lebendige Steine??

Er ist der Stein des Lebens. Die Menschen haben ihn zwar als wertlos beiseite geworfen. Aber vor Gott ist er ein auserlesener Edelstein. 5 Durch ihn werdet auch ihr Leben spendende Steine, die zum Aufbau eines geistigen Hauses Verwendung finden; ihr werdet eine heilige Priesterschaft, die geistige Opfer darbringt, – Opfer, die Gott deswegen so wohlgefällig sind, weil sie in der Gemeinschaft mit Christus Jesus verrichtet werden.
Johannes Greber NT – 1936 – 1 Petr 2,4–5

Zu Ihm hinzutretend, zu einem lebendigen Stein, von Menschen zwar verworfen, bei Gott aber auserwählt, wertvoll, -Ps 118,22; Mt 21,42; Apg 4,11
werdet auch ihr selbst als lebendige Steine auferbaut-Eph 2,21 22- zu einem geistlichen Hause-Hebräer 3,6-, zu einer heiligen Priesterschaft-Jes 61,6; 66,21; V. 9.; Röm 12,1; Hebräer 13,15.16; Phil 4,18.-, darzubringen geistliche, Gott wohlgefällige Opfer-Hos 14,3; Mal 1,11- durch-1 Petr 4,11- Jesum Christum.
Abraham Meister – 1 Petrus 2,4–5

Zu welchem kommend, als zu einem lebendigen Stein, von Menschen zwar verworfen, bei Gott aber auserwählt, kostbar, seid (werdet) auch ihr selbst als lebendige Steine, aufgebaut, ein geistliches Haus, ein heiliges Priestertum, um darzubringen geistliche Schlachtopfer, Gott wohlannehmlich durch Jesum Christum.
Elberfelder 1871 1.Petrus 2,4–5

Kommt zu Christus, dem lebendigen Eckstein im Tempel Gottes. Er wurde von den Menschen zwar verworfen; doch in den Augen Gottes, der ihn erwählt hat, ist er kostbar. Und nun lasst euch von Gott als lebendige Steine in seinen geistlichen Tempel einbauen. Ihr sollt Gottes heilige Priester sein und ihm geistliche Opfer bringen, die er durch eure Gemeinschaft mit Jesus Christus annimmt!
Neues Leben Bibel 2014 – 1.Petrus 2:4–5

Der Schöpfer der Gemeinde, durch den sie entsteht und ihre Einheit hat, ist Jesus. Petrus heißt ihn nach dem Spruch des Psalms, mit dem schon Jesus selbst seine Sendung gedeutet hat, den Eckstein, den die Bauleute als untauglich wegwerfen und den Gott dennoch zum Schöpfer und Herrn seiner ewigen Gemeinde macht. {Psalmen 118,22; Matthäus 21,42} Durch die Bekehrung zu ihm entsteht die Kirche, und durch die Gemeinschaft mit ihm bekommt sie ihre Eintracht und Verbundenheit. Unser Anschluss an ihn macht uns miteinander innerlich eins. Was uns von ihm trennt, scheidet uns von der Kirche, nichts anderes als das, das aber unfehlbar.
So entsteht also durch Jesus ein Haus, dessen viele Teile zu einem Ganzen zusammengefügt sind; es ist ein geistliches Haus, weil der Geist diese Gemeinschaft wirkt und nichts Äußerliches, nicht nur Sitte und Recht, Obrigkeit und Zwang sie stiften. Diese Gemeinschaft beruht vielmehr darauf, dass wir innerlich in Glauben und Liebe miteinander verbunden sind, weil wir alle innerlich mit Christus verbunden sind. Weil dieses Haus durch den Geist aufgerichtet ist, ist es Gottes Haus, von ihm und für ihn gebaut. Das ist nun der echte Tempel; in seiner Aufrichtung offenbart Jesus seine Sendung und bringt er ans Licht, dass er mit Recht den Christusnamen trägt und das vollendet, was in der alten Gemeinde erst begonnen war.
Der alte Tempel war nur ein Zeichen, an dessen Stelle jetzt Gottes bleibendes Werk, die Gemeinde, tritt. Der alte Tempel verhieß die Gegenwart Gottes; in der vom Geist vereinigten Gemeinde offenbart sie sich jetzt.
Jedermann in der Gemeinde dachte, wenn Petrus vom „Stein“ sprach, der die Gemeinde trägt, an den Namen, mit dem Jesus ihm selbst sein herrliches Amt bezeichnet hat. Zum „Petrus,“ zum „Stein“ hat er ihn gemacht, auf den er seine Gemeinde, das Haus Gottes, aufbaut. Petrus aber lenkt den Blick der Kirche nicht auf sein eigenes Amt und Werk, sondern hält ihr vor, dass alles, was er selbst zu vollbringen hat, ganz und gar aus Jesu Werk entstanden ist. Weil Jesus selbst der lebendige Stein ist, mit dem jedes Glied der Gemeinde verbunden wird, darum nannte er den, den er zuerst in seinen Dienst berief, „den Stein“.
Weil am Hause Gottes alles lebendig ist, der Grundstein, der es trägt, und alle Steine, die sich auf ihm zur Mauer erheben, heißt Petrus die, die das lebendige Haus bilden, mit einem neuen Namen auch die Priesterschaft. Die im Christus Verbundenen dienen nicht nur einander und sorgen nicht nur füreinander; sie erheben ihre Augen zuerst zu Gott, geben ihm ihre Liebe, preisen seinen Namen und sagen sein Wort. Das größte Amt und Werk der Christenheit ist die Anbetung Gottes. Durch sie wird auch die ganze Arbeit, mit der die Gemeinde für ihre Glieder sorgt und mit der sie denen dient, die nicht zu ihr gehören, zum Gottesdienst. Wir können ja die Liebe nicht in zwei voneinander geschiedene Hälften zerlegen; indem wir sie Gott geben, tut sie auch für die Menschen die Arbeit, die für sie nötig ist, und indem wir sie den Menschen geben, bringen wir sie Gott dar. Eine heilige Priesterschar wird die Gemeinde Jesu deshalb, weil sie sich ihren Priesterdienst nicht selbst anmaßt und nicht auf ihre eigene Würdigkeit begründet. Das ergäbe das unechte Priestertum, das beseitigt werden muss, weil der Mensch damit sich anmaßt, was Gottes ist. Unser Gottesdienst hat seinen Grund in unserer Berufung, unser Zutritt zu Gott in unserer Annahme durch Gott. Weil Gott uns durch seine Gnade für sich geheiligt hat, darum haben wir das Vermögen zum priesterlichen Werk.
Geistlich sind diese Opfer, weil echte Anbetung Gottes, echte Liebe Gottes, echte Gaben, die Gott dargegeben werden, durch das Wirken des göttlichen Geistes entstehen. Dazu braucht es Glauben, und der Glaube ist das Werk des Geistes. Es braucht dazu das reine Herz, das alle Bosheit abzutun und zu lieben vermag, und das gibt uns der Geist. Darum bestehen auch die Gaben, durch die wir Gott ehren, nicht nur in Stücken unseres Eigentums, sondern, wie wir selbst als lebendige Steine in das Haus Gottes eingefügt sind, so haben wir auch an dem, was wir selbst inwendig sind, das Mittel zu unserem Gottesdienst. Auch dann, wenn unser Opfer nicht nur im Gebet und im Wort besteht, wenn wir auch unsere Kraft, Zeit und Habe im Dienst Gottes einsetzen, muss unser Handeln, soll es ein Opfer sein, geistliche Art haben. Nicht der äußere Wert unserer Gabe oder die Größe unserer Leistung macht sie zum Opfer; Opfer ist, was im Geist geschieht.
Wir bringen das Opfer Gott in der Gewissheit dar, dass es ihm wohlgefällig ist. Wie könnten wir ohne diese Gewissheit beten, danken, dienen? Das ist ja das Ziel, das jedes Opfer sucht; wir begehren, dass Gott es annehme. Die Christenheit kann die Zuversicht, dass das, was sie für Gott tut, sein Wohlgefallen hat, nicht auf sich selbst stellen, sondern nur auf Jesus, den Sohn, der Gottes Wohlgefallen hat. Von dem, was Jesus ihr gibt und in ihr wirkt, weiß sie, dass es dem Willen Gottes entspricht. Sein Versöhnungswerk deckt auch die Flecken an ihrem Gebet und die Mängel an ihrer Liebe und bewirkt, dass sie sich mit froher Zuversicht zu Gott nahen darf, um ihn zu ehren, und dass sie erhört wird und empfängt, was sie mit ihrem Opfer bei Gott sucht.

Schlatter – Erläuterungen zum Neuen Testament

Zu ihm kommend als zu einem lebendigen Stein, von Menschen zwar verworfen, bei Gott aber auserwählt, kostbar, lasst euch auch selbst als lebendige Steine aufbauen, als ein geistliches Haus, ein heiliges Priestertum, um geistliche Schlachtopfer darzubringen, Gott wohlannehmbar durch Jesus Christus! Denn es ist in der Schrift enthalten: Siehe, ich lege in Zion einen auserwählten, kostbaren Eckstein; und wer an ihn glaubt, wird nicht zuschanden werden. Euch nun, die ihr glaubt, bedeutet er die Kostbarkeit; für die Ungläubigen aber gilt: Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, dieser ist zum Eckstein geworden, 8und: ein Stein des Anstoßes und ein Fels des Ärgernisses. Da sie nicht gehorsam sind, stoßen sie sich an dem Wort, wozu sie auch bestimmt worden sind. Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum, eine heilige Nation, ein Volk zum Besitztum, damit ihr die Vollkommenheiten dessen verkündigt, der euch aus der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht berufen hat; die ihr einst nicht ein Volk wart, jetzt aber ein Volk Gottes seid; die ihr nicht Barmherzigkeit empfangen hattet, jetzt aber Barmherzigkeit empfangen habt.
In Vers 4 beginnt die Darlegung mit dem lebendigen Stein. Der Ausdruck zu ihm kommend besagt, dass diese jüdischen Gläubigen zum Messias gekommen sind – dem lebendigen Stein. Das griechische Wort bezeichnet einen »bereiteten Stein« wie die Steine, die für die Errichtung eines Gebäudes gebraucht werden. Jesus ist der messianische Stein aus dem Alten Testament; und er ist ein Stein, der von Menschen verworfen wurde. Das wurde in Psalm 118,22 über ihn vorausgesagt; die Erfüllung trat in Matthäus 21,42-44, Markus 11,10-11, Lukas 20,17-18 und Apostelgeschichte 4,11 ein. Er war auserwählt, ausgesucht von Gott dem Vater; dazu war er kostbar, von hohem Wert.

Im Gegensatz zu dem einen lebendigen Stein (dem Messias) enthält Vers 5a die Mehrzahl als lebendige Steine – eine Bezugnahme auf die Judenchristen. Weil sie Errettung besitzen, sind auch sie lebendige Steine. Sie sind Teilhaber der Lebensart des Messias und Teil eines geistlichen Hauses geworden. Sie sind geistlich, weil sie – als lebendige Steine – vom Heiligen Geist wiedergeboren wurden und zu ihm gehören. Das Haus ist das Israel Gottes (Gal 6,16). Das Israel Gottes besteht nicht aus der Gemeinde, sondern aus den jüdischen Gläubigen. Der Begriff »Israel Gottes« ist ein Äquivalent zum »Überrest Israels«. Ihr [werdet] aufgebaut: Hier handelt es sich um eine gegenwärtig anhaltende Realität, weil sie im Prozess sind, zu einem geistlichen Haus aufgebaut zu werden.

In Vers 5b werden die jüdischen Gläubigen auch als ein heiliges Priestertum identifiziert. Das Wort heilig bedeutet, etwas als zu Gott gehörig »abzusondern«. Das beinhaltet Petrus’ detaillierten Aufruf zur Heiligkeit in Kapitel 1 Verse 14-17. Im Neuen Testament findet man das griechische Wort für Priestertum nur zwei Mal: in diesem Vers und dann nochmals in Vers 9. In der Septuaginta (der griechischen Version des Alten Testaments) findet sich das Wort Priestertum ebenfalls nur zwei Mal: 2 Mose 19,6 und 23,22, wo Israel als königliches Priestertum beschrieben wird. Die Aufgabe des Priestertums ist es, geistliche Schlachtopfer darzubringen, die Gott wohlannehmbar sind. Gott ist das Objekt. Die Schlachtopfer, Gott wohlannehmbar durch Jesus Christus, porträtieren Jesus als den Mittler. Was gehört zu diesen Schlachtopfern, die Gott wohlannehmbar sind? Petrus zählt zwar hier nichts auf, andere Abschnitte tun das aber sehr wohl. Zu den Opfern gehört das lebendige Opfer des Leibes (Röm 12,1-2), Lob (Hebr 13,15), Selbsthingabe (Eph 5,1-2; Phi 2,17), gute Werke (Hebr 13,16); auch materieller Besitz, der für Gottes Werk geopfert oder ihm übergeben wird (Phi 4,18; Hebr 13,16), ist ein solches Opfer. Petrus’ Aussage ist hier, dass nur jüdische Gläubige – nur der Überrest – die ursprüngliche Berufung Israels erfüllt haben: nämlich ein Königreich von Priestern zu sein, wie in 2 Mose 19,6 beschrieben. Der Rest von Israel – der »Nicht-Überrest« – hat versagt. Ausleger, die den Kontext vernachlässigen, gebrauchen oft diesen Vers, wenn sie zu lehren versuchen, das Königreich von Priestern beinhalte die gesamte Kirche (bzw. Gemeinde). Die Lehre von der »Priesterschaft aller Gläubigen« wird jedoch von diesem Vers nicht untermauert. Petrus spricht in diesem Kontext ausdrücklich von jüdischen Gläubigen. Es ist durchaus eine Tatsache, dass alle Gläubigen ein geistliches Priestertum bilden; diese Tatsache basiert jedoch auf Offenbarung 1,6, 5,10 und 20 Vers 6.

Arnold Fruchtenbaum – Die Petrusbriefe

Christlicher Glaube ist zentral Glaube an Jesus Christus. Er ist der, der seine Gemeinde sammelt, baut und erhält. Petrus ist im AT zu Hause. Er nimmt nun das Bild vom »Stein« auf, vom Eckstein, den Gott gesetzt hat, und charakterisiert so Christus (vgl. Ps 118,22; Jes 8,14; 28,16; Dan 2,34). Dieses Bild wird auch im NT vielfach aufgenommen (vgl. Mt 21,42; Apg 4,11; Röm 9,32f.). Jesus selbst gebraucht das Bild aus Psalm 118 für sich und stellt sich als diesen »Stein« Gottes vor. Zu ihm, zu Jesus Christus, dürfen wir Christen »kommen«, immer wieder (das Griechische drückt das in der Zeitform aus). Er ist der »lebendige Stein« – im Sinne von: Er lebt (der Auferstandene) und er macht lebendig. Das Wort Gottes nährt den Glaubenden, und auf den Eckstein Jesus Christus ist ihre Gemeinschaft der Liebe gegründet.

Die folgenden Sätze umreißen die »Erdengeschichte« Jesu Christi. »Von den Menschen verworfen« – das geschah in Jerusalem auf dem Galgenberg. Israel und die Heiden haben diesen Jesus »eingeschätzt«, geprüft und als unbrauchbar, »wertlos« (so das griechische Wort im genauen Sinn umschrieben), weggetan. Sowohl vor dem Hohen Rat als auch vor Pilatus wurde Jesus eingeschätzt und als »wertlos« verurteilt. Dass er der entscheidende Stein ist, Gottes Grundstein für den ganzen Heilsbau, das lässt sich nicht aus der Distanz feststellen. Um das zu erkennen, muss man »kommen«, auf diesen Grund treten. Dann, erst dann, wird man erfahren, dass dieser Grund trägt, im Leben und im Sterben. Christus ist Gottes »auserwählter, kostbarer« Grundstein des Heils. »Auserwählt« bedeutet, dass der Vater schon vor aller Zeit den Christus zum Retter ersehen hat (vgl. 1 Petrus 1,20), und »kostbar« ist entsprechend zu »als wertlos verworfen« gebildet. Gott gibt seinem Sohn alle Ehre und Herrlichkeit (vgl. Phil 2,9-11) und bestätigt damit sein Opfer.

1 Petrus 2,5: »Und auch ihr als lebendige Steine erbaut euch zum geistlichen Hause und zur heiligen Priesterschaft, zu opfern geistliche Opfer, die Gott wohlgefällig sind durch Jesus Christus.«

Wer auf diesen »lebendigen Stein« tritt, der wird eingebaut, wird selbst »wie« ein »lebendiger Stein«. Das »wie« (Luther: »als«) betont den Unterschied zum Grundstein Christus. Er ist der Stein. Wir haben unser neues Leben nur in der Verbindung mit ihm. Die Gemeinde Jesu Christi ist ein Bau. Das meint das Bild: »Erbaut euch zum geistlichen Hause« (griechisch genauer »lasst euch aufbauen«). Das tut Christus durch seinen Heiligen Geist. Er fügt uns ein in das Haus der »lebendigen Steine«, zum »geistlichen Hause«. Dahinter steht das Bild vom Tempel, des Ortes der Gegenwart Gottes. Die erwählte Gemeinde ist der neue Tempel, das geistliche Haus, in dem Jesus gegenwärtig ist (vgl. Mk 14,58; 1 Kor 3,16f.; 2 Kor 6,16; Eph 2,20ff.; 1 Tim 3,15; Heb 3,6; 10,21f.). Der alte Tempel ist abgelöst – hier schimmert auch ein Urteil über Israel durch – und Gottes neuer Tempel erbaut sich in der Gemeinde.

Im Tempel taten die Priester ihren Dienst; im geistlichen Haus, im neuen Tempel, ist die Gemeinde, sind die Glaubenden die »heilige Priesterschaft«. Wer zum Haus der lebendigen Steine gehört, ist nicht einfach dabei, sondern er wird in Dienst genommen. »Heilig« besagt wieder, dass die Glaubenden ganz zu Gott gehören und ganz für ihn leben. Unreines, eigensüchtiges Wesen schließt vom geistlichen Hause aus.

Der Priesterdienst besteht im »Opfern geistlicher Opfer«. »Opfern« heißt wörtlich »hinaufbringen«: Der Priester steigt die Stufen des Altars empor, um sich Gott zu nahen und die Weihegabe zu bringen. Die Glaubenden des Neuen Bundes haben Zugang zum Thron Gottes, zum Allerheiligsten. Welch ein großes Vorrecht! Sie opfern »geistliche Opfer«. Das sind keine Tiere oder dingliche Gaben mehr, sondern meint die persönliche ganze Hingabe des Glaubenden an Gott. Das ist schon im AT vorgebildet in dem Wort: »Gehorsam ist besser als Opfer« (1 Sam 15,22). Inhaltlich kann das die »Hingabe der Leiber« (vgl. Röm 12,1) als Ganzauslieferung bis hin zur Preisgabe des irdischen Lebens für den Herrn sein. Das Lob Gottes, das Zeugnis vor den Menschen, die Mission, die andere Menschen gewinnt, das alles können solche »geistlichen Opfer« sein (vgl. Röm 15,16; Eph 5,2; Phil 4,18; 2 Tim 4,6; Heb 13,15f.; Offb 8,3f.; vgl. auch im AT Ps 40,9ff.; Ps 50,14; 51,16-19; 69,31f.; Ps 107,22; 141,2).

Diese geistlichen Opfer sind keine eigenen Leistungen, mit denen wir Gottes Wohlgefallen verdienen müssten, sondern sie »sind Gott wohlgefällig« (wörtlich: »als gut von Gott angenommen«) »durch Jesus Christus«. Das Wort »durch« ist dabei die entscheidende Bestimmung. Wir könnten ausführlicher dieses »durch, vermittelst, infolge« wiedergeben mit »weil« (also: „… weil Jesus Christus uns zu seinen Nachfolgern gemacht hat und uns so Zugang zum Vater gegeben hat und uns durch seinen Geist zum neuen Leben befähigt hat“).

Gerhardt Maier – Edition C

Ist Jesus Christus für mich der Hauptgrundstein? Oder benötige ich eine Kirche, eine Gemeinde – einen zusätzlichen Hirten, der mir die Richtung weißt??

andere Form der Gebetserhörung

Für dieses flehte ich dreimal zum Herrn, auf daß er von mir abstehen möge. Und er hat zu mir gesagt: Meine Gnade genügt dir, denn meine Kraft wird in Schwachheit vollbracht. (O. vollendet) Daher will ich am allerliebsten mich vielmehr meiner Schwachheiten rühmen, auf daß die Kraft des Christus (O. Christi) über mir wohne. (W. zelte)
Elberfelder 1871 – 2.Kor.12,8–9

Dreimal habe ich zum Herrn gebetet, dass er mich davon befreie. Jedes Mal sagte er: »Meine Gnade ist alles, was du brauchst. Meine Kraft zeigt sich in deiner Schwäche.« Und nun bin ich zufrieden mit meiner Schwäche, damit die Kraft von Christus durch mich wirken kann.
Neues Leben Bibel 2014 – 2.Korinther 12,8–9

Dreimal schon habe ich den Herrn angefleht, mich davon zu befreien. Aber er hat zu mir gesagt: »Meine Gnade ist alles, was du brauchst! Denn gerade wenn du schwach bist, wirkt meine Kraft ganz besonders an dir.« Darum will ich vor allem auf meine Schwachheit stolz sein. Dann nämlich erweist sich die Kraft von Christus an mir.
Hoffnung für Alle – 2.Kor. 12:8–9

Er sagt dann aber immer: „Alles, was du brauchst, ist in meiner Liebe zu dir vorhanden. Ich kann am besten durch Leute wirken, die wissen, dass sie mich brauchen. Da wo Menschen total schwach sind, kann ich meine Kraft am besten voll ausfahren“ Wenn ich also mit irgendwas angebe, dann damit, dass ich nichts gebacken kriege, wenn ich auf mich allein gestellt bin. Denn das bedeutet, dass Jesus mir mit seiner Kraft hilft.
VolxBibel – 2.Korinther 12:9

Eine Frage zum Nachdenken
• Setze ich Gottes Macht in meinem Leben Grenzen, indem ich versuche, meine Schwächen zu verbergen? Wo sollte ich ehrlich sein, um anderen helfen zu können?
Verlass dich auf meine Gnade. Denn gerade wenn du schwach bist, kann sich meine Kraft an dir besonders zeigen.
2 Korinther 12,9

ERF – 40 Tage Leben mit Vision

Gottes höchstes Ziel für Sie ist nicht, Sie bequem, wohlhabend oder glücklich zu machen. Wenn Sie Ihr Vertrauen in ihn gesetzt haben, hat er etwas viel Wundervolleres im Sinn – er plant, Sie dem Ebenbild seines Sohnes gleich zu machen! Er hat an dem Tag begonnen, Sie zu verändern, an dem Sie Ihr Vertrauen in ihn gesetzt haben, und er wird diesen Prozess während Ihres ganzen Lebens fortsetzen. Konflikte sind eines der vielen Werkzeuge, die Gott einsetzen wird, um Ihnen zu helfen, einen Christus-ähnlicheren Charakter zu entwickeln. Zunächst kann er Konflikte benutzen, um Sie an Ihre Schwächen zu erinnern und um Sie zu ermutigen, sich mehr auf ihn zu verlassen (2 Korinther 12,7-10). Je mehr Sie sich auf seine Gnade, Weisheit und Macht verlassen, desto mehr werden Sie den Herrn Jesus nachahmen (Lukas 22,41-44).

Gott kann Konflikte auch dazu benutzen, um sündige Einstellungen und Gewohnheiten in Ihrem Leben zu entlarven. Ein Konflikt ist besonders effektiv, wenn es darum geht, Äußerlichkeiten aufzubrechen und hartnäckigen Stolz, ein bitteres und unversöhnliches Herz oder eine kritische Zunge zu offenbaren. Wenn Sie durch einen Streit in Bedrängnis geraten und diese sündigen Eigenschaften an die Oberfläche gebracht werden, haben Sie die Gelegenheit, ihre Existenz zu erkennen und Gott um Hilfe zu bitten, sie zu überwinden (Psalm 119,67).

Es gehört jedoch mehr dazu, wie Jesus zu sein, als nur Schwächen zu erkennen und Sünden zu bekennen. Um zu wachsen, müssen Sie auch aus seiner Gnade schöpfen und neue Einstellungen und Gewohnheiten einüben.

Ken Sande – Der Friedensstifter – Ein biblischer Leitfaden zum Lösen von persönlichen Konflikten

Christus hat uns nicht verheißen, uns die Bürde des morgigen Tages schon heute tragen zu helfen. Er sprach: “Laß dir an meiner Gnade genügen.” 2 Korinther 12,9. Gleich dem Manna in der Wüste wird alle Morgen seine Gnade neu und reicht für den Bedarf dieses Tages. Wie das Volk Israel bei der Wüstenwanderung, werden wir jeden Morgen das für den Tag benötigte Himmelsbrot finden. Nur ein Tag gehört uns jedesmal zu, und an diesem sollen wir Gott loben. Für diesen einen Tag sollen wir uns in Christi Hände befehlen zu heiligem Dienst, alle unsere Absichten und all unser Vorhaben auf ihn stellen, alle unsere Sorgen auf ihn werfen, sorgt er doch für uns.

Ellen Gould White – Das bessere Leben

Das kennen viele – das unsere Gebete nicht SO erhört werden, wie wir diese erwartet haben? Aber Jehovah sieht die gesamte Geschichte – auch die gesamte Zukunft, und weiß um vieles Besser, als wir, was gerade benötigt wird! Und wie oben gezeigt, kann es sein, dass wir „geistig wachsen sollen“ anstatt in unserer aktuellen Lage zu verharren. Also bete weiterhin! Und nehme das an, was Jehovah dann „sagt“ – und handle!

„Verschwende keine Zeit damit, sich die Frage zu stellen, ob sie ihren Nächsten lieben“

Kinder, laßt uns nicht lieben mit Worten, (W. mit Wort) noch mit der Zunge, sondern in Tat und Wahrheit.
Elberfelder 1871 – 1 Joh 3,18

Meine Kinder, unsere Liebe darf nicht nur aus schönen Worten bestehen. Sie muss sich in Taten zeigen, die der Wahrheit* entsprechen: der Liebe, die Gott uns erwiesen hat.
Gute Nachricht Bibel – 1.Johannes 3,18

 Ihr Kinder, unsere Liebe darf nicht nur aus Worten und Lippenbekenntnissen bestehen. Sie soll sich in Taten zeigen und darin, dass sie der Wahrheit entspricht.
BasisBibel 2012 – 1.Johannes 3:18

Darum, meine Kinder, sag ich euch noch mal: Liebe hat nichts mit dummem Gelaber zu tun. Liebe zeigt sich in Taten und auch dadrin, dass wir uns gegenseitig helfen, so zu leben, wie Gott es okay findet.
VolxBibel – 1 Joh 3,18

In der antiken Literatur tauchen die Begriffe »Wort« und »Tat« häufig gemeinsam auf (z. B. bei Isokrates, Demosthenes, Quintilian , Seneca , Lucian und in der Weisheit Salomos); eine Person, bei der beides übereinstimmte, wurde gepriesen, wer aber nur schöne Worte machte, ohne entsprechend zu handeln, galt als Heuchler.

Craig Keener – Kommentar zum Umfeld des Neuen Testaments

Eindringlich zusammenfassend ruft der Apostel seinen Kindern zu: »Die christliche Liebe besteht nicht in leeren Worten, im bloßen Sprechen davon, sondern im Werk und in der Wahrheit.« Die Werke der Liebe, die Früchte des Geistes, zeichnen den Christen aus. Das macht sein Leben wahr, denn dort ist die tätige Liebe seine Wirklichkeit, in der sie Ausdruck findet. Zum Tun der Liebe gehört ganz sicher auch das helfende, tröstende, aufrichtende, mahnende und aufdeckende Wort. Auch das ist ein Werk. Die »Worte« und Reden, die Johannes hier ablehnt, sind solcherart, dass wir nur reden, aber keine Wirklichkeit dahinter steht (vgl. 1Joh 1,6.9. u. ö.). Die christliche Liebe ist wirkliches, unser Innerstes enthüllendes, den Bruder mit ganzem Einsatz suchendes Tun.

Lieben heißt atmen
»Lasset uns lieben!« Wir haben diese Mahnung dringend nötig. Sonst verkümmern wir und sterben ab. Unsere christlichen Gruppen sind manchmal Kältekammern der Rechtgläubigkeit. So viele Recht -Gläubige erfrieren dabei. »Lasset uns lieben!« Wir wollen unsere Gemeinden wieder zu rechten Wärmestuben der Liebe werden lassen.
Liebe üben – zunächst gegenüber dem Mitbruder Daran wird unser neues Leben mit Christus erkannt. Ein Kind beginnt zu atmen, und damit beginnt es zu leben. Ein Christ beginnt zu lieben, und damit beginnt er geistlich zu leben. Die Liebe, die brüderliche Liebe, nennt Johannes das Lebenskennzeichen neuen Lebens mit Christus. Wer nicht liebt, ist tot! Das ist so umstürzend neu, dass der natürlicbe Mensch auf solche gelebte Liebe mit Ablehnung, ja Hass reagiert. Er wird nämlich dadurch in seinem Totsein entlarvt, sein ganzes »Leben« wird als Scheinleben, als Kreisen um sich selbst, aufgedeckt. Damit ist er selbst aufs Tiefste in Frage gestellt. Und das kann und will er nicht zulassen und aushalten – deshalb hasst er den, der wirklich lebt, weil er liebt.

b) Lieben heißt sich geben
»Lasset uns lieben« – das können wir nicht aus uns heraus. Ein Kind kann sich nicht selbst das Leben geben. Wir werden und sind zur Liebe entzündet. Zu echter Liebe, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Er hat sein Leben am Kreuz für uns gegeben. Das Kreuz Jesu Christi ist Echtheitszeichen der Liebe Gottes. Liebe ist viel mehr als Gefühl. Willst du wissen, was Liebe ist? Dann schau mit auf diesen Hinrichtungsplatz vor der Stadtmauer Jerusalems. Schau hin auf den aufgestellten Kreuzesgalgen. Und sieh, wie dort einer sein Leben aushaucht. Blutig geschlagen, gefoltert, verlacht und verspottet – das ist Gottes Liebe. Hier und nur hier wird sie in ihrem Innersten sichtbar: Liebe ist Lebenshingabe für den andern.

c) Lieben heißt teilen
»Lasset uns lieben«, denn wer im Hass lebt, ist ein »Totschläger«. Wo nicht die Liebe herrscht, da ist Hass. Auch Hass ist viel mehr als nur Gefühl. Hass meint die Lebenshaltung, die dem andern das Leben abspricht, die immer »auf Kosten« des anderen nur den eigenen Vorteil erstrebt und vollzieht. Hass geht über »Leichen«, Leichen zerbrochener Hoffnungen – ich habe den anderen nur bemüht, solange er mir nützlich oder dienlich war, und dann weggeworfen. Das ist Totschlag. Wie viele »gebrochene Herzen«, ausgenutzte Hoffnungen, enttäuschte Erwartungen, zurückgestoßene Liebe säumen deinen Weg?

»Lasset uns lieben!« Liebe ist mehr als nur Gefühl, mehr als nur Worte. Liebe wird zur Tat. Johannes nennt eine ganz schlichte Tat der Liebe: die Güter dieser Welt, die ich habe, mit dem Bruder zu teilen. Das ist heute hochaktuell. Können wir teilen? Oder leben wir bestenfalls in der Almosenmentalität? Teilen heißt opfern, verzichten, fasten, sich einschränken für den andern – das ist gelebte Liebe mit der Tat. Liebe mit der Wahrheit – das ist Leben aus der Gottesliebe in der neuen Wirklichkeit der Gotteskindschaft.

Edition C

Wenn Sie wirklich mit jemandem versöhnt sein wollen, wenden Sie das Ersatzprinzip auch auf Ihr Handeln an (1 Johannes 3,18). Wie C. S. Lewis bemerkte: „Verschwenden Sie keine Zeit damit, sich zu fragen, ob Sie Ihren Nächsten ‚lieben‘; handeln Sie so, als ob Sie es täten. Sobald wir dies tun, finden wir eines der großen Geheimnisse. Wenn du dich so verhältst, als würdest du jemanden lieben, wirst du ihn augenblicklich auch lieben.
Als ich den Kommentar von Lewis zum ersten Mal las, dachte ich, er sei ziemlich naiv. Aber dann erlebte ich genau das, was er beschrieb. Corlette und ich hatten uns über irgendeine Kleinigkeit gestritten, und ich hatte ihr nicht wirklich verziehen. Meine Unzufriedenheit wurde noch verstärkt durch ihre Bitte, ich solle zum Lebensmittelgeschäft laufen, um „ein paar Kleinigkeiten zu besorgen.“ (Wie Sie sich denken können, mag ich es nicht, Lebensmittel einzukaufen.) Als ich zähneknirschend meinen Wagen durch den Gang schob, bemerkte ich einen speziellen Kaffee, den Corlette so gerne trinkt. Wenn sie heute nicht so unfreundlich zu mir gewesen wäre, hätte ich sie damit überrascht. Noch während ich diese Worte dachte, wollte ein anderer Teil von mir ihr den Kaffee holen. Ich rang ein paar Augenblicke mit widersprüchlichen Gefühlen und entschied mich dann, die Dose in die Hand zu nehmen, nur um den Preis zu prüfen, sagte ich mir. In dem Moment, in dem ich sie anfasste, begannen sich meine Gefühle zu verändern. Mein Groll schmolz bald dahin, und ich war überwältigt von der Liebe zu meiner Frau und dem Wunsch, ihr Gesicht strahlen zu sehen, als ich ihr dieses Geschenk überreichte. Unnötig zu sagen, dass wir uns kurz nach meiner Rückkehr nach Hause vollständig versöhnt hatten.

Ken Sande – Der Friedensstifter – Ein biblischer Leitfaden zum Lösen von persönlichen Konflikten

Von diesem realen Beispiel her erwächst die allgemeine Mahnung am Schluss unseres Abschnittes: „Kindlein, wir wollen nicht mit Worten und nicht mit der Zunge lieben, sondern in Werk und Wahrheit.“ Vom Beginn des Briefes an hat Johannes auf jene große Gefahr geachtet, die Israel verdarb und auch bei uns das Verderben herbeiführen kann. „Dies Volk ehrt mich mit seinen Lippen“, so klagte Gott über Israel (Jes 29,13). Auch unser Christsein kann sich leicht in Worten und in der Bewegung unserer Zunge erschöpfen. Aber unsere Wirklichkeit widerspricht mehr oder weniger kraß dem, was unsere Zunge sagte. So lasen wir in 1.Joh 1,6.8.10; 2,4.9 jenes „Wenn wir sagen…“ oder „Wer behauptet…“, das zur „Lüge“ eines leeren Wortes wird. Und jenes Leichtnehmen und Verharmlosen der Sünde, gegen das sich der scharfe Abschnitt 3,4-10 richtete, ist ja ebenfalls ein Inanspruchnehmen des Christenstandes und der Zugehörigkeit zu Gott und zu Jesus mit dem Munde, das von dem faktischen Leben in Sünde ohne Buße und Reinigung widerlegt wird. So kann unter den Christen auch viel von „Liebe“ geredet und geschwärmt werden, aber das faktische Leben bleibt von dem natürlichen Selbsterhaltungstrieb bestimmt. So „liebt“ man nur „mit Worten und mit der Zunge“. Das ist eine elende und verlogene Sache. Nein, „lieben“ kann man nur „in Werk und Wahrheit“, wobei auch hier wieder „Wahrheit“ die ganze Wirklichkeit meint. Sicher, die Liebe beginnt verborgen im Herzen. Aber dann tritt sie hervor und „setzt die Seele ein“ „in Werk und Wahrheit“.

Wuppertaler Studienbibel

nicht nur nicht verleumden!

Du sollst nicht herumlaufen und Verleumdungen in deinem Volk verbreiten. Tritt nicht gegen das Leben deines Mitmenschen auf. Ich bin Jehova.
neue Welt Übersetzung – 2018 – Levitikus 19,16

Erzähle keinen Schwachsinn über Leute, die du kennst, und läster nicht rum. Ihr sollt auch nicht Menschen, die eurer Karriere im Weg stehen, mobben oder mit linken Mitteln aus dem Weg räumen. Ich bin Gott!
VolxBibel – 3.Mose 19:16

Verbreitet keine Verleumdungen über eure Mitmenschen. Sucht niemand dadurch aus dem Weg zu schaffen, dass ihr vor Gericht falsche Anschuldigungen gegen ihn vorbringt. Ich bin der HERR!
Gute Nachricht Bibel 2000 – 3.Mose 19,16

In einer religiösen Zeitschrift steht aktuell:

Die Formulierung „auftreten gegen“ gibt den hebräischen Wortlaut gut wieder. Aber was bedeutet sie? In einem jüdischen Kommentar zum Bibelbuch 3. Mose heißt es: „Dieser Teil des Verses ist schwer zu interpretieren, weil es Probleme bereitet, den Sinn der hebräischen Wendung zu bestimmen, die wörtlich bedeutet: ‚Stehe nicht über, bei, nahe.‘“

Sehen wir uns den Anfang dieses Verses etwas näher an. Gott fordert sein Volk hier auf, nicht herumzulaufen und Verleumdungen zu verbreiten. Vergessen wir dabei nicht, dass Verleumdung mehr ist als leeres Gerede, obwohl auch Gerede Probleme verursachen kann (Spr. 10:19; Pred. 10:12-14; 1. Tim. 5:11-15; Jak. 3:6). Ein Verleumder sagt etwas, das darauf abzielt, den Ruf eines anderen zu schädigen. Das könnte eine Falschaussage sein, die sogar das Leben eines anderen gefährdet. Erinnern wir uns an die Männer, die verleumderisch gegen Naboth aussagten, worauf er zu Unrecht gesteinigt wurde (1. Kö. 21:8-13). Ein Verleumder konnte also gegen das Leben seines Mitmenschen auftreten, wie es in 3. Mose 19:16 heißt.
Verleumdung kann außerdem ein Ausdruck von Hass sein. In 1. Johannes 3:15 steht: „Jeder, der seinen Bruder hasst, ist ein Mörder, und ihr wisst, dass kein Mörder ewiges Leben in sich trägt.“ Interessanterweise folgt auf Vers 16 die Aussage: „Du sollst deinen Bruder in deinem Herzen nicht hassen“ (3. Mo. 19:17).
In der ungewöhnlichen Formulierung aus 3. Mose 19:16 steckt somit eine deutliche Warnung für Christen. Wir müssen dagegen ankämpfen, schlecht über andere zu denken und sie zu verleumden. Einfach gesagt: Wenn wir „gegen jemanden auftreten“, ihn also aus Abneigung oder Neid verleumden, kann das ein Ausdruck von Hass sein oder zu Hass führen. Das kommt für Christen nicht infrage (Mat. 12:36, 37).

WT Dezember 2021 – Seite 14

Nun könnte man nicht weiter von der Wahrheit entfernt sein, als die obrige Erklärung! Denn die Aussage, dass man nicht verleumden soll, steht ja schon im ersten Teil des Verses – dann könnte Mose bzw Jehovah sich den zweiten Teil ja schenken!

Der Ruf einer Person konnte auch durch „verleumderischen Klatsch“ (19:16) gestohlen werden, indem man im Ausland verbreitete, was man im Vertrauen anvertraut hatte (Spr 11:13; 20:19). Die Reisemöglichkeiten wurden eingeschränkt, als das Volk sich im Land niederließ, und das ganze Volk zog als Gruppe durch die Wüste, so dass der soziale Kreis einer Person sehr klein war. Wenn man solchen Klatsch an irgendjemanden weitergeben würde, würde er sich wahrscheinlich bald in der ganzen Gruppe verbreiten und den Ruf der ganzen Gemeinschaft ruinieren.

Die zweite Einschränkung (siehe Anmerkung zu 19:16″Nicht tatenlos zusehen“) betrifft verleumderischen Klatsch, der dazu führte, dass falsche Anklagen erhoben und bewiesen wurden, so dass das Leben des Angeklagten in Gefahr war. Wenn das so war, konnte man nicht tatenlos zusehen, wie dieser Fehltritt geschah (Milgrom 2000:1645). Böswilliges oder lockeres Gerede hätte jemanden seines Lebens berauben können.

Baker – Eckstein Biblischer Kommentar – Leviticus, Numeri, Deuteronomium

und „Du sollst kein falsches Zeugnis gegen deinen Nächsten ablegen“ (2 Mose 20,16) bedeutet, dass wir seinen Namen und seinen Ruf respektieren und nicht versuchen, seinen guten Namen zu töten oder ihn seiner gebührenden Achtung zu berauben.
….

Im ersten dieser Verse wird uns verboten, Schwätzer zu sein. Das Wort bedeutet Verleumder; es bezieht sich auf falsches und böswilliges Gerede. Die zweite Hälfte dieses Gesetzes steht in engem Zusammenhang mit der ersten: „Du sollst nicht gegen das Blut deines Nächsten stehen.“ „Sich gegen sein Blut stellen“ bedeutet, sich gegen sein Leben zu stellen. Indem wir seinen Namen schädigen, sowohl vor Gericht als auch im lokalen Klatsch, schädigen wir sein Leben, d.h. wir stellen uns gegen sein Blut. Spätere rabbinische Lehren besagten, dass Verleumdung drei Menschen tötet: denjenigen, der verleumdet wird, denjenigen, der verleumdet, und denjenigen, der die Verleumdung hört. 1 Wie Knight feststellte, ist Verleumdung „eine Form des Unrechts“.2 Ohne den Vorteil eines Prozesses dient jede Verleumdung dazu, ein falsches oder ungerechtes Urteil über eine Person zu fällen und lässt ihr nur einen negativen Regress. Verleumdungsklagen sind schwer zu gewinnen und richten oft genauso viel Schaden an wie die Verleumdung selbst. Sie sind außerdem sehr kostspielig. Eine Verleumdung ist also ein Angriff auf das Blut oder das Leben eines Menschen.

Es ist erwähnenswert, dass die Rabbiner der Ansicht waren, dass dieses Gesetz verletzt wurde, wenn in einem Prozess ein Mann als Zeuge für die Verteidigung auftreten konnte und dies nicht tat; er war dann selbst schuldig. Jeder, der in irgendeinem Zusammenhang ein passiver Beobachter des Bösen blieb, war des Bösen schuldig (Sandhedrin 73a). 3 Gott verurteilt Passivität ganz klar als böse und als Mittäterschaft am Verbrechen. Alle solchen Menschen werden als böse bezeichnet. In Psalm 50:16-22 wird uns gesagt:

Rousas John Rushdony – Kommentare zum Pentateuch – Levitikus
16. Aber zu den Gottlosen spricht Gott: Was hast du zu tun, daß du meine Satzungen verkündest oder meinen Bund in deinen Mund nimmst?
17. Denn du haßt die Lehre und wirfst meine Worte hinter dich.
18. Wenn du einen Dieb gesehen hast, so hast du mit ihm eingewilligt und bist mit den Ehebrechern teilhaftig geworden.
19. Du gibst deinen Mund zum Bösen, und deine Zunge fabuliert Betrug.
20. Du sitzt und redest wider deinen Bruder; du verleumdest den Sohn deines eigenen Bruders.
21. Solches hast du getan, und ich habe geschwiegen; du dachtest, ich wäre ganz so wie du; aber ich will dich zurechtweisen und vor deinen Augen zurechtweisen.
22. Ihr aber, die ihr Gott vergeßt, bedenket das, daß ich euch nicht zerreiße und niemand da ist, der euch errettet.

Die Gottlosen sind Zuschauer, die nichts tun, wenn Verbrechen begangen werden. Gott klagt sie an für ihre Passivität, wo Verbrechen begangen werden, und für ihre Aktivität bei Verleumdungen. Sie sehen zu und sehen Diebstahl und Ehebruch und tun nichts, aber sie geben ihren Mund zu Bösem und Betrug. Solche Menschen sind Bundesbrecher und haben keinen Sinn für Gemeinschaft; sie werden ihre eigenen Verwandten verleumden.
Das Wort „Schwätzer“ kommt von einem Wort, das Hausierer bedeutet. Der Schwätzer ist ein Hausierer von Verleumdungen. In 1 Petrus 4,15 heißt es: „Aber keiner von euch soll leiden wie ein Mörder oder wie ein Dieb oder wie ein Übeltäter oder wie ein Wichtigtuer in anderer Leute Angelegenheiten.“ Der Verleumder ist in der Regel ein Wichtigtuer.
Zweimal in diesen drei Versen und vierzehnmal in diesem Kapitel erklärt Gott: „Ich bin der HERR.“ Weil er heilig ist, muss das Bundesvolk heilig sein, und die Heiligkeit manifestiert sich in den Aktivitäten und Beziehungen des täglichen Lebens. Wenn wir das nicht erkennen, führt das zu falschen Lehren über Heiligkeit.

Rousas John Rushdony – Kommentare zum Pentateuch – Levitikus

Dieses Wegschauen, dieses „nicht einmischen“, dieses stille dulden! das ist, was der zweite Teil des Verses verurteilt! Und kennt das nicht jeder, der falsch angeklagt wurde? Da wird dann halt „nur für dich gebetet“ – anstatt AKTIV gegen Unrecht einzuschreiten! Da schaut man einfach weg! Da versteckt man sich hinter „3 Zeugen Regel“ oder ähnlichen Quatsch, um ja nicht selbst in Schwierigkeiten zu geraten. Aber Jehovah läßt den Satz ja beenden – mit „seiner Unterschrift“! ER wird diese Menschen, die einfach wegschauen, nicht ungestraft davon kommen lassen! Und erst Recht nicht diejenigen, die diesen Vers so falsch auslegen, und damit indirekt zum „wegschauen“ auffordern.

Wer hat letztendlich die Autorität?

und ihr seid vollendet (O. erfüllt, zur Fülle gebracht (vergl. v 9)) in ihm, welcher das Haupt jedes Fürstentums und jeder Gewalt ist;
Elberfelder 1871 – Kol 2,10

und ihr seid ‹vollständig und› erfüllt in ihm, der das Haupt ist alles Erstrangigen und [aller] Autorität,
Jantzen Jettel 2017 – Kolosser 2,10

 Und ihr habt die Fülle in der Lebensgemeinschaft mit ihm, der das Haupt jeglicher Herrschaft und Gewalt ist-  gemeint sind die Ordnungen der Engelwelt, deren Haupt Christus ist. 
Ludwig Albrecht – Kolosser 2:10

und ihr seid in ihm (durch ihn) Erfüllte, der das (Ober)Haupt jeder [himmlischen] Obrigkeit und Macht ist.
offene Bibel – Kol 2,10

πε-πληρωμένοι Pf. Ptz. Pass. πληρόω, umschrieb. Pf. (A249) ihr besitzt die Fülle (d. h. [in ihm] seid ihr das, was ihr nach Gottes Willen sein sollt [EWNT 3, Sp. 261]). κεφαλή m. Gen.: er ist das Haupt über (vgl. A165). ἀρχή hier Herrschaft, Macht.

Neuer Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament

Christus ist als der verherrlichte Mensch auch das Haupt über alles. In Kolosser 2,10 heisst es, dass Er das Haupt über jedes Fürstentum und jede Gewalt ist. Das ist Er heute schon, obwohl noch nicht sichtbar (Heb 2,8.9). In der Zukunft – in der Zeit des Tausendjährigen Reiches – wird dies für alle Menschen sichtbar sein. Dann wird Jesus Christus als Herr der Herren und König der Könige seine Autorität ausüben. Es wird eine wunderbare Segenszeit für die Erde, ja, für die gesamte Schöpfung sein. Dann wird das, was Gott sich für die Verwaltung der Fülle der Zeiten (für die Zeit des Tausendjährigen Reiches) vorgesetzt hat, in Erfüllung gehen. Er wird alles unter ein Haupt zusammenbringen. Dieses Haupt ist Christus (Eph 1,9.10).

Halte fest 2010

In Epheser 4,8 las Paulus Psalm 68,18 als Beschreibung der Überwindung des übernatürlichen Bösen (Baschan), was wiederum zum Kommen des Geistes und den anschließenden Gaben für den Leib Christi führte. Das Kommen des Geistes war natürlich an den Tod, die Auferstehung und die Himmelfahrt Christi in die Position der Herrschaft, zur Rechten des Vaters, gebunden. Paulus verbindet das vollendete Werk Christi und den Sieg über die bösen Geister – in diesem Fall die feindlichen Götter, die die Nationen versklaven („Herrscher und Mächte“) – noch deutlicher in Kolosser 2,8-15:
„Seht zu, dass euch niemand gefangen nehme durch Philosophie und leeren Betrug, nach menschlicher Überlieferung, nach den Elementargeistern der Welt, und nicht nach Christus. Denn in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig, und ihr seid in ihm erfüllt worden, der das Haupt aller Herrschaft und Macht ist. In ihm seid ihr auch beschnitten worden mit einer Beschneidung ohne Hände, indem ihr den Leib des Fleisches abgetan habt, durch die Beschneidung Christi, nachdem ihr mit ihm begraben worden seid in der Taufe, in welcher ihr auch mit ihm auferweckt worden seid durch den Glauben an das mächtige Wirken Gottes, der ihn von den Toten auferweckt hat. Euch aber, die ihr tot wart in euren Übertretungen und in der Unbeschnittenheit eures Fleisches, hat Gott zusammen mit ihm lebendig gemacht, indem er uns alle unsere Übertretungen vergeben hat, indem er das Schuldbuch, das gegen uns stand, mit seinen gesetzlichen Forderungen aufgehoben hat. Dieses hat er beiseite gelegt und ans Kreuz genagelt. Er hat die Mächtigen und Gewalten entwaffnet und sie zu offener Schande gebracht, indem er in ihm über sie triumphiert hat.“

In Vers 15 werden die kosmischen Mächte, die „Machthaber [archē] und Gewalten [exousia]“, entwaffnet und zu Schanden gemacht. Das Lemma archē wird im Neuen Testament für göttliche Wesen verwendet (Röm 8,38; 1 Kor 15,24; Eph 1,21; 3,10; 6,12), auch schon früher im selben Brief (Kol 1,16). Das Gleiche gilt für das Lemma exousia (Kol 1,13; Eph 2,2). Paulus schreibt an eine nichtjüdische Gemeinde und hat eindeutig Nichtjuden im Blick, wenn er seine Zuhörer als „tot in euren Übertretungen und in der Unbeschnittenheit eures Fleisches“ beschreibt (V. 13). Juden teilen natürlich das Problem, wegen der Sünde von Gott entfremdet zu sein. Paulus macht das mit Ausdrücken wie „unsere Übertretungen“ und „gegen uns“ deutlich und schließt sich selbst als Jude sowohl in das Problem als auch in das Wunder der Vergebung ein. Aber Israel hatte keine übernatürlichen „Herrscher und Gewalten“, die es zu entwaffnen galt. Das taten die Nationen, gemäß der Weltanschauung von Deuteronomium 32.

Hier werden von Paulus zwei Höhepunkte vermerkt. Erstens wurde „das Schuldbuch, das gegen uns stand“ (Juden und Nichtjuden), ausgelöscht oder „beiseite gelegt“ (V. 14). Zweitens wurden die „Herrscher und Mächte“ „entwaffnet“ und „zu offener Schande gebracht“ (V. 15). Die Auferstehung (V. 12) war die Ursache für beides, denn wenn es keine Auferstehung gäbe, würde die Schuld gegen uns immer noch bestehen und wir würden nicht „zusammen mit ihm lebendig gemacht“ werden.

Gelehrte sind über die Wortwahl in V. 15 („entwaffnet“; Lemma: apekduomai) verwirrt worden. Es findet sich nur hier und in Kolosser 3,9 („das alte Selbst ablegen, entfernen, ausziehen“). Es ist offensichtlich, dass der Begriff nicht auf die Vernichtung der Herrscher und Mächte hinweist, da Paulus an anderer Stelle die Mächte der Finsternis aktiv gegen die Gläubigen vorgehen lässt (z. B. Eph 6,12). Gelehrte finden die Idee des Entfernens oder Abstreifens (von etwas) umständlich, und das ist es auch – wenn man nicht den Rahmen von Deuteronomium 32 als Bezugspunkt hat.

Paulus verwendet dasselbe Verb in Kolosser 3,9-10, wenn er die Kolosser daran erinnert, dass sie „das alte Selbst mit seinen Gewohnheiten abgelegt und das neue Selbst angezogen haben.“ Das „Ablegen“ und „Anziehen“ spricht von der Abkehr von der alten Lebensweise zu etwas Neuem. Das verwandte Substantiv (apekdysis)25 kommt nur einmal im Neuen Testament vor, und zwar genau in diesem Abschnitt (Kol 2,11): „In ihm seid auch ihr beschnitten worden mit einer Beschneidung ohne Hände, indem ihr den Leib des Fleisches abgelegt habt [apekdysis], durch die Beschneidung Christi.“ Im Zusammenhang betrachtet, ist „den Leib des Fleisches ablegen“ begrifflich verwandt mit „das alte Selbst ablegen“. In ähnlicher Sprache sagt Paulus den Gläubigen an anderer Stelle, dass sie eines Tages „das Unvergängliche anziehen“ werden (1 Kor 15,53). Die vertraute paulinische binäre Opposition von Fleisch und Geist macht deutlich, dass seine Formulierung „offenkundig metaphorisch für geistliche Zustände“ ist.

Michael S. Heiser – Dämonen – Was die Bibel wirklich über die Mächte der Finsternis sagt

Also haben wir Angst vor Menschen? Oder vor Dämonen und Satan? NEIN!
Warum nicht? Nun: Jesus Christus ist das Haupt – niemand kann etwas tun, wenn ER nicht die Erlaubnis dafür gibt! Schon als Jesus auf der Erde war, gehorchten IHM die Dämonen, ja sogar Wind und Wellen! Wie werden diese wohl heute – wo ER wieder im Himmel sitzt, auf sein Wort reagieren?? Eben! Deshalb – keine Angst, keine Furcht! Wir dienen der obersten Autorität!

„Die gehören im Grunde genauso wenig wie ich in diese Welt ohne dich.“

Ich bitte nicht, daß du sie aus der Welt wegnehmest, sondern daß du sie bewahrest vor dem Bösen. Sie sind nicht von der Welt, gleichwie ich nicht von der Welt bin.
Elberfelder 1871 – Joh 17,15–16

Trotzdem bitte ich dich nicht, sie jetzt von hier wegzuholen. Aber pass bitte auf sie auf und beschütze sie vor der Macht, die das Böse hat. Die gehören im Grunde genauso wenig wie ich in diese Welt ohne dich.
VolxBibel – Johannes 17,15–16

Nicht frage und bitte ich, auf dass Du sie nehmest aus der Welt, sondern auf dass Du sie fest im Auge behaltest außerhalb des Argen. Aus der Welt sind sie nicht, demgemäss wie ich nicht aus der Welt bin.
Pfleiderer Übersetzung – Johannes 17:15–16

Von den Gläubigen wird erwartet, dass sie sich an dem beteiligen, was das Judentum tikkun-ha˓olam nennt, die Welt zu verbessern. Tikkun-ha˓olam ist tief in der jüdischen Ethik verankert; aus diesem Grund sind auch säkulare Juden in der Regel mit der Verbesserung der Gesellschaft beschäftigt. Wer an Jeschua, den Messias, glaubt, soll sich nicht absondern (1. Kor. 5,10), sondern wie Sauerteig wirken, der den Teig der Welt aufgehen lässt (Lk. 13,21), sich um Witwen und Waisen kümmern und dabei unbefleckt bleiben von der Teilhabe an den Sünden der Welt (Jak. 1,27), sich nicht vom Bösen überwältigen lassen, sondern es mit Gutem besiegen (Röm. 12,21).

Jewish New Testament Commentary : ein Begleitband zum Jüdischen Neuen Testament

Jh 17,15 ἵνα (beide) hier dass (A328; bez. das Erbetene). ἄρῃς Aor. Konj. αἴρω. τηρήσῃς Aor. Konj. τηρέω; τηρέω ἐκ (unklass., statt ἀπό [BDR § 1492]) bewahren vor (B ἐκ 1d). τοῦ πονηροῦ wohl Mask. der Böse (d. h. der Teufel; B πονηρός 2b), evtl. Ntr. das Böse.

Neuer Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament

Joh 17:13-19 : Im A.T. und in der jüdischen Überlieferung spielten Israels Absonderung von der Welt und der Hass, den die Welt dem Gottesvolk entgegenbrachte, eine große Rolle. Gott hatte Israel für sich selbst als heiliges Volk »geheiligt« oder »abgesondert«, vor allem, indem er ihm seine Gebote gab (z. B. 3.Mose 11,44-45 ). (Diese Heiligung durch die Gebote feiern die Juden noch heute in dem Segen, der beim Anzünden der Sabbatkerzen gesprochen wird.)
Wenn Gott sein Volk geheiligt oder unter den Völkern abgesondert hatte, indem er ihm sein Gesetz gab, wie viel mehr sind dann die Anhänger Jesu geheiligt durch sein Kommen als das Fleisch gewordene Gesetz (s. die Ausführungen zu 1,8-18 ). Jesus behandelt seine Jünger hier als den wahren, gläubigen Rest Israels, d. h. die gerettete Bundesgemeinschaft innerhalb des Volkes. (Im A.T. hielt in jeder Generation stets nur ein Teil der Bevölkerung Israels die Gebote Gottes; in manchen Zeiten, so z.B. unter Josua und David, war der »Rest« groß, in anderen, etwa in der Generation von Mose oder Elia, war er klein.) Andere jüdische Gruppierungen wie die Essener , die wahrscheinlich die Schriftrollen vom Toten Meer verfasst haben, waren ebenfalls der Ansicht, dass ihr Volk abgefallen sei, und hielten sich für den gläubigen Rest. Das gleiche Thema findet sich bei den alttestamentlichen Propheten (vgl. Jes 10,20-22; Joel 3,5; Amos 9,8-12 ).

Craig Keener – Kommentar zum Umfeld des Neuen Testaments

o – schon damals war jede Gruppe „der gläubige Rest“ – so wie heute die „Klasse des Überrestes“ ?!?

Was ist die Situation der Jünger? Sie ist eine doppelte. Auf der einen Seite sind sie beschenkt: »Ich habe ihnen dein Wort gegeben.« Das hat Jesus auch in V. 8 gesagt . Aber gerade das Wort Gottes, das sie angenommen haben, scheidet sie von der ungläubigen Welt. Darauf weist Jesus auch nach den Synoptikern hin (vgl. Mt 10,34ff.par).

Auf der anderen Seite sind sie gehasst: »Aber die Welt hat sie gehasst.« Die Welt liebt, wie Jesus in den Abschiedsreden ausführte (Joh 15,18ff.), das Ihre, und nur das Ihre. Deshalb hasst sie die Jünger, »denn sie sind nicht von der Welt«. Sie leben zwar in ihr. Aber sie lassen sich nicht von ihr bestimmen. Vielmehr werden sie vom Vater bestimmt, »so wie auch« Jesus. Jünger und Meister sind hierin gleich (Joh 15,18ff.). Wieder treffen wir bei den Synoptikern denselben Gedanken (vgl. Mt 10,17ff.parr; Mt 24,9ff.).

Welche Bitte spricht Jesus in dieser Lage aus? Er bittet nicht um Ermäßigung der Gebote oder der verbindlichen Nachfolge, damit sich die Jünger an die Welt anpassen können. Er bittet auch nicht um ihre Entfernung aus der Welt: »Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt wegnimmst« (V. 15). Dieses »Wegnehmen« könnte ein geschätztes Getto, vielleicht sogar eine Entrückung sein. Jesu Bitte ist für uns viel schwerer: »sondern dass du sie vor dem Bösen bewahrst«.

Was heißt das? Die Anlehnung an das Vaterunser (Mt 6,13 par) ist unübersehbar! Jedoch steht im Vordergrund von Joh 17,15 nicht »der« Böse (= Teufel), sondern »das Böse«. Darauf lässt der Zusammenhang schließen. Allerdings ist klar, dass der, der »das« Böse tut, am Ende auch »dem« Bösen (= dem Teufel) verfällt. Jetzt verstehen wir die Bitte Jesu. Die Jünger sollen bewusst in der Welt bleiben. Dort, wo Jesus als Zeuge wirkte, sollen auch sie als Zeugen wirken (Joh 20,21). Denn gerade die böse Welt braucht ihr Zeugnis, damit sich noch viele bekehren (Joh 20,23). Aber wenn dieses Zeugnis wirken soll, darf »das Salz nicht salzlos werden« (vgl. Mt 5,13ff.). Es ist die große Gefahr, dass die Jünger vom Bösen angesteckt werden. Sie sind ja Fleisch und Blut! Deshalb die Bitte an den Vater: »dass du sie vor dem Bösen bewahrst«.

Damit hat Jesus eine grundsätzliche Aussage gemacht. Von jetzt an durchzieht die Spannung »in der Welt – aber nicht von der Welt« die ganze Kirchengeschichte. Die häufige Redensart »solidarisch mit der Welt« übersieht, dass die Gemeinde gehasst wird und sich keineswegs dem Bösen öffnen darf. Würde Gott uns »aus der Welt nehmen«, dann wären mit einem Schlag alle Spannungen beseitigt. Jetzt aber gilt es, unangepasst, eindeutig, entschieden ein Jünger Jesu zu sein, und zugleich in Anbetung, Mission und Diakonie Frucht zu schaffen. Dabei vertrauen wir mit den Aposteln (2 Thess 3,3; 1 Joh 5,18) darauf, dass uns der Vater tatsächlich bewahrt.

V. 16 unterstreicht noch einmal das Anderssein der Junger, um die Notwendigkeit der göttlichen Bewahrung besonders dringlich zu machen. Vgl. Joh 3,31; 8,23; 15,19.

Von V. 11-. 16 ging es um die Bewahrung der Jünger. Die Fürbitte war sozusagen ein Schutzgebet. In den Versen 17-19 erfolgt nun ein Wechsel. Nicht die Bewahrung, sondern der Dienst ist hier das Thema.

Gerhard Maier – Edition C

In seiner zweiten Bitte betete Jeschua um den Schutz der Apostel, besonders vor dem Bösen, dem Satan (Joh. 17,15). Sein Gebet für ihre Bewahrung war, dass sie vor der Welt bewahrt werden. Sein Gebet für ihren Schutz war, dass sie vor Satan beschützt werden.

Jeschua gab wieder einen Grund für seine Bitte an. Die Apostel brauchten Schutz, weil sie zwar nicht mehr von der Welt waren, aber immer noch in der Welt waren (Joh. 17,16). Die Welt ist ein gefährlicher Ort für jeden Gläubigen, denn Satan ist der Fürst dieser Welt (Joh. 12,31). Jeschua stellte klar, dass er Gott, den Vater, nicht darum bat, die Apostel aus der Welt zu nehmen, obwohl das eines Tages geschehen würde. Sie mussten in der Welt bleiben, um ihren Auftrag in der Welt zu erfüllen. Aber sie waren nicht mehr von der Welt, und das bedeutete, dass sie nicht mehr dem System dieser Welt angehörten. Da sie nicht mehr zum System dieser Welt gehörten, brauchten sie Bewahrung, denn die Welt hasste sie (Joh. 17,9-14), und auch Satan hasste sie (Joh. 17,15-16).

Arnold Fruchtenbaum – Jeschua – Das Leben des Messias aus einer messianisch-jüdischen Perspektive

Und erfüllen WIR unseren Auftrag??? Schaffen WIR es, ohne einer „org“/Gemeinde/Kirche – also die weltlichen Systeme – SEIN Wort zu lesen und über IHN zu sprechen? Oder benutzen wir noch immer eine der großen oder kleineren Glaubensgemeinschaften?

wenn Jehovah sein Volk ruft

Jene (d. h. die Entronnenen aus der Zerstreuung Israels) werden ihre Stimme erheben, werden jubeln. Ob der Majestät Jehovas jauchzen sie vom Meere her: Darum gebet Jehova Ehre im Osten, (Eig in den Lichtgegenden) auf den Inseln des Meeres (d. h. den Inseln und Küstenländern des Mittelländischen Meeres) dem Namen Jehovas, des Gottes Israels!
Elberfelder 1871 – Jes. 24,14–15

Diese werden ihre Stimme erheben, und jauchzen, und von dem Meere aus Gottes Allmacht preisen. Darum preiset Jehova im Osten, und auf den Inseln des Meeres den Namen Jehova’s, des Gottes Israels!
van Ess 1858 – Jesaja 24,14–15

Sie erheben ihre Stimme, sie jubeln, ob der Hoheit Jehovahs lassen sie es ertönen vom Meere her. Darum verherrlicht Jehovah in Urim, auf des Meeres Inseln den Namen Jehovahs, des Gottes Israels. Jes 49,1f; Ps 97,1.
Tafelbibel mit hinzugefügten Sachparallelstellen – Jes. 24:14–15

Jene (d. h. die Entronnenen aus der Zerstreuung Israels) werden ihre Stimme erheben, werden jubeln. Ob der Majestät Jehovas jauchzen sie vom Meere her: Darum gebet Jehova Ehre im Osten, (Eig. in den Lichtgegenden) auf den Inseln des Meeres (d. h. den Inseln und Küstenländern des Mittelländischen Meeres) dem Namen Jehovas, des Gottes Israels!
Paderborner Bibel – Jesaja 24:14–15

Jesaja sieht im Geist bereits die Zerstörung der großen Widersacherin Babylon (V. 10). Anschaulich wird die Trauer und das völlige Entsetzen gemalt (V. 12) und demgegenüber die dankbare Freude im Mittelpunkt der Erde (V. 13), d. h. in Jerusalem, wo die Hoheit des Herrn laut gepriesen wird. Ja, schon hört man von überall her den Grundton dieses Dankliedes: Ehre dem Gerechten (V. 16)!

Bruns 2013 – Die Bibel mit Erklärungen: Erklärungen

Aus der Perspektive JHWHs. Schließlich fehlt jegliche Vorstellung eines irrationalen Schicksals: Kap. 24 zieht aus den vorangehenden zehn Aussprüchen die Bilanz (Kap. 13–23). Hier wurde über alle Völker der damals bekannten Welt, die mächtigen Imperien Babel und Ägypten, das reiche Phönizien, die kleinen angrenzenden Nachbarvölker, das Urteil JHWHs gefällt. Außerdem hat der Prophet das Urteil der Exilierung in seinem eigenen Auftreten als Warnung dargestellt (Kap. 20). Jes 24 liegt die Schlussfolgerung zugrunde, dass das Maß der Bosheit für JHWH voll ist (vgl. Gen 6, 5–7).
Wie das über die Erde gesprochene Urteil Gottes eine nachweisbare Ursache hat, nämlich den Bruch des ewigen Bundes (V 5), so sind auch seine Auswirkungen vorhersehbar: JHWH wird seine Herrschaft ausüben und alle widerwilligen Machthaber in den Kerker der Vergessenheit sperren (V 21–23). Diese neue Weltordnung wird er vom Zion aus begründen. So zeigt sich Jerusalem als Alternative für »die Ortschaft der Ödnis« (V 10).
Aus der Perspektive der Menschen. Wie das Wort »apokalyptisch« bereits vom göttlichen Standpunkt aus keinen geeigneten Terminus für das Geschehen in Kap. 24 darstellt, so ist er auch aus der Perspektive der Menschen unzureichend. Denn inmitten der Zerstörung, wenn die Klage in Stille übergeht (V 11–13), setzt aus allen Himmelsrichtungen ein Lobgesang auf den Gott Israels ein (V 14–16). Es ist die Stimme derjenigen, die den Untergang der sündigen Weltordnung nicht für das absolute Ende halten, sondern in ihm den Beweis erbracht sehen, dass »JHWHs Hoheit« über alles triumphiert. Das Bekenntnis, dass die transzendente Souveränität des Gottes Israels in der Umgestaltung der Welt historisch Gestalt annimmt, überstimmt die Klage über das Böse auf Erden.

Herders Theologischer Kommentar zum Alten Testament

Nicht mehr, wie in den vorhergehenden Kapiteln, handelt es sich in dieser Gerichtsschilderung um die Katastrophe einzelner Völker. Es handelt sich um die Erde, um die Menschheit, die das Ende eines Zeitalters, das Ende ihrer Geschichte und ihrer Kultur erlebt. Denn das Bild, das der Prophet beschreibt, ist Endgeschichte eines Zeitalters, wenn auch noch nicht das Ende der Geschichte überhaupt. Wer den Kulturbolschewismus Russlands in seinem innersten Wesen geschaut hat, der braucht keine nähere Exegese dieser Prophetenworte. Der weiß, wie mit dem Beginn der Machtentfaltung und dem Zukunftsaufbau des Bolschewismus das Ende eines bisherigen Russland gekommen ist. In demselben wird das Gericht, das Altes zerschlug, zum Inhalt für die Zukunft erhoben.
Wird jedoch Gericht innerhalb der Geschichte zum Dauerzustand, zum Inhalt und zum Gesetz für die Zukunft gemacht, nimmt man dem Gericht seine herbe Bedeutung und erhebt man es zum Evangelium für den kommenden Neuaufbau, – dann nivelliert sich das Leben zur Gleichheit, dann hungern Bürger und Bettler, dann ist der Priester wie der Ungläubige, dann herrschen weder Knecht noch Herr, dann sind in ihrem Besitz sich gleich Gläubiger und Schuldner. Und mit seiner Kultur stirbt der Mensch, siecht das Volk: die. Erde wird leer! Der Volksseele ist der Kulturkörper erschlagen, in dem sie atmete, durch den sie wirkte, in dem sie stark und hoffnungsfreudig war. Mit einer untergehenden Kultur stirbt auch die alte Gesellschaft,
„es trauert, es welkt die Erde, weil gebrochen, welk ward die Menschenwelt, gebrochen sind, die die Höhenschicht der Bevölkerung der Erde bilden.“
Wo liegen jedoch die letzten Quellen solch einer Endkatastrophe? Der Prophet deutet sie mit den wenigen Worten an:
„Indem sie die Unterweisungen übertraten, das Gesetz vertauschten, haben sie den für ewig bestehenden Bund vernichtet.“
Auch die Geschichte hat ihre innerlichen Gesetze, die ein Volk nie ungestraft verleugnen kann. Es besteht ein Bund, den Gott auch für den natürlichen Aufbau eines Volkes festgelegt hat. Wird er vernichtet, dann hört ein Volk auf, ein sittlich-geordnetes, organisch-verbundenes, durch strenge Gesetze geleitetes Volk zu sein. Es wird gärende Masse, ungezügelte Macht, herrschendes Chaos. Verliert der Mensch seine höchste Autorität in Gott, dann sucht er bald vergeblich nach einer menschlichen Autorität zur Sicherung seiner Geschichte, zur Pflege seiner Kultur und letzthin zur Erhaltung seiner Existenz.
„Hinfort verzehrt Fluch die Erde, ihre Bewohner sind schuldbeladen, deshalb verzehren sich in Glut (Leidenschaft) die Bürger der Erde, eine gesunkene Menschheit bleibt als winziger Rest.“
Noch war Gottlosigkeit innerhalb der Geschichte immer die Mutter der Kulturlosigkeit. Eine kranke Seele schuf nie einen gesunden Volks- oder Kulturkörper. Siechte sie, dann zerbrach auch ihr Organismus. Er erlag den Kräften, von denen er sich umgeben sah. Je mehr jedoch der Mensch die Kräfte der Erde und den Aufbau der Kultur für die von Gott ihnen angewiesenen Zwecke verwendet, desto mehr wird die physische Natur in den Dienst der sittlichen „Weltzwecke“ gehoben und dann „fördert und segnet Gott die Erde“. Ergreifend ist nun die Schilderung des Propheten, wie in Zeiten, wo die Auflösung jeglicher bisherigen Kultur Dauerzustand wird, jede Freude, aller Genuss, die menschliche Beziehungen sich in öde Leere verwandeln. „In Russland lacht man nicht mehr!“ – sagten die Flüchtenden aus der russischen Sowjetunion. Die Erde beginnt zu schweigen, schweigt der Mensch erst seinem Gott gegenüber.
Erlebt man das Ende eines Kulturzeitalters, dann gibt es kaum ein Entrinnen, weil die umfassende Katastrophe das ganze Leben, alle Kreise, die höchsten Werte erfasst.
„Da wird, wer vor der Stimme der Angst flieht, in die Grube stürzen, und wer aus der Grube emporsteigt, in die Schlinge gefangen werden, denn aus der Höhe sind Schleusen geöffnet, darum erbeben die Grundpfeiler der Erde.“
Und selbst die Würdenträger und Könige der Erde entgehen solch einem Ende nicht,
„sie werden als Gefangene zum Kerker geführt und unter Verschluss gehalten und erst nach vielen Tagen ihrer Bestimmung wiedergegeben werden.“
In solchem Ende der Geschichte, bei solchem Zusammenbruch jeglicher Autorität, wird jedoch sichtbar werden, dass nur ein Thron fest steht, das ist der Stuhl Gottes, und nur eine Majestät nicht wankt, das ist die Herrschaft des Allerhöchsten. Der Prophet drückt es mit den Worten aus:
„Denn König wird Jahve der Heere sein auf dem Berg Zion und in Jerusalem, und denen, die seine Ältesten sind, bleibt die Offenbarungsherrlichkeit.“

Kroeker Jakob – Das lebendige Wort Band 7