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Zu spät den wahren Mensch erkannt?

Danach erschien er Jakobus, dann den Aposteln allen; am letzten aber von allen, gleichsam der unzeitigen Geburt, erschien er auch mir.
Elberfelder 1871 – 1 Kor 15,7–8

 Dann wurde er von Jakobus gesehen und später von allen Aposteln. Als Letzter von allen habe auch ich ihn gesehen, so als wäre ich zur falschen Zeit geboren worden.
Neues Leben Bibel 2014 -1.Kor 15,7–8

Als Letztem von allen hat er sich auch mir gezeigt; ich war wie einer, für den es keine Hoffnung mehr gibt, so wenig wie für eine Fehlgeburt – Oder gezeigt; ich war wie eine unzeitige Geburt. Aü gezeigt, dieser Missgeburt von einem Apostel, wie manche mich nennen. W gezeigt, gleichsam der Fehlgeburt/Missgeburt.
Neue Genfer Übersetzung 2013 – 1.Korinther 15:8

Kommentar zum Neuen Testament aus Talmud und Midrasch

Warum empfindet Paulus sich als „zu spät geboren“??

Der Ausdruck »unzeitige Geburt« (Euther, Elberfelder, Schlachter) bzw. »Fehlgeburt« (Zürcher, Menge) oder »Missgeburt« (Einheitsübersetzung) bezog sich normalerweise auf einen toten Fötus, nach einer Fehlgeburt oder einer Abtreibung. Vielleicht bezeichnet Paulus sich selbst im Vergleich mit den anderen Aposteln als Missbildung ( 15,9 ); sicher ist, dass er sich hier in irgendeiner Weise herabwürdigt. Er könnte meinen, dass er zur falschen Zeit geboren ist (in diesem Fall jedoch wohl eher zu spät als zu früh), und zwar nach den ersten Epiphanien Jesu. Nach Ansicht anderer Kommentatoren wurde Paulus im Mutterleib auserwählt, machte diese Berufung jedoch durch seine Verfolgung der Kirche zunichte und sich selbst auf diese Weise bis zu seiner Bekehrung gleichsam zu einem abgetriebenen Fötus.

Craig Keener – Kommentar zum Umfeld des Neuen Testaments

Paulus bezeichnet seine eigene Bekehrung als eine unzeitige Geburt, denn ihm fehlt die Zeit, die die anderen mit Christus auf Erden verbracht haben (vgl. Apg 1,21-22).

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

Mit seiner eigenen Person schliesst die Kette der Zeugen ab – auch zeitlich. Die Erscheinung des Auferstandenen vor Paulus bei Damaskus war ebenso wirklich wie die vor den anderen Zeugen. Es steht dasselbe griechische Wort (»ist er auch von mir gesehen worden«). Der auferstandene Christus ist Paulus begegnet (vgl. Apg 9,3ff.; Apg 22,6ff.; Apg 26,12ff.; besonders Apg 26,13: »sah«). Der Apostel nennt sich selbst in aller Demut eine »unzeitige Geburt« (wörtlich: »Fehlgeburt«), also ein eigentlich nicht lebensfähiges Wesen. Autorität, Vollmachtsanspruch und Demut gehören hier zusammen. Die Autorität als Apostel leitet sich von dem Auferstandenen ab, die Demut von dem ehrlichen Blick auf die eigene Person. Paulus versteht sein Apostelamt als unverdiente, geschenkte Gnade und Würde.

Gerhard Maier – Edition C

Warum sieht er sich als „unzeitige Geburt“? Weil er „die Gemeinde Gottes verfolgt“ hat. Der Begriff bezieht sich also auf seine „Geburt“ als Apostel. Diese „Fehlgeburt“ hängt ihm nach, so dass er „der geringste unter den Aposteln“ ist und eigentlich „nicht wert“ ist, Apostel genannt zu werden.
Dass er trotzdem ein Apostel ist, verdankt er nicht sich selbst, sondern allein der Gnade Gottes. Gleichzeitig stellt er fest, dass Gottes Gnade in seinem Leben „nicht vergeblich gewesen“ ist, sondern bewirkt hat, dass er „viel mehr gearbeitet“ hat als alle anderen Apostel. Damit nicht der Eindruck entsteht, dass er seine Arbeit als ein Werk versteht, durch das er sich bei Gott etwas verdient, oder seine Aussage auf andere Weise missverstanden wird, betont er noch einmal, dass sein Engagement die Wirkung der Gnade Gottes ist, die mit ihm ist.

Mainka – 1. Korintherbrief

Nun nennt Paulus zum Schluß auch sich selbst als „Zeugen der Auferstehung“ (Apg 1, 22). „Am letzten aber von allen, wie von der Fehlgeburt, wurde er gesehen auch von mir. Denn ich bin der geringste der Apostel, der ich nicht tauglich bin, ein Apostel genannt zu werden, weil ich verfolgt habe die Gemeinde Gottes.“ Er muß mit in der Zeugenreihe stehen, wenn er überhaupt ein wirklicher „Apostel“ ist. Aber er ist darin nur so etwas wie „die Fehlgeburt“18 oder „die Mißgeburt“ eines Apostels. Denn die Aufgabe eines Apostels ist der grundlegende Aufbau der „Gemeinde Gottes“. Paulus aber hat vielmehr „die Gemeinde Gottes verfolgt“ und sie zu vernichten gesucht (Gal 1, 13). So war er — völlig anders als alle anderen „Apostel“ bei all ihrem Versagen — in sich selbst das genaue Gegenteil eines Apostels. Er ist „nicht tauglich, ein Apostel genannt zu werden“, und so „der geringste der Apostel“.

Wuppertaler Studienbibel

Das Wort ἔσχατος („der Letzte“) erscheint hier nicht als Adverb („zuletzt“), da danach πάντων („von allen“) folgt, d.h. Paulus war der Letzte von allen Genannten Personen, denen der Herr erschien. Daher gebraucht er auch das Wort ἔκτρωμα („unzeitige Geburt, Fehlgeburt, Früh-/Spätgeburt), das an einigen weiteren Stellen vorkommt: Numeri 12.12: „μὴ γένηται ὡσεὶ ἴσον θανάτῳ ὡσεὶ ἔκτρωμα ἐκπορευόμενον ἐκ μήτρας μητρὸς καὶ κατεσθίει τὸ ἥμισυ τῶν σαρκῶν αὐτῆς“. „Sie möge nicht werden wie etwas, das dem Tod gleich ist, wie eine Fehlgeburt, die aus dem Mutterschoß herauskommt und (so) die Hälfte ihres Fleisches verzehrt. Prediger 6.3: „ἐὰν γεννήσῃ ἀνὴρ ἑκατὸν καὶ ἔτη πολλὰ ζήσεται καὶ πλῆθος ὅ τι ἔσονται ἡμέραι ἐτῶν αὐτοῦ καὶ ψυχὴ αὐτοῦ οὐκ ἐμπλησθήσεται ἀπὸ τῆς ἀγαθωσύνης καί γε ταφὴ οὐκ ἐγένετο αὐτῷ εἶπα ἀγαθὸν ὑπὲρ αὐτὸν τὸ ἔκτρωμα“. „Wenn jemand 100 (Kinder) zeugt und viele Jahre leben wird und es eine Menge ist, was er an Lebensjahren haben wird, aber seine Seele nicht satt werden wird vom Guten und ihm auch kein Grab zuteil ist, ich sagte: Besser als er hat es die Fehlgeburt“. Den Vergleich mit einer Fehlgeburt macht auch Hiob 3.16: „ἢ ὥσπερ ἔκτρωμα ἐκπορευόμενον ἐκ μήτρας μητρὸς ἢ ὥσπερ νήπιοι οἳ οὐκ εἶδον φῶς“. „Oder wie eine Fehlgeburt aus dem Schoß der Mutter herauskommt oder wie Säuglinge die das Licht nicht sahen (wäre ich nicht da)“. In Abgrenzung zur Fehlgeburt beschreibt Philo in Legum allegorianum das Wort als „unzeitige Geburt“: ἀμβλωθρίδια εὑρίσκεται καὶ ἐκτρώματα („Man hält es für eine Fehlgeburt und unzeitige Geburt“). Da Paulus ja doch in geistlicher Hinsicht auf die Welt kam, spricht der Zusammenhang eher für eine „unzeitige Geburt“, da Paulus wohl meinte, er kam zu spät zu Christus, andererseits für eine Fehlgeburt. da er sich für tot in Sünden und Übertretungen hielt und erst durch das Eingreifen und die Erscheinung des Herrn zum Leben kam. Da der Artikel τῷ („der“) gebraucht wird, scheint Paulus dies wie eine Apposition für sich zu gebrauchen, d.h. „mir, als der unzeitigen Geburt“.

Peter Streitenberger – 1. Korinther

Paulus ist also weder deprimiert noch überheblich. Er versucht nicht, sich selbst in den Mittelpunkt zu rücken, wie das heute einige „christliche Hirten“ tun. Ihm war bewußt, dass er zu einer Zeit gelebt hatte, wo er Jesus Christus persönlich hätte begleiten können – doch aus Gnade später für IHN eintreten durfte.
Lass dich, lieber Leser, also bei Fragen zu Bibelstellen nicht von nur wenigen Zeilen abspeisen – sondern lerne, selbst aktiv nachzuforschen, was andere über diesen Vers herausgefunden haben.

Himmelfahrt

Er sprach aber zu ihnen: Es ist nicht eure Sache, Zeit oder Zeiten (W. Zeiten oder bestimmte Zeiten) zu wissen, die der Vater in seine eigene Gewalt gesetzt hat. (And üb.: in seiner eigenen Gewalt festgesetzt hat). Aber ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch gekommen ist; und ihr werdet meine Zeugen sein, sowohl in Jerusalem als auch in ganz Judäa und Samaria und bis an das Ende der Erde. Und als er dies gesagt hatte, wurde er emporgehoben, indem sie es sahen, (O. indem sie zusahen) und eine Wolke nahm ihn auf von ihren Augen hinweg.
Elberfelder 1871 – Apg 1,7–9

Nicht lange nachdem er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen in den Himmel aufgehoben und verschwand in einer Wolke.
Neues Leben – Bibel 2006 – Apostelgeschichte 1,9

Und als er dies sagte, wurde er, während sie blickten, hinaufgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf, weg von ihren Augen.
Das neue Testament – Grundtextnah übersetzt von W. Einert – Apostelgeschichte 1:9

Vatertag 2022? Hat dieser Feiertag einen biblischen Hintergrund?

Mit der Himmelfahrt (V. 9-11) war Jesu irdischer Dienst abgeschlossen. Seitdem sitzt er zur Rechten Gottes (vgl. Mk 16,19; Apg 2,33; Hebr 10,12; 12,2; 1Petr 3,22), wo er für die Gläubigen eintritt (vgl. Röm 8,34; Hebr 7,25) und auf seine Wiederkunft wartet. Letztere weist einige Parallelen zur Himmelfahrt auf: Jesus verlässt die Erde vom Ölberg aus und wird dort wieder zurückkommen (vgl. V. 12; Sach 14,4); die Himmelfahrt wie auch die Wiederkunft sind ein sichtbares Ereignis (vgl. Mt 24,30); beides mal spielen Wolken eine Rolle (vgl. Mt 26,64). Auf die Parallelität beider Ereignisse wird in V. 11 explizit hingewiesen.

Artur Janzen – Apostelgeschichte

Was Christi Himmelfahrt uns nützt, mögen die Leser aus meinem „Unterricht in der christlichen Religion“ (II, 16, 8) entnehmen. Weil sie aber eins der Hauptstücke unseres Glaubens ist, wendet Lukas viel Fleiß an, sie glaubhaft zu machen. Ja, der Herr selbst wollte sie über jeden Zweifel hinausrücken, indem er so öffentlich in den Himmel emporstieg und auch durch sonstige Umstände die Gewissheit seines Aufstiegs bezeugte. Denn, wäre er heimlich verschwunden, so hätten die Jünger erschreckt und in Zweifel gestoßen werden müssen. Nun aber sehen sie den, in dessen Umgang sie standen, den sie soeben noch reden hörten, in die Höhe emporsteigen; sie begleiten ihn mit ihren Augen und sehen, wie die Wolke ihn wegnimmt: so brauchen sie nicht zu zweifeln, wohin er gegangen ist. Außerdem sind Engel zur Stelle, die durch ihr Zeugnis dies bekräftigen. Die Geschichte musste aber um unsertwillen so genau aufgezeichnet werden, damit wir wissen, dass der Sohn Gottes im Himmel lebt, wenn er auch jetzt nirgend mehr in der Welt erscheint. Dass aber eine Wolke ihn den Blicken entzog, noch ehe er in die himmlische Herrlichkeit einging, ist geschehen, damit die Jünger sich innerhalb ihrer Schranke halten und nicht weiter forschen sollten. Auch wir sollen uns mit ihnen belehren lassen, dass unser Scharfsinn nicht ausreicht, zur Höhe der Herrlichkeit Christi emporzusteigen. Die Wolke soll eine Schranke sein, die unsere Kühnheit zurückhält, gleichwie unter dem Gesetz die Rauchsäule, welche den Eingang der Stiftshütte erfüllte.

Jean Calvin – Apostelgeschichte

Jesu Himmelfahrt findet vor den „Blicken“ seiner Jünger statt. Die Jünger sind nicht nur Zeugen der Auferstehung, sondern auch Zeugen der Himmelfahrt. Dementsprechend heißt es in einer Predigt des Apostels Petrus: „(31) Diesen [Jesus Christus] hat Gott durch seine Rechte zum Führer und Heiland erhöht, um Israel Buße und Vergebung der Sünden zu geben. (32) Und wir sind Zeugen von diesen Dingen, und der Heilige Geist, den Gott denen gegeben hat, die ihm gehorchen.“ (Apg 5,31-32).
Die Himmelfahrt Jesu geschieht mit Hilfe einer Wolke. Sie erscheint als eine Art „Raumfahrzeug“.
Himmelfahrtserzählungen finden sich auch im AT, in frühjüdischen Überlieferungen und in antiken Erzählungen. Ihre Pointe besteht darin, dass die in den Himmel entrückten Personen zu Göttern werden und auch weiterhin – bzw. jetzt erst recht – Einfluss auf die Geschichte haben.

Pastor Michael Mainka – Apostelgeschichte

Christi Himmelfahrt. Apostelgeschichte 1, 9.
Des Herrn Himmelfahrt ist für jeden nachdenkenden Gläubigen ein Gegenstand reichen Interesses und großer Segnungen. Ist sie doch die letzte köstliche Perle Seines Erdenlebens. Schenken wir darum einigen Gedanken darüber unsere Aufmerksamkeit.

Das biblische Vorbild und die Verheißung. Die Himmelfahrt ist vorgebildet durch den Eingang des Hohenpriesters am großen Versöhnungstage in das Heiligtum, in das Er mit dem Blute einmal im Jahre einging, 3 Mose 16, 1; Hebräer 9, 7. Sie ist verheißen in den Psalmen durch David, Psalm 68, 19; Psalm 110, 1. Durch den vielgeliebten Propheten, Daniel 7, 13-14 und vom Herrn Jesus selbst, Johannes 14, 1-4; Johannes 20, 17.

Die damit verknüpften Umstände.
a) Die Zeit Seiner Himmelfahrt. 40 Zage nach Seiner Auferstehung. Er blieb so lange unter Seinen Jüngern bis jeder Zweifel über Seine Auferstehung beseitigt war und bis Er ihnen das Viele, was Er ihnen noch zu sagen hatte, gesagt hatte. Johannes 16, 12.
b) Der Ort Seiner Himmelfahrt, der Ölberg. Viele wichtige Ereignisse sind auf Bergen geschehen. Auf einem hielt Er die berühmte Bergpredigt, Matthäus 5-7. Auf einem anderen wurde Er verklärt, Matthäus 17. Auf Golgatha wurde Er gekreuzigt und vom Ölberg fuhr Er in den Himmel.
c) Die Art und Weise Seiner Himmelfahrt. Sie war sichtbar vor allen. Eine Wolke überschattet sie und auf ihren Flügeln fuhr Er hinauf zum Vater. Hier sahen sie den letzten unfehlbaren Beweis Seiner Verheißung, Johannes 14, 3.
d) Die Zeugen Seiner Himmelfahrt. Himmel und Erde beugten sich, denn die Jünger sahen Ihn auffahren und 2 Engel standen dabei und redeten mit den Jüngern über diese wichtige Angelegenheit, Vers 10.
e) Die Stätte, in die Er einging. Die Engel sagen, daß Er in den Himmel gegangen ist, Vers 11. Die Schrift sagt noch in Epheser 1, 21 und in Hebräer 1, 3, wie hoch und erhaben die Stätte ist, wohin Er als unser Vorläufer gegangen ist, Hebräer 6, 20.

Der große Zweck der Himmelfahrt.
a) (Er ging hinauf um zu zeigen, daß Sein Werk vollendet sei, Johannes 17, 1-4. Sein Mittlerdienst, Menschen mit Gott zu versöhnen war getan.
b) Er ging hinauf als Sieger über alle Feinde. Er hat die Reinigung vollbracht, Hebräer 1, 3, die Handschrift zerrissen. Kolosser 2, 14, die Mächte der Finsternis überwunden und den Tod zunichte gemacht, Hebräer 2, 14; 2 Timotheus 1, 10.
c) Er ging hinauf als Repräsentant Seines Volkes, Johannes 20, 17. Dort ist Er der Erstgeborene vieler Brüder und vertritt uns, Römer 8, 34.
d) Er ging hinauf um den Heiligen Geist zu senden, Johannes 14, 26; 16, 7. Seinen Jüngern gebot Er anläßlich der Himmelfahrt auf diesen Geist zu warten, Apostelgeschichte 1, 4.
e) Er ging hinauf um unser Fürsprecher zu sein, 1 Johannes 2, 1.
f) Er ging hinauf um alle Gewalt in Seine Hände zu nehmen, Matthäus 28, 18. Alles ist in Seine Hände gelegt, das Sichtbare und das Unsichtbare, Epheser 1, 21-22.
g) Er ging hinauf um dort Seine Heiligen zu empfangen. Der treue Stephanus befah1 Ihm seinen Geist und noch hienieden durfte er sehen, wie sich der Herr von Seinem Throne erhob, um ihn zu empfangen, Apostelgeschichte 7, 55 ff.
Audi wir dürfen wie die Jünger fröhlich davon gehen, Lukas 24, 52, weil wir aus der Schrift sehen dürfen, welch großer Segen uns durch Seine Himmelfahrt geworden ist.
Wohin Christus aufgefahren ist.

An den Ort der Ruhe, –
der sich gesetzt hat zur Rechten, Hebräer 1, 3;
immerdar gesetzt zur Rechten, Hebräer 10, 12.

An den Ort großer Ehre,
zum Führer und Heiland erhöht, Apostelgeschichte 5, 31;
über jedes Fürstentum, Epheser 1, 21; Philipper 2, 10-11;
mit Herrlichkeit und (Ehre gekrönt, Hebräer 2, 9.

In den Himmel, um als Hoherpriester einzugehen,
um Priesterdienst für uns zu tun, Hebräer 9, 25;
um für uns vor Gott zu erscheinen, Römer 8, 34.

An den Ort der Macht,
Ihm ist gegeben alle Gewalt, Matthäus 28, 18.

An den Ort der Gnade, um uns Gnade darzureichen, Hebräer 4, 15-16.

An den Ort der Anbetung,
… um Lob, zu empfangen, Offenbarung 6, 12-14.

G. R. Brinke – Ärenlese Jahrgang 5

In den Versen 9-11 ist vom Weggang des Messias die Rede, wobei in Vers 9a der Zeitpunkt der Himmelfahrt angegeben wird. Sie fand statt, als er diese Dinge gesagt hatte, während sie schauten. Jeschua fuhr in den Himmel auf, als sein irdisches Wirken endgültig beendet war. Während er und die elf Männer sich noch unterhielten, fand die Himmelfahrt statt: Er wurde hinaufgenommen, und eine Wolke nahm ihn aus ihrem Blickfeld auf (V. 9b). In der Beschreibung von Jeschuas Himmelfahrt werden drei wichtige griechische Wörter verwendet. Das erste Wort in Vers 9 ist epērthē, was so viel bedeutet wie „er wurde hinaufgenommen“ oder „er wurde emporgehoben“. Dieser Begriff zeigt, dass Jeschua von der Erde emporgehoben worden ist. Das zweite Wort, ebenfalls in Vers 9, ist hypelaben und bedeutet „er wurde aufgenommen“ oder „er wurde entrückt“. Der Messias wurde entrückt und dem Blick entzogen. Das dritte griechische Wort, poreuomenou, findet sich in Vers 10. Es bedeutet einfach „er fuhr hinauf“. Jeschua fuhr in den Himmel. Die Apostel sahen nicht, wie Jeschua den ganzen Weg in den Himmel hinauffuhr, weil eine Wolke ihn aus ihrer Sicht aufnahm und ihnen die Sicht versperrte. Dies kann sehr wohl die Herrlichkeit der Schechinah in Form einer Wolke gewesen sein.

Weitere Hinweise auf die Himmelfahrt finden sich in Lukas 24:51, Epheser 4:10, I. Timotheus 3:16, Hebräer 4:14 und I. Petrus 3:22. Jeschua fuhr in den Himmel auf, wie er selbst in Johannes 3,13, 6,62 und 20,17 prophezeit hatte.

Die Bedeutung der Himmelfahrt ist dreifach. Erstens markiert sie den Abschluss des irdischen, leiblichen Dienstes Jeschuas. Zweitens wird sein Werk nun durch die Apostel fortgesetzt. Und drittens bedeutet sie, dass er eine erhabene Position zur Rechten Gottes, des Vaters, einnimmt (Apg 2,33-36; 5,31; Hebr 1,3; 8,1; 12,2). Er wartet jetzt auf die Erlösung Israels und den Ruf zur Rückkehr.

Notizen:

Die Apostel sollten bald lernen, dass das gemeinsame Heil Israels nicht in kurzer Zeit erreicht werden würde, sondern von einer noch zukünftigen Ausgießung über Israel kurz vor der Wiederkunft Christi und der Aufrichtung des Reiches abhing (Apg 3,19-21; Röm 11,25-27).

Die Verse 10-11 offenbaren eine Engelsbotschaft, die in Vers 10 mit dem Erscheinen der Engel beginnt. Es war, als die Apostel starr in den Himmel schauten, während er ging. Sie blickten aufmerksam in den Himmel, während Jeschua in den Himmel aufstieg, was bedeutet, dass sie seine sofortige Rückkehr erwarteten. Aber sie sahen, wie er sich ihrem Blick entzog, als eine Wolke ihn aufnahm. Das Wort „siehe“ macht auf etwas aufmerksam, nämlich auf das Erscheinen von zwei Engeln: Siehe, zwei Männer standen bei ihnen. Sie erschienen als Männer, denn wenn Engel in der Heiligen Schrift zu sehen sind, dann meist in Form von Menschen, und zwar als junge erwachsene Männer, nicht als Frauen oder Kinder. Diese Engel trugen weiße Kleider, die übliche Kleidung für Engel (Mt. 28,3; Mk. 16,5; Lk. 24,4; Joh. 20,12).

Die Botschaft, die sie den Aposteln überbrachten, findet sich in Vers 11. Sie nannten die Jünger „Ihr Männer von Galiläa“, denn alle elf Apostel waren Galiläer. Die Frage, die die Engel stellten, lautete: Warum steht ihr da und schaut in den Himmel? Mit dieser Frage sollten die Apostel dazu gebracht werden, nicht mehr in den Himmel zu schauen, da sie nicht mit einer sofortigen Rückkehr rechnen durften. Die Engel fügten jedoch eine Verheißung hinzu: Dieser Jeschua, der von euch in den Himmel aufgenommen wurde, wird so wiederkommen, wie ihr ihn habt in den Himmel fahren sehen. Dieselbe Person wird eines Tages wiederkommen. Die Aussage bedeutet nicht, dass Jeschua an denselben Ort zurückkehren wird. Tatsächlich wird der ursprüngliche Ort des zweiten Kommens nicht der Ölberg sein, sondern Bozrah (Jes. 34:1-7; 63:1-6). Schließlich wird Jeschua zum Ölberg zurückkehren, aber auch das wird nicht der erste Ort seiner Wiederkunft sein. Er wird genauso wiederkommen, wie er weggegangen war, in den Wolken des Himmels (Mt 24:30; Mk 13:26; Offb 1:7).

Arnold G. Fruchtenbaum – Ariel’s Bibelkommentar: Apostelgeschichte

Diese Wirklichkeit ist die folgende: „Himmel“ ist in der Bibel Gottes Raum und „Erde“ ist unser Raum. „Himmel“ ist nicht nur der „Ort der Glückseligkeit, wo Gottes Leute hingehen, wenn sie sterben“, und er ist sicherlich nicht unser „Zuhause“, falls Sie damit meinen (wie traurigerweise einige Christen gemeint haben), dass unser endgültiges Schicksal darin besteht, die „Erde“ insgesamt zu verlassen und stattdessen in den „Himmel“ zu gehen. Gottes Plan, wie wir immer wieder in der Bibel sehen, bezieht sich auf den „neuen Himmel und die neue Erde“ und darauf, dass sie sich in dieser Erneuerung ein für allemal zusammenschließen. „Himmel“ mag vielleicht unser zeitlich begrenztes Zuhause sein, nach diesem gegenwärtigen Leben, aber die ganze neue Welt, vereint und verändert, ist unser endgültiges Ziel.


Aber wenn wir einmal erfassen, dass „Himmel und Erde“ bedeuten, was sie in der Bibel bedeuten, und dass „Himmel“ kein, ich wiederhole, kein Ort inmitten unseres eigenen Kosmos von Raum, Zeit und Materie ist, der sich irgendwo oben in der Luft befindet („oben“ aus wessen Blickwinkel? Europa? Brasilien? Australien?), dann sind wir bereit oder so bereit, wie wir vermutlich sein können, die Himmelfahrt zu verstehen, die hier recht einfach und kurz durch Lukas beschrieben wird. Weder Lukas noch die anderen frühen Christen dachten, Jesus wäre plötzlich ein primitiver Astronaut geworden, der in die Umlaufbahn oder darüber hinaus abhebt, sodass man ihn schließlich finden würde, wenn man die Weiten dessen durchsucht, was wir „Weltall“ nennen. Sie glaubten, dass „Himmel“ und „Erde“ die zwei ineinandergreifenden Lebensräume von Gottes Wirklichkeit sind und dass der auferstandene Körper von Jesus das erste (und bis dahin das einzige) Objekt ist, das völlig zuhause ist in beiden und daher in jedem von den beiden, während sie die Zeit herbeisehnten, in der alles erneuert und zusammengefügt werden wird. Es ist, wie T. S. Eliot es ausdrückte: „Die Menschheit kann nicht viel Wirklichkeit vertragen.“ Daher wird die neue, überwältigende Wirklichkeit eines Himmel-und-Erde-Geschöpfes noch nicht sofort in beiden Dimensionen zusammen leben, sondern dies Geschöpf wird – er selbst wird – bis auf Weiteres in der „himmlischen“ Dimension zu Hause sein, bis die Zeit kommt, in der Himmel und Erde endgültig erneuert und vereint sein werden. Dann wird natürlich dieser erneuerte Jesus selbst die zentrale Figur sein.
Das ist der Sinn dieses Ereignisses und seiner Erklärung, wie wir sie in den Versen 9–11 finden. Jesus wird „aufgehoben“, was den Jüngern anzeigt, dass er nicht bis irgendwohin über den Mond, Mars oder sonst wohin hinaus abhebt, sondern dass er im Begriff war, in „Gottes Raum“, in Gottes Dimension zu gehen. Die Wolke ist wie so oft in der Bibel das Zeichen von Gottes Gegenwart (man denke an die Wolken- und Feuersäule, als die Kinder Israels durch die Wüste wanderten, oder an die Wolke und den Rauch, die den Tempel füllten, als Gott plötzlich auf eine neue Weise gegenwärtig wurde). Jesus ist in Gottes Dimension der Wirklichkeit eingegangen, aber er wird an dem Tag zurückkommen, wenn diese Dimension und unsere gegenwärtige ein für allemal zusammengebracht werden. Dieses Versprechen schwebt über der ganzen christlichen Geschichte von jenem Tag bis zu diesem. Das ist es, was wir mit dem „zweiten Kommen“ meinen.
Es gibt zwei andere Dinge, die in diesem Abschnitt passieren. Einige Leser im ersten Jahrhundert hätten wohl das eine, einige das andere und einige vielleicht beides mitbekommen. Erstens fand sich eines der zentralen Versprechen des Alten Testaments für die frühen Christen in Daniel 7, wo „einer wie der Sohn eines Menschen“ auf den Wolken des Himmels vor den „Uralten“ gebracht wird. Dieser „Menschensohn“ wird dem Uralten präsentiert, der dem Menschensohn königliche Macht über die Nationen gibt, besonders über die „Tiere“, die Monster, die die Kräfte des Bösen und des Chaos repräsentieren. Für jemanden, der über diesen Text lange nachgedacht hatte – und es gibt zahlreiche Anzeichen, dass die frühen Christen genau das getan hatten –, würde die Story von Jesu Himmelfahrt bedeuten, dass Daniel 7 auf eine dramatische und unerwartete Weise erfüllt worden ist mit der menschlichen Figur, die unter den Händen der bösen Mächte der Welt gelitten hatte und nun in ebenjene Gegenwart Gottes erhöht wird, um dort königliche Vollmacht zu empfangen. Dies passt so gut mit dem vorhergehenden Abschnitt zusammen (Verse 6–8), dass es schwer ist anzunehmen, dass Lukas es nicht beabsichtigte.
Zweitens werden viele von Lukas’ Lesern gewusst haben: Wenn ein römischer Herrscher starb, wurde gewöhnlich erklärt, dass jemand gesehen hatte, wie die Seele des Herrschers den Körper verlassen hatte und in den Himmel eingegangen war. Wenn Sie zum oberen Ende des Forums in Rom gehen, unter dem Titus-Bogen stehen und aufschauen, werden Sie die Seele von Titus in Stein gemeißelt in den Himmel aufsteigen sehen, von Titus, der in den 80er-Jahren des ersten Jahrhunderts Herrscher war. Die Botschaft war klar: Der Herrscher war im Begriff, ein Gott zu werden (und somit seinen Sohn und Erben zu befähigen, sich selbst als „Sohn Gottes“ zu stilisieren, was ein nützlicher Titel ist, wenn man die Welt beherrschen will). Der Vergleich liegt dieses Mal nicht so nahe, denn Lukas macht deutlich, dass es nicht die Seele von Jesus war, die in den Himmel aufstieg und seinen Körper irgendwo hinterließ, sondern sein ganzes, erneuertes, körperliches, komplettes Selbst. Doch so gesehen entsteht der Eindruck, dass Jesus alles in den Schatten stellt, was sich die römischen Herrscher selbst vorstellen konnten. Jesus ist die Wirklichkeit, sie sind die Parodie – ein Thema, das wir mehr als einmal registrieren werden, sobald sich Lukas’ Story entwickelt. Und wenn am Ende von Lukas’ Buch die gute Nachricht von Jesus sogar in Rom offen und ungehindert gepredigt wird, bekommen wir ein Gefühl, das uns sagt: „Natürlich! So musste es kommen.“ Er ist der wahre und rechtmäßige König der Welt, er hat Anteil am Thron und, so scheint es, irgendwie sogar an der Identität des einen wahren Gottes.
Die erste und wichtigste Antwort auf dieses außergewöhnliche, beispiellose und immer noch schwer zu beschreibende Ereignis ist natürlich Lobpreis. ….

Wright – Das Neue Testament für heute

Nun hat er den Himmel eingenommen, nun ist er zur Rechten Gottes erhöht über Raum und Zeit, nun ist er der Allmächtige und Allgegenwärtige, der sein Reich kommen lassen will, nun hat er alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Er ist König geworden über die Erde. Nun erreicht ihn kein leibliches Auge mehr, er ist in die Unsichtbarkeit der Herrlichkeit Gottes eingegangen. Nun sollen wir auch nicht mehr nach sichtbaren Beglaubigungen verlangen. Wissen wir denn, ob wir nicht sehend an seiner Gestalt vorübergingen? Es bleibt sein Wort, nichts als sein Wort, bis zu der Stunde, da er wiederkommt, sein Zeugnis.
Darauf sehet! Was steht ihr und sehet gen Himmel? Ihr seht ihn nicht mehr. Blickt nicht in das Vergangene! Sucht Christus nicht in der Vergangenheit, ihr seht nichts als Wolken und Dunst! Ihr werdet ihn nicht sehen, bis er wiederkommt. Darum wartet, und haltet euch ans Zeugnis, das bis an der Welt Ende geht, an das Wort, in dem Christus König ist! Wartet auf sein Kommen, und laßt euch bewahren auf seinen Tag durch sein königliches Wort!
„Als er uns nah war, war er uns fern; nun er uns fern ist, ist er uns nah“ (Luther). Als Christus zum Himmel fuhr, wurde er König über die ganze Erde. Als Christus zum Himmel fuhr, senkte sich das Reich Gottes tiefer auf die Erde herab. Nun wird er bald kommen in Sichtbarkeit und Herrlichkeit. Er wird sein Reich aufrichten auf Erden. Dann ist das Ende da.

Dietrich Bonhoeffer Werke – Illegale Theologenausbildung: Finkenwalde

Auferstanden?!?!

Wenn aber Christus gepredigt wird, daß er aus den Toten auferweckt sei, (O. worden sei) wie sagen etliche unter euch, daß es keine Auferstehung der Toten gebe?
Wenn es aber keine Auferstehung der Toten gibt, so ist auch Christus nicht auferweckt; (O. auferweckt worden. Die griech. Zeitform bezeichnet eine geschehene und in ihrer Wirkung fortdauernde Tatsache. So auch v 12. 14. 16. 17. 20.)
wenn aber Christus nicht auferweckt ist, so ist also auch unsere Predigt vergeblich, (Eig leer, hohl) aber auch euer Glaube vergeblich. (Eig leer, hohl)
Wir werden aber auch als falsche Zeugen Gottes erfunden, weil wir in Bezug auf Gott gezeugt haben, daß er den Christus auferweckt habe, den er nicht auferweckt hat, wenn wirklich Tote nicht auferweckt werden.
Denn wenn Tote nicht auferweckt werden, so ist auch Christus nicht auferweckt.
Wenn aber Christus nicht auferweckt ist, so ist euer Glaube eitel; ihr seid noch in euren Sünden.
Also sind auch die, welche in Christo entschlafen sind, verloren gegangen.
Wenn wir allein in diesem Leben auf Christum Hoffnung haben, so sind wir die elendesten von allen (O. elender als alle) Menschen.
Elberfelder 1871 – 1 Kor 15,12–19

Auch wir werden auferstehen
Wenn also im Evangelium gesagt wird, daß Gott Christus von den Toten auferweckt hat, wie können da einige von euch behaupten: «Eine Auferstehung der Toten gibt es nicht!»
Wissen diese Leute eigentlich, was sie damit sagen? Wenn es keine Auferstehung der Toten gibt, dann kann ja auch Christus nicht auferstanden sein.
Wäre aber Christus nicht auferstanden, so hätte unsere ganze Predigt keinen Sinn, und euer Glaube wäre völlig wertlos.
Mit Recht könnte man uns dann vorwerfen, wir seien Lügner und keine Zeugen Gottes. Denn wir behaupten doch: Gott hat Christus auferweckt. Das kann ja gar nicht stimmen, wenn mit dem Tode alles aus ist! – Wörtlich: Weil wir bezeugt haben, daß er Christus auferweckt hat, den er nicht auferweckt hat, wenn doch die Toten nicht auferweckt werden –
Wie schon gesagt, wenn die Toten nicht auferstehen, dann ist auch Christus nicht auferstanden.
Wenn aber Christus nicht von den Toten auferweckt wurde, ist euer Glaube nichts als eine Illusion, und ihr seid auch von eurer Schuld nicht frei.
Ebenso wären auch alle verloren, die im Glauben an Christus gestorben sind.
Wenn der Glaube an Christus uns nur für dieses Leben Hoffnung gibt, sind wir die bedauernswertesten unter allen Menschen.
1Kor 15,20 Tatsächlich aber ist Christus als erste -Wörtlich: als Erstling der Entschlafenen – von den Toten auferstanden.
Hoffnung für alle – 1996 – 1.Korinther 15,12–20

Wenn es nun so ist, wie alle übereinstimmend verkünden, dass er, der Messias, wieder vom Tod auferstanden ist, wie kann es dann sein, dass einige von euch sagen, dass es überhaupt keine Auferstehung der Toten gebe? Wenn es keine Auferstehung der Toten gibt, dann ist ja demnach auch der Messias nicht wieder zum Leben auferweckt worden! Wenn nun der Messias nicht auferweckt wurde, dann ist unsere Botschaft in der Tat bedeutungslos und auch euer Glaube hat keinen wirklichen Inhalt. Und dann wären wir ja Leute, die falsche Aussagen über Gott machen! Denn wir würden dann behaupten, dass Gott den Messias wieder zum Leben erweckt habe, was er in Wirklichkeit gar nicht getan hätte! Doch den hätte er dann ja in Wirklichkeit nicht zum Leben auferweckt, wenn die Aussage stimmen würde, dass die Toten nicht auferweckt werden! Wenn also die Toten nicht wieder zum Leben erweckt werden, dann ist folglich auch der Messias nicht zum Leben erweckt worden! Und wenn der Messias nicht zum Leben auferweckt worden ist, dann ist euer gesamter Glaube ohne Bedeutung und ihr seid immer noch in eurer Lebensschuld gefangen! Dann sind folgerichtig auch die, die im Vertrauen auf den Messias gestorben sind, noch außerhalb der lebensschaffenden Beziehung zu Gott. Wirklich, wenn wir nur in diesem Leben unsere Hoffnung auf den Messias gesetzt haben, dann sind wir unter allen Menschen die, die am meisten zu bemitleiden sind!
Roland Werner – Das Buch – neues Testament und Psalmen – 2009 – 1.Korinther 15:12–19

Keines der vier Evangelien endet mit Kreuz und Grab. Alle setzen den Zielpunkt bei der Auferstehung Jesu.
Das Kreuz beendet die Schuld der Glaubenden. Die Auferstehung ist der Beginn des neuen Lebens, ja der neuen Schöpfung. Das Kreuz löst die Schuldfrage. Die Auferstehung ist der Anfang der Lösung der Machtfrage. Kreuz und Auferstehung stehen in einem ähnlichen Verhältnis zueinander wie die Rechtfertigung des Sünders und das neue Leben in der Heiligung. Mit der Auferstehung beginnt zugleich die Geschichte der Gemeinde, während der Kreuzestod Jesu den Neuen Bund stiftete, in dem sie leben kann. Das Kreuz ist der Wendepunkt der Menschheitsgeschichte, die Auferstehung der Anfangspunkt der neuen Menschheit und der neuen Schöpfung. Deshalb gehören zur Auferstehung der Morgen, das Licht, der Jubel. Zum Kreuz gehören die Finsternis, das Sterben, das verströmende Blut. Der Christ ist nach Röm 6 in beides getauft: in den Tod Jesu Christi und in das Auferstehungsleben Jesu Christi. Beides, Kreuz und Auferstehung, sind reale, den Leib erfassende Vorgänge.
Die Reihenfolge und die Gesamtheit der Ereignisse bei und nach der Auferstehung Jesu sind uns nicht vollständig erhalten. Sie können kaum mehr hergestellt werden. Nichts hat die Jünger so sehr erschüttert – nicht einmal der Tod Jesu! – wie die Auferstehung, ein für das Denken des Menschen fast undenkbares Geschehen. Nur auf eines kann man sich hier verlassen: dass das, was erzählt wird, stimmt. Das garantiert nicht nur der vorausgehende Unglaube der Jünger, der die Wirklichkeit der Auferstehung erst mühsam verarbeiten musste, sondern auch die Leitung der Evangelisten durch den Heiligen Geist.

Gerhard Maier – Edition C – NT

Warum ist die Predigt von der Auferstehung des Messias wichtig? Sie ist aus zwei Gründen wichtig. Erstens ist es ein wesentlicher Teil des Evangeliums (1 Korinther 15,4; 2 Timotheus 2,8). Das Evangelium enthält drei Punkte: Erstens, der Messias ist für unsere Sünden gestorben, wie es in der Schrift steht; zweitens, er wurde begraben; und drittens, er ist am dritten Tag auferstanden, wie es in der Schrift steht. Dies sind die drei Punkte des Evangeliums, und es gibt nicht mehr zum Evangelium als dies; dies ist das vollständige Evangelium. Alle Zusätze, die über diese drei Punkte hinausgehen, machen es zu einem falschen Evangelium. Weil die Auferstehung ein Teil des Evangeliums ist, ist sie etwas, das geglaubt, verkündet und gepredigt werden muss.
Der zweite Grund, warum die Auferstehung des Messias wichtig ist, ist, weil sie die Grundlage für die zukünftige Auferstehung des Gläubigen ist, gemäß 1. Paulus macht mehrere Punkte. Erstens: Wenn Jesus nicht von den Toten auferweckt wurde, dann ist unsere Verkündigung vergeblich (V. 14). Wenn der Messias tot blieb, dann geht die Erlösung nicht weiter als bis zum Grab selbst. Wenn er also nicht aus dem Grab auferstanden wäre, wäre unsere Verkündigung vergeblich und leer und würde uns ohne Hoffnung zurücklassen. Zweitens, wenn er nicht von den Toten auferstanden ist, ist unser Glaube eitel (V. 14, 17). Das heißt, es wäre ein leerer Glaube, ein Glaube, der keine ewigen Ergebnisse bringt. Er würde vorübergehende Ergebnisse in diesem Leben hervorbringen, aber mit dem Tod würde alles enden. Deshalb ist der Glaube vergeblich, wenn der Messias nicht von den Toten auferstanden ist. Drittens bezeugten die Apostel nicht nur seinen Tod, sondern auch seine Auferstehung (V. 15). Wenn ihr Zeugnis nicht wahr ist, dann sind sie falsche Zeugen. Viertens: Wenn er nicht von den Toten auferstanden ist, sind die Gläubigen noch in ihren Sünden (V. 17). Während Jesus durch seinen Tod die Sühne für die Sünde geleistet hat, hat er durch seine Auferstehung die Macht über die Sünde gegeben. Wir würden immer noch in unseren Sünden sein, wenn er nicht von den Toten auferstanden wäre. Um Vergebung für unsere Sünden zu erhalten, müssen wir an das Evangelium glauben, und die Auferstehung ist Teil des Evangeliums. Fünftens: Wenn er nicht auferstanden wäre, gäbe es keine Hoffnung für die, die bereits gestorben sind (V. 18). Wenn Jesus nicht von den Toten auferstanden ist, dann werden auch die Heiligen, die bereits gestorben sind, nicht auferstehen. Sechstens sind wir alle elende Menschen, weil wir unser Leben dem angepasst haben, was unwirklich ist (V. 19). In der Tat würden wir einen falschen Lebensstil leben, indem wir unser Leben in Übereinstimmung mit dem auferstandenen Messias anpassen, wenn die Auferstehung nicht wirklich stattgefunden hätte

I. Die Bedeutung der Auferstehung
Die Bedeutung der Auferstehung liegt in vier spezifischen Bereichen.
die Bedeutung für Christus
Der erste Bereich der Bedeutung ist in Bezug auf den Messias in viererlei Hinsicht: Erstens, die Auferstehung bewies, dass er der Sohn Gottes ist (Römer 1:4); zweitens, sie bestätigte die Wahrheit von allem, was er sagte (Matthäus 28,6); drittens bedeutet seine Auferstehung, dass er die Erstlingsfrucht der ersten Auferstehung ist (1 Korinther 15,20-23); viertens war die Auferstehung Jeschuas eine Erklärung des Vaters, dass der Messias alle Anforderungen des mosaischen Gesetzes erfüllt hat (Philipper 2,9).

die Bedeutung für alle Menschen
Die zweite Bedeutung der Auferstehung war für alle Menschen im Allgemeinen, insbesondere für die ungläubige Welt, in zweierlei Hinsicht: Erstens macht die Auferstehung Jeschuas die Auferstehung aller Menschen, sowohl der Gläubigen als auch der Ungläubigen, gewiss (1 Korinther 15,20-22); zweitens garantiert Seine Auferstehung das Gericht über alle Ungläubigen. Er ist derjenige, der die Ungläubigen richten wird, was er nicht tun könnte, wenn er nicht auferweckt worden wäre. So garantiert seine Auferstehung das Gericht über alle Menschen (Apostelgeschichte 10,40-42; 17,30-31).

die Bedeutung für alttestamentliche Heilige
Die dritte Bedeutung der Auferstehung Jesu war für die alttestamentlichen Heiligen, dass sie die Erfüllung des alttestamentlichen Versprechens bezüglich ihrer Rettung beinhaltete: die Entfernung ihrer Sünde und die Garantie ihrer zukünftigen Auferstehung (Apg 13:32-33). Die Auferstehung des Messias hatte also sogar eine Bedeutung für die Heiligen, die vor seinem eigenen Tod gestorben sind.

die Bedeutung für die Gläubigen
Die vierte Bedeutung der Auferstehung des Messias war für die Gläubigen aus, sieben Gründen. Erstens: Die Auferstehung Jeschuas beweist unsere Rechtfertigung (Römer 4,24-25). Das griechische Partizip, das Paulus in diesem Abschnitt verwendet, ist dia, was „wegen“ bedeutet. Die Grundlage der Rechtfertigung ist der Tod des Messias. Es heißt, dass er „wegen“ oder „aufgrund“ unserer vollbrachten Rechtfertigung auferweckt wurde. Weil unsere Rechtfertigung durch seinen Tod vollbracht wurde, wurde er aufgrund dieser Vollendung von den Toten auferweckt, um zu beweisen, dass wir durch unseren Glauben gerechtfertigt wurden.

Zweitens garantiert seine Auferstehung Kraft für den christlichen Dienst (Epheser 1,17-20). Gläubige können an der Auferstehungskraft teilhaben, um ihre Berufung zu erfüllen.

Drittens garantiert seine Auferstehung die individuelle Auferstehung des Gläubigen (Römer 8:11; 1 Korinther 6:14; 2 Korinther 4:14).

Viertens: Die Auferstehung Jesu bedeutet die Vergebung der Sünden des Gläubigen (1 Korinther 15,7).

Fünftens: Die Auferstehung Jeschuas bezeichnet den Messias als das Haupt der Gemeinde (Epheser 1,20-22).

Sechstens: Seine Auferstehung bedeutet, dass der Messias nun die Schlüssel des Todes hat, soweit es die Gläubigen betrifft (Hebräer 2,9-18). Satan hat nicht mehr die Autorität, einen Gläubigen in den Tod zu schicken. Der Messias hat die Schlüssel des Todes, weil er in Satans Domäne, das Reich des Todes, eingedrungen ist, ihm die Schlüssel weggenommen hat und durch seine Auferstehung „durch“ diesen Tod hindurchgegangen ist; und er hat immer noch die Schlüssel des Todes (Offenbarung 1,18).

Siebtens: Die Auferstehung Jesu bedeutet, dass es einen sympathischen Hohenpriester im Himmel gibt. Er ist im Himmel als Hoherpriester, weil er von den Toten auferweckt wurde (Hebräer 4,14-16).

Arnold Fruchtenbaum – Die Auferstehung des Messias

„Jesus ist auferstanden!
Andere Erklärungen tragen nicht“
Mit dem auferstandenen Jesus kann man heute rechnen: Davon ist Alexander Garth überzeugt – und er nennt gute Gründe, den biblischen Berichten zu glauben.
Herr Garth, warum ist es Ihnen wichtig zu zeigen, dass der christliche Glaube der Vernunft nicht widerspricht? Reicht es nicht, auf die eigene Erfahrung zu bauen?
Mit Vernunft verbindet man Logik und Überprüfbarkeit. Aber die Auferstehung ist in diesem Sinne weder logisch noch überprüfbar. Auch Erfahrung ist kein Kriterium für Wahrheit – diese Welt ist voller religiöser Spinner! Aber an die Berichte der Bibel von der Auferstehung sollte man schon vernünftig herangehen. Die Bibel ist für mich ein Glaubensbuch, das uns von Gott gegeben ist, aber auch ein historisches Dokument. Als solches kann man es untersuchen und dabei sehr interessante Dinge herausfinden. Zum Beispiel, wenn es um die Auferstehung geht.
Was genau haben Sie untersucht?
Ich habe mich gefragt: Könnte Jesus wirklich auferstanden sein? Was sagen die biblischen Berichte dazu? Sind auch andere Deutungen möglich? Dann bin ich diese Deutungen durchgegangen und habe festgestellt: Sie sind alle nicht stimmig! Man landet immer wieder bei der Frage: Was ist denn nun wirklich passiert? Historisch sicher können wir nur eines sagen: Es gibt die, wie ich das ausdrücke, „vermaledeite Lücke“.
Was verstehen Sie darunter?
Am Karfreitag waren die Jünger durch den Tod von Jesus zutiefst frustriert. Sie hatten alles auf eine Karte gesetzt, und diese Karte hatte sich als Lusche erwiesen. Ihr Herr und Meister, an den sie geglaubt haben, von dem sie gedacht haben,dass mit ihm eine strahlende Zukunft beginnt, ist einen grausamen Verbrechertod gestorben. Deshalb haben sie sich in ihr altes Leben verkrümelt. Sie hatten vor, im Grau der Geschichte zu verschwinden.
Und dann, drei Tage später, findet man die gleichen Jünger, wie sie positiv und todesmutig bezeugen, dass Jesus Christus lebt. Da muss man sich doch fragen: Was ist in der Zwischenzeit passiert? Dabei bin ich immer wieder auf die Auferstehung gestoßen: Es muss etwas von Gott her passiert sein, denn alle anderen Erklärungsversuche tragen nicht, sie erweisen sich als reines Fantasieprodukt.

Welche Erklärungsversuche gibt es denn?
Die älteste Hypothese lautet: Die Jünger konnten sich mit dem Tod ihres Meisters nicht abfinden. Sie wollten den Behörden eins auswischen und gleichzeitig groß rauskommen. Deshalb sagten sie: Wir inszenieren eine Auferstehung! Wie macht man das? Indem man die Leiche klaut und versteckt. In der religiös aufgeheizten Stimmung der damaligen Zeit würde es bestimmt Leute geben, die dann an die Auferstehung glauben. Das klingt erst mal ganz plausibel. Es macht aber gar keinen Sinn, weil die Jünger bereit sind, für die Überzeugung, dass Jesus lebt, in den Tod zu gehen. Für eine Lüge riskiert man nicht sein Leben! Es dauerte auch nicht lange, da gab es den ersten Toten unter den Christen: Stephanus ist gesteinigt worden wegen der Botschaft von der Auferstehung Jesu.

Welche anderen Erklärungen führen in eine Sackgasse?
….

LebensLust Ostern Special 2020

Wer?

Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.
Elberfelder 1871 – Joh 1,1

Johannes berichtet von Jesus
Jesus Christus – Gottes Wort an die Welt
Am Anfang war das ewige Wort Gottes: Christus.
Immer war er bei Gott und ihm in allem gleich.
Wörtlich: Am Anfang war das Wort, und das Wort war zu Gott hin(gewandt), und das Wort war Gott. Dieses war im Anfang zu Gott hin(gewandt). Vgl. 1. Mose
Hoffnung für alle – 1996 – Johannes 1,1–2

Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott; und ein ‚Gott‘ war das Wort. 2 Dies war im Anfang bei Gott.
Johannes Greber NT – 1936 – Johannes 1:1–2

IM Anfang (aller Dinge) war bereits das Wort – denn es ist vorzeitig und ewig (vgl. Joh 8,58; 17,5) – Joh 1,1; Offb 19,13; Joh 1,14.16.17; Offb 19,15; Ps 33,6; 119,105; Spr 8; 9; Ps 107,20; 147,15; Jes 55,10.11- ; das Wort war eng vereint mit Gott -Joh 6,46; 17,24-, ja göttliches Wesen hatte das Wort -vgl. Joh 20,28f.-.  
Dies war im Anfang eng vereint mit Gott.
Ludwig Albrecht – Joh 1:1–2

Haben wir nicht fast alle bei Johannes 1:1 den griechischen Begriff im Ohr? Aber was, wenn Johannes als gebürtiger Jude gar nicht vom griechischen Begriff sondern von seiner Muttersprache her gedacht hat???

In einer Zeit, die so weit zurückliegt, wie der Mensch nur denken kann – im Anfang – war das Wort. Für den theologischen Terminus „Wort“ steht hier der ganz normale griechische Begriff logos, der einfach „Sprechen, Botschaft oder Wörter“ bedeutet. Er war sowohl in der griechischen Philosophie als auch in der jüdischen Weisheitsliteratur wohlbekannt. Wahrscheinlich wählte Johannes diesen Ausdruck, weil er seinen Lesern so vertraut war; doch er verlieh ihm eine ganz eigene Bedeutung, die gleich im Prolog entwickelt wird.
Das Wort war bei Gott, d. h., es hatte innerhalb der Trinität eine ganz besondere Beziehung ewiger Gemeinschaft mit Gott. „Bei“ ist die Übersetzung des griechischen pros, hier im Sinne von „Gemeinschaft haben mit“ (vgl. dieselbe Bedeutung von pros in Joh 1,2; 1Thes 3,4; 1Joh 1,2). Dann fügt Johannes hinzu: Gott war das Wort. Die Zeugen Jehovas schreiben: „das Wort war ein Gott“ – eine falsche Übersetzung, die – logisch zu Ende gedacht – zum Polytheismus führt. In anderen Bibelversionen steht „das Wort war göttlich“, wasjedoch ebenfalls nicht ganz eindeutig ist und zu einem falschen Verständnis von Jesus führen könnte. Richtig übersetzt kann dieser Vers dagegen die Lehre von der Trinität ganz entscheidend erhellen. Das Wort ist ewig; es steht in Beziehung zu Gott (dem Vater); und es ist Gott.
Johannes
Das Wort war schon immer bei Gott. Christi Existenz begann nicht irgendwann innerhalb der Zeit, genausowenig wie er erst zu irgendeinem Zeitpunkt in Beziehung zum Vater trat. Der Vater (Gott) und der Sohn (das Wort) sind seit Ewigkeit eine liebende Einheit. Sowohl Vater als auch Sohn sind Gott, und dennoch gibt es nicht zwei Götter.

Walvoord Bibelkommentar

Die Sätze sind schlichtes Griechisch und gleichzeitig von geheimnisvoller, unauslotbarer Tiefe. Sie sind knapp, rhythmisch und fast psalmartig poetisch, aber doch nicht so streng formgebunden, dass sie nicht auch ausführliche Erklärungen zuließen, wo es nötig Ist. Erst wenn man sie mit dem Evangelium und mit dem AT zusammenhält, gewinnen sie ihre volle Aussagekraft. Was ist nun ihr Inhalt?
»Im Anfang« steht sehr bewusst und präzise am Beginn des gesamten Evangeliums. Dieselben Worte stehen am Beginn der griechischen und hebräischen Bibel, in 1Mose 1,1. Sowohl dort als auch in Johannes 1,1 fehlt der Artikel, so dass man ganz wörtlich übersetzen müsste:
»In einem Anfang«. Wenn Johannes genauso formuliert wie 1Mose 1,1, dann gibt er damit ein Doppeltes zu erkennen:
a) Sein Evangelium ist ebenso »Heilige Schrift« wie das 1Mosebuch.
b) Wie es in 1Mose 1 um die Schöpfung ging, so geht es jetzt um die zweite, nämlich die in Jesus beginnende Neuschöpfung. Wir werden gleich sehen, wie eng der Zusammenhang zwischen Schöpfungsbericht und Johannes 1,1ff. ist.
Jetzt beachten wir ein Drittes:
Wenn Johannes mit denselben Worten beginnt wie die Bibel Israels, dann deutet er auf die unzertrennliche Verbindung von AT und NT hin. Dass Israel und die messianische Gemeinde des Neuen Bundes, dass AT und apostolische Lehre zusammengehören, ist auch im Johannesevangelium ein eherner Grundsatz.
Wir stoßen auf ein Viertes:
Mit dem Rückgriff auf den Anfang der Bibel in 1Mose 1 zeichnet Johannes sein Evangelium in eine Heilsgeschichte ein, die mit der ersten Schöpfung ihren Ausgang nahm und schließlich im ewigen Gottesreich zum Ziel kommen wird. Wer auf den »Anfang« hinweist, erinnert gleichzeitig an das »Ende« aller Dinge. So ist es nur konsequent, wenn derselbe Johannes später zum Seher der Offenbarung wird (vgl. auch 1Joh 1,1ff.). Wenn aber die Evangelisten heilsgeschichtlich denken, ergibt sich daraus für uns die Verpflichtung, heilsgeschichtlich auszulegen.
»Im Anfang«, sagt Johannes, »war das Wort.« Der Leser ist überrascht! Warum und wie ausgerechnet »das Wort«? In der berühmten Studierzimmer-Szene lässt Goethe den Faust darüber nachsinnen:
»Geschrieben steht:
Im Anfang war das Wort! … Ich kann das Wort so hoch unmöglich schätzen. Ich muss es anders übersetzen …« Dreimal nimmt Faust einen Anlauf, um nach den Übersetzungen:
»Im Anfang war der Sinn« und »Im Anfang war die Kraft« schließlich »getrost« zu schreiben:
»Im Anfang war die Tat!«
Doch die Bibel beharrt dabei:
»Im Anfang war das Wort.« Ein erster Weg zum Verständnis bahnt sich an, wenn wir noch einmal 1Mose 1,1 aufschlagen:
»Im Anfang schuf«. Dieses »schuf« erklären aber die Bibel und das Judentum durchweg als »das Wort«, so z. B. in Psalm 33,6:
»Der Himmel ist durch das Wort des Herrn gemacht«, und in Hebräer 11,3:
»Durch den Glauben erkennen wir, dass die Welt durch Gottes Wort gemacht ist.« Das stimmt mit dem Vorgang von 1Mose 1,3ff. völlig überein. Daraus ergeben sich zwei Konsequenzen:
a) Das Wort gehört auf die Seite Gottes und nicht zu den Geschöpfen; b) das Wort war schon vor der Schöpfung da.
Ein zweiter Weg zum Verständnis bahnt sich an, wenn wir die weitere Offenbarungsgeschichte betrachten. In Sprüche 8,22ff. erscheint die Weisheit Gottes als eine Art Person, die von sich sagt:
»Der Herr hat mich schon gehabt im Anfang seiner Wege, ehe er etwas schuf, von Anbeginn her. Ich bin eingesetzt von Ewigkeit her, im Anfang, ehe die Erde war.« Und in Sprüche 8,35 erklärt sie:
»Wer mich findet, der findet das Leben.« In Sirach 24,9 lesen wir von ihr:
»Von Ewigkeit, vom Anfang an schuf er mich, und bis in Ewigkeit werde ich nicht aufhören.« Wer ist diese Weisheit in Person? Das NT erklärt einstimmig:
Jesus Christus, der Gottessohn (vgl. Mt 13,54; Lk 2,40.52; 1Kor 1,24.30; Kol 2,3). Wie beim erschaffenden Wort ergeben sich zwei Konsequenzen:
a) Die Weisheit in Person gehört auf die Seite Gottes und nicht zu den Geschöpfen; b) Sie war schon vor der Schöpfung da.
Damit lässt sich Bilanz ziehen:
Mit dem »Wort« ist Jesus Christus gemeint. Er ist kein Geschöpf, sondern ewig – schon »im Anfang« existierend (»war«!). Er ist als »Wort« der Schöpfungsmittler (1Kor 8,6; Kol 1,16; Heb 1,2), und erscheint auch am Ende der Tage als »das Wort Gottes«! (Offb 19,13). Als den »Anfang der Schöpfung Gottes« bekennt ihn seine Gemeinde (Kol 1,15.18; 1Joh 2,13; Heb 1,2ff.; Offb 3,14).
Damit haben wir das Generalthema des Johannesevangeliums ausgemacht. Es heißt:
Jesus Christus – und nichts anderes. Mit ihm beginnt es (Joh 1,1), und mit ihm schließt es (Joh 20,30ff.; Joh 21,25), ihn bezeugt es als den einzigen Weg zum ewigen Leben (Joh 14,6).
Johannes stellt nun klar:
»Das Wort war bei Gott« – also in Gottes Gemeinschaft, nicht im Gewimmel der Geschöpfe. Es war so »bei Gott«, wie später der Menschensohn von Daniel 7,13. In dem »bei« steckt das Auf-Gott -hin -orientiert -Sein, bzw. das Ihm-zu-Diensten -Stehen. Eine aktive und willensmäßige Einheit von »Gott« und »Wort« ist hier angedeutet, die später in Johannes 10,30 mit aller Offenheit ausgesprochen wird (vgl. Spr 8,27.30). Dennoch sind »Wort« und »Gott« nicht dasselbe, sondern unterscheidbare Größen – ein Geheimnis, das sofort eine weitere Klarstellung erfordert:
»Das Wort war Gott.« Hier kommt es wieder auf jede Einzelheit an. Es heißt nicht:
»Das Wort war der Gott.« Denn das »Wort« ist nicht der ganze Gott. Es heißt auch nicht:
»(Der Gott) war das Wort.« Denn Gott als Vater und »das Wort« müssen unterschieden werden. Es war der Fehler der sog. Patripassianer, dass sie die These vertraten:
Pater»passus est« = »der Vater hat gelitten«. Nein! Der »Gottessohn« hat gelitten. Deshalb kann man christlich auch nicht von einem »gekreuzigten Gott« sprechen, sondern nur von einem »gekreuzigten Gottessohn«. Was heißt der Satz:
»Das Wort war Gott« aber dann? Dass Jesus als das Wort »Gott« ist! Dass er die volle Gottheit sein eigen nennt! Genau mit diesem, mit dem Bekenntnis der Gottheit Jesu, endet das Evangelium auch (Joh 20,28). Dieses Bekenntnis erfüllt die ganze Urkirche (vgl. Röm 9,5; 1Joh 5,20; Heb 1,1ff.; Phil 2,6; Kol 1,15ff.; Kol 2,9; Offb 1,17.18; 5,12ff.; Offb 21,23). Deshalb nennt sie Jesus ihren »Herrn« und betet sie zu ihm (1Kor 1,2). Dass Martin Luther in einem Weihnachtslied »den Sohn des Vaters, Gott von Art« (EKG 15, 5) besingt, ist von Johannes 1,1 her berechtigt. Ein Bekenntnis, das nicht von der Gottheit Jesu sprechen kann, ist nicht christlich.
Stehen jetzt aber nicht zwei »Götter« nebeneinander? Droht hier nicht die Gefahr des Ditheismus (Zwei-Götter-Glaubens)? Der Islam bejaht diese Frage und zieht seine Kraft aus der Ablehnung der Gottheit Jesu. So heißt es in der 5. Sure des Koran (5, 172):»Sagt aber nichts von einer Dreiheit (= dem dreieinigen Gott) … Es gibt nur einen einzigen Gott. Fern von ihm, dass er einen Sohn habe!« Und in einem moslemischen Flugblatt, das in der Bundesrepublik verteilt wurde, heißt es:
»Allah droht jedem mit Strafe, der Jesus einen Gott nennt.« Vers 2 will gerade ein solches Missverständnis verhüten, indem die zweite Satzhälfte wiederholt wird:
»Dieses (nämlich: das Wort) war im Anfang bei Gott.« Damit wird die Zuordnung und die Willenseinheit des Wortes = Jesu Christi im Blick auf den Vater unterstrichen. In Vers 18 wird das personale Geheimnis der Einheit von Vater und Sohn betont (vgl. Joh 10,30). Man kann sich dieses Geheimnis am Menschen selbst ein Stück weit veranschaulichen:

Edition C

Chronologisch geht die Aussage von Johannes 1,1 dem Text in 1 Mose 1,1 voraus. Johannes 1,1 sagt zwar auch Im Anfang, fährt jedoch fort: … war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Durch das Wort wurden die Himmel und die Erde geschaffen (Joh 1,3). Also erwähnen sowohl Genesis 1,1 als auch Johannes 1,1 den Ausdruck Im Anfang. Genesis 1,1 enthüllt nicht, wann dieser Anfang war; doch das Im Anfang aus Johannes 1,1 geht chronologisch dem Im Anfang des 1. Mosebuches voraus. Denn ganz offensichtlich existierte der Messias – das Logos, das Memra – vor der Erschaffung von Himmeln und Erde.

Arnold Fruchtenbaum – Das 1. Buch Mose

Der erste Abschnitt ist die Einleitung von Johannes zu seiner Biographie von Jesus, dem Messias. Das Thema des Johannes ist: Jeschua, der Messias, der Sohn Gottes. Der Abschnitt beginnt mit Vers 1: Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.
Der griechische Begriff „logos“, den Johannes verwendet, wird mit dem englischen Begriff „word“ übersetzt. Weil Johannes den Begriff „logos“ verwendet, gehen viele Kommentare zum Johannesevangelium an dieser Stelle in eine ziemlich lange Abhandlung über, um zu erklären, was logos in der griechischen Philosophie bedeutet.
Am Ende sagen sie alle das Gleiche: dass der Logos in der griechischen Philosophie zwei Konzepte hatte; das Konzept der Vernunft und das Konzept der Rede. Sie behaupten dann, dass das, was Johannes zu tun versuchte, darin bestand, zu zeigen, wie Jesus die Ziele der griechischen Philosophie in beiden Bereichen, Vernunft und Sprache, erfüllte. Durch die „Vernunft“ war er die Idee Gottes und durch die „Sprache“ war er der Ausdruck Gottes selbst. Das ist alles schön und gut zu wissen, bis auf ein großes Problem: Johannes war von Beruf kein griechischer Philosoph, er war ein jüdischer Fischer. Was er wirklich im Sinn hatte, war nicht griechische Philosophie, sondern jüdische Theologie des ersten Jahrhunderts in Israel.
Die Rabbiner jener Zeit hatten ein Konzept, das als Memra bezeichnet wurde. Das Memra ist ein aramäischer Begriff, der „Wort“ bedeutet. Als Johannes sein Evangelium auf Griechisch schrieb, brauchte er einen griechischen Begriff, um den jüdischen Begriff memra zu übersetzen, und der einzige griechische Begriff, den er hatte, war logos. Aber Johannes meinte nicht den logos der griechischen Philosophie, sondern die memra der jüdischen Theologie. Die Schriften der Rabbiner jener Zeit lehrten, dass es sechs Dinge gab, die an der memra wahr waren.

A. Das Gleiche, aber von Gott unterschieden
Erstens war die Memra manchmal dasselbe wie Gott, aber manchmal war sie von Gott verschieden. Die Rabbiner haben nie versucht, das offensichtliche Paradoxon zu erklären: Wie war es möglich, dass die Memra einerseits dasselbe wie Gott ist, andererseits aber von Gott verschieden ist? Sie lehrten einfach beide Aussagen als wahr und beließen es dabei.
Das ist dasselbe, was Johannes in Vers 1 sagte. Indem er sagt, dass das Wort bei Gott war, bedeutet es, dass Jesus von Gott verschieden war. Indem er sagt, das Wort war Gott, bedeutet es, dass Jesus derselbe wie Gott war. Wie die Rabbiner hat Johannes an dieser Stelle nicht versucht, das offensichtliche Paradoxon zu erklären: Wie ist es möglich, dass das Wort dasselbe wie Gott ist und sich doch von Gott unterscheidet? Dies wird erst später im Evangelium im Sinne der Dreieinigkeit erklärt. Der Logos ist insofern von Gott verschieden, als er nicht Gott der Vater ist, noch ist er Gott der Heilige Geist. Aber er ist derselbe wie Gott, weil er die zweite Person dieser Dreieinheit ist; er ist Gott der Sohn und daher derselbe wie Gott. Nur in Begriffen der Dreieinheit kann das rabbinische Paradoxon der Memra in der jüdischen Theologie erklärt werden.

B. Der Agent der Schöpfung
Die zweite Sache, die die Rabbiner über die Memra lehrten, war, dass die Memra auch das Mittel der Schöpfung war. Alles, was Gott erschaffen hat, hat Er mittels Seiner memra, mittels Seines Wortes, erschaffen; also würde ohne die memra nichts existieren, was jetzt existiert. In Vers 3 schreibt Johannes: Alle Dinge sind durch ihn gemacht, und ohne ihn ist nichts gemacht worden, was gemacht worden ist.
Was in der jüdischen Theologie für die Memra gilt, gilt auch für den Logos, von dem Johannes schrieb. Alles wurde durch ihn gemacht, und ohne ihn wurde nichts gemacht, was gemacht wurde, und so würde ohne ihn nichts existieren, was jetzt existiert: Er ist das Mittel der Schöpfung.

C. Das Mittel der Erlösung
Die dritte Sache, die die Rabbiner über die Memra lehrten, war, dass die Memra das Mittel der Erlösung war. Wann immer Gott in der Geschichte des Alten Testaments rettete, sei es eine physische Rettung wie der Auszug aus Ägypten oder eine geistliche Rettung, rettete Gott immer mittels seiner memra, mittels seines Wortes. In Johannes 1,12 sagt Johannes: Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er das Recht, Kinder Gottes zu werden, denen, die an seinen Namen glauben: …
Wie bei der Memra der jüdischen Theologie, so beim Logos des Johannes: Er ist das Mittel des Heils. Denn diejenigen, die persönlich an seine Messiasschaft glauben und ihn aufnehmen, werden zu Kindern Gottes und erhalten von ihm, dem Vermittler des Heils, das geistige Heil.

D. Die sichtbare Manifestation der Anwesenheit Gottes
Die vierte Sache, die die Rabbiner über die Memra lehrten, war, dass die Memra das Mittel oder der Weg war, durch den Gott auf den Seiten des Alten Testaments sichtbar wurde. In der christlichen Theologie wird dieses Phänomen eine „Theophanie“ genannt. Eine Theophanie ist die sichtbare Manifestation Gottes, die in der Geschichte des Alten Testaments auftrat.
Die Rabbiner hatten einen anderen Begriff, Schechinah oder die Schechinah-Herrlichkeit; die Schechinah-Herrlichkeit ist die sichtbare Manifestation der Gegenwart Gottes. Wann immer der unsichtbare Gott eine sichtbare Form annahm, wann immer die Allgegenwart Gottes lokalisiert wurde, war diese sichtbare, lokalisierte Gegenwart die Schechinah-Herrlichkeit. Während des größten Teils der alttestamentlichen Geschichte nahm die Schechinah-Herrlichkeit die Form eines Lichts oder Feuers oder einer Wolke oder einer Kombination dieser Dinge an. Laut den Rabbinern kam dies durch die Memra.

In Vers 14 schreibt Johannes: Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns …
Das Wort, das in Vers 1 im Anfang bei Gott war – immer bei Gott war und immer Gott war -, nahm zu einem bestimmten Zeitpunkt in der menschlichen Geschichte sichtbare Gestalt an. Aber dieses Mal kam Er nicht in der Form eines Lichtes, Feuers oder einer Wolke, sondern Er kam in der Form von Fleisch. Er wurde Mensch, er wurde Mensch, und Jeschua war als Mensch die sichtbare Manifestation der Gegenwart Gottes.

Johannes fährt fort: Er wohnte unter uns. Der von Johannes verwendete Begriff, der mit dem englischen Begriff „dwell“ übersetzt wird, ist nicht der normale griechische Begriff für „wohnen“. Vielmehr ist es ein griechischer Begriff, der eigentlich aus dem Hebräischen entlehnt wurde, skeinei. Als die Griechen in Kontakt mit der jüdischen Welt kamen, stießen sie auf den Begriff Schechinah und mochten, was er ausdrückte. Sie wollten ihn in ihre Sprache aufnehmen, denn in der griechischen Mythologie gab es Geschichten, in denen die Götter vom Olymp herabstiegen, eine Art sichtbare Gestalt annahmen und sich eine Zeit lang unter die Menschen mischten. Das Problem war, dass die griechische Sprache keinen „sch“-Laut hatte. Das Hebräische hat einen Buchstaben namens shin, mit dem der „sch“-Laut erzeugt wird. Im Englischen braucht man die Kombination von zwei Buchstaben, „s“ und „h“, um den „sh“-Laut zu erzeugen. Aber im Griechischen kann man keine Buchstaben kombinieren, um den „sh“-Laut zu erhalten. Die Griechen konnten ein hartes „s“ machen; sie konnten „sssss“ sagen, aber sie konnten nicht „schhhh“ sagen. Sie nahmen das hebräische Wort Schechinah, hellenisierten es und daraus wurde das griechische Wort skeinei; das ist der Begriff, den Johannes hier verwendet. Wörtlich bedeutet es nicht „wohnen“, sondern „tabernakeln“. Es hat seinen Ursprung in der Erzählung von Exodus 40, wo die Schechinah-Herrlichkeit in Form einer sichtbaren Wolke ihren Wohnsitz im Allerheiligsten der Stiftshütte aufnahm. Im Hebräischen ist mishkan die gleiche hebräische Wurzel wie Schechinah.
So „wohnte“ die Schechinah-Herrlichkeit für die nächsten Jahrhunderte beim Volk Israel, bis sie es in den Tagen von Hesekiel 8-11 verließ. Jetzt ist die Schechinah-Herrlichkeit in der Person von Jesus von Nazareth wieder erschienen. Noch einmal, für eine gewisse Zeit, „wohnte“ Er unter uns. Wie die Rabbiner brachte auch Johannes die Schechinah mit der Herrlichkeit Gottes in Verbindung; denn er fährt in Vers 14 fort: … (und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit wie die des eingeborenen Sohnes vom Vater), voller Gnade und Wahrheit.

Jeschua war diese neue Schechinah-Herrlichkeit: Er war die sichtbare Manifestation der Gegenwart Gottes.

Die Tatsache, dass Jesus die Schechinah, das Licht der Herrlichkeit, war, wurde kurz in Johannes 1,4-10 entwickelt, als er schrieb: In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis erkannte es nicht. Es kam ein Mensch, von Gott gesandt, der hieß Johannes. Dieser kam zum Zeugnis, damit er von dem Licht zeugte, damit alle durch ihn glaubten. Er war nicht das Licht, sondern er kam, damit er von dem Licht Zeugnis gebe. Da kam das wahre Licht, nämlich das Licht, das jeden Menschen erleuchtet, in die Welt. Er war in der Welt, und die Welt wurde durch ihn gemacht, und die Welt kannte ihn nicht.

Mit diesen Worten betonte Johannes, dass Jeschua dieses neue Schechinah-Herrlichkeitslicht ist. Er ist die Quelle des Lebens und Er ist die Quelle des Lichts für alle Menschen, weil Er der Schöpfer aller Menschen ist.

Arnold Fruchtenbaum – Die Geburt und das frühe Leben des Messias

War Jesus also „ein Gott“ wie einige wenige Bibelübersetzter schreiben? Oder war Jesus die Schechinah-Herrlichkeit des „AT“??

erkannt?

Jesus sagt ihnen: „Auf zum Frühstücken!“ Niemand jedoch hatte den Mut, ihn auszufragen: „Bist du es selbst?“, weil sie sich sicher waren, dass es sich um den Herrn handelt. Jesus kommt dazu, nimmt das Brot und gibt es an sie weiter und in derselben Weise den Fisch. Damit ist Jesus schon das dritte Mal für seine Schüler sichtbar geworden, nachdem er von den Toten auferstanden war.
Gottes Agenda – Das Neue Testament urtextnah ins heutige Deutsch übersetzt von Andreas Eichberger – Joh 21,12–14

Jesus spricht zu ihnen: Kommt her, frühstücket. Keiner aber von den Jüngern wagte ihn zu fragen: Wer bist du? da sie wußten, daß es der Herr sei. Jesus kommt und nimmt das Brot und gibt es ihnen, und gleicherweise den Fisch. Dies ist schon das dritte Mal, daß Jesus sich den Jüngern offenbarte, nachdem er aus den Toten auferweckt war.
Elberfelder 1871 – Johannes 21,12–14

„Kommt endlich! Und guten Appetit!“ Keiner von den Freunden traute sich zu fragen: „Wer bist du eigentlich?“, aber unausgesprochen war jedem klar: Es war ihr Jesus!
VolxBibel – Johannes 21:12

Wie sah Er aus? Wie sah Er nach seiner Auferstehung aus?
Haben seine Apostel Jesus erkannt?

Die Jünger hörten die Einladung zum Frühstück und sammelten sich um das Kohlenfeuer, um an den guten Gaben teilzuhaben, die der Herr ihnen bereitet hatte. Petrus muss seinen eigenen Gedanken nachgehangen haben, als er das Kohlenfeuer erblickte. Erinnerte er sich an das Kohlenfeuer, an dem er sich wärmte, als er den Herrn verleugnet hatte? Die Jünger waren angesichts der Gegenwart des Herrn in seltsamer Weise von Ehrfurcht erfüllt. Sie waren sich auch des Ernstes dieser Situation bewusst. Da stand er in seinem Auferstehungsleib. Es gab so viele Fragen, die sie ihm gerne gestellt hätten. Doch sie wagten es nicht. »Sie wussten, dass es der Herr war«, selbst wenn sie spürten, dass ein gewisses Geheimnis seine Person umgab.

MacDonald – Kommentar zum Neuen Testament

Natürlich sollen wir schwer arbeiten. Natürlich sollen wir auch organisiert sein. Natürlich gibt es keine Ausrede für Faulheit, Schlamperei und Halbherzigkeit im Reich Gottes. Wir tun das Werk Gottes und müssen es auch mit aller unserer Kraft tun. Aber lassen Sie uns nicht diesen Unsinn glauben, es würde alles nur von uns abhängen, als wäre der arme alte Jesus nicht in der Lage, auch nur einen Finger zu krümmen, wenn wir das nicht für ihn tun. Wir würden in der Tat wahrscheinlich wesentlich wirkungsvoller arbeiten, wenn wir erst einmal diese an Paranoia grenzende Vorstellung ablegen würden. Jesus bleibt der Souverän. Gott sei Dank!
Noch einmal läuft uns hier ein Schauer über den Rücken, ähnlich wie in dem Moment, als Jesus durch die verschlossenen Türen des Obergemachs eintrat. „Keiner seiner Jünger getraute sich, ihn zu fragen: ‚Wer bist du?‘ Sie wussten, dass es der Meister war“ (Vers 12). Das ist eine sehr seltsame Ausdrucksweise. Sie passt zu all den anderen außergewöhnlichen, seltsamen Dingen, die in den Auferstehungsberichten gesagt werden. Sie wussten, dass er es war … und doch wollten sie ihn fragen, waren aber zu ängstlich.
Warum wollten sie ihn fragen? Sie waren zwei oder drei Jahre lang Tag und Nacht mit ihm zusammen gewesen und wollten ihn nun fragen, wer er denn sei? Da könnte ich ja ebenso gut eines Morgens meine eigene Frau aufwecken und sie fragen, wer sie denn sei. Wenn sie ihn bis jetzt nicht kannten, würden sie ihn wohl nie kennen.
Allerdings gilt: Dieser Satz ergibt nur dann Sinn, wenn Jesus gleichzeitig derselbe ist und doch auch irgendwie anders. Keine Quelle erwähnt, was er anhatte. Keine Quelle beschreibt sein Gesicht. Irgendwie war er durch den Tod hindurch in eine seltsame neue Welt gegangen, in der bisher noch niemals jemand gewesen war und seitdem auch niemand gewesen ist – auch wenn uns hoch und heilig versprochen wird, dass wir letztendlich dort bei ihm sein werden. Sein Leib war nicht länger dem Verfall oder Tod unterworfen. Wie mag das gewesen sein?

Wright – Das Neue Testament für heuteWright – Das Neue Testament für heute

„Jesus sagt zu ihnen: Kommt, haltet das Frühmahl!“ Das hier für das Mahl verwendete Wort bezeichnet das „Frühstück“. Vielleicht sollen wir ruhig übersetzen „Kommt her, frühstückt“, um alle falsche Feierlichkeit von der Szene fernzuhalten. Die Boten im Neuen Testament haben durchgängig die einfache Umgangssprache gebraucht. Die Einfachheit, die Herzlichkeit und Freiheit des Evangeliums wird dadurch spürbar. Auch der Auferstandene, der nicht in Lichtherrlichkeit, sondern als einfacher Mensch erscheint, kann mit seinen Jüngern so natürlich und menschlich reden und sie zum Frühstück rufen.
Gerade von da aus wird es verständlich, daß der Erzähler an dieser Stelle hinzufügt: „Keiner wagte von den Jüngern, ihn auszufragen: Wer bist du? Sie wußten ja, daß es der Herr ist.“ Wie schlicht sich Jesus auch gab, die Jünger sind gewiß, daß es der Herr ist. Darum erschien es ihnen als ein „Wagnis“, als eine Dreistigkeit, wenn sie ihn noch einmal „ausfragen“ würden, um eine besondere Bestätigung ihres Wissens aus seinem eigenen Mund zu hören.

Wuppertaler Studienbibel

.„Kommet her, frühstücket“ war die freie Einladung des Herrn an Seine Jünger, ihre körperlichen und geistlichen Bedürfnisse bei Ihm zu stillen. Andere mögen essen und trinken, bis die Flut sie hinwegrafft (Mt 24,38), indem sie sagen: „Lasset uns essen und trinken, denn morgen sterben wir“ (1Kor 15,32). Aber die Vorsorge des Herrn führt zu Leben, sei es das Manna vom Himmel, oder seien es die Fische und Brote wie im vorliegenden Fall. An anderer Stelle hatte der Herr bereits ähnliche Einladungen gegeben: „Kommet her zu mir“ (Mt 11,28); „Kommet und sehet!“ (Joh 1,39); „Komm hier herauf“ (Offb 4,1). Auf der anderen Seite finden sich auch Einladungen, die von Tod und Gericht sprechen, wie: „Kommet her, versammelt euch zu dem großen Mahle Gottes“ (Offb 19,17); „Auf! versammelt mir alle Tiere des Feldes, bringet sie zum Fraße herbei!“ (Jer 12,9); „Versammelt euch und kommet“ (Hes 39,17).
 Nicht einer der Jünger wagte zu fragen: „Wer bist du?“, da sie wußten, daß es der Herr war. Es ist bemerkenswert, daß Johannes die Notwendigkeit empfand, daß man diese Frage hätte stellen sollen, wiewohl er auch sagte, daß alle wußten, daß es der Herr war. Aber diese Bemerkung zeigt, daß in den Aposteln noch ein großer Mangel an Vertrauen in den Herrn war, auch wenn sie Ihn erkannten. Das zeigte sich auch in Mk 9,32 ,wo es von den Aposteln heißt: „Sie […] fürchteten sich, ihn zu fragen“ über Seine Aussagen, die Seinen bevorstehenden Tod und die Auferstehung betrafen.

Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt

Als Jesus die Jünger einlud, mit ihm zu essen, fragte ihn niemand, wer er war, denn sie wußten, daß es der Herr war. Die Tatsache, daß sowohl Maria (Joh 20,14) als auch die Jünger auf der Straße nach Emmaus (Lk 24,13-35) ihn nicht sofort erkannt hatten, scheint darauf hinzudeuten, daß sein Aussehen sich nach seiner Auferstehung verändert hatte. Dennoch waren sich die Jünger sicher, daß es Jesus war. Die gemeinsame Mahlzeit mit ihrem auferstandenen Herrn hinterließ einen unauslöschlichen Eindruck bei ihnen. Noch Jahre später sprach Petrus in seiner Predigt von sich selbst als verläßlichem Zeugen, der mit Jesus nach seiner Auferstehung aß und trank (Apg 10,41). Das dritte Mal. bezog sich auf das dritte Erscheinen vor den Aposteln, von dem Johannes berichtet (vgl. Joh 20,19.26).
Johannes

Walvoord Bibelkommentar

Nun kommt es zu einem eigenartigen Vorgang: »Keiner von den Jüngern wagte es, ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wussten: Es ist der Herr« (V. 12). Auch vor der Kreuzigung war der Eindruck, den Jesus auf andere machte, teilweise so stark, dass es »niemand wagte, ihn zu fragen« (Mt 22,46; Joh 4,27). Jetzt kommt die Scheu vor dem göttlichen Wunder der Auferstehung hinzu. Auch nach Lk 24,30ff.haben die Emmausjünger Jesus nicht befragt. Im Frühlicht jenes Morgens am See Genezareth ist alles klar. Unpassende Worte wären peinlich. »Denn sie wussten: Es ist der Herr.« Und noch einmal wird hier der Grundton aller johanneischen Auferstehungsberichte deutlich: »Es ist der Herr«! (Vgl. Joh 20,18.20.25.28; 21,7). Wenn in den apostolischen Briefen und Berichten vom »Herrn« die Rede ist, dann steht diese Auferstehungserfahrung dahinter. Im Übrigen handelt es sich um ein zeitloses »ist«. Jesus wird ja immer und ewig »der Herr« sein. Allerdings einer, der sich nicht vom Vater löst, sondern dem Vater untertan bleibt (1 Kor 15,28).

Edition C

Würden wir IHN erkennen?

„Stecke dein Schwertmesser weg an seinen Ort! Denn alle zum Schwertmesser Greifenden werden durch Schwertmesser umkommen.“ – Übersetzung Peter Knauer

Da spricht Jesus zu ihm: Stecke dein Schwert wieder an seinen Ort; denn alle, die das Schwert nehmen, werden durchs Schwert umkommen.
Elberfelder 1871 – Matthäus 26,52

Und siehe!, einer von denen, die bei Jesus [waren], streckte die Hand aus und zog sein Schwert heraus, und er schlug den Knecht des Oberpriesters und trennte dessen Ohr ab.
Daraufhin sagt Jesus zu ihm: „Steck dein Schwert an seinen Platz, denn alle, die ein Schwert ziehen, werden durch ein Schwert sterben.
Leonberger Bibel – byzantinischen Text von Robinson-Pierpont 05 – Matth. 26,51–52

Einer von seinen Freunden hatte ein langes Messer dabei. Blitzschnell zog er es aus dem Mantel, ging auf einen der Securityleute los und schnitt ihm im Kampf ein Ohr ab.
„Hör auf damit!“, sagte Jesus, „Wer versucht, Sachen mit Gewalt zu regeln, wird durch Gewalt auch getötet werden. Mann, checkst du das nicht? Wenn ich meinen Vater nur darum bitten würde, könnte er sofort eine ganze Armee von Engeln vorbeischicken, die würden hier aus allem Kleinholz machen!
VolxBibel – Matthäus 26:51–53

Der Krieg in der Ukraine führt dazu, dass viele Christen in den beteiligten zwei Ländern eine Entscheidung treffen müssen: Neutralität und für Jesus Christus einzutreten – oder aber „für ihr Heimatland“ einzutreten. Nun ist die Frage: WO ist meine Heimat?
Schauen wir uns einen Moment an, wo eigentlich jeder Christ zu seinem Messer/Schwert gegriffen hätte: Jesus Christus wird verhaftet, obwohl Er nichts gemacht hatte – und Petrus greift natürlich zu seinem Schwert! Doch wie reagiert Jesus darauf?

Petrus wollte in dieser Situation nicht sofort klein beigeben. (Nur Johannes erwähnt ihn in diesem Zusammenhang mit Namen; Joh 18,10.) Er war soeben erwacht und wußte im Augenblick noch nicht so recht, was vor sich ging, daher zog er sein Schwert und versuchte, Jesus zu verteidigen, indem er auf einen der Angreifer einhieb. Er traf Malchus, den Knecht des Hohenpriesters (Joh 18,10), am Ohr.
Der Herr untersagte jedoch sofort jede Gewalttätigkeit und tadelte Petrus. Er hatte keine Hilfe nötig; sein Vater würde ihm, wenn er es wollte, auf der Stelle zwölf Legionen Engel schicken, die ihn verteidigten. Eine römische Legion umfaßte 6 000 Soldaten. Von über 72 000 Engeln umgeben, hätte Jesus leicht jeden Angriff abwehren können. Doch es war nicht Gottes Wille, daß Jesus freikam; Jesus wurde gefangengenommen, weil Gott es zuließ. Matthäus schreibt nichts darüber, doch Lukas, der Arzt, berichtet, daß Jesus den Verletzten wieder heilte (Lk 22,51).

Walvoord Bibelkommentar

Einer der Jünger will seinen Herrn verteidigen. Auch er hat noch nicht begriffen, wer der Herr ist – als ob Er sich nicht selbst hätte verteidigen können. So leistet dieser Jünger tatsächlich auch keine Hilfe, sondern richtet Schaden an, indem er einen der Widersacher, den Sklaven des Hohenpriesters, verletzt. Dass der Hohepriester einen Sklaven hat, bedeutet, dass der Hohepriester sich von jemandem bedienen lässt, den er sich unterworfen hat. War es denn nicht die Aufgabe des Hohenpriesters, anderen zu dienen? Der Hohepriester aber hatte seinen Sklaven mitgenommen, um bei dieser bösen Unternehmung, den Sohn Gottes gefangen zu nehmen, mitzuhelfen.
Matthäus berichtet nicht, dass der Herr das Ohr dieses Sklaven heilt, sondern nur, dass Er seinen Jünger zurechtweist. Das Schwert soll nicht gezogen werden, sondern in der Scheide bleiben. Wer das Schwert benutzt, wird dadurch umkommen (Off 13,10). In der jetzigen Zeit sollen Leiden ertragen werden; das ist der Weg des Vaters. Der Herr hätte den Vater bitten können, Ihm Engel zu senden. Die Engel standen bereit, um auf einen Wink des Vaters über alle, die sich an dem Sohn vergriffen, das Gericht zu vollstrecken. Sie werden wohl den Atem angehalten haben, als sie dieses Schauspiel ansehen mussten, dass ihr Schöpfer von nichtigen Geschöpfen gefangen genommen wurde! Jedoch, es war jetzt nicht die Zeit, das Gericht über das Böse auszuüben, sondern die Schriften zu erfüllen.

Ger de Koning – Das Evangelium nach Matthäus

Über die Christen aber [ist zu sagen]: Da sie die Lehre empfangen hatten, sich nicht gegen ihre Feinde zu verteidigen, so hielten sie auch an dieser milden und menschenfreundlichen Gesetzgebung fest. Deshalb ist ihnen das von Gott zuteil geworden, was ihnen selbst, auch wenn sie sehr mächtig gewesen wären und die Erlaubnis, Krieg zu führen, gehabt hätten, versagt geblieben wäre.

Denn Gott führte immer für sie Krieg und machte jedesmal zur rechten Stunde die Pläne derer zuschanden, die sich gegen die Christen erhoben hatten und sie vernichten wollten. Auf dass ein ermunterndes Vorbild nicht fehle und der Anblick einiger Glaubenszeugen Stärkung im Glauben und Verachtung des Todes in den Herzen wecke, hat im Laufe der Zeiten eine kleine Schar, die leicht zu zählen ist, um des christlichen Glaubens willen den Tod erlitten. Die Vernichtung des ganzen Christenvolkes aber gab Gott nicht zu, denn er wollte, dass es fortbestehe und dass diese heilsame und fromme Lehre über die ganze Erde verbreitet werden sollte. Damit auf der anderen Seite die schwächeren Seelen von der Todesfurcht wieder aufatmen konnten, sorgte Gott für die Gläubigen und vernichtete durch sein bloßes Wollen alle Anschläge gegen sie, so dass weder die Kaiser noch ihre Statthalter, noch die Völker in ihrer Wut gegen sie zu weit gehen konnten.

Origenes – Gegen Celsus

Die Volksmenge kam mit »Schwertern und Stöcken« (Verse 47.55), als ob sie befürchteten, der »Friedefürst« würde Gewalt anwenden und Unruhe auslösen. Das hier für Schwert gebraucht Wort ist machaira, das Kurzschwert für den Nahkampf; die Stücke sind xyla, Hölzer, also Knüppel. Auch die Apostel hatten »zwei Schwerter« (Lk 22,38), welche sie dem Herrn im Obersaal gezeigt hatten. Er hatte darauf geantwortet: »Es genügt«, das heißt, es waren der Worte genug gesprochen. Einer von ihnen (Joh 18,10 identifiziert ihn als Petrus) schlug in fleischlicher Kühnheit mit einem dieser Schwerter einem Knecht des Hohenpriesters mit Namen Malchus (Joh 18,10) das Ohr ab. Lukas hat uns einige zusätzlichen Einzelheiten des Vorfalls überliefert. Die Jünger hatten den Herrn gefragt: »Herr, sollen wir mit dem Schwerte dreinschlagen?« (Lk 22,49), der Herr aber hatte keine Antwort gegeben. Und dann tat der Herr Sein letztes Wunder vor Seinem Tod: »Er rührte sein Ohr an und heilte ihn« (V.51). Eigentlich müßte man sich ja darob verwundern, aber ihre verhärteten Herzen konnten über die Wunder des Herrn nicht mehr staunen, auch wenn sie dieses besondere Wunder nie zuvor gesehen hatten. Wenn das ein Zeichen war, so wurden sie durch dasselbe nicht zum Glauben bewegt. Der Herr schalt Petrus, er müsse das Schwert wegstecken: »Denn alle, die das Schwert nehmen, werden durch das Schwert umkommen«. Eine ähnliche Aussage findet sich in Offb 13,10, wo es um den Krieg geht, den das Tier gegen die Heiligen führen wird.

Was die Bibel lehrt

Eine direkte Reflexion über den K. findet sich im NT ebensowenig wie diesbezügliche Verhaltensanweisungen. K. erscheinen als eine schreckliche Realität menschlichen Lebens, bes. in apokalyptischen Teilen des NT (Mk 13,7f. par. und Apk passim). Wie Erdbeben und Hungersnöte sind sie ein Teil des menschlichen Leidens, die bes. den Gläubigen von bösen Kräften auferlegt sind, und sie nehmen in dem Maße zu, wie sich der Konflikt zw. diesen Kräften und dem Allmächtigen während der Endzeit verschärft. Nur in der suprahist. Szene in Apk 19,11–22 ist Christus als göttlicher Krieger an der Spitze himmlischer Armeen dargestellt, der die Kräfte des Bösen besiegt. Mt 26,53 deutet an, daß diese Rolle für Jesus selbst eine Versuchung gewesen sein könnte, der er widerstand (vgl. Lk 4,6f. par.). Zu – beachten ist auch, daß die Sprache des Kriegswesens in der ntl. → Paränese ausschließlich in übertragener Weise eingesetzt wird. Daraus geht hervor: Ob es für einen Christusgläubigen legitim ist, an Kämpfen mit tödlichen Folgen teilzunehmen, ist eine Frage, die jenseits des ntl. Horizontes liegt; den Rat in Lk 22,36, sich ein Schwert zu kaufen, wörtl. verstehen zu wollen, wird in V. 49–51 (noch deutlicher in Mt 26,52) als Fehler aufgedeckt. Der Gewaltverzicht, der von Jesus gelebt (Gethsemane) und gelehrt (Mt 5,39 par.) wurde, bietet für Christen jedenfalls wichtiges Material für nachfolgende Diskussionen über K. und Pazifismus. – Unter Umständen wirken hier noch Traditionen des messianischen K. nach (Windisch), die im NT allerdings von der Botschaft des endzeitlichen Friedens überlagert werden. Der einzige bewaffnete Kampf, der von Gläubigen gefordert wird, ist der metaphorische K. gegen die Sünde und das Böse, der hauptsächlich im eigenen Inneren stattfindet (Röm 13,12; 1Thess 5,8; Eph 6,10–17; 2Kor 10,3f.).

Religion in Geschichte und Gegenwart

Was offenbart Gott seiner Gemeinde im sechsten Gebot der Schrift? Gott ist allein der Herr über alles Leben und hat uns50 Freund und Feind gegeben, daß wir ihm nicht Schaden tun, ihn hassen, verachten, ihm zürnen, sondern ihn lieben, sein Leben erhalten, ihm dienen, wohltun, vergeben, für ihn beten. [–] Mt 5,21 f 44 I Joh 3,1551 [Gen] 9,6. Mt 26,52 R 12,21

Dietrich Bonhoeffer Werke – Illegale Theologenausbildung: Finkenwalde

Das bringt die Frage nach dem Verhältnis der Nachfolgenden zu den Menschen um sie herum mit sich. Ist ihnen durch die Aussonderung, die ihnen zuteil wurde, ein besonderes, eigenes Recht mitgeteilt worden, sind sie in den Besitz von Kräften, Maßstäben, Begabungen gelangt, die es ihnen ermöglichten, diesen anderen gegenüber eine besondere Autorität für sich in Anspruch zu nehmen? Es hätte ja vor allem nahegelegen, wenn die Nachfolger Jesu sich nun durch ein scharfes, trennendes Urteil von ihrer Umgebung selbst gelöst hätten. Ja, es hätte geradezu die Meinung entstehen können, als sei es der Wille Jesu, daß solches trennende und richtende Urteil von den Jüngern nun auch in ihrem täglichen Umgang mit den Anderen vollzogen würde. Darum muß es Jesus deutlich machen, daß durch solche Mißverständnisse die Nachfolge ernstlich gefährdet würde. Die Jünger sollen nicht richten. Tun sie es, so verfallen sie selbst dem Gericht Gottes. Das Schwert, mit dem sie den Bruder richten, fällt auf sie selbst herab. Der Schnitt, mit dem sie sich vom Anderen absondern als die Gerechten von den Ungerechten, trennt sie selbst von Jesus.
Warum ist das so? Der Nachfolgende lebt ganz und gar aus der Verbundenheit mit Jesus Christus. Er hat seine Gerechtigkeit nur in dieser Verbundenheit und niemals außerhalb derselben. Sie kann ihm also niemals zum Maßstab werden, den er in Besitz hätte zu beliebiger Verfügung. Was ihn zum Jünger macht, ist nicht ein neuer Maßstab seines Lebens, sondern ist ganz allein Jesus Christus, der Mittler und Sohn Gottes selbst. Seine eigene Gerechtigkeit ist ihm | daher verborgen in der Gemeinschaft mit Jesus. Er kann sich selbst nicht mehr sehen, beobachten, beurteilen, er sieht allein Jesus, er ist allein von Jesus gesehen, beurteilt und begnadigt.

Dietrich Bonhoeffer Werke – Nachfolge

Wessen Knecht bin ich?

Gestern auf FB eines „Pastors“ aus der Ukraine gelesen „Neutralität ist eine Seite des Bösen, Christus sagte, wer nicht mit uns ist, ist gegen uns.. bald wird sich die Welt verändern und wir werden sehen, wie viele sich künstlich in „Schuhe der evangelisierungsbereitschaft“ verwandeln werden.“
Nun – schauen wir uns an, was Neutralität bedeutet:

Die Neutralität (von lateinisch neuter, keiner von beiden) eines Staates bedeutet entweder das Abseitsstehen in einem konkreten Konflikt zwischen anderen Staaten oder bezeichnet generell die allgemeine Politik der Neutralität. Von Dauernder Neutralität spricht man, wenn sich ein Staat zur immerwährenden Neutralität in allen Konflikten bekennt. Von Neutralismus spricht man, wenn ein Staat sich nicht nur aus Konflikten heraushält, sondern aus grundsätzlichen Erwägungen jegliche Bündnisse vermeidet.

wikiedia

Neutralität bedeutet, dass man zu keiner von zwei Seiten gehört. Wer neutral ist, mischt sich nicht ein. Ein anderes deutsches Wort dafür ist Unparteilichkeit: Man schließt sich keiner Partei an. Mit Partei ist keine Partei in der Politik gemeint, sondern eine Seite in einem Streit.

Das Wort Neutralität kommt aus der lateinischen Sprache. „Ne uter“ bedeutet: keines von beiden. Am Ende des Mittelalters kannte man das Wort „neutralité“ schon auf Französisch. Dieses französische Wort wurde später auch in die deutsche Sprache übernommen.

Ursprünglich dachte man bei der Neutralität daran, dass man im Krieg keine Seite unterstützt.

https://klexikon.zum.de/wiki/Neutralit%C3%A4t

Nun – wo stehe ich als Christ????

Deshalb tue ich euch kund, daß niemand, im (d. h. in der Kraft des) Geiste Gottes redend, sagt: Fluch über Jesum! und niemand sagen kann: Herr Jesus! als nur im (d. h. in der Kraft des) Heiligen Geiste.
Elberfelder 1871 – 1 Kor 12,3

Deshalb weise ich euch auf Folgendes hin: Niemand, der unter der Leitung von Gottes Geist redet, wird jemals sagen: »Jesus sei verflucht!« Und umgekehrt kann niemand sagen: »Jesus ist der Herr!«, es sei denn, er wird vom Heiligen Geist geleitet.
Neue Genfer Übersetzung 2013 – 1.Korinther 12:3

Deshalb erkläre ich euch ausdrücklich: Keiner, der durch den Geist Gottes redet, wird jemals sagen, Jesus sei verflucht. Und ohne den Heiligen Geist kann keiner sagen: „Jesus ist der Herr!“
Neue evangelistische Übersetzung – 1.Korinther 12,3

Auf diesem Hintergrund möchte ich euch noch mal klarmachen, wie man auseinanderhalten kann, was von Gott kommt und was eben nicht. Also niemand, der den Geist von Gott hat, ist in der Lage zu sagen: „Jesus soll verflucht sein!“ Auch kann niemand die Ansage machen: „Jesus ist der Chef über allem!“, wenn ihm das nicht der Heilige Geist gezeigt hätte.
VolxBibel – 1.Kor. 12:3

Also ist die erste Frage: WER IST MEIN CHEF? Bin ich Soldat Christi – oder Soldat eines anderen Herrschers?

Kyrios

Der Titel “Kyrios” (κύριος, gr. Herr) bezieht sich im Neuen Testament häufig auf Gott. Dieser Sprachgebrauch knüpft an einen auch im Frühjudentum nachweisbaren Brauch an, den Gottesnamen (JHWH) durch den Titel “(der) Herr” zu ersetzen (vgl. 1QGenApoc 20:12f; TestLevi 18:2).
Die Verwendung des Titels für Jesus findet sich bereits in den ältesten vorpaulinischen Bekenntnissen (1 Kor 12:3; Röm 10:9; Phil 2:11). Auch der aramäische Gebetsruf māranā tā (Unser Herr komm!; 1 Kor 16:22) weist auf die palästinischen frühesten Gemeinden als Ursprung der Verwendung dieses christologischen Titels für Jesus. Er impliziert, daß der auferstandene und erhöhte Jesus Gott gleichgestellt wurde. Zugleich bedeutete die Anrede des Erhöhten als Kyrios auch eine bewußte Abgrenzung von der Verehrung anderer “Herren” (vgl. 1 Kor 8:6), insbesondere des römischen Kaisers.
Außerhalb der authentischen Paulusbriefe wird der Titel auch auf die irdische Wirksamkeit Jesu bezogen. Hier bezeichnet er Jesus vor allem als Sieger über den Tod.

Elektronische Bibelkunde

Denn das Wirken des Geistes geht genau in der entgegengesetzten Richtung und führt zu dem Bekenntnis: „Herr ist Jesus.“ Ja, „keiner ist imstande zu sagen: „Herr ist Jesus‘. als nur im Heiligen Geist“. Lange Zeit, in den Jahrhunderten christlicher Gewöhnung, schien das freilich nicht zu stimmen. Aber gerade heute beginnen wir es wieder neu zu verstehen. Daß ein jüdischer Handwerker, der verhöhnt von den Menschen und verlassen von Gott hilflos am Kreuz endete, der „Kyrios“, der Herr des Weltalls, der Richter aller Milliarden Menschen sein soll, das kann kein „vernünftiger Mensch“ erkennen. „Herr ist Jesus“ — wer das mit klarer Überzeugung sagt, in dem wirkt es der Heilige Geist. Denn eben dies ist nach Jo 16, 14 das eigenste und eigentliche Werk des Geistes, Jesus zu verherrlichen, Jesus in seiner ganzen Herrlichkeit zu zeigen. Durch den Heiligen Geist kommt es zu dem Urbekenntnis der Christenheit: „Herr ist Jesus.“ Alle weiteren „Bekenntnisse“ und „Bekenntnisschriften“ in der Christenheit sind nur nähere Ausführungen und Erklärungen dieses Grundbekenntnisses. Zugleich aber darf jeder, der dieses Grundbekenntnis redlich mit sprechen und in dem Menschen Jesus den „Kyrios“ sehen kann, mit Dank und Freude wissen, daß der Geist in seinem Herzen wohnt und wirkt. Und die Gemeinde, die in diesem Bekenntnis lebt, ist der Ort der Gegenwart des Heiligen Geistes (3, 16).

Das hier verwendete Wort „Kyrios“ bezeichnet in seiner Grundbedeutung den „Herrn“ als den Eigentümer und Besitzer. Es entspricht damit dem hbr. „Baal“. Wie „Baal“ dann der Ausdruck für den religiös verehrten „Herrn“ und Spender bestimmter Güter und Gaben wie Korn, Obst, Öl usw. wurde, so bezeichnete man auch im Hellenismus mancherlei Göttergestalten als „Herren“. Und von daher wiederum wurde der vergöttlichte Kaiser „Herr“ im religiösen Sinn genannt. So war das Wort „Kyrios“ als religiöser „Herrentitel“ den Korinthern völlig vertraut! Nur das mußten sie in einer unerhörten Umstellung ihres Denkens lernen, daß alle diese so selbstverständlich als „Kyrios“ Bezeichneten, bis hin zum Kaiser, keine wirklichen „Herren“ waren, daß dieser göttliche Hoheitsname allein einem Einzigen zukam: Jesus Christus. Nur er war in Wahrheit „Kyrios, Herr“, Weltherr, Allherr. Vgl. dazu das „Lexikon zur Bibel“, Sp. 595.

Wuppertaler Studienbibel

»Herr ist Jesus« (vgl. Mt 7,21; Apg 2,36; Röm 10,9; Phil 2,11; 1Joh 5,1) ist das Bekenntnis der geistbegabten Gemeinde. »Herr« (»Kyrios«) war auch der offizielle Titel des römischen Kaisers. In den Christenverfolgungen konnten Christen ihr Leben retten, wenn sie dieses andere Bekenntnis aussprachen: »Der Kaiser ist Herr.« Christen aber bekennen, geleitet und befähigt vom Heiligen Geist, das alleinige Herr-Sein Jesu Christi. Er trägt diesen Titel, der ihn Gott zuordnet, denn im AT wird für die Umschreibung des Jahwe -Namens eben dieser Titel »Herr« gesetzt (in der griechischen Übersetzung des AT). Daran ist die Geistbegabung erkennbar: »Niemand kann sagen: Herr ist Jesus! wenn nicht im Heiligen Geist.« Hast du den Heiligen Geist? Bekennst du Jesus als Herrn? Ob ich den Geist Gottes habe, das kann ich »wissen«. Hier bleibt nichts im Nebel.

Edition C

Auch ungläubige Menschen erkennen Ihn nicht als Herrn an. Sie rechnen nicht mit seiner Herrschaft, sondern führen ihr eigenes Leben. In Matthäus 7,21 liest du sogar von Menschen, die zwar sagen: „Herr, Herr“, aber in ihrem Leben nicht nach seinem Willen gefragt haben. Dem Namen nach wollen sie zwar Christen sein, aber sie gehen ihren eigenen Weg. Wo du das findest, hast du es nicht mit dem Werk des Heiligen Geistes zu tun, sondern mit dem Werk von Dämonen. Ein Wiedergeborener wird mit Achtung von Jesus sprechen und Ihn deshalb auch möglichst „Herr“ Jesus nennen. In seinem Leben wird zu sehen sein, dass es mehr als ein Lippenbekenntnis ist und dass er der Autorität des Herrn Jesus in allen Bereichen seines Lebens Rechnung trägt. Wo du das findest, hast du es nicht mit dem Werk von Dämonen zu tun, sondern mit dem Werk des Heiligen Geistes.

Ger de Koning

Die Bedeutung des Wortes „Herr“ in Bezug auf die Erlösung

Bei dem Versuch, das Problem zu lösen, muss man die Bedeutung des Wortes „Herr“ berücksichtigen. Wie bereits erwähnt, hat der Begriff „Herr“ eine Reihe von verschiedenen Facetten und Aspekten. Selbst wenn wir den Aspekt der Herrschaft auf die Errettung beschränken, gibt es Variationen des Konzepts innerhalb der Schrift. Bei der Erörterung des Aspekts der Herrschaft, der rettet, sollten drei Dinge beachtet werden.

Zunächst einmal bedeutet der Ausdruck „Herr“ im Titel „Herr Jeschua“ mehr, als nur der Herr des eigenen Lebens zu werden. Es ist nicht einfach „Herr Jeschua“ im Sinne von „Meister Jeschua“. Vielmehr betont der Begriff „Herr“ Jeschua als Gott, und so betont der Begriff „Herr Jeschua“ Ihn als den Gott-Menschen. Jeschua betont Sein Menschsein. Herr betont seine Gottheit. Herr Jeschua bedeutet also, dass Er der Gott-Mensch ist.

In 1 Korinther 12,3 heißt es, dass kein Mensch sagen kann: Jeschua ist Herr, außer im Heiligen Geist. Unerrettete Menschen mögen es im Sinne von „Herr“ sagen, aber Herr bedeutet auch „im Sinne von Gott sein“, und man kann die Gottheit Jeschuas anerkennen, ohne bereit zu sein, ihn zum Souverän über eine bestimmte Angelegenheit zu machen, wie Petrus es in Apostelgeschichte 10,14 tat. Man kann Jeschua als Gott anerkennen, aber das bedeutet nicht, dass man ihn zum Herrn über jeden Aspekt seines Lebens macht. Petrus wusste von der Gottheit des Messias, er glaubte sie und nahm sie an, aber er versäumte es, ihn in diesem einen Bereich zu diesem Zeitpunkt zum Herrn seines Lebens zu machen.

Den Herrn Jeschua anzunehmen bedeutet, Ihn als den Gott-Menschen zu akzeptieren und nicht als den Souverän über jeden Bereich unseres Lebens. Wenn die Bibel sagt, dass der Ungläubige an den Herrn Jeschua, den Messias, glauben muss, bedeutet das einfach, dass er Ihn als den Gott-Menschen annimmt. Das ist es, was er glaubt und annimmt, wenn er gerettet wird. Er macht Ihn zu diesem Zeitpunkt noch nicht zum Souverän über jeden Bereich seines Lebens. Das Thema der Errettung ist also Herr Jeschua als der Gott-Mensch, nicht Herr Jeschua als der Meister-Mensch.

Als Zweites ist zu beachten, dass der Messias Herr im Sinne Jehovas sein muss, um als Retter qualifiziert zu sein, denn nur Gott kann retten. Seine persönliche Herrschaft über das Leben des Einzelnen ist jedoch keine Bedingung für die Errettung.

Die dritte Sache, die zu beachten ist, ist, dass der griechische Begriff Kurios die Bedeutung von „Gott“ hat, was in der Septuaginta etwas Neues war. Wie schon gesehen, wird der Begriff Kurios im Neuen Testament von Gott, von einem Ehemann, von einem Herrn, von einem römischen Offizier oder einfach als Titel „Herr“ verwendet. Die Herrschaft über einen Gläubigen ist nur ein Aspekt von Kurios. Dieser eine Aspekt allein kann nicht zur Bedingung für die Errettung gemacht werden.

Muss der Messias also Herr über jeden Bereich des eigenen Lebens sein, damit man gerettet werden kann? Ist es das, was es bedeutet, Jeschua als Herrn anzunehmen, oder bedeutet es lediglich, Jeschua als den Gott-Menschen anzunehmen, weil Er sowohl Gott als auch Mensch sein muss, um sich als Retter zu qualifizieren? Es gibt fünf Schlüsselstellen, die diese Frage ansprechen.

In Römer 1,1-4 liest man:
Paulus, ein Knecht des Jeschua Messias, berufen zum Apostel, abgesondert für das Evangelium Gottes, das er zuvor verheißen hat durch seine Propheten in den heiligen Schriften, in Bezug auf seinen Sohn, der geboren ist aus dem Samen Davids nach dem Fleisch, der erklärt worden ist als Sohn Gottes mit Macht, nach dem Geist der Heiligkeit, durch die Auferstehung von den Toten, nämlich Jeschua Messias, unser Herr,

In diesen Versen buchstabiert Paulus das Evangelium klar aus. Er weist auf die Menschlichkeit von Jeschua hin, indem er ihn als Sohn Davids bezeichnet. Er weist auch auf die Gottheit des Messias hin, indem er Ihn den Sohn Gottes nennt. Was die gläubigen Römer rettete, war die Tatsache, dass Jeschua sowohl Gott als auch Mensch war; seine Herrschaft betonte seine Gottheit, nicht seine Herrschaft über jedermanns Leben. In der Tat spricht Paulus nicht einmal über Jeschua als Herrn über das Leben eines Menschen, bis er zu Römer 12 kommt. Aber er bespricht die Herrschaft Jeschuas in dem Sinne, dass Jeschua Gott ist, und das ist es, was man glaubt, wenn man Jeschua als Herrn annimmt – dass Er der Gott-Mensch ist, nicht dass Er der Herr über jeden einzelnen Aspekt des Lebens der Gläubigen ist.

Römer 10,9-10 spricht davon, Jeshua als Herrn zu bekennen:
Denn wenn du mit deinem Munde bekennst, daß Jeschua der Herr ist, und in deinem Herzen glaubst, daß Gott ihn von den Toten auferweckt hat, so wirst du errettet werden; denn mit dem Herzen glaubt der Mensch zur Gerechtigkeit, und mit dem Munde bekennt er zur Errettung.
Nach diesen Versen muss man, um gerettet zu werden, Jeschua als Herrn bekennen. Das ist nicht Herr in dem Sinne, dass man in jeder Facette seines Lebens Herr wird, sondern Herr im Sinne von Gottheit. Er muss die Herrschaft von Jeschua bekennen. Der Begriff Herr betont seine Gottheit, und der Begriff Jeschua betont seine Menschlichkeit, so dass das, was man bekennen muss, der Gott-Mensch zur Errettung ist. Man besitzt Ihn als den Gott-Menschen, um gerettet zu werden. Man besitzt Ihn nicht als den Herrn seines Lebens, um gerettet zu werden.

Apostelgeschichte 2,36 erklärt die Rolle des Vaters dabei:
So soll nun das ganze Haus Israel gewiss wissen, dass Gott ihn zum Herrn und Messias gemacht hat, diesen Jeschua, den ihr gekreuzigt habt.
Dieser Vers erklärt, dass der Vater ihn sowohl zum Herrn als auch zum Messias gemacht hat. Wieder betont der Begriff Herr die Gottheit; der Begriff Messias betont seine Menschlichkeit.

In 1 Korinther 12,3 wird dieses Konzept erneut aufgegriffen:
Darum erkläre ich euch, dass kein Mensch, der im Geist Gottes redet, sagt: Jeschua ist anathema; und kein Mensch kann sagen: Jeschua ist Herr, außer im Heiligen Geist.
Wir wissen, dass Menschen die Worte „Jeschua ist Herr“ in den Mund nehmen können, ohne ihn als den Herrgott zu besitzen. Wieder betont dieser Vers, dass Jeschua sowohl Gott als auch Mensch sein muss, um sich als Retter zu qualifizieren.

Philipper 2,8-11 erklärt, was man bekennen muss:
und da er in Menschengestalt gefunden wurde, erniedrigte er sich selbst und wurde gehorsam bis zum Tod, ja, bis zum Tod am Kreuz. Darum hat ihn auch Gott hoch erhöht und ihm den Namen gegeben, der über alle Namen ist, daß in dem Namen Jeschuas sich beuge jedes Knie, im Himmel und auf Erden und unter der Erde, und jede Zunge bekenne, daß Jeschua, der Messias, der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters.
Auch hier muss man Jeschua, den Messias, als Herrn bekennen in dem Sinne, dass er Gott ist, nicht in dem Sinne, dass er zum Zeitpunkt der Errettung zum Herrn des eigenen Lebens wird.
Diese fünf Passagen, die oft verwendet werden, um die Errettung durch die Herrschaft zu lehren, lehren das in Wirklichkeit nicht. Der Aspekt der Herrschaft, der rettet, ist Seine Gottheit. In der Tat muss Jeschua Gott sein, um Menschen retten zu können. Wenn sie Ihn zum Zeitpunkt der Errettung als ihren Herrn annehmen, dann nehmen sie Ihn als Gott, ihren Retter, an. Sie machen Ihn nicht zum Herrn ihres Lebens und legen jeden Aspekt ihres Lebens zu diesem Zeitpunkt fest. Es erfordert ein gewisses geistliches Wachstum, bevor man dieses Ziel erreicht.

Die Diskussion über das Verhältnis von Herrschaft und Errettung soll mit einer Analogie abgeschlossen werden. Die beiden Begriffe Jeschua und „Herr“ haben verschiedene Facetten. Zum Beispiel weist der Name Jeschua auf seine reale Menschlichkeit hin, die für die Sünden gestorben ist. Er betont seine Menschlichkeit als Beispiel für sein Leben (1 Petrus 2,21; 1 Johannes 2,6). Er impliziert die Wiederkunft (Apostelgeschichte 1,11; Sacharja 12,10). Der Name Jeschua hat also diese verschiedenen Aspekte. Muss man alle diese Aspekte glauben, um gerettet zu werden? Nein, er muss nur den ersten Aspekt glauben, um gerettet zu werden: dass er als Mensch für unsere Sünden gestorben ist. Auch der Begriff „Herr“ hat verschiedene Aspekte. Er könnte „Gott“ oder „Schöpfer“ oder „König“ oder „Herrscher“ bedeuten. Muss man all diese Facetten glauben, um gerettet zu werden? Auch hier ist die Antwort „nein“. Nur der erste Punkt ist für die Errettung notwendig: zu glauben, dass Er Gott ist.

Wenn Gläubige Ihn als Herrn besitzen, besitzen sie Ihn als Gott, und das ist es, was sie rettet. Sie besitzen Ihn nicht als Herrn in jeder Facette ihres Lebens in dem Moment, in dem sie glauben. Das ist etwas, das nach der Errettung geschehen kann, aber nicht Teil davon ist.

Arnold G. Fruchtenbaum – Allein durch den Glauben

Die Frage, die gestellt werden sollte, lautet: „Ist Jesus, der Messias, Herr?“ „Herr“ bedeutet in diesem Fall nicht nur „ein Herr, der zufällig Sklaven besitzt“, sondern Herr im Sinne des Jehovas des Alten Testaments. Ist Jesus der Messias Herr oder der Jehova des Alten Testaments? Wenn die Herrschaft des Messias geleugnet wird, dann kann man einen Dämon vermuten, weil auch der zweite Test nicht bestanden wurde.

Arnold Fruchtenbaum – Dämonologie