Job eines Christen?

Mir, dem Allergeringsten von allen Heiligen, ist diese Gnade gegeben worden, unter den Nationen den unausforschlichen Reichtum des Christus zu verkündigen, (W. zu evangelisieren)
Elberfelder 1871 – Eph 3,8

Mir, dem Allergeringsten von allen, die zu Gottes heiligem Volk gehören, hat Gott in seiner Gnade den Auftrag gegeben, den nichtjüdischen Völkern zu verkünden, was für ein unermesslich großer Reichtum uns in der Person von Christus geschenkt ist.
Neue Genfer Übersetzung 2013 – Epheser 3,8

Ausgerechnet mich, den letzten von allen Leuten, die zu Jesus gehören, hat Gott ausgesucht, um diesen Job zu erledigen, nämlich den anderen Menschen zu erzählen, was für wahnsinnig fette Sachen durch Jesus möglich geworden sind.
VolxBibel – Epheser 3:8

In dieser Selbsteinschätzung schwingt die Erinnerung des Apostels mit, dass er einmal ein Verfolger der Gemeinde, ein Gewalttäter und Gotteslästerer war, der sich angesichts dieser Vergangenheit als Größten der Sünder und Geringsten der Gläubigen empfand (1Kor 15,9; 1Tim 1,12-15). Er konnte von daher zweierlei gut einschätzen, nämlich welcher Macht der Gnade es bedurfte, ihn zu einem Diener des Evangeliums zu machen, und welch unverdientes Geschenk Gottes es war, gerade ihn so als ein Werkzeug der frohen Botschaft zu gebrauchen.
So wurde der Apostel aufgrund der mächtigen Gnade Gottes zum Heidenmissionar. Was nun von V. 8 b bis V. 11 beschrieben wird, schildert den Heilsplan Gottes für das neue Missionszeitalter, das mit der Offenbarung des neuen Verhältnisses von Heiden und Juden in der Gemeinde angebrochen ist. Der Auftrag zur Mission ergibt sich geradezu notwendig aus dem Wesen der Gemeinde. Solange Israel als Nation allein das erwählte Gottesvolk war, gab es keine Heidenmission größeren Stils. Allenfalls konnten sich einzelne Heiden als Proselyten dem Volk Israel anschließen. Erst für die Endzeit erwartete man ein Herzuströmen von Heiden nach Israel auf breiterer Basis. Anders jetzt im Gemeindezeitalter, wo Heiden genauso wie Juden durch Jesus gerettet und in die Gemeinde eingegliedert werden können. Heilsgeschichtlich ist jetzt ein Zeitalter der Mission angebrochen. Sein prominentester Vorkämpfer war kein anderer als der Heidenapostel Paulus.
In wenigen Versen beschreibt er hier, worum es beim Thema »Mission« geht: Mission ist Evangelisation und Belehrung mit dem Ziel, dass Gemeinde als Anschauungsbeispiel der Weisheit Gottes entsteht.
Erstens geht es bei Mission um Evangelisation. Paulus wurde von Gott die Gnade verliehen, »den Heiden den unaufspürbaren Reichtum Christi als frohe Botschaft zu verkünden« (V. 8 b). Gewiss, der Apostel hat auch seinen jüdischen Volksgenossen die Botschaft von Jesus gebracht (1Kor 9,20; Röm 1,14; 9,1ff.). Aber seine eigentliche Sendung ging zu den »Heiden«, d. h. den Angehörigen der nicht -jüdischen Völker (Gal 2,9; 1Tim 2,7). Ihnen darf er »die frohe Botschaft verkünden«, was im griech. Grundtext an dieser Stelle mit dem Wort »evangelisieren« bezeichnet ist. Inhalt dieser frohen Botschaft ist der »unaufspürbare Reichtum Christi«. Wohlgemerkt, es heißt hier nicht: den »unerschöpflichen«, sondern den »unaufspürbaren« Reichtum Christi! Welche Fülle an Heil und Segen Gott in Christus für die Menschen bereit hat, konnte kein Mensch von sich aus ergründen. Es war Gottes geheimer Ratschluss, unaufspürbar für menschliche Spekulation. Aber nun wird dieser Reichtum Christi offen als frohe Botschaft verkündet! Worum es bei diesem »Reichtum Christi« geht, kann man schon sehr gut erkennen, wenn man im Eph nur einmal nachschlägt, was uns alles »in Christus« geschenkt ist: in ihm erwählt, zur Gotteskindschaft vorherbestimmt, begnadet, erlöst; in ihm wird einmal alles zusammengefasst im Himmel und auf Erden; in ihm sind wir zu Erben Gottes gemacht, mit dem Heiligen Geist versiegelt, zu neuem Leben erweckt, in eine himmlische Stellung versetzt, zu guten Werken geschaffen, in das Gottesvolk eingefügt, mit den jüdischen Glaubensgeschwistern verbunden und mit dem gleichen Zugang zu Gott, dem Vater, beschenkt (Eph 1,3-13; 2,5-10.13.16.18). Dies alles – und gewiss noch mehr – ist in dem »Reichtum Christi« eingeschlossen, der nun den Heiden als Evangelium verkündet wird. Ohne dieses Evangelium von Christus ist christliche Mission nicht vorstellbar.
Zweitens geht es bei Mission um Belehrung: ….

Gerhardt Maier – Edition C

Mit V. 8 setzt der zweite Teil des Einschubs (V. 2-13) ein, in dem Paulus ebenfalls seine Funktion in der Bekanntmachung des göttlichen Geheimnisses beschreibt: „Mir, dem geringsten von allen Heiligen, wurde diese Gnade gegeben“. Betont setzt Paulus „mir“ an den Satzanfang. Allerdings füllt diese hervorgehobene Stellung der „geringste von allen Heiligen“ aus. Damit knüpft der Apostel an die Aufzählung der Auferstehungszeugen in 1Kor 15 an. Dort nennt sich Paulus den „geringsten unter den Aposteln“ (V. 9). Diese Aussage wird hier in doppelter Weise gesteigert: Einmal vergleicht sich Paulus in Eph 3,8 mit „den Heiligen“, d. h. allgemein den Gläubigen (Eph 1,1.15) und bezeichnet sich als deren geringsten. Zum andern benützt er für „geringster“ „ ein Ausdruck, der an sich schon einen Superlativ beinhaltet „ die Komparativform „elachisteros“ (statt „elachistos“ in 1Kor 15,9).
In 1Tim 1,15 nennt sich Paulus den „ersten der Sünder“ und bringt damit dasselbe zum Ausdruck: Derjenige, der seinen erbitterten Widerstand gegen Christus durch die Verfolgung der Gemeinde öffentlich bekanntgemacht hat, wurde von Gottes Gnade erfaßt, auf einen neuen Weg gestellt und zum Diener Christi berufen.
Die Begabung mit der Gnade ist stets mit der Aufgabe zum Zeugnis verbunden; bei Paulus war dies die Berufung in sein Apostelamt (vgl. Röm 1,5): „um den Heiden den unergründlichen Reichtum Christi zu verkündigen“.
Mit dem Hinweis auf sein Amt als Apostel „der Heiden“ hatte Paulus diesen Abschnitt begonnen (3,1; vgl. die Erläuterung dazu). Die Botschaft, die er auszubreiten hat, ist das Evangelium: „verkündigen“ ist Übersetzung für „euangelizesthai“. In diesem Evangelium ist der „unergründliche Reichtum Christi“ beschlossen. Er äußert sich im „Reichtum der Gnade“ (1,7; 2,7), durch den auch die Heiden in Christi Rettungstat aufgenommen werden. Daraus erwächst der „Reichtum der Herrlichkeit seines Erbes“ (1,18) als Inhalt christlicher Hoffnung.
Solcher Reichtum ist „unergründlich“ und „nicht aufspürbar“. Das Adjektiv kommt im NT nur noch in Röm 11,33 vor, im Lobpreis des Apostels, mit dem er die Wunderwege göttlicher Weisheit im Umgang mit Israel und den Heiden rühmt. Dabei ist bemerkenswert, daß in diesem doxologischen Abschnitt im Blick auf Vokabular und Satzstruktur Berührungen mit Eph deutlich erkennbar sind: „Oh, die Tiefe des Reichtums und der Weisheit und der Erkenntnis Gottes“; „wie unergründlich sind seine Wege“; „denn von ihm und durch ihn und zu ihm sind alle Dinge. Ihm sei Ehre in Ewigkeit! Amen.“ (Röm 11,33-36; vgl. Eph 1,7.8.10.17; 3,18.20.21)

Wuppertaler Studienbibel

Eph 3:8-11 : In manchen vorchristlichen jüdischen Schriften ist die Rede davon, dass Gott den Engeln durch sein Volk seine Macht und Herrlichkeit demonstriert und dass diese ihn dafür loben müssen. Da die »Mächte und Gewalten im Himmel« als Engel der verschiedenen Völker – und als ihre Herrscher – galten, manifestiert sich in der Einheit der Kirche die absolute Herrschaft Gottes, dessen Macht die der Engel übertrifft und alle irdischen Grenzen überwindet. Zu »Gnadenamt« (Menge) siehe die Ausführungen zu 3,1-2 ; zu »geheimen Ratschluss« siehe die Ausführungen zu 3,3-5 . Paulus sagt hier aus, dass die Kirche – ein geeintes Volk, das Gott verherrlichen soll – gleichsam die Trägerin des Heilsplanes Gottes in der Geschichte ist (s. 1,9-12 ) und dass die Christen in der Erfüllung dieser Rolle ihre höchste Lebensaufgabe finden sollen (s. 4,11-13 ).

Craig Keener – Kommentar zum Umfeld des Neuen Testaments

Auch jetzt erweckt Paulus wieder die Erinnerung an seinen früheren Irrweg, ähnlich wie 1 Korinther 15,9,10, um sich und allen die Größe der göttlichen Gnade deutlich zu machen, die ihm gewährt worden ist, und um von der Bezeugung seiner besonderen Stellung alles fernzuhalten, was zur Verehrung seiner Person und zur Gebundenheit an sie führen könnte. Wenn er sich hier nicht nur hinter die anderen Apostel, sondern hinter alle Christen stellt, so redet er damit ähnlich wie 1 Timotheus 1,15. Um so höher erhebt sich dadurch vor seinem Blick die Herrlichkeit des ihm gegebenen Amtes.

Schlatter – Erläuterungen zum Neuen Testament


Diese Haltung sehen wir immer bei Paulus. Wenn er sich mit den anderen Aposteln vergleicht, nennt er sich den „geringsten der Apostel“ (1Kor 15,9). Wenn er sich mit den Sündern vergleicht, sagt er: „… von denen ich der erste bin“ (1Tim 1,15). Die Wahrheit, die er weitergeben darf, hat Einfluss auf seine Haltung. Dass wir die Wahrheit verstehen, muss eine Sache unseres Herzens sein, und dann sehen wir auch unsere eigene Geringheit. Wenn es nur Kenntnis ist, werden wir aufgeblasen. Paulus fühlt seine Geringheit, wenn er den enormen Umfang seines Dienstes sieht („unter den Nationen“) und dessen alles übersteigenden Inhalt („den unergründlichen Reichtum des Christus“). Er, und niemand anders, bekommt den Auftrag, Dinge zu verkündigen (wörtlich: zu evangelisieren), die so reich sind, dass niemand sie je völlig ergründen kann. Auch hier geht es wieder um den Christus, das heißt um Christus zusammen mit seiner Gemeinde.

Ger de Koning – Der Brief an die Epheser


Stimmt – es geht nicht um eine Religion, nicht um eine org, nicht um das, was wir bis vorgestern gemacht haben, nicht um das, was mir gut tut! Nein. Es geht nur und ausschließlich um IHN den einen Christus!
Und unser Auftrag ist es, IHN zu verkünden, den die „anderen“ können IHN nicht von alleine finden, wenn wir IHN nicht verkünden! Unser Auftrag OHNE org und Religion!

„meckern sie ruhig, nett sein kann jeder“

Denn deine Güte ist besser als Leben; meine Lippen werden dich rühmen. Also werde ich dich preisen während meines Lebens, meine Hände aufheben in deinem Namen.
Elberfelder 1871 – Ps 63,4–5

denn besser ist deine Huld als das Leben:
meine Lippen dürfen dich loben.
So will ich in meinem Leben dich segnen,
mit deinem Namen heben meine Hände.
Buber & Rosenzweig – Ps 63,4–5

Denn besser als Leben ist Deine Barmherzigkeit. Meine Lippen sollen Dich preisen.
So will ich segnen Dich in meinem Leben, will in Deinem Namen meine Hände (flachen Hände) erheben. Ps 119,48.
Tafelbibel mit hinzugefügten Sachparallelstellen – Psalm 63,4–5

Von dir geliebt zu sein, ist mir mehr wert als das Leben, deshalb sag ich dir, weder irgendwo im Himmel oder auf Erden gibt es jemand, der größer und heftiger ist als du. Das rappe ich dir jetzt, wer macht ’ne Beatbox dazu?
Ich bin dir ewig dankbar, und wenn ich mit dir rede und mich dir mit meinen absolut leeren Händen hingebe,
VolxBibel – Psalm 63:4–5

Wie unterschiedlich man auf eine Situation reagieren kann!
Der eine kann sich über die Fliege an der Wand aufregen – dem anderen ist doch die Fliege egal!
Der eine sieht, welche Schwierigkeiten er in seinem Leben schon aufgebürdet bekam und meckert deshalb über die Kirche, Gott und was es noch so alles gibt – der andere schaut dankbar auf Gott, der ihn auf all seinen Schwierigkeiten bewahrt hat!
Der eine heult, dass er lieber in der Hölle sein will, als mit „diesen Menschen“ ewig im Himmel – der andere freut sich auf eine Ewigkeit mit Jesus!
Der eine versucht glücklich zu sein, und sich bei den sozialen Medien gut darzustellen, der andere ist mit dem zufrieden, was Jehovah ihm gibt, und nutzt die sozialen Medien um den Schöpfer zu preisen!
Der eine liest in der Bibel, und findet bei jeder biblischen Gestalt hunderte von Fehlern – der andere liest die Bibel und freut sich, wie gnädig und liebevoll unser Gott ist.
Gibt es nicht? Dann schau dir den Psalm, aus dem die Verse oben sind, an: David geht es gar nicht gut – er ist auf der Flucht, und er hätte Grund über alles mögliche zu meckern! Aber er schaut nur zu seinem Gott – und findet bei diesem nicht nur Trost sondern auch Hilfe!

Denn deine Güte ist besser wie Leben. Dieser Satz ist enge mit dem vorigen zu verbinden: David gibt den Grund an, weshalb er so eifrig an seinen Gott sich hängt. Als „Leben“ werden alle Mittel bezeichnet, durch welche die Menschen ihren Lebensstand schützen und erhalten können. So lange wir damit wohl versehen zu sein meinen, kommt es uns kaum in den Sinn, bei Gottes Erbarmen Zuflucht zu suchen. Unser eigenes Sein blendet unsere Augen derartig, dass wir gar nicht mehr sehen, wie allein Gottes Gnade uns aufrecht hält. Während die Menschen also gemeinhin in ihrem Vertrauen auf irdische Hilfsmittel Gottes vergessen, erklärt David hier, dass es besser sei, mitten im Sterben sich auf Gottes Barmherzigkeit zu stützen, als voll Selbstvertrauen im Schein des Lebens zu wandeln. Der Sinn ist also nicht einfach der, dass das Leben ein kostbares, Gottes Barmherzigkeit und Güte aber ein noch kostbareres Gut sei. Vielmehr müssen wir den Gegensatz zwischen einem unversehrten Lebensstande, mit dem Menschen sich begnügen, und zwischen Gottes Barmherzigkeit im Augen behalten, welche bereits geltende und fast in den Abgrund fallende Menschen greift und hält, und welche allein ausreicht, allen Mangel auszufüllen. Mögen andere im Überfluss des Reichtums und aller Hilfsmittel sitzen, mag ihr Leben auf alle Weise gesichert und geschützt sein, so ist dies alles nichts: denn es ist besser, allein von Gottes Barmherzigkeit abzuhängen, als in seinem eigenen Wesen sich auf scheinbar feste Stützen zu gründen. Mögen also die Gläubigen Mangel leiden, unter ungerechtem Druck stehen, in Krankheit dahinsiechen, Hunger und Durst leiden, durch viele Sorgen und Schmerzen gequält werden, so kann dies alles ihnen ihr Glück nicht rauben. Denn wenn sie Gottes Gnade haben, geht es ihnen gänzlich wohl. Auf der andern Seite müssen die Ungläubigen unglücklich sein, auch wenn die ganze Welt ihnen zulacht: denn wo man Gott zum Feinde hat, waltet der Fluch. Aus alledem schließt David: Meine Lippen sollen dich preisen. Die Erkenntnis der göttlichen Güte öffnet uns den Mund. Der gleiche Gedanke wird dann (V. 5) noch deutlicher ausgedrückt: So will ich dich loben mein Leben lang. Im Einzelnen ist das Verständnis dieser Worte allerdings zweifelhaft. Das „so“ kann auf die erbetene Erlösung deuten. In diesem Falle würde David erklären, dass er guten Grund habe, den Segen Gottes zu preisen, weil er selbst erfahren habe, wie viel besser es sei, von Gott aus dem Tode gerissen zu werden, als bei sich selbst das Leben zu haben. Es kann aber auch ein erneuter Hinweis auf den unglücklichen und gedrückten Zustand Davids vorliegen, über den er soeben sagte, dass selbst die Wüste ihn nicht hindere, auf Gott zu schauen. Auch die Übersetzung: „mein Leben lang“ ist nicht die einzig mögliche. Man könnte auch übersetzen: Ich will dich loben über mein Leben, d. h. für die mir geschenkte Rettung. Dieses Verständnis würde eine überaus fruchtbare Lehre enthalten: weil ich durch deine Wohltat gerettet und unversehrt bin, so will ich von nun an dich umso eifriger preisen. So heißt es auch anderwärts (Ps. 118, 17): „Ich werde nicht sterben, sondern leben und des Herrn Werke verkündigen.“ Oder (Ps. 115, 17 f.): „Die Toten werden dich, Herr, nicht loben, noch die hinunterfahren in die Stille. Sondern wir, die wir leben, loben den Herrn.“ Dass David die Hände aufheben will, deutet auf Gelübde und Gebete. Er will etwa sagen, dass er nicht bloß danken, sondern auch neue Freudigkeit zum Bitten gewinnen und sich fortan in der Anrufung Gottes desto eifriger beweisen werde. Und in der Tat: wenn Gott freundlich mit uns handelt, treibt er uns nicht bloß zum Danken an, sondern stärkt auch unsre Hoffnung für alle Zukunft, sodass wir nicht zweifeln dürfen, seine Gnade werde ganz und völlig ausfüllen, was sie in uns begonnen hat.

Jean Calvin – Aus dem Psalmenkommentar

Obwohl David nun keinen Zugang mehr zum Heiligtum hatte, fand er über dem Lobpreis Gottes Zufriedenheit, denn der Lobpreis brachte Freude und Trost in sein Herz. Er lobte Gott für seine treue Güte, die besser ist als Leben . Das war der Lobpreis eines Menschen, der in der trockenen Wüste (V. 2 ) mehr an Gott als an das lebensspendende Wasser dachte.

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

Und wohin werde ich schauen?

„Uhr geht nach dem Mond“

Er hat den Mond gemacht für die bestimmten Zeiten; die Sonne weiß ihren Untergang.
Elberfelder 1871 – Ps 104,19

Er hat den Mond gemacht, das Jahr darnach zu teilen; / die Sonne weiss ihren Niedergang. / (a) Ps 74:16; 1Mo 1:14
Zürcher 1931 – Psalmen 104,19

Er schuf den Mond, die Zeiten zu messen, (Nach den Mondphasen kann der Mensch die Monate abgrenzen und überhaupt das Jahr einteilen.) / Dazu auch die Sonne, die ihren Untergang kennt. (Die Sonne weiß, wann sie untergehen soll, so daß der Wechsel von Tag und Nacht stets regelmäßig ist.)
Ludwig Albrecht – Psalm 104,19

Sagt man nicht „deine Uhr geht nach dem Mond“ wenn man sagen will, dass die Uhr falsch gehen würde? Aber geht der Mond je falsch?

Überleg einmal! Ein einzige System physikalischer Gesetze bestimmt das Verhalten aller Bestandteile des Universums! Und nur, wenn die Wissenschaftler und Techniker in strenger Einhaltung und Abhängigkeit von diesen vorhersehbaren Gesetzen arbeiten, sind sie in der Lage, ein zuverlässiges Raumschiff, ein Auto oder etwas anderes zu konstruieren.
Du mußt kein Techniker oder Wissenschaftler sein, um Gottes Gesetzmäßigkeiten in Aktion erkennen zu können. Wir alle verlassen uns im Alltag auf diese Gesetzmäßigkeiten, auch wenn wir nur, z. B. unsere Füße auf den Boden stellen.
Gab es jemals einen Tag in unserem Leben, an dem die Sonne nicht auf oder untergegangen ist? Vielleicht war sie von Wolken verdeckt, dennoch folgt sie täglich ihrem Lauf. Und der Mond? Ist euch bewußt, dass die Kalender und Gezeitentabellen für Jahre im voraus erstellt werden können, weil die Bewegung und Stellung des Mondes und der Erde und Sonne völlig vorhersehbar sind?
Mit Sicherheit geschieht all das nicht durch Zufall; Gott selber hat es so entworfen.
LIES Ps 104,19
Er wollte uns eine geordnete Welt mit vorhersehbaren Tagen, Nächten, Jahreszeiten und Gezeiten geben. – Vergleiche:
Der Start eines Raumschiffes in den Weltraum ist sicherlich sehr beeindruckend und so sollte es auch sein, weil es eine unglaubliche Menge an Forschung und Aufwand gekostet hat, diesen Schritt zu ermöglichen.
Doch stell dir einmal das Wissen Gottes vor! Die Kreativität und Fähigkeiten Gottes als Konstruktions-Meister! Stell dir Seine Macht vor! Gott sprach, und das gesamte Universum war erschaffen!

Trevor Mc Ilwain – Auf festem Grund gebaut

Du hast den Mond gemacht usw. Jetzt wird ein anderer Anlass zum Preise der göttlichen Vorsehung vorgeführt: Gott hat den Lauf der Sonne und des Mondes so geordnet, dass ein überaus passender Wechsel entsteht. Die Mannigfaltigkeit der Bewegungen stört so wenig die Ordnung, dass man vielmehr sehen muss, wie eine bessere Zeiteinteilung gar nicht erdacht werden konnte. Dass der Mond gemacht ist, das Jahr darnach zu teilen, buchstäblich: „für bestimmte Zeitpunkte, “ – erinnert uns daran, dass die Ebräer ihre Monate genau nach dem Mond zu rechnen pflegten und sich an ihn auch bei der Anordnung ihrer Festtage, ihrer heiligen und bürgerlichen Zusammenkünfte hielten. Doch wird der Satz in ganz umfassendem Sinne dahin verstanden werden müssen, dass der Mond nicht bloß Tag und Nacht scheidet, sondern auch die Festtage andeutet, Jahre und Monate abgrenzt und überhaupt mannigfachen Zwecken dient; denn an seinen Lauf lehnte man die Unterscheidung der Zeiten an. Dass die Sonne ihren Niedergang weiß, deute ich nicht allein auf ihren täglichen Umlauf; vielmehr wissen wir, dass sie stufenweise uns bald näher, bald ferner rückt; und darin weiß sie ihre Stationen einzuhalten, wodurch Sommer und Winter, Frühling und Herbst entsteht.

Jean Calvin – Aus dem Psalmenkommentar

Man kann sogar den Sonnenaufgang/-untergang bzw den Mondaufgang/-untergang genau bestimmen. Wie auf dem Bild – das ich von der wetteronline-Website aufgenommen habe – kann man die Bewegung berechnen und danach planen.

„Behandle jeden so, wie du auch behandelt werden möchtest.“

Alles nun, was immer ihr wollt, daß euch die Menschen tun sollen, also tut auch ihr ihnen; denn dies ist das Gesetz und die Propheten.
Elberfelder 1871 – Mt 7,12

Also: Wie immer ihr wollt, dass die Leute mit euch umgehen, so geht auch mit ihnen um! Denn darin besteht das Gesetz und die Propheten.
Zürcher Bibel 2007 – Matth. 7,12

»Behandelt eure Mitmenschen in allem so, wie ihr selbst von ihnen behandelt werden wollt. Das ist es, was das Gesetz und die Propheten fordern.«
Neue Genfer Übersetzung – Matthäus 7,12

Alles nun, das ihr wollet, daß euch die Menschen tun sollen, das tuet auch ihr ihnen, denn das ist das Gesetz und die Propheten. Mt 22,40; Lk 6,31f; Röm 13,8-10.
Tafelbibel mit hinzugefügten Sachparallelstellen – Matthäus 7:12

Goldene Regel, Bezeichnung für die Weisung Jesu „Alles, was ihr also von anderen erwartet, das tut ihnen auch!“ (Mt 7,12), in der er das „Gesetz und die Propheten“ zusammengefasst sieht; sinngemäß findet sich die Goldene Regel (meist in der negativ formulierten Version „Was du nicht willst …“) auch in jüd. und lat. Überlieferung.

Herders Neues Bibellexikon

Mt 7,12 ὅσα ἐάν = ὅσα ἄν (A132; 371) wie viele Dinge auch immer = alles, was; πάντα ὅσα ἐάν übers. alles, was (B πᾶς 1eγ). θέλητε Konj. θέλω. ἵνα hier dass (A328; bez. [statt eines AcI] das Erstrebte; B II1aα). ποιῶσιν Konj. ποιέω. ποιεῖτε Imp.; πάντα ὅσα ἐὰν θέλητε ἵνα ποιῶσιν ὑμῖν οἱ ἄνθρωποι, οὕτως καὶ ὑμεῖς ποιεῖτε αὐτοῖς alles, was ihr wollt, dass die Menschen (es) (Rel.-Pron. ὅσα ist m. dem ἵνα-NS verschränkt; A364b) euch (gegenüber)/für euch (B ποιέω I1dβ; dat. commodi, A173a) tun, (das) tut auch ihr ihnen (gegenüber)/für sie ebenso = alles, was ihr von den Menschen/von anderen erwartet, das erweist auch ihr ihnen ebenso (Menge) bzw. handelt den Menschen gegenüber in allem so, wie ihr es von ihnen euch gegenüber erwartet (NGÜ). οὗτος kongruiert (wie übl.) m. dem (hier m. dem ersten Teil des zweiteiligen, aber als Einheit zu verstehenden) Präd.-Nom. (BDR § 1321; A93); οὗτος γάρ ἐστιν ὁ νόμος καὶ οἱ προφῆται denn das ist/darin besteht das Gesetz und die Propheten (d. h. die Erfüllung des Gesetzes u. der Propheten). ὁ νόμος καὶ οἱ προφῆται übl. Bezeichnung für die (atl.) Heilige Schrift.

Neuer Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament

In der altjüdischen palästin. Literatur findet sich der Ausspruch nur in negativer Fassung;a desgleichen in der „Lehre der zwölf Apostel“.b Die positive Fassung in Jesu Mund geht über die negative Fassung ebensoweit hinaus, wie etwa „helfen u. fördern“ hinausgeht über „nicht schaden“. Die auf hellenistischem Boden erwachsene Form des Ausspruchs, die älteste, die wir überhaupt von dem Ausspruch besitzen, vereinigt die positive u. die negative Fassung miteinander.c

a. Tob 4, 15: καὶ ὃ μισεῖς μηδενὶ ποιήσῃς. — Test Napht (hebr. Text) 1: Keiner soll seinem Nächsten tun, was er nicht will, daß man ihm tue. — Schab 31a: Einmal kam ein Heide zu Schammai (um 30 v. Chr.); er sprach zu ihm: Nimm mich als Proselyten auf, unter der Bedingung, daß du mich die ganze Tora lehrest, während ich auf Einem Bein stehe. Er stieß ihn mit einem Baumaß, das er in seiner Hand hatte, fort. Er ging zu Hillel (um 20 v. Chr.); dieser nahm ihn als Proselyten auf. Er sprach zu ihm: Was dir unlieb ist, tue keinem andren; das ist die ganze Tora u. das andre (übrige) ist Erklärung; geh u. lerne! — Targ Jerusch I Lv 19, 18: Was dir selbst unlieb ist, tue ihm (deinem Nächsten) nicht. — Doch s. auch slav. Henoch 61, 1: Wie ein Mensch seiner eignen Seele von Gott erbittet, so soll er tun jeder lebenden Seele.
b. Διδαχή 1, 2: Πάντα δὲ ὅσα ἐὰν θελήσῃς μὴ γίνεσθαί σοι, καὶ σὺ ἄλλῳ μὴ ποίει.
c. Brief des Aristeas 207: Welches ist die Lehre der Weisheit? Er (der vom König Gefragte) erklärte: Wenn du, wie du nicht willst, daß dir das Üble widerfahre, sondern alles Gute erfahren willst, ebenso tust gegen deine Untertanen u. gegen die, welche sich verfehlen. Τί ἐστι σοφίας διδαχή; ὁ δὲ ἕτερος ἀπεφήνατο· καθὼς οὐ βούλει σεαυτῷ τὰ κακὰ παρεῖναι, μέτοχος δὲ τῶν ἀγαθῶν ὑπάρχειν ἁπάντων, εἰ πράσσεις τοῦτο πρὸς τοὺς ὑποτεταγμένους καὶ τοὺς ἁμαρτάνοντας. — Vgl. auch Philo, Hypothetica (bei Euseb. Praep. evang. 8, 7): Ἅ τις παθεῖν ἐχθαίρει, μὴ ποιεῖν αὐτόν.
Als Erläuterung des Grundsatzes von Mt 7, 12 durch einige aus dem Leben gegriffene Beispiele mag AbothRN 15 Anf. u. 16 Anf. dienen: R. Eliʿezer (um 90) sagte (s. Aboth 2, 10): Es sei dir die Ehre eines andren so lieb, wie deine eigene!… Das lehrt: Wie man an der eignen Ehre Gefallen hat, so soll man auch an der Ehre eines andren Gefallen haben: u. wie man nicht will, daß eine üble Nachrede über die eigne Ehre aufkomme, so soll man auch keine üble Nachrede über die Ehre eines andren ausbringen wollen. — Kap. 16 Anf.: R. Jehoschuaʿ (um 90) sagte (s. Aboth 2, 11): Ein mißgünstiges Auge … bringt den Menschen aus der Welt.… Das lehrt: Wie man am eignen Hause (= Familie) Gefallen hat, so soll man auch an dem Hause eines andren Gefallen haben; u. wie man will, daß keine üble Nachrede über das eigne Weib u. die eignen Kinder ausgebracht werde, so soll man auch wollen, daß keine üble Nachrede über das Weib u. über die Kinder eines andren ausgebracht werde.
Gesetz u. Propheten. Einteilung des Kanons s. bei 5, 17, S. 240.

Kommentar zum Neuen Testament aus Talmud und Midrasch

Nach dem Heilandswort für unser Verhalten vor Gott (Bittet! Suchet! Klopfet an!) folgt die Liebesregel für unser Verhalten zu den Mitmenschen und damit die Zusammenfassung aller Hauptstücke der Bergpredigt. Auch hier wird die Weisung des AT nicht aufgelöst, sondern erfüllt. (Vgl. Kap. 5,17.) Im AT hieß es in freier Übersetzung: »Was du nicht willst, das man dir tu, das füg´ auch keinem andern zu.« (Vgl. Tob 4,16.) Wir kennen dies Wort auch als deutsches Sprichwort. Jesus verlangt mehr. Er hat den negativen Satz des AT umgewendet und ihn positiv geprägt. Nun heißt es also nicht nur: Du sollst dem Nächsten nichts Böses tun; jetzt heißt es vielmehr: »Tu dem andern Gutes! Erfreue ihn! Liebe ihn!« Denn du willst ja auch von den andern Menschen freundlich und in guten und schlechten Tagen mit Liebe behandelt werden. So handle auch du dem andern gegenüber! Versetze dich also jeweils in Gedanken in die Lage des andern. Wie du in seiner Lage behandelt werden möchtest, so handle du jetzt selbst gegen ihn!

Das Wort »Alles nun, was immer ihr wollt, daß euch die Menschen tun sollen, das tut auch ihr ihnen«, ist auch die Lösung der sozialen Frage, die Grundregel des gemeinschaftlichen Lebens, das Geheimnis des persönlichen und gesellschaftlichen Wohlbefindens und Friedens überhaupt! – Wie unerhört weit sind Welt und Gemeinde Jesu noch von dem Befolgen des Wortes entfernt.

Wuppertaler Studienbibel

Diese Generalregel ist ein erster Abschluss der Lehre Jesu auf dem Berg. Sie fasst die Anweisungen zusammen, die Jesus für unser Handeln allen Menschen gegenüber geben will. Es wäre also falsch, zu sagen, damit wäre die ganze Frömmigkeit des Jüngers beschrieben. Denn selbstverständlich ist und bleibt nach Mt 22,38 das größte und vornehmste Gebot dieses: »Du sollst lieben Gott, deinen Herrn, von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüte« (vgl. 5 Mose 6,5).

Die Anweisung Jesu ist ebenso schlicht wie tief: »Alles nun, von dem ihr wollt, dass es euch die Leute tun sollen, das tut ihr ihnen auch!«. Wir kennen ähnliche Worte der Rabbinen. Jedoch gehen Letztere von einer negativen Fassung aus, die an unser Sprichwort erinnert: »Was du nicht willst, das man dir tut, das füg auch keinem andern zu!« Diese Fassung zielt auf die Unterlassung schädlicher Handlungen. Jesus aber redet viel aktiver und weitgreifender: Die Jünger sollen den Menschen alle Dienste tun, die sie für sich selbst von den Menschen erwarten! Es handelt sich also um denselben Zielpunkt wie in der Erzählung vom barmherzigen Samariter (Lk 10,25ff.). Im Grunde geht es um die Nächstenliebe für alle Menschen, den Feind eingeschlossen, ähnlich Mt 5,43ff.) Wir fragen also: Was würde ich an Stelle des anderen Menschen für mich erwarten? Dazu ist eine geheimnisvolle Freiheit nötig, die durch die Vergebung der Sünde und Wiedergeburt geschaffen wird. Der alte Mensch kann auch an diesem Gipfel der Bergpredigt nur scheitern.

»Denn das ist das Gesetz und die Propheten«, fügt Jesus hinzu. Von 5,17 her wissen wir, dass »Gesetz und Propheten« ein zusammenfassender Ausdruck für das ganze AT ist. Soweit es das Verhältnis der Jünger zu den Menschen betrifft, liegt also die Spitze des AT in der »Goldenen Regel«. Unter konkreter Nennung der Nächstenliebe hat Paulus sie weitergegeben (Röm 13,10; Gal 5,14).

Gerhard Maier – Edition C

Diese goldene Regel sollte, nein muß, unser gesamtes Leben durchziehen. Nicht nur unsere christliche Zeitschiene 🙂
Beim durchsuchen meiner Bibliothek zu dem Vers vielen mir auch diese „negativen“ Kommentare auf:

Alle Menschen haben das Recht auf Privatsphäre und können anderen – auch Verkündigern – verbieten, ihr Haus oder Grundstuck zu betreten. Besteht also jemand darauf, nicht mehr von Zeugen Jehovas besucht zu werden, wird dies respektiert (Matthäus 7:12; 10:13). Es wird lediglich eine datierte Notiz mit der Adresse in die Gebietskartenhülle gesteckt, damit Verkündiger dort künftig nicht mehr vorsprechen. Das

Hütet die Herde Gottes 2019

Die Ältesten können sich zudem fragen: „Welche Informationen wurden wir selbst benötigen, wenn der Betreffende in unsere Versammlung wechseln wurde?“ (Matthäus 7:12). Unterliegt der Betreffende noch Einschränkungen eines Rechtskomitees, sollten diese mitgeteilt werden. Wurde der Betreffende vor langer Zeit zurechtgewiesen oder wiederaufgenommen und unterliegt keinen Einschränkungen mehr, muss das zurückliegende Rechtskomiteeverfahren nicht erwähnt werden. Anders ist es, wenn der Verkündiger ehebrecherisch geheiratet hat oder sein Ruf wegen eines anderen Fehlverhaltens nachhaltig geschädigt ist.

Hütet die Herde Gottes 2021

Was solltest du tun, wenn deine Familie deine Ansichten zu bestimmten Feiertagen nicht teilt? Streite dich nicht mit ihnen. Denke daran, dass sie das Recht haben zu entscheiden, was sie feiern möchten. Respektiere das und bleib freundlich. Umgekehrt wünschst du dir ja das Gleiche. (Lies Matthäus 7:12.)

Was lehrt uns die Bibel?

Ich glaube kaum, dass Jesus DIES meinte, als er diese Worte sprach! Aber scheinbar wollen diese Menschen so behandelt werden? Ich persönlich würde unter „dem Gesetz und den Propheten“ – also dem AT – eine andere Sicht der Dinge erwarten!

Segen und Fluch

Wovor dem Gesetzlosen bangt, das wird über ihn kommen, und das Begehren der Gerechten wird gewährt.
Elberfelder 1871 – Spr 10,24

Wovors den Frevler graut, das überkommt ihn,
aber was die Bewährten wünschen, gibt Er.
Buber Rosenzweig – Sprichwörter 10,24

Das, was einem total Angst macht, wird dem auch passieren, der ohne Gott lebt. Aber den Leuten, die mit Gott unterwegs sind, gibt er das, was sie sich wünschen.
VolxBibel – Sprüche 10,24

Zuerst würde man vielleicht an das Märchen von Goldmarie und Pechmarie denken?
Wer kennt es nicht, das Märchen um Frau Holle?

Am ersten Tag tat sie sich Gewalt an, war fleißig und folgte der Frau Holle, wenn sie ihr etwas sagte, denn sie dachte an das viele Gold, das sie ihr schenken würde; am zweiten Tag aber fing sie schon an zu faulenzen, am dritten noch mehr, da wollte sie morgens gar nicht aufstehen. Sie machte auch der Frau Holle das Bett nicht, wie sich’s gebührte, und schüttelte es nicht, dass die Federn aufflogen. Des ward die Frau Holle bald müde und sagte ihr den Dienst auf.

Aber hier in dem Bibelvers geht es ja nicht um eine Belonung für die getane Arbeit – sondern um unsere Gedanken, unsere Wünsche – und damit doch auch um unsere Arbeit. Denn der Segen Jehovahs kommt ja über unsere Händearbeit. Was sollte Jehovah mehren, also segnen, wenn wir nichts tun, welches ER mehren könnte?
Deshab kommt auch das Fehlen bei dem Gottlosen von „ganz allein“. Wäre ja auch ungerecht, wenn beide den selben Lohn erhalten würden 😉

In den Sprüchen wird immer wieder das Unglück geschildert, das über den Gottlosen hereinbricht, und es wird dargestellt, wieviel besser es dem Gerechten geht. Salomo möchte auf diesem Wege den Einfältigen und Unwissenden davon überzeugen, daß er die Früchte der Weisheit auf lange Sicht bedenken sollte und nicht die Augenblicks-Erfolge. Viele Gottlose fürchten sich vor einem Unglück, und es bricht auch tatsächlich über sie herein! Der Gerechte bekommt auch häufig das, was er sich wünscht, nämlich den Segen Gottes. Gott ist letztlich die Quelle beider Dinge. Ein Sturm kann plötzlich hereinbrechen und für den Gottlosen eine Katastrophe mit sich bringen, indem er sein Leben auslöscht und seinen Besitz vernichtet (vgl. Sprüche 1,27;6,15;29,1 ), aber der Gerechte ist fester gegründet (vgl. Sprüche 10,9.30;12,3 ).

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

Wahre Bruderliebe wird ein starker Anreiz sein, für andere zu beten. Unsere Anliegen müssen jedoch von Seinem Willen bestimmt sein. Wenn sie Seinem Willen entsprechen, wird die Erhörung Ihn verherrlichen und zum Segen für unsere Mitgeschwister sein. Wir könnten in unserer Unwissenheit um etwas bitten, was nicht dem geistlichen Wohlergehen des Bruders dienen würde, für den wir eintreten, doch Gott kennt die Bedürfnisse und weiß, was unter diesen Umständen das Beste wäre. Wirkliches inneres Bewegt-Sein ist nötig, wenn wir sichergehen wollen, daß das Erbetene Seinem Willen entspricht. „Hört“ bedeutet hören und mit „ja“ beantworten. „Das Begehren der Gerechten wird gewährt“ (Spr 10,24). Die Zuversicht, die wir haben, besteht sowohl in unserem Nahen zu Gott (Hebräer 4,16) als auch in der Erwartung und Gewißheit, daß Er Gebete erhört (Jak 1,5).

Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt

In den Versen 24-30 werden das Los des Gerechten und das des Gesetzlosen einander gegenübergestellt. Der Böse hat eine Furcht (V. 24); es ist nicht die Furcht des Herrn, sondern eine unbestimmte und abergläubische Angst, mit dem Tod, auf den er nicht vorbereitet ist, als Hintergrund (Hiob 15,20.21). Wie anders ist doch das Teil des Christen! Im gegenwärtigen Leben gewährt ihm Gott das gerechte Begehren (V. 24). Und was die Zukunft betrifft, freut sich sein Herz in einer glückseligen Erwartung (V. 28).

Jean Koechlin — Ährenlese im Alten Testament

Gottlosen wird es so schlimm ergehen, wie sie es sich ausmalen, und den Gerechten so gut, wie sie es sich wünschen können. Es stimmt, das Gottlose sich manchmal mit vergeblichen Hoffnungen in ihrer Gottlosigkeit aufrecht halten, mit denen sie sich betrügen, doch zu anderen Zeiten werden sie von schierer Furcht heimgesucht, und „was der Gottlose fürchtet, das wird über ihn kommen“ (Vers 24). Es stimmt, dass der Gerechte manchmal seine Ängste hat, doch sie wünschen sich Gottes Wohlwollen und die Seligkeit in ihm und diesen Wunsch wird er erfüllen (Vers 24). Mit ihnen wird es nach ihrem Glauben und nicht nach ihren Ängsten ergehen (Ps 37,4).

Der Neue Matthew Henry Kommentar

Wessen Kind bin ich?

Der Geist selbst zeugt mit unserem Geiste, daß wir Kinder Gottes sind. Wenn aber Kinder, so auch Erben, -Erben Gottes und Miterben Christi, wenn wir anders mitleiden, auf daß wir auch mitverherrlicht werden.
Elberfelder 1871 – Römer 8,16–17

Derselbe Geist gibt Zeugnis unserem Geist, daß wir Kinder Gottes sind. 2Kor 1,22. Sind wir denn Kinder, so sind wir auch Erben, Erben Gottes und Miterben Christi, wenn wir anders mit Ihm leiden, auf daß wir mit Ihm auch verherrlicht werden. Lk 24,26; Joh 17,22.24; Offb 3,21; 21,7.
Tafelbibel mit hinzugefügten Sachparallelstellen – Röm 8,16–17

Denn der Geist Gottes selbst bestätigt uns tief im Herzen, dass wir Gottes Kinder sind.
Und als seine Kinder sind wir auch Miterben an seinem Reichtum — denn alles, was Gott seinem Sohn Christus gibt, gehört auch uns. Doch wenn wir an seiner Herrlichkeit teilhaben wollen, müssen wir auch seine Leiden mit ihm teilen.
Neues Leben – Bibel 2006 – Röm 8,16–17

Durch Gottes Geist in uns sind wir uns hundertprozentig sicher, dass wir Teil seiner Familie sind. Weil wir zu seiner Familie gehören, will uns unser Vater auch beschenken. Es kann zwar durchaus passieren, dass man uns heftige Schwierigkeiten macht, weil wir jetzt zu Jesus gehören, aber zum Schluss werden wir mit ihm ganz groß rauskommen.
VolxBibel – Römer 8,16–17

Wessen Kind bin ich wirklich? Was sagt den mein Herz? Bin ich gelehrt worden, dass nur bestimmte Menschen von Gott zu seinen Kindern erwählt wurden? Woran würde ich denn erkennen, ob ich SEIN Kind bin?

Röm 8:16 : Die Philosophen sprachen davon, dass das menschliche Gewissen als Zeuge auftreten konnte (vgl. 2,15; 9,1 ); die Juden glaubten, dass der Geist durch die Propheten die Wahrheit Gottes gegen Israel und die Völker bezeugt hatte. Hier aber ist die prophetische Botschaft des Geistes eine gute Nachricht für das Herz des Gläubigen. Als juristischer Akt musste eine Adoption nach römischem Recht (vgl. 8,15 ) von Zeugen bestätigt werden; hier ist der Geist der Zeuge, der bestätigt, dass Gott die Gläubigen in Jesus an Kindes statt annimmt.
Röm 8:17 : Gott hatte Israel zum »Erben« des Verheißenen Landes bestimmt, und die Juden erwarteten, dass sie »die künftige Welt erben« würden; zu »Erbe« und Adoption siehe die Ausführungen zu 8,15 . Viele Juden glaubten, dass der endgültigen Offenbarung der Herrlichkeit Gottes eine Zeit des Leidens vorausgehen würde.

Craig Keener – Kommentar zum Umfeld des Neuen Testaments

Der Geist ist es auch, der dem Christen die Gewißheit schenkt, daß er ein Kind Gottes ist. „Der Geist selbst zeugt mit unserem Geist, daß wir Kinder Gottes sind“ ( Röm 8,16 ). Für Kinder steht hier tekna ( im Unterschied zu hyioi, Söhne ). Das betont unseren Anteil am Leben des Vaters. Darum sind wir auch Erben dessen, was der Vater besitzt. Diese Gewißheit schenkt der Geist jedem, der an den Herrn glaubt.

Das Herz des Gläubigen erfährt auch größere Gewißheit, indem er besser versteht, was der Geist für ihn getan hat. Große Gewißheit ist es zu wissen, was es bedeutet, mit dem Geist versiegelt zu sein und das Unterpfand des Geistes als Garantie für die Vollendung der Erlösung empfangen zu haben ( Eph 1,13-14 ). Auch die Erkenntnis, daß der Gläubige mit dem auferstandenen, unsterblichen Leib Christi verbunden ist, vermehrt unsere Gewißheit. Diese großen Dinge zu begreifen, gehört natürlich zur Unterweisung durch den Heiligen Geist, darum ist der Heilige Geist in vielfacher Weise damit befaßt, dem Gotteskind Gewißheit zu schenken.

Charles C Ryrie – Die Bibel verstehen

„Der Geist selbst gibt Zeugnis unserm Geist, dass wir Gottes Kinder sind.“
Das Mitbezeugen des Geistes Gottes mit „unserm Geist, dass wir Gottes Kinder sind“, geschieht eben in diesem kindlich-vertrauensvollen Beten. Wie ein Kind zu seinem Vater kommt mit allem, was es bewegt, so leitet und führt uns der Geist Gottes immer zum Vater hin und bezeugt damit unser Kindesrecht. Die Kindesgewissheit gründet nicht auf irgendwelchen Gefühlen, sondern auf dem Zeugnis des Geistes, der uns beten lehrt (vgl. Mt 6,9ff.; Röm 8,26; Eph 6,18; 1Thess 5,17). Das Zeugnis des Geistes Gottes empfangen wir aus dem Wort Gottes, das uns zu Lob, Dank, Anbetung und rechter Bitte und Fürbitte leitet (vgl. auch 2Kor 1,22; 1Joh 5,7-10).
Röm 8,17: „Sind wir aber Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich Gottes Erben und Miterben Christi, wenn anders wir mit leiden, auf dass wir auch mit zur Herrlichkeit erhoben werden.“
Kinder Gottes sind Erben Gottes, sie bekommen Anteil an allem, was er ist und hat. Unser Erbe ist das ewige Leben (Tit 3,7). Wir sind Erben des Reiches Gottes (Jak 2,5) und werden den vollen Segen Gottes erben (1Petr 3,9). Wir sind „Miterben Christi und Gott teilt das Erbe zu. Wieder sind zwei Rechtsakte der Hintergrund: Gott gibt rechtsgültig das Erbe, und er stellt uns seinem Sohn Jesus Christus gleich. Welche Würde! Und wir leben oft, als hätten wir nichts, aber auch gar nichts zu erwarten! Jetzt leiden wir mit, schon jetzt ist der Weg des Christen unter der Führung des Geistes der Gleichweg mit unserem Herrn. Wie er in Leiden kam, so kommen wir in Leiden um Jesu willen (vgl. Röm 5,3, auch unsere Auslegung). So wird auch die Gleichgestalt in der Herrlichkeit sein, zu der wir mit „erhoben werden“. Das Griechische ist eindrücklich kürzer: „Miterben Christi, da wir ja mitleiden, auf dass wir auch mitverherrlicht werden“.

Edition C

Jetzt schließt sich der Kreis. Ausgangspunkt war der Empfang des Geistes der Sohnschaft, Merkmal seiner Echtheit war die vertrauensvolle Anrufung des Vaters. Jetzt führt die Gewissheit von Gottes Vatertum wiederum zur Vergewisserung der eigenen Sohnschaft zurück. Der Geist selbst bezeugt unseRöm Geist: Wir sind Gottes Kinder! – Der mühelose Wechsel von „Sohn“ auf „Kind“ zeigt dem heutigen Leser, dass Paulus schon bei „Söhne“ die weiblichen Gemeindeglieder einschloss. Zwei Stellen mögen zeigen, dass „Söhne“ in der Bibel nicht immer wörtlich genommen werden darf, 1Mo 3,16: „Mit Schmerzen sollst du Söhne (wörtlich!) gebären.“ Die Entbindung von Mädchen ist natürlich eingeschlossen. Und 2Mo 14,22: „Die Söhne (wörtlich!) Israels gingen mitten hinein in das Meer.“ Die Töchter verblieben gewiss nicht am Ufer. Ähnlich steht es oft mit dem Gebrauch von „Brüder“. – Das erwähnte Wirken des Geistes wird jetzt auf den Nenner gebracht: Er übt die Zeugenfunktion aus. Der Geist steht unseRöm menschlichen Geist als Zeuge gegenüber. – symmartyreo hieß ursprünglich: als Zeuge neben einem oder mehreren Zeugen etwas mitbezeugen. Diese Grundbedeutung verblasste aber später zum einfachen „bezeugen“, „bestätigen“, bei Paulus z.B. auch 2,15 und 9,1. – Die Verwendung von „Geist“ als Menschengeist ist für Paulus nicht ungewöhnlich (Röm 1,9; 8,10; 1Kor 5,3-5; 7,34; 16,18; 2Kor 2,13; 7,1.13; Gal 6,18; Phil 4,23). So begegnet das Innerste Gottes, das allein weiß, „was in Gott ist“ und „die Tiefen der Gottheit erforscht“, dem Innersten des Menschen, das allein weiß, „was im Menschen ist“ (1Kor 2,10.11) und redet ihm gut zu: „Fürchte dich nicht, ich habe dich erlöst, ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein“ (Jes 43,1). So spricht uns der Geist mit Gott zusammen – ein folgenreiches Geschehen. Schon Jesus hat Mt 7,14-19 das Tun ans Sein gebunden.

17 Aus dem Kindsein folgt ein weiteres Recht. Wenn aber Kinder, auch Erben, nämlich Erben Gottes. Eine Adoption verändert alle Beziehungen, nicht nur die zu Personen, also zum Vater und zu dessen Kindern und Hausgenossen, sondern auch die zum väterlichen Besitz: „Alles, was mein ist, ist dein“ (Lk 15,31; Joh 17,10).A Der Erbgang für die Glaubenden gilt vermittelt durch den erstgeborenen Sohn. Er ist der eigentliche Erbe, sie sind Miterben Christi (V. 32). Dieses Erbe besteht aber nicht allein in der zukünftigen Herrlichkeit (V. 18.30).

Wuppertaler Studienbibel

„Und im Gebet rufen wir durch Ihn: Abba, Vater, und kein geringerer als dieser Geist bestätigt unserem Geist, dass wir Gottes Kinder sind.“
Ich wünschte, wir könnten dem Apostel Paulus hier nachfühlen, was er alles bei dem Ausdruck „Vater“ empfand. Dieser eine Ausdruck fasste für ihn die ganze Fülle des neuen Heils zusammen. Er hatte vor Gott als dem Lebendigen und als dem Gnädigen auch vor seiner Bekehrung gestanden. Gott als seinen „Vater“ fand er aber erst nach seiner großen Damaskusstunde. Nun wusste er: Gott will uns nicht nur ein lebendiger, ein gnädiger Gott sein, Er will uns ein Vater sein in Christus.
Fast muss man fürchten, dass manche Gläubige auch unserer Tage zunächst Gott nur schauen im Lichte eines gnädigen Gottes. Wozu uns aber die Sohneswürde führen will, ist, dass Gott uns zum Vater wird. Haben wir das erfasst, dann wird dementsprechend auch unser Verkehr mit Gott werden. Uns wird eine ganz andere Freimütigkeit in unserm Umgang mit Gott beherrschen. Wir werden mit Gott verkehren nicht in knechtischer Furcht, sondern im Geiste der Kinder Gottes, die zu rufen wagen: „Abba, Vater!“
Sind wir aber Kinder, so auch Erben, Erben Gottes, ja Miterben Christi. Was das alles in sich schließt, Gottes Erbe zu sein und Miterbe Christi, vermag unser Glaube und unsere Hoffnung zwar zu ahnen, nicht aber in vollem Umfange zu erfassen.
Paulus fügt jedoch hinzu: „wenn anders wir sein Leiden teilen, um hernach auch teilzunehmen an seiner Herrlichkeit.“
Dem Apostel ist im Leben der Jünger alles organisch verbunden mit Christus. Ob es sich handelt um unser erstes innerliches Erwachen, es steht ihm in Verbindung mit unserer Bekehrung. Sie ist ihm aber verbunden mit Christus. Er sagt im Galaterbrief: „Als es aber Gott wohlgefiel, mir seinen Sohn zu offenbaren, da besprach ich mich nicht länger mit Fleisch und Blut.“
Als er erst den Sohn sah, da sah er auch sich selbst und zwar in seinem menschlichen Elend und in seiner ganzen Jämmerlichkeit. Er sah aber auch seine Erlösung. Er konnte daher auch mit jenem wunderbaren Wort fortfahren. „Alsbald fuhr ich zu und besprach mich nicht lange mit Fleisch und Blut.“ Das war die große, entscheidende Wendung in seinem Leben. Eine Wendung, herbeigeführt von dem Sohn. Nun spricht er auch im Blick auf die Leiden, dass sie ihm aufs engste verbunden sind mit Christus.“
Paulus hatte eine Wahrheit tief erfasst und zwar jene, dass die Geschichte des Hauptes auch immer die Geschichte der Glieder sein wird. War das Haupt auf dem Wege der Leiden verherrlicht worden, wie sollte Paulus für die Kinder Gottes als Glieder des Leibes Christi etwas anderes erwarten. Diese Leiden haben aber ihre klare Begrenzung und ihr ganz bestimmtes Ziel. Die Leiden kommen, weil sie im Dienste unserer Erlösung stehen

Jakob Kroeker – ER sprach zu mir

Ein Kind Jehovahs handelt und fühlt anders, als ein Kind dieser Welt. Was bzw wen ahme ich also nach? Was zeigen meine Handlungen? Was zeigt mein Gebet, welches Verhältnis ich vor dem Allmächtigen habe? Bin ich ängstlich?

„Wie ist das denn mit einem guten Abteilungsleiter?“

Wer ist denn der zuverlässige und besonnene Sklave, den der Hausherr einmal über seine Dienerschaft einsetzt, um ihnen zur rechten Zeit Nahrung zu gewähren?
Gottes Agenda – Das Neue Testament urtextnah ins heutige Deutsch übersetzt von Andreas Eichberger – Mt 24,45

„Wie ist das denn mit einem guten Abteilungsleiter?“, fragte Jesus seine Leute. „Er hat von seinem Chef den Auftrag bekommen, seine Mitarbeiter anständig zu beschäftigen und dafür zu sorgen, dass sie alles haben, was sie so brauchen.
VolxBibel – Mt 24,45

Wer von euch ist nun der treue und kluge Diener, dem sein Herr den Auftrag gegeben hat, die übrige Dienerschaft zu beaufsichtigen und jedem pünktlich seine Tagesration auszuteilen?
Gute Nachricht Bibel 2018 – Matthäus 24,45

Wer ist wohl der treue und kluge Knecht, den sein Herr über sein Gesinde setzte, um ihnen zur rechten Zeit die Nahrung zu geben? Lk 12,42f; Heb 3,5.
Tafelbibel mit hinzugefügten Sachparallelstellen – Matth 24,45

Das ist die Frage, die Jesus jetzt an seine Jünger stellt und die sie selbst durch ihr Verhalten nach seiner Trennung von ihnen zu beantworten haben. Solange der Knecht unter den Augen des Herrn diente, wurde seine Treue noch nicht auf die Probe gestellt; denn die Gegenwart des Herrn ließ keinen Ungehorsam zu und nahm ihm die Gelegenheit, seinen eigenen Willen zu tun. Dadurch aber, dass der Herr abwesend ist, ist alles auf die Treue der Knechte gestellt; nun muss sich zeigen, ob sie ihm von Herzen zugetan und aufrichtig ergeben sind. Ebenso muss es sich jetzt bewähren, wer von ihnen klug und verständig ist und mit klarem Blick ermisst, was ihm obliegt und wie er seinen Dienst für sich zum guten Ende bringt.

Schlatter – Erläuterungen zum Neuen Testament

Weshalb kommt Jesus auf den »treuen und klugen Knecht« zu sprechen? Weil er eben erst mahnte: »Seid auch ihr bereit!« Die Jünger sind es also, die mit dem »Knecht« verglichen werden (vgl. Mt 10,24ff.; Mt 13,27ff.; Mt 18,23ff.; Mt 20,27; 21,34ff.; Mt 22,3ff.; Off 21,9).
Aber nun handelt es sich speziell um den Knecht, den der Herr über seine Dienerschaft gesetzt hat, um ihnen zur rechten Zeit die Speise zu geben«. D. h., es handelt sich um die leitenden und verantwortlichen Glieder der Gemeinde. Ihnen ist die »Dienerschaft«, d. h. die übrige Gemeinde, anvertraut. Wenn Jesus formuliert: »um ihnen zur rechten Zeit die Speise zu geben«, dann erinnert das an Gottes Handeln nach Ps 104,27; 145,15. Als Haushalter Gottes stehen diese Leute in der Gemeinde, ganz an den Auftrag des »Herrn« gebunden. Die »Speise« könnte auf die Diakonie bezogen wörtlich verstanden werden. Gemeint ist aber die »geistliche Speise« wie in Joh 4,32ff.; Joh 6,27.55; 1 Kor 3,2; 10,3; 1 Petrus 2,2; Hebr 5,12ff. Jetzt zeichnet sich der Kreis der Angesprochenen deutlicher ab: Es sind die Apostel, Propheten, Lehrer, alle Wortausleger in der Kirche – die Pfarrer und Prediger, Stundenhalter und CVJMer, Missionare, Evangelisten und Jugendmitarbeiter, Hauskreis -, Bibelkreis – und Gebetskreisleiter (vgl. noch Amos 8,11). Sie müssen ja das Wort austeilen, durch das die Gemeinde wächst (Apg 6,2.7; 12,24; 13,46; Röm 10,17; 2 Kor 2,17; Eph 6,17; 1 Tim 4,13; 2 Tim 2,15; 4,2; 1 Petrus 4,10ff.; Hebr 13,7). Die Speise soll »zur rechten Zeit« gegeben werden (vgl. Jes 50,4). Wann ist das? 2 Tim 4,2 sagt ohne Umschweife: Gepredigt werden muss »zur Zeit oder zur Unzeit«, d. h. immer (vgl. 2 Kor 4,13). Zur Seelsorge und Verteidigung des Glaubens jedoch braucht man Weisheit und den gottgeschenkten Augenblick (Eph 4,29; 5,15ff.; Kol 4,6).
Eine riesengroße Verantwortung! Was ist hier nötig? Große Begabung? Große seelische oder körperliche Kraft? Daran hängt es nicht! Vgl. 2 Kor 12,9. Sondern »der treue und kluge Knecht« ist gesucht. »Treu« ist, wer seine kleine – vielleicht auch größere – Gabe ganz einsetzt und wer seinen Dienst nicht vorzeitig aufgibt. Die »Treue« ist bei Gott viel kostbarer als die hervorstechende Leistung (vgl. Lk 16,10; 1 Kor 4,2; 2 Tim 2,2; Hebr 3,5; Off 19,11). Der »treue Knecht« hängt ganz am Wort seines Herrn; das schließt natürlich den Gehorsam ein. »Klug« ist, wer nach Gott fragt. »Klug« ist nicht derjenige mit dem höchsten Intelligenzquotienten, sondern derjenige, der weiß: Ich bin Gott verantwortlich (vgl. Ps 14,2; 90,12; 94,8; 11 Ps 119,104; Spr 1,7; 3,5ff.; Jes 5,21; Mt 7,24; 10,16; 11,25; Röm 11,25; 12,16; 1 Kor 1,17). Jesus hat auf diese Klugheit besonderen Wert gelegt (vgl. Mt 7,24). Sie kommt nicht durch die natürliche Geburt, sondern durch das Werk des Heiligen Geistes. Um sie dürfen wir beten. Deshalb kann jeder, der will, ein »treuer und kluger Knecht« sein!
Solche Knechte rückt Jesus unter die Seligpreisungen: »Glücklich zu preisen ist jener Knecht, den sein Herr aufftragsgemäß handelnd vorfindet, wenn er kommt« (vgl. Lk 12,37). Wörtlich heißt es: »… so tuend vorfindet«. Aber das »so« meint das auftragsgemäße Handeln. Die Wendung »wenn er kommt« deutet auf Jesu Wiederkunft. Feierlich bekräftigt Jesus: »Amen, ich sage euch: Er wird ihn über seinen gesamten Besitz setzen.« Was ist Jesu »gesamter Besitz«? Die ganze Erde mit all ihren Völkern! Vgl. Ps 2,8; Dan 7,14; 1 Kor 15,24ff.; Off 19,15ff. Aber wie sollen Jesu Knechte »über seinen gesamten Besitz gesetzt« werden? Indem sie mit ihm regieren und auf seinem Thron sitzen (1 Kor 6,2ff.; 1 Thess 4,17; Off 3,21; 20,4ff.). Eine der größten Verheißungen der Bibel!

Edition C

Ein unermeßlich großes Opfer wurde für die Menschheit dargebracht. Für jede Seele, die die Erlösung nicht annimmt, wurde es jedoch vergeblich dargebracht. Wie wichtig ist es dann, daß derjenige, der die Wahrheit verkündigt, sie in der vollen Erkenntnis der auf ihm ruhenden Verantwortung verkündigt. Besorgt, mitfühlend und zuvorkommend sollte sein Verhalten gegenüber anderen Menschen sein, denn der Heiland der Welt hat zu erkennen gegeben, daß er ihnen solch hohen Wert beimißt. Die von Christus gestellte Frage lautete: “Welcher ist aber nun ein treuer und kluger Knecht, den der Herr gesetzt hat über sein Gesinde?” Matthäus 24,45. Jesus fragt: “Welcher ist es?” Für jeden Diener des Evangeliums ist es notwendig, diese Frage seinem eigenen Herzen vorzulegen. Wenn er die ernsten Wahrheiten betrachtet und sein Geist das von dem treuen und klugen Knecht entworfene Bild schaut, sollte seine Seele bis in ihre letzten Tiefen aufgerüttelt werden.

Ellen Gould White – Aus der Schatzkammer der Zeugnisse

Charles Taze Russell, von 1884 bis 1916 Präsident der Watch Tower Bible & Tract Society, versuchte nicht, unter den Mitgliedern der Gesellschaft und den Mitgliedern der verwandten Organisation, der International Bible Students Association, eine religiöse Sekte zu gründen. Vielmehr erwartete er die himmlische Verherrlichung der wahren Christenversammlung um das Ende der „Zeiten der Heiden“ im Jahre 1914. (Lukas 21:24, Me) Dennoch bestand nach seinem Tode am 31. Oktober 1916, mitten im Ersten Weltkrieg, die Neigung, um seine Lehren und um das organisatorische Gefüge eine religiöse Sekte zu bilden, obwohl dies nicht beabsichtigt war. Im Juli 1917 wurde in Englisch das Buch „Das vollendete Geheimnis“, der siebente Band der Schriftstudien, veröffentlicht, und es wurde auf Seite 2, der Impressumseite, als „hinterlassenes Werk von Pastor Russell“ bezeichnet. Dieses Buch behandelte C. T. Russell so, als wäre er der in Matthäus 24:45-47 (EB) vorhergesagte „treue und kluge Knecht“ gewesen. Der Kommentar dieses Buches über das Buch der Offenbarung stellte C. T. Russell als den ‘siebenten Sendboten’ dar, das heißt als den „Engel der Versammlung in Laodicäa“, der siebenten und letzten in dem Verzeichnis erwähnten Versammlung. (Offenbarung 3:14, EB) In seinem Kommentar über die Prophezeiung Hesekiels stellte das Buch C. T. Russell so dar, als sei er der vorhergesagte „in Linnen gekleidete Mann, welcher das Schreibzeug an seiner Hüfte hatte“, gewesen. (Hesekiel 9:4-11; 10:1-7) Natürlicherweise verspürten diejenigen, die solche Auslegungen anerkannten, ein Gefühl der Loyalität gegenüber einem auf erstaunliche Weise gebrauchten Diener Jehovas Gottes. Sie empfanden es als verbindlich für sich, sich an ihn als an ein irdisches Werkzeug Gottes, des Höchsten, in der sogenannten „Laodicäischen Periode“ zu halten.

Dann ist das Geheimnis Gottes vollendet

Im Jahre 1927 wurde in der Ausgabe der Zeitschrift Der Wacht-Turm vom 1. April der Hauptartikel „Der Knecht — gut und böse“ veröffentlicht, der sich auf den Leittext aus Matthäus 24:45, 46 (EB) stützte. Treu und mutig wurde erklärt, daß der dort erwähnte „treue und kluge Knecht“ nicht irgendeine Einzelperson sei, sondern eine Klasse, eine dienende Körperschaft, die ganze Versammlung der gerade lebenden treuen geistigen Nachfolger Christi. Es war so wie im Fall der Nation des alten Israel, die als Jehovas Knecht bezeichnet wurde und zu der gesagt wurde: „Ihr seid meine Zeugen, spricht Jehova, und mein Knecht, den ich erwählt habe.“ (Jesaja 43:10) E i n „Knecht“, aber viele „Zeugen“. Ebenso in Matthäus 24:45-47: e i n „Knecht“ (oder Sklave) und viele Einzelglieder, die alle zusammen eine einzige Knechts- oder Sklavenkörperschaft bilden, die mit der Sorge für die Habe oder das Eigentum des Herrn betraut ist. Dies schwächte jede Grundlage für die Bildung einer Sekte um Russell.

Dann ist das Geheimnis Gottes vollendet

Der kluge und der böse Knecht
Matthäus 24,45-51
Drei Gleichnisse über die jetzige Zeit
Die Endzeitrede des Herrn Jesus in Matthäus 24 und 25 gehört zu den Bibelstellen, die immer wieder das Interesse der Bibelleser wecken. Der Anfang der Rede (Mt 24,1-44) bezieht sich auf die Drangsal des jüdischen Überrestes, der Schluß (Mt 25,31-46) hat das Gericht der Nationen auf der Erde zum Gegenstand, der mittlere Abschnitt dagegen, der aus den drei Gleichnissen vom klugen und bösen Knecht, von den klugen und törichten Jungfrauen und von den Talenten besteht, hat eine andere Zielrichtung. Das ist an folgenden Einzelheiten zu erkennen:Es fehlen alle Bezugnahmen auf das jüdische Volk, denen wir im ersten Teil mehrmals begegnen (vgl. Vers 15: „heiliger Ort“; Vers 16: „Judäa“; Vers 20: „Sabbat“; Vers 30: „alle Stämme des Landes“).
Der Herr Jesus nennt sich nicht Sohn des Menschen, sondern Herr und Bräutigam.
Die Zeit, die Er vor sich sieht, ist nicht die Drangsalszeit oder Seine Erscheinung, sondern eine nicht näher bezeichnete Zeitspanne Seiner Abwesenheit.
Seine Belehrungen beschränken sich nicht auf die kommenden Ereignisse, sondern stellen verschiedene Herzenszustände heraus.
Er redet nicht in direkter Weise, sondern in Gleichnissen über diese Zeit und Sein Kommen.
In diesem Abschnitt wendet der Herr sich daher nicht an die jüdischen Jünger, sondern an einen größeren Kreis. Dieser Bereich wird allerdings nur im zweiten Gleichnis erwähnt: „Dann wird das Reich der Himmel zehn Jungfrauen gleich werden …“ Die beiden anderen Gleichnisse sind allgemeiner gehalten und haben diese Einleitung nicht. Das gemeinsame Thema aller drei Gleichnisse ist das Verhalten von Menschen, die bekennen, auf ihren Herrn zu warten.
Der Herr und Sein Haus
Der Herr Jesus beginnt das erste dieser drei Gleichnisse mit der Frage: „Wer ist nun der treue und kluge Knecht, den sein Herr über sein Gesinde gesetzt hat, ihnen die Nahrung zu geben zur rechten Zeit?“ (Vers 45). Niemand anders als Er selbst ist mit diesem Hausherrn gemeint, der einen Knecht über seine gesamte Dienerschaft setzt und ihm die Aufgabe überträgt, während der Zeit seiner Abwesenheit jedem zur rechten Zeit die notwendige Nahrung zu geben.
Diese Frage am Anfang des Gleichnisses ist aufschlußreich. Der Herr hat demnach in der Zeit Seiner Abwesenheit ein Haus auf der Erde, das aus Seiner Dienerschaft besteht. Damit kann in der jetzigen Zeit nicht das Judentum gemeint sein, sondern nur die christliche Haushaltung. Wenn es in Hebräer 3,6 heißt: „.., dessen Haus wir sind …“, dann kommt darin ein ähnlicher Gedanke zum Ausdruck.
Zwar sind nicht nur einige wenige, sondern all die Seinen dazu berufen, Christus als ihrem Herrn zu dienen (Kol 3,24). Hier wird jedoch nur ein einziger Knecht dazu ernannt, den übrigen die Nahrung auszuteilen, und derselbe Knecht empfängt auch bei der Rückkehr seines Herrn den Lohn für seine Treue. Der Herr Jesus betrachtet also den gesamten geistlichen Dienst an den Seinen und alle Seine Diener während Seiner Abwesenheit als eine Einheit. Trotzdem darf und muß jeder Diener des Herrn diesen Auftrag persönlich auf sich beziehen. Außerdem können wir aus diesen Worten entnehmen, daß Er keine lange Zeit der Abwesenheit ankündigt. Wenn nun auch schon fast 2000 Jahre daraus geworden sind, so behalten Seine Worte doch ihre Gültigkeit: „Siehe, ich komme bald, und mein Lohn mit mir, um einem jeden zu vergelten, wie sein Werk ist“ (Off 22,12).
Speise zur rechten Zeit
In der Frage des Herrn: „Wer ist nun der treue und kluge Knecht…?“ kommt auch Sein Suchen nach Dienern zum Ausdruck, die nicht nur fähig, sondern auch willig sind, Seinen Willen zu tun. Er sucht nicht nur begabte Diener, sondern in erster Linie solche, die ihren Dienst in Treue und mit Einsicht erfüllen. Der Apostel Paulus war solch ein treuer und kluger Knecht, der die geistliche Nahrung zur rechten Zeit gab. Er teilte den Ephesern den ganzen Ratschluß Gottes mit, er wies die Kolosser auf Christus, das Haupt, hin, aber er warnte auch die Korinther bei seinen Belehrungen vor fleischlicher Haltung und mußte die Galater sehr ernst zurechtweisen. Über allem stand jedoch die Liebe, die wir in allen seinen Briefen verspüren.
Das richtige Austeilen der geistlichen Nahrung ist die wichtigste Aufgabe in der Haushaltung des Herrn. Diese Nahrung ist das inspirierte Wort Gottes. Es ist die „Milch“ für die „neugeborenen Kinder“ und die „Unmündigen“, aber auch die „feste Speise“ für die „Erwachsenen“ (1 Korinther 3,2; Heb 5,12-14; 1 Petrus 2,2). Es enthält also alles, was der innere Mensch zu seiner Erhaltung und zu seinem Wachstum benötigt, und es ist die Aufgabe des Knechtes, das Wort der Wahrheit recht zu teilen, als ein Arbeiter, der sich nicht zu schämen hat (2 Timotheus 2,15).

Ermunterung und Ermahnung 1998 Seite 76 ff

Wachsame Knechte
Ein wohlhabender Hausherr hatte meist einen Sklaven, der sein Anwesen verwaltete. Diesem hochrangigen Knecht unterstanden die übrigen Sklaven des Haushalts, und wenn der Hausherr verreist war, konnte es vorkommen, dass er seine ihm anvertraute Macht missbrauchte. (Die Großgrundbesitzer und Hausherren waren oft unterwegs, vor allem wenn ihre Güter weit auseinander lagen. In den Geschichten der Antike taucht häufig das Motiv des abwesenden Königs, Großgrundbesitzers oder Ehemanns auf, dessen Abwesenheit zur Versuchung für die Zurückgebliebenen wird.) Manchen Gesetzen zufolge waren Sklaven Personen, nach anderen galten sie als Besitz (in ökonomischer Hinsicht). Die Herren hatten zwar das Recht, ihre Sklaven zu schlagen, doch es lag in ihrem eigenen wirtschaftlichen Interesse, dies nicht zu oft und zu hart zu tun. Ein Sklave, der andere Sklaven misshandelte, misshandelte damit das »Eigentum« seines Herrn, dem das Wohlergehen auch dieser Knechte oft ganz persönlich am Herzen lag. Trunksucht galt als verachtenswertes Laster, vor allem bei Sklaven, die auf Kosten ihres Herrn und ohne sein Wissen tafelten und zechten.

Craig Keener – Kommentar zum Umfeld des Neuen Testaments

Das Gleichnis beginnt mit der Frage: Wer ist der treue und kluge Knecht? Dies Wort vom treuen und klugen Sklaven bezieht sich in ganz besonderer Weise auf die Jünger und dann auf die Glieder der Gemeinde. Das griechische Wort für »klug« heißt »pistos« und bedeutet »zuverlässig, treu«. Das griechische Wort für »verständig« kommt von phronein. Dieses Verbum heißt zunächst »denken« und dann »auf etwas bedacht sein«. Der Sklave, den der Herr als Vorbild hinstellt, ist also ein zuverlässiger Mensch, ein Mensch, auf den man sich unbedingt verlassen kann. Der Sklave ist aber auch ein Mensch, der immer »auf etwas bedacht ist«. Er ist fort und fort bedacht auf das, was dem Herrn recht ist. – Für die Glieder der Gemeinde gilt es, zuverlässig und stets darauf bedacht sein, den Dienst, der einem jeden aufgetragen ist, in der unmittelbaren Verantwortung vor dem Herrn auszuführen. »Glückselig« der Knecht, den der Herr bei seinem Kommen in diesen Eigenschaften antrifft.

Der andere Knecht des Gleichnisses ist ein böser Knecht. Die Abwesenheit seines Herrn und dazu noch die Verzögerung seiner Rückkehr erfüllen das Herz dieses bösen Knechtes mit böser Lust. Diese böse Lust äußert sich einerseits im Schwelgen und Genießen, also in einem ganz bewußten »Ich-Leben«, andererseits auch in einem Leben voller Lieblosigkeit und Rücksichtslosigkeit gegenüber den ihm unterstellten Mitknechten. Je weniger er selbst tut, desto größere Genauigkeit und härtere Arbeit verlangt er von den anderen und verfährt gegen sie grausam mit Schlägen und anderen Schikanen.

Wuppertaler Studienbibel

Die Betonung des dritten Gleichnisses liegt auf der Arbeit. Um sicherzugehen, dass die Gläubigen die vorherige Betonung des Zuschauens nicht missverstehen, indem sie meinen, „nur da zu sitzen und den Himmel anzuschauen“, betont das dritte Gleichnis die Notwendigkeit zu arbeiten, während man wartet. Wenn der Messias wiederkommt, wird es sein, während die Gläubigen mit ihrer Arbeit beschäftigt sind. Der Gläubige wird arbeitend gefunden werden, aber der Ungläubige wird nicht arbeitend gefunden werden. Was dieses „Arbeiten“ mit sich bringt, wird in der Anwendung der Gleichnisse besprochen.

Auch hier bezieht sich das Gleichnis auf Gläubige und Ungläubige und auf die Wiederkunft. Die Formulierung, ein Tag, an dem er es nicht erwartet, bezieht sich auf den Ungläubigen, der die Wiederkunft nicht erwartet. Die nächsten beiden Gleichnisse bieten eine ausführlichere Behandlung des Schwerpunkts der ersten drei Gleichnisse.

Arnold Fruchtenbaum – Die Fußstapfen des Messias : eine Studie über die Abfolge der prophetischen Ereignisse

Was ist, wenn die meisten Ausleger im Recht sind, und jeder von uns, also du und ich, vor der Frage stehen werden, was wir für ein Verwalter waren? Wenn es NICHT eine Gruppe von Menschen insgesamt, sondern jeden von uns betrifft?