wächst Gott ?

Jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk kommt von oben herab, von dem Vater der Lichter, bei welchem keine Veränderung ist, noch ein Schatten von Wechsel.
Elberfelder 1871 – Jakobus 1,17

Alle gute Gabe und alles vollkommene Geschenk kommt von oben herab, von dem Vater der Lichter, bei dem keine Veränderung ist noch ein Schatten infolge von Wechsel. (1) wie ein solcher Schatten an den Lichtern, d.h. an den Sternen, durch den Wechsel ihrer Stellung manchmal entsteht, z.B. bei Sonnen- und Mondfinsternissen. (a) Mt 7:11; Joh 3:27; Rö 11:29; 1Jo 1:5
Zürcher 1931 – Jak 1,17

Alles, was gut und vollkommen ist, wird uns von oben geschenkt, von Gott, der alle Lichter des Himmels erschuf. Anders als sie ändert er sich nicht, noch wechselt er zwischen Licht und Finsternis.
Neues Leben – Bibel 2006 – Jakobus 1:17

Beim heraussuchen zu diesem Bibelvers bin ich über die unterschiedlichsten Ansichten gestoßen. Unter anderem, dass Gott in seinen Taten noch wachsen würde, dass es keine Zeit gäben würde, wenn Gott nicht die Sterne erschaffen hätte und vieles andere mehr. All diese Gedanken zeigen, dass Menschen nicht die Bibel als Gottes Wort, sondern als ein weiteres interessantes Buch betrachten. Denn der Schlüssel zur Zeit liegt in 1.Mose 1:1 – Erst nach der Zeit wurden die Sterne erschaffen 😉

Aber schauen wir uns zu dem obrigen Vers – aus Jakobus – erst einmal an, was die Menschen damals glaubten:

Statt die Menschen in der Absicht zu versuchen, sie zum Straucheln zu bringen ( 1,12-16 ), schickt Gott ihnen gute Gaben, darunter die geistliche Wiedergeburt (V. 18 ). Die Tatsache, dass Gott der Urheber alles Guten ist, war ein Gemeinplatz der jüdischen und griechischen Weisheitsliteratur. Was im Himmel ist, war für die Menschen der Antike vollkommen, die jüdischen Schriftsteller gebrauchten daher den Ausdruck »von oben« häufig als Synonym für »Gott«. Die Wendung »Vater des Lichts« könnte bedeuten »Schöpfer der Sterne«; für die Heiden waren die Sterne Götter, für die Juden Engel. (Die Kanaanäer in Ugarit hatten El schon vor Urzeiten als »Vater des Lichts« bezeichnet, und in den Schriftrollen vom Toten Meer tragen die höchsten Engel den Titel »Herrscher des Lichts«. In mehreren alttestamentlichen Schriften werden die Sterne als »Lichter« bezeichnet – vgl. 1.Mose 1,14-19; Jer 31,35 .) Die Astronomen der Antike beschrieben an den Himmelskörpern beobachtbare Veränderungen unter anderem mit dem Ausdruck »wandernde Schatten«, für die Philosophen dagegen war das Vollkommene, das, was im Himmel ist, unwandelbar und ohne direkten Bezug zur Erde. Die meisten Menschen der damaligen Zeit glaubten an Astrologie und fürchteten die Macht der Sterne. Jakobus redet hier jedoch nicht etwa der Astrologie das Wort, sondern bezeichnet Gott wie viele andere jüdische Autoren als Herrn der Sterne und bestreitet gleichzeitig, dass Gott auch nur im Geringsten wankelmütig sei, wie es den Gestirnen gern zugeschrieben wurde. Seine Leser konnten der vorliegenden Passage also entnehmen, dass Prüfungen oder Versuchungen, wie sie sie gerade erfuhren, nicht das Resultat eines willkürlich über die Menschen hereinbrechenden Schicksals sind, sondern dass auch in ihnen das Wirken eines treu sorgenden und liebenden Vaters spürbar wird.

Craig Keener – Kommentar zum Umfeld des Neuen Testaments

OK – ähnliche Gedanken kennen wir ja auch heute noch in vielen Religionen.
oder schauen wir uns folgende an:

Von dem Vater der Lichter.
Zieht man den Genitiv τῶν φωτῶν zu τοῦ πατρός (was jedenfalls das Nächstliegende), so kann verglichen werden Apok Mos 35 f.: (Eva sieht, wie die Himmlischen für den gestorbenen Adam beten; sie macht ihren Sohn Seth darauf aufmerksam u. spricht zu ihm:) Wer mögen wohl die beiden Äthiopier sein, die deinem Vater im Gebete beistehn? Da spricht Seth zu seiner Mutter: Das sind Sonne u. Mond; auch sie fallen nieder u. beten für meinen Vater Adam. Spricht Eva zu ihm: Wo ist denn ihr Licht (geblieben)? u. warum sehen sie so schwarz aus? Und Seth spricht zu ihr: Ihr Licht haben sie nicht verloren; aber sie können nicht leuchten angesichts vom Lichte des Alls, dem Vater der Lichter, um deswillen verbarg sich das Licht von ihnen. — Das. 38: Der Erzengel Michael bat den Vater der Lichter um die Beschickung der Überreste (Adams).

Strack_Billerbeck – Kommentar zum Neuen Testament aus Talmud und Midrasch

dieser Teil aus der „Apokalypse des Mose“ könnte auch aus dem Buch Mormon stammen – aber eben NICHT aus der Bibel. Wie das wohl kommt?
Aber schauen wir uns an, was Jakobus eigentlich sagt:

Der Vater der Lichter

Das Buch Jakobus verdient seinen Ruf als eines der praktischeren, bodenständigeren Bücher im Neuen Testament. Aber während wir seinen Reichtum für das christliche Leben ausschöpfen, können wir leicht die kraftvollen theologischen Aussagen übersehen, die in diesem kurzen Brief versteckt sind. Diese hier erscheint im ersten Kapitel (Jak 1,17):

Jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk kommt von oben, vom Vater der Lichter herab, bei dem es keine Veränderung und keinen Schatten durch Wandel gibt.

Jakobus‘ Ausdruck „Vater der Lichter“ ist einzigartig in der Bibel. Das Verständnis dieses Satzes ist entscheidend, um zu verstehen, was er damit meint, dass es bei Gott „keine Veränderung oder Schatten durch Wandel“ gibt. „Vater der Lichter“ weist auf Gottes Rolle als Schöpfer der Sterne und anderer himmlischer Objekte hin. Wir sehen diesen Gedanken sowohl im Schöpfungsbericht als auch in den Psalmen (Gen 1,14-18; Ps 136,7-9; 148,1-5). Ähnliche Formulierungen, die auf dieselbe Idee hinweisen, finden sich sporadisch in anderer altjüdischer Literatur, wie den Schriftrollen vom Toten Meer. 1

Die Himmelskörper markieren die Jahreszeiten und den Ablauf der Zeit (Gen 1,14-18). Sie werden mit Veränderung in Verbindung gebracht. Das Wort, das in Jakobus 1,17 mit „Veränderung“ (griechisch tropē) übersetzt wird, ist ein Substantiv, das an anderer Stelle in der griechischen Literatur verwendet wird, um die Bewegung und Positionierung der Sterne, die jahreszeitlichen Veränderungen und ihre Auswirkungen auf das Land sowie die beiden jährlichen Sonnenwenden zu beschreiben. 2 Jakobus‘ Verwendung von „Veränderung“ mit „Schatten“ deutet auf eine Sonnenfinsternis hin. Sein Punkt ist tiefgründig. Obwohl sich die Lichter – die Himmelskörper – verändern und variieren, tut das ihr Vater nicht. Er ist unerschütterlich.

Aber die Formulierung „Vater der Lichter“ vermittelt mehr als Gottes Rolle als Schöpfer. Sein Charakter und seine Natur unterscheiden sich grundlegend von denen aller anderen göttlichen Wesen. Wie in anderen antiken Kulturen ist auch in jüdischen Schriften der Glaube weit verbreitet, dass die Sterne himmlische Wesen sind. Diese Vorstellung findet sich im Alten Testament, wo die Söhne Gottes metaphorisch als „die Sterne Gottes“ bezeichnet werden (Hiob 38,7). Jakobus‘ Beschreibung von Gott als „Vater der Lichter“ spricht dann von Gott als dem Schöpfer aller himmlischen Wesen – und betont damit, dass sie erschaffen sind und daher minderwertig sind. Gott allein ist ungeschaffen.

Diese Idee wirft auch Licht (Wortspiel beabsichtigt) auf 1 Johannes 1:5, wo Johannes schrieb, dass „Gott Licht ist“. Sein Punkt war nicht, dass Gott Energieteilchen ist – was bedeuten würde, dass Gott Teil der Schöpfung ist, was Johannes an anderer Stelle ausdrücklich verneint (Johannes 1,1-3). Vielmehr verwendet Johannes den Satz metaphorisch und relativiert ihn, indem er sagt, dass in Gott „überhaupt keine Finsternis ist.“ Nur Gott ist ganz und gar wahr und gut.

Unser Vater der Lichter steht allein als derjenige, der die Zeit und ihre Markierungen geschaffen hat. Die Himmelskörper bewegen sich so, wie er es bei der Schöpfung bestimmt hat, während sein Wesen konstant bleibt. Der Urheber der Veränderung ändert sich selbst nicht. Sein Wesen schwankt nie. Der Vater der Lichter schuf die geistigen Wesen, die seine himmlische Heerschar sind (1. Könige 22,19), aber nur er ist beständig wahr und gut. Ihr Wesen mag schwanken. Sein Wille nicht.

Michael S. Heiser – Die Bibel ungefiltert – Annäherung an die Heilige Schrift nach ihren eigenen Bedingungen

Weiter in Vers 17. Jakobus befasst sich mit der Quelle des Guten: Jede gute und vollkommene Gabe kommt von Gott. Die Vorstellung vom gebenden Gott in Vers 5 wird nun weiter ausgeführt. Im Englischen wird für Gabe und Geschenk nur ein einziges Wort gebraucht; der griechische Text [wie auch die Elberfelder Übersetzung] gebraucht zwei verschiedene Worte. Das erste Wort betont die Handlung des Gebens; dieser Begriff wird im Neuen Testament nur zwei Mal gebraucht – hier und in Philipper 4,15. Die Gabe ist gut im Sinne von nützlich und vorteilhaft. Das zweite Wort betont nicht die Handlung, sondern das Geschenk selbst. Das Wort vollkommen bedeutet „vollständig“; diesem Geschenk fehlt nichts. Sowohl die Handlung des Gebens – die gut ist – wie auch das vollkommene Geschenk selbst kommt von oben herab. Das ist die Quelle. Gabe und Geschenk kommen von oben herab; und sie kommen eher aus der himmlischen als aus der irdischen Sphäre. Der Gebrauch der Gegenwartsform deutet an, dass es sich hier um eine andauernde Wahrheit handelt: das vollkommene Geschenk kommt fortwährend von oben herab. Dieser Ausdruck „von oben herab“ ist die wörtliche Übersetzung des griechischen Textes. Gemeint ist, dass diese Gaben fortwährend, andauernd in einem Strom herabkommen – in einer Folge ohne Ende. Alles Gute kommt von ihm. Alles Gute; Nützliche; Vorteilhafte; Gewinnbringende; ebenso alles Vollkommene; Vollständige; Fehlerlose – das alles kommt von ihm. Zuvor hat Jakobus schon Ähnliches von der Weisheit geschrieben. Nun lehrt er, dass dies nicht nur auf die Weisheit zutrifft, sondern auch auf alle anderen guten Dinge, die von Gott kommen. Weiter schreibt er, dass dieses Geschenk vom Vater der Lichter kommt – das ist Jakobus’ Titel für Gott. Nirgends sonst im Neuen Testament wird diese Anrede Gottes gebraucht; sie findet sich jedoch in jüdischer Literatur, etwa in Philo und den Schriftrollen vom Toten Meer. Er ist der Vater – gemeint ist der Urheber – der Lichter. Die Lichter beziehen sich auf die Himmelskörper; gemeint ist, dass er der Schöpfer der Himmelskörper, der Dinge im äußersten Weltall ist. Weil er der Vater der Lichter ist, kann es in ihm keine Veränderung geben. Dieses Wort für Veränderung wird nur hier und nirgendwo sonst gebraucht. Gemeint ist eine innere Veränderung. Gottes Licht ist so vollkommen, dass es keine Abweichung vom festgesetzten Kurs oder Muster zulässt. Die astronomischen Körper haben feste Richtlinien (die Erde braucht eine gewisse Zahl an Monaten, Wochen, Stunden, Minuten und Sekunden für ihre Umkreisung der Sonne, und sie braucht eine festgesetzte Zahl an Stunden, Minuten und Sekunden, um sich um ihre eigene Achse zu drehen). Genauso ist Gott in seinem Wesen. Es gibt keine Veränderung. Zwar mögen die Himmelskörper gewisse Veränderungen zeigen, wenn sie Schatten werfen; Gott aber tut das nicht: [in ihm ist] keines Wechsels Schatten. (Das Gegenteil träfe zu, wenn man vor einem Licht oder im Rad einer Sonnenuhr stünde.) Die griechischen Worte sowohl für Wechsel als auch für Schatten finden wir nur hier und sonst nirgends. Wichtig ist: Das von Gott kommende Licht ist konstant.

Folgendes können wir lernen: Erstens kann es nie eine „Gottesfinsternis“ geben. Zweitens ändert sich das Licht Gottes niemals – es ist beständig und gleichförmig. Drittens – wie in Johannes 1,5 ausgedrückt – gibt es in ihm überhaupt keine Dunkelheit, er ist vollständig Licht. Und viertens gilt in diesem Kontext: Weil Gottes Licht und Gottes Heiligkeit nicht getrübt werden kann, ist er vollkommen unfähig, mit Sünde versucht zu werden oder den Menschen mit Sünde zu versuchen.

Arnold Fruchtenbaum – Der Jakobusbrief

Liebe dich selbst?

Ein neues Gebot gebe ich euch, daß ihr einander liebet, auf daß, gleichwie ich euch geliebt habe, auch ihr einander liebet.
Elberfelder 1871 – Joh 13,34

Ein new Gebot (Jch wil euch nicht beschweren mit vielen Gesetzen / wie Moses im alten Testament. Sondern das sollen alle Gesetz im newen Testament sein / Das jr euch liebet vnternander. Darumb ists ein New vnd des newen Testaments gebot / von allen Alten ausgesondert.) gebe ich euch / das jr euch vnternander liebet / wie ich euch geliebet habe / auff das auch jr einander lieb habet.
Martin Luther 1545 „letzte Hand“ – Johannes 13,34

Ich hinterlasse euch eine neuartige Anweisung, dass ihr euch gegenseitig in Hingabe begegnet, so wie ich euch einmal Liebe erwiesen habe, damit auch ihr füreinander in Liebe da seid
Andreas Eichberger – Gottes Agenda – Johannes 13:34

Die Passahfeier ging weiter, und Jochanan bemerkte den Weggang von Judas von der Szene: Als er also hinausgegangen war (Joh. 13:31a). Judas‘ Weggang garantierte den Verrat, und der Verrat wiederum sicherte den kommenden Tod Jeschuas. Durch seinen Tod würden sowohl der Vater als auch der Sohn verherrlicht werden (Joh. 13:31b-32). Sein Tod garantierte auch, dass er bald diese Welt verlassen würde: Meine lieben Kinder, noch eine kleine Weile bin ich bei euch. Ihr werdet mich suchen; und wie ich zu den Juden sagte: Wohin ich gehe, könnt ihr nicht kommen (Joh 13,33a).

Angesichts seines bevorstehenden Abschieds gab Jeschua ein Gebot, das in einem Sinne neu war, in einem anderen aber nicht. Er sagte: „Liebt einander“ (Joh. 13:34a). Das war insofern eine bewährte Regel, als das zweitwichtigste Gebot des mosaischen Gesetzes war, den Nächsten zu lieben wie sich selbst (Lev. 19,18). Der Maßstab für die Nächstenliebe war also die Selbstliebe. Die neue Facette dieses Gebots war: Liebt einander, wie ich euch geliebt habe (Joh. 13,34b). Der Maßstab war nicht mehr die Liebe des Einzelnen zu sich selbst, sondern die Liebe Jeschuas zu ihm, und er liebte uns vollkommen und bedingungslos – genug, um für uns zu sterben. Die Welt wird erkennen, ob jemand ein Jünger Jeschuas ist, wenn er die gleiche Art von bedingungsloser Liebe für andere hat (Joh. 13,35).

Arnold Fruchtenbaum – Jeschua – Das Leben des Messias aus einer messianisch-jüdischen Perspektive

Warum gab Jesus ein neues Gebot? Genügten die Zehn nicht? Bei dem Alten hieß es „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ (Matthäus 5, 23; 2 Mose 21,.24). Das neue aber lehrt das Gegenteil, es befähigt, das Leben für die Brüder zu lassen, für die Feinde zu beten (1 Johannes 3, 16; Lukas 23, 34; Apostelgeschichte 7, 59). Jemand fragte, wie viele Gebote es gäbe; die Antwort lautete elf. Das elfte sei das Wichtigste, weil es alle andern erfüllt (Römer 13, 10; 2 Johannes 5).
Die Umstände, unter welchen Jesus das neue Gebot gab. Er stand vor dem Kreuzestod und war das letzte Mal finit den Jüngern versammelt. Er gab es Ihnen, als Er für sie sterben wollte. Da Er den geringsten Dienst an ihnen tat, indem Er ihre Füße wasch. Das Kapitel unseres Textes beginnt: „Wie Er die Seinen liebte, so liebte Er sie bis ans Ende“ (Vers 1). Im gleichen Kapitel sagt Er den Verrat des Judas, die Verleugnung des Petrus und das Versagen aller Jünger voraus. Dennoch beginnt Er es „wie Er die Seinen liebte“ und beschloß es mit unserem Text. Er liebt mit ewiger Liebe (Jeremia 31, 3). Hier sehen wir die Breite, Länge, Tiefe und Höhe der alles übersteigenden Liebe Christi (Epheser 4,18).
Der schöne Titel, den Jesus dem Gebot gibt: Ein neues Gebot. Es war das erste im neuen Bunde und schuf neue Möglichkeiten. Mit der Wiedergeburt ist die Liebe Christi in unsere Herzen ausgegossen worden (Römer 5 5)
Es war neu, weil sich die Gläubigen liebten wie eine Familie. Alle sind vom gleichen Vater gezeugt (1 Petrus 1, 3) und sind Brüder untereinander, da Jesus der Erstgeborene genannt wird (Römer 8, 29). Sie lieben alle, nicht nur die, die sie lieben. Sie verzichten selbst, wie Abraham, auf ihr gutes Recht (1..Mose 13, 8). Sie lieben einander, weil alle von einem Stamm sind (2 Petrus 1, 4) und im gleichen Blut gewaschen sind (Offenbarung 1, 5) Weil alle den gleichen Geist empfangen und Christi Sinn haben (1 Korinther 2, 16). Nur so kann die Liebe Christi reichlich von ihnen fließen. Sie kennen auch keine Parteien mehr. Da ist weder Methodist noch Darbist, weder Baptist noch Salutist. Alle sind durch einen Geist zu einem Leibe getauft (1 Korinther 12, 13). Als 1914 der erste Weltkrieg ausbrach, sagte Kaiser Wilhelm der IL vor dem Reichstag: „Ich kenne keine Parteien, sondern nur Deutsche.“ So kennen wir weder Franzosen noch Engländer; Deutsche noch Farbige, sondern nur Brüder, die wir alle gleich lieben. Nicht Nationalität, eine Lehre, oder ein Verein binden uns, sondern die Liebe (Galater 3, 28).
Wir lieben einander, weil Jesus auch König genannt ist und wir als Seine Untertanen gern Seine Befehle erfüllen (1 Johannes 3, 23; 4, 21; Johannes 15, 12).
Auch ist Er unser Hirte und wir Seine Schafe, die wie der Hirte bereit sind, das Leben für die andern zu lassen( Kap. 10, 12; 1 Johannes 3, 16.) Wir lieben einander, weil alles andere vergeht, aber die Liebe bleibt (1 Korinther 13, 13). Seine Gebote sind nicht schwer und in ihnen wandeln wir (1 Johannes 5, 3; Epheser 5, 2).
Das Vorbild, womit Jesus das neue Gebot bekräftigt. Gleich wie ich euch geliebt habe. Liebe sucht nicht das Ihre.
Warum liebte Jesus die Seinen? Welchen Nutzen hatte Er an ihnen? Absolut keinen. In Seiner Liebe zu uns war keinerlei selbstsüchtiger Hintergedanke, wie das oft bei uns ist, es war nur ein Sich-Geben. Er bewies seine Liebe:
Indem Er die Herrlichkeit verließ, um uns zu retten (Lukas 19, 10). Indem Er sich selbst für uns dahingab (Galater 2, 20).
Indem Er immerdar für uns eintritt (Hehr. 7, 25). Er liebt sie mit ganzer Teilnahme, weint und freut sich mit ihnen. Oft betrüben wir Ihn durch Unglauben und Ungehorsam, doch deshalb gibt Er das angefangene Werk nicht auf, sondern führt es unermüdlich weiter bis zur Vollendung (Philipper 1 6; Epheser 1 4). Seine Liebe übersteigt allen Verstand (Epheser 3, 19). Neu strahlte Christi Liebe zu den Seinen nach Seiner Auferstehung hervor. Er suchte sie hinter verschlossenen Türen auf und rief Ihnen „Frieden“ zu. Er bemühte sich um die Wiederherstellung des Petrus (Johannes 21; Ga1.6,1).
Die Wirkung wahrer Liebe auf die Umgebung. Jesus sagt, daß durch sie unsere Umwelt Ihn erkennen werde. „Dabei wird jedermann erkennen“ (1 Korinther 13, 4-7). Wie ist das möglich?
Ein neues Band umschließt die Gotteskinder. Zuvor waren sie einander feindlich gesinnt, nun da Christus in ihnen wohnt, sind sie ein Herz und eine Seele (Apostelgeschichte 2, 42. 45). Wie Jonathan alles für David opferte, so tun sie dasselbe an ihren Brüdern. Sie legen selbst wie Aquila und Priscilla ihren Hals für andere hin (Röm, 16, 3. 4; 12, 10), wie diese für Paulus.
Ein neuer Impuls treibt sie. Die Liebe Christi wohnt in ihnen (Römer 5, 5; 2 Korinther 5, 14). Die Welt bewundert die Liebe der Christen zu einander. Manche verkauften selbst ihren Besitz, um den Bedürftigen zu helfen (Apostelgeschichte 2, 45; 4, 36. 37; 1 Johannes 3, 17).
Wahre Jesusliebe ist die wirkungsvollste Evangeliumsverkündigung. Die Liebe zueinander überzeugt die Weit mehr als Worte. Daran erkennt sie, wem wir angehören. „Dem, der selbst die Liebe ist und in die Welt kam, uns zu retten.“ Das größte Hindernis für das Evangelium ist Bruderstreit. Redest du noch lieblos gegen deine Mitgläubigen, dann sündigst du und hinderst den Lauf des Evangeliums. Dadurch lädst du eine schwere Verantwortung auf dich. Fange an, das Leben Jesu zu studieren, und lies oft 1 Korinther 13, dann wird es nie in deinem Leben an der echten wahren Liebe fehlen.

G. R. Brinke – Ärenlese Jahrgang 17

Warum ist es »ein neues Gebot«? Ist die Nächstenliebe nicht schon im AT da (3 Mo 19,18)? Ist sie nicht in der Bergpredigt sogar zur Feindesliebe erweitert (Mt 5,43ff.)? Ein »neues Gebot« ist es aus drei Gründen: a) weil es jetzt ausdrücklich in den soeben mit der Passion beginnenden Neuen Bund aufgenommen wird; b) weil es die Liebe »untereinander« und damit die innere Struktur der neuen Gemeinde regelt; c) weil es die Liebe Jesu, die vor wenigen Augenblicken in der Fußwaschung anschaulich wurde, zum Maßstab macht.

Die Worte »gebe ich euch« sollten viel stärker beachtet werden, als es normalerweise geschieht. Das »geben« eines Gebotes ist nämlich ausschließlich eine Sache Gottes (vgl. 5 Mo 6,1.20). Mose »gebietet« nur das Gesetz (5 Mo 4,2 u. ö.). Jesus »gibt« es, ist also der Gesetzgeber selbst. Das kann er nur, weil er Gott ist (Joh 1,1ff.). Mit dem »gebe ich euch« hat Jesus also seine göttliche Würde offenbart.

»Dass ihr einander liebt« ist der Inhalt des neuen Gebotes. Es geht um die Liebe der Jünger nach innen, in ihrer Gemeinschaft »untereinander«. Natürlich hebt das die Liebe nach außen in Gestalt der allgemeinen Nächstenliebe und der Feindesliebe (Mt 5,43ff.) nicht auf. Aber die Liebe im Sinne Jesu beginnt innen und nicht außen. Innen ist sie schwerer. Hier, wo man zusammenleben und zusammenarbeiten muss, wo jeder die Schwächen des andern nicht nur sieht, sondern auch erdulden muss, ist Liebe viel schwieriger.

Die zweite Hälfte von V. 34 nennt den Maßstab und zeigt zugleich, wie diese Liebe möglich ist: »dementsprechend, dass ich euch geliebt habe, damit auch ihr einander liebt.« Das griechische Wort, das wir mit »dementsprechend« übersetzen, hat folgende Bedeutungen:

a) »ebenso wie«,

b) »in dem Maße wie«,

c) »weil«. Alle diese Bedeutungen fließen hier zusammen. »Ebenso wie« Jesus sollen sich die Jünger lieben: d. h. in der Demut, mit der er die Fußwaschung vollzog (vgl. V. 14-17). »In dem Maße wie« Jesus sollen sie lieben: d. h. in der Vollendung, von der in V. 1 (und auch Mt 5,45-48 !) die Rede war. »Weil« Jesus sie zuerst geliebt hat, können sie jetzt auch einander lieben. Hier liegt also eine unumkehrbare Reihenfolge vor. Nur wer göttliche Liebe empfangen hat (vgl. Röm 5,5), kann auch göttliche Liebe weitergeben. Aber der kann es auch! Halten wir noch einmal fest: Die Liebe strömt zuerst vom Vater zum Sohn (Joh 17,26), dann vom Sohn zu den Jüngern (Joh 13,1.34; 17,26), von den Jüngern in die Gemeinde (Joh 13,34ff.) und von dort in die Welt (Joh 17,26; Mt 5,43ff.). Paulus teilt diese Reihenfolge, wenn er in Gal 6,10 schreibt: »Lasset uns Gutes tun an jedermann, allermeist aber an des Glaubens Genossen.«

Dass Jesus in V. 34ff.auch an die Welt dachte, zeigt V. 35

»Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt.« »Alle« sind wohl alle Menschen. Das Erkennungszeichen der Gemeinde ist also die gegenseitige Liebe innerhalb (»untereinander«) der Gemeinde. Die Welt hat Augen dafür und kann an dieser Liebe »erkennen, dass ihr meine Jünger seid«. Sie schließt also von der Bruderliebe auf die Gotteskindschaft! Wie tief beugt uns das. Denn diese Bruderliebe ist in der Regel der schlimmste Patient. Das wird schon daran spürbar, dass die Apostel sie immer wieder einschärfen (vgl. z. B. Gal 6,2; 1 Thess 4,9; 1 Petrus 1 Thess 1,22; 1 Joh 2,5.7-10; 3,11.23; 4,7-10.19; 5,1.3; 2Joh 1,5). Keine Sekte, keine andere Konfession, ja nicht einmal ein anderer Christ dürfte uns darin übertreffen.

Unübersehbar hat V. 35 eine missionarische Dimension. Wo Liebe praktiziert wird, gewinnt man Anziehungskraft. Von den frühen Christen sagte man (nach einem Wort Tertullians): »Seht, wie haben sie einander so lieb.«

Andererseits sollte man nicht den Fehler machen und Jesu Worte umdrehen, etwa in dem Sinne: »Wo Liebe ist, da ist Gott« bzw. »Wo Liebe ist, da ist Gemeinde«. Das wäre eine Verabsolutierung und würde Joh 13,3-4ff.aus dem Zusammenhang des Evangeliums herauslesen. Wir können uns ja sehr darüber täuschen, was »Liebe« ist. Die Liebe untereinander ist ein Zeichen für Jüngerschaft, aber nicht das einzige. Nach Apg 2,42 z. B. kommen zur »Gemeinschaft« die apostolische Lehre (vgl. Mt 28,18ff.!), das Abendmahl und das Gebet hinzu. Vgl. auch Mt 22,34ff.parr.

Fassen wir zusammen: Jesu Abschiedsreden sind eine Art Testament für die jetzt beginnende Gemeinde des Neuen Bundes. An der Spitze steht bei Johannes das neue Gebot. In ihm befiehlt Jesus die Liebe der Jünger »untereinander«. Sie wird möglich durch seine vorausgehende Liebe zu den Jüngern. Diese Liebe ist ein wichtiges Erkennungszeichen der Gemeinde des Neuen Bundes.

Gerhard Maier – Edition C

„Neu“ ist das Gebot Jesu jedenfalls in seiner Begründung. Es wird nicht einfach als „Gesetz“ vor die Jünger hingestellt, sondern aus der Liebe Jesu zu ihnen abgeleitet . Jesus gebietet nicht einfach die Liebe, sondern sagt: Ihr sollt einander lieben, „entsprechend wie ich euch geliebt habe“. Darin liegt zunächst der Vergleich. „Liebe“ ist ein sehr vieldeutiges Wort . Wir müssen wissen, wie echte Liebe aussieht. Das zeigt uns Jesus in seinem ganzen Tragen, Ringen, Leiden, Sterben . Wir haben es bei der „Fußwaschung“ vor Augen gehabt. Nun ist uns geboten, so zu lieben, wie Jesus geliebt hat. Das „Wie“ seiner Liebe ist vor allem durch eins gekennzeichnet: sie wird nicht gehindert durch die Verkehrtheit, Schwachheit und Erbärmlichkeit seiner Jünger; im Gegenteil, gerade dann wächst sie zu ihrer ganzen Tiefe und Gewalt, die am Kreuz offenbar wird. So soll auch unsere Liebe zueinander an der Not und Schuld des andern nicht erlahmen, sondern gerade hieran den Anstoß zum vertieften Lieben finden. Aber ist uns solches Lieben überhaupt möglich? Verlangt Jesus hier nicht etwas, was außerhalb unserer Fähigkeiten liegt? Nun müssen wir darauf achten, dass das grie. „kathos = wie“ nicht einen vergleichenden Klang in sich schließt. In dem Geliebtsein von Jesus ist den Jüngern der Grund und die Kraft des eigenen Liebens gegeben. Nicht sie sollen von sich aus mit dem Lieben anfangen; wie würden sie da scheitern. Das Lieben Jesu ist vorangegangen; von diesem Lieben kommen sie immer schon her. Sie dürfen einander sehen als die von dem Herrn Geliebten und mit seinem Lebenseinsatz Erretteten; sie dürfen als solche Geliebten loskommen von den Ansprüchen und Fesseln des eigenen Ich. „Aus der neuen Gnade des neuen Bundes eneutestamentlicheneht notwendig ein neues Gebot“ (Schlatter). –

Wuppertaler Studienbibel

Liebe – was für ein Wort! Und so viele Bedeutungen! Und jede Religionsgrüppchen ist der Meinung, dass „nur sie“ diese Liebe zum Ausdruck bringen. Aber woran erkennt man diese Liebe, die Jesus hier in seinen Mund nimmt? Worin kennzeichnete sich Jesu Liebe aus? Mied er bestimmte Volksgruppen? Hielt er bestimmte „Andersgläubige“ als Abtrünnige? Tat er so, als wären seine (zu diesem Zeitpunkt noch) ungläubigen Geschwister, ihm unbekannt? Lies er irgendjemand links stehen?
Ich höre gerade einen sehr interessanten Bibelkommentar. Aber was wirklich nervt, dass dieser Bibellehrer in jeder biblischen Geschichte, bei den beschriebenen Personen ganz viele Fehler findet! Warum wohl in der Bibel nicht auf diese Fehler eingegangen wird? Weil Jehovah diese Fehler vielleicht vergeben hat – und wir nur darüber informiert werden, dass diese Menschen auch Fehler gemacht haben ABER trotzdem SEINE Freunde waren!?! Jesus starb für dich, für diese fehlende Menschen – DAS ist echte Liebe!

ein Lamm im Himmel?

Und sie rufen mit lauter Stimme und sagen: Das Heil unserem Gott, der auf dem Throne sitzt, und dem Lamme!
Elberfelder Bibel 1905 – Offb 7,10

Und sie rufen mit lauter Stimme:
Die Rettung steht bei unserem Gott, der auf dem Thron sitzt, und bei dem Lamm!
Zürcher Bibel 2007 – Offenbarung 7,10

Alle riefen auf einmal: „Der Einzige, der uns retten kann, ist unser Gott! Er hat den Überblick, er hat die Macht, er hat den PIN-Code für die Tür zum Himmel, er und das Lamm, er und Jesus!“
VolxBibel – Offb 7,10

Was war das mit dem Lamm – und den Schafen? Und nun berichtet die Offenbarung von einem Lamm – ja einem geschlachteten Lamm?
Was schreibt die Volxbibel? Ja – Jesus als ein Lamm dargestellt! Aber warum? Ist das Bild, dass er der Löwe aus Juda ist, nicht viel eindrucksvoller?

Aber wem verdanken alle ihre Rettung?

Und sie rufen mit lauter Stimme und sagen: Die Rettung hat unser Gott, der auf dem Thron sitzt, und das Lämmlein.

Die vollendete Gemeinde hat erlebt, dass Gott und Christus die rechten Helfer sind, die von Sünde, Tod und Satan frei machen und uns Menschen hinauf in das herrliche Licht und Leben vor dem Thron Gottes führen. Das einmütige Bekenntnis der unzählbaren Schar wird durch das Dankgebet der Engel bestätigt.

Schlatter – Erläuterungen zum Neuen Testament

Sie klagen nicht. Sie klagen nicht an. Sie reden nicht von ihren Leistungen, Kämpfen und Leiden, sondern nur davon, dass allein der Vater und der Sohn sie hindurchgebracht hat. Allein ihm verdanken sie ihre Rettung, ihr Heil. »Erbarmung ist’s und weiter nichts.« So bricht schon jetzt, da sie eben »unter dem Tor erschienen« und am Ziel angekommen sind, der große Jubel, der große Dank und Lobpreis aus ihnen hervor. Er soll auch jetzt schon immer wieder aus uns hervorbrechen, da wir noch »im Tal unserer irdischen Pilgerfahrt sind«, das Lob aus der Tiefe«, das, aus dem Staunen und der Liebe geboren, Gott ehrt und ihm kostbar ist.

Gerhardt Maier – Edition C

Alles ist hier auf Sieg gestimmt. Es folgt das Siegesgeschrei. Und sie schrien mit großer Stimme und sprachen: Das Heil unserm Gott, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm. In freudig erhobenen, donnernden Sprechchören – Langenberg, der in diesen Rufenden nicht die vollendete Gemeinde sieht, geht hier auf die ursprüngliche Bedeutung des grie Wortes krazo für schreien, nämlich krächzen, zurück. Es fehle diesem Geschrei also der Wohlklang und die voller Erlösungsfreude. Gewiss gibt es mancherlei Geschrei (2 Mo 32,18 ), und 6,10; 12,2; 18,18.19 berechtigt der Zusammenhang, an eine heisere, gequälte Stimme zu denken. An vielen Stellen aber, wie auch hier, soll an die Lautstärke gedacht werden (7,2; 14,15; 18,2; 19,17; Joh 1,15; 7,28.37-38; 12,44 ). Unerlöstheit liegt hier fern. Der Zusammenhang kündet Sieg und noch einmal Sieg. – feiern sie den Sturz Babels – Diese Deutung legen die beiden anderen Heilruf-Stellen des Buches nahe: 12,10; 19,1. Dass die Triumphlieder dieser drei Kapitel zusammengehören, drückt sich auch darin aus, dass Johannes nur in ihnen seine Zurückhaltung durchbricht und von „unserem Gott“ spricht. So singt die vollendete Gemeinde! – . Nach überwältigender Erfahrung wird preisend wahrgenommen, dass bei Gott Heil ist. Er ist würdig, den Retternamen zu tragen.

Wuppertaler Studienbibel

So ist es! Egal wo und wie wir gerettet werden – Jehovah ist der Retter – Jehovah ist Rettung – also der Name Jehoschuah – also Jesus – ist in allen Facetten verwirklicht! Nur durch Jehovah ist wirkliche Rettung möglich!
Wäre nur die Frage, wer ist Jehovah? Im obrigen Vers ist von Gott und dem Lamm die Rede….

David – ein verlorenes Schaf?

Ich bin ´so lange` wie ein verlorenes Schaf umhergeirrt. Suche mich – ich diene dir doch, und deine Gebote habe ich nicht vergessen.
Neue Genfer Übersetzung 2013 – Psalm 119,176

Ziellos werde ich sonst und verloren geh’n. Bitte pass auf mich auf, lasse mich nicht im Stich, denn deine Gesetze vergesse ich niemals nicht.
VolxBibel – Psalm 119:176

Diesen Vers hatten wir schon im August 2020.
Damals war eine der Fragen: Bin ich mir bewußt, mein eigenes Leben nicht im Griff zu haben?
Wenn wir uns nur diesen Vers anschauen, dann ist es schon eine merkwürdige Geschichte, dass Nachfolger Jehovahs immer wieder als Schafe bezeichnet werden. Schon einmal darüber nachgedacht?

Wegen ihrer irrenden Eigenschaft. Sie sind Geschöpfe, die sich leicht verirren; aber wenn sie sich verirrt haben, kehren sie nicht leicht zurück. Schweine laufen den ganzen Tag umher und finden in der Nacht den Weg nach Hause. Domine, errare per me potui, redire non potuissem, sagt Austin. Christus bringt das verirrte Lamm auf seinen eigenen Schultern nach Hause, Lukas 15; und Ps. 119:176: „Wie Schafe sind wir alle in die Irre gegangen. Wenn Gott uns uns selbst überlässt, werden wir es trotzdem tun.
Wegen ihrer Schwäche. Sie sind schwache und unbeständige Geschöpfe, unfähig, Widerstand zu leisten. Andere Geschöpfe sind mit Klugheit, Geschick oder Mut ausgestattet, um sich selbst zu schützen; aber Schafe können wenig für sich selbst tun; sie sind völlig abhängig von ihrem Hirten, der sie schützt und versorgt. Ihr ganzes Glück liegt in der guten Weisheit, Fürsorge und Kraft des Hirten. Wölfe, Löwen und Leoparden brauchen keinen, der über sie wacht. Dornen und Sträucher wachsen von allein; aber der edle Weinstock ist ein zartes Ding und muss gestützt, beschnitten und gekleidet werden. Je höher das Wesen, desto bedürftiger ist es und desto mehr wird es in Abhängigkeit gehalten. Es bedarf mehr Pflege, um eine Pflanze zu erhalten, als einen Stein; ein Stein kann leicht Moos anhäufen und zu sich sammeln. Es braucht mehr Vorräte für ein Tier als für eine Pflanze, und mehr Vorräte für einen Menschen als für ein Tier.
Die Gottlosen sind wie Böcke. Sie sind wie Böcke, weil sie unanständig und unrein sind. Widerspenstigkeit: Sie haben nicht die Sanftmut von Schafen, sie sind bereit, alle Zäune und Hemmungen zu durchbrechen; so ist ein Gottloser jochlos. Sie sind auch mutwillig und abscheulich; es ist eine niedrigere Art von Tier als das Schaf; deshalb gewählt, um einen bösen und gottlosen Menschen darzustellen.

Thomas Manton – Das Gleichnis von den Schafen und den Ziegen

Ver. 176. Ich habe mich verirrt wie ein verirrtes Schaf; suche deinen Knecht, denn ich vergesse deine Gebote nicht – der Christ, der sich der Abweichung von Gott bewusst ist.
Wir haben in diesem Vers die Beschreibung eines Gläubigen – nicht wie er sein sollte – nicht wie er sein möchte – sondern wie er ist. Es ist kein Phantasiebild, sondern ein Bild des Lebens.
I. ES IST EIN EHRLICHES BEKENNTNIS. Es ist aufrichtig und unverblümt. Er schiebt die Schuld nicht auf die Verlockungen der Welt und sagt: „Das war ein zu großer Feind für mich, er hat mich überwältigt.“ Er schiebt die Schuld nicht auf den Satan. Er schiebt auch nicht die Schuld auf das Fleisch, das in ihm war, obwohl wir wissen, dass es die Quelle des Übels war. Er nimmt die ganze Schuld auf sich: „Ich habe mich verirrt wie ein verlorenes Schaf.“
II. DAS GEBET: „Suche Deinen Knecht“. Es impliziert, dass er so weit gekommen war, dass er den Weg zurück nicht mehr kannte. Das ist ganz offensichtlich: „Ich habe mich verirrt, suche Deinen Knecht“, ich kann keinen Weg zurück finden.
III. DIE BITTE: „Denn ich vergesse Deine Gebote nicht“. Es gibt Zeiten im Leben eines Gläubigen, in denen er nicht nur einen Beweis, sondern hundert Beweise für seine Annahme hat. Aber es gibt auch Zeiten, in denen es fast wie ein kleiner Funke auf dem Ozean erscheint. Hier ist dieser kleine Funke – „Ich vergesse Deine Gebote nicht. Denken Sie nicht, dass es sich dabei um eine bloße Erinnerung handelt. Nein, es ist etwas mehr als das. „Obwohl ich mich von Dir entfernt habe, obwohl ich Deine Gebote verlassen habe, obwohl ich sie nicht so befolgt habe, wie ich sie hätte befolgen sollen, so sind sie mir doch lieb; ich liebe sie; ich wünsche mir, dass sie in meinem Herzen geschrieben stehen.“ Schlussfolgerung -Die Tendenz, die in der Sünde liegt. Sie begnügt sich nicht damit, uns unglücklich zu machen; sie will uns zerstören, und zwar für immer.

Die Schwäche des Gläubigen. Wie ein verlorenes Schaf.

Die Treue des Heiligen Geistes. Er legt diese Bitte in das Herz.

Der gütige Erhalter dieses verirrten Schafes.

Hüte dich vor allem, was in die Irre führt. Die Liebe zur Welt, der Müßiggang, usw.

Sucht das, was das Leben Gottes fördert. Lebe auf Christus hin. (J. H. Evans, M.A.)

The Biblical Illustrator: Die Psalmen

Echt, David vergleicht sich selbst mit einem Tier, dass nicht so schlau ist, wieder nach Hause zu finden?

Das Schaf

Als ich eines Tages vor einer Klasse von 125 Studenten im Fach Geschichte des Alten Testaments stand, kam mir der Gedanke, dass ich fragen sollte, ob irgendjemand eine direkte Begegnung mit Schafen gehabt hatte oder viel über sie wusste. Die Antworten waren interessant und verblüffend. Nur drei aus dieser Gruppe hatten jemals in irgendeiner Weise Kontakt zu lebenden Schafen gehabt.

Ein Schüler antwortete: „Meine Hauptbekanntschaft mit Schafen geht auf meine Kindheit zurück, als ich gezwungen war, ‚Little Bo Peep has lost her sheep‘ zu lernen. “ Eine andere Beobachtung machte deutlich, dass wir einige grundlegende Arbeit zu leisten hatten, bevor wir die Beziehungen zwischen Schafen und Hirten im Psalter untersuchten … „Nun, ich wusste nie viel über lebende Schafe, aber ich erinnere mich, dass wir immer Minzgelee bekamen, wenn sie Lammkoteletts servierten … ist das wichtig?“

Ich würde gerne glauben, dass die Antworten der Erstsemester nicht so gewöhnlich waren. In den darauffolgenden Jahren sind mir jedoch einige wundersame und seltsame Geschichten über palästinensische Schafe und ihr Wesen zu Ohren gekommen! Die Ansichten dieser Leute reichen von einer sehr romantischen Sicht der Schafe bis hin zu einer sehr düsteren Einschätzung ihres Charakters und ihrer Fähigkeiten.

In jüngerer Zeit haben sich Autoren mit weniger erhabenen Gefühlen über die Schafe geäußert.

Mir kommt der Gedanke, dass wir, wenn Jehova unser Hirte sein soll, zunächst erkennen müssen, dass wir Schafe sind. Ehrlich gesagt, gefällt mir dieser Vergleich nicht, denn ich mag keine Schafe. Diese Abneigung kommt ehrlich gesagt von mir. Ich habe früher Schafe gezüchtet. In der High School war ich im 4-H-Club und hatte eine Herde Schafe und Ziegen. Mit Ziegen kann ich mich anfreunden, denn sie mögen zwar unausstehlich sein, aber wenigstens sind sie klug. Schafe sind ohne Frage die dümmsten Tiere, die es auf der Welt gibt. Sie sind dumm und schmutzig und sie sind ängstlich und wehrlos und hilflos. Meine verirrten sich ständig, verletzten sich und wurden von Schlangen gebissen. Sie wissen buchstäblich nicht genug, um aus dem Regen zu kommen. Ich blicke mit großer Abscheu auf meine Zeit als Schafhirte zurück. Schafe sind erbärmliche Geschöpfe.

Wenn das Ihr Bild von diesen zarten kleinen Geschöpfen nicht trübt, lesen Sie dies:

… Ich bezweifle nicht, dass es schwer wäre, dümmere Tiere als Schafe zu finden. Aus irgendeinem Grund haben Schafe eine bemerkenswerte Begabung, sich zu verirren. Sie können sich auf einer schönen Weide wohlfühlen, bis ein revolutionärer Geist unter ihnen ein Loch im Zaun findet. In weniger Zeit, als man braucht, um es zu sagen, verlassen sie das Gras und laufen auf das Loch zu. Innerhalb von fünf Minuten wird kein einziges Schaf mehr auf der Weide sein, sondern Hunderte auf der Straße. Hupende Hörner, blökende Lämmer, quietschende Reifen und blökende Mutterschafe verwandelten die ruhige Landschaft in einen Tumult. Alles nur, weil sich ein Schaf verirrt hat und viele andere mitgerissen hat.

Schafe werden zwar nicht für ihren Mut, ihre Ausdauer oder ihre Kampffähigkeit ausgezeichnet, aber ich bezweifle, dass sie sich für die Wahl zum dümmsten Tier der Welt qualifizieren würden, auch wenn sie knapp dahinter liegen. Ich bin früher viel geritten und ich glaube, ich habe ein Tier geritten, das diese Auszeichnung erhalten hat. Schafe werden jedoch mehr als 500 Mal in der Heiligen Schrift erwähnt, und allein diese Tatsache sollte uns auf ihre Bedeutung aufmerksam machen.

Eine Herde breitschwänziger Schafe, die in der Regel in der Heiligen Schrift erwähnt werden. Levant Photo Service.

I. Palästinensische Schafe

Es gibt neun verschiedene hebräische Begriffe, die unterschiedlich übersetzt werden: Schaf, Bergschaf, Mutterschaf, Lamm und Widder. Das häufigste Wort, das mit Schaf oder Herde übersetzt wird, ist ṣōʾn. Die Schafe, von denen in der Bibel gewöhnlich die Rede ist, sind die Breitschwanzschafe (Ovis laticaudata). Diese Schafe wurden wegen ihres langen, breiten Schwanzes, der oft bis zu 25 Pfund wiegt, so bezeichnet. Die modernen Araber bezeichnen den Schwanz als ʾalyat oder liyat. Dies entspricht dem hebräischen Begriff ʾālyāh („fetter Schwanz“). Die autorisierte Version übersetzt diesen Begriff mit dem Wort „Schwanz“ (Exod. 29:22; Lev. 3:9; 7:3; 8:25, usw.). Nach dem achten Tag seines Lebens war ein Schaf zum Opfern (Lev. 22:19, 27) und zum Essen (Deut. 14:4) geeignet. Nur der Schafbock dieser besonderen Art hat Hörner; es gibt aber auch andere Schafsarten in Palästina, von denen das Mutterschaf ebenfalls Hörner hat. Die Hörner des Schafbocks wurden von den Priestern oft als Trompeten (Josua 6,4) und zur Aufbewahrung von Öl (1 Sam. 16,1) verwendet. Der Widder ist etwas aggressiver als seine Gattin, aber er ist in der Naturgeschichte nicht dafür bekannt, dass er die Herde oder sich selbst aggressiv verteidigt. Die Häute der Widder wurden rot gefärbt und beim Bau der Stiftshütte verwendet (2 Mose 36,19).

II. Der Charakter der Schafe

Die Heilige Schrift erinnert uns alle daran, dass „… wir wie Schafe in die Irre gegangen sind….“ (Jesaja 53:6). Diese Aussage ist keine oberflächliche Beobachtung, sondern beschreibt sehr genau die Veranlagung der Schafe. Schafe sind zwar harmlos, aber sie haben eine seltsame Neugier, die sie dazu bringt, umherzuwandern, sich zu verirren und dabei manchmal ihr Leben zu verlieren. Die Heilige Schrift weist immer wieder auf diese Schwäche hin (vgl. Mt 10,6; 1 Petr 2,25). Wenn die Schafe keinen Hirten haben, sind sie die hilflosesten Geschöpfe, wie es in Numeri 27,17 und Matthäus 9,36 heißt.

Melkende Schafe. In der Nähe von Deir ‚Alla (Succoth). Levant Photo Service.

Es war interessant, die Stimmung und die Aktivitäten der Schafe in den Hügeln von Juda zu beobachten. Vor allem an einem Tag saß ich mit Mohammad Yaseen zusammen und beobachtete das Verhalten der verschiedenen Schafe und Ziegen. Ein längerer Aufenthalt in diesem Weidegebiet bot mir eine besondere Gelegenheit, die große Vielfalt der Verhaltensmuster insbesondere der Schafe zu beobachten. Als ich ihre wechselnde Stimmung und Aktivität beobachtete, konnte ich genaue Parallelen zu Mitgliedern meiner Gemeinden in den vergangenen Jahren erkennen.

Es gab Schafe, die bei der Herde blieben und die Vorteile einer ausgewählten Weide genossen. Aber dann gab es auch die manchmal sehr jungen, manchmal alten Mutterschafe, die sich immer wieder von der Herde entfernten, obwohl das neu gefundene Gras von minderer Qualität war. Ich war sogar sehr erstaunt über das schäbige Gras, das oft die Aufmerksamkeit der Schafe auf sich zog.

Dann gab es die streitlustigen Widder oder Mutterschafe, die vorhersehbar für Unruhe in der Herde sorgten. Einmal saß ich da und sah zu, wie ein paar alte Mutterschafe miteinander um ein kleines Grasbüschel kämpften, das sie beide begehrten. Ich fand einen solchen Kampf unglaublich, denn um sie herum gab es ein reichhaltiges Angebot an sehr zartem Gras und Kräutern. Als ich ihnen beim Streiten zusah, kam mir die Anklage des Jakobus in den Sinn: „Woher kommen Kriege und Streitereien unter euch? Kommen sie nicht von euren Begierden, die in euren Gliedern kämpfen?“ (4:1). Ich fand es erstaunlich, dass sich diese beiden Tiere um diese kleine Portion Futter stritten, obwohl ihnen die ganze Weide gehörte. Ich habe mich oft gefragt, wie viele von Gottes Volk mit erbitterten Streitereien beschäftigt sind, während sie knietief in Gottes reichsten Vorräten stehen! Mit Scham und Schande sehen wir, dass viele Christen unterernährt sind – nicht weil der Hirte sie nicht versorgt hat, sondern weil sie mit ihren eigenen egoistischen Wünschen beschäftigt sind.

Einige Schafe waren sehr zart und empfindlich, stupsten den Hirten an und blieben in seiner Nähe, als ob sie eine besondere Gunst erwarteten. Andere Schafe, die ich als „Entdecker“ bezeichnete, waren im Allgemeinen nicht sehr zahlreich, bestanden aber darauf, die zugewiesene Weide zu verlassen und sich anderswo umzusehen. Einmal beschloss ein Lamm, sich seinen Futterplatz selbst auszusuchen, und fand sich schließlich am Rande einer 500 Fuß hohen Klippe wieder, der wir uns wegen der Brüchigkeit des Felsens nicht nähern konnten. Der Pfad, der zu diesem Ort führte, schien sicher genug zu sein, aber sein Ende war in der Tat gefährlich. Der Schreiber der Sprüche drückte es kurz und bündig aus: „Es gibt einen Weg, der dem Menschen richtig erscheint, aber sein Ende sind Wege des Todes“ (14:12, siehe auch 16:25).

Einige Schafe waren sich ihrer Situation nicht bewusst. Diese Schafe kauten auf der Vegetation herum, ohne die Gefahren um sie herum oder gar einen Felsbrocken vor ihnen zu bemerken. Vor allem ein altes Mutterschaf stieß sich ständig den Kopf an oder schürfte sich das Bein auf, weil es nicht auf die Umstände achtete.

Schafe geben je nach Lebensumständen verschiedene Laute von sich. Das Blöken ist jedoch das häufigste und am meisten erwartete Geräusch. Es kann ein sehr mitleiderregender Schrei sein – und doch gibt es Zeiten, in denen das Lamm oder das Schaf still steht, wenn die Gefahr am größten ist. Ich habe ein Schaf gesehen, das absolut still und scheinbar wie betäubt dastand, als das Messer fiel und es zu Tode brachte (Jes 53,7). Es war das Blöken der Schafe, das König Saul in große Verlegenheit brachte, nachdem er den Befehl Gottes zur Vernichtung der Amalekiter nicht ausgeführt hatte (1 Samuel 15,14).

Eine Tierfeder, gefunden auf einem Inschriftenstein an der Straße zwischen El Mefraq und Bagdad. Erstes Jahrhundert v. Chr. Aus The Symbolism of the Biblical World, von Othmar Keel, Seabury Press, Verlag.

Wir alle würden gerne glauben, dass wir als Gläubige bereit sind, alle Mächte um uns herum herauszufordern und zu besiegen. Ich vermute, es ist ein wenig beunruhigend zu erkennen, dass wir doch nur erlöste Schafe sind. Es ist diese Erkenntnis, die uns veranlasst, in der Fürsorge unseres Hirten zu ruhen. Die Heilige Schrift erinnert uns daran, dass der Satan wie ein „brüllender Löwe“ umhergeht (1 Petrus 5,8), und Sie wissen genau, dass er es auf Lammkoteletts abgesehen hat! Es obliegt jedem von uns, in der Nähe unseres Hirten zu sein, der den Feind kennt und den Seinen Schutz bietet. Die Gefahr für die Herde kommt jedoch nicht immer von außen, denn wir werden gewarnt, dass falsche Propheten in Schafskleidern auftreten (Mt 7,15). Der Herr Jesus sagte auch zu seinen eigenen Jüngern, dass er sie aussendet „… wie Schafe mitten unter die Wölfe; darum seid klug wie die Schlangen und harmlos wie die Tauben“ (Mt 10,16). Dieser Ausblick soll bei denen, die ihm dienen wollen, keine Angst und Unsicherheit hervorrufen, sondern ist eine realistische Warnung vor dem bösartigen Hass, dem sie begegnen werden. Er ermutigte sie mit diesen Worten: „Wenn sie euch aber überliefern, so sorget nicht, wie oder was ihr reden sollt; denn es wird euch zu derselben Stunde gegeben werden, was ihr reden sollt“ (Mt 10,19).

Die Lehren aus der Herde und den Schafen sind also unerschöpflich. Ich habe beobachtet, wie gut gefütterte Schafe auf langen Reisen beträchtliche Kraft zeigten; aber die schwachen und dünnen Tiere, die aus verschiedenen Gründen die bereitgestellte Nahrung nicht verwerteten, hatten es schwer auf der Reise. Die vielleicht traurigste Szene von allen waren die Knochen in der Wüste. Immer wieder habe ich bei meinen Wanderungen durch die karge Wildnis die skelettierten Überreste eines Schafes oder einer Ziege gesehen, die sich verirrt hatten und in der Wüste gestorben waren. Dies war ein dramatisches Bild für die verzweifelte Notwendigkeit der Führung durch den Hirten.

III. Größe und Art der Herden

Es wird oft angenommen, dass die palästinensische Herde eher klein ist, aber das war zu Zeiten des Alten Testaments nicht der Fall und ist es auch heute nicht immer. Hiob zum Beispiel hatte 14.000 Schafe in seiner Herde (vgl. Hiob 42,12). Der reiche Nabal hatte 3.000 Schafe und 1.000 Ziegen (vgl. 1 Sam 25,2). Salomo muss über eine große Anzahl von Schafen verfügt haben, da er bei der Einweihung des Tempels 120.000 opfern konnte (vgl. 1 Könige 8,63). Die Araber sollen Josaphat 7 700 Widder und 7 000 Ziegenböcke als Tribut gebracht haben (vgl. 2. Chronik 17,11). Für solche Herden waren mehrere Unterhirten erforderlich, um sie ordnungsgemäß zu zählen und zu versorgen. Normalerweise gab es in einer Herde nicht sehr viele Widder. Zu Zuchtzwecken kam in der Regel nicht mehr als 1 Widder auf 20 Mutterschafe. Heute umfassen die meisten Beduinenherden zwischen 30 und 75 Schafe oder Schafe und Ziegen. Natürlich gibt es auch Ausnahmen von dieser kleinen Zahl, aber diese Herdengröße scheint für einen einzelnen Hirten ideal zu sein.

Junger arabischer Schafhirte führt die Herde seines Vaters nach Dothan. Levant Photo Service.

IV. Der Wert des Schafes

In einer Agrar- und Hirtengesellschaft waren diese Tiere äußerst wertvoll und wurden normalerweise durch das Gesetz geschützt. Die meisten antiken Gesetzbücher und das mosaische Gesetz verwiesen auf die Pflichten eines Hirten und die Strafen für diejenigen, die Tiere stahlen oder vernichteten. Diese Tiere lieferten Nahrung zum Essen, Milch zum Trinken (vgl. Dtn 32,14) und Wolle zur Herstellung von Stoffen und zum Beziehen von Zelten. Schafe waren oft ein Tauschmittel und wurden häufig für Opfer verwendet.

Die Schafschur fand in der Regel im Frühjahr statt und war Anlass für besondere Feierlichkeiten und Feste (vgl. 2 Sam 13,23). Die erste Erwähnung der Schafschur findet sich in Genesis 31,19 im Zusammenhang mit der Tätigkeit Jakobs und Labans. Je nach Rasse und Weidebedingungen wiegt ein Schaf zwischen 3 und 30 Pfund.

Schafe waren manchmal als Haustiere wertvoll und wurden von ihren Besitzern sehr geliebt. Eine Anspielung darauf findet sich in 2 Samuel 12,3, als Nathan vor David erschien. Er sprach von einem armen Mann, der nichts besaß „… außer einem Lämmchen, das er großgezogen und aufgezogen hatte; und es wuchs mit ihm und seinen Kindern auf, aß von seiner eigenen Speise und trank aus seinem eigenen Becher und lag in seinem Schoß und war ihm wie eine Tochter.“

Der Abdruck eines Zylindersiegels aus dem dritten Jahrtausend vor Christus. Aus The Symbolism of the Biblical World von Othmar Keel, Seabury Press, Verlag.

Im heutigen Palästina gibt es auch Haustiere. Das häufigste von ihnen ist der Maʾluf. Das Wort bedeutet „gefüttert“ oder „überfüttert“. Ein Schriftsteller beschreibt den Maʾluf-Widder mit etwas romantischem Unterton wie folgt:

Seine Wolle ist kurz und im Allgemeinen schwarz. Es ist ein sehr hübsches Tier, mit süßen haselnussbraunen Augen, einem schön geformten Kopf und schlanken Beinen, die denen der Gazelle von Gilead ähneln. Wenn man dazu noch einen Hauch von Unschuld und Fügsamkeit hinzufügt, ist es nicht verwunderlich, dass Johannes das Tier für ein Symbol Christi hielt. Unsere Maloof-Schafe lassen sich in ihrer Schönheit nicht mit den amerikanischen Schafen vergleichen, die ich auf den Viehhöfen von Chicago gesehen habe. Eure Schafe sehen für mich eher aus wie die Pariah-Hunde von Beirut und Konstantinopel als alles andere.

Oft wurden diese Schafböcke nur zu dem Zweck gemästet, um das Fleisch für ganz besondere festliche Anlässe zu liefern. Viele der Beduinenhirten haben Lieblingsschafe oder -lämmer und schenken ihnen besondere Aufmerksamkeit und Pflege. Im Haushalt eines armen Mannes jedoch wäre ein einziges Schaf von größtem Wert, und in diesem Licht forderte Nathan David heraus. Seine Veranschaulichung war sehr treffend, denn David kannte als Hirte den Wert eines einzigen Lammes sehr gut. Noch größer ist der Wert desjenigen, der durch das Blut Christi erlöst wurde. Diejenigen, die dem guten Hirten gehören, sind sein Besitz.

John J. Davis – Der perfekte Schäfer – Studien zum 23.Psalm

freiwillig, unverdient, unsere Rettung, geplant

Gnade euch und Friede von Gott, dem Vater, und unserem Herrn Jesu Christi, der sich selbst für unsere Sünden hingegeben hat, damit er uns herausnehme aus der gegenwärtigen bösen Welt, (O. Zeitalter, Zeitlauf) nach dem Willen unseres Gottes und Vaters, welchem die Herrlichkeit sei (O. ist) in die Zeitalter der Zeitalter! Amen
Elberfelder 1871 – Gal 1,3–5

Gnade sei (mit) euch und Friede von Gott, unsrem Vater, und dem Herrn Jesus Christus, (a) 1Kor 1:3
der sich um unsrer Sünden willen dahingegeben hat, um uns aus der gegenwärtigen bösen Welt zu erretten nach dem Willen Gottes, unsres Vaters, (a) Ga 2:20; Mt 20:28; Eph 5:2; 1Ti 2:6; Tit 2:14; 1Jo 5:19
dem die Ehre gebührt in alle Ewigkeit. Amen. (a) 2Ti 4:18
Zürcher 1931 – Galater 1,3–5

Wir wünschen euch Gnade und Friede von Gott, unserem Vater, und von Jesus Christus, dem Herrn. Er hat sich selbst für uns geopfert und ist nach dem Willen Gottes, unseres Vaters, für unsere Sünden gestorben, um uns aus dieser bösen Welt, in der wir leben, zu retten. Dafür loben und ehren wir ihn in alle Ewigkeit. Amen.
Neues Leben – Bibel 2006 – Galater 1:3–5

Hallo, Leute! Ich wünsche euch Frieden und die Liebe, die man von Gott durch Jesus Christus bekommt. Der steht über allem! Jesus hat sich für uns abschlachten lassen; er ist für den ganzen Dreck gestorben, der uns von Gott trennt. So wollte es Gott, der unser Vater ist. Sein Plan war, dass wir dadurch aus dieser Welt gerettet werden können, in der wir zurzeit leben und die mit Gott nichts zu tun haben will. Dass er das getan hat, ist einfach nur geil, dafür kann man ihm nie genug danke sagen! Auf sicher [Amen]!
VolxBibel – Gal. 1,3–5

Paulus begann den Brief ganz normal. Das Muster für einen antiken Brief war: „Von A“, „an B“, „Gruß“. Diesem Muster folgend, schreibt er: „Von Paulus an die Gemeinden in Galatien: Gruß.“ Das „von“ ist: Paulus … und alle Brüder, die mit ihm sind, gemäß den Versen 1-2a. Das „an“ findet sich in Vers 2b: die Gemeinden von Galatien.

Das Buch der Galater war ein Enzyklika-Brief, also einer, der unter den verschiedenen Gemeinden in der Provinz Galatien verteilt werden sollte. In seinem ausführlichen Grußwort stellte Paulus die drei Themen heraus, mit denen er sich befassen wollte.

Der erste Punkt ist die Tatsache seiner apostolischen Autorität in Vers 1: Paulus, ein Apostel. Außerdem ist seine apostolische Autorität nicht von Menschen und auch nicht durch Menschen. Sie ist nicht von Menschen, indem seine apostolische Autorität nicht menschlichen Ursprungs ist; sie ist auch nicht durch Menschen, sie ist nicht durch irgendein menschliches Mittel zu ihm gekommen. Seine apostolische Autorität ist göttlichen Ursprungs. Sie ist durch Jeschua den Messias und Gott den Vater, durch Jeschua den Messias als Instrument und durch Gott den Vater als Quelle. Die ultimative Quelle der apostolischen Autorität des Paulus war also Gott der Vater, und seine apostolische Berufung kam durch Jeschua den Messias.

Der zweite Punkt ist, dass die Errettung allein aus Gnade durch den Glauben erfolgt, wie es in Vers 4a heißt. Paulus erklärt, dass Jeschua, der Messias, sich selbst für unsere Sünden gegeben hat. Das ist das Evangelium: dass Jeschua für unsere Sünden gestorben ist, und die Essenz des Evangeliums trägt das Konzept der Stellvertretung. Die Annahme des stellvertretenden Todes des Messias ist das, was rettet, und das allein. Das Wort Gnade ist das Schlüsselwort im ganzen Brief und betont, dass die Errettung aus Gnade durch den Glauben geschieht, und nichts anderes.

Das dritte Anliegen dieses Briefes ist es, den Glauben der galatischen Gläubigen zu stärken, indem sie in den Versen 4b-5 auf ihre Heiligung hingewiesen werden. Jeschua kam, um sie aus der Welt zu erretten; das heißt, aus diesem gegenwärtigen bösen Zeitalter. Das ist das Nebenprodukt der Gnade: dass er uns aus dieser gegenwärtigen bösen Welt erlösen würde, nach dem Willen unseres Gottes und Vaters. Der Wille Gottes ist die Quelle der Gnade, und die Herrlichkeit Gottes ist der Grund und das Ziel der Gnade. Nachdem er Gott erwähnt hat, schließt er mit dem Wort Amen ab.

Arnold G. Fruchtenbaum – Allein durch den Glauben – Der Galaterbrief, das mosaische Gesetz und die Bedingung unserer Errettung

Gal 1:4-5 : Fast im ganzen Judentum wurde die Menschheitsgeschichte damals in zwei Zeitalter unterteilt: das gegenwärtige Zeitalter (unter der Herrschaft der bösen Völker) und das zukünftige Zeitalter (in dem nur noch Gott herrschen würde). Da der für die Zukunft erwartete Messias bereits zum ersten Mal gekommen war, kann Paulus sagen, dass die Christen heute schon Bürger des künftigen Gottesreiches sind. Zu »dahingegeben« siehe Jes 53,10-12 und 43,3-4 .

Craig Keener – Kommentar zum Umfeld des Neuen Testaments

(3-5) Es folgt der auch sonst übliche Segensgruß: „Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus“ (vgl. Röm 1,7; 1Kor 1,3; 2Kor 1,2; Phil 1,2). Er wird aber stark erweitert. Paulus macht bereits hier eine entscheidende theologische Aussage. Jesus Christus ist der, „der sich selbst für unsre Sünden dahingegeben hat“ (vgl. Gal 2,20). Warum hat er das getan? Damit „er uns errette von dieser gegenwärtigen, bösen Welt nach dem Willen Gottes, unseres Vaters“.

Martin Luther hat das Anliegen des Apostels Paulus folgendermaßen auf den Punkt gebracht: „Er gab. Was? Nicht Gold, nicht Silber, nicht Opfertiere, nicht Osterlämmer, nicht einen Engel, sondern sich selbst. Wofür? Nicht für eine Krone, nicht für ein Königreich, nicht für unsere Heiligkeit oder Gerechtigkeit, sondern für unsere Sünden. Diese Worte sind lauter himmlische Donnerschläge gegen alle menschliche Gerechtigkeit.“ (Martin Luther, Vorlesung über den Galaterbrief 1531, zit. in Oepke, 45)

(5) Der Eingangsgruß wird mit einem Lobpreis abgeschlossen: „… dem sei Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit!“ Diese Formel findet sich auch in anderen Paulusbriefen (Röm 11,36; Eph 3,21; 1Tim 6,16) – aber nur hier bereits zu Beginn des Briefes. „Hier … vertritt der Lobpreis am Ende der Salutatio offensichtlich den Dank an Gott für den guten Zustand der Gemeinde, der aus wohlbegründetem Anlass unterblieben muss.“ (Rohde, 36).

Mainka – Galaterbrief

Nicht Zorn und Verdruss haben Paulus die Feder geführt. Ein Strom von Empfindungen geht warm durch seinen Brief: Besorgnis und Furcht für die Gemeinden, Unwille gegen ihre Verderber, Strafernst im Blick auf deren Bosheit, Zärtlichkeit in der Erinnerung, wie nahe ihm die Gemeinden stehen, Mut und Zuversicht, dass das Evangelium mächtiger sein wird als alle Lügen der Verführung, aber nicht Ärger und gereizte Empfindlichkeit. Darum beginnt der Apostel auch hier mit dem fürbittenden Segenswunsch, der den Gemeinden die Gnade zuwendet, die uns mit Frieden umgibt. Der Zusatz, den er noch beifügt, zeigt auf das Werk Jesu hin, durch das Gott und Christus der Welt ihre Gnade erzeigten und den Frieden bereiteten, und legt das Fundament zum ganzen Christenglauben. Vergessen wir nicht, was Jesus für uns getan hat, so sind wir vor aller Verirrung geschützt und bleiben bei der Gnade und kehren nicht zum Gesetz um. Dann sehen wir nicht auf den Glauben herab, als wäre er etwas Geringes, sondern erkennen unser Heil darin, dass wir uns an Christus halten dürfen. Der Glaubensgrund besteht in der Liebe Jesu, in der er sich nicht unserer Sünden wegen von uns schied, vielmehr um ihrer willen sich selbst mit dem Kreuz belud. Sein Tod ist deshalb nötig, weil wir als Glieder einer bösen Welt in deren Art und Geschick verflochten sind. In allem, was die Welt jetzt ist, kommt das verkehrte, sündliche Verhalten des Menschen ans Licht; darum ist nicht die gegenwärtige, sondern die zukünftige Welt die bleibende. Diese wird von Gnade und Herrlichkeit erfüllt sein; jene dagegen vergeht und ist unter das Gericht Gottes gestellt. Dass wir aus dem verderblichen Zusammenhang mit dieser argen Welt herausgenommen und in die zukünftige Welt eingebürgert werden, das ist die Hilfe, deren wir bedürfen, und das Ziel Jesu in seinem Tod. Durch sein Sterben hat er die Fessel beseitigt, die uns an diese arge Welt gebunden hält und in ihren Fall hineinzieht, und hat er uns in die neue und zukünftige Welt eingepflanzt, in die er selbst durch seinen Tod emporgestiegen ist. Damit sind wir vom Gesetz losgelöst. Mögen wir auf unsere Sünden sehen, um deren willen Jesus gestorben ist, oder auf seine Liebe, die er uns mit seinem Tod erwiesen hat, oder auf die böse Welt, in der wir stehen, oder auf die zukünftige Welt, deren Glieder und Erben wir durch seinen Tod geworden sind — all das wendet unsere Hoffnung gänzlich vom Gesetz weg. Uns Sündern hilft kein Gesetz aus unserer argen Welt heraus; es gehört selbst zu dieser gegenwärtigen Weltgestalt. Und wer die Liebe Jesu kennt und aus seiner Hand das Bürgerrecht in der zukünftigen, himmlischen Welt empfangen hat, der hat, was er braucht; er sucht es nicht anderswo als bei Jesus und sucht es nicht beim Gesetz. Durch seinen Tod hat Jesus dem Willen Gottes gedient. In den Blick auf Jesu Kreuz kommt die Zuversicht und die Freude dadurch hinein, dass hier der Wille Gottes geschehen ist. Eine solche Erlösung hat Gott für uns gewollt. Daher erhebt sich im Apostel im Blick auf den Tod Jesu der Lobpreis Gottes, und er schaut empor zu Gottes ewiger Anbetungswürdigkeit.

Dem Gruß lässt Paulus sofort sein Urteil über die Vorgänge folgen, die sich in den Gemeinden zutrugen. Die Belehrung und Beweisführung gibt er erst hernach. Zuerst sollen sie deutlich wissen, wie er über ihre jüdischen Neigungen denkt. Die Galater wollten Christus nicht verleugnen; denn die jüdischen Männer, die sie verlockten, waren auch Christen; sie priesen Jesus als den Herrn der ewigen Gemeinde und hofften auf ihn. So wollten auch die Galater Christus und das Gesetz, den Glauben an Jesus und die Beschneidung zusammenfügen. Sie werden sich eingeredet haben, sie gäben im Grunde nichts von dem preis, was sie von Paulus empfangen hatten; sie blieben ja gläubig und Christus Untertan und machten nur einen Schritt vorwärts zur Vollendung ihres Christenstands, wenn sie sich auch noch unter das Gesetz stellten und dem Volk Gottes einverleibten. So verdeckten sie sich den Widerstreit zwischen dem Wort Jesu und diesem neuen scheinbar erst ganz sicheren Weg zur Seligkeit. Solche Einbildungen zerstört Paulus sofort. In seinen Augen sind die neuen Neigungen der galatischen Gemeinden nicht unschuldig. Sie können den neuen Weg nicht gehen, ohne vom alten abzutreten, können nicht nach dem Gesetz greifen, ohne Christus fahrenzulassen. Darum erhält das Wort des Apostels einschneidenden Ernst. Der Gegensatz zwischen ihm und jenen jüdischen Männern muss deutlich werden. Es soll Klarheit an die Stelle der Selbsttäuschungen treten. Die Gemeinden sollen wissen, was sie verlieren, sollen wissen, dass sie verführt werden, vom Evangelium abtreten und die Weisung des Apostels verachten, wenn sie aus ihrem jüdischen Eifer nicht umkehren. Erst, nachdem Paulus die Gemeinden aus ihrer leichtsinnigen Sorglosigkeit aufgeweckt und ihnen die Bedeutung ihrer Entscheidung fühlbar gemacht hat, geht er belehrend auf die Frage ein, die sie bewegt.

Schlatter – Erläuterungen zum Neuen Testament

»Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus.«

In der Gemeinde Jesu Christi steht als erstes die »Gnade«. Dabei ist »Gnade« kein allgemeiner Begriff, sondern näher bestimmt als »Gnade von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus«. Im Griechischen ist »Gnade« verwandt mit dem Wort für Freude. Sie meint dann das Erfreuende. Tiefer erfassen wir die Bedeutung vom Hebräischen her: »Gnade« bezeichnet dort die erbarmende Hinwendung Gottes zum Menschen als ein Tun Gottes. »Gnade«, damit bezeichnet Paulus das ganze Evangelium, das Heilsgeschehen in Jesu Leiden, Sterben und Auferstehen (vgl. Apg 15,11; Röm 3,23 ((ff.)); Röm 5,10; auch Gal 2,17-21). Gottes Tat als »des Vaters« ist eben dieses Erbarmen, das er uns in Jesus Christus und seiner Rettertat am Kreuz angeboten hat. Erst wer diese »Gnade« erfahren hat, wer mit Jesus Christus lebt, der wird auch den »Frieden« haben. Wo Jesus Christus »Herr« ist, wo »Gnade« regiert, da kann auch »Friede« werden. »Friede« als Versöhnung mit Gott durch die Gnade Jesu Christi. Das ist kein gedankenloser, flüchtiger Höflichkeitsgruß, sondern der Zuspruch der vollen Liebe Gottes, wie er in Jesus Christus Wirklichkeit geworden ist.

Gal 1,4:

»Der sich selbst für unsere Sünden gegeben hat, dass er uns errette von dieser gegenwärtigen, argen Welt nach dem Willen Gottes und unseres Vaters.«

Nun werden die Begriffe gefüllt. Das ist die Gnade, dass er »sich selbst für unsere Sünden gegeben hat«. Damit ist schon die endgültige Abweisung aller anderen Wege zur Beseitigung der Sünde ausgesprochen. »Für uns«, das ist das Herzstück des Evangeliums. Der Tod Jesu am Kreuz ist das Ende aller anderen Wege zum Heil, auch und gerade des Weges, durch das Halten des Gesetzes zur Gerechtigkeit zu kommen. Christus hat sich für unsere Sünden gegeben. Er ist das Opfer geworden, das Gott annimmt. So und nur so geschieht Rettung. »Dass er uns errette«, denn vorher waren wir alle verloren. Am Kreuz Jesu Christi geschieht Rettung. Es ist ein dramatisches Wort, dieses »retten«, denn es führt uns schonungslos unsere Lage vor Augen. Christus überhöht nicht unsere eigenen Anstrengungen. Er will auch nicht nur anleiten, uns Hilfe zur Selbsthilfe geben; er »reißt uns für sich heraus«, ja er »raubt uns für sich heraus« – so wörtlich – aus »dieser gegenwärtigen, argen Welt«. Er entreißt uns und raubt uns dem Bösen, dem Satan, der der Herr der gegenwärtigen Weltzeit ist. Es ist ein Kampf auf Leben und Tod, den Jesus hier kämpft, der sein Leben fordert. So aussichtslos ist die Situation des Menschen in dieser Welt des Bösen: Er ist gefangen und versklavt an den Bösen. Nur so kann er gerettet werden, dass Jesus Christus ihn dieser Gefangenschaft entreißt.

Er tat solches »nach dem Willen Gottes, unseres Vaters«. Dort liegt der Grund seines Sieges über den Bösen: im Gehorsam gegen seinen Vater. Nur so konnte uns Jesus aus dem reißenden Strom des Verderbens retten, dass er sich selber an das Seil klammerte, das Gott festhielt. Eben darin erweist sich Gott als »unser Vater«, dass er den Sohn zu diesem Rettungswerk sendet und darin festhält. Darum kommt ihm die Ehre zu.

Gal 1,5:

»… welchem sei Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.«

Gott gehört alle »Ehre«. Es ist allein sein Wille und sein Handeln, wodurch solche Rettung geschehen ist. Wer etwas anderes lehrt, der nimmt Gott die Ehre. Paulus betet Gott an.

Er tut das mit dem biblischen Lobpreis, der schon im Alten Testament die Majestät Gottes pries: »Von Ewigkeit zu Ewigkeit«. Gott steht über der Zeit und den Zeiten. Er bleibt treu durch alle Zeiten hindurch.

Dieser überwältigende Lobpreis wird mit einem »Amen« abgeschlossen. Ja, so ist es! Jeder soll in dieses Lob mit einstimmen. Kann ein Mensch denn anders, als anzubeten, wenn er das Heilshandeln Gottes in Jesus Christus erkennt? Dieses Amen hat aber auch abschließenden Charakter. Im Grunde hat Paulus in diesen kurzen, wie gemeißelt dastehenden Sätzen, schon alles gesagt, was gegen die Verfälschung des Evangeliums in den galatischen Gemeinden gesagt werden muss. Wer nicht einfallen will in dieses anbetende Amen, dem wird es als richtendes Amen zum Urteil.

Gerhardt Maier – Edition C

Erstens: Das Kreuz war eine freiwillige Tat. Jesus hat sich bereitwillig für unsere Sünden geopfert. Es war seine Entscheidung. Gott-Vater hat ihn nicht dazu gezwungen. Gott hat nicht gesagt: Du musst es tun. Jesus ist freiwillig gekommen.

