Wie nennst du den Stein?

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(Vortrag eines Kreisaufsehers)

Wenn jemand einen Stein von einer bestimmten Länge, einer bestimmten Breite und einer bestimmten Dicke nimmt und vor deine Füße legt und du stolperst und fällst darüber, wie nennst du diesen Stein? Ja – diesen Stein würdest du einen Stolperstein nennen. Wenn jemand einen anderen Stein – gleiche Länge, Breite, Dicke – nimmt und ihn vor deine Füße legt und du hebst deinen Fuß sehr vorsichtig und stellst ihn auf den Stein und du stellst dich ganz darauf, wie nennst du diesen Stein? Einen Trittstein, eine Stufe nach oben! Was ist eigentlich der Unterschied zw. den beiden Steinen? Sie haben dieselbe Höhe, Breite und Dicke. Beide wurden vor deine Füße gelegt, sogar von derselben Person. Was ist der Unterschied? Der einzige Unterschied liegt darin, wie du diesen Stein gebrauchst. Wenn wir unseren Fuß darauf stellen, ist er eine Stufe nach oben, wenn wir darüber stolpern, nennen wir ihn einen Anlaß zum Straucheln. Aber das ist unser eigenes Problem. Es ist unsere Verantwortung, alles, was vor unsere Füße kommt, als Stufe nach oben zu benutzen.

 

Von Zeit zu Zeit hören wir Ausdrücke wie „ich wurde zum Straucheln gebracht“ oder „dieser Bruder oder diese Schwester wurden zum Straucheln gebracht“. Sind sie aber zum Straucheln gebracht worden oder strauchelten sie selbst? War es etwas, was unter ihrer Kontrolle war? Taten sie selbst etwas, oder tat es jemand anders? Das ist die Frage, die wir heute untersuchen wollten!

 

Wir haben eine biblische Grundlage, auf die sich unsere Besprechung stützt: 1. Pe. 2:4,7,8 – hier wird ein Stolperstein u. ein Baustein – oder auch eine Stufe – erörtert.

Nun, die Situation ist klar, nicht wahr? Der Stein ist Jesus. Derjenige, der den Stein auf die Erde setzte, ist Jehova Gott. Für einige war es ein Stein, auf dem sie ihre christliche Aktivität aufbauen konnten. Für andere war er ein Stein des Anstoßes und ein Stein zum Straucheln. War das Jesu‘ Fehler? War es der Fehler des Steins? War es der Fehler dessen, der den Stein dorthin stellte? Oder war es der Fehler der Person, die den Stein falsch gebrauchte?

 

Die Ungläubigen sahen in ihm einen Stein des Anstoßes. Für die Gläubigen dagegen war er die Basis der Rettung. Er war ein Trittstein, ein Baustein, eine Stufe nach oben.

 

Von Zeit zu Zeit reden wir davon, gestrauchelt zu sein, oder daß jemand anders strauchelte. Die Bibel verdammt Personen, die absichtlich versuchen andere zum Straucheln zu bringen (Luk. 17:2). Ich hoffe, Euch heute zeigen zu können, daß es so etwas wie einen Stolperstein überhaupt nicht gibt.

 

Laßt uns eine Bibelstelle nachlesen, die diese Behauptung untermauert: Ps. 91:9-12… Wenn wir wirklich ein Verhältnis zu Jehova haben, gibt es nichts, was uns jemals straucheln machen kann. Wie sollten wir in der Lage sein, zu straucheln, wenn Jehova doch unser Zufluchtsort und unsere Wohnung ist?

 

Wenn die Bibel von Personen berichtet, die andere zum Straucheln bringen wollen, dann sind es solche, die andere in voller Absicht dazu bringen wollen, ihr Verhältnis zu Jehova Gott abzubrechen.

 

Es sollte niemals möglich sein, daß jemand in unsere Mitte kommen kann und uns veranlaßt, egal durch welches Benehmen auch immer, unser persönliches Verhältnis zu Jehova zu verlieren. Wenn das aber jemand schafft, was für ein Verhältnis hatten wir dann zu Jehova?

 

Wenn jemand dieses Verhältnis stören kann, war es dann wirklich an erster Stelle in unserem Leben? Ist dieses Verhältnis von irgendeinem Menschen abhängig?

 

Sehen wir uns einmal ein Bsp. von jemanden an, der Strauchelte. Nehmen wir mal an, da ist Schwester Sensibel, die eine kranke Zehe hat. Sagen wir, es ist ein eingewachsener Zehennagel, der ihr solche Schmerzen bereitet, daß selbst ein darüber wehender Windhauch sie die Wände hochgehen läßt. Deshalb verbindet sie diese Zehe sehr gründlich. Sie trägt auch offene Sandalen. Nun geht sie in die Versammlung. Sie kommt zur Eingangstüre. Die Brüder und Schwestern stehen im Vorraum des Saales, wie das eben so vor der Versammlung üblich ist. Sie streckt ihren Fuß sichtbar vor sich her und bringt damit jeden dazu, sehr vorsichtig mit ihr umzugehen und sie zu ihrem Platz zu begleiten. Nun ist die Zusammenkunft vorbei, man steht auf, unterhält sich wieder usw. Die arme Schwester hat nun die schwere Aufgabe, ihre Zehe heil durch das Gedränge zum Ausgang zu bringen. Alles geht auch ganz gut, sie ist fast beider Türe, da kommt Schwester Unsensibel. Schwester Unsensibel ist eine wohlmeinende Person, leider aber etwas unbeholfen. Sie geht auf die Schwester zu und – wumm – steht sie auf dem Ende des wehen Zehs!

Kannst du dir diese Situation vorstellen? Es kostete der Schwester all ihre Willenskraft, um nicht laut aufzuschreien. Nun haben wir da eine Schwester mit hochrotem Gesicht, vielleicht kommt sogar Rauch aus der Nase und den Ohren. Sie ist ziemlich außer sich, könnte man sagen.

 

Aber Schwester Unsensibel ist schon halb den Gang herunter ohne überhaupt zu bemerken, daß sie der Schwester auf die Zehe getreten ist. Unsere Schwester kann vor lauter Schmerz nicht sprechen und selbst wenn sie es versucht hätte, wäre es sicher nichts Erbauliches gewesen.

 

Irgendwie schafft es die Schwester hinaus in ihr Auto zu kommen und fährt nach Hause. Gut. Jemand sah diese Situation und erzählt einem der Ältesten, daß diese Schwester zum Straucheln gebracht wurde. Einer der Ältesten würde nun das Vorrecht haben, sie anzurufen, zu ermuntern, und die Dinge wieder ins Lot zu bringen. Sobald sich die Tür öffnet, welchen Empfang bekommt der Älteste? Er kommt gar nicht erst zu Wort. „Du kannst mir nicht erzählen, sie hätte meine Zehe nicht gesehen! Wenn das die Sorte von Schwester ist, die wir im Königreichssaal haben, dann gehe ich nicht mehr hin, wenn sie da ist. Beim Einkaufen mitten in der Stadt ist niemand an meine Zehe gestoßen…“.

 

Naja, der arme Älteste verläßt nun die liebe Schwester, setzt sich in sein Auto, seufzt, spricht ein Gebet und fährt nach Hause. Wir würden nun sagen: „Sie wurde zum Straucheln gebracht“. Könnte aber dieselbe Situation nicht, anstatt ein Anlaß zum Straucheln, ein Trittbrett, eine Stufe nach oben gewesen sein? Natürlich hatte die Schwester einen Grund. Jeder von uns wäre verärgert, nicht wahr? Könnte es aber möglich sein, daß diese Situation eine Stufe wird? – Wie?

 

Gehen wir das Ganze noch einmal durch: Schwester Unsensibel hat, wenn sie herumlatscht und anderen Leuten auf die Zehe steigt, ein Problem, an dem sie sicher arbeiten muß.

 

Wie auch immer, Schwester Sensibel hat die Gelegenheit, die ganze Situation in einem neuen Licht zu sehen. Frage dich einmal selbst, warum Schwester Sensibel so verärgert war? Welche Seite ihrer Persönlichkeit erlaubte ihr so zu reden? Zeigt das nicht, daß ihr Verhältnis zu Jehova nicht existent ist?

 

Gemäß 1. Ko. 3:10-15 gibt es „feuerfeste Christen“. Das wesentliche ist daß Heu, Hölzer und Stoppeln das sind, was wir unter einem dogmatischen Christen verstehen. Gold, Silber und edle Steine dagegen sind der Christ, dessen Persönlichkeit im Einklang mit den Erfordernissen Gottes ist.

 

Der Tag, der es zeigen wird, ist die Vernichtung Babylons der Großen, und das bedeutet: Wenn wir Dogma-Christen sind, werden unsere Werke verbrennen, unsere Werke sind brennbar. Aber wenn wir unsere Persönlichkeit geändert haben, dann sind wir feuerfeste Christen. Hier ist die Situation:

 

Glaubte Schwester Sensibel, sie hätte eine Menge Selbstbeherrschung? Das glauben wir alle von uns selbst, nicht wahr? Wenn wir zu Hause sitzen, mit uns allein sind, die Bibel lesen und niemand sonst da ist, sind wir alle wunderbare Menschen, oder nicht? Da sitzt du nun, friedvoll und glücklich und liest über Selbstbeherrschung und sagst zu dir selbst: „Oh ja, ich hab‘ sie! Geduld? „Oh ja, ich bin sehr geduldig!“ Freundlich? Wenn du allein bist und niemand sonst ist da…

 

Nun verläßt du dein Zimmer und du gehst in die reale Welt. Dann kommst du plötzlich in eine Situation, bevor du recht weißt, bremst ein Auto direkt vor dir. Du trittst sofort auf die Bremse, was bewirkt, daß sich eine Radkappe löst – sie rollt direkt auf ein entgegenkommendes Auto zu, welches darüber fährt – es kostet 125 Dollar. Der Fahrer, der vor dir bremste, sah, was geschehen war und lachte sich kaputt. Und du sagst nun: „Nun ja, diese Dinge geschehen manchmal. Wahrscheinlich hat der vor mir den Führerschein noch nicht lange, ich möchte ihm keine Vorwürfe machen…“. Oder findest du dich selbst im Auto sitzend mit hochrotem Gesicht, Rauch kommt aus deinen Ohren und du kannst froh sein, daß sonst niemand mit dir im Auto sitzt?

 

Meinst du, das könnte dir passieren? Plötzlich bemerkst du, daß du nicht jene Person bist, die du dachtest zu sein. Nun, wenn sich diese Schwester eben nur eingebildet hat, sie hätte Selbstbeherrschung, sie in Wirklichkeit aber nicht in ihrer Persönlichkeit hat, würde sie fröhlich weitergehen auf ihrem Weg, solange, bis die Vernichtung Babylons der Großen käme und dann würde das auch ihr Ende sein.

 

Sie wußte ja nicht einmal, daß sie auf diesen Punkt ihr Augenmerk legen sollte. Sie wußte nicht einmal, daß sie Probleme mit der Selbstbeherrschung hatte. Sie kam zu den Zusammenkünften und fand heraus, daß sie Probleme mit der Selbstkontrolle hatte. Aber da sind auch noch andere Früchte des Geistes, die ihr mangeln. Wenn sie nun diese Lektion annimmt und von dieser Situation lernt, würde sie sich selbst fragen: „Wie kann ich meine Selbstbeherrschung verlieren, wenn ich eine feuerfeste Christin bin?“ Dann würde sie die Schriften auf Texte hin untersuchen, die Selbstbeherrschung beinhalten. Sie würde Jehovas Geist erlauben, mit ihr zu arbeiten. Und wenn die gr. Drangsal kommt, wird Jehova sagen könne: „Sehr gute Persönlichkeit, komm herein in die neue Ordnung“.

 

Wer ist also ihre beste Freundin? Von allen Brüdern und Schwestern ist es die Schwester, die ihr auf die Zehe gestiegen ist! Sie half ihr tatsächlich ihr Leben zu retten.

 

Wann immer wir also in eine solche Lage kommen, sagen wir stets: „Sie regen mich auf. Sie sollten das nicht gesagt haben. Sie machen mich wütend und liegen völlig falsch, sie müssen böse sein“, oder können wir sagen: „Wenn sie mich aufregen können, was ist dann los mit mir?“ Wenn diese Person also daher kommt und uns aufregt und legt den Stolperstein vor uns nieder, so können wir sagen: „Oh schau, eine Stufe. Was versucht Jehova mir zu sagen? Welchen Makel sieht er in meinem Charakter? Was ist meine Schwäche? Woran muß ich arbeiten?“

 

Anstelle einer ständigen Auseinandersetzung mit Stolpersteinen, mit deinem Gesicht immer im Dreck, wird es eine ständige Begegnung mit Stufen – dein Haupt immer emporgehoben, Fortschritte machend zur Reife in Jehovas Organisation.

 

Seht, Brüder und Schwestern, es gibt eine ziemlich unüble Sache, die wir bemerken, wenn wir eine Versammlung analysieren. Wenn wir nicht wegen der Wahrheit hier wären, hätten sich die meisten von uns niemals getroffen, nicht wahr?

 

Wißt ihr, was Jehova tun könnte? Er könnte sich auf der ganzen Erde umschauen und 60 oder 70 Personen mit einer ähnlichen Persönlichkeit finden. Er könnte sie dann alle in eine Versammlung zusammenbringen. Wäre das nicht schön?

 

Jeder denkt genauso wie Du, jeder hat denselben Standpunkt. Jeder ist dein bester Freund und die ganze Versammlung ist perfekt. Du bist glücklich. Niemand sagt je ein falsches Wort, es gibt keine Probleme und Schwierigkeiten. Niemand wäre gekränkt…

 

Dann kommt Harmagedon und Jehova vernichtet die ganze Versammlung. Warum? Weil niemand auch nur den geringsten Grund sah, irgendetwas zu ändern. Jeder sagt ja: „Wir sind alle glücklich“. Die Tatsache aber ist: Wir sind es nicht! Es gibt nur zwei Sorten von Menschen, die sich niemals ändern müssen und das sind:

  1. die vollkommenen Menschen und
  2. die, die es niemals werden möchten.

 

Wenn du jetzt noch nicht ganz vollkommen bist, und du möchtest lange genug am Leben bleiben, um vollkommen zu werden, dann mußt du offensichtlich Änderungen an dir vornehmen.

 

Wie lange ist es her, seit du eine Veränderung in deiner Persönlichkeit vorgenommen hast? An welchen Fehlern arbeitest du augenblicklich? An keinem? Du meinst, du bist vollkommen? Wie lange ist es her, seit du jemanden gefragt hast, an welchem Fehler du arbeiten mußt? Was? Du hast nicht gefragt? War es so, daß es dir jemand sagen mußte?

 

Manchmal wollen wir das Schlechte über uns gar nicht wissen, oder wollen wir es? Tatsächlich ist dies eines unserer Probleme.

 

Hast du je zu jemand gesagt: „Bruder oder Schwester, ich möchte dich auf eine Schwäche in deiner Persönlichkeit aufmerksam machen, ein kleiner Fehler: Es scheint, es mangelt dir an Selbstbeherrschung.“ Und der Bruder sagt dann zu dir: „Nein, nein, das siehst du ganz falsch. Ich habe eine Menge Fehler, aber einen Mangel an Selbstbeherrschung ist keiner davon, dessen bin ich ganz sicher. „

 

Was sind deine Fehler? Welche im Besonderen? Wir lieben es, sehr allgemein zu reden und hassen es, konkret zu werden. „Ich bin eine schwache Person, ich bin so unvollkommen.“ „Ja, das stimmt. Einer deiner Fehler ist die Ungeduld.“ „Nein, nein, ungeduldig bin ich nicht.“

 

Hier etwas Konkretes:“ Ich habe eine Menge Fehler, aber Ungeduld ist keiner von ihnen.“ „Dein Problem ist, daß du ein wenig unfreundlich bist.“ „Was? Gerade das ist meine Stärke! Wenn es etwas gibt, in dem ich gut bin, dann ist es im Freundlichsein.“ „Gut, was sind dann deine Fehler?“ „Oh, alles, einfach alles, ich habe eine Menge Fehler.“

 

Ja, wir lieben es, allgemein zu sein, nicht wahr? Wir müssen aber der Tatsache ins Auge sehen, daß wir wirklich Schwächen in unserem Charakter haben, bestimmte Probleme, spezielle, an denen wir arbeiten müssen. Aber wir müssen uns selbst ehrlich gegenüberstehen, in den Spiegel schauen und erkennen, was für Menschen wir wirklich sind. Was für ein Verhältnis haben wir mit Jehova? Oder haben wir nur ein Verhältnis mit Menschen oder mit einer Organisation?

 

So kann ein Stolperstein zu einer Stufe werden. Ganz einfach, indem wir ihn ansehen als das, was er ist und ihn zum Fortschritt benutzen. Nimm Änderungen in Deiner Persönlichkeit vor, die andere sehen können.

 

Um dies aus der Bibel zu veranschaulichen, nehmen wir den Bericht eines Mannes, über den in den christlich griechischen Schriften nicht sehr viel zu hören ist, obwohl wir seinen Namen in der Apostelgeschichte finden. Er ist eines der herausragenden Beispiele der Bibel, wie man einen Stolperstein als Stufe benutzt. Es ist ein Mann, der „Apostel“ genannt wurde, obwohl er keiner der Zwölf war und sein Name war Barnabas. Wenn du an Barnabas denkst, dann fällt dir automatisch noch jemand ein, der immer mit Barnabas ging – Paulus. Eigentlich war sein Name nicht Barnabas, sondern Josef. Wir lesen über ihn in Apostelgeschichte4: „Er war ein Jude, geboren aus dem Stamm Levi, gebürtig aus Zypern“ Er war einer der Anwesenden zu Pfingsten 33 u.Z. und hörte die Ansprache von Petrus (Apostelgeschichte2). Er wurde entweder zu Pfingsten bekehrt oder ein oder 2 Tage später. Aber es ist sicher, daß er einer der 3000 war, die zu Pfingsten getauft wurden. Barnabas oder Josef war ein großherziger, großzügiger, extrovertierter Mann. Wenn irgendjemand depressiv war, weißt du, zu wem er dann ging? Zu Josef.

 

Offensichtlich konnte er trösten, geistig erbauen, aufheitern. Wir wissen das, weil ihm die Apostel den Beinamen Barnabas gaben (Sohn des Trostes). Unter diesem Beinamen ist er besser bekannt als unter seinem richtigen Namen (Apostelgeschichte 4:36). Er war eine großzügige Person, verkaufte alles was er hatte und übergab das Geld den Aposteln.

 

Kannst du dir vorstellen, in dieser Situation zu sein? Die Brüder geben bekannt, daß einige Brüder aus einem anderen Land finanzielle Hilfe benötigen, um das Predigtwerk fortzusetzen. Also verkaufst du dein Haus, hebst alles vom Sparkonto ab und schickst es den Brüdern. In den USA ist es leicht, Geld zu machen. Also schicken wir jetzt alles zu unseren Brüdern. Wie viele von uns wären bereit, so weit zu gehen? Wir würden wohl ein wenig in den Spendenkasten werfen, wir helfen ja gerne…

 

Barnabas jedoch verkaufte sein Land und gab alles – das ist der Typ Bruder, über den wir jetzt reden. Wir können nicht anders als Barnabas bewundern.

Nachdem Paulus bekehrt worden war, wollten die Apostel dennoch nicht mit ihm zusammentreffen. Sie waren sich nicht sicher, ob er sich nicht lediglich in die Organisation einschleichen wollte, um dann noch mehr Christen umzubringen. Als Paulus nach Jerusalem kam, um mit den Aposteln zusammenzutreffen, wollten sie nicht mit ihm reden (Apostelgeschichte 9:26). Was glaubt ihr, wer seine Rettung war? Unser großherziger Bruder Barnabas! Er kam Paulus zu Hilfe und führte ihn zu den Aposteln.

 

Schlagen wir nun einmal Apostelgeschichte 13:1 auf, dort finden wir eine Liste prominenter Männer. Wer ist an erster Stelle? Wessen Namen finden wir dort? Barnabas! Wen finden wir am Ende der Liste? Was schließen wir daraus?

 

Barnabas oder Josef war ein sehr prominenter Mann in der Versammlung Antiochia. Er stellt Paulus den übrigen Aposteln vor. Er war der erste auf der Lehrerliste. Nun Vers2 – welcher Name ist der erste? Barnabas und Saulus. Sie gingen weg mit einem Auftrag, sie arbeiteten zusammen unter der Leitung des Hl. Geistes. Blättern wir noch ein paar Seiten in der Bibel weiter und wir werden sehen, daß der Name von Paulus an die erste Stelle gerückt ist und Barnabas an die zweite (Apostelgeschichte 15:35). Was glaubt ihr, ist passiert?

 

Offensichtlich wurde Barnabas eines Tages in das Büro der älteren Männer gerufen, die die Einteilung machten und sie müssen zu Barnabas gesagt haben. „Weißt du Barny, du hast Paulus sehr gut eingearbeitet – du hast diese Aufgabe tatsächlich so gut gemacht, daß wir Paulus nun an deine Stelle setzen können. Du kannst an der 2. Stelle weiter dienen, der Zweite von euch Zweien sein.“ Wenn nun Barnabas so reagiert hätte, wie die meisten Menschen in einer solchen Situation reagieren würden, dann hätte er etwa folgendes erwidern müssen: „Da bin ich euch aber wirklich dankbar! So denkt ihr nun also über all meine harte Arbeit. Ich war schon in der Wahrheit, als er noch Christen mordete! Ich gab mein letztes Geld, meinen ganzen Besitz – und das ist euer Dank? Was tut ihr denn jetzt? Ihr setzt ihn an meine Stelle! Damals wolltet ihr mit ihm nicht einmal reden, ich mußte ihn zu euch bringen. Wie könnt ihr mir das antun? Ich hätte große Lust, zur jüdischen Religion zurückzugehen. Sie haben mich nie so schlecht behandelt. Ich bin aus dem Stamm Levi…“

 

Er wäre zum Straucheln gebracht worden, nicht wahr? Hat er aber so reagiert? Auf diesen wenigen Seiten der Bibel enthüllt sich ein ganzes menschliches Drama, allein dadurch, daß 2 Namen vertauscht wurden. Von Zeit zu Zeit kommt genau das in unserer Organisation vor, Brüder in verschiedenen Positionen wechseln oder verändern sich. Wir müssen auf diese Situation reagieren und tatsächlich ist Jehova daran interessiert, wie wir darauf reagieren.

Wir können eine wertvolle Lektion daraus lernen, wie Barnabas reagierte. Er war ein großer Mann mit einem großem Herzen und er wußte, warum er in der Wahrheit war!

Seine Einstellung war: „Es ist ok. für mich. Ob ich der Erste bin oder der Letzte oder der 2. – was auch immer – ich möchte nur weitermachen mit meinem Dienst, die Königreichsbotschaft zu verkündigen. Das ist wichtig. Wo immer ihr meint, daß ich am besten hinpasse – es ist in Ordnung für mich.“

 

Denkt aber ja nicht, daß unser Barnabas ein Waschlappen wäre, der nicht kämpfen könnte, wenn es die Umstände erfordern. Ein Beispiel dafür, das sich ein wenig später ereignete steht in Apostelgeschichte 15. Da lag ein bißchen Straucheln in der Luft (Vers 39). Das war kein kleiner Streit, sondern wie es heißt, ein heftiger Zornausbruch.

 

Der Hintergrund dieser Story ist sehr interessant. Johannes, mit dem Beinamen Markus, über den hier gesprochen wird, ist Markus, der Bibelschreiber. Markus war Barnabas‘ Cousin. Er war in Jerusalem aufgewachsen. Er war gewohnt, in Betten zu schlafen, aus Tellern auf Tischen zu essen. Seine Familie war finanziell gut gestellt. Sie wurde regelmäßig von den Aposteln und anderen prominenten Männern der Organisation besucht. Der junge Johannes Markus, ein Teenager, saß gewöhnlich dabei und horchte auf die aufregenden und romantischen Geschichten, die sich auf Missionsreisen ereignet hatten – die Menschen auf den Landstraßen, das Schiffswrack, all die aufregenden Dinge, die das Herz junger Leute ansprechen.

Dann, eines Tages, bat er Barnabas und Paulus, ob er auf eine Reise mitgehen dürfe, und schließlich überzeugt er sie, ihn mitzunehmen.

 

Versuchen wir einmal, uns diese Tour vorzustellen. Paulus, ein kleiner, drahtiger Mann, mit viel nervöser Energie, 100 Meilen pro Stunde laufend und den großen, alten, liebenswerten Barnabas, mit seinem schweren Körperbau, langen Schrittes und gewohnt, den ganzen Tag zu laufen. Dort gehen sie und denken über ihren Dienst nach. Und hinter ihnen, als Nachhut, finden wir Johannes Markus … Heiß, müde, durstig, wahrscheinlich ist er in seinem ganzen Leben noch nie mehr als eine Stunde gelaufen. Dann spielt sich folgendes ab: „Paulus – wann machen wir Rast und essen?“ „Iß nur, nimm einen Schluck Wasser, aber wir müssen weitergehen. Wir werden heute Abend rasten.“

 

Nun mag es kurz vor dem Hereinbrechen der Nacht gewesen sein, als Johannes Markus etwa folgendes sagte. „Paulus, wo ist denn das Gasthaus?“ Paulus fragt möglicherweise: „Gasthaus? Was ist ein Gasthaus? Wir bleiben nicht in Gasthäusern auf Missionsreisen.“ Johannes Markus fragt also: „Gut – wo werden wir dann schlafen?“ Paulus antwortet: „Wir werden den Weg hier verlassen und in diese Lichtung gehen, dort werden wir eine Rast machen.“ So legen sie sich also nieder und ihr könnt euch Joh,. Markus vorstellen, staubig, wahrscheinlich an ein Bad gewöhnt, die Steine graben sich in seinen Rücken ein. Paulus und Barnabas schnarchen schon. Endlich fällt Markus in den Schlaf, wacht aber 4 Stunden später wieder auf, steif, mit Krämpfen in den Beinen. Der Boden ist kalt geworden, er fröstelt und sagt: „Paulus – mir ist kalt.“ – „Okay, kein Problem, stehen wir auf. Ich wollte sowieso früher weitergehen. Laßt uns gehen. Das Gehen wird dich schnell aufwärmen.“ So geht das Tag für Tag weiter.

 

Eines Tages reicht es dem Markus. Er war das nicht gewöhnt. Er konnte es nicht ertragen und so sagte er: „Ich möchte wieder nach Hause.“ Paulus fragte: „Du willst – wohin?“ –„Ja, ich kann das nicht ertragen. Ich bin empfindlich und müde und habe Blasen an den Füßen und Moskitostiche am ganzen Körper. Ich muß nach Hause.“ Darauf sagte Paulus: „Na, das ist ja großartig. Jetzt können wir zu einem Hafen gehen, dich auf ein Schiff setzen und wir werden unseren Zeitplan nie mehr einhalten können. Was für ein Schlamassel!“

 

Nun, mit all dem Hintergrund sagte Barnabas zu Paulus: „Ich denke, ich werde Johannes Markus mit mir auf diese Reise nehmen.“

 

Paulus sagt: „Bist du verrückt? Du willst dieses Muttersöhnchen mitnehmen? Nicht solange ich im Amt bin! Wir nehmen ihn nicht mit!“

Barnabas darauf: „Ich nehme ihn mit. Er hat seit damals eine Menge gelernt. Er fühlte sich wirklich schlecht und ich denke, wir sollten ihm noch eine Chance geben.“

Paulus: „Gut, wenn du ihn mitnimmst, dann gehst du nicht mit mir!“

Barnabas: „Gut, das paßt mir gerade gut. Dann werde ich meine eigene Tour machen.“

Paulus: „Gut!“

 

Sie trennten sich. Die Schrift sagt, nach einem heftigen Wortstreit. Sie gingen verschiedene Wege. Wer war im Recht? – Barnabas.

 

Markus wurde ein ausgezeichneter Missionar und schrieb ein Bibelbuch. – Wer mußte in den sauren Apfel beißen? Ratet mal, wer daneben stand und alles mit anhören mußte. Markus!

 

Wie würdest du dich fühlen, wenn du eine Diskussion über deine Tauglichkeit für den Dienst in dieser Weise mit anhören müßtest? (Bsp. Älteste reden über dich vor den Ohren der ganzen Versammlung).

 

Weißt du wie die Geschichte endet? Die Schrift sagt uns nicht sehr viel, aber in Kol. 4:10 heißt es…

 

Ein hübsches Ende, nicht wahr? Wer war mit Paulus? Markus war mit ihm. Wir sehen also anhand der Dinge, die Paulus durch den Kolosserbrief berichtet, daß es keine Probleme mehr gab. Was muß also inzwischen passiert sein? Paulus mußte zu Johannes Markus gegangen sein und gesagt haben: „Schau, Johannes, es tut mir leid. Ich habe falsch gehandelt. Du dagegen hast dich gemacht. Ich wäre froh, wenn du auf meiner nächsten Reise mit mir gehen würdest, um mir zu helfen“ – Was hättest du darauf geantwortet? – Vielleicht: „Also wirklich nicht! Du wolltest mich vorher auch nicht. Du sagtest, ich sei zu nichts gut. Du nanntest mich sogar Muttersöhnchen. Da brachtest du mich zum Straucheln. Ich halte mich lieber an Barnabas, meinen Onkel. Er hat die ganze Zeit an mich geglaubt – du nicht.“

 

Denkst du, daß es das war, was passierte? Offensichtlich nicht, denn sonst wären sie kaum zusammen gewesen, als Paulus seinen Brief an die Kolosser schrieb. Diese frühen Christen hatte ihre Probleme, aber sie waren Männer, reif genug und sie hatten ein gutes Verhältnis zu Jehova, genug, um jeden Stolperstein, der vor ihnen auftauchte, als eine Stufe zu christlichem Fortschritt und Reife zu benutzen.

Also sagte Johannes Markus offensichtlich: „Ich wäre sehr glücklich, mit dir zu gehen. Du hattest ja Recht, daß du so über mich dachtest… Und es tut mir leid, daß ich so einen Schlamassel auf der ersten Reise aufgeführt habe. Ich habe mich wirklich wie ein Kind benommen und lauter dumme Dinge getan.“

 

Wieso fühlen wir uns heute berechtigt, zu sagen, jem. habe uns fast zum Straucheln gebracht, wenn er grob zu uns war? Ich frage mich, ob jemals irgendjemand so grob zu uns war, wie es einem der beliebtesten Apostel – Petrus – ergangen ist. Wir denken immer an Petrus als einen impulsiven Mann, aber das stimmt nicht wirklich. Petrus war warmherzig und spontan. Petrus war ein Mann, kein kindisches, geringes Individuum. Und wenn du einen Moment innehältst und nachdenkst: Ist es nicht gerade das, was oft Probleme zwischen den Versammlungsmitgliedern verursacht – kindisch sein, geringfügige Probleme?

 

„Wie kann diese Schwester es wagen, das über mich zu sagen! Oh, ich armes Kleines – man hat mich zum Straucheln gebracht!“

 

Petrus versuchte es den Menschen recht zu machen. Tatsächlich versuchte er es manchmal zu sehr. Er dachte nicht immer zuerst nach, er ging eine Situation gleich mit ganzem Herzen an. Eines Tages fand er sich selbst in einer Situation, in der er mit einer Gruppe Nichtjuden ein Mahl einnahm – kein Problem. Aber als einige prominente Juden ankamen, wollte Petrus nicht länger mit den Nichtjuden essen. Nun, das war wirklich ziemlich mies, nicht wahr?

 

Wahrscheinlich hatte Petrus viele Nichtjuden in die Wahrheit gebracht. Mit einigen hat er wahrscheinlich selbst studiert – und nun wollte er mit ihnen nicht einmal mehr zusammensitzen. Gal. 2 berichtet davon. Es ist aber nicht Petrus, der seine Sünde dort bekennt! Wer schrieb den Galaterbrief? – Aha – Wieso schrieb Paulus über den Fehler des Petrus?

 

Stelle dir einmal vor, du wärest Petrus, einer der 12 Apostel, ein Mitglied der leitenden Körperschaft. Nun wurde ein Brief an die vollständigen Versammlungen in Galatien geschrieben. alle Versammlungen in Galatien sehen und hören ihn. Und das ist, was der Apostel Paulus über den Apostel Petrus schrieb (Gal.2:11-14)… Wie würde es dir gefallen, wenn der Brief eines Kreisaufsehers oder der führenden Ältesten an alle Vers. in unserer Region gesandt würde und das würde über dich gesagt werden? Bruder Soundso ist ein Heuchler, ich rüge ihn, ich widerstand ihm vor der ganzen Vers. ins Angesicht. Genau das ist es, was Paulus dem Petrus vor der Vers. tat und dann schrieb er darüber dem ganzen Bezirk Galatien. Wie würdest du dich fühlen? Auf dem nächsten Kongreß würdest du dein Namensschildchen wahrscheinlich lieber verkehrt herum tragen, stimmt’s? Und du würdest deinen Kopf ein bißchen gesenkter halten?

 

Was tat Petrus? Sagte er: „Mit dem werde ich abrechnen! Er war nicht einmal einer der 12 Apostel!“ Er hätte aufgeben und eine christliche Religion Nr.2 gründen können. Es ist eine Tatsache, daß er dies nicht tat. Und wenn wir das tun, was Petrus tat, dann wissen wir, wie wir einen Stolperstein in eine Stufe verwandeln können. Beachte, was dieser warmherzige Apostel in 2.Pe. 3:15 sagt: … Ist das nicht ein gutes Bsp.? Was sagte er? „Unser geliebter Bruder…“ Derjenige, der ihm eine Zurechtweisung gab, der ihn einen Heuchler nannte, war jetzt einer seiner besten Freunde. So, wie Schwester Unsensibel an Schwester Sensibel gewachsen ist…

 

Brüder und Schwestern, das ist genau die Situation, in der wir heute sind. Wir sind in einer Versammlung mit lauter Menschen, die nicht wie wir selbst sind. Seht euch um…Seht, die Vielfalt, die Herkunft, die versch. Umstände in denen wir aufgewachsen sind und in denen wir leben. Und aufgrund unserer Herzenseinstellung sind wir in eine Versammlung zusammengezogen worden. Wir stoßen einander, reiben einander, reizen uns gegenseitig. Warum? Denke daran, wie man Edelsteine bearbeitet. In Hag.2:7,8 heißt es…

 

Wir sind also wie Edelsteine oder Juwelen. Allerdings wie Diamanten, die ungeschliffen sind. Wir reflektieren nichts, das sehr schön wäre – bis wir zurechtgeschnitten und poliert worden sind! Wenn also Jehovas Licht herunter scheint in seine irdische Organisation und uns berührt, dann laßt uns hoffen, daß wir sein Licht reflektieren wie ein geschliffener Diamant Licht reflektiert. Oder schlucken wir das Licht in unserer Dumpfheit wie ein ungeschliffener Stein? Das ist es!

Wie bei einem Diamanten muß unser Schleifen und Polieren fortgesetzt werden zu Gottes Lobpreis und Ehre, damit wir Menschen werden, die seine Vorkehrung schmücken. Eben weil wir einen Platz in dieser Vorkehrung haben, ist es ja ein Vorrecht, herumgestoßen und geschlagen zu werden, ist es nicht so?

 

Jehova läßt bestimmte Situationen über uns kommen. Es ist keiner Situation erlaubt, über uns zu kommen, die nicht zu unserem größten Nutzen ist – wenn wir ihr erlauben, das zu sein! Wenn wir aber auf unser Gesicht fallen, weil wir über den Stein gestolpert sind, dann haben wir den Zweck, warum Jehova es zuließ, verfehlt. Er sorgt für uns, er liebt uns, er will, daß wir bei ihm bleiben. Er will, daß wir uns zur Vollkommenheit hin entwickeln. Er erlaubt uns, in Situationen zu kommen, die uns auf gewisse Dinge aufmerksam machen. Er sagt in 1. Pe. 5:10: „Gott wird unsere Schulung beenden…“ Drücken wir uns davor? Weichen wir dem aus? Oder sehen wir, daß es von Jehova Gott kommt und danken wir ihm gebetsvoll für die Hilfe, die er uns durch solche Situationen zukommen läßt?

 

Okay! Wenn also jemand einen Stein von einer bestimmten Länge, einer bestimmten Breite und einer bestimmten Dicke nimmt und ihn vor deine Füße legt, und …..

Jule 10. März 2013 Keine Kommentare Trackback URI Comments RSS

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