„Heute mal Werbung“

Ja, nach gut 2,5 Jahren mal wieder Werbung für die meiner Meinung nach sooo guter Bibelsoftware.
Auf der Seite Logos Basic – das kostenlose Bibelprogramm kann jeder sich für die wirklich in den Grundzügen kostenlose Logos-Version anmelden.
Nach der erfolgreichen Anmeldung kann man dann logos auf seinem PC, auf seinem Handy oder Laptop installieren oder per Webbrowser nutzen. Aber warum gerade logos?
Nun der wichtige Punkt war für mich vor einigen Jahren, dass ich dort in den „Bezahlpaketen“ nicht nur super gute Bücher und Studienbibeln finde, sondern dass ich auch mir Notizen anlegen kann – und diese in ALLEN meinen Werken dann erscheinen!
Also wenn ich dieses Jahr zum Beispiel die Elberfelder-Bibel 1905 lesen sollte, und dort meine Fragen und Gedanken in Form von Notizen hinterlasse, dann kann ich nächstes Jahr die Schlachter-Übersetzung lesen, und mir dort eben alle Gedanken und Notizen anzeigen lassen – und natürlich bearbeiten.

Nun möchte ich heute etwas zeigen, was ich mit Dir – lieber Leser meiner Zeilen – teilen möchte:
Wir gehen ja Sonntags im Aktivgottesdienst durch die Bibel – und im Grundkurs besprechen wir ja auch viele interessante Glaubsgrundlagen.
Deshalb gibt es in logos eine Funktion, die für „Gemeinden“ gebastelt wurde:
Du meldest dich mit deinen Benutzerdaten von logos auf https://faithlife.com/ an – und suchst dort unsere „Bibelgruppe Elizur“ und meldest dich dort als „Folger“ an…

Sobald ich dich zum „Member“ gemacht habe, kannst du deine Notizen (wenn du das möchtest) für die Gruppe freigeben. Aber der wichtige Schritt für mich ist, dass du dir dann meine Notizen mit in deiner Bibel anzeigen lassen kannst, falls du das möchtest.
Dazu gehst du auf „Dokumente“ und dort suchst du unter „Gruppen“ die „Bibelgruppe Elizur“ aus – …

…und hast nun die Möglichkeit die von dir gern genutzten Notizbücher „zum Bearbeiten speichern“!
Nun hast du Zugriff auf die Notizen von unserer Bibelarbeit – und kannst dir diese beim lesen deiner Bibel in Ruhe mit anschauen.

Du mußt also nur die drei Punkte – und dort „Notizen und Textmarkierungen“ … häcken … und auch in deiner Bibel sind die Notizen so lange zu sehen, wie das Häcken gesetzt ist.

Eine tolle Funktion?? Ich persönlich bin davon total begeistert 😀

Wenn du deine eigenen Notizen einem anderem Nutzer „freigeben“ möchtest – oder eben auch der Gruppe von elizur – dann findest du diese „Freigabefunktion“ unter Notizen – siehe die letzten zwei Bilder zu diesem Thema jetzt:

Wo ist mein Zentrum?

In allen Zeitungen und Nachrichten ging es in den letzten Tagen um den „Tod der Queen“ – Elizabeth II.
Und während ich diese Nachrichten höre/lese, fällt mir auf, dass die Menschen meist ihren alltäglichen Lauf unterbrechen, um einer „solchen Persönlichkeit“ zu huldigen. Aber wie sieht das mit der „wirklichen Persönlichkeit des Universums“ aus? Unterbrechen wir unseren alltäglichen Lauf – um IHN zu huldigen?

Eine Geschichte, die über Elizabeth II berichtet wird lautet:

Wie sich ein früherer Leibwächter erinnerte, traf die Queen einmal in der Nähe ihres schottischen Schlosses Balmoral beim Spaziergang auf Touristen. Die US-Amerikaner fragten sie, ob sie in der Gegend wohne und die Königin kenne. Daraufhin zeigte die Queen auf den Leibwächter und erwiderte: „Nein, aber er.“ Die beiden Touristen ließen sich nicht nehmen, ein Foto mit dem Mann zu machen – und baten die Königin, den Auslöser zu drücken. Die spielte mit, ohne mit der Wimper zu zucken.

https://www.n-tv.de/leute/Die-schoensten-Anekdoten-aus-dem-Leben-der-Queen-article23577305.html

Manchmal scheint es auch in unseren Anbetungsstätten so auszusehen! Wir sollten uns eigentlich in dieser Zeit um Jehovah drehen, und IHN im Mittelpunkt unseres Lebens stellen. Aber dann reden wir anstatt über Jehovah doch über „meine Gefühle“ und „meine Gedanken“ – und freuen uns „einen Kullerkeks“ wenn wir jemandem treffen, der „Jehovah kennt“ oder eben ein Christ ist! Und dann reden wir anstatt über Jehovah – über die Erfahrung von Menschen – und machen dann „Fotos von diesem Menschen“ bzw. lesen die Zeitschriften und Bücher dieser Menschen, anstatt die Bibel – und damit das Wort Jehovahs.

Also wo ist mein Zentrum? Würde ich der Königin auch den Fotoapparat in die Hand drücken – anstatt dem Leibwächter?

Jesus sprach zu ihnen: Wenn Gott euer Vater wäre

Und ihr sollt niemanden unter euch Vater nennen auf Erden; denn einer ist euer Vater, der im Himmel ist.
Luther 1984 – Mt 23,9

Lasst euch auf der Erde auch nicht mit dem Ehrentitel ›Vater‹ ansprechen! Denn ihr habt alle ein und denselben himmlischen Vater.
Das Buch – 2009 – Matthäus 23,9

Meinte Jesus hiermit, dass der Name Gottes, Jehovah, durch „Vater“ ersetzt werden sollte?
Man könnte diesen Vers tatsächlich so verstehen. Aber das Problem war genau anders herum: anstatt „Jehovah“ zu sagen, hatte es sich eingebürgert „der Heilige“, „im Himmel“ oder eben „Vater“ zu sagen.
Aber die Gefahr war und ist, dass man einen ganz anderen „Vater“ anspricht!
Hier zum Beispiel aus zwei „spirituellen Büchern“:

„Ich würde sehr gerne als * Ihr Wunschfeld * arbeiten, dies ist mein Wunsch, ich bitte mit aller Macht der Götter und Göttinnen, mir in meiner Zeit der Not zu helfen. Ich bitte meinen himmlischen Vater, meine Gebete zu erhören heute Abend., denn er wird mir den Weg in das Feld meiner Wahl und meinen Traumberuf erhellen, das ist mein Wunsch, dass es so wird!“
Wenn Sie mit dem Schreiben fertig sind, falten Sie das Papier bis zum Anschlag, zünden Sie die Kerze an und versiegeln Sie das Papier mit Wachs, lassen Sie das Papier in das Glas fallen, füllen Sie das Glas mit Honig, schrauben Sie den Deckel auf und lassen Sie es etwas fallen. Wachs auf dem Deckel. Bewahren Sie die Flasche an einem sicheren Ort auf.

Amelia Teije – Weiße Magie und Zaubersprüche

Süd:
„Vater, lass meinen Geist mit Hoffnung aufleben, bis ich dich wieder treffe. Danke, dass du hier bist, um meinem Herzen zu helfen, zu heilen.“
Ost:
„Bruder, lass meine Seele sich über deine eigensinnigen Winde freuen, bis ich dich wieder treffe. Danke, dass du hier bist, um meinem Herzen zu helfen, zu heilen. Sei gegrüßt und lebe wohl.“
Verbrenne in der nächsten Woche vor dem Schlafengehen ein Stück lila Räucherstäbchen und wiederhole: „Was dich angeht, also für mich, lass die Liebe in dir beginnen.“

Amelia Teije – Weiße Magie – Rituale – Ein vollständiger Leitfaden ….

Was meinst du, werden in diesen „Zaubersprüchen“ der „Name“ Vater mißbraucht?

Nun Jesus sagt ja etwas ähnliches:

 Jesus sprach zu ihnen: Wenn Gott euer Vater wäre, so würdet ihr mich lieben, denn ich bin von Gott ausgegangen und gekommen; denn ich bin auch nicht von mir selbst gekommen, sondern er hat mich gesandt. Warum verstehet ihr meine Sprache nicht? Weil ihr mein Wort nicht hören könnt. Ihr seid aus dem Vater, dem Teufel, und die Begierden eures Vaters wollt ihr tun. Jener war ein Menschenmörder von Anfang und ist in der Wahrheit nicht bestanden, weil keine Wahrheit in ihm ist. Wenn er die Lüge redet, so redet er aus seinem eigenen, denn er ist ein Lügner und der Vater derselben. Weil ich aber die Wahrheit sage, glaubet ihr mir nicht.

Elberfelder Bibel 1905 – Johannes 8,42–45

Welchen Vater meinst du also, wenn wir ihn nicht mit Namen ansprechen?
Wahrscheinlich werden unsere Früchte zeigen, welchen „Vater“ wir haben.
Nur Jehovah ist DER liebevolle und barmherzige Vater.

Rosh – Hesekiel 38 ??

Lese gerade ein Buch aus dem Jahre 1999 von T.L.Frazier. Es geht um die Frage: gibt es eine „Entrückung der Gemeinde“ oder gibt es keine Entrückung.
Aber bevor der Autor auf das Thema kommt, geht er durch verschiedene Themen und folgendes Zitat zeigt, wie sehr wir als Leser der Bibel aufpassen müssen, uns NICHT von der eigenen Meinung oder den aktuellen Nachrichten durcheinander bringen zu lassen!
Wie gesagt – das Buch ist von 1999 – also etwa 22 Jahre alt – und es hat sich doch so einiges getan, was man vor 22 Jahren wohl nicht vorraussehen konnte – wenn man der Bibel nicht zu 100% vertraut!

Der Untergang der Sowjetunion war offensichtlich ein weiteres Problem für Lindseys Endzeitvision. Wie erklärt er diese Unstimmigkeit in seinem prophetischen Szenario?

Lass mich das so beantworten. Ich bin kein Prophet. Ich habe nie behauptet, einer zu sein. Vielmehr habe ich immer wieder versucht zu erklären, dass ich einfach nur ein Student der Bibel bin. Mein Wissen über die Zukunft beschränkt sich auf die Seiten eines Buches, dessen Vorhersagen sich als 100-prozentig zutreffend erwiesen haben [d.h. die Bibel]. So konnte ich mir natürlich nie das genaue Szenario vorstellen, das zum Ende der Sowjetunion führte.

Dennoch gelingt es Lindsey, ausgehend von der politischen Instabilität Russlands nach dem Fall des Kommunismus, eine ausreichend beängstigende Rolle für das neue Russland in seiner überarbeiteten Zukunftsvision zu finden. Er besteht immer noch darauf, dass es ein Bündnis zwischen Russland und den muslimischen Nationen geben wird, um in Israel einzufallen. Es fällt dem Leser jedoch schwer, sich vorzustellen, wie Russland in naher Zukunft in der Lage sein soll, eine solch ehrgeizige Militärexpedition zu unternehmen. Unbezahlt, demoralisiert und ohne Grundversorgung erwies sich die russische Armee schließlich als unfähig, die separatistischen Rebellen zu unterwerfen, als sie im Dezember 1994 in das kleine Tschetschenien einmarschierte, um den tschetschenischen Führer Dschochar Dudajew zu stürzen. Nach hohen Verlusten und Überläufen war die russische Armee schließlich gezwungen, sich zurückzuziehen. Die Einsatzbereitschaft der Armee hat sich in den folgenden Jahren nur verschlechtert. Man kann wohl mit Fug und Recht behaupten, dass Hal Lindsey im Moment mehr Vertrauen in das russische Militär hat als die russischen Generäle.

T. L. Frazier -Ein zweiter Blick auf die Wiederkunft – Die Spekulationen sortieren

Wo befinden sich momentan die „aktiven Militärkräfte von Rußland“?? Erstauntlich – oder?

Sodom

Am kommenden Sonntag kehren wir im Aktivgottesdienst ja ein wenig wieder in die Geschichte von „Sodom und Gommorrah“ zurück – denn die Geschichte in Richter ist der in Genesis sehr ähnlich.
Doch meist werden die Städte immer nur im Hinblick auf die „sexuelle Neigung“ ausgelegt.
Aber schauen wir uns die Verse vorher richtig an, dann sehen wir, dass die „Gäste“ oder „Reisende“ in der Stadt behandelt wurden. Warum war „das Geschrei vor Jehovah gekommen“??

Ein wichtiger Kommentar dazu:

Der erste Hinweis auf die Unmoral ihrer Bewohner war die bloße Feststellung in 13,13, dass sie „sehr böse Sünder gegen den HERRN“ waren. Die Erzählung spricht nun von „Empörung“ und „Aufschrei“ (so auch 19,13). Diese beiden Begriffe sind identisch; die hebräischen Wortstämme z-ʿ-k und ts-ʿ-k sind lediglich dialektische Varianten voneinander. Sie stehen für den gequälten Schrei des Unterdrückten, das gequälte Flehen des Opfers um Hilfe angesichts einer großen Ungerechtigkeit. In der Bibel sind diese Begriffe mit Schärfe und Pathos, mit moralischer Empörung und aufrüttelnder Leidenschaft besetzt. Gott erhörte den „Aufschrei“ (hebr. tseʿakah) seines Volkes gegen die harte Sklaverei Ägyptens in Exodus 3,7; sein „Zorn lodert auf“, als er den „Aufschrei“ der misshandelten Witwe und Waise in Exodus 22,21-23 hört; und für den Propheten Jesaja in 5,7 ist ein „Aufschrei“ die absolute Verneinung von Gerechtigkeit und Rechtschaffenheit: „Und er hoffte auf Gerechtigkeit, / aber siehe, Ungerechtigkeit; / auf Gerechtigkeit, / aber siehe, ein Aufschrei.“ Tseʿakah wird vor allem im Zusammenhang mit dem Leid der Armen und der verarmten Opfer von gieriger Ausbeutung verwendet.

Die Sünde Sodoms ist also eine abscheuliche moralische und soziale Korruption, eine arrogante Missachtung grundlegender Menschenrechte und eine zynische Gefühllosigkeit gegenüber den Leiden anderer. Der Prophet Jeremia identifizierte Sodom mit Ehebruch, falschem Handel und der Ermutigung von Übeltätern – und das alles ohne jedes Gefühl der Reue (23:14) -, während Hesekiel die Situation in 16:49 wie folgt zusammenfasst: „Nur das war die Sünde deiner Schwester Sodom: Hochmut! Sie und ihre Töchter hatten Brot im Überfluss und ungetrübte Ruhe; dennoch unterstützten sie die Armen und Bedürftigen nicht. In ihrem Hochmut haben sie vor mir einen Gräuel begangen, und deshalb habe ich sie entfernt….“ Die Anklage gegen Sodom liegt ganz im moralischen Bereich; es gibt keinen Hinweis auf kultische Vergehen, keinen Hauch von Götzendienst. Wie die Sintflutgeschichte geht auch die Erzählung von Sodom und Gomorra von der Existenz eines universellen moralischen Gesetzes aus, von dem Gott erwartet, dass es von allen Menschen befolgt wird. Die Vorstellung, dass es einen untrennbaren Zusammenhang zwischen dem sozialen und moralischen Verhalten eines Volkes und seinem endgültigen Schicksal gibt, ist eine der Säulen, auf denen die gesamte biblische Auslegung der Geschichte steht.

Der JPS Tora-Kommentar – Genesis

Wenn wir also wissen wollen, was aus Jehovahs Sicht damals der Grund war, dann müssen wir die gesamte Bibel nach Seinen Gedanken durchforschen – und nicht nur das eine Kapitel lesen 😉

Und wie werden wir in Jehovahs Augen gesehen – wenn wir diese anderen Verse betrachten???

Unterschied der Ansicht

Es gibt keinen Grund in der Welt, warum sie Kain so hervorheben sollte, außer der irrigen Vorstellung, dass Kain der verheißene Same sei, von dem in Eden versprochen wurde, dass der Sohn der Frau der Schlange den Kopf zertreten würde. Eva dachte, sie sei diese Frau und Kain sei der verheißene Sohn, und dass sie nun ihr verlorenes Erbe wiedererhalten, ins Paradies zurückkehren und wieder glücklich sein würde. Deshalb sagte sie, wie man es übersetzen könnte: „Ich habe den Mann Jehova bekommen“, was eine völlig korrekte und richtige Übersetzung ist und offensichtlich auf die Verheißung des Messias anspielt, den sie erwartete.

Im Gegensatz zu Kain nannte sie Abel, als er geboren wurde, „Schwachheit und Eitelkeit“. Sie betrachtete ihn nicht als ein so bedeutendes und beeindruckendes Geschenk. Sie betrachtete Kain als den verheißenen Messias und Abel als „Schwachheit“ oder „Eitelkeit“. Wie sehr hat sich die arme Eva doch geirrt! Kain war nicht der Erlöser von der Sünde, sondern der erste Mörder; und Abel war nicht das wertlose Ding, für das sie ihn hielt, sondern der erste heilige und treue Märtyrer. Viele Mütter denken, sie hätten einen Abel, obwohl sie einen Kain haben; und manche haben einen Kain, obwohl er sich als Abel entpuppt. Es hängt vielleicht weniger vom ursprünglichen Charakter als vielmehr von der späteren Erziehung ab, ob es das eine oder das andere sein wird. Auch wenn die Gnade eine mächtige und wichtige Rolle bei der Charakterbildung spielt, gilt dennoch: „Erziehe ein Kind in dem Weg, den es gehen soll, und es wird nicht davon abweichen, wenn es alt ist. Kain und Abel wurden mit einem gleichermaßen verdorbenen Herzen geboren. Beide brauchten gleichermaßen die Wiedergeburt durch Gottes Heiligen Geist. Der eine lebte und starb ohne sie, der andere lebte unter ihr und trat in die Freude ein, auf die sie ihn vorbereitet hatte.

Wir lesen von den Opfergaben von Kain und Abel. Beide erkannten eindeutig an, dass es pflichtgemäß und richtig war, Gott anzubeten. Beide erkannten auch an, dass es nur einen wahren und lebendigen Gott gibt und dass sie nur ihn anbeten sollten. Soweit stimmten beide überein, aber es ist offensichtlich, dass der eine den wahren Gott auf eine Art und Weise anbetete, die nicht annehmbar war, und dass der andere denselben wahren Gott auf eine Art und Weise anbetete, die annehmbar war. Worin lag die Ursache für diesen Unterschied? Worin lag die große Verschiedenheit der Opfergaben, die dazu führte, dass die einen so angenommen und die anderen abgelehnt wurden? Der erste Grund lag zweifellos in den Opfernden selbst. Kain war ein unheiliger, gottloser und ungerechter Mann; Abel war ein heiliger, guter und gerechter Mann. Es ist nicht das Opfer, das den Opfernden anerkennt, sondern zuerst der Opfernde und dann das Opfer, das angenommen wird. Aber auch in der Art und Bedeutung der beiden Opfer gab es einen großen Unterschied. Die eine Opfergabe bestand darin, ein lebendes Tier zu opfern, sein Blut zu vergießen und es auf dem Altar als Opfergabe für Gott zu verbrennen. Das Opfer des anderen – wenn man es so nennen kann – war ein Blumenkranz oder ein Korb mit schönen und duftenden Früchten. Man hätte von vornherein gesagt, dass Kains Opfer sicher angenommen worden wäre, wenn man das Ergebnis nicht gekannt hätte. Denn was gibt es Angenehmeres, als diesen Strauß schöner Blumen und diesen Korb mit schönen und duftenden Früchten darzubringen, sie Gott zu weihen und in einem Hymnus der Anbetung zu sagen: „Oh, Herr! Ich schenke dir dies. Dein Lächeln hat jeder Blüte ihre Farbe gegeben, dein Atem hat jeder Blume ihren Duft verliehen, und ich widme sie dir, du Schöpfer, du Bewahrer von allem, als Ausdruck meiner Dankbarkeit und als Mittel meiner Anbetung.“

Man hätte gesagt: Das ist sicher genau das Opfer, das angenommen werden wird. Und als Abel seine Opfergabe brachte, das Messer in das Herz eines unschuldigen Lammes stach, sein Blut auf dem Altar vergoss und dann Gott bat, es anzunehmen, hätte man gesagt: „Abels Opfer wird sicher abgelehnt werden. Natürlich hätte man das gesagt. Aber damals war die Welt nicht in ihrem natürlichen Zustand, der Mensch war nicht in seinem natürlichen Zustand; die Sünde hatte sich eingeschlichen; zwischen der Kreatur und Gott klaffte eine große Kluft: Ein neuer Zugang war nötig, und im Paradies wurde Adam durch die Felle der Tiere, mit denen er bekleidet war, die Notwendigkeit, die Pflicht und die Annehmbarkeit von Tieropfern angezeigt. Der Unterschied zwischen diesen beiden Opfern lag also in diesem Punkt:-Kain erkannte Gott als den Schöpfer und Erhalter aller Dinge an, aber mehr nicht; Abel erkannte Gott ebenso wie Kain als den Schöpfer und Erhalter aller Dinge an, aber er fügte seinem Glaubensbekenntnis einen weiteren Artikel hinzu, der beim Sündenfall verkündet wurde: dass der Mensch gesündigt hatte und dass es ohne Blutvergießen keine Wiederherstellung des Menschen geben konnte; und deshalb stützte sich Abel in seinem zukünftigen Glauben bereits auf das Lamm Gottes, das von Grundlegung der Welt an geschlachtet worden war, und fand so durch den Glauben Akzeptanz, wo Kain keine fand. Mit anderen Worten: Das eine war ein deistisches Opfer, das andere ein evangelisches und protestantisches Opfer. Der eine betrachtete Gott einfach als Schöpfer und Erhalter und den Menschen als unschuldig; der andere betrachtete Gott als einen Gott, der die Sünde hasst, und sich selbst als Sünder und betrachtete das Sühneopfer als einziges Mittel, um Gnade zu erlangen, und betete so um Vergebung, Gnade und Annahme. Das Ergebnis ist, dass das eine angenommen wurde, das andere aber nicht. Wie, so können wir fragen, wurde es angenommen? Woher wussten Kain und Abel, dass er angenommen wurde? In meinem letzten Beitrag habe ich euch beim Lesen des vorhergehenden Kapitels erklärt, dass die Schechinah an den Toren des Paradieses stand und das flammende Schwert, das sich in alle Richtungen drehte. Dass dies der heilige Ort war, wird dadurch sehr wahrscheinlich, dass Kain, als er die Gegenwart des Herrn verließ, in den Osten Edens ging, um dort zu wohnen. Das war genau der Ort, an dem sich die Cherubim, der Gnadensitz und die Schechina befanden, die später im Tempel aufgestellt wurden, wo sie als Zeichen für das große Sühnopfer des Herrn Jesus Christus galten. Und da wir lesen, dass bei der Annahme der alten Opfer Feuer vom Himmel fiel und sie verzehrte, kann es sein, dass ein Strahl aus der Schechina auf das Opfer Abels fiel und es verzehrte, während das von Kain wie eine verdorrte Blume zurückblieb oder verblasste. Wie auch immer, es heißt, dass das eine sichtbar angenommen und das andere eindeutig abgelehnt wurde.

Aber was war die Konsequenz daraus? Die richtige Konsequenz wäre gewesen, dass Kain, der seinen Irrtum demütig einsah, ihn zugegeben und wie Abel angebetet hätte. Aber die menschliche Natur hatte ihren traurigen Verfall durchgemacht; der Neid hatte die Liebe verdrängt und die Eifersucht den Frieden; und da er sah, dass sein Bruder Abel ein Freund Gottes war und in seinem Dienst von ihm sichtlich akzeptiert wurde, erhob er sich, nicht gegen sich selbst, der in Wirklichkeit die Schuld trug, sondern gegen seinen unschuldigen Bruder Abel, der nur das Richtige getan hatte, im Gegensatz zu seinem Bruder, der das völlig Falsche getan hatte. Alle Sünde ist verfolgend. Selbstgerechtigkeit hasst. Nicht nur, dass der Mensch seine eigenen Fehler anlastet, so wie Adam seine auf Eva und Eva auf die Schlange warf, sondern wenn er sieht, dass es anderen besser geht und sie mehr Anerkennung finden als er selbst, bringt der Kainsgeist das Kainsmal hervor und veranlasst ihn, sich gegen die Gerechten zu erheben, weil seine eigenen Werke böse sind, und seine Miene zu senken und seinen Geist mit dem zu zermürben, was ihn demütigen und unterwerfen sollte.

John Cumming – Lesungen am Sabbatmorgen – Genesis

Henoch wandelte mit Gott

Den Vers hatten wir ja schon vor ein paar Tagen

Aber gestern abend im „Grundkurs“ kam der Hinweis auf Genesis 3:8
Wer wandelte dort im Garten?
Schauen wir uns an, was schon 1856 in einem Buch dazu geschrieben steht:

„Und sie hörten die Stimme (das Geräusch der Bewegung oder der Schritte) des Herrn, der in der Kühle des Tages im Garten wandelte.“ „Die Stimme des Herrn“ wird in Ps. 29 in einem schönen poetischen Bild auf den Donner und den tosenden Sturm angewandt, mit dem er dem dümmsten Ohr seine Majestät und Allmacht verkündet, aber in diesem Sinne wird der Ausdruck hier nicht verwendet. Alles an dieser Szene ist von Ruhe und Gelassenheit geprägt. Der Ort ist das Paradies und die Zeit gegen Abend, „in der Kühle des Tages“ לְרוּחַ הֲיּוֹם, gegen das Atmen oder Blasen des Tages – also gegen Abend, wenn in östlichen Ländern kurz vor Sonnenuntergang ein kühler, erfrischender Wind aufkommt, der die Temperatur der erhitzten Luft angenehm senkt; vergleiche חֹם הַיּוֹם, die Hitze des Tages, Gen. 18:1, wenn der Orientale eine schützende Ruhe sucht. Die gleiche Bedeutung hat der Ausdruck in Cant. 2:17, יָפוחַ הַיּוֹם, der Tag weht, d.h. wird kühl, und der weiter definiert wird als die Zeit, in der „die Schatten fliehen“, obwohl Le Clerc meint, dass er sich auf den Morgen bezieht, so wie er auch mit Calvin die Stelle versteht, die die Szene im Paradies beschreibt. Unter den älteren Auslegern gibt Theodotion den Sinn am vollständigsten wieder: ἐν τῷ πνεύματι πρὸς κατάψυξιν τῆς ἡμέρας. In dieser ruhigen und kühlen Stunde macht der Herr als Besitzer des Gartens seine gewohnten Runden. Das Partizip Hithpael מִתְהַלֵּךְ (von הָלַךְ, gehen) bedeutet nicht, dass man an einem bestimmten Ort oder zu einem bestimmten Zweck umhergeht, sondern dass man in einem Kreis oder innerhalb bestimmter Grenzen umhergeht: Es impliziert auch eine Gewohnheit oder einen gewöhnlichen Weg, wie zum Beispiel, wenn es heißt: „Henoch wandelte mit Gott“ (Gen. 5:22), wo derselbe Begriff verwendet wird. Der Garten war also der Ort, an dem Gott sich ausruhte und erfreute – ein Ort, der von seiner Gegenwart frequentiert wurde und an dem er sich mit dem Schöpfer und Wächter des geheiligten Ortes unterhielt. „Die Stimme Gottes, der im Garten wandelt“, ist das Geräusch seiner Schritte (siehe 1. Könige 14,6; 2. Könige 6,32) oder das Rascheln der Blätter und zarten Zweige, wenn er sich zwischen ihnen bewegt: Und das war kein ungewöhnliches oder furchterregendes Geräusch, denn zu dieser Zeit wohnte Gott tatsächlich mit den Menschen auf der Erde, ein Zustand der Unschuld, der der gesegneten Zukunft ähnelt, von der es heißt: „Siehe, die Hütte Gottes ist bei den Menschen, und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und Gott selbst wird bei ihnen sein und ihr Gott sein“ (Offb. 21:3). 21:3), und doch „verbargen sich der Mann und seine Frau vor dem Angesicht Gottes, des Herrn, unter den Bäumen des Gartens.“

Es gab keinen großen und starken Wind, der die Berge zerriss und die Felsen vor dem Herrn zerbrach, kein Erdbeben und kein Feuer, sondern nur eine leise Stimme (1. Könige 19:11, 12), die nicht lauter war als das Seufzen des Abendwindes unter den Bäumen des Paradieses, aber sie reichte aus, um die Sünder aufzuschrecken und in die Flucht zu schlagen. Als Adam später zu seinem ungewöhnlichen Verhalten befragt wurde, weil er sich vor Gott versteckte, dessen Annäherung er bei anderen Gelegenheiten mit Freude und Wonne begrüßt hatte, antwortete er: „Ich fürchtete mich, weil ich nackt war.“ Es war Furcht, die ihn zu diesem Verhalten veranlasste – eine Furcht, die denselben Grund hatte wie die Scham.

Die durch die Übertretung erworbene Erkenntnis, die zunächst, was die sinnlichen Begierden anbelangt, zu Schamgefühlen bei dem gefallenen Paar selbst geführt hatte, führte nun, beim Herannahen Gottes, zu Furcht und Angst vor dem Gesetzgeber und Richter. Die Übertreter erwarten das Gericht und zittern vor der Strafe, die sie erwartet. Sie fühlen sich nicht nur schändlich, sondern auch schuldig, denn die Nacktheit des Körpers ist nur ein Sinnbild für den Zustand ihrer Seele, die nun vor Gottes heiligem Auge entblößt ist. „Die Schande ihrer Blöße“ (Offb 3,18) war erschienen und mit ihr das Bewusstsein, dem göttlichen Zorn ausgesetzt zu sein; „sie versteckten sich unter den Bäumen des Gartens“. Das ist eine Parallele zu den Feigenblattgürteln, die sie um den Hals trugen, denn beides deutet darauf hin, dass sie äußere Hilfe und Hilfsmittel brauchten, um ihre Schande zu verbergen. In sich selbst und in dem Ziel, das sie verfolgten, waren die beiden Arten der Verschleierung im Wesentlichen gleich, und sie veranschaulichen den bereits erwähnten engen Zusammenhang zwischen dem Gemütszustand, der Scham hervorrief, und dem, der sich in Furcht vor und Abkehr von Gott äußerte.

Donald MacDonald – Die Schöpfung und der Sündenfall – Eine Verteidigung und Erläuterung

Nun ist die Frage an Dich & mich:
Bin ich jemand der wie in Genesis 4:26 gesagt wird “ den Namen Jehovahs anrufe“ ?? – oder bin ich wie Henoch „der mit Jehovah wandelt“??

Samsons Haare

Wenn wir uns die Geschichten in der Bibel anschauen, dann haben wir manchmal Fragezeichen in unseren Gedanken. So auch die Geschichte mit Simson….
Spannend wenn wir uns dann die selben Geschichten in den „Überlieferungen“ anschauen. Hier ein Beispiel von der Wiedergabe von Josephus:

Spater aber fiel er von den Gebräuchen seiner Väter ab, führte ein schlechtes Leben und äffte die Gewohnheiten fremder Völker nach, was gewöhnlich der Anfang alles Übels ist. Er liebte eine Buhldirne Namens Dalila und lebte mit ihr. An diese machten sich nun die Vorsteher der Palaestiner heran und suchten sie durch grosse Versprechungen zu beschwätzen, dass sie von Samson erforschen möge, was die Ursache seiner gewaltigen Stärke sei, die ihn unüberwindlich mache. Sie ging darauf ein, und als Samson einst bei ihr zechte und ihren vertrauten Umgang genoss, bewunderte sie seine Heldenthaten und suchte zu erfahren, warum er eine so grosse Stärke besitze. Samson aber, der seines Geistes noch mächtig war, setzte List gegen List und sagte, wenn man ihn mit Rebzweigen binde, die sich noch biegen liessen, so werde er schwächer als alle anderen sein. Mit dieser Antwort war sie zufrieden, und nachdem sie die Vorsteher der Palaestiner verständigt hatte, versteckte sie einige Krieger bei sich. Als nun Samson berauscht und in Schlaf gefallen war, band sie ihn mit den Rebzweigen, so fest sie konnte; dann weckte sie ihn und schrie ihm zu, die Feinde bedrohten ihn. Er aber zerriss die Rebzweigenfesseln und rüstete sich zur Wehr, falls man ihn angreifen wolle. Da er nun häufig mit dem Weibe verkehrte, beklagte sie sich einst, dass er so misstrauisch sei und ihr nicht sagen wolle, was sie so gern wissen möchte, gerade als ob sie das nicht geheim zu halten verstehe, dessen Ausplauderung ihm schaden könne. Samson aber täuschte sie wiederum, indem er ihr sagte, wenn er mit sieben Stricken gefesselt werde, so werde seine Kraft von ihm weichen. Als das wieder keinen Erfolg gehabt hatte, erklärte er ihr das dritte Mal, man müsse ihm seine Haare flechten. Und da auch das sich als trügerisch erwies, bestürmte sie ihn noch heftiger mit Bitten, sodass sich Samson endlich (es war ihm nämlich bestimmt, dass er in sein Unglück geraten sollte), um die Gunst der Dalila wiederzuerlangen, bereden liess und ihr kundthat: „Gott selbst, durch dessen Fürsorge ich geboren bin, hat befohlen, dass mein Haar wachsen gelassen und nicht geschoren werde. So lange solle ich meine Kräfte behalten und sie sogar noch vermehren, als ich meine Haare wachsen lassen und erhalten würde.“ Als sie so endlich den wahren Grund erfahren hatte, schnitt sie ihm heimlich das Haar ab und überlieferte ihn seinen Feinden, denen er jetzt ohnmächtig preisgegeben war. Diese blendeten ihn und liessen ihn gefesselt wegführen.

Im Laufe der Zeit aber wuchs ihm das Haar wieder, und als die Palaestiner einst ein öffentliches Fest begingen, und ihre Vorsteher und Vornehmsten in einem Hause, dessen Dach von zwei Säulen getragen wurde, schmausten, liessen sie den Samson holen, um beim Zechgelage mit ihm ihren Spott zu treiben. Dieser aber, der es für das schlimmste aller Übel hielt, dass er so zum Gespötte dienen musste und sich nicht rächen konnte, sagte dem Knaben, der ihn an der Hand führte, er solle ihn an die Säulen leiten, da er ermüdet sei und etwas ausruhen wolle. Kaum war er dort angelangt, als er sich mit aller Kraft auf die Säulen warf, sie umstürzte und das ganze Haus wanken machte. So fanden dreitausend Menschen, die unter dem einstürzenden Hause begraben wurden, und Samson mit ihnen den Tod. Samson herrschte zwanzig Jahre lang über die Israëliten. Bewundernswert ist er wegen seiner Tapferkeit und Stärke, wegen des Starkmutes, mit dem er den Tod erlitt, und weil er bis zum letzten Atemzuge seine Feinde hasste. Dass er sich von einem Weibe überlisten liess, ist auf Rechnung der menschlichen Natur zu setzen, die leicht der Sünde unterliegt. Jedenfalls muss man ihm das Zeugnis geben, dass er im übrigen ein ausgezeichneter und tugendhafter Mann war. Seine Verwandten bestatteten ihn bei den Vorfahren in seiner Vaterstadt Sariasa.

Jüdische Altertümer, übersetzt von Clementz, 1899

und seine Kraft verließ ihn. Die Reihe von Zeitformen vermittelt hier wahrscheinlich nicht die Abfolge, sondern die Gleichzeitigkeit: Sie demütigte ihn, als seine Kraft ihn verließ. Der Text suggeriert fast, man könne beobachten, wie die Kraft aus Simson schwindet. Die Leserinnen und Leser fragen sich immer wieder, wie Simson so töricht sein konnte. Wusste er nicht aufgrund der letzten drei Episoden, dass sie ihm tatsächlich die Haare abschneiden würde? Anstatt Samsons Offenbarung auf Dummheit oder Liebesblindheit zurückzuführen, bleibt der Schlüssel wahrscheinlich Arroganz. Nirgendwo in der Geschichte hat Samsons Stärke gelitten, trotz wiederholter Verstöße gegen sein Gelübde und gegen Jahwes Moralgesetz.

Joseph Coleson – Eckpfeiler des biblischen Kommentars – Richter

Doch schon bald begann sein Haar wieder zu wachsen. Von einem fortgeschritteneren Punkt im Prozess der göttlichen Offenbarung aus betrachtet, könnten christliche Leser vor einer scheinbar plumpen Verbindung zwischen Samsons bloßer äußerer Erscheinung, d.h. dem Wachstum seines Haares, und der Rückkehr von Gottes Segen auf sein Leben zurückschrecken. Aber das Nasiräer-Gelübde konzentrierte sich auf das Haar. Was auch immer für andere Regeln gelten mochten, das „heilige Haupt“ des Nasiräers spielte eine zentrale Rolle in dieser verstärkten Hingabe an Jahwe. In ähnlicher Weise verwendet der Text Simsons Haar als sichtbares literarisches Zeichen für Simsons Hingabe an Gott. Indem der Autor feststellt, dass Samsons Haare nachwachsen, signalisiert er, dass Gott mit Samson noch nicht fertig ist. Tatsächlich hatte Gott Simson bis zum Tag seines Todes zum Nasiräer erklärt. Selbst in Sünde und Versagen, selbst im Gefängnis, wurde Simson nicht von seinem Gelübde entbunden (gegen Boling 1975:248-253). Der Autor signalisiert, dass Simson unter der Barmherzigkeit Gottes bleibt. Die Wiederbelebung des Symbols seiner Hingabe weist auf die Erneuerung der Hingabe selbst hin. Ironischerweise spielt sich das, was ursprünglich ein Geheimnis war, das die Philister erdacht und für das sie viel Geld bezahlt haben, nun direkt vor ihren Augen ab, und sie sehen es nicht einmal. Sie sind für die Gefahr, die von dem nachgewachsenen Haar ausgeht, genauso blind wie Simson für den Verlust des Haares.

Joseph Coleson – Eckpfeiler des biblischen Kommentars – Richter

Noch einmal war Simson den Philistern entkommen, aber die Stunde seines Sturzes war nahe. Die von Gott anvertraute Kraft als seine eigene zu betrachten und sie für selbstsüchtige Zwecke zu missbrauchen, war der erste Schritt zum Verrat und zum Verzicht auf das, worin sie wirklich lag. Samson hatte aufgehört, im Herzen ein Nasiräer zu sein, bevor er äußerlich aufhörte, einer zu sein. Die Geschichte von Delila3 ist zu gut bekannt, um sie im Einzelnen zu wiederholen. Schon ihr Name – „die Schwache“ oder „die Sehnsüchtige“ – verströmt Sinnlichkeit, und ihre Heimat liegt im Tal von Sorek oder der erlesenen roten Traube. Die Philisterfürsten haben endlich gelernt, dass Gewalt nicht gegen Simson siegen kann, bis er sich durch seine eigene Untreue selbst seiner Kraft beraubt hat. Es ist die gleiche Geschichte wie die von Israel und seiner Sünde mit Baal-Peor. Es wird die gleiche Methode angewandt, die Bileam zum Verderben Israels vorgeschlagen hatte, und leider mit dem gleichen Erfolg. Die fünf Fürsten der Philister versprechen Delila 1000 und 100 Schekel, insgesamt 5500, also etwa 700 Pfund, als Lohn für ihren Verrat. Dreimal ist Simson ihrer Hartnäckigkeit, sein Geheimnis zu ergründen, entgangen. Jedes Mal hatte sie Wächter in einer angrenzenden Wohnung, die bereit waren, sich auf ihn zu stürzen, wenn er wirklich seine Kräfte verloren hätte. Doch beim dritten Mal war er in seiner Spielerei mit heiligen Dingen seinem Sturz gefährlich nahe gekommen, da er in ihrem Gehör seine Kraft mit seinem Haar verband. Und doch blieb er trotz aller Warnungen, wie einst Israel, in seiner Sünde verharrt.
Endlich ist es soweit. Er hat Delilah sein ganzes Herz geöffnet, und sie weiß es. Aber die Schrift legt uns die wahre Erklärung der Angelegenheit vor, in ihrer üblichen nachdrücklichen Art, aber mit einer so offensichtlichen Vermeidung der Suche nach Wirkung, dass nur der aufmerksame, fromme Leser sie aufspüren kann. Die Fakten sind wie folgt: Als Simson sein Geheimnis an Delila verrät, sagt er (16,17): „Wenn ich geschoren werde, dann wird meine Kraft von mir weichen“, während die Heilige Schrift, als das Ereignis tatsächlich eintrat, es erklärt: „Er wußte nicht, daß Jehova von ihm gewichen war.“ In diesem Gegensatz zwischen seiner Einbildung über seine eigene Stärke und der Tatsache, dass sie auf die Gegenwart Jehovas zurückzuführen ist, liegt der Kern der ganzen Sache. Man schreibt: „Die übermenschliche Kraft Samsons lag nicht in seinem ungeschnittenen Haar, sondern darin, dass Jehova mit ihm war. Aber Jehova war nur so lange mit ihm, wie er sein Nasiräer-Gelübde hielt.“ Oder, mit den Worten eines alten deutschen Kommentars: „Das ganze Elend Simsons rührte daher, dass er sich aneignete, was Gott durch ihn getan hatte. Gott lässt zu, dass seine Kraft zerstört wird, damit er in bitterer Erfahrung lernt, dass er ohne Gottes Gegenwart nichts ist. Und so lehren uns unsere Stürze immer am besten.“ Aber wie immer erweist sich die Sünde als der härteste Zuchtmeister. Der gefallene Simson wird mit allen möglichen Demütigungen überhäuft. Man sticht ihm die Augen aus, legt ihm eherne Fesseln an und lässt ihn die niedrigste Gefängnisarbeit eines Sklaven verrichten. Und auch hier findet die Geschichte Simsons ihre Parallele in der des verblendeten Israels, mit dem Urteil der Knechtschaft, der Erniedrigung und des Leidens, das auf die große nationale Sünde folgte, das Nasiräer-Gelübde abzulegen.
Aber, Gott sei gelobt, weder die Geschichte noch ihre Parallele hört hier auf. Denn „die Gaben und Berufungen Gottes sind ohne Reue“. So steht es ausdrücklich im heiligen Text: „Und das Haar auf seinem Haupt begann zu wachsen, wie es geschoren war“, das heißt, sobald es geschoren war. Dann begann eine Periode göttlicher Trauer und Reue, die sowohl durch die Rückkehr Gottes zu ihm als auch durch seine letzte Glaubenstat, in der er für sein Volk sein Leben opferte, bewiesen wurde; auch hierin folgt das große Gegenbild, wenn auch „von ferne“. Wir nehmen an,4 dass „der Knabe“, der ihn zu den Säulen führte, auf denen das Haus Dagons ruhte, ein Hebräer war, der Samsons Hoffnungen und Gebete kannte und der, unmittelbar nachdem er ihn in die verhängnisvolle Lage gebracht hatte, den Tempel verließ und dann Samsons „Brüdern“ die Nachricht überbrachte (16,31).

Alfred Edersheim – Geschichte der Bibel