Tag: 10. September 2025

Gott hat mir die Aufgabe anvertraut, seine Botschaft zu verkünden.

Denn wenn ich das Evangelium verkündige, so habe ich keinen Ruhm, denn eine Notwendigkeit liegt mir auf; denn wehe mir, wenn ich das Evangelium nicht verkündigte! Denn wenn ich dies freiwillig tue, so habe ich Lohn, wenn aber unfreiwillig, so bin ich mit einer Verwaltung betraut.
Elberfelder 1871 – 1.Korinther 9,16–17

Denn wenn ich die Gute Nachricht verkünde, habe ich noch keinen Grund, mich zu rühmen. Ich kann ja gar nicht anders – weh mir, wenn ich sie nicht weitergebe! Nur wenn ich sie aus eigenem Antrieb verkünden würde, könnte ich dafür einen Lohn erwarten. Aber ich tue es nicht freiwillig, sondern weil ich mit einem Amt betraut bin.
Gute Nachricht Bibel 2000 – 1.Korinther 9:16–17

Mein Ruhm besteht ja nicht darin, dass ich das Evangelium verkünde. Das ist schließlich eine Verpflichtung, der ich nicht ausweichen kann – wehe mir, wenn ich sie nicht erfülle! Hätte ich diese Aufgabe aus eigenem Antrieb übernommen, könnte ich einen Lohn dafür erwarten. Ich habe sie aber nicht gewählt; sie ist mir übertragen worden: Gott hat mir die Aufgabe anvertraut, seine Botschaft zu verkünden.
Neue Genfer Übersetzung 2013 – 1.Kor 9,16–17

Denn allein, dass ich die gute Nachricht von Jesus überall öffentlich verbreite, ist für mich noch kein Grund, darauf stolz zu sein. Denn dazu bin ich ja unausweichlich gedrängt. Ja, weh mir, wenn ich die gute Nachricht nicht verkündige! Wenn ich es freiwillig tue, dann besteht darin schon mein Lohn. Wenn ich es aber unfreiwillig mache, dann ist es eben so: Dann habe ich halt eine Verantwortung übernommen, der ich mich nicht entziehen kann.
Das Buch – 2009 – 1. Kor 9:16–17

Paulus‘ „Berufung“ zum Apostel vollzog sich in der Tat unter einzigartigen Umständen. Andere folgten dem Ruf Christi zur Nachfolge freiwillig (Mk 3,13; Joh 1,37-39 ), doch Paulus mußte sozusagen erst „zu Boden geschlagen“ werden ( Apg 22,6-10 ), bevor er auf Gott hörte. Nun aber ist es ihm, wie auch Jona, unmöglich, das Evangelium nicht zu predigen (vgl. 1Kor 1,17), und wie dieser ruft er aus: Weh mir, wenn ich dieser Aufgabe nicht nachkomme!
Paulus predigt also, wie er gerade sagte, nicht aus eigenem Willen; daher hat er auch keinen Anspruch auf eine besondere Belohnung, denn er erfüllt einfach das Amt, das ihm anvertraut ist (vgl. Lk 17,10).

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

Wenn du, wie Paulus, den verherrlichten Messias gesehen haben solltest, würdest du wie Paulus auch „ständig darüber reden müssen“!

Mit γὰρ („denn“) liefert Paulus den Grund nach, warum er gesagt hat, dass seinen Ruhm niemand zunichte zu machen hat, denn wenn er bezahlt würde, wäre sein Rum zunichte gemacht, denn dann ist es eine Arbeit wie jede andere. Wenn er jedoch darauf verzichtet, bezahlt zu werden, hat er einen Grund zum Rühmen, sodass er sich dies nicht nehmen lassen will. Mit οὐαί („ein Wehe“) wird wohl die Interjektion als Nomen gebraucht, womit klar wird, dass es eine Katastrophe wäre bzw. ein schlimme Sache, wenn Paulus nicht mehr die gute Botschaft predigen würde.
Mit γὰρ („denn“) führt Paulus weitere Gründe zu den bereits Genannten an. Die Partikel δὲ („nun“) ist nicht adversativ, da beide Aussagen zutreffen und keine Gegensätze sind. Der Akkusativ οἰκονομίαν („mit einer Verwaltung“) erklärt sich dadurch, dass der Kasus vom Aktiv („die Arbeitgeber vertrauen Paulus eine Verwaltung an“) bei der Transformation ins Passiv „ich wurde mit einer Verwaltung beauftrag“ bzw. „eine Verwaltung wurde mir anvertraut“ beibehalten wird, anstatt den formal näherliegenden Nominativ für das Subjekt zu verwenden.

Peter Streitenberger – 1.Korinther

Worin besteht dieser „Ruhm“? Wieder unterscheidet Paulus sich dabei tief von dem in Korinth üblichen Denken. Dort rühmte man auch, und dort rühmten sich allerlei neue Lehrer und Sendboten. Sie rühmen sich ihrer Gaben und Leistungen im Verkündigungsdienst. Das ist für Paulus ganz ausgeschlossen. „Denn wenn ich evangelisiere, dann ist das wirklich für mich kein Ruhm. Eine Notwendigkeit liegt ja auf mir; denn wehe mir, wenn ich nicht evangelisieren würde.“ Paulus steht mit sachlichem Ernst in der Geschichte seines Lebens. Er ist nicht „freiwillig“ Apostel geworden. Er ist als Verfolger von Jesus gestellt und als ein überwundener und begnadigter Feind zum Apostel gemacht worden. Das Wort des Herrn, das Paulus in seinem Rechenschaftsbericht vor Agrippa anführt: „Es ist schwer für dich, gegen den Stachel auszuschlagen“ (Apg 26, 14), kennzeichnet genau die Lage des Paulus. Er ist wie ein eingespanntes Zugtier, das sich mit jedem Widerstreben und Aufbäumen den Stachel des Treibers tiefer ins Fleisch treibt. So „liegt eine Notwendigkeit auf ihm“. Der folgende Satz: „denn wenn ich aus eigenem Entschluß dies tue, habe ich Lohn; wenn aber ohne eigenen Entschluß, so bin ich mit einem Haushalterdienst betraut“ ist darum nicht etwa so zu verstehen, als ob Paulus wechselweise seinen Dienst bald freiwillig tue und dann Lohn habe, bald unfreiwillig und ihn dann doch auch tun müsse. Paulus meint vielmehr, ein freiwillig übernommener Aposteldienst würde ihm allerdings Lohn einbringen. Aber davon könne bei ihm keine Rede sein. Er wurde Apostel ohne eigene freie Wahl und ist darum in der Lage eines Sklaven, der von seinem Herrn mit einem Dienst betraut wurde (vgl. Kap. 4, 1f) und nun ohne besonderen „Lohn“ oder „Ruhm“ einfach treu darin zu stehen hat. Sicherlich, auch die anderen Apostel wurden „berufen“; im letzten Sinn tritt keiner einfach „aus eigenem Entschluß“ in Gottes Dienst, kein Prophet und kein Apostel. Aber es ist doch ein tiefer Unterschied zwischen jenen Jüngern, die sich Jesus schon angeschlossen hatten, ehe er sie zu Aposteln machte, und ihm, der aus der radikalen Auflehnung gegen Jesus in seinen Dienst herumgerissen wurde. Ein berühmter und sich rühmender Evangelist kann Paulus nicht sein.

de Boor – Wuppertaler Studienbibel

Sein »Ruhm« ist nicht die Predigt des Evangeliums; »das ist mir nicht Ruhm, denn die Notwendigkeit liegt auf mir«, schreibt Paulus wörtlich. Damit meint er seine Berufung durch den auferstandenen Herrn. Er, Paulus, hat ganz gewiß dieses Amt nicht angestrebt. Der Herr selbst hat ihn buchstäblich herumgerissen, ihn völlig aus seiner Bahn geworfen und dann mit einem verpflichtenden Auftrag in Anspruch genommen. Das war bei den andern Aposteln anders. Sie gingen freiwillig in die Nachfolge Jesu mit. Er rief, sie folgten alsbald (vgl. Mt 4,18–22; Mk 2,14; Joh 1,35–43). Ohne Zwang folgten sie dem Ruf des Herrn und wurden so Apostel. Paulus spricht selber aus, daß ihm im Tiefsten keine andere Wahl blieb, als dem Ruf zu gehorchen, wenn er des Herrn Wort zu ihm bezeugt: »Es wird dir schwer sein, wider den Stachel zu locken« (Apg 26,14). Wie ein eingespanntes Zugtier muß er dienen, sonst zieht er sich das »Wehe!« zu. Deshalb sagt er: »Wehe mir, wenn ich das Evangelium nicht verkündigte!« Aber die »Notwendigkeit« hat noch eine tiefere Dimension: »Von Mutter Leibe an ausgesondert« (Gal 1,15), bekennt der Apostel rückblikkend. Gott hat ihn schon vor Beginn seines Lebens zu solchem Dienst ersehen. »Notwendigkeit« ist so für den Apostel kein Zwangsbegriff, sein Dienst kein unter der Knute geduckter Dienst, sondern Lobpreis der erwählenden Gnade Gottes, die ihn gegriffen hat. Erst in der Begegnung mit Jesus ist sein Leben zur Fülle gekommen; alles vorher war fanatischer Eifer, aber nicht erfülltes Leben. Das »Wehe mir!« zeigt auch das Erschrecken des Paulus, wieder in solch sinnentleertes, gottfernes Leben zurückzufallen.

»Das Amt ist mir befohlen« – der Dienst des Apostels steht unter dem göttlichen Muß. »Ich wurde mit einer Verwaltung betraut«, mit dem »Haushalterdienst« an dem Evangelium. Und das geschah »nicht aus eigenem Willen«. Er hat sich solches »Amt« nicht gesucht; der Herr hat ihn gesucht. Was nicht sein Wille war, ist aber Erfüllung seines Lebens geworden. Jeder Ton des gezwungen, widerwillig absolvierten Dienstes scheidet bei Paulus allerdings aus. Ein Haushalter, in der Regel ein Sklave, arbeitet nicht um Lohn. Anders der, der aus eigenem Willen dient; ihm wird Lohn zuteil. So steht Petrus als Sprecher der Jünger vor Jesus und fragt nach dem Lohn: »Siehe, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt; was wird uns dafür?« (Mt 19,27). Und Jesus antwortet so, daß die Frage nach dem Lohn zuläßt und sogar doppelten Lohn verheißt. Der Jünger wird hier schon vielfältig empfangen, auch an irdischer Versorgung, und er wird »das ewige Leben ererben«, ja die Apostel werden auf zwölf Thronen als Mitregenten Christi die zwölf Stämme Israels richten (vgl. Mt 19,27–30). Wirklich überreicher Lohn! Gott gibt über alle Maßen. Es »lohnt«, ein Christ zu sein. Wir empfangen Gnadenlohn in Überfülle. Der Lohngedanke wird aber dann gefährlich, wenn er als Verdienstlohn gegen Gott eingeklagt wird. Doch wir dürfen nüchtern die Frage nach dem Gnadenlohn stellen, damit unsere Freude und Erwartung wachse. Auch Paulus fragt sich. Sein Amt kann er nicht unter diesem Horizont des zu erwartenden Gnadenlohns verstehen; aber er will auch freiwillig seinem Herrn etwas zu Füßen legen, es ihm zuliebe tun, deshalb sein Verzicht, denn er schreibt:

Edition C Bibelkommentar

Paulus konnte sich rühmen, weil er auf sein Recht auf Unterhalt verzichtete, wegen seines Predigens konnte er sich nicht rühmen. Das war nicht seine eigene Entscheidung gewesen. Er war zum Predigen gezwungen worden. Es wurde ihm auferlegt. Das war kein Job für ihn, kein bezahlter Beruf, kein Zeitvertreib. Es war etwas, das er zu tun hatte. Durch einen göttlichen Zwang war er gezwungen worden. Er war dahinein verwickelt, er war durch eine Kraft außerhalb seiner selbst dazu genötigt worden. Er gibt seine große Erklärung ab: „Wehe mir, wenn ich das Evangelium nicht verkündigte.“ Er erklärt, daß Gericht über ihn kommt, wenn er versagt, das auszuführen, was der auferstandene HERR auf ihn gelegt hatte. Das würde ein Verlust für ihn sein – jetzt und am Richterstuhl des Christus. Es sollte hier gesagt werden, daß es viele Ausleger gibt, die denken, daß Paulus sagt, daß eine gewisse Katastrophe, eine gewisse unbestimmte Strafe auf ihn kommen würde, wenn er nicht predigte.

„Freiwillig“ muß als „Wahl“ oder „Einwilligung“ verstanden werden. Wenn er aus freier Wahl predigt, ganz damit einverstanden, dann würde er einen Lohn empfangen. Aber so, wie es ist, predigt er eben nicht aus freier Wahl. Er predigt unter einem göttlichen Zwang. So ist es klar, daß ihm eine Verwaltung anvertraut ist. Das liefert uns einen anderen Grund dafür, daß er fühlte, von seinem Recht auf Unterstützung keinen Gebrauch machen zu können. Sein Dienst war nicht das Ergebnis einer Wahl, er war ihm ein heiliges, von Gott anvertrautes Gut. In seiner Seele hatte Paulus von dieser Verantwortung, die ihm von Gott auferlegt worden war, eine sehr hohe und bestimmte Vorstellung. Man lese sorgfältig 1.Tim 6,20 und 2Tim 1,12.14 .Die Botschaft ist klar. Ein Guthaben von Wahrheit ist überwiesen worden. Behüte das heilige Gut! 2.Tim 2,2 zeigt uns die wahre apostolische Nachfolge – die mündliche Weitergabe der Wahrheit. Wir haben sie in unserer Zeit empfangen. Möge Gott uns Gnade und Kraft geben, sie festzuhalten und zu bewahren. Knox’s Übersetzung ist interessant: „Wenn ich etwas nach meiner eigenen Wahl tue, kann ich einen Lohn beanspruchen, wenn ich aber unter Zwang handle, führe ich nur einen Auftrag aus.“

Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt