Jetzt müsst ihr ihm einfach vergeben und ihn wieder aufbauen

so daß ihr im Gegenteil vielmehr vergeben (O. Gnade erzeigen) und ermuntern solltet, damit nicht etwa ein solcher durch übermäßige Traurigkeit verschlungen werde.
Elberfelder 1871 – 2.Korinther 2,7

sodass ihr (jetzt) im Gegenteil vielmehr vergeben und trösten mögt, damit der Betreffende nicht etwa durch die allzu grosse Betrübnis verschlungen wird.
Zürcher 1931 – 2.Korinther 2:7

Lasst es dabei bewenden! Vergebt ihm jetzt vielmehr und macht ihm wieder Mut. Sonst könnten Schmerz und Trauer ihn am Ende noch völlig überwältigen.
Neue Genfer Übersetzung 2013 – 2.Kor 2,7

 Darum solltet ihr jetzt Verzeihung gewähren und ihm wieder freundlich begegnen, damit er nicht in zu große Traurigkeit versinkt und vielleicht gar verzweifelt.
Bruns 2013 – 2.Kor 2:7

ὥστε bez. hier die erwartete/geforderte Folge (vgl. A340) so dass ihr … sollt(et)/müsst. τοὐναντίον = τὸ ἐναντίον im Gegenteil, statt dessen. χαρίσασθαι Aor. Inf. Med. χαρίζομαι101 aus Gnaden schenken; vergeben, verzeihen; Präd. des AcI. παρα-καλέσαι Aor. Inf. -καλέω, Präd. des AcI. μή πως damit nicht etwa (B [μή] πως 1a [Sp. 1466]), m. Aor. Konj. περισσότερος Komp. v. περισσός über das gewöhnliche Maß hinausgehend; Komp. größer, mehr; hier elativische Bdtg. (A119) übergroß. λύπη V. 1; dat. instr./causae (A176f). κατα-ποθῇ Aor. Konj. Pass. -πίνω trinken, verschlucken; übertr. verschlingen, aufzehren, überwältigen. τοιοῦτος

Neuer Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament

Ein weiteres Nachtragendsein lehnt Paulus ab. Die Bestrafung ist abgeschlossen, jetzt ist die Gemeinde aufgerufen, dem Übeltäter zu verzeihen und ihn zu trösten (vgl. 1,4). Er hat offensichtlich tief bereut, sonst könnte nicht von seinem »übergroßen Kummer« die Rede sein. Es ist ein Kummer zur Reue (vgl. 7,9f.), und auf diese Reue soll die Gemeinde verzeihend und tröstend antworten; sonst geht der Bestrafte möglicherweise an der Verzweiflung über sein Tun bzw. über die Bestrafung zugrunde.

Wolff – Theologischer Handkommentar zum Neuen Testament

Leider hat Paulus nun Grund anzunehmen, daß sie in dieser Strafe zu weit gehen würden (vgl. 2Kor 7,11). Aus den anfangs gleichgültigen Zuschauern sind offensichtlich grimmige Verfolger geworden. Der Übeltäter droht nun, in allzu große Traurigkeit (wörtlich: „Kummer“) zu Versinken. Da er offensichtlich reuig ist, fordert Paulus die Gemeindeglieder auf, ihm zu vergeben und ihn zu trösten (denn sie sind es, denen Unrecht geschehen ist; vgl. 2Kor 2,10). Als Gemeinde sollen sie ihrem Bruder ihre Liebe erweisen (kyrOsai; vgl. Gal 3,15 ,wo es mit „bestätigen“ übersetzt ist) und ihn wieder in die Gemeinschaft aufnehmen (vgl. 1Kor 5,11).

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

Und nun warnt Paulus die Gemeinde, diese Bestrafung — vielleicht ist es der Ausschluß von den Zusammenkünften der Gemeinde — einfach weitergehen zu lassen. Strafe ist niemals Selbstzweck, vor allem nicht in der Gemeinde Jesu. Strafe will zur Erkenntnis der Schuld und zur Reue führen. Diesen Zweck hat die Bestrafung des Schuldigen in Korinth erreicht. Er, der „Betrübnis verursacht“ hat, ist nun selber geängstigt und bedrückt. Wir dürfen vermuten, daß nicht nur die Strafe als solche ihn tief getroffen hat, sondern daß auch eigene Reue über sein Unrecht ihn quälte. Nach den Nachrichten, die Paulus empfangen hat, drohte seine Betrübnis „übergroß“ zu werden. Paulus weiß, wie ein Mensch in solcher inneren Trauer zur Verzweiflung getrieben und „verschlungen“ werden kann. Dies darf nicht geschehen. Jetzt ist Zeit für das wirkliche „Vergeben“: „So daß ihr im Gegenteil vielmehr vergeben und zusprechen solltet, damit nicht irgendwie durch die übergroße Betrübnis der Betreffende verschlungen wird.“ Das Vergeben ist nicht ein bloßes „die Sache gut sein lassen“ oder eine bloße Aufhebung der Strafe, sondern wird zum „parakalein“, zum „Zusprechen“, das auch hier wieder das „Trösten“, „Ermutigen“, „Aufrichten“ in sich schließt.

de Boor – Wuppertaler Studienbibel

Der Apostel sorgt sich um den Gestraften, »damit er nicht in allzu große Traurigkeit versinkt« (wörtlich sogar: »dass ein solcher nicht etwa von übermäßiger Traurigkeit verschlungen werde«). Der Gestrafte ist gestraft, aber die Vergebung ist noch nicht mit gleicher Klarheit ausgesprochen. Die Gemeinde wartete wohl erst auf die Bestätigung ihres Urteils durch den Apostel, auf seine Vergebung für den Übeltäter. Wo Gemeindezucht nicht mit Liebe und Vergebung verbunden ist, treibt sie den Gezüchtigten in Verzweiflung. Übermäßige Trauer über seine Sünde könnte dieses Gemeindeglied, sagt Paulus, verschlingen. Wir sollten die Bestrafung der Sünde ernst nehmen, die Reue soll echt und tief sein, dann aber auch die Wirklichkeit beglückender, befreiender Vergebung folgen. Dem reuigen Sünder soll jetzt von der Gemeinde »vergeben« werden (wörtlich: »Sie sollen ihm Freundlichkeit, Gunst, Gnade erweisen«). Das Wort »Gnade« im biblischen Sinn steckt darin. Sie sollen ihn also wieder in die Gemeinschaft voll aufnehmen. Auch das »trösten« geschieht als volle Zuwendung zu dem betrübten Sünder und bezeichnet etwa die »Aufmunterung«, die liebevolle Zuwendung im aufrichtenden Wort. Das ist geistliche Weisheit, Vergebung auch wirklich zu gewähren. Es soll nicht mehr bei jeder Gelegenheit die vergebene Sünde erneut in Erinnerung gebracht, sondern vielmehr wieder in ungetrübter Gemeinschaft und in ermunterndem Reden dem Reuigen voller Raum in der Gemeinde gewährt werden.

Gerhard Maier – Edition C

Die Bezeichnung »einen großen Teil von euch« (Gute Nachricht) ist sicherlich nur eine Umschreibung für die Gemeinschaft der Gläubigen (wie in den Schriftrollen vom Toten Meer ). Das pharisäische Judentum betonte ebenfalls, dass bußfertige Sünder wieder in die Gemeinschaft aufzunehmen seien. Gruppierungen wie die Sekte, die die Schriftrollen vom Toten Meer verfasste, empfahlen jedoch, eine bestimmte Frist einzuhalten, bevor der Sünder wieder ganz in die Gemeinschaft integriert wurde, und das römische und griechische Recht forderten die Festsetzung eines Strafmaßes. Die korinthischen Christen fragten sich also wahrscheinlich, was sie mit dem Mann tun sollten, da er nun sein Verhalten bereute.

Craig Keener – Kommentar zum Umfeld des Neuen Testaments

Die tiefe Reue des Missetäters und sein tiefer Schmerz machten es der Gemeinde zur Pflicht, ihn wieder in die Gemeinschaft aufzunehmen. Sie werden ermuntert, ihm zu vergeben, ihm Liebe zu erweisen und Mut zu machen. Hierin zu zögern würde bedeuten, ihn in Verzweiflung zu stürzen. Wie der Aussätzige im AT wurde er mit den geistlichen Augen des Apostels begutachtet, natürlich nicht buchstäblich, und als ganz weiß erkannt (3Mo 13,13). Damit war er lange genug außerhalb des Lagers und konnte jetzt wieder in die Gemeinschaft der Heiligen mit all den Segnungen zurückkehren. Im Zusammenhang mit diesem Fall wurden der Gemeinde in Korinth oft zwei Versäumnisse vorgeworfen: ihr langes Warten, bis sie diese schwere Angelegenheit verurteilt hatten, und ebenso ihr zögerliches Warten, bis sie den Bußfertigen wieder aufnahmen. Es könnte aber auch sein, daß die Gläubigen damals die apostolische Autorität benötigten, um ihn hinauszutun, und ebenso, um ihn wieder hereinzuholen. Niemand in Korinth hätte sich vorstellen können, daß ein solcher Fall überhaupt passierte, und niemand erwartete, daß ein so schwer Gefallener Buße tun und zeigen konnte, daß er ein echter Christ ist. Unter dem Eindruck all der ernsten Warnungen, die sie in diesem Zusammenhang gehört hatten, mußten sie befürchten, daß, wenn sie den Missetäter ohne apostolische Autorität wieder aufnehmen würden, sie vom Apostel Paulus bei dessen Besuch getadelt worden wären. Seine seelsorgerlichen Worte beendeten aber alles Zögern und stellten sie frei, das zu tun, was ohne Zweifel ihr Herzensanliegen gewesen war.
 Was genau Paulus mit der Formulierung „verschlungen werde“ im Auge hatte, läßt sich nur erahnen, es könnte aber sehr wohl so sein, daß ein solcher, der unter Gemeindezucht steht, von einer Welle der Verzweiflung überrollt würde und ihm keine Hoffnung bliebe, geistlich gesehen jemals wieder Boden unter die Füße zu bekommen.

Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt