Da sprach ich: Siehe, ich komme; in der Rolle des Buches steht von mir geschrieben. Dein Wohlgefallen zu tun, mein Gott, ist meine Lust; und dein Gesetz ist im Innern meines Herzens. (W. meiner Eingeweide)
Elberfelder 1871 – Psalm 40,8–9
Nun spreche ich:
Da komme ich
mit der Rolle eines Buchs,
auf mir ists geschrieben:
Zu tun dein Gefallen,
mein Gott, habe ich Lust,
deine Weisung ist meinem Innern inmitten.
Buber & Rosenzweig – Psalm 40:8–9
Da habe ich gesagt: »Hier bin ich!
Im Buch des Gesetzes ist von mir die Rede.
Es erfüllt mich mit Freude, zu tun, was dir, mein Gott, gefällt.
Deine Weisungen trage ich in meinem Herzen.«
Neue Genfer Übersetzung – Ps 40,8–9

Es erfüllt mich mit Freude, zu tun, was dir … gefällt Dieser Vers kommt auf das Kernanliegen zu sprechen. Der Beter gibt, was Gott von ihm fordert: Gehorsam von Herzen.
Reformations-Studien-Bibel
Der Psalmist macht sich selbst, sein Leben zum Opfer, das er Gott darbringt. Nicht ein Tier kommt, „ich komme!“ Ich, dein Knecht, ich, dein Sohn, ich, der Begnadigte, ich, der Gerettete aus der Grube des Verderbens. Allein diese Gabe kann der Gnade und Größe Gottes entsprechen. „Es gibt nur eine Haltung des Menschen, die diesem Gott gibt, was ihm gebührt. Das ist die Haltung des Gehorsams und der Beugung unter Gott .“ Gott sucht die Gemeinschaft mit dem Menschen seines Ebenbildes, mit dem Geschöpf, das ihm innerlich verwandt ist. Wenn der Vater als Dank die Liebe des Kindes erwartet, dann kann kein Opfergeschenk ihm Ersatz für diese ersehnte Liebe bieten. Es gibt vor Gott keinen Ersatz für jene persönliche Hingabe, die aus dem Glauben an seine Offenbarung und aus der Liebe zu ihm selbst fließen. Was der Psalmist zu tun hat, findet er im Buche, eigentlich in den Buchrollen Geschrieben. Mit Freuden ist er bereit, des HErrn Willen zu tun. Er trägt das Gesetz als eine Kundgebung der Heilsabsichten seines Gottes in seinem Herzen, Ohren hat Gott ihm gegeben, wörtlich: „grubst du mir“, damit er höre wie ein Jünger (Jes 50,4). Das ist dem Sänger Ausdruck des Dankes, Opfer der Liebe, Gemeinschaft mit Gott.
Jakob Kroeker – Ausgewaehlte Psalmen
Der Hebräerbrief hat nun diese Psalmstelle frei wiedergegeben und sie auf Christus bezogen. „Schlacht- und Speisopfer willst du nicht, einen Leib aber hast du mir geschaffen. An Brand- und Sündopfern hast du kein Wohlgefallen. Da Sprach ich: Siehe, ich komme, um deinen Willen zu erfüllen, mein Gott, wie in der Buchrolle von mir geschrieben steht“ (Heb 10,5 -7). Erst in Jesu erfüllte sich im vollen Umfange dies Wort, das ursprünglich ein Beter im Alten Testament nur im Blick auf seine persönliche Glaubenshaltung Gott gegenüber aussprach. Daher nahm der Hebräerbrief in der Verbindung, wo er das weit höhere Opfer Jesu behandelte, das Wort einfach für Christus und seine Hingabe an den Vater in Anspruch.
Die großen Glaubenserfahrungen mussten dem Psalmisten aber auch zum Inhalt eines gewaltigen Zeugnisses für andere werden.
»In der Rolle des Buches steht von mir geschrieben«: In Psalm 139 spricht David abermals von einem Buch, in dem er und in dem alle Tage seines Lebens verzeichnet waren, bevor er geboren wurde (139,16). Welches ist der innere Zusammenhang zwischen der Rolle des Buches, in der von ihm geschrieben stand, und seinem Herabsinken und Heraufkommen aus der Grube (V. 2.3)? David erkennt rückblickend, dass Gott an ihm nach seinem ewigen Vorsatz der Gnade gehandelt hatte, als er ihn in die Grube versinken ließ, um ihn aus der Grube zu erretten. Gott ließ Jahrhunderte vor ihm Joseph in die Grube versinken, um ihn aus ihr zu erretten und ihn so zum Retter seiner Familie zu machen. All das geschah, wie Joseph seinen Brüdern erklärt, nach göttlichem Vorsatz (1Mo 50,20). Wir begreifen, nachdem wir zum Herrn gekommen sind, dass wir kamen, um seinen Willen zu tun, weil von uns in der Rolle des Buches geschrieben stand. Wir gehorchten Gott und taten auf seinen Befehl hin Buße (Apg 17,30), weil Gott den Weg und die Umstände längst verordnet hatte, die uns zur Buße führten, und den Tag bestimmt hatte, an dem wir zu ihm um Errettung rufen sollten. Sind denn die Namen der Erlösten nicht im Buch des Lebens eingeschrieben? Wissen die Erlösten nicht mit Jeremia, dass Gott sie von Ewigkeit her geliebt (Jer 31,3) und in seiner Liebe zuvorerkannt hat (Röm 8,29)?
Benedikt Peters – Die Psalmen 1–41
9 Dein Wohlgefallen zu tun, mein Gott, gefällt mir;
dein Gesetz ist in meinem Innern.
Gottes »Wohlgefallen zu tun«, ist Davids Lust geworden. Das ist ein großes Wunder. Von Natur ist uns nichts ärgerlicher, als nicht unseren Kopf durchsetzen zu können. Woher kommt es, dass David diese Freude hat, seinen eigenen Willen zurückzustellen? »Dein Gesetz ist in meinem Innern.« Gott hat an David jenes Werk der Gnade getan, das den Neuen Bund kennzeichnet (Jer 31,33).
Davids Bekenntnis ist fast buchstäblich gleich dem Bekenntnis des Apostels Paulus von Römer 7,22. So redet nur eine wiedergeborene Seele; denn der natürliche Mensch nimmt nicht an, was des Geistes Gottes ist (1Kor 2,14), und die Gesinnung des Fleisches ist Feindschaft wider Gott, denn sie ist dem Gesetz Gottes nicht untertan, denn sie vermag es auch nicht (Röm 8,7). Gott hatte David zu einer neuen Kreatur gemacht.
…
V. 8 – »›Im Buch ist von mir geschrieben‹: In welchem Sinn kann David insbesondere für sich in Anspruch nehmen, was doch allen Menschen insgemein gilt? Wenn das Gesetz für alle Menschen eine Regel heiligen Lebens vorschreibt, scheint doch nicht von einem oder nur von wenigen gesagt werden zu dürfen, dass es gerade nur in Rücksicht auf sie geschrieben sei. Ich antworte: Das Gesetz, in Buchstaben verfasst, bezieht sich allerdings auf alle gemeinsam. Da es aber tot ist, kann es nichts auswirken. Deshalb lehrt Gott die Seinen noch in anderer Weise. Insofern als das Gesetz verinnerlicht und durch den Geist Gottes wirksam geworden ist, ist es ein besonderer Schatz der Gläubigen. Im Geheimbuch Gottes ist nur von ihnen geschrieben, dass sie Gottes Willen erfüllen. allerdings erschallt das Wort Gottes durch den ganzen Erdkreis, damit alle, die nicht gehorchen, keine Entschuldigung haben, aber es dringt nur allein in die Herzen der Frommen, zu deren Heil es bestimmt ist. Wie also ein Feldherr die Namen der Soldaten aufschreibt, sodass ihre Zahl fest bestimmt ist, und der Lehrer seine Schüler in das Verzeichnis einträgt, so hat auch Gott seine Kinder im Buch des Lebens verzeichnet, um sie unter dem Joch seiner Zucht zu halten« (Calvin).
V. 7–9 – »Der Hebräerbrief (10,5–10) fasst V. 7–9 dieses Psalms in Anschluss an die LXX als Wort des in die Welt eintretenden Christus auf … Worte Davids, des Gesalbten, aber erst auf dem Weg zum Thron Befindlichen, sind vom Heiligen Geist, dem Geist der Weissagung, so gestaltet, dass sie zugleich wie Worte des durch Leiden zur Herrlichkeit gehenden anderen Davids lauten, dessen Selbstopfer die Endschaft der Tieropfer und dessen Person und Werk Kern und Stern der Gesetzesrolle ist« (Delitzsch).