In den ersten beiden Kapiteln spricht Jehova sein Urteil über die einzelnen Stämme und begründet es jeweils, warum sie so eine harte Strafe verdient haben. Interessant finde ich den Grund für Juda und einige Punkte, die Israel betreffen:
Amos 2:4
Dies ist, was Jehova gesprochen hat: ‘Wegen drei Auflehnungen von Juda und wegen vier werde ich es nicht abwenden, weil sie das Gesetz Jehovas verwarfen und [weil] sie seine eigenen Bestimmungen nicht hielten; sondern ihre Lügen, denen ihre Vorväter nachgewandelt waren, ließen sie ständig umherirren.
Amos 2:11-12
Und ich erweckte ständig einige eurer Söhne als Propheten und einige eurer jungen Männer als Nasiraer. Sollte dies wirklich nicht so sein, o Söhne Israels?’ ist der Ausspruch Jehovas.
12 ‘Ihr aber gabt den Nasiraern ständig Wein zu trinken, und den Propheten erlegtet ihr einen Befehl auf, indem [ihr] spracht: “Ihr sollt nicht prophezeien.”
Es ist also für Jehova keine leichte Sache, wenn man alles daran setzt, Anbeter Gottes zu behindern oder gar vom Weg Jehovas abzubringen!
Aber dies haben wir ja auch schon im Fall Isebels gesehen.
Warum urteilt Jehova so hart über sein Volk? Immerhin gingen seine Worte ja an die Stämme des Volkes Israel.
Amos 3:1-2
Hört dieses Wort, das Jehova über euch geredet hat, o Söhne Israels, über die ganze Familie, die ich aus dem Land Ägypten heraufführte, das lautet: 2 ‘Nur euch habe ich erkannt von allen Familien des Erdbodens. Darum werde ich Abrechnung halten mit euch wegen all eurer Vergehungen.
Er hatte sie als sein Volk erwählt, über die Jahre immer gut mit ihnen gehandelt. Sie hatten seine Wunder und Machttaten live miterlebt und sie hatten einen Bund mit Jehova.
So ist es auch mit uns.
Wenn wir uns durch die Taufe als seine Anbeter zu erkennen gegeben haben, dann haben auch wir einen Bund mit ihm geschlossen: seine Gebote zu halten.
Erkennen wir persönlich diese Verantwortung an?
Oder ziehen wir vielleicht durch unsere Taten den Namen Jehovas in den Schmutz?
Hier in Amos sehen wir, wie Jehova über so ein Verhalten denkt. Tun wir doch alles uns Mögliche, damit wir nicht mit hier in der Liste aufgetaucht wären, wenn er heute diese Worte sprechen würde!
In Kapitel 4 zählt Jehova alle möglichen Strafen auf, mit denen er sein Volk zur Besinnung bringen wollte – aber immer wieder lesen wir: “…’aber ihr kehrtet nicht zu mir um’ ist der Ausspruch Jehovas”.
Amos 5:4, 7, 10, 12-13
Denn dies ist, was Jehova zum Hause Israel gesagt hat: ‘Sucht nach mir, und bleibt am Leben.
o ihr, die ihr das Recht in lauter Wermut verwandelt, und diejenigen, die Gerechtigkeit selbst zur Erde geworfen haben.
Im Tor haben sie einen Zurechtweiser gehaßt, und einen Redner vollkommener Dinge verabscheuen sie.
Denn ich habe erkannt, wie zahlreich eure Auflehnungen und wie mächtig eure Sünden sind, o ihr, die ihr jemand, der gerecht ist, befeindet, die ihr Schweigegeld nehmt, und diejenigen, die sogar im Tor Arme abgewiesen haben. 13 Daher wird der, der wirklich einsichtig ist, in jener Zeit schweigen, denn es wird eine unglückliche Zeit sein.
Aber was sollten wir denn tun?
Amos 5:14-15
Sucht das Gute und nicht das Böse, damit ihr am Leben bleibt und daß so Jehova, der Gott der Heerscharen, dann mit euch sein möge, wie ihr gesagt habt. 15 Haßt das Böse, und liebt das Gute, und gebt dem Recht einen Platz im Tor. Es mag sein, daß Jehova, der Gott der Heerscharen, Josephs Übriggebliebenen Gunst erweisen wird.’
18 ‘Wehe denen, die den Tag Jehovas herbeisehnen! Was wird euch denn der Tag Jehovas bedeuten? Er wird Finsternis sein und nicht Licht,
Warum sollten wir den Tag nicht herbeisehnen, wo wir doch unter der Last der Ungerechtigkeit zusamenbrechen und es nicht abwarten können, bis uns Jehova endlich Erleichterung verschafft?
Hier einige Querverweise dazu:
(Jesaja 5:18-19) Wehe denen, die die Vergehung mit Stricken der Unwahrheit herbeiziehen und wie mit Wagenseilen die Sünde, 19 denen, die sprechen: “Sein Werk beeile sich; möge es doch schnell kommen, damit wir [es] sehen können; und möge der Beschluß des Heiligen Israels herannahen und kommen, damit wir [ihn] kennenlernen können!”
(Jeremia 17:15) Siehe! Da sind die, die zu mir sagen: “Wo ist das Wort Jehovas? Es treffe bitte ein.”
(Maleachi 3:2) “Doch wer wird den Tag seines Kommens ertragen, und wer wird bestehen, wenn er erscheint? Denn er wird wie das Feuer eines Läuterers sein und wie die Lauge von Wäschern.
Habe ich immer noch nicht so ganz verstanden. Wir sollten doch wachsam sein und den Tag des Herrn erwarten.
Noch einige andere Quervereise dazu, was der Tag für uns bedeuten wird:
(Jeremia 30:7) Wehe! Denn groß ist jener Tag, so daß es keinen anderen seinesgleichen gibt, und es ist die Zeit der Bedrängnis für Jakob. Doch wird er sogar daraus gerettet werden.”
(Joel 1:15) Ach über den Tag! Denn der Tag Jehovas ist nahe, und wie eine Verheerung vom Allmächtigen wird er kommen!
(Amos 4:12) Dies ist daher, was ich dir tun werde, o Israel. Zufolge der Tatsache, daß ich dir ebendieses tun werde, mache dich bereit, deinem Gott zu begegnen, o Israel.
und einige Querverweise zu dem Gedanken, dass er “Finsternis sein wird und nicht Licht”:
(Zephanja 1:15) . . .Jener Tag ist ein Tag des Zornausbruchs, ein Tag der Bedrängnis und Angst, ein Tag des Sturms und der Verödung, ein Tag der Finsternis und der Dunkelheit, ein Tag des Gewölks und dichten Dunkels,
Vielleicht auch einge Gedanken aus dem Buch “Lebe mit dem Tag Jehovas vor Augen”
Da sich die Gerichtsbotschaften vor allem auf die falsche Religion beziehen, könnten einige Christen meinen, die Erfüllung dieser Prophezeiungen würde sie nicht betreffen. Doch was Amos den Israeliten sagte, geht uns alle an: „Wehe denen, die den Tag Jehovas herbeisehnen!“ Einige Israeliten zur Zeit des Amos dachten, der Tag Jehovas bedeute für sie nur Segnungen (sehne ich den Tag herbei, damit meine Probleme enden?). Sie glaubten, das sei der Tag, an dem Gott zugunsten seines Volkes handle. Sie sehnten diesen Tag sogar herbei! Für ichbezogene Menschen sollte der Tag Jehovas aber „Finsternis sein und nicht Licht“, wie Amos weiter sagte. Jene Israeliten konnten dem Zorn Jehovas nicht entgehen! (Amos 5:18).
18 Amos beschrieb dann, was mit denen geschehen würde, die den Tag Jehovas herbeisehnten. Stellen wir uns einen Mann vor, der vor einem Löwen flieht und dabei einem Bären begegnet. Auf der Flucht vor dem Bären rettet er sich in ein Haus. Völlig außer Atem, schließt er die Tür hinter sich und lehnt sich an die Wand. Da wird er von einer Schlange gebissen. So in etwa wird es denen ergehen, die für den Tag Jehovas nicht wirklich bereit sind (Amos 5:19).
16 Und nun höre das Wort Jehovas: ‘Sagst du: “Du sollst nicht gegen Israel prophezeien, und du sollst kein [Wort] gegen das Haus Isa·aks fallenlassen.”?
Wie reagieren wir persönlich, wenn wir uns durch jemanden angegriffen fühlen, der durch Gottes Wort zeigt, dass wir “auf dem Holzweg” sind?
Sagen wir “der andere bedroht mich” und tun alles dafür, damit er damit auhört?
Oder sehen wir, dass Jehoa durch sein Wort zu uns spricht und handeln richtig – indem wir von unserem verkehrten Weg umkehren?
Unsere Reakktion darauf bleibt jedem von uns selbst überlassen, aber im obigen Text haben wir gelesen, dass es nichts daran ändert, was Jehova gesagt hat und dass er uns für unser verkehrtes Tun doch ins Gericht bringen wird.
Also seien wir weise und handeln richtig!
denken wir immer wieder daran: “Jehova hat keinen Gefalen am Tod des Bösen”.. Also kehren wir doch bitte um!
Hinsichtlich Judas weist Jehova besonders darauf hin, daß es Sein Gesetz verworfen habe und Seinen Satzungen gegenüber ungehorsam gewesen sei. Die hier namhaft gemachten Sünden Israels stehen nicht in gleicher Beziehung zu dem Gesetz wie bei Juda; wenn wir die Lage bedenken, in welcher sich das Volk befand, werden wir den Grund davon auch leicht einsehen. Die Quelle derselben ist vielmehr das Verlassen der wahren Gottesfurcht, was zur Folge hat, daß der Mensch der Selbstsucht seines Herzens freien Lauf läßt und diejenigen unterdrückt, auf welche Gott achthat. Israel verkaufte den Gerechten für Geld und den Dürftigen um ein Paar Schuhe. Sie achteten nicht der Leiden der Armen, sondern streckten sich sogar bei dem Altar – angenommen wenigstens, daß es derjenige Jehovas war – auf Oberkleider hin, die aus Armut hatten verpfändet werden müssen, und taten sich mit Strafgeldern gütlich, die um Missetaten willen auferlegt worden waren. Dessenungeachtet war Gott es gewesen, der sie aus Ägypten heraufgeführt und ihre Feinde vertilgt hatte, um sie in den Besitz der Länder derselben zu setzen, und der ihnen – sei es durch Personen, die sich für Ihn absonderten, sei es durch solche, die Er ihnen als Boten sandte – die Beweise davon gegeben hatte, daß sie in einem besonderen Verhältnis zu Ihm standen. Aber sie hatten die Nasiräer veranlaßt, sich zu verunreinigen und den Propheten geboten, nicht im Namen Jehovas zu weissagen. Darum sollte Sein ernstes Gericht sie ereilen.
Nachdem Gott eine jede der Nationen, die sich auf dem Seinem Knechte Abraham verheißenen Gebiet befanden, namhaft gemacht hat, wendet Er Sich an Juda und Israel gemeinsam, an das ganze Geschlecht, welches Er aus Ägypten heraufgeführt hatte. Sie allein hatte Jehova von allen Geschlechtern der Erde erkannt, darum wollte Er ihre Missetaten an ihnen heimsuchen: ein ernster, aber sehr einfacher Grundsatz. Wenn wir den Platz des Zeugnisses, eines Zeugnisses für Gott, einnehmen, so muß dieses Zeugnis notwendigerweise mit dem Herzen und den Grundsätzen Gottes in Übereinstimmung stehen; es darf nicht Seinen Charakter in falscher Weise darstellen, unser Wandel muß vielmehr unserer Stellung entsprechen. Je unmittelbarer dieses Zeugnis ist, um so eifersüchtiger wird Gott im Blick auf Seine Herrlichkeit und unsere Treue sein. Das Gericht fängt bei Seinem Hause an. Zwei können nicht miteinander wandeln, es sei denn, daß sie übereingekommen sind. An diesen Grundsatz knüpfen sich zwei bedeutungsvolle Erklärungen: Einerseits sei dann, wenn Gott einschreite und Seine große und schreckliche Stimme hören lasse, auch ein Grund dafür vorhanden, andererseits handle Gott nicht, ohne Sein Volk zu warnen, Er tue nichts, ohne es Seinen Knechten, den Propheten, zu offenbaren. Nun hatte aber der Löwe gebrüllt: sollten sie nicht zittern? Jehova hatte geredet; so konnte der Prophet nicht schweigen. Das war die Lage Israels. An dieses letztere Königreich wendet Sich der Geist Gottes für einen Augenblick insbesondere. Es sollten von demselben nur einige wenige Bruchstücke übrigbleiben, etwa wie ein Hirt zwei Beine oder einen Ohrzipfel von einem Lamme rettet, indem er sie dem Rachen des Löwen, der es zerrissen hat, entreißt. Indem Jehova hier also von Israel spricht, erwähnt Er schließlich noch die götzendienerischen Altäre des Volkes und erklärt, daß die ganze Herrlichkeit desselben zugrunde gehen werde. Wir können hier wieder bemerken, wie das Reich Israel die Stelle des ganzen Volkes einnimmt (siehe V. 9. 12 – 14), obwohl auch Juda genannt und zu seiner Zeit gerichtet wird.
- Mit Ausnahme der ersten zwei Kapitel, welche zusammengehören, enthält bei Amos jedes Kapitel eine besondere Weissagung.
Im Wachtturm hieß es 1981
Amos wurde in einer Zeit Prophet, in der allem Anschein nach Ruhe eingekehrt war und alles gutging. Im Süden hatte Usija mit Gottes Unterstützung militärische Erfolge errungen. Auch im Nordreich schien Sicherheit zu herrschen. Jerobeam hatte Israels Grenzen wieder auf ihren früheren Stand ausgedehnt, und von der Kriegsmaschinerie der Assyrer, die Syrien angegriffen hatte, wurde Israel anscheinend noch nicht bedroht (2. Kö. 14:23-28).
KORRUPTION BESCHWÖRT UNHEIL HERAUF
Doch die Lage war insgesamt nicht so angenehm und verheißungsvoll, wie es schien. Israel wurde von einem Unheil bedroht, insbesondere durch die Assyrer. Jehova Gott erwählte Amos und sandte ihn aus der Einsamkeit Judas in das Nordreich Israel, damit er eine Gerichtsbotschaft verkünde.
Liest man das kurze Buch Amos, so erlangt man eine gewisse Vorstellung von den Verhältnissen in Israel, die Jehova veranlaßten, Amos dorthin zu senden. Kurz gesagt, herrschten Wohlfahrt und Ausschweifung.
Die Sorglosigkeit und der Wohlstand vieler Israeliten bestimmten sie für das Gericht. Die Reichen lebten in ausgesprochenem Luxus. Man hatte Sommerhäuser und Winterhäuser, von denen einige aus kostbaren behauenen Steinen gebaut waren. Archäologische Funde haben den Bericht des Amos bestätigt, daß die Wohlhabenden über Ruhebetten verfügten, die mit Elfenbeineinlagen oder -schmuck reich verziert waren. Sie tranken den edelsten Wein und verwöhnten sich in zügelloser Weise mit den auserlesensten Ölen und Speisen (Amos 3:12, 15; 5:11; 6:4, 6).Wie erlangten diese wohlhabenden Israeliten ihren Reichtum, und wie hielten sie ihn zusammen? Durch Ungerechtigkeit, Unterdrückung und andere üble Praktiken. In ihrer Selbstsucht betrogen sie die Armen, indem sie ihnen beim Verkauf von Getreide ein geringeres Maß (zudem noch schlechte oder minderwertige Qualität) gaben und trügerische Gewichte benutzten. Sie zögerten nicht, Arme wegen geringer Schulden in die Sklaverei zu verkaufen, noch gaben sie den Armen Kleidungsstücke zurück, die diese als Pfand gegeben hatten, aber wieder benötigten (Amos 2:6, 8; 8:4-6).
Ihre Mißachtung des Weges Gottes kam aber auch noch durch vieles andere zum Ausdruck. Vater und Sohn hatten Geschlechtsbeziehungen mit ein und derselben Frau. Die Reichen müssen es in Anbetracht ihrer luxuriösen, sinnlichen Lebensweise als einen Tadel empfunden haben, daß sich die Nasiräer des Weins enthielten. Aus diesem Grund versuchten sie, die Lauterkeit der Nasiräer zu brechen. Der reine Gott haßte deswegen die Heuchelei, mit der die Reichen den Zehnten gaben, Opfer darbrachten und rituelle Feste feierten (Amos 2:7, 11, 12; 4:4, 5; 5:21).Gott antwortete auf den religiös-sittlichen Verfall Israels, indem er Amos mit der Botschaft über das drohende Unheil sandte. Doch Amos hatte auch Worte des Trostes und der Hoffnung.
DIE UNHEILVOLLE BOTSCHAFT DES AMOS
Das Buch beginnt mit Urteilen über Nachbarnationen. Damaskus (Syrien), Gasa (Philistäa), Tyrus, Edom, Ammon und Moab haben Gottes Volk mitunter so schlecht behandelt, daß es dem menschlichen Gewissen hohnspricht. Die Vorschau auf das Gericht schließt Juda ein. Was zeigt sie? Wenn alle diese Nachbarnationen ein Gericht zu erwarten haben, wie könnte dann Israel hoffen zu entrinnen, da seine Schuld aufgrund der Mißachtung dessen, was Gott für dieses Volk getan hat, noch größer ist? (Amos 1:1 bis 2:16).
Jede Wirkung hat eine Ursache, und der Umstand, daß Amos prophezeit, ist Jehova zuzuschreiben; Amos würde sich fürchten, nicht zu prophezeien (Amos 3:1-8). Er erwähnt zwar Assyrien nicht, doch versichert er den Israeliten, daß ein Feind gegen die vergnügungssüchtige Nation heranrücken werde (Amos 3:9-15).
So spricht der Herr: “Die Machthaber von Juda begehen ein abscheuliches Verbrechen nach dem anderen. Sie treten mein Gesetz mit Füßen und leben nicht nach meinen Geboten. Sie ließen sich von den falschen Göttern verführen, denen schon ihre Vorfahren nachgelaufen sind. Das werde ich nicht ungestraft lassen.”
So spricht der Herr: “Die Israeliten begehen ein abscheuliches Verbrechen nach dem anderen. Das werde ich nicht ungestraft lassen! Ehrbare Menschen, die ihnen Geld schulden, verkaufen sie in die Sklaverei, ja, sie verkaufen einen Armen schon, wenn er ein Paar Schuhe nicht bezahlen kann! Wenn einer fast nichts mehr besitzt, nehmen sie ihm auch noch das Letzte, was er hat, und dem Schwachen verhelfen sie nicht zu seinem Recht. Vater und Sohn gehen zu derselben Hure und ziehen damit meinen heiligen Namen in den Schmutz. Neben jedem Altar machen sie sich weiche Polster aus den Kleidern, die sie den Armen als Pfand wegnehmen. Im Tempel ihres Gottes saufen sie Wein, den sie für nicht bezahlte Schulden gefordert haben! Ihr aber habt alle, die sich mir geweiht hatten, gezwungen, ihr Gelübde zu brechen und Wein zu trinken. Den Propheten habt ihr verboten, euch meine Botschaft weiterzusagen.
“Sagt den Mächtigen in den Palästen von Aschdod und Ägypten: Versammelt euch auf den Bergen rings um Samaria und schaut euch an, wie es in dieser Stadt zugeht! Dort herrschen unerträgliche Missstände: Die Schwachen werden unterdrückt, und niemand übt Gerechtigkeit. Die führenden Männer schrecken vor keiner Gewalttat zurück, um fremde Güter an sich zu reißen. Damit füllen sie dann ihre Paläste. ”
Wie sieht das bei den Personen aus, die uns umgeben?? Kennst du Personen, die nach Außen sich als Christen verkaufen – aber wahre Diener Gottes zwingen, sich bei Pädophilen zu entschuldigen, dass sie Kinder vor ihnen geschützt haben? Kennst du Personen, die den Armen verachten und nicht Recht sprechen? Können diese Personen wirklich glauben, sich vor dem Gericht Gottes zu entziehen?
Kapitel 4 führt uns die Unterdrückung der Armen vor Augen sowie den Gottesdienst, welchen die Kinder Israel nach ihrem Gutdünken an den von ihnen erwählten Orten darbrachten. So wollte denn auch Gott handeln, wie Er es für angemessen hielt. Er hatte das tatsächlich schon getan; trotzdem waren sie nicht bis zu Ihm umgekehrt. Er hatte Seine Züchtigungen in der nachdrücklichsten Weise wiederholt, jedoch vergebens. Deshalb fordert Er Israel auf, sich anzuschicken, Ihm zu begegnen.
Kapitel 5
Nachdem Gott über den Verfall Israels geklagt hat, stellt Er die Plätze ihres falschen Gottesdienstes Jehova, dem Schöpfer, gegenüber und ermuntert sie, zu Ihm zu kommen und zu leben. Israel wies aber den Gedanken an den bösen Tag von sich. Das Böse hatte die Oberhand. Der Einsichtige schwieg, denn es war ein böser Tag (V. 13). Dessenungeachtet ruft der Geist zur Buße. Vielleicht würde Jehova mit der Trübsal Josephs Mitleid haben. Dennoch gab es inmitten all dieser Ungerechtigkeit solche, die erklärten, sie wünschten den Tag Jehovas herbei. Der Prophet sagt ihnen, es würde ein Tag des Schreckens und Gerichts, der Finsternis und nicht des Lichtes sein. Sie würden aus einem Unglück in das andere fallen. Jehova hatte an dem, was sie darbrachten, und an ihren Opfern kein Wohlgefallen, ihre Festversammlungen konnte Er nicht ertragen; was Er verlangte, war Recht und Gerechtigkeit. Doch das Volk war von Anfang an dasselbe gewesen: in der Wüste hatten sie nicht Ihn angebetet, sondern ihren Moloch und ihren Remphan, die sie sich selbst gemacht hatten; daher sollten sie gefangen weggeführt werden, und zwar noch jenseits des Landes, welches jetzt der Gegenstand ihrer Befürchtungen war. Diese letzte Anklage des Propheten enthält eine Belehrung von hoher Wichtigkeit. Die böse Sache, welche dem Volke zum Verderben gereichte, war von Anfang an bei ihm vorhanden gewesen. Gott war zwar in Seiner Macht dazwischengetreten, und das Böse war dadurch zurückgedrängt worden, aber trotzdem war es da. Als Glaube und Frömmigkeit nachließen und menschliche Interessen nicht länger im Wege standen, hatte sich dieselbe böse Sache von neuem gezeigt. Die Kälber von Dan und Bethel waren nur eine Erneuerung des Kalbes, welches sie in der Wüste gemacht hatten. Ungeachtet all der von Gott bewiesenen Langmut fuhr das Volk Israel fort, sich seinem wahren Charakter nach zu zeigen; und das Gericht rührte schon von der ersten Handlung her, die das, was in ihren Herzen war, geoffenbart hatte…
Das Kapitel 6 verweilt bei dem falschen Vertrauen, in welchem sich die Häupter Israels wiegten. Das Volk war von einem Gericht bedroht, ähnlich demjenigen, welches Kalne und Hamath betroffen hatte. Seine Vornehmen gaben sich der Schwelgerei hin, gleich als ob sich alles aufs beste verhielte. Sie hatten kein Gefühl für die Wunde Josephs. Sie würden deshalb die ersten sein, welche in die Gefangenschaft gingen. Jehova würde Israel der Verwüstung preisgeben. Er würde die Hoffart Jakobs verabscheuen. Denn sie vertrauten auf das, was nichts als Eitelkeit war: auf ihr goldenes Kalb. Er aber, den sie verachteten, würde einen Feind erwecken, der sie von Hamath an bis zu den Grenzen Ägyptens bedrücken würde.
Im Wachtturm hieß es 1981
Israel ist nicht auf Gottes Zurechtweisungen eingegangen. Deshalb sagt Amos warnend: „Mache dich bereit, deinem Gott zu begegnen.“ Ja, die Israeliten sollten ihre Fehler erkennen und sich ändern. Sonst wird der Schöpfer dafür sorgen, daß Unheil über sie kommt (Amos 4:1-13).
Doch die Israeliten werden nicht auf den gütigen Aufruf hören: „Suchet Jehova, und bleibt am Leben.“ Sie werden die Aufforderung „Haßt das Böse und liebt das Gute“ nicht befolgen. Daher kommt der schreckliche „Tag Jehovas“ mit Sicherheit. Gott sagt durch Amos voraus, daß die Israeliten ins Exil gehen werden. Das traf ein; die Assyrer überrannten sie und führten Gefangene weg (2. Kö. 17:1-6). Israel ließ die von Amos erteilte Rüge außer acht und mußte deshalb die Vernichtung erleiden, die der Prophet vorhergesagt hatte (Amos 5:1 bis 6:14).
Hört zu, ihr Frauen Samarias, die ihr wohlgenährt seid wie die Kühe auf den saftigen Weiden von Baschan: Ihr unterdrückt die Hilflosen und knechtet die Armen. Ihr verlangt von euren Männern: “Besorgt uns etwas zu trinken!” So spricht der Herr: “Ihr Israeliten, geht ruhig weiterhin zum Heiligtum nach Bethel, und sündigt gegen mich! Lauft nur nach Gilgal, und ladet noch mehr Schuld auf euch! Bringt doch jeden Morgen eure Opfer dar! Liefert alle drei Tage den zehnten Teil eurer Erträge ab! Mischt Sauerteig in eure Dankopfer, und lasst den Rauch zu mir aufsteigen! Erzählt es überall, wenn ihr mir freiwillige Gaben darbringt! So habt ihr es doch gern! Darum müsst ihr … jetzt die Folgen tragen – ihr habt keine Wahl. Macht euch bereit, eurem Gott zu begegnen!” Ja, Gott ist der Herr, der die Berge formte und den Wind schuf, er lässt die Menschen wissen, was er tun will. Morgengrauen und tiefste Nacht sind sein Werk, er schreitet über die höchsten Gipfel der Berge. “Herr, allmächtiger Gott” wird er genannt!
Ihr treibt mit der Gerechtigkeit Schindluder, ihr tretet das Recht mit Füßen! “Ihr hasst jeden, der vor Gericht für das Recht eintritt, und wer die Wahrheit sagt, den verabscheut ihr. Von den Ärmsten nehmt ihr Pachtgeld und verlangt auch noch Getreideabgaben. Darum werdet ihr nicht mehr in euren prachtvollen Häusern aus behauenen Steinen wohnen, und den Wein aus euren schönen Weingärten werdet ihr nicht trinken. Ja, ich weiß, wie viele Verbrechen ihr begangen habt und wie groß eure Schuld ist. Ehrliche Menschen bringt ihr in Bedrängnis, ihr nehmt Bestechungsgelder an und lasst die Armen vor Gericht nicht zu ihrem Recht kommen. Wer klug ist, der schweigt in dieser schlimmen Zeit.” Setzt euch für das Gute ein, allem Bösen aber kehrt den Rücken! Dann bleibt ihr am Leben, und der Herr, der allmächtige Gott, steht euch bei, so wie ihr es ja immer behauptet. Ja, hasst das Böse, liebt das Gute! Verhelft vor Gericht jedem zu seinem Recht!
Ihr wünscht euch: “Wenn nur der Tag schon da wäre, an dem der Herr eingreift!” Glaubt ihr eigentlich, dass dieser Tag euch Licht bringen wird? Nein, in tiefste Dunkelheit werdet ihr gestoßen! Der Herr sagt: “Ich hasse eure Feiern, geradezu widerwärtig sind sie mir, eure Opferfeste verabscheue ich. Eure Brand- und Speiseopfer nehme ich nicht an, und wenn ihr Tiere mästet, um sie mir darzubringen, ist mir das völlig gleichgültig. Eure lauten Lieder kann ich nicht mehr hören, verschont mich mit eurem Harfengeklimper. Setzt euch lieber für die Gerechtigkeit ein! Das Recht soll das Land durchströmen wie ein nie versiegender Fluss.
Keiner kann dem Allmächtigen auf der Nase herumtrampeln. Wer Ungerechtigkeit in der Gemeinde fördert oder sogar selbst begeht, wird seinen “Sieg” nicht mehr lange auskosten können. Besser wäre es aber, der Aufforderung Gottes nachzukommen und der Gerechtigkeit wieder den richtigen Platz zuzuweisen. Nur wer die Maßstäbe Jehovas anwendet und umsetzt, kann hoffen den Gerichtstag Gottes zu überleben! Alle anderen Personen werden umkommen, auch wenn diese sich noch so sehr auf den “Tag des Herrn” freuen – es wird ein Gerichtstag für ALLE Übeltäter werden.
Gott hatte lange geduldig gewartet. Mehr als einmal war Er nahe daran gewesen, Israel dem Gericht zu übergeben. Die Fürbitte des Propheten, der in den Propheten wirkte, hatte den Schlag der Rute noch aufgehalten. Jetzt aber wollte Jehova mit dem Senkblei in Seiner Hand zum Gericht aufstehen, und nichts würde Ihn bewegen, Sich wieder abzuwenden. Mit dem Hause Jehu würde Israel fallen. So ist es denn auch in Wirklichkeit geschehen. Es ist möglich, daß sich die vorher genannten Gerichte auf den Untergang des Geschlechtes Jerobeams, des Sohnes Nebats, sowie auf denjenigen des Geschlechtes Ahabs beziehen. Nach jedem dieser Ereignisse war Israel wieder aufgeholfen worden, nicht so aber, nachdem das Haus Jehus gefallen war.
Kapitel 8 bringt von neuem die Erklärung, daß um Israels Ungerechtigkeit willen sein Ende gekommen sei. Gott würde nicht länger an ihm vorübergehen. Der Prophet kündigt zugleich an, in welches Elend das Volk geraten würde, wenn es einmal aller Leitung seitens Jehovas beraubt wäre. Ihr Hunger und Durst nach Gottes Wort würde nicht gestillt. Wer auf die nichtigen Götzen vertraute, welche Israel sich aufgerichtet hatte, würde fallen und nicht wieder aufstehen.
Dieses Kapitel stellt uns Jehova Selbst vor Augen, wie Er das Gericht in solcher Weise vollzieht, daß Israel auf keine Art demselben entrinnen kann. Gott wollte das Volk so behandeln, wie Er mit den Nationen, die Ihm fremd gegenüberstanden, verfahren würde, mit den Philistern oder den Syrern, die Er in Seiner Vorsehung aus anderen Ländern heraufgeführt hatte. Trotzdem vergaß Gott Israel nicht. Er führte das Gericht selbst aus, damit, wenn Israel unter allen Nationen gesiebt werden würde, auch nicht ein Körnchen verlorenginge. Die Gottlosen, die nicht an das Gericht glaubten, würden von demselben ereilt werden.
An jenem Tage (nämlich am Tage des Endgerichts Jehovas) würde Er nicht die Hütte Jerobeams und Jehus aufrichten, obwohl Er denselben während der Dauer Seiner langmütigen Regierung eine Zeitlang einen Platz eingeräumt hatte, Er würde vielmehr (indem Er die Gnadenabsichten ausführte, die in Seinem Herzen waren) die Hütte Davids, Seines Auserwählten, aufrichten und sie wieder in ihrer Herrlichkeit bauen. Er wird diese Hütte vollständig aus ihren Trümmern aufrichten, auf daß Sein Same den Überrest Edoms und alle die Nationen in Besitz nehme, welche dereinst dazu gebracht werden sollen, den Namen Jehovas zu kennen. Zu jener Zeit wird Jehova auch Israel aus seiner Gefangenschaft zurückführen und es aufs neue in eine Stellung einsetzen, in welcher ihm Segen in Fülle zuteil werden wird. Dann wird es die Früchte seines Landes genießen. Jehova wird Sein Volk in Seinem Lande pflanzen, und es soll nicht mehr herausgerissen werden. Es war das Land, welches Er Selbst ihm gegeben hatte.
Wir finden also in dem Propheten Amos das Gericht des Reiches Israel. Dieses Gericht betraf indessen ganz Israel als Nation. Sodann wird die gewisse Wiederherstellung des Volkes angekündigt, und zwar in Verbindung mit dem Wiederaufbauen des Hauses Davids in den letzten Tagen – ein Werk, welches Gott ausführen will und das durch nichts wieder zerstört werden wird. Er will sie pflanzen, und niemand wird sie herausreißen: eine Weissagung, die sicher noch nicht in Erfüllung gegangen ist, die aber ebenso gewiß in Erfüllung gehen wird. Israel wird in seinem eigenen Lande sein und nie wieder aus demselben entfernt werden.
Im Wachtturm hieß es 1981
In einer Reihe anschaulicher Aussprüche zeigt Amos, daß das Ende Israels herannaht. Die zu erwartende Verwüstung sollte einer Verheerung gleichen, die ein gefräßiger Heuschreckenschwarm anrichten könnte oder ein Feuer, das sogar Wasser verzehrt. In beiden Fällen legt Amos Fürsprache ein. Doch die nächste Vision ist endgültig. Wie ein Maurer, der die Geradheit einer Mauer mit einem Senkblei überprüfen kann, so stellt Gott fest, daß Israel nicht mehr rechtschaffen ist, sondern die Verwüstung verdient. Amazja, ein Priester, der bei der Kälberanbetung dient, beschuldigt Amos des Hochverrats und befiehlt ihm, nach Juda zurückzukehren. Doch Amos bleibt standhaft und sagt sogar das Gericht an Amazja voraus (Amos 7:1-17).
Früchte werden am Ende der Reifezeit eingesammelt; so ist auch das Ende Israels nahe. Jehova schwört bei sich selbst, daß er das Volk zur Rechenschaft ziehen wird. Wenn die Urteilsvollstreckung kommt, werden die Israeliten ein Wort von Gott erwarten, doch es wird zu spät sein. Niemand wird entrinnen, selbst dann nicht, wenn man sich in den Höhlen des Karmel verbergen würde (Amos 8:1 bis 9:7).
Gott wird das Land erschüttern, als ob Israel keine ihm hingegebene Nation sei. Aber die Lage ist nicht hoffnungslos. Einige der Nachkommen Jakobs sollten bewahrt werden. Und sie wurden bewahrt. Sowohl Angehörige Israels als auch Judas kehrten 537 v. u. Z. aus der Gefangenschaft zurück (Amos 9:8-10, 13-15).
Noch trostreicher ist Amos’ Vorhersage über die Wiederaufrichtung der „Hütte Davids“. Im Jahre 49 u. Z. zitierte der Jünger Jakobus diesen Teil der Prophezeiung des Amos. Es gab inzwischen einen gesalbten voraussichtlichen König aus der Linie Davids: Jesus Christus. Durch die Einsammlung christlicher Jünger — Juden und Nichtjuden —, die Mitherrscher mit Jesus sein sollten, erfüllten sich die Worte aus Amos 9:11, 12 auf wunderbare Weise (Apg. 15:13-18).
nein, er läßt sich nicht veräppeln. Egal welchen Namen man sich gibt, welche Kleidung man nach außen trägt – der Allmächtige sieht unser Herz und wird uns danach richten – einglück für alle, die die Wahrheit lieben und die Jehova von Herzen lieben und ihn deshalb ihm gehorchen.
Jehova wird ein Strafgericht über die Bösen bringen
„Mache dich bereit, deinem Gott zu begegnen“ (AMOS 4:12).
WIRD Jehova allem Bösen und allem Leid auf der Erde jemals ein Ende machen? Diese Frage stellt sich zu Beginn des 21. Jahrhunderts mehr denn je. Wohin man auch blickt, kann man beobachten, wie unmenschlich der Mensch seine Mitmenschen behandelt. Wie sehnen wir uns doch nach einer Welt ohne Gewalt, ohne Terrorismus und ohne Korruption!
2 Glücklicherweise können wir fest davon überzeugt sein, dass Jehova alles Böse beseitigen wird. Gottes Eigenschaften garantieren dafür, dass er gegen die Bösen vorgehen wird. Jehova ist vollkommen gerecht. Sein Wort sagt uns in Psalm 33:5: „Er liebt Gerechtigkeit und Recht.“ Und in einem anderen Psalm wird gesagt: „Jeden, der Gewalttat liebt, hasst SEINE Seele gewiss“ (Psalm 11:5). Bestimmt wird Jehova, der allmächtige Gott, der Recht und Gerechtigkeit liebt, nichts, was er hasst, auf Dauer tolerieren.
3 Betrachten wir einen weiteren Grund, warum wir so sicher sein können, dass Jehova das Böse beseitigen wird. Geschichtliche Aufzeichnungen liefern uns eine Garantie dafür. Beeindruckende Beispiele, die zeigen, wie Jehova mit Bösen verfährt, finden wir im Bibelbuch Amos. Die folgende Betrachtung der Prophezeiung des Amos lehrt uns dreierlei über göttliche Strafgerichte: 1. Sie sind immer verdient, 2. man kann sich ihnen nicht entziehen und 3. Jehova geht selektiv vor, denn er vollstreckt das Gericht an Übeltätern, erweist aber reumütigen und rechtschaffenen Menschen Barmherzigkeit (Römer 9:17-26).
Ein göttliches Strafgericht ist immer verdient
4 In den Tagen des Amos war die Nation Israel bereits zweigeteilt, und zwar in das südliche Zweistämmereich Juda und das nördliche Zehnstämmereich Israel. Amos erhielt von Jehova den Auftrag, als Prophet seine Heimatstadt in Juda zu verlassen und nach Israel zu gehen. Dort sollte er das göttliche Strafgericht ankündigen.
5 Amos kündigte zunächst allerdings nicht dem widerspenstigen Nordreich Israel das Strafgericht Jehovas an, sondern sechs Nachbarnationen, nämlich Syrien, Philistäa, Tyrus, Edom, Ammon und Moab. Verdienten die erwähnten Nationen denn tatsächlich ein solches Gericht? Aber gewiss! Allein schon deshalb, weil sie alle erbitterte Feinde des Volkes Jehovas waren.
6 Die Syrer verurteilte Jehova beispielsweise, „weil sie Gilead . . . gedroschen“ hatten (Amos 1:3). Sie hatten Teile von Gilead — eine Region Israels östlich des Jordan — an sich gerissen und dem Volk Gottes dort großen Schaden zugefügt. Was erfahren wir über Philistäa und Tyrus? Die Philister hatten sich schuldig gemacht, weil sie israelitische Exilanten oder Gefangene den Edomitern verkauft hatten. Einige Israeliten gerieten in die Hände von tyrischen Sklavenhändlern (Amos 1:6, 9). Man stelle sich das vor — sie verkauften Diener Jehovas in die Sklaverei! Kein Wunder, dass Jehova Syrien, Philistäa und Tyrus Unheil ankündigte!
7 Edom, Ammon und Moab hatten mit Israel etwas gemeinsam. Alle drei waren mit den Israeliten verwandt. Die Edomiter stammten über Jakobs Zwillingsbruder Esau von Abraham ab. Sie waren also in gewissem Sinne Israels Brüder. Die Ammoniter und die Moabiter waren Nachkommen Lots, des Neffen Abrahams. Behandelten die Edomiter, die Ammoniter und die Moabiter ihre israelitischen Verwandten tatsächlich wie Brüder? Keinesfalls! Edom setzte unbarmherzig das Schwert gegen ‘seinen eigenen Bruder’ ein und die Ammoniter behandelten israelitische Gefangene äußerst sadistisch (Amos 1:11, 13). Amos erwähnt zwar nicht genau, wie die Moabiter Angehörige des Volkes Gottes misshandelten, doch sie waren über einen langen Zeitraum Feinde Israels. Die drei blutsverwandten Nationen sollten schwer bestraft werden. Jehova würde eine feurige Vernichtung über sie bringen.
Einem göttlichen Strafgericht kann man sich nicht entziehen
8 Es besteht kein Zweifel: Die zu Beginn der Prophezeiung des Amos angesprochenen sechs Nationen verdienten Gottes Strafgericht. Und sie konnten sich diesem nicht entziehen. Von Amos, Kapitel 1, Vers 3 bis Kapitel 2, Vers 1 ist sechs Mal die Aussage Jehovas zu finden: „Ich [werde] es nicht abwenden.“ Seinem Wort entsprechend ließ er sich nicht davon abbringen, gegen jene Nationen vorzugehen. Wie die Geschichte beweist, kam später über sie alle Unheil. Wenigstens vier von ihnen, nämlich Philistäa, Moab, Ammon und Edom, hörten schließlich auf zu bestehen.
9 Als Nächstes wandte sich Amos in seiner Prophezeiung einer siebten Nation zu, der eigenen: Juda. Seine Zuhörer im Nordreich Israel wunderten sich vielleicht, dass er dem Königreich Juda ein Strafgericht ankündigte. Warum verdienten die Bewohner Judas ein solches Gericht? „Weil sie das Gesetz Jehovas verwarfen“, heißt es in Amos 2:4. Jehova sah über eine solche willentliche Missachtung seines Gesetzes nicht einfach hinweg. Laut Amos 2:5 sagte er voraus: „Ich will Feuer nach Juda senden, und es soll die Wohntürme Jerusalems verzehren.“
10 Das untreue Juda konnte dem drohenden Unheil nicht entgehen. Zum siebten Mal sagte Jehova: „Ich [werde] es nicht abwenden“ (Amos 2:4). Über Juda kam die vorhergesagte Strafe, als es 607 v. u. Z. von den Babyloniern verwüstet wurde. Das macht einmal mehr deutlich, dass sich die Bösen dem Gericht Gottes nicht entziehen können.
11 Der Prophet hatte gerade sieben Nationen das Gericht Jehovas angekündigt. Wer dachte, Amos habe sein Prophezeien beendet, hatte sich getäuscht. Er war noch lange nicht fertig. Denn in erster Linie war er beauftragt, dem Nordreich Israel eine vernichtende Gerichtsbotschaft zu verkünden. Und es verdiente das göttliche Strafgericht wegen des beklagenswerten Verfalls von Moral und Anbetung.
12 Amos prangerte in seiner Prophezeiung die Unterdrückung an, die im Königreich Israel mittlerweile an der Tagesordnung war. In Amos 2:6, 7 heißt es: „Dies ist, was Jehova gesagt hat: ‚Wegen drei Auflehnungen von Israel und wegen vier werde ich es nicht abwenden, weil sie einen Gerechten um bloßes Silber verkauften und einen Armen um den Preis von einem Paar Sandalen. Sie lechzen nach dem Staub der Erde auf dem Kopf der Geringen; und den Weg Sanftmütiger biegen sie ab.‘ “
13 Gerechte wurden „um bloßes Silber“ verkauft, was womöglich darauf hindeutet, dass sich Richter mit Silber bestechen ließen und Unschuldige verurteilten. Die Gläubiger verkauften Arme in die Sklaverei um den Preis von „einem Paar Sandalen“, also möglicherweise wegen ganz geringer Schulden. Herzlose Männer ‘lechzten’ danach oder setzten alles daran, die „Geringen“ so sehr zu erniedrigen, dass sich diese Armen selbst Staub auf den Kopf streuten, was Bedrängnis, Trauer oder Demütigung anzeigte. Die Korruption nahm derart überhand, dass „Sanftmütige“ nicht hoffen konnten, gerecht behandelt zu werden.
14 Beachten wir, wer schlecht behandelt wurde: Es waren gerechte, arme, geringe und sanftmütige Bewohner des Landes. Jehovas Gesetzesbund mit Israel verlangte Mitgefühl gegenüber den Schutzlosen und Armen. Doch die Lage der Betreffenden im Zehnstämmereich Israel hätte gar nicht schlimmer sein können.
„Mache dich bereit, deinem Gott zu begegnen“
15 Die Unmoral und andere Sünden hatten in Israel überhand genommen. Aus gutem Grund warnte daher der Prophet Amos die rebellische Nation: „Mache dich bereit, deinem Gott zu begegnen“ (Amos 4:12). Das untreue Israel konnte der Vollstreckung des göttlichen Strafgerichts nicht entgehen, denn Jehova verkündete zum achten Mal: „Ich [werde] es nicht abwenden“ (Amos 2:6). Über Böse, die sich vor Gott verstecken wollten, sagte er: „Keiner von ihnen, der flieht, wird seine Flucht schaffen, und keiner von ihnen, der entrinnt, wird entkommen. Wenn sie hinab in den Scheol graben, wird meine eigene Hand sie von dort holen; und wenn sie zu den Himmeln aufsteigen, werde ich sie von dort herunterbringen“ (Amos 9:1, 2).
16 Die Bösen konnten der Vollstreckung des Urteils Jehovas nicht dadurch entkommen, dass sie „hinab in den Scheol“ gruben, womit bildlich Versuche beschrieben werden, sich in den Tiefen der Erde zu verstecken. Ebenso wenig konnten sie sich dem göttlichen Strafgericht entziehen, wenn sie „zu den Himmeln“ aufstiegen, das heißt versuchen würden, sich auf hohe Berge zu flüchten. Jehovas Warnung war unmissverständlich: Kein Versteck war für ihn unerreichbar. Gottes Gerechtigkeit verlangte, das Nordreich für seine bösen Taten zur Verantwortung zu ziehen. Diese Zeit kam schließlich herbei. 740 v. u. Z., etwa 60 Jahre nachdem Amos seine Prophezeiung niedergeschrieben hatte, wurde das nördliche Königreich Israel von den Assyrern erobert.
Gott geht bei einem Strafgericht selektiv vor
17 Wie wir aus der Prophezeiung des Amos erkannt haben, ist ein göttliches Strafgericht immer verdient und man kann sich ihm nicht entziehen. Genauso deutlich zeigt das Buch Amos jedoch, dass Jehova bei einem solchen Gericht selektiv vorgeht. Er findet die Bösen, wo immer sie sich verstecken, und vollstreckt das Urteil an ihnen. Er findet aber auch die Reumütigen und Rechtschaffenen, diejenigen, denen er Barmherzigkeit erweisen möchte. Diese Lektion geht aus dem letzten Kapitel des Buches Amos klar und deutlich hervor.
18 Gemäß Amos, Kapitel 9, Vers 8 sagte Jehova: „Ich [werde] das Haus Jakob nicht vollständig vertilgen.“ Wie die Verse 13 bis 15 zeigen, versprach er, „die Gefangenen“ seines Volkes „zurückkehren [zu] lassen“. Ihnen sollte Barmherzigkeit erwiesen werden und sie sollten Sicherheit und Wohlfahrt genießen. „Der Pflüger [wird] tatsächlich den Schnitter einholen“, versprach Jehova. Stellen wir uns das vor — eine so reiche Ernte, dass einiges davon noch nicht eingebracht wäre, wenn bereits wieder gepflügt und gesät werden müsste!
19 Bei dem Strafgericht, das Jehova über die Bösen brachte, kann im Falle Judas und Israels zu Recht gesagt werden, dass er selektiv vorging, denn Reumütigen und Rechtschaffenen wurde Barmherzigkeit erwiesen. Die Wiederherstellungsprophezeiung in Amos, Kapitel 9 erfüllte sich, denn ein reumütiger Überrest Israels und Judas kehrte 537 v. u. Z. schließlich aus der Babylonischen Gefangenschaft zurück. In ihrem geliebten Heimatland stellten die Zurückgekehrten dann die reine Anbetung wieder her. Außerdem lebten sie in Sicherheit und bauten ihre Häuser wieder auf, pflanzten Weinberge und bestellten ihre Gärten.
Das Strafgericht Jehovas wird kommen!
20 Die Betrachtung der von Amos verkündeten göttlichen Gerichtsbotschaften sollte uns die Zuversicht einflößen, dass Jehova auch heute der Gottlosigkeit ein Ende machen wird. Warum können wir das glauben? Erstens zeigt das, was Gott in der Vergangenheit gegen die Bösen unternommen hat, wie er in unseren Tagen vorgehen wird. Zweitens stellt die Vollstreckung des göttlichen Gerichts an dem abtrünnigen Königreich Israel eines sicher: Gott wird die Christenheit, den verwerflichsten Teil von „Babylon der Großen“ (dem Weltreich der falschen Religion), vernichten (Offenbarung 18:2).
21 Es besteht kein Zweifel, dass die Christenheit das göttliche Strafgericht verdient. Die beklagenswerten religiösen und moralischen Verhältnisse in ihr sprechen für sich. Jehovas Strafgericht an der Christenheit — und an der übrigen Welt Satans — ist verdient. Ihm kann sich außerdem niemand entziehen. Wenn die Zeit der Vollstreckung da ist, werden die Worte aus Amos, Kapitel 9, Vers 1 zutreffen: „Keiner von ihnen, der flieht, wird seine Flucht schaffen, und keiner von ihnen, der entrinnt, wird entkommen.“ Ja, ungeachtet dessen, wo sich die Bösen verstecken werden, Jehova wird sie finden.
22 Ein göttliches Strafgericht ist immer verdient, niemand kann sich ihm entziehen und Jehova geht dabei selektiv vor. Das geht auch aus den Worten des Apostels Paulus hervor: „Es [ist] vonseiten Gottes gerecht . . ., denen, die euch Drangsal bereiten, mit Drangsal zu vergelten, euch aber, die ihr Drangsal erleidet, mit Erleichterung zusammen mit uns bei der Offenbarung des Herrn Jesus vom Himmel her mit seinen mächtigen Engeln in flammendem Feuer, wenn er an denen Rache übt, die Gott nicht kennen, und an denen, die der guten Botschaft über unseren Herrn Jesus nicht gehorchen“ (2. Thessalonicher 1:6-8). „Es [ist] vonseiten Gottes gerecht“, denen, die seinen Gesalbten Drangsal bereiten, mit einem verdienten Strafgericht zu vergelten. Diesem Gericht können sich die Bösen nicht entziehen, denn sie werden ‘die Offenbarung Jesu mit seinen mächtigen Engeln in flammendem Feuer’ nicht überleben. Das göttliche Strafgericht wird auch selektiv sein, denn Jesus wird an denen Rache üben, „die Gott nicht kennen, und an denen, die der guten Botschaft . . . nicht gehorchen“. Aber die Gottesfürchtigen, die Drangsal erleiden, werden durch dieses Gericht getröstet.
Hoffnung für die Rechtschaffenen
23 Die Prophezeiung des Amos enthält eine wunderbare Botschaft des Trostes und der Hoffnung für Rechtschaffene. Wie vorausgesagt, vernichtete Jehova sein Volk der alten Zeit nicht vollständig. Er ließ die Gefangenen von Israel und Juda schließlich in ihr Heimatland zurückkehren und segnete sie mit echter Sicherheit und Wohlfahrt. Was hat das für die heutige Zeit zu bedeuten? Wir können sicher sein, dass Jehova bei der Vollstreckung des göttlichen Strafgerichts die Bösen entdecken wird, ganz gleich, wo sie sich verstecken. Und er wird auch diejenigen finden, die seine Barmherzigkeit verdienen, wo immer sie auf der Erde leben.
24 Was erleben wir als treue Diener Jehovas, während wir auf sein Strafgericht warten? Segnet Jehova uns nicht gegenwärtig mit überströmender geistiger Wohlfahrt? Unsere Anbetung ist frei von den Lügen und den Verdrehungen, die auf den Irrlehren der Christenheit beruhen. Außerdem segnet uns Jehova mit einer Fülle geistiger Speise. Bedenken wir allerdings, dass dieser reiche Segen auch große Verantwortung mit sich bringt. Gott erwartet von uns, dass wir andere vor dem bevorstehenden Strafgericht warnen. Wir möchten alles uns Mögliche tun, um nach denjenigen zu suchen, die „zum ewigen Leben richtig eingestellt“ sind (Apostelgeschichte 13:48). Ja, wir möchten so vielen wie möglich helfen, an unserer geistigen Wohlfahrt teilzuhaben. Und wir möchten, dass sie Gottes Strafgericht, das bald an den Bösen vollstreckt wird, überleben. Damit uns all diese Segnungen zuteil werden, benötigen wir natürlich die richtige Herzenseinstellung. Auch das wird in der Prophezeiung des Amos hervorgehoben, wie wir im nächsten Artikel sehen werden.
„Der Souveräne Herr Jehova selbst hat geredet! Wer wird nicht prophezeien?“ (AMOS 3:8, New World Translation, Ausgabe 1981).
„DER Souveräne Herr Jehova“ — welch treffende Bezeichnung für den höchsten Herrscher des Universums! Entgegen sektiererischen Einwänden ist es ein großartiges Vorrecht, Jehova mit seinem Namen anzurufen, ein vertrautes Verhältnis zu ihm zu haben sowie seinen Namen und seine Vorsätze anderen zu verkündigen. Sein Sohn, Jesus, erklärte, als er auf der Erde war: „Jehovas Geist ist auf mir, … um den Armen gute Botschaft zu verkünden.“ Im Gebet zu Jehova sagte er bezüglich seiner Jünger: „Ich habe ihnen deinen Namen bekanntgegeben und werde ihn bekanntgeben.“ Und der Apostel Paulus zitierte die hebräischen Propheten der alten Zeit, indem er sagte: „Jeder, der den Namen Jehovas anruft, wird gerettet werden“ (Lukas 4:18; Johannes 17:26; Römer 10:13; Joel 2:32).
2 Amos war einer jener alten Propheten. Er pries den Namen Jehovas, denn die Bezeichnung „der Souveräne Herr Jehova“ erscheint 21mal in seinem Bibelbuch (gemäß der New World Translation [NW], Ausgabe 1981). Der Name Amos bedeutet „beladen“. Ja, er war wie loyale Zeugen Jehovas heute mit einer schweren Last der Verantwortung beladen. Amos war ein Viehzüchter und Obstgärtner. Anscheinend hatte er keine besondere Ausbildung für sein Predigtwerk empfangen. Doch er war offensichtlich mit Gottes Wort gut vertraut, und der Geist Jehovas war auf ihm, so daß er seine schwierige Aufgabe erfüllen konnte Worin bestand sie? Er sollte sein Heimatland Juda verlassen und als Missionar zu einem abtrünnigen Volk gehen, in das Zehnstämmereich Israel im Norden. Dort, in Israel, dessen Hauptstadt Samaria war, sollte er eine Gerichtsbotschaft verkündigen.
3 Ging Amos dieser Aufgabe aus dem Weg? Ganz und gar nicht. Er lebte in einer Zeit der Gewalt, doch das Volk mußte erfahren, daß sogar etwas noch Schlimmeres kommen sollte, ein „Unglückstag“. Das Leben der Israeliten drehte sich um Essen und Trinken. Sie streckten sich auf ihren Elfenbeinruhebetten und luxuriösen Diwanen aus und dachten nicht an Jehova und seine wahre Anbetung (Amos 6:3-6) Jehova war entschlossen, sie zu bestrafen, doch zuerst sollte eine prophetische Warnung an sie ergehen. Deshalb erklärte er: „Der Souveräne Herr Jehova wird kein Ding tun, es sei denn, er habe seine vertrauliche Sache seinen Knechten, den Propheten, geoffenbart“ (Amos 3:7, NW, 1981).
Neuzeitliche Erfüllung
4 Ist diese Prophezeiung aus alter Zeit für uns heute von Bedeutung? Ja, sie enthält eine eindringliche Botschaft für uns. Das inspirierte Wort Gottes wurde unter göttlicher Leitung zusammengestellt, und es ist bis zur „Zeit des Endes“ zum Nutzen derjenigen Diener Gottes bewahrt worden, „auf welche die Enden der Systeme der Dinge gekommen sind“. Seine prophetische Bedeutung erfahren wir durch den „treuen und verständigen Sklaven“, die Gruppe gesalbter Christen, deren sich der Herr, Jesus Christus, heute bedient, um geistige „Speise zur rechten Zeit“ an alle Glieder des Volkes Gottes auszuteilen (Daniel 12:4; 1. Korinther 10:11; Matthäus 24:45-47).
5 Betrachten wir diese „vertrauliche Sache“ aus der Prophezeiung des Amos als etwas Zweitrangiges, als etwas, dem wir uns widmen können, wenn wir gewissermaßen noch Zeit übrig haben? Nun, wie würden wir reagieren, wenn wir allein im Busch wären, und die Stille würde plötzlich durch das Brüllen eines Löwen unterbrochen? Würden wir in dieser Lage, in der es um Leben und Tod geht, nicht augenblicklich handeln? Wir würden keinen Moment zögern. Sollten wir auf die prophetischen Äußerungen Jehovas daher nicht ebenso reagieren? Jehova selbst sagt: „Da ist ein Löwe, der gebrüllt hat! Wer wird sich nicht fürchten? Der Souveräne Herr Jehova selbst hat geredet! Wer wird nicht prophezeien?“ (Amos 3:8, NW, 1981). Wir sollten deshalb die Prophezeiung und ihre Bedeutung unbedingt bekanntmachen. Aber wie?
„Geh, prophezeie“
6 Jehova gebot Amos: „Geh, prophezeie meinem Volk Israel“ (Amos 7:15). Das Gegenbild dieses abtrünnigen Königreiches Israel ist die heutige materialistisch gesinnte Christenheit, die sich auf Gewalt oder die Androhung von Gewalt verläßt, um zu überleben, und gegenüber dem Souveränen Herrn Jehova gegnerisch eingestellt ist sowie seinen Namen haßt. Was den Ausdruck „christlich“ betrifft, so gebraucht sie ihn nur als ein Aushängeschild, denn sie widersteht Christi kommendem Königreich der Gerechtigkeit. Jesus selbst bezeichnete die Anhänger der Religionsgemeinschaften der Christenheit als „Täter der Gesetzlosigkeit“ (Matthäus 7:21-23).
7 Seitdem das Königreich im Jahre 1914 in den Himmeln aufgerichtet worden ist, hat die neuzeitliche Amos-Klasse, Jehovas Zeugen, in der ganzen Christenheit den Tag der Rache Jehovas verkündigt. Eine gründliche Warnung erscholl in den Ländern der Christenheit insbesondere von 1919 bis 1939, und sie ist bis auf den heutigen Tag noch zu hören. Für Jehovas Zeugen waren die Jahre des Zweiten Weltkrieges (1939—1945) eine Zeit der Verfolgung, aber auch eine Zeit der Reorganisation. Im Jahre 1943 wurde in der Wachtturm-Bibelschule Gilead mit der Ausbildung von Missionaren begonnen, und am Ende des Zweiten Weltkrieges wurden diese in ein Land nach dem anderen gesandt, um das Königreichszeugnis auszubreiten. Auf diese Weise wurde das Werk im Bereich der Christenheit ausgedehnt, besonders in Italien, Portugal, Spanien und in dem riesigen lateinamerikanischen Raum.
8 „Geh, prophezeie“, lautete der Aufruf. Gläubige Familien aus Kanada, den Vereinigten Staaten, von den Britischen Inseln und aus dem übrigen Europa sowie von Ozeanien schlossen sich den Missionaren in neuen Gebieten an, wo Hilfe dringender benötigt wurde. Mit Zuversicht verkündigten sie das, was ‘der Souveräne Herr Jehova selbst geredet hatte’. Jehovas Geist ruht auf seinen Zeugen, die in weltweitem Ausmaß seinen „Tag der Rache“ an der Christenheit verkündigen und auch „Freiheit . . . den [von der falschen Religion] Gefangengenommenen“ (Jesaja 61:1, 2; Sacharja 4:6). Infolgedessen ist die Zahl der Zeugen, die das Königreich Monat für Monat verkündigen, innerhalb von 40 Jahren erstaunlich gestiegen, nämlich von durchschnittlich 109 794 im Jahre 1943 auf 2 501 722 im Jahre 1983.
Ein Muster für die ganze Welt
9 Das entspricht dem Muster aus den Tagen des Amos, wo die Verkündigung des Gerichts auch in Asdod erfolgen sollte — einem Zentrum heidnischer Religion im nahe gelegenen Philistäa — und sogar im weit entfernten Ägypten. Denn der Souveräne Herr Jehova hatte geredet und gesagt: „Verkündigt es auf den Wohntürmen in Asdod und auf den Wohntürmen im Land Ägypten und sprecht: ,Versammelt euch gegen die Berge Samarias, und seht die vielen Wirren in seiner Mitte und Fälle von Übervorteilung darin. Und sie haben nicht gewußt zu tun, was gerade ist’, ist der Ausspruch Jehovas, ,diejenigen, die Gewalttat und Verheerung anhäufen in ihren Wohntürmen‘“ (Amos 3:9, 10).
10 Desgleichen ist die Botschaft der Rache Jehovas, die an der Christenheit geübt werden soll, in der Neuzeit weit über deren Gebiet hinaus verkündigt worden — in Afrika, auf den Inseln des Meeres und in vielen Teilen des Orients. In der Bibel wird Ägypten als ein Sinnbild der gesamten verderbten Welt gebraucht, die von Gott entfremdet ist. Dementsprechend ist die Botschaft von dem Gericht an der Christenheit weltweit verkündigt worden. (Vergleiche Jesaja 19:19, 20.) Viele der sogenannten heidnischen Nationen sind sich der in der Christenheit herrschenden „Wirren“ sowie der „Übervorteilung“, der Verkehrtheit, der „Gewalttat und Verheerung“ wohl bewußt. Sie haben im Laufe der Jahrhunderte beobachtet, wie sich die Missionare der Christenheit an ideologischen Kriegen und Revolutionen beteiligt und als Vorkämpfer für den internationalen Waffen- und Rauschgifthandel gedient haben. Wenn ein Missionar der Wachtturm-Gesellschaft zum erstenmal mit einem Buddhisten spricht, begegnet er oft dem Einwand: „Aber sehen Sie sich doch den moralischen Zustand der Christen an. Wir Buddhisten haben viel bessere Moralbegriffe. Warum sollten wir uns also ändern?“ Der Missionar muß dann erklären, daß es sich bei der Religion der Christenheit um etwas ganz anderes als das Christentum der Bibel handelt. Erst findet er ein hörendes Ohr.
11 Wie im alten Samaria, so kann von Politikern und Beamten in der Christenheit — in hohen und niedrigen Stellungen — gesagt werden: „Sie haben nicht gewußt zu tun was gerade ist.“ Des weiteren nehmen in den meisten sogenannten christlichen Ländern Gewalt und Gesetzlosigkeit auf den Straßen überhand (Matthäus 24:3, 12). Das steht in krassem Gegensatz zu den friedlicheren Verhältnissen in vielen „nichtchristlichen“ Ländern.
12 Auch werden „Gewalttat und Verheerung“ international in einem schockierenden Ausmaß geplant. Nicht genug damit, daß Nationen der Christenheit zu beiden Weltkriegen angestiftet haben und deshalb Blutschuld im Hinblick auf das Hinschlachten von 69 000 000 Menschen auf sich geladen haben, ist die Christenheit heute weitgehend in das Ringen zwischen den beiden Supermächten, dem „König des Südens“ und dem „König des Nordens“ verwickelt, was zur Folge hat, daß die Nationen der Christenheit in ihren Hoheitsgebieten mörderische Atomwaffen aufstellen.
13 Bei einem Besuch in Japan erklärte der Hauptwortführer des „Königs des Südens“: „Der einzige Wert der Atomwaffen besteht darin, daß sie sicherstellen, daß sie niemals zum Einsatz kommen“. Warum hat man sie dann überhaupt? Weil Satan, der Gott dieser Welt, die Nationen in ein Dilemma gebracht hat, aus dem sie sich nicht befreien können. Als Erwiderung auf den ‘Stoß, des „Königs des Südens“ kündigte der Hauptwortführer des „Königs des Nordens“ an, man werde „in den Ozeangebieten“ Mittelstreckenraketen stationieren, deren Zielbereich das Festland der USA sei. Durch all das erfüllt sich Jesu Prophezeiung, daß es auf der Erde „Angst und Bangen unter den Nationen [geben wird], die wegen des Tosens des Meeres und seiner Brandung weder aus noch ein wissen“ (Daniel 11:40; Lukas 21:25; Offenbarung 12:9, 12).
14 Seit den Tagen Noahs hat die Menschheit keine solchen Übelstände erlebt, noch wurde sie von größerer Gewalttätigkeit bedroht. Der Geschichtsbericht über die Zeit Noahs lautet: „Da sah Jehova, daß die Schlechtigkeit des Menschen ausnehmend groß war auf der Erde und daß jede Neigung der Gedanken seines Herzens allezeit nur schlecht war. … Und die Erde wurde verderbt vor den Augen des wahren Gottes, und die Erde wurde mit Gewalttat erfüllt.“ Wegen dieser Schlechtigkeit und Gewalttat vernichtete Jehova die Bösen durch die Flut. Auch heute beabsichtigt er, „die zu verderben, die die Erde verderben“ (1. Mose 6:5-13; Offenbarung 11:18; Lukas 17:26, 27).
Die Plünderung der Christenheit
15 Wie wird die Konfrontation zwischen den Supermächten der Welt schließlich ausgehen? Jehova hat darüber etwas zu sagen, wie wir in Amos 3:11 lesen: „Darum hat der Souveräne Herr Jehova dies gesprochen: ,Da ist ein Widersacher sogar rings um das Land her, und er wird gewißlich deine Stärke von dir herunterholen, und deine Wohntürme werden tatsächlich geplündert werden‘“ (NW, 1981). Wer ist dieser „Widersacher“? In den Tagen des Amos war der „Widersacher“ die assyrische Weltmacht. Das mächtige Heer Assyriens wurde von Jehova gelenkt und als sinnbildliche „Rute“ gebraucht, um das Urteil am abtrünnigen Samaria zu vollstrecken, was in Jesaja 10:5, 6 mit den Worten beschrieben wird: „Ha, der Assyrer, die Rute für meinen Zorn und der Stock, der in ihrer Hand ist für meine Strafankündigung! Gegen eine abtrünnige Nation werde ich ihn senden, und gegen das Volk meines Zornausbruches werde ich einen Befehl an ihn erlassen, viel Beute zu machen und viel Plündergut zu nehmen und es zu einer Stätte der Zertretung zu machen gleich dem Lehm der Straßen.“
16 In gleicher Weise wird Jehova einen schwerbewaffneten neuzeitlichen Assyrer als seine „Rute“ oder seine „Axt“ herbeibringen, um das Urteil an der abtrünnigen Christenheit zu vollstrecken. Ja, das gesamte Weltreich der falschen Religion, „Babylon die Große“, wird zu ein und derselben Zeit durch gefährliche „Hörner“ verwüstet werden — durch militarisierte politische Mächte, die heute sogar Mitgliedstaaten der UN sind (Jesaja 10:15; Offenbarung 17:5, 16, 17). In den Tagesnachrichten ist bereits häufig das Säbelrasseln der bevorstehenden Konfrontation zu vernehmen. Zum Beispiel schrieb die Zeitschrift U.S. News & World Report kürzlich: „Katholizismus und Kommunismus steuern anscheinend nicht nur in Polen auf eine Konfrontation zu. Seit 1978, als der aus Polen gebürtige Johannes Paul II. Papst wurde, gibt es in ganz Osteuropa immer Reibungen zwischen der Kirche und kommunistischen Regimen. Unter den katholischen Bischöfen im sowjetischen Block macht sich ein neuer Kampfgeist bemerkbar. … Daß der Papst standhaft für die katholische Sache eintritt, trägt zu der Atmosphäre der Konfrontation bei. … Kommunistische Regierungen machen aus ihrem Argwohn gegenüber dem Papst kein Geheimnis.“
17 Deshalb wird das geschehen, was Jehova gemäß Amos 3:15 sagt: „,Und die Elfenbeinhäuser werden zugrunde gehen müssen, und viele Häuser werden ein Ende nehmen müssen’ ist der Ausspruch Jehovas.“ Der Reichtum und die materiellen Besitztümer der Christenheit werden zusammen mit denen des gesamten Bereiches der falschen Religion verwüstet werden (Hesekiel 7:19; Offenbarung 18:15-17).
18 Wird das aber bedeuten, daß Jehovas loyale Diener sogleich von der Schmach, der Verfolgung und der Unterdrückung befreit werden, die Satans Welt über sie gebracht hat? Nicht sogleich, denn der politischgesinnte „Assyrer“ — die „Rute“ und die „Axt“ — , den Jehova für die Urteilsvollstreckung an der abtrünnigen Christenheit benutzt, wird auf stolze Weise gegen Jehova großtun, indem er sich gegen dessen treue Zeugen auf der Erde wendet. Aber vergeblich! (Jesaja 10:15-19). Wie der Apostel Johannes in einer Vision sah, werden sich die „Könige der Erde“ — die politischen Mächte der durch ein „wildes Tier“ dargestellten UN — versammeln, um Krieg gegen Gottes inthronisierten „König der Könige und Herrn der Herren“ zu führen. Das wird das Signal für Har-Magedon sein, den „Krieg des großen Tages Gottes, des Allmächtigen“. Durch diesen Krieg werden alle Heere Satans auf der Erde vernichtet werden, und ein jeder, „der den Namen Jehovas anruft, wird gerettet werden“ (Offenbarung 16:14, 16; 19:11, 16, 19-21; Römer 10:13)
19 Wie also handelst du in diesem Zeitalter Gewalt? Gewiß mit der festen Zuversicht, Jehova sein prophetisches Wort bestätigen wird. Und mit der Entschlossenheit eines Amos, der einem abtrünnigen Volk eine Gerichtsbotschaft predigte. Aber wie kannst du selbst am Leben bleiben und dich der großartigen neuen Ordnung erfreuen, die der Souveräne Herr Jehova für die bereitet, die ihn lieben? Der folgende Artikel wird diese Frage beantworten.
JEHOVA GOTT sagte zu dem Propheten Samuel: „Der Mensch sieht das, was vor den Augen erscheint; Jehova aber, er sieht, wie das Herz ist“ (1. Samuel 16:7). Inwiefern sieht Jehova, „wie das Herz ist“?
2 In der Bibel steht das Herz häufig für das Innere eines Menschen — für seine Wünsche, seine Gedanken, seine Gefühlsregungen und seine Neigungen. Wenn Gott gemäß der Bibel das Herz sieht, konzentriert er seinen Blick somit auf das wahre Wesen einer Person, nicht auf ihre äußere Erscheinung.
Gott prüft Israel
3 Was sah der Prüfer der Herzen, als er in den Tagen des Amos das Zehnstämmereich Israel beobachtete? In Amos 6:4-6 ist von Personen die Rede, die „auf Ruhebetten aus Elfenbein liegen und sich auf ihren Diwanen rekeln“. Sie aßen „die Widder aus einer Kleinviehherde und die jungen Stiere von den Mastkälbern“. Diese Personen hatten „zum Gesang Instrumente ersonnen“ und tranken „aus Weinschalen“.
4 Auf den ersten Blick scheint dies eine heitere Szene zu sein. Die Reichen genossen in ihren komfortablen, gut ausgestatteten Häusern erlesene Speisen und Getränke und ließen sich von den beliebtesten Musikinstrumenten unterhalten. Auch hatten sie „Ruhebetten aus Elfenbein“. Archäologen haben in Samaria, der Hauptstadt des Königreiches Israel, vorzüglich gearbeitete Elfenbeinschnitzereien gefunden (1. Könige 10:22). Höchstwahrscheinlich waren viele davon an Möbelstücken befestigt und in Wandtäfelungen eingelegt.
5 Hatte Jehova etwas dagegen, dass die Israeliten komfortabel lebten, schmackhafte Mahlzeiten genossen, vorzüglichen Wein tranken und schöne Musik hörten? Natürlich nicht. Schließlich ist er es ja, der reichlich für alles zur Freude des Menschen sorgt (1. Timotheus 6:17). Was Jehova an den Israeliten störte, waren ihre sündhaften Begierden, ihre schlechte Herzenseinstellung, ihre Respektlosigkeit gegenüber Gott und ihre Lieblosigkeit gegenüber den eigenen Landsleuten.
6 Alle, die sich auf ihren Diwanen rekelten, die Widder aus einer Kleinviehherde aßen, die Wein tranken und zum Gesang Instrumente ersannen, sollten eine Überraschung erleben. An sie war die Frage gerichtet: „Tut ihr den Unglückstag aus eurem Sinn?“ Sie hätten wegen der Verhältnisse in Israel zutiefst betroffen sein sollen. Aber sie waren „wegen der Katastrophe Josephs nicht krank geworden“ (Amos 6:3-6). Jehova, der seinen Blick über die wirtschaftliche Wohlfahrt der Nation hinaus richtete, sah, dass sich Joseph — oder Israel — in geistiger Hinsicht in einer katastrophalen Verfassung befand. Das Volk ging jedoch unbekümmert seinen täglichen Geschäften nach. Heute offenbaren viele Menschen eine ähnliche Gesinnung. Sie räumen womöglich ein, dass wir in schwierigen Zeiten leben, aber solange sie persönlich nicht davon betroffen sind, kümmert sie die Not anderer kaum, und an geistigen Belangen sind sie nicht interessiert.
Israel — eine zerfallende Nation
7 Das Buch Amos malt das Bild von einer zerfallenden Nation, ungeachtet des äußeren Scheins. Da die Israeliten Gottes Warnungen nicht beachteten und ihre Denkweise nicht änderten, würde Jehova sie ihren Feinden überlassen. Dann würden die Assyrer sie von ihren prächtigen elfenbeinernen Ruhebetten werfen und sie in die Gefangenschaft verschleppen. Mit ihrem angenehmen Leben wäre es vorbei.
8 Wie waren die Israeliten eigentlich in diesen erbärmlichen Zustand geraten? Alles begann damit, dass 997 v. u. Z. nach König Salomos Tod sein Sohn Rehabeam die Nachfolge antrat und sich zehn Stämme Israels von den Stämmen Juda und Benjamin abspalteten. Der erste König des Zehnstämmereiches Israel war Jerobeam I., „der Sohn Nebats“ (1. Könige 11:26). Jerobeam überzeugte die Bevölkerung seines Herrschaftsbereichs davon, dass es zu viel für sie sei, nach Jerusalem zu reisen, um Jehova anzubeten. Doch Jerobeam lag eigentlich nicht das Wohl des Volkes am Herzen. Er war darauf bedacht, seine eigenen Interessen zu wahren (1. Könige 12:26). Jerobeam befürchtete, die Israeliten könnten sich schließlich wieder Juda zugehörig fühlen, wenn sie weiterhin zu den jährlichen Festen zu Ehren Jehovas zum Tempel nach Jerusalem gingen. Um dem vorzubeugen, stellte Jerobeam zwei goldene Kälber auf, das eine in Dan und das andere in Bethel. So wurde die Kälberanbetung im Königreich Israel zur Staatsreligion (2. Chronika 11:13-15).
9 Jerobeam versuchte, der neuen Religion einen ehrbaren Anstrich zu verleihen. Er führte Feiern ein, die gewisse Ähnlichkeit mit den Festen in Jerusalem hatten. In 1. Könige 12:32 heißt es: „Ferner veranstaltete Jerobeam ein Fest im achten Monat, am fünfzehnten Tag des Monats, gleich dem Fest, das in Juda stattfand, damit er Opfergaben auf dem Altar darbringe, den er in Bethel gemacht hatte.“
10 Jehova billigte diese Feste der falschen Religion niemals. Das machte er mehr als hundert Jahre später durch Amos deutlich. Der Prophet wirkte in der Regierungszeit Jerobeams II., der um das Jahr 844 v. u. Z. König über das Zehnstämmereich Israel wurde (Amos 1:1). Gemäß Amos 5:21-24 sagte Gott: „Ich habe gehasst, ich habe verworfen eure Feste, und ich werde den Geruch eurer feierlichen Versammlungen nicht genießen. Denn wenn ihr mir Ganzbrandopfer darbringt, werde ich selbst an euren Opfergaben kein Wohlgefallen finden, und eure Gemeinschaftsschlachtopfer von Masttieren werde ich nicht anschauen. Entferne von mir das Getöse deiner Lieder; und den melodischen Klang deiner Saiteninstrumente mag ich nicht hören. Und möge sich das Recht einherwälzen wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein beständig fließender Wildbach.“
Parallelen in der heutigen Zeit
11 Jehova prüfte zweifellos das Herz derjenigen, die an den Festen in Israel teilnahmen, und verwarf ihr Feiern und ihre Opfer. Genauso verwirft er heute die heidnischen Feste der Christenheit wie zum Beispiel Weihnachten und Ostern. Für Anbeter Jehovas gibt es keine Gemeinschaft zwischen Gerechtigkeit und Gesetzlosigkeit, keine Teilhaberschaft von Licht an Finsternis (2. Korinther 6:14-16).
12 In der Religionsausübung der Christenheit finden wir noch weitere Entsprechungen zu der der israelitischen Kälberanbeter. Für einige Namenchristen ist Gottes Wort zwar die Wahrheit, aber die Anbetung der Christenheit an sich beruht nicht auf echter Liebe zu Gott. Wäre das der Fall, würde die Christenheit darauf bestehen, Jehova „mit Geist und Wahrheit“ anzubeten, weil das die Art der Anbetung ist, die er für richtig befindet (Johannes 4:24). Außerdem kann von der Christenheit nicht gesagt werden, dass ‘sich das Recht einherwälzt wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein beständig fließender Wildbach’. Stattdessen spielt die Christenheit Gottes sittliche Forderungen fortwährend herunter. Sie duldet Hurerei und andere schwere Sünden und geht sogar so weit, homosexuelle Lebensgemeinschaften zu segnen.
„Liebt das Gute“
13 Allen, die Jehova auf annehmbare Weise anbeten möchten, sagt er: „Hasst das Böse, und liebt das Gute“ (Amos 5:15). Liebe und Hass sind starke Gefühlsregungen, die aus dem sinnbildlichen Herzen kommen. Das Herz ist verräterisch; daher müssen wir alles in unserer Macht Stehende tun, um es zu schützen (Sprüche 4:23; Jeremia 17:9). Würden wir im Herzen sündhafte Begierden hegen, könnte es so weit kommen, dass wir das Schlechte lieben und das Gute hassen. Und wer seinen Begierden nachgibt und unentwegt Sünde treibt, wird auch durch noch so großen Eifer nicht wieder in Gottes Gunst gelangen. Bitten wir daher Gott um Hilfe, das Böse zu hassen und das Gute zu lieben.
14 Nicht alle Israeliten taten damals, was schlecht war in Jehovas Augen. Hosea und Amos liebten zum Beispiel das Gute und dienten Gott treu als Propheten. Andere legten das Nasiräatsgelübde ab. Für die Dauer ihres Nasiräats verzichteten sie auf Erzeugnisse des Weinstocks, vor allem auf Wein (4. Mose 6:1-4). Wie betrachteten die anderen Israeliten das aufopferungsvolle Leben solcher Menschen und ihr Bemühen, Gutes zu tun? Die schockierende Antwort auf diese Frage offenbart, wie schlecht es mittlerweile um die Anbetung im Land bestellt war. In Amos 2:12 heißt es: „Ihr . . . gabt den Nasiräern ständig Wein zu trinken, und den Propheten erlegtet ihr einen Befehl auf, indem ihr spracht: ‚Ihr sollt nicht prophezeien.‘ “
15 Die vorbildliche Treue der Nasiräer und der Propheten hätte die Israeliten beschämen und sie veranlassen sollen, sich zu ändern. Stattdessen waren sie so lieblos, dass sie die Treuen davon abzubringen suchten, Gott zu verherrlichen. Fordern wir aufopferungsvolle Pioniere, reisende Aufseher, Missionare oder Mitglieder der Bethelfamilie niemals auf, den Vollzeitdienst einfach dafür aufzugeben, wieder ein so genannt normales Leben zu führen. Ermuntern wir sie vielmehr, ihre gute Arbeit fortzusetzen.
16 Viele Israeliten standen sich materiell gesehen zwar gut, doch waren sie ‘nicht reich Gott gegenüber’ (Lukas 12:13-21). Ihre Vorfahren hatten in der Wildnis 40 Jahre lang nur Manna gegessen. Sie taten sich nicht an einem an der Krippe gemästeten Stier gütlich und rekelten sich nicht träge auf Ruhebetten aus Elfenbein. Dennoch hatte Moses ihnen zu Recht gesagt: „Jehova, dein Gott, hat dich in allem Tun deiner Hand gesegnet. . . . Diese vierzig Jahre ist Jehova, dein Gott, mit dir gewesen. Es hat dir an nichts gefehlt“ (5. Mose 2:7). Ja, die Israeliten hatten in der Wildnis stets das, was sie wirklich benötigten. Und vor allem genossen sie Gottes Liebe, Schutz und Segen.
17 Jehova erinnerte die Zeitgenossen des Amos daran, dass er ihre Vorfahren in das Land der Verheißung gebracht und ihnen geholfen hatte, alle ihre Feinde aus dem Land zu vertreiben (Amos 2:9, 10). Aber warum hatte denn Jehova jene Israeliten aus dem Land Ägypten hinausgeführt und in das Land der Verheißung gebracht? Etwa um ein Leben in Müßiggang und Luxus zu führen und ihren Schöpfer zu verwerfen? Geschah es nicht, damit sie als freies und geistig reines Volk Jehova anbeten konnten? Aber die Bevölkerung des Zehnstämmereiches Israel hasste nicht das Böse und liebte nicht das Gute, sondern gab geschnitzten Bildern die Ehre und nicht Jehova Gott. Wie beschämend!
Jehova hält Abrechnung
18 Gott sah keineswegs über das schändliche Verhalten der Israeliten hinweg. Er machte seinen Standpunkt deutlich und sagte: „Ich [werde] Abrechnung halten mit euch wegen all eurer Vergehungen“ (Amos 3:2). Jene Worte sollten uns an unsere eigene Befreiung aus der Sklaverei im neuzeitlichen Ägypten — dem gegenwärtigen bösen System der Dinge — erinnern. Jehova hat uns die geistige Freiheit nicht geschenkt, damit wir nach selbstsüchtigen Zielen streben. Stattdessen sollten wir ihn als freies Volk von ganzem Herzen lobpreisen und die reine Anbetung ausüben. Jeder von uns wird sich dafür verantworten müssen, wie er die von Gott erhaltene Freiheit gebraucht (Römer 14:12).
19 Die eindringliche Botschaft des Amos wurde von den meisten in Israel leider nicht beachtet. Mit folgenden Worten, die wir in Amos 4:4, 5 lesen, deckt der Prophet ihre verderbte Herzenseinstellung auf: „Kommt nach Bethel, und begeht Übertretung. Zu Gilgal begeht vielfach Übertretung . . ., denn so habt ihr es geliebt, o Söhne Israels.“ Die Israeliten hatten keine rechten Wünsche entwickelt. Sie hatten ihr Herz nicht behütet. Daher waren die meisten von ihnen dazu übergegangen, das Böse zu lieben und das Gute zu hassen. Jene Kälberanbeter wollten sich nicht ändern. Jehova würde Abrechnung halten, und sie sollten als Sünder sterben.
20 Für jemand, der damals lebte, dürfte es nicht einfach gewesen sein, Jehova treu zu bleiben. Es ist nicht leicht, gegen den Strom zu schwimmen, wie heutige Christen, ob jung oder alt, nur zu gut wissen. Aber die Liebe zu Gott und der Wunsch, ihm zu gefallen, veranlasste einige Israeliten dazu, die wahre Anbetung auszuüben. An sie ließ Jehova die herzliche Einladung ergehen, die in Amos 5:4 aufgezeichnet ist: „Sucht nach mir, und bleibt am Leben.“ Auch heute erweist Gott denen Barmherzigkeit, die bereuen und nach ihm suchen, indem sie aus seinem Wort genaue Erkenntnis in sich aufnehmen und dann seinen Willen tun. So zu handeln ist nicht leicht, aber es führt zu ewigem Leben (Johannes 17:3).
Wohlfahrt trotz geistiger Hungersnot
21 Was erwartete diejenigen, die die wahre Anbetung nicht unterstützten? Hungersnot der schlimmsten Art — geistige Hungersnot! „Es kommen Tage“, sagte der Souveräne Herr Jehova, „und ich will einen Hunger in das Land senden, einen Hunger, nicht nach Brot, und einen Durst, nicht nach Wasser, sondern die Worte Jehovas zu hören“ (Amos 8:11). Die Christenheit wird gegenwärtig von solch einer geistigen Hungersnot heimgesucht. Doch gerecht gesinnte Menschen unter ihnen können die geistige Wohlfahrt des Volkes Gottes sehen und strömen ständig in Jehovas Organisation. Mit treffenden Worten beschreibt Jehova den Gegensatz zwischen der Situation der Christenheit und der von Gottes Dienern: „Siehe! Meine eigenen Knechte werden essen, ihr selbst aber werdet hungern. Siehe! Meine eigenen Knechte werden trinken, ihr selbst aber werdet dürsten. Siehe! Meine eigenen Knechte werden sich freuen, ihr selbst aber werdet Schande erleiden“ (Jesaja 65:13).
22 Schätzen wir persönlich als Diener Jehovas all das, womit er uns geistig stärkt und segnet? Wenn wir die Bibel und unsere Publikationen studieren sowie unsere Zusammenkünfte und Kongresse besuchen, ist uns tatsächlich zum Jubeln zumute wegen unseres guten Herzenszustands. Wir freuen uns über unser klares Verständnis des Wortes Gottes, einschließlich der von Gott inspirierten Prophezeiung des Amos.
23 Die Prophezeiung des Amos enthält für alle, die Gott lieben und ihn verherrlichen möchten, eine hoffnungsvolle Botschaft. Ganz egal, wie unsere wirtschaftliche Situation momentan aussieht oder welche Belastungen wir in dieser von Problemen geschüttelten Welt haben — wir, die wir Gott lieben, haben den Segen Gottes und die beste geistige Speise (Sprüche 10:22; Matthäus 24:45-47). Alle Ehre dafür gebührt Gott, der uns alles reichlich schenkt. Deshalb sollten wir entschlossen sein, ihn bis in alle Ewigkeit von Herzen zu preisen. Diese Freude wird uns gewährt, wenn wir Jehova suchen, der das Herz prüft.
EIN Zeuge für Jehova stand in seiner Tätigkeit unvermutet einem Priester gegenüber. Der Priester forderte ihn lautstark auf, mit dem Predigen aufzuhören und aus der Gegend zu verschwinden. Wie verhielt sich dieser Diener Jehovas daraufhin? Kam er der Aufforderung nach, oder verkündigte er Gottes Wort mutig weiter? Das lässt sich leicht herausfinden, weil dieser Zeuge sein Erlebnis in einem Buch festhielt, das seinen Namen trägt. Es handelt sich um das Bibelbuch Amos. Bevor wir auf diese Begegnung mit dem Priester näher eingehen, wollen wir etwas mehr über Amos selbst erfahren.
2 Wer war Amos? Wann und wo lebte er? Die Antworten auf diese Fragen finden wir in Amos 1:1: „Die Worte des Amos, der sich unter den Schafzüchtern aus Tekoa befand, . . . in den Tagen Usijas, des Königs von Juda, und in den Tagen Jerobeams, des Sohnes des Joas, des Königs von Israel.“ Amos lebte in Juda. Sein Heimatort war Tekoa, etwa 16 Kilometer südlich von Jerusalem. Er lebte gegen Ende des 9. Jahrhunderts v. u. Z., als König Usija in Juda herrschte und Jerobeam II. König des Zehnstämmereiches Israel war. Amos war ein Schafzüchter. Aus Amos 7:14 geht jedoch hervor, dass er nicht nur „ein Viehhirt“, sondern auch ein „Maulbeerfeigenritzer“ war. Einen Teil des Jahres arbeitete er also als Saisonarbeiter und ritzte oder schnitt Feigen ein. Diese Arbeit beschleunigte den Reifeprozess der Früchte. Es war eine mühselige Tätigkeit.
„Geh, prophezeie“
3 Amos sagte ganz offen: „Ich war kein Prophet, noch war ich der Sohn eines Propheten“ (Amos 7:14). Er war weder als Sohn eines Propheten geboren worden, noch war er zum Propheten ausgebildet worden. Dennoch wählte Jehova ihn aus der ganzen Bevölkerung Judas für sein Werk aus. Keinem mächtigen König, keinem gebildeten Priester und keinem reichen Vorsteher übertrug er damals diesen Auftrag. Welch ein tröstlicher Gedanke für uns! Wir persönlich haben vielleicht keine einflussreiche weltliche Stellung oder umfassende Bildung. Sollten wir uns aber deshalb für unbefähigt halten, Gottes Wort zu predigen? Keinesfalls! Jehova kann uns befähigen, selbst in schwierigen Gebieten seine Botschaft zu verkündigen. Genau das tat er im Fall des Amos. Deshalb ist es für uns alle, die wir Gottes Wort mit Freimut verkündigen möchten, lehrreich, das Beispiel dieses mutigen Propheten zu betrachten.
4 Jehova beauftragte Amos: „Geh, prophezeie meinem Volk Israel“ (Amos 7:15). Das war keine leichte Aufgabe. Im Zehnstämmereich Israel herrschte Frieden und Sicherheit. Dem Volk ging es gut. Einige hatten „Winterhäuser“ und zusätzlich „Sommerhäuser“; diese waren nicht aus gewöhnlichen Ziegelsteinen gebaut, sondern aus teurem „behauenem Stein“. Manche besaßen elegante Möbel mit Einlegearbeiten aus Elfenbein, und sie tranken Wein, dessen Trauben in „begehrenswerten Weingärten“ heranreiften (Amos 3:15; 5:11). Das führte dazu, dass viele selbstgefällig waren. Das Gebiet, in dem Amos wirkte, glich in vielerlei Hinsicht tatsächlich den Gegenden, in denen viele von uns heute predigen.
5 Natürlich war gegen materiellen Besitz an sich nichts einzuwenden. Doch einige Israeliten häuften durch unehrliche Methoden Reichtum auf. Den Reichen galt der Vorwurf, „die Geringen [zu] übervorteilen“ und „die Armen [zu] zertreten“ (Amos 4:1). Einflussreiche Händler und Priester machten mit Richtern gemeinsame Sache, um sich an den Armen zu bereichern. Werfen wir einen Blick in die Vergangenheit und beobachten wir diese Männer bei ihrem Treiben.
Sie übertraten Gottes Gesetz
6 Gehen wir zuerst auf den Marktplatz. Dort haben unehrliche Händler „das Epha klein“ und „den Schekel groß“ gemacht und verkaufen sogar ‘lauter Abfall’ als Getreide (Amos 8:5, 6). Die Händler betrügen ihre Kunden, was die Warenmenge, den Preis und die Qualität betrifft. Nachdem sie die Armen so weit ausgebeutet haben, dass sie völlig ruiniert sind, müssen sich diese Unglücklichen als Sklaven verkaufen. Dann kaufen die geldgierigen Händler einen Armen „für den Preis von einem Paar Sandalen“ (Amos 8:6). Das muss man sich einmal vorstellen! Ihre eigenen israelitischen Landsleute waren ihnen nicht mehr wert als bloßes Schuhwerk! Welch eine niederschmetternde Demütigung für die Bedürftigen! Und welch eine grobe Verletzung des Gesetzes Gottes! Aber dieselben Händler halten den „Sabbat“ ein (Amos 8:5). Sie sind zwar religiös, aber nur nach außen hin.
7 Wieso kamen die Händler ungestraft davon, wenn doch Gottes Wort gebietet: „Du sollst deinen Mitmenschen lieben wie dich selbst“ (3. Mose 19:18)? Es gelang ihnen, weil die Richter — also diejenigen, die dem Recht Geltung verschaffen sollten — ihre Komplizen waren. Am Stadttor, wo Rechtsangelegenheiten verhandelt wurden, nahmen die Richter „Schweigegeld“ und wiesen die Armen ab. Statt sie zu schützen, ließen sie sie gegen Bestechung im Stich (Amos 5:10, 12). So ignorierten auch die Richter das Gesetz Gottes.
8 Welche Rolle spielten währenddessen die Priester in Israel? Um das herauszufinden, müssen wir uns einem anderen Schauplatz zuwenden. Beachten wir, welche Sünden sie „im Haus ihrer Götter“ zuließen. Durch Amos sagte Gott: „Ein Mann und dessen eigener Vater sind zu demselben Mädchen gegangen, um meinen heiligen Namen zu entweihen“ (Amos 2:7, 8). Man stelle sich das vor! Israelitische Väter und Söhne verüben Unsittlichkeit mit ein und derselben Tempelprostituierten. Und jene verderbten Priester waren gegenüber dieser Unmoral blind! (3. Mose 19:29; 5. Mose 5:18; 23:17).
9 Jehova kam noch auf eine andere Sünde zu sprechen: „Auf gepfändeten Kleidern strecken sie sich neben jedem Altar aus; und den Wein derer, denen eine Geldbuße auferlegt worden ist, trinken sie im Haus ihrer Götter“ (Amos 2:8). Die Priester und das Volk im Allgemeinen setzen sich also auch über das geschriebene Gesetz aus 2. Mose 22:26, 27 hinweg, wo es heißt, dass das Kleid, das als Pfand genommen wird, bei Sonnenuntergang zurückgegeben werden muss. Stattdessen benutzten sie es als Decke, auf der sie sich bei Festen zu Ehren falscher Götter ausstreckten und aßen und tranken. Den Wein dazu kauften sie sich von dem Bußgeld, das sie den Armen abnahmen. Wie weit sie doch von der wahren Anbetung abgewichen waren!
10 Schamlos übertraten die Israeliten die beiden größten Gebote des Gesetzes: Jehova zu lieben und ihren Nächsten zu lieben. Durch Amos ließ Jehova sie wegen ihrer Untreue verurteilen. Heute spiegeln die Nationen der Welt — die Nationen der Christenheit eingeschlossen — das korrupte Verhalten des alten Israel wider. Einigen Menschen geht es sehr gut. Andere dagegen sind aufgrund der unmoralischen Praktiken von führenden Persönlichkeiten der Geschäftswelt, der Politik und der falschen Religion finanziell ruiniert und emotionell geschädigt. Aber Jehova sorgt sich um Menschen, die zu leiden haben und sich gedrängt fühlen, ihn zu suchen. Deshalb hat er seine neuzeitlichen Diener beauftragt, eine Tätigkeit gleich der des Amos durchzuführen, nämlich sein Wort freimütig zu verkündigen.
11 Da die Tätigkeit des Amos der unseren gleicht, ist es für uns sehr nützlich, sein Beispiel näher zu betrachten. Amos zeigt uns, 1. was wir verkündigen sollten, 2. wie wir dabei vorgehen sollten und 3. warum Gegner unsere Predigttätigkeit nicht aufhalten können. Betrachten wir diese Aspekte der Reihe nach.
Uns an Amos ein Beispiel nehmen
12 Im Mittelpunkt unseres Dienstes als Zeugen Jehovas steht die Verkündigung des Königreiches und das Jüngermachen (Matthäus 28:19, 20; Markus 13:10). Wie Amos, der erklärte, dass Jehova ein Strafgericht über die Bösen bringen werde, lenken auch wir die Aufmerksamkeit auf Gottes Warnungen. Aus Amos 4:6-11 erfahren wir beispielsweise, dass Jehova Israel wiederholt sein Missfallen ausdrückte. Er ließ „Brotmangel“ über das Volk kommen, hielt den „Regenguss“ zurück, schlug sie mit „Getreidebrand und mit Mehltau“ und mit der „Pest“. Wurde Israel dadurch zur Reue bewogen? „Ihr kehrtet nicht zu mir um“, sagte Gott. Ja, die Israeliten zeigten Jehova immer wieder die kalte Schulter.
13 Jehova bestrafte die reuelosen Israeliten. Doch zuvor erhielten sie eine prophetische Warnung. Das war im Einklang mit Gottes Erklärung: „Der Souveräne Herr Jehova wird kein Ding tun, es sei denn, er habe seine vertrauliche Sache seinen Knechten, den Propheten, geoffenbart“ (Amos 3:7). Jehova hatte einst Noah von der herannahenden Sintflut in Kenntnis gesetzt und ihn beauftragt, eine Warnung erschallen zu lassen. Genauso beauftragte er jetzt Amos, eine letzte Warnung ergehen zu lassen. Bedauerlicherweise ignorierte Israel die göttliche Botschaft und versäumte es, richtig zu handeln.
14 Sicherlich stellen wir zwischen der Zeit des Amos und unserer Zeit auffallende Ähnlichkeiten fest. Jesus Christus sagte für die Zeit des Endes viel Unheil voraus. Außerdem sprach er von einem globalen Predigtwerk (Matthäus 24:3-14). Wie in den Tagen des Amos ignorieren jedoch die meisten Menschen sowohl die Zeichen der Zeit als auch die Königreichsbotschaft. Für solche Menschen wird es jedoch dieselben Folgen haben wie für die reuelosen Israeliten. Jehova ließ Israel sagen: „Mache dich bereit, deinem Gott zu begegnen“ (Amos 4:12). Die Israeliten ‘begegneten Gott’, als sein Strafgericht über sie kam und das assyrische Heer sie besiegte. In unseren Tagen wird die gottlose Welt in Harmagedon ‘Gott begegnen’ (Offenbarung 16:14, 16). Solange Jehova allerdings noch Geduld übt, fordern wir so viele Menschen wie möglich auf: „Sucht Jehova, und bleibt am Leben“ (Amos 5:6).
Wie Amos mit Gegnerschaft fertig werden
15 Wir können Amos nicht nur in dem nachahmen, was er verkündete, sondern uns auch daran ein Beispiel nehmen, wie er es tat. Das wird in Kapitel 7 deutlich, wo wir auf den zu Beginn erwähnten Priester stoßen. Es war „Amazja, der Priester von Bethel“ (Amos 7:10). Bethel war das Zentrum der abtrünnigen Religion Israels, zu der auch die Kälberanbetung gehörte. Amazja war also ein Priester der Staatsreligion. Wie reagierte er auf die freimütigen Äußerungen des Amos?
16 Amazja sagte zu Amos: „O Visionenseher, geh, lauf hinweg in das Land Juda, und dort iss Brot, und dort magst du prophezeien. Aber in Bethel sollst du fortan nicht mehr prophezeien, denn es ist das Heiligtum eines Königs, und es ist das Haus eines Königtums“ (Amos 7:12, 13). Anders ausgedrückt sagte Amazja: „Geh nach Hause! Wir haben unsere eigene Religion.“ Außerdem wollte er die Regierung dazu aufstacheln, die Tätigkeit des Amos zu verbieten. Er sagte zu König Jerobeam II.: „Amos hat sich direkt innerhalb des Hauses Israel gegen dich verschworen“ (Amos 7:10). Ja, Amazja beschuldigte Amos des Landesverrats. Er sagte zum König: „Dies ist, was Amos gesagt hat: ‚Durch das Schwert wird Jerobeam sterben; und was Israel betrifft, es wird ganz gewiss von seinem eigenen Boden hinweg ins Exil gehen‘ “ (Amos 7:11).
17 Mit diesen Worten machte Amazja gleich drei irreführende Aussagen. Zunächst erklärte er: „Dies ist, was Amos gesagt hat.“ Aber Amos hatte nie behauptet, der Urheber der Prophezeiung zu sein. Stets hatte Amos betont: „Dies ist, was Jehova gesprochen hat“ (Amos 1:3). Des Weiteren sollte Amos gesagt haben, Jerobeam werde durch das Schwert sterben. Wie in Amos 7:9 aufgezeichnet, gab er jedoch Jehova mit den Worten wieder: „Ich [Jehova] will gegen das Haus Jerobeams mit einem Schwert aufstehen.“ Das Unheil über „das Haus“ oder die Nachkommenschaft Jerobeams hatte also Gott vorhergesagt. Außerdem sollte Amos gesagt haben, Israel werde ganz gewiss ins Exil gehen. Amos hatte aber auch vorhergesagt, dass jeder Israelit, der zu Jehova umkehren würde, von ihm gesegnet werden würde. Bei Amazjas Äußerungen handelte es sich eindeutig um Halbwahrheiten, mit denen er versuchte, die Tätigkeit des Amos mit einem staatlichen Verbot belegen zu lassen.
18 Ist uns aufgefallen, dass die von Amazja benutzten Methoden denen heutiger Gegner des Volkes Jehovas sehr ähnlich sind? Amazja versuchte, Amos mundtot zu machen. Genauso versuchen heute Priester, Prälaten und Patriarchen die Predigttätigkeit der Diener Jehovas zu verhindern. Amazja klagte Amos fälschlicherweise des Landesverrats an. Genauso grundlos beschuldigen heute Geistliche Jehovas Zeugen, die nationale Sicherheit zu bedrohen. Amazja bat den König um Unterstützung in seinem Kampf gegen Amos. Und Geistliche wenden sich heute bei der Verfolgung von Jehovas Zeugen häufig an ihre Verbündeten in der Politik.
Gegner können unserem Predigtwerk nicht Einhalt gebieten
19 Wie reagierte Amos auf die Gegnerschaft Amazjas? Zuerst fragte Amos den Priester: „Sagst du: ‚Du sollst nicht gegen Israel prophezeien‘?“ Dann äußerte Gottes mutiger Prophet ohne Zögern Worte, die Amazja sicherlich nicht gern hörte (Amos 7:16, 17). Amos ließ sich also nicht einschüchtern. Welch ein nachahmenswertes Beispiel für uns! Wenn es darum geht, Gottes Wort bekannt zu machen, werden wir unserem Gott nicht ungehorsam — auch nicht in den Ländern, wo neuzeitliche Amazjas grausame Verfolgung schüren. Wie Amos erklären wir weiterhin: „Dies ist, was Jehova gesprochen hat.“ Gegner können unserem Predigtwerk niemals Einhalt gebieten, denn „die Hand Jehovas“ ist mit uns (Apostelgeschichte 11:19-21).
20 Amazja hätte eigentlich wissen müssen, dass seine Drohungen nichts bringen würden. Schließlich hatte Amos bereits erklärt, warum ihn niemand auf der Erde zum Schweigen bringen konnte. Und das ist der dritte Aspekt unserer Betrachtung. Gemäß Amos 3:3-8 stellte der Prophet eine Reihe von Fragen und benutzte Veranschaulichungen, um zu zeigen, dass nichts ohne Grund geschah. Dann zeigte er den praktischen Bezug und sagte: „Da ist ein Löwe, der gebrüllt hat! Wer wird sich nicht fürchten? Der Souveräne Herr Jehova selbst hat geredet! Wer wird nicht prophezeien?“ Anders ausgedrückt, teilte Amos seinen Zuhörern mit: „Wenn ihr schon beim Brüllen eines Löwen in Furcht geratet, kann ich mich doch nicht davon zurückhalten, Gottes Wort zu predigen, nachdem Jehova es mir befohlen hat.“ Gottesfurcht oder tiefe Ehrfurcht vor Jehova trieb Amos an, freimütig zu reden.
21 Auch wir hören die Aufforderung Jehovas, zu predigen. Und wie reagieren wir darauf? Wie Amos und die ersten Nachfolger Jesu verkündigen wir mit der Hilfe Jehovas sein Wort mit Freimut (Apostelgeschichte 4:23-31). Weder die von Gegnern angezettelte Verfolgung noch die Selbstzufriedenheit derer, denen wir predigen, bringen uns zum Schweigen. Wir fühlen uns angespornt, weiterhin mit demselben Eifer wie Amos auf der ganzen Welt freimütig die gute Botschaft zu verkündigen. Es ist unsere Verantwortung, die Menschen vor dem kommenden Strafgericht Jehovas zu warnen. Was hat es mit diesem Gericht auf sich? Diese Frage wird im folgenden Artikel beantwortet.
Nehmt euch die Propheten Gottes als Beispiel – Sie erlitten Ungemach
3 Jehovas Propheten erlitten oft Ungemach oder wurden schlecht behandelt. Im neunten Jahrhundert v. u. Z. leistete zum Beispiel der Priester Amazja, ein Kälberanbeter, dem Propheten Amos erbitterten Widerstand. Amazja beschuldigte Amos ungerechtfertigterweise, sich gegen Jerobeam II. verschworen zu haben, weil er prophezeit hatte, daß der König durch das Schwert sterben und Israel ins Exil gehen würde. Verächtlich sagte Amazja zu Amos: „O Visionenseher, geh, lauf hinweg in das Land Juda, und dort iß Brot, und dort magst du prophezeien. Aber in Bethel sollst du fortan nicht mehr prophezeien, denn es ist das Heiligtum eines Königs, und es ist das Haus eines Königtums.“ Unbeeindruckt von diesem verbalen Angriff, antwortete Amos: „Ich war kein Prophet, noch war ich der Sohn eines Propheten; sondern ich war ein Viehhirt und ein Maulbeerfeigenritzer. Und Jehova nahm mich dann hinter der Kleinviehherde weg, und Jehova sagte darauf zu mir: ‚Geh, prophezeie meinem Volk Israel‘ “ (Amos 7:10-15).
4 Jehovas Geist gab Amos die Kraft, mutig zu prophezeien. Stellen wir uns Amazjas Reaktion vor, als Amos sagte: „Höre das Wort Jehovas: ‚Sagst du: „Du sollst nicht gegen Israel prophezeien, und du sollst kein Wort gegen das Haus Isaaks fallenlassen.“? Dies ist daher, was Jehova gesprochen hat: „Was deine Frau betrifft, in der Stadt wird sie eine Prostituierte werden. Und was deine Söhne und deine Töchter betrifft, durch das Schwert werden sie fallen. Und was deinen Boden betrifft, mit dem Meßseil wird er ausgeteilt werden. Und was dich selbst betrifft, auf unreinem Boden wirst du sterben; und was Israel betrifft, es wird ganz gewiß von seinem eigenen Boden hinweg ins Exil gehen.“ ‘ “ Die Prophezeiung erfüllte sich tatsächlich (Amos 7:16, 17). Welch ein Schock für den abtrünnigen Amazja!
5 Jehovas Diener befinden sich heute in einer ähnlichen Situation. Als Verkündiger der Botschaften Gottes erleiden wir Ungemach, und viele Menschen sprechen verächtlich von unserer Predigttätigkeit. Zugegeben, die Befugnis zu predigen hat uns kein theologisches Seminar erteilt. Vielmehr drängt uns Jehovas heiliger Geist, die gute Botschaft vom Königreich zu verkündigen. Wir verändern oder verwässern Gottes Botschaft nicht. Gehorsam wie Amos verkündigen wir sie ungeachtet der Reaktion unserer Zuhörer (2. Korinther 2:15-17).
AMOS ist in Tekoa zu Hause, einer Stadt, die ungefähr 16 km südlich von Jerusalem liegt. Östlich von ihr befindet sich die Wildnis von Judäa mit ihren sanften kahlen Hügeln, die von Tälern und Schluchten durchzogen sind. Während der Regenzeit ist die Gegend nur spärlich bewachsen. Hier arbeitet Amos als einfacher Schafzüchter. Er betätigt sich auch saisonweise als Maulbeerfeigenritzer. Das Einkneifen oder Einritzen der Feigen soll den Reifeprozeß beschleunigen und bewirken, daß die Frucht größer und süßer wird (Amos 1:1; 7:14, 15).
Während Amos die Schafe hütet, wird er aufgefordert, als Prophet Jehovas zu dienen. Von Gottes Geist angetrieben, geht er nordwärts in das Gebiet des Zehnstämmereiches Israel. Amos verkündet mutig eine Botschaft des Untergangs für das Königshaus Jerobeams, des Sohnes Joas, und sagt auch Israels Exil voraus (Amos 6:7; 7:9, 11).
In Bethel, einem Zentrum der Kälberanbetung, wird der götzendienerische Priester Amazja durch das Prophezeien des Amos sehr belästigt. Er will Jehovas Prophet mit folgenden Worten einschüchtern: „O Visionenseher, geh, lauf hinweg in das Land Juda, und dort iß Brot, und dort magst du prophezeien. Aber in Bethel sollst du fortan nicht mehr prophezeien, denn es ist das Heiligtum eines Königs, und es ist das Haus eines Königtums“ (Amos 7:12, 13).
Durch Gottes Geist ermutigt, steht Amos seinen Mann. „Ich war kein Prophet, noch war ich der Sohn eines Propheten“, entgegnet er, „sondern ich war ein Rinderhirt und ein Maulbeerfeigenritzer. Und Jehova nahm mich dann hinter der Kleinviehherde weg, und Jehova fuhr fort, zu mir zu sprechen: ,Geh, prophezeie meinem Volk Israel.‘ “ Dann kündigt er Amazja das Gericht an, das über ihn kommen soll, weil er Gottes Botschaft widerstanden hat: „Was deine Frau betrifft, in der Stadt wird sie eine Prostituierte werden [indem sie von Soldaten der erobernden Streitmacht vergewaltigt wird]. Und was deine Söhne und deine Töchter betrifft, durch das Schwert werden sie fallen. Und was deinen Erdboden betrifft, durch das Meßseil wird er ausgeteilt werden [durch diejenigen, die das Land besetzen werden]. Und was dich selbst betrifft, auf unreinem Erdboden [außerhalb des Landes Israel] wirst du sterben“ (Amos 7:14-17).
Dadurch, daß Amos im 9. Jahrhundert v. u. Z. als Jehovas Prophet auserwählt wurde, wird deutlich veranschaulicht, daß der Allmächtige nicht auf die Weisen der Welt angewiesen ist, um sein Werk durchzuführen. Auch heute befindet es Gott für gut, sich demütiger Menschen zu bedienen, die sich gern von seinem Geist leiten lassen. Wie furchtlos haben sie doch seinen Namen und sein Königreich verkündet! Auf diese Weise werden die Weisen beschämt. Jehova Gott beweist so, daß er von ihrer Weisheit nicht abhängig ist. Ihre Fähigkeiten, auf die sie stolz sind, erweisen sich als wertlos (1. Kor. 1:26-31).
Amos vermittelt Verständnis über Katastrophen und Unglücke
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WÄHREND Arbeiter aus der vom Erdbeben zerstörten Kirche in Balvano (Italien) Leichen bargen, rief der Priester Salvatore Pagliocchi in seiner Verzweiflung aus: „Wie kann ich diesen Leuten klarmachen, daß es Gottes Beschluß war, ihre Angehörigen während einer Messe zu sich zu nehmen?“ (Daily Post, Liverpool, 25. November 1980).
Hast du nicht auch festgestellt, daß viele Menschen der Auffassung sind, Gott sei für die heutigen Katastrophen und Unglücke verantwortlich? Aus der Bibel geht indes hervor, daß die vielen Überschwemmungen, Waldbrände, Erdbeben und anderen derartigen Katastrophen nicht dem Mutwillen des Gottes der Liebe zuzuschreiben sind (1. Joh. 4:8). Oft handelt es sich um unberechenbare Auswirkungen von Naturkräften. Doch dem Menschen bleibt eine gewisse Verantwortung nicht erspart, da er in überschwemmungsgefährdeten Ebenen oder erdbebenanfälligen Gebirgslandschaften Städte baut.
Allerdings wurden Katastrophen — auch Erdbeben, die viele Todesopfer fordern — in der Bibel für unsere Zeit vorhergesagt. Gott verursacht diese Ereignisse zwar nicht, doch hat er ihr Auftreten prophezeit. Das kleine Bibelbuch Amos vermittelt uns einen Einblick in Gottes Fähigkeit, bevorstehende Unglücke vorherzusagen, und enthält einige für uns zeitgemäße Warnungen, die wir beachten sollten.
Amos war ein Hebräer und lebte in Tekoa, einem Städtchen, das etwa 15 km südlich von Jerusalem lag. Daß er als ein Prophet in Frage kam, der eine Gerichtsbotschaft ausrichten sollte, mag sehr unwahrscheinlich erschienen sein. Warum?
Einige Männer konnten sich darauf berufen, daß ihr Vater ein Prophet war oder daß sie zu einer Gemeinschaft gehörten, die als „die Söhne der Propheten“ bekannt war (2. Kö. 2:3; 4:1). Nicht so Amos. Auf die Herausforderung eines einflußreichen Priesters im Nordreich entgegnete Amos:
„Ich war kein Prophet, noch war ich der Sohn eines Propheten; sondern ich war ein Rinderhirt [„Viehhirt“, Elberfelder Bibel] und ein Maulbeerfeigenritzer. Und Jehova nahm mich dann hinter der Kleinviehherde weg, und Jehova fuhr fort, zu mir zu sprechen: ,Geh, prophezeie meinem Volk Israel‘ “ (Amos 7:14, 15).
Amos war also kein wohlhabender Herden- oder Landbesitzer. Er war ein einfacher Arbeiter, der sich auf den Weidegründen Judas um Schafe kümmerte und in der Saison eine minderwertige Art Feigen ritzte, damit sie süßer wurden. Doch wenn auch Amos’ Herkunft nicht beeindruckend war, so war es doch gewiß seine Botschaft, die er unter der Leitung Jehovas verkündete.
Er prophezeite irgendwann zwischen den Jahren 829 und 803 v. u. Z., als im Nordreich Israel Jerobeam II. und im Südreich Juda Usija herrschte. Wie Amos sagte, hatte er die Vision „zwei Jahre vor dem Erdbeben“ (Amos 1:1). Der Geschichtsschreiber Josephus berichtet, daß sich ein Erdbeben ereignete, als Usija sich erkühnte, im Heiligen des Tempels Jehovas Räucherwerk darzubringen. Doch das Erdbeben, das Amos erwähnte und das so stark war, daß auch Sacharja noch davon sprach, scheint sich zu einer früheren Zeit während der Herrschaft Usijas ereignet zu haben (2. Chron. 26:16 bis 27:1; Sach. 14:5).
Amos wurde in einer Zeit Prophet, in der allem Anschein nach Ruhe eingekehrt war und alles gutging. Im Süden hatte Usija mit Gottes Unterstützung militärische Erfolge errungen. Auch im Nordreich schien Sicherheit zu herrschen. Jerobeam hatte Israels Grenzen wieder auf ihren früheren Stand ausgedehnt, und von der Kriegsmaschinerie der Assyrer, die Syrien angegriffen hatte, wurde Israel anscheinend noch nicht bedroht (2. Kö. 14:23-28).
KORRUPTION BESCHWÖRT UNHEIL HERAUF
Doch die Lage war insgesamt nicht so angenehm und verheißungsvoll, wie es schien. Israel wurde von einem Unheil bedroht, insbesondere durch die Assyrer. Jehova Gott erwählte Amos und sandte ihn aus der Einsamkeit Judas in das Nordreich Israel, damit er eine Gerichtsbotschaft verkünde.
Liest man das kurze Buch Amos, so erlangt man eine gewisse Vorstellung von den Verhältnissen in Israel, die Jehova veranlaßten, Amos dorthin zu senden. Kurz gesagt, herrschten Wohlfahrt und Ausschweifung.
Die Sorglosigkeit und der Wohlstand vieler Israeliten bestimmten sie für das Gericht. Die Reichen lebten in ausgesprochenem Luxus. Man hatte Sommerhäuser und Winterhäuser, von denen einige aus kostbaren behauenen Steinen gebaut waren. Archäologische Funde haben den Bericht des Amos bestätigt, daß die Wohlhabenden über Ruhebetten verfügten, die mit Elfenbeineinlagen oder -schmuck reich verziert waren. Sie tranken den edelsten Wein und verwöhnten sich in zügelloser Weise mit den auserlesensten Ölen und Speisen (Amos 3:12, 15; 5:11; 6:4, 6).
Wie erlangten diese wohlhabenden Israeliten ihren Reichtum, und wie hielten sie ihn zusammen? Durch Ungerechtigkeit, Unterdrückung und andere üble Praktiken. In ihrer Selbstsucht betrogen sie die Armen, indem sie ihnen beim Verkauf von Getreide ein geringeres Maß (zudem noch schlechte oder minderwertige Qualität) gaben und trügerische Gewichte benutzten. Sie zögerten nicht, Arme wegen geringer Schulden in die Sklaverei zu verkaufen, noch gaben sie den Armen Kleidungsstücke zurück, die diese als Pfand gegeben hatten, aber wieder benötigten (Amos 2:6, 8; 8:4-6).
Ihre Mißachtung des Weges Gottes kam aber auch noch durch vieles andere zum Ausdruck. Vater und Sohn hatten Geschlechtsbeziehungen mit ein und derselben Frau. Die Reichen müssen es in Anbetracht ihrer luxuriösen, sinnlichen Lebensweise als einen Tadel empfunden haben, daß sich die Nasiräer des Weins enthielten. Aus diesem Grund versuchten sie, die Lauterkeit der Nasiräer zu brechen. Der reine Gott haßte deswegen die Heuchelei, mit der die Reichen den Zehnten gaben, Opfer darbrachten und rituelle Feste feierten (Amos 2:7, 11, 12; 4:4, 5; 5:21).
Gott antwortete auf den religiös-sittlichen Verfall Israels, indem er Amos mit der Botschaft über das drohende Unheil sandte. Doch Amos hatte auch Worte des Trostes und der Hoffnung.
DIE UNHEILVOLLE BOTSCHAFT DES AMOS
Das Buch beginnt mit Urteilen über Nachbarnationen. Damaskus (Syrien), Gasa (Philistäa), Tyrus, Edom, Ammon und Moab haben Gottes Volk mitunter so schlecht behandelt, daß es dem menschlichen Gewissen hohnspricht. Die Vorschau auf das Gericht schließt Juda ein. Was zeigt sie? Wenn alle diese Nachbarnationen ein Gericht zu erwarten haben, wie könnte dann Israel hoffen zu entrinnen, da seine Schuld aufgrund der Mißachtung dessen, was Gott für dieses Volk getan hat, noch größer ist? (Amos 1:1 bis 2:16).
Jede Wirkung hat eine Ursache, und der Umstand, daß Amos prophezeit, ist Jehova zuzuschreiben; Amos würde sich fürchten, nicht zu prophezeien (Amos 3:1-8). Er erwähnt zwar Assyrien nicht, doch versichert er den Israeliten, daß ein Feind gegen die vergnügungssüchtige Nation heranrücken werde (Amos 3:9-15). Israel ist nicht auf Gottes Zurechtweisungen eingegangen. Deshalb sagt Amos warnend: „Mache dich bereit, deinem Gott zu begegnen.“ Ja, die Israeliten sollten ihre Fehler erkennen und sich ändern. Sonst wird der Schöpfer dafür sorgen, daß Unheil über sie kommt (Amos 4:1-13).
Doch die Israeliten werden nicht auf den gütigen Aufruf hören: „Suchet Jehova, und bleibt am Leben.“ Sie werden die Aufforderung „Haßt das Böse und liebt das Gute“ nicht befolgen. Daher kommt der schreckliche „Tag Jehovas“ mit Sicherheit. Gott sagt durch Amos voraus, daß die Israeliten ins Exil gehen werden. Das traf ein; die Assyrer überrannten sie und führten Gefangene weg (2. Kö. 17:1-6). Israel ließ die von Amos erteilte Rüge außer acht und mußte deshalb die Vernichtung erleiden, die der Prophet vorhergesagt hatte (Amos 5:1 bis 6:14).
In einer Reihe anschaulicher Aussprüche zeigt Amos, daß das Ende Israels herannaht. Die zu erwartende Verwüstung sollte einer Verheerung gleichen, die ein gefräßiger Heuschreckenschwarm anrichten könnte oder ein Feuer, das sogar Wasser verzehrt. In beiden Fällen legt Amos Fürsprache ein. Doch die nächste Vision ist endgültig. Wie ein Maurer, der die Geradheit einer Mauer mit einem Senkblei überprüfen kann, so stellt Gott fest, daß Israel nicht mehr rechtschaffen ist, sondern die Verwüstung verdient. Amazja, ein Priester, der bei der Kälberanbetung dient, beschuldigt Amos des Hochverrats und befiehlt ihm, nach Juda zurückzukehren. Doch Amos bleibt standhaft und sagt sogar das Gericht an Amazja voraus (Amos 7:1-17).
Früchte werden am Ende der Reifezeit eingesammelt; so ist auch das Ende Israels nahe. Jehova schwört bei sich selbst, daß er das Volk zur Rechenschaft ziehen wird. Wenn die Urteilsvollstreckung kommt, werden die Israeliten ein Wort von Gott erwarten, doch es wird zu spät sein. Niemand wird entrinnen, selbst dann nicht, wenn man sich in den Höhlen des Karmel verbergen würde (Amos 8:1 bis 9:7).
Gott wird das Land erschüttern, als ob Israel keine ihm hingegebene Nation sei. Aber die Lage ist nicht hoffnungslos. Einige der Nachkommen Jakobs sollten bewahrt werden. Und sie wurden bewahrt. Sowohl Angehörige Israels als auch Judas kehrten 537 v. u. Z. aus der Gefangenschaft zurück (Amos 9:8-10, 13-15).
Noch trostreicher ist Amos’ Vorhersage über die Wiederaufrichtung der „Hütte Davids“. Im Jahre 49 u. Z. zitierte der Jünger Jakobus diesen Teil der Prophezeiung des Amos. Es gab inzwischen einen gesalbten voraussichtlichen König aus der Linie Davids: Jesus Christus. Durch die Einsammlung christlicher Jünger — Juden und Nichtjuden —, die Mitherrscher mit Jesus sein sollten, erfüllten sich die Worte aus Amos 9:11, 12 auf wunderbare Weise (Apg. 15:13-18).
KATASTROPHEN IN UNSERER ZEIT
Wie Amos in der Lage war, vorauszusagen, was über Israel kommen sollte, so konnte Jesus Christus internationale Entwicklungen der heutigen Zeit vorhersagen. Zwar verursacht weder Jehova, der liebevolle Gott, noch sein Sohn Kriege, Lebensmittelknappheit und Erdbeben, doch durch diese Katastrophen, die seit dem Ersten Weltkrieg eingetreten sind, erfüllt sich Jesu Prophezeiung über den „Abschluß des Systems der Dinge“ (Matth. 24:3-12). Interessanterweise sagte der Chef des U.S. Geological Survey’s Office of Geochemistry and Geophysics nach der Katastrophe, die sich im November 1980 in der Nähe von Neapel (Italien) ereignete: „Es gibt einige Hinweise, daß sowohl die Vulkan- als auch die Erdbebentätigkeit weltweit zunimmt.“
Wir haben bestimmt guten Grund, Jesu Warnung zu beherzigen, auf der Hut zu sein und uns nicht in ein luxuriöses Leben verstricken zu lassen wie die Israeliten in den Tagen des Amos. Die Tatsachen beweisen, daß das „Ende“ des gegenwärtigen verderbten Systems der Dinge nahe ist. Deshalb sollten wir ‘beharrlich wachen’ (Matth. 24:14, 36-44; Amos 5:14).
„MACHE dich bereit, deinem Gott zu begegnen“, sagte „Jehova, der Gott der Heerscharen“, zur Nation Israel (Amos 4:12, 13). Weshalb? Vom Wohlstand geblendet, hatten die Israeliten sein Gesetz vergessen und sich der Verunreinigung seines heiligen Landes durch Götzendienst, Unmoral, Blutvergießen und Gewalttat schuldig gemacht.
Amos wurde zum Propheten erweckt, um eine Warnungsbotschaft zu übermitteln, und zwar nicht nur seiner eigenen Nation Juda, sondern insbesondere dem nördlichen Königreich Israel. Er verurteilte Israel wegen seiner zügellosen Lebensweise und prophezeite das Ende dieses Königreiches durch die Hände feindlicher Nationen. Das Buch Amos, das irgendwann zwischen 829 v. u. Z. und 804 v. u. Z. geschrieben wurde, vermittelt uns einen Einblick in Gottes Fähigkeit, Unglücke vorherzusagen, und enthält einige zeitgemäße Warnungen.
Feurige Vernichtung der Feinde Gottes
Niemand kann Gottes Gerichten entrinnen. Wie wahr dies doch im Falle von Damaskus (Syrien), Gasa (Philistäa) und Tyrus sowie von Edom, Ammon, Moab und Juda war! Wegen ihrer Verfehlungen würde Jehova seine Hand ‘nicht von ihnen abwenden’. Eigentlich diente die Vorhersage ihres Unglücks nur dazu, das Gericht zu betonen, das Israel bevorstand, weil es seinen Bund mit Gott nicht gehalten und Gottes Gesetze vergessen hatte (Amos 1:1 bis 2:16).
Beachte Gottes Warnung. „Nur euch habe ich erkannt von allen Familien des Erdbodens“, sagte Jehova zu den Israeliten (Amos 3:2). Doch ihre sündige Handlungsweise verriet Geringschätzung gegenüber dem Namen und der Souveränität Gottes. Viele waren entschlossen, reich zu werden, indem sie auf Kosten ihrer Brüder in sinnlosem Luxus lebten und ein „Winterhaus zusätzlich zum Sommerhaus“ hatten (Amos 3:15). Mit trügerischen Gewichten betrogen sie die Armen. Da sie die wahre Anbetung aufgegeben hatten, verdienten sie es, von Jehova bestraft zu werden. Aber ‘Jehova würde kein Ding tun, es sei denn, er würde es seinen Dienern offenbaren’. Deshalb sagte Amos Jehovas Gerichte voraus und forderte sie auf: „Mache dich bereit, deinem Gott zu begegnen“ (Amos 3:1 bis 4:13).
Jehova ist Rettung
Gott wird denen Barmherzigkeit erweisen, die bereuen. „Sucht nach mir, und bleibt am Leben“, lautete Jehovas Aufruf an die Israeliten (Amos 5:4). „Haßt das Böse, und liebt das Gute“ (Amos 5:15). Solche Worte wurden jedoch ignoriert. Abtrünnige gingen lieber nach Bethel und Gilgal, den Zentren des Götzendienstes, und brachten dort falschen Göttern Opfer dar (Amos 5:26; 1. Könige 12:28-30). Auf reichverzierten Ruhebetten aus Elfenbein tranken selbstgefällige Übeltäter edelsten Wein und verwöhnten sich mit den auserlesensten Ölen und Speisen (Amos 5:11; 6:4-6). Der „Tag Jehovas“ würde kommen, und Gott hatte „bei seiner eigenen Seele“ Israel Vernichtung geschworen (Amos 5:18; 6:8). Jehova würde eine Nation erwecken, die Israel bedrücken und ins Exil führen sollte (Amos 5:1 bis 6:14).
Fürchte Jehova, nicht Gegner. Die Vernichtung Israels hätte durch einen Heuschreckenschwarm oder durch ein alles verzehrendes Feuer herbeigeführt werden können. Amos legte aber für Israel Fürsprache bei Gott ein, und Jehova „empfand Bedauern“ über sein Gericht. Daher wurde es nicht auf diese Weise vollstreckt. Doch wie ein Maurer, der mit einem Senkblei die Senkrechte einer Mauer überprüft, würde Jehova Israel „fernerhin nicht mehr entschuldigen“ (Amos 7:1-8). Die Nation mußte verwüstet werden. Über die Botschaft des Propheten erbost, beschuldigte ihn Amazja, ein Priester der Kälberanbetung, zu Unrecht des Verrats und befahl ihm, ‘in das Land Juda zu laufen und nicht mehr in Bethel zu prophezeien’ (Amos 7:12, 13). Verkroch sich Amos? Nein. Furchtlos sagte er den Tod Amazjas und Unglück für dessen Familie voraus. Wie zur Erntezeit die Früchte eingesammelt werden, so war es für Jehova an der Zeit, mit Israel abzurechnen. Es würde kein Entrinnen geben (Amos 7:1 bis 8:14).
Hoffnung besteht für diejenigen, die auf Jehova vertrauen. „Ich [werde] das Haus Jakob nicht vollständig vertilgen“, sagte Jehova. Für einige der Nachkommen Jakobs bestand immer noch Hoffnung, aber nicht für die Sünder. Ihre Vernichtung war gewiß. Dennoch würde Jehova „die Gefangenen“ des Volkes Israel „zurückkehren lassen“ (Amos 9:1-15).
Die Lehre für uns: Wer sich zu einem Feind Gottes macht, verdient den Tod. Doch jedem, der die göttliche Warnungsbotschaft beachtet und bereut, wird Jehovas Barmherzigkeit zuteil, und er bleibt am Leben. Wenn wir Gott fürchten, werden wir nicht zulassen, daß uns Gegner davon abhalten, seinen Willen zu tun.
BIBELTEXTE NÄHER BELEUCHTET ○ 1:5 — In alter Zeit hatten Städte hohe Mauern mit riesigen Toren.
Um diese Tore zu verschließen, legte man an ihrer Innenseite lange Riegel aus Eisen oder Bronze an. ‘Den Riegel von Damaskus zu zerbrechen’ bedeutete, daß die syrische Hauptstadt vor den Assyrern fallen würde. Es wäre so, als ob ihre Stadttore nicht verschlossen werden könnten, weil ihre Riegel zerbrochen worden wären (2. Könige 16:8, 9).
○ 4:1 — Die den Luxus liebenden Frauen in Samaria wurden als „Kühe Baschans“ bezeichnet.
Baschans vorzügliche Weideplätze waren für die Viehzucht gut geeignet (5. Mose 32:14; Hesekiel 39:18). Die selbstsüchtigen „Kühe Baschans“ drängten ihre „Herren“ oder Männer offensichtlich, Geld von den Armen zu erpressen, damit sie ihre „Elfenbeinhäuser“ füllen konnten (Amos 3:15). Ein solches Verhalten zog jedoch göttliche Strafe nach sich.
○ 4:6 — Die Bedeutung des Ausdrucks „Reinheit der Zähne“ wird durch den Parallelbegriff „Brotmangel“ geklärt.
Der Ausdruck scheint daher auf eine Zeit der Hungersnot Bezug zu nehmen, in der die Zähne rein waren, weil es nichts zu essen gab. Wahrscheinlich hatte Jehova sein Mißfallen über das götzendienerische Zehnstämmereich dadurch zum Ausdruck gebracht, daß er gemäß seiner bereits lange zuvor ergangenen Warnung eine Hungersnot ins Land sandte (5. Mose 28:48). Doch weder diese noch andere Äußerungen des göttlichen Gerichts berührten das Herz des bundbrüchigen Volkes (Amos 4:6, 8-11).
○ 5:2 — Als Amos seine Prophezeiung äußerte, war sowohl das Volk Israel als auch sein Land noch nicht von einer fremden Macht erobert oder überwältigt worden.
Deshalb wurde das Volk als eine Jungfrau dargestellt. In nur wenigen Jahren sollte die Jungfrau Israel an die Assyrer fallen und „ins Exil jenseits von Damaskus gehen“ (Amos 5:27). Amos war sich der Vernichtung Israels wegen der Untreue der Nation so gewiß, daß er dieses Ereignis so beschrieb, als habe es bereits stattgefunden.
○ 7:1 — Mit dem „gemähten Gras des Königs“ war höchstwahrscheinlich die Steuer oder Abgabe gemeint, die der König erhob, um für den Nahrungs- und Futtermittelbedarf seiner Reiter und seiner Tiere zu sorgen.
Die königliche Steuer mußte zuerst entrichtet werden, dann konnte sich das Volk „Gras“ für den eigenen Bedarf nehmen. Doch bevor es dazu in der Lage war, kamen die Heuschrecken und fraßen die Spätsaat.
○ 8:2 — Die Sommerfrüchte wurden gegen Ende der Erntezeit gepflückt.
Das Ende des landwirtschaftlichen Jahres war somit ein Symbol dafür, daß das Ende Israels gekommen war. „Ich werde sie fernerhin nicht mehr entschuldigen“, erklärte Jehova. Die Nation hatte mit der Vollstreckung seines Gerichts zu rechnen.
○ 9:7 — Wegen ihrer treuen Vorväter hatte Jehova die Israeliten auserwählt und ihre Vorfahren aus der ägyptischen Knechtschaft befreit und in das Land Kanaan gebracht.
Sie hatten aber keinen Grund, darauf stolz zu sein, denn wegen ihrer Bosheit standen sie genauso da wie die Kuschiten. (Vergleiche Römer 2:25.) Die Befreiung aus Ägypten bot ihnen ebensowenig eine Gewähr dafür, daß sie bei Gott ständig gut angesehen waren, wie die Tatsache, daß die Philister und die Syrer nicht mehr an ihren früheren Wohnsitzen lebten. Die Abstammung von den treuen Patriarchen würde die Israeliten nicht retten. Von Gott anerkannt zu werden hängt davon ab, daß man sich seinem Willen fügt (Amos 9:8-10; Apostelgeschichte 10:34, 35).
Amos hat eine Botschaft für die Feindnationen rund um Israel sowie für Juda und Israel. Syrien, Philistäa, Tyrus, Edom und Moab erwartet Vernichtung, weil sie Gottes Volk grausam behandelt haben. Den Bewohnern von Juda steht Vernichtung bevor, ‘weil sie das Gesetz Jehovas verworfen haben’ (Amos 2:4). Was ist über das Zehnstämmereich Israel zu sagen? Es hat die Armen ausgebeutet, Unsittlichkeit verübt, Gottes Propheten respektlos behandelt und andere Sünden begangen. Amos macht warnend darauf aufmerksam, dass Jehova „mit den Altären von Bethel Abrechnung halten“ und „das Winterhaus zusätzlich zum Sommerhaus schlagen“ wird (Amos 3:14, 15).
Obwohl die götzendienerischen Israeliten schon mehrmals bestraft wurden, bleiben sie verstockt. Amos ruft Israel auf: „Mache dich bereit, deinem Gott zu begegnen“ (Amos 4:12). Für die Israeliten bedeutet der Tag Jehovas, dass Jehova sie „ins Exil jenseits von Damaskus“, das heißt nach Assyrien, gehen lassen wird (Amos 5:27). Ein Priester von Bethel leistet Amos Widerstand, doch Amos lässt sich nicht beirren. Jehova sagt zu Amos: „Das Ende ist für mein Volk Israel gekommen. Ich werde sie nicht mehr weiterhin entschuldigen“ (Amos 8:2). Weder im Scheol noch auf den Höhen der Berge sind sie vor Gottes Strafgerichten sicher (Amos 9:2, 3). Jehova verheißt jedoch auch eine Wiederherstellung: „Ich will die Gefangenen meines Volkes Israel zurückkehren lassen, und sie werden tatsächlich die verödeten Städte bauen und sie bewohnen und Weingärten pflanzen und den Wein davon trinken und Gärten anlegen und die Frucht davon essen“ (Amos 9:14).
Antworten auf biblische Fragen:
4:1 — Wen stellen die „Kühe Baschans“ dar?
Die Hochebene Baschan östlich des Galiläischen Meeres war für ihren erstklassigen Viehbestand bekannt, unter anderem Kühe. Die saftigen Weiden in der Gegend boten für die Viehzucht gute Vorraussetzungen. Amos sprach von den Luxus liebenden Frauen Samarias als von den Kühen Baschans. Diese Frauen haben bestimmt ihre „Herren“ — ihre Männer — dazu gedrängt, einfache Menschen zu betrügen, damit sie ihrem Hang nach Luxus besser frönen konnten.
4:6 — Worauf deutet der Ausdruck „Reinheit der Zähne“ hin?
Da er parallel zu dem Wort „Brotmangel“ gebraucht wird, könnte er sich auf eine Zeit der Hungersnot beziehen, in der die Zähne mangels Nahrung sauber bleiben.
5:5 — In welchem Sinn sollte Israel ‘nicht nach Bethel suchen’?
Jerobeam hatte in Bethel den Kälberkult eingeführt, worauf die Stadt zu einem Zentrum falscher Anbetung geworden war. Sowohl in Gilgal als auch in Beerscheba müssen abtrünnige Anbetungsformen praktiziert worden sein. Um dem vorhergesagten Unheil zu entgehen, musste Israel seine Pilgerreisen zu diesen Orten einstellen und wieder Jehova suchen.
7:1 — Was ist mit „dem gemähten Gras des Königs“ gemeint?
Dieser Ausdruck bezieht sich wahrscheinlich auf die Steuer, die der König für die Versorgung seiner Reiter und Tiere erhob. Diese Steuer musste entrichtet werden, „als die Spätsaat aufzugehen begann“. Danach konnte das Volk ernten. Doch noch bevor es dazu kam, bildete sich ein Heuschreckenschwarm, der die ganze Ernte und alle anderen Pflanzen vernichtete.
8:1, 2 — Worauf deutete der „Korb Sommerfrüchte“ hin?
Er deutete darauf hin, dass Jehovas Tag nahe war. Sommerfrüchte werden gegen Ende der Erntesaison eingebracht, das heißt gegen Ende des landwirtschaftlichen Jahres. Der „Korb Sommerfrüchte“, den Jehova Amos sehen ließ, bedeutete, dass Israels Ende kurz bevorstand. Gott bestätigte dies mit den Worten: „Das Ende ist für mein Volk Israel gekommen. Ich werde sie nicht mehr weiterhin entschuldigen.“
Lehren für uns:
1:3, 6, 9, 11, 13; 2:1, 4, 6. Jehova ist zornig auf Israel, Juda und die sechs Nachbarnationen. Im Hinblick auf diesen Zorn sagt er: „Ich [werde] es nicht abwenden.“ Jehovas Strafgerichten kann niemand entgehen (Amos 9:2-5).
2:12. Wir sollten Pioniere, reisende Aufseher, Missionare und Mitglieder der Bethelfamilie, die viel gute Arbeit leisten, nicht entmutigen, indem wir ihnen nahelegen, den Vollzeitdienst aufzugeben und ein „normales“ Leben zu führen. Ermutigen wir sie vielmehr, sich weiter fleißig einzusetzen.
3:8. Wie man beim Brüllen eines Löwen in Furcht gerät, so fühlte sich Amos zum Predigen gedrängt, als er Jehova sagen hörte: „Geh, prophezeie meinem Volk“ (Amos 7:15). Wir sollten aus Gottesfurcht die Königreichsbotschaft eifrig predigen.
3:13-15; 5:11. Mit Jehovas Hilfe konnte Amos, ein einfacher Viehhirt, begüterten, selbstzufriedenen Menschen ‘Zeugnis geben’. Ebenso kann Jehova auch uns ausrüsten, die Königreichsbotschaft zu verkündigen, ganz gleich, wie schwierig das in einem bestimmten Gebiet sein mag.
4:6-11; 5:4, 6, 14. Obwohl die Israeliten immer wieder versäumten, zu Jehova ‘umzukehren’, wurde ihnen ans Herz gelegt: „Sucht Jehova, und bleibt am Leben.“ Solange Jehova das gegenwärtige böse System der Dinge noch duldet, sollten wir den Menschen dringend raten, sich Gott zuzuwenden.
5:18, 19. ‘Den Tag Jehovas herbeizusehnen’, ohne wirklich dafür bereit zu sein, ist unvernünftig. Wer das tut, handelt wie jemand, der vor einem Löwen davonläuft, nur um einem Bären zu begegnen, und der dann auf der Flucht vor dem Bären von einer Schlange gebissen wird. Wir würden gut daran tun, geistig ‘wach zu bleiben’ und stets in Bereitschaft zu sein (Lukas 21:36).
7:12-17. Wir sollten die Botschaft Gottes furchtlos und mutig verkündigen.
9:7-10. Die Israeliten waren zwar Nachkommen treuer Patriarchen und eines Volkes, das Gott auserwählt und aus Ägypten befreit hatte, doch das bewahrte treulose Israeliten nicht davor, wie die Kuschiten vor Gott schlecht dazustehen. Ein guter Stand vor unserem unparteiischen Gott wird nicht durch eine bestimmte Abstammung gewährleistet, sondern dadurch, dass man Gott „fürchtet und Gerechtigkeit wirkt“ (Apostelgeschichte 10:34, 35).
Was wir tun müssen
Der Tag, an dem Gottes Urteil an Satans Welt vollstreckt wird, ist nahe. Gott hat seinen Geist auf seine Anbeter ausgegossen und sie ausgerüstet, die Menschheit vor dem Kommen dieses Tages zu warnen. Sollten wir nicht mit ganzer Kraft anderen helfen, Jehova kennenzulernen und ‘seinen Namen anzurufen’? (Joel 2:31, 32).
Amos lässt die Aufforderung ergehen: „Hasst das Böse, und liebt das Gute, und gebt dem Recht einen Platz im Tor“ (Amos 5:15). Jetzt, wo Jehovas Tag nahe ist, wäre es klug, Gottes Nähe zu suchen und uns von der bösen Welt sowie dem verderblichen Umgang mit ihr fernzuhalten. Wie zeitgemäß sind doch in diesem Zusammenhang die Lehren, die wir aus den Bibelbüchern Joel und Amos ziehen können! (Hebräer 4:12).
Wie wir gerade hier bei den “kleinen Propheten” immer wieder sehen, lohnt es sich auf jeden Fall, auf der Wtlib nach zusätzlichem Stoff zu suchen. Die alten Artikel sind überhaupt nicht veraltet, wie einige vielleicht denken mögen, sie sind nicht überholt – ganz im Gegenteil.
Leider scheint die Leitende Körperschaft in letzter Zeit viel Zeit und Energie aufbringen zu müssen, um den Menschen überhaupt das Leben zu erklären, so dass leider tiefere geistige Schätze dabei auf der Strecke bleiben.
Woran liegt das bloß? Warum war es vor nicht mal 20 Jahren noch nicht nötig, den Brüdern bis ins kleinste Detail zu erklären, wie man sich im ganz normalen Alltagsleben zu verhalten hat? Wie man Streit und Konflikte beilegt?
Die Sache an sich finde ich nicht schlecht, denn irgendwo muss man dies scheinbar lernen. Vielleicht waren die Werte damals noch anders und auch die Erziehung und das Umfeld, so dass diese Schulung nun in unseren Publikationen viel Platz einnimmt – einnehmen muss.
Aber dies ist nicht ganz so schlimm: denn wer geistig hungert, der weiß ja, wie er auf der Wtlib jede Menge tiefere Schätze findet.
Trotzdem finde ich diese Entwicklung sehr sehr schade.
Amos 1 – 3
In den ersten beiden Kapiteln spricht Jehova sein Urteil über die einzelnen Stämme und begründet es jeweils, warum sie so eine harte Strafe verdient haben. Interessant finde ich den Grund für Juda und einige Punkte, die Israel betreffen:
Amos 2:4
Amos 2:11-12
Es ist also für Jehova keine leichte Sache, wenn man alles daran setzt, Anbeter Gottes zu behindern oder gar vom Weg Jehovas abzubringen!
Aber dies haben wir ja auch schon im Fall Isebels gesehen.
Warum urteilt Jehova so hart über sein Volk? Immerhin gingen seine Worte ja an die Stämme des Volkes Israel.
Amos 3:1-2
Er hatte sie als sein Volk erwählt, über die Jahre immer gut mit ihnen gehandelt. Sie hatten seine Wunder und Machttaten live miterlebt und sie hatten einen Bund mit Jehova.
So ist es auch mit uns.
Wenn wir uns durch die Taufe als seine Anbeter zu erkennen gegeben haben, dann haben auch wir einen Bund mit ihm geschlossen: seine Gebote zu halten.
Erkennen wir persönlich diese Verantwortung an?
Oder ziehen wir vielleicht durch unsere Taten den Namen Jehovas in den Schmutz?
Hier in Amos sehen wir, wie Jehova über so ein Verhalten denkt. Tun wir doch alles uns Mögliche, damit wir nicht mit hier in der Liste aufgetaucht wären, wenn er heute diese Worte sprechen würde!
Amos 4 – 6
In Kapitel 4 zählt Jehova alle möglichen Strafen auf, mit denen er sein Volk zur Besinnung bringen wollte – aber immer wieder lesen wir: “…’aber ihr kehrtet nicht zu mir um’ ist der Ausspruch Jehovas”.
Amos 5:4, 7, 10, 12-13
Aber was sollten wir denn tun?
Amos 5:14-15
Ist das vielleicht zuviel von uns verlangt?
Amos 5:18
Warum sollten wir den Tag nicht herbeisehnen, wo wir doch unter der Last der Ungerechtigkeit zusamenbrechen und es nicht abwarten können, bis uns Jehova endlich Erleichterung verschafft?
Hier einige Querverweise dazu:
Habe ich immer noch nicht so ganz verstanden. Wir sollten doch wachsam sein und den Tag des Herrn erwarten.
Noch einige andere Quervereise dazu, was der Tag für uns bedeuten wird:
und einige Querverweise zu dem Gedanken, dass er “Finsternis sein wird und nicht Licht”:
Vielleicht auch einge Gedanken aus dem Buch “Lebe mit dem Tag Jehovas vor Augen”
Amos 7 – 9
Amos 7:16
Wie reagieren wir persönlich, wenn wir uns durch jemanden angegriffen fühlen, der durch Gottes Wort zeigt, dass wir “auf dem Holzweg” sind?
Sagen wir “der andere bedroht mich” und tun alles dafür, damit er damit auhört?
Oder sehen wir, dass Jehoa durch sein Wort zu uns spricht und handeln richtig – indem wir von unserem verkehrten Weg umkehren?
Unsere Reakktion darauf bleibt jedem von uns selbst überlassen, aber im obigen Text haben wir gelesen, dass es nichts daran ändert, was Jehova gesagt hat und dass er uns für unser verkehrtes Tun doch ins Gericht bringen wird.
Also seien wir weise und handeln richtig!
denken wir immer wieder daran: “Jehova hat keinen Gefalen am Tod des Bösen”.. Also kehren wir doch bitte um!
Amos 1-3
Zitate von J.N.Darby
Im Wachtturm hieß es 1981
Wie sieht das bei den Personen aus, die uns umgeben?? Kennst du Personen, die nach Außen sich als Christen verkaufen – aber wahre Diener Gottes zwingen, sich bei Pädophilen zu entschuldigen, dass sie Kinder vor ihnen geschützt haben? Kennst du Personen, die den Armen verachten und nicht Recht sprechen? Können diese Personen wirklich glauben, sich vor dem Gericht Gottes zu entziehen?
Amos 4-6
Zitate von J.N.Darby
Im Wachtturm hieß es 1981
Keiner kann dem Allmächtigen auf der Nase herumtrampeln. Wer Ungerechtigkeit in der Gemeinde fördert oder sogar selbst begeht, wird seinen “Sieg” nicht mehr lange auskosten können. Besser wäre es aber, der Aufforderung Gottes nachzukommen und der Gerechtigkeit wieder den richtigen Platz zuzuweisen. Nur wer die Maßstäbe Jehovas anwendet und umsetzt, kann hoffen den Gerichtstag Gottes zu überleben! Alle anderen Personen werden umkommen, auch wenn diese sich noch so sehr auf den “Tag des Herrn” freuen – es wird ein Gerichtstag für ALLE Übeltäter werden.
Amos 7-9
Zitate von J.N.Darby
Im Wachtturm hieß es 1981
nein, er läßt sich nicht veräppeln. Egal welchen Namen man sich gibt, welche Kleidung man nach außen trägt – der Allmächtige sieht unser Herz und wird uns danach richten – einglück für alle, die die Wahrheit lieben und die Jehova von Herzen lieben und ihn deshalb ihm gehorchen.
Jehova wird ein Strafgericht über die Bösen bringen
„Mache dich bereit, deinem Gott zu begegnen“ (AMOS 4:12).
WIRD Jehova allem Bösen und allem Leid auf der Erde jemals ein Ende machen? Diese Frage stellt sich zu Beginn des 21. Jahrhunderts mehr denn je. Wohin man auch blickt, kann man beobachten, wie unmenschlich der Mensch seine Mitmenschen behandelt. Wie sehnen wir uns doch nach einer Welt ohne Gewalt, ohne Terrorismus und ohne Korruption!
2 Glücklicherweise können wir fest davon überzeugt sein, dass Jehova alles Böse beseitigen wird. Gottes Eigenschaften garantieren dafür, dass er gegen die Bösen vorgehen wird. Jehova ist vollkommen gerecht. Sein Wort sagt uns in Psalm 33:5: „Er liebt Gerechtigkeit und Recht.“ Und in einem anderen Psalm wird gesagt: „Jeden, der Gewalttat liebt, hasst SEINE Seele gewiss“ (Psalm 11:5). Bestimmt wird Jehova, der allmächtige Gott, der Recht und Gerechtigkeit liebt, nichts, was er hasst, auf Dauer tolerieren.
3 Betrachten wir einen weiteren Grund, warum wir so sicher sein können, dass Jehova das Böse beseitigen wird. Geschichtliche Aufzeichnungen liefern uns eine Garantie dafür. Beeindruckende Beispiele, die zeigen, wie Jehova mit Bösen verfährt, finden wir im Bibelbuch Amos. Die folgende Betrachtung der Prophezeiung des Amos lehrt uns dreierlei über göttliche Strafgerichte: 1. Sie sind immer verdient, 2. man kann sich ihnen nicht entziehen und 3. Jehova geht selektiv vor, denn er vollstreckt das Gericht an Übeltätern, erweist aber reumütigen und rechtschaffenen Menschen Barmherzigkeit (Römer 9:17-26).
Ein göttliches Strafgericht ist immer verdient
4 In den Tagen des Amos war die Nation Israel bereits zweigeteilt, und zwar in das südliche Zweistämmereich Juda und das nördliche Zehnstämmereich Israel. Amos erhielt von Jehova den Auftrag, als Prophet seine Heimatstadt in Juda zu verlassen und nach Israel zu gehen. Dort sollte er das göttliche Strafgericht ankündigen.
5 Amos kündigte zunächst allerdings nicht dem widerspenstigen Nordreich Israel das Strafgericht Jehovas an, sondern sechs Nachbarnationen, nämlich Syrien, Philistäa, Tyrus, Edom, Ammon und Moab. Verdienten die erwähnten Nationen denn tatsächlich ein solches Gericht? Aber gewiss! Allein schon deshalb, weil sie alle erbitterte Feinde des Volkes Jehovas waren.
6 Die Syrer verurteilte Jehova beispielsweise, „weil sie Gilead . . . gedroschen“ hatten (Amos 1:3). Sie hatten Teile von Gilead — eine Region Israels östlich des Jordan — an sich gerissen und dem Volk Gottes dort großen Schaden zugefügt. Was erfahren wir über Philistäa und Tyrus? Die Philister hatten sich schuldig gemacht, weil sie israelitische Exilanten oder Gefangene den Edomitern verkauft hatten. Einige Israeliten gerieten in die Hände von tyrischen Sklavenhändlern (Amos 1:6, 9). Man stelle sich das vor — sie verkauften Diener Jehovas in die Sklaverei! Kein Wunder, dass Jehova Syrien, Philistäa und Tyrus Unheil ankündigte!
7 Edom, Ammon und Moab hatten mit Israel etwas gemeinsam. Alle drei waren mit den Israeliten verwandt. Die Edomiter stammten über Jakobs Zwillingsbruder Esau von Abraham ab. Sie waren also in gewissem Sinne Israels Brüder. Die Ammoniter und die Moabiter waren Nachkommen Lots, des Neffen Abrahams. Behandelten die Edomiter, die Ammoniter und die Moabiter ihre israelitischen Verwandten tatsächlich wie Brüder? Keinesfalls! Edom setzte unbarmherzig das Schwert gegen ‘seinen eigenen Bruder’ ein und die Ammoniter behandelten israelitische Gefangene äußerst sadistisch (Amos 1:11, 13). Amos erwähnt zwar nicht genau, wie die Moabiter Angehörige des Volkes Gottes misshandelten, doch sie waren über einen langen Zeitraum Feinde Israels. Die drei blutsverwandten Nationen sollten schwer bestraft werden. Jehova würde eine feurige Vernichtung über sie bringen.
Einem göttlichen Strafgericht kann man sich nicht entziehen
8 Es besteht kein Zweifel: Die zu Beginn der Prophezeiung des Amos angesprochenen sechs Nationen verdienten Gottes Strafgericht. Und sie konnten sich diesem nicht entziehen. Von Amos, Kapitel 1, Vers 3 bis Kapitel 2, Vers 1 ist sechs Mal die Aussage Jehovas zu finden: „Ich [werde] es nicht abwenden.“ Seinem Wort entsprechend ließ er sich nicht davon abbringen, gegen jene Nationen vorzugehen. Wie die Geschichte beweist, kam später über sie alle Unheil. Wenigstens vier von ihnen, nämlich Philistäa, Moab, Ammon und Edom, hörten schließlich auf zu bestehen.
9 Als Nächstes wandte sich Amos in seiner Prophezeiung einer siebten Nation zu, der eigenen: Juda. Seine Zuhörer im Nordreich Israel wunderten sich vielleicht, dass er dem Königreich Juda ein Strafgericht ankündigte. Warum verdienten die Bewohner Judas ein solches Gericht? „Weil sie das Gesetz Jehovas verwarfen“, heißt es in Amos 2:4. Jehova sah über eine solche willentliche Missachtung seines Gesetzes nicht einfach hinweg. Laut Amos 2:5 sagte er voraus: „Ich will Feuer nach Juda senden, und es soll die Wohntürme Jerusalems verzehren.“
10 Das untreue Juda konnte dem drohenden Unheil nicht entgehen. Zum siebten Mal sagte Jehova: „Ich [werde] es nicht abwenden“ (Amos 2:4). Über Juda kam die vorhergesagte Strafe, als es 607 v. u. Z. von den Babyloniern verwüstet wurde. Das macht einmal mehr deutlich, dass sich die Bösen dem Gericht Gottes nicht entziehen können.
11 Der Prophet hatte gerade sieben Nationen das Gericht Jehovas angekündigt. Wer dachte, Amos habe sein Prophezeien beendet, hatte sich getäuscht. Er war noch lange nicht fertig. Denn in erster Linie war er beauftragt, dem Nordreich Israel eine vernichtende Gerichtsbotschaft zu verkünden. Und es verdiente das göttliche Strafgericht wegen des beklagenswerten Verfalls von Moral und Anbetung.
12 Amos prangerte in seiner Prophezeiung die Unterdrückung an, die im Königreich Israel mittlerweile an der Tagesordnung war. In Amos 2:6, 7 heißt es: „Dies ist, was Jehova gesagt hat: ‚Wegen drei Auflehnungen von Israel und wegen vier werde ich es nicht abwenden, weil sie einen Gerechten um bloßes Silber verkauften und einen Armen um den Preis von einem Paar Sandalen. Sie lechzen nach dem Staub der Erde auf dem Kopf der Geringen; und den Weg Sanftmütiger biegen sie ab.‘ “
13 Gerechte wurden „um bloßes Silber“ verkauft, was womöglich darauf hindeutet, dass sich Richter mit Silber bestechen ließen und Unschuldige verurteilten. Die Gläubiger verkauften Arme in die Sklaverei um den Preis von „einem Paar Sandalen“, also möglicherweise wegen ganz geringer Schulden. Herzlose Männer ‘lechzten’ danach oder setzten alles daran, die „Geringen“ so sehr zu erniedrigen, dass sich diese Armen selbst Staub auf den Kopf streuten, was Bedrängnis, Trauer oder Demütigung anzeigte. Die Korruption nahm derart überhand, dass „Sanftmütige“ nicht hoffen konnten, gerecht behandelt zu werden.
14 Beachten wir, wer schlecht behandelt wurde: Es waren gerechte, arme, geringe und sanftmütige Bewohner des Landes. Jehovas Gesetzesbund mit Israel verlangte Mitgefühl gegenüber den Schutzlosen und Armen. Doch die Lage der Betreffenden im Zehnstämmereich Israel hätte gar nicht schlimmer sein können.
„Mache dich bereit, deinem Gott zu begegnen“
15 Die Unmoral und andere Sünden hatten in Israel überhand genommen. Aus gutem Grund warnte daher der Prophet Amos die rebellische Nation: „Mache dich bereit, deinem Gott zu begegnen“ (Amos 4:12). Das untreue Israel konnte der Vollstreckung des göttlichen Strafgerichts nicht entgehen, denn Jehova verkündete zum achten Mal: „Ich [werde] es nicht abwenden“ (Amos 2:6). Über Böse, die sich vor Gott verstecken wollten, sagte er: „Keiner von ihnen, der flieht, wird seine Flucht schaffen, und keiner von ihnen, der entrinnt, wird entkommen. Wenn sie hinab in den Scheol graben, wird meine eigene Hand sie von dort holen; und wenn sie zu den Himmeln aufsteigen, werde ich sie von dort herunterbringen“ (Amos 9:1, 2).
16 Die Bösen konnten der Vollstreckung des Urteils Jehovas nicht dadurch entkommen, dass sie „hinab in den Scheol“ gruben, womit bildlich Versuche beschrieben werden, sich in den Tiefen der Erde zu verstecken. Ebenso wenig konnten sie sich dem göttlichen Strafgericht entziehen, wenn sie „zu den Himmeln“ aufstiegen, das heißt versuchen würden, sich auf hohe Berge zu flüchten. Jehovas Warnung war unmissverständlich: Kein Versteck war für ihn unerreichbar. Gottes Gerechtigkeit verlangte, das Nordreich für seine bösen Taten zur Verantwortung zu ziehen. Diese Zeit kam schließlich herbei. 740 v. u. Z., etwa 60 Jahre nachdem Amos seine Prophezeiung niedergeschrieben hatte, wurde das nördliche Königreich Israel von den Assyrern erobert.
Gott geht bei einem Strafgericht selektiv vor
17 Wie wir aus der Prophezeiung des Amos erkannt haben, ist ein göttliches Strafgericht immer verdient und man kann sich ihm nicht entziehen. Genauso deutlich zeigt das Buch Amos jedoch, dass Jehova bei einem solchen Gericht selektiv vorgeht. Er findet die Bösen, wo immer sie sich verstecken, und vollstreckt das Urteil an ihnen. Er findet aber auch die Reumütigen und Rechtschaffenen, diejenigen, denen er Barmherzigkeit erweisen möchte. Diese Lektion geht aus dem letzten Kapitel des Buches Amos klar und deutlich hervor.
18 Gemäß Amos, Kapitel 9, Vers 8 sagte Jehova: „Ich [werde] das Haus Jakob nicht vollständig vertilgen.“ Wie die Verse 13 bis 15 zeigen, versprach er, „die Gefangenen“ seines Volkes „zurückkehren [zu] lassen“. Ihnen sollte Barmherzigkeit erwiesen werden und sie sollten Sicherheit und Wohlfahrt genießen. „Der Pflüger [wird] tatsächlich den Schnitter einholen“, versprach Jehova. Stellen wir uns das vor — eine so reiche Ernte, dass einiges davon noch nicht eingebracht wäre, wenn bereits wieder gepflügt und gesät werden müsste!
19 Bei dem Strafgericht, das Jehova über die Bösen brachte, kann im Falle Judas und Israels zu Recht gesagt werden, dass er selektiv vorging, denn Reumütigen und Rechtschaffenen wurde Barmherzigkeit erwiesen. Die Wiederherstellungsprophezeiung in Amos, Kapitel 9 erfüllte sich, denn ein reumütiger Überrest Israels und Judas kehrte 537 v. u. Z. schließlich aus der Babylonischen Gefangenschaft zurück. In ihrem geliebten Heimatland stellten die Zurückgekehrten dann die reine Anbetung wieder her. Außerdem lebten sie in Sicherheit und bauten ihre Häuser wieder auf, pflanzten Weinberge und bestellten ihre Gärten.
Das Strafgericht Jehovas wird kommen!
20 Die Betrachtung der von Amos verkündeten göttlichen Gerichtsbotschaften sollte uns die Zuversicht einflößen, dass Jehova auch heute der Gottlosigkeit ein Ende machen wird. Warum können wir das glauben? Erstens zeigt das, was Gott in der Vergangenheit gegen die Bösen unternommen hat, wie er in unseren Tagen vorgehen wird. Zweitens stellt die Vollstreckung des göttlichen Gerichts an dem abtrünnigen Königreich Israel eines sicher: Gott wird die Christenheit, den verwerflichsten Teil von „Babylon der Großen“ (dem Weltreich der falschen Religion), vernichten (Offenbarung 18:2).
21 Es besteht kein Zweifel, dass die Christenheit das göttliche Strafgericht verdient. Die beklagenswerten religiösen und moralischen Verhältnisse in ihr sprechen für sich. Jehovas Strafgericht an der Christenheit — und an der übrigen Welt Satans — ist verdient. Ihm kann sich außerdem niemand entziehen. Wenn die Zeit der Vollstreckung da ist, werden die Worte aus Amos, Kapitel 9, Vers 1 zutreffen: „Keiner von ihnen, der flieht, wird seine Flucht schaffen, und keiner von ihnen, der entrinnt, wird entkommen.“ Ja, ungeachtet dessen, wo sich die Bösen verstecken werden, Jehova wird sie finden.
22 Ein göttliches Strafgericht ist immer verdient, niemand kann sich ihm entziehen und Jehova geht dabei selektiv vor. Das geht auch aus den Worten des Apostels Paulus hervor: „Es [ist] vonseiten Gottes gerecht . . ., denen, die euch Drangsal bereiten, mit Drangsal zu vergelten, euch aber, die ihr Drangsal erleidet, mit Erleichterung zusammen mit uns bei der Offenbarung des Herrn Jesus vom Himmel her mit seinen mächtigen Engeln in flammendem Feuer, wenn er an denen Rache übt, die Gott nicht kennen, und an denen, die der guten Botschaft über unseren Herrn Jesus nicht gehorchen“ (2. Thessalonicher 1:6-8). „Es [ist] vonseiten Gottes gerecht“, denen, die seinen Gesalbten Drangsal bereiten, mit einem verdienten Strafgericht zu vergelten. Diesem Gericht können sich die Bösen nicht entziehen, denn sie werden ‘die Offenbarung Jesu mit seinen mächtigen Engeln in flammendem Feuer’ nicht überleben. Das göttliche Strafgericht wird auch selektiv sein, denn Jesus wird an denen Rache üben, „die Gott nicht kennen, und an denen, die der guten Botschaft . . . nicht gehorchen“. Aber die Gottesfürchtigen, die Drangsal erleiden, werden durch dieses Gericht getröstet.
Hoffnung für die Rechtschaffenen
23 Die Prophezeiung des Amos enthält eine wunderbare Botschaft des Trostes und der Hoffnung für Rechtschaffene. Wie vorausgesagt, vernichtete Jehova sein Volk der alten Zeit nicht vollständig. Er ließ die Gefangenen von Israel und Juda schließlich in ihr Heimatland zurückkehren und segnete sie mit echter Sicherheit und Wohlfahrt. Was hat das für die heutige Zeit zu bedeuten? Wir können sicher sein, dass Jehova bei der Vollstreckung des göttlichen Strafgerichts die Bösen entdecken wird, ganz gleich, wo sie sich verstecken. Und er wird auch diejenigen finden, die seine Barmherzigkeit verdienen, wo immer sie auf der Erde leben.
24 Was erleben wir als treue Diener Jehovas, während wir auf sein Strafgericht warten? Segnet Jehova uns nicht gegenwärtig mit überströmender geistiger Wohlfahrt? Unsere Anbetung ist frei von den Lügen und den Verdrehungen, die auf den Irrlehren der Christenheit beruhen. Außerdem segnet uns Jehova mit einer Fülle geistiger Speise. Bedenken wir allerdings, dass dieser reiche Segen auch große Verantwortung mit sich bringt. Gott erwartet von uns, dass wir andere vor dem bevorstehenden Strafgericht warnen. Wir möchten alles uns Mögliche tun, um nach denjenigen zu suchen, die „zum ewigen Leben richtig eingestellt“ sind (Apostelgeschichte 13:48). Ja, wir möchten so vielen wie möglich helfen, an unserer geistigen Wohlfahrt teilzuhaben. Und wir möchten, dass sie Gottes Strafgericht, das bald an den Bösen vollstreckt wird, überleben. Damit uns all diese Segnungen zuteil werden, benötigen wir natürlich die richtige Herzenseinstellung. Auch das wird in der Prophezeiung des Amos hervorgehoben, wie wir im nächsten Artikel sehen werden.
Voller Zuversicht in einem Zeitalter der Gewalt
„Der Souveräne Herr Jehova selbst hat geredet! Wer wird nicht prophezeien?“ (AMOS 3:8, New World Translation, Ausgabe 1981).
„DER Souveräne Herr Jehova“ — welch treffende Bezeichnung für den höchsten Herrscher des Universums! Entgegen sektiererischen Einwänden ist es ein großartiges Vorrecht, Jehova mit seinem Namen anzurufen, ein vertrautes Verhältnis zu ihm zu haben sowie seinen Namen und seine Vorsätze anderen zu verkündigen. Sein Sohn, Jesus, erklärte, als er auf der Erde war: „Jehovas Geist ist auf mir, … um den Armen gute Botschaft zu verkünden.“ Im Gebet zu Jehova sagte er bezüglich seiner Jünger: „Ich habe ihnen deinen Namen bekanntgegeben und werde ihn bekanntgeben.“ Und der Apostel Paulus zitierte die hebräischen Propheten der alten Zeit, indem er sagte: „Jeder, der den Namen Jehovas anruft, wird gerettet werden“ (Lukas 4:18; Johannes 17:26; Römer 10:13; Joel 2:32).
2 Amos war einer jener alten Propheten. Er pries den Namen Jehovas, denn die Bezeichnung „der Souveräne Herr Jehova“ erscheint 21mal in seinem Bibelbuch (gemäß der New World Translation [NW], Ausgabe 1981). Der Name Amos bedeutet „beladen“. Ja, er war wie loyale Zeugen Jehovas heute mit einer schweren Last der Verantwortung beladen. Amos war ein Viehzüchter und Obstgärtner. Anscheinend hatte er keine besondere Ausbildung für sein Predigtwerk empfangen. Doch er war offensichtlich mit Gottes Wort gut vertraut, und der Geist Jehovas war auf ihm, so daß er seine schwierige Aufgabe erfüllen konnte Worin bestand sie? Er sollte sein Heimatland Juda verlassen und als Missionar zu einem abtrünnigen Volk gehen, in das Zehnstämmereich Israel im Norden. Dort, in Israel, dessen Hauptstadt Samaria war, sollte er eine Gerichtsbotschaft verkündigen.
3 Ging Amos dieser Aufgabe aus dem Weg? Ganz und gar nicht. Er lebte in einer Zeit der Gewalt, doch das Volk mußte erfahren, daß sogar etwas noch Schlimmeres kommen sollte, ein „Unglückstag“. Das Leben der Israeliten drehte sich um Essen und Trinken. Sie streckten sich auf ihren Elfenbeinruhebetten und luxuriösen Diwanen aus und dachten nicht an Jehova und seine wahre Anbetung (Amos 6:3-6) Jehova war entschlossen, sie zu bestrafen, doch zuerst sollte eine prophetische Warnung an sie ergehen. Deshalb erklärte er: „Der Souveräne Herr Jehova wird kein Ding tun, es sei denn, er habe seine vertrauliche Sache seinen Knechten, den Propheten, geoffenbart“ (Amos 3:7, NW, 1981).
Neuzeitliche Erfüllung
4 Ist diese Prophezeiung aus alter Zeit für uns heute von Bedeutung? Ja, sie enthält eine eindringliche Botschaft für uns. Das inspirierte Wort Gottes wurde unter göttlicher Leitung zusammengestellt, und es ist bis zur „Zeit des Endes“ zum Nutzen derjenigen Diener Gottes bewahrt worden, „auf welche die Enden der Systeme der Dinge gekommen sind“. Seine prophetische Bedeutung erfahren wir durch den „treuen und verständigen Sklaven“, die Gruppe gesalbter Christen, deren sich der Herr, Jesus Christus, heute bedient, um geistige „Speise zur rechten Zeit“ an alle Glieder des Volkes Gottes auszuteilen (Daniel 12:4; 1. Korinther 10:11; Matthäus 24:45-47).
5 Betrachten wir diese „vertrauliche Sache“ aus der Prophezeiung des Amos als etwas Zweitrangiges, als etwas, dem wir uns widmen können, wenn wir gewissermaßen noch Zeit übrig haben? Nun, wie würden wir reagieren, wenn wir allein im Busch wären, und die Stille würde plötzlich durch das Brüllen eines Löwen unterbrochen? Würden wir in dieser Lage, in der es um Leben und Tod geht, nicht augenblicklich handeln? Wir würden keinen Moment zögern. Sollten wir auf die prophetischen Äußerungen Jehovas daher nicht ebenso reagieren? Jehova selbst sagt: „Da ist ein Löwe, der gebrüllt hat! Wer wird sich nicht fürchten? Der Souveräne Herr Jehova selbst hat geredet! Wer wird nicht prophezeien?“ (Amos 3:8, NW, 1981). Wir sollten deshalb die Prophezeiung und ihre Bedeutung unbedingt bekanntmachen. Aber wie?
„Geh, prophezeie“
6 Jehova gebot Amos: „Geh, prophezeie meinem Volk Israel“ (Amos 7:15). Das Gegenbild dieses abtrünnigen Königreiches Israel ist die heutige materialistisch gesinnte Christenheit, die sich auf Gewalt oder die Androhung von Gewalt verläßt, um zu überleben, und gegenüber dem Souveränen Herrn Jehova gegnerisch eingestellt ist sowie seinen Namen haßt. Was den Ausdruck „christlich“ betrifft, so gebraucht sie ihn nur als ein Aushängeschild, denn sie widersteht Christi kommendem Königreich der Gerechtigkeit. Jesus selbst bezeichnete die Anhänger der Religionsgemeinschaften der Christenheit als „Täter der Gesetzlosigkeit“ (Matthäus 7:21-23).
7 Seitdem das Königreich im Jahre 1914 in den Himmeln aufgerichtet worden ist, hat die neuzeitliche Amos-Klasse, Jehovas Zeugen, in der ganzen Christenheit den Tag der Rache Jehovas verkündigt. Eine gründliche Warnung erscholl in den Ländern der Christenheit insbesondere von 1919 bis 1939, und sie ist bis auf den heutigen Tag noch zu hören. Für Jehovas Zeugen waren die Jahre des Zweiten Weltkrieges (1939—1945) eine Zeit der Verfolgung, aber auch eine Zeit der Reorganisation. Im Jahre 1943 wurde in der Wachtturm-Bibelschule Gilead mit der Ausbildung von Missionaren begonnen, und am Ende des Zweiten Weltkrieges wurden diese in ein Land nach dem anderen gesandt, um das Königreichszeugnis auszubreiten. Auf diese Weise wurde das Werk im Bereich der Christenheit ausgedehnt, besonders in Italien, Portugal, Spanien und in dem riesigen lateinamerikanischen Raum.
8 „Geh, prophezeie“, lautete der Aufruf. Gläubige Familien aus Kanada, den Vereinigten Staaten, von den Britischen Inseln und aus dem übrigen Europa sowie von Ozeanien schlossen sich den Missionaren in neuen Gebieten an, wo Hilfe dringender benötigt wurde. Mit Zuversicht verkündigten sie das, was ‘der Souveräne Herr Jehova selbst geredet hatte’. Jehovas Geist ruht auf seinen Zeugen, die in weltweitem Ausmaß seinen „Tag der Rache“ an der Christenheit verkündigen und auch „Freiheit . . . den [von der falschen Religion] Gefangengenommenen“ (Jesaja 61:1, 2; Sacharja 4:6). Infolgedessen ist die Zahl der Zeugen, die das Königreich Monat für Monat verkündigen, innerhalb von 40 Jahren erstaunlich gestiegen, nämlich von durchschnittlich 109 794 im Jahre 1943 auf 2 501 722 im Jahre 1983.
Ein Muster für die ganze Welt
9 Das entspricht dem Muster aus den Tagen des Amos, wo die Verkündigung des Gerichts auch in Asdod erfolgen sollte — einem Zentrum heidnischer Religion im nahe gelegenen Philistäa — und sogar im weit entfernten Ägypten. Denn der Souveräne Herr Jehova hatte geredet und gesagt: „Verkündigt es auf den Wohntürmen in Asdod und auf den Wohntürmen im Land Ägypten und sprecht: ,Versammelt euch gegen die Berge Samarias, und seht die vielen Wirren in seiner Mitte und Fälle von Übervorteilung darin. Und sie haben nicht gewußt zu tun, was gerade ist’, ist der Ausspruch Jehovas, ,diejenigen, die Gewalttat und Verheerung anhäufen in ihren Wohntürmen‘“ (Amos 3:9, 10).
10 Desgleichen ist die Botschaft der Rache Jehovas, die an der Christenheit geübt werden soll, in der Neuzeit weit über deren Gebiet hinaus verkündigt worden — in Afrika, auf den Inseln des Meeres und in vielen Teilen des Orients. In der Bibel wird Ägypten als ein Sinnbild der gesamten verderbten Welt gebraucht, die von Gott entfremdet ist. Dementsprechend ist die Botschaft von dem Gericht an der Christenheit weltweit verkündigt worden. (Vergleiche Jesaja 19:19, 20.) Viele der sogenannten heidnischen Nationen sind sich der in der Christenheit herrschenden „Wirren“ sowie der „Übervorteilung“, der Verkehrtheit, der „Gewalttat und Verheerung“ wohl bewußt. Sie haben im Laufe der Jahrhunderte beobachtet, wie sich die Missionare der Christenheit an ideologischen Kriegen und Revolutionen beteiligt und als Vorkämpfer für den internationalen Waffen- und Rauschgifthandel gedient haben. Wenn ein Missionar der Wachtturm-Gesellschaft zum erstenmal mit einem Buddhisten spricht, begegnet er oft dem Einwand: „Aber sehen Sie sich doch den moralischen Zustand der Christen an. Wir Buddhisten haben viel bessere Moralbegriffe. Warum sollten wir uns also ändern?“ Der Missionar muß dann erklären, daß es sich bei der Religion der Christenheit um etwas ganz anderes als das Christentum der Bibel handelt. Erst findet er ein hörendes Ohr.
11 Wie im alten Samaria, so kann von Politikern und Beamten in der Christenheit — in hohen und niedrigen Stellungen — gesagt werden: „Sie haben nicht gewußt zu tun was gerade ist.“ Des weiteren nehmen in den meisten sogenannten christlichen Ländern Gewalt und Gesetzlosigkeit auf den Straßen überhand (Matthäus 24:3, 12). Das steht in krassem Gegensatz zu den friedlicheren Verhältnissen in vielen „nichtchristlichen“ Ländern.
12 Auch werden „Gewalttat und Verheerung“ international in einem schockierenden Ausmaß geplant. Nicht genug damit, daß Nationen der Christenheit zu beiden Weltkriegen angestiftet haben und deshalb Blutschuld im Hinblick auf das Hinschlachten von 69 000 000 Menschen auf sich geladen haben, ist die Christenheit heute weitgehend in das Ringen zwischen den beiden Supermächten, dem „König des Südens“ und dem „König des Nordens“ verwickelt, was zur Folge hat, daß die Nationen der Christenheit in ihren Hoheitsgebieten mörderische Atomwaffen aufstellen.
13 Bei einem Besuch in Japan erklärte der Hauptwortführer des „Königs des Südens“: „Der einzige Wert der Atomwaffen besteht darin, daß sie sicherstellen, daß sie niemals zum Einsatz kommen“. Warum hat man sie dann überhaupt? Weil Satan, der Gott dieser Welt, die Nationen in ein Dilemma gebracht hat, aus dem sie sich nicht befreien können. Als Erwiderung auf den ‘Stoß, des „Königs des Südens“ kündigte der Hauptwortführer des „Königs des Nordens“ an, man werde „in den Ozeangebieten“ Mittelstreckenraketen stationieren, deren Zielbereich das Festland der USA sei. Durch all das erfüllt sich Jesu Prophezeiung, daß es auf der Erde „Angst und Bangen unter den Nationen [geben wird], die wegen des Tosens des Meeres und seiner Brandung weder aus noch ein wissen“ (Daniel 11:40; Lukas 21:25; Offenbarung 12:9, 12).
14 Seit den Tagen Noahs hat die Menschheit keine solchen Übelstände erlebt, noch wurde sie von größerer Gewalttätigkeit bedroht. Der Geschichtsbericht über die Zeit Noahs lautet: „Da sah Jehova, daß die Schlechtigkeit des Menschen ausnehmend groß war auf der Erde und daß jede Neigung der Gedanken seines Herzens allezeit nur schlecht war. … Und die Erde wurde verderbt vor den Augen des wahren Gottes, und die Erde wurde mit Gewalttat erfüllt.“ Wegen dieser Schlechtigkeit und Gewalttat vernichtete Jehova die Bösen durch die Flut. Auch heute beabsichtigt er, „die zu verderben, die die Erde verderben“ (1. Mose 6:5-13; Offenbarung 11:18; Lukas 17:26, 27).
Die Plünderung der Christenheit
15 Wie wird die Konfrontation zwischen den Supermächten der Welt schließlich ausgehen? Jehova hat darüber etwas zu sagen, wie wir in Amos 3:11 lesen: „Darum hat der Souveräne Herr Jehova dies gesprochen: ,Da ist ein Widersacher sogar rings um das Land her, und er wird gewißlich deine Stärke von dir herunterholen, und deine Wohntürme werden tatsächlich geplündert werden‘“ (NW, 1981). Wer ist dieser „Widersacher“? In den Tagen des Amos war der „Widersacher“ die assyrische Weltmacht. Das mächtige Heer Assyriens wurde von Jehova gelenkt und als sinnbildliche „Rute“ gebraucht, um das Urteil am abtrünnigen Samaria zu vollstrecken, was in Jesaja 10:5, 6 mit den Worten beschrieben wird: „Ha, der Assyrer, die Rute für meinen Zorn und der Stock, der in ihrer Hand ist für meine Strafankündigung! Gegen eine abtrünnige Nation werde ich ihn senden, und gegen das Volk meines Zornausbruches werde ich einen Befehl an ihn erlassen, viel Beute zu machen und viel Plündergut zu nehmen und es zu einer Stätte der Zertretung zu machen gleich dem Lehm der Straßen.“
16 In gleicher Weise wird Jehova einen schwerbewaffneten neuzeitlichen Assyrer als seine „Rute“ oder seine „Axt“ herbeibringen, um das Urteil an der abtrünnigen Christenheit zu vollstrecken. Ja, das gesamte Weltreich der falschen Religion, „Babylon die Große“, wird zu ein und derselben Zeit durch gefährliche „Hörner“ verwüstet werden — durch militarisierte politische Mächte, die heute sogar Mitgliedstaaten der UN sind (Jesaja 10:15; Offenbarung 17:5, 16, 17). In den Tagesnachrichten ist bereits häufig das Säbelrasseln der bevorstehenden Konfrontation zu vernehmen. Zum Beispiel schrieb die Zeitschrift U.S. News & World Report kürzlich: „Katholizismus und Kommunismus steuern anscheinend nicht nur in Polen auf eine Konfrontation zu. Seit 1978, als der aus Polen gebürtige Johannes Paul II. Papst wurde, gibt es in ganz Osteuropa immer Reibungen zwischen der Kirche und kommunistischen Regimen. Unter den katholischen Bischöfen im sowjetischen Block macht sich ein neuer Kampfgeist bemerkbar. … Daß der Papst standhaft für die katholische Sache eintritt, trägt zu der Atmosphäre der Konfrontation bei. … Kommunistische Regierungen machen aus ihrem Argwohn gegenüber dem Papst kein Geheimnis.“
17 Deshalb wird das geschehen, was Jehova gemäß Amos 3:15 sagt: „,Und die Elfenbeinhäuser werden zugrunde gehen müssen, und viele Häuser werden ein Ende nehmen müssen’ ist der Ausspruch Jehovas.“ Der Reichtum und die materiellen Besitztümer der Christenheit werden zusammen mit denen des gesamten Bereiches der falschen Religion verwüstet werden (Hesekiel 7:19; Offenbarung 18:15-17).
18 Wird das aber bedeuten, daß Jehovas loyale Diener sogleich von der Schmach, der Verfolgung und der Unterdrückung befreit werden, die Satans Welt über sie gebracht hat? Nicht sogleich, denn der politischgesinnte „Assyrer“ — die „Rute“ und die „Axt“ — , den Jehova für die Urteilsvollstreckung an der abtrünnigen Christenheit benutzt, wird auf stolze Weise gegen Jehova großtun, indem er sich gegen dessen treue Zeugen auf der Erde wendet. Aber vergeblich! (Jesaja 10:15-19). Wie der Apostel Johannes in einer Vision sah, werden sich die „Könige der Erde“ — die politischen Mächte der durch ein „wildes Tier“ dargestellten UN — versammeln, um Krieg gegen Gottes inthronisierten „König der Könige und Herrn der Herren“ zu führen. Das wird das Signal für Har-Magedon sein, den „Krieg des großen Tages Gottes, des Allmächtigen“. Durch diesen Krieg werden alle Heere Satans auf der Erde vernichtet werden, und ein jeder, „der den Namen Jehovas anruft, wird gerettet werden“ (Offenbarung 16:14, 16; 19:11, 16, 19-21; Römer 10:13)
19 Wie also handelst du in diesem Zeitalter Gewalt? Gewiß mit der festen Zuversicht, Jehova sein prophetisches Wort bestätigen wird. Und mit der Entschlossenheit eines Amos, der einem abtrünnigen Volk eine Gerichtsbotschaft predigte. Aber wie kannst du selbst am Leben bleiben und dich der großartigen neuen Ordnung erfreuen, die der Souveräne Herr Jehova für die bereitet, die ihn lieben? Der folgende Artikel wird diese Frage beantworten.
Sucht Jehova, den Prüfer der Herzen
„Sucht nach mir, und bleibt am Leben“ (AMOS 5:4).
JEHOVA GOTT sagte zu dem Propheten Samuel: „Der Mensch sieht das, was vor den Augen erscheint; Jehova aber, er sieht, wie das Herz ist“ (1. Samuel 16:7). Inwiefern sieht Jehova, „wie das Herz ist“?
2 In der Bibel steht das Herz häufig für das Innere eines Menschen — für seine Wünsche, seine Gedanken, seine Gefühlsregungen und seine Neigungen. Wenn Gott gemäß der Bibel das Herz sieht, konzentriert er seinen Blick somit auf das wahre Wesen einer Person, nicht auf ihre äußere Erscheinung.
Gott prüft Israel
3 Was sah der Prüfer der Herzen, als er in den Tagen des Amos das Zehnstämmereich Israel beobachtete? In Amos 6:4-6 ist von Personen die Rede, die „auf Ruhebetten aus Elfenbein liegen und sich auf ihren Diwanen rekeln“. Sie aßen „die Widder aus einer Kleinviehherde und die jungen Stiere von den Mastkälbern“. Diese Personen hatten „zum Gesang Instrumente ersonnen“ und tranken „aus Weinschalen“.
4 Auf den ersten Blick scheint dies eine heitere Szene zu sein. Die Reichen genossen in ihren komfortablen, gut ausgestatteten Häusern erlesene Speisen und Getränke und ließen sich von den beliebtesten Musikinstrumenten unterhalten. Auch hatten sie „Ruhebetten aus Elfenbein“. Archäologen haben in Samaria, der Hauptstadt des Königreiches Israel, vorzüglich gearbeitete Elfenbeinschnitzereien gefunden (1. Könige 10:22). Höchstwahrscheinlich waren viele davon an Möbelstücken befestigt und in Wandtäfelungen eingelegt.
5 Hatte Jehova etwas dagegen, dass die Israeliten komfortabel lebten, schmackhafte Mahlzeiten genossen, vorzüglichen Wein tranken und schöne Musik hörten? Natürlich nicht. Schließlich ist er es ja, der reichlich für alles zur Freude des Menschen sorgt (1. Timotheus 6:17). Was Jehova an den Israeliten störte, waren ihre sündhaften Begierden, ihre schlechte Herzenseinstellung, ihre Respektlosigkeit gegenüber Gott und ihre Lieblosigkeit gegenüber den eigenen Landsleuten.
6 Alle, die sich auf ihren Diwanen rekelten, die Widder aus einer Kleinviehherde aßen, die Wein tranken und zum Gesang Instrumente ersannen, sollten eine Überraschung erleben. An sie war die Frage gerichtet: „Tut ihr den Unglückstag aus eurem Sinn?“ Sie hätten wegen der Verhältnisse in Israel zutiefst betroffen sein sollen. Aber sie waren „wegen der Katastrophe Josephs nicht krank geworden“ (Amos 6:3-6). Jehova, der seinen Blick über die wirtschaftliche Wohlfahrt der Nation hinaus richtete, sah, dass sich Joseph — oder Israel — in geistiger Hinsicht in einer katastrophalen Verfassung befand. Das Volk ging jedoch unbekümmert seinen täglichen Geschäften nach. Heute offenbaren viele Menschen eine ähnliche Gesinnung. Sie räumen womöglich ein, dass wir in schwierigen Zeiten leben, aber solange sie persönlich nicht davon betroffen sind, kümmert sie die Not anderer kaum, und an geistigen Belangen sind sie nicht interessiert.
Israel — eine zerfallende Nation
7 Das Buch Amos malt das Bild von einer zerfallenden Nation, ungeachtet des äußeren Scheins. Da die Israeliten Gottes Warnungen nicht beachteten und ihre Denkweise nicht änderten, würde Jehova sie ihren Feinden überlassen. Dann würden die Assyrer sie von ihren prächtigen elfenbeinernen Ruhebetten werfen und sie in die Gefangenschaft verschleppen. Mit ihrem angenehmen Leben wäre es vorbei.
8 Wie waren die Israeliten eigentlich in diesen erbärmlichen Zustand geraten? Alles begann damit, dass 997 v. u. Z. nach König Salomos Tod sein Sohn Rehabeam die Nachfolge antrat und sich zehn Stämme Israels von den Stämmen Juda und Benjamin abspalteten. Der erste König des Zehnstämmereiches Israel war Jerobeam I., „der Sohn Nebats“ (1. Könige 11:26). Jerobeam überzeugte die Bevölkerung seines Herrschaftsbereichs davon, dass es zu viel für sie sei, nach Jerusalem zu reisen, um Jehova anzubeten. Doch Jerobeam lag eigentlich nicht das Wohl des Volkes am Herzen. Er war darauf bedacht, seine eigenen Interessen zu wahren (1. Könige 12:26). Jerobeam befürchtete, die Israeliten könnten sich schließlich wieder Juda zugehörig fühlen, wenn sie weiterhin zu den jährlichen Festen zu Ehren Jehovas zum Tempel nach Jerusalem gingen. Um dem vorzubeugen, stellte Jerobeam zwei goldene Kälber auf, das eine in Dan und das andere in Bethel. So wurde die Kälberanbetung im Königreich Israel zur Staatsreligion (2. Chronika 11:13-15).
9 Jerobeam versuchte, der neuen Religion einen ehrbaren Anstrich zu verleihen. Er führte Feiern ein, die gewisse Ähnlichkeit mit den Festen in Jerusalem hatten. In 1. Könige 12:32 heißt es: „Ferner veranstaltete Jerobeam ein Fest im achten Monat, am fünfzehnten Tag des Monats, gleich dem Fest, das in Juda stattfand, damit er Opfergaben auf dem Altar darbringe, den er in Bethel gemacht hatte.“
10 Jehova billigte diese Feste der falschen Religion niemals. Das machte er mehr als hundert Jahre später durch Amos deutlich. Der Prophet wirkte in der Regierungszeit Jerobeams II., der um das Jahr 844 v. u. Z. König über das Zehnstämmereich Israel wurde (Amos 1:1). Gemäß Amos 5:21-24 sagte Gott: „Ich habe gehasst, ich habe verworfen eure Feste, und ich werde den Geruch eurer feierlichen Versammlungen nicht genießen. Denn wenn ihr mir Ganzbrandopfer darbringt, werde ich selbst an euren Opfergaben kein Wohlgefallen finden, und eure Gemeinschaftsschlachtopfer von Masttieren werde ich nicht anschauen. Entferne von mir das Getöse deiner Lieder; und den melodischen Klang deiner Saiteninstrumente mag ich nicht hören. Und möge sich das Recht einherwälzen wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein beständig fließender Wildbach.“
Parallelen in der heutigen Zeit
11 Jehova prüfte zweifellos das Herz derjenigen, die an den Festen in Israel teilnahmen, und verwarf ihr Feiern und ihre Opfer. Genauso verwirft er heute die heidnischen Feste der Christenheit wie zum Beispiel Weihnachten und Ostern. Für Anbeter Jehovas gibt es keine Gemeinschaft zwischen Gerechtigkeit und Gesetzlosigkeit, keine Teilhaberschaft von Licht an Finsternis (2. Korinther 6:14-16).
12 In der Religionsausübung der Christenheit finden wir noch weitere Entsprechungen zu der der israelitischen Kälberanbeter. Für einige Namenchristen ist Gottes Wort zwar die Wahrheit, aber die Anbetung der Christenheit an sich beruht nicht auf echter Liebe zu Gott. Wäre das der Fall, würde die Christenheit darauf bestehen, Jehova „mit Geist und Wahrheit“ anzubeten, weil das die Art der Anbetung ist, die er für richtig befindet (Johannes 4:24). Außerdem kann von der Christenheit nicht gesagt werden, dass ‘sich das Recht einherwälzt wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein beständig fließender Wildbach’. Stattdessen spielt die Christenheit Gottes sittliche Forderungen fortwährend herunter. Sie duldet Hurerei und andere schwere Sünden und geht sogar so weit, homosexuelle Lebensgemeinschaften zu segnen.
„Liebt das Gute“
13 Allen, die Jehova auf annehmbare Weise anbeten möchten, sagt er: „Hasst das Böse, und liebt das Gute“ (Amos 5:15). Liebe und Hass sind starke Gefühlsregungen, die aus dem sinnbildlichen Herzen kommen. Das Herz ist verräterisch; daher müssen wir alles in unserer Macht Stehende tun, um es zu schützen (Sprüche 4:23; Jeremia 17:9). Würden wir im Herzen sündhafte Begierden hegen, könnte es so weit kommen, dass wir das Schlechte lieben und das Gute hassen. Und wer seinen Begierden nachgibt und unentwegt Sünde treibt, wird auch durch noch so großen Eifer nicht wieder in Gottes Gunst gelangen. Bitten wir daher Gott um Hilfe, das Böse zu hassen und das Gute zu lieben.
14 Nicht alle Israeliten taten damals, was schlecht war in Jehovas Augen. Hosea und Amos liebten zum Beispiel das Gute und dienten Gott treu als Propheten. Andere legten das Nasiräatsgelübde ab. Für die Dauer ihres Nasiräats verzichteten sie auf Erzeugnisse des Weinstocks, vor allem auf Wein (4. Mose 6:1-4). Wie betrachteten die anderen Israeliten das aufopferungsvolle Leben solcher Menschen und ihr Bemühen, Gutes zu tun? Die schockierende Antwort auf diese Frage offenbart, wie schlecht es mittlerweile um die Anbetung im Land bestellt war. In Amos 2:12 heißt es: „Ihr . . . gabt den Nasiräern ständig Wein zu trinken, und den Propheten erlegtet ihr einen Befehl auf, indem ihr spracht: ‚Ihr sollt nicht prophezeien.‘ “
15 Die vorbildliche Treue der Nasiräer und der Propheten hätte die Israeliten beschämen und sie veranlassen sollen, sich zu ändern. Stattdessen waren sie so lieblos, dass sie die Treuen davon abzubringen suchten, Gott zu verherrlichen. Fordern wir aufopferungsvolle Pioniere, reisende Aufseher, Missionare oder Mitglieder der Bethelfamilie niemals auf, den Vollzeitdienst einfach dafür aufzugeben, wieder ein so genannt normales Leben zu führen. Ermuntern wir sie vielmehr, ihre gute Arbeit fortzusetzen.
16 Viele Israeliten standen sich materiell gesehen zwar gut, doch waren sie ‘nicht reich Gott gegenüber’ (Lukas 12:13-21). Ihre Vorfahren hatten in der Wildnis 40 Jahre lang nur Manna gegessen. Sie taten sich nicht an einem an der Krippe gemästeten Stier gütlich und rekelten sich nicht träge auf Ruhebetten aus Elfenbein. Dennoch hatte Moses ihnen zu Recht gesagt: „Jehova, dein Gott, hat dich in allem Tun deiner Hand gesegnet. . . . Diese vierzig Jahre ist Jehova, dein Gott, mit dir gewesen. Es hat dir an nichts gefehlt“ (5. Mose 2:7). Ja, die Israeliten hatten in der Wildnis stets das, was sie wirklich benötigten. Und vor allem genossen sie Gottes Liebe, Schutz und Segen.
17 Jehova erinnerte die Zeitgenossen des Amos daran, dass er ihre Vorfahren in das Land der Verheißung gebracht und ihnen geholfen hatte, alle ihre Feinde aus dem Land zu vertreiben (Amos 2:9, 10). Aber warum hatte denn Jehova jene Israeliten aus dem Land Ägypten hinausgeführt und in das Land der Verheißung gebracht? Etwa um ein Leben in Müßiggang und Luxus zu führen und ihren Schöpfer zu verwerfen? Geschah es nicht, damit sie als freies und geistig reines Volk Jehova anbeten konnten? Aber die Bevölkerung des Zehnstämmereiches Israel hasste nicht das Böse und liebte nicht das Gute, sondern gab geschnitzten Bildern die Ehre und nicht Jehova Gott. Wie beschämend!
Jehova hält Abrechnung
18 Gott sah keineswegs über das schändliche Verhalten der Israeliten hinweg. Er machte seinen Standpunkt deutlich und sagte: „Ich [werde] Abrechnung halten mit euch wegen all eurer Vergehungen“ (Amos 3:2). Jene Worte sollten uns an unsere eigene Befreiung aus der Sklaverei im neuzeitlichen Ägypten — dem gegenwärtigen bösen System der Dinge — erinnern. Jehova hat uns die geistige Freiheit nicht geschenkt, damit wir nach selbstsüchtigen Zielen streben. Stattdessen sollten wir ihn als freies Volk von ganzem Herzen lobpreisen und die reine Anbetung ausüben. Jeder von uns wird sich dafür verantworten müssen, wie er die von Gott erhaltene Freiheit gebraucht (Römer 14:12).
19 Die eindringliche Botschaft des Amos wurde von den meisten in Israel leider nicht beachtet. Mit folgenden Worten, die wir in Amos 4:4, 5 lesen, deckt der Prophet ihre verderbte Herzenseinstellung auf: „Kommt nach Bethel, und begeht Übertretung. Zu Gilgal begeht vielfach Übertretung . . ., denn so habt ihr es geliebt, o Söhne Israels.“ Die Israeliten hatten keine rechten Wünsche entwickelt. Sie hatten ihr Herz nicht behütet. Daher waren die meisten von ihnen dazu übergegangen, das Böse zu lieben und das Gute zu hassen. Jene Kälberanbeter wollten sich nicht ändern. Jehova würde Abrechnung halten, und sie sollten als Sünder sterben.
20 Für jemand, der damals lebte, dürfte es nicht einfach gewesen sein, Jehova treu zu bleiben. Es ist nicht leicht, gegen den Strom zu schwimmen, wie heutige Christen, ob jung oder alt, nur zu gut wissen. Aber die Liebe zu Gott und der Wunsch, ihm zu gefallen, veranlasste einige Israeliten dazu, die wahre Anbetung auszuüben. An sie ließ Jehova die herzliche Einladung ergehen, die in Amos 5:4 aufgezeichnet ist: „Sucht nach mir, und bleibt am Leben.“ Auch heute erweist Gott denen Barmherzigkeit, die bereuen und nach ihm suchen, indem sie aus seinem Wort genaue Erkenntnis in sich aufnehmen und dann seinen Willen tun. So zu handeln ist nicht leicht, aber es führt zu ewigem Leben (Johannes 17:3).
Wohlfahrt trotz geistiger Hungersnot
21 Was erwartete diejenigen, die die wahre Anbetung nicht unterstützten? Hungersnot der schlimmsten Art — geistige Hungersnot! „Es kommen Tage“, sagte der Souveräne Herr Jehova, „und ich will einen Hunger in das Land senden, einen Hunger, nicht nach Brot, und einen Durst, nicht nach Wasser, sondern die Worte Jehovas zu hören“ (Amos 8:11). Die Christenheit wird gegenwärtig von solch einer geistigen Hungersnot heimgesucht. Doch gerecht gesinnte Menschen unter ihnen können die geistige Wohlfahrt des Volkes Gottes sehen und strömen ständig in Jehovas Organisation. Mit treffenden Worten beschreibt Jehova den Gegensatz zwischen der Situation der Christenheit und der von Gottes Dienern: „Siehe! Meine eigenen Knechte werden essen, ihr selbst aber werdet hungern. Siehe! Meine eigenen Knechte werden trinken, ihr selbst aber werdet dürsten. Siehe! Meine eigenen Knechte werden sich freuen, ihr selbst aber werdet Schande erleiden“ (Jesaja 65:13).
22 Schätzen wir persönlich als Diener Jehovas all das, womit er uns geistig stärkt und segnet? Wenn wir die Bibel und unsere Publikationen studieren sowie unsere Zusammenkünfte und Kongresse besuchen, ist uns tatsächlich zum Jubeln zumute wegen unseres guten Herzenszustands. Wir freuen uns über unser klares Verständnis des Wortes Gottes, einschließlich der von Gott inspirierten Prophezeiung des Amos.
23 Die Prophezeiung des Amos enthält für alle, die Gott lieben und ihn verherrlichen möchten, eine hoffnungsvolle Botschaft. Ganz egal, wie unsere wirtschaftliche Situation momentan aussieht oder welche Belastungen wir in dieser von Problemen geschüttelten Welt haben — wir, die wir Gott lieben, haben den Segen Gottes und die beste geistige Speise (Sprüche 10:22; Matthäus 24:45-47). Alle Ehre dafür gebührt Gott, der uns alles reichlich schenkt. Deshalb sollten wir entschlossen sein, ihn bis in alle Ewigkeit von Herzen zu preisen. Diese Freude wird uns gewährt, wenn wir Jehova suchen, der das Herz prüft.
Gottes Wort freimütig verkündigen
„Geh, prophezeie meinem Volk“ (AMOS 7:15).
EIN Zeuge für Jehova stand in seiner Tätigkeit unvermutet einem Priester gegenüber. Der Priester forderte ihn lautstark auf, mit dem Predigen aufzuhören und aus der Gegend zu verschwinden. Wie verhielt sich dieser Diener Jehovas daraufhin? Kam er der Aufforderung nach, oder verkündigte er Gottes Wort mutig weiter? Das lässt sich leicht herausfinden, weil dieser Zeuge sein Erlebnis in einem Buch festhielt, das seinen Namen trägt. Es handelt sich um das Bibelbuch Amos. Bevor wir auf diese Begegnung mit dem Priester näher eingehen, wollen wir etwas mehr über Amos selbst erfahren.
2 Wer war Amos? Wann und wo lebte er? Die Antworten auf diese Fragen finden wir in Amos 1:1: „Die Worte des Amos, der sich unter den Schafzüchtern aus Tekoa befand, . . . in den Tagen Usijas, des Königs von Juda, und in den Tagen Jerobeams, des Sohnes des Joas, des Königs von Israel.“ Amos lebte in Juda. Sein Heimatort war Tekoa, etwa 16 Kilometer südlich von Jerusalem. Er lebte gegen Ende des 9. Jahrhunderts v. u. Z., als König Usija in Juda herrschte und Jerobeam II. König des Zehnstämmereiches Israel war. Amos war ein Schafzüchter. Aus Amos 7:14 geht jedoch hervor, dass er nicht nur „ein Viehhirt“, sondern auch ein „Maulbeerfeigenritzer“ war. Einen Teil des Jahres arbeitete er also als Saisonarbeiter und ritzte oder schnitt Feigen ein. Diese Arbeit beschleunigte den Reifeprozess der Früchte. Es war eine mühselige Tätigkeit.
„Geh, prophezeie“
3 Amos sagte ganz offen: „Ich war kein Prophet, noch war ich der Sohn eines Propheten“ (Amos 7:14). Er war weder als Sohn eines Propheten geboren worden, noch war er zum Propheten ausgebildet worden. Dennoch wählte Jehova ihn aus der ganzen Bevölkerung Judas für sein Werk aus. Keinem mächtigen König, keinem gebildeten Priester und keinem reichen Vorsteher übertrug er damals diesen Auftrag. Welch ein tröstlicher Gedanke für uns! Wir persönlich haben vielleicht keine einflussreiche weltliche Stellung oder umfassende Bildung. Sollten wir uns aber deshalb für unbefähigt halten, Gottes Wort zu predigen? Keinesfalls! Jehova kann uns befähigen, selbst in schwierigen Gebieten seine Botschaft zu verkündigen. Genau das tat er im Fall des Amos. Deshalb ist es für uns alle, die wir Gottes Wort mit Freimut verkündigen möchten, lehrreich, das Beispiel dieses mutigen Propheten zu betrachten.
4 Jehova beauftragte Amos: „Geh, prophezeie meinem Volk Israel“ (Amos 7:15). Das war keine leichte Aufgabe. Im Zehnstämmereich Israel herrschte Frieden und Sicherheit. Dem Volk ging es gut. Einige hatten „Winterhäuser“ und zusätzlich „Sommerhäuser“; diese waren nicht aus gewöhnlichen Ziegelsteinen gebaut, sondern aus teurem „behauenem Stein“. Manche besaßen elegante Möbel mit Einlegearbeiten aus Elfenbein, und sie tranken Wein, dessen Trauben in „begehrenswerten Weingärten“ heranreiften (Amos 3:15; 5:11). Das führte dazu, dass viele selbstgefällig waren. Das Gebiet, in dem Amos wirkte, glich in vielerlei Hinsicht tatsächlich den Gegenden, in denen viele von uns heute predigen.
5 Natürlich war gegen materiellen Besitz an sich nichts einzuwenden. Doch einige Israeliten häuften durch unehrliche Methoden Reichtum auf. Den Reichen galt der Vorwurf, „die Geringen [zu] übervorteilen“ und „die Armen [zu] zertreten“ (Amos 4:1). Einflussreiche Händler und Priester machten mit Richtern gemeinsame Sache, um sich an den Armen zu bereichern. Werfen wir einen Blick in die Vergangenheit und beobachten wir diese Männer bei ihrem Treiben.
Sie übertraten Gottes Gesetz
6 Gehen wir zuerst auf den Marktplatz. Dort haben unehrliche Händler „das Epha klein“ und „den Schekel groß“ gemacht und verkaufen sogar ‘lauter Abfall’ als Getreide (Amos 8:5, 6). Die Händler betrügen ihre Kunden, was die Warenmenge, den Preis und die Qualität betrifft. Nachdem sie die Armen so weit ausgebeutet haben, dass sie völlig ruiniert sind, müssen sich diese Unglücklichen als Sklaven verkaufen. Dann kaufen die geldgierigen Händler einen Armen „für den Preis von einem Paar Sandalen“ (Amos 8:6). Das muss man sich einmal vorstellen! Ihre eigenen israelitischen Landsleute waren ihnen nicht mehr wert als bloßes Schuhwerk! Welch eine niederschmetternde Demütigung für die Bedürftigen! Und welch eine grobe Verletzung des Gesetzes Gottes! Aber dieselben Händler halten den „Sabbat“ ein (Amos 8:5). Sie sind zwar religiös, aber nur nach außen hin.
7 Wieso kamen die Händler ungestraft davon, wenn doch Gottes Wort gebietet: „Du sollst deinen Mitmenschen lieben wie dich selbst“ (3. Mose 19:18)? Es gelang ihnen, weil die Richter — also diejenigen, die dem Recht Geltung verschaffen sollten — ihre Komplizen waren. Am Stadttor, wo Rechtsangelegenheiten verhandelt wurden, nahmen die Richter „Schweigegeld“ und wiesen die Armen ab. Statt sie zu schützen, ließen sie sie gegen Bestechung im Stich (Amos 5:10, 12). So ignorierten auch die Richter das Gesetz Gottes.
8 Welche Rolle spielten währenddessen die Priester in Israel? Um das herauszufinden, müssen wir uns einem anderen Schauplatz zuwenden. Beachten wir, welche Sünden sie „im Haus ihrer Götter“ zuließen. Durch Amos sagte Gott: „Ein Mann und dessen eigener Vater sind zu demselben Mädchen gegangen, um meinen heiligen Namen zu entweihen“ (Amos 2:7, 8). Man stelle sich das vor! Israelitische Väter und Söhne verüben Unsittlichkeit mit ein und derselben Tempelprostituierten. Und jene verderbten Priester waren gegenüber dieser Unmoral blind! (3. Mose 19:29; 5. Mose 5:18; 23:17).
9 Jehova kam noch auf eine andere Sünde zu sprechen: „Auf gepfändeten Kleidern strecken sie sich neben jedem Altar aus; und den Wein derer, denen eine Geldbuße auferlegt worden ist, trinken sie im Haus ihrer Götter“ (Amos 2:8). Die Priester und das Volk im Allgemeinen setzen sich also auch über das geschriebene Gesetz aus 2. Mose 22:26, 27 hinweg, wo es heißt, dass das Kleid, das als Pfand genommen wird, bei Sonnenuntergang zurückgegeben werden muss. Stattdessen benutzten sie es als Decke, auf der sie sich bei Festen zu Ehren falscher Götter ausstreckten und aßen und tranken. Den Wein dazu kauften sie sich von dem Bußgeld, das sie den Armen abnahmen. Wie weit sie doch von der wahren Anbetung abgewichen waren!
10 Schamlos übertraten die Israeliten die beiden größten Gebote des Gesetzes: Jehova zu lieben und ihren Nächsten zu lieben. Durch Amos ließ Jehova sie wegen ihrer Untreue verurteilen. Heute spiegeln die Nationen der Welt — die Nationen der Christenheit eingeschlossen — das korrupte Verhalten des alten Israel wider. Einigen Menschen geht es sehr gut. Andere dagegen sind aufgrund der unmoralischen Praktiken von führenden Persönlichkeiten der Geschäftswelt, der Politik und der falschen Religion finanziell ruiniert und emotionell geschädigt. Aber Jehova sorgt sich um Menschen, die zu leiden haben und sich gedrängt fühlen, ihn zu suchen. Deshalb hat er seine neuzeitlichen Diener beauftragt, eine Tätigkeit gleich der des Amos durchzuführen, nämlich sein Wort freimütig zu verkündigen.
11 Da die Tätigkeit des Amos der unseren gleicht, ist es für uns sehr nützlich, sein Beispiel näher zu betrachten. Amos zeigt uns, 1. was wir verkündigen sollten, 2. wie wir dabei vorgehen sollten und 3. warum Gegner unsere Predigttätigkeit nicht aufhalten können. Betrachten wir diese Aspekte der Reihe nach.
Uns an Amos ein Beispiel nehmen
12 Im Mittelpunkt unseres Dienstes als Zeugen Jehovas steht die Verkündigung des Königreiches und das Jüngermachen (Matthäus 28:19, 20; Markus 13:10). Wie Amos, der erklärte, dass Jehova ein Strafgericht über die Bösen bringen werde, lenken auch wir die Aufmerksamkeit auf Gottes Warnungen. Aus Amos 4:6-11 erfahren wir beispielsweise, dass Jehova Israel wiederholt sein Missfallen ausdrückte. Er ließ „Brotmangel“ über das Volk kommen, hielt den „Regenguss“ zurück, schlug sie mit „Getreidebrand und mit Mehltau“ und mit der „Pest“. Wurde Israel dadurch zur Reue bewogen? „Ihr kehrtet nicht zu mir um“, sagte Gott. Ja, die Israeliten zeigten Jehova immer wieder die kalte Schulter.
13 Jehova bestrafte die reuelosen Israeliten. Doch zuvor erhielten sie eine prophetische Warnung. Das war im Einklang mit Gottes Erklärung: „Der Souveräne Herr Jehova wird kein Ding tun, es sei denn, er habe seine vertrauliche Sache seinen Knechten, den Propheten, geoffenbart“ (Amos 3:7). Jehova hatte einst Noah von der herannahenden Sintflut in Kenntnis gesetzt und ihn beauftragt, eine Warnung erschallen zu lassen. Genauso beauftragte er jetzt Amos, eine letzte Warnung ergehen zu lassen. Bedauerlicherweise ignorierte Israel die göttliche Botschaft und versäumte es, richtig zu handeln.
14 Sicherlich stellen wir zwischen der Zeit des Amos und unserer Zeit auffallende Ähnlichkeiten fest. Jesus Christus sagte für die Zeit des Endes viel Unheil voraus. Außerdem sprach er von einem globalen Predigtwerk (Matthäus 24:3-14). Wie in den Tagen des Amos ignorieren jedoch die meisten Menschen sowohl die Zeichen der Zeit als auch die Königreichsbotschaft. Für solche Menschen wird es jedoch dieselben Folgen haben wie für die reuelosen Israeliten. Jehova ließ Israel sagen: „Mache dich bereit, deinem Gott zu begegnen“ (Amos 4:12). Die Israeliten ‘begegneten Gott’, als sein Strafgericht über sie kam und das assyrische Heer sie besiegte. In unseren Tagen wird die gottlose Welt in Harmagedon ‘Gott begegnen’ (Offenbarung 16:14, 16). Solange Jehova allerdings noch Geduld übt, fordern wir so viele Menschen wie möglich auf: „Sucht Jehova, und bleibt am Leben“ (Amos 5:6).
Wie Amos mit Gegnerschaft fertig werden
15 Wir können Amos nicht nur in dem nachahmen, was er verkündete, sondern uns auch daran ein Beispiel nehmen, wie er es tat. Das wird in Kapitel 7 deutlich, wo wir auf den zu Beginn erwähnten Priester stoßen. Es war „Amazja, der Priester von Bethel“ (Amos 7:10). Bethel war das Zentrum der abtrünnigen Religion Israels, zu der auch die Kälberanbetung gehörte. Amazja war also ein Priester der Staatsreligion. Wie reagierte er auf die freimütigen Äußerungen des Amos?
16 Amazja sagte zu Amos: „O Visionenseher, geh, lauf hinweg in das Land Juda, und dort iss Brot, und dort magst du prophezeien. Aber in Bethel sollst du fortan nicht mehr prophezeien, denn es ist das Heiligtum eines Königs, und es ist das Haus eines Königtums“ (Amos 7:12, 13). Anders ausgedrückt sagte Amazja: „Geh nach Hause! Wir haben unsere eigene Religion.“ Außerdem wollte er die Regierung dazu aufstacheln, die Tätigkeit des Amos zu verbieten. Er sagte zu König Jerobeam II.: „Amos hat sich direkt innerhalb des Hauses Israel gegen dich verschworen“ (Amos 7:10). Ja, Amazja beschuldigte Amos des Landesverrats. Er sagte zum König: „Dies ist, was Amos gesagt hat: ‚Durch das Schwert wird Jerobeam sterben; und was Israel betrifft, es wird ganz gewiss von seinem eigenen Boden hinweg ins Exil gehen‘ “ (Amos 7:11).
17 Mit diesen Worten machte Amazja gleich drei irreführende Aussagen. Zunächst erklärte er: „Dies ist, was Amos gesagt hat.“ Aber Amos hatte nie behauptet, der Urheber der Prophezeiung zu sein. Stets hatte Amos betont: „Dies ist, was Jehova gesprochen hat“ (Amos 1:3). Des Weiteren sollte Amos gesagt haben, Jerobeam werde durch das Schwert sterben. Wie in Amos 7:9 aufgezeichnet, gab er jedoch Jehova mit den Worten wieder: „Ich [Jehova] will gegen das Haus Jerobeams mit einem Schwert aufstehen.“ Das Unheil über „das Haus“ oder die Nachkommenschaft Jerobeams hatte also Gott vorhergesagt. Außerdem sollte Amos gesagt haben, Israel werde ganz gewiss ins Exil gehen. Amos hatte aber auch vorhergesagt, dass jeder Israelit, der zu Jehova umkehren würde, von ihm gesegnet werden würde. Bei Amazjas Äußerungen handelte es sich eindeutig um Halbwahrheiten, mit denen er versuchte, die Tätigkeit des Amos mit einem staatlichen Verbot belegen zu lassen.
18 Ist uns aufgefallen, dass die von Amazja benutzten Methoden denen heutiger Gegner des Volkes Jehovas sehr ähnlich sind? Amazja versuchte, Amos mundtot zu machen. Genauso versuchen heute Priester, Prälaten und Patriarchen die Predigttätigkeit der Diener Jehovas zu verhindern. Amazja klagte Amos fälschlicherweise des Landesverrats an. Genauso grundlos beschuldigen heute Geistliche Jehovas Zeugen, die nationale Sicherheit zu bedrohen. Amazja bat den König um Unterstützung in seinem Kampf gegen Amos. Und Geistliche wenden sich heute bei der Verfolgung von Jehovas Zeugen häufig an ihre Verbündeten in der Politik.
Gegner können unserem Predigtwerk nicht Einhalt gebieten
19 Wie reagierte Amos auf die Gegnerschaft Amazjas? Zuerst fragte Amos den Priester: „Sagst du: ‚Du sollst nicht gegen Israel prophezeien‘?“ Dann äußerte Gottes mutiger Prophet ohne Zögern Worte, die Amazja sicherlich nicht gern hörte (Amos 7:16, 17). Amos ließ sich also nicht einschüchtern. Welch ein nachahmenswertes Beispiel für uns! Wenn es darum geht, Gottes Wort bekannt zu machen, werden wir unserem Gott nicht ungehorsam — auch nicht in den Ländern, wo neuzeitliche Amazjas grausame Verfolgung schüren. Wie Amos erklären wir weiterhin: „Dies ist, was Jehova gesprochen hat.“ Gegner können unserem Predigtwerk niemals Einhalt gebieten, denn „die Hand Jehovas“ ist mit uns (Apostelgeschichte 11:19-21).
20 Amazja hätte eigentlich wissen müssen, dass seine Drohungen nichts bringen würden. Schließlich hatte Amos bereits erklärt, warum ihn niemand auf der Erde zum Schweigen bringen konnte. Und das ist der dritte Aspekt unserer Betrachtung. Gemäß Amos 3:3-8 stellte der Prophet eine Reihe von Fragen und benutzte Veranschaulichungen, um zu zeigen, dass nichts ohne Grund geschah. Dann zeigte er den praktischen Bezug und sagte: „Da ist ein Löwe, der gebrüllt hat! Wer wird sich nicht fürchten? Der Souveräne Herr Jehova selbst hat geredet! Wer wird nicht prophezeien?“ Anders ausgedrückt, teilte Amos seinen Zuhörern mit: „Wenn ihr schon beim Brüllen eines Löwen in Furcht geratet, kann ich mich doch nicht davon zurückhalten, Gottes Wort zu predigen, nachdem Jehova es mir befohlen hat.“ Gottesfurcht oder tiefe Ehrfurcht vor Jehova trieb Amos an, freimütig zu reden.
21 Auch wir hören die Aufforderung Jehovas, zu predigen. Und wie reagieren wir darauf? Wie Amos und die ersten Nachfolger Jesu verkündigen wir mit der Hilfe Jehovas sein Wort mit Freimut (Apostelgeschichte 4:23-31). Weder die von Gegnern angezettelte Verfolgung noch die Selbstzufriedenheit derer, denen wir predigen, bringen uns zum Schweigen. Wir fühlen uns angespornt, weiterhin mit demselben Eifer wie Amos auf der ganzen Welt freimütig die gute Botschaft zu verkündigen. Es ist unsere Verantwortung, die Menschen vor dem kommenden Strafgericht Jehovas zu warnen. Was hat es mit diesem Gericht auf sich? Diese Frage wird im folgenden Artikel beantwortet.
Nehmt euch die Propheten Gottes als Beispiel – Sie erlitten Ungemach
3 Jehovas Propheten erlitten oft Ungemach oder wurden schlecht behandelt. Im neunten Jahrhundert v. u. Z. leistete zum Beispiel der Priester Amazja, ein Kälberanbeter, dem Propheten Amos erbitterten Widerstand. Amazja beschuldigte Amos ungerechtfertigterweise, sich gegen Jerobeam II. verschworen zu haben, weil er prophezeit hatte, daß der König durch das Schwert sterben und Israel ins Exil gehen würde. Verächtlich sagte Amazja zu Amos: „O Visionenseher, geh, lauf hinweg in das Land Juda, und dort iß Brot, und dort magst du prophezeien. Aber in Bethel sollst du fortan nicht mehr prophezeien, denn es ist das Heiligtum eines Königs, und es ist das Haus eines Königtums.“ Unbeeindruckt von diesem verbalen Angriff, antwortete Amos: „Ich war kein Prophet, noch war ich der Sohn eines Propheten; sondern ich war ein Viehhirt und ein Maulbeerfeigenritzer. Und Jehova nahm mich dann hinter der Kleinviehherde weg, und Jehova sagte darauf zu mir: ‚Geh, prophezeie meinem Volk Israel‘ “ (Amos 7:10-15).
4 Jehovas Geist gab Amos die Kraft, mutig zu prophezeien. Stellen wir uns Amazjas Reaktion vor, als Amos sagte: „Höre das Wort Jehovas: ‚Sagst du: „Du sollst nicht gegen Israel prophezeien, und du sollst kein Wort gegen das Haus Isaaks fallenlassen.“? Dies ist daher, was Jehova gesprochen hat: „Was deine Frau betrifft, in der Stadt wird sie eine Prostituierte werden. Und was deine Söhne und deine Töchter betrifft, durch das Schwert werden sie fallen. Und was deinen Boden betrifft, mit dem Meßseil wird er ausgeteilt werden. Und was dich selbst betrifft, auf unreinem Boden wirst du sterben; und was Israel betrifft, es wird ganz gewiß von seinem eigenen Boden hinweg ins Exil gehen.“ ‘ “ Die Prophezeiung erfüllte sich tatsächlich (Amos 7:16, 17). Welch ein Schock für den abtrünnigen Amazja!
5 Jehovas Diener befinden sich heute in einer ähnlichen Situation. Als Verkündiger der Botschaften Gottes erleiden wir Ungemach, und viele Menschen sprechen verächtlich von unserer Predigttätigkeit. Zugegeben, die Befugnis zu predigen hat uns kein theologisches Seminar erteilt. Vielmehr drängt uns Jehovas heiliger Geist, die gute Botschaft vom Königreich zu verkündigen. Wir verändern oder verwässern Gottes Botschaft nicht. Gehorsam wie Amos verkündigen wir sie ungeachtet der Reaktion unserer Zuhörer (2. Korinther 2:15-17).
Gott bedient sich der Demütigen
AMOS ist in Tekoa zu Hause, einer Stadt, die ungefähr 16 km südlich von Jerusalem liegt. Östlich von ihr befindet sich die Wildnis von Judäa mit ihren sanften kahlen Hügeln, die von Tälern und Schluchten durchzogen sind. Während der Regenzeit ist die Gegend nur spärlich bewachsen. Hier arbeitet Amos als einfacher Schafzüchter. Er betätigt sich auch saisonweise als Maulbeerfeigenritzer. Das Einkneifen oder Einritzen der Feigen soll den Reifeprozeß beschleunigen und bewirken, daß die Frucht größer und süßer wird (Amos 1:1; 7:14, 15).
Während Amos die Schafe hütet, wird er aufgefordert, als Prophet Jehovas zu dienen. Von Gottes Geist angetrieben, geht er nordwärts in das Gebiet des Zehnstämmereiches Israel. Amos verkündet mutig eine Botschaft des Untergangs für das Königshaus Jerobeams, des Sohnes Joas, und sagt auch Israels Exil voraus (Amos 6:7; 7:9, 11).
In Bethel, einem Zentrum der Kälberanbetung, wird der götzendienerische Priester Amazja durch das Prophezeien des Amos sehr belästigt. Er will Jehovas Prophet mit folgenden Worten einschüchtern: „O Visionenseher, geh, lauf hinweg in das Land Juda, und dort iß Brot, und dort magst du prophezeien. Aber in Bethel sollst du fortan nicht mehr prophezeien, denn es ist das Heiligtum eines Königs, und es ist das Haus eines Königtums“ (Amos 7:12, 13).
Durch Gottes Geist ermutigt, steht Amos seinen Mann. „Ich war kein Prophet, noch war ich der Sohn eines Propheten“, entgegnet er, „sondern ich war ein Rinderhirt und ein Maulbeerfeigenritzer. Und Jehova nahm mich dann hinter der Kleinviehherde weg, und Jehova fuhr fort, zu mir zu sprechen: ,Geh, prophezeie meinem Volk Israel.‘ “ Dann kündigt er Amazja das Gericht an, das über ihn kommen soll, weil er Gottes Botschaft widerstanden hat: „Was deine Frau betrifft, in der Stadt wird sie eine Prostituierte werden [indem sie von Soldaten der erobernden Streitmacht vergewaltigt wird]. Und was deine Söhne und deine Töchter betrifft, durch das Schwert werden sie fallen. Und was deinen Erdboden betrifft, durch das Meßseil wird er ausgeteilt werden [durch diejenigen, die das Land besetzen werden]. Und was dich selbst betrifft, auf unreinem Erdboden [außerhalb des Landes Israel] wirst du sterben“ (Amos 7:14-17).
Dadurch, daß Amos im 9. Jahrhundert v. u. Z. als Jehovas Prophet auserwählt wurde, wird deutlich veranschaulicht, daß der Allmächtige nicht auf die Weisen der Welt angewiesen ist, um sein Werk durchzuführen. Auch heute befindet es Gott für gut, sich demütiger Menschen zu bedienen, die sich gern von seinem Geist leiten lassen. Wie furchtlos haben sie doch seinen Namen und sein Königreich verkündet! Auf diese Weise werden die Weisen beschämt. Jehova Gott beweist so, daß er von ihrer Weisheit nicht abhängig ist. Ihre Fähigkeiten, auf die sie stolz sind, erweisen sich als wertlos (1. Kor. 1:26-31).
Amos vermittelt Verständnis über Katastrophen und Unglücke
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WÄHREND Arbeiter aus der vom Erdbeben zerstörten Kirche in Balvano (Italien) Leichen bargen, rief der Priester Salvatore Pagliocchi in seiner Verzweiflung aus: „Wie kann ich diesen Leuten klarmachen, daß es Gottes Beschluß war, ihre Angehörigen während einer Messe zu sich zu nehmen?“ (Daily Post, Liverpool, 25. November 1980).
