Mit diesen Trostgründen

So ermuntert (O. tröstet; so auch Kap 5,11) nun einander mit diesen Worten.)
Elberfelder 1871 – 1.Thessalonicher 4,18

Tröstet euch gegenseitig mit dieser Gewissheit!
Neue Genfer Übersetzung 2013 – 1.Thessalonicher 4:18

Mit diesen Trostgründen beruhige denn Einer den Andern!
van Ess – 1.Thess 4,17

Worum geht es hier? Natürlich darf man den Vers NICHT aus dem Zusammenhang reißen – deshalb schau dir die Verse davor an! Den Vers 17 hatten wir schon einmal angerissen 😉

»So ermuntert nun einander mit diesen Worten«. Paulus‘ Offenbarung ist eine vollständige Antwort auf die Unruhe der thessalonischen Gläubigen bezüglich der Stellung ihrer entschlafenen Angehörigen. Anstatt, daß ihnen etwas entgangen wäre, haben sie den Vortritt bei der Auferstehung und werden in voller Weise an allen zukünftigen Herrlichkeiten und Vorrechten teilhaben, die auf das Volk warten.

Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt

Angesichts der Verankerung des Glaubens im Handeln Gottes kann es keine hoffnungslose Trauer über die Trennung von verstorbenen Personen geben (vgl. V. 13). Wieder verwendet Paulus das Wort »parakalein« (ermutigen/ermahnen). In der aktuellen Situation des Todes haben die Betroffenen es nötig, durch das Zeugnis von der christlichen Hoffnung, von der Auferweckung der Toten, getröstet zu werden. Dies ist der Dienst christlicher Liebe, der »gegenseitig« zu erfolgen hat. Dort, wo der Blick auf Gottes Zukunft durch die Tagesereignisse und -probleme getrübt zu werden droht, ist die gegenseitige Ermahnung (vgl. 5,11) »mit diesen Worten« erforderlich. Denn dieses Ziel gilt es festzuhalten (vgl. Phil 3,13f; Kol 2,18).

Edition C Bibelkommentar

Dann wird auch sofort klar, daß diese Begegnung mit dem Herrn im Luftraum nicht selbst schon das Ende sein kann! Nein, die große Gottesgeschichte und die Weltgeschichte enden nicht damit, daß eine entrückte Gemeinde beim Herrn in der Luft ist! Das wäre ja so, als ob die Hochzeit damit fertig wäre, daß die Brautjungfern den Bräutigam auf der Straße treffen und sich ihm zugesellen. Soll der Bräutigam nun mit ihnen auf der Straße bleiben?! Verweilt Paulus für immer mit den römischen Brüdern in Appiphor und Tretabern? Oder ist der „Advent“ des neuen Kaisers damit zu Ende, daß festliche Scharen ihm vor die Stadt entgegengingen? Bleibt der Kaiser nun sein Leben lang mit einer Schar Getreuer draußen vor Rom? Unmöglich! Unser Brief sagt zwar nicht mehr, weil ihm ja nur am „Trost“ in dem „Zugleich“ der Entrückung liegt. Er ist ein echter Brief, der auf die besonderen Anliegen der Empfänger eingeht, und nicht eine kleine Dogmatik, die ein vollständiges Bild der Eschatologie geben möchte. Für unser persönliches Verständnis des Briefes ist es aber wichtig, daß wir uns bewußt sind: die „Einholung des Herrn“ ist nicht das Letzte, nicht der Schlußpunkt. Sondern notwendig geht es weiter, so wie der Kaiser durch seine „Einholung“ nach Rom gelangt und dort seine Regierung beginnt oder wie Paulus mit den römischen Brüdern nach Rom kommt, um dort seinen Prozeß abzuwarten und intensiv evangelistisch und seelsorgerlich tätig zu sein. Für die „Einholung des Herrn“ durch Seine Gemeinde ist uns aber das Ziel im prophetischen Wort Alten und Neuen Testamentes eindeutig gezeigt: Von der Luft her kommt Jesus mit Seiner Gemeinde zur Erde, vernichtet dort den Antichristen mit dem Hauch Seines Mundes und bringt endlich das, was die Propheten verheißen und was Er selbst, Jesus, in Seinem Erdenleben wieder und wieder angekündigt hat: das Königreich der Himmel auf der Erde!
So bekommt der knappe Satz „Wir werden allzeit mit dem Herrn zusammen sein“ seine inhaltliche Fülle. Mit Ihm zusammen sein, das heißt teilnehmen an all Seinen großen kommenden Taten: am Sturz des antichristlichen Weltreiches, an der Regierung des Herrn auf dieser alten Erde, am Weltgericht vor dem großen weißen Thron und endlich am Durchwalten des neuen Himmels und der neuen Erde vom neuen Jerusalem her.
Noch einmal: Wenn die durch Jesus Entschlafenen an all dem den vollen Anteil haben, dann ist das voller und mächtiger Trost, und die kurze „Zwischenzeit“ kann füglich so beiseite gesetzt werden, wie es in unserem Brief jedenfalls geschieht.
Mit einer Grundfrage wird sich der heutige Leser auseinandersetzen müssen: Ist diese ganze Schilderung hier nicht zu „kompakt“, zu „massiv“? Wir haben uns freilich den Geschmack am biblischen Realismus durch die immer neuen Vergriechungen der Kirche gründlich verderben lassen. Aber bedenken wir doch: Auch die Schöpfung Gottes ist ja nun unleugbar eine sehr „massive“ Sache und nicht ein vergeistigtes Ideenreich! Ebenso ist das Erlösungswerk des Herrn Jesu „kompakt“ bis zu den Hieben, die den wirklichen Körper ganz „massiv“ zerreißen, und zu den Nägeln, die als wirkliche eiserne Nägel durch die Hände dringen und wirkliches rotes Blut fließen lassen. Die ganze Geschichte der Menschheit einschließlich aller Taten Gottes darin ist eine massive, wirkliche, leibhaftige Geschichte. Sollte sich nun am Ende und Ziel alles in Luft und Nebel auflösen? Entspricht nicht allein eine realistische Eschatologie dem Realismus unseres ganzen Daseins? Oder wollen wir unsererseits wirklich auf jenen Vergleich eingehen, den die Herrscher dieser Welt uns so gern anbieten: „Die Seele und der Himmel eurem lieben Gott und euch, aber die Wirklichkeit dieser Erde uns und unsrer Macht!“? Nein, Jesu geistige Geltung im Reich der Ideen ist uns nicht genug! Wir warten genau auf das, was der Brief hier geschildert hat, auf die sichtbare Einlösung Seines königlichen Wortes: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden! Der Beginn dieser Einlösung seines Königswortes heißt: Parusie und Entrückung!
Auf der anderen Seite müssen wir aber auch dies sehen: Wie mächtig zurückhaltend ist das biblische Wort hier wie anderwärts! Vom Zustand der „Toten in Christus“ erfahren wir — nichts! Für die Schilderung der Parusie selbst muß bei allem Realismus ein einziger Satz genügen! Eine Beschreibung des verherrlichten Herrn wird nicht versucht. Und von dem Zustand der vollendeten Glieder der Gemeinde selbst hören wir kein Wort! Zwei Gründe bestimmen diese Zurückhaltung. Einmal weiß jeder, der wirklich Jesus kennt, erst recht das, was schon der Beter im Alten Bunde wissen durfte: „Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde!“ (Ps 73, 25.) Mit Jesus zusammen allezeit — das ist wahrhaft genug! Zugleich aber ist Paulus tief davon durchdrungen: Was Gott uns bereitet hat, das hat kein Auge gesehen, kein Ohr gehört, keines Menschen Herz erfaßt! Wir sehen darum auf „unsichtbare Dinge“ (2 Ko 4, 18), wie auch all das, was Paulus selbst in Visionen vom Paradies sah und hörte, „unaussprechbar“ blieb (2 Ko 12, 4). Könnten wir es aussprechen, sichtbar machen, schildern, so wäre es nicht mehr ewige Vollendung. Darum war es grundmäßig falsch, wenn die Gemeinde — in wenig guter Annäherung an andere Religionen — im Laufe der Zeit immer wieder versucht hat, ihrerseits nachzuholen, was Paulus ihr versagte, und nun doch Schilderungen des Jenseits, des Himmels und der Herrlichkeit zu geben. Mehr wissen und haben wollen als die Männer der Bibel bleibt ein bedenkliches Unterfangen! Es ist auch darum so bedenklich, weil es allzu leicht in jenes „Wissen“ hineinführt, das „bläht“ (1 Ko 8, 1) und dabei von der Liebe ablenkt, in der allein wir das bleibende Wesen der Vollendungswelt jetzt schon erfassen und in uns haben können (1 Ko 13, 13).
Zum Schluß wollen wir uns noch einmal dessen bewußt sein, daß Paulus hier nicht eine „Dogmatik“ schreibt, sondern einen Briefabsatz, der in einer ganz bestimmten Not und Frage die Gemeinde trösten will. Es ist also vieles hier nicht gesagt, was wir zur Vervollständigung des Bildes aus anderen Darlegungen des Apostels ergänzen müssen. Vor allem vom Gericht über die Gemeinde, auf das die Boten in unserem Brief mehrfach mit solchem Ernst hinweisen (Kap. 3, 13; 4, 6; 5, 23), ist hier nicht die Rede. Es kann hier unberücksichtigt bleiben, weil es nicht etwa das „Weltgericht“, das „Jüngste Gericht“, das Gericht vor dem großen weißen Thron ist, das erst viel später nach dem Sturz des Antichrist und nach dem „Tausendjährigen Reich“ stattfindet (vgl. Offb 20, 11–15) und an dem die vollendete Gemeinde als Mitrichter teilnimmt (1 Ko 6, 2. 3). Bei dem Gericht über die Gemeinde geht es ausdrücklich (1 Ko 3, 15!) nicht um Seligwerden oder Verlorengehen. Diese Frage ist entschieden für die Erretteten, so wahr es „Heilsgewißheit“ gibt! Es geht — freilich mit einem erschrekkenden Ernst — um das Lebenswerk der Christen auf Grund ihrer Bekehrung und Wiedergeburt. Davon konnte hier abgesehen werden, weil dadurch grundmäßig an dem Schicksal der „Toten in Christus“ nichts geändert und der Trost der Gemeinde nicht beeinträchtigt wird.

