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Die zweiundsiebzig Jünger kehrten voller Freude zurück

Die Siebzig aber kehrten mit Freuden zurück und sprachen: Herr, auch die Dämonen sind uns untertan in deinem Namen.
Elberfelder 1871 – Lukas 10,17

DIE Siebzig aber kehrten mit Freuden zurück und sagten: Herr, auch die Dämonen sind uns untertan kraft deines Namens. (a) Mr 16:17
Zürcher 1931 – Lukas 10:17

Die zweiundsiebzig Jünger kehrten voller Freude zurück. »Herr«, sagten sie, »sogar die Dämonen müssen uns gehorchen, wenn wir uns auf deinen Namen berufen!
Neue Genfer Übersetzung 2013 – Lk 10,17

DIE Siebzig kehrten dann voller Freude zurück und sagten: «Herr, auch die bösen Geister sind uns kraft – infolge der Verwendung – deines Namens gehorsam – untertan. -!»  
Hermann Menge Übersetzung – 1926 – Lk 10:17

Die siebzig Ausgesandten kehrten schließlich wieder zu Jesus zurück. Voller Freude berichteten sie: »Herr, es war wirklich so: Selbst die Dämonen mussten sich fügen, weil wir in deinem Namen auftraten!«
Das Buch – 2009 – Lukas 10:17

Jesus – von seinen Jüngern bestimmt in hebräisch ausgesprochen; Jehoschuah ,,, bedeutet „Jehovah ist Rettung“.

Exorzisten mussten in der Regel zahllose Zaubersprüche und Beschwörungen aufsagen, bevor sie einen Dämon dazu bewegen konnten auszufahren, deshalb sind die Jünger erstaunt, wie schnell der Name Jesu wirkt.

Craig Keener – Kommentar zum Umfeld des Neuen Testaments

Dämonen auszutreiben und Menschen von jeder Krankheit, Behinderung und jedem Zustand zu heilen (Lukas 9,1-5).

Jesus berief zunächst zwölf Jünger. Die Zahl ist nicht zufällig. Sie entspricht den zwölf Stämmen Israels. Jesus begann den Reichsplan mit Israel im Blick. Sie sind schließlich Gottes Anteil, auserwählt über alle anderen Nationen (Dt. 32,8-9). Paulus würde später die Ausbreitung des Evangeliums auf dieselbe Weise betrachten – er würde mit den Juden beginnen und dann zu den Heiden gehen (Römer 1,16-17).

Jesus hörte nicht bei den Zwölf auf. In Lukas 10 beauftragte er siebzig weitere Menschen, zu heilen und Dämonen auszutreiben (Lukas 10:1, 9, 17). Diese Zahl war nicht zufällig. Es ist die Anzahl der Nationen, die in 1 Mose 10 aufgelistet sind – die Nationen, die Gott beim Turmbau zu Babel beiseite schob und unter die Herrschaft geringerer Götter stellte (5 Mose 4,19-20; 32,8-9). In einigen Übersetzungen stehen in diesen Versen nicht siebzig, sondern zweiundsiebzig. Das liegt daran, dass einige alte Manuskripte des Alten Testaments die Namen der Nationen in Genesis 10 so darstellen, dass sie sich zu zweiundsiebzig addieren. Wie auch immer, der Punkt ist derselbe – die Entsendung dieser Männer entspricht der Anzahl der Völker in 1 Mose 10. So wie die Berufung der Zwölf ein Zeichen dafür war, dass das Königreich nach Israel gekommen war, so signalisierte die Aussendung der Siebzig, dass das Königreich die Nationen zurückerobern würde.

Als die Siebzig zurückkehren (Lukas 10,17), ist Jesu Antwort aufschlussreich: „Ich sah den Satan wie einen Blitz vom Himmel fallen“ (Lukas 10,18). Die Botschaft ist dramatisch: Die große Umkehr war im Gange. Satan würde keinen Anspruch mehr auf die Menschheit haben, sobald die Menschen zu Jesus gehörten. Sein Zugang zu Gott, um „Gläubige anzuklagen“ (Offenbarung 12,10 GNT), war vorbei. Er war ein Ankläger ohne Fall.

Michael S. Heiser – Überirdisch – Was die Bibel wirklich über Gottes himmlische Herrscharen sagt

Der Name Jesus hat sich als Kraft erwiesen, alle Siebzig bezeugen es mit freudigem Dank. Jesus hat an ihren Kämpfen teilgenommen und gesehen, daß der Feind eine erste entscheidende Niederlage erfahren hat. Wichtiger aber als diese Siege sollte für Jünger Jesu der andere Tatbestand sein, daß sie „im Himmel registriert“ sind und als Erlöste davon wissen und zeugen können. Hier auf Erden werden unsere Namen vielleicht sogar verunglimpft oder bald vergessen. Gut, wenn sie bei Gott angeschrieben sind und wir in froher Heilsgewißheit unseren Weg gehen dürfen!

Bruns – Die Bibel mit Erklärungen: Erklärungen

Es kamen aber die Siebzig voll Freude zurück und sagten: Herr, auch die bösen Geister unterwerfen sich uns durch deinen Namen. Es hat ihre Zuversicht besonders aufgerichtet, daß sie es selbst erlebten, Jesu Macht reiche in alle Tiefen des Geisterreichs hinab und sein Name sei auch dann, wenn sie ihn anriefen, für die Menschen Schutz und Schirm. Beugen sich die Geister vor ihm, was können ihnen die Menschen tun?

Schlatters Erläuterungen zum Neuen Testament

Das Kennzeichen für die Rückkehr der Siebzig ist die »Freude« (V. 17). Alles, was sie sagen, ist in dieses Licht getaucht.

Das bringt den Leser auf die Frage: Trägt mein Dienst für Jesus ebenfalls dieses Kennzeichen der »Freude«? Oder gleiche ich dem älteren Sohn im Gleichnis Lk 15,11ff., der zwar im Dienst des Vaters blieb, aber nie fröhlich war (Lk 15,29)? Dienst ohne Freude ist ein hartes Brot (vgl. auch Lk 19,20ff.).
»Die Siebzig kehrten« also »voll Freude zurück« (V. 17). Die Zeit ihrer Aussendung (vgl. V. 1ff.) ist vorüber. Wo sie wieder mit Jesus zusammenkamen, wird nicht berichtet. Aus ihren vielfältigen Rückmeldungen nennt Lukas nur eine einzige: »Sogar die Dämonen sind uns untertan in deinem Namen«. Man vergleiche die ähnliche Berichterstattung seitens der Zwölf in Lk 9,10 und die vielen Krankenheilungen durch die Apostel in Lk 9,6. Umsonst also war ihr Dienst nicht gewesen. Wenn sie im Namen Jesu (»in deinem Namen«) wirkten, evtl. diesen »Namen« laut aussprachen, mussten »sogar die Dämonen« weichen. Dieselbe Erfahrung machte der unbekannte Dämonenaustreiber von Lk 9,49 (vgl. auch Mk 6,13; 16,17; Apg 19,13).

Eins aber fällt auf: Von Bekehrungen ist hier nicht die Rede. Dabei wären Bekehrungen wichtiger gewesen als Heilungen und Dämonenaustreibungen!

Gerhard Maier – Edition C

Die Siebzig kehrten mit Freuden zurück und berichteten, daß ihnen in Seinem Namen sogar die Dämonen untertan waren. Das war kein Bestandteil ihrer Sendung, und wir nehmen an, daß sie auf dem Wege satanischer Opposition begegneten, was freilich alles andere als unerwartet ist.

Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt

Die Abweichungen von externen Exorzismus-Praktiken und -Texten dienen dazu, die besondere Natur Jesu als Sohn Gottes hervorzuheben. Gelehrte haben zur Kenntnis genommen, dass Jesus im Gegensatz zu zeitgenössischen Exorzisten kein Gerät als Teil eines Exorzismus benutzte, „ein Merkmal, das vielen anderen Exorzisten in ihrer Technik gemeinsam ist“.Solche „Werkzeuge“ für den Exorzismus waren Weihrauch, Tränke, Ringe, Schalen mit Wasser, Amulette, Asche und verschiedene Gewürze. 24 Jesus hat auch nie in Verbindung mit einem Exorzismus gebetet, noch hat er eine höhere Macht angerufen, um einen Dämon zu binden, bevor er ihm befahl, aus einer Person herauszukommen. Kurz gesagt, Jesus appellierte nie an eine höhere Macht, um einen Dämon auszutreiben, im Gegensatz zu der üblichen Vorgehensweise in anderen Exorzismus-Texten. Die Macht, bösen Geistern zu gebieten, lag in ihm als dem menschgewordenen Gott, dem Sohn des Allerhöchsten.
(- Twelftree geht auf die Kontraste zwischen Jesus und anderen Exorzisten in griechisch-römischen und rabbinischen Quellen ein. Ein signifikanter Kontrast ist, dass Jesus sich bei seinen Exorzismen nie auf die Autorität eines anderen beruft. Zum Beispiel könnte ein Exorzist einen mächtigen Namen wie Salomo anrufen, aber das Neue Testament berichtet von den Söhnen des Sceva (Apg 19,13) und anderen, die versuchen, in Jesu Namen Dämonen auszutreiben (Mk 9,38-39; Lk 9,49-50; vgl. Lk 10,17). Jesus beruft sich bei der Durchführung von Exorzismen nicht einmal ausdrücklich auf den „Geist Gottes“, der in Mt 12,28 als die Quelle seiner Macht über Dämonen identifiziert wird. Twelftree merkt an: „Wie einige der Rabbiner (b. Meʿil. 17b) und Apollonius (Philostratus Vit. Ap. 4.20) schien sich Jesus auf seine eigene charismatische persönliche Kraft zu verlassen, um die Dämonen zu bändigen und auszutreiben.“ Jesus benutzte auch nie das übliche Verb für das Befehlen eines Dämons (horkizō; siehe PGM I, 345; Apg. 19,13). Der entscheidende Punkt ist, dass Jesus niemals eine Autorität außerhalb seiner selbst anerkannte oder an sie appellierte, nicht einmal durch Gebet. Siehe Twelftree, „Demon, Devil, Satan“, 167-68. -)

Die Darstellung Jesu als jemand, der keine Hilfe braucht und keine höhere Macht bei Exorzismen sucht, ist wohl der wichtigste theologische Punkt, der in diesen Berichten gemacht wird. In Verbindung mit dieser Darstellung bringt die einzigartige Perspektive (oder deren Fehlen) des Johannesevangeliums denselben Punkt hervor. Während die synoptischen Evangelien viel über Jesus und seine Macht über Dämonen zu sagen haben, sagt das Johannesevangelium nichts darüber, dass Jesus ein Exorzist war.

Michael S. Heiser – Dämonen – Was die Bibel wirklich über die Mächte der Finsternis sagt

Jesus hat seinen Nachfolgern nie befohlen, sich mit geistigen Wesenheiten auseinanderzusetzen. ( – es stimmt, dass die Jünger die Macht hatten, Dämonen auszutreiben, aber selbst in den Fällen, in denen Jesus den Exorzismus autorisierte, ist der Kontext auf die Heilung von persönlichen Belästigungen und Schäden beschränkt. Arnold erklärt den Punkt: „Als Jesus davon sprach, den Siebzig Vollmacht zu geben, ‚alle Macht des Feindes zu überwinden‘ (Lk 10,19), erstreckte sich das nicht auf engelhafte Herrscher über Städte und Nationen. Das wird deutlich, wenn die Siebzig dem Herrn mit Begeisterung zurufen: „Sogar die Dämonen unterwerfen sich uns in deinem Namen“ (Lk 10,17). Sie dienten den Menschen, die auf verschiedene Weise von Dämonen heimgesucht wurden. Und das taten sie auch nach dem Pfingsttag weiter. Es gibt keinen Hinweis im Text, dass die Siebzig Dämonen aus Dörfern, Städten oder Tempeln austrieben.“ Siehe Arnold, 3 Crucial Questions about Spiritual Warfare, 164. – ) Stattdessen gab er den Missionsbefehl. Ein geistliches Wesen mag vertrieben werden, aber das führt nicht unbedingt dazu, dass eine neue Seele in das Reich Gottes eintritt. Dieses letztere Ziel ist der Grund, warum Jesus sein Leben gab und von den Toten auferstand. Beim Werk Christi ging es nicht um Machtbegegnungen mit Dämonen. Es war viel umfassender und dauerhafter als das. Das Ziel war, den Kreis von Eden zu schließen – Gottes Wunsch zu erfüllen, eine menschliche Familie für immer bei ihm zu haben. Gefallene Geister zu bestrafen, erfüllt nicht Gottes ursprüngliches edenisches Ziel. Nur der Missionsbefehl erfüllt die Ziele, auf die Gott hingearbeitet hat, sowie die Besiegung und Bestrafung der rebellischen bösen Geister. Der Missionsbefehl ist also ein umfassender Plan für die geistliche Kriegsführung.

Michael S. Heiser – Dämonen – Was die Bibel wirklich über die Mächte der Finsternis sagt

Denn der Bösewicht ist Jehova ein Greuel

Denn der Verkehrte ist Jehova ein Greuel, aber sein Geheimnis ist bei (Eig sein vertrauter Umgang ist mit) den Aufrichtigen.
Elberfelder 1871 – Sprüche 3,32

Denn der Schiefe ist IHM ein Greuel,
aber Traulichkeit hat er mit den Geraden.
Buber & Rosenzweig – Sprüche 3:32

Denn ein Gräuel ist für den Ewigen der, der auf Abwegen geht, aber mit den Redlichen hat er vertrauten Umgang.
Die Philippson-Bibel – Spr 3,32

Denn der Bösewicht ist Jehova ein Greuel; aber mit den Rechtschaffenen ist er vertraut.
van Ess – Spr 3:32

Denn Jehova verabscheut den, der hinterhältig ist,
aber den Aufrichtigen gehört seine enge Freundschaft.
neue Welt Übersetzung – 2018 – Sprüche 3:32

Der Gewalttätige scheint sofortigen Erfolg zu haben. Aber wir sollten seinen Wohlstand nicht bewundern oder seinem Beispiel folgen. Der Herr hasst, verachtet und verabscheut den Verkehrten, doch den Aufrichtigen zieht er in sein enges Vertrauen (siehe Joh 14,23).

MacDonald – Kommentar zum Alten Testament

Begründend werden vier Antithesen angefügt, die dem Schüler zeigen sollen, warum es ratsam ist, die aufgeführten Verbote zu befolgen. Greuel sollten die Israeliten ausfegen, wegtun, wegwerfen. Ebenso wird Jahwe sich den Abtrünnigen gegenüber verhalten. Sie werden keine Gemeinschaft mit ihm haben. Dagegen nimmt Gott die Aufrichtigen, die »gerade« Wege gehen, in seine »vertrauensvolle Gesprächsrunde im engsten Freundeskreis« (das meint das hebr. sod) auf, deren Mitglieder wie durch einen Vertrag miteinander verbunden sindo. In einem solchen Kreis kann man sogar Geheimnisse (sod) offenbaren. In dieses Vertrauen Jahwes aufgenommen zu sein ist die höchste Ehre für einen Menschen.27

Dietrich – Wuppertaler Studienbibel

Eine positive Beziehung zu anderen (Spr 3,27-35) ist ein vierter Segen, den der Gläubige genießt, wenn er oder sie in der Weisheit Gottes wandelt. Weise Christen werden großzügig zu ihren Nachbarn sein und in Frieden mit ihnen leben (V. 27-30) und ihr Bestes tun, um unnötige Streitigkeiten zu vermeiden (Röm. 12:18). Denn wenn wir Gott wirklich lieben, werden wir unseren Nächsten so lieben, wie wir wollen, dass er uns liebt.

Andererseits, wenn unser Nachbar ein perverser Mensch ist, der über unseren Glauben spottet (Spr 3,31-35), wird der Herr uns leiten, unser Licht leuchten zu lassen und seine Liebe zu zeigen, damit wir ihn beeinflussen, aber er uns nicht in die Irre führt. Manchmal braucht es viel Geduld, Gebet und Weisheit, um mit Menschen, die keine Christen in der Nachbarschaft haben wollen, richtig umzugehen, aber vielleicht hat Gott uns gerade deshalb dorthin geschickt.

Warren W. Wiersbe – Sei Commentary Serie

»… der Verkehrte ist Jahwe ein Gräuel«: Der »Verkehrte« ist der Mann, der alle Ordnungen und Weisungen des Herrn ins Gegenteil verkehrt: Statt dem Nächsten zu geben, was diesem mangelt, beraubt er ihn; statt ihm Gutes zu wollen, schmiedet er Böses gegen ihn; statt dem Frieden nachzujagen, sucht er Streit mit ihm.
In diesem Vers kommt zum ersten Mal in der Sprüchen das Wort »Gräuel«, tôcêbâh, vor. Es folgen noch 20 Belege: 6,16; 8,7; 11,1.20; 12,22; 13,19; 15,8.9.26; 16,5.12; 17,15; 20,10.23; 21,27; 24,9; 26,25; 28,9; 29,27. Das erste Mal wird das Wort verwendet in 1. Mose 43,32. Ein Gräuel ist etwas, was man verabscheut, was einem zuwider ist und was man deshalb von sich stößt.

Diese Dinge, Handlungen und Personen sind dem HERRN zuwider; sie widersprechen seinem Wesen; er kann sie nicht dulden. Am Tag des Gerichts wird er alles, was ihm ein Gräuel ist, verdammen und alle von sich stoßen und für immer hinaustun (Mt 25,41; Offb 22,15), die seinem Wesen entgegen sind.

Benedikt Peters – Das Buch der Sprüche

MENSCHEN, die bestrebt sind, Gott zu gefallen, halten sich streng an den christlichen Maßstab für Ehrlichkeit. Sie wissen, was die Worte bedeuten: „Der Verkehrte [wer sich auf Abwege begibt, Me] ist Jehova ein Greuel, aber sein vertrauter Umgang ist mit den Aufrichtigen.“ — Sprüche 3:32, Fußnote.
Im ersten Moment mögen viele denken, das Ehrlichsein bereite ihnen keine Schwierigkeiten. Sie denken vielleicht, sie würden nie absichtlich lügen, betrügen, stehlen oder eine andere unehrliche Handlung begehen. Das genügt aber noch nicht. Der eine oder andere mag das Gefühl haben, er halte sich an den hohen christlichen Maßstab für Ehrlichkeit, obwohl er vielleicht Dinge tut, die die Ehrlichkeit verbietet. Die nachstehenden Ausführungen sollten daher einem jeden helfen, sich in dieser Beziehung einmal gründlich zu prüfen, um festzustellen, ob seine Denk- und Handlungsweise dem christlichen Maßstab für Ehrlichkeit entspricht oder ob er sie ändern muß.

EHRLICHKEIT GEGENÜBER DEM STAAT
Gewisse Formen von Unehrlichkeit, wie Stehlen und Lügen, sind leicht zu erkennen. Andere dagegen sind heimtückischer, und vor diesen müssen wir uns vor allem hüten.
Ein Gebiet, auf dem ein Christ besonders vorsichtig sein sollte, betrifft sein Verhältnis zur staatlichen Obrigkeit. Er muß dem Staat gegenüber ehrlich sein und ihm geben, was ihm gebührt, selbst wenn der Staat ihm gegenüber nicht ehrlich ist. Jesus Christus sagte: „Zahlt daher des Cäsars Dinge dem Cäsar zurück.“ (Matthäus 22:21) Erlegt der Staat also seinen Bürgern verschiedene Steuern auf, dann sollte der Christ sie gewissenhaft bezahlen. Er sollte seine Einkommensteuererklärung nicht fälschen, indem er zum Beispiel mehr Abzüge beansprucht als ihm zustehen oder indem er Beträge angibt, die er angeblich einer Wohltätigkeitsorganisation gespendet hat, während er in Wirklichkeit nichts oder nicht soviel gespendet hat.
Jemand mag seine Steuerhinterziehung damit zu rechtfertigen suchen, daß er sagt, der Staat fordere sowieso zuviel. Dazu hat aber der Christ kein Recht. Der Cäsar oder der Staat verletzt kein Gesetz Gottes, wenn er angemessene Steuern verlangt. Fordert er zu hohe Steuern oder mißbraucht er die Steuergelder, so muß er das vor Gott selbst verantworten. Der Christ hat darüber nicht zu entscheiden. Nicht nur der Staat, sondern auch Gott verlangt von ihm, daß er genau das bezahlt, was von ihm gefordert wird. Der christliche Apostel Paulus sagte: „Jede Seele sei den obrigkeitlichen Gewalten untertan . . . Erstattet allen, was ihnen gebührt: dem, der die Steuer verlangt, die Steuer; dem, der die Abgabe verlangt, die Abgabe.“ — Römer 13:1, 7.
In diesem Zusammenhang wäre auch das Schmuggeln zu erwähnen, das heimliche Einbringen zollpflichtiger Waren über die Landesgrenze, ohne Zoll zu zahlen. Obwohl das in manchen Ländern allgemein üblich sein mag, sollten Christen es nicht tun, weil dadurch dem Staat etwas vorenthalten wird, was er gesetzlich fordert. Die staatliche Obrigkeit hat das Recht, nach Belieben Zollabgaben zu erheben. Da solche Vorschriften dem Gesetz Gottes nicht widersprechen, sollten sie beachtet werden. Ein Christ, der schmuggelt, handelt unehrlich und muß damit rechnen, nicht nur von der Polizei, sondern auch von der Christenversammlung zur Rechenschaft gezogen zu werden.
Manche Leute denken vielleicht, sie seien keine Schmuggler. Sind sie aber den Zollorganen gegenüber stets ehrlich, wenn sie von einer Reise ins Ausland zurückkehren? Geben sie stets alles an, was sie verzollen müßten, oder suchen sie Mittel und Wege, um solche Waren zollfrei über die Grenze zu bringen? Es kommt nicht darauf an, ob der betreffende Artikel klein oder groß ist oder ob wir etwas als unbedeutend betrachten. Die Ehrlichkeit verlangt von uns lediglich, daß wir uns fragen: Verlangt der Staat von mir, daß ich diesen Artikel verzolle? Wenn ja, dann muß ihn der Christ verzollen. Täte er es nicht, so wäre er unehrlich.
Der Staat erläßt im Interesse der öffentlichen Sicherheit auch Verkehrsvorschriften. In vielen Ländern bedeutet ein rotes Licht „Anhalten“ und entspricht einem Stoppschild. Setzt man aber vielleicht bei einem Stoppschild nur die Geschwindigkeit herab, um festzustellen, ob kein Schutzmann in der Nähe ist, und fährt dann weiter? Und wie steht es mit der Geschwindigkeitsbegrenzung? Überschreitet man sie, wenn man denkt, man werde nicht beobachtet? Wer das tut, ist unehrlich. Warum? Weil er den „obrigkeitlichen Gewalten“ nicht gehorcht. Jemand mag über Verkehrsvorschriften, die ihm nicht passen, spotten, aber „die Toren spotten der Schuld“. (Sprüche 14:9, ZB) Der Cäsar hat das Recht, die Verkehrsordnung zu bestimmen, und die Verkehrsvorschriften schützen die Bevölkerung. Da diese Vorschriften Gottes Gesetze nicht verletzen, ist der Christ vor Gott verpflichtet, sie einzuhalten.

AM ARBEITSPLATZ
Auch Firmen haben bestimmte Vorschriften. Ein Arbeitnehmer würde vielleicht nie daran denken, seinem Arbeitgeber Geld oder Waren zu stehlen, weil das unehrlich wäre. Verwendet er aber vielleicht Geschäftsbriefmarken oder Geschäftsbriefbogen usw. für persönliche Zwecke? Selbst einen Bleistift oder einige Büroklammern zu nehmen wäre unehrlich, wenn die Firma es nicht erlaubt, denn diese Dinge sind Eigentum der Firma.
Ein weiterer Punkt ist die Benutzung des Geschäftstelephons für Privatgespräche. Verstößt das gegen die Betriebsordnung, dann wäre es unehrlich, es zu tun, selbst wenn viele andere es tun. Der Christ ist verpflichtet, für seine persönlichen Gespräche zu bezahlen, weil er fremdes Eigentum benutzt. Ebenso unehrlich wäre jede andere Methode, das Telephon zu benutzen, ohne dafür zu bezahlen. Es ist soviel wie Diebstahl, weil man dadurch versäumt, etwas zu bezahlen, was man normalerweise bezahlen müßte. Sollte aber in deinen Augen jemand, der Telephongespräche führt, ohne sie zu bezahlen, nicht unehrlich sein, dann erkundige dich einmal beim Fernsprechamt darüber, wie man dort über solche Leute denkt!
Manche Geschäfte gewähren ihren Angestellten auf alle Waren, die sie bei ihnen einkaufen, Rabatt, allerdings nur unter der Bedingung, daß sie diese für sich gebrauchen. Viele Angestellte geben aber diese Waren oft zu den ermäßigten Preisen an Freunde oder Verwandte weiter, um ihnen Geld sparen zu helfen. Das ist jedoch nicht ehrlich, weil es nicht mit der von der Firma getroffenen Regelung übereinstimmt. Die Firma hat das Recht gewisse Bestimmungen festzulegen, und der Christ muß sich daran halten.
Es gibt auch Arbeitnehmer, die bei ihrer Firma ein Spesenkonto haben. In einem solchen Fall muß sich der Christ davor hüten, Zahlen aufzurunden oder Ausgaben aufzuschreiben, die rein persönlicher Natur sind und von der Firma normalerweise nicht gedeckt werden. Der Christ schreibt nicht mehr Spesen auf, als er in Wirklichkeit gehabt hat, und berechnet nur solche Dinge, die die Firma als Spesen zuläßt.
Ein weiterer Punkt, der in Betracht gezogen werden sollte, ist das Belügen des Arbeitgebers, um beurlaubt zu werden. Was manche Leute als einen berechtigten Grund zum Lügen betrachten mögen, wird von Gottes Maßstab für Ehrlichkeit noch längst nicht immer gutgeheißen. Manche mögen zum Beispiel denken, sie könnten das ruhig tun, wenn sie einem christlichen Kongreß beiwohnen möchten, für den sie ihr Arbeitgeber ihrer Meinung nach niemals beurlauben würde. Mit welchem Recht wollte aber ein Christ seinen Arbeitgeber belügen, um einen Kongreß zu besuchen, auf dem Gottes Wort gelehrt wird und die christlichen Grundsätze — zu denen auch die Ehrlichkeit gehört — hervorgehoben werden. Eine solche Denkweise wäre inkonsequent, ja das wäre Heuchelei. In den meisten Fällen wird der Arbeitgeber die Ehrlichkeit eines Angestellten schätzen, der ihn um Urlaub bittet, um zu einem Kongreß zu fahren. Solltest du aber jemals deinen Arbeitsplatz verlieren, weil du zuerst das Königreich suchst, dann vergiß nicht, daß Gott dich nicht verlassen wird, wenn du recht handelst. — Matthäus 6:33.
Es gibt auch Christen, die im Haushalt arbeiten, die reinemachen, kochen oder andere Hausarbeiten verrichten. Sie werden wahrscheinlich wissen, daß sie keine Kleider, kein Geschirr oder Besteck und dergleichen nehmen dürfen. Wissen sie aber auch, daß sie andere Dinge, die nicht so schnell vermißt werden, ebensowenig nehmen dürfen? Wer Mehl, Zucker, Früchte oder Gemüse nimmt, stiehlt genauso und ist genauso unehrlich wie der, der etwas Wertvolleres entwendet. Etwas anderes ist es, wenn der Arbeitgeber seinem Angestellten so etwas gibt. Man sollte sich aber davor hüten, die Großzügigkeit des Arbeitgebers so zu verstehen, daß sie einem das Recht gebe, hier und da etwas „mitlaufen zu lassen“. Das wäre nicht richtig.

Der Wachtturm – 1.Januar 1965

Nur wider den Ewigen steht nicht auf

Nur empöret euch nicht wider Jehova; und fürchtet ja nicht das Volk des Landes, denn unser Brot werden sie sein. Ihr Schirm (W. Schatten) ist von ihnen gewichen, und Jehova ist mit uns; fürchtet sie nicht!
Elberfelder 1871 – Numeri 14,9

Nur empört euch nicht gegen Gott! Und ihr, ihr solltet die Bevölkerung dieses Landes nicht fürchten, denn unser Brot sind sie! Gewichen ist ihr Schatten von ihnen, da Gott mit uns ist, fürchtet sie nicht.
Samson Raphael Hirsch . Der Pentateuch – Numeri 14:9

Nur wider den Ewigen steht nicht auf, so habt ihr das Volk des Landes nicht zu fürchten, denn eine Speise ist es uns: Es wich ihr Schirm von ihnen, mit uns aber ist der Ewige, fürchtet sie nicht!
Die Philippson-Bibel – 4.Mose 14:9

Mein Wunsch wäre ja, dass alle Menschen wirklich wieder nur und ausschließlich Jehovah vertrauen würden – und eben nicht einer Kirche, einer Organisation und erst Recht nicht politischen Führern. Aber leider sind auch viele jüdische Menschen von „Irrlehrern“ auf die politische Ebene verschoben worden – anstatt auf Jehovah zu vertrauen. Es ist also so ähnlich wie in der Bibelstelle von 4.Mose: die Mehrheit vertraute nur auf das, was sie sehen konnten, nur auf die eigene Kraft und die eigenen Waffen. Wie schade!


Während die andern von Riesen, Anaksöhnen und dem Schwert sprachen, sprechen sie zentral von Gott: »Wenn Jahwe an uns Wohlgefallen hat, dann wird er uns in dieses Land bringen und es uns geben« (V. 8). »Wenn«: Aber dieses Wohlgefallen seid ihr im Begriff zu verspielen! Deshalb der dringende Ruf: »Empört euch bloß nicht gegen Jahwe!« (V. 9). Zugleich sprechen Josua und Kaleb dem Volk Mut zu: »Fürchtet euch nicht vor dem Volk des Landes!« Nach 5Mo 1,29ff hat Mose mit ähnlichen Worten ermutigt. Josua und Kaleb gebrauchen den drastischen Ausdruck: »wir werden sie verschlingen (wörtlich: sie sind unser Brot)«. Vgl. Dan 7,5. »Ihr Schatten ist von ihnen gewichen«: Im sonnenheißen Orient ist »Schatten« ein Wort für Schutz (vgl. Ps 17,8; 36,8; 57,2; 63,8; 91,1; 121,5; Jer 48,45). Warum sind Kanaans Einwohner schutzlos? Weil Gott sie preisgegeben hat. Dieser Gott, »Jahwe, ist mit uns«. Damit aber ist der Kampf längst entschieden. Für Furcht ist da kein Platz mehr. Der Mißbrauch des »Gott mit uns« in vielen Kriegen darf uns nicht die Augen vor der Wahrheit verschließen, daß Josua und Kaleb damals recht hatten.

