Freiheit oder Joch

Für die (O. In der) Freiheit hat Christus uns freigemacht; stehet nun fest und lasset euch nicht wiederum unter einem Joche der Knechtschaft (O. Sklaverei) halten.
Siehe, ich, Paulus, sage euch, daß wenn ihr beschnitten werdet, Christus euch nichts nützen wird. Ich bezeuge aber wiederum jedem Menschen, der beschnitten wird, daß er das ganze Gesetz zu tun schuldig ist.
Elberfelder 1871 – Galater 5,1–3

Bewahrt die Freiheit, die Christus euch schenkt!
Durch Christus sind wir frei geworden, damit wir als Befreite leben. Jetzt kommt es darauf an, dass ihr euch nicht wieder vom Gesetz versklaven lasst. Ich, Paulus, sage euch deshalb in aller Deutlichkeit: Wenn ihr euch beschneiden lasst, wird alles nutzlos sein, was Christus für euch getan hat.  Und noch einmal erkläre ich jedem Einzelnen von euch: Wer sich beschneiden lässt, der muss das ganze Gesetz mit allen seinen Forderungen befolgen.  Wenn ihr aber durch das Gesetz vor Gott bestehen wollt, dann habt ihr euch von Christus losgesagt und Gottes Gnade verspielt.
Hoffnung für Alle – Galater 5,1–4

Freiheit? Zuallerst muss ich dann an das „berühmte Zitat“ von Rosa Luxenburg denken: „Freiheit ist immer auch die Freiheit des Andersdenkenden“ – und gerade diese Art Freiheit wollen viele „Christen“ heute in die Worte des Paulus hineinfühlen. Doch was meinte Paulus mit der Freiheit, die wir durch Christus haben?

In diesem Vers werden zunächst die Ausführungen von Kapitel 4 – der Gegensatz zwischen Knechtschaft und Freiheit – nochmals zusammengefaßt. Zugleich dient er als Einleitung für Kapitel 5. Paulus macht deutlich, daß Christus der große Befreier war, der die Christen aus der Knechtschaft befreit hat. Er fordert die Galater auf, in dieser Freiheit fest zu stehen (vgl. 1Kor 16,13; Phil 1,27;4,1; 1Thes 3,8; 2Thes 2,15), denn nach ihrerErlösung aus der Knechtschaft des Heidentums sind sie in Gefahr, sich unter die Knechtschaft des mosaischen Gesetzes zu begeben.

Im folgenden geht Paulus auf eines der entscheidenden Merkmale dieser Knechtschaft, die Beschneidung, ein und erteilt denjenigen Galatern, die sich dieser Vorschrift unterwarfen, einen strengen Verweis. Wenn sie sich beschneiden lassen und damit versuchen, durch Werke Rechtfertigung zu erlangen, so wird ihnen nach den Worten des Paulus Christus nichts nützen. Der Apostel verurteilt also nicht die Beschneidung an sich – er selbst hatte Timotheus (in Galatien) beschneiden lassen, damit er auch unter Juden missionieren konnte (Apg 16,1-3) -, sondern erhebt lediglich Einspruch gegen eine judaistische Theologie, die darauf beharrt, daß die Beschneidung heilsnotwendig sei. Jeder, der sich aus diesem Grund beschneiden läßt, fügt dem Glauben Werke hinzu und beweist damit, daß er den rettenden Glauben an Christus nicht besitzt.

Doch die Hinwendung zum Gesetz hebt nicht nur die Gnade auf, sondern schafft zusätzlich noch ein Netz ganz neuer Verpflichtungen: Wer ein Gebot hält, ist gezwungen, das ganze Gesetz zu tun. Das Gesetz ist eine Einheit, und wenn ein Mensch sich zu seiner Rechtfertigung einem Teil des Gesetzes unterwirft, ist er ein „Schuldner“ des ganzen Kodex mit allen seinen Forderungen und Strafen (vgl. Gal 3,10; Jak 2,10).

Die Annahme des Gesetzes und die Vorstellung, die Beschneidung sei ein religiöses Verdienst, hat noch weitere schreckliche Implikationen, die sich die Galater vor Augen halten müssen. Jeder, der durch das Gesetz gerecht werden will, hat Christus verloren (katErgEthEte, d. h., das Werk Christi hat keine Bedeutung mehr für ihn). Außerdem ist er nach den Worten des Apostels aus der Gnade gefallen. Es geht dabei nicht um den Verlust der Rettung, denn die „Gnade“ ist nicht selbst die Rettung, sondern ein Weg, sie zu erlangen (vgl. Gal 2,21 ,wo der Weg „des Gesetzes“ als untauglich, zu Christus zu kommen, abgelehnt wird). Wenn die Galater die Beschneidung als heilsnotwendig anerkennen, verlassen sie das System der Gnade und stellen sich unter das System des mosaischen Gesetzes. Denselben Fehler begeht ein Gläubiger auch heute, wenn er aus einer Kirche austritt, die lehrt, daß die Rettung durch die Gnade, allein aus Glauben, zustandekommt, und sich einer christlichen Gemeinschaft anschließt, die lehrt, daß die Rettung von Buße, Bekenntnis, Glaube, Taufe und Kirchenmitgliedschaft abhängig ist.

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar


Vier Kapitel lang hat Paulus in immer neuen Anläufen das harte Entweder-Oder von Gesetzesfrömmigkeit und Gerechtigkeit aus Glauben entfaltet; nun fasst er alles in einem klaren Anruf zusammen. Keine theoretischen Gedankengänge, keine lebensferne Dogmatik, sondern die konkrete Lage der Galater in ihrer Verwirrung erfordert diese grundsätzlichen Klärungen. Dabei wird richtige christliche Lehre vorgestellt, sie geschieht auf Grund der Heiligen Schrift, auf einem tiefen Fundament der Erkenntnis des Willens Gottes. Paulus lässt sich im Galaterbrief viel Zeit, um dieses Fundament zu legen, so dass es allen Erschütterungen standhält, dann aber wird das Haus darauf gebaut und das heißt, die ganz konkrete Situation geklärt. Das sind keine kurzatmigen Ratschläge oder Denkhilfen, sondern in der Heilsgeschichte Gottes und dem Weg der Gemeinde festgemachte, vorgestellte und erprobte Leitlinien. Darin liegt das Gewicht der nun folgenden Mahnungen. Sie sind keine oberflächlichen Willensappelle, die nur wenig nützen. Sie sind Rufe zurück zum Fundament, sie sind damit letztlich Einladungen und Angebote, in die Segenslinie wieder einzutreten.

7.1. Ohne die Beschneidung (Gal 5,1-6)
Gal 5,1:

»Zur Freiheit hat uns Christus befreit! So stehet nun fest und lasset euch nicht wiederum in das knechtische Joch fangen!«

»Zur Freiheit hat uns Christus befreit!« – das ist der Überschriftssatz über jede weitere Mahnung, das ist aber auch die Zusammenfassung alles bisher Dargelegten. Die »Freiheit«, die Paulus hier benennt, ist damit zunächst die Freiheit vom Gesetz. Wer in Christus ist, sein Jünger geworden ist, der lebt nicht mehr unter dem Gesetz – unter dem fordernden und vernichtenden Gesetz der Vergeltung -, er lebt nun in der Vergebung. »Christus hat uns befreit«, kein anderer konnte das tun. Er hat die »Mächte« (vgl. Gal 4,3-9) besiegt. Sünde, Satan und Tod haben kein Anrecht mehr an den Kindern Gottes. Jesus hat sie freigekauft. »Steht nun fest«, solche Freiheit muss und kann festgehalten werden und das geschieht eben so, dass wir uns auf diese »objektive« Heilstatsache stellen, auf die Erlösung, die am Kreuz Jesu Christi geschehen ist.

Die Irrlehrer wollen den Galatern diesen festen Stand nehmen. Paulus sagt ganz hart: sie wollen euch „wieder in das knechtische Joch fangen«. Das »Joch«, das Holz, unter das die Zugtiere ihre Nacken beugen müssen, in das sie zur Arbeit eingespannt werden, um ihren eigenen Willen zu brechen, ist ein Bild für Sklaverei. Wer unter dem Joch geht, kann nicht mehr selbst bestimmen, er hat den Forderungen und Anweisungen eines anderen bedingungslos zu gehorchen. In solche Abhängigkeit aber sollen sich die Galater nicht mehr hineinzwingen, wörtlich: »nicht mehr festhalten« lassen. Sie sind schon ein Stück weit vom Stand der Freiheit abgewichen, sind im Begriff, sich unter das Joch des Gesetzes zu beugen und in die Sklaverei der Eigengerechtigkeit zu verfallen. Als äußeres Zeichen der Gesetzesfrömmigkeit gilt aber die Beschneidung. Noch ist Warnung und Rückruf möglich, – offensichtlich sind die Galater noch nicht endgültig entschieden.

Gal 5,2-3:

»(2) Siehe, ich, Paulus, sage euch: Wenn ihr euch beschneiden lasset, so wird euch Christus nichts nützen. (3) Ich bezeuge abermals einem jeden, der sich beschneiden lässt, dass er das ganze Gesetz zu tun schuldig ist.«

Mit seiner ganzen Autorität setzt sich Paulus ein. Seine ganze Person und sein ihm von Christus verliehenes Amt stehen hinter der folgenden Aussage. Er beginnt deshalb diesen Satz, wie eine rechtsgültige Urkunde beginnt, etwa ein kaiserlicher Erlass. »Ich, Paulus, sage euch: Wenn ihr euch beschneiden lasset, so wird euch Christus nichts nützen.« Das ist eine grundsätzliche Feststellung, das Entweder-Oder tritt ganz klar hervor. Die Beschneidung, die Entfernung der Vorhaut des männlichen Gliedes, ist Bundeszeichen für Israel und schon dem Abraham von Gott befohlen (vgl. 1 Mose 17,9-14). Medizinische oder sanitäre Gedanken mögen geltend gemacht werden, doch sie sind nicht entscheidend. Die Beschneidung kennzeichnet das Volk Israel als Eigentum Gottes. Für sich gesehen hat die Beschneidung also keinen Sinn und gewiss keine Heilsbedeutung, sondern nur, wie das ganze Gesetz, als Kennzeichen der Verbindung mit Gott. Israel hat aber, wie das Gesetz, so auch die Beschneidung abgelöst, ja sogar unter Bruch des Bundes mit Gott, verselbstständigt und zur notwendigen Heilsbedingung gemacht. Äußerliche Zeichen und Verhaltensweisen sollen die Sünde verdecken, sollen übertünchen, dass Israel seinem Gott ungehorsam geworden ist und seinen Bund treulos verlassen hat. So kann die »Beschneidung« geradezu zum negativen Zeichen des Selbstgerechten werden.

Es nützt den Galatern nichts, wenn sie sich beschneiden lassen. Durch äußere Zeichen wird kein Mensch gerecht. Christus nützt ihnen dann sogar nichts. Sie leugnen damit seine Befreiungstat. Diese wird dadurch nicht ungeschehen gemacht, aber sie hat für die Galater dann keinerlei Sinn und Nutzen mehr; das griechische Wort für »nützen« kann auch mit »Hilfe bringen« oder »heilsam sein« wiedergegeben werden. Christus kann den Galatern nicht zum Heil helfen, wenn sie sich wieder den anderen Mächten unterjochen und von ihnen Hilfe und Heil erwarten. Er drängt sich niemandem auf; er wartet auf den Ruf des Bedürftigen.

Nicht nur Ablehnung der Hilfe Jesu Christi bedeutet die Beschneidung, sondern eine vollständige Auslieferung des Beschnittenen an die Macht des Gesetzes. Er wird »schuldig«, das ganze Gesetz zu tun. Mit der Beschneidung tritt er in den Machtbereich des Gesetzes und untersteht damit vollständig allen Forderungen des Gesetzes. Er kann nicht ein Gebot halten und ein anderes verwerfen; die Gebote gelten in ihrer Gesamtheit, das »bezeugt« ihnen der Apostel mit ganzem Ernst. Wenn die Galater die Beschneidung als heilsnotwendig annehmen, dann betreten sie damit den alten Weg des Gesetzes, auf dem eine Forderung die andere nach sich zieht. Dan kann man nicht einfach abbrechen, sondern muss den ganzen Weg zu Ende gehen. Damit ist aber die Freiheit des vertrauenden Glaubens verloren.

Gerhardt Maier – Edition C

Freiheit vom Gesetz und doch Gottes Gebote haltend – scheint ein Widerspruch zu werden. Aber wer die Worte von Paulus im Zusammenhang liest, stellt fest, dass bestimmte Feste und Feiertage, Handlungen und Riten – nur um ein Gesetz zu befolgen eben nicht richtig wäre, bzw uns vom heiligen Geist abschneiden würde. Dagegen uns von heiligen Geist leiten zu lassen und deshalb etwas zu Gottes Ehre zu tun, wäre die Freiheit, zu der uns Christus berufen hat.

Veränderung sichtbar?

Denn einst waren auch wir unverständig, ungehorsam, irregehend, dienten mancherlei Lüsten und Vergnügungen, führten unser Leben in Bosheit und Neid, verhaßt und einander hassend.
Als aber die Güte und die Menschenliebe unseres Heiland-Gottes erschien, errettete er uns, nicht aus (O. auf dem Grundsatz von) Werken, die, in Gerechtigkeit vollbracht, wir getan hatten, sondern nach seiner Barmherzigkeit durch die Waschung der Wiedergeburt und Erneuerung des Heiligen Geistes, welchen er reichlich über uns ausgegossen hat durch Jesum Christum, unseren Heiland, auf daß wir, gerechtfertigt durch seine Gnade, Erben würden nach der Hoffnung des ewigen Lebens. (O. der Hoffnung nach Erben des ewigen Lebens würden)
Elberfelder 1871, Titus 3,3–7

Früher waren nämlich auch wir – wie alle anderen Menschen – ohne Einsicht und Verständnis. Wir verweigerten Gott den Gehorsam, gingen in die Irre und wurden von allen möglichen Leidenschaften und Begierden beherrscht. Bosheit und Neid bestimmten unser Leben. Wir waren verabscheuungswürdig, und einer hasste den anderen. Doch dann ist die Güte Gottes, unseres Retters, und seine Liebe zu uns Menschen sichtbar geworden, und er hat uns gerettet – nicht etwa, weil wir so gehandelt hätten, wie es vor ihm recht ist, sondern einzig und allein, weil er Erbarmen mit uns hatte. Durch das Bad der Wiedergeburt hat er den Schmutz der Sünde von uns abgewaschen und hat uns zu neuen Menschen gemacht. Das ist durch die erneuernde Kraft des Heiligen Geistes geschehen, den Gott durch Jesus Christus, unseren Retter, in reichem Maß über uns ausgegossen hat. Durch Gottes Gnade für gerecht erklärt, sind wir jetzt also – entsprechend der Hoffnung, die er uns gegeben hat – Erben des ewigen Lebens.
Neue Genfer – Titus 3,3-7

Wir waren ja früher kein Stück besser. Wir haben die Sachen getan, auf die Gott überhaupt keinen Bock hat, und uns im Leben total verirrt. Wie ferngesteuert haben wir uns von irgendwelchen Leidenschaften und Wünschen kontrollieren lassen. Unser Leben war bestimmt von Neid und egoistischen, linken Motiven. Wir hassten alle Menschen, und Hass bestimmte auch unsere Beziehungen untereinander. Und dann begegnete uns Gott, und wir haben seine Liebe kennengelernt. Wir erkannten, wie sehr er die Menschen um uns herum liebt. Er hat uns da nicht rausgeholt, weil wir ein so tolles vorbildliches Leben geführt haben, sondern nur weil er uns liebt! Darum hat er uns diesen Neuanfang geschenkt, dieses neue Leben durch die Kraft von Gott, seinem Heiligen Geist. Diesen Geist hat er uns reichlich gegeben, durch Jesus Christus, der uns gesund gemacht und befreit hat. Ohne dass wir es verdient hätten, hat Gott uns unseren Dreck vergeben! Plötzlich durften wir dadrauf hoffen, ein Leben zu bekommen, das nie aufhören wird.
Volxbibel – Titus 3,3-7

ἦμεν Ipf. εἰμί. ποτέ18 einst, früher. ἀ-νόητος11 unverständig. ἀ-πειθής7 ungehorsam. πλανώμενοι Ptz. Pass. πλανάω (< πλάνη Irrtum) in die Irre führen; übertr. irreführen, verführen, betrügen; Pass. in die Irre gehen, dem Irrtum verfallen; mod. od. umschrieb. Ipf. (A249). δουλεύοντες Ptz. δουλεύω Sklave sein, unterworfen sein; (als Sklave) dienen, m. Dat.; mod. od. umschrieb. Ipf. (A249). ἐπι-θυμία Verlangen, Sehnsucht; (sündige) Begierde, Lust. ἡδονή Lust, Vergnügen. ποικίλος sehr bunt; übertr. vielfältig, mancherlei. κακία Schlechtigkeit, Bosheit. φθόνος Missgunst, Neid. δι-άγοντες Ptz. -άγω hindurchführen; (sein Leben) zubringen; mod. od. umschrieb. Ipf. (A249). στυγητός verhasst, hassenswert. μισοῦντες Ptz. μισέω, mod. od. umschrieb. Ipf. (A249).

Neuer Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament

Über diese Verhältnisse braucht kein Christ die Nase zu rümpfen. Bereits Paulus sagt sinngemäß: „Vergessen wir nicht: Auch wir wussten es früher nicht besser… Bosheit und Neid bestimmte unser Leben…. (Hfa Tit 3,3)“ Es gibt also für Christen keinen Grund, überheblich zu sein. Vor ihrer Bekehrung zu Jesus Christus taten auch sie das, was sie wollten: Sie ließen sich von niemandem vorschreiben, wie sie sich zu verhalten hätten. Durch ihre Bekehrung veränderte sich jedoch Grundlegendes. Um diese Veränderung deutlich zu machen, sollen die Christen sich so verhalten, dass es positiv auffällt. Und damit  sind wir bei den guten Werken.
Wie Hoffnung sichtbar wird
Gute Werke beginnen zum Beispiel damit, dass Christen der Verlogenheit entgegen treten. Was sie sagen, ist wahrheitsgetreu und verlässlich. So etwas fällt heute auf. Darüber können Christen sogar enormen Widerspruch erleiden. Wo aber Wahrheit und Verlässlichkeit sich durchsetzen, da wachsen Zuversicht und Frieden: Ich denke an einen Abteilungsleiter. Der hörte auf, den Erfolg seiner Abteilung als persönlichen Erfolg darzustellen, sondern als Erfolg seines Teams. Wundert es einen, dass die Atmosphäre seiner Abteilung sich verändert hat? Seine Mitarbeiter setzen sich heute auch für ihn ein! Oder: Ich denke an den, der den Ehebruch beendet hat, um seinem Ehepartner die zugesagte Treue zu halten.
In beiden Fällen werden Lug und Betrug beendet. Die neue Verlässlichkeit  beginnt, die beschädigten Beziehungen zu heilen. Allerdings gilt auch, es braucht seine Zeit, bis der wieder Vertrauen fasst, der verletzt worden ist. Aber die Hoffnung ist da: Es wird wohl wieder werden. Gute Werke tun – ich will nicht mit Aufzählungen langweilen: Denn wer offene Augen und Ohren hat, der sieht und hört, wo er sich einsetzen kann. Der krempelt die Ärmel hoch, setzt seine Zeit ein, manchmal auch ein paar Euro

ERF-Kurs über Titus

Paulus vergaß keinen Augenblick den sündhaften Zustand, aus dem er und die von ihm Bekehrten gerettet worden waren (vgl. 1Kor 6,9-11; Eph 4,17-24; Kol 3,6-7), und ruft es den Gemeindegliedern an dieser Stelle mahnend ins Gedächtnis. Statt, wie Paulus jetzt von ihnen fordert, friedfertig und vom Vorbild Christi geprägt zu sein, waren sie früher das genaue Gegenteil: unverständig, nicht vernünftig, ungehorsam, nicht gehorsam, in die Irre gehend und mancherlei Begierden und Gelüsten dienstbar, nicht beherrscht und bereit zu jedem guten Werk. Statt von Friedfertigkeit, Besonnenheit und Demut erfüllt zu sein, lebten sie in Bosheit und Neid, waren verhaßt und haßten einander. So sieht es aus, wenn Menschen fern von Gott vegetieren. Oft legt sich zwar ein dünner Firniß der Zivilisiertheit über die nackte Wahrheit, doch schon der kleinste Sprung in der glatten gesellschaftlichen Oberfläche enthüllt, was hinter dieser Fassade liegt. Es ist immer wieder zu beobachten, daß Menschen ohne Gott sich im Grunde genommen nicht viel anders verhalten als wilde Tiere, die sich um einen Knochen balgen.

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

der Vergleich im letzten Satz ist aber hart! Aber so manche, die einen Sticker mit der Aufschrift „Ich bin Christ“ tragen verhalten sich leider gerade in Zeiten des Drucks ebenso. Ich würde einmal behaupten, dass man gerade in solchen Zeiten wie jetzt, wo Corona den Menschen engere Grenzen setzt, deutlich wird, wer nur Namenschrist ist und wer wirklich „neugeboren“ ist, wer wirklich durch Gottes heiligen Geist geleitet wird. Nicht das wir komplett Sündenlos wären, aber die Antriebsfeder unseres Handelns und Denkens ändert sich.

und wen loben wir?

Und plötzlich war bei dem Engel eine Menge der himmlischen Heerscharen, welche Gott lobten und sprachen:
Herrlichkeit Gott in der Höhe, (W. in den höchsten (Örtern)) und Friede auf Erden, an den Menschen ein Wohlgefallen!
Elberfelder 1871 – Lukas 2,13–14

Und auf einmal war bei dem Engel die Menge des himmlischen Heeres, die lobten Gott und sprachen: (a) Da 7:10
Ehre sei Gott in den Höhen / und Friede auf Erden / unter den Menschen, an denen Gott Wohlgefallen hat. (1) w: „unter den Menschen des Wohlgefallens“. Viele alte Textzeugen haben: „Ehre sei Gott in den Höhen / und Friede auf Erden, / an den Menschen ein Wohlgefallen.“ (a) Lu 19:38; Eph 2:14.17
Zürcher 1931 – Lk 2,13–14

„Und es gesellte sich zum Engel eine Menge der Heerschar der Himmlischen, welche Gott lobten und sprachen: Ehre Gott in der Höhe und auf der Erde Friede den Menschen, die guten Willens sind“ .

Zutreffend ist der Name „Heerschar der Engel“, weil sie ihrem Heerführer [Christus] folgten. Wem nun hätten die Engel lobgesungen als ihrem Herrn? Denn so steht geschrieben: „Lobt den Herrn von den Himmeln her, lobt ihn in den Höhen! Lobt ihn, alle seine Engel!“ Erfüllt nun hat sich die Weissagung. Von den Himmeln her erschallt Gottes Lob, und auf Erden wird er sichtbar. Von ihm versichert Markus: „Er war zusammen mit den Tieren, und die Engel dienten ihm“ . Im einen erkenne einen charakteristischen Zug seines Erbarmens, im anderen einen Beweis seiner göttlichen Macht! Im Deinigen liegt der Grund für seine Herablassung zu den Tieren, im Seinigen der Grund für seine Lobpreisung durch die Engel.

Dieser Chor steht in schroffem Gegensatz zu den irdischen Chören, die im Rahmen des Kaiserkults auftraten. Der damals herrschende Kaiser Augustus galt als Stifter des weltweiten Friedens. Der umgekehrte Parallelismus (Gott in der Höhe – auf Erden bei den Menschen) deutet darauf hin, dass die Wendung »in der Höhe« bedeutet: »unter den Engelscharen im Himmel«.

Craig Keener, Kommentar zum Umfeld des Neuen Testaments

Die Geschichte der Geburt Jesu in den Evangelien stimmt mit dem jüdischen Glauben über Gottes Erlösungsplan und das versprochene Kommen des messianischen Befreiers überein. Die Geburt des Messias ist keine gewöhnliche Angelegenheit. Das Ereignis ist geprägt von Prophezeiungen und Engelsbesuchen. Das Lied der Engel, wie es in Lukas 2:14 erzählt wird, drückt die inneren Sehnsüchte des jüdischen Volkes nach dem Messias aus. Diese Worte des Lobes und der Anbetung, die die messianische Aufgabe definieren, haben einen reichen jüdischen Hintergrund.
Die dreifache Struktur des Engelsliedes in der King-James-Version der Bibel ist bekannt und wird in der Weihnachtszeit oft zitiert: 1. „Ehre sei Gott in der Höhe“ 2. „Friede auf Erden“ 3. „Wohlwollen gegenüber den Menschen“. ” Die meisten modernen Übersetzungen haben jedoch eine zweifache Variante des Engelsliedes: 1. „Ehre sei Gott in der Höhe“ 2. „Friede auf Erden gegenüber Menschen guten Willens“. Die erste Version betont die universelle Bedeutung des Kommens des Messias. Goodwill ist für alle Menschen. Die zweite Version zeigt, dass sein Kommen Menschen vorbehalten ist, die es wert sind, dh „Männer guten Willens“. Der Unterschied zwischen diesen beiden Versionen des Songs ist bedeutender als oft erkannt. David Flusser hat sich nachdrücklich für die erste Version ausgesprochen, dh für die dreiteilige Verkündigung der Engel.1 Im Folgenden werden wir den jüdischen Hintergrund der Geburt des Messias in den Evangelien und die Bedeutung des Liedes der Engel in der richtigen Reihenfolge untersuchen die Natur der messianischen Aufgabe zu verstehen.
Die Texte der Evangelien basieren auf der reichen Vielfalt des jüdischen messianischen Denkens, das die späte Zeit des Zweiten Tempels charakterisierte.2 Wenn man die Evangelien studiert, muss man versuchen, sich der besonderen Botschaft Jesu über seine Aufgabe bewusst zu werden. Die Begründung dieser Aufgabe in den Erwartungen und Traditionen des Judentums des ersten Jahrhunderts umfasst auch bestimmte Besonderheiten und innovative Merkmale. Das Lied der Engel, „Ehre sei Gott in der Höhe, Friede auf Erden, Wohlwollen gegenüber den Menschen“ oder wie andere Übersetzungen es wiedergegeben haben, „Ehre sei Gott in der Höhe, Friede auf Erden gegenüber Menschen in gutem Willen“, ist zu einem Punkt wissenschaftlicher Meinungsverschiedenheit.3 Wenn wir die Bedeutung der Geburt des Messias im Kontext des alten jüdischen Denkens untersuchen, wird die bessere Lesart des dreifachen Segens für das Engelslied klar,

Jesus der jüdische Theologe

Und worüber jubeln wir? Suchen wir die Schwierigkeiten in dieser Welt und reden darüber? Oder ist unser Blick zum Himmel – und sind unsere Gedanken bei seinem Wort der Bibel?

aber ich bin doch im Recht!?!?

Denn was für ein Ruhm ist es, wenn ihr ausharret, indem ihr sündiget und geschlagen werdet? Wenn ihr aber ausharret, indem ihr Gutes tut und leidet, das ist wohlgefällig bei Gott
Elberfelder 1871, – 1 Petr 2,20

Oder hättet ihr irgendeinen Grund, stolz zu sein, wenn ihr wegen einer Verfehlung bestraft werdet und die Schläge standhaft ertragt? Aber wenn ihr leiden müsst, obwohl ihr Gutes tut, und dann standhaft bleibt – das findet Gottes Anerkennung
Neue Genfer Übersetzung 2013 – 1.Petrus 2,20

Natürlich verdient ihr keine besondere Anerkennung, wenn ihr Schläge geduldig hinnehmt, die ihr bekommt, weil ihr Unrecht getan habt. Aber wenn ihr für das Gute, das ihr getan habt, leidet und Schläge geduldig ertragt, ist das ein Zeichen für die Gnade Gottes.
Neues Leben – Bibel 2006 – 1 Petr 2,20

ποῖος18 wie beschaffen? was für ein? erg. ἐστίν. κλέος7 Ruhm. ἁμαρτάνοντες Ptz. ἁμαρτάνω, temp. od. kaus. κολαφιζόμενοι Ptz. Pass. κολαφίζω mit der Faust schlagen, ohrfeigen, misshandeln; temp. od. kaus. [Var. κολαζόμενοι Ptz. Pass. κολάζω strafen, züchtigen]. ὑπο-μενεῖτε Fut. -μένω117 bleiben; standhalten, aushalten, ertragen; εἰ ἁμαρτάνοντες καὶ κολαφιζόμενοι ὑπομενεῖτε wenn ihr es ertragt, wenn/weil ihr euch verfehlt und (dafür) misshandelt werdet; wenn ihr für Verfehlungen Misshandlungen zu ertragen habt; analog V. 20b. ἀγαθο-ποιοῦντες Ptz. -ποιέω V. 15, temp. πάσχοντες Ptz., kond. παρὰ θεῷ V. 4.

Neuer Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament

Hier propagiert Petrus ein Prinzip, das überall Gültigkeit hat, wo jemand zu Unrecht leidet. Die Bereitschaft, das Unrecht geduldig zu ertragen, erwächst aus dem Bewußtsein des Gläubigen, daß Gott gegenwärtig ist. Um schlechter Taten willen bestraft zu werden, bringt keinen Ruhm. Gott wohlgefällig ist vielmehr ein demütiges Auf-sich-Nehmen unverdienten Leidens, denn eine solche Haltung ist Gnade.Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord BibelkommentarHier propagiert Petrus ein Prinzip, das überall Gültigkeit hat, wo jemand zu Unrecht leidet. Die Bereitschaft, das Unrecht geduldig zu ertragen, erwächst aus dem Bewußtsein des Gläubigen, daß Gott gegenwärtig ist. Um schlechter Taten willen bestraft zu werden, bringt keinen Ruhm. Gott wohlgefällig ist vielmehr ein demütiges Auf-sich-Nehmen unverdienten Leidens, denn eine solche Haltung ist Gnade.

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

Im Umgang mit den Pflichten gläubiger Diener formuliert Petrus vier Dinge. Erstens sollen sie sich in Vers 18 ihren Herren unterwerfen: Diener, unterwirf dich deinen Herren mit aller Angst; nicht nur zum Guten und Sanften, sondern auch zum Froward.

Das griechische Wort für Diener bedeutet „Haushaltssklaven“ oder „Hausangestellte“. Dies ist nicht dasselbe Wort wie Knechte in Vers 16. Die Verpflichtung des Haussklaven besteht darin, sich aller Angst zu unterwerfen, nicht der Angst vor dem Meister, sondern der Angst vor Gott. Dies gilt für alle Klassen von Meistern: die Guten und Sanften sowie die Froward, was „krumm“ bedeutet. Sie müssen sich sogar einem krummen Meister unterwerfen, nicht im Sinne illegaler Dinge, sondern legitimer Dinge, die ein Meister von ihm verlangen könnte. Gehorsam gegenüber solchen Meistern ist eine Gnade.

Die Anwendung von Master-Servant-Beziehungen gilt für Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehungen. Die Mitarbeiter müssen sich ihren Arbeitgebern aus Respekt unterwerfen, egal ob sie hart oder gütig sind, weil Gott es befiehlt. Wenn ein Gläubiger für einen ungerechten Arbeitgeber arbeitet, hat er biblisch gesehen zwei Möglichkeiten: Entweder kann er sich der Situation unterwerfen und mit ihr leben, oder er kann zurücktreten und einen anderen Job finden. Die Bibel erlaubt es einem Gläubigen nicht, an Streiks teilzunehmen, weil sie sich Ihren Meistern mit aller Angst unterwerfen sollen, ob sie gut oder schlecht sind.

Zweitens ist es für ihr Gewissen besser, in Vers 19 falsch zu leiden: Denn dies ist akzeptabel, wenn ein Mann für das Gewissen gegenüber Gott Trauer erträgt und falsch leidet.

Um des Gewissens gegenüber Gott willen ist es viel besser, falsch zu leiden, als zu rebellieren, wie im Fall eines Streiks. Das Wort if macht dies zu einer erstklassigen Bedingung im Griechischen und bedeutet „dies ist vor Gott akzeptabel“.

Drittens ist es schlecht, für begangene Sünden zu leiden, denn dann verdient man es, wie in Vers 20a heißt: Zu welcher Ehre ist es, wenn du, wenn du sündigst und dafür geschlagen wirst, es geduldig nehmen sollst.

Das Wort Ruhm bedeutet „Ruhm“ oder „Ruf“. Es bezieht sich auf die Meinung eines Einzelnen, wenn sich der Bericht über sein Verhalten verbreitet. Wenn er sündigt, gibt es keinen Grund für diese Art der Ausdauer des Patienten.

Und das vierte wird in Vers 20b gegeben: Wenn ihr es aber gut macht und dafür leidet, sollt ihr es geduldig nehmen, ist dies bei Gott akzeptabel.

Nach diesem Vers muss ein Gläubiger, wenn er zu Unrecht leidet, anstatt zu streiken oder zu rebellieren, diese Leiden geduldig ertragen, in dem Wissen, dass er von Gott akzeptiert wird, und Gott wird ihn zu gegebener Zeit belohnen. Wenn ein Gläubiger gegen seinen Arbeitgeber schlägt, hat er sein Ansehen im Segen vor Gott verloren. Er mag zwar ein besseres Gehalt und bessere Arbeitsbedingungen erreichen, aber er hat die ewigen Vorteile verloren, eine besondere, ewige Belohnung von Gott zu erhalten, wenn er seinem Arbeitgeber unterwürfig ist.

Fruchtenbaum

Wenn wir getadelt oder ungerecht behandelt werden – wie gehen wir damit um? Unsere Reaktionen können ganz unterschiedlich sein, wie es die folgenden Beispiele zeigen.
1. Angenommen, ich sündige und werde dafür getadelt, doch ich ärgere mich deswegen oder gerate in Wut. Dann folgen daraus oft weitere Sünden. Ein Beispiel dafür ist König Asa, der sich über die Zurechtweisung des Sehers Hanani ärgerte, ja, in Zorn geriet, und den Propheten einsperrte (2. Chr 16,7-10).
2. Nehmen wir an, ich sündige, aber ich bekenne das Vorgefallene und tue Buße, nachdem ich gerügt worden bin, und nehme die Zurechtweisung geduldig an. Das Sündigen ist sicher keine Ehre für mich, aber so kann die Sache wieder in Ordnung kommen. Ein Beispiel dafür ist König David. Als der Prophet Nathan zu ihm kam, ihm sein Vergehen (die Sünde des Ehebruchs und des Mordes) aufdeckte und zu ihm sagen musste: «Du bist der Mann», da beugte David sich unter den ernsten Tadel des HERRN durch den Propheten (2 Samuel 12,1-15).
3. Nehmen wir an, ich tue Gutes, doch ich muss dafür leiden. Nun werde ich böse auf die, die mich verletzen, oder bitter gegen Gott. Die Folge ist, dass mein Gutestun zur Sünde entartet.
Oft reagieren wir auf eine dieser drei Arten, wenn wir zurechtgewiesen werden oder Widerstand zu spüren bekommen. Aber alle drei Reaktionen folgen dem Muster des sündigen Menschen, nicht dem Vorbild unseres Herrn Jesus Christus.
Zwei weitere Beispiele führen uns zu Christus, dem vollkommenen Vorbild.
4. Angenommen, ich tue Gutes, und wenn ich dafür leiden muss, ertrage ich es geduldig. Ein solches Verhalten ist «wohlgefällig bei Gott» und bringt ewigen Segen mit sich (1 Petrus 2,20; Mt 5,10-12). Der Apostel Paulus schrieb: «Deshalb habe ich Wohlgefallen an Schwachheiten, an Schmähungen, an Nöten, an Verfolgungen, an Ängsten für Christus; denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark» (2 Korinther 12,10).
5. Nehmen wir an, ich tue Gutes, und wenn ich dafür leiden muss, erweise ich denen, die gegen mich sind, etwas Gutes. Dann beweist mein Verhalten, dass ich gemäss Matthäus 5,44.45 «ein Sohn unseres Vaters, der in den Himmeln ist, geworden bin».

Halte fest 2006

Also auch wenn ich im Recht bin – kann ich aus der Sicht der Ewigkeit heute Unrecht ertragen? Wenn ich natürlich nur dem Munde nach an eine Ewigkeit glaube, dann muss ich heute gegen Unrecht einen Anwalt nehmen/auf die Straße gehen. Wie sehr unterscheidet sich die heutige Ansicht der meisten Menschen doch von der Sicht von Petrus und vor allem von der Sicht von Christus!

Dankbarkeit – für was denn?

(Von David Ein Psalm ) Jehovas ist die Erde und ihre Fülle, der Erdkreis und die darauf wohnen. Denn er, er hat sie gegründet über Meeren, und über Strömen sie festgestellt.
Wer wird steigen auf den Berg Jehovas, und wer wird stehen an seiner heiligen Stätte?
Elberfelder 1871, – Psalm 24,1–3

Jehova’s ist die Erde, und was sie füllt; der Erdkreis, und die darauf wohnen. Denn er hat auf Meere sie gegründet, und auf Fluthen sie befestigt.
Wer darf besteigen den Berg Jehova’s; und wer stehen an seiner heiligen Stätte?
van Ess_1858, Ps 24,1–3

Die Erde ist Jehovahs, und ihre Fülle, die Welt, und die darauf
wohnen (sitzen). Ps 50,12; 2Mo 9,29; 19,5; 1Kön 8,27; 1Kor 10,26.Denn Er hat auf die Meere sie gegründet, und auf den Flüssen sie festgestellt. Ps 136,6; 1Mo 7,11.
Wer wird hinaufgehen auf den Berg Jehovahs, und wer wird aufstehen am Orte Seiner Heiligkeit? Ps 15,1f; Jes 2,2; 2Chr 3,1.
Tafelbibel Psalm 24:1-3

Die Erde ist des Herrn usw. Der Vergleich der Kinder Abrahams mit der ganzen übrigen Welt wird uns noch öfters begegnen: er will die unverdiente Güte Gottes ins Licht setzen, die Israel aus allen Völkern heraushob und mit besonderer Gunst umfasste. Der Anfang des Psalms weist also vor allem darauf hin, dass die Juden von sich selbst nichts haben, das ihnen im Vergleich mit den Heiden ein Recht auf eine nähere und engere Gemeinschaft mit Gott gebe. Denn da Gott durch seine Vorsehung die ganze Welt in ihrem Stand erhält, so erstreckt sich die Macht seiner Herrschaft über alle Menschen in gleicher Weise. Er muss mit Recht überall verehrt werden, da er allen ohne Ausnahme seine väterliche Fürsorge erweist. Wenn er die Juden den anderen Völkern vorzog, so musste bei ihnen irgendein heiliges Band, das sie von den gewöhnlichen Menschen unterschied, hinzukommen. Dies gibt Veranlassung, sie zur Heiligkeit einzuladen und zu ermahnen. Denn es ist billig, dass Menschen, die Gott zu seinen Kindern angenommen hat, auch besondere Merkmale davon an sich tragen, durch die sie von den Draußenstehenden sich abheben. Nicht als könnte man dem Herrn zuvorkommen und seine Gnade verdienen: aber David knüpft an die Erwählung an und erinnert, dass die Kinder Israels diese Ehre erst dann fest und sicher besitzen werden, wenn sie nach einem frommen und gerechten Leben trachten. Es würde umsonst sein, dass Gott sie zu seinem Eigentum aussondert, wenn sie sich nicht der Heiligkeit befleißigten. Zuerst sagt er also, dass Gott der König der ganzen Welt ist, sodass alle Sterblichen schon durch das Recht der Natur zu seinem Dienste verpflichtet sind; dann weist er darauf hin, dass er mit einem geringen Teil der Menschen den Bund der Gnade geschlossen und durch die Aufrichtung des Zeltes den Kindern Abrahams ein Zeichen seiner Gegenwart gegeben hat, damit sie sicher seien, dass er in ihrer Mitte throne; endlich lehrt er, dass sie nach Reinheit des Herzens und der Hände trachten müssen, wenn sie zu seiner heiligen Familie gezählt werden wollen.
Und was drinnen ist. Freilich umfasst dieser Ausdruck den ganzen Reichtum der Erdenwelt: doch wird insbesondere an die Menschen zu denken sein, die den herrlichsten Schmuck und die größte Zierde der Erde bilden. Denn ohne sie wäre die Erde einsam und öde, und es würde nicht viel austragen, wenn Gott auch allen anderen Reichtum von ihr nähme. Wozu sind die verschiedenartigen Früchte da? Wozu dieser große Überfluss und diese Lieblichkeit? Doch nur, damit der Mensch davon Nutzen habe! Das zweite Glied lässt deutlicher ersehen, dass vor allen von den Menschen die Rede ist. Denn nach der üblichen Weise, einen Gedanken zu wiederholen, bedeutet „was drinnen ist“, dasselbe wie „was drauf wohnt“. Doch, wie gesagt, leugne ich nicht, dass hierunter die Reichtümer, die dem Menschen zu seinem Nutzen zufließen, zugleich mit eingeschlossen sind. Deshalb wendet auch Paulus (1. Kor. 10, 26) in seiner Verhandlung der Speisen unsere Stelle treffend als Zeugnis dafür an, dass keine Art der Nahrung unrein sei, weil die Erde des Herrn ist und was drinnen ist.
V. 2. Denn Er hat ihn an die Meere gegründet. David zeigt, dass die Menschen mit Recht unter Gottes Hand sind, so dass der Weltkreis ihn überall als König anerkennen müsse. Den Nachweis hierfür erbringt er aus der Ordnung der Schöpfung, da die wunderbare Vorsehung Gottes sich deutlich auf der ganzen Oberfläche der Erde offenbart. Das gewählte Beispiel fällt besonders in die Augen. Wie kommt es, dass das Land über dem Wasser emporragt? Ist nicht der Grund dafür, dass Gott den Menschen einen Wohnsitz bereiten wollte? Auch Hiob (28, 25) rühmt hoch das große Wunder, dass Gott den heftigen Fluten des Meeres Stillstand gebietet, damit sie nicht alsbald die Erde bedecken und ein schreckliches Wirrwarr folge. Auch von Mose wird dies in der Geschichte der Schöpfung nicht verschwiegen. Denn nachdem er erzählt hat, dass die Wasser sich so ergossen hatten, dass sie die ganze Erde bedeckten, fügt er hinzu, dass sie auf Gottes besonderen Befehl gewichen seien, um den Tieren, die nachher geschaffen wurden, einen leeren Platz zurückzulassen (1. Mo. 1, 9). Hieraus schließen wir, dass Gott schon für die Menschen, bevor sie entstanden, gesorgt hat, indem er ihnen eine Herberge und andere Bequemlichkeiten bereitete, und dass er sich nicht als solche betrachtete, die ihm ganz fremd seien. Denn er hat so gütig für sie gesorgt wie ein Vater für seine eigenen Kinder. Doch behandelt David diese Sache nicht in gelehrter Weise, sondern er redet die Sprache des Volkes und passt sich dem Fassungsvermögen des Ungebildeten an. Da nun schon von der Schöpfung an die Fürsorge Gottes sich über das ganze Menschengeschlecht erstreckt hat, so stammt die besondere Ehrenstellung, durch welche die Juden den Vorrang vor den übrigen haben, von der Erwählung aus Gnaden.
V. 3. Wer wird auf des Herrn Berg gehen? Dass es eine reine Gnade war, dass Gott sich durch die Einrichtung des Heiligtums einen Wohnsitz unter den Juden erwählte, wird hier, weil es sich eigentlich von selbst verstand, mit Stillschweigen übergangen. David legt dagegen besonderes Gewicht auf das zweite Stück, nämlich auf den Unterschied zwischen den wahren und den falschen Israeliten. So nimmt er Veranlassung, die Juden zu einem heiligen und gerechten Leben zu ermahnen, weil Gott sie zu seinem Eigentum ausgesondert hat. Wenn auch die übrigen Menschen, sofern sie Gottes Geschöpfe sind, unter seiner Herrschaft stehen, so steht doch der, der zur Gemeinde gehört, zu ihm in näherer Beziehung. Gott beruft alle, die er in seine Herde aufnimmt, durch diese Annahme auch zur Heiligung. So enthalten Davids Worte auch einen versteckten Tadel wider die Heuchler, die sich kein Gewissen daraus machen, sich in falscher Weise mit Gottes heiligem Namen zu schmücken. Wir wissen ja, dass solche Leute sich mit falschen Titeln und äußeren Zeichen brüsten. So verherrlicht David absichtlich diese besondere Gnade Gottes, damit ein jeder für sich daraus lerne, dass er von dem Zugang zum Heiligtum ausgeschlossen ist, wenn er sich nicht zu diesem reinen Gottesdienst heiligt. Es ist ja allerdings wahr, dass auch Gottlose und Übeltäter häufig die Stiftshütte besuchten. So erhebt Gott durch den Mund des Jesaja (1, 12) den Vorwurf, dass man mit unheiligem Sinn seinen Vorhof betrete. Aber hier handelt David davon, welchen Leuten der Zugang mit Recht offen stehe: wer sich missbräuchlich und widerrechtlich in Gottes heiliges Haus drängt, besudelt es mit seinem verderbten Missbrauch. Diese Möglichkeit, dass man in ungesetzlicher Weise sich dem Hause Gottes nahen kann, kommt aber jetzt nicht weiter in Betracht. Ja, es lässt sich aus unseren Worten ein schwerer Tadel herauslesen, dass unreine Menschen durch ihr Erscheinen das Heiligtum nur beflecken könnten. Darüber habe ich zum 15. Psalm ich des Weiteren geäußert. Übrigens scheint der Wiederholungssatz darauf zu deuten, dass es dann auch zu beharren gilt: wer wird stehen an seiner heiligen Stätte? Geht man doch hinauf, um vor Gottes Angesicht zu weilen. Alles in allem: Wenn auch zur Zeit Davids in der Gemeinde die Bösen mit den Guten vermischt waren, so erklärt er doch, dass das äußerliche Bekennen ohne innere Wahrheit ein eitles Ideal ist. Was aber hier vom Betreten der Stiftshütte gesagt wird, gilt in alle Zukunft für die Ordnung der Gemeinde.

Jean Calvin – Aus dem Psalmenkommentar

Segen vor dem Essen

Basierend auf dem biblischen Vers „Die Erde und alles, was sie enthält, ist die des Herrn“ (Ps 24,1), lehrten die Rabbiner, „die Freuden dieser Welt zu genießen, ohne einen Segen zu rezitieren, ist wie den Heiligen auszurauben“. [dh von Gott stehlen] (Ber. 35b) .1 Somit sind die Segnungen vor dem Essen und Trinken gleichbedeutend damit, um die offizielle Erlaubnis zu bitten (und diese zu erhalten), an göttlichem Eigentum teilzunehmen. Anstatt Gott zu danken, wie in der Gnade nach den Mahlzeiten, erkennen die Segnungen vor dem Essen und Trinken Gott als denjenigen an, der „die Frucht des Weinstocks erschafft“ oder „Brot von der Erde hervorbringt“ und so effektiv um Erlaubnis bittet, diese göttlichen zu verwenden Geschenke. Für die Rabbiner (Ber. 35a – b) löste dieser Ansatz den offensichtlichen Konflikt im Vers „Die Himmel gehören dem Herrn, aber die Erde, die er dem Menschen übergab“ (Ps. 115: 16). Bevor man einen Segen sagt, ist die Gabe der Erde die des Herrn; Nach dem Rezitieren des entsprechenden Segens können die Menschen jedoch alles genießen, was die Erde hervorbringt.
Alle Segnungen vor dem Essen oder Trinken beginnen mit der gleichen klassischen Segensformel – „Baruch ata Adonai Eloheinu melekh ha-olam“ – und unterscheiden sich nur in ihrer Beschreibung der Handlungen Gottes in Bezug auf den spezifischen Gegenstand, der konsumiert werden soll.
Der Segen vor dem Verzehr von Brot aus Weizen-, Gersten-, Hafer-, Roggen- und Dinkelmehl – die fünf Körner, die in der Thora als im Land Israel beheimatet erwähnt oder angedeutet werden – schließt mit „ha-motzi lechem min ha-aretz“. (Wer bringt Brot von der Erde hervor). Das Rezitieren des einzigen Segens für Brot zu Beginn einer Mahlzeit „reicht für alle Arten von Lebensmitteln [die während der Mahlzeit gegessen werden] aus“, mit Ausnahme von Wein und frischem Obst, für die separate Segnungen erforderlich sind (Ber. 41b). Wenn Sie diesen Segen aussprechen, ist es üblich, beide Hände auf das Brot zu legen (beide Brote am Sabbat). Die 10 Finger der beiden Hände entsprechen der Anzahl der hebräischen Wörter im Segen selbst, in dem Vers, der die reichlichen Produkte des Landes Israel beschreibt („Ein Land aus Weizen und Gerste, aus Weinreben und Feigen und Granatäpfeln; Olivenbäume und Honig “(5. Mose 8: 8) und in der Darstellung von Isaaks Segen für Jakob („ Möge Gott Ihnen vom Tau des Himmels und vom Fett der Erde geben, Überfluss an neuem Getreide und Wein “; Gen. 27:28) .2
Für andere Lebensmittel als Brot, das aus dem Mehl dieser Körner hergestellt wird, einschließlich Brotprodukte, die aus Fruchtsaft, Milch oder anderen Flüssigkeiten (und nicht ausschließlich mit Wasser) hergestellt werden, schließt der richtige Segen „borei minei mezonot“ (Wer schafft verschiedene Arten?) der Ernährung). Dieser Segen ist für die meisten Kekse, Kuchen, Müsli, Nudelprodukte und mit Obst, Fleisch oder Käse gefüllten Teige geeignet. Es wird auch für Reis gesagt, obwohl es nicht eines der fünf Hauptkörner ist.
Der Segen für Gemüse endet mit „borei peri ha-adamah“ (Wer schafft die Frucht der Erde), während der für Obst mit „borei peri ha-etz“ (Wer schafft die Frucht des Baumes) endet. Das Kriterium für die Unterscheidung einer Kategorie von der anderen ist nicht die Höhe der Pflanze, sondern ob es sich um eine einjährige oder eine mehrjährige Pflanze handelt. So werden Äpfel, Kirschen, Pfirsiche, Nüsse und Avocados als Früchte für die Auswahl des richtigen Segens betrachtet, während dies bei Bananen, Melonen, Erdbeeren, Ananas und Tomaten (technisch gesehen eine Frucht) nicht der Fall ist. Trockenfrüchte haben den gleichen Status wie normale Früchte.

Der JPS-Leitfaden zu jüdischen Traditionen

Alles Gute kommt von Gott. In der jüdischen Tradition muss jemand, der in irgendeiner Weise von Gottes Schöpfung profitiert, Gott danken. Die Erde gehört dem Herrn (Ps 24,1), und jedes Mal, wenn ein Mensch von Gottes Güte aus dieser Welt gesegnet wird, ist er verpflichtet, Gott zu preisen. Alles gehört ihm. Man empfängt Gottes Gnade mit Dank und Lob. Der Glaube muss gottzentriert sein und sich auf seine Güte und Gnade konzentrieren.
Der Glaube an Gott und seine Gnade ist völliges Vertrauen in den Schöpfer von Himmel und Erde. Der Glaube erkennt an, wer Gott ist und setzt alles in seine Macht. Die wundersamen Heilungen der Evangelien offenbarten Gottes Reich. Das Königreich kommt in voller Kraft, wenn Jesus ein Wunder der Heilung vollbringt, weil es der Finger Gottes ist, der Befreiung bringt und offen göttliche Souveränität zeigt. Gottes Plan soll Ganzheit und Heilung in jeden Bereich des Lebens eines Individuums bringen.
Jesus vergibt dem Gelähmten und heilt ihn durch das gesprochene Wort seiner Autorität. Jesu Verkündigung der Vergebung als Ergebnis des Glaubens an die Souveränität Gottes zeigt die höchste Autorität Jesu. Das Volk antwortet, indem es Gott lobt. Das Königreich, nämlich die königliche Souveränität der übernatürlichen Kraft Gottes, wurde durch das Wunder der Heilung verwirklicht.

Jesus der jüdische Theologe

Christliche Gebete sehen meist so aus: „Lieber Vater, ich brauche dringend von dir:…“ oder „Warum hast du mir noch immer nicht geholfen?“ „Gib mir mehr von“
– und WEM gehört alles? Haben wir einen Anspruch? Und vor allem – haben wir den IMMER DANKE gesagt? Das ist was mir persönlich bei vielen Menschen auffällt: jeder weiß, was ihm zusteht, aber was zu geben ist, dass ist meist ganz in Vergessenheit geraten. Laßt uns wenigstens was unserem Schöpfer betrifft, die richtige Reihenfolge einhalten!

Steht vor deiner Tür

Siehe, ich stehe an der Tür und klopfe an; wenn jemand meine Stimme hört und die Tür auftut, zu dem werde ich eingehen und das Abendbrot mit ihm essen, und er mit mir.
Elberfelder 1871- Offenbarung 3,20

Siehe: Ich habe mich vor die Tür gestellt und klopfe an. Wenn jemand meine Stimme hören und die Tür öffnen wird, werde ich zu ihm hineingehen und mit ihm Mahl halten und er mit mir.
Jantzen & Jettel – Offb 3,20

Merkst du das nicht? Pass auf, noch stehe ich vor deiner Tür und rufe dich! Und wer mich jetzt hört und mir die Tür öffnet, zu dem werde ich reingehen. Zusammen werden wir das besondere Abendessen feiern.
VolxBibel – Offb 3,20

ἕστηκα Pf. (m. präs. Bdtg.) ἵσταμαι. ἐπί vor. θύρα Tür. κρούω anklopfen. ἀκούσῃ Aor. Konj. ἀκούω. ἀν-οίξῃ Aor. Konj. -οίγω. καί apodotisch (A311,2) so/dann. εἰσ-ελεύσομαι Fut. -έρχομαι. δειπνήσω Fut. δειπνέω (< δεῖπνον Hauptmahlzeit [gegen Abend]) speisen.

Neuer Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament

Wenn Christus das Leben der Gemeinde als weder kalt noch warm bezeichnete, so muss das ein Zustand gewesen sein, wo man nicht mehr wusste, ob man in der Gemeinde eine verchristlichte Welt oder ein verweltlichtes Christentum hatte. Denn die Gemeinde war noch nicht Welt: es fehlte ihr die Kälte, dieser wesentliche Zug der Welt. Die Gemeinde war auch nicht mehr Christentum, denn es fehlte ihr das Feuer, die Schechina des göttlichen Heiligtums. So trug sie in ihrem Wesen etwas zur Schau, was sie nicht mehr war. Als Gemeinde galt sie als ein Gottestempel in der Welt, aber der Tempel war ohne den Herrn der Herrlichkeit. Gottes Herrlichkeit war mit ihrem Glanz und ihrem Feuer aus ihr gewichen, wie einst in den Tagen Jerusalems, als Gott sich von seinem alttestamentlichen Gottesvolke zurückzog. Nie hätte die Gemeinde gestattet, dass die Welt mit all ihrer leidenschaftlichen Sinnlichkeit, mit ihrem Schmutz und ihrer Hässlichkeit, mit ihrer zersetzenden Kritik und Widergöttlichkeit ihren Tempel erfülle. Aber derselbe Tempel, der keinen Raum für das eigentliche Wesen der Welt hatte, hatte auch keinen Raum für das eigentliche Wesen des Christentums. Christus stand vor der Tür des Tempels. Man hielt: Gebetsstunden, wie auch in allen anderen Gemeinden Kleinasiens – aber Christus war nicht in den Gebetsstunden zu Laodicäa; Gottesdienste, nicht weniger schön als in Smyrna oder Pergamus oder Philadelphia, – aber Christus hörte man nicht auf der Kanzel zu Laodicäa; Abendmahlsfeiern, nicht weniger feierlich und stimmungsvoll als lebendige Gemeinden sie immer wieder als eine Verkündigung des Todes des Herrn gefeiert hatten, – aber Christus war nicht unter den Abendmahlsgästen in Laodicäa; Beratungen ernst und sachlich, wie jeder praktische Gemeindebau sie erfordert, – aber Christus war nicht zu sehen unter den Beratenden von Laodicäa. Er stand vor der Tür.

Ja, man hörte sein Klopfen nicht einmal mehr. Die Betenden in den Gebetsstunden waren so eingenommen von sich selbst, dass sie seine Stimme nicht hörten. Die Gottesdienste waren so sehr nur um ihrer selbst willen da, dass man in der Abwesenheit der Gegenwart des Herrn keine Lücke empfand und an Ihn, als den Gegenstand der Anbetung, nicht mehr dachte. Die äußere Form und Feierlichkeit des Abendmahls nahm alle so völlig in Anspruch, dass niemand es vermisste, wenn Jesus unter den Gästen nicht zu sehen war. Die Beratungen waren alle so selbstverständlich und die Beschlüsse der Sache des Reiches Gottes so entsprechend, dass niemand auf den Gedanken kam, zu fragen, was wohl Jesus zu den einzelnen Fragen zu sagen hat. Das Leben der Gemeinde hatte Raum für die Kirche, aber nicht für den Herrn der Kirche.

Kein Wunder, dass sie in ihrer Selbsteinschätzung sprach: „Ich bin reich, ich habe Schätze gewonnen und bedarf nichts!“

Der Auferstandene jedoch antwortete ihr: „Und dabei weißt du nicht, dass gerade du elend bist und jämmerlich, arm, blind und bloß!“

Laodicäa! Der Tempel an sich ist noch nicht eine Hütte Gottes bei den Menschen, wenn diesem die Gegenwart und die Herrlichkeit Gottes fehlt.

Laodicäa! Das Gebet an sich ist noch kein Verkehr der Seele mit Gott, wenn es nur um seiner selbst willen gepflegt wird und Der fehlt, zu dem die Seele sprechen sollte.

Laodicäa! Der Gottesdienst an sich dient noch nicht Gott, wenn man in demselben Den vergeblich sucht, der in demselben der Seele dienen will.

Laodicäa! Die Abendmahlsfeier an sich ist noch kein Ausdruck unserer Herzensgemeinschaft mit dem Gekreuzigten und Auferstandenen, wenn ihre äußere Form und Feierlichkeit den Gästen die Teilnahme Dessen ersetzen kann, Dem sie gilt.

Laodicäa! Gemeindeberatungen an sich sind noch kein Gemeindebau, wenn für die Besprechungen und Beschlüsse zwar noch die Zustimmung der Glieder, aber nicht mehr die des Hauptes erforderlich ist.

Jacob Kroeker – Die zerfallene Kirche

kein einziges Versprechen unerfüllt

Und Jehova schaffte ihnen Ruhe ringsum, ganz so, wie er ihren Vätern geschworen. … Es fiel kein Wort aus von all den guten Worten, welche Jehova geredet dem Hause Israels; alles traf ein.
de Wette Bibel, – Jos 21,44–45

 Jehova schenkte ihnen auch auf allen Seiten Ruhe, wie er es ihren Vorfahren geschworen hatte. …  Von all dem Guten, das Jehova dem Haus Israel versprochen hatte, blieb kein einziges Versprechen unerfüllt — alles traf ein.
neue Welt Übersetzung – 2018 – Josua 21,44–45

Und Jehova schaffte ihnen Ruhe ringsumher nach allem, was er ihren Vätern geschworen hatte; … Es fiel kein Wort dahin von all den guten Worten, welche Jehova zu dem Hause Israel geredet hatte; alles traf ein.
Elberfelder 1871 Josua 21,44–45

Das kennen wir Menschen gar nicht mehr – dass jemand sich ganz an den Vertrag hält? Und dass, obwohl der Vertragspartner immer wieder vertragsbrüchig geworden war. Auch heute noch, sind wir Menschen es, die unseren Part nicht einhalten, aber trotzdem Seine Gunst genießen!
Und da wir es nicht mehr gewohnt sind, weil andere Menschen uns immer wieder enttäuschen – so zweifeln wir immer wieder auch Jehovahs Treue an! So zweifeln wir, dass ER Sein Volk zusammenrufen könnte, oder in der heutigen Zeit, wo alle über Corona sprechen und diskutieren – suchen wir bei Menschen Rat anstatt auf Seine Macht zu vertrauen! Vergessen wie NIE: seine Versprechen werden von IHM immer gehalten!

Aber halt, wirft mancher ein: sagt nicht die obrige Stelle, dass Josua der Meinung war, dass Israel das ganze Land eingenommen hätte – und beschreibt nicht Richter und Chronika und Könige ein ganz anderes Bild?
Dann müssten wir uns ersteinmal anschauen, welches Versprechen Gott gegeben hatte und wie Josua es erfüllt betrachtete!

Hier endet der lange Abschnitt, der die Festsetzung der Gebiete und Städte beschreibt. Der Historiker schaut auf den Anfang zurück und faßt die Eroberung und Landverteilung mit der Betonung der Treue Gottes zusammen. Gott hatte sein Versprechen gehalten, Israel das Land, Ruhe ringsumher und den Sieg über ihre Feinde zu geben. Tatsächlich löste der Herr jeden Teil seiner Verpflichtung treu ein. Nicht eines seiner Versprechen … war dahingefallen . Dies bedeutete nicht, daß jedes Stück des Landes im Besitz Israels war, denn Gott selbst hatte Israel gesagt, daß sie das Land stückweise erobern sollten ( 5Mo 7,22 ). Diese abschließende Aussage widerspricht auch nicht den Tragödien, die während der Zeit der Richter geschehen sollten, denn daran würde Israel und nicht Gott Schuld haben. Trotzdem bestritt der Unglaube Israels in keiner Weise die Treue Gottes. Paulus bestätigte diese Tatsache in seinem Wort an Timotheus: „Sind wir untreu, so bleibt er doch treu; denn er kann sich selbst nicht verleugnen“ ( 2Tim 2,13 ).
Einige Theologen bestehen darauf, daß die Aussage in Jos 21,43 bedeutet, daß das Landversprechen im abrahamitischen Bund damals erfüllt war. Doch dies kann nicht stimmen, weil später die Bibel weitere Vorhersagen über die Inbesitznahme des Landes durch Israel nach der Zeit Josuas gibt (z. B. Am 9,14-15 ). Jos 21,43 bezieht sich also auf die Ausdehnung des Landes, wie sie in 4Mo 34 angegeben wird und nicht auf die letztendliche Ausdehnung, die es im messianischen Königreich haben wird ( 1Mo 15,18-21 ). Auch wenn Israel zu dieser Zeit das Land besaß, wurde es ihm später wieder entrissen, obwohl der Abrahambund versprach, daß Israel das Land für immer besitzen würde ( 1Mo 17,8 )

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

Es kommt eben darauf an, dass wir die richtige Sicht auf die ganze Geschichte haben! Wir müssen raus, aus der Sicht des kurzen Lebens eines Menschen, der nach 70 oder 80 Jahren stirbt! Wir müssen unser Leben so sehen, wie Jehovah es sieht: aus der Sicht der Ewigkeit – die ja vor uns liegt!