Wuppertaler Studienbibel

Ὥστε παρακαλεῖτε ἀλλήλους ἐν τοῖς λόγοις τούτοις.

The Greek New Testament

    παρακαθέζομαι parakathezomai sich danebensetzen*
    Lk 10, 39 Ptz. Aor. Pass. παρακαθεσθεῖσα in reflexiver Bedeutung von Maria, „die sich zu den Füßen des Herrn niedergesetzt hatte“ (v. 1. παρακαθίσασα).

    παρακαθίζω parakathizō sich danebensetzen Lk 10, 39 v. l. statt → παρακαθέζομαι.παρακαλέω parakaleō bitten, mahnen, trösten

    παράκλησις, εως, ἡ paraklēsis (Er-)Mahnung, Zuspruch, Trost, Bitte, Paraklese*

    Vorkommen – 2. Bedeutungen – a) Entfaltung – b) Abgrenzung – 3. Synopt. – 4. Formgeschichtliches – 5. Pls – a) Allg. – b) 1Thess – c) 2Kor – d) Der theol. Ort der Paraklese bei Pls – 6. Weitere Briefe – 7. Apg.

    Lit.: C. Andresen, Zum Formular frühchristl. Gemeindebriefe: ZNW 56 (1965) 233–259. – R. Asting, Die Verkündigung des Wortes im Urchristentum, St 1958, 171ff. 716–729. – K. Berger, Apostelbrief und apostolische Rede. Zum Formular frühchristl. Briefe: ZNW 65 (1974) 190–231. – C. J. Bjerkelund, Parakalō (BTN 1), Oslo 1967 (Lit.). – N. Brox, Pls und seine Verkündigung, Mn 1966, 55. – R. Bultmann, Das Problem der Ethik bei Pls: ZNW 23 (1924) 123–140. – Ders., Der Stil der pln Predigt und die kynischstoische Diatribe (FRLANT 13), Gö 1910, 96–107. – A. Cavallin, (τὸ) λοιπόν: Eranos 39 (1941) 121–144. – C. H. Dodd, Das Gesetz der Freiheit, Mn 1960, 9–30. – G. Friedrich: RGG V 1137–1144, bes. 1142. – Goppelt Theologie 466f. 495–503. 556–564. – W. Joest, Gesetz und Freiheit, Gö 31961. – E. Käsemann, Gottesdienst im Alltag der Welt, in: Käsemann Versuche II 198–204. – E. Kamlah, Die Form der katalogischen Paränese im NT (WUNT 7), T 1964. – E. Lohse, Paränese und Kerygma im 1Petr: ZNW 45 (1954) 68–89. – U. B. Müller, Prophetie und Predigt im NT (StNT 10), Gü 1975, 118–130. 162–233. – J. T. Sanders, The Transition from Opening Epistolary Thanksgiving to Body in the Pauline Corpus: JBL 81 (1962) 348–362. – H. Schlier, Die Eigenart der christl. Mahnung nach dem Apostel Pls, in: Schlier II 340–359. – E. Schlink, Gesetz und Paraklese, in: Antwort (FS f. K. Barth), Z 1956, 323–335. – O. Schmitz / G. Stählin, παρακαλέω κτλ: ThWNT V 771–798. – W. Schrage, Die konkreten Einzelgebote in der pln Paränese, Gü 1961, 71–115. – E. G. Selwyn, The First Epistle of St. Peter, Lo 31955, 365–466. – F. Selter / G. Braumann: ThBNT I 272–276. – H. D. Wendland, Ethik des NT (NTD Ergänzungsband 4), Gö 1970, 84ff. – P. Wendland, Die urchristl. Lit.-Formen (HNT), T 1912, 276–281; 286f; 290–292. – Weitere Lit. s. ThWNT X 1215.

    Nur 10mal steht π. im Pass., sonst immer im Akt. Auch das Nomen actionis hat nur 7mal pass. Bedeutung. Die Vorliebe des Pls für subst. Formulierungen zeigt sich auch in seinem hohen Anteil am Vorkommen von παράκλησις.
    a) Bei ganz profaner Grundbedeutung wird π./παράκλησις „auf das unbefangenste für die Bezeugung des ntl. Heilsgeschehens in Dienst gestellt“ (Schmitz 797, 18), bleibt trotz seines häufigen theol. Gewichts leicht und vielseitig modulationsfähig und ist nirgends schon auf eine Spezialbedeutung festgelegt (anders διδαχή, εὐαγγέλιον, κήρυγμα). Entspr. vielfältig ist die Syntax (vgl. Bauer Wörterbuch s. v. π. 1–4). Das Wort drückt überwiegend eine persönliche, oft emphatische Zuwendung aus.
    Das schlichte herbeirufen/bitten steht „fast immer irgendwie in Beziehung zur Heilsverkündigung“ (Schmitz 791, 12f; z. B. Hebr 13, 19). Es drückt die Antwort auf die offenbare Heilandsmacht Jesu (Apg 8, 31; diff. Mk 5, 10. 12. 17) – die als Fürsprache einlegen einem Dritten gelten kann (Mk 7, 32; 8, 22; Lk 7, 4 par.; vgl. Phlm 10) – oder ein einladen aus (Akk. der Person; → 7). – Wenn der Redende nicht für sich (oder den Dritten), sondern für den Angeredeten selbst etwas will, ergibt sich die Bedeutung ermuntern (Apg 27, 33f; → παραινέω; negativ warnen/abraten Apg 19, 31; 21, 12); sie entwickelt sich leicht zu allen Nuancen des mahnenden und herzlichen Zuspruchs (2) oder zu gut Zureden, trösten (3).
    2) In der überwiegenden Zahl der Fälle wird eine inhaltliche Angabe bzw. Andeutung über den mahnenden Zuspruch durch ein paralleles Vb. (→ 2.b) und/oder durch Inf.-Konstruktion ausgesprochen (seltener durch Finalsatz, der bei der Bitte häufiger ist). Folgt die mahnende Aussage unverbunden (oder nur durch Anrede eingeleitet), so hat sie den Ton der konkreten Aufforderung (z. B. zum Amt des Ermahnens 1Thess 5, 14; 1Petr 5, 1f; oder zur Unterstützung des Apostels Röm 15, 30; mit dem Ton der Anweisung durch Aor. 1Tim 1, 3; 2Tim 4, 2; diff. Tit 2, 15; → 4.g). Absolutes π. kann auch die Entwicklung zum t. t. „Anwendung der Heilsbotschaft (der Lehrtradition) auf den angeredeten Einzelnen (den aktuellen Fall)“ im Sinn der applicatio anzeigen.
    3) Der ältere jüd. Sprachgebrauch „Endzeit-Tröstung“ (→ 3) bleibt zwar erhalten, tritt aber ganz hinter der Hilfe durch das gegenwärtige Heil – im Wort (2Kor 7, 7) oder im Geschehen (Apg 20, 12) – zurück. – Da im bibl. Trösten immer ein segnendvollziehendes Element mitschwingt (keine Vertröstung: Mt 2, 18), liegt die Verbindung von Trösten und Mahnen zu den Abschiedssegen geben nahe (Apg 16, 40; 20, 1; diff. 15, 32; 2Thess 2, 16 παράκλησις; vgl. Röm 15, 5).
    4) Leicht gehen die Bedeutungen in einander über: Bitten und Mahnen (Apg 16, 15; 2Thess 3, 12); Mahnrede und Stärkung (Kol 2, 2); Trösten und Mahnen (2Kor 2, 7–8). Das hängt im NT speziell mit der Eigenart des Evangeliums zus.: Als παράκλησις führt es den Menschen in die Krise und entfaltet in ihr seine Kraft, und zwar als Anspruch auf ihre Bewältigung und als Zuspruch in ihrer Not.
    5) Im Pass. von π. haben die Stellen für trösten (5mal 2Kor 1 und 7; dazu Lk 16, 25; Apg 20, 12 und mit atl. Vorlage Mt 2, 18; 5, 4) bzw. für stärken (1Thess 3, 7) ein leichtes Übergewicht gegenüber einladen (Apg 28, 14) und mahnen (1Kor 14, 31; sich mahnen lassen 2Kor 13, 11). – Auch παράκλησις hat seltener pass. Bedeutung (Genitivus objectivus 2Kor 1, 5–7; 7, 13; dazu Lk 6, 24 [uneigtl.]; Phlm 7).
    6) Hinter der παράκλησις in akt. Bedeutung stehen als Handelnde: der kommende Messias (Lk 2, 25), Gott (Röm 15, 5; 2Kor 1, 3), Gottes Geist (Apg 9, 31), die Schriften (Röm 15, 4; Hebr 6, 18; 12, 5), der Missionar (1Thess 2, 3), der Charismatiker (Röm 12, 8; 1Kor 14, 3; 1Tim 4, 13; Apg 4, 36), die Gemeinde (Phil 2, 1), ein Brief (Apg 13, 15).
    7) Die akt.-pass. Doppelfunktion von παράκλησις 2Kor 1, 4; 7, 7 (bezogen auf παρεκλήθη und auf ἀναγγέλλων) macht die begriffsbildende Kraft des Pls auch in diesem Bereich deutlich.
    8) Die Tempora werden sorgfältig gewählt (→ 3). Impf. (und Ptz. Präs.) bezeichnen die unsichere Folge (Apg 21, 12) oder die andauernde Rede (Apg 2, 40; – einreden auf Pls 19, 31; nach abgeschlossenem Brief ἔγραψα παρακαλῶν 1Petr 5, 12: „Ich schrieb und ermahne und bezeuge nun noch …“). – Aor. bezeichnet den sicheren Erfolg (Apg 16, 15; diff. 1Kor 16, 12: entschiedene und doch abschlägig beschiedene Bitte) oder das Neue (Apg 16, 39 neben Impf.), Ereignishafte (2Kor 7, 6f neben Ptz. Präs. sowie neben Pf. V. 13) oder Abgeschlossene eines Zuspruchs (Apg 16, 40; vgl. 2, 40 διεμαρτύρατο neben παρεκάλει, → 2.b).
    9) Ein Spezifikum des NT sind auch die von Pls eingeführten theol. Attribute zu π. in Form von Appositionen zum Subjekt (Phlm 9; Eph 4, 1; 1Petr 5, 1) oder zur Anrede (mit ὡς 1Petr 2, 11) oder präp. Wendungen (→ 5.d. 2).
    10) Die Wortgeschichte ist stark beeinflußt von der griech. Rhetorik (P. Wendland) sowie der Form des griech. Briefes (Bjerkelund). Der heutige t. t. Paraklese greift sehr unscharf den alten rhetorischen Gattungsbegriff („eine Rede halten, die um Zustimmung zu einer bestimmten grundsätzlichen Auffassung wirbt“) auf. Die griech. Begriffsentwicklung trifft im Judentum und NT mit einer Linie von der LXX her zus. LXX zeigt das Interesse, eine rel. Sprache auszubilden, in der bestimmte griech. Begriffe bestimmte Gehalte der heiligen Schriften durchgehend repräsentieren. Die Übersetzer verbanden π. (statt παραμυθέομαι) mit hebr. nḥm („trösten“) und mit seinen Äquivalenten (Jes 40, 1–11 LXX). Aus tröstlichem Zuspruch und tröstlicher Fügung wurde die tröstende Gottesrede.

