denn es ist uns unmöglich, von dem, was wir gesehen und gehört haben, nicht zu reden.
Elberfelder 1871 – Apostelgeschichte 4,20
Es ist für uns einfach unmöglich, nicht von dem zu sprechen, was wir gesehen und gehört haben.«
Das Buch – 2009 – Apostelgeschichte 4:20
Denn es ist uns unmöglich, nicht zu reden von dem, was wir gesehen und gehört haben. (a) Lu 10:23.24; Apg 22:15; 1Kor 9:16; 1Jo 1:1-3
Zürcher 1931 – Apg 4,20

Wenn du das erlebt hättest, was die Apostel mit Jesus erlebt haben, könntest du dann schweigen?
19–20 berichten von der Antwort, die Petrus und Johannes jetzt gemeinsam geben. Sie beginnt mit einer Aufforderung an die Synedristen (κρίνατε, V 19b), selbst zu urteilen, ob man Gott oder ihnen eher gehorsam sein muß, einer Frage, die – weil die Lösung klar ist – zugleich den zweiten Teil der Apostel-Antwort begründet: Sie werden das Schweigegebot nicht befolgen (V 20). εἰ δίκαιόν ἐστιν ἐνώπιον τοῦ θεοῦ ist biblische Sprache und geht von einem Einverständnis darüber aus, daß man zu tun habe, was vor Gott „gerecht“ ist. Das Wort von der Pflicht, Gott mehr zu gehorchen als Menschen, steht in leicht abgewandelter Form auch 5,29b. Es hat Sachparallelen im Griechentum90 sowie im hellenistischen Judentum. Die entschiedene Weigerung der Apostel, das Predigtverbot zu akzeptieren (οὐ δυνάμεθα μὴ λαλεῖν, V 20), geht davon aus, daß die Predigt als Pflicht von Gott auferlegt ist. „Was wir gesehen und gehört haben“ ist auf die Augen- und Ohrenzeugenschaft des Wirkens Jesu bezogen und betrifft die Voraussetzung des Zeugenauftrages Jesu an die Apostel (1,21f). Das Zeugnis für den Auferstandenen bildet den Kern der apostolischen Predigt, wie gerade auch Apg 3,13–15 und 4,10–12 zeigten.
Herders Theologischer Kommentar zum Neuen Testament
Die Apostel erklären sofort offen, daß sie sich nicht an das Redeverbot halten werden! Sie denken weder an einen Kompromiß noch an heimliche Umgehung des Verbotes. Wieder wird der „Freimut“ sichtbar. Darum hat der Ungehorsam hier nichts Freches, nichts „Aufsässiges“ an sich. Die Apostel begründen ihn im Gehorsam gegen Gottes Auftrag und wenden sich an das eigene Urteil ihrer Obrigkeit. [19/20] Sie haben hier nicht Heiden vor sich, sondern die Leiter des erwählten Volkes Gottes. „Ob es recht ist vor Gott, auf euch zu hören mehr als auf Gott, beurteilt selbst“. Ob etwas „gerecht vor Gott“ sei oder nicht, das war ja die ständige Frage in Jerusalem. „Wir wenigstens“ – das sonst in der grie Sprache bei den Tätigkeitsworten allein durch die Wortform ausgedrückte „wir“ ist hier hervorhebend extra hinzu gesetzt – „sind nicht imstande, von dem, was wir gesehen und gehört haben, nicht zu reden.“ So steht es mit echten Zeugen Jesu. Sie müssen sich nicht zwingen, der Zeugenpflicht einigermaßen nachzukommen, sondern – wie kann doch der Heilige Geist formulieren! – sie sind gar nicht imstande, etwa nicht zu reden. Daran scheitert jedes „Redeverbot“.
Wuppertaler Studienbibel
Hier ist die mutige Entschlossenheit der Gefangenen, mit ihrer Arbeit fortzufahren, und ihre Verkündigung dieser Entschlossenheit (Vers 19–20). Petrus und Johannes antworteten gemeinsam: „Entscheidet ihr selbst, ob es vor Gott recht ist, euch mehr zu gehorchen [auf euch zu hören] als Gott! Denn es ist uns unmöglich, nicht von dem zu reden, was wir gesehen und gehört haben!“ Die Weisheit der Schlange hätte sie gelehrt zu schweigen. Doch die Kühnheit des Löwen sagte ihnen, sie sollten ihren Verfolgern auf diese Weise trotzen. Sie rechtfertigten sich mit zwei Dingen in ihrem Widerstand:
Der Neue Matthew Henry Kommentar
Das Gebot Gottes: „Ihr gebietet uns, das Evangelium nicht zu verkündigen; er hat uns geboten, es zu verkündigen; wem müssen wir nun gehorchen, Gott oder euch?“ Nichts kann unsinniger sein, als mehr auf schwache und fehlbare Menschen zu hören als auf einen Gott, der unendlich weise und heilig ist. „Die Sache ist so klar und selbstverständlich, dass wir es wagen werden, es euch selbst zu überlassen, darüber zu urteilen. Könnt ihr es vor Gott für recht halten, im Gehorsam gegenüber einer menschlichen Verfügung ein göttliches Gebot zu brechen?“
Die Überzeugung ihres Gewissens: Es war ihnen immer noch unmöglich, nicht von dem zu reden, was sie gesehen und gehört haben, das ist von Christi Lehre.
Sie spürten ihre Wirkung auf sich, was für eine wunderbare Veränderung sie in ihnen bewirkt hatte. Diejenigen, die die Macht der Lehre Christi gespürt haben, sind die, die ihre Botschaft am besten aussprechen.
Sie wussten von ihrer Wichtigkeit für andere. Sie sahen mit Sorge auf Seelen, die verloren gingen, und sie wussten, dass diese Seelen dem ewigen Verderben nicht entkommen konnten außer durch Jesus Christus. Deshalb wollten sie treu gegenüber ihnen sein, indem sie sie warnten. „Es sind Dinge, die wir gesehen und gehört haben und deren wir uns deshalb vollkommen sicher sind; wenn wir sie also nicht bekannt machen werden, wer wird es dann tun? Wer kann es?“
Nachdem sie die Apostel wieder in den Kreis der Anwesenden gerufen hatten, geboten sie ihnen, sich nicht „in dem Namen Jesu“ zu äußern noch darin zu lehren. Petrus und Johannes gaben kein solches Versprechen ab, indem sie nachdrücklich betonten, daß sie weitersagen müßten, was sie gesehen und gehört hatten. Mit anderen Worten, sie mußten treue Zeugen sein. Später schrieb Petrus als allgemeinen Grundsatz: „Unterwerfet euch aller menschlichen Einrichtung um des Herrn willen: es sei dem Könige als Oberherrn, oder den Statthaltern als denen, die von ihnen gesandt werden zur Bestrafung der Übeltäter, aber zum Lobe derer, die Gutes tun“ (1 Petrus 2,13-14). Zu diesem Thema finden wir in Röm 13,1-5 auch die Worte des Paulus. Außerdem schrieb Petrus darüber, daß wir glückselig sind, wenn wir um der Gerechtigkeit willen leiden, da wir uns nicht vor dem Schrecken der Menschen fürchten brauchen (1 Petrus 3,14-15), bereit zur Verantwortung gegenüber jedem, der „Rechenschaft von euch fordert über die Hoffnung, die in euch ist, aber mit Sanftmut und Furcht“.
Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt
Gewiß konnte in der vorliegenden Begebenheit keine Rede davon sein, den Forderungen des Synedriums zu entsprechen. Petrus erwiderte mit großer Freimütigkeit: „Ob es vor Gott recht ist, auf euch mehr zu hören, als auf Gott, urteilet ihr“ (V.19). Der HERR hatte ihnen geboten, in die ganze Welt zu gehen und das Evangelium anfangend von Jerusalem zu predigen. Hier nun waren im Unglauben befindliche menschliche Herrscher, die ihnen geboten, dies nicht zu tun. Wenn eine untergeordnete Autorität (in diesem Fall das Synedrium) die Anweisungen einer höheren (in diesem Fall Gott) aufhebt, ist klar, was ein Christ tun muß. Das heißt nicht, daß wir Anlaß zu unnötigem Ärger geben sollten, wo immer wir können! Wenn die Genehmigung zur Abhaltung einer Freiluftversammlung an einem bestimmten Ort gebraucht wird, liegt es auf der Hand, diese einzuholen.
Die Verse 19-20 enthalten die entschlossene Antwort der Apostel auf die Anklage des Rates. Sie begannen mit einer rhetorischen Frage in Vers 19: „Ob es in den Augen Gottes recht ist, euch zu gehorchen und nicht Gott, das sollt ihr beurteilen. Mit anderen Worten: Was ist in den Augen Gottes das Richtige zu tun? Ist es in den Augen Gottes richtig, auf die Führer zu hören oder auf Gott? Als die geistlichen Führer Israels hätte die Antwort für sie offensichtlich sein müssen: Natürlich muss man immer Gott und nicht den Menschen gehorchen.
Arnold G. Fruchtenbaum – Ariel’s Bibelkommentar
Das Jewish Annotated New Testament kommentiert dies wie folgt:
Hört lieber auf euch als auf Gott – ein ähnlicher Gedanke wird dem Pharisäer Gamaliel zugeschrieben (5.29). Hören, mit der zusätzlichen Bedeutung von gehorchen, wie im „Schma“-Gebet („Höre, o Israel“). In den jüdischen und griechischen philosophischen Traditionen wird der Gehorsam gegenüber Gott oft als wichtiger eingestuft als der Gehorsam gegenüber menschlichen Autoritäten (Plat, Apol. 29d; 2 Makk 7,2; 4 Makk 5,16-21; Ant. 17,158-59; 18,268).
Die Apostel legten dann dar, wie ihr Engagement aussehen sollte: Wir können nicht anders, als das, was wir gesehen und gehört haben, zu erzählen (V. 20). Gott hatte sie berufen, Zeugen zu sein, und das Zeugnis ist das Hauptthema der Apostelgeschichte. Deshalb würden sie auch weiterhin alles weitergeben, was sie von Jeschua von Nazareth gesehen und gehört hatten.
Die Apostel lehnten die Autorität des Sanhedrins eindeutig ab, weil die religiösen Führer ihre Autorität, zumindest in diesem Fall, missbraucht hatten. Sie versuchten, Männer zum Schweigen zu bringen, denen niemand anderes als Gott selbst befohlen hatte zu sprechen.