Geh, und rufe diese Worte aus gegen Norden und sprich: Kehre zurück, du abtrünnige Israel, spricht Jehova; ich will nicht finster auf euch blicken (Eig mein Angesicht nicht gegen euch senken.) Denn ich bin gütig, spricht Jehova, ich werde nicht ewiglich nachtragen.
Elberfelder 1871 – Jeremia 3,12
Geh und rufe diese Worte nach Mitternacht und sprich: Kehre zurück, abtrünniges Jisrael!, Ausspruch des Ewigen; ich werde nicht finster auf euch blicken, denn gnädig bin ich, Ausspruch des Ewigen, ich trage nicht ewig nach.
Die Philippson-Bibel – Jeremia 3:12
Gehe hin, und rufe gegen Norden diese Worte, und sprich: Bekehre dich, Israel, du Abtrünnige! spricht Jehova; so will ich nicht mehr euch zornig ansehen; denn ich bin barmherzig, spricht Jehova, und will nicht ewig zürnen.
van Ess 1858 – Jer 3,12
Geh und verkünde dem Norden folgende Worte:
‚ „Kehr zurück, o Israel, du Abtrünnige“, erklärt Jehova.‘ ‚ „Ich werde nicht zornig auf dich blicken, denn ich bin loyal“, erklärt Jehova.‘ ‚ „Ich werde nicht für immer nachtragend sein.“
neue Welt Übersetzung – 2018 – Jer 3:12
Geh und verlies diese Worte nach Norden hin und sage: »Kehre um zu mir, Gemeinde Israel, spricht der Herr, und ich werde mein Angesicht nicht gegen euch wenden. Denn barmherzig bin ich, spricht der Herr, und ich werde euch nicht bis in Ewigkeit zürnen.
Septuaginta Deutsch – Jeremia 3:12

Was? Das kann Gott doch nicht machen! Einfach vergeben!?! Also uns Christen schon – aber doch nicht, wie in Jeremia angekündigt den Stämmen Israels! Oder etwa doch? Jehovah hat es versprochen und wird es nicht brechen, denn ER ist ein barmherziger Gott! Und Sein Versprechen betrifft nicht „uns Christen“ sondern Israel!
Da die Loyalität eine solch vortreffliche Eigenschaft ist, ist zu erwarten, daß der Schöpfer sie von seinen Geschöpfen verlangt. Er tut es auch mit Recht, denn er selbst ist loyal. Der gottesfürchtige David sagte: „Gegen den Gütigen [den Loyalgesinnten, NW] erzeigst du dich gütig [loyal, NW], gegen den vollkommenen Mann erzeigst du dich vollkommen.“ Einen ähnlichen Gedanken finden wir in der Bitte, mit der sich Gott durch seinen Propheten Jeremia an die abtrünnige Nation Israel richtete und sie aufforderte, zu ihm zurückzukehren, „denn ich bin loyal“, sagte er. Da keines seiner Geschöpfe so loyal sein kann wie er, wird von ihm in der Bibel gesagt, er allein sei loyal: „Wer wird dich nicht wirklich fürchten, Jehova, und deinen Namen verherrlichen, denn du allein bist loyal?“ — 2 Samuel 22:26; Jeremia 3:12, NW; Offenbarung 15:4.
Wachtturm 15.Novemer 1964
Umkehr: Gott bittet sein Volk, zu ihm zurückzukehren (Jer. 3:1-4:31)
Die beiden Schlüsselwörter in diesem Abschnitt sind „Rückkehr“ (3:1, 7, 12, 22; 4:1) und „Abtrünnigkeit“ (3:6, 8, 11, 12, 14, 22). Im Hebräischen ist „abtrünnig“ („ungläubig“, NIV) eigentlich eine Form des Wortes, das mit „Rückkehr“ übersetzt wird.
Bilder (3:1-10; 3:21-4:4). Der Prophet verwendet erneut vier anschauliche Bilder, um den traurigen geistlichen Zustand des Königreichs Juda darzustellen.
DIE UNTREUE EHEFRAU (3,1-10). Jeremia kehrte zu der Metapher der Ehe zurück, die er in 2,1-2 und 20verwendet hatte, aber dieses Mal führte er das Thema der Scheidung ein. Das mosaische Gesetz erlaubte einem Mann, sich von seiner Frau zu scheiden, aber es erlaubte ihm nicht, sie erneut zu heiraten (Dtn 24,1-4). Gott hatte jedes Recht, sein Volk zu verwerfen, weil es ihn verlassen hatte, nicht um einen anderen „Ehemann“ zu heiraten, sondern um mit vielen Liebhabern die Hure zu spielen. Das Volk hatte sich auf die Berge zurückgezogen und fremden Göttern geweihte Heiligtümer gebaut. Sie hatten sich schlimmer verhalten als gewöhnliche Prostituierte, die wenigstens darauf warteten, dass ein Liebhaber zu ihnen kam, denn Juda war falschen Göttern nachgelaufen und hatte wiederholt geistigen Ehebruch mit ihnen begangen.1
Doch anstatt sein Volk zu verwerfen, forderte der Herr es geduldig auf, zurückzukehren und als seine Frau wiederhergestellt zu werden. Welche Gnade! Gott hatte sogar eine Dürre im Land verursacht, und das Volk hatte zu ihm um Hilfe gerufen (Jer. 3:4-5), aber es hatte seine Sünden nicht wirklich bereut. Aufgrund ihres Bundesverhältnisses zu Gott nannte Juda ihn „Vater“ und „Führer“ – Titel, mit denen jüdische Ehefrauen manchmal ihre Männer ansprachen. Aber wie konnte Gott ihnen den Segen des Bundes geben, wenn sie die Gebote des Bundes verletzten?
Als Assyrien im Jahr 722 v. Chr. das Nordreich Israel eroberte, wurde das Südreich Juda Zeuge dieses göttlichen Gerichts. Dennoch weigerten sich die Judaiten, aus der Zerstörung Israels zu lernen und sich von ihren Sünden abzuwenden (V. 6-11). Gott hatte sich von Israel „geschieden“ und es verstoßen; Israel wurde Teil Assyriens, und das Nordreich wurde nie wiederhergestellt. Nachdem sie dieses Gericht gesehen hatten, verharrten die Judaiten in ihren Sünden, als ob es sie nie treffen würde, und wegen dieser arroganten Haltung war Juda sogar noch schuldiger als Israel. Juda hätte „weggeschickt“ werden müssen, doch Gott lud seine ehebrecherische Frau gnädig ein, zu ihm zurückzukehren.
Im Gehorsam gegenüber dem König hatte das Volk an Josias Reformation mitgewirkt und äußerlich ihre Götzen abgetan, aber was sie taten, war „nur zum Schein“ (V. 10, NIV). Gott war „nahe in ihrem Mund, aber weit weg von ihrem Geist“ (12:2, NKJV; siehe Hesek. 33:31). Auch heute noch, wenn politische Führer behaupten, wiedergeboren zu sein, und bereit sind, evangelikale Anliegen zu fördern, sind Kirchenbesuche und Bibellesen „in“, aber man fragt sich, wie aufrichtig diese Menschen wirklich sind. Wahrer christlicher Glaube war noch nie populär, und der Weg, der zum Leben führt, ist immer noch schmal und einsam (Matthäus 7:13-23).
DER UNGESUNDE PATIENT (3:21-25). In der Heiligen Schrift ist Krankheit eine von vielen Metaphern für Sünde (Jer. 8,22; 30,12; Jes. 1,5-6; Mk. 2,17; Ps. 41,4). Wie eine Infektion, die in den Blutkreislauf eindringt, dringt die Sünde heimlich in das System des „inneren Menschen“ ein und macht sich daran, es zu schwächen und zu zerstören. Sie infiziert allmählich das ganze System und führt zu geistlicher Abgeschlagenheit und geistlichem Appetitverlust; und wenn sie nicht behandelt wird, kann die „Sündenkrankheit“ zu schlimmen Folgen führen. Wenn wir von Gläubigen hören, die „plötzlich“ in offene Sünde fallen, ging dem plötzlichen Fall in den meisten Fällen ein allmähliches Abgleiten voraus.
Gott bietet an, nicht nur die Symptome ihres Abfalls zu heilen, sondern den Abfall selbst. Die falschen Propheten befassten sich nur mit den Symptomen und verkündeten einen falschen Frieden, der dem Volk eine falsche Zuversicht gab (Jer. 6:14; 7:8; 8:11). Ein wahrer Seelenarzt aber wird die Wahrheit sagen und versuchen, die Sünder zu echter geistlicher Heilung zu führen, die aus ehrlichem Bekenntnis und Reue erwächst.
Warren W. Wiersbe – Sei Commentary Serie
Angesichts dieser Heuchelei des Südens kommt Gott zu dem überraschenden Urteil, daß der bereits verlorene Norden gerechter dasteht als der Süden. Damit ist die Gottlosigkeit des Nordens nachträglich keineswegs verharmlost. Trotz der Schuld aller gibt es ein unterschiedliches Gewicht der Schuld (vgl. Mt 11,22.24). Aus V. 12 ergibt sich, daß offenbar das aus dem Vergleich mit dem Süden geringere Gewicht der Sündenschuld des Nordens diesen für eine Wiederannahme »geeigneter« macht als den in frommer Heuchelei gefangenen Süden.
Schneider – Wuppertaler Studienbibel
Jeremia hat also den Truppen und Verwaltungsbeamten Josias in den Norden zu folgen und hat den kümmerlichen Resten der dortigen Bevölkerung, die mit assyrischen Volksteilen und deren Religiosität vermischt waren, zuzurufen: Kehre um, abtrünnige Israel … Aus unbegreiflichen Gründen sagt Gott nach dem Gericht zu ihnen: ich will euch nicht mehr ungnädig sein. Gott hatte sie aus dem Ehebund entlassen; aber nun überbietet er sein eigenes Recht (vgl. die Ausl. zu 3,1ff) und erneuert den Ehebund. Aber Israel ist immer noch abtrünnig, und darum hat es umzukehren – ohne Umkehr wird der erneuerte Bund keine Wirklichkeit! -, Umkehr heißt praktisch: erkenne deine Schuld. Israel darf nicht meinen, daß die Schuld durch das erfahrene Züchtigungsgericht abgegolten sei. Sie muß erkannt und darf nicht als harmlose Verfehlung abgetan werden, denn gegen Jahwe deinen Gott hast du dich erhoben. – Wird Jeremia bei seiner Predigt im Norden eher Gehör finden als im Süden?
nach Norden rufen. Die Aufforderung »geh und rufe« erging so bereits in 2,2 an Jeremia (sonst nicht mehr im Buch). Er soll die folgende Botschaft »nach Norden« richten; in Entsprechung dazu kommen in V 18 Menschen »aus dem Land des Nordens« zurück. Diese Heimkehr spielt, wie 16,15 // 23,8, auf die Rückwanderung aus den Gebieten der Exilierung an, die dabei in sehr allgemeiner Weise nach der Richtung des Hauptweges dorthin und auch der Herkunft des Feindes (1,14f.) benannt sind.
Fischer – Herders Theologischer Kommentar zum Alten Testament
Umkehr-Aufruf. Die aufgetragene Mitteilung stellt den Wendepunkt des Textes dar, weil sie die ersten Antworten auf die Fragen von V 1.5 gibt. Umkehr erscheint nicht wie in V 1 als ungesetzlich und unmöglich, sondern wird im Imperativ gefordert; adressiert ist der Aufruf an die »abwendige Israel«, in Weiterführung des positiven Urteils von V 11 und im Anschluß daran symbolisch übertragen auf jenen Teil der Gemeinschaft zu verstehen, der bereit sein könnte, sich wieder Gott zuzuwenden. Dieser ist nicht gebunden an Dtn 24, auch deswegen nicht, weil das Reden von der Ehe hier als Bild geschieht (Abma, Bonds 1999, 249).
Gesicht erhoben. »Das Gesicht fallen lassen« setzt durch die Hi-Form die bildhafte Wendung der einzigen Parallelstelle Gen 4,5f. (dort im Q), in ein aktives, bewußtes Geschehen um. Gott sagt damit zu, daß Israel bei einer Rückkehr mit einer wirklichen Begegnung mit ihm rechnen kann. Das den Anderen ansehende, den Blick nicht absenkende Gesicht steht dabei für wohlwollende, aufrichtige Kommunikation.
Gottes Wesen: treu. Zu dessen Begründung führt Gott seine Eigenschaft an, חסיד zu sein (bezogen auf ihn nur noch Ps 145,17). Dieses Adjektiv ist von חסד “Verbundenheit, Gnade, Huld” abgeleitet, die sehr häufig von Gott ausgesagt wird (u.a. in der Gnadenformel Ex 34,6), und besagt die bleibende Zuwendung in einer Beziehung; es ist hier, wegen des Kontrastes zum untreuen menschlichen Verhalten, mit ›treu‹ (statt des auch möglichen ›gütig, gnädig‹) wiedergegeben.
Antwort auf. Der letzte Satz des Verses bringt die Antwort auf die unverfrorene Frage und Erwartung von V 5. Gott bestätigt damit, daß das Doppelspiel von V 4f., unter kalkulierendem Rechnen mit der Begrenztheit seines Zornes, doch aufgeht, allerdings aus einem anderen Grund (wegen Gottes Treue, und nicht wegen des Pochens auf der Beziehung, wie in V 4). Diese, die vorausgehenden sowie die folgenden außergewöhnlichen Äußerungen bedürfen einer besonderen Bekräftigung, die hier durch doppelte JHWH-Spruchformel erfolgt (sowie zwei weitere Male in V 13f.).
Es ist erstaunlich, wie einheitlich das Zeugnis der heiligen Schrift in der Grundanschauung ist, dass Rettung, Wiederherstellung nur von Gott ausgehen kann. Durch sein Prophetenwort kommt er auch hier zu jenen von Nordisrael, die bereits etwa hundert Jahre in fremder Gefangenschaft seelisch und politisch gelitten hatten. Ihnen lässt er von dem Boden der Vergebung aus die שׁוּבָה, die Um- und Rückkehr in [58] die Heimat verkündigen. Nach Volz drückt das Wort hier in seiner Imperativform „die Einladung, nicht die Aufforderung zum eigenen Entschluss“ aus. Gott appelliert nicht an des Volkes Kraft, er ruft es zum Vertrauen zu seiner Kraft auf, die in ihrem Handeln auch innerhalb der Geschichte Unmögliches möglich machen kann. Ephraim soll aus seinem Gericht gerettet, obgleich es seine gesetzliche Rechtslage dazu verloren hat, wieder seines Gottes werden. Nicht etwa, weil es einmal Gottes Eigentum war, sondern weil Gott in seiner vergebenden Barmherzigkeit neu um Ephraims Liebe und Hingabe wirbt.
Jakob Kroeker – Jeremia: Der Prophet tiefster Innerlichkeit und schwerster Seelenkonflikte
Es ist zu verstehen, dass Jeremia mit seiner priesterlich leidenden Seele in besonderer Wärme solch eine Botschaft an die Verbannten aus Nordisrael richtete. Ephraim soll wieder seine Freiheit und seine völkische Einheit auf heimatlichem Boden gewinnen. Inwieweit die Aufforderung zur Heimkehr damals auch durch die politische Weltlage gerechtfertigt wurde, ist nicht klar ersichtlich. Wahrscheinlich hingen die Erwartungen auch zusammen mit dem Beginn des Zerfalls des assyrischen Weltreichs im Jahre 630. Ihre eigentliche Kraft war aber das Prophetenwort, das Ephraim vom Herrn empfing und zum Inhalt seiner Hoffnung machen sollte.
Nachdem er in Vers 11 gezeigt hatte, dass Juda größere Schuld auf sich geladen hatte, weil es versäumt hatte, die Lehren aus Israels Beispiel zu ziehen, rief JHWH in den Versen 12-14a zur Umkehr auf. In Vers 12 forderte er Jeremia auf: Geh hin und verkünde diese Worte gegen Norden und sprich: Kehrt um, ihr abtrünnigen Israeliten, spricht Jehova; ich will nicht zornig auf euch blicken; denn ich bin barmherzig, spricht Jehova, ich will nicht ewig zürnen. Jeremia sollte Gottes Worte nicht nur im Norden von Juda verkünden, sondern auch bis nach Assyrien, wo Israel in Gefangenschaft war. Die Botschaft war ein Aufruf zur Rückkehr. Auch hier verwendete Jeremia den hebräischen Begriff shuv in seiner Bedeutung von Umkehr. Indem er Israel Meschuwa, „Rückfälligkeit“, nannte, benutzte er den Begriff jedoch auch im Sinne von Abtrünnigkeit. Wenn Israel wirklich mit Reue reagierte, würde Gott nicht zornig auf sie schauen, denn er ist ein gnädiger Gott. Dieser Vers zeigt ein göttliches Prinzip: Gott ist nicht beeindruckt von äußerer Konformität zur Religiosität, aber er reagiert auf wahre innere Reue.
Arnold G. Fruchtenbaum – Ariels Bibelkommentar – Jeremia und die Klagelieder
In der rabbinischen Tradition finden sich folgende Auslegungen von Vers 12. Raschi kommentiert:
Geh und verkünde usw. … Hier befahl er [Gott] ihm [Jeremia], zu gehen und die Zehn Stämme in den Tagen Josias zurückzubringen, wie er oben sagt, dass in den Tagen Josias diese Prophezeiung zu ihm gesagt wurde und einige von ihnen im achtzehnten Jahr Josias zurückkehrten. 64
Raschi stützt sich bei der Vorstellung, dass Jeremia nach Assyrien ging, um die Verbannten zurückzubringen, auf die folgende Passage aus dem babylonischen Talmud:
Die Gemara fragt: Aber wie konnte Josia selbst Jeremia ignorieren und Abgesandte zu Hulda schicken? Die Weisen aus der Schule von Rabbi Sheila sagen: Weil Frauen mitfühlender sind und er hoffte, dass das, was sie ihnen sagen würde, nicht zu hart sein würde.
Rabbi Yoḥanan gab eine andere Antwort: Jeremia war zu der Zeit nicht da, denn er ging, um die zehn Stämme aus dem Exil zurückzuholen. Und woher leiten wir ab, dass er sie zurückbrachte? So wie es geschrieben steht: „Denn der Verkäufer wird nicht zu dem zurückkehren, was er verkauft hat“ (Hesekiel 7:13), d.h. Hesekiel prophezeite, dass das Jubeljahr in Zukunft nicht mehr gelten würde. Ist es nun möglich, dass das Jubeljahr bereits annulliert worden war? Die Halachot des Jubeljahres gelten nur, wenn alle Stämme Israels an ihren jeweiligen Orten angesiedelt sind, was seit dem Exil der zehn Stämme mehr als ein Jahrhundert zuvor noch nicht geschehen sein kann, aber der Prophet prophezeit, dass es erst in der Zukunft wegfallen wird. Vielmehr lehrt dies, dass Jeremia die zehn Stämme aus ihrem Exil zurückgebracht hat. 65
Nach dieser talmudischen Lehre sollte Jeremia bis nach Assyrien reisen, den zehn Stämmen Israels diese Prophezeiung vortragen und sie in ihr Land zurückbringen. David Kimchi widersprach dieser Lehre und behauptete, Gott habe Jeremia befohlen, diese Worte in Jerusalem vor den Ältesten von Juda zu verkünden, als würde er direkt zu den verbannten Stämmen Israels sprechen. Jeremia sollte ihnen mitteilen, dass sie am Ende der Tage in das Land zurückkehren würden. 66 Laut der Tora-Anthologie glaubten einige jüdische Weisen jedoch, dass die zehn Stämme keinen Anteil am Jenseits haben würden, das auf Hebräisch olam ha-bah (die „kommende Welt“) genannt wird:
Unsere Weisen sagten: „Die Zehn Stämme haben keinen Anteil an der kommenden Welt, denn es steht geschrieben: „Gott hat sie aus ihrem Land vertrieben“ – das heißt, aus dieser Welt, „mit Zorn, Wut und großem Grimm, und er hat sie in ein anderes Land verbannt“ – d.h., Das ist die Meinung von Rabbi Shmuel: „Wenn sie sich nicht bessern und so sündig bleiben, wie sie es zur Zeit der Verbannung waren, kehren sie nicht in das Land zurück, sonst schon.“ Der Rebbe sagt: „Sie erben die kommende Welt, denn es steht geschrieben: ‚Und es wird geschehen an jenem Tag, dass ein großes Schofar geblasen wird, und es werden kommen, die verloren waren im Lande Assyrien und die Verstoßenen im Lande Ägypten’“ (Jesaja 27,13). Rabbi Rabba, der Sohn von Hunna, sagte im Namen von Rabbi Jochanan: „Rabbi Akiva, du machst der Barmherzigkeit ein Ende, denn es steht geschrieben: „…und ich werde nicht gegen dich stänkern, denn ich bin barmherzig, spricht der Herr, und ich werde nicht ewig Groll hegen.“ 67
In der wörtlichen Bedeutung von Vers 12 rief JHWH Israel zur Umkehr auf und sagte, dass er dann nicht mehr zornig auf sie schauen würde.
Vers 13 zeigt, dass ein Bekenntnis nötig ist: Bekenne nur deine Missetat, dass du gegen Jehova, deinen Gott, verstoßen hast und deine Wege zu den Fremden unter jeden grünen Baum zerstreut hast und meiner Stimme nicht gehorcht hast, spricht Jehova. Wie bereits erwähnt, bezieht sich das hebräische Wort für „anerkennen“, yada, auf Erfahrungswissen. Das Volk wurde ermahnt, sich seiner Schuld bewusst zu werden und sie auch zuzugeben. Sie mussten drei Dinge zugeben, wobei das erste ihre Schuld war, gegen JHWH verstoßen zu haben. Der hebräische Begriff für „Schuld“ ist avon, was auch „Schuld“ und „Strafe für Schuld“ bedeutet. Der wichtigste Aspekt dieses Substantivs ist jedoch, dass es singulär und spezifisch ist. Es spricht von einer bestimmten Missetat, nämlich der Ablehnung des „Propheten, der Mose gleicht“ aus Deuteronomium 18,15-18: …
Das ist absolut herzzerreißend. Israel wurde von Gott, dem Schöpfer, zu seinem geliebten Volk erwählt, aber das war nicht genug. Das Volk tauschte das Vollkommene gegen das Befleckte, das Kranke, das Sündhafte ein, und so musste es die Konsequenzen tragen. Gott hasst Scheidung, aber er hatte keine andere Wahl. Er hatte den Menschen Chance um Chance um Chance gegeben, aber sie hatten sie alle missachtet. Gott sagte:
Hast du gesehen, was das treulose Israel tat? Wie eine Frau, die Ehebruch begeht, hat Israel auf jedem Hügel und unter jedem grünen Baum andere Götter angebetet. Ich hoffte, dass es danach zu mir zurückkehren würde; aber es kam nicht. Und seine treulose Schwester Juda hat alles mit angesehen, ohne daraus zu lernen. Sie wurde Zeugin, wie ich Israel wegen seines Ehebruchs die Scheidungsurkunde gab und fortjagte.
Jeremia 3,6–8; vgl. Jeremia 3,11–18; Hesekiel 16,35–43; Hosea 2,6–13Es gab einen schönen Ehebund, einen großen Betrug, eine tragische Scheidungsurkunde und eine Strafe.
Aber jetzt kommen wir zu dem Teil, den so viele reformierte Kirchen nicht lehren. Sie sagen: »Oh, Israel war einst die Braut Gottes, aber es hat ihn betrogen und er hat es durch uns ersetzt.« Wenn auch du zu diesem Schluss gekommen bist, hast du offensichtlich nur die Hälfte deiner Bibel gelesen. Du hast dort aufgehört, wo es dir gelegen kam. Denn diese Geschichte hat ein wunderschönes Ende – diese königliche Hochzeit schließt mit einem »Und sie lebten glücklich und zufrieden bis an ihr Ende«.Wegen Zion kann ich nicht schweigen. Wegen Jerusalem werde ich nicht ruhen. Ich werde nicht aufhören, bis ihre Gerechtigkeit wie die Morgenröte anbricht und ihr Heil wie eine brennende Fackel leuchtet. Die Völker werden dann deine Gerechtigkeit sehen und alle Könige deine Herrlichkeit. Man wird dich bei einem neuen Namen nennen, den der Herr aussuchen wird. Du wirst eine prachtvolle Krone in der Hand des Herrn sein, ein kostbares Diadem in der Hand deines Gottes. Man wird nicht mehr »die Verlassene« zu dir sagen und dein Land nicht mehr »Einöde« nennen. Vielmehr wird man dich als »meine Vorliebe« bezeichnen und zu deinem Land »meine Braut« sagen, denn der Herr hat Freude an dir und dein Land wird mit ihm vermählt sein. Deine Söhne werden dich heiraten, so wie ein junger Mann seine Braut heiratet. Dann wird dein Gott sich an dir freuen wie ein Bräutigam an seiner Braut.
Jesaja 62,1–5; vgl. Jesaja 54,1–8; Hosea 2,14–23Kannst du die Freude in diesen Versen spüren? Kannst du Gottes Begeisterung angesichts der Wiederherstellung seiner Braut fühlen? Zähle einmal die Verheißungen, die Gott hier ausspricht. Es sind neun Stück! All das ist noch nicht passiert, aber es wird zweifellos in der Zukunft passieren. Und die ganze Welt wird Zeuge dieser Wiedervereinigung und der Erfüllung dieser Verheißungen sein und sie feiern.
Hesekiel beschrieb diese zukünftige Versöhnung, die Gott verheißen hat, mit folgenden Worten:Ich aber werde mich an den Bund erinnern, den ich mit dir schloss, als du jung warst; ja, ich will einen ewigen Bund mit dir eingehen. […] Ich selbst werde meinen Bund mit dir aufrichten, und dann wirst du erkennen, dass ich der Herr bin. Und wenn ich dir alles, was du getan hast, vergebe, wirst du an deine Sünde denken und dich schämen und vor Scham den Mund nicht mehr aufmachen, spricht Gott, der Herr.
Hesekiel 16,60.62–63Gott sagt Israel, dass er ihm vergeben und für Versöhnung sorgen wird – einen kippur. Diese Versöhnung äußert sich in der Person Jesu Christi. Er ist derjenige, der auf der Grundlage der Erlösung, die er am Kreuz mit seinem Blut erkauft hat, die Tür für einen neuen Bund öffnet.
AmirTsarfati – Gottes Plan für Israel und die Gemeinde
Die Voraussetzung für die Wiederkunft Christi Fünf weitere Bibelstellen werden uns helfen, die Frage nach der Grundlage für die Wiederkunft Christi zu beantworten.
Die erste Stelle ist 3. Mose 26,40-42:
„Werden sie aber ihre und ihrer Väter Missetat bekennen samt ihrer Übertretung,
womit sie sich an mir vergriffen haben und mir trotzig begegnet sind, weswegen auch ich ihnen widerstand und sie in ihrer Feinde Land brachte; und wird sich alsdann ihr unbeschnittenes Herz demütigen, so daß sie dann ihre Schuld büßen, so will ich gedenken an meinen Bund mit Jakob und an meinen Bund mit lsaak und an meinen Bund mit Abraham, und will des Landes gedenken.“
In 3. Mose 26 sagte Mose voraus, daß die Juden wegen ihres Ungehorsams gegenüber dem offenbarten Willen Gottes über die ganze Welt zerstreut werden sollten. Nach dem Zeugnis des Neuen Testaments war dies die unmittelbare Folge ihrer Ablehnung des Messias Jesus. Vers 39 stellt die weltweite Zerstreuung als eine Tatsache hin. Bis zu diesem Punkt ist 3. Mose 26 bereits in Erfüllung gegangen. In Vers 42 sagt Mose dann, daß Gott immer noch die feste Absicht hat, Israel alle Segnungen und Verheißungen des Abrahambundes zuteil werden zu lassen, besonders hinsichtlich des verheißenen Landes. Aber bevor die Juden sich an den Segnungen des Abrahambundes im messianischen Reich erfreuen können, müssen sie die Bedingungen von Vers 40 erfüllen: sie müssen „ihre und ihrer Väter Missetat samt ihrer Übertretung“
bekennen. Es ist zu beachten, daß das Wort „Missetat“ hier in der Einzahl steht: es geht um eine ganz bestimmte Missetat, die Israel bekennen muß, bevor es in den Genuß aller Wohltaten des Abrahambundes gelangt.Die zweite Belegstelle finden wir in Jeremia 3,11-18:
„Und der Herr sprach zu mir: Die Abtrünnige, Israel, steht gerechter da Jer. 3,11-18 als die treulose Juda. Gehe hin, predige diese Worte gegen den Norden hin und sprich:
Kehre wieder, du Abtrünnige, Israel! – spricht der Herr, ich will mein Angesicht nicht vor euch verdüstern; denn ich bin gnädig –spricht der Herr– und zürne nicht ewig!
Nur erkenne deine Missetat, daß du dem Herrn, deinem Gott, die Treue gebrochen und hierhin und dorthin zu den Fremden gelaufen bist unter alle grünen Bäume;
aber auf meine Stimme habt ihr nicht gehört, – spricht der Herr; denn ich bin euer Herr! Und ich will euch nehmen, einen aus jeder Stadt und zwei aus jedem Geschlecht, und euch nach Zion bringen; ich will euch Hirten nach meinem Herzen geben, die sollen euch weiden mit Kenntnis und Verstand. Und es wird geschehen, wenn ihr euch dann mehrt und fruchtbar werdet im Lande, in jenen Tagen – spricht der Herr–, so wird man nicht mehr sagen: , die Bundeslade des Herrn `; und sie wird niemandem mehr in den Sinn kommen, man wird ihrer nicht mehr gedenken und sie nicht mehr vermissen; es wird auch keine mehr gemacht werden. Zu jener Zeit wird man Jerusalem , Thron des Herrn‘ nennen, und es werden sich alle Heiden dorthin versammeln, zum Namen des Herrn, nach Jerusalem, und sie werden hinfort nicht mehr dem Starrsinn ihres bösen Herzens folgen. In jenen Tagen wird das Haus Juda zum Hause Israel gehen, und sie werden miteinander aus dem Lande des Nordens in das Land kommen, das ich ihren Vätern zum Erbteil gegeben habe.“In den Versen 14-18 beschreibt Jeremia die Segnungen, die Gott im messianischen Reich für Israel bereithält. Es wird für das jüdische Volk eine Zeit unermeßlichen Segens und der Wiederherstellung sein,
Arnold Fruchtenbaum – Handbuch der biblischen Prophetie
wenn der Messias sein Reich aufrichtet. Aber all dieser Segen hängt von der Bedingung in Vers 13 ab: sie müssen die besondere Missetat gegen den Herrn, ihren Gott, erkennen bzw. bekennen.