Thomas Pape

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die unter euch arbeiten und euch im Auftrag von Jesus, dem Herrn, leiten

Wir bitten euch aber, Brüder, daß ihr die erkennet, die unter euch arbeiten und euch vorstehen im Herrn und euch zurechtweisen,
Elberfelder 1871 – 1.Thessalonicher 5,12

Wir bitten euch nun, Brüder, die sich unter euch Bemühenden und euch Vorstehenden im Herrn und euch Ermahnenden (an)zuerkennen!
Das Neue Testament Deutsch – Streitenberger – 1.Thessalonicher 5:12

Geschwister, wir bitten euch, die anzuerkennen, denen der Herr die Verantwortung für eure Gemeinde übertragen hat und die mit unermüdlichem Einsatz unter euch tätig sind und euch mit seelsorgerlichem Rat zur Seite stehen.
Neue Genfer Übersetzung 2013 – 1.Thes 5,12

Liebe Freunde, wir bitten euch, dass ihr denen Respekt entgegenbringt, die euch vorangehen und leiten. Sie bemühen sich um euch und warnen euch vor dem, was falsch ist.
Neues Leben – Bibel 2006 – 1.Thes 5:12

Es gab ja mal Zeiten, wo Diener einer Versammlung nicht nur so hießen, sondern auch solche waren. Ja Paulus erwartet, dass diese Diener in allen Dingen der Gemeindeversammlung voran gehen! Und wer aktiver als die anderen ist, wird natürlich auch von allen geschätzt. Der Rat kommt ja dann nicht aus irgendwelchen Büchern, sondern aus eigenen Erfahrungen!

εἰδέναι Pf. (m. präs. Bdtg.) Inf. οἶδα hier anerkennen, ehren (B 5). κοπιῶντας Ptz. κοπιάω müde werden; sich (ab)mühen, sich besonders einsetzen; subst. ἐν unter/bei euch. προ-ϊσταμένους Ptz. -ΐσταμαι205 vorstehen, leiten; sich kümmern um, sorgen für, m. Gen.; subst. [Var. προ-ϊστανομένους Nebenform]. ἐν κυρίῳ im Herrn (d. h. in seinem Auftrag). νου-θετοῦντας (< νοῦς Sinn + τίθημι) Ptz. νου-θετέω ermahnen, zurechtweisen; hier zurechtbringen, den rechten Weg zeigen (GN); subst.

Neuer Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament

Es ist kennzeichnend für das apostolische Wort, daß es die ganze Weite und Größe des Blicks mit heller Nüchternheit verbindet. Wir sahen etwas davon schon in Kap. 4, 11. 12: es wird gleichzeitig und gleich ernst festgehalten das Überströmen der Liebe, das Stehen im vollen Licht der mächtigen Zukunft und die ruhige und genaue Erfüllung der täglichen Pflichten in Handarbeit und Besorgung der eigenen Angelegenheiten. Und so steht nun auch jetzt nach dieser massiven und erfüllten Beschäftigung mit der Parusie des Herrn und der glorreichen Vollendung der Gemeinde nicht eine Schar in lauter Halleluja und Wonne vor uns, bei der alles schon „ganz von selber geht“ aus diesem herrlichen Glauben und Lieben und Hoffen heraus, sondern ein sehr menschliches und alltägliches Gemeindeleben mit seinen Schwierigkeiten und Spannungen, und es wird wieder gebeten und gemahnt.
Ganz gewiß, das Neue Testament kennt nur aktive Gemeindeglieder. Das moderne Gemeindebild einer passiven Masse, um die einzelne „Amtsträger“ bemüht sind, ist tief unbiblisch und widerspricht dem Wesen einer Gemeinde Jesu. Es war darum in unserem Brief betont und zugleich als Tatsache vorausgesetzt: „Tröstet einander“, „Alle seid ihr Söhne des Tages und Söhne des Lichtes“, „Mahnet einander“, „Baue einer den andern“. Das Trösten, Mahnen und Bauen ist ganz klar eine Sache, zu der nicht nur „Pastoren“ verpflichtet oder gar allein „berechtigt“ wären. Aber — von „Gleichheit“ träumte kein Apostel. In dieser lebendigen, tätigen Schar gibt es Männer, „die sich in eurer Mitte mühen“. Denn keine Gemeinschaft von Menschen kann auf die Dauer allein von freiwilligen jeweiligen Diensten leben. Sie bedarf der Ordnungen ebenso wie der Glieder, die bestimmte Dienste dauernd übernehmen. Die stete Gefahr, daß diese Ordnungen zum Selbstzweck erstarren und diese Gemeindeglieder als „Päpste“ (mit und ohne Talar und Tiara!) den Dienst zur Herrschaft machen, muß die Gemeinde dabei in Kauf nehmen. In immer neuen Erweckungen und Reformationen wird diese Gefahr immer neu überwunden werden müssen. Ohne geordnete und dauernde Dienste geht es aber nicht.
Zwei Dienste werden hervorgehoben: das „Vorstehen“ und das „Zurechtweisen“. Es gab also „leitende Brüder“. Wie sollte eine Gemeinde auch ohne „Leitung“ auskommen. Es ist aber bezeichnend, daß das Wort „vorstehen“ im neutestamentlichen Sprachgebrauch nicht den „amtlichen“ und „regierenden“ Klang hat, den wir darin hören. In Tit 3, 8 wird es ganz deutlich, daß es ein „sich kümmern um, sorgen für“ bedeutet. Ja, in 1 Tim 3, 5 wird es im zweiten Teil des Satzes ausdrücklich durch das parallel empfundene Wort „fürsorgen“ ersetzt. Nun verstehen wir auch, warum es in Rö 12, 8 mitten zwischen „diakonischen“ Tätigkeiten erscheint und also selbst ebenfalls eine solche darstellen wird. Und auch unser Abschnitt, der offensichtlich von freiwilligen Diensten redet, wird so erst verständlich. Die „Leitung“ ist ein „Fürsorgen“ für die Gemeinde in all dem, was sie braucht. Es bezieht sich zunächst auf die vielen äußeren Angelegenheiten des gemeinsamen Lebens, die in Treue und Klugheit beschickt werden müssen. Aber die Leitung muß zugleich auch eine „geistliche“ sein. Wir alle bedürfen der „Zurechtweisung“. Das griechische Wort entspricht etwa unserem „den Kopf zurechtsetzen“, nur daß statt „Kopf“, „Verstand“, „Sinn“ gesagt ist. Bei allem gegenseitigen Zuspruch und Bauen braucht eine Gemeinde anerkannte, erfahrene Brüder, die sie als ganze und je nach Notwendigkeit auch einzelne Gruppen und Glieder in ihr „zurechtweisen“. Die Stellung des Artikels nur am Anfang der ganzen Reihe zeigt, daß wir es bei den verschiedenen Tätigkeiten nicht mit verschiedenen Personenkreisen zu tun haben, sondern mit einer ganzen Gruppe der „sich Mühenden“, die je nach Notwendigkeit in verschiedener Richtung für die Gemeinde sorgt.
Trotz Bekehrung und Wiedergeburt bringen wir auch in den Christenstand und in die Gemeinde unser altes Herz und Wesen mit hinein. Darum kann sich diesen „leitenden Brüdern“ gegenüber rasch der Neid regen (warum steht der oder die immer da vorn, ich könnte es ebensogut! Die „Mühe“, die es kostet, vergessen wir dabei!). Und sich zurechtweisen lassen, ist nicht einfach; unser Herz bäumt sich dagegen auf (Was hat der mir zu sagen! Der soll erst einmal selber …). Darum mahnen die drei ihre Brüder, „zu kennen die, die sich in eurer Mitte mühen“. In diesem Wort „kennen“ liegt viel. Es ist der Gegensatz zu jener Gleichgültigkeit, die die Arbeit der andern überhaupt nicht sieht, oder zu jenem Verkennen, das die eigene Leistung recht groß findet und die Mühe der andern unbedeutend. Nein, überseht sie nicht, „kennt“ sie. So wird das Kennen zum „Anerkennen“. Es gilt „sie ganz besonders in Liebe zu achten um ihres Werkes willen“. Diese leitenden Brüder sind ja doch nicht „Amtsträger“ mit bestimmter „Stellung“, mit festgelegten „Rechten und Pflichten“. Es ist alles noch ganz lebendig und brüderlich. Das eben erfordert aber, daß diese „Leitenden“ ganz besonders herzlich mit Liebe geschätzt werden, weil sie ein so notwendiges Werk tun, das allen zugute kommt.
Wir können verstehen, daß einzelne Handschriften nun fortfahren: „Seid friedsam mit ihnen.“ Das mag wirklich mancher Gemeinde und Gemeinschaft zugerufen werden müssen! Aber die besser bezeugte Lesart, die zum „Frieden untereinander“ mahnt, wird die richtige sein.

Wuppertaler Studienbibel

Wie bereits mehrfach vermerkt, weisen auch hier die Ausdrücke »aber« und »Brüder« auf den gedanklichen Neueinsatz. »Wir bitten« leitet in derselben Weise wie in 4,1 die Ermahnung ein. Zu »anerkennen« ist 1. Kor 16,15ff. zu vergleichen: Dort findet sich in V. 15 dasselbe Verb wie hier; in V. 18 wird das Verb »epiginoskein« als Synonym gebraucht. Dies schließt die gegenseitige Anerkennung ein. In besonderer Weise (vgl. V. 13) soll sich diese auf die Verantwortlichen beziehen, deren Aufgabe in dreifacher Weise gekennzeichnet wird: »die sich unter euch mühen und euch vorstehen in dem Herrn und euch zurechtweisen«.
Selbst wenn Paulus an dieser Stelle nicht von etablierten Ämtern spricht (von »Ältesten« ist lediglich in den Pastoralbriefen die Rede; »Bischöfe« begegnen in Phil 1,1, sowie in 1. Tim 3,2 und Tit 1,7), so ist doch eindeutig, daß mit dieser Beschreibung die Verantwortungsträger der thessalonischen Gemeinde im Blick sind.
Die »Mühe«, die hier zum Ausdruck kommt, ist wie in 1,3 die missionarische Mühe um andere Menschen. Auch in 1. Kor 15,10, Gal 4,11, Phil 2,16, Kol 1,29, 1. Tim 4,10 ist damit die Aufgabe der Evangelisation und Gemeindegründung gemeint. In 1. Kor 16,16 und Röm 16,6.12 wird dadurch die Tätigkeit innerhalb der Gemeinde ausgedrückt. Welche Mühe dies im einzelnen ist, wird nicht ausgesagt, so daß darunter verschiedene Formen des Einsatzes zur Erbauung der Gemeinde verstanden werden können. Die Konzentration auf den Dienst am Wort und an der Lehre in 1. Tim 5,17 kann allerdings nicht auf andere Stellen übertragen werden.
»Vorstehen« kann sowohl die Ausübung von Autorität als auch den Erweis von Fürsorge und Zuwendung meinen. Für die erste Deutung spricht offenbar 1. Tim 3,4.5.12; 5,17, für die zweite Röm 12,8 (vgl. auch Tit 3,8.14). Verbindet man in unserem Zusammenhang beide Komponenten, so handelt es sich dabei um die Christen, die um die Gemeinde Sorge tragen und sie leiten. Der Zusatz »in dem Herrn« verweist auf Jesus Christus als die Autorität, die hinter den Gemeindeleitern steht, und widersteht zugleich jeder eigenmächtigen Leiterschaft, indem an den einen Herrn erinnert wird, gegenüber dem alle Glaubenden Brüder sind.
Ein Mitchrist ist dann »zurechtzuweisen«, wenn er vom Weg abgekommen ist und ihm daher Unheil droht (vgl. V. 14; 2. Thes 3,15; Kol 1,28; 3,16; Apg 20,31). Dieser Dienst, der aus der gegenseitigen Verantwortung füreinander erwächst, kann jedem Christen aufgetragen sein (Mt 18,15: »Sündigt aber dein Bruder an dir, so geh hin …«; dort findet sich außerdem die klar geordnete Vorgehensweise in drei aufeinanderfolgenden Schritten); in besonderer Weise soll er von den Verantwortlichen wahrgenommen werden.

Edition C Bibelkommentar

Ich hatte immer die Vorstellung, dass die Zwölf Apostel die ganze Kirche leiteten. Wenn das nicht der Fall war, wie war dann die Urkirche organisiert? Wer leitete sie?

Wie ich bereits in meiner Antwort auf eine frühere Frage angedeutet habe, sehe ich die Rolle der Zwölf als symbolisch wichtig für ein erneuertes Israel an; und ich betrachte die Urgemeinde als Verkörperung des erneuerten Israel. Die frühe Kirche betrachtete sich nicht als eine von Israel getrennte Einheit. Daher leisteten die Zwölf einen wichtigen Dienst für die Einheit der frühen christlichen Gemeinschaften. Dennoch werden sie nicht als Verwalter von Gemeinschaften dargestellt. Die Formulierung, dass sie sich weigerten, in Apostelgeschichte 6,2 Tische zu bedienen, drückt aus, dass sie sich weigerten, an der lokalen Verwaltung einer christlichen Gruppe beteiligt zu sein. Weder als Ganzes noch als Einzelne werden die Zwölf als „Leiter“ einer örtlichen Gemeinde dargestellt.

Darüber, wie sich die Verwaltung lokaler christlicher Gruppen entwickelte, sind wir nur teilweise informiert. Kein einziges neutestamentliches Werk versucht, dies zu beschreiben; vielmehr müssen wir uns auf gelegentliche, zufällige Hinweise verlassen. In Apostelgeschichte 6,5 sehen wir, wie sieben Leiter mit der Verwaltung der hellenistischen christlichen Gemeinde betraut werden, d. h. anscheinend eine Gruppe christlicher Juden, die eine radikalere Haltung gegenüber dem Tempel einnahmen als eine andere Gruppe christlicher Juden, die Hebräer genannt werden. Während in diesem Kapitel nicht angegeben wird, wer die Verwalter der hebräischen christlichen Gemeinde waren, finden wir in späteren Abschnitten (Apostelgeschichte 12:17; 15:4, 1321,18), dass Jakobus, der Bruder des Herrn, und die Ältesten eine Führungsrolle in der Kirche von Jerusalem innehatten. In 1 Thess 5,12 spricht Paulus davon, dass in der frühen Gemeinde in Thessaloniki, etwa 50 n. CHR., einige über andere „im Herrn“ waren. In einem etwas späteren Brief, 1 Kor 12,28, erwähnt Paulus das Vorhandensein einer Reihe von Charismen oder Gaben Gottes, die für die Leitung der Gemeinde in Korinth von Bedeutung sein könnten; seine Liste enthält „Apostel, Propheten, Lehrer, Wundertäter, Heiler, Helfer, Verwalter, Redner in verschiedenen Zungen“. Wir sind uns nicht sicher, was „Verwalter“ in einer solchen Gemeinschaft tun würden, in der es auch Propheten und Lehrer gab; offensichtlich hat der Apostel Paulus Autorität über alle. In der Einleitung zum Philipperbrief (1,1) weist Paulus auf die Existenz von Bischöfen (Aufsehern) und Diakonen in dieser Gemeinde hin, aber wir wissen nichts darüber, was diese Personen taten.

Die Pastoralbriefe (1 Timotheus, Titus) zeigen einen Versuch kurz nach der Zeit des Paulus, in jeder Stadt neben Diakonen auch Presbyter-Bischöfe einzusetzen. Diese Presbyter-Bischöfe (alle? oder die meisten?) lehrten, verwalteten die Gemeindegüter, überprüften die Lehre der einzelnen Mitglieder und ihr moralisches Verhalten usw. Didache 15,1 (ein frühchristliches Werk, das wahrscheinlich kurz nach 100 datiert) sieht die Ernennung von Bischöfen und Diakonen als Ersatz für die charismatischen Ämter der Propheten und Lehrer. Zur Zeit des Ignatius von Antiochien (ca. 110 n. Chr.) entwickelte sich in einigen Gebieten der Kirche Kleinasiens und Griechenlands bereits das Muster eines Bischofs, der einer ganzen Ortskirche vorstand und dem Presbyter und Diakone unterstanden. Dies wurde bis zum Ende des zweiten Jahrhunderts zum Standardmodell der Kirche. Weitere Einzelheiten finden Sie in meinem Buch Priester und Bischof.

Raymond E. Brown – 101 Fragen und Antworten zur Bibel

»Erkennen« ( oida ) bedeutet erkennen und anerkennen, wertschätzen und hochachten. Das verlangt geistliche Einsicht und Unterscheidungsvermögen. Die Schafe kennen die Hand, die ihnen Nahrung gibt. Der Älteste wird erkannt und anerkannt aufgrund seiner Arbeit. »Arbeiten« ist kopiaô, »sich bis zur Erschöpfung abmühen«. Hirtenarbeit ist harte Arbeit, die oft rund um die Uhr geht, beschwert von Sorgen und Tränen. Sie wird »unter« den Heiligen ausgeübt. »Und euch vorstehen« ( proistêmi ) bedeutet wörtlich »vor jemand stehen«, hier im Sinn von Führung und Fürsorge. Es wird in bezug zur Versammlung auch in Röm 12,8; 1.Tim 5,17 gebraucht. Das »Vorstehen« wird qualifiziert durch den Ausdruck »im Herrn«. Es ist nicht die dominante, autokratische Herrschaft von Diotrephes (3.Joh 1,9), sondern die liebevolle und gütige Leitung und Liebe von Führern mit Hirtenherzen. »Zurechtweisen« ( noutheteô, wörtl. »den Sinn, das Denken zurechtsetzen«, von nous, »das Denken« und tithêmi, »setzen, stellen, legen«) bedeutet Unterweisung und Warnung. »Der Unterschied zwischen .zurechtweisen‘ und lehren‘ scheint der zu sein, daß ersteres hauptsächlich mit verkehrten Dingen zu tun hat, wovor gewarnt werden muß, während letzteres mehr das Vermitteln positiver Wahrheit ist« (Hogg und Vine). Das Wort »zurechtweisen« in V. 14 und der relativ ausführliche Tadel an die Unordentlichen in 2.Thess 3,6-12 zeigen, daß es in der Versammlung von Thessalonich gewisse Elemente gab, die diesen Dienst der Zurechtweisung nötig hatten.

Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt

Zucht setzt Sorgfalt voraus
Einen Hinweis auf die notwendige Sorgfalt, jetzt in Bezug auf die Untersuchung einer Sache, finden wir am Ende der Wüstenreise des Volkes, in 5 Mose 17,6–13. Hier gibt Gott zunächst die Anweisungen, dass eine Person nur „auf die Aussage zweier Zeugen oder dreier Zeugen hin getötet werden soll … Er soll nicht auf die Aussage eines einzelnen Zeugen hin getötet werden. Die Hand der Zeugen soll zuerst an ihm sein, ihn zu töten, und danach die Hand des ganzen Volkes. Und du sollst das Böse aus deiner Mitte wegschaffen“ (5 Mose 17,6.7).
Auf der Basis dieser Stelle hätte also der Levit, der die ganze Beschuldigung vorbrachte, die Pflicht gehabt, nicht nur weitere Zeugen zu benennen – bzw. das Volk hätte sie zu suchen gehabt – sondern er selbst wäre derjenige gewesen, der als erster die Hand an die Schuldigen hätte legen müssen.
Vielleicht mag jemand einwenden: „Aber hier ist doch die Sachlage vollkommen klar! Warum soll man noch Zeugen suchen?“ In diesem Fall ist es sicher so. Aber wie konnte das Volk sicher sein, dass es so war? Gott besteht auf diesem Prinzip der Zeugen, damit sein Volk nie der Gefahr erliegt, parteiisch und voreingenommen zu handeln. Oftmals sind die Fakten nicht so eindeutig; und damit das Volk grundsätzlich nach klaren Prinzipien handelt, mussten mehrere übereinstimmende Zeugen vorhanden sein – so auch heute!
Von dem Leviten liest man über die Beschuldigung hinaus überhaupt nichts mehr in diesen Kapiteln. Es hat fast den Anschein, als ob seine Person nicht noch einmal Erwähnung finden sollte. Möglicherweise hat er sich gar nicht an dem Kampf beteiligt. In der Tat hätte er sonst – menschlich gesprochen – zu denjenigen gehört, die in diesem Streit als erste gefallen sind, wenn er sich an die Anweisungen Gottes gehalten hätte. Denn der Zeuge sollte als erster handeln; und in dieser Geschichte waren es die „Ersten“, die dann dem Krieg zum Opfer fielen.
Wie leicht ist es auch heute, Beschuldigungen vorzubringen, sich dann aber aus den anschließenden „Auseinandersetzungen“ ganz herauszuhalten, um nicht mit anderen durch das Gericht „getroffen“ zu werden. Abgesehen davon, dass dies feige ist, spricht es auch nicht von einer entschiedenen und konsequenten Haltung für den Herrn – das gilt im Übrigen besonders auch für diejenigen, die der Herr als Führer im Volk Gottes (Heb 13,17; 1 Thessalonicher 5,12–13) geschenkt hat. Unabhängig davon bleibt die Aussage von 5 Mose 17,7 bestehen: Das Böse muss gerichtet und hinweggeschafft werden.

Manuel Seibel – Eintracht oder Zwietracht

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