Zweitens: Das Kreuz war unverdient. Jesus ist für unsere Sünden gestorben, nicht für seine Sünden. Paulus schreibt: „der sich selbst für unsere Sünden dahingegeben hat“. Jesus war unschuldig. Er musste nicht sterben. Er ist am Kreuz gestorben, weil wir schuldig sind. Er hatte den Tod nicht verdient, und diese Art Tod  erst recht nicht.
Drittens: Das Kreuz war zu unserer Rettung (Vers 4). Die gegenwärtige Welt  ist eine Welt, die sich gegen Gott und seine Gebote aufgelehnt hat. Alle Menschen sind schuldig vor Gott und deswegen im Blick auf ihr geistliches und ewiges Sein verloren. Das Kreuz Christi bietet uns jedoch Rettung an, so dass wir nicht mehr schuldig sind und nicht mehr für uns selbst leben, sondern als Kinder Gottes frei sein können.
Viertens: Das Kreuz war geplant: „Nach dem Willen Gottes….“ Das sagt das ganze Neue Testament. Das Kreuz war weder Zufall noch Unfall. Das Kreuz war eine Tragödie, aber es war eine geplante Tragödie. Gott hat immer den Plan gehabt, uns durch das, was Jesus am Kreuz getan hat, zu retten.

ERF – Der Galaterbrief

„bin Christ damit es mir gut geht“?

Und als sie jener Stadt das Evangelium verkündigt und viele zu Jüngern gemacht hatten, kehrten sie nach Lystra und Ikonium und Antiochien zurück, indem sie die Seelen der Jünger befestigten, und sie ermahnten, im Glauben zu verharren, und daß wir durch viele Trübsale (O. Drangsale) in das Reich Gottes eingehen müssen.
Elberfelder 1871 – Apg 14,21–22

Sie reisten wieder über Lystra, Ikonion und Antiochia,  und in allen drei Städten stärkten sie die Jünger ´in ihrem Vertrauen auf Jesusund ermutigten sie dazu, unbeirrt am Glauben festzuhalten. »´Nach Gottes Plan«, so sagten sie zu ihnen, »müssen wir viel Schweres durchmachen, ehe wir in sein Reich kommen.«
Neue Genfer Übersetzung – Apostelgeschichte 14,21–22

Da angekommen, bauten sie erst mal die Christen auf, die noch nicht so lange dabei waren. Sie ermutigten sie, mit Gott voll durchzuziehen. Sie erinnerten sie auch noch einmal dadran, dass der Weg, der in das Land führt, in dem Gott das Sagen hat, echt hart ist und auch viel Schmerzen mit sich bringen kann.
VolxBibel – Apg 14:22

Im Glauben
«Sie befestigten die Seelen der Jünger und ermahnten sie, im Glauben zu verharren, und dass wir durch viele Trübsale in das Reich Gottes eingehen müssen (Apg 14,22).
Paulus und Barnabas besuchten auf ihrer Rückreise nach Antiochien die neuentstandenen Versammlungen in Kleinasien, um die Jünger zu befestigen. Sie ermahnten sie, im Glauben zu verharren.
Glaube war der Ausgangspunkt ihres neuen Lebens. Sie hatten Gott geglaubt, der sagt, dass alle Menschen gesündigt und sein heiliges und gerechtes Gericht verdient haben, und dass es nur einen einzigen Weg der Erlösung gibt: über das Kreuz von Golgatha, wo sein Sohn für fremde Schuld gestorben ist.
Aber das war nur der Anfang. Ihr weiteres Leben auf dieser Erde würde ein Leben des Glaubens sein, wo sie sich nicht am Sichtbaren festhalten konnten. Ihre Berufung war himmlisch. Es war ihnen kein angenehmes Leben inmitten sichtbarer irdischer Segnungen verheissen. Im Gegenteil! Der Weg des Gläubigen ist oft mühsam und gefahrvoll. Er ist alles andere als gemütlich. Gott weiss, wie oft uns der Glaubensblick nach oben fehlt, auf die Fürsorge unseres himmlischen Vaters, und wie leicht wir auf die Umstände und zu Boden schauen, statt im Glauben vorauszublicken an das herrliche Ziel.
An manchen Stellen des Neuen Testaments ist mit «Glaube» das ganze Glaubensgut, die Verheissungen und Lehre, auf die sich der Glaube stützt, gemeint. «Sofern ihr in dem Glauben gegründet und fest bleibt und nicht abbewegt werdet von der Hoffnung des Evangeliums» (Kol 1,23; siehe auch Kol 2,7; 1 Timotheus 1,19; 3,9; 6,20.21). Auch in diesem Sinn sollen wir im Glauben verharren, da die Gefahr besteht, dieses Glaubensgut zu verlieren. Das Wort benützt dafür sehr ernste Ausdrücke: «was den Glauben betrifft, Schiffbruch erleiden», «vom Glauben abirren» oder «hinsichtlich des Glaubens das Ziel verfehlen»
So ist die Aufforderung, im Glauben zu verharren, bestimmt auch für uns geschrieben!

Halte fest 1980

„Sie stärkten die Seelen der Jünger, sie mahnten im Glauben zu bleiben.“ Auch die entschiedenste und klarste Bekehrung ist nur ein Anfang! Es ist eine gefährliche Täuschung, wenn man meint, nun gehe alles „von selber“ weiter. Jetzt gerade kommen die Kämpfe, die Anfechtungen, die Fragen. Ein Christenleben ist nicht ein erbaulicher Spaziergang auf Rosenpfaden, sondern ein gefahrvoller Weg durch Feindesland! Darum bedürfen die Seelen der Jünger der Stärkung und des Zuspruchs! Wie ernst hat ein Paulus diese Aufgabe genommen, jeden einzelnen „wie ein Vater seine eigenen Kinder“ zu ermahnen, ja zu „beschwören“, Gottes und seines Rufes würdig zu wandeln (1 Th 2,11; Apg 20,31)! Im NT ist immer beides zugleich als lebendige Wahrheit da, was logisch sich zu widersprechen scheint: die selige Gewissheit, dass niemand und nichts uns aus der Hand des guten Hirten reißen kann, und die ernste Notwendigkeit, dass wir mit allem Einsatz „im Glauben bleiben“. Wer das eine vom andern in falscher Konsequenz löst, gerät entweder in gefährliche Sicherheit oder in ebenso gefährlichen unruhigen Eifer.
Die beiden Missionare sagen den Gemeinden, was wir lange Zeit viel zu wenig gesagt haben: „… dass wir durch viele Drangsale in das Reich Gottes eingehen müssen.“ Wieder bestätigt der 1. Thessalonicherbrief (3,3 f) diese Angabe des Lukas. Hier sind nicht die Leiden gemeint, die, ganz abgesehen von der Glaubensstellung, jede Kreatur in dieser Welt des Todes treffen. Durch sie kommt man ja doch nicht in das Reich Gottes! Sondern es sind die „Drangsale“ gemeint, die eben durch unsern Glauben an Jesus über uns kommen. Solche „Drangsale“ sind nicht ein unangenehmes Missgeschick, das man eigentlich vermeiden kann und das nur selten und vorübergehend einmal Christen trifft. Nein, mit Notwendigkeit führt der Weg in das Reich Gottes durch sie hindurch. Wir müssen uns fragen, ob wir überhaupt auf dem richtigen Wege in das Reich Gottes sind, wenn wir solchen Drangsalen nicht begegnen. Darum aber stärkt uns umgekehrt das Ziel dieses Weges auch für das Ertragen dessen, was zur Erreichung des Zieles durchlitten werden muss. Denn dieses Ziel ist von einzigartiger Größe und Herrlichkeit: „die Königsherrschaft Gottes“. „In das Reich Gottes eingehen“ ist nicht „in den Himmel kommen“. Wohl ist uns Gutes auch für den „Zwischenzustand“ nach dem leiblichen Sterben verheißen (Lk 23,43; Röm 14,7 f; 2 Kor 5,8; Phil 1,23; Joh 14,3), aber für den Blick der ntst. Männer war das wirklich nur „Zwischenzustand“, auf den das Auge nicht eigentlich gerichtet war. „Reich Gottes“, das sind die mächtigen Ereignisse, in denen Gott durch Jesus seinen weltweiten Plan vollendet. Und dieser Herrlichkeit gegenüber wiegen die Leiden des gegenwärtigen Äons nichts (Röm 8,18; 2 Kor 4,17).

Wuppertaler Studienbibel

Auch in der (wohl recht alten, historisch aber unbedeutenden) Stadt Derbe wird das Evangelium verkündigt, ohne dass Lukas nähere Einzelheiten kennt oder weitergeben will. Einzig von Interesse für uns ist, dass Gajus, ein späterer Mitarbeiter des Paulus, aus dieser Stadt stammte (vgl. Apg 20,4). Insgesamt muss dort eine recht ansehnliche Gemeinde entstanden sein. In dem griech. Wort für »beträchtlich« steckt weniger der Gedanke an die »große Menge«, wohl aber der, dass die schon vorher bestimmte Vollzahl erreicht wurde, mit anderen Worten: dass all jene zum Glauben kamen, die Gottes Plan dazu bestimmt hatte.

Bemerkenswert ist, dass Paulus beginnt, nach den von ihm begründeten Gemeinden zu sehen, und das selbst dann, wenn es für ihn mit Gefahr für Leib und Leben verbunden sein sollte. Er war nicht der Typ des Evangelisten, der einen Ort »evangelisiert«, um dann auf Nimmerwiedersehen zu verschwinden. Er war immer auch Seelsorger, dem es nicht um den zahlenmäßig zu erfassenden »Erfolg« einer Arbeit ging, sondern um die Menschen, die durch ihn in neue Lebensverhältnisse gebracht worden waren. In unserem Text wird das seelsorgerliche Element eben an dem Wort deutlich, dass sie »die Seelen der Jünger stärkten« (V. 22). »Seele« ist im Griechischen (und übrigens auch im Hebr.) nicht mit jenem Akzent des Gefühlvollen belastet wie im Deutschen. Wenn es um die Seele geht, geht es um den ganzen Menschen, um sein Leben, mehr noch: um seine (ewige) Existenz. Nicht nur blasses Mutmachen ist hier gemeint. Seelsorge hat die ewige Existenz des Menschen vor Gott im Blick. Sie schließt selbstverständlich das Mutmachen nicht aus, beschränkt sich aber nicht darauf. Die jungen Christen sollen »im Glauben bleiben«. Hier klingt der Ton des Beharrens trotz Schwierigkeiten und Widerständen mit. Das wird sogleich auch ausgesprochen, wenn die Apostel sagen: »Es ist uns bestimmt, durch viele Bedrängnisse in die Königsherrschaft Gottes einzugehen« (V. 22 b). Dem »Bestimmtsein« haftet wieder der Gedanke des göttlichen Plans an. Die Apostel sahen in ihrem Leiden um Christi Willen einen guten Plan Gottes sich erfüllen. Welchen Sinn aber mag solches Leiden haben? Es mag der Läuterung des Glaubens, auch des Charakters dienen, es mag das Vertrauen auf die eigenen Möglichkeiten läutern, es mag die Glaubwürdigkeit des Zeugnisses verstärken.

Gerhard Maier – Edition C

VV 21–22 Mit εὐαγγελισάμενοι nimmt der Bericht die Notiz von V 7 auf: Die „Apostel“ verkündigten ihre Botschaft auch in Derbe, dem äußersten Punkt ihrer Reise. Die verkürzende Formulierung, die die Stadt selbst als Adressat der Botschaft nennt, deutet zugleich auf den öffentlichen Charakter der Verkündigung hin. Viele „Jünger“ werden gewonnen. Dann kehren Paulus und Barnabas wieder zurück, auf dem gleichen Weg, den sie gekommen waren, „nach Lystra und Ikonium und Antiochia“. Es handelt sich um die gleiche Trias von Städten, die auch 2Tim 3,11 nennt. Daß Lukas mit dieser Trias einer vorgegebenen Tradition folgt, wird auch dadurch ersichtlich, daß er nur von diesen drei Städten berichtet, hier seien die beiden Apostel verfolgt worden (vgl. 2Tim 3,11). Mit dieser Tradition über Verfolgungen hängt wohl auch zusammen, daß gerade von diesen drei Städten gesagt wird, die dortigen Christen seien im Glauben gestärkt worden (V 22). Auch die Einsetzung der Presbyter (V 23) wird, da sie sich zunächst nur auf die genannten Städte bezieht, als Maßnahme der Gemeinde-Konsolidierung angesichts eines angefochtenen Glaubens verstanden sein. Die „Apostel“ stärken „die Seelen der Jünger“. Sie ermahnen sie, „beim Glauben zu bleiben“. Dabei wird in direkter Rede ein Satz christlicher Paraklese zitiert: Es entspricht heilsgeschichtlicher Notwendigkeit (δεῖ) bzw. einer gottverfügten Gesetzmäßigkeit, daß „viele Drangsale“ auf dem Weg zum „Reich Gottes“ begegnen. Die θλίψεις sind notwendigerweise Durchgang zur himmlischen Herrlichkeit. Lukas liest dieses „Gesetz“ u.a. am Weg Jesu ab: Er führte durch Leiden zur Herrlichkeit (Lk 24,26). Deswegen dürfen noch so viele Drangsale die Christen nicht vom Glauben abbringen. Der Satz besagt: „die Leiden, bei denen an Verfolgungen zu denken ist, gehören nicht bloß zur apostolischen, sondern überhaupt zur christlichen Existenz“.

Herders Theologischer Kommentar zum Neuen Testament

Nein, Jehovah ist kein Weihnachtsmann, bei dem man ein „gutes Leben bestellen kann“ … – sondern der Schöpfer, der unseren Gehorsam verdient, weil Er unser Schöpfer ist. Wir werden kein besonders behütetes Leben führen, wenn wir uns entschließen, Ihm heute zu glauben und Seinem Sohn zu folgen. Christen geht es nicht immer gut! Das wirkliche Leben beginnt erst, …

Kann Gott?

denn bei Gott wird kein Ding unmöglich sein. (And üb.: denn von seiten Gottes wird kein Wort unmöglich (kraftlos) sein)
Elberfelder 1871 – Lk 1,37

Denn „kein Wort, das von Gott kommt, wird kraftlos sein“. (a) Lu 18:27; 1Mo 18:14
Zürcher 1931 -Lukas 1:37

οὐ … πᾶν Hebr. (= οὐδέν) nichts (H-S § 249a; vgl. A137). ἀ-δυνατήσει Fut. ἀ-δυνατέω unvermögend/unfähig sein; unpersönl. es ist unmöglich; οὐκ ἀδυνατήσει παρὰ τοῦ θεοῦ πᾶν ῥῆμα nichts (wörtl. keine Sache) wird von Gottes Seite her/bei Gott unmöglich sein (B; H-S § 144c).

Neuer Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testamen

1 Mo 18,14
Vgl. 1 Mo 18,14; Jer 32,17.27; Sach 8,6; Mt 17,20 (wörtlich) „Bei Gott ist kein Spruch kraftlos“ (auch Röm 4,17). Gott hat Adam geschaffen, nicht nur ohne Zutun eines Mannes, sondern auch ohne Zutun einer Frau. Gott hat Eva geschaffen mit Zutun eines Mannes und ohne Zutun einer Frau. Nichts ist leichter, als zu glauben, dass auch Jesus ohne Zutun eines Mannes, aber mit Zutun einer Frau von Gott ins menschliche Dasein gerufen werden kann.
Hat unser Gott nicht Himmel und Erde geschaffen aus nichts, ohne dass irgend etwas von irgend einer Seite dazu getan worden wäre? Trägt Er nicht alle Dinge auch heute noch mit Seinem kräftigen Wort? Ist Ihm nicht alles, aber auch alles untertan und darum alles möglich?
Es ist gar nicht auszusagen, welch eine unendliche Fülle der Glaubensstärkung darin liegt, dass der Herr allmächtig ist. Ja, was bei Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich (vgl. Mt 19,24-26).

Wuppertaler Studienbibel

Wenden wir das oben Gesagte auf das uralte Rätsel an: Kann Gott einen Stein erschaffen, der zu schwer ist, um ihn zu heben?

„Wenn Gott einen Stein erschaffen kann, der zu schwer ist, um ihn zu heben, dann gibt es etwas, das Gott nicht tun kann (nämlich den Stein heben). Und wenn Gott den Stein nicht erschaffen kann, der zu schwer ist, um ihn zu heben, gibt es immer noch etwas, das er nicht tun kann (in diesem Fall den Stein erschaffen). Entweder kann Gott einen solchen Stein erschaffen oder nicht. In beiden Fällen gibt es also etwas, das Gott nicht tun kann; und in beiden Fällen scheinen wir gezwungen zu sein, zu schließen, dass Gott nicht allmächtig ist“ (Ronald Nash, 47).

Aber auch dieser Einwand ist nur dann stichhaltig, wenn er eine „Sache“, eine wirkliche „Aufgabe“ für Gott vorschlägt, die er erfüllen kann. Das tut er aber nicht. Die Forderung, dass „das Wesen, das alles tun kann, wozu auch das Erschaffen und Heben aller Steine gehört, einen Stein erschaffen soll, der zu schwer ist, um von dem Wesen gehoben zu werden, das jedes geschaffene Ding heben kann“, ist inkohärent. Sie schlägt nichts vor. Es ist eine Pseudo-Aufgabe. Das heißt, ein Stein, der zu schwer ist, um von dem gehoben zu werden, der alle Steine heben kann, ist widersprüchlich. Ebenso widersprüchlich ist es, wenn Gott etwas schafft, das ein Nichts ist (nämlich einen Stein, der zu schwer ist, um von dem gehoben zu werden, der alle Steine heben kann). Dass Gott keinen Stein erschaffen kann, der logischerweise nicht erschaffen werden kann, ist ebenso wenig eine Bedrohung für seine Allmacht wie seine angebliche „Unfähigkeit“, ein rundes Dreieck zu erschaffen. Gelobt sei also Gott, der alles kann!

Sam Storms – Die Attribute Gottes

Ist bei Gott alles möglich?

JEHOVA, der wahre Gott, ist allmächtig und unendlich weise. Stets steht er im Zenit seiner Leistungsfähigkeit. Folgende anerkennende Worte, die wir in der Heiligen Schrift finden, sind daher sehr treffend: „Du bist würdig, Jehova, ja du, unser Gott, die Herrlichkeit und die Ehre und die Macht zu empfangen, weil du alle Dinge erschaffen hast, und deines Willens wegen existierten sie und wurden sie erschaffen“ (Offenbarung 4:11). Er, der Schöpfer, verfügt über ein Wissen und eine Macht, die weit über das Begriffsvermögen des schwachen Menschen hinausgehen. Er vermag Dinge zu tun, die dem Menschen unmöglich erscheinen.
Bei einer Gelegenheit versicherte der Sohn Gottes seinen Jüngern: „Bei Gott . . . sind alle Dinge möglich“ (Matthäus 19:26). Meinte Jesus damit, daß Gott alles zu tun imstande sei, daß für ihn absolut nichts unmöglich sei?
Um die Worte Jesu Christi richtig zu verstehen, müssen sie im Zusammenhang betrachtet werden. Kurz vorher hatte Jesus darauf hingewiesen, daß es für einen Reichen schwierig sei, in das Königreich der Himmel einzugehen. Er hatte gesagt: „Es ist leichter für ein Kamel, durch ein Nadelöhr zu gehen, als für einen Reichen, in das Königreich Gottes einzugehen“ (Matthäus 19:24). Da zu jener Zeit die herrschende Klasse aus Reichen bestand, überraschten diese Worte seine Jünger. Sie fragten: „Wer kann denn wirklich gerettet werden?“ Wenn also ein Reicher nicht in das Königreich Gottes eingehen kann, wer kann dann gerettet werden? Jesus entgegnete: „Bei Menschen ist dies unmöglich, bei Gott aber sind alle Dinge möglich“ (Matthäus 19:25, 26).
Es ist für unvollkommene Menschen unmöglich, sich als gerecht zu erweisen und der Rettung würdig zu sein. König Salomo, der sich durch seine Weisheit auszeichnete, sagte: „Da ist kein Mensch gerecht auf der Erde, der ständig Gutes tut und nicht sündigt“ (Prediger 7:20). Die göttliche Vorkehrung der Sündensühnung durch Jesus Christus ist somit der einzige Weg zur Rettung. Der christliche Apostel Johannes schrieb: „Er [Jesus Christus] ist ein Sühnopfer für unsere Sünden, doch nicht nur für die unseren, sondern auch für die der ganzen Welt“ (1 Johannes 2:2).
Für den Menschen, der Gottes Mittel zur Rettung annehmen möchte, gibt es jedoch Hindernisse zu überwinden. Man denke beispielsweise an die Reichen. Ihre Sinnesart mag nicht auf das Göttliche gerichtet sein; sie mögen auf ihren Reichtum vertrauen anstatt auf den Höchsten (1 Timotheus 6:17). Wenn sie stolz sind auf ihren Reichtum und auf ihre Stellung, möchten sie wahrscheinlich nicht zu den verachteten Jüngern Jesu Christi gehören, von denen viele sehr arm sind. Sie mögen so eingestellt sein wie die religiösen Führer der Juden des ersten Jahrhunderts, die über Jesus sagten: „Es glaubt doch niemand von den Vorstehern oder den Pharisäern an ihn? Diese Volksmenge aber, die das ,Gesetz‘ nicht kennt, verfluchte Leute sind sie“ (Johannes 7:48, 49). Außerdem setzen sich Personen, die schnell reich werden wollen, oft über die Rechte anderer hinweg und sündigen gegen sie. Wir lesen in den Sprüchen: „Wer hastig ist, Reichtum zu gewinnen, wird nicht unschuldig bleiben“ (Sprüche 28:20). Ein unvollkommener, sündiger Mensch, der gerettet werden möchte, muß all das bereuen, eine andere Einstellung entwickeln und anders handeln. Vom menschlichen Standpunkt aus gesehen, scheint das unmöglich zu sein. Mit der Hilfe Gottes aber ist ein sündiger Mensch dazu imstande, wenn es wirklich sein Wunsch ist.
Die Worte „Bei Gott . . . sind alle Dinge möglich“ müssen daher im Einklang mit dem Kontext verstanden werden. Auch sollte man bei ihrer Anwendung nicht in jeder Situation bis zum Äußersten gehen. Diese Worte beziehen sich speziell auf die erhabene Rettungsvorkehrung Gottes, des Allmächtigen.
Man beachte auch, daß der Engel Gabriel zu Maria sagte: „Bei Gott wird keine Erklärung etwas Unmögliches sein“ (Lukas 1:37). Der Engel sagte nicht, daß bei Gott alles möglich sei, ganz gleich, worum es sich handle, sondern er machte darauf aufmerksam, daß man den Erklärungen oder Äußerungen Gottes bezüglich seines Vorsatzes völlig vertrauen könne.
Der Engel hatte zu Maria gesagt, daß sie, eine Jungfrau, den Sohn Gottes, des Höchsten, zur Welt bringen werde (Lukas 1:30-33). Menschlich gesehen war das unmöglich. Deshalb stellte Maria die Frage: „Wie soll dies sein, da ich keinen ehelichen Verkehr mit einem Mann habe?“ Darauf antwortete Gabriel: „Heiliger Geist wird über dich kommen, und Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Darum wird auch das Geborene heilig, Gottes Sohn, genannt werden. Und siehe! Elisabeth, deine Verwandte, auch sie hat in ihrem hohen Alter einen Sohn empfangen, und dies ist für sie, die sogenannt Unfruchtbare, der sechste Monat; denn bei Gott wird keine Erklärung etwas Unmögliches sein“ (Lukas 1:34-37).
Elisabeth, die als unfruchtbar gegolten hatte, war schwanger geworden! Das zeigte, daß Jehova Gott durch seinen Geist auch das vollbringen konnte, was er durch den Engel Gabriel Maria angekündigt hatte. Gläubig entgegnete Maria: „Siehe! Jehovas Sklavin! Mir geschehe nach deiner Erklärung“ (Lukas 1:38).
Jahrhunderte zuvor hatte Jehova die Fortpflanzungsfähigkeit des betagten Abraham und seiner unfruchtbaren Frau Sara belebt und so die Geschlechtslinie begonnen, die zu dem Sohn führte, der von Maria geboren werden sollte. Auch das erschien vom menschlichen Standpunkt aus als etwas UnmöglicHesekiel Der christliche Apostel Paulus schrieb darüber: „Obschon er [Abraham] im Glauben nicht schwach wurde, zog er, da er etwa hundert Jahre alt war, seinen nun schon erstorbenen eigenen Leib und auch die Erstorbenheit des Schoßes Saras in Betracht. Aber wegen der Verheißung Gottes wankte er nicht im Unglauben, sondern wurde machtvoll durch seinen Glauben, indem er Gott die Ehre gab und völlig überzeugt war, daß er das, was er verheißen hatte, auch zu tun vermochte“ (Römer 4:19-21). „Somit wurden auch von e i n e m Manne, ja einem so gut wie Erstorbenen, Kinder geboren, so wie die Sterne des Himmels an Menge und wie die Sandkörner am Ufer des Meeres, so unzählbar“ (Hebräer 11:12).
Das zeigt, daß Gott imstande ist, alles zu tun, was im Einklang mit seinem Vorsatz ist. Seine Verheißungen gehen mit Sicherheit in Erfüllung.
Jehova, der heilige, allweise und allmächtige Gott, kann allerdings nicht im Widerspruch mit sich selbst handeln. Daher gibt es Dinge, die er einfach nicht tun kann und niemals tun wird.
Jehova kann zum Beispiel nicht ungerecht handeln. Wir lesen in der Bibel: „Fern sei es von dem wahren Gott, böse zu handeln, und vom Allmächtigen, unrecht zu handeln!“ (Hiob 34:10). Deshalb kann er auch das Tun der Bösen unmöglich gutheißen. Der hebräische Prophet Habakuk schrieb über ihn: „Du bist zu rein von Augen, um Schlechtes zu sehen; und Ungemach vermagst du nicht [billigend] anzuschauen“ (Habakuk 1:13). Ferner ist er ein Gott der Wahrheit; deshalb sagte der christliche Apostel Paulus von ihm, daß er „nicht lügen kann“ (Titus 1:2).
Gott, der Allmächtige, ist ganz bestimmt unseres absoluten Vertrauens würdig. Nichts und niemand kann ihn daran hindern, das, was er erklärt und verheißen hat, auszuführen. „Die Dinge, die bei Menschen unmöglich sind, sind bei Gott möglich“, sagte Jesus Christus (Lukas 18:27). Wir können uns auf Jehova Gott verlassen, denn er kann nicht lügen oder in anderer Weise im Widerspruch mit sich selbst handeln. Da er nichts Schlechtes tun kann, können wir fest darauf vertrauen, daß sich alle Verheißungen, die in seinem Wort, der Bibel, zu finden sind, erfüllen werden.

Erwachet! 1977

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