Maier – Wuppertaler Studienbibel

Das war der einzig richtige Standpunkt des Glaubens. Auch Josua und Kaleb nahmen nicht an, dass es selbstverständlich sei, dass das Volk das Land besitzen werde. Alles hing ihnen davon ab, ob der Herr es seiner Verheißung entsprechend [233] den Söhnen Israels schenken könne. Auch jede Gabe und Tat Gottes setzten immer eine ihnen entsprechende Herzensdisposition der Empfänger voraus. Diese fehlte aber Israel. Gott konnte unmöglich jenen Zustand rechtfertigen, den es augenblicklich einnahm. Daher baten sie es, sich nicht wider den Herrn aufzulehnen und sich nicht vor dem Volk des Landes zu fürchten. Denn sie hatten entdeckt, dass der Schatten, der Schirm, der die Bewohner so lange in ihrer Existenz gedeckt hatte, bereits von denselben gewichen sei. Die eigentliche Kraft sei gebrochen, wenn der Schein der Macht nach außen hin auch noch geblieben war. Aber mit Israel sei der Herr. Mit Gott wird aber auch das den Menschen Unmögliche möglich, und gewinnt ein Johannes selbst von der Insel seiner Verbannung aus die Glaubenszuversicht, dass der Herr alles neu zu machen vermag.

Jakob Kroeker – Das lebendige Wort

Empöret euch nicht, dann braucht ihr nicht zu fürchten. Denn sie sind unsere Speise, wir essen sie wie eine Speise. Ihr Schatten ist gewichen, ihr Schild und ihre Stärke; die Gerechten unter ihnen sind gestorben, Ijob, der sie schützte (Sota 35a), andere Erklärung: der Schutz des Ewigen ist von ihnen gewichen.

Raschi – Kommentar zur Tora

An diesem Punkt „erschien die Herrlichkeit des HERRN in der Hütte des Stifts vor allen Kindern Israels“ (V. 10), um ein Todesurteil über sie zu fällen. Zuvor hatten Kaleb und Josua versucht, mit dem Volk zu argumentieren. Ihr Argument war erstens, dass Kanaan ein äußerst reiches und fruchtbares Land war, ein Land, in dem Milch und Honig fließen (V. 8). Wir haben es sorgfältig erkundet und wissen, wie gut es ist, berichteten sie. Zweitens, was die kanaanitischen Völker und Stadtstaaten betrifft, so beeindruckend sie auch erscheinen mögen, „sie sind Brot für uns; denn ihre Verteidigung ist von ihnen gewichen“ (V. 9). Ihre Verteidigung ist gewichen, das heißt wörtlich, ihr Schatten, ihr Schutz, ist verschwunden. Diese Völker waren unter ägyptischer Herrschaft gewesen. Ohne diesen militärischen Schutz waren sie nun unvorbereitet auf einen Angriff. „Sie sind Brot für uns“, d.h. wir werden sie auffressen. Deshalb „fürchtet sie nicht“ (V. 9). Das war eine kluge und genaue Analyse. Drittens, die entscheidende Tatsache für uns ist Gottes Segen: Er ist die bestimmende Kraft. Wenn Sie sich gegen Ihn auflehnen, wird Er Ihr wahrer Feind sein.

Rousas John Rushdony – Kommentare zum Pentateuch

RASHBAM
Ihr Schutz ist von ihnen gewichen. Sie haben kein Vertrauen mehr, um Zuflucht zu suchen, denn „alle Bewohner Kanaans waren entsetzt“ (Ex 15,15), seit das Meer für sie ausgetrocknet ist . Wie die Hure Rahab zu Josuas Spionen sagte: „Alle Bewohner des Landes zittern vor euch. Denn wir haben gehört, wie der Herr das Wasser des Schilfmeeres für euch ausgetrocknet hat, als ihr Ägypten verlassen habt“ (Josua 2:9).

IBN EZRA
Sie sind unsere Beute. Wir werden sie zum Mittagessen verspeisen. „Sind sie denn so töricht, all diese Übeltäter, die mein Volk verschlingen, wie sie Nahrung verschlingen?“ (Ps. 14,4). Ihr Schutz ist von ihnen gewichen. Selbst ein tapferer Mann beginnt zu fürchten, wenn er keinen Schild hat, der ihn schützt und ihm Schutz bietet.

NAHMANIDES
Nur dürft ihr nicht gegen den Herrn rebellieren. Eure Angst vor der Stärke der Einwohner ist Rebellion gegen den Herrn. Ihr habt Ägypten nicht aus eigener Kraft verlassen; es war „der Herr, euer Gott, der so Wunderbares für euch getan hat“ (Joel 2,26). Er hat euch versprochen, dass ihr die Kanaaniter vertreiben werdet, also glaubt daran und setzt es um. Habt keine Angst … denn sie sind unsere Beute. Selbst unter ganz natürlichen Bedingungen werden sie vor uns fallen. Denn die Furcht vor uns ist über sie gekommen, und sie werden sich von uns verzehren lassen wie Brot. Ihr Schutz ist von ihnen gewichen. Siehe den Kommentar von Raschi. Ibn Esra meint, dies bedeute: „Sie haben solche Angst vor uns, dass sie nicht einmal ihre Waffen und Rüstungen aufnehmen werden, um gegen uns zu kämpfen“ – was es wunderbar erklärt. Aber es könnte sein, dass sich der Text auf etwas bezieht, das wir kennen: „Die Nacht der Versiegelung“. Das Wort, das mit „Schutz“ übersetzt wird, bedeutet eigentlich Schatten, und in dieser Nacht wirft der Kopf eines Mannes, der im kommenden Jahr sterben wird, keinen Schatten. „Der Schatten hat sie bereits verlassen“; sie sind zum Tode verurteilt. Der Herr ist mit uns. Er ist es, der unter uns wohnt und wundersame Zeichen tut, die alle sehen können. Habt also keine Angst vor ihnen! Oder vielleicht bezieht sich „ihr Schutz“ auf ihren Schutz in der Höhe. Denn kein Volk fällt, ohne dass zuerst sein Engel gefallen ist. „An jenem Tag wird der Herr die Heerscharen des Himmels im Himmel und die Könige der Erde auf der Erde bestrafen“ (Jes 24,21). Siehe auch Daniel 10. „Ihr Schutz“ würde dann den Engel bedeuten, durch dessen Kraft die kanaanitischen Völker leben. „Aber der Herr wird sie stürzen, und er ist mit uns, also fürchtet euch nicht vor ihnen.“ So interpretiert der Midrasch „Wenn der Tag sanft weht und die Schatten fliehen“ (Hohelied 2,7; 4,6). Ich habe dies an anderer Stelle diskutiert.

ZUSÄTZLICHE KOMMENTARE
Ihr Schutz ist von ihnen gewichen. Der Heilige, der alle seine Geschöpfe beschützt, hat sie uns überlassen (Bekhor Shor). Das macht sie zu „unserem Brot“, dem Manna – denn als der Schatten (wie unser Vers wörtlich sagt) sich vom Manna entfernte, „wurde die Sonne heiß“ (wie Ex 16,21 uns sagt) „und es schmolz“ (Kimhi).

Michael Carasik . – Die Kommentatorenbibel

Als Mose die Kundschafter aussandte, wies er sie an: „Seid guten Mutes“ (13:20). Dieser Satz wird in den Büchern Deuteronomium und Josua zum Motto der Eroberung werden. Wir alle wissen, dass Mut nicht die Abwesenheit von Angst ist, sondern die Fähigkeit, das zu tun, was getan werden muss, trotz der Ängste, die oft durchaus realistisch sind. Josua und Kaleb erkennen die Hindernisse auf dem Weg zum Gelobten Land, aber sie entscheiden sich, an ihnen vorbei zu schauen. Als sie das tun, sehen sie etwas, das die anderen Kundschafter übersehen: „Fürchtet euch nicht vor den Bewohnern des Landes, denn sie sind unser Brot; ihr Schatten ist von ihnen gewichen, und der Herr ist mit uns. Fürchtet euch nicht vor ihnen“ (14:9).

„Ihr Schatten“ bezieht sich auf die schützende Hülle der heidnischen Götter, die die Kanaaniter anbeteten und die eigentlich dämonische Mächte waren. Wenn der Gott Israels naht, müssen diese Mächte fliehen. Die Kanaaniter werden sich schwach und verwundbar fühlen, wenn die Zeit des Kampfes kommt, aber nur das Auge des Glaubens kann dies im Voraus sehen. Das ist das Auge, das auf Gott und seine Verheißungen schaut und nicht auf äußere Umstände. Dann sieht es einen Weg durch die schwierigsten Umstände.

