Familie Thomas Pape

Lektionen aus dem Sturm

 

Lektionen aus dem Sturm

22.07.2012

Pastor Bayless Conley

 

Hallo und herzlich willkommen zu unserer heutigen Sendung. Und ich weiß, ich sage das oft, aber diese Botschaft hat das Potenzial, Ihr Leben zu verändern. Schenken Sie Gottes Wort Ihre ungeteilte Aufmerksamkeit. Setzen Sie es an die erste Stelle. Sie werden davon profitieren. Hiob sagt an einer Stelle: „Gottes Befehle zu beachten war mir wichtiger als das tägliche Brot.“ Wenn wir so über das Brot des Lebens, über Gottes Wort denken, dann wird unser Leben reich gesegnet sein. Also, wenn Sie eine Bibel haben, dann nehmen Sie sie jetzt zur Hand! Wir wollen uns mit Gottes Wort beschäftigen.

 

Apostelgeschichte 27:9

„Da aber viel Zeit verflossen und die Fahrt schon unsicher war, weil auch das Fasten schon vorüber war, mahnte Paulus…“

 

Mit dem „Fasten“ ist der jüdische Versöhnungstag gemeint, der bereits vorüber war. Unsere Geschichte spielt also etwa Anfang Oktober. In der Antike galt das Mittelmeer bei den Seeleuten von Anfang Oktober bis Mitte März als unsicher für die Seefahrt. Paulus will davor warnen, die Reise fortzusetzen. Sein Rat gründet sich aber auf mehr als nur natürliches Wissen. Schauen Sie, wie es am Ende von Vers 9 weitergeht. Paulus mahnte sie und sprach zu ihnen: „Männer, ich sehe, dass die Fahrt mit Unheil und großem Schaden, nicht nur der Ladung und des Schiffes, sondern auch unseres Lebens, vor sich gehen wird.“ Er sagte „ich sehe“ oder „ich nehme wahr“. Es war gewissermaßen ein innerlicher Eindruck. Was er äußerlich sah oder hörte, hätte ihn nicht zu dieser Schlussfolgerung geführt. Genau genommen widersprach alles andere Paulus’ Wahrnehmung. In Vers 11 heißt es:

 

Apostelgeschichte 27:11

„Der Hauptmann aber (und er war derjenige, der die Verantwortung trug) glaubte dem Steuermann

und dem Schiffsherrn mehr als dem, was Paulus sagte.“

 

In den nächsten Versen lesen wir, dass der Hauptmann, der die endgültige Entscheidung treffen musste, sich mehr von drei anderen Dingen als von der Warnung des Paulus leiten ließ. Das Erste sehen wir gleich in Vers 11: die Experten. Da haben wir den Steuermann auf dem Schiff, den Kapitän des Schiffs und den Schiffseigner. Sie kannten das Meer, sie kannten die Jahreszeiten und sie kannten das Schiff. Sie waren die Experten und ihr Rat war: „Wir müssen fahren.“ In Vers 12 heißt es dann: „Da aber der Hafen zum Überwintern ungeeignet war, rieten die meisten dazu, von dort abzufahren, ob sie etwa nach Phönix gelangen und dort überwintern könnten, einem Hafen von Kreta, der gegen Südwesten und gegen Nordwesten sieht.“ Es sind also nicht nur die Experten. Die große Mehrheit riet ebenfalls dazu, die Segel zu setzen.

 

Apostelgeschichte 27:13

„Als aber ein Südwind sanft wehte, meinten sie, ihre Absicht erreicht zu haben, lichteten die Anker und fuhren näher an Kreta hin.“

 

In Vers 13 kommen alle günstigen Umstände zusammen. Der Wind weht in die richtige Richtung und es sieht so aus, als wäre es die richtige Gelegenheit, eine „offene Tür“. Die Experten deuten in diese Richtung, die Mehrheit deutet in diese Richtung und alle Umstände und die günstige Gelegenheit deuten ebenfalls in diese Richtung. Aber die Wahrnehmung des Paulus deutet in die andere Richtung. Lesen wir, wie es weitergeht, ab Vers 14. Dort heißt es:

 

Apostelgeschichte 27:14-15

„Aber nicht lange danach erhob sich von dorther ein Sturmwind, Eurakylon genannt. Als wir aber unter einer kleinen Insel, Kauda genannt, hinliefen, konnten wir kaum des Rettungsbootes mächtig werden.“

 

Die Experten lagen falsch, die Mehrheit lag falsch und die Umstände, die „offenen Türen“, der sanfte Südwind – alles lag falsch. Das Einzige, was richtig lag, war die Wahrnehmung des Paulus. Nun hatte Paulus nicht gesagt: „Gott hat mir gesagt“ oder „So spricht der Herr.“ Er sagte: „Ich nehme wahr.“ Er hatte gewissermaßen einen innerlichen Eindruck. Wir können es die „leise, sanfte Stimme“ nennen oder „das Reden des Heiligen Geistes“ oder was auch immer. Aber Gott führt alle Seine Kinder durch solche innerlichen Eindrücke, durch solche Wahrnehmungen und wir müssen lernen, auf dieses Reden des Heiligen Geistes in unserem Inneren zu hören. Es ließe sich viel Kummer und Schmerz

 

und Verlust vermeiden, wenn Gottes Kinder lernen würden, auf diese innerlichen Eindrücke zu hören. Doch wie bei jenem Hauptmann gibt es vieles, was uns dazu drängt, diese Eindrücke zu ignorieren. Vielleicht ist es etwas wie bei dem Schiffseigner. Sicher dachte er: „Zeit ist Geld. Ich muss meine Fracht nach Rom bringen! Andernfalls werde ich nicht bezahlt.“ Das ist also eine Form von Druck. Manchmal heißt es aber auch: „Du musst jetzt etwas tun. Diese Gelegenheit bietet sich nicht ewig. Du musst etwas tun, und zwar jetzt gleich.“ Mein Rat ist hier: Wenn Sie so gedrängt werden und alle möglichen Stimmen sagen: „Mach was! Du musst jetzt handeln!“, dann müssen Sie innehalten. Gehen Sie nicht weiter. Warten Sie lieber ab. Oder vielleicht ging es für den Hauptmann auch um seinen Stolz. Vielleicht wollte er nicht schwach oder ängstlich dastehen. Unser Stolz kann uns mächtig in Schwierigkeiten bringen. Oder vielleicht sind wir viel zu beschäftigt, um zur Ruhe zu kommen und zu fragen: „Gott, hast Du mir etwas dazu zu sagen?“ Wir stecken so in unserem hektischen Alltag fest, dass wir uns nie Zeit zur Stille nehmen. Vielleicht ist aber auch die Mehrheit das Problem. Wir denken zwar gern, dass wir anders sind als die breite Masse, aber es ist viel schwieriger, sich gegen die Mehrheit zu stellen als man zugeben mag. Wenn alle in diese Richtung schauen und Sie den innerlichen Eindruck haben, sich umzudrehen und in die andere Richtung zu schauen, dann kann es schwierig sein, gegen die Mehrheit anzukommen. Aber es zahlt sich aus, auf innere Eindrücke und Wahrnehmungen zu hören. Wie gesagt, wir könnten uns viel Schmerzen und Kummer ersparen, wenn wir lernen würden zuzuhören.

Lesen wir etwas weiter unten, in Vers 20. Dort erfahren wir etwas mehr über den Sturm: Apostelgeschichte 27:20

„Da aber viele Tage lang weder Sonne noch Sterne schienen und ein nicht geringes Unwetter uns bedrängte, schwand zuletzt alle Hoffnung auf unsere Rettung.“

 

Sie hatten keinen Sextanten, keinen Kompass; sie hatten keine Ahnung, wo sie waren. Es war total dunkel. Kein Sonnenlicht, keine Sterne. Und nach vielen Tagen im Sturm gaben sie alle Hoffnung auf. Vielleicht ist das der Punkt, an dem Sie heute stehen. Vielleicht haben Sie das Gefühl, Sie stehen im Dunkeln, werden von einem Sturm hin und her geworfen und haben die Hoffnung aufgegeben, dass sich überhaupt noch etwas ändern und besser werden könnte. Dann möchte ich Ihnen sagen: Geben Sie nicht auf. Es gibt Hoffnung, und die Hilfe ist unterwegs.

Schauen wir, was als Nächstes passiert, Vers 21. An dieser Stelle ergreift Paulus das Wort. Apostelgeschichte 27:21

„Und als man lange Zeit ohne Speise geblieben war, da stand Paulus in ihrer Mitte auf und sprach: Männer! Man hätte mir freilich gehorchen und nicht von Kreta abfahren und dieses Unglück und den Schaden vermeiden sollen.“

 

Das war kein triumphierendes „Ich hab’s euch doch gesagt!“ Paulus wollte nur, dass alle auf das hörten, was er jetzt zu sagen hatte.

 

Apostelgeschichte 27:22-26

„Und jetzt ermahne ich euch, guten Mutes zu sein, denn keiner von euch wird verloren gehen, nur das Schiff. Denn ein Engel des Gottes, dem ich gehöre und dem ich diene, stand in dieser Nacht bei mir und sprach: Fürchte dich nicht, Paulus! Du musst vor den Kaiser gestellt werden; und siehe, Gott hat dir alle geschenkt, die mit dir fahren. Deshalb seid guten Mutes, ihr Männer! Denn ich vertraue Gott, dass es so sein wird, wie zu mir geredet worden ist. Wir müssen aber auf irgendeine Insel verschlagen werden.“

 

Mitten in dieser Situation, in der alle anderen schon die Hoffnung aufgegeben haben, steht Paulus auf und sagt: „Verliert nicht den Mut.“ Warum? „Weil wir einen erfahrenen Kapitän haben. Er wird uns aus dem Sturm bringen.“ Nein. „Weil dieses Schiff sehr stabil ist.“ Nein. „Weil wir viele kluge Leute an Bord haben. Wenn wir alle zusammen nachdenken, fällt uns sicher etwas ein, wie wir uns aus dieser Lage befreien können.“ Nein. Paulus sagte: „Seid guten Mutes. Gott hat mir etwas über unsere Situation gesagt. Ich glaube Gott, dass alles so werden wird, wie er es gesagt hat. Gebt nicht auf.“

 

Vielleicht denken Sie jetzt: „Herr Pastor, das ermutigt mich nicht besonders. Immerhin war Paulus ein Engel erschienen, der ihm ein Versprechen von Gott gab. Wenn mir ein Engel erscheinen und Gott  mir ein konkretes Versprechen geben würde, wäre ich auch ermutigt. Liebe Freunde, Sie haben etwas Besseres als eine Engelserscheinung. Sie haben Gottes Wort und zwar schriftlich. In 2. Petrus 1 schreibt Petrus: „Wir waren Augenzeugen der Majestät und Herrlichkeit Gottes. Und auf dem Berg, als

 

Gott sprach, haben wir seine Stimme mit eigenen Ohren gehört!“ Doch dann sagt er: „Aber das Wort, das wir haben, ist noch sicherer – die Heilige Schrift, die keine eigenmächtige Interpretation ist.“  Dieses schriftliche Wort Gottes ist sicherer als jede Engelserscheinung. Es ist sicherer, als wenn Sie Gottes Stimme hörbar wahrnehmen würden. Himmel und Erde werden vergehen, aber Gottes Wort nicht. Es steht für immer im Himmel fest und Gott hat Ihnen in Seinem Wort bereits etwas zu Ihrer Situation gesagt. Sie können sich an Seinem Versprechen festhalten und es wird Sie durch den Sturm bringen. Josua sagte am Ende seines Lebens zum versammelten Volk Israel: „Nicht ein Versprechen Gottes ist uneingelöst geblieben. Alles ist wahr geworden.“ Und ich sage Ihnen, Gottes Wort ist ein festes Fundament. Wenn Sie gerade in einem Sturm stecken, dann suchen Sie in diesem Wort nach einem Versprechen und verankern Sie Ihre Hoffnung darin. Aber ich möchte noch über etwas anderes sprechen und das ist der Kern meiner heutigen Predigt. Wir können aus dieser Geschichte über den Sturm einige praktische Lektionen lernen. Die erste dreht sich um die Frage: Was für Menschen geraten in Stürme? Es müssen doch schlechte Menschen sein, so wie der ungehorsame Jona, mit dem Gott unzufrieden war. Geschieht dir ganz recht, Jona, dass du in den Sturm gerätst! Ja, Jona war wegen seines Ungehorsams in einen schlimmen Sturm geraten. Paulus befand sich wegen seines Gehorsams im Sturm. Was hatte der Engel noch gesagt? „Du musst vor den Kaiser gestellt werden.“ Paulus folgte Gottes Plan für sein Leben. Er war im Auftrag Gottes unterwegs und er steckte in einem schrecklichen Sturm. Ja: Manchmal geraten auch gute Menschen in schlimme Stürme.

 

Wir leben in einer gefallenen Welt, also denken Sie nicht zu viel darüber nach. Stürme gehören zum Leben. Das heißt nicht, dass Gott mit Ihnen unzufrieden ist. Jeder Mensch gerät in Stürme. Zweitens können wir Gott Seine „Rettungsmethode“ nicht vorschreiben. Ja, Gott hat Paulus und alle, die bei ihm waren, gerettet, aber nicht so, wie die meisten Menschen es sich aussuchen würden.

 

In der Bibel lesen wir, dass Gott Menschen auf unterschiedliche Art und Weise aus Stürmen rettet. In Johannes 6 geht Jesus in einem schrecklichen Sturm auf dem Wasser. In der Bibel steht, die Jünger holten ihn ins Boot und schon waren sie am Ufer angekommen. Da war ein Wunder geschehen. Und so würde ich am liebsten immer aus einem Sturm gerettet werden. Einfach von jetzt auf gleich, ohne dass ich mich anstrengen muss. Einfach peng! Gott, du bist fantastisch! Aber dann lesen wir in Lukas  8 von einem anderen furchtbaren Sturm. Dort bedroht Jesus den Wind und es wird ganz still. Aber das Boot wird nicht einfach ans Ufer versetzt. Sie müssen noch rudern oder wenn ein bisschen Wind weht, müssen sie die Segel setzen und segeln. Das ist eine andere „Rettungsmethode“. Gott schenkt einen wunderbaren Durchbruch und dann wird das, was vorher schwer war, plötzlich leicht. Wir müssen  nicht mehr gegen den Wind und die Wellen anrudern. Manchmal rettet uns Gott auch so. Er schenkt einen Durchbruch und plötzlich tritt an die Stelle von Widerstand Wohlwollen. Aber trotzdem ist noch Ihr Einsatz und Ihre Mitarbeit notwendig.

 

Und dann gibt es solche Stürme wie den, in dem sich Paulus befand. Es gab keine sofortige Sturmstillung. Sie verloren Schiff und Ladung, aber nicht ihr Leben. Der Sturm hörte nicht auf. Selbst nach dem Schiffbruch, als sie an Land kamen, regnete es noch, erzählt uns die Bibel. In 2. Korinther 11:25 schreibt Paulus: „Dreimal habe ich Schiffbruch erlitten.“

 

Wir können nicht immer „einfädeln“, wie sich eine Situation löst. Manchmal handelt Gott sofort und durch ein Wunder. Das ist fantastisch! Manchmal gibt es einen Durchbruch und alles wird leichter. Manchmal hört der Sturm einfach irgendwann auf. Ganz gleich, wie Gottes Rettung in Ihrem Leben aussieht: Sie dürfen darauf vertrauen, dass Gott Sie durchbringt und Sie segnet, noch bevor das Ende erreicht ist.

 

Ich erinnere mich an eine Geschichte, die einmal ein Bauunternehmer erzählte. Er sollte eine große Zentrale für ein großes christliches Werk bauen. Er dachte sich: „Ich will das zu Gottes Ehre tun. Ich werde meine Gaben zu Gottes Ehre einsetzen.“ Und das tat er auch. Doch als die Bauarbeiten begannen, fing es an zu regnen. Und es regnete und regnete. Der Bauunternehmer ging zum Leiter des Werks, der inzwischen schon viele Jahre im Himmel ist, und fragte: „Was ist hier los? Wir haben doch darum gebetet, dass die Wolken verschwinden, dass die Sonne scheint und der Regen aufhört. Wir haben sogar gefastet – aber es regnet immer weiter!“ Und ich weiß noch, wie der Unternehmer erzählte, welche weisen Worte ihm der Leiter der christlichen Arbeit zur Antwort gab. Er sagte:

„Manchmal regnet es und manchmal nicht.“

 

Liebe Freunde, ich glaube, dass Gott mich durchbringt, ganz gleich in welcher Lage. Und ich glaube, dass ich am Ende meines Lebens hören werde: „Gut gemacht, mein guter und treuer Diener“, wenn ich die Aufgabe vollendet habe, die Gott mir gegeben hat. Wenn Sie in einem Sturm stecken, der scheinbar unendlich ist, heißt das nicht, dass Sie sich nicht trotzdem aktiv um Rettung bemühen

 

müssen. Wir müssen im Sturm aktiv nach Hilfe suchen. Ich meine, das ist selbstverständlich. Es heißt hier zwar nicht ausdrücklich, dass Paulus betete, aber natürlich tat er das. Es versteht sich von selbst, dass er betete. Ich will uns nur davor warnen, Gott in eine Schublade zu stecken und Ihm  vorschreiben zu wollen, wie Er handeln muss. Das müssen wir schon Gott überlassen. Unsere Aufgabe ist es, an der Verheißung festzuhalten und zu sagen: „Ich glaube, dass es genau so werden wird, wie Gott es gesagt hat.“ Hier bei Paulus wurden 276 Menschen wegen eines Mannes verschont. Das sollte uns zu denken geben.

 

Und noch ein Gedanke: Gott, der das Ziel festgelegt hat, hat auch die Mittel festgelegt. Lesen wir noch einmal Vers 27. In Vers 26 hatte Paulus gesagt: „Wir müssen aber auf irgendeine Insel verschlagen werden.“

 

Apostelgeschichte 27:27-32

„Als aber die vierzehnte Nacht gekommen war und wir im Adriatischen Meer umhertrieben, meinten gegen Mitternacht die Matrosen, dass sich ihnen Land näherte. Und als sie das Senkblei ausgeworfen hatten, fanden sie zwanzig Faden; nachdem sie aber ein wenig weiter gefahren waren und das Senkblei wieder ausgeworfen hatten, fanden sie fünfzehn Faden. Und da sie fürchteten, wir möchten etwa auf felsige Stellen verschlagen werden, warfen sie vom Hinterschiff vier Anker aus und wünschten, dass es Tag würde. Als aber die Matrosen aus dem Schiff zu fliehen suchten und das  Boot unter dem Vorwand, als wollten sie vom Vorderschiff Anker auswerfen, in das Meer hinabließen, sprach Paulus zu dem Hauptmann und den Soldaten: Wenn diese nicht im Schiff bleiben, könnt ihr nicht gerettet werden. Dann hieben die Soldaten die Taue des Bootes ab und ließen es hinabfallen.“

 

Die Seeleute waren wie die Lohnarbeiter, von denen Jesus sprach, die fliehen würden, wenn der Wolf kam. Sie versuchten, vom Schiff zu fliehen, wo sie am dringendsten gebraucht wurden. Aber hatte der Engel nicht gesagt: „Gott hat dir alle geschenkt, die mit dir fahren“? Die Antwort auf diese Frage ist:  Ja. Also, Paulus, was meinst du damit, dass keine Rettung möglich ist, wenn diese Männer nicht an Bord bleiben? Hat Gott dir nicht schon versprochen, dass alle gerettet werden? Ja, hat Er. Aber Gott, der das Ende festgelegt hat, hat auch die Mittel festgelegt. Ich glaube, als Paulus sagte, „sie müssen an Bord bleiben, oder ihr könnt nicht gerettet werden“, sprach er nicht als Prophet, sondern als umsichtiger Mann. Er hatte ja bereits gesagt, was ihm offenbart worden war: „Das Schiff wird auf Grund laufen.“ Also, wenn die Matrosen das Schiff im Stich lassen, wer soll es dann steuern, damit es auf Grund laufen kann? Gott hatte das Ziel schon festgelegt, aber auch die Mittel. Wenn wir weiterlesen, finden wir heraus, dass sie am Morgen einen Strand sahen. Und genau die Seeleute, die das Schiff verlassen wollten, konnten mit den Rudern und mit den Segeln umgehen. Sie steuerten das Schiff so, dass es an einer Stelle auf Grund laufen konnte. Und als es auseinanderzubrechen begann, konnten alle herunterspringen und an Land gelangen. Aber sie wären nie nah genug am Strand gewesen, wenn die Seeleute nicht da gewesen wären und das Schiff gesteuert hätten.

 

Das ist eine wichtige Lektion für uns! Wir versuchen Gott, wenn wir sagen, dass wir Ihm vertrauen und uns unter Seinen Schutz stellen, aber nicht die Mittel nutzen, die uns zu unserem Schutz und unserer Sicherheit zur Verfügung stehen.

 

Ein Beispiel: Vor Kurzem war ich ein paar Tage zum Predigen in Deutschland. Es war sehr kalt und regnerisch. Ich hatte bis spätabends gepredigt und mit Menschen gesprochen und war total durchgeschwitzt. Jetzt musste ich ins Hotel zurück. Also ging ich hinaus in das kalte, nasse Wetter und sagte: „Ich brauche keine Mütze, keinen Mantel und keinen Schal. Gott ist mein Schutz. Wir sehen uns im Hotel.“ Nein! Wenn man an solch einem Abend einfach so hinausgeht, besonders wenn man ganz durchgeschwitzt ist, holt man sich bestimmt eine Lungenentzündung. Also zog ich meinen Mantel, meinen Schal und meine Mütze an, stieg ins Auto und fuhr direkt ins Hotel. Ich ging nicht hinaus in den Regen, besonders nicht so total durchgeschwitzt und müde vom Predigen. Das wäre unklug gewesen. Und, ja, ich kann sagen, Gott bewahrt mich, Er ist mein Schutz. Nein – ich hätte Gott versucht, wenn ich anders gehandelt hätte.

 

Wenn ich zum Predigen irgendwo mit einem kleinen Flugzeug hinfliegen muss und der Pilot sagt: „In letzter Zeit setzt der Motor oft aus und wir haben auch ein großes Ölleck. Aber wir vertrauen auf Gott!“

„Nein, danke! Dann fahre ich lieber 15 Stunden mit dem Bus.“ „Wieso denn? Haben Sie keinen Glauben?“ „Doch, ich habe Glauben. Holen wir einen Mechaniker, der das Flugzeug repariert.“

„Wissen Sie, wie teuer das ist? Kommen Sie schon! Matthäus 18:19: Wenn zwei von euch auf der Erde übereinkommen… Beten wir einfach, dass Gott uns schützt.“ „Beten wir doch lieber um das Geld, um den Mechaniker für die Reparatur zu bezahlen. Sobald das Flugzeug repariert ist, fliege ich mit Ihnen.“

 

Gott, der das Ziel festlegt, legt auch die Mittel fest. Lesen wir weiter.

 

Apostelgeschichte 27:33

„Als es aber Tag werden wollte, ermahnte Paulus alle, Speise zu sich zu nehmen, und sprach: Heute schon den vierzehnten Tag wartend, seid ihr ohne Essen geblieben, weil ihr nichts zu euch genommen habt.“

Zwei Wochen ohne Essen, das ist eine lange Zeit. Es war ein langer Sturm. Apostelgeschichte 27:34

„Deshalb ermahne ich euch, Speise zu euch zu nehmen, denn dies gehört zu eurer Rettung; denn keinem von euch wird ein Haar des Hauptes verloren gehen.“

 

Auch dies ist einfach ein praktischer Rat. Vielleicht waren sie seekrank. Im Sturm konnten sie auch kein Feuer anzünden, also konnten sie nur etwas Kaltes essen. Vielleicht hatten sie keinen Hunger. Aber sie hatten schon seit zwei Wochen nichts mehr gegessen! Paulus weiß, dass das Schiff auf Grund laufen wird, also müssen sie an Land schwimmen. „Ihr braucht die Energie, sonst könnt ihr nicht schwimmen. Esst was.“ Praktisches Wissen, praktische Weisheit.

 

Und noch ein Gedanke: Vielleicht haben sie auch nicht gegessen, weil sie die Hoffnung verloren hatten. Wissen Sie, wenn jemand eine schwere Depression hat, ist eins der Symptome, dass er nicht mehr auf sich achtet. Er hört auf zu essen, er wäscht sich nicht mehr. Und wenn Sie jemanden kennen, der solche Symptome an den Tag legt, dann müssen Sie tun, was Paulus tat. Ermutigen Sie denjenigen. Es kann katastrophale Folgen haben, wenn nicht jemand eingreift. Das ist meistens ein Symptom einer schweren Depression oder Hoffnungslosigkeit, eines der ersten körperlichen Zeichen. Derjenige verliert den Appetit und achtet nicht mehr auf sich. Und wenn nicht jemand eingreift und denjenigen ermutigt, was dann?

Paulus sagte: „Ihr werdet nicht eure Haare verlieren, aber eure Haare werden nass werden.“ Apostelgeschichte 27:35-37

„Und als er dies gesagt und Brot genommen hatte, dankte er Gott vor allen, und als er es gebrochen

hatte, begann er zu essen. Alle aber wurden guten Mutes und nahmen auch selbst Speise zu sich. Wir waren aber alle in dem Schiff, Zweihundertsechsundsiebzig.“

 

276 Menschen, die von Paulus ermutigt und beeinflusst wurden und die letztendlich durch seine Anwesenheit gerettet wurden.

 

Wie viele andere Menschen kann ein Mensch beeinflussen, der Gott liebt und dient? Die eigene Familie? Ja, Sie können Ihre Familie beeinflussen. Ihre Gemeinde? Ja. Ihre Firma? Ja. Ihre Nachbarschaft und Ihr Land? Ja. Unterschätzen Sie nicht, wie sehr Gott durch Sie andere ermutigen und bewahren und zum Guten beeinflussen kann! Und wenn Sie heute in einem Sturm stecken, möchte ich Ihnen eines mitgeben: Vielleicht läuft nicht alles nach Ihrem Plan, doch das heißt nicht, dass Gott keinen Plan hat.

 

Eines der größten Dinge, die ich über Gott gelernt habe, ist, dass Er immer weiß, was los ist und dass Er einen besseren Plan hat als ich. Gott kennt Ihre Umstände, Ihre Situation, Ihre Stürme. Er weiß Bescheid. Er weiß, was Sie durchmachen. Und Paulus schreibt im Korintherbrief, dass Gott schon einen Ausweg geschaffen hat, bevor wir überhaupt in Schwierigkeiten geraten, damit wir sie ertragen können. Es gibt keine Versuchung, keine Schwierigkeit, keine Prüfung, kein Problem, keinen Sturm, wofür Gott nicht bereits einen Ausweg vorbereitet hat. Gott hat bereits einen Plan fertig, wie wir die Situation überstehen und überwinden können. Wir müssen nur auf Seinen Rat hören und in Sein Wort schauen. Und ich möchte Ihnen sagen: Es gibt einen Weg durch Ihren Sturm. Gott wird Sie nicht im Stich lassen. Auch wenn es blitzt und donnert, regnet und stürmt – Gott wird Sie nicht im Stich lassen. Er wird Sie nicht verlassen. Es gibt einen Weg durch Ihre Probleme hindurch. Geben Sie die Hoffnung nicht auf. Und vielleicht erscheint Ihnen das seltsam, aber ich sage es trotzdem: Gott würde diese Sendung auch dazu benutzen, nur Sie allein jetzt, in diesem Moment, zu ermutigen. Er weiß, was Sie durchmachen und Er liebt Sie. Bis zum nächsten Mal!

 

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