    Im NT geht „Trösten im Angesicht der Endzeit“ über in die Christusverkündigung im Angesicht der Endzeit, die zwei Arten hat: die werbende missionarische Verkündigung und die Gemeinde-Paraklese.

    b) Aus dem Vergleich mit Parallelbegriffen (die öfter in Gruppen stehen, 1Kor 14, 3; 2Kor 13, 11; Phil 2, 1; 1Thess 4, 13; 2Tim 4, 2; vgl. 1Thess 5, 14) läßt sich der spezifische Gehalt von π./παράκλησις gut abgrenzen: Zuspruch bedient sich der Information (Kol 4, 8 par. neben γινώσκοντες) bzw. der Bekundung einer festen Überzeugung (1Petr 5, 12 neben ἐπιμαρτυρῶν). Er erfolgt in der Gemeinde nach Maßgabe der Lehrtradition (Röm 16, 17; 1Kor 4, 13ff; Tit 1, 9). In der Heilsverkündigung bezeichnet π. den Übergang vom Kerygma (informatives διεμαρτύρατο [Aor.!] Apg 2, 40) zur Applikation (παρεκάλει [Impf.!]), deren Ausführung Lukas mit „Laßt euch retten!“ zusammenfaßt. (Emphatisches μαρτυρεῖν neben π. 1Thess 2, 12.) π. dokumentiert so den Doppelcharakter des Wortes als Indikativ und Imperativ (Schmitz 777, 45). – π./παράