Schlagwort: Jesus

„wir seine Siege miterleben und mit ihm feiern“

Gott aber sei Dank, der uns allezeit im Triumphzuge umherführt in Christo (O. in dem Christus) und den Geruch seiner Erkenntnis an jedem Orte durch uns offenbart! Denn wir sind Gott ein Wohlgeruch Christi in (O. unter) denen, die errettet werden, und in (O. unter) denen, die verloren gehen; den einen ein Geruch vom Tode zum Tode, den anderen aber ein Geruch vom Leben zum Leben Und wer ist dazu tüchtig? Denn wir verfälschen nicht, (O. treiben nicht Handel mit) wie die vielen, das Wort Gottes, sondern als aus Lauterkeit, sondern als aus Gott, vor Gott, reden wir in Christo.
Elberfelder 1871 2.Kor 2,14–17

Gott aber sei gedankt, der uns in Christus -im Dienste Christi- allezeit (wie) in einem Triumphzug mit sich einherführt und den Wohlgeruch seiner Erkenntnis durch uns an allen Orten offenbart -d.h. wahrnehmbar aufsteigen läßt-!
Hermann Menge Übersetzung – 1926 – 2.Korinther 2,14

Ich bin Christus so superdankbar, dass wir seine Siege miterleben und mit ihm feiern! Egal wo wir hinkommen, wir erzählen überall die gute Nachricht von dem neuen Leben mit Jesus! Das ist so, als ob einem ein richtig guter Duft in die Nase steigt. Stellt euch mal vor, jemand schmeißt eine Gartenparty und wirft ein paar Holzfällersteaks auf den Grill. Für die meisten ist das echt ein guter Geruch.
VolxBibel – 2.Korinther 2:14

Kennst du auch so viele Menschen, die nur „rumjammern“ weil „alles so schlecht“ geworden ist? Aber könnten wir nicht glücklich sein, wenn sich Gottes Wort erfüllt, und wir dem endgültigen Sieg Jesu näher kommen?? Aber wohin geht mein Blick?

Man könnte denken, daß ein solch lebengebender Wohlgeruch von allen geschätzt würde. Doch ist dem nicht so, wie Paulus es weiter zeigt: „Denn wir sind ein Wohlgeruch Christi unter denen, die gerettet werden und unter denen, die zugrunde gehen; den letzteren ein vom Tod ausgehender und zum Tode hinführender Geruch, den ersteren ein vom Leben ausgehender und zum Leben hinführender Geruch.“ Nur für die wenigen, die seufzen und jammern wegen der Greuel, die sie in der Christenheit vor sich gehen sehen, die Gerechtigkeit lieben und sich ihres geistigen Mangels bewußt sind, ist diese Erkenntnis Gottes ein lebengebender Wohlgeruch, den sie zu ihrem Nutzen tief einatmen. Von solchen kann gesagt werden, daß sie eine gute Nase haben. — 2 Korinther 2:15, 16, NW.
Was aber die große Mehrheit der Menschen von heute betrifft, jene, die weltliche Vergnügungen mehr lieben als Gott, und die eher Geschöpfe als den Schöpfer anbeten, ist die duftende Erkenntnis Gottes eine todbringende Plage. Und kein Wunder, denn sie lieben die böse alte Welt, und diese Erkenntnis spricht von ihrer Zerstörung. Von allen solchen könnte gesagt werden, sie hätten schlechte Nasen; für sie sind Jehovas Knechte stinkend.
Ungeachtet aber, wie die Menschen auf unsere duftende Botschaft reagieren, haben wir als gottergebene Diener Jehovas die Pflicht, den Wohlgeruch der Erkenntnis Gottes für alle wahrnehmbar werden zu lassen. Gleichwie der Verschluß einer Parfümflasche abgenommen werden muß, um das Parfüm auf Haut oder Kleider zu zerstäuben, so daß sein Duft für andere wahrnehmbar wird, so verhält es sich auch mit dem Duft der Erkenntnis Gottes. Wir müssen aus uns herausgehen, müssen frei reden, müssen uns als solche kenntlich machen, die diese duftende Erkenntnis besitzen, so daß sie für alle wahrnehmbar wird. Wenn jemand beleidigt ist und sich sozusagen die Nase zuhält, brauchen wir uns nicht verlegen zu fühlen oder uns zu schämen. Wir sollten froh sein, daß es so ist und nicht anders, denn der Fehler liegt an ihrer Nase und nicht an unserer wohlriechenden Botschaft.
So laßt uns denn mit dieser duftenden Gotteserkenntnis großzügig verfahren; gebrauchen wir sie freigebig, wie sie auch uns kostenlos zuteil geworden ist! Lassen wir denen, die Gerechtigkeit lieben, den vollen Nutzen dieses Duftes zukommen, so daß auch sie die Freude haben können, in Jehovas Triumphzug zu sein und den Duft der Erkenntnis Gottes für viele weitere wahrnehmbar werden zu lassen.

Der Wachtturm 1.10.1956

Deshalb interessieren wir uns nicht für die Zahl der Geimpften und erst Recht predigen wir keine Organisation – sondern den Christus!

Die Leser werden zunächst über den Grund seines überschwenglichen Ausbruchs im unklaren gelassen, bis er das grandiose Thema des Evangeliums und seines Dienstes entwickelt hat. In (Kapitel 7,5 nimmt er den Faden wieder auf und zeigt, daß er nicht vergessen hat, hierüber zu unterrichten. Der Bericht des Titus beendete nicht nur seine Unruhe, sondern gab ihm die erneute Bestätigung, daß Gott immer siegreich ist und daß er, durch seine Verbindung mit Christus, die Ehre genießen durfte, Anteil an diesem Triumphmarsch zu haben. Die Formulierung „im Triumphzug umherführt“ hat die meisten Schreiber veranlaßt zu denken, daß Paulus sich selbst als einen Gefangenen sieht, an dem Kampfwagen angebunden und so als Objekt der gewaltigen Macht Gottes herumgeführt. Sie gehen noch weiter und stellen sich vor, daß Paulus an seine Bekehrung denkt, als er Sklave und Gefangener Christi wurde. Jeder, der Paulus‘ Fähigkeiten, logisch zu denken, kennt und seine klar geordneten Gedankengänge, wird diese Vorstellungen verwerfen. Er springt nicht akrobatisch von einem Thema zum anderen. Wir verstehen diesen Abschnitt so, daß Paulus sich durch den guten Bericht in Verbindung mit dem Sieg des Evangeliums sah und gleichsam auf einem zweiten Streitwagen stehend. Dieses Vorrecht hatte er „in Christus“ und nicht auf Grund eigener Verdienste. Hier bezieht er sich nicht auf das „in Christus“ Sein, das auf alle Christen zutrifft, sondern eher darauf, als unter Seinem Einfluß und in engster Beziehung zu Ihm stehend, Sein Repräsentant zu sein. Wir sind uns nicht sicher, ob er das Bild einer sieghaften römischen Prozession vor sich hatte, wie sie damals nach großen Siegen praktiziert wurde. Aber selbst wenn er diese Praxis gedanklich im Zusammenhang mit seinem Erfolg vor sich sah, wäre es für uns sehr unweise, alle mit einer solchen Veranstaltung in Verbindung stehenden Einzelheiten unbedingt in die von Paulus geschilderte Situation miteinzubeziehen. Wenn wir Kommentare lesen, in denen es um bildhafte Sprache geht, müssen wir uns manchmal fragen: Haben sich die Schreiber der Briefe eigentlich vorgestellt, wie viele und wie oft weit hergeholte Gedanken mit ihren Ausführungen in Verbindung gebracht werden. Möglicherweise will Paulus nur sagen, daß er in seinem Dienst immer von Gott geführt wurde, und das bedeutet, siegreich zu sein. Vielleicht führte ihn die Traurigkeit in Troas dazu, daß er einen Augenblick lang dachte, er wäre von der rechten Bahn abgekommen. Jetzt aber waren diese Gedanken alle vergangen.
 Im Weitergeben der Erkenntnis Christi verbreitete er, wo immer er auch hinkam, den angenehmen Duft Christi, der aufstieg zu einem Wohlgeruch Gottes, nicht so sehr als Opfer, sondern eher durch die Ausdehnung Seines Siegeszuges. Inmitten der damals vorherrschenden Gleichgültigkeit und auch heute unter den Heidenvölkern steigt der Duft der sich ausbreitenden Botschaft des Evangeliums zu Gott als Wohlgeruch hinauf.

Was die Bibel lehrt

Paulus hat eine vom Herrn selbst geschenkte Arbeit abgebrochen und ist „voll Not durch Makedonien weitergewandert“, [14] „in allem bedrängt: von außen Kämpfe, von innen Ängste“, wie er in 7, 5 sagen wird. Ist das nicht wieder, wie die Korinther urteilen, ein klägliches Bild für einen Gesandten des Königs aller Könige? Mußte dessen Weg nicht eigentlich ein „Triumphzug“ sein? Das ist er auch, erwidert Paulus, nur freilich völlig anders, als die Korinther denken, weil sie das Verhältnis von Mensch und Gott nicht richtig sehen. Nicht um des Menschen Größe und Sieg geht es92, sondern ganz und gar um Gottes Triumph. „Gott aber [sei] Dank, der allezeit uns im Triumphzug mit sich führt in dem Christus.“ Also Gott ist es, der in Christus seinen Siegeszug durch die Welt nimmt93. Der Apostel aber und seine Mitarbeiter werden in diesem Triumphzug mitgeführt wie gefangene und gekettete Feinde beim Einzug eines siegreichen römischen Feldherrn in die Hauptstadt. Paulus kann sich selbst in voller Wahrheit mit einem besiegten Feind vergleichen. Er hatte Jesus verfolgt, die Gemeinde Gottes nach Kräften zerstört und in dem allen gegen Gott angetobt, der in einem gekreuzigten Messias die Rettung verlorener Menschen wirkte. Nun aber war Paulus überwunden und zum Träger gerade dieser Botschaft von dem gekreuzigten Christus geworden. Mit Staunen und Dank sieht Paulus die totale Wandlung seines Lebens. Als Verfolger war er eigenmächtig und nach eigenem Plan dahingestürmt (Apg 9, 1). Jetzt wird er als ein Gefangener und Leibeigener des Kyrios Jesus von Ort zu Ort „mitgeführt“. Sein von Leiden erfülltes Leben (1, 3–11; 11, 23–33), an dem die Korinther sich stießen, ist in Wahrheit Siegeszug Gottes. Der triumphierende Glanz liegt aber nicht auf dem mitgeführten Gefangenen, sondern allein auf dem siegreichen Feldherrn. „Allezeit“ ist das so, wie immer Leben und Dienst des Apostels im einzelnen aussehen mag. Auch der Weg des Apostels in Sorgen und Bangen von Ephesus nach Makedonien auf Korinth zu gehört in diesen „Triumph Gottes“ hinein94.
Wieso triumphiert denn Gott im Leben des Paulus? Nicht in äußerlichen Siegen und Erfolgen. Das entspräche nicht der „Torheit“ und „Schwachheit“ Gottes am Kreuz des Christus (1 Ko 1, 23–25). Gott siegt dadurch, daß er „den Geruch seiner Erkenntnis offenbar macht durch uns an jedem Ort“. Das überraschende und zunächst befremdende Bild vom „Geruch der Erkenntnis Gottes“ ist dem Apostel hier besonders brauchbar, weil ein „Geruch“ nichts äußerlich Mächtiges und Großartiges ist und trotzdem eine eigentümliche Siegesmacht besitzt. Ein Geruch dringt überall unaufhaltsam ein; er verbreitet sich weit, und niemand kann ihm eine Grenze setzen. Ein Geruch bedarf keiner Beweise, sondern drängt sich einfach auf. So geht es auch mit der Erkenntnis Gottes überall, wo Paulus hinkommt95. Gottes Wirklichkeit, sonst ein „Problem“ für die Menschen und ein bloßes Gedankenbild, steht unabweisbar vor Menschen; Gottes Wesen, Gottes Heiligkeit und Liebe, wird Menschen unmittelbar und überwältigend deutlich. Nicht Denker dringen mit schwierigen Spekulationen bis zu „Gott“ vor, sondern der wahre lebendige Gott wird gerade auch von einfachen Menschen in ganzer Wirklichkeit erfaßt.

Wuppertaler Studienbibel

also noch einmal die Frage: was predige ich? Schaue ich auf den Vater und auf Jesus Christus? Oder schaue ich auf meine Kirche, meine Gesundheit, meine Arbeit? Und wie zeigt sich das? Also worüber spreche ich? Wenn ich über Dinge spreche, die nichts mit Jehovah zu tun haben – wo ist da wohl mein Herz? Und was mache ich, wenn ich merke, dass meine Gedanken und mein Reden in die falsche Richtung gehen? Lese täglich mindestens 15 Minuten die Bibel – und zwar fortlaufend! Und schreibe über das, was du gelesen hast – wenn du möchtest dann hier – und denke über das Gelesene nach!

„Darum mach Schluss mit deiner Gleichgültigkeit und kehre um!“

Ich überführe und züchtige, so viele ich liebe. Sei nun eifrig und tue Buße!
Elberfelder 1871 – Offb 3,19

So mache ich es mit allen, die ich liebe: Ich decke auf, was bei ihnen verkehrt ist, und weise sie zurechtq. Darum mach Schluss mit deiner Gleichgültigkeit und kehre um!
Neue Genfer Übersetzung 2013 – Offenbarung 3:19

Ich zeig dir deinen Mist, weil ich dich liebe! Ich will dich fürs Leben trainieren, darum strafe ich dich.
VolxBibel – Offenbarung 3,19

Wenn sich bei Christen sich auf einmal alles um Sport, Gesundheit, Arbeit, Wetter dreht – was läuft dann falsch? Was, wenn christliche Zeitschriften einmal diese eben genannten Themen aufgreifen, um ihr Heft voll zu bekommen, anstatt sich um den Vater oder Jesus Christus zu drehen? Was wenn eine Gemeinde es nicht mehr erträgt, wenn die Verkündigung – der Vortrag über Gott – eine Stunde dauert, und man mit 15 oder 30 Minuten zufrieden ist? Dann scheint doch wohl der Geist Gottes, der Segen Gottes entzogen worden zu sein. Warum sollte Gott seinen Geist den Menschen entziehen, die doch offziell IHN präsentieren? Weil vielleicht Fehler zugedeckt wurden, und Ungerecht gedeckt wird! Zuerst versucht Jesus durch Zurechtweisung uns zur Umkehr zu bringen – zum Schluß entzieht ER seinen Segen.

Die Gemeinde von Laodizea ist typisch für eine moderne Gemeinde, in der es gar kein Bewußtsein mehr für die eigentlichen geistlichen Bedürfnisse gibt und wo man sich statt dessen mit einem prächtigen Rahmen und all den materiellen Dingen, die man für Geld kaufen kann, begnügt. Das Sendschreiben in der Offenbarung richtet sich gegen diese selbstzufriedene Haltung. Auf seine Botschaft kann es nur eine einzige Antwort geben: Eifrig sein und Buße tun. Christus wies die Gemeinde zurecht, weil er sie liebte, und seine Liebe schreckte auch vor der Züchtigung nicht zurück.

Walvoord Bibelkommentar

»Welche ich lieb habe, die strafe und züchtige ich« (V. 19): Es sind seine Kinder, die Gott erzieht, auch unter Schmerzen. So ist es tröstlich und frohmachend, wenn wir sehen, dass uns Gott nichts mehr »durchgehen« lässt, sondern uns, unter Umständen auch wehtuend, erzieht. Diese Erkenntnis ist in der Schrift eine durchgehende Linie (Sprüche 3,11.12; Ps 94,12; Heb 12,4-11). Von V. 19 an bekommt dieses Sendschreiben hier einen besonders lockenden Ton: »Sieh, es ist doch in meinem Ernst die Vaterliebe am Werk.«

Bußruf.
»So mache dich auf und tue Buße«: Die Christen in Laodicea sollen die Distanz, auf die sie ihrem Herrn gegenüber gegangen sind, überwinden und sich zu ihm auf den Weg machen, um ihm neu ganz nah zu sein. Er lädt sie ein: »Komm doch wieder heim zu mir. Sei bei mir ganz zu Hause!« – Dabei duldet die Sache keinen Aufschub. Die Frist und Chance, die der Herr nun noch einmal gibt, währt nicht unbegrenzt.

Edition C

Die Gemeinde soll diese Zurechtweisung und Züchtigung als Ausdruck der Liebe Gottes verstehen, getreu dem Motto aus Spr 3,12: „Denn wen der HERR liebt, den züchtigt er wie ein Vater den Sohn, den er gern hat.“ (vgl. Heb 12,6). „Strafen darf jedenfalls an unserer Stelle nicht als Strafe im Jüngsten Gericht oder als abschließendes Strafurteil verstanden werden. Es ist vielmehr der unwiderlegbare Aufweis des sündigen Verhaltens von Laodizea und der klare Hinweis auf die Konsequenzen, wenn keine Buße erfolgt.“ (Maier I, 244).
Deshalb soll die Gemeinde umkehren und nicht mehr lau, sondern eifrig sein.

Pastor Michael Mainka – Offenbarung des Johannes

Durch die Überführung bringt er uns zur Erkenntnis unsres seitherigen Übelstandes, und durch die Züchtigung bringt er uns künftighin in einen besseren Zustand. Beides zusammen ist eine große Wohltat und ein wichtiges Liebeswerk.
Wenn einer im süßen Schlaf liegt, während Feuer ausbricht im Haus oder gar in dem Zimmer, in dem er schläft, so dass er in Gefahr ist umzukommen, ohne dass er davon weiß, und ein anderer wollte ihn wecken und mit Gewalt aus dem Feuer reißen; ein dritter aber sagte: Ei, er schläft so sanft, du musst ihn nicht aufwecken und erschrecken; er dauert mich wäre das ein Werk der Barmherzigkeit und der Liebe? Doch die sicheren Sünder wollen immer haben, dass man ihre Ruhe und ihr eingebildetes Wohlsein nicht stören soll. Wir aber wollen vielmehr den Heiland bitten, er möchte unsrer nur nicht schonen und damit fortfahren, auch wenn wir uns seiner Überführung und Züchtigung entziehen wollten.

Bengel – Die sieben Sendschreiben

In diesem Augenblick legt der Herr die Maske des geschäftsbeflissenen Händlers ab und offenbart sich als der, der er ist: als Freund aller Gemeinden: [19] Ich – die ich liebe, die weise ich zurecht und züchtige sie. Die Freundesliebe (Jo 15, 14–15, hier V. 20) äußert sich in zwei Tätigkeiten, die dem Ausdruck nach aus Spr 3, 12 (und Hbr 12, 7) herüberklingen, aber wieder im Zusammenhang zu prüfen sind. Dort stehen sie im Vater-Kind-Verhältnis, und Züchtigung ist an jener Stelle Strafleiden. Johannes liegt es aber fern, von Christus als dem Vater der Jünger zu sprechen. Von Strafleiden fehlt im Abschnitt jede Spur. Zwischen Freunden geht es einerseits um das Wort der Wahrheit: Ich weise zurecht. Der Freund verschmäht alles, was nicht Wahrheit wäre. Er prüft unbestechlich die Werke und nennt das Schlechte ungeschminkt beim Namen. Es folgt das Wort der Züchtigung: Ich züchtige. Er droht in flammendem Zorn, zerschlägt die Einbildung, fordert Konsequenzen und gebietet Umkehr. Das alles spiegelt sich in der Gemeindebotschaft wider. Dazwischen auch das Werben um Gehör, der Weck- und Lockruf. Wenn auch kein Lob möglich ist, so fehlt es doch nicht an Liebe. Auch im Zorn denkt er an sein Erbarmen und „plagt nicht von Herzen“ (Kla 3, 33).
Darum sei (fortan) eifrig und tue Buße. Die erste der beiden Mahnungen steht in Dauerform. Den Jahren der Lauheit (V. 16) mögen Jahre des Eifers folgen. Der Eifer des tempelreinigenden Jesus möge sie erfassen (Jo 2, 17) und den alten, unreinen Eifer, der die Gemeinde zum Kaufhaus werden ließ, verbrennen. Hinaus mit der weltversunkenen Emsigkeit, mit dem Feilschen, Raffen, Schaffen, Rennen und Laufen um nichts! Gottes Name, Reich und Wille bestimmen die Gemüter neu.

Wuppertaler Studienbibel

Nun scheinen die einzelnen Christen gefordert zu sein! Jeder kann für sich tiefer in Gottes Wort graben, sich täglich durch Bibellesen und Gebet -und es gibt ja immer mehr Bibelkreise – in denen es sich noch um Gott und Sein Wort dreht. Also kehren wir um, und hören auf Jesu Worte!

„denen die das Gefühl haben dumm zu sein“

Zu jener Zeit hob Jesus an und sprach: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, daß du dies vor Weisen und Verständigen verborgen hast, und hast es Unmündigen geoffenbart. Ja, Vater, denn also war es wohlgefällig vor dir.
Elberfelder 1871 – Mt 11,25-26

Zur selben Zeit (bestimmten Zeit) antwortete Jesus und sprach: Ich bekenne Dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, daß Du dies vor den Weisen und Verständigen verborgen (hinweg verborgen) und den Unmündigen geoffenbart hast; Mt 18,3; Lk 10,21f; Joh 7,48; Ps 8,3
Tafelbibel mit hinzugefügten Sachparallelstellen – Matthäus 11,25

Und Jesus fing an, vor allen mit Gott zu reden: „Hey, Papa, du regierst über das ganze Universum. Danke, dass du den Leuten, die meinen, die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben, nicht erzählt hast, was wirklich abgeht. Aber denen, die das Gefühl haben, dass sie dumm sind und nichts begreifen, denen hast diese Sachen gezeigt. Yes, Daddy, du willst, dass es so passiert und nicht anders.
VolxBibel – Matthäus 11:25-26

Damals erklärte Jesus: „Ich preise dich öffentlich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du das alles vor den Weisen und Intellektuellen verborgen und es kleinen Kindern mitgeteilt hast. Ja, Vater, denn genau so hast du es gewollt.
neue Welt Übersetzung – 2018 – Matth. 11:25,26

Du hast studiert um die Bibel besser zu verstehen? Dann hast du wahrscheinlich gelernt, dass der Name Jehova falsch wäre, dass nicht Mose, Josua usw die Bibelbücher geschrieben hätten, sondern erst Jahrhunderte später vielleicht Esra. Auch heute noch, ist die biblische Wahrheit den „Weisen und Klugen“ verborgen!

Der Herr Jesus hatte die meisten Wunder in den Städten von Galiläa vollbracht. Aber wie Jesaja es vorausgesagt hatte, waren die Herzen verschlossen geblieben: «Wer hat unserer Verkündigung geglaubt, und wem ist der Arm Jehovas offenbar geworden?» (Jesaja 53,1). Auf diese Frage kann der Herr Jesus aber «zu jener Zeit» (Vers 25) doch eine Antwort geben und seinen Vater preisen: «Du hast dies vor Weisen und Verständigen verborgen und hast es Unmündigen geoffenbart.» Dann wendet Er sich an die Menschen und ruft ihnen zu: «Kommst her zu mir»; kommt mit diesem kindlichen Glauben. Kein anderer als ich kann euch den Vater offenbaren. Und lernet nicht nur von meinen Worten, sondern von mir, von meinem Beispiel, denn ich bin «sanftmütig und von Herzen demütig» (Epheser 4,20.21).

Jean Koechlin – Ährenlese im Neuen Testament Matthäus

»In jener Zeit« besagt sicherlich, dass die folgenden Worte Jesu gesprochen wurden, als das Ringen schon begonnen hatte und die Ablehnung in Galiläa zu Tage trat. Dann können wir die Redewendung: er »antwortete und sagte«, die sonst einfach den Beginn einer Rede ausdrückt, auch wörtlich verstehen. Es handelt sich hier wirklich um die Antwort, die Jesus auf diese Situation des Kampfes und der Ablehnung fand. Worin besteht seine Antwort? Im Lobpreis des Vaters! Das »Ich preise dich» enthält Anbetung, Dank und Anerkennung in einem. Es war ein schwerer Weg, den ihm der Vater auferlegte. Aber er schleudert keine Empörung heraus, er betet nicht in Verzweiflung und Irrewerden, sondern er stellt sich kindlich unter den Willen des Vaters (vgl Hebr 5,8). Die Anrede »Vater, Herr des Himmels und der Erde« vereinigt in wunderbarer Weise zwei für Jesus entscheidende Gesichtspunkte. Einmal ist es der himmlische »Vater«, der nur Gutes wollen kann (Röm 8,28; Jak 1,17) und dem Jesus deshalb ganz und freudig zustimmt.

Zum andern ist es der »Herr des Himmels und der Erde», der die ganze Schöpfung beherrscht und dessen Pläne von niemandem vereitelt werden können. Jesus weist also jeden Gedanken, dass Gott »gebremst« werden könne oder sogar an den damaligen Verhältnissen scheitere, radikal ab. Misslingt die Mission in Israel, dann wird der allmächtige Vater und Herr gerade so seine Wege vollenden! Das Misslingen ist in Gottes Pläne schon einbezogen! Übrigens wurde Gott als »Herr des Himmels und der Erde« seit alters her von den Glaubenden bekannt (1 Mose 24,3; Jona 1,9; Apg 17,24). Nun hören wir konkret den Grund des Lobpreises: »dass du dies vor den Weisen und Klugen verborgen und es den Kindern offenbart hast«. Was wir mit »Kindern« übersetzten, gibt der Luthertext durch »Unmündige« wieder und wird von Ps 8,3; Mt 21,16 mit den »Säuglingen« zusammengeordnet. Es heißt auch nach dem griechischen Sprachgebrauch »kleine Kinder«. Aber was bedeutet hier Jesu Aussage? Es gibt im AT eine alte Linie, wonach Gott wunderbare Wege einschlägt, unerwartete Führungen schenkt, weil die Weisen – auch die religiösen Weisen! – dieser Weit sich im Hochmut versperren (vgl. Jes 29,14; Spr 16,18; Joh 7,49; 1 Kor 1,19; 2,6).

Nur den Demütigen gibt er die Gnade der Erkenntnis (vgl. Spr 3,34; 1 Petr 5,5; 1 Kor 1,19ff.). Diese Demütigen, ganz von ihm Abhängigen nennt Jeus hier die »Kinder«, die »den Weisen und Klugen» gegenübergestellt werden. Den Feinden bestreitet Jesus also ihre Weisheit bzw. Klugheit nicht. Aber sie können, gerade weil sie durch ihre Weisheit selbstbewusst und unbußfertig geworden sind, Gottes Wahrheit nicht erkennen. Neben die schon genannte Linie des AT tritt jetzt eine zweite biblische Linie. Sie besagt, dass Gotteserkenntnis nur durch göttliche Offenbarung verschafft wird. Niemals ist der Mensch – ganz abgesehen von der Frage nach seinem sündigen Hochmut! – in der Lage, Gott genügend zu erkennen. Er kann Gott ahnen, im Gewissen spüren (Röm 1,19ff.). Aber die Vernunft kann Gott nicht genügend entdecken. Gotteserkenntnis ist nur als Gabe von oben, eben als Offenbarung, möglich (Mt 16,17; 2 Kor 4,6; 2 Petrus 1,21; 1 Joh1,1ff.); Off 1,1ff.). Jesus preist also den Vater dafür, dass er den hochmütigen Weisen Israels keine Erkenntnis zuteilt. Zugleich preist er ihn dafür, dass er sich denen »offenbart«, die »Kinder« im geistlichen Sinne sind. Doch was ist »dies«, das »verborgen« bzw. »offenbart« wurde? Die Lösung kann nur aus dem Zusammenhang gefunden werden. Dieser Zusammenhang, vor allem Mt 11, 27, ergibt, dass damit Jesu Gottessohnschaft gemeint ist. Trotz der Wunder haben Chorazin, Bethsaida und Kapernaum ihn nicht als Messias und Gottessohn erkannt, weil sie keine Umkehr zu Gott vollzogen haben und weil Gott ihnen daraufhin Jesu Gestalt »verborgen« hat.

Das »Ja, Vater» drückt sich in Jesu Gebet in Schlichtheit, ohne Abstriche und mit königlicher Klarheit aus. Kein Mangel des Vertrauens, keine Zurückhaltung, kein Widerstreben wird hier sichtbar. Was er uns im Vaterunser lehrte: »Dein Wille geschehe«, was er in Gethsemane nochmals in blutiger Anfechtung im Tiefsten durchkämpfte: »Nicht wie ich will, sondern wie du willst« (Mt 6,10; 26,39.42), das tritt auch jetzt hervor. Das Ja zum Vater durchzieht Jesu Leben wie eine Königslinie. Auch unsere Anbetung, unser Lobpreis können ohne den Frieden dieses Ja nicht leben. »So«, wie die Dinge jetzt verlaufen, entsprechen sie dem Plan des Vaters. Damit stoßen wir auf das Rätsel der göttlichen Prädestination (Vorbestimmung). Die Bibel hält zwei Pole fest, die für menschliches Denken immer in Spannung stehen werden. Der eine Pol ist die Tatsache, dass nichts gegen Gottes Willen geschehen kann. Denn Gott hält alle Dinge in seiner Hand. Der zweite Pol ist die Tatsache, dass die Menschen aufgrund ihrer Gottebenbildlichkeit verantwortlich für ihr Handeln sind.

Vorbestimmung und Willensfreiheit gehören für die Bibel – nicht für unsere begrenzte Logik – zusammen. Man kann sagen, dass Gott mit freien menschlichen Entscheidungen, nicht mit leblosen Robotern, seine Pläne macht. Vgl. Joh 6,35-37.44; Phil 2,12ff.); Mt 18,7 . Der Begriff »wohlgefällig« ist schwierig zu verstehen. In der Weihnachtsgeschichte bei Lukas steht der Satz: »Friede auf Erden bei den Menschen des Wohlgefallens« (so der älteste Text). Jedenfalls ist der Begriff frei von Willkür, obwohl man im Deutschen diesen Sinn heraushören könnte. Vielmehr bezeichnet das Wort, das im Hebräischen dahinter steht, den beschließenden und tatkräftigen Willen. Die Beifügung »vor dir« ist zwar schlechtes Deutsch, aber eine feierliche hebräische Wendung. Hier kommt Gottes Prüfen und Erwägen zum Ausdruck. Jesus sagt also sinngemäß: »Denn so hat dein prüfender Wille den Weg in der Geschichte gestaltet«. Ob wir unsere persönliche Geschichte auch in diesem Licht sehen können?

Edition C

In diesem Geist und in dieser Freude hat Jesus eigentlich überhaupt zu seinen Jüngern von dem geredet, was sie vom angebrochenen Reiche Gottes empfangen und was sie demselben werden sollten.
Er, wusste, mein Vater ist der Gott der großen Dinge.
Sein Wirken endet immer mit der Vollendung des Ganzen, mit dem Sabbat ohne Abend, mit dem Psalm seiner Schöpferseele: „Und siehe, es war sehr gut!“ Daher sah Jesus bereits in den kleinsten Anfängen die kommenden Auswirkungen in den schwankenden Fischern die werdenden Apostel, in den einzelnen Segnungen den Endtriumph der angebrochenen Gottesherrschaft. Jeder Misserfolg erschloss ihm „das Ungeheure“ der Sache seines Vaters: ließ ihn hinter den Leiden die Auferstehung, hinter der Verwerfung die Erhöhung, hinter dem Tode das Leben sehen. Die Katastrophen der Geschichte erschütterten Ihn nicht, die Feindschaft der Frommen machte Ihn nicht irre, das Versagen seiner Jünger ließ Ihn nicht mutlos werden. Für Ihn waren nicht die Frommen die schöpferische Kraft im angebrochenen Reiche der Himmel, sondern der Vater. Ihn sah Er wirken und in seinem Lichte wirkte auch Er. Mochten auch, so und so viele aus dem Reiche Gottes herausfallen und nicht mehr mit Ihm wandeln, mochten auch ein Petrus Ihn verleugnen, ein Judas Ihn verraten, die Synagoge Ihn verklagen und der Staat Ihn kreuzigen -alles konnte das Wirken seines Vaters nicht aushalten. Die einzelnen und vielen mögen im Laufe der Geschichte fallen, das Königreich der Himmel fällt nicht. Er wird nicht getragen vom Arm des Fleisches, nicht inspiriert vom Geist der Zeit, nicht gebaut durch den Eifer der Jünger, nicht vollendet durch Machtmittel der Vergänglichkeit. Eures „Vaters“ Wohlgefallen ist es, euch das „Königreich“ zu geben. Gottes Walten trug aber immer in sich die Garantie des Vollbringens, Gottes Wort war immer auch schöpferische Tat. Hätte Jesus nicht in diesem Geiste gewirkt, nicht in diesem Lichte gesprochen, auch seine Messiasseele wäre unter dem Druck des Bestehenden zusammengebrochen.
So überwand Jeus im Geiste seines Vaters Vergänglichkeit, Raum und Zeit. Er sprach vom Standpunkte der schöpferischen Gottestat und des triumphierenden Werdens aus. Er wusste, dass alles Wirken seines Vaters auf Vollendung angelegt ist, dass alles Schaffen Gottes der Art seines göttlichen Wesens entspricht. Da Gott aus seiner Ruhe heraus wirkt, muss alles im Sabbat der Vollendung enden.

Jakob Kroeker – ER sprach zu mir

Es ist so traurig, wenn wir uns auf meschliche Weisheit oder auf eine menschliche Körperschaft verlassen, anstatt das wir die Bibel selbst vollständig lesen und auf die Wirkung des heiligen Geistes vertrauen.

in Christi Nähe?

In dem Hause meines Vaters sind viele Wohnungen; wenn es nicht so wäre, würde ich es euch gesagt haben; denn ich gehe hin, euch eine Stätte zu bereiten. Und wenn ich hingehe und euch eine Stätte bereite, so komme ich wieder und werde euch zu mir nehmen, auf daß, wo ich bin, auch ihr seiet. Und wo ich hingehe, wisset ihr, und den Weg wisset ihr.
Elberfelder 1871 – Joh 14,2–4

In Meines Vaters Hause sind viele Wohnungen. Wäre dem nicht so, Ich hätte es euch gesagt. Ich gehe hin, euch eine Stätte (einen Ort) zu bereiten. Mt 25,34; Lk 14,22; 2Kor 5,1.
Und wenn Ich hingehe und euch eine Stätte (einen Ort) bereite, komme Ich wieder und werde euch zu Mir mitnehmen, auf daß ihr seid, wo Ich bin. Joh 14,18.28; 12,26; 17,24;1Thess 4,17.
Tafelbibel mit hinzugefügten Sachparallelstellen – Johannes 14,2–3

In dem Hause meines Vaters sind viele Aufenthaltsorte; wenn es nicht so wäre, würde ich euch sagen: Ich gehe hin, euch eine Stätte zu bereiten. Und wenn ich hingegangen bin, und euch eine Stätte bereitet habe, so komme ich wieder, (Offenbar nicht um noch einmal fortzugehen, und euch in den Himmel zu nehmen, sondern um in meinem Reiche zu kommen, und euch in dasselbe aufzunehmen. Dies nennt die Schrift: bei dem Herrn sein allezeit. 1Thes 4,16-17 .) und werde euch zu mir nehmen, damit wo ich bin, auch ihr seid. Und wo ich hingehe, das wisset ihr, und den Weg wisset ihr.
Die vier Evangelien des Reinhardt – Johannes 14:2–4

Wo bin ich zu Hause? Gerade in den letzten Tagen wieder erlebt, das Menschen einem sagen – teilweise direkt, teilweise durch ihre Taten: Für Gott habe ich später Zeit – jetzt will ich erst einmal leben!
Warum war das bei den Jüngern Jesu anders? Hatten sie ein anderes Bild über „ihr zu Hause“ und was es bedeutet „zu leben“?
Über das Thema – wo diese Wohnungen wohl sind – wie die meisten Christen sagen würden „im Himmel“ oder ob diese im zukünftigen Tempel sein werden – hatten wir ja schon vor einiger Zeit.

Jh 14,3 ἐάν fast = ὅταν (A346; B I1d). πορευθῶ Aor. Konj. Pass. (ohne Pass.-Bdtg.) πορεύομαι. ἑτοιμάσω Aor. Konj. ἔρχομαι fut. Präs. (H-S § 197c; A234). καί (drittes) fin. (BDR § 442,3; A311,3). παρα-λήμψομαι Fut. Med. -λαμβάνω; πάλιν ἔρχομαι καὶ παραλήμψομαι ὑμᾶς πρὸς ἐμαυτόν ich komme wieder, um euch zu mir zu nehmen/holen (H-S § 252,29). ἐμαυτόν14 Refl.-Pron. 1. Sg. ὅπου hier dort, wo (B 1aα; vgl. A358). ἐγώ, ὑμεῖς stehen betont (A122). ἦτε Konj. εἰμί.

Neuer Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament

Ja – als Christen freuen wir uns wohl, Zeit in der Nähe mit Christus zu verbringen? Oder? Oder genügt uns, dass wir uns alle paar Monate einmal mit anderen Christen treffen?

In Joh 14, 3 zieht Jesus den Vorhang vor der Zukunft wieder ein Stück beiseite: »Und wenn ich hingegangen bin und euch eine Stätte bereitet habe, werde ich wiederkommen und euch zu mir nehmen.« So ruhig spricht Jesus, dass kein Zweifel an der Erfüllung seiner Worte Raum hat. Er wird hingehen, und er wird den Seinen »eine Stätte bereiten«; das sind feststehende Zukunftsereignisse. Doch die Himmelfahrt ist nicht die Endstation seines Wirkens. Nach der Himmelfahrt werden vielmehr weitere entscheidende Ereignisse stattfinden: »Ich werde wiederkommen«, »ich werde euch zu mir nehmen.« Was ist das für eine geheimnisvolle Wiederkunft? Keinesfalls die zum allgemeinen Weltgericht, denn sie ist streng auf die Jünger bezogen. Dann aber müssen wir von Joh 14, 18ff. her deuten. Das heißt: Jesus meint hier seine Wiederkunft im Heiligen Geist, also Pfingsten. Dass Jesus selbst im Geist kommt, ist nach 2 Kor 3,17 die allgemeine Überzeugung des Neuen Testaments. Mehr zu diesem Thema werden wir in V. 15ff.erfahren.

»Ich werde euch zu mir nehmen«: Was bedeutet das? Vermutlich knüpft Jesus mit dem Wort »nehmen« an 1 Mo 4,24 (Henochs »hinwegnehmen«), 2Kön 2,10 (Elias »hinwegnehmen«), und Ps 49,16; 73,24 (das »aufnehmen« des Frommen bei Gott) an. Dann ergibt sich als Sinn, dass Jesus die Seinen zu sich in die himmlische Herrlichkeit und in das Gottesreich holt. Genau dies bestätigt die Fortsetzung: »damit auch ihr seid, wo ich bin.« Joh 12,26.32; 13,8.36 werden hier fortgeführt. 1 Thess 4,16ff.baut sehr wahrscheinlich auf diesen Aussagen Jesu auf.

Joh 14,3 fasst also wie in einem Brennpunkt wesentliche Ereignisse der bevorstehenden Heilsgeschichte zusammen: Jesus wird getötet, auferweckt, kehrt zurück in den Himmel, bereitet dort als der sühnende Messias einen Platz für die Seinen, kehrt im Heiligen Geist zurück zu ihnen und holt sie nach Vollendung des Glaubenslaufes zu sich in den Himmel und ins Gottesreich. Auf knappstem Raum nennt Jesus also hier die Orientierungspunkte, auf die sich die Jünger einstellen sollen.

Vielleicht sollten wir noch beachten, dass Jesus das Jenseits bzw. das Gottesreich nicht ausmalt. Es genügt ihm die schlichte Beschreibung »wo ich bin«. Kann man Schöneres und Größeres sagen als das, dass wir dort sein werden, »wo er ist«?

Mit einem rätselhaften kurzen Satz beschließt Jesus seine Ausführung: »Und wo ich hingehe – ihr kennt ja den Weg« (V. 4). Es ist wahr, dass er schon oft vom »Hingehen« gesprochen hat (vgl. Joh 7,33ff.; Joh 8,21ff.; Joh 12,26ff.; Joh 13,33ff.). Das mussten die Jünger also »kennen«. Aber warum spricht er jetzt vom Weg: »Ihr kennt ja den Weg«? Will er damit sagen, dass sie »ja« wissen, wie der Gang zum Vater verläuft, nämlich durch Kreuz und Auferweckung? Oder setzt Jesus einen Unterricht voraus, wie er z. B. in Mt 16,21ff.parr gegeben wurde? Oder will er weitere Nachfragen, wie sie in V. 5ff.tatsächlich erfolgen, anregen?

Edition C

Aber der zweite Satz eilt weiter und verspricht über das „Bereiten der Stätte“ hinaus noch mehr. Denn dann „komme ich wieder und werde euch zu mir nehmen, damit, wo ich bin, auch ihr seid“. Jesus wird noch viel von dem sprechen, was seinem Kreuz und seiner Auferstehung folgen wird, von der Sendung und dem Wirken des Geistes. Hier geht sein Blick bis zur letzten Vollendung in seiner „Wiederkunft“. Nicht die „Bereitung der Stätte“, sondern diese seine Parusie162 ist der eigentliche Inhalt seines Versprechens. Dabei faßt Jesus in einem einzigen kurzen Ausdruck zusammen, was seiner Gemeinde dann unter der Leitung des Heiligen Geistes (16, 13) mehr und mehr als ein langes und vielfältiges Geschehen163 klar wird. Aber das letzte Ziel für die Jüngerschar ist deutlich: „Damit, wo ich bin, auch ihr seid.“ Jesus wird dieses Ziel in seinem letzten irdischen Gespräch mit dem Vater noch einmal als seinen Willen dem Vater ans Herz legen (17, 24). Es ist ernst mit dem „Jetzt“ in 13, 33. 36: nur „jetzt“ kann Petrus und können die Jünger den Weg Jesu in die Herrlichkeit nicht mitgehen. Aber sie sollen wahrlich nicht für immer davon ausgeschlossen sein. Wo Jesus ist, da sollen und werden auch sie sein.

Wuppertaler Studienbibel

Was möchten eigentlich die Menschen, die heute „eher leben wollen“ als sich mit der Bibel zu beschäftigen, dann in Jesu Nähe?

Menschenfischer??

Als er aber am See von Galiläa wandelte, sah er zwei Brüder: Simon, genannt Petrus, und Andreas, seinen Bruder, die ein Netz in den See warfen, denn sie waren Fischer. Und er spricht zu ihnen: Kommet mir nach, und ich werde euch zu Menschenfischern machen.
Elberfelder 1871 – Matthäus 4,18–19

Als Jesus am Ufer des galiläischen Meeres entlangging, fiel sein Blick auf zwei Brüder: Simon, der auch den Namen Petrus trägt, und Andreas, seinen Bruder. Sie waren dabei, ein Wurfnetz in den See zu werfen, weil sie von Beruf Fischer waren. Er sagte zu ihnen: »Auf, folgt mir nach! Dann werde ich aus euch Menschenfischer machen.«
Das Buch – 2009 – Mt 4,18–19

Jesus lachte die beiden von der Seite an: „Hey, ihr zwei! Mir nach! Ich will euch beibringen, wie man Menschen dazu bringt, mit Gott zu leben! Ihr sollt jetzt nicht mehr Fisch-Fischer sondern Menschen-Fischer sein!“
VolxBibel Matthäus 4:19

Aber vielleicht haben wir ja Hemmungen. Vielleicht müsst Ihr auch schlucken und denken: Menschen fangen, Menschenfischer sein – das klingt furchtbar. Völker zu Jüngern machen – das klingt nach Überwältigung. Was ist denn das Schicksal des Fisches, der ins Netz geht? Er stirbt, und wenn es nicht schnell genug geht, hilft der Hammer nach, er wird geschuppt und gehäutet und entgrätet und gesalzen und gepfeffert und gebraten und verspeist. Menschenfischer? Sorry, aber das ist politisch nicht korrekt!

Ist das nicht genau die Art von Mission, vor der uns alle warnen? Die Mission, vor der gerade kirchenferne Menschen sich fürchten? Ist der Menschenfischer nicht der Nachbar vom Rattenfänger und der Rattenfänger der Nachbar vom Fundamentalisten und der wohnt neben dem Taliban und der neben der armen Socke, die immer mit dem Wachturm vor dem Kaufhaus steht? Ist das nicht alles höchst missverständlich – sorry, lieber Jesus, aber ist das vielleicht ein Bild, das ein bisschen unglücklich ist?

Es erinnert an den Elephanten, der einem Klavierspieler in einer rauchigen Bar zuhört und dem beim Zuhören die Tränen in die Augen treten. Hemmungslos fängt er an zu weinen, so dass der Pianist sich unterbricht und fragt: Was ist los? Erkennst Du das Lieder wieder? Hast Du es schon einmal gehört? Nein, schluchzt der Elephant. Ich erkenne die Klaviertasten wieder.

Ist das nicht Mission? Menschen fangen und dann benutzen, verbrauchen, in Listen eintragen, abkassieren, sich gut fühlen, weil die eigene Schar wieder größer wurde. Ja, wir müssen es zugeben: Auch das war zuweilen Mission.

Und zugleich müssen wir sagen: Nichts wäre weiter weg von dem, was Jesus wollte. Und unsere Mission zu unserem Nächsten ist nur dann auch gerechtfertigt, wenn wir an Jesus selbst Maß nehmen. Dabei helfen übrigens in diesem Fall ein paar Griechischkenntnisse. Jesus gebraucht hier ein ungewöhnliches Wort, wenn er davon spricht, dass wir Menschen fangen sollen. Die englische Übersetzung macht es sich leicht: catch, sagt sie, catch men. Im Griechischen aber steht ein Wort, das heißt soviel wie: fang lebendig, bewahre lebendig, belebe, belebe aufs Neue. Und Adolf Schlatter, ein Greifswalder Professor für Neues Testament vor 130 Jahren, sagte: Petrus „wird Jesus bei seiner Arbeit helfen, Menschen zu sammeln, denen dadurch, dass Jesus sie an sich bindet, die höchste Wohltat widerfährt“. Wenn Menschen das bei unserer Mission auch spüren und bezeugen, dann ist es o.k., sonst nicht.

Allerdings steckt im Fangen auch ein ernster Kern: Es geht nicht um nette Kontakte, es ist nicht unser Ziel, nur mit nicht-christlichen Freunden abzuhängen. Es ist nicht genug, dass sie am Ende eine Ahnung von Jesus haben. Jesus ist nicht am Ziel, wenn sie uns cool, einen Glaubenskurs anregend oder eine Meditation anrührend oder ein Theaterstück witzig fanden. Jesus ist am Ziel, wenn Menschen umkehren, die falsche Lebensrichtung aufgeben und zum Vater heimkehren. Darauf müssen wir alles überprüfen: Verfolgt das, was wir tun, dieses Ziel, oder nicht?

Michael Herbst Predigtarchiv

Wir hatten einen ähnlichen Vers schon, an dem man erkennt, das die beiden wirklich von Herzen Fischer waren.

Aus Apg 4,13 ergibt sich ferner, dass Simon keine rabbinische, d. h. weder eine pharisäische noch eine essenische, schon gar keine sadduzäische Schulung genossen hatte. Alle 4 Evangelisten bezeugen, dass Simon von Beruf »Fischer« war. Fischer zu sein bedeutete ein geachtetes Gewerbe: »Mittelschicht« würde man heute sagen. Die Brüder arbeiteten im Familienbetrieb.

Schon beim ersten Kennenlernen am Jordan – also noch vor der in Lk 5 berichteten Bekehrung – hatte Jesus dem Simon in prophetischer Weise den Zunamen »Kephas« gegeben. Dieses hebräische Wort bedeutet Fels. Seine griechische Form lautet »Petros«, die lateinische »Petrus« (Joh 1,42). In der lateinischen Form ist es auch im Deutschen geläufig geworden, da wir vom weströmischen Katholizismus her missioniert wurden. War der Zuname einstweilen eine Art ungedeckter Scheck, so wurde er realisiert beim Petrusbekenntnis in der Nähe von Cäsarea Philippi (Mt 16,13ff.). Damals sagte Jesus: »Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen.« Die Verleugnung Jesu drohte die Verheißung in Frage zu stellen. Doch die Begegnung mit dem Auferstandenen am gleichen »Meer von Galiläa«, an dem die erste Berufung erfolgt war, brachte die Vergebung und erneute Berufung (Joh 21,15ff.). In der ersten Hälfte der Apostelgeschichte ist Petrus die beherrschende Figur. Er war gewissermaßen der erste Bischof der Urgemeinde in Jerusalem. Vor Herodes wunderbar gerettet, muss Petrus mit seiner Familie außer Landes (Apg 12,1ff.). Er wird jetzt Missionar im Westen (1 Kor 9,5), schreibt an die Christen in Kleinasien (1 Petr 1,1), zieht Markus, den späteren Evangelisten, als seinen Begleiter und Dolmetscher heran (1 Petr 5,13) und kommt gegen Ende seines Lebens nach Rom.


Die Worte, die Jesus sprach, klingen im Griechischen ungewöhnlich; das aramäische Original klingt noch durch. Sie finden sich so bei Lukas 5,1ff.) nicht. Das spricht jedoch nicht gegen ihre Ursprünglichkeit. Vielmehr ist Matthäus darin genauer, dass er Andreas mit berücksichtigt, während Lukas sich einseitig auf Petrus konzentriert. Dann aber trifft das von Matthäus überlieferte Jesuswort in einmalig passender Weise mit der Situation zusammen.

Das Wort hat zwei Grundelemente, die sich ebenso im grundlegenden Gotteswort an Abraham in 1 Mose 12,1-3 finden. Das erste Grundelement ist der befehlende Ruf, das zweite die Verheißung. Neben die Aufgabe tritt die Gabe, neben die Forderung die Ausrüstung. Der Vergleich mit dem Ruf an Abraham macht deutlich, dass es auch bei Jesus darum geht, dass Menschen aus dem alten Leben aufbrechen, um ein neues zu beginnen. Wie Gott durch Abraham sich ein Volk des Bundes berief, so Jesus durch die Jünger das Volk des Neuen Bundes.

Der Bezug sowohl auf das Alte Testament als auch auf die Sammlung des neuen Bundesvolkes wird noch klarer, wenn wir die Verheißung: »Ich will euch zu Menschenfischern machen« näher betrachten. Nach Jer 16,16 sendet Gott zu Beginn der Heilszeit »viele Fischer« aus, die das zerstreute Israel »fischen« und ins verheißene Land zurückbringen sollen. Dann kommt also in Jesu Wort zum Ausdruck: Jetzt ist der Beginn der Heilszeit, jetzt sollt ihr Mitarbeiter in Gottes Heilswerk werden.

Demnach ist ein doppelter Vergleich gegeben: der Vergleich mit der alttestamentlichen Prophetie, die sich durch Jesus erfüllt, und der Vergleich mit dem bisherigen Beruf. Simon und Andreas sollen Fischer bleiben und werden. Aber nicht mehr die kleinen Fische dieser Welt, das rasch faulende und wertmäßig begrenzte Gut dieser Welt soll ihre Beute sein, sondern Menschen für Gott, die ewiges Leben haben und zu unaussprechlicher Herrlichkeit bestimmt sind. Von dem Wort: »Ich will euch zu Menschenfischern machen« läuft eine direkte Linie zum Missionsbefehl am Ende des Evangeliums: »Machet zu Jüngern alle Völker« (Mt 28,19). Wir sehen, wie sich das im Leben der Missionare Petrus und Andreas erfüllt hat. Wie weitet sich unser Leben, wenn wir unter die Verheißungen des Herrn treten!
Schon im irdischen Leben geht es nach Ps 18,20: »Er führte mich hinaus ins Weite, er riss mich heraus, denn er hatte Lust zu mir.«
Wir kommen noch einmal auf den Vergleich mit der Abrahamsgeschichte zurück. Sie stößt uns auf zwei Überlegungen. Bei Abraham war das verheißene Land die Richtung, die Heil brachte. Bei Andreas und Petrus ist es die Richtung auf die Person Jesu, die Heil bringt. An die Stelle des Landes Israel tritt also im Neuen Bund die Person Jesu. Wir haben als Christen kein Land mehr. Wir haben auch keine geweihten Orte der Anbetung mehr Joh 4,21ff.). Aber wir hängen an Jesus, der jetzt als der Auferstandene und Heiland der Welt überall durch seinen Geist gegenwärtig ist, wo zwei oder drei in seinem Namen versammelt sind (Mt 18,20). Weil man diesen Unterschied von Altem und Neuem Bund nicht beachtet hat, sind viele fehlgeleitete Christen nach Palästina gezogen in der Meinung, dort besonderen Segen zu erhalten oder die Endkatastrophe zu überleben. Ein Beispiel aus unserer württembergischen Heimat ist die Tempelgesellschaft Christoph Hoffmanns und Hardeggs, schlicht die »Templer« genannt.

Noch tiefer führt die zweite Überlegung. Bei Abraham gab Gott die Verheißung. Jetzt sprich Jesus von sich: »Folgt mir nach! Und ich will euch zu Menschenfischern machen!« Er tritt also an die Stelle Gottes, der auch in Jer 16,16 sagte: »Ich will viele Fischer aussenden.« Damit stoßen wir auf die geheime Gottessohnschaft Jesu, die in seinem Prozess offen bekannt wird. Insofern haben die Juden völlig recht, wenn sie vor Pilatus aussagen: »Er hat sich selbst zu Gottes Sohn gemacht« Joh 19,7). Nur hat Jesus diese Sohnschaft nicht eigenmächtig beansprucht, sondern von Ewigkeit her innegehabt und auf Erden nicht zur Schau gestellt. Jesus wollte, dass die Juden ihn als Gottessohn an seinen Worten und Taten erkennen sollten. So liegt schon in seinem Wort an Andreas und Simon eine unvergleichliche messianische Würde. Hier spricht der, der in Gottes Namen sprechen darf.

Edition C – NT

Und bin ich ein Menschenfischer? Und wenn ja – für WEN fische ich? Werbe ich für einen Youtube-Kanal? Für eine Website, einen Telegrammkanal, für oder gegen eine Behandlungsmethode? Oder „fische ich für Christus“? Ehrlich! Hand aufs Herz! Wofür fischt du wirklich? Wie stand es oben im Zitat :Jesus ist am Ziel, wenn Menschen umkehren, die falsche Lebensrichtung aufgeben und zum Vater heimkehren.
Und das bedeutet, dass wir die Menschen zu Jehovah führen! Raus aus Kirchenbänken, raus aus Räumen voller Stühle, und einer Bühne von der aus gelehrt wird – HIN ZUM VATER. Das ist unser Job, den Jesus uns gab – und das ist unsere Lebensaufgabe.

„Seid meine Zeugen“

Aber ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch gekommen ist; und ihr werdet meine Zeugen sein, sowohl in Jerusalem als auch in ganz Judäa und Samaria und bis an das Ende der Erde
Elberfelder 1871 – Apg 1,8

Sondern ihr werdet Kraft empfangen, wenn der heilige Gottesgeist auf euch kommen wird. Dann werdet ihr meine Botschafter sein, verlässliche Zeugen, in Jerusalem und in ganz Judäa und Samaria und bis in die letzten Winkel der Erde.«
Das Buch – Apostelgeschichte 1,8

Ihr werdet aber die Kraft des über euch kommenden Heiligen Geistes empfangen und Mir Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde. Apg 5,32; 8,1.5.14; Mt 10,5; Röm 10,18.
Tafelbibel mit hinzugefügten Sachparallelstellen – Apostelgeschichte 1:8

Also zuerst eine Frage – die auf dein und mein Gottesbild anspielen!?!?
Hatte Jesus vor, dass wir keine Zeugen mehr von Jehovah, sondern nun Zeugen Jesu sein sollten? Oder haben die Bibelforscher, die meinen, dass Jesus der „Engel Jehova“ des AT ist, und damit „ein Teil“ des Jehova des AT ist, recht????

Die Antwort Jesu hat den Jüngern, ohne ihre Frage zu schelten, so viel Licht dargereicht, als sie zur Ausrüstung für ihren Beruf bedurften. 1,7: Er sagte zu ihnen: Es ist nicht eure Sache, Zeiten oder Fristen zu erkennen, die der Vater in seiner eigenen Macht festgesetzt hat. Was aus Israel wird und wie ihm das Reich kommt, das bedeckt Jesus mit einem Geheimnis, weil die Aufrichtung des Reichs für Israel nicht zum Beruf der Jünger gehört. Das heißt er sie ruhig in die Hände Gottes legen. Er bestätigt alle Verheißung Gottes, die sich auch an Israel reichlich und überreichlich erfüllen wird. Wann und wie er dies tut, steht klar in Gottes Blick. Den Jüngern dagegen liegt nicht ob, Israel zur Herrschaft zu verhelfen; also fällt es auch nicht in ihren Beruf, sich um die Zeiten und Weisen zu kümmern, wodurch dies geschehen wird.
Jesus hält ihren Blick bei dem fest, was ihr eigenes Werk ausmacht. 1,8: Aber ihr werdet Kraft erhalten, da der heilige Geist auf euch kommt, und werdet für mich Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samaria und bis zum Ende der Erde. Jetzt waren sie noch ohnmächtig und begriffen nicht, wie sie Jesus dienen, sein königliches Recht offenbaren und die Menschheit in Gottes Reich führen können. Die Kraft, mit der sie die Welt überwinden und Gott offenbaren, wird ihnen dadurch gegeben werden, daß Gottes Geist durch sie spricht und wirkt. Durch diesen werden sie die Zeugen Jesu, durch deren Wort und Werk bewährt wird, daß er der Christus ist. Das haben sie auszurichten sowohl in Jerusalem als für die ganze in Palästina wohnende Judenschaft*, zu der auch die vom übrigen Volk abgetrennte samaritische Gemeinde ausdrücklich hinzugerechnet wird. Aber nicht der Judenschaft allein haben sie Jesus zu verkündigen, sondern der Menschheit, so groß sie ist.

Schlatters Erlӓuterungen zum Neuen Testament

„Zeiten und Fristen“ setzt allein Gott. Und eben jetzt ist Gott dabei, eine ganz neue „Zeit“ herbeizuführen, die Zeit der „Gemeinde“. Gott will seinem gehorsamen Sohn nach der Vollendung seines Erlösungswerkes ein ganz kostbares Geschenk machen: das Geschenk des „Leibes“. Nicht nur der König von Israel soll Jesus sein und nicht nur der Herr und Richter der Welt, sondern auch das Haupt des Leibes14. Aus Israel und vor allem aus den Nationen wird dieser Leib herausgerufen. Darum bedeutet die Geistesausgießung nicht schon den Anbruch des Reiches, sondern [8] „ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch kommt, und werdet meine Zeugen sein“. Die Mission, die Evangelisation zum Aufbau des Leibes Christi beginnt. Dazu ist „Kraft“ nötig. Aber keine Kraft des Verstandes, des menschlichen Willens, der Redekunst reicht dazu aus. „Kraft des auf euch kommenden Geistes“, damit ist allein diese Aufgabe zu lösen. Mit ihr werden die Apostel die wirksamen „Zeugen“ Jesu sein. Achten wir genau auf den Wortlaut. Hier steht nicht „ihr sollt“. Mit dem Heiligen Geist sind wir aus dem Raum des „Gesetzes“, dem Raum bloßer Forderungen heraus und in den Raum faktischen Geschehens hineingenommen. Denn der Geist wirkt in uns und handelt in uns und durch uns.
Er macht uns zu Zeugen. Wir kennen das Wort „Zeuge“ aus der Gerichtssprache. Bei einer Gerichtsverhandlung werden Zeugen vernommen. Sie sollen nicht ihre Meinung äußern und nicht ihre Gedanken erzählen, sondern – genau wie es die Apostel (Apg 4, 20) tun – „reden, was sie gesehen und gehört haben“. Zeugen stellen fest, was in Wirklichkeit geschehen ist. Darum konnten die Apostel nach Vers 21 ff jetzt schon Zeugen Jesu sein. Da es sich aber um die unsichtbaren, göttlichen Wirklichkeiten handelt, reicht alles nur menschliche Bezeugen nicht aus, um andere davon zu über-zeugen. Erst die Kraft des Heiligen Geistes beglaubigt das Zeugnis von Jesus für das Gewissen der andern so, daß sie zum Glauben kommen oder sich gegen die Wahrheit aufbäumen, die sie doch nicht mehr leugnen können. Es ist also so, wie Johannes es uns als Jesu Wort überliefert hat: Der Geist der Wahrheit wird „nicht von sich selber reden“, er „wird mich verklären; denn von dem Meinen wird ers nehmen und euch verkündigen“ (Jo 16, 13 f). Die Apostel empfangen vom Geist nicht geheimnisvolle neue Lehren, sondern das wirksame Zeugnis von Jesus. Sie werden nichts anderes sagen als das, was sie jetzt schon als Zeugen sagen könnten (Vers 21 f), aber sie werden es „anders“ sagen, so herzdurchbohrend, wie es uns Lukas sofort im 2. Kapitel zeigen wird. Dabei erinnert uns das grie Wort für „Zeuge“ = „Martys“ daran, daß gerade dieses ins Herz treffende Zeugnis die Boten ins Leiden führt und nur unter Leiden (Apg 9, 16!) abgelegt werden kann.
Dieser Zeugendienst wird sich wachsend entfalten: Jerusalem – Judäa – Samaria – die ganze Welt. Das ist zugleich der Plan für das Werk, das Lukas zu schreiben beginnt. Ganze Kapitel hindurch wird er uns in Jerusalem festhalten; dann geht es zu der großen Erweckung nach Samarien und anschließend zur Bekehrung des Paulus, mit dem wir bis nach Rom reisen werden. Mit dem Ausdruck „bis an das Ende der Erde“ nimmt Jesus die prophetische Weissagung und in ihr den göttlichen Zuspruch von Jes 49, 6 auf. Seine erste Erfüllung hat er für den Blick des Lukas nicht erst dann gefunden, wenn Paulus wirklich noch nach Spanien (Rö 15, 23. 24) gelangt ist, sondern schon, wenn Paulus in Rom das Evangelium verkündigt, in dem Rom, das die Enden der Erde beherrscht. Das alles aber vollzieht sich nicht nach einer klugen „Missions-Strategie“, die sich die Apostel erdacht haben. Lukas wird es uns sehr deutlich machen, wie es sich „begibt“, auch gerade durch das, was wie lauter Hindernis und Durchkreuzung aussieht. Es begibt sich nach dem Plan, den Jesus hier in seinen Grundzügen den Aposteln mitteilt.
Wir aber können auf das, was die Apostelgeschichte uns schildert, nicht zurückblicken als auf eine ferne und abgeschlossene Geschichte, die wir ruhig und erbaulich „betrachten“. Diese Geschichte geht weiter und nimmt uns selber in ihr Geschehen mit hinein und für dieses Geschehen mit unserem Beten und unserem Geben und unserem persönlichen Einsatz mit in Anspruch. Nach Gottes Vorsehung hat sich das „Ende der Erde“ immer weiter und weiter hinausgeschoben, je umfassender wir die Welt kennenlernten. Es ist dem Befehl Jesu gemäß erreicht und doch noch nicht erreicht. Mt 24, 14 ist erfüllt und noch nicht endgültig erfüllt. So stehen wir noch in diesen „Zeiten und Fristen“, in diesem Zeitalter der Herausrufung des Leibes Christi, in diesem Zeugendienst „bis zum Ende der Erde“. Wir verstehen die „Kirche“ und ihre Geschichte, ihre Aufgaben und ihre Verheißungen nur, wenn wir dies verstehen. Auch für uns handelt es sich dabei nicht um eigenes Wollen, eigene Gedanken, Interessen und Pläne. Es wurzelt auch heute noch alle „Mission“ und „Evangelisation“ in dem majestätischen Wort des Herrn selbst, das Befehl und Verheißung in einem ist: „Ihr werdet meine Zeugen sein, in Jerusalem und in Judäa und Samaria und bis an das Ende der Erde.“ Und auch wir erfüllen den Sinn unseres Dienstes nur, wenn wir immer neu erfassen, daß es dabei nur einen einzigen, wahrhaft entscheidenden Faktor gibt: die Kraft des auf uns gekommenen Heiligen Geistes.

Wuppertaler Studienbibel

Dieser Vers beginnt mit einer Gegenüberstellung (alla, aber) zu Vers 7. Statt sich um Zeit und Stunde zu kümmern, sollten die Apostel Zeugen Christi bis an das Ende der Erde werden, nachdem sie auf übernatürliche Weise die Kraft des Heiligen Geistes empfangen hatten.
Die Bedeutung des Satzes „ihr … werdet meine Zeugen sein“ ist nicht ganz klar. Handelt es sich hier um ein Gebot oder um eine Feststellung? Grammatisch könnte er beides bedeuten, doch angesichts von Apg 10,42 (vgl. Apg 4,20) ist er wohl eindeutig als Imperativ, als Aufforderung für die Zukunft, zu verstehen.
Wahrscheinlich ist mit dem „Ende (Singular) der Erde“ Rom gemeint, im 1. Jahrhundert das stolze Zentrum der Zivilisation und über 2000 Kilometer (Luftlinie) von Jerusalem entfernt.

Walvoord Bibelkommentar

Ihr werdet Kraft empfangen usw. Damit legt Christus der vorwitzigen Neugier den kräftigsten Zügel an, indem er die Jünger auf Gottes Verheißung und Gebot verweist. Solche Neugier pflegt aus Müßiggang und Misstrauen geboren zu werden; dieses Misstrauen wird geheilt, wenn sich die Gedanken in die Verheißung versenken. Gottes Gebote zeigen dann, worauf wir unsern Eifer wenden sollen. Darum heißt der Herr die Jünger geduldig auf das warten, was Gott verheißen hat, und sich der Ausführung der Pflicht entgegenstrecken, die er ihnen auflegte. Dabei tadelt er ihre übergroße Eile, dass sie, die noch nicht einmal mit dem heiligen Geist beschenkt waren, etwas unzeitig vorwegnehmen wollen, was doch nur seine Gabe sein kann. Es ist doch gewiss nicht der rechte Weg, statt der Arbeit sanfte Ruhe zu suchen, wenn man zum Kriegsdienst berufen wäre. Der Hinweis darauf also, dass sie Kraft empfangen sollen, erinnert sie an ihre Schwachheit, damit sie nicht vor der Zeit Dingen nachjagen, die sie nicht erreichen können. Übrigens ist eine doppelte Übersetzung möglich. Entweder: „Ihr werdet die Kraft des heiligen Geistes empfangen, welcher auf euch kommen wird,“ oder: Ihr werdet Kraft empfangen, wenn der heilige Geist auf euch kommen wird. Ich bevorzuge die zweite Möglichkeit, welche auch deutlicher ausdrückt, dass sie solange kraftlos sind, bis der Geist über sie kommt.
Und werdet meine Zeugen sein. Dies will besagen, dass der Landmann erst arbeiten muss, ehe er Frucht empfängt. Wir sollen also unsere Blicke lieber auf den Weg richten, der zu Gottes Reich führt, als uns über den Zustand des zukünftigen Lebens gar zu feine Gedanken machen. Man streitet darüber, wie unser künftiges Leben bei Christus beschaffen sein wird, – aber man denkt nicht daran, dass wir erst mit ihm sterben müssen, um dann mit ihm zu leben. Es halte sich also ein jeder an sein gegenwärtiges Werk. Wir wollen wacker unter Christi Führung streiten, standhaft und unermüdet im Lauf unsers Berufs vorangehen: die Frucht wird Gott zu seiner Zeit schenken. Noch eine zweite Zurechtweisung enthält aber Christi Wort. Es will den Jüngern die falsche Einbildung von einem irdischen Reich austreiben, indem es ganz kurz sagt, dass das Reich in der Predigt des Evangeliums besteht. Darum sollen sie nicht von Reichtum, Genuss, äußerer Macht oder anderen irdischen Dingen träumen; sie hören ja, dass Christus seine Herrschaft ausübt, wo er durch die Lehre des Evangeliums sich die Welt untertänig macht. Daraus ergibt sich, dass er in geistlicher, nicht in weltlicher Weise herrscht. Dass aber die Apostel mit der Voraussetzung eines fleischlichen Königreichs rechneten, entsprang aus dem allgemeinen Irrtum des ganzen Volkes.
Wir dürfen uns nicht wundern, dass sie in diesem Stück sich alle durch ein Wahngebilde täuschen ließen. Denn wenn wir Gottes Reich nach unserm Sinne entwerfen, können wir nur auf rohe und irdische Gedanken kommen. Außerdem lassen wir uns wie das Vieh ganz und gar zu Dingen ziehen, die unserm Fleische bequem sind. Wir ergreifen, was vor Augen liegt. Darum sind auch die Leute zu Fall gekommen, die für das tausendjährige Reich schwärmten; alle Weissagungen, die Christi Reich anschaulich unter dem Bilde irdischer Königreiche darstellen, deuteten sie nach dem Geschmack des Fleisches, während es doch Gottes Absicht war, ihre Gedanken höher empor zu führen. Um solchen Irrtum zu meiden, wollen wir immer tiefer in die Verkündigung des Evangeliums eindringen, welches dem Reiche Christi seinen Sitz in unseren Herzen anweist.
In Jerusalem und in ganz Judäa usw. Wenn die Apostel den ganzen Erdkreis mit der Lehre des Evangeliums durchlaufen sollen, müssen sie verstehen, dass dies nicht die Arbeit eines Tages ist. Außerdem schiebt dieser Hinweis auch die falsche Meinung beiseite, welche die Jünger über Israel gefasst hatten. Ihnen schwebten allein diejenigen vor, die nach dem Fleisch von Abraham abstammten. Christus aber bezeugt, dass man auch Samarien in Angriff nehmen solle, welches ihnen körperlich sehr nahe, geistlich aber sehr fern lag. Er bezeugt weiter, dass alle anderen Gegenden, so fern und so unheilig sie sein mochten, mit dem heiligen Volk vereinigt werden und an der gleichen Gnade Teil gewinnen sollten. Wie sich die Juden von den Samaritern zurückhielten, ist bekannt (Joh. 4, 9). Jetzt aber will Christus den Zaun abbrechen, aus beiden einen Leib machen und sein Reich allenthalben errichten (Eph. 2, 14). Indem aber der Herr Jerusalem und Judäa nennt, wo die Jünger Scharen von wütenden Feinden begegnen mussten, erinnert er sie daran, dass hinreichende Mühen und Beschwerden ihrer warten; sie mögen also aufhören, von einem nahen Triumph zu träumen. Den Juden wird nun der erste Platz angewiesen, weil sie gleichsam die Erstgeborenen waren (2. Mos. 4, 22). Doch nennt der Herr unterschiedslos auch alle Heiden, die zuvor von der Hoffnung auf die Seligkeit ausgeschlossen waren. Hieraus entnehmen wir, dass die Predigt, in deren Verfolg das Evangelium auch zu uns kommen sollte (Eph. 2, 7), auf einem ausdrücklichen Befehl Christi ruht.

Jean Calvin – Apostelgeschichte

Manche lehren, dass das jüdische Volk das Recht auf das ihm von Gott verheißene Reich verloren hat, weil es den Messias abgelehnt hat. Ger antwortet auf diese Behauptung mit den Worten:
Die Gesamtheit des jüdischen Volkes hat den Messias nicht abgelehnt. Sonst gäbe es die Apostelgeschichte gar nicht! Jeder der Protagonisten in diesem Buch ist ein Jude, der Jesus als Messias angenommen hat. Der erste nichtjüdische Gläubige taucht erst nach sieben Jahren, also nach zehn Kapiteln, in der Geschichte auf. Von Kapitel eins bis achtundzwanzig der Apostelgeschichte haben Tausende von Juden auf das Evangelium reagiert. Und wir Juden reagieren auch heute noch auf Jesus. Die alten Verheißungen von Gottes Reichsprogramm, seine glorreiche Wiederherstellung Israels, wurden lediglich verschoben, nicht aufgegeben.

Die Antwort Jeschuas auf die Frage der Apostel ist in den Versen 7-8 festgehalten. Vers 7 gibt den Zeitpunkt an und enthält denselben Wortlaut wie I. Thessalonicher 5:1 und Titus 1:2-3: Zeiten und Jahreszeiten. Es war nicht Sache der Apostel, Zeiten oder Jahreszeiten zu kennen, die der Vater in seiner eigenen Autorität festgelegt hat. Das griechische Wort für „Zeiten“ ist chronous, was „quantitative Zeiten“ bedeutet. Es bezieht sich auf Zeitalter oder Epochen, auf einen allgemeinen Zeitraum eines Ereignisses. Es geht einfach um die Dauer der Zeit; es betrachtet die Zeit im Hinblick auf ihre Ausdehnung. Das Wort für „Jahreszeiten“, kairous, bedeutet hingegen „Zeiträume, durch die Zeitalter gekennzeichnet sind“. Dieses Wort bezieht sich auf eine bestimmte Zeitspanne oder einen genauen Zeitpunkt eines Ereignisses. Es bezieht sich auf Arten von Zeit, wie „harte Zeiten“, Zeit in Bezug auf ihren Umfang und Charakter.

Jeschua sagte seinen Jüngern, dass es nicht an ihnen liegt, das Zeitalter zu kennen, in dem die Wiederherstellung Israels und die Errichtung des Reiches Gottes stattfinden wird, und auch nicht den genauen Zeitpunkt in diesem Zeitalter, zu dem dies geschehen wird; dies hat der Vater in seiner eigenen Autorität festgelegt. Mit anderen Worten: Gott, der Vater, hat bereits einen Zeitpunkt festgelegt, und es geht darum, dass sich seine Verheißungen erfüllen werden. Das Reich Gottes wird kommen, aber es liegt nicht an ihnen, den Zeitpunkt zu bestimmen.

Der Bibelwissen-Kommentar stellt fest:
Manche schließen aus der Antwort des Herrn, dass die Apostel eine falsche Vorstellung vom Reich Gottes hatten. Doch das ist falsch. Christus hat ihnen das nicht vorgeworfen. Hätten die Nachfolger des Herrn Jesus eine falsche Auffassung gehabt, wäre dies der Zeitpunkt für ihn gewesen, sie zu korrigieren. Tatsache ist, dass Christus das Kommen eines irdischen, buchstäblichen Königreichs lehrte (vgl. Matthäus 19,28; Lukas 19,11-27; 22,28-30). In Apostelgeschichte 1,3 heißt es, dass der Herr die Jünger über das Reich unterrichtete; er vermittelte ihnen sicherlich den richtigen Eindruck über dessen Charakter und künftiges Kommen. Was Jesus hier (V. 7) besprach, war die Zeit des Kommens des Reiches Gottes. Das griechische Wort für Zeiten (chronous) beschreibt im Wesentlichen die Dauer von Zeiten, und das Wort für Daten (kairous) bezieht sich sowohl auf die Länge von Zeiten als auch auf die Art von Zeiten (wie z. B. „harte Zeiten“). Die Jünger durften weder die Zeiten noch die kritischen Zeiträume kennen, die der Vater durch seine Autorität festgelegt hatte. Später würde eine weitere Offenbarung darüber erfolgen (vgl. 1 Thess 5,1).

Ger teilt die Überzeugung, dass Israel als Nation in der Zukunft wiederhergestellt werden wird und dass der Messias persönlich vom Thron seines Vorfahren David in Jerusalem regieren wird. Zu Jeschuas Antwort in Apostelgeschichte 1,7 macht er die folgende Bemerkung:
Die Antwort Jesu zeigt, dass er die Frage als logisch akzeptierte, aber keine Einzelheiten nennen wollte. Jesus wischt die Frage nicht ab, sondern gibt eine ernsthafte, aber geheimnisvolle Antwort. Indem er ihnen sagte, dass es ihnen nicht zustehe, „die Zeiten oder Epochen zu kennen, die der Vater durch seine eigene Autorität festgesetzt hat“, zeigte er, dass er mit seinen Schülern darin übereinstimmte, dass es um das „Wann“ und nicht um das „Ob“ der Wiederherstellung des Königreichs für Israel ging. Es war einfach eine Frage des göttlichen Zeitplans, der die Apostel nichts anging.

In Vers 8 legt Jeschua die besondere Berufung der Apostel dar. Das Wort „aber“ am Anfang des Verses ist im Griechischen ein sehr starker Ausdruck: Aber ihr werdet Kraft empfangen. Dies war göttliche Kraft. Da ihre eigene Kraft nicht absolut war, konnten die Apostel ihren Auftrag nur mit Hilfe göttlicher Kraft erfüllen. Es war die Macht, den spezifischen Auftrag, den sie jetzt erhalten hatten, zu erfüllen. Die Verheißung war bedingungslos, aber sie war nicht absolut. Die Apostel würden nicht alles tun können, was sie wollten, aber sie würden göttliche Macht erhalten, um den Auftrag zu erfüllen, den Jeschua ihnen gerade gegeben hatte.

Was den Zeitpunkt betrifft, so sagte Jeschua ihnen, dass es geschehen würde, wenn der Heilige Geist auf euch käme. Der Geist würde die Kraft bringen. Als die Apostel mit dem Geist getauft wurden (Apg. 1,5), würden sie die Kraft empfangen (Apg. 2,1-4).

Dann erklärte Jeschua die Art der Berufung der Apostel: Ihr sollt meine Zeugen sein. Dies ist das Thema der Apostelgeschichte: dass die Apostel Zeugen sein sollten; und dies ist der Grund, warum das Wort in der Apostelgeschichte häufig verwendet wird (1,22; 2,32; 3,15; 5,32; 10,39-41; 13,31; 22,15; 26,16). Da die Apostel nun Zeugen sein sollten, wurde die Politik des Schweigens, die Jeschua nach der nationalen Ablehnung seiner Messiasschaft in Matthäus 12 eingeleitet hatte, aufgehoben (Mt 12,22-39). Es stellt sich die Frage, ob der Ausdruck „Ihr sollt meine Zeugen sein“ ein Befehl oder lediglich eine Prophezeiung ist. Die Antwort lautet, dass es wahrscheinlich beides ist. Dies ist der Zweck der Macht, die die Apostel erhalten würden: Sie sollten Jeschuas Zeugen sein. Mit anderen Worten: Ihre Aufgabe war es jetzt nicht, das Reich zu regieren, sondern zu bezeugen.

Dann gab Jeschua ihnen das Programm und den Wirkungsbereich vor, indem er erklärte, dass die Apostel seine Zeugen sein sollten in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis ans Ende der Welt. Damit gab er den Rahmen für die Apostelgeschichte vor. Zunächst sollten die Apostel seine Zeugen in Jerusalem sein, entsprechend dem Auftrag, den er ihnen bereits gegeben hatte (Lk. 24:47). Jerusalem war der Sitz der jüdischen Führung. Dort war das Blut der Propheten und des Messias vergossen worden. Dieser Bereich wird in Apostelgeschichte 2,1-8,4 behandelt. Zweitens sollten sie in ganz Judäa Zeugnis ablegen. In diesem Gebiet war das pharisäische Judentum stark. Das Wort „alle“ schließt wahrscheinlich Galiläa ein, das eine Erweiterung der Herrschaft Judäas war. Dieser Bereich wird in Apostelgeschichte 8,26-12,25 behandelt. Drittens sollten die Apostel in Samaria Zeugnis ablegen, wo es eine gemischte Religion gab, die den Juden feindlich gesinnt war. Dieser Bereich wird in Apostelgeschichte 8,5-25 behandelt. Viertens sollten die Apostel Zeugen sein bis an den äußersten Rand der Erde, was eine Redewendung für die heidnische Welt ist (Jes 49,5-6). Dort würden die Apostel auf heidnisches Heidentum, viele falsche Gottesvorstellungen und eine unmoralische Gesellschaft stoßen, und deshalb wurden sie in Gebiete gesandt, die für die Juden unrein waren. Dieser Bereich wird in Apostelgeschichte 13:1-28:31 behandelt.

Ariel’s Bibelkommentar: Apostelgeschichte

Oben, unten – wo ist mein Platz?

Und er kam nach Kapernaum, und als er in dem Hause war, fragte er sie: Was habt ihr auf dem Wege verhandelt? Sie aber schwiegen; denn sie hatten sich auf dem Wege untereinander besprochen, wer der Größte (W. größer) sei. Und nachdem er sich niedergesetzt hatte, rief er die Zwölfe; und er spricht zu ihnen: Wenn jemand der Erste sein will, so soll (O. wird) er der Letzte von allen und aller Diener sein.
Elberfelder 1871 – Markus 9,33–35

Sie kamen nach Kapernaum. Als sie im Haus waren, fragte Jesus die Jünger: »Worüber habt ihr unterwegs gesprochen?« Doch sie schwiegen verlegen; denn sie hatten sich darüber gestritten, wer von ihnen der Wichtigste sei. Jesus setzte sich, rief die zwölf Jünger zu sich und sagte: »Wer der Erste sein will, der soll sich allen unterordnen und ihnen dienen.«
Er rief ein kleines Kind, stellte es in ihre Mitte und schloss es in die Arme. 37 Dann sagte er: »Wer solch ein Kind mir zuliebe aufnimmt, der nimmt mich auf. Und wer mich aufnimmt, der nimmt damit Gott selbst auf, der mich gesandt hat.«
Hoffnung für Alle – Mk 9,33–37

Da kam er nach Kapernaum. Und als er im Haus angekommen war, fragte er sie: »Was habt ihr auf dem Weg miteinander diskutiert?« Keiner sagte etwas, denn sie hatten sich auf dem Weg darüber unterhalten, wer von ihnen der Bedeutendste ist. Da setzte Jesus sich hin und rief seine zwölf engsten Gefährten zu sich. Ihnen sagte er: »Wenn einer der Anführer von allen sein will, muss er der Letzte werden, ja, der Diener von allen!«
Das Buch – 2009 – Markus 9:33–35

Jesus und seine Jünger kamen, zum letzten Mal, nachdem sie mehrere Monate fortgewesen waren,nach Kapernaum (vgl. Mk 8,13.22.27). Als sie daheim (vgl. Mk 2,1-2;3,20;7,17) waren, fragte Jesus sie, worüber sie auf dem Weg (en tE hodO; vgl. den Kommentar zu Mk 1,2) gesprochen hätten. Wieder bildete eine Frage von ihm die Einleitung für eine bestimmte Aussage (vgl. Mk 8,27.29).
Die Jünger schämten sich zuzugeben, daß sie miteinander darüber verhandelt hatten, wer der Größte unter ihnen sei. Derartige Fragen nach dem Rang des einzelnen waren für die Juden sehr wichtig (vgl. Lk 14,7-10), daher war es ganz natürlich, daß auch die Jünger darüber nachdachten, welche Stellung sie in dem kommenden messianischen Reich einnehmen würden. Die Vorrechte, die Petrus, Jakobus und Johannes eingeräumt worden waren (vgl. Mk 5,37;9,2), hatten die Diskussion vielleicht etwas angeheizt; doch was auch immer der Anlaß war, der Streit der Jünger zeigte, daß die Zwölf die Bedeutung der Leidensankündigung Jesu (V. 31) für sie selbst weder verstanden noch akzeptiert hatten.
Nachdem Jesus sich gesetzt hatte – die traditionelle Pose eines jüdischen Lehrers (vgl. Mt 5,1; Mk 13,1) -, rief er die Zwölf zu sich. Er lehrte sie das Wesen wahrer Größe: Wenn jemand will (vgl. Mk 8,34) der Erste sein, also die höchste Stellung unter den „Großen“ im Gottesreich innehaben will, der soll (aus freiem Willen und Entschluß) der Letzte sein von allen und aller Diener. Der Begriff „Diener“ (diakonos) versinnbildlicht hier eine Person, die die Nöte und Bedürfnisse anderer freiwillig lindert und nicht, weil sie in einer dienenden Position (doulos, Sklave) ist. Jesus verurteilte damit nicht den Wunsch, eine bessere Stellung im Leben zu erringen, machte aber deutlich, daß Größe in seinem Reich nicht eine Frage des Status, sondern des Dienens ist (vgl. Mk 10,43-45).

Walvoord Bibelkommentar

Nach langer Zeit »kamen« Jesus und seine Jünger endlich wieder »nach Kapernaum« (Mk 9, 33). Das »Haus«, das ihn dort erwartet, ist immer noch das des Petrus (Mk 1,29; 2,1). In diesem »Hause« angelangt, ergreift Jesus die Initiative zu einem Gespräch. Er leitet es ein mit der Frage: »Worüber habt ihr unterwegs gesprochen?« Er hatte also das Gespräch mitbekommen, vermutlich durch den heiligen Geist, der in ihm wohnte (vgl. Mk 2,8; 8,17; Joh 2,24ff.). Nebenbei stoßen wir hier auf die Tatsache, dass es nicht nur Jüngergespräche mit Jesus gab, sondern auch Gespräche der Jünger untereinander. Und zwar geistliche bzw. theologische Gespräche (vgl. Mk 4,41; 8,16; 9,10; 9,32). An dieser Stelle sollten wir selbst dankbar werden für die vielen Möglichkeiten hilfreicher Gespräche, die wir mit Glaubensgeschwistern führen können. »Unterwegs« heißt: während der Wanderung von Mk 9, 30 ff.

Betroffen »schwiegen« die Jünger (vgl. Mt 22,12; Mk 3,4; Lk 14,4; 20,26). »Denn sie hatten unterwegs miteinander darüber gesprochen, wer der Größte sei.« Sie schwiegen also aus Scham. Es fällt auf, dass die Jünger damals Jesus gegenüber häufig schwiegen (vgl. Mk 8,16 f; Mk 9,10; 9,32.34). Im modernen Deutsch würde man sagen: Damals herrschte eine Phase von Kommunikationsstörungen. Verursacht war sie durch den Gegensatz zu ihrem Meister. Während Jesus sich auf die Passion vorbereitete, bereiteten sie sich zum Herrschen im Reich des Messias vor. Denn die Frage, »wer der Größte sei«, zielt natürlich auf das in Bälde erwartete messianische Reich (vgl. Mt 18,1ff.; Lk 9,46ff.; Mk 10,35ff.; Lk 19,11; 22,24; Apg 1,6). Sie hat die Jünger mehrfach umgetrieben, wie zumindest Lk 22,24 bezeugt, aber auch Mt 18,1-5.

Rangstreit unter den Jüngern – gibt es das heute noch? Sicherlich. Und zwar sowohl unter Liberalen als auch unter Evangelikalen. Fragen des Protokolls bekommen hier eine wichtige Bedeutung. Wer was machen oder eröffnen oder vertagen oder planen oder entwerfen oder repräsentieren darf, kann zu endlosen Diskussionen führen. Vielleicht waren die Jünger damals eher an der Ewigkeit interessiert als wir. Besser sind wir jedenfalls nicht geworden. So stellen diese Jünger einen Spiegel unserer eigenen Seele dar.

Jesus greift diese Angelegenheit mit Ruhe und Besonnenheit auf. »Er setzte sich«, berichtet Markus, »und rief die Zwölf« (Mk 9, 35). Wie wir wissen, lehrten die jüdischen Lehrer im Sitzen (vgl. Mt 5,1; Mk 3,9.32; 4,1). Wenn es heißt »er rief die Zwölf«, dann ist anzunehmen, dass er das Problem der »Zwölf« intern behandeln und nicht in die Öffentlichkeit tragen wollte. Ein solches Verhalten sollte uns Vorbild sein. Was im kleinen Kreis oder gar unter vier Augen besprochen werden muss, sollte nicht in den öffentlichen – manchmal auch »frommen«! – Klatsch oder in die Leserbriefspalten geraten.

Was Jesus hier zu sagen hat, drückt ein geistliches Grundgesetz aus: »Wenn jemand der Erste sein will, dann soll er von allen der Letzte sein und aller Diener.« Das heißt: Eine hohe Verantwortung im Reich Gottes wird nur demjenigen verliehen, der demütig ist und der dient. Interessanterweise erklärt Jesus nicht: Es gibt keine »Ersten«. Doch! Es gibt tatsächlich »Erste« (vgl. dazu Lk 19,16ff. und Mt 19,28). Aber der Weg dahin ist völlig anders als in der Welt. In der Welt zählen Energie, Ellenbogen, Ehrgeiz. Im Reiche Gottes zählen die geistliche Gnade, der Verzicht auf Ellenbogen und die Treue im Kleinen. »Von allen der Letzte« heißt in diesem Zusammenhang: »allen« andern in puncto Ehre den Vortritt lassen. Das ist sozusagen die passive Seite. Die aktive Seite aber besteht in dem Dienst, den man anderen erweist: »Aller Diener« soll derjenige sein, der im Reich Gottes als ein »Erster« Verantwortung übernehmen will. Dabei kommt es selbstverständlich nicht auf einen Titel an – z. B. heißt der Papst »servus servorum« (»Diener der Diener«) -, sondern auf das Tun. »Diener« (griech. diakonos) wollte Jesus ja selber sein (Mk 10,45), und nicht sich bedienen lassen. Von daher könnte man sagen: Leben, wie Jesus gelebt hat, macht uns zu »Ersten« im Reich Gottes. Dass dies eine schwierige Lektion ist, zeigt die mehrfache Wiederholung der Aussage Jesu in Mk 10,43ff.; Mt 20,26; 23,11 und Lk 22,26 ff.

Edition C

Jesu Antwort auf die Frage der Jünger, wer der Größte unter ihnen sei, hat im Bericht des Matthäus den unerbittlichen Ernst, der das ganze erste Evangelium erfüllt. Die Jünger richten selbst ihre Frage an Jesus; nun trifft sie seine Antwort vollends niederschmetternd: So kommt ihr gar nicht in das Himmelreich; erst müsst ihr umkehren. Wohin sie ihre Umkehr bringen muss, beschreibt er mit dem kleinen und geringen Kind; nur so kleine Leute gehen ins Himmelreich ein. Markus zeigt auch bei diesem Anlass die milde Freundlichkeit Jesu, damit niemand sich vor ihm fürchte und den Mut zum Glauben verliere. Er erläutert zunächst, wie die Frage der Jünger vor Jesus kam. Sie war nicht für sein Ohr bestimmt, sondern wurde nur im Kreise der Jünger unterwegs besprochen. Jesus ließ sie aber nicht heimlich in ihrem Herzen gären, da sie ihr Verhältnis zu ihm und zueinander vergiftet hätte, sondern zog sie ans Licht mit der Frage, was sie miteinander besprochen hätten. Als die Jünger beschämt schwiegen, weil sie wohl empfanden, dass ihr Streit nicht nach Jesu Sinn war, legte er ihnen die Regel der echten, wirklichen Größe vor.

Ehrgeiziges Großseinwollen schändet und erniedrigt in den Augen Jesu, weil es nicht aus der Liebe stammt und darum zur Sünde führt. Auf diesem Wege bereiten wir uns unsere Größe dadurch, dass wir die anderen drücken und schwächen, gründen unsere Ehre auf die Erniedrigung der anderen, unsere Stärke auf ihre Schwäche und unseren Reichtum auf ihre Armut. Solcher Größe wird Jesus zum Widersacher; er stößt sie um. Auf seinem Weg gehen diejenigen, die es verstehen zu dienen; sie tun seinen Willen und sind deshalb in seinen Augen die Großen, auf die er sein Lob und seine Ehre legt. Darum darf es in seiner Gemeinde kein anderes Streben nach dem Vorrang geben als so, dass wir uns von uns selbst abwenden und nicht uns selbst leben; wir sollen als die Letzten in der Reihe stehen wollen, wenn für uns selbst Ehre, Ruhm, Genuss und Gewinn in Frage kommen, und die Ersten zu sein trachten, wenn es gilt, die anderen mit Wort und Tat zu heben, zu tragen und zu begaben.

Schlatter – Erläuterungen zum Neuen Testament

Der Hintergrund der Lektion in diesen Versen betraf einen Streit unter den Jüngern: Und es entstand ein Streit unter ihnen, wer von ihnen der Größte sei (Lk. 9:46). Matthäus liefert den Zeitpunkt dieses Streits: In jener Stunde kamen die Jünger zu Jeschua und sprachen: Wer ist denn der Größte im Himmelreich? (Mt. 18,1). Der Streit folgte unmittelbar auf die Lektion des Petrus (In jener Stunde), wobei Jeschua dafür sorgte, dass Petrus‘ Steuer zusammen mit seiner eigenen bezahlt wurde. Infolgedessen könnte der Apostel das Gefühl gehabt haben, dass er in einer privilegierten Position stand. Dieses Ereignis folgte auch auf die Erfahrung der Verklärung, bei der Jeschua nur drei der zwölf Apostel als Zeugen auswählte. So könnten sich Petrus, Jakobus und Jochanan privilegiert gefühlt haben. Nun debattierten die Jünger nicht nur über ihren gegenwärtigen Status, sondern auch über ihren Status im messianischen Reich. Sie glaubten immer noch, dass Jeschua dieses Reich bald errichten würde, und debattierten darüber, wer unter ihnen die höchste Position einnehmen würde.
Der Streit fand auf dem Weg statt. Nachdem sie das Haus betreten hatten, fragte Jeschua sie: Was habt ihr auf dem Weg überlegt? (Mk. 9,33). Er wusste es, wollte aber auf den Punkt bringen, dass das Problem die gefühlte Überlegenheit der apostolischen Gruppe war. Von einer sitzenden Position aus (Mk. 9,35a) rief Jeschua ein kleines Kind zu sich, stellte es in ihre Mitte und sagte: „Wahrlich, ich sage euch: Es sei denn, dass ihr umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr auf keinen Fall in das Reich der Himmel eingehen (Mt. 18,2-3). Die Lektion war, dass sie wie Kinder sein müssen, mit kindlichem Glauben, um in das Königreich zu gelangen. Kinder sind von ihren Vätern abhängig, und so müssen Gläubige eine kindliche Abhängigkeit von ihrem himmlischen Vater zeigen. Matthäus fügte hinzu: „Wer nun demütig wird wie ein kleines Kind, der ist der Größte im Himmelreich“ (Mt. 18,4). Während nur der Glaube und das Vertrauen in Jeschua erforderlich sind, um in das Königreich einzutreten, wird die Position eines Gläubigen im Königreich davon bestimmt, wie er seinen Glauben während seines Lebens auslebt. Ein kleines Kind erkennt, dass es keine Autorität im Haus hat, sondern dem Willen des Vaters unterworfen ist. Folglich muss man, um eine große Position im Königreich zu erhalten, erkennen, dass man wie ein Kind keine eigene Autorität hat und Gott unterworfen ist.
Jeschua erklärte: Wer der Erste sein will, der soll der Letzte von allen sein und der Diener aller (Mk. 9:35b). Ein Mensch, der einen höheren Platz im Reich Gottes anstrebt, darf in diesem Leben nicht darum kämpfen, die höchste Position zu erreichen. Er muss sich stattdessen mit der niedrigsten Position und dem Dienst an allen Menschen zufrieden geben. Um ein Herr im Reich Gottes zu werden, muss man jetzt ein Diener sein. Lukas fügt hinzu: Denn wer der Geringste unter euch allen ist, der ist groß (Lk. 9:48). Größe wird durch kindliche Demut erlangt. Kinder kümmern sich nicht um den Status innerhalb des Hauses, denn sie wissen, wer das Haus regiert. Es gibt keine Diskussion über den sozialen Status zwischen dem Kind und den Eltern. In gleicher Weise ist es für einen Gläubigen notwendig, sich umzudrehen und einen kindlichen Glauben und Demut zu erwerben. Man muss einen Geist der Empfänglichkeit für das Unbedeutende haben und bereit sein, ein Kind aufzunehmen: Und wer ein solches Kindlein aufnimmt in meinem Namen, der nimmt mich auf (Mt. 18,5). Dieser Punkt wird im nächsten Abschnitt näher erläutert.
Zusammenfassend können wir sagen, dass, wie ein Kind von seinem Vater abhängig ist, ein Gläubiger von Gott abhängig sein muss. Das Mittel, um im Reich Gottes Größe zu erlangen, beinhaltet, der Geringste zu werden und ein Diener zu werden.

Arnold Fruchtenbaum – Jeschua – Das Leben des Messias aus einer messianisch-jüdischen Perspektive

Scheinbar hat Petrus richtig zugehört! Den beim letzten Passah sitzt er ganz außen – der Sitzplatz für den Diener – und er ist es, dem zuerst die Füße gewaschen werden soll.