein Erdbeben). Das alles ist nach den Worten Jesu der Anfang der Wehen. Wie die Wehen bei einer Schwangeren ein Zeichen sind, daß sie bald gebären wird, so werden diese universalen Konflikte und Katastrophen das Ende der Zeit zwischen den beiden Kommen des Messias einläuten.

Walvoord Bibelkommentar

Eine Frage, die so oft in prophetischen Konferenzen gestellt wird, ist: „Leben wir in der Endzeit?“ Ausnahmslos lautet die Antwort: „Ja!“ Aber auf die Frage „Woher wissen wir das?“ sind die Antworten eher allgemein gehalten und beruhen gewöhnlich auf den Krisen dieser Tage, und diese Krisen ändern sich mit der Zeit. Oft werden sie danach bestimmt, wie sich diese Krisen auf die Vereinigten Staaten auswirken, als ob das der entscheidende Faktor dafür wäre, was die letzten Tage ausmacht. Die wahre Bestimmung, wohin sich die Geschichte prophetisch bewegt, ist jedoch nicht, wie sich die Weltereignisse auf die Vereinigten Staaten auswirken, sondern wie sie sich auf die jüdische Geschichte auswirken, da Israel Gottes Zeitmesser ist (5 Mose 32,8-9). In diesem Bereich haben viele „Zeitungsexegeten“ einen Feldtag gehabt, indem sie fast jedes größere Weltereignis als eine teilweise Erfüllung der Prophezeiung und einen weiteren Beweis dafür sehen, dass dies tatsächlich die letzten Tage sind. Es ist jedoch sehr gefährlich, so viel Zeit und Mühe darauf zu verwenden, so viele Ereignisse in Bereiche erfüllter Prophezeiungen einzupassen. Die Prophetie muss zuerst von der Schrift her bestimmt und dann auf aktuelle Ereignisse angewandt werden, anstatt dass man aktuelle Ereignisse nimmt und sie in irgendeine Schriftstelle zwängt. Erst nachdem man seine Eschatologie exegetisch aus der Schrift entwickelt hat, sollte man aktuelle Ereignisse in Betracht ziehen, um zu sehen, ob es welche gibt, die die Prophetie erfüllen. Nur wenn die aktuellen Ereignisse perfekt zu den Anforderungen der Schrift passen, sind diese Ereignisse als Erfüllung der Prophetie zu identifizieren. Aber sich zuerst aktuellen Ereignissen zuzuwenden und dann aufgrund möglicher Ähnlichkeiten zu beginnen, diese als Teilerfüllungen oder als Hinweise auf zukünftige Erfüllungen zu identifizieren, ist eher „Zeitungsexegese“ als biblische Exegese.

Nichtsdestotrotz sind dies die letzten Tage, weil bestimmte prätribulationale Ereignisse erfüllt worden sind. Das erste ist das des Ersten Weltkriegs, gefolgt vom Zweiten Weltkrieg. Dies findet sich in der Ölbergrede in Matthäus 24,1-8: Und Jesus ging aus dem Tempel und ging seines Weges; und seine Jünger traten zu ihm, um ihm die Gebäude des Tempels zu zeigen. Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Seht ihr das alles nicht? Wahrlich, ich sage euch: Es wird hier nicht ein Stein auf dem anderen bleiben, der nicht niedergeworfen werde. Und als er auf dem Ölberg saß, traten die Jünger heimlich zu ihm und sprachen: Sage uns, wann wird dies alles geschehen? und was wird das Zeichen deiner Ankunft und des Endes der Welt sein? Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Seid auf der Hut, daß euch niemand verführe. Denn es werden viele kommen in meinem Namen und sagen: Ich bin der Christus, und werden viele in die Irre führen. Und ihr werdet hören von Kriegen und Kriegsgerüchten; sehet zu, daß ihr euch nicht beunruhigt; denn solches muß geschehen; aber das Ende ist noch nicht gekommen. Denn es wird sich ein Volk wider das andere erheben und ein Königreich wider das andere; und es werden Hungersnöte und Erdbeben sein an verschiedenen Orten. Dies alles aber ist der Anfang der Wehen.

Der Hintergrund zu diesem Abschnitt findet sich in den Versen 1-2. Nach der Anprangerung der jüdischen religiösen Führung in Kapitel 23 und als Folge seiner Aussagen in Kapitel 23:37-39, verkündete der Messias in Kapitel 24:1-2 den Untergang des Tempels, eine Prophezeiung, die sich im Jahr 70 N. CHR. erfüllte.

Diese Aussage weckte Fragen in den Köpfen der Jünger, und sie traten mit diesen drei Fragen an Jeschua (Jesus) heran. Erstens: „Wann werden diese Dinge sein?“, d.h. die Zerstörung des Tempels, von der in den Versen 1-2 die Rede ist. Zweitens: „Was wird das Zeichen deines Kommens sein?“, das heißt: „Was ist das Zeichen, dass die Wiederkunft bevorsteht?“ Und drittens: „Was wird das Zeichen des Endes des Zeitalters sein?“ Die erste Frage wird nicht im Matthäusbericht über den Ölbergdiskurs beantwortet, sondern findet sich in der Parallelstelle in Lukas 21,20-24. Die zweite Frage wird in Matthäus 24:29-31 beantwortet.

Es ist die dritte Frage, die hier von Belang ist: Was wird das Zeichen des Endes des Zeitalters sein? Das sind typisch jüdische Ausdrücke für diese Zeit. Die Rabbiner sprachen von zwei Zeitaltern: diesem Zeitalter und dem kommenden Zeitalter. „Dieses Zeitalter“ ist das Zeitalter, in dem wir jetzt leben. „Das künftige Zeitalter“ ist das messianische Zeitalter. Ihre Frage lautet: Was ist das Zeichen, das anzeigt, dass das Ende dieses Zeitalters tatsächlich begonnen hat? Was ist das eine einzelne Ereignis, das bestimmen wird, dass die letzten Tage begonnen haben und dass wir tatsächlich in den letzten Tagen leben?

Diese Frage wurde vom Messias zuerst negativ und dann positiv beantwortet. Negativ sagte er ihnen zuerst, was nicht das Zeichen sein wird, dass das Ende des Zeitalters begonnen hat. Darauf folgte positiv, was das Zeichen tatsächlich sein wird.

Die Verse 4-6 enthalten die negative Antwort. Er hat einfach beschrieben, was für dieses Zeitalter charakteristisch sein wird, und keines dieser Dinge bedeutet, dass das Ende des Zeitalters begonnen hat. Erstens wird in den Versen 4-5 das Zeitalter durch falsche Messiasse gekennzeichnet sein. Aber das Auftreten falscher Messiasse beweist in keiner Weise, dass das Ende begonnen hat. Des Weiteren werden in Vers 6 auch lokale Kriege in verschiedenen Teilen der Welt dieses Zeitalter kennzeichnen. Aber auch das bedeutet nicht, dass das Ende des Zeitalters begonnen hat. Weder das Aufkommen falscher Messiasse noch örtliche Kriege in irgendeinem Teil der Welt zeigen also an, dass das Ende des Zeitalters begonnen hat. Dies sind nur allgemeine Merkmale dieses Zeitalters; denn diese Dinge müssen notwendigerweise eintreten; aber das Ende ist noch nicht gekommen.

Die positive Seite der Antwort findet sich in den Versen 7-8, wo er das einzige Ereignis offenbart, das anzeigen wird, dass das Ende des Zeitalters begonnen hat. Dieses Zeichen soll sein, wenn sich Nation gegen Nation und Königreich gegen Königreich erheben wird. Dies soll mit Hungersnöten und Erdbeben verbunden sein. Es wird deutlich gesagt, dass diese Dinge der Anfang der Wehen sind. In den prophetischen Abschnitten der Schrift wird die Endzeit durch das Wort Wehen dargestellt, was „Geburtswehen“ bedeutet, die Schmerzen, die eine Frau vor der Geburt erlebt. So wie eine Frau durch eine Reihe von Geburtswehen geht, bevor sie ein Kind zur Welt bringt, so werden auch die letzten Tage dieses Zeitalters durch eine Reihe von Geburtswehen gehen, bevor sie das neue Zeitalter des Königreichs gebären. Der Gebrauch des Wortes Geburtswehen wird in diesem Studium der prophetischen Schriften noch einige Male vorkommen.

Der Schlüsselfaktor ist also, die Bedeutung der Redewendung „Nation wird sich gegen Nation erheben, und Königreich gegen Königreich“ zu bestimmen. Im jüdischen Kontext der Zeit, in der es gesprochen wurde, deutet diese Redewendung auf einen totalen Konflikt in dem betreffenden Gebiet hin. Diese Redewendung findet sich in zwei alttestamentlichen Passagen.

Erstens steht es in Jesaja 19:1-4: Die Last Ägyptens. Siehe, Jehova reitet auf einer schnellen Wolke und kommt nach Ägypten; und die Götzen Ägyptens werden vor seinem Angesicht zittern, und das Herz Ägyptens wird vor ihm schmelzen. Und ich will die Ägypter wider die Ägypter aufhetzen, daß sie streiten sollen, ein jeglicher wider seinen Bruder und ein jeglicher wider seinen Nächsten, Stadt gegen Stadt und Königreich gegen Königreich. Und der Geist der Ägypter wird mitten unter ihnen versagen, und ich will ihren Rat verderben; und sie werden zu den Götzen und zu den Zauberern und zu denen, die Wahrsager haben, und zu den Zauberern gehen. Und ich will die Ägypter in die Hand eines grausamen Herrn geben, und ein grimmiger König soll über sie herrschen, spricht der HERR, der HERR Zebaoth.
In diesem Abschnitt ist das Land Ägypten im Blick und die Redewendung weist auf einen Konflikt im ganzen Land Ägypten hin, da die Nation in einen Bürgerkrieg verwickelt ist.

Die zweite Stelle ist 2. Chronik 15,1-7: Und der Geist Gottes kam auf Asarja, den Sohn Odeds, und er ging hinaus, Asa entgegen, und sprach zu ihm: Höre mich, Asa, und ganz Juda und Benjamin: Der HERR ist mit euch, solange ihr bei ihm seid; und wenn ihr ihn sucht, wird er sich von euch finden lassen; wenn ihr ihn aber verlasst, wird er euch verlassen. Nun war Israel eine lange Zeit ohne den wahren Gott und ohne einen lehrenden Priester und ohne Gesetz: Als sie sich aber in ihrer Not zu Jehova, dem Gott Israels, wandten und ihn suchten, da wurde er von ihnen gefunden. Und zu der Zeit war kein Friede bei dem, der aus und ein ging, sondern große Not bei allen Bewohnern der Länder. Und sie wurden zerbrochen, Volk gegen Volk und Stadt gegen Stadt; denn Gott hat sie mit allem Unglück geplagt. Seid aber stark und laßt eure Hände nicht schlaff werden; denn eure Arbeit wird belohnt werden.

In diesem Abschnitt ist es der Nahe Osten, der im Blick ist, und die Redewendung weist auf den Konflikt im gesamten Nahen Osten hin. In der Ölbergrede ist es die ganze Welt, die im Blick ist, wie aus den Versen 14, 21, 30 und 31 ersichtlich ist. Die Redewendung bezieht sich also auf einen weltweiten Konflikt, und dieser weltweite Konflikt ist der erste Geburtsschmerz, der anzeigt, dass die Endzeit begonnen hat.

Zu Jeschuas Zeiten war der Ausdruck Nation gegen Nation, Königreich gegen Königreich eine jüdische Redewendung für einen Weltkrieg, der dem Kommen des Messias vorausgeht.
In der Bereshit Rabbah heißt es: Wenn ihr seht, wie sich Königreiche nacheinander gegeneinander erheben, dann gebt Acht und achtet auf die Schritte des Messias.
Im Zohar Chadash heißt es: Zu jener Zeit werden Kriege in der Welt entfacht werden. Nation wird gegen Nation sein und Stadt gegen Stadt; viel Bedrängnis wird gegen die Feinde der Israeliten erneuert werden.

Das erste Mal, dass ein solcher weltweiter Konflikt stattfand, war in den Jahren 1914-1918 mit dem Ersten Weltkrieg. Die meisten Historiker sind sich einig, dass der Zweite Weltkrieg eigentlich eine Fortsetzung des Ersten Weltkriegs war. Die Ereignisse des Ersten Weltkriegs gaben den Anstoß für das Wachstum der zionistischen Bewegung, während der Zweite Weltkrieg die Bühne für die Gründung des Staates Israel bereitete.
Dieser weltweite Konflikt, der den Beginn der Endzeit ankündigte, sollte mit Hungersnöten und Erdbeben einhergehen. Was die Hungersnöte betrifft, so wurden in den Kriegsjahren 1918-1919 durch eine Pestilenz 23 Millionen Menschen getötet. Im Jahr 1920 kam es zur großen chinesischen Hungersnot, gefolgt von der großen russischen Hungersnot im Jahr 1921.

Noch interessanter ist der Faktor Erdbeben. Laut der Encyclopedia Americana gab es zwischen den Jahren 63-1896 nur sechsundzwanzig aufgezeichnete Erdbeben. Die meisten Erdbeben auf der Welt traten seit 1900 auf. In Verbindung mit dem Ersten Weltkrieg gab es mehrere bedeutende Erdbeben

Arnold Fruchtenbaum – Die Abfolge der prätribulationalen Ereignisse

Gottes Königreich ist eine solide und dauerhafte Regierung. Ihre Dauerhaftigkeit wird dadurch gewährleistet, dass Jehova selbst dem Tod nicht unterworfen ist

Bist du nicht von alters her, Jehova, mein Gott, mein Heiliger? Wir werden nicht sterben. Jehova, zum Gericht hast du es gesetzt, und, o Fels, zur Züchtigung es bestellt.
Elberfelder 1871 – Habakuk 1,12

Bist du nicht von urher mein Gott, DU,
mein Heiliger? wir werden nicht sterben!
DU, zum Gericht nur hast du eingesetzt ihn,
Fels, zum Ermahnen nur hast du ihn gegründet.
Buber & Rosenzweig – Habakuk 1:12

 Bist du nicht, Ewiger, von ältester Zeit mein Gott, mein Heiliger? Nicht werden wir sterben – du hast es, Ewiger, zur Strafe eingesetzt, hast, Fels, zur Zücht’gung es bestellt.
Die Philippson-Bibel – Habakuk 1,12

Die Frage hab ich vermutlich schon einmal gestellt: Was ist, wenn die Zeit erst beginnt, wenn die Schöpfung beginnt? Also wenn es Jehovah schon gibt, bevor ER etwas erschaffen hat, und die Zeit eine der Dimensionen ist, die nur Seine Schöpfung unterworfen ist.
Dann könnte ER sich in der Zeit bewegen, hätte den totalen Überblick über die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Deshalb können wir IHM vertrauen, der uns erschaffen hat und nur unser Bestes im Blick hat.


Gottes Königreich ist eine solide und dauerhafte Regierung. Ihre Dauerhaftigkeit wird dadurch gewährleistet, dass Jehova selbst dem Tod nicht unterworfen ist (Habakuk 1:12). Auch Jesus Christus, dem Gott das Königtum übertragen hat, ist im Gegensatz zu menschlichen Königen unsterblich (Römer 6:9; 1 Timotheus 6:15, 16).

Den allein wahren Gott anbeten

Die Person, die den Namen trägt. Jehova ist der Schöpfer aller Dinge, die große erste Ursache; somit ist er unerschaffen, ohne Anfang (Off 4:11). „Seine Jahre sind an Zahl unerforschlich“ (Hi 36:26). Es ist unmöglich, ihm ein Alter zuzuschreiben, denn es gibt keinen Zeitpunkt, von dem aus gemessen werden kann. Obgleich zeitlos, wird er zu Recht „der Alte an Tagen“ genannt, da seine Existenz endlos in die Vergangenheit zurückreicht (Da 7:9-13). Auch in der Zukunft ist er ohne Ende (Off 10:6); er ist unvergänglich, unsterblich. Darum wird er als der „König der Ewigkeit“ bezeichnet (1Ti 1:17), für den tausend Jahre nur wie eine Nachtwache von wenigen Stunden sind (Ps 90:2-4; Jer 10:10; Hab 1:12; Off 15:3).
Trotz seiner Überzeitlichkeit ist Jehova in hervorragender Weise ein geschichtsbewußter Gott, und man kann ihn mit ganz bestimmten Zeiten, Orten, Personen und Ereignissen in Verbindung bringen. Wenn er mit Menschen verkehrte, handelte er nach einem genau festgelegten Zeitplan (1Mo 15:13-16; 17:21; 2Mo 12:6-12; Gal 4:4). Weil seine ewige Existenz unleugbar und die grundlegendste Tatsache im Universum ist, hat er bei seiner Existenz geschworen, indem er sagte: „So wahr ich lebe“, und hat dadurch die absolute Zuverlässigkeit seiner Verheißungen und Prophezeiungen garantiert (Jer 22:24; Ze 2:9; 4Mo 14:21-28; Jes 49:18). Auch Menschen haben bei der Tatsache, daß Jehova existiert, geschworen (Ri 8:19; Ru 3:13). Nur Unverständige sagen: „Es gibt keinen Jehova“ (Ps 14:1; 10:4).

Einsichten über die heilige Schrift

Gottes verblüffende Enthüllung stürzte den Propheten nur in noch größere Bestürzung. Auf Habakuks Klage über die Sünde und Gesetzlosigkeit in Juda (V. 2-4 ) antwortete Gott mit dem Hinweis, daß er das Betragen seines Volkeskenne und seine Strafe schon unterwegs sei. Die Babylonier sollten dieses sündige Volk schon bald gefangennehmen und verschleppen. Jetzt war der Prophet nicht nur – wie Gott es ihm prophezeit hatte – überrascht (V. 5 ), er war vielmehr entsetzt, schockiert, daß Gott ein solches Werkzeug einsetzen wollte, um Juda zu strafen. Habakuk gab seiner tiefen Verwirrung Ausdruck. Er stellte Gottes Plan in Frage.

Warum benutzt Gott als Werkzeug ein Volk, in dem die Gemeinheit herrscht?
( 1,12 – 13 )

Wie vernichtend die Androhung des göttlichen Gerichts auch klingen mag, der Prophet verläßt sich dennoch auf Gottes Heiligkeit und Treue, die ihm Trost und Hoffnung geben. In einem Meer der Verwirrung klammerte sich Habakuk an den lebendigen Rettungsanker, den Gottes heiliges Wesen für ihn verkörperte. Er hielt sich im Chaos an der unerschütterlichen Stärke seines Gottes fest.

Hab 1,12
Im Hebräischen verlangt die Form der Frage Aber du, HERR, mein Gott, mein Heiliger, der du von Ewigkeit her bist eine bejahende Antwort. Sie ist ebensosehr Aussage wie Frage. Das Vertrauen des Propheten in den lebendigen, ewigen Gott Jahwe steht in schroffem Gegensatz zu dem vorhergehenden Vers, der besagt, daß die Babylonier ihre eigene Stärke zu ihrem Gott machen.
Aus menschlicher Sicht war es natürlich ein leichtes für Babylon, Juda auszulöschen. Doch für den Propheten war es völlig undenkbar, daß das Gottesvolk und damit auch seine Bundesbeziehung zu Jahwe ausgetilgt werden sollte. Habakuks Überzeugung gründete sich auf zwei Verheißungen: (a) den unveränderlichen und ewigen Herrn (vgl. Hes 3,6 ), der seinen Bund mit Israel nicht brechen wird; und (b) den heiligen (vgl. Hes 3,3 ) und gerechten Gott, der weder in Israel noch unter seinen Feinden die Sünde ungestraft läßt. Der Prophet bat ganz richtig: “ Mein Gott, mein Heiliger, laß uns nicht sterben. „
Habakuk rief sich in Erinnerung, daß der Herr die Babylonier nur dazu ausersehen hatte, Juda zu züchtigen , nicht dazu, das Volk endgültig auszurotten. Der Feind war Gottes Straf- , nicht sein Vernichtungswerkzeug. Der Prophet nennt seinen Herrn einen Fels ( QUr ), eine Bezeichnung, die erstmals in 5Mo 32,4 auf Jahwe angewendet wurde und die auf die Beständigkeit und Treue des Allmächtigen verweist (vgl. 5Mo 32,15.18.30-31 ).

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

Für Habakuk war die erste Antwort Gottes überhaupt keine Antwort gewesen. Tatsächlich schuf sie nur ein neues Problem, das noch rätselhafter war: die Inkonsequenz Gottes. Wie konnte ein heiliger Gott ein böses Volk benutzen, um sein besonderes Volk zu bestrafen?

Die Heiligkeit Gottes (Hab. 1:12-13). Der Prophet konzentrierte sich auf den Charakter Gottes, so wie es Jona getan hatte, als er mit dem, was Gott tat, nicht einverstanden war (Jona 4,2). „Männer des Glaubens sind immer die Männer, die sich Problemen stellen müssen“, schrieb G. Campbell Morgan, denn wenn man an Gott glaubt, fragt man sich manchmal, warum er bestimmte Dinge geschehen lässt. Aber bedenken Sie, dass es einen Unterschied zwischen Zweifel und Unglauben gibt. Wie Habakuk stellt der Zweifler Gott in Frage und streitet vielleicht sogar mit Gott, aber der Zweifler lässt Gott nicht im Stich. Aber Unglaube ist Rebellion gegen Gott, eine Weigerung, zu akzeptieren, was er sagt und tut. Unglaube ist ein Akt des Willens, während der Zweifel aus einem unruhigen Geist und einem gebrochenen Herzen geboren wird.

Habakuks Auseinandersetzung mit Gott ist ein Kurzlehrgang in Theologie. Er begann mit der Tatsache der Heiligkeit Gottes. Die Babylonier waren weitaus schlimmere Sünder als die Menschen in Juda. Wie konnte Gott also böse, götzendienerische Heiden benutzen, um sein eigenes auserwähltes Volk zu bestrafen? Ja, sein Volk verdiente Bestrafung, aber konnte Gott nicht ein besseres Instrument finden? Würde dies das Ende des Volkes bedeuten? Nein, denn „wir werden nicht sterben“ (Hab. 1:12). Gott hatte durch das jüdische Volk bestimmte Ziele zu erfüllen, und er würde sein Volk bewahren, aber es würde schmerzhafte Prüfungen erleben.

Der Prophet musste sich an zwei Tatsachen erinnern: (1) Gott hatte andere Mittel benutzt, um sein Volk zu züchtigen – Krieg, Naturkatastrophen, die Predigt der Propheten – und das Volk wollte nicht hören; (2) je größer das Licht, desto größer die Verantwortung. Ja, die Babylonier waren böse Sünder, aber sie waren Götzendiener, die den wahren und lebendigen Gott nicht kannten. Das entschuldigt nicht ihre Sünden (Röm. 1:18ff), aber es erklärt ihr Verhalten. Die Juden behaupteten, den Herrn zu kennen, und doch sündigten sie gegen das Gesetz, an das sie zu glauben vorgaben! Sünde im Leben eines Gläubigen ist viel schlimmer als Sünde im Leben eines Ungläubigen. Wenn Gottes Volk ihm absichtlich ungehorsam ist, sündigt es gegen eine Flut von Licht und einen Ozean der Liebe.

Habakuk erinnerte Gott daran, dass er ewig ist und daher das Ende von Anfang an kennt und nicht überrascht werden kann. Er war der mächtige Gott („Fels“, NIV), der alle Macht hatte und sich nie veränderte. Was ist also mit seinen Bündnissen mit den Juden? Was ist mit seinen besonderen Verheißungen? Als heiliger Gott konnte er die Sünde nicht gutheißen (Hab. 1:13); dennoch war er „tolerant“ gegenüber der Sünde im Land Juda und „still“, als die Babylonier sich anschickten, sein Volk zu verschlingen! Habakuk wollte, dass Gott etwas sagt und etwas tut, aber Gott war still und scheinbar untätig.

Denken Sie daran, dass dies für Habakuk nicht einfach ein nationales Problem oder ein theologisches Problem war, sondern ein persönliches Problem, als er rief: „Mein Gott, mein Heiliger“ (V. 12, NIV). Nationale und internationale Ereignisse wirkten sich auf seinen persönlichen Weg mit Gott aus, und das beunruhigte ihn sehr. Aber nur wenn wir mit diesen Herausforderungen ringen, können unsere „Glaubensmuskeln“ wachsen. Wenn wir schwierigen Fragen aus dem Weg gehen oder uns mit Halbwahrheiten und oberflächlichen Antworten zufrieden geben, bleiben wir unreif, aber wenn wir uns den Fragen ehrlich stellen und sie mit dem Herrn durchsprechen, wachsen wir in der Gnade und in der Erkenntnis Christi (2. Petrus 3,18).

Seine Frage „Warum schweigst du?“ (v. 13, NIV) wird seit Jahrhunderten sowohl von Heiligen als auch von Sündern gestellt. Natürlich ist Gott nicht stumm, denn er spricht durch sein Wort zu denen, die Ohren haben, um zu hören. Am lautesten sprach er auf Golgatha, als sein geliebter Sohn am Kreuz starb; denn das Sühnopfer ist Gottes endgültige und vollständige Antwort auf die Sünden der Welt. Aufgrund des Kreuzes ist Gott sowohl „gerecht als auch rechtfertigend“ (Röm 3,26). Er hat sowohl sein heiliges Gesetz aufrechterhalten als auch sein liebendes Herz offenbart. Die Sünde wurde verurteilt und der Weg für die Sünder geöffnet, Kinder Gottes zu werden. Niemand kann sich über eine so weise und liebevolle Antwort beklagen!

Warren W. Wiersbe – Sei Commentary Series

Gottes Antwort auf Habakuks erste Klage bringt ein noch schwierigeres Problem zur Lösung. In dieser Beschwerde werden drei Dinge erwähnt: Habakuks Gewissheit, Habakuks Problem und Habakuks Warten.

Habakuks Gewissheit – Habakuk 1:12
Bist du nicht von Ewigkeit her, HERR, mein Gott, mein Heiliger? wir werden nicht sterben. HERR, du hast ihn zum Gericht bestimmt; und du, Fels, hast ihn zur Besserung gegründet.

Habakkuk beginnt mit einem Ton der Zuversicht: Wir werden nicht sterben. Er ist ziemlich zuversichtlich, dass die Juden aufgrund der Heiligkeit Gottes nicht völlig vernichtet werden würden. Jehova war immer Israels Gott, und Gottes Heiligkeit spricht dagegen, dass er seine Versprechen bricht, einschließlich des Überlebens der jüdischen Nation. Gott würde Juda sicherlich züchtigen, aber er würde niemals zulassen, dass die Juden völlig vernichtet werden. Habakuk erkannte nun den Platz Babylons im Plan und Programm Gottes. Der Zweck ihres Aufstiegs zur Macht wird ein zweifacher sein: erstens zum Gericht, um die Sünden Judas zu bestrafen; und zweitens zur Korrektur, nicht zur totalen Zerstörung. In der Tat wird Juda wegen des Götzendienstes in die Babylonische Gefangenschaft gehen, aber als Folge davon wird es von seinem Götzendienst geheilt werden. Habakkuk war nicht besorgt, dass Gott das jüdische Volk völlig auslöschen würde, keineswegs! Sie würden aufgrund der Heiligkeit Gottes weiterhin überleben. Gott würde Babylon benutzen, um die Sünden Judas zu richten und zu bestrafen, aber das Ziel war Korrektur, nicht Zerstörung.

Arnold Fruchtenbaum – Das Buch Habakuk

Doch über dir glänzt auf der Ewige

Denn siehe, Finsternis bedeckt die Erde und Dunkel die Völkerschaften; aber über dir strahlt Jehova auf, und seine Herrlichkeit erscheint über dir.
Elberfelder 1871 – Jesaja 60,2

Denn siehe, Finsternis bedeckt die Erde, und Dunkel die Volksstämme; aber über dir geht auf Jehovah, und Seine Herrlichkeit erscheint über dir. 2Mo 10,23; Mt 4,16; Lk 1,78.
Tafelbibel mit hinzugefügten Sachparallelstellen – Jesaja 60:2

Denn sieh, das Dunkel deckt die Erde 
und Wolkendüster die Nationen. 
Doch über dir glänzt auf der Ewige 
und seine Herrlichkeit wird über dir erschaut. 
Neftali-Herz-Tur-Sinai – Jesaja 60,2

Spannend, wenn man den Bibeltext „OHNE Erklärbären“ liest! Denn wie in der Tafelbibel oben gezeigt, würde man zuerst an die Plage mit der Finsternis in Ägypten denken – und dass nur bei Gottes Volk Israel Licht war. Und zwar echt, nicht symbolisch! Die Ägypter sahen sich gegenseitig nicht mehr, ja sie konnten sich noch nicht einmal in ihren eigenen vier Wänden bewegen! Warum sollte also Jesaja etwas symbolisch meinen?
Aber dann schauen wir uns den nächsten Paralleltext an – Siehe dazu auch mein „Bild des Tages“ – und wir sehen, dass Matthäus 4,16, Lukas 1,79 und Johannes 1,14 den Vers auf die Zeit Jesu Christi anwenden. Wer war aus der Sicht der Evangelienschreiber das „große Licht“? Wer war der Jehova der erschien? Welche Herrlichkeit war über Israel zu sehen? Und war Jesus wirklich in dem Volk Israel zu sehen?
Und dann nimmt Johannes in der Offenbarung 21in den Versen 11 und 24 den Jesajatext noch einmal auf! Also doch noch eine weitere Erfüllung?
Erwartest du und ich vielleicht ein weiteres Eingreifen Gottes – das ER wieder für Israel als Seinem Volk eintritt?


einige Kommentare:

Es ist deshalb zu erwarten, daß diese Verfinsterung der Sonne heute vor sich geht. Doch in welcher Weise erfüllt sich diese Prophezeiung? Indem heute eine große geistige Finsternis die Erde bedeckt. Jesaja sagte voraus: „Siehe, Finsternis bedeckt die Erde und Dunkel die Völkerschaften.“ Diese geistige Finsternis ist darauf zurückzuführen, daß die Menschen das große Licht, Jehova, und „das Licht der Welt“, Jesus Christus, sowie Gottes Wort, das den Pfad der Christen erhellt, außer acht lassen. — Jesaja 60:2; Johannes 8:12;

Wachtturm – 15.Oktober 1958

Dass Gottes großer Heilsplan je solch ein Fehlschlag sein sollte, können wir, aus dem Worte Gottes eines besseren belehrt, nicht glauben. Welche Erleichterung des Herzens für ein in dieser Hinsicht beunruhigtes Kind Gottes, wenn es erkennt, dass der Prophet Jesaja diese Lage der Dinge und ihre Heilung genau vorhersagt, als er sprach: „Siehe, Finsternis bedeckt die Erde und Dunkel die Völker; aber über dir geht auf der Herr, und seine Herrlichkeit erscheint über dir. Und die Nationen (Heiden) werden in deinem Lichte wandeln.“ (Jesaja 60:2,3) In dieser Prophezeiung wird die dichte Finsternis durch den Bogen der Verheißung erleuchtet: „Die Heiden (alle Nationen der Erde überhaupt) werden in deinem Lichte wandeln.“

Charles Taze Russell im Jahr 1886 – Der göttliche Plan der Zeitalter

Durch das Erlösungswerk des Herrn ( Jes 59,19 a. Jes 59,20 – 21 ) wird auf Israel Licht (Segen) fallen. Israel selbst wird dann zu scheinen beginnen und für die Völker zu einem geistlichen Licht werden. Es wird ihnen Gottes Wort und seine Herrlichkeit offenbaren. So wird es zu einem Werkzeug für die Beseitigung der geistlichen Finsternis, die diese Welt beherrscht (vgl. Jes 29,18; Joh 12,35; Apg 26,18; Röm 2,19; Kol 1,13; 1Pet 2,9 ). Wenn der Herr zurückkehrt, um unter seinem Volk zu leben ( Jes 60,2 ), dann werden die Völker durch das Licht seiner Herrlichkeit angezogen werden (vgl. V. 19 – 20 ) und nach Israel ziehen, um dieses Licht (den Segen der Errettung aus der geistlichen Finsternis) zu erlangen. Dies wird im Tausendjährigen Reich geschehen. Zwar wird jeder, der in dieses Reich hineinkommt, gerettet sein. Aber im Verlauf der 1000 Jahre werden viele Menschen auf der Erde geboren werden. Viele von ihnen finden das Heil durch das, was Gott für Israel tut.

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

Hier eine Auslegung, dass die „Kirche“ die Erfüllung wäre – und dann stelle dir die Frage: gibt es großen Zulauf in den Kirchen? Also nicht, ob eine Gemeinde viele Täuflinge hat, sondern prozentual gesehen auf die Weltbevölkerung!

Hier wird verheißen, dass der Tempel des Evangeliums strahlend und sehr groß sein wird.

Er wird strahlend sein: „Dein Licht kommt“ (Vers 1). Als die Juden aus dem Exil zurückkehren, haben sie „Licht und Freude, Frohlocken und Ehre“ (Est 8,16). Dann kennen sie den Herrn und frohlocken über seine große Güte. Beachte:
1.1 Was dieses Licht ist und woher es kommt: „Über dir geht auf der HERR“ (Vers 2), „die Herrlichkeit des HERRN“ (Vers 1) soll über ihnen erscheinen. Wenn Gott uns erscheint, dann geht die Herrlichkeit des Herrn über uns auf (Vers 1) wie das Licht des Morgens. Wenn Gott für uns erscheint, dann erscheint seine Herrlichkeit über uns. Als Christus als die Sonne der Gerechtigkeit aufgeht (Mal 3,20) und uns in ihm „der Aufgang aus der Höhe“ besucht (Lk 1,78), erscheint die Herrlichkeit des Herrn über uns, die „Herrlichkeit als des Eingeborenen vom Vater“ (Joh 1,14).
1.2 Welchen Gegensatz zu diesem Licht es geben wird: „Finsternis bedeckt die Erde“ (Vers 2). Doch obwohl es dichte Finsternis ist, die sich über die Menschen ausbreiten wird, wird die Gemeinde zur gleichen Zeit Licht haben (2.Mose 10,23).
1.3 Was die Pflicht ist, zu der dieses aufgehende Licht ruft: „ ‚Mache dich auf, werde Licht‘, empfange nicht nur dieses Licht und“, wie die Randspalte liest, „ ‚sei erleuchtet‘ durch es, sondern reflektiere dieses Licht auch. ‚Mache dich auf, werde Licht‘ durch Strahlen, die von ihm entlehnt sind.“

Er wird sehr groß sein. Als die Juden sich nach dem Exil wieder in ihrem eigenen Land ansiedeln, schließen sich ihnen viele Menschen aus dem Land an, doch wir müssen weiterblicken, darauf, wie die Heiden in die Gemeinde des Evangeliums kommen, nicht, wie sie zu einem bestimmten Ort strömen. Es gibt nun keinen Ort, der das Zentrum der Einheit der Gemeinde ist. In der Verheißung geht es darum, dass sie zu Christus strömen und durch Glauben, Hoffnung und heilige Liebe in die Familie kommen, die nach ihm benannt ist (Eph 3,15). „Ihr seid gekommen zu dem Berg Zion und zu der Stadt des lebendigen Gottes, dem himmlischen Jerusalem“ (Hebr 12,22). Dieser Vers ist ein Schlüssel zu dieser Prophetie. Siehe auch Epheser 2,19. Beachte:
2.1 Wie solche Massen eingeladen werden, sich der Gemeinde anzuschließen: „Sie ‚werden zu deinem Licht kommen, und … zu dem Glanz, der über dir aufgeht‘ “ (Vers 3). Dieses Licht, das so viel über Gott und über sein Wohlwollen gegenüber den Menschen offenbart, durch das Leben und Unvergänglichkeit ans Licht gebracht werden (2.Tim 1,10), wird alle ernsthaften, wohlgesonnenen Menschen einladen, zu kommen und sich der Gemeinde anzuschließen. Die Reinheit und Liebe der ersten Christen, ihre himmlische Gesinnung und ihre Geduld im Leid sind das Strahlen des Aufgangs der Gemeinde, das viele Menschen zu ihr zieht.

Der Neue Matthew Henry Kommentar

    Wenn Gott sich erbarmt, darf Israel die gute Botschaft vernehmen: dein Licht ist gekommen. Die notvollen Klagen aus 58,3 und 59,1 sind zum Schweigen gebracht worden. Das Kommen Gottes ist eine Erleuchtung: Sünde und Unheil sind Finsternis, Erbarmen ist Licht. Dieses Licht ist »gekommen«; es ist ein wunderbares Ereignis. Gott selbst, die Herrlichkeit Jahwes ist dieses Licht. Wie ein Gestirn aufgeht, so ist Gott aufgegangen. Zu beachten ist, daß der Prophet sich nicht scheut, von Gott so zu reden, wie man es in den babylonischen Astral-Mythen auch tun konnte. Weil Gott selbst als leuchtendes und erleuchtendes Licht kommt, ist der Aufruf an Israel kein sinnloser und überfordernder Anspruch mehr: Werde Licht! Der Mensch kann nur das werden, was Gott für ihn zuvor geworden ist. Aber dazu muß er sich aufmachen, darum heißt es Auf! Der Aufbruch aus dem Exil will in immer neuer Weise vollzogen werden, auch wenn das Volk nun schon wieder im Land der Väter ist. Finsternis bedeckt die Erde, und das Dunkel des Gerichts hüllt die Erde ein; denn Gott hat sich aufgemacht, die Erde in das Gerichtsdunkel der Sündenschuld hineinzustoßen. Nun wird es aber nicht generell auf Erden licht, sondern es heißt ausdrücklich: aber über dir geht Jahwe auf. Nur dort, wo Gott aufgeht und erscheint, wird es hell. Wo der Mensch das Licht, das Gott selbst ist, annimmt, dort allein wird es auch hell sein.
    Wenn Israel sich in das Licht seines Gottes stellt, dann darf es wissen, daß zur gleichen Zeit eine Bewegung unter den Völkern stattfindet. Sie bleiben nicht im Gerichtsdunkel, sie gehen zu deinem Licht. Was sie bei diesem Licht suchen, sagt der Text nicht. Wichtig aber bleibt, daß sie nur im Umkreis Israels für sich selbst das Licht zum Leben finden; denn in der Welt bleibt es nach wie vor dunkel. Ob die Völker Gott suchen wollen, bleibt auch dahingestellt. Aber sie werden Gott in jedem Fall inmitten von Israel antreffen – so wie der Apostel Paulus von einem Ungläubigen spricht, der mitten in der christlichen Gemeindeversammlung »Gott anbeten und bekennen (wird), daß Gott wahrhaftig unter euch ist« (1Kor 14,25).

    Wuppertaler Studienbibel

    Steh auf und leuchte!“ ist Gottes „Weckruf“ an Jerusalem (V. 14), denn für Israel bricht ein neuer Tag an. Dieses Licht kommt nicht von der Sonne, sondern von der Herrlichkeit Gottes, die auf die Stadt scheint.

    Gottes Herrlichkeit hatte einst in der Stiftshütte gewohnt (2. Mose 40,34-38), um dann wegen der Sünde Israels zu verschwinden (1. Sam. 4,21). Dann kam Gottes Herrlichkeit in den Tempel (1. Könige 8,11), verließ ihn aber wieder, als sich das Volk den Götzen zuwandte (Hes. 9,3; 10,4, 18; 11:22-23). Die Herrlichkeit kam zu Israel in der Person Jesu Christi (Johannes 1,14), aber das Volk nagelte diese Herrlichkeit an ein Kreuz. Heute war die babylonische Gefangenschaft die dunkelste Stunde des Volkes, aber das war nicht die Dunkelheit, die Jesaja beschrieb. Er beschrieb die schreckliche Finsternis, die die Erde am Tag des Herrn bedecken wird (Amos 5,18), wenn Gott die Völker der Erde für ihre Sünden bestraft (Jes 2,12ff; 13,6ff). Der Prophet beschreibt aber auch das herrliche Licht, das Israel erstrahlen wird, wenn sein Messias zurückkehrt, um in Jerusalem zu regieren. Dann „wird die Erde erfüllt sein von der Erkenntnis der Herrlichkeit des Herrn, wie Wasser das Meer bedeckt“ (Hab. 2:14). Israels Söhne und Töchter werden wieder nach Hause kommen (Jes 60:4, 8-9), und sie alle werden den Herrn erkennen.

    Es wird der Anbruch eines neuen Tages sein, sowohl für die Völker der Welt als auch für Israel (Vv. 3, 10-13). Die Heiden werden nach Jerusalem kommen, um den Herrn anzubeten und ihren Reichtum zu teilen (2,2-4; 11,9; 27,13; 56,7; 57,13; 65,25; 66,20). Manche Menschen „vergeistigen“ diese Verheißungen und wenden sie auf die Heiden an, die heute zu Christus und seiner Kirche kommen, aber das ist nicht die grundlegende Auslegung. Jesaja sieht Schiffe und Karawanen, die Menschen und Reichtum nach Jerusalem bringen (60,5-7); und die Nationen, die sich weigern, den Herrn und seine Stadt zu ehren, werden gerichtet werden (V. 12). Sogar Israels alte Feinde werden sich unterwerfen und dem Herrn dienen (Vv. 10, 14).

    Warren W. Wiersbe – Sei Commentary Series

    Simeon erwähnte eine zweite Gruppe, die vom Kommen des Messias profitieren würde. Diese Gruppe war das jüdische Volk: Und die Herrlichkeit deines Volkes Jisrael (Lukas 2:30). In dieser kurzen Aussage fasste Simeon zusammen, was viele der alttestamentlichen Propheten über Israels endgültige Wiederherstellung und das messianische Königreich gesagt hatten. Jesaja 60,1-3 verkündet:
    1 Mache dich auf, leuchte; denn dein Licht ist gekommen, und die Herrlichkeit des Jehovas ist über dir aufgegangen. 2 Denn siehe, Finsternis wird die Erde bedecken und große Finsternis die Völker; aber Jehova wird über dir aufgehen, und seine Herrlichkeit wird über dir gesehen werden. 3 Und die Völker werden zu deinem Licht kommen und die Könige zu dem Glanz deines Aufgangs.

    Israels Hoffnung war, dass, sobald Gottes Herrlichkeit auf ihr gesehen würde, die Nationen ihre besondere Berufung erkennen würden – denn die Rettung kommt von den Juden (Johannes 4:22). Bock kommentiert, dass, wenn Jeschua „Offenbarung für die Heiden ist, er mehr als das für Israel ist. Er ist seine Herrlichkeit.“ So enthält Simeons Verkündigung, dass Gottes Erlösung, der Messias, die Herrlichkeit Israels sein würde, „einen Hinweis auf die Freude, dass die Rechtfertigung der Nation in Jesus kommt.“

    Arnold Fruchtenbaum – Jeschua – Das Leben des Messias aus einer messianisch-jüdischen Perspektive

    Die größte Manifestation der Schechinah-Herrlichkeit, die sichtbare Manifestation der Gegenwart Gottes, wird im messianischen Reich kommen. Während dieses eintausendjährigen Zeitraums wird es fünf solcher Manifestationen der Gegenwart Gottes geben, und die Schechinah-Herrlichkeit wird auf fünf verschiedene Arten sichtbar sein, aber alle zur gleichen Zeit. Die erste Manifestation von Gottes Gegenwart im messianischen Reich wird in Hesekiel 43,1-5 und 44,1-3 beschrieben. Diese Abschnitte zeigen, dass die Herrlichkeit der Schechina, die im Allerheiligsten des salomonischen Tempels war, auch im tausendjährigen Tempel gegenwärtig sein wird. Die zweite Manifestation wird in Sacharja 2,5 beschrieben. Diesem Vers zufolge wird die Schechinah-Herrlichkeit eine Feuerwand um Jerusalem sein. Die dritte Manifestation der Gegenwart Gottes wird in Jesaja 4,5-6 beschrieben. In diesen Versen heißt es, dass die Schechinah-Herrlichkeit über dem tausendjährigen Berg Zion sein wird. Die vierte Manifestation der Gegenwart Gottes findet sich in Jesaja 60. In diesem Kapitel heißt es, dass die Herrlichkeit der Schechinas über dem ganzen Land Israel liegen wird. In Jesaja 11,10 schließlich wird die fünfte Manifestation der Schechinah-Herrlichkeit beschrieben, und zwar in der Person des Messias. Da der Messias selbst sichtbar sein wird, wird er die sichtbare Manifestation der Gegenwart Gottes im messianischen Reich sein. Daher wird die Herrlichkeit der Schechinas auch in der Person des Messias sichtbar sein.

    In den Versen 1-3 beschreibt Jesaja die Schechinah-Herrlichkeit in einer ihrer Erscheinungsformen im messianischen Königreich. Der Abschnitt beginnt in Vers 1 mit einem Appell: Mache dich auf, leuchte; denn dein Licht ist gekommen, und die Herrlichkeit Jehovas ist über dir aufgegangen. Israel soll aufstehen, denn es wird angekündigt, dass das Licht der Schechinah kommt. Außerdem ist die Herrlichkeit JHWHs über sein Volk aufgegangen. Diese Ankündigung der Ankunft der Schechinah entspricht einer Verheißung aus Jesaja 58,8: Dann wird dein Licht hervorbrechen wie der Morgen, und deine Heilung wird schnell hervorbrechen, und deine Gerechtigkeit wird vor dir hergehen, und die Herrlichkeit Jehovas wird hinter dir hergehen. Die Verheißung lautet: Wenn Israel wirklich umkehrt und sich Gott zuwendet, dann wird auch die Herrlichkeit der Schechinah zurückkehren. Jesaja 59:9 erklärt weiter: Darum ist das Recht fern von uns, und die Gerechtigkeit kommt nicht zu uns; wir suchen Licht, aber siehe, Finsternis; wir suchen Helligkeit, aber wir wandeln in Finsternis. Bringt man alle drei Verse in eine Reihenfolge, ergibt sich folgendes Bild: In Kapitel 58 wurde Israel von dem Problem berichtet; in Kapitel 59 gesteht Israel das Problem ein und löst es; und in Kapitel 60 wird die Verheißung erfüllt und die Herrlichkeit der Schechinah kehrt zurück.

    Laut Vers 2 kommt das Licht, wenn die Finsternis ihren größten Punkt erreicht hat: Denn siehe, Finsternis wird die Erde bedecken und große Finsternis die Völker; aber Jehova wird über euch aufgehen, und seine Herrlichkeit wird über euch zu sehen sein. Der hebräische Begriff für „Finsternis“, choshech, wird in Joel 2,2 verwendet, um die Trübsal zu beschreiben. Der hebräische Begriff für „große Finsternis“, araphel, wird von Joel im selben Vers verwendet und beschreibt ebenfalls die Drangsal. Diese Begriffe zeigen also, dass die Trübsal von großer Dunkelheit geprägt sein wird, aber diese Zeit der Finsternis wird für das jüdische Volk mit dem Kommen des Schechinah-Lichts plötzlich enden. Wenn die Finsternis ihren Höhepunkt erreicht hat und Israel von der totalen Auslöschung bedroht ist, wird JHWH über sein Volk kommen und seine Herrlichkeit wird über Israel zu sehen sein. Der Grund dafür ist, dass zu diesem Zeitpunkt der Messias zurückkehren und Israels Feinde vernichten wird.

    Vers 3 zeigt eines der Ergebnisse dieses Moments: Und die Völker werden zu deinem Licht kommen und die Könige zu dem Glanz deines Aufgangs. Wenn die Herrlichkeit der Schechinah über ganz Israel kommt, wird die Nation zum Mittelpunkt der heidnischen Aufmerksamkeit.

    In der rabbinischen Theologie beschreiben die Verse 1-3 bestimmte Elemente oder Ereignisse des messianischen Zeitalters. Fishbane gibt den folgenden Überblick über die früheren rabbinischen Kommentatoren:

    Die Bilder des Lichts umrahmen die Haftarah und dominieren die Teile 1 und 3. Dieses Licht wird als Gottes eigene Herrlichkeit dargestellt (Jesaja 60:2, 19-20), ein Glanz, der Zion erleuchten und alle Völker zu ihr ziehen wird (V. 3). In früheren Prophezeiungen waren Israel als Ganzes und der Prophet im Besonderen die designierten Überbringer des Lichts der Hoffnung und der Orientierung für die Verbannten… Jetzt ist das Licht gänzlich göttlich… Frühere Ausleger interpretierten diese Erleuchtung unterschiedlich als Symbol der Freude und Wohltätigkeit (Kimḥi zu 60:1, 19), der bevorstehenden Erlösung (Targum Jonathan) oder der neuen Ära der königlichen Wiederherstellung, die nun bevorsteht (Ibn Esra, zu V. 1; Targum Jonathan, zu V. 16).

    Arnold Fruchtenbaum – Bibelkomentar Jesaja

    Freut euch in der Hoffnung

    In Hoffnung freuet euch; in Trübsal (O. Drangsal) harret aus; im Gebet haltet an;
    Elberfelder 1871 – Römer 12,12

     in der Hoffnung fröhlich – Lk 10,20; Röm 5,2; 15,13; Phil 3,1; 4,4; 1 Thess 5,16; Hebräer 10,23; 1 Petr 4,13. -, in der Drangsal ausharrend – k 21,19; 1 Tim 6,11; Hebräer 10,36; 12,1; Jak 1,4; 5,7; 1 Petr 2,19.20. -, im Gebet ausdauernd – Lk 18,1; Apg 2,42; 12,5; Kol 4,2; Eph 6,18; 1 Thess 5,17. – !
    Abraham Meister – Römer 12:12

    Lasst euch durch die Hoffnung zur Freude motivieren, und wenn ihr in Bedrängnis geratet, dann haltet aus! Lasst euren Alltag vom Gebet geprägt sein!
    Roland Werner – Das Buch – Römer 12,12

    Das Vetrauen in Jehovah ist nötig, um sich in allen Situationen in IHM zu freuen.
    Der Vers 11 hatten wir ja schon, den Vers 15 auch…, den Vers 18 und den Vers 19

    Die folgenden Aufforderungen, die sich auf die persönliche Einstellung der Gläubigen beziehen, können, wenn sie beherzigt werden, diese in den Augen ihrer Mitmenschen liebenswerter machen. Der entscheidende Gedanke steht hier am Ende von Vers 11: Dient (douleuontes; in V. 7 heißt „dienen“ diakonian) dem Herrn. Ihm geht die Erklärung voraus, wie sich diese „Knechtschaft“ (doulos; vgl. Röm 1,1) äußern soll: Seid nicht träge in dem, was ihr tun sollt. Seid brennend (zeontes, ein Ausdruck, der außer an dieser Stelle nur noch in Apg 18,25 ,dort für Apollos, benutzt wird) im Geist (hier ist entweder der Heilige Geist oder auch das Innere des Menschen gemeint). Wieder ist eines der beiden Gebote negativ, das andere positiv formuliert (vgl. Röm 12,9). Die Christen sollen Gott mit Begeisterung und Eifer dienen.
    Die drei Ermahnungen in Vers 12 können entweder als unabhängige Aufforderungen oder ebenfalls als Ergänzungen zum Begriff des Dienens verstanden werden. Sie lauten: Seid fröhlich in der Hoffnung, denn die Hoffnung auf Christus ist die Grundlage der Freude (Röm 5,2-5; 1 Petrus 1,6-9), geduldig (hypomenontes; „beständig, ausdauernd“; vgl. Röm 5,3) in Trübsal (thlipsei, „Bedrängnis, Kummer, Druck“; vgl. Röm 8,35), beharrlich (proskarterountes; vgl. Apg 1,14;2,42; Kol 4,2) im Gebet um Weisheit, Führung und Kraft (vgl. 1Thes 5,17).

    Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

    12,12: Freut euch in der Hoffnung; seid standhaft in der Not; im Gebet seid beharrlich. Für die Freude und für das Leiden heißt uns Paulus geschickt und fähig sein. Jene kann uns nicht erlöschen, weil wir ja eine Hoffnung haben, und aus ihr entsteht, wie immer unser Leben sich gestalten mag, die Freude, und die Not machen wir dadurch für uns fruchtbar, daß sie uns die Erprobung und Stärkung unserer Tragkraft bringt. Dazu gesellt Paulus als drittes die Beharrlichkeit im Gebet. Er hat gesagt, daß die Freude bei uns bleiben soll, und uns gezeigt, wie wir auch im Leiden unbeweglich in unserem Christenstand bleiben durch Geduld; aber es ist noch ein drittes, was bei uns bleiben muß, aber nicht von selber bleibt, wenn wir nicht dabei beharren: Das ist das Gebet. Paulus heißt uns nicht sparsam sein mit der Zeit, die wir auf das Gebet verwenden, als brächen wir damit etwas ab von unserer Pflicht und Emsigkeit. Zeit und Kraft, die auf das Gebet verwendet werden, sind wohl verwandt.

    Schlatters Erlӓuterungen zum Neuen Testament

    Auch die nächsten drei Mahnungen sind als eine Einheit zu fassen. Auch sie sind nicht eigentliche Imperative, sondern zunächst Aussagen im Partizip; sie schildern, was die Christen besitzen, und mahnen erst von da aus, nun auch wirklich in dem zu leben, was Christen gegeben ist. „Hoffnung, Bedrängnis, Gebet“, das gehört eng zusammen. Das Wort „Hoffnung“ im NT meint nicht ein allgemeines menschliches Hoffen. Wie haben wir leider diesen so bekannten Vers unseres Abschnittes durch unaufhörlichen Mißbrauch vor allem bei Trauungen verfälscht! Die „Hoffnung“ bezieht sich im NT immer auf das mächtige biblische Zukunftsbild, das uns von den kleinen persönlichen Hoffnungen gerade freimachen will. So und nur so in bestimmter Erwartung der Wiederkunft des Herrn und seines großen Sieges über alles, macht die Hoffnung uns froh in einer bleibenden Freude, die auch von den Bedrängnissen nicht erdrückt wird. Denn das sahen wir schon in 8,17-18, wie „Hoffnung“ und „Drangsale“, jetziges Leiden und kommende Herrlichkeit zusammen gehören. Als die „in Hoffnung Frohen“ „harren wir in Bedrängnis aus“. Die Bedrängnisse aber treiben ins Beten, bei dem das hoffende Rufen „Komme bald, Herr Jesu“ nicht fehlen kann. In allen seinen Briefen liegt dem Apostel ganz besonders am Beten. Er spricht in den Briefeingängen von seinem eigenen „unablässigen“ Gebet und erwartet auch von den Gemeinden den ernsten und treuen Einsatz in Gebet und Fürbitte. Ob er sich dieses „dauernde Festhalten am Gebet“ als eine Fortführung jüdischer Gebetszeiten und Gebetssitten gedacht hat, darüber sagt er nicht ein einziges Wort. Sollte ihm das regulierte Gebet, das er als Pharisäer geübt hat, nicht auch unter den „Gewinn“ von einst fallen, dessen Fleischesart ihm nach Phil 3, 3 ff aufgegangen war? Das von Paulus hier verwendete Wort sagt nur das eine aus: das dauernde Verharren, das freilich Sache des festen Willens ist, aber eines Willens, der selbst nur aus einem starken Erleben geboren werden kann. So wird das Wort Apostelgeschichte 1,14 von der Jüngerschar gebraucht, die nach Ostern und Himmelfahrt in dauerndem Beten zusammen ist. So Apostelgeschichte 2,42 in der bekannten Aussage, daß die eben erweckte und bekehrte Urgemeinde in Jerusalem „beständig in der Apostellehre, in der Gemeinschaft, im Brotbrechen und im Gebet bleibt“. Daß dabei feste Zeiten und Ordnungen nötig und hilfreich sind, versteht sich unter irdischen Lebensverhältnissen von selbst. Das eigentliche, lebendige „Verharren“ und „Festhalten“ aber liegt nicht an diesen Ordnungen als solchen, sondern im Trieb des neuen Lebens, das Christen geschenkt ist.

    W.de Boor – Wuppertaler Studienbibel – Der Brief des Paulus an die Römer

    Die Beschreibung des Christenstandes wird fortgesetzt, wohl mit dem mahnenden Ton: Sei, was du bist! Die Hoffnung kennzeichnet unser Stehen im Glauben (vgl. Röm 5,2). Dabei gehören Hoffnung und Drangsal eng zusammen, denn die Hoffnung weitet den Blick für die verheißene Herrlichkeit und Vollendung des Heiles Gottes (vgl. Röm 5,3). Mit diesem Blick und im ausharrenden, anhaltenden Gebet kann ein Christ in Drangsalen ausharren. Was Paulus in Römer 8,18-30 zugesprochen hat, kommt hier als knappster Rückruf in die geschenkte Wirklichkeit, als Mahnung auf die Gemeinde zu. Gott wird seine Verheißungen erfüllen, darum kann der Christ freudig voller Hoffnung sein (vgl. Ps 25,2; 37,5; 125,1; Jes 30,15; Röm 4,18; 1Kor 13,7; 2Kor 3,12; Eph 4,4; Kol 1,27; 1Thess 4,13; 5,8; 2Thess 2,16; Tit 1,2; 2,13; 3,7; 1Petr 1,3; Hebr 3,6; 6,18; 10,23; 11,1). Schon das deutsche Grundwort für „Hoffnung“ kommt von „hopen“ = „vor Erwartung hüpfen“ und enthält diesen Ton erwartungsvollster Freude. Die Geduld in der Drangsal wird von solcher Hoffnung gestärkt und im anhaltenden Gebet eingeübt (vgl. Apg 1,14; 2,42; Eph 6,18; Kol 4,2; 1Thess 5,17; auch Lk 18,1-8).

    Gerhard Maier – Edition C

    Wie in Kapitel 8 verknüpft Paulus hier Hoffnung, Trübsal und Gebet miteinander. Wir gehen durch Drangsal (Röm 8,17), doch wir schauen dem Tag entgegen, an dem unser Leib erlöst werden soll und wir allen Prüfungen und allem Leiden entrückt sein werden (8,23). Weil wir diese feste Hoffnung haben, harren wir in Trübsal aus und binden uns im Gebet an den Herrn (8,26).
    »In Hoffnung freut euch«: Zu unserer Hoffnung gehört, dass auch unser Leib erlöst werden soll. Was uns aber mehr als alles andere mit Freude erfüllt, ist die Tatsache, dass wir einst den Herrn sehen (Joh 17,24; 1Jo 3,2; Offb 22,4) und für immer bei ihm sein werden (1Thes 4,17). Diese Freude am Herrn verleiht uns Stärke (Neh 8,10), sodass wir »in Trübsal« ausharren können. Und wir haben allezeit und unter allen Umständen freien Zugang zu unserem großen Heiland-Gott. Wir fliehen zu ihm »im Gebet«, statt uns zu sorgen, weil das Morgen ungewiss ist (Phil 4,6). Gott verachtet nicht das Elend der Elenden (Ps 22,25), vor ihn kommt das Seufzen der Gefangenen (Ps 79,11), und er hört und hilft uns. Und wir beten für die Geschwister, indem wir deren Lasten zu den unsrigen machen (siehe Gal 6,2), und wir halten an im Gebet, wie es auch der Apostel tat (Röm 1,9–10).

    Benedikt Peters – Der Brief an die Römer

    Nun legt Paulus drei weitere Prinzipien dar. Das erste, »in Hoffnung freuet euch«, hat eine weite Bedeutung. Hoffnung ist das Schlüsselwort dieses Briefes, ja, Gott wird als »der Gott der Hoffnung« bezeichnet (15,13). Gott ist von Hoffnung charakterisiert. Er verzweifelt niemals, weil Er über allem steht und alle Macht hat. Er versagt niemals, und Er gibt die Seinen niemals als hoffnungslose Fälle auf. In unserem Sprachgebrauch kann »Hoffnung« ein sehr vages Wort sein. Normalerweise muß es durch ein weiteres Wort ergänzt werden, wie z.B. »in der sicheren und gewissen Hoffnung der Auferstehung«. Die Hoffnung des Christen gründet sich auf den lebendigen Gott, der vollkommen zuverlässig ist und dessen Absichten, wie lange ihre Erfüllung auch auf sich warten lassen mag, niemals scheitern werden. Paulus ruft hier zu einer Freude in der Hoffnung auf, nämlich in der Hoffnung auf Gott. Das ist »die vor uns liegende Hoffnung, welche wir als einen sicheren und festen Anker der Seele haben« (Hebräer 6,18.19).
        Der Aufruf des Apostels zu Ausharren in Trübsal war sicherlich eine Stütze für den Glauben vieler. Trübsale ereilen uns in vielen Erscheinungsformen. Das Wort, das Paulus hier zur Beschreibung von Trübsalen verwendet, beinhaltet den Gedanken von schweren Nöten. Es birgt die Vorstellung von Druck in sich, und das nicht in geringem Sinne, sondern das Unterworfensein unter eine erdrückende Last. Die geforderte Reaktion in dieser Situation ist Ausharren. Das Wort hypomenô vermittelt nicht den Gedanken, sich hinzusetzen und die Flut der Ereignisse an sich vorübergehen zu lassen. Es bedeutet nicht nur die Fähigkeit, Dinge zu ertragen, sondern sie bei diesem Ertragen in Triumph umzuwandeln. Es ist eine erobernde Geduld. Kein Lebensumstand kann diese Gesinnung jemals niederringen.
        Unsere Einstellung zum Gebet ist oft dergestalt, daß wir uns dazu wenden, wenn alles andere versagt. Gebet ist die letzte Zuflucht. Paulus sieht das nicht so. Er schreibt das Partizip Präsens des Verbs proskartereô (»beständig an einer Sache anhängen«). Das Wort wird für die ersten Christen verwendet: »Sie verharrten aber in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft, im Brechen des Brotes und in den Gebeten« (Apostelgeschichte 2,42). Paulus‘ Rat an die Römer ließ nicht zu, daß man mit dem nötigen beständigen Gebet aufhört. Für ihn war das keine krampfhafte Übung, sondern etwas, worin man ausharren mußte. Die Gelegenheiten des Alltagsleben mußten genutzt werden, um die Gegenwart Gottes aufzusuchen und so Führung und Hilfe zu erbeten.

    Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt

    Deine Worte sind Wahrheit

    Die Summe deines Wortes ist Wahrheit, und alles Recht (O. jede Entscheidung, Verordnung) deiner Gerechtigkeit währt ewiglich.
    Elberfelder 1871 – Psalm 119,160

    Das Hauptstück deiner Rede ist Treue,
    in Weltzeit bleibt alle Gerechtigkeit deiner Bewährung.
    Bube & Rosenzweig – Psalm 119:160

    Dein Wort ist durch und durch wahr,
    und ewig gültig sind alle deine Rechtsurteile. In ihnen zeigt sich deine Gerechtigkeit.
    Neue Genfer Übersetzung 2013 – Psalm 119,160

    Auch wenn die „moderne Bibelkritik“ den Inhalt der Bibel in Frage stellt, so ist für gläubige Menschen doch klar: Gottes Wort ist Wahrheit! Das Spanndende an der Bibel ist – man braucht keinen „Erklärbären“ sondern nur den heiligen Geist, um diese zu verstehen.

    »Anfang«: rôᵓš, das man auch mit »Hauptstück« (Buber), »Gipfel« (Zunz), »Anbeginn« (L. Marx) übersetzen kann. Elb, RElb, Schlachter und Zürcher übersetzen »Summe«, Luther umschreibt: »Dein Wort ist nichts denn Wahrheit.«

    Benedikt Peters – Die Psalmen

    Wahrhaftigkeit und die Absicht, die Wahrheit zu offenbaren, sowohl in der Schöpfung als auch im geschriebenen Wort, sind grundlegende Eigenschaften Gottes. Er lügt nicht. In zahlreichen Bibelversen wird ausdrücklich erklärt, dass Gott wahrhaftig ist und dass er diejenigen, die nach der Wahrheit suchen, weder in Wort noch in Tat in die Irre führt. Sogar dieses Verlangen selbst kommt von ihm. (Siehe zum Beispiel Psalm 119:160, Jesaja 45:19, Titus 1:2, Hebräer 6:18 und 11:6 und 1 Johannes 5:6).

    Hugh Ross – Der Fingerabdruck Gottes

    Der letzte Vers des Abschnitts betont, dass die Summe des Wortes Gottes reine göttliche Wahrheit ist, und weist darauf hin, dass die Bibel ein zusammenhängendes Ganzes darstellt. Die Heilige Schrift ist die Offenbarung der Wahrheit. Wer an irgendeiner Stelle etwas davon wegnimmt, verletzt das Ganze der Wahrheit und versündigt sich ebenso sehr wie der, der etwas zu der ewig feststehenden Summe des Wortes hinzufügt (Off 22,18.19). Jede Aussage der Schrift, auch ihre Rechtsgrundsätze, ihre Entscheidungen, Anordnungen und Urteile, haben ewige Wirkung und Geltung. Das gilt für den gesamten Inhalt der Bibel. Darum ist im Umgang mit dem Wort Gottes Ehrerbietung, größte Gewissenhaftigkeit und auch Zurückhaltung geboten.

    Karl Mebus – Die Psalmen – Eine Auslegung für die Praxis

    In Vers 160 heißt es im Hebräischen: „Das Haupt deines Wortes ist ˒emet“, wobei das Wort „Haupt“ hier die Bedeutung von „Summe, Gesamtheit, Substanz, Wesen“ hat. NJV hat „… das Wesen deines Wortes“ (auch NJB). Und das hebräische Wort ˒emet wird hier von den meisten Auslegern und Übersetzern als Wahrheit verstanden. NAB hat jedoch „Beständigkeit“ und Briggs und NJB „Treue“. Dies mag vorzuziehen sein, da biblische Autoren selten, wenn überhaupt, von Wahrheit als einem abstrakten Konzept sprechen (siehe Anderson). GECL übersetzt „Dein Wort, Herr, ist wahr und vertrauenswürdig“ (wie in Vers 142b). In vielen Sprachen ist es fast unmöglich, einen Ausdruck für so abstrakte Begriffe wie „Wesen“ oder „Gesamtheit“ zu finden. Dementsprechend muss man manchmal sagen: „Was du sagst, Herr, ist wahr“, „Deine Worte, Herr, sind wahr“, oder idiomatisch manchmal: „Herr, deine Worte sind gerade“.

    Bratcher, – Ein Übersetzerhandbuch zum Buch der Psalmen

    Der Psalmist sagt also : nur auf Gottes Wort die Bibel kann ich mich verlassen!

    Er kann jeden aus einer gefährlichen Situation retten, er kann jeden befreien. Dieser Gott tut heftige Wunder, man kann das überall auf der Erde und auch im Universum sehen.

    Von mir wird Befehl gegeben, daß man in der ganzen Herrschaft meines Königreichs bebe und sich fürchte vor dem Gott Daniels; denn er ist der lebendige Gott und besteht in Ewigkeit, und sein Reich wird nie zerstört werden, und seine Herrschaft währt bis ans Ende; der da rettet und befreit, und Zeichen und Wunder tut im Himmel und auf der Erde: denn er hat Daniel aus der Gewalt der Löwen errettet. Und dieser Daniel hatte Gedeihen unter der Regierung des Darius und unter der Regierung Kores’, des Persers.
    Elberfelder 1871 – Daniel 6,28–29

    Hierauf schrieb der König Darius an alle Völker, Volksstämme und Zungen, die auf der ganzen Erde wohnten: »Heil möge euch in Fülle zuteil werden!  Hiermit ergeht der Befehl von mir, daß man im ganzen Bereich meiner königlichen Herrschaft vor dem Gott Daniels zittern und ihn fürchten soll; denn er ist der lebendige Gott, der in Ewigkeit bleibt; sein Reich (oder: Königtum) ist unzerstörbar, und seine Herrschaft nimmt kein Ende. Er errettet und befreit und vollführt Zeichen und Wunder am Himmel und auf Erden, er, der Daniel aus der Gewalt der Löwen errettet hat.«
    Menge – Daniel 6:26–28

    „Möge euer Frieden sehr groß werden! Von mir aus ist ein Befehl erlassen worden, daß in jeder Herrschaft meines Königreiches die Menschen beben und sich vor dem Gott Daniels fürchten sollen. Denn er ist der lebendige Gott und besteht auf unabsehbare Zeiten, und sein Königreich ist eines, das nicht zugrunde gerichtet werden wird, und seine Herrschaft währt immerdar. Er rettet und befreit und vollbringt Zeichen und Wunder in den Himmeln und auf der Erde, denn er hat Daniel von der Tatze der Löwen befreit.“
    neue Welt Übersetzung – Bi12 – Daniel 6,25–27

    Ergänzungen zu dem Beitrag

    Der König, der durch ein Gesetz nun einen Monat lang (V. 8 ) als Gott verehrt wurde, veröffentlichte eine Erklärung, daß alle Menschen seiner Nation ( alle Völker, Nationen und Männer aus allen Sprachen ; vgl. Dan 3,4.7;5,19;7,14 ) Daniels Gott fürchten und ehren müssen . Dies war eine erstaunliche Kehrtwendung des Darius! Der Grund dafür war, so schrieb Darius, daß Daniels Gott lebt ( Er ist der lebendige Gott ; vgl. Dan 6,21 ), während die Götter der Meder und Perser tote Götzen waren. Dieser Gott ist ein persönlicher Gott, sein Königreich ist unzerstörbar (vgl. Dan 7,14 ), und er greift in die menschliche Geschichte ein und rettet diejenigen, die ihm vertrauen. Er wirkt mächtige Wunder ( Zeichen und Wunder ; vgl. Dan 4,2-3 ), um seinen Willen zu tun, u. a. auch die wundersame Errettung von Daniel. Solch ein Gott ist wahrhaftig zu ehren und anzubeten. Trotz des Widerstandes, den ihm die Fürsten und Ratgeber entgegengebracht hatten, wurde Daniel nun geehrt und lebte bis zur Regierungszeit von Kyrus .

    Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

    Der Herr wurde verherrlicht (Dan. 6:25-27). Aber Darius tat mehr als nur die Verbrecher hinzurichten. Er erließ auch einen Erlass für das ganze Reich, in dem er seinen Untertanen befahl, den Gott Daniels, den Gott der hebräischen Verbannten, zu fürchten und zu ehren (V. 25-27). Darius‘ erstes Dekret in diesem Kapitel erklärte, dass er Gott sei (V. 7-9), aber dieses zweite Dekret erklärte, dass der Gott der Hebräer der wahre und lebendige Gott sei! Damit schloss sich Darius dem König Nebukadnezar an, indem er öffentlich Zeugnis von der Macht und Herrlichkeit des wahren und lebendigen Gottes ablegte (2:47; 3:28-29; 4:1-3, 34-37). Gott hätte Daniel aus der Löwengrube heraushalten können, aber dadurch, dass er ihn vor den Löwen rettete, erlangte Gott größere Herrlichkeit.

    Die Juden waren durch die Zerstörung Jerusalems und des Tempels gedemütigt worden, weil ihre Niederlage den Anschein erweckte, dass die falschen Götter der Babylonier stärker waren als der wahre Gott Israels. Der Götzendienst des jüdischen Volkes, insbesondere seiner Könige und Priester, hatte den Untergang Judas herbeigeführt, und der Herr bediente sich einer götzendienerischen Nation, um sie zu besiegen. Jehova war von seinem eigenen Volk nicht geehrt worden, aber jetzt wurde er von heidnischen Herrschern gepriesen, deren Erlasse in der ganzen heidnischen Welt veröffentlicht wurden. Diese Dekrete waren ein Zeugnis für die Heiden, dass es nur einen wahren Gott gab, den Gott der Juden; aber die Dekrete erinnerten auch die Juden daran, dass Jehova der wahre und lebendige Gott war. Die jüdischen Exilanten waren von Götzen umgeben und waren ständig versucht, die Götter der Eroberer anzubeten. Welch ein Paradox, dass die Juden, die den Heiden den wahren und lebendigen Gott bezeugen sollten, von den Heiden bezeugt wurden!

    Die Theologie, die im Dekret des Darius zum Ausdruck kommt, ist genauso wahr wie alles, was von Moses, David oder Paulus geschrieben wurde. Jehova ist der lebendige und ewige Gott, dessen Reich niemals zerstört werden wird (V. 26; siehe Deut. 5:26; Jos. 3:10; Ps. 42:2; Jer. 10:10; Ps. 145:13; Offb. 11:15). Er ist der Gott, der die Menschen rettet und sie aus Gefahr und Tod befreit und der Zeichen und Wunder tut (Dan 6,27; siehe 3,28-29; 4,3; Dtn 6,22; Neh 9,10; Pss. 74:9; 105:26-36; 135:9; Jer. 32:20-21).

    Warren W. Wiersbe – Sei Commentary Series Daniel

    In den Versen 25-27 erließ Darius ein öffentliches Dekret zur Ehrung des Gottes Daniels. Der Erlass folgte einem ähnlichen Muster wie der von Nebukadnezar Jahre zuvor (z. B. Dan. 4:1-3 ). In Vers 25 werden die Adressaten des Erlasses genannt: Da schrieb König Darius an alle Völker, Nationen und Sprachen, die auf der ganzen Erde wohnen: Der Friede sei mit euch gemehrt. Der aramäische Begriff für „Erde“, ara, entspricht dem hebräischen Begriff eretz, der entweder „Erde“ oder „Land“ bedeuten kann. Wie Tanner richtig feststellt, „könnte die Übersetzung ‚Land‘ als ein begrenzteres Gebiet verstanden werden, d.h., [ 266 ] Wenn tatsächlich „in der ganzen Erde“ gemeint wäre, wie die ASV vorschlägt, dann wäre dies „eine Übertreibung, die für die Könige der damaligen Zeit üblich war“. [ 267 ] Darius‘ öffentlicher Erlass richtete sich an das ganze Land, über das er Macht hatte, nämlich die Provinz Babylon . Der folgende Vers bestätigt den angedeuteten Umfang des Dekrets. In Übereinstimmung mit der zu seiner Zeit üblichen Begrüßung begrüßte der König seine Zuhörer mit den Worten: Der Friede sei mit euch gemehrt. Das aramäische Wort für „Frieden“, shelam, bedeutet „Wohlfahrt“ oder „Wohlstand“. Darius‘ Gruß beinhaltet also mehr als „nur“ Frieden. Er schließt das gesamte Wohlergehen der Angesprochenen ein. Dareios grüßte seine Untertanen, indem er die Hoffnung zum Ausdruck brachte, dass es ihnen gut gehen möge.
    In den Versen 26-27 wird der Inhalt des Dekrets detailliert beschrieben, beginnend in Vers 26a mit einer weiteren Erklärung, an wen das Dekret gerichtet war: Ich verordne, dass in meinem ganzen Reich die Menschen zittern und sich fürchten vor dem Gott Daniels. Als Untertan von Kyros dem Großen beschränkte sich Darius‘ Autorität auf die Herrschaft seines Reiches, d. h. die Provinz Babylon . Die Menschen sollten den Gott Daniels verehren und ihm mit Zittern und Ehrfurcht begegnen.
    In Vers 26b erklärt Darius, wer Daniels Gott ist: Denn er ist der lebendige Gott und steht fest in Ewigkeit, und sein Reich wird nicht zerstört werden, und seine Herrschaft wird bleiben bis ans Ende. Daniels Gott sollte aus mehreren Gründen gefürchtet werden. Erstens: Er ist der lebendige Gott. In der biblischen Rede unterscheidet dieses Attribut JHWH von den leblosen Götzen der heidnischen Völker (z. B. Jer. 10:10). Zweitens ist er beständig in Ewigkeit. Drittens: Sein Reich kann und wird nicht zerstört werden. Viertens: Während Darius‘ Herrschaft sowohl geografisch als auch zeitlich begrenzt ist, währt Gottes Herrschaft bis zum Ende.
    Nachdem Darius das Wesen JHWHs und das Wesen seiner Souveränität angesprochen hatte, wandte er sich als nächstes den Werken dieses Gottes zu und sagte in Vers 27: Er befreit und rettet, und er tut Zeichen und Wunder im Himmel und auf der Erde, der Daniel aus der Gewalt der Löwen befreit hat. Darius lieferte den Beweis dafür, dass Daniels Gott tatsächlich erlösen und retten kann und Zeichen und Wunder im Himmel und auf Erden tut: Er hat Daniel aus der Gewalt der Löwen befreit. Daher war auch alles andere, was gerade über diesen Gott gesagt wurde, wahr.
    Die Doxologie des Darius ist zwar mächtig, verstößt aber nicht gegen polytheistische Grundsätze. Sie allein beweist nicht, dass Darius ein geretteter Mensch wurde. Alle seine Schlussfolgerungen über Daniels Gott konnten erklärt werden, ohne dass er sich von anderen Göttern lossagte.

    Arnold G. Fruchtenbaum – Ariels Bibel Kommentar

    Nicht übt man mehr Böses,nicht wirkt man Verderbauf all dem Berg meines Heiligtums,denn die Erde ist vollSEINER Erkenntnis,wie Wasser, die das Meerbett bedecken

    Man wird nicht übeltun, noch verderbt handeln auf meinem ganzen heiligen Gebirge; denn die Erde (O. das Land) wird voll sein der Erkenntnis Jehovas, gleichwie die Wasser den Meeresgrund (W. das Meer) bedecken.
    Elberfelder 1871 – Jesaja 11,9

    Sie werden keinen Schaden verursachen
    noch irgendetwas Schlimmes anrichten auf meinem ganzen heiligen Berg,
    denn die Erde wird ganz bestimmt von der Erkenntnis über Jehova erfüllt sein,
    so wie das Wasser den Meeresboden bedeckt.
    neue Welt Übersetzung – 2018 – Jesaja 11:9

    Niemand wird Böses tun und Unheil stiften
    auf dem Zion ( – Zion (Zionsberg, -stadt)
    Ursprünglicher Name der von David eroberten Jebusiterfestung, die dann „Davidsstadt“ genannt wurde (2Sam 5,6-9; ). Später ging der Name auf den Tempelberg über und wurde schließlich zur Bezeichnung für ganz Jerusalem und seine Bewohner (Beispiele für die verschiedenen Bedeutungen im Stichwortverzeichnis unten Seite 440). In der Kreuzfahrerzeit wurde der Name irrtümlich auf den Westhügel der Stadt übertragen.
    Nach hebräischem Brauch werden Städte und Länder als Frauengestalten personifiziert; entsprechend wird von Jerusalem als der „Tochter/Jungfrau Zion“ gesprochen. Die Übersetzung setzt dafür teils den Namen Jerusalem ein, teils die Umschreibung „Zionsstadt“ (so z.B. in Jes 12,6; Mt 21,5; Joh 12,15). – ), Gottes heiligem Berg.
    So wie das Meer voll Wasser ist,
    wird das Land erfüllt sein von Erkenntnis
    des HERRN.
    Gute Nachricht Bibel 2000 – Jesaja 11,9

    Stell dir vor, du brauchst keine Angst mehr haben – weil Jehovah nicht nur alles im Griff hat, sondern weil alle lebenden Menschen sich IHM unterordnen! Kein Geschwätz, kein Groll – alle drehen sich um unseren Gott anstatt um sich oder eigene Interessen!

    11,6–9 Fleischfressende Tiere, die mit einer neuen Natur ausgestattet sind, sodass sie das schützen, was sie vorher verschlungen haben, sind ein wunderbares Bild für den Frieden auf der Erde in dem neuen Zeitalter, in dem der Messias herrscht (2,4). Die gierigen Völker wie Assyrien werden das Volk Gottes nicht länger angreifen. Die Vision stimmt miter versöhnenden Liebe überein, die heute in der neutestamentlichen Gemeinde bereits sichtbar ist (Eph 2,14–18) und die in dem neuen Himmel und der neuen Erde vollendet sein wird (Offb 21,4.24–27).

    11,9 Berg meines Heiligtums Der Berg Zion (vgl. 2,2–4).
    die Erde wird erfüllt sein (Hab 2,14).

    Reformations-Studien-Bibel

    Die Verse 6–9 weiten die Vision vom Frieden aus auf die ganze Natur. Weil das Verhältnis dieses Regenten zu Gott heil ist, kann unter seiner Herrschaft auch die Welt heil werden. Wie 9:5–6 weist auch dieser Text nach christlichem Verständnis auf den Friedenskönig Jesus Christus (vgl. Mk 1:13 und Erklärung).

    Einführungen und Erklärungen aus der Stuttgarter Erklärungsbibel

    Jesaja beschreibt das gerechte Königreich, das der Messias errichten wird. Der Fluch wird aufgehoben, Friede und Harmonie werden allgegenwärtig sein. Wilde Tiere werden wieder zahm und leben mit Haustieren und Menschen zusammen. Wolf, Leopard, Löwe und Bär werden als Beispiele für solche wilden Tiere genannt, die friedlich neben Herdentieren leben ( Lamm, Ziege, Kalb, Kuh und Ochse ). Ein kleines Kind wird bei Löwen, Bären, Kobras und Vipern nicht mehr in Gefahr sein (vgl. Jes 65,25 ). Und auf dem Tempelberg (Gottes heiligem Berg ; vgl. Jes 27,13; 56,7; 57,13; 65,11.25; 66,20 ) wird keine Sünde mehr sein.
    Viele Bibelausleger verstehen diese Verse bildhaft. Sie halten eine solche Veränderung in der Tierwelt nicht für möglich. Aber weil der Messias der „Gott [ist] mit uns“ ( Jes 7,14 ) ist und er unter seinem Volk wohnen wird, scheint eine solche Veränderung nicht unwahrscheinlich. Der Fluch der Sünde wird in gewisser Hinsicht wieder aufgehoben, wenn auch nicht völlig, bevor nicht das Tausendjährige Reich zu seinem Ende gekommen ist und schließlich auch der Tod weggenommen wird ( Offb 20,14 ).
    Eine solche Veränderung und Ruhe ist möglich, weil die Erde voll ist der Erkenntnis des HERRN ( Jes 11,9 ; vgl. Jer 31,34; Hab 2,14 ). Dies bedeutet mehr, als daß die Menschen intellektuell über Gott Bescheid wissen. Gemeint ist vielmehr, daß Menschen überall nach Gottes Prinzipien und Wort leben. Dies wird auch die Tiere nicht unberührt lassen. Wenn der Messias im Tausendjährigen Reich herrschen wird ( Jes 9,5-6 ), dann wird Jerusalem eine Vorrangstellung vor aller Welt einnehmen ( Jes 2,2 ). Juda und Israel werden wieder in das Land Israel versammelt werden und dort im Glauben und nach dem Neuen Bund leben. Das Tausendjährige Reich kann wohl heute noch nicht angebrochen sein, denn diese Dinge kennzeichnen unsere gegenwärtige Zeit nicht.

    Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar


    Die Erkenntnis des Herrn
    Die Erde wird voll Erkenntnis des Herrn sein, wie die Wasser den Meeresgrund bedecken (Jesaja 11,9).
    Es ist ein hohes Vorrecht, dass jeder Mensch den unsichtbaren Gott ein Stück weit kennen kann, weil Er sich in seiner unermesslichen Gnade offenbart hat. Er hat dies in der Schöpfung und in der Sendung seines Sohnes als Mensch auf die Erde getan. Doch erst als Glaubende lernen wir Gott wirklich kennen und dürfen dann wissen, wer Er ist und welche Gedanken Er hat.
    Dabei ist die Furcht des HERRN (= Gottesfurcht) für uns eine notwendige Voraussetzung, um Erkenntnis zu bekommen und zu bewahren (Spr 9,10). Nicht nur die intelligenten und gelehrten Leute unter den Glaubenden bekommen Einsicht über Gott und seine Gedanken. Nein, alle Erlösten haben die gleiche Möglichkeit, Gott zu erkennen und sein Wort zu verstehen, denn der Schlüssel dazu ist ein gottesfürchtiges Leben.
    Zu allen Zeiten der Heilsgeschichte gibt Gott in seiner Gnade den Glaubenden Erkenntnis und Einsicht. Doch die Höhe ihrer Erkenntnis hängt vom Ausmass ab, wie Gott sich in der jeweiligen Zeit offenbart:
    • Den Patriarchen offenbarte Er sich als der «Allmächtige» (1 Mose 17,1; 35,11). Die Verheissungen, die Er ihnen in jener Zeit gab, entsprangen seiner Allmacht.
    • Als die Nachkommen Jakobs in Ägypten zum Volk Israel wurden, stellte Gott sich als der «HERR» (Jahwe, der ewig Seiende) vor (2 Mose 6,2). Die Gebote und Satzungen im Gesetz entsprachen diesem Namen Gottes, der in Beziehung zu seinem irdischen Volk stand.
    • In der Zeit der Gnade offenbart sich Gott als «Vater». Er zeigt den Menschen, dass Er ein Vater ist, der einen eingeborenen Sohn hat, den Er liebt. Dieser Sohn erfüllt vollkommen seine Wünsche und stillt sein tiefstes Verlangen. Die Offenbarung des Vaters steht in Verbindung mit dem Haus des Vaters – dem ungeschaffenen Wohnort Gottes. Darum ist sie erhabener als alles, was Gott den Menschen in der Schöpfung von sich zeigt. Demzufolge ist auch der Segen, der aus dieser Offenbarung Gottes für die Glaubenden hervorgeht, unermesslich gross: Als Kinder und Söhne Gottes kennen wir die völlige Freude in der Gemeinschaft mit dem Vater und dem Sohn.
    • Im Tausendjährigen Reich werden die Menschen Gott als den «Höchsten» kennen (Ps 87,5; 97,9). In dieser zukünftigen Zeit wird sich das Wort des Propheten Habakuk erfüllen: «Die Erde wird voll der Erkenntnis der Herrlichkeit des HERRN sein» (Hab 2,14). Weil Christus über Himmel und Erde regieren wird, wird Gott in einem Umfang bekannt sein, wie es vorher nie der Fall gewesen ist. Als der Höchste wird Er seine Oberhoheit im ganzen Universum zur Geltung bringen. Deshalb ist die Offenbarung Gottes im Tausendjährigen Reich die höchste und umfänglichste in Beziehung zu seiner Schöpfung.

    Halte fest! 2017 – Heft: 1 – Seite: 6
    Verfasser: Max Billeter

    Im messianischen Reich werden die Tiere, die heute Fleischfresser sind, zu Vegetariern. Heutzutage sind der Mensch und die Schlange die beiden ältesten Feinde der Menschengeschichte. Doch im messianischen Reich werden Kinder mit allen Arten von Schlangen spielen (Jes 65:25), weil die Tierwelt wieder so sein wird wie vor dem Sündenfall.

    Der Grund für diese Veränderung wird in Vers 9 genannt: „Sie werden nicht schaden noch verderben auf meinem ganzen heiligen Berg; denn die Erde wird voll sein von der Erkenntnis Jehovas, wie das Wasser das Meer bedeckt. Der Ausdruck „heiliger Berg“ könnte sich auf den in Jesaja 2,2 vorgestellten Berg beziehen, der sich während des messianischen Königreichs im Zentrum Israels befinden wird. In der Heiligen Schrift wird der Begriff „Berg“ auch als Symbol für einen König, ein Königreich oder einen Thron verwendet. Wenn das hier der Fall ist, dann bezieht er sich auf das messianische Reich, in dem der Messias vom Thron Davids aus regieren wird. Zu dieser Zeit wird das Wissen um JHWH die ganze Welt durchdringen.

    In der rabbinischen Theologie gibt es mehr als eine Ansicht zu den Versen 6-9. Einige Gelehrte meinen, dass das Tierreich in den Zustand von Eden zurückkehren wird:
    Der große Friede, der dann zwischen allen Menschen herrschen wird, wird sich auch auf das Tierreich ausweiten. Die grausame, fleischfressende Natur der Fleischfresser wird wieder zu dem zurückkehren, was sie im Garten Eden war. So wie der Mensch geschaffen wurde, um nur das zu essen, was auf der Erde wächst, so war es auch mit der Tierwelt. Aber als Adam sündigte und wegen seiner Sünde zur Beute der Tiere wurde, wurden auch die Haustiere zur Beute der Tiere.

    Andere Rabbiner legten die Passage allegorisch aus oder meinten, sie gelte nur für Israel. David Kimchi zum Beispiel lehrte, dass der Wolf, der Leopard und das Löwenjunge für Menschen stehen, die die Schwachen unterdrücken und ausplündern, so wie wilde Tiere die Schwächeren jagen. Das Lamm, die Kuh, das Kalb und das Zicklein symbolisieren die Niedrigen auf der Erde. Der Rabbi führte weiter aus, dass Vers 9 den Frieden des messianischen Zeitalters auf Gottes heiligen Berg beschränkt und damit der Vorstellung vom weltweiten Frieden widerspricht, die in Jesaja 2,4 erwähnt wird. Nur in Israel würde es keine Verwüstung geben, da das Land von der Erkenntnis des Herrn erfüllt sein wird (V. 9b). Da das Volk Gottes Gebote befolgen wird, wird es vor wilden Tieren sicher sein. David Kimchi bemerkte weiter: „Siehe, die Feindschaft der Schlange, die in den Tagen der Genesis mit dem Menschen entstand, wird in den Tagen des Messias im ganzen Land Israel verschwinden, und das Volk Israel wird, wo immer es hingeht, keine Schlange und kein böses Tier finden.“

    Arnold Fruchtenbaum – Bibelkomentar Jesaja

    Der Herr wird sein Volk wiederherstellen (Jes. 11:1-16). Im Gegensatz zu den stolzen Bäumen, die Gott abschlägt (10:33-34), wächst aus einem scheinbar toten Baumstumpf ein zarter Trieb. Jesaja blickt über die Prüfungen seines Volkes hinaus auf das herrliche Reich, das errichtet werden wird, wenn der Messias kommt und regiert (11,1-9). Davids Dynastie stand kurz vor dem Ende, aber aus seiner Familie würde der Messias kommen (Röm. 1:3; Offb. 5:5). Ein gottesfürchtiger Überrest von Juden hielt die Nation am Leben, damit der Messias geboren werden konnte.

    Sein Reich wird eine gerechte Herrschaft sein (Jes 11,1-5), denn der Sohn Gottes und der Geist Gottes werden seine Angelegenheiten gerecht verwalten. Wenn der Messias-König das Wort spricht, dann mit Macht (Ps. 2:9; Offb. 19:15). Sein Reich wird auch eine wiederhergestellte Schöpfung bedeuten, denn die Natur wird sich wieder der Harmonie erfreuen, die sie vor dem Einbruch der Sünde hatte (Jes 11,6-9; Röm 8,18-25). „Die Erde wird voll sein von der Erkenntnis des Herrn, wie Wasser das Meer bedeckt“ (Jes 11,9; vgl. Hab 2,14).

    Die Keimzelle des Reiches wird ein wiederversammeltes und wiedervereinigtes jüdisches Volk sein (Jes. 11:10-16). Die „Wurzel“ wird zum „Banner“ für die Sammlung des Volkes werden, wenn der Herr die Hand ausstreckt und sein Volk aus den Nationen sammelt, aus denen es vertrieben worden ist (43:5-6). Es wird wie ein „zweiter Exodus“ sein, wenn Gott seinem Volk den Weg zur Rückkehr in sein Land öffnet. In einem begrenzten Sinn wurde diese Verheißung nach der Eroberung durch die Assyrer und als die Juden die babylonische Gefangenschaft verließen, erfüllt; die endgültige Erfüllung wird jedoch am Ende des Zeitalters eintreten, wenn der Messias sein Volk wieder sammelt (27:12-13; 49:22-23; 56:7-8; Matthäus 24:31; Römer 11:25-29). Die jahrhundertelange Trennung zwischen Israel und Juda wird ein Ende haben, und auch die Heiden werden auf der „Landstraße“ wandeln, die nach Jerusalem führt.

    Warren W. Wiersbe –Sei Commentary Series Jesaja