Russell Resnik – Tore zur Tora

Oder erkennt ihr nicht, dass Jesus Christus mit euch verbunden ist?

so prüfet euch selbst, ob ihr im Glauben seid, untersuchet euch selbst; oder erkennet ihr euch selbst nicht, daß Jesus Christus in euch ist? es sei denn, daß ihr etwa unbewährt seid.
Elberfelder 1871 – 2.Korinther 13,5

Stellt euch selbst auf die Probe, um zu sehen, ob ihr im Glauben ´gefestigt` seid; prüft, ob ihr bewährt seid! Eigentlich müsst ihr doch erkennen, dass Jesus Christus in eurer Mitte ist, oder nicht? Andernfalls hättet ihr ja die Probe nicht bestanden!
Neue Genfer Übersetzung 2013 -. 2.Korinther 13:5

Testet euch selbst, ob ihr euch im Glauben befindet, überprüft euch selbst! Oder erkennt ihr euch selbst nicht genau, dass Jesus als Messias unter euch ist? Es sei denn, dass ihr doch unecht seid.
Gottes Agenda – Das Neue Testament urtextnah ins heutige Deutsch übersetzt von Andreas Eichberger – 2.Kor 13,5

Prüft immer wieder, ob ihr im Glauben seid. Bewährt euch immer wieder. Oder erkennt ihr nicht, dass Jesus Christus mit euch verbunden ist? Wenn nicht, dann seid ihr unbewährt.
neue Welt Übersetzung – 2018 – 2.Kor 13:5

Uns wird in unseren Schriften gesagt: ′′ Prüft euch selbst, ob ihr im Glauben seid ′′ (2 Kor. 13:5). Wir sind mutig auf unser Leben zu schauen und einige harte Fragen zu stellen. Glaubt ihr wirklich die Wahrheit, oder gibt es andere Motive bei der Arbeit? Kann man denken, dass man wirklich glaubt, wenn man es tatsächlich nicht tut? Ist es zum Beispiel möglich zu denken, dass du eine spirituelle Person bist, die Gott dient, aber du irrst dich? Tragischerweise scheint es, dass wir uns selbst dazu ′′ überreden ′′ können, zu glauben, dass wir moralisch, ehrlich, voller Glauben sind usw. Aber unser Selbstbild stimmt nicht mit der Realität überein… Das ist ernsthafteres Problem als Heuchelei (nicht glauben, was wir sagen) , da wir in diesem Fall wirklich glauben, dass wir etwas sind, das wir nicht sind – wir sind ′′ wahre Gläubige ′′ in einer verzerrten Sicht auf uns selbst! Das passiert ständig. Die meisten Menschen denken beispielsweise, sie seien ′′ überdurchschnittlich ′′ intelligenz und haben eine hohe Meinung von sich selbst. Selbstwertgefühl ist natürlich wichtig, aber es muss in der Realität geerdet werden: ′′ Denn wenn jemand denkt, er sei etwas, wenn er nichts ist, täuscht er sich selbst ′′ (Gal. 6:3). Jesus warnte: ′′ An jenem Tag werden viele (polloì) mir sagen: ‚ Herr, Herr, haben wir nicht in deinem Namen geweissagt und Dämonen in deinem Namen ausgestoßen und viele mächtige Werke in deinem Namen tun? ‚ Und dann werde ich ihnen sagen: ‚ Ich habe euch nie gekannt; weiche von mir ab, ihr Arbeiter der Gesetzlosigkeit ‚ ‚ (Matt). 7:22-23). Wie ist so ein schreckliches Ergebnis möglich, wenn sich nicht wirklich religiöse Menschen wirklich selbst täuschen können? Von selbst ist Aufrichtigkeit kein Maß an Wahrheit, da wir wirklich aufrichtig und doch aufrichtig falsch sind…

Das ist eine ernüchternde Nachricht, Freunde. Wir müssen nicht in Angst leben, obwohl wir uns tatsächlich regelmäßig ′′ Cheshbon Nefesh ′′ (ẖşbwn npş) engagieren, um den Zustand unserer Seelen zu berücksichtigen (1 Kor. 11:31). Wir sind oft Menschen des ′′ kleinen Glaubens ′′ (Matt. 8:26), und manchmal ist es das einzig Ehrliche, klar zu bekennen: ′′ Herr, ich glaube; hilf meinem Unglauben!“ (Markus 9:24). Wie geschrieben steht: ′′ Der HERR ist nahe allen, die ihn anrufen, allen, die ihn in Wahrheit anrufen ′′ (Psalm 145:18). Im Himmel gibt es nur die Sprache der Wahrheit, und Wahrheit ist die Sprache des Himmels. Wir finden Kraft, indem wir auf die Liebe und Güte Gottes vertrauen, für unser ewiges Wohl. Es steht geschrieben: ′′ Dies ist die Zuversicht (parrēsía), die wir mit Ihm haben, dass wenn wir etwas nach Seinem Willen bitten, er uns hört. Und wenn wir wissen, dass Er uns hört, wissen wir auch, dass Er die Petition unseres Herzens erfüllen wird (1 Johannes 5:14-15). Was will Gott für dich, außer seine Liebe zu erkennen? Er möchte, dass du in der Wahrheit wandelst, voller Liebe, Freude, Frieden, Geduld, einen gesunden Geist hast, frei von Angst und frei von Einmischung aus dem Dämonischen. Wir können Ihn getrost um diese Dinge bitten, denn solche sind sicher Sein Wille für unser Leben.

Hebräisch für Christen

Die Philosophen forderten die Menschen häufig zur Selbsterforschung auf. Paulus, der das wahre Evangelium verkündet, trägt Christus in sich ( 13,3-4 ); die Korinther aber müssen selbst entscheiden, ob das auch auf sie zutrifft. Wenn Christus in ihnen ist, dann mit Sicherheit auch in Paulus, ihrem geistlichen Vater.

Craig Keener, – Kommentar zum Umfeld des Neuen Testaments

πειράζετε Imp. πειράζω versuchen; hier auf die Probe stellen. δοκιμά-ζετε Imp. δοκιμάζω (< δόκιμος erprobt) prüfen. ἢ οὐκ ἐπιγινώσκετε ἑαυτοὺς ὅτι oder erkennt ihr im Blick auf euch/an euch selbst (Akk. der Beziehung; A149) nicht, dass? εἰ μήτι … ἐστε es sei denn, dass ihr … seid bzw. sonst (wenn dies nicht erkennbar sein sollte) wärt ihr ja … ἀ-δόκιμος eig. die Probe nicht bestehend, daher unbewährt bzw. unecht.

Neuer Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament

Dieser Vers hängt folgendermaßen mit dem ersten Teil von Vers 3 zusammen: »Weil ihr einen Beweis sucht, dass Christus durch mich spricht … ›prüft euch, ob … Jesus Christus in euch ist‹.« Sie selbst waren der Beweis seiner Apostelschaft. Durch ihn waren sie zum Herrn geführt worden. Wenn sie seine Zeugnisse sehen wollten, brauchten sie nur sich selbst anzusehen.
Vers 5 wird oft für die Lehre missbraucht, dass wir in uns selbst nach Heilsgewissheit ausschauen sollten, doch das führt nur zu Entmutigung und Zweifeln. Die Heilsgewissheit erhalten wir in erster Linie durch das Wort Gottes. In dem Augenblick, in dem wir Christus unser Leben anvertrauen, dürfen wir durch die Autorität der Bibel wissen, dass wir wiedergeboren sind. Wenn die Zeit fortschreitet, finden wir andere Beweise für das neue Leben – Liebe zur Heiligung, Hass gegenüber der Sünde, Liebe zu den Geschwistern, praktische Gerechtigkeit, Gehorsam und Absonderung von der Welt.
Doch Paulus will den Korinthern hier nicht raten, sich selbst zu prüfen, damit sie dadurch einen Beweis für ihr Heil erhalten. Er will ihnen nur sagen, dass ihre Erlösung ein Beweis seiner Apostelschaft ist.
Es gab nur zwei Möglichkeiten: Entweder war »Jesus Christus in« ihnen, oder sie waren »unbewährt«, d. h. nicht gläubig. Das Wort, das mit »unbewährt« wiedergegeben wird, wurde benutzt, um Metalle zu beschreiben, die sich bei der Echtheitsprüfung als unecht erwiesen hatten. Genauso waren die Korinther entweder echte Gläubige, oder sie waren »unbewährt«, weil sie die Prüfung nicht bestanden hatten.

MacDonald – Kommentar zum Neuen Testament

Jetzt geht sein Blick auf die Gemeinde zunächst in einer andern Richtung. Er, der Apostel bereitet seinen dritten Besuch in Korinth vor. Auch die Gemeinde soll sich auf diesen Besuch rüsten. Wie kann sie das tun? Durch eine klare Selbstprüfung. „Macht an euch selbst die Probe, ob ihr im Glauben seid; prüft euch selbst (oder: macht euch selbst bewährt). Oder erkennt ihr nicht an euch selbst, daß Jesus Christus in euch ist?“ Es ist kennzeichnend für das, was einem Paulus wesentlich als „Christentum“ und „Christsein“ galt, daß die „Prüfungsfrage“ für die Gemeinde nur die eine ist: „Ob ihr im Glauben seid.“ Paulus hatte mit großem Ernst von den Schäden im Gemeindeleben gesprochen. Und dabei „Streit, Eifersucht, Verleumdung“ genannt. Er hatte dann an die Entstellung des geschlechtlichen Lebens erinnert, an „Unreinheit, Unzucht und Ausschweifung“. Aber jetzt bei der Selbstprüfung der Gemeinde geht es nicht um diese Dinge; die Selbstprüfung ist keine moralische. Es geht um den „Glauben“. Dabei machen aber die Formulierungen des Apostels sofort deutlich, daß er nicht an intellektualistischen kraftlosen „Glauben“ denkt, der nur in der Zustimmung zu christlichen Ansichten und Meinungen besteht. Paulus fragt nicht, ob sie „Glauben haben“, sondern ob sie „im Glauben sind“. Der Glaube ist dadurch als der umfassende Raum gekennzeichnet, in dem sich das ganze Leben eines Menschen abspielt, als die bestimmende und formende Macht, die alles Denken und Reden, Tun und Lassen durchwaltet. Dieser „Glaube“ ist so wenig eine bloß gedankliche Sache, daß in ihm vielmehr Jesus Christus selber in einem Menschen, in einer Gemeinde anwesend und wirksam ist. Paulus verwendet dabei den vollen Namen „Jesus Christus“. Nicht nur ein jenseitiger, geistiger Christus, der nicht viel mehr ist als eine „Christusidee“, sondern der wirkliche Christus, der als Jesus von Nazareth unter uns gelebt, gelehrt, geheilt, gelitten und das Kreuz getragen hat, ist in den Glaubenden gegenwärtig. Das freilich muß in seiner Realität an den Glaubenden von ihnen selber zu „erkennen“ sein! Die Korinther können es bei ihrer Selbstprüfung erfahren: „Oder erkennt ihr nicht an euch selbst, daß Jesus Christus in euch ist?“
Sind die Korinther „im Glauben“ und ist darum Jesus Christus in ihnen, dann ist alles gut. Dann müssen sie so wenig wie Paulus vor dem neuen Zusammensein beim dritten Besuch des Apostels in Sorge sein. Denn dann sind sie im wesentlichen geeint und werden sich darum auch in allen einzelnen Fragen zusammenfinden. Gerichtsmaßnahmen und Ausschließung von Gemeindegliedrn, die in der Sünde beharren, werden sie als notwendig bejahen. Die Beseitigungen der Spaltungen und der Ordnungsstörungen, das Ausräumen von Eigensüchteleien, Verleumdungen, Gezischel und Aufgeblasenheiten werden sie als befreiend begrüßen. Solche Maßnahmen wären vergeblich, wenn die Gemeinde nicht mehr „im Glauben“ ist. Darum fügt Paulus den Satz hinzu: „Ihr müßtet denn etwa unbewährt sein.“ Aber Paulus sieht das nur als eine äußerste Möglichkeit, die er in der Formung des Satzes sofort selber ausschließt. Nein, so kann es in Korinth nicht stehen. Das kann und wird nicht das Ergebnis der Prüfung sein. Es ist freilich ernst mit der Selbstprüfung. In einer Täuschung darf gerade in dieser Sache niemand bleiben. Aber die Gemeinde war fähig, sich von ihren Verführern zu lösen und von ihren Irrwegen zu dem Apostel und seiner Botschaft zurückzukehren. Darum wird sie es bei einer Prüfung ihres Glaubens mit beschämtem Dank erkennen, daß die Hand Jesu sie festgehalten hat und daß Jesus Christus in ihnen ist. In ihrer Umkehr hat sich die Gemeinde als „bewährt“ erwiesen.

