Man hat gehört, wie ich selbst seufze gleich einer Frau. Es gibt keinen Tröster für mich.
Alle meine Feinde, sie haben von meinem Unglück gehört. Sie haben frohlockt, weil du selbst [es] getan hast.
Du wirst bestimmt den Tag herbeiführen, den du ausgerufen hast, damit sie werden mögen wie ich.
22 Laß all ihre Schlechtigkeit vor dich kommen, und verfahre streng mit ihnen,
So wie du mit mir streng verfahren bist wegen all meiner Übertretungen.
Denn meiner Seufzer sind viele, und mein Herz ist krank.
Klagelieder 2:14
Deine eigenen Propheten haben für dich in Visionen wertlose und unbefriedigende Dinge geschaut,
Und sie haben deine Vergehung nicht aufgedeckt, um deine Gefangenschaft abzuwenden,
Sondern sie schauten für dich in Visionen ständig wertlose und irreführende prophetische Sprüche.
Klagelieder 2:19
Mache dich auf! Wimmere bei Nacht zu Beginn der Morgenwachen.
Schütte dein Herz aus wie Wasser vor dem Angesicht Jehovas.
Hebe deine Handflächen zu ihm empor wegen der Seele deiner Kinder,
Die vor Hunger verschmachten am Eingang aller Straßen.
Beten wir ebenso inbrünstig?
Klagelieder 3:7-8
Er hat mich abgesperrt wie mit einer Steinmauer, damit ich nicht herauskomme. Er hat meine kupfernen Fesseln schwer gemacht.
8 Auch wenn ich um Beistand rufe und um Hilfe schreie, hemmt er tatsächlich mein Gebet.
Gedenke meiner Trübsal und meines heimatlosen Zustandes, des Wermuts und der Giftpflanze.
20 Ganz bestimmt wird deine Seele [dessen] gedenken und sich tief über mich beugen.
21 Dies ist, was ich in mein Herz zurückrufen werde. Darum werde ich eine wartende Haltung bekunden.
22 Es sind die Taten liebender Güte Jehovas, daß es mit uns nicht zu Ende gegangen ist, denn seine Erbarmungen werden gewiß kein Ende nehmen.
23 Sie sind jeden Morgen neu. Sehr groß ist deine Treue.
24 „Jehova ist mein Teil“, hat meine Seele gesagt, „darum werde ich ihm gegenüber eine wartende Haltung bekunden.“
25 Gut ist Jehova gegen den, der auf ihn hofft, gegen die Seele, die ihn ständig sucht.
26 Gut ist es, daß einer wartet, ja in Stille, auf die Rettung Jehovas.
27 Gut ist es für einen kräftigen Mann, daß er das Joch in seiner Jugend trägt.
Jehova beugt sich voller Mitgefühl und Liebe tief über uns (Vers 20) – was für ein tröstlicher Gedanke!
Ja, auch wir wollen eine wartende Haltung bekunden.
Es gibt Dinge, die sich in diesem System scheinbar nicht lösen lassen, wie sehr sie uns auch schmerzen mögen.
So müssen wir warten, bis für Jehova die Zeit gekommen ist, die Dinge in Ordnung zu bringen, so dass auch uns wieder Gerechtigkeit widerfährt.
Sind wir bereit auf Jehova zu warten? Egal, wie lange es auch dauern mag?
Oder posaunen wir überall herum, was uns für ein Unrecht widerfahren ist und noch widerfährt, damit uns andere helfen?
Nehmen wir dafür in Kauf, dass eine nicht unerhebliche Unruhe in einigen Versammlungen entsteht und vielleicht der eine oder andere strauchelt und sich von Jehova und seiner Organisation abwendet? Hauptsache, wir bekommen endlich Recht?
Ist uns Jehova und sein Name wichtig? Ist es uns wichtig, dass wir weder ihm noch seiner Organisation Schaden zufügen?
Warten wir in Stille auf Jehova?
Wie denkt Jehova wohl über uns?
Was empfindet ER wohl dabei, wenn er sieht, wie wir weiter ruhig und geduldig auf ihn warten – darauf, dass ER uns dann zu seiner Zeit Recht verschafft?
Wenn er sieht, dass wir trotzdem weiterhin schweigen über das Unrecht, das uns widerfährt – obwohl wir manchal denken, wir ersticken, wenn wir nicht langsam darüber reden?
Wie mag Jehoa wohl empfinden, wenn er uns beobachtet und zuhört, wenn wir reden?
Wenn wir mitbekommen, wie man schlecht über uns redet obwohl wir wirklich alles daran setzen, IHM auch weiterhin zu gefallen. Wenn wir am liebsten vor Schmerz und Enttäuschung aufschreien würden “es ist ja garnicht so, wie ihr denkt! In Wirklichkeit war es ja so…” und es dann doch schnell wieder runterschlucken weil wir wissen “es würde nichts nützen. Es würde nur Schmach auf Jehovas Namen und seine Organisation werfen, wenn die Leute wüssten, was wirklich passiert ist.” und dann doch nichts sagen.
Wenn wir lieber an dem was uns über die Lippen will ersticken, wenn wir es wieder herunter schlucken und auch diesmal nicht davon reden, wie schwer es uns auch fällt und wie stark der Druck auch ist.
Wie mag Jehova dann empfinden?
Ist es uns persönlich soviel wert, dass sein Name und seine Organisation unbeschmutzt bleiben?
Denken wir, wir sind Jehova egal?
Wir wissen, dass wir ihm nicht egal sind und dass er auch unsere Gefühle und unseren Kampf sieht und voller Liebe zu uns runtersieht.
Jehova gibt uns seit Jahren die Kraft schlimme Dinge herunterzuschlucken und nicht davon zu reden – um seinen Namen sauber zu halten.
Er hat uns in all den Jahren niemals verlassen und uns immer wieder Mut gemacht und die nötige Kraft gegeben.
Lohnt es sich nun, “in Stille auf Jehova zu warten”?
Wir denken “ja”!
Wie denkst du darüber?
Klagelieder 3:25-27
Gut ist Jehova gegen den, der auf ihn hofft, gegen die Seele, die ihn ständig sucht.
26 Gut ist es, daß einer wartet, ja in Stille, auf die Rettung Jehovas.
27 Gut ist es für einen kräftigen Mann, daß er das Joch in seiner Jugend trägt.
Du, o Jehova, hast den Rechtsstreit meiner Seele geführt. Du hast mein Leben zurückgekauft.
59 Du, o Jehova, hast das an mir verübte Unrecht gesehen. O führe doch das Gericht für mich.
60 Du hast all ihre Rache gesehen, all ihre Gedanken gegen mich.
61 Du hast ihr Schmähen gehört, o Jehova, all ihre Gedanken gegen mich,
62 Die Lippen derer, die gegen mich aufstehen, und ihr Flüstern gegen mich den ganzen Tag lang.
63 Schau doch auf ihr Sitzen selbst und auf ihr Aufstehen. Ich bin das Thema ihres Liedes.
64 Du wirst ihnen [ihre] Handlungsweise zurückerstatten, o Jehova, gemäß dem Werk ihrer Hände.
65 Du wirst ihnen Unverschämtheit des Herzens geben, deinen Fluch für sie.
66 Du wirst ihnen nachjagen im Zorn und sie vertilgen unter den Himmeln Jehovas hinweg.
Das Frohlocken unseres Herzens hat aufgehört. Unser Reigentanz ist in bloße Trauer verwandelt worden.
16 Die Krone unseres Hauptes ist gefallen. Wehe nun uns, weil wir gesündigt haben!
17 Deswegen ist unser Herz krank geworden. Dieser Dinge wegen sind unsere Augen trübe geworden,
18 Des Berges Zion wegen, der verödet ist; ja Füchse sind darauf gelaufen.
19 Was dich betrifft, o Jehova, auf unabsehbare Zeit wirst du [auf dem Thron] sitzen. Dein Thron währt Generation um Generation.
20 Wie kommt es, daß du uns für immer vergißt, daß du uns für die Länge der Tage verläßt?
21 Führe uns zurück, o Jehova, zu dir, und wir wollen zurückkehren. Bringe uns neue Tage wie vor alters.
22 Doch du hast uns ganz bestimmt verworfen. Du hast uns überaus gezürnt.
Die Klagelieder des Jeremia – ein rührender Ausdruck der Teilnahme Gottes an den Trübsalen, die Sein Volk um seiner Sünden willen erfährt – werden nicht vieler Erklärung bezüglich der allgemeinen Bedeutung des Buches bedürfen. Einige wenige Bemerkungen mögen dazu dienen, den eigentlichen Charakter desselben und die Verbindung zu zeigen, in welcher es mit den anderweitig geoffenbarten Wegen und Handlungen Gottes steht. Der erste bedeutsam Punkt, auf den ich bereits hingewiesen habe, ist, daß die Trübsal Seines Volkes dem Auge Gottes nicht entgeht. In all ihrer Bedrängnis ist Er bedrängt: Sein Geist nimmt Kenntnis von derselben, und, indem Er in den Herzen der Personen, deren Mund Er benutzt, wirksam ist, gibt Er den Gefühlen, die Er in ihnen hervorgerufen hat, Ausdruck. … Und auch hier tadelt Sein Geist nicht nur, noch offenbart Er bloß zukünftige Dinge, sondern Er gibt dem Kummer derer, welche lieben, was Gott liebt, eine bestimmte Gestalt und bringt selbst diesen Kummer zum Ausdruck. Es gibt nichts Ergreifenderes als die Gefühle, die in einem Herzen durch die Überzeugung hervorgerufen werden, daß der Gegenstand der Trübsal von Gott geliebt ist, daß Er das liebt, was Er zu schlagen genötigt ist, und daß Er das schlagen muß , was Er liebt. Indem der Prophet die Bedrängnis Jerusalems offen darlegt, erkennt er an, daß die Sünde des Volkes sie veranlaßt habe. Konnte das den Kummer seines Herzens vermindern? War es auch einerseits ein Trost, so beugte es ihn doch andererseits tief nieder und gab ihm Grund, sein Angesicht zu verhüllen. Der Stolz der Feinde und ihre Freude beim Anblick der Bedrängnis der Geliebten Gottes gibt Veranlassung, um Mitleid für die Bedrängten und um Gericht über die Bosheit der Feinde zu flehen.
Kapitel 2
Die Verwüstung Jerusalems wird als Jehovas eigenes Werk und nicht als das des Feindes betrachtet; nie hatte es einen solchen Schmerz gegeben. Aber dieser Gedanke leitet dahin, sich an Ihn Selbst zu wenden. Es ist eine ernste Sache, wenn Jehova gezwungen ist, das zu verwerfen, was Er als Sein Eigentum anerkennt. Aber es muß geschehen, wenn die Verbindung mit Seinem Namen nur dazu dient, das Zeugnis von dem, was Er ist, zu verfälschen (V. 6. 7).
Im 3. Kapitel drückt also der Prophet in seiner eigenen Person … alles das aus, was er fühlte, indem er an der Trübsal Israels teilnahm und zu gleicher Zeit der Gegenstand ihrer Feindschaft war…. Welches Leiden könnte den Gefühlen eines Mannes gleichkommen, der die Leiden des Volkes Gottes teilt, ohne imstande zu sein, das Unglück abzuwenden, weil das Volk sich weigert, auf die Botschaft Gottes zu hören, und der diese Trübsale mit dem Gefühl auf seinem Herzen trägt, daß, wenn das törichte Volk nur hätte hören wollen, der Zorn Gottes abgewendet worden wäre? …
Der Prophet spricht wie einer, der in seinem eigenen Herzen den tiefen Kummer über alles das getragen hat, was Jehova über Jerusalem gebracht hatte; aber er fühlte ihn wie jemand, der Gott als seinen Gott kennt, so daß er erproben konnte, was es heißt, der Gegenstand des Zornes Gottes zu sein. Er litt mit Jerusalem, und er litt für Jerusalem. Aber die Wirklichkeit dieses Verhältnisses zu Jehova hielt ihn, während es ihn einerseits die Trübsal tiefer empfinden ließ, andererseits aufrecht (V. 22). Er beginnt zu fühlen, daß es schließlich doch besser ist, es mit Jehova zu tun zu haben, obgleich, von einer anderen Seite aus betrachtet, gerade dieser Umstand die Sache nur um so schmerzlicher machte. Er fühlt, daß es gut ist, betrübt zu sein und auf Jehova zu harren, welcher schlägt; denn er verstößt nicht auf ewig. Er plagt nicht von Herzen, sondern weil es notwendig ist. Warum sich über die Bestrafung der Sünden beklagen? Besser wäre es, zu Jehova umzukehren. Er ermuntert Israel, dies zu tun, und während er der Bedrängnis seines trauernden Volkes gedenkt, ist der Glaube in Tätigkeit, bis Jehova einschreiten wird. Es ist gut, wenn eine derartige Bedrängnis gefühlt wird; der einzige Schaden wäre der, wenn ihr gestattet würde, das Vertrauen auf den Herrn zu schwächen.
Der Prophet ruft die Drangsal Jerusalems ins Gedächtnis zurück, und indem er der Art und Weise gedenkt, wie ihm selbst Hilfe zuteil geworden war, benutzt er die ihm widerfahrene Güte dazu, seine Zuversicht, daß Gott dem Volke dieselbe Güte erzeigen werde, zu stärken. Was aber die Stolzen und Leichtfertigen betrifft, die die Wahrheit verwerfen, deren Feindschaft gegen Gott sich in der Feindschaft gegen diejenigen, welche die Träger Seines Wortes waren, offenbart, so ruft er das Gericht Gottes auf sie herab In allem diesem steht der Geist dieser Stellen in wunderbarer Übereinstimmung mit demjenigen der Psalmen, was ja auch sehr natürlich ist. Die Art und Weise, in welcher Christus hierauf einging, ist in der Betrachtung über das Buch der Psalmen besprochen worden. Christus ging in Gnade durch alles hindurch, damit sie hinsichtlich ihres eigenen Zustandes und ihres Gefühls in einer solchen Stellung vollkommen gemacht würden. Vergleiche das, was oben folgt. . So im Geiste erleichtert, indem sein Herz von dem Bewußtsein erfüllt ist, daß gerade das, was den Kummer so tief machte (nämlich daß das Unglück von Jehova kam), zugleich ein Trost für das Herz war, kann Jeremia sich zu der Trübsal selbst wenden, indem er ihre ganze Ausdehnung überschaut, welche die Angst seiner Seele ihn nicht hatte völlig erkennen lassen, bis er zu ihrer wahren Quelle zu gelangen vermochte. Jetzt kann er, obgleich mit tiefem Schmerz, aber doch mit mehr Ruhe, auf Einzelheiten eingehen, weil sein Herz in der Gegenwart Gottes ist. Das Gefühl der Unruhe und des Schmerzes bei dem Gedanken, daß Gottes Gericht auf diejenigen fällt, die Er liebt, ist nicht sündig, obgleich in Jeremias Fall sein Herz ihn manchmal irre führte.
… Bei Jerusalem war es etwas Ähnliches; und Jeremia, der durch den Geist Christi die Kostbarkeit dieses Verhältnisses empfand und als einer, der daran teil hatte, in dasselbe einging, leidet mit dem, was so von Gott gerichtet wurde. Nur muß er, obgleich er vom Geiste Christi getrieben wird, erst das Gleichgewicht seiner Seele wiederfinden; er muß Jehova suchen, um inmitten all seines persönlichen Kummers und der wahren, aber menschlichen Regungen eines Herzens, das durch die Umstände erschüttert und zu Boden geschmettert war, Ihn in die Trübsal hineinzubringen. Er vereinigte sich mit Jerusalem, indem er sich auf dessen Stellung vor Gott stützte, und nicht, wie unser hochgelobter Herr es tat, einzig und allein für Gott und wie Gott Selbst. Es befand sich ein Gegenstand (ein solcher zwar, der auch von Gott geliebt wurde) zwischen seiner Seele und Gott, den er nicht ausschließlich in Gott und mit der Liebe Gottes liebte. Doch die richtige Grundlage war da, und er findet Jehova, zuerst trotz der Trübsal, aber bald auch in der Trübsal selbst, und er erholt sich sofort wieder, nicht von der Trübsal, sondern in derselben durch die Kraft Gottes. …
Nachdem Jeremia jetzt Jehova in der Trübsal gefunden hat, überschaut er ruhig ihre ganze Ausdehnung. Schon das ist ein Trost. Denn nach allem ist doch Jehova, der Unveränderliche, da, um das Herz zu trösten. Das ist der Gegenstand des 4. Kapitels. Der Prophet ruft sich alles ins Gedächtnis zurück und vergleicht das, was Jerusalem einst war, als es sich unter der Segnung Jehovas befand, mit dem, was Sein Zorn bewirkt hat. Er beschäftigt sich nicht länger nur mit den niederschmetternden Umständen der gegenwärtigen Lage, sondern auch mit dem, was sie vor Gott war. Die Nasiräer gehen an seinem Geistesauge vorüber; dann das, was Jerusalem, als die Stadt des großen Königs, sogar in den Augen ihrer Feinde gewesen war; ferner der Gesalbte Jehovas, unter dessen Schatten das Volk (wie wir schon gesehen haben) hätte leben können, trotzdem die Nationen herrschten, und der nun gefangen worden war in ihren Gruben gleich der Beute des Jägers. Aber der betrübte Geist des Knechtes Gottes, der die Last seines Volkes trägt, kann jetzt nicht nur die Trübsal, die es niederbeugt richtig würdigen, sondern auch die Stellung der Feinde Jerusalems und diejenige der geliebten Stadt. Der Becher des Zornes Gottes sollte an Edom kommen, das jetzt über die Zerstörung der Stadt Jehovas frohlockte; und was Zion betraf, so hatte es zweifelsohne diesen Becher bis zur Hefe getrunken; doch wenn es das getan hatte, so war es geschehen, damit es denselben nie mehr trinken sollte. Die Strafe für ihre Sünde ist zu Ende, es soll nicht mehr in die Gefangenschaft geführt werden. Für Zion war alles beendet; es hatte den Becher getrunken, von dem es bekannte, daß es ihn verdient hatte (siehe Klgl 4, 11; 1, 18 – 20 ). Aber die Sünde des hochmütigen Edom sollte aufgedeckt werden; Gott wollte seine Missetat heimsuchen.
Der Prophet kann jetzt die ganze Drangsal des Volkes Gott vorstellen als einen Gegenstand des Erbarmens und der Gnade. Das ist ein Schritt vorwärts auf dem Pfade dieser tiefen Herzensübungen. Er ist mit Gott in Frieden und befindet sich in Seiner Gegenwart; wir sehen nicht länger ein Herz, das mit innerer Not zu kämpfen hat. Alles ist vor Jehova bekannt, vor Ihm, der gegen Sein Volk treu ist, so daß er zu Gott flehen kann, Er möge auf die Drangsal blicken, um Seines leidenden Volkes nach der Größe Seiner Barmherzigkeit zu gedenken; denn Jehova ist unveränderlich Derselbe (Kaptiel 5 V. 19-21). Die Trübsal wird in unveränderter Weise gefühlt, aber Gott wird mit hineingebracht, und nachdem alles vor Ihm ins Gedächtnis gebracht und gerichtet, nachdem alles Geschehene für das Herz hinweggeräumt ist, kann Jeremia in dem eigentlichen und ewig zwischen Gott und Seinem geliebten Volke bestehenden Verhältnis ruhen; und indem er sich selbst in seine unmittelbaren Beziehungen zu seinem Gott einschließt, benutzt er Dessen Güte, die sich in diesen Beziehungen offenbart, um in der Trübsal des geliebten Volkes einen Anlaß zu finden, Ihn auf dasselbe aufmerksam zu machen. Das ist die wahre Stellung des Glaubens, welche derselbe als das Ergebnis seiner Übungen vor Gott im Blick auf die Trübsal Seines Volkes erlangt – eine Trübsal, die um so tiefer ist, weil sie durch die Sünde verursacht wurde.
DER Prophet Jeremia erlebt, wie sich die Gerichtsbotschaft erfüllt, die er 40 Jahre lang verkündet hat. Wie fühlt er sich, als er mit ansieht, wie seine geliebte Stadt zerstört wird? In der Septuaginta heißt es in der Einleitung zum Buch Klagelieder, „dass sich Jeremia weinend setzte und dieses Klagelied über Jerusalem klagte“. Eineinhalb Jahre hat die Belagerung Jerusalems gedauert, und nun wird die Stadt niedergebrannt. Als Jeremia im Jahr 607 v. u. Z. die Klagelieder verfasst, sind all die Eindrücke bei ihm noch ganz frisch. Daher wirkt sein quälender Schmerz in den Liedern sehr lebensnah (Jeremia 52:3-5, 12-14). Keine andere Stadt in der Geschichte ist mit so bewegenden und herzergreifenden Worten betrauert worden wie Jerusalem.
Das Buch Klagelieder setzt sich aus fünf lyrischen Gedichten zusammen: Die ersten vier sind Wehklagen und das fünfte ist ein Bittgebet. Bei den ersten vier Liedern handelt es sich um Akrostichen, das heißt, jeder Vers beginnt der Reihe nach mit einem der 22 Buchstaben des hebräischen Alphabets. Das fünfte Lied hat zwar entsprechend der Zahl der Buchstaben des hebräischen Alphabets 22 Verse, es ist aber nicht alphabetisch angeordnet (Klagelieder 5:1, Fußnote).
‘MEINE AUGEN SIND IN TRÄNEN VERGANGEN’
(Klagelieder 1:1 bis 2:22)
„O wie ist es gekommen, dass sie einsam sitzt, die Stadt, die an Volk so zahlreich war! Wie ist sie einer Witwe gleich geworden, sie, die volkreich war unter den Nationen! Wie ist sie, die eine Fürstin war inmitten der Gerichtsbezirke, zwangsarbeitspflichtig geworden!“ So beginnt Jeremia seine Wehklage über Jerusalem. Der Prophet nennt auch den Grund für das Unglück: ‘Jehova selbst hat sie in Kummer gebracht wegen der Menge ihrer Übertretungen’ (Klagelieder 1:1, 5).
Wie eine Witwe, die Mann und Kinder verloren hat, fragt die Stadt Jerusalem: „Gibt es irgendeinen Schmerz gleich meinem Schmerz?“ Was ihre Feinde betrifft, so bittet sie Gott: „Lass all ihre Schlechtigkeit vor dich kommen, und verfahre streng mit ihnen, so wie du mit mir streng verfahren bist wegen all meiner Übertretungen. Denn meiner Seufzer sind viele, und mein Herz ist krank“ (Klagelieder 1:12, 22).
Todunglücklich sagt Jeremia: „In der Glut des Zorns hat . . . [Jehova] jedes Horn Israels abgehauen. Er hat seine rechte Hand vor dem Feind zurückgewandt, und in Jakob brennt er weiterhin wie ein flammendes Feuer, das ringsum verzehrt hat.“ Sein tiefer Schmerz spiegelt sich in der Wehklage wider: „Meine Augen sind in lauter Tränen vergangen. Meine Eingeweide sind in Gärung. Zur Erde verschüttet ist meine Leber.“ Auch alle, die vorübergehen, fragen ungläubig: „Ist das die Stadt, von der man zu sagen pflegte: ‚Sie ist der Schönheit Vollkommenheit, ein Frohlocken für die ganze Erde‘?“ (Klagelieder 2:3, 11, 15).
Antworten auf biblische Fragen:
1:15 — Inwiefern hat Jehova „die wahre Weinkelter getreten, die der Jungfrau, der Tochter Juda, gehört“?
Als die Babylonier die Stadt, die als Jungfrau bezeichnet wird, zerstörten, vergossen sie dermaßen viel Blut, dass sich das mit dem Pressen von Trauben in einer Kelter vergleichen ließ. Jehova hatte die Zerstörung vorausgesagt und zugelassen. Daher kann man sagen, er habe ‘die Weinkelter getreten’.
2:1 — Wie wurde ‘die Schönheit Israels vom Himmel auf die Erde hinabgeworfen’?
Da „die Himmel höher sind als die Erde“, drückt ein ‘Hinabwerfen vom Himmel auf die Erde’ mitunter aus, dass etwas Erhöhtes erniedrigt wird. „Die Schönheit Israels“ — die glanzvolle Pracht, die mit Jehovas Wohlwollen auf Israel ruhte — wurde mit der Zerstörung Jerusalems und der Verwüstung Judas hinabgeworfen (Jesaja 55:9).
2:1, 6 — Was ist Jehovas „Schemel“ und seine „Hütte“?
Einst sagte der Psalmist: „Lasst uns in seine großartige Wohnstätte kommen; beugen wir uns nieder am Schemel seiner Füße“ (Psalm 132:7). Mit dem „Schemel“ aus Klagelieder 2:1 ist also Jehovas Haus der Anbetung gemeint, der Tempel. Die Babylonier verbrannten „das Haus Jehovas“, als wäre es bloß eine Hütte oder eine Gartenlaube (Jeremia 52:12, 13).
2:16, 17 — Sollte der 16. Vers nicht mit dem hebräischen Buchstaben Ain beginnen und der 17. nach der Reihenfolge im hebräischen Alphabet mit Pe?
In der Regel hielten sich die inspirierten Schreiber an die alphabetische Reihenfolge, wenn sie Gedichte in diesem Stil verfassten, allerdings nicht, wenn es auf Kosten der Natürlichkeit ging und gekünstelt klang. Ihnen war der gedankliche Inhalt wichtiger als das Festhalten an der dichterischen Form, die schlicht als Gedächtnisstütze diente. Im dritten und vierten Lied sind diese Buchstaben ebenfalls vertauscht (Klagelieder 3:46, 49; 4:16, 17).
2:17 — Was genau hatte Jehova „gesagt“ und in Verbindung mit Jerusalem vollbracht?
Hier wird offenbar auf 3. Mose 26:17 Bezug genommen. Dort steht: „Ich werde tatsächlich mein Angesicht gegen euch richten, und ihr werdet vor euren Feinden zweifellos eine Niederlage erleiden; und die, die euch hassen, werden euch einfach niedertreten, und ihr werdet bestimmt fliehen, wenn keiner euch nachjagt.“
Lehren für uns:
1:1-9. Des Nachts weint die Stadt Jerusalem heftig; ihre Tränen sind auf ihren Wangen. Ihre Tore sind verödet; ihre Priester seufzen. Ihre Jungfrauen sind tief betrübt; sie selbst verspürt Bitterkeit. Warum? Weil Jerusalem offenkundige Sünde begangen hat. Ihre Unreinheit ist an ihren Rocksäumen. Mit einer Übertretung stellen sich keine Freuden ein, sondern Tränen, Seufzen und Bitterkeit.
1:18. Wenn Jehova Übertreter bestraft, geht er dabei stets völlig gerecht vor.
2:20. Die Israeliten waren davor gewarnt worden, dass, falls sie der Stimme Jehovas nicht gehorchten, Flüche über sie kommen und sie ‘das Fleisch ihrer Söhne und ihrer Töchter essen’ würden (5. Mose 28:15, 45, 53). Einen Kurs des Ungehorsams gegenüber Gott einzuschlagen ist wirklich unklug!
„ZU MEINER ERLEICHTERUNG VERBIRG DEIN OHR NICHT“
(Klagelieder 3:1 bis 5:22)
Im dritten Kapitel der Klagelieder wird das Volk Israel als „der kräftige Mann“ bezeichnet. Trotz des Unglücks, das dieser Mann erlebt, singt er: „Gut ist Jehova gegen den, der auf ihn hofft, gegen die Seele, die ihn ständig sucht.“
Er fleht den wahren Gott an: „Meine Stimme sollst du hören. Zu meiner Erleichterung verbirg dein Ohr nicht vor meinem Hilferuf.“ Er bittet Jehova, auf das Schmähen der Feinde zu reagieren: „Du wirst ihnen ihre Handlungsweise zurückerstatten, o Jehova, gemäß dem Werk ihrer Hände“ (Klagelieder 3:1, 25, 56, 64).
Jeremia bringt seine Gefühle wegen der schrecklichen Folgen der eineinhalbjährigen Belagerung Jerusalems offen zum Ausdruck und sagt klagend: „Die Strafe für die Vergehung der Tochter meines Volkes wird auch größer als die Strafe für die Sünde Sodoms, das wie in einem Augenblick umgekehrt wurde und dem sich keine Hände hilfreich zuwandten.“ Dann fügt er hinzu: „Besser ist es den vom Schwert Erschlagenen ergangen als den durch Hunger Hingestreckten, weil diese hinschmachten, durchbohrt vom Mangel an Ertrag des freien Feldes“ (Klagelieder 4:6, 9).
Das fünfte Gedicht stellt die Bewohner Jerusalems als die Sprechenden dar. Sie sagen: „Gedenke, o Jehova, dessen, was uns widerfahren ist. Schau doch, und sieh unsere Schmach!“ Sie zählen auf, was sie alles erleiden, und bitten dann: „O Jehova, auf unabsehbare Zeit wirst du auf dem Thron sitzen. Dein Thron währt Generation um Generation. Führe uns zurück, o Jehova, zu dir, und wir wollen zurückkehren. Bringe uns neue Tage wie vor alters“ (Klagelieder 5:1, 19, 21).
Antworten auf biblische Fragen:
3:16 — Worauf spielt die Aussage an: „An Kies lässt er meine Zähne zerbrechen“?
Laut einem Nachschlagewerk waren die Juden auf dem Weg nach Babylon gezwungen, ihr Brot in Erdmulden zu backen, weshalb es dann Kies oder Sand enthielt. Beim Essen des Brotes konnte man sich schon ein Stück vom Zahn abbrechen.
4:3, 10 — Wieso vergleicht Jeremia ‘die Tochter seines Volkes’ mit ‘Straußen in der Wildnis’?
Die Straußenhenne „behandelt ihre Söhne tatsächlich hart, als gehörten sie nicht ihr“, so steht es in Hiob 39:16. Zum Beispiel macht sie sich, wenn die Küken geschlüpft sind, mit anderen Hennen davon und überlässt die Sorge um die Jungen dem Hahn. Und wenn Gefahr droht? Dann flüchten Hahn und Henne vom Nest und lassen die Kleinen im Stich. Während der Belagerung durch die Babylonier wurde die Hungersnot in Jerusalem so schwer, dass Mütter, die normalerweise mitfühlend sind, mit ihren Kindern grausam umgingen — wie Strauße in der Wildnis. Das unterschied sich völlig von der mütterlichen Fürsorge von Schakalen.
5:7 — Zieht Jehova jemanden für die Vergehen seiner Vorväter zur Rechenschaft?
Nein. Jehova bestraft niemanden direkt für Sünden, die seine Vorfahren begangen haben. In der Bibel heißt es: ‘Jeder von uns wird für sich selbst Gott Rechenschaft ablegen’ (Römer 14:12). Allerdings können weitreichende Konsequenzen begangener Fehler auch spätere Generationen noch zu spüren bekommen. Die Israeliten in alter Zeit wandten sich zum Beispiel dem Götzendienst zu. Dadurch wurde es selbst den treuen Israeliten späterer Zeiten schwer gemacht, auf dem rechten Weg zu bleiben (2. Mose 20:5).
Lehren für uns:
3:8, 43, 44. Während des Unglücks, das über Jerusalem kam, reagierte Jehova nicht auf die Hilferufe der Einwohner. Warum nicht? Weil sie ungehorsam waren und reuelos blieben. Wenn wir möchten, dass Jehova unsere Gebete erhört, dann müssen wir ihm gehorchen (Sprüche 28:9).
3:20. Jehova, ‘der Höchste über die ganze Erde’, ist so erhaben, dass er sich herabneigen muss, um „auf Himmel und Erde zu schauen“ (Psalm 83:18; 113:6). Dennoch stand für Jeremia außer Frage, dass der Allmächtige gern bereit ist, sich tief über Menschen zu beugen, sich also auf ihre Ebene zu begeben, um ihnen Mut zu machen. Wir können froh und dankbar sein, dass der wahre Gott nicht nur allmächtig und allweise ist, sondern auch demütig!
3:21-26, 28-33. Wie können wir durchhalten, selbst wenn wir schweres Leid erleben? Jeremia weiß es: Wir dürfen nie vergessen, wie viel Jehova in seiner liebenden Güte für uns tut und wie oft er sich unser erbarmt. An noch etwas sollten wir denken: Schon allein die Tatsache, dass wir am Leben sind, ist Grund genug, die Hoffnung nicht aufzugeben. Wir müssen geduldig sein und still auf unseren Retter Jehova warten, ohne zu jammern. Auch gilt es, den „Mund direkt in den Staub“ zu legen, das heißt demütig eine schwere Belastung auf sich zu nehmen, weil man weiß, dass es immer aus gutem Grund geschieht, wenn Gott etwas zulässt.
3:27. Glaubenserprobungen können für einen Jugendlichen bedeuten, dass er schwierige Situationen und Spott auszuhalten hat. Doch ist es ‘gut für einen kräftigen Mann, dass er das Joch in seiner Jugend trägt’. Warum ist das gut? Wer schon in der Jugend mit einem Joch des Leidens umzugehen lernt, ist auf Schwierigkeiten später im Leben besser vorbereitet.
3:39-42. Uns ‘in Klagen zu ergehen’, wenn wir wegen Sünden leiden, ist unklug. Statt zu jammern, weil wir die Folgen eines verkehrten Verhaltens zu tragen haben, „erkunden wir doch unsere Wege und erforschen sie, und kehren wir doch um, ja zu Jehova“. Das Klügste ist, zu bereuen und uns zu korrigieren.
Lernen, auf Jehova zu vertrauen
Das Bibelbuch Klagelieder macht klar, wie Jehova Jerusalem und das Land Juda sah, als die Babylonier die Stadt niedergebrannt und das Land verwüstet hatten. Jehova beurteilte die Lage so, dass das Volk selbst schuld war an seinem Unglück, was auch an den niedergeschriebenen Schuldbekenntnissen zu erkennen ist. Die inspirierten Lieder enthalten außerdem Texte, die ein Hoffen auf Jehova ausdrücken sowie den Wunsch, den rechten Weg einzuschlagen. Die Mehrheit der Menschen in den Tagen Jeremias dachte zwar nicht so, aber Jeremia und ein reuevoller Überrest schon.
Aus Jehovas Einschätzung der Lage Jerusalems, die in dem Buch Klagelieder zum Ausdruck kommt, können wir zweierlei lernen: Die Zerstörung Jerusalems und die Verwüstung Judas dienen als Warnung davor, den göttlichen Willen zu ignorieren, und mahnen geradezu zum Gehorsam gegenüber Jehova (1. Korinther 10:11). Und aus dem Beispiel Jeremias lässt sich etwas ableiten (Römer 15:4). Selbst in einer scheinbar hoffnungslosen Lage verlässt sich der tief betrübte Prophet darauf, dass Jehova für Rettung sorgt. Es ist für uns ebenfalls unabdingbar, in allem völlig auf Jehova und sein Wort zu vertrauen und ihn zu unserer Feste zu machen! (Hebräer 4:12).
Klagelieder 1 – 5
Klagelieder 1:21-22
Klagelieder 2:14
Klagelieder 2:19
Beten wir ebenso inbrünstig?
Klagelieder 3:7-8
Klagelieder 3:19-27
Jehova beugt sich voller Mitgefühl und Liebe tief über uns (Vers 20) – was für ein tröstlicher Gedanke!
Ja, auch wir wollen eine wartende Haltung bekunden.
Es gibt Dinge, die sich in diesem System scheinbar nicht lösen lassen, wie sehr sie uns auch schmerzen mögen.
So müssen wir warten, bis für Jehova die Zeit gekommen ist, die Dinge in Ordnung zu bringen, so dass auch uns wieder Gerechtigkeit widerfährt.
Sind wir bereit auf Jehova zu warten? Egal, wie lange es auch dauern mag?
Oder posaunen wir überall herum, was uns für ein Unrecht widerfahren ist und noch widerfährt, damit uns andere helfen?
Nehmen wir dafür in Kauf, dass eine nicht unerhebliche Unruhe in einigen Versammlungen entsteht und vielleicht der eine oder andere strauchelt und sich von Jehova und seiner Organisation abwendet? Hauptsache, wir bekommen endlich Recht?
Ist uns Jehova und sein Name wichtig? Ist es uns wichtig, dass wir weder ihm noch seiner Organisation Schaden zufügen?
Warten wir in Stille auf Jehova?
Wie denkt Jehova wohl über uns?
Was empfindet ER wohl dabei, wenn er sieht, wie wir weiter ruhig und geduldig auf ihn warten – darauf, dass ER uns dann zu seiner Zeit Recht verschafft?
Wenn er sieht, dass wir trotzdem weiterhin schweigen über das Unrecht, das uns widerfährt – obwohl wir manchal denken, wir ersticken, wenn wir nicht langsam darüber reden?
Wie mag Jehoa wohl empfinden, wenn er uns beobachtet und zuhört, wenn wir reden?
Wenn wir mitbekommen, wie man schlecht über uns redet obwohl wir wirklich alles daran setzen, IHM auch weiterhin zu gefallen. Wenn wir am liebsten vor Schmerz und Enttäuschung aufschreien würden “es ist ja garnicht so, wie ihr denkt! In Wirklichkeit war es ja so…” und es dann doch schnell wieder runterschlucken weil wir wissen “es würde nichts nützen. Es würde nur Schmach auf Jehovas Namen und seine Organisation werfen, wenn die Leute wüssten, was wirklich passiert ist.” und dann doch nichts sagen.
Wenn wir lieber an dem was uns über die Lippen will ersticken, wenn wir es wieder herunter schlucken und auch diesmal nicht davon reden, wie schwer es uns auch fällt und wie stark der Druck auch ist.
Wie mag Jehova dann empfinden?
Ist es uns persönlich soviel wert, dass sein Name und seine Organisation unbeschmutzt bleiben?
Denken wir, wir sind Jehova egal?
Wir wissen, dass wir ihm nicht egal sind und dass er auch unsere Gefühle und unseren Kampf sieht und voller Liebe zu uns runtersieht.
Jehova gibt uns seit Jahren die Kraft schlimme Dinge herunterzuschlucken und nicht davon zu reden – um seinen Namen sauber zu halten.
Er hat uns in all den Jahren niemals verlassen und uns immer wieder Mut gemacht und die nötige Kraft gegeben.
Lohnt es sich nun, “in Stille auf Jehova zu warten”?
Wir denken “ja”!
Wie denkst du darüber?
Klagelieder 3:25-27
Klagelieder 3:36
neigen wir dazu, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen – oder warten wir auf Jehova?
Klagelieder 3:56-57
Klagelieder 3:58-66
JARIBA
ein Name hat sich erfüllt!
Klagelieder 5:15-22
Klagelieder 1-5
Zitate von J.N.Darby
Das Wort Jehovas ist lebendig
Höhepunkte aus dem Buch Klagelieder
DER Prophet Jeremia erlebt, wie sich die Gerichtsbotschaft erfüllt, die er 40 Jahre lang verkündet hat. Wie fühlt er sich, als er mit ansieht, wie seine geliebte Stadt zerstört wird? In der Septuaginta heißt es in der Einleitung zum Buch Klagelieder, „dass sich Jeremia weinend setzte und dieses Klagelied über Jerusalem klagte“. Eineinhalb Jahre hat die Belagerung Jerusalems gedauert, und nun wird die Stadt niedergebrannt. Als Jeremia im Jahr 607 v. u. Z. die Klagelieder verfasst, sind all die Eindrücke bei ihm noch ganz frisch. Daher wirkt sein quälender Schmerz in den Liedern sehr lebensnah (Jeremia 52:3-5, 12-14). Keine andere Stadt in der Geschichte ist mit so bewegenden und herzergreifenden Worten betrauert worden wie Jerusalem.
Das Buch Klagelieder setzt sich aus fünf lyrischen Gedichten zusammen: Die ersten vier sind Wehklagen und das fünfte ist ein Bittgebet. Bei den ersten vier Liedern handelt es sich um Akrostichen, das heißt, jeder Vers beginnt der Reihe nach mit einem der 22 Buchstaben des hebräischen Alphabets. Das fünfte Lied hat zwar entsprechend der Zahl der Buchstaben des hebräischen Alphabets 22 Verse, es ist aber nicht alphabetisch angeordnet (Klagelieder 5:1, Fußnote).
(Klagelieder 1:1 bis 2:22)
„O wie ist es gekommen, dass sie einsam sitzt, die Stadt, die an Volk so zahlreich war! Wie ist sie einer Witwe gleich geworden, sie, die volkreich war unter den Nationen! Wie ist sie, die eine Fürstin war inmitten der Gerichtsbezirke, zwangsarbeitspflichtig geworden!“ So beginnt Jeremia seine Wehklage über Jerusalem. Der Prophet nennt auch den Grund für das Unglück: ‘Jehova selbst hat sie in Kummer gebracht wegen der Menge ihrer Übertretungen’ (Klagelieder 1:1, 5).
Wie eine Witwe, die Mann und Kinder verloren hat, fragt die Stadt Jerusalem: „Gibt es irgendeinen Schmerz gleich meinem Schmerz?“ Was ihre Feinde betrifft, so bittet sie Gott: „Lass all ihre Schlechtigkeit vor dich kommen, und verfahre streng mit ihnen, so wie du mit mir streng verfahren bist wegen all meiner Übertretungen. Denn meiner Seufzer sind viele, und mein Herz ist krank“ (Klagelieder 1:12, 22).
Todunglücklich sagt Jeremia: „In der Glut des Zorns hat . . . [Jehova] jedes Horn Israels abgehauen. Er hat seine rechte Hand vor dem Feind zurückgewandt, und in Jakob brennt er weiterhin wie ein flammendes Feuer, das ringsum verzehrt hat.“ Sein tiefer Schmerz spiegelt sich in der Wehklage wider: „Meine Augen sind in lauter Tränen vergangen. Meine Eingeweide sind in Gärung. Zur Erde verschüttet ist meine Leber.“ Auch alle, die vorübergehen, fragen ungläubig: „Ist das die Stadt, von der man zu sagen pflegte: ‚Sie ist der Schönheit Vollkommenheit, ein Frohlocken für die ganze Erde‘?“ (Klagelieder 2:3, 11, 15).
Antworten auf biblische Fragen:
1:15 — Inwiefern hat Jehova „die wahre Weinkelter getreten, die der Jungfrau, der Tochter Juda, gehört“?
Als die Babylonier die Stadt, die als Jungfrau bezeichnet wird, zerstörten, vergossen sie dermaßen viel Blut, dass sich das mit dem Pressen von Trauben in einer Kelter vergleichen ließ. Jehova hatte die Zerstörung vorausgesagt und zugelassen. Daher kann man sagen, er habe ‘die Weinkelter getreten’.
2:1 — Wie wurde ‘die Schönheit Israels vom Himmel auf die Erde hinabgeworfen’?
Da „die Himmel höher sind als die Erde“, drückt ein ‘Hinabwerfen vom Himmel auf die Erde’ mitunter aus, dass etwas Erhöhtes erniedrigt wird. „Die Schönheit Israels“ — die glanzvolle Pracht, die mit Jehovas Wohlwollen auf Israel ruhte — wurde mit der Zerstörung Jerusalems und der Verwüstung Judas hinabgeworfen (Jesaja 55:9).
2:1, 6 — Was ist Jehovas „Schemel“ und seine „Hütte“?
Einst sagte der Psalmist: „Lasst uns in seine großartige Wohnstätte kommen; beugen wir uns nieder am Schemel seiner Füße“ (Psalm 132:7). Mit dem „Schemel“ aus Klagelieder 2:1 ist also Jehovas Haus der Anbetung gemeint, der Tempel. Die Babylonier verbrannten „das Haus Jehovas“, als wäre es bloß eine Hütte oder eine Gartenlaube (Jeremia 52:12, 13).
2:16, 17 — Sollte der 16. Vers nicht mit dem hebräischen Buchstaben Ain beginnen und der 17. nach der Reihenfolge im hebräischen Alphabet mit Pe?
In der Regel hielten sich die inspirierten Schreiber an die alphabetische Reihenfolge, wenn sie Gedichte in diesem Stil verfassten, allerdings nicht, wenn es auf Kosten der Natürlichkeit ging und gekünstelt klang. Ihnen war der gedankliche Inhalt wichtiger als das Festhalten an der dichterischen Form, die schlicht als Gedächtnisstütze diente. Im dritten und vierten Lied sind diese Buchstaben ebenfalls vertauscht (Klagelieder 3:46, 49; 4:16, 17).
2:17 — Was genau hatte Jehova „gesagt“ und in Verbindung mit Jerusalem vollbracht?
Hier wird offenbar auf 3. Mose 26:17 Bezug genommen. Dort steht: „Ich werde tatsächlich mein Angesicht gegen euch richten, und ihr werdet vor euren Feinden zweifellos eine Niederlage erleiden; und die, die euch hassen, werden euch einfach niedertreten, und ihr werdet bestimmt fliehen, wenn keiner euch nachjagt.“
Lehren für uns:
1:1-9. Des Nachts weint die Stadt Jerusalem heftig; ihre Tränen sind auf ihren Wangen. Ihre Tore sind verödet; ihre Priester seufzen. Ihre Jungfrauen sind tief betrübt; sie selbst verspürt Bitterkeit. Warum? Weil Jerusalem offenkundige Sünde begangen hat. Ihre Unreinheit ist an ihren Rocksäumen. Mit einer Übertretung stellen sich keine Freuden ein, sondern Tränen, Seufzen und Bitterkeit.
1:18. Wenn Jehova Übertreter bestraft, geht er dabei stets völlig gerecht vor.
2:20. Die Israeliten waren davor gewarnt worden, dass, falls sie der Stimme Jehovas nicht gehorchten, Flüche über sie kommen und sie ‘das Fleisch ihrer Söhne und ihrer Töchter essen’ würden (5. Mose 28:15, 45, 53). Einen Kurs des Ungehorsams gegenüber Gott einzuschlagen ist wirklich unklug!
(Klagelieder 3:1 bis 5:22)
Im dritten Kapitel der Klagelieder wird das Volk Israel als „der kräftige Mann“ bezeichnet. Trotz des Unglücks, das dieser Mann erlebt, singt er: „Gut ist Jehova gegen den, der auf ihn hofft, gegen die Seele, die ihn ständig sucht.“
Er fleht den wahren Gott an: „Meine Stimme sollst du hören. Zu meiner Erleichterung verbirg dein Ohr nicht vor meinem Hilferuf.“ Er bittet Jehova, auf das Schmähen der Feinde zu reagieren: „Du wirst ihnen ihre Handlungsweise zurückerstatten, o Jehova, gemäß dem Werk ihrer Hände“ (Klagelieder 3:1, 25, 56, 64).
Jeremia bringt seine Gefühle wegen der schrecklichen Folgen der eineinhalbjährigen Belagerung Jerusalems offen zum Ausdruck und sagt klagend: „Die Strafe für die Vergehung der Tochter meines Volkes wird auch größer als die Strafe für die Sünde Sodoms, das wie in einem Augenblick umgekehrt wurde und dem sich keine Hände hilfreich zuwandten.“ Dann fügt er hinzu: „Besser ist es den vom Schwert Erschlagenen ergangen als den durch Hunger Hingestreckten, weil diese hinschmachten, durchbohrt vom Mangel an Ertrag des freien Feldes“ (Klagelieder 4:6, 9).
Das fünfte Gedicht stellt die Bewohner Jerusalems als die Sprechenden dar. Sie sagen: „Gedenke, o Jehova, dessen, was uns widerfahren ist. Schau doch, und sieh unsere Schmach!“ Sie zählen auf, was sie alles erleiden, und bitten dann: „O Jehova, auf unabsehbare Zeit wirst du auf dem Thron sitzen. Dein Thron währt Generation um Generation. Führe uns zurück, o Jehova, zu dir, und wir wollen zurückkehren. Bringe uns neue Tage wie vor alters“ (Klagelieder 5:1, 19, 21).
Antworten auf biblische Fragen:
3:16 — Worauf spielt die Aussage an: „An Kies lässt er meine Zähne zerbrechen“?
Laut einem Nachschlagewerk waren die Juden auf dem Weg nach Babylon gezwungen, ihr Brot in Erdmulden zu backen, weshalb es dann Kies oder Sand enthielt. Beim Essen des Brotes konnte man sich schon ein Stück vom Zahn abbrechen.
4:3, 10 — Wieso vergleicht Jeremia ‘die Tochter seines Volkes’ mit ‘Straußen in der Wildnis’?
Die Straußenhenne „behandelt ihre Söhne tatsächlich hart, als gehörten sie nicht ihr“, so steht es in Hiob 39:16. Zum Beispiel macht sie sich, wenn die Küken geschlüpft sind, mit anderen Hennen davon und überlässt die Sorge um die Jungen dem Hahn. Und wenn Gefahr droht? Dann flüchten Hahn und Henne vom Nest und lassen die Kleinen im Stich. Während der Belagerung durch die Babylonier wurde die Hungersnot in Jerusalem so schwer, dass Mütter, die normalerweise mitfühlend sind, mit ihren Kindern grausam umgingen — wie Strauße in der Wildnis. Das unterschied sich völlig von der mütterlichen Fürsorge von Schakalen.
5:7 — Zieht Jehova jemanden für die Vergehen seiner Vorväter zur Rechenschaft?
Nein. Jehova bestraft niemanden direkt für Sünden, die seine Vorfahren begangen haben. In der Bibel heißt es: ‘Jeder von uns wird für sich selbst Gott Rechenschaft ablegen’ (Römer 14:12). Allerdings können weitreichende Konsequenzen begangener Fehler auch spätere Generationen noch zu spüren bekommen. Die Israeliten in alter Zeit wandten sich zum Beispiel dem Götzendienst zu. Dadurch wurde es selbst den treuen Israeliten späterer Zeiten schwer gemacht, auf dem rechten Weg zu bleiben (2. Mose 20:5).
Lehren für uns:
3:8, 43, 44. Während des Unglücks, das über Jerusalem kam, reagierte Jehova nicht auf die Hilferufe der Einwohner. Warum nicht? Weil sie ungehorsam waren und reuelos blieben. Wenn wir möchten, dass Jehova unsere Gebete erhört, dann müssen wir ihm gehorchen (Sprüche 28:9).
3:20. Jehova, ‘der Höchste über die ganze Erde’, ist so erhaben, dass er sich herabneigen muss, um „auf Himmel und Erde zu schauen“ (Psalm 83:18; 113:6). Dennoch stand für Jeremia außer Frage, dass der Allmächtige gern bereit ist, sich tief über Menschen zu beugen, sich also auf ihre Ebene zu begeben, um ihnen Mut zu machen. Wir können froh und dankbar sein, dass der wahre Gott nicht nur allmächtig und allweise ist, sondern auch demütig!
3:21-26, 28-33. Wie können wir durchhalten, selbst wenn wir schweres Leid erleben? Jeremia weiß es: Wir dürfen nie vergessen, wie viel Jehova in seiner liebenden Güte für uns tut und wie oft er sich unser erbarmt. An noch etwas sollten wir denken: Schon allein die Tatsache, dass wir am Leben sind, ist Grund genug, die Hoffnung nicht aufzugeben. Wir müssen geduldig sein und still auf unseren Retter Jehova warten, ohne zu jammern. Auch gilt es, den „Mund direkt in den Staub“ zu legen, das heißt demütig eine schwere Belastung auf sich zu nehmen, weil man weiß, dass es immer aus gutem Grund geschieht, wenn Gott etwas zulässt.
3:27. Glaubenserprobungen können für einen Jugendlichen bedeuten, dass er schwierige Situationen und Spott auszuhalten hat. Doch ist es ‘gut für einen kräftigen Mann, dass er das Joch in seiner Jugend trägt’. Warum ist das gut? Wer schon in der Jugend mit einem Joch des Leidens umzugehen lernt, ist auf Schwierigkeiten später im Leben besser vorbereitet.
3:39-42. Uns ‘in Klagen zu ergehen’, wenn wir wegen Sünden leiden, ist unklug. Statt zu jammern, weil wir die Folgen eines verkehrten Verhaltens zu tragen haben, „erkunden wir doch unsere Wege und erforschen sie, und kehren wir doch um, ja zu Jehova“. Das Klügste ist, zu bereuen und uns zu korrigieren.
Lernen, auf Jehova zu vertrauen
Das Bibelbuch Klagelieder macht klar, wie Jehova Jerusalem und das Land Juda sah, als die Babylonier die Stadt niedergebrannt und das Land verwüstet hatten. Jehova beurteilte die Lage so, dass das Volk selbst schuld war an seinem Unglück, was auch an den niedergeschriebenen Schuldbekenntnissen zu erkennen ist. Die inspirierten Lieder enthalten außerdem Texte, die ein Hoffen auf Jehova ausdrücken sowie den Wunsch, den rechten Weg einzuschlagen. Die Mehrheit der Menschen in den Tagen Jeremias dachte zwar nicht so, aber Jeremia und ein reuevoller Überrest schon.
Aus Jehovas Einschätzung der Lage Jerusalems, die in dem Buch Klagelieder zum Ausdruck kommt, können wir zweierlei lernen: Die Zerstörung Jerusalems und die Verwüstung Judas dienen als Warnung davor, den göttlichen Willen zu ignorieren, und mahnen geradezu zum Gehorsam gegenüber Jehova (1. Korinther 10:11). Und aus dem Beispiel Jeremias lässt sich etwas ableiten (Römer 15:4). Selbst in einer scheinbar hoffnungslosen Lage verlässt sich der tief betrübte Prophet darauf, dass Jehova für Rettung sorgt. Es ist für uns ebenfalls unabdingbar, in allem völlig auf Jehova und sein Wort zu vertrauen und ihn zu unserer Feste zu machen! (Hebräer 4:12).
WT 01.06.2007