Hast du nicht auch festgestellt, daß viele Menschen der Auffassung sind, Gott sei für die heutigen Katastrophen und Unglücke verantwortlich? Aus der Bibel geht indes hervor, daß die vielen Überschwemmungen, Waldbrände, Erdbeben und anderen derartigen Katastrophen nicht dem Mutwillen des Gottes der Liebe zuzuschreiben sind (1. Joh. 4:8). Oft handelt es sich um unberechenbare Auswirkungen von Naturkräften. Doch dem Menschen bleibt eine gewisse Verantwortung nicht erspart, da er in überschwemmungsgefährdeten Ebenen oder erdbebenanfälligen Gebirgslandschaften Städte baut.
Allerdings wurden Katastrophen — auch Erdbeben, die viele Todesopfer fordern — in der Bibel für unsere Zeit vorhergesagt. Gott verursacht diese Ereignisse zwar nicht, doch hat er ihr Auftreten prophezeit. Das kleine Bibelbuch Amos vermittelt uns einen Einblick in Gottes Fähigkeit, bevorstehende Unglücke vorherzusagen, und enthält einige für uns zeitgemäße Warnungen, die wir beachten sollten.
Amos war ein Hebräer und lebte in Tekoa, einem Städtchen, das etwa 15 km südlich von Jerusalem lag. Daß er als ein Prophet in Frage kam, der eine Gerichtsbotschaft ausrichten sollte, mag sehr unwahrscheinlich erschienen sein. Warum?
Einige Männer konnten sich darauf berufen, daß ihr Vater ein Prophet war oder daß sie zu einer Gemeinschaft gehörten, die als „die Söhne der Propheten“ bekannt war (2. Kö. 2:3; 4:1). Nicht so Amos. Auf die Herausforderung eines einflußreichen Priesters im Nordreich entgegnete Amos:
„Ich war kein Prophet, noch war ich der Sohn eines Propheten; sondern ich war ein Rinderhirt [„Viehhirt“, Elberfelder Bibel] und ein Maulbeerfeigenritzer. Und Jehova nahm mich dann hinter der Kleinviehherde weg, und Jehova fuhr fort, zu mir zu sprechen: ,Geh, prophezeie meinem Volk Israel‘ “ (Amos 7:14, 15).
Amos war also kein wohlhabender Herden- oder Landbesitzer. Er war ein einfacher Arbeiter, der sich auf den Weidegründen Judas um Schafe kümmerte und in der Saison eine minderwertige Art Feigen ritzte, damit sie süßer wurden. Doch wenn auch Amos’ Herkunft nicht beeindruckend war, so war es doch gewiß seine Botschaft, die er unter der Leitung Jehovas verkündete.
Er prophezeite irgendwann zwischen den Jahren 829 und 803 v. u. Z., als im Nordreich Israel Jerobeam II. und im Südreich Juda Usija herrschte. Wie Amos sagte, hatte er die Vision „zwei Jahre vor dem Erdbeben“ (Amos 1:1). Der Geschichtsschreiber Josephus berichtet, daß sich ein Erdbeben ereignete, als Usija sich erkühnte, im Heiligen des Tempels Jehovas Räucherwerk darzubringen. Doch das Erdbeben, das Amos erwähnte und das so stark war, daß auch Sacharja noch davon sprach, scheint sich zu einer früheren Zeit während der Herrschaft Usijas ereignet zu haben (2. Chron. 26:16 bis 27:1; Sach. 14:5).
Amos wurde in einer Zeit Prophet, in der allem Anschein nach Ruhe eingekehrt war und alles gutging. Im Süden hatte Usija mit Gottes Unterstützung militärische Erfolge errungen. Auch im Nordreich schien Sicherheit zu herrschen. Jerobeam hatte Israels Grenzen wieder auf ihren früheren Stand ausgedehnt, und von der Kriegsmaschinerie der Assyrer, die Syrien angegriffen hatte, wurde Israel anscheinend noch nicht bedroht (2. Kö. 14:23-28).
KORRUPTION BESCHWÖRT UNHEIL HERAUF
Doch die Lage war insgesamt nicht so angenehm und verheißungsvoll, wie es schien. Israel wurde von einem Unheil bedroht, insbesondere durch die Assyrer. Jehova Gott erwählte Amos und sandte ihn aus der Einsamkeit Judas in das Nordreich Israel, damit er eine Gerichtsbotschaft verkünde.
Liest man das kurze Buch Amos, so erlangt man eine gewisse Vorstellung von den Verhältnissen in Israel, die Jehova veranlaßten, Amos dorthin zu senden. Kurz gesagt, herrschten Wohlfahrt und Ausschweifung.
Die Sorglosigkeit und der Wohlstand vieler Israeliten bestimmten sie für das Gericht. Die Reichen lebten in ausgesprochenem Luxus. Man hatte Sommerhäuser und Winterhäuser, von denen einige aus kostbaren behauenen Steinen gebaut waren. Archäologische Funde haben den Bericht des Amos bestätigt, daß die Wohlhabenden über Ruhebetten verfügten, die mit Elfenbeineinlagen oder -schmuck reich verziert waren. Sie tranken den edelsten Wein und verwöhnten sich in zügelloser Weise mit den auserlesensten Ölen und Speisen (Amos 3:12, 15; 5:11; 6:4, 6).
Wie erlangten diese wohlhabenden Israeliten ihren Reichtum, und wie hielten sie ihn zusammen? Durch Ungerechtigkeit, Unterdrückung und andere üble Praktiken. In ihrer Selbstsucht betrogen sie die Armen, indem sie ihnen beim Verkauf von Getreide ein geringeres Maß (zudem noch schlechte oder minderwertige Qualität) gaben und trügerische Gewichte benutzten. Sie zögerten nicht, Arme wegen geringer Schulden in die Sklaverei zu verkaufen, noch gaben sie den Armen Kleidungsstücke zurück, die diese als Pfand gegeben hatten, aber wieder benötigten (Amos 2:6, 8; 8:4-6).
Ihre Mißachtung des Weges Gottes kam aber auch noch durch vieles andere zum Ausdruck. Vater und Sohn hatten Geschlechtsbeziehungen mit ein und derselben Frau. Die Reichen müssen es in Anbetracht ihrer luxuriösen, sinnlichen Lebensweise als einen Tadel empfunden haben, daß sich die Nasiräer des Weins enthielten. Aus diesem Grund versuchten sie, die Lauterkeit der Nasiräer zu brechen. Der reine Gott haßte deswegen die Heuchelei, mit der die Reichen den Zehnten gaben, Opfer darbrachten und rituelle Feste feierten (Amos 2:7, 11, 12; 4:4, 5; 5:21).
Gott antwortete auf den religiös-sittlichen Verfall Israels, indem er Amos mit der Botschaft über das drohende Unheil sandte. Doch Amos hatte auch Worte des Trostes und der Hoffnung.
DIE UNHEILVOLLE BOTSCHAFT DES AMOS
Das Buch beginnt mit Urteilen über Nachbarnationen. Damaskus (Syrien), Gasa (Philistäa), Tyrus, Edom, Ammon und Moab haben Gottes Volk mitunter so schlecht behandelt, daß es dem menschlichen Gewissen hohnspricht. Die Vorschau auf das Gericht schließt Juda ein. Was zeigt sie? Wenn alle diese Nachbarnationen ein Gericht zu erwarten haben, wie könnte dann Israel hoffen zu entrinnen, da seine Schuld aufgrund der Mißachtung dessen, was Gott für dieses Volk getan hat, noch größer ist? (Amos 1:1 bis 2:16).
Jede Wirkung hat eine Ursache, und der Umstand, daß Amos prophezeit, ist Jehova zuzuschreiben; Amos würde sich fürchten, nicht zu prophezeien (Amos 3:1-8). Er erwähnt zwar Assyrien nicht, doch versichert er den Israeliten, daß ein Feind gegen die vergnügungssüchtige Nation heranrücken werde (Amos 3:9-15). Israel ist nicht auf Gottes Zurechtweisungen eingegangen. Deshalb sagt Amos warnend: „Mache dich bereit, deinem Gott zu begegnen.“ Ja, die Israeliten sollten ihre Fehler erkennen und sich ändern. Sonst wird der Schöpfer dafür sorgen, daß Unheil über sie kommt (Amos 4:1-13).
Doch die Israeliten werden nicht auf den gütigen Aufruf hören: „Suchet Jehova, und bleibt am Leben.“ Sie werden die Aufforderung „Haßt das Böse und liebt das Gute“ nicht befolgen. Daher kommt der schreckliche „Tag Jehovas“ mit Sicherheit. Gott sagt durch Amos voraus, daß die Israeliten ins Exil gehen werden. Das traf ein; die Assyrer überrannten sie und führten Gefangene weg (2. Kö. 17:1-6). Israel ließ die von Amos erteilte Rüge außer acht und mußte deshalb die Vernichtung erleiden, die der Prophet vorhergesagt hatte (Amos 5:1 bis 6:14).
In einer Reihe anschaulicher Aussprüche zeigt Amos, daß das Ende Israels herannaht. Die zu erwartende Verwüstung sollte einer Verheerung gleichen, die ein gefräßiger Heuschreckenschwarm anrichten könnte oder ein Feuer, das sogar Wasser verzehrt. In beiden Fällen legt Amos Fürsprache ein. Doch die nächste Vision ist endgültig. Wie ein Maurer, der die Geradheit einer Mauer mit einem Senkblei überprüfen kann, so stellt Gott fest, daß Israel nicht mehr rechtschaffen ist, sondern die Verwüstung verdient. Amazja, ein Priester, der bei der Kälberanbetung dient, beschuldigt Amos des Hochverrats und befiehlt ihm, nach Juda zurückzukehren. Doch Amos bleibt standhaft und sagt sogar das Gericht an Amazja voraus (Amos 7:1-17).
Früchte werden am Ende der Reifezeit eingesammelt; so ist auch das Ende Israels nahe. Jehova schwört bei sich selbst, daß er das Volk zur Rechenschaft ziehen wird. Wenn die Urteilsvollstreckung kommt, werden die Israeliten ein Wort von Gott erwarten, doch es wird zu spät sein. Niemand wird entrinnen, selbst dann nicht, wenn man sich in den Höhlen des Karmel verbergen würde (Amos 8:1 bis 9:7).
Gott wird das Land erschüttern, als ob Israel keine ihm hingegebene Nation sei. Aber die Lage ist nicht hoffnungslos. Einige der Nachkommen Jakobs sollten bewahrt werden. Und sie wurden bewahrt. Sowohl Angehörige Israels als auch Judas kehrten 537 v. u. Z. aus der Gefangenschaft zurück (Amos 9:8-10, 13-15).
Noch trostreicher ist Amos’ Vorhersage über die Wiederaufrichtung der „Hütte Davids“. Im Jahre 49 u. Z. zitierte der Jünger Jakobus diesen Teil der Prophezeiung des Amos. Es gab inzwischen einen gesalbten voraussichtlichen König aus der Linie Davids: Jesus Christus. Durch die Einsammlung christlicher Jünger — Juden und Nichtjuden —, die Mitherrscher mit Jesus sein sollten, erfüllten sich die Worte aus Amos 9:11, 12 auf wunderbare Weise (Apg. 15:13-18).
KATASTROPHEN IN UNSERER ZEIT
Wie Amos in der Lage war, vorauszusagen, was über Israel kommen sollte, so konnte Jesus Christus internationale Entwicklungen der heutigen Zeit vorhersagen. Zwar verursacht weder Jehova, der liebevolle Gott, noch sein Sohn Kriege, Lebensmittelknappheit und Erdbeben, doch durch diese Katastrophen, die seit dem Ersten Weltkrieg eingetreten sind, erfüllt sich Jesu Prophezeiung über den „Abschluß des Systems der Dinge“ (Matth. 24:3-12). Interessanterweise sagte der Chef des U.S. Geological Survey’s Office of Geochemistry and Geophysics nach der Katastrophe, die sich im November 1980 in der Nähe von Neapel (Italien) ereignete: „Es gibt einige Hinweise, daß sowohl die Vulkan- als auch die Erdbebentätigkeit weltweit zunimmt.“
Wir haben bestimmt guten Grund, Jesu Warnung zu beherzigen, auf der Hut zu sein und uns nicht in ein luxuriöses Leben verstricken zu lassen wie die Israeliten in den Tagen des Amos. Die Tatsachen beweisen, daß das „Ende“ des gegenwärtigen verderbten Systems der Dinge nahe ist. Deshalb sollten wir ‘beharrlich wachen’ (Matth. 24:14, 36-44; Amos 5:14).
Der Niedergang einer Nation
„MACHE dich bereit, deinem Gott zu begegnen“, sagte „Jehova, der Gott der Heerscharen“, zur Nation Israel (Amos 4:12, 13). Weshalb? Vom Wohlstand geblendet, hatten die Israeliten sein Gesetz vergessen und sich der Verunreinigung seines heiligen Landes durch Götzendienst, Unmoral, Blutvergießen und Gewalttat schuldig gemacht.
Amos wurde zum Propheten erweckt, um eine Warnungsbotschaft zu übermitteln, und zwar nicht nur seiner eigenen Nation Juda, sondern insbesondere dem nördlichen Königreich Israel. Er verurteilte Israel wegen seiner zügellosen Lebensweise und prophezeite das Ende dieses Königreiches durch die Hände feindlicher Nationen. Das Buch Amos, das irgendwann zwischen 829 v. u. Z. und 804 v. u. Z. geschrieben wurde, vermittelt uns einen Einblick in Gottes Fähigkeit, Unglücke vorherzusagen, und enthält einige zeitgemäße Warnungen.
Feurige Vernichtung der Feinde Gottes
Niemand kann Gottes Gerichten entrinnen. Wie wahr dies doch im Falle von Damaskus (Syrien), Gasa (Philistäa) und Tyrus sowie von Edom, Ammon, Moab und Juda war! Wegen ihrer Verfehlungen würde Jehova seine Hand ‘nicht von ihnen abwenden’. Eigentlich diente die Vorhersage ihres Unglücks nur dazu, das Gericht zu betonen, das Israel bevorstand, weil es seinen Bund mit Gott nicht gehalten und Gottes Gesetze vergessen hatte (Amos 1:1 bis 2:16).
Beachte Gottes Warnung. „Nur euch habe ich erkannt von allen Familien des Erdbodens“, sagte Jehova zu den Israeliten (Amos 3:2). Doch ihre sündige Handlungsweise verriet Geringschätzung gegenüber dem Namen und der Souveränität Gottes. Viele waren entschlossen, reich zu werden, indem sie auf Kosten ihrer Brüder in sinnlosem Luxus lebten und ein „Winterhaus zusätzlich zum Sommerhaus“ hatten (Amos 3:15). Mit trügerischen Gewichten betrogen sie die Armen. Da sie die wahre Anbetung aufgegeben hatten, verdienten sie es, von Jehova bestraft zu werden. Aber ‘Jehova würde kein Ding tun, es sei denn, er würde es seinen Dienern offenbaren’. Deshalb sagte Amos Jehovas Gerichte voraus und forderte sie auf: „Mache dich bereit, deinem Gott zu begegnen“ (Amos 3:1 bis 4:13).
Jehova ist Rettung
Gott wird denen Barmherzigkeit erweisen, die bereuen. „Sucht nach mir, und bleibt am Leben“, lautete Jehovas Aufruf an die Israeliten (Amos 5:4). „Haßt das Böse, und liebt das Gute“ (Amos 5:15). Solche Worte wurden jedoch ignoriert. Abtrünnige gingen lieber nach Bethel und Gilgal, den Zentren des Götzendienstes, und brachten dort falschen Göttern Opfer dar (Amos 5:26; 1. Könige 12:28-30). Auf reichverzierten Ruhebetten aus Elfenbein tranken selbstgefällige Übeltäter edelsten Wein und verwöhnten sich mit den auserlesensten Ölen und Speisen (Amos 5:11; 6:4-6). Der „Tag Jehovas“ würde kommen, und Gott hatte „bei seiner eigenen Seele“ Israel Vernichtung geschworen (Amos 5:18; 6:8). Jehova würde eine Nation erwecken, die Israel bedrücken und ins Exil führen sollte (Amos 5:1 bis 6:14).
Fürchte Jehova, nicht Gegner. Die Vernichtung Israels hätte durch einen Heuschreckenschwarm oder durch ein alles verzehrendes Feuer herbeigeführt werden können. Amos legte aber für Israel Fürsprache bei Gott ein, und Jehova „empfand Bedauern“ über sein Gericht. Daher wurde es nicht auf diese Weise vollstreckt. Doch wie ein Maurer, der mit einem Senkblei die Senkrechte einer Mauer überprüft, würde Jehova Israel „fernerhin nicht mehr entschuldigen“ (Amos 7:1-8). Die Nation mußte verwüstet werden. Über die Botschaft des Propheten erbost, beschuldigte ihn Amazja, ein Priester der Kälberanbetung, zu Unrecht des Verrats und befahl ihm, ‘in das Land Juda zu laufen und nicht mehr in Bethel zu prophezeien’ (Amos 7:12, 13). Verkroch sich Amos? Nein. Furchtlos sagte er den Tod Amazjas und Unglück für dessen Familie voraus. Wie zur Erntezeit die Früchte eingesammelt werden, so war es für Jehova an der Zeit, mit Israel abzurechnen. Es würde kein Entrinnen geben (Amos 7:1 bis 8:14).
Hoffnung besteht für diejenigen, die auf Jehova vertrauen. „Ich [werde] das Haus Jakob nicht vollständig vertilgen“, sagte Jehova. Für einige der Nachkommen Jakobs bestand immer noch Hoffnung, aber nicht für die Sünder. Ihre Vernichtung war gewiß. Dennoch würde Jehova „die Gefangenen“ des Volkes Israel „zurückkehren lassen“ (Amos 9:1-15).
Die Lehre für uns: Wer sich zu einem Feind Gottes macht, verdient den Tod. Doch jedem, der die göttliche Warnungsbotschaft beachtet und bereut, wird Jehovas Barmherzigkeit zuteil, und er bleibt am Leben. Wenn wir Gott fürchten, werden wir nicht zulassen, daß uns Gegner davon abhalten, seinen Willen zu tun.
BIBELTEXTE NÄHER BELEUCHTET
○ 1:5 — In alter Zeit hatten Städte hohe Mauern mit riesigen Toren.
Um diese Tore zu verschließen, legte man an ihrer Innenseite lange Riegel aus Eisen oder Bronze an. ‘Den Riegel von Damaskus zu zerbrechen’ bedeutete, daß die syrische Hauptstadt vor den Assyrern fallen würde. Es wäre so, als ob ihre Stadttore nicht verschlossen werden könnten, weil ihre Riegel zerbrochen worden wären (2. Könige 16:8, 9).
○ 4:1 — Die den Luxus liebenden Frauen in Samaria wurden als „Kühe Baschans“ bezeichnet.
Baschans vorzügliche Weideplätze waren für die Viehzucht gut geeignet (5. Mose 32:14; Hesekiel 39:18). Die selbstsüchtigen „Kühe Baschans“ drängten ihre „Herren“ oder Männer offensichtlich, Geld von den Armen zu erpressen, damit sie ihre „Elfenbeinhäuser“ füllen konnten (Amos 3:15). Ein solches Verhalten zog jedoch göttliche Strafe nach sich.
○ 4:6 — Die Bedeutung des Ausdrucks „Reinheit der Zähne“ wird durch den Parallelbegriff „Brotmangel“ geklärt.
Der Ausdruck scheint daher auf eine Zeit der Hungersnot Bezug zu nehmen, in der die Zähne rein waren, weil es nichts zu essen gab. Wahrscheinlich hatte Jehova sein Mißfallen über das götzendienerische Zehnstämmereich dadurch zum Ausdruck gebracht, daß er gemäß seiner bereits lange zuvor ergangenen Warnung eine Hungersnot ins Land sandte (5. Mose 28:48). Doch weder diese noch andere Äußerungen des göttlichen Gerichts berührten das Herz des bundbrüchigen Volkes (Amos 4:6, 8-11).
○ 5:2 — Als Amos seine Prophezeiung äußerte, war sowohl das Volk Israel als auch sein Land noch nicht von einer fremden Macht erobert oder überwältigt worden.
Deshalb wurde das Volk als eine Jungfrau dargestellt. In nur wenigen Jahren sollte die Jungfrau Israel an die Assyrer fallen und „ins Exil jenseits von Damaskus gehen“ (Amos 5:27). Amos war sich der Vernichtung Israels wegen der Untreue der Nation so gewiß, daß er dieses Ereignis so beschrieb, als habe es bereits stattgefunden.
○ 7:1 — Mit dem „gemähten Gras des Königs“ war höchstwahrscheinlich die Steuer oder Abgabe gemeint, die der König erhob, um für den Nahrungs- und Futtermittelbedarf seiner Reiter und seiner Tiere zu sorgen.
Die königliche Steuer mußte zuerst entrichtet werden, dann konnte sich das Volk „Gras“ für den eigenen Bedarf nehmen. Doch bevor es dazu in der Lage war, kamen die Heuschrecken und fraßen die Spätsaat.
○ 8:2 — Die Sommerfrüchte wurden gegen Ende der Erntezeit gepflückt.
Das Ende des landwirtschaftlichen Jahres war somit ein Symbol dafür, daß das Ende Israels gekommen war. „Ich werde sie fernerhin nicht mehr entschuldigen“, erklärte Jehova. Die Nation hatte mit der Vollstreckung seines Gerichts zu rechnen.
○ 9:7 — Wegen ihrer treuen Vorväter hatte Jehova die Israeliten auserwählt und ihre Vorfahren aus der ägyptischen Knechtschaft befreit und in das Land Kanaan gebracht.
Sie hatten aber keinen Grund, darauf stolz zu sein, denn wegen ihrer Bosheit standen sie genauso da wie die Kuschiten. (Vergleiche Römer 2:25.) Die Befreiung aus Ägypten bot ihnen ebensowenig eine Gewähr dafür, daß sie bei Gott ständig gut angesehen waren, wie die Tatsache, daß die Philister und die Syrer nicht mehr an ihren früheren Wohnsitzen lebten. Die Abstammung von den treuen Patriarchen würde die Israeliten nicht retten. Von Gott anerkannt zu werden hängt davon ab, daß man sich seinem Willen fügt (Amos 9:8-10; Apostelgeschichte 10:34, 35).
„MACHE DICH BEREIT, DEINEM GOTT ZU BEGEGNEN“
(Amos 1:1 bis 9:15)
Amos hat eine Botschaft für die Feindnationen rund um Israel sowie für Juda und Israel. Syrien, Philistäa, Tyrus, Edom und Moab erwartet Vernichtung, weil sie Gottes Volk grausam behandelt haben. Den Bewohnern von Juda steht Vernichtung bevor, ‘weil sie das Gesetz Jehovas verworfen haben’ (Amos 2:4). Was ist über das Zehnstämmereich Israel zu sagen? Es hat die Armen ausgebeutet, Unsittlichkeit verübt, Gottes Propheten respektlos behandelt und andere Sünden begangen. Amos macht warnend darauf aufmerksam, dass Jehova „mit den Altären von Bethel Abrechnung halten“ und „das Winterhaus zusätzlich zum Sommerhaus schlagen“ wird (Amos 3:14, 15).
Obwohl die götzendienerischen Israeliten schon mehrmals bestraft wurden, bleiben sie verstockt. Amos ruft Israel auf: „Mache dich bereit, deinem Gott zu begegnen“ (Amos 4:12). Für die Israeliten bedeutet der Tag Jehovas, dass Jehova sie „ins Exil jenseits von Damaskus“, das heißt nach Assyrien, gehen lassen wird (Amos 5:27). Ein Priester von Bethel leistet Amos Widerstand, doch Amos lässt sich nicht beirren. Jehova sagt zu Amos: „Das Ende ist für mein Volk Israel gekommen. Ich werde sie nicht mehr weiterhin entschuldigen“ (Amos 8:2). Weder im Scheol noch auf den Höhen der Berge sind sie vor Gottes Strafgerichten sicher (Amos 9:2, 3). Jehova verheißt jedoch auch eine Wiederherstellung: „Ich will die Gefangenen meines Volkes Israel zurückkehren lassen, und sie werden tatsächlich die verödeten Städte bauen und sie bewohnen und Weingärten pflanzen und den Wein davon trinken und Gärten anlegen und die Frucht davon essen“ (Amos 9:14).
Antworten auf biblische Fragen:
4:1 — Wen stellen die „Kühe Baschans“ dar?
Die Hochebene Baschan östlich des Galiläischen Meeres war für ihren erstklassigen Viehbestand bekannt, unter anderem Kühe. Die saftigen Weiden in der Gegend boten für die Viehzucht gute Vorraussetzungen. Amos sprach von den Luxus liebenden Frauen Samarias als von den Kühen Baschans. Diese Frauen haben bestimmt ihre „Herren“ — ihre Männer — dazu gedrängt, einfache Menschen zu betrügen, damit sie ihrem Hang nach Luxus besser frönen konnten.
4:6 — Worauf deutet der Ausdruck „Reinheit der Zähne“ hin?
Da er parallel zu dem Wort „Brotmangel“ gebraucht wird, könnte er sich auf eine Zeit der Hungersnot beziehen, in der die Zähne mangels Nahrung sauber bleiben.
5:5 — In welchem Sinn sollte Israel ‘nicht nach Bethel suchen’?
Jerobeam hatte in Bethel den Kälberkult eingeführt, worauf die Stadt zu einem Zentrum falscher Anbetung geworden war. Sowohl in Gilgal als auch in Beerscheba müssen abtrünnige Anbetungsformen praktiziert worden sein. Um dem vorhergesagten Unheil zu entgehen, musste Israel seine Pilgerreisen zu diesen Orten einstellen und wieder Jehova suchen.
7:1 — Was ist mit „dem gemähten Gras des Königs“ gemeint?
Dieser Ausdruck bezieht sich wahrscheinlich auf die Steuer, die der König für die Versorgung seiner Reiter und Tiere erhob. Diese Steuer musste entrichtet werden, „als die Spätsaat aufzugehen begann“. Danach konnte das Volk ernten. Doch noch bevor es dazu kam, bildete sich ein Heuschreckenschwarm, der die ganze Ernte und alle anderen Pflanzen vernichtete.
8:1, 2 — Worauf deutete der „Korb Sommerfrüchte“ hin?
Er deutete darauf hin, dass Jehovas Tag nahe war. Sommerfrüchte werden gegen Ende der Erntesaison eingebracht, das heißt gegen Ende des landwirtschaftlichen Jahres. Der „Korb Sommerfrüchte“, den Jehova Amos sehen ließ, bedeutete, dass Israels Ende kurz bevorstand. Gott bestätigte dies mit den Worten: „Das Ende ist für mein Volk Israel gekommen. Ich werde sie nicht mehr weiterhin entschuldigen.“
Lehren für uns:
1:3, 6, 9, 11, 13; 2:1, 4, 6. Jehova ist zornig auf Israel, Juda und die sechs Nachbarnationen. Im Hinblick auf diesen Zorn sagt er: „Ich [werde] es nicht abwenden.“ Jehovas Strafgerichten kann niemand entgehen (Amos 9:2-5).
2:12. Wir sollten Pioniere, reisende Aufseher, Missionare und Mitglieder der Bethelfamilie, die viel gute Arbeit leisten, nicht entmutigen, indem wir ihnen nahelegen, den Vollzeitdienst aufzugeben und ein „normales“ Leben zu führen. Ermutigen wir sie vielmehr, sich weiter fleißig einzusetzen.
3:8. Wie man beim Brüllen eines Löwen in Furcht gerät, so fühlte sich Amos zum Predigen gedrängt, als er Jehova sagen hörte: „Geh, prophezeie meinem Volk“ (Amos 7:15). Wir sollten aus Gottesfurcht die Königreichsbotschaft eifrig predigen.
3:13-15; 5:11. Mit Jehovas Hilfe konnte Amos, ein einfacher Viehhirt, begüterten, selbstzufriedenen Menschen ‘Zeugnis geben’. Ebenso kann Jehova auch uns ausrüsten, die Königreichsbotschaft zu verkündigen, ganz gleich, wie schwierig das in einem bestimmten Gebiet sein mag.
4:6-11; 5:4, 6, 14. Obwohl die Israeliten immer wieder versäumten, zu Jehova ‘umzukehren’, wurde ihnen ans Herz gelegt: „Sucht Jehova, und bleibt am Leben.“ Solange Jehova das gegenwärtige böse System der Dinge noch duldet, sollten wir den Menschen dringend raten, sich Gott zuzuwenden.
5:18, 19. ‘Den Tag Jehovas herbeizusehnen’, ohne wirklich dafür bereit zu sein, ist unvernünftig. Wer das tut, handelt wie jemand, der vor einem Löwen davonläuft, nur um einem Bären zu begegnen, und der dann auf der Flucht vor dem Bären von einer Schlange gebissen wird. Wir würden gut daran tun, geistig ‘wach zu bleiben’ und stets in Bereitschaft zu sein (Lukas 21:36).
7:12-17. Wir sollten die Botschaft Gottes furchtlos und mutig verkündigen.
9:7-10. Die Israeliten waren zwar Nachkommen treuer Patriarchen und eines Volkes, das Gott auserwählt und aus Ägypten befreit hatte, doch das bewahrte treulose Israeliten nicht davor, wie die Kuschiten vor Gott schlecht dazustehen. Ein guter Stand vor unserem unparteiischen Gott wird nicht durch eine bestimmte Abstammung gewährleistet, sondern dadurch, dass man Gott „fürchtet und Gerechtigkeit wirkt“ (Apostelgeschichte 10:34, 35).
Was wir tun müssen
Der Tag, an dem Gottes Urteil an Satans Welt vollstreckt wird, ist nahe. Gott hat seinen Geist auf seine Anbeter ausgegossen und sie ausgerüstet, die Menschheit vor dem Kommen dieses Tages zu warnen. Sollten wir nicht mit ganzer Kraft anderen helfen, Jehova kennenzulernen und ‘seinen Namen anzurufen’? (Joel 2:31, 32).
Amos lässt die Aufforderung ergehen: „Hasst das Böse, und liebt das Gute, und gebt dem Recht einen Platz im Tor“ (Amos 5:15). Jetzt, wo Jehovas Tag nahe ist, wäre es klug, Gottes Nähe zu suchen und uns von der bösen Welt sowie dem verderblichen Umgang mit ihr fernzuhalten. Wie zeitgemäß sind doch in diesem Zusammenhang die Lehren, die wir aus den Bibelbüchern Joel und Amos ziehen können! (Hebräer 4:12).
Wie wir gerade hier bei den “kleinen Propheten” immer wieder sehen, lohnt es sich auf jeden Fall, auf der Wtlib nach zusätzlichem Stoff zu suchen. Die alten Artikel sind überhaupt nicht veraltet, wie einige vielleicht denken mögen, sie sind nicht überholt – ganz im Gegenteil.
Leider scheint die Leitende Körperschaft in letzter Zeit viel Zeit und Energie aufbringen zu müssen, um den Menschen überhaupt das Leben zu erklären, so dass leider tiefere geistige Schätze dabei auf der Strecke bleiben.
Woran liegt das bloß? Warum war es vor nicht mal 20 Jahren noch nicht nötig, den Brüdern bis ins kleinste Detail zu erklären, wie man sich im ganz normalen Alltagsleben zu verhalten hat? Wie man Streit und Konflikte beilegt?
Die Sache an sich finde ich nicht schlecht, denn irgendwo muss man dies scheinbar lernen. Vielleicht waren die Werte damals noch anders und auch die Erziehung und das Umfeld, so dass diese Schulung nun in unseren Publikationen viel Platz einnimmt – einnehmen muss.
Aber dies ist nicht ganz so schlimm: denn wer geistig hungert, der weiß ja, wie er auf der Wtlib jede Menge tiefere Schätze findet.
Trotzdem finde ich diese Entwicklung sehr sehr schade.