de Boor – Wuppertaler Studienbibel

Den Korinthern gilt die Mahnung. Sie sollen sich auf den Besuch des Apostels vorbereiten. »Sich selbst« sollen sie »prüfen«, ob sie »im Glauben« sind und sich selbst als bewährt auch finden (im Sinne von »sich dann bessern«, zurückkehren zum Leben im Glauben). Die »Selbstprüfung« ist durchaus möglich und für die Korinther notwendig. Freilich, ständig geübt würde das gefährdend, bände den Blick an sich selbst – und da sähe man bei wirklicher Prüfung viel Ungutes – und zöge vom Blick auf Christus ab. Paulus hat aber den Korinthern in seinem Brief die Christusgestalt und -art so eindrücklich vor Augen gestellt, dass sie jetzt gewiss sich selbst prüfen können. Es soll aber auch keine Auflistung von Mängeln und Sünden sein. Diese Selbstprüfung, zu der der Apostel die Korinther ermahnt, kennt nur diese eine Prüffrage: »Stehe ich im Glauben?«

Der Glaube ist nicht ein Teil des Lebens und Denkens, sondern ist das, was alles formt und prägt. Verdeutlichend sagt der Apostel deshalb, sie sollen selbst erkennen, »dass Christus Jesus in euch ist«. Um dieses geht es, ob Jesus Christus – der volle Name kennzeichnet den Herrn ganz umfassend als Irdischen (mit seinen Worten) und als Erhöhten (in Kraft) – die Herrschaft im Leben der Gemeinde, jedes Einzelnen hat. Paulus drückt das in der Form der Frage aus, die jedoch im Griechischen eine bejahende Antwort mit setzt. Der Apostel vertraut darauf, dass die Gemeinde »im Glauben steht«, dass die Herrschaft Jesu Christi sie prägt und bestimmt. So werden Apostel und Gemeinde auch zusammen die notwendigen Schritte tun können, die zu einer völligen Reinigung jetzt erforderlich sind. Doch beides gilt, bis heute: Die christliche Gemeinde ist »Gemeinde Gottes«, »steht im Glauben« und lebt in der Herrschaft Jesu Christi, und sie bleibt aufgerufen zur Selbstprüfung, damit sie die Einbruchstellen des Satans erkennt und sich neu reinigen lassen kann. Denn die Gemeinde Gottes bleibt angegriffen, umlauert vom Satan. Hier täusche sich keiner! Es gibt die Gemeinde der Reinen, der Sündlosen in dieser Weltzeit nicht; wohl aber die Gemeinde der Heiligen, die sich täglich in die Heiligung durch Christus rufen lassen.

Gerhard Maier – Edition C

In diesem Abschnitt antwortet Paulus denen, die einen Beweis für seinen Anspruch auf apostolische Autorität suchten, indem er ihnen sagt, sie sollten einmal sich selbst untersuchen, um festzustellen, ob sie wahrhaft im Glauben stünden, das heißt, ob sie wahre Gläubige seien. Wenn ja, dann ergibt sich zwingend, daß der Mann, der ihnen die Botschaft gebracht hatte, kein Betrüger sein kann. Wenn sie sein Werk im Herrn waren, und daran zweifelten weder sie noch er, dann mußte er ein echter Apostel sein, und der Fall wäre damit für immer erledigt. Gott hat in Seiner Gnade oft schwache Werkzeuge benutzt, um Ihm zu dienen, aber Er würde nie einen falschen Zeugen durch Seinen Segen bestätigen. Die Korinther hatten natürlich nicht daran gedacht, daß sie sich selbst in Frage stellten, als sie an ihm als Apostel zweifelten. Die Worte „prüfet euch selbst“ werden oft als Warnung an bloße Lippenbekenner verwendet, und sie können auch so angewendet werden; der Zusammenhang macht jedoch deutlich, daß die Untersuchung in diesem Fall erweisen würde, daß sie nicht Unbewährte waren, sondern wahre Kinder Gottes. Andere mögen Paulus in Zweifel gezogen haben; die Korinther hatten gewiß kein Recht dazu. Sagte er nicht von ihnen: „Wenn ich anderen nicht ein Apostel bin, so bin ich es doch wenigstens euch; denn das Siegel meines Apostelamtes seid ihr im Herrn“ (1Kor 9,2)? Sie waren sein „Brief … gekannt und gelesen von allen Menschen“ (2Kor 3,2). Nur wenn sie ihre Augen vor dem Offenkundigen verschlossen, konnten sie ihn als einen Hochstapler ansehen. Als sie ihn der Prüfung unterziehen wollten, ob er dem Standard eines echten Apostels genügte, hatten sie das falsche Stück Metall in den Schmelztiegel geworfen; denn sie waren es, die sich zu prüfen hatten. Die Betonung liegt auf den Fürwörtern „euch selbst“ und „ihr“. Es gibt zwei Merkmale des wahren Christen: Er ist erstens „im Glauben“, was bedeutet, daß er an das Evangelium glaubt und im Glauben lebt, und zweitens ist „Christus in ihm“, was bedeutet, daß er das Bewußtsein hat, daß Christus in seinem Herzen lebt und daß er an Ihm Freude hat. Alle, die keinen Glauben haben und Christus nicht besitzen, sind unbewährt oder wertlos.

Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt

In Erinnerung an „Peter Albert Pape“

Jeder der ein „gutes Auto geschenkt“ bekommen hatte, kann ihn – den Verkäufer mit der Brille, der bei Farben Wittich in Heinersdorf arbeitete und jede „Westfarbe“ mischen konnte, so dass das Schmuckstück nachher wieder ohne Kratzer und Farbfehler auf den Straßen Ostberlin unterwegs sein konnte. Das war in den 1970igern und Anfang der 1980iger.
Jeder der in den letzten 30 Jahren Im Saalbau der Zeugen Jehovas beschäftigt war, kannte ihn als „Gewerkeleiter“ bei den Malern, der dafür sorgte, dass das Weiß der Bühne „dem Auge nicht weh tat“.

Gestern Abend ist mein Paps nun gestorben – den nächsten Augenblick den er erleben wird, wird erst sein, wenn Jesus die Toten aus den Gräbern ruft. Dadurch entgeht ihm die Frage, wo er in der kommenden Streitfrage stehen würde: ob er sich für Gottes irdisches Volk oder für eine menschliche Organisation entscheiden würde.
Ja, sein lebenslanger Wunsch, war wie Paulus schrieb:

In unserem irdischen Zelt seufzen wir, weil wir uns nach der Wohnung sehnen, die aus dem Himmel stammt, und am liebsten würden wir den neuen Körper wie ein Gewand direkt über den alten anziehen. Denn nur dann, wenn wir ´den neuen Körper angezogen haben, werden wir nicht unbekleidet dastehen. Ja, solange wir noch in unserem irdischen Zelt wohnen, wo so vieles uns bedrückt, seufzen wir ´voll Sehnsucht, denn wir möchten ´den jetzigen Körper am liebsten gar nicht erst ablegen müssen, sondern ´den künftigen unmittelbar darüber anziehen. Auf diese Weise würde das, was sterblich ist, sozusagen vom Leben verschlungen.

Neue Genfer Übersetzung – 2. Kor 5,2–5

Dein Vater war im Zuchthaus, weil er als Versammlungsdiener in Pankow diente. Dann hast du den Mauerbau 1961 gesehen, genauso wie du den Mauerfall 1989 miterlebt hast.
Als ich zwei Monate alt war, wurdest du für 22 Monate inhaftiert, weil du dich geweigert hattest, den Armeedienst in der DDR aufzunehmen. Aus dieser Zeit waren mindestens zwei Familien die nächsten Jahrzehnte mit dir befreundet.
Als du aus dem Gefängnis entlassen wurdest, wurdest du bald wieder Vater – damit war deine Familie „vollständig“. In der Zeit meiner Kindheit warst du oft unterwegs, manchmal durften wir als Familie mit. Bei uns zu Hause sammelten sich hunderte von „DDR-Wachttürmen“ die dann in die unterschiedlichsten Orte quer durch die Republik gefahren wurden. Ich finde es heute noch komisch, dass du dabei ein so auffälliges Auto gefahren bist: ein weißer Trabant aber mit einem roten Streifen. Als Kinder sollten wir nicht viel darüber wissen, damit wir nicht „aus versehen“ ausgefragt werden konnten.
Wenn ich mich nicht irre, waren wir nur in Heringsdorf oder bei der Uroma in Eggesin im Urlaub – später dann ein paar Mal in Swinemünde bei „Brüdern“.

Da wir als Bibelstudiengruppe gerade durch das Hohelied gehen, hatte ich gerade letzte Woche daran gedacht, wie „deine Buchstudiengruppe“ irgendwann in den 1970igern ihr „Wachtturmstudium“ in unserer Wohnung abbrechen mußte, weil einer der anwesenden Schwestern, anstatt „Sulamith“ Sultanine vorgelesen hatte, und ihr euch nicht mehr beruhigen konntet.

Mein Vater und seine erste Frau (meine Mutter)

Wir sehen uns wieder, denn Jesus sagte:

Jesus sicherte ihr zu: „Dein Bruder wird auferstehen“, worauf Martha erwiderte: „Ich weiß, dass er auferstehen wird — in der Auferstehung am letzten Tag.“  Jesus erklärte ihr: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird zum Leben kommen, auch wenn er stirbt. 26  Und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird überhaupt nie sterben. Glaubst du das?“

neue Welt Übersetzung – 2018 – Johannes 11:23–26

Du öffnest ´freigebig` deine Handund sättigst alles, was lebt, mit deinen guten Gaben

Du tust deine Hand auf und sättigst alles Lebendige nach Begehr. (O. mit Huld; wie 5Mose 33,23)
Elberfelder 1871 – Psalm 145,16

der du deine Hand öffnest
und alles Lebende sättigst mit Gefallen.
Buber & Rosenzweig – Psalm 145:16

Du öffnest deine Hand und sättigst alles Leben mit Wohlgefallen.
Die Philippson-Bibel – Ps 145,16

Du öffnest ´freigebig` deine Hand
und sättigst alles, was lebt, mit deinen guten Gaben.
Neue Genfer Übersetzung – Ps 145:16

alles, was lebt Gott schenkt allen seinen Geschöpfen Gaben: Menschen und Tieren wie auch Heiligen und Sündern.

Sproul – Reformations-Studien-Bibel

Das ist: (Wenn du Herr Christus deine Hand reichlich auftust, so gibst du die Nahrung haufenweise, dass Menschen und Vieh deiner Gaben mit Lust genießen. Hinwiederum aber, wenn du deine Hand zutust und zuschließt (wie der Prophet anderswo sagt), so verschmachten die Kreaturen. Darum so bitten wir unsere Nahrung von dir und für die empfangene Unterhaltung danken wir dir richtig, Herr Jesu Christus, samt dem Vater und Heiligem Geist.) (Nach Luther) Das ist: Genug und satt, dass sie Wohlgefallen daran haben mögen, obwohl ein Geiziger anderes sucht.

Osiander – Luther Studienbibel

Außerdem ist er groß in seiner Vorsehung. Alle Geschöpfe blicken in Abhängigkeit und Erwartung zu ihm auf, und er versorgt sie mit Nahrung, wie sie es nötig haben ‒ in wunderbar geregelter Ordnung von Wachsen, Zubereiten und Austeilen. Er braucht nur seine Hand zu öffnen, und schon speist er unzählige Geschöpfe. Welch ein großer Gott ist er!

MacDonald – Kommentar zum Alten Testament

Der HERR hat sich zu uns geneigt und uns aufgeholfen, damit wir fortan von ihm allein alles erwarten, was wir täglich brauchen. Mit unseren Augen schauen wir auf zu ihm (siehe Ps 123,1; Hebr 12,2) und harren auf ihn (siehe Ps 130,7; 131,3; Jes 40,31), und er gibt uns, was wir brauchen. Er gibt gewiss; er gibt so viel, als uns nottut, und er gibt es »zu seiner Zeit«. Darum sind »glückselig alle, die auf ihn harren« (Jes 30,18).
»(S)eine Hand« steht für seine Macht zu erschaffen, denn die Schöpfung und die Erlösung sind Werke seiner Hände. Seine Hand steht auch für seinen Geist (siehe Hes 8,1), durch den er uns alle geistlichen Segnungen gibt.

Benedikt Peters – Die Psalmen

Wem ist Gott in den Versen 13b–16 treu? Diejenigen, an denen Gott treu handelt, werden beschrieben als »alle, die da fallen … alle …, die niedergeschlagen sind … Aller Augen … alles, was lebt«. Hier zeigt sich eine Treue gegen die gesamte Menschheit, tatsächlich sogar gegen jedes Lebewesen, einschließlich der Tiere, Vögel, Fische und selbst der Grashalme. Das ist eine Großzügigkeit gegen alle, ohne jegliche Unterscheidung: Sie gilt den Bösen und den Gerechten, den Komplexen und den Einfachen, den Vernunftbegabten und den weniger Vernunftbegabten, den Empfindungsfähigen und den Empfindungslosen – einfach jedem Lebewesen.

Welchen Bund hält Gott hier (siehe 1 Mose 9, 9–11)? Der Bund, auf den sich das bezieht, ist Gottes Verheißung an Noah. Er besiegelte mit dem Regenbogen, dass er die gute Ordnung des Universums aufrechterhalten wird: Tag und Nacht, Jahreszeiten, Ernten usw. Damals verhieß Gott, diese Welt niemals zur Hölle auf Erden werden zu lassen. Das Böse mag furchtbar sein, doch ihm werden in diesem Zeitalter stets Grenzen gesetzt. Nach der Finsternis wird die Sonne aufgehen. Nach dem Winter wird der Frühling anbrechen. Nach der Dürre wird Regen fallen. Das ist so, denn Gott, der himmlische Vater, »lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte« (Mt 5, 45). Jeder Tag des Lebens ist ein Tag der allgemeinen Gnade Gottes für alle. Gott gab Noah diese Verheißung, und er hält sie.

Ash – Die Bibel erklärt

Unser großer Gott ist kein „abwesender Vermieter“, der die Miete kassiert, aber nie das Dach repariert. Er kennt jede unserer Nöte, und er ist da, um denen zu helfen, die ihn anrufen – denen, die fallen, denen, die schwere Lasten zu tragen haben, denen, die hungern, und natürlich denen, die von ihren Sünden gerettet werden wollen (Apostelgeschichte 2,21). Wir mühen uns ab für unser tägliches Brot, aber alles, was Gott zu tun hat, ist, seine Hand zu öffnen, wenn er unsere Schreie hört, und alle unsere Bedürfnisse zu stillen. Wenn er ein Bedürfnis stillt, müssen wir ihn preisen, und wir müssen ihn preisen, wenn er das nächste Bedürfnis stillt! „Alle eure Sorge werft auf ihn, denn er sorgt für euch“ (1. Petrus 5,7, NKJV). (Siehe 104:27-28 und Matthäus 6:26.)

Warren W. Wiersbe – Sei Commentary Serie

Niederträchtige duldest du nicht in deiner Gegenwart.

Denn nicht ein Gott (El) bist du, der an Gesetzlosigkeit Gefallen hat; bei dir wird das Böse (O. der Böse) nicht weilen.
Elberfelder 1871 – Psalm 5,5

Denn nicht bist du eine Gottheit,
die Lust hat am Frevel,
ein Böser darf nicht bei dir gasten,
Buber & Rosenzweig – Psalm 5:5

Denn nicht ein Gott, den Unrecht freut, bist du nicht weilt bei dir der Böse;
Tur-Sinai – Ps 5,5

Denn du bist ein Gott, dem es nicht gefällt, wenn Menschen sich dir widersetzen.
Niederträchtige duldest du nicht in deiner Gegenwart.
Neue Genfer Übersetzung – Ps 5:5

denn du bist nicht ein Gott*, der an Ehrfurchtslosigkeit* Gefallen hat.
Böses darf bei dir nicht weilen.

Jantzen & Jettel – Psalm 5:5

Viele Menschen denken, es „reicht“ zu glauben, dass es einen Gott gibt. Die anderen sind von überzeugt, dass es „reicht“, zu wissen, wie dieser Schöpfergott heißt. Doch das Jehovah eine Beziehung möchte – und in einer Beziehung auch die Taten und Gefühle mitspielen, übersehen leider viele. So kenne ich viele Menschen, die vom herzen her, hinterhältige Menschen sind, aber nach außen hin halt alle Gebote halten, die ihrer Meinung nach wichtig sind, um nicht ausgeschlossen zu werden. Aber wie der Psalmist sagt, ist für einen lebendigen Gott wichtig, was man fühlt und nicht nur, ob man die Buchstaben einhält.

Intoleranz ist eine schlechte Frucht. Alle, die sie in irgendeiner Form üben, könnten nicht die wahre Religion oder die reine Anbetung Jehovas pflegen. „Es gibt keinen edlen Baum, der faule Frucht bringt; wiederum gibt es keinen faulen Baum, der edle Frucht bringt. Denn jeder Baum wird an seiner eigenen Frucht erkannt.“ — Lukas 6:43, 44, NW.
Wer Intoleranz an den Tag legt, kennt Gott nicht, denn er ist ein sehr toleranter Gott. Auf welche Arten hat denn Jehova Toleranz geoffenbart? Indem er das böse alte System der Dinge mehr als viertausend Jahre geduldet hat. Gewisse Menschen, die unter Ungerechtigkeiten und Bedrückung litten, haben die Weisheit Gottes, der diese Zustände zuliess, in Frage gestellt und Gott angeklagt, mit Gesetzlosigkeit in Sympathie zu sein. Dadurch zeigen solche Menschen, dass sie des Verständnisses ermangeln. David musste durch den neidischen König Saul viel leiden, klagte dafür aber nicht törichterweise Gott an. Zeigend, dass er das richtige Verständnis hatte, drückte er sich wie folgt aus: „Denn nicht ein Gott bist du, der an Gesetzlosigkeit Gefallen hat; bei dir wird das Böse nicht weilen. Nicht werden die Toren bestehen vor deinen Augen; du hassest alle, die Frevel tun. Du wirst vertilgen die Lügenredner; den Mann des Blutes und des Truges verabscheut Jehova.“ — Psalm 5:4-6.

Wachtturm 1.Dezember1952

Nach der Anrufung und erneuten Hingabe folgt ein »hymnisches Treuebekenntnis zu Gott« (Weiser). Und das heißt: Gott steht als Heiliger vor dem inneren Auge des Beters (vgl. V. 8). Ja, man kann sagen: Gott wird heilig für den Beter, wenn dieser sich ihm schenkt. Dann folgt aber eine Wendung, die uns hier wie bei anderen Stellen in den Psalm-Gebeten große Schwierigkeiten macht. Denn wenn Gott für den betenden David (und alle seine Nach-Beter) heilig wird, heißt das zugleich: Gott hat nicht Gefallen am Frevel, und in seiner Nähe hält sich kein Böser auf. Klingt das nicht nach Selbstrechtfertigung? Doch wie man etwa an Ps 15 und Ps 24 erkennen kann, gibt es Bedingungen, die erfüllt sein müssen, damit der Zutritt zu dem heilig-offenbaren Gott möglich ist. Nicht David ist es, der seinen Haß auf die Frevler ergießt. Im Beten wird ihm klar, daß die, die sich bewußt von Gott absetzen und als Verblendete sich ihres Zustandes nicht bewußt sind, nicht vor deine Augen treten dürfen. Wer das Böse nicht verabscheut, den verabscheut Jahwe. Lügenredner sind Menschen, die in ihrer Verblendung beharren und sich trotzdem helfen lassen wollen. Darum wird ihre Rede, mag sie auch den Namen Gottes in den Mund nehmen, unwahr.

Schneider – Wuppertaler Studienbibel

In den nächsten vier Versen weist der Psalmist darauf hin, dass er in seinem Gebet um Befreiung von den Bösen zuversichtlich sein kann, weil Gott ihn in sein Heiligtum aufgenommen hat, das Böse aber hasst und aus seiner Gegenwart verbannt. Mit anderen Worten: Hier betet ein gerechter Mann zu einem gerechten Gott um Schutz vor den Ungerechten. Wenn Gott tatsächlich Übeltäter bestraft, dann kann er getrost darum beten, dass er das jetzt tut und die Gerechten von ihrer Schlechtigkeit verschont.

Bei der Beschreibung des Charakters der Bösen geht er von Gott aus: „Denn du bist kein Gott, der Gefallen an der Bosheit hat; das Böse kann nicht bei dir wohnen.“ Es gibt keinen Teil des Weges der Schlechtigkeit, den Gott duldet. Wenn er sagt, dass „das Böse nicht bei dir wohnen kann“ (יְגֻרְךָ, ein mögliches Imperfekt von גּוּר), dann meint er damit, dass das Böse nicht einmal vorübergehend in Gottes Gegenwart verweilen kann (גּוּר bedeutet „sich aufhalten, vorübergehend wohnen“). Es kann nicht Gottes Gast sein, denn das würde das Böse zu Gottes Fürsorge und Schutz berechtigen. Das Böse ist in Gottes Haus nicht willkommen.

Tatsächlich können die Hochmütigen nicht einmal in Gottes Gegenwart stehen (V. 5). Die „Hochmütigen“ sind eitle Prahler, arrogante Narren (הֹלְלִים; s.v. Ps. 33:1). Weil sie sich unabhängig von Gott und damit über Gott erheben, können sie keinen Platz (יִתְיַצְּבוּ) in seiner Gegenwart einnehmen. Dieses Verb könnte sich auf das „Stehen“ im Gericht beziehen (wie in Ps 1,5-6) oder auf eine Entscheidung vor Gericht oder auf das Gericht im Dienst des Königs; es könnte sich aber auch auf das Stehen vor dem HERRN beziehen (wie in Ps 2,2; hier „vor deinen Augen“). Wo der Herr seine Gegenwart kundtut, können diese Narren nicht bestehen oder ihre Position halten.

Der Grund dafür, dass sie ihre überhebliche Position in Gottes Gegenwart nicht halten können, ist, dass Gott alle „Frevler“ hasst (פֹּעֲלֵי אָוֶן; für „Frevel“, s.v. Ps. 28:3). Dies ist nicht einfach ein Hinweis auf Menschen, die sündigen; das Partizip beschreibt Menschen, deren charakteristische Tätigkeit darin besteht, Unrecht zu tun (vgl. Mt 7,23). Wenn Gott sie „hasst“, bedeutet das, dass er sie völlig ablehnt, weil sie mit seinem heiligen und gerechten Wesen unvereinbar sind. Diese Gedanken werden in Vers 6 verstärkt, der die Reihenfolge von Vers 5 wiedergibt:2 „Du vernichtest die, die Lügen reden“ (דֹּבְרֵי כָּזָב). Das Übel, mit dem der Psalmist konfrontiert war, bestand in der Lüge. „Lügen“ (כָּזָב) wird mit Betrug (מִרְמָה) gleichgesetzt.2 Ihr Betrug ist bösartig, denn sie sind „blutdürstig“, wörtlich „Männer des Blutes“, der Plural von „Blut“, der anzeigt, dass sie Blut vergießen. Ihr Betrug war heimtückisch, ihre Lügen waren gefährlich – das Leben des Psalmisten war in Gefahr. Das einzig Hoffnungsvolle, was der Psalmist hier sagen kann, ist, dass Gott diese Menschen verabscheut. Das Verb „verabscheuen“ (יְתָעֵב) ist verwandt mit dem bekannten Substantiv „Greuel“ (תּוֹעֵבָה; s.v. Ps. 14:1), das das beschreibt, was für Gott völlig abscheulich ist – verboten, tabu; wenn also der Psalmist von Menschen bedroht wurde, die Gott verabscheute, konnte er sich in seinem Gebet sicherer fühlen.

Allen P. Ross – Ein Kommentar zu den Psalmen

»Denn nicht ein Gott bist du …«: David weiß, wie Gott nicht ist, weil er weiß, wie Gott ist. Es ist die Erkenntnis Gottes, die den Glauben nährt, das Herz beschwichtigt und Stille ins Gemüt senkt.
»… dem Gottloses gefällt«: Gott gefällt das Böse nicht, das uns bedrängt; er verabscheut es viel tiefer als wir, tiefer als wir überhaupt ahnen können. Wie froh macht dieses Wissen! Verabscheut er es, sollte er es dann nicht zu seiner Zeit richten? Und sollte er es, während er es noch eine Weile gewähren lässt, nicht so lange seinen guten Absichten dienstbar machen (vgl. Jes 38,17)? Weil Gott kein Gefallen an Gottlosem hat, kann ich ruhig auf den Tag harren, an dem Gott eingreifen wird. Dann wird das Böse niedergeworfen und dann werden die Gerechten erhöht werden (Ps 75,8).
»bei dir kann der Böse nicht weilen«: Wenn der Heilige vor Gott steht, dann weiß er, dass Gott keinen Bösen und kein Böses in seiner Gegenwart dulden wird, auch keinen Bösen inmitten des Volkes Gottes und auch kein Böses im Leben seiner Geliebten. Wie sollte auch »mit dir vereint sein der Thron des Verderbens, der aus Frevel eine Satzung macht« (Ps 94,20)? David weiß, dass er nur beten kann, wenn er sein eigenes Böses bekannt und verurteilt hat und keine bösen Absichten in seinem Herzen trägt (Ps 66,18). Das Böse kann vor Gott nicht bestehen; aber auch der Böse wird vor Gottes Angesicht nicht weilen. Sein Tag naht; er wird auf immer aus Gottes Himmel verstoßen werden (Offb 12,9).

Benedikt Peters – Die Psalmen

Gott hat weder Gefallen an der Bosheit noch kann er der Sünde gegenüber neutral sein; deshalb können rebellische Sünder nicht in seine Gegenwart kommen (15:1ff; 24:3-6). Gott hat Gefallen an denen, die ihn fürchten (147,11) und die ihn aufrichtig preisen (69,31). Um Gott zu gefallen, müssen wir Glauben haben (Hebr 11,6) und mit seinem Sohn identifiziert werden, an dem er Wohlgefallen hat (Mt 3,17). Wenn Sie die Verse 5-6 und 9-10 lesen, treffen Sie auf eine Gruppe von Menschen, die Gott absichtlich und wiederholt ungehorsam sind und sich keine Gedanken über die Konsequenzen machen. Es ist die Menge, die Johannes in Offenbarung 21:8 beschreibt, die Menschen, die in die Hölle kommen. Gott liebt die Welt der verlorenen Sünder (Johannes 3,16) und hat seinen einzigen Sohn gesandt, „um der Welt Retter zu sein“ (1. Johannes 4,14 und siehe 1. Tim. 2,3-4 und 2. Petrus 3,9). Jesus starb am Kreuz für die Sünden der Welt (1. Johannes 2,1-2), und seine Einladung zum Heil ergeht an alle, die glauben und kommen wollen (Mt 11,28-30; Offb 22,17). Das sind die gewaltigen Dimensionen der Gnade und Liebe Gottes (Eph 3,18-19).

Aber die herrliche Wahrheit von Gottes Liebe ändert nichts an der Tatsache, dass Gott die Sünde hasst und die Sünder bestraft. Er hat kein Gefallen an ihnen, und sie können nicht bei ihm wohnen (V. 4) oder vor ihm stehen, so wie sie sind (V. 5; siehe 1,5-6). Er verabscheut Mörder und Lügner und vernichtet sie, wenn sie seinem Sohn nicht vertrauen (V. 6). Es ist nicht nötig, das Wort „hassen“ in diesem Vers abzuschwächen 5 abzuschwächen, denn man findet es auch in 11,5 und 45,7, und siehe 7,11. In der Tat erwartet der Herr von denen, die ihn lieben, dass sie lieben, was er liebt, und hassen, was er hasst (97:10; 119:113; 139:21; Spr 6:16-17; Amos 5:15; Röm 12:9). So etwas wie das „abstrakte Böse“ gibt es nicht, außer in Wörterbüchern und Philosophiebüchern. Das Böse ist keine Abstraktion; es ist eine schreckliche Kraft in dieser Welt, die Leben zerstört und Menschen für die Hölle gefangen nimmt. Gottes Hass auf das Böse ist nicht gefühlsmäßig, sondern gerichtlich, ein Ausdruck seiner Heiligkeit. Wenn wir mit Gott an seinem heiligen Altar Gemeinschaft haben wollen, dann müssen wir denselben Zorn (Zorn plus Liebe) empfinden, wenn wir das Böse in dieser gefallenen Welt sehen.

Warren W. Wiersbe Sei Commentary