Thomas Pape

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Ich hab was Großes mit dir vor. Mein Plan ist, aus deiner Familie eine richtige Nation zu machen, ein ganz eigenes Volk. Ich will ganz krass bei dir sein, ich bin für dich!

Und Jehova sprach zu Abram: Gehe aus deinem Lande und aus deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Hause, in das Land, das ich dir zeigen werde.
Und ich will dich zu einer großen Nation machen und dich segnen, und ich will deinen Namen groß machen; und du sollst ein Segen sein!
Und ich will segnen, die dich segnen, und wer dir flucht, den werde ich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter der Erde!
Elberfelder 1871 – Genesis 12,1–3

Es sprach aber der Ewige zu Awram: Gehe aus deinem Land und aus deinem Geburtsort und aus deines Vaters Haus in das Land, das ich dir zeigen werde. Dann werde ich dich machen zu einem großen Volk und werde dich segnen und deinen Namen groß machen, und werde ein Segen, sodass ich segnen werde, die dich segnen, und wer dich schmähet, ich fluchen werde; und gesegnet werden in dir alle Geschlechter des Erdbodens.
Die Philippson-Bibel – Genesis 12:1–3

UND der Herr sprach zu Abram: Ziehe hinweg aus deinem Vaterlande und aus deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Hause in das Land, das ich dir zeigen werde; (Jos 24:3)
2 so will ich dich zu einem grossen Volke machen und dich segnen und deinen Namen berühmt machen, dass er zum Segensworte wird. (V. 2-3: vgl. 1Mo 48:20; Jer 29:32; Ps 72:17)
3 Segnen will ich, die dich segnen, und wer dir flucht, den will ich verfluchen; und mit deinem Namen werden sich Segen wünschen alle Geschlechter der Erde. (vgl. 1Mo 48:20; Jer 29:32; Ps 72:17 ; 1Mo 22:18; 26:4)
Zürcher 1931 – 1.Mose 12,1–3

Zu Abram aber sprach Gott: Gehe für dich allein von deinem Lande, deinem Geburtsorte und dem Hause deines Vaters, zu dem Lande hin, das ich dir zeigen werde.
Ich werde dich zu einem großen Volke machen, Ich werde dich segnen, und Ich möchte deinen Namen groß werden lassen; werde du ein Segen!
Ich möchte segnen, die dich segnen, und wer dir Fluch bringt, dem werde ich fluchen; und es werden durch dich alle Familien des Erdbodens gesegnet werden.
Rabbiner Samson Raphael Hirsch – 1.Mose 12:1–3

Shavuah tov, Chaverim. Der Tora-Teil der letzten Woche (d.h. Parashat Noach) hat uns Abram (ʼabĕrám) vorgestellt, den Nachfahren von Noahs Sohn Sem, der Urenkel des Patriarchen Methuselah war – ein Mann, der persönlich Adam und Adam kannte Eve und hielt das ursprüngliche Versprechen der Wiedergutmachung im Garten Eden. So wie es zehn Generationen von Adam bis Noah gab, so gab es auch zehn Generationen von Noah bis Abram (siehe Gen. 11:10-32). Und so wie Noah der Vater von 70 Nationen wurde, so würde Abram (durch Sem) werden der Vater des jüdischen Volkes, durch das der Verheißte Samen – der Messias und Erlöser der Welt – irgendwann kommen würde.

In unserem Tora-Teil für diese Woche (Lekh-Lekha) haben wir gelesen, dass Abram 75 Jahre alt war, verheiratet mit (seiner Halbschwester) Sarai und Hüter seines Neffen Lot (seinem verstorbenen Bruder Harans Sohn), als er erhielt die Verheißung des göttlichen Erbes: ′′ Und der HERR sprach zu Abram: Geh von (d.h. lekh-lekha: :-lk) deinem Land und deiner Verwandten und dem Haus deines Vaters in das Land, das ich zeigen werde Du. Du. Du. Auf Hebräisch bedeutet der Satz Lekh Lekha ′′ geh für dich selbst ′′ (lit. ′′ walk. hálakĕ] für dich selbst [lĕká]“), obwohl es interpretiert werden kann, es bedeutet ′′ geh zu dir selbst,“ d.h. ′′ schau in dich hinein,“ um deine eigene Reise in die Versprechen zu gehen. Das Reich der göttlichen Verheißung wird erst erreicht, wenn wir uns im Glauben herausnehmen. Wie unser Vater Abraham sind wir dazu berufen, ′′ zu überqueren,“ alles zurückzulassen und Gottes glorreiches Versprechen für unser Leben zu halten.

Hebräisch für Christen

Bevor diese drei Elemente näher betrachtet werden, sollte der Person Abrahams einige Aufmerksamkeit geschenkt werden, damit der Bund besser verstanden werden kann: Zunächst ist festzustellen, dass vor Abraham die Menschen nicht in einem persönlichen Bundesverhältnis mit Gott standen. Nach der Sintflut hatte Gott wohl einen neuen Bund mit der Menschheit geschlossen (1Mo. 9,8–17). Dieser galt jedoch ganz allgemein der Menschheit, deren Repräsentanten damals als einzige Überlebende der Flut Noah und seine Familie waren. Abraham war der erste, mit dem Gott in ein persönliches Bundesverhältnis trat. Deshalb sind sein Glaube an die Verheißung Gottes (1Mo. 15,1ff) und sein Gehorsam, Gott sein Leben bestimmen zu lassen, vorbildlich. Sie werden zum Vorbild des Glaubens und des Gehorsam für die Gläubigen des Neuen Testaments (Röm. 4,1–5.9–25; Hebr. 11,8–10.17–19; Gal. 3,6–14).
Bei dieser Vorbildrolle ist auch noch ein anderer Punkt von Bedeutung: Abraham war von Geburt Heide und nicht Jude (Jos. 24,2–3). Erst durch den Bundesschluss Gottes mit ihm und seinen Nachkommen wird Abraham der Urahn der Juden. Deshalb ist Abraham sowohl für Juden als auch für Christen das Vorbild des echten Glaubens an Gott.

Nun aber zurück zu den drei Elementen des Abrahambundes:
a) Abraham soll eine große Nation werden (12,2; 15,5; 17,4–5). Es geht hier nicht nur darum, dass ihm viele Nachkommen verheißen werden, sondern dass diese Nachkommen eine Nation bilden (gôj), also einmal ein Staatsgefüge formen werden. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass unter seinen Nachkommen Könige sein werden (17,6.16).
b) Eine Eigenart dieses Bundes ist sein geistlicher Charakter. Alle Geschlechter auf Erden sollen durch Abraham gesegnet werden. Eine Segnung aller Geschlechter auf Erden durch Abraham (12,3; 17,7) war nur möglich, weil Abraham selbst von Gott gesegnet wurde. Man kann nur das weitergeben, was man selbst besitzt. Im Alten Testament bedeutet Segen, Erfolg zu haben, in geistlicher wie in physisch-materieller Hinsicht. Segen bedeutet, die Kraft der Fruchtbarkeit, des Wachsens und des Gelingens von Gott verliehen zu bekommen. Wenn Gott segnet, dann geschieht dies nicht in einzelnen Akten, Taten, sondern in einem stetigen Prozess. Dass der Segen alle Geschlechter erreichen soll, bedeutet nicht notwendigerweise, dass jeder Mensch gesegnet wird. Sondern jede Gruppe, jeder Stamm, jede Sippe soll durch den Segen erreicht werden. Klar definieren lässt sich das hebräische Wort (mischpəhōt) jedoch nicht. Doch aus den beiden eben getroffenen Feststellungen lässt sich Folgendes schließen: Das in der Verheißung an Abraham angekündigte Wirken Gottes findet nicht seine Grenze in Abraham und seinen Nachkommen. Sondern es wird erst zu seinem Ziel kommen, wenn alle Geschlechter der Erde darin eingeschlossen sind (1Mo. 30,27; 39,5).
c) Den Nachkommen Abrahams soll Kanaan gehören (1Mo. 12,7; 15,18; 17,8). Ein Land ist notwendig, um eine Nation zu formen. Jedoch ist das Abraham verheißene Land in seinen Ausmaßen nicht eindeutig zu bestimmen. Die Provinz Kanaan hatte z. Zt. der verschiedenen ägyptischen Dynastien unterschiedliche Ausmaße. Während der 19. ägyptischen Dynastie (14.–12. Jh. v. Chr.) bildete das Land Israel mit dem zentralen südlichen Syrien eine Provinz, die Churru genannt wurde, wohl weil die Hurriter der beherrschende Bevölkerungsteil war.
Vor dieser Zeit, während des Mittleren ägyptischen Reiches (ca. 2000–1650 v. Chr.), wurde das Land Israel mit dem Libanon und einem Teil Syriens Retenu genannt. Erst in 1.Mose 40,15 erscheint zum ersten Mal in der Bibel der Ausdruck Land der Hebräer (’äräṣ hāʽ ibrîm). Die Bezeichnungen ʾäräṣ b əne jiśrāʾēl »Land der Kinder Israel« (Jos. 11,22) und ʾäräṣ jiśrāʾēl »Land Israel« (1Sam. 13,19) benennen nur das Gebiet, das zu jener Zeit von den Israeliten bewohnt wurde.
Aus den Dokumenten aus Mari (18. Jh. v. Chr.), aus Alalach (15. Jh. v. Chr.) und aus Amarna (14. Jh. v. Chr.) kann mit sehr großer Wahrscheinlichkeit geschlossen werden, dass Kanaan als geopolitisches Faktum von der Mittleren Bronzezeit an (von ca. 2200 v. Chr.) existierte. Die Beschreibung des verheißenen Landes in 1.Mose 15,18 bezeichnet das Land von seiner südlichsten bis zu seiner nördlichsten Grenze: vom Strom Ägyptens, der wahrscheinlich der Wadi el-’Arisch war und nicht der Nil, bis zum Euphrat. Innerhalb dieser Grenze lagen die Territorien der in 1.Mose 15,18–21 genannten Völker. Die Grenze im Westen war immer das Mittelmeer. Das wird deutlich am hebräischen Wort jām, das sowohl Wasser/Meer als auch Westen bedeuten kann. Der Verlauf der östlichen Grenze liegt teilweise vollkommen im Dunkeln. Gewöhnlich wird jedoch die Wüste oder der Jordan als natürliche östliche Grenze angesehen. Die Ortsnamen und geografischen Bezeichnungen, die in der Bestimmung des östlichen Grenzverlaufs helfen könnten und in 4.Mose 34 und Josua 15 erwähnt werden, sind nicht eindeutig oder überhaupt nicht zu lokalisieren. Von der Zeit der Richter an heißt es, dass Israel von Dan bis Beerscheba wohnte (Ri. 20,1; 1Sam. 3,20; 2Sam. 3,10; 2Sam. 24,2; 24,4–8 u. ö.). Diese Bestimmung benennt nur den nördlichsten und den südlichsten Ort des Landes Israel. Aussagen über den Grenzverlauf werden nicht getroffen. Die Größe des Landes ist also nicht exakt zu bestimmen. Eine Nation Israel ohne ein geografisch lokalisierbares Land ist jedoch unvorstellbar, wenn man die biblische Vorstellung zugrunde legt.

Edition C Bibelkommentar Altes Testament

Der Abrahambund, geschlossen von Gott mit Abraham und seinen Nachkommen, trägt zur Wiederherstellung von Gottes Absichten für die Menschheit bei, indem Abraham und seine Nachkommen als Werkzeuge ausgewählt wurden, durch welche allen Nationen Erlösung und dessen Segnungen gebracht werden.

Gott schloss den Abrahambund mit Abraham und seinen Nachkommen durch alle ihre Generationen hindurch (Gen 15,18; 17,7). Die Verheißungen des Abrahambundes sind eng mit dem ursprünglichen Segen für die Menschheit in Genesis 1,28 verbunden.
Beide sind auf Segen ausgerichtet. Im Abrahambund will Gott Abraham segnen und Abraham soll die Quelle des Segens (oder Fluchs) für alle Nationen sein (Gen 12,2–3; 22,17–18). Gott versprach, Abraham mit einem großen Namen zu segnen (Gen 12,2).
Beide sind außerdem auf Nachkommen ausgerichtet. In Genesis 1,28 segnete Gott die Menschheit, indem er sagt: „Seid fruchtbar und vermehrt euch, und füllt die Erde“. Im Abrahambund versprach Gott, Abrahams Nachkommen zu einer großen Nation zu machen, die man nicht zählen kann (Gen 12,2; 15,4–5).
Beide sind ebenfalls auf Land ausgerichtet. In Genesis 1,28 beinhaltet der Segen, sich die Erde untertan zu machen und über sie zu herrschen. Gott versprach Abraham das Land vom Fluss Ägyptens bis zum Euphrat (Gen 12,7; 13,14–17; 15,18–21). Abrahams Nachkommen werden das Tor ihrer Feinde besitzen und durch deren Unterwerfung werden sie ein Segen für die Nationen sein (Gen 22,17–18).
Die Abschnitte über den Abrahambund beinhalten Aussagen, die sowohl auf Bedingungslosigkeit (Gen 15,17) als auch auf Bedingtheit (Gen 17,1–2) hinweisen. Einige Ausleger behaupten, dass Genesis 15 und 17 zwei verschiedene Bünde darstellen: einer bedingungslos, der andere bedingt. Andere lehnen diese Ansicht mit der Begründung ab, dass Gott in Kapitel 15 einen Bund mit Abraham schließt, während in Kapitel 17 die Terminologie für das Aufrechterhalten eines bestehenden Bundes gebraucht wird. Außerdem weist das Neue Testament nicht auf zwei Bünde mit Abraham hin. Manche haben vorgeschlagen, dass der Bund für Abraham an Bedingungen geknüpft war, aber sobald Abraham die Bedinungen erfüllt hatte, wurde er bedinungslos – Gott würde dann garantiert alle Verheißungen erfüllen. Allerdings scheint der Vorschlag, dass Abraham den Bund durch Gehorsam erwirkte, den neutestamentlichen Gebrauch Abrahams als Bild für die Rechfertigung aus Glauben allein (Gen 15,6; Röm 4,13) zu untergraben. Einige sind der Meinung, dass die Kategorieren „bedingt“ und „bedingungslos“ nicht geeignet sind, um die Bünde zu klassifizieren, da alle Bünde sowohl bedingte als auch bedingungslose Elemente beinhalten. Schließlich argumentieren einige, dass der Abrahambund grundsätzlich bedingungslos ist. Dies begründen sie damit, dass Gott allein durch die Tiere ging, als er den Bund in Genesis 15 schloss und so die alleinige Verantwortung für die Erfüllung des Bundes auf sich nahm. Die bedingten Aussagen kommen später und lehren, dass innerhalb des Bundes Gehorsam nötig ist. Sie behandeln das Eintreten der Segnungen des Bundes in bestimmten Zeiten und auf bestimmte Weisen und nicht ob die Segnungen eintreten oder nicht.
Pädobaptistische Bundestheologen sehen den Abrahambrund als einen Verwalter des allumfassenden Gnadenbundes. Baptistische Bundestheologen haben den Neuen Bund als den Gnadenbund gesehen: Der Abrahambund offenbart den Gnadenbund, ist aber nicht mit dem Gnadenbund identisch. Andere Theologen haben außerdem die Idee eines allumfassenden Gnadenbundes abgelehnt, indem sie sich auf die biblischen Bünde beschränken, die explizit als “Bünde“ bezeichnet werden. Einige dieser Theologen widersprechen dem Konstrukt eines übergreifenden Gnadenbundes mit der Begründung, dass es den Bund vergeistlicht und die nationalen Aspekte schwächt.
Wenn der Noahbund das feste Fundament ist, auf dem alle Bünde gebaut sind, dann ist der Abrahambund der Eckstein, von dem aus der Rest des Gebäudes eingefasst ist. Er offenbart Gottes Absicht, den ursprünglichen Schöpfungssegen wiederherzustellen. Er offenbart, dass dies durch die Nation Israel geschehen wird, aber dass es zum Nutzen und zum Segen aller Nationen geschehen wird.

Grundriss der Dogmatik – Brian Collins

Der Sündenfall zerrüttete diese Beziehung. Obwohl Gott Eva einen menschlichen Nachkommen versprach, der die Auswirkungen der Sünde rückgängig machen und die Beziehung zwischen Gott und seinen Kindern wiederherstellen würde (1. Mose 3,15), zeigen die frühen Kapitel des Alten Testaments den menschlichen Widerstand gegen Gottes Herrschaft. Gott reagierte schließlich, indem er das Volk in Babel zerstreute (1Mo 11,1-9), es faktisch enterbte und es unter die Verwaltung der geringeren Söhne Gottes oder des göttlichen Rates stellte (Dtn 32,8-9; vgl. Dtn 4,19-20). Dieser Akt war eine Strafe für ihre Rebellion, aber die Verwerfung der Völker sollte nicht von Dauer sein. Gott beschloss, durch Abram und seine Nachkommen zu wirken, um neue Kinder Gottes zu erwecken, die seine Herrschaft auf Erden wiederherstellen und den enterbten Nationen zum Segen gereichen würden (1Mo 12,1-3). Dies war „das Evangelium, das zu Abraham gesprochen wurde“ (Gal 3,8), überbracht durch Jesus selbst als das vorinkarnierte Wort Gottes (1Mo 15,1; Joh 1,1-3.14; 8,56).

Der Rest des Alten Testaments konzentriert sich auf Gottes auserwähltes Volk, die Nachkommen Abrahams, die später Israel genannt wurden, und ihre Interaktionen mit den anderen Nationen. Den Israeliten wurde befohlen, die Vermischung mit diesen anderen Nationen zu vermeiden und die Anbetung ihrer nationalen Götter abzulehnen (Dtn 7,3-5). Die alttestamentliche Geschichte Israels wird jedoch von ihrem Versagen dominiert, diese Gebote zu befolgen – sie beteten regelmäßig fremde Götter an und erlitten schließlich die Strafe des Exils (2. Könige 24-25). Gottes Plan, sein Volk von dieser Strafe zu erlösen, konzentrierte sich auf die Ankunft eines einzigen menschlichen Nachkommens aus Israel, eines Sohnes von Eva, eines Mitglieds der Linie Davids, Gottes auserwähltem König, um den Kreis zu schließen. Diese Person ist Jesus.

…
Nach dem Gericht beim Turmbau zu Babel rief Gott Abraham (Gen 12,1-3). Die beiden Ereignisse geschahen Rücken an Rücken. Als Gott Abraham rief und seinen „Anteil“ – die Nation Israel – gründete, ließ er alle anderen Nationen beiseite. Diese enterbten Nationen wurden anderen göttlichen Wesen zugeteilt, den Söhnen Gottes, die an anderer Stelle im Deuteronomium „Heer des Himmels“ (Dtn 4,19; 17,3), Götter (hebr. elohim) und Dämonen (hebr. shedim) genannt werden (4,19-20; 17,3; 29,24-26; 32,17). Es wird uns nicht gesagt, wann oder wie, aber diese Söhne Gottes, die über die anderen Völker gesetzt wurden, wurden korrupt und missbrauchten ihre Autorität (Ps 82), indem sie die Israeliten dazu verführten, sie statt des wahren Gottes anzubeten (Dtn 29,24-26; 32,17).

Michael S. Heiser – Die Bibel ungefiltert – Annäherung an die Heilige Schrift nach ihren eigenen Bedingungen

Vers 1a beginnt mit der einleitenden Erklärung der direkten Worte Gottes an Abram: „Und Jehova sprach zu Abram. Dies ist das erste von sieben Malen, dass Abraham eine direkte Offenbarung von Gott erhält. In 12:1-3 ist der erste Ruf Gottes an Abram außerhalb des Landes Kanaan; in 12:7 ist die erste Begegnung mit Abraham im Land; in 13:14-17 begegnet Abraham Gott nach der Trennung von Lot; in 15:1-21 unterzeichnet und besiegelt Gott den Abrahambund; in 17,1-21 erhält Abraham das Zeichen des Bundes; in 18,1-33 spricht Gott zu ihm im Zusammenhang mit der Zerstörung Sodoms; und in 22,1-2 und 22,11-18 weist Gott Abraham an, Isaak zu opfern. Der erste Satz in 12,1 ist der Beginn der Freundschaft Abrahams mit Gott; Abraham wird dreimal als Freund Gottes bezeichnet (2. Chronik 20,7, Jes 41,8, Jak 2,23). Um die Chronologie von Abrams Antwort auf Gottes Ruf zusammenzufassen: Abram erhielt seinen Ruf in Ur der Chaldäer, seine Familie verließ Ur der Chaldäer über Haran nach Kanaan (11:31), aber Terach blieb zurück und starb in Haran (11:32). Abram zog weiter nach Kanaan, wobei er entweder bis nach dem Tod seines Vaters wartete (wenn der samaritische Text korrekt ist) oder sechzig Jahre vor dem Tod seines Vaters aufbrach (wenn der masoretische Text korrekt ist). In der Genesis neigt Mose dazu, den Bericht über eine Person, die für die Hauptgeschichte nicht mehr relevant ist, zu beenden, bevor er mit der Haupthandlung fortfährt.
Der hebräische Text in Genesis 12,1-3 besteht aus zwei Imperativen, gefolgt von drei Verheißungen Gottes.3 Die Struktur sieht in etwa so aus: „Du tust eines, und ich werde drei tun; dann tust du wiederum eines, und ich werde drei weitere Dinge tun.“ Die drei Verheißungen beruhen auf Abrams Aufforderung, Haran zu verlassen, und drei weitere Verheißungen beruhen darauf, dass er ein Segen sein wird. Das Wort „segnen“ wird insgesamt fünfmal verwendet.
Der erste Befehl Gottes an Abram steht in 1. Mose 12,1b: Nimm dich, auf Hebräisch lech lecha. Es betont eine Trennung. Abraham soll sich von seinem Land trennen, und zwar sofort. Wörtlich heißt es im Hebräischen: „Geh für dich selbst“, was so viel bedeutet wie „Geh zu deinem Nutzen“. Der Segen für Abram beginnt erst mit der Ankunft im Land. Andere Stellen, an denen dieselbe Terminologie verwendet wird, sind: 1. Mose 21,16, wo es um die Trennung Hagars von Ismael geht; 1. Mose 22,2, wo Abraham aufgefordert wird, zu einem Berg zu gehen, von dem Gott ihm erzählen wird; 2. Mose 18,27, wo es darum geht, dass Jethro sich von Mose trennt, um nach Hause zu gehen; Josua 22,4, wo es um die Trennung der transjordanischen Stämme von den anderen geht; 1:11-12, über die Trennung Davids von Saul; Jeremia 5,5, über die Trennung Jeremias vom Volk; Hohelied Salomos 2,10, 2,13 und 5,6, über die Trennung des Liebenden von der Geliebten; Hohelied Salomos 4,6, über die Trennung vom Berg; und Hohelied Salomos 2,11, über die Regenzeit, die das Land verlässt.
Die Einzelheiten dieser Trennung werden wie folgt beschrieben. Erstens weist Gott Abram an, aus deinem Land zu gehen, sowohl aus Ur als auch aus Haran; zweitens aus deiner Verwandtschaft, weg von deinen Mitbürgern und deiner Großfamilie; drittens aus dem Haus deines Vaters, weg von der unmittelbaren Familie (und da Terach nur bis Haran gehen wird, wird dies wichtig); und viertens ist es eine Trennung vom Geringeren zum Größeren und von der Ferne zur Nähe am Ort. Abram wird sich vom Geringeren zum Größeren bewegen, indem er sich vom unwichtigsten Ort zum wichtigsten bewegt. Es ist schwer, sein Land zu verlassen, in dem sich alle seine Freunde und Bekannten befinden. Es ist noch schwieriger, seine Mitbürger zu verlassen. Noch schwieriger ist es, seine Familie zu verlassen. Das Ziel ist vorgegeben: in das Land, das ich euch zeigen werde. Die Verheißung besteht bisher nur darin, dass ein Land gezeigt wird; mehr als das wird in dieser Phase nicht versprochen. Außerdem wusste Abram beim Verlassen von Haran nicht, dass er nach Kanaan gehen würde (Heb 11,8).
Nach dem ersten Gebot folgen in 1. Mose 12,1b-2a die ersten drei Verheißungen. Die erste ist: Ich will aus dir ein großes Volk machen. Im Hebräischen heißt es goy gadol. Normalerweise bezieht sich das Wort goy auf einen Nichtjuden, aber hin und wieder wird es auch für Israel als Nation verwendet. Die erste Verheißung besteht darin, aus Abram ein bestimmtes Volk zu machen. Daher wird es zusätzlich zu den siebzig Völkern aus Genesis 10 nun ein weiteres Volk geben, und dieses Volk ist Israel. Die zweite lautet: Ich will dich segnen, d. h. Gott wird Abram segnen. Diese Segnungen für Abram umfassten sowohl materielle als auch geistliche Segnungen. Drittens: Ich werde … deinen Namen groß machen. Abram 3sollte berühmt werden, und das ist er bis heute; drei Weltreligionen ehren ihn mehr oder weniger stark: Judentum, Christentum und Islam. Was also die Erbauer des Turms zu Babel für sich selbst wollten (11,4), nämlich einen großen Namen, ist etwas, das Gott nun Abram individuell verspricht.
In 1. Mose 12,2b steht das zweite Gebot: Du sollst ein Segen sein. Da Abram von Gott gesegnet werden soll, wie es in den ersten drei Verheißungen steht, soll er nun zum Segen für andere werden. Gott wird diejenigen segnen, die Abram in positiver Weise begegnet sind, wie Melchisedek, der von Abram den Zehnten der Kriegsbeute erhielt.
In 12:3 folgen dann die zweiten drei Verheißungen. Die erste Verheißung lautet: Ich will die segnen, die dich segnen; wer also Abram segnet, wird gesegnet werden. Dies wird sich später auch auf das Volk Israel erstrecken: Wer die Juden segnet, wird gesegnet sein (Num 24,9). Die zweite Verheißung lautet: Wer dich verflucht, den werde ich verfluchen. Wer also Abram verflucht, wird verflucht sein; und wer den Juden flucht, wird verflucht sein (Num 24,9). Das erste Wort für Fluch ist kalal, was so viel bedeutet wie „leichtfertig behandeln“, „verachten“ oder „verfluchen“. Abram und die Juden leichtfertig zu behandeln, bedeutet, sich den Fluch Gottes zuzuziehen. Das zweite Wort für Fluch, das in diesem Satz verwendet wird (wer dich verflucht, den werde ich verfluchen), ist aor, von der hebräischen Wurzel arah, was „eine Schranke errichten“, „verbieten“ bedeutet. Dies ist ein viel stärkeres Wort für Fluch als das erste Wort in diesem Satz. Insgesamt gibt es in 12,3 drei dynamische Veränderungen. Erstens ändert sich die Zahl der Beteiligten von der Mehrzahl, „sie“, in Bezug auf den Segen zur Einzahl, „er“, in Bezug auf den Fluch. Zweitens ändert sich der Wortschatz von einem schwächeren Wort für Fluch zu einem stärkeren Wort für Fluch. Drittens: Die Sprache ändert sich von einem Kohortenativ zu einem obligatorischen Imperfekt, was bedeutet: „Den, der dich leichtfertig behandelt, muss ich verfluchen.“ Daher wird selbst ein leichter Fluch gegen Abram oder gegen die Juden einen schwereren Fluch von Gott nach sich ziehen. Die dritte Verheißung lautet: In dir sollen alle Geschlechter der Erde gesegnet werden. Abram soll ein Kanal des Segens für die ganze Welt werden. Diese Verheißung des geistlichen Segens gilt auch für die Heiden; sie sind diejenigen, für die Abram ein Segen sein wird. Dies ist die einzige Verheißung, die über Israel hinausgeht und im Abrahamsbund mehr als einmal bekräftigt wird: an Abraham in Genesis 22,18, an Isaak in 26,4 und an Jakob in 28,14. Dieser Segen für die Nationen soll durch den messianischen Samen Abrahams vollzogen werden, denn wie die Propheten betonten, werden die Heiden ihren geistlichen Segen durch den Messias erhalten (Jes 42:1, 42:6, 49:5-6; Amos 9:11-12).
Zu den ersten drei Versen können zwei Beobachtungen gemacht werden. Erstens das Prinzip der Erwählung: Gott hat Abram zum Vater des auserwählten Volkes erwählt. Außerdem beginnt mit der individuellen Erwählung Abrams auch die nationale Erwählung Israels. Zweitens die Verwendung der Zahl sieben. Auf den Befehl an Abram folgen sieben Erklärungen des Wohlwollens.
Was die neutestamentlichen Zitate und Anwendungen betrifft, so sind drei Dinge zu beachten: Erstens wird 1. Mose 12,1 von Stephanus in Apostelgeschichte 7,3 zitiert; 1. Mose 12,3 wird von Petrus in Apostelgeschichte 3,25 zitiert, wo Petrus zu den Juden spricht. Auch Paulus zitiert 1. Mose 12,3 in Galater 3,8.

Arnold Fruchtenbaum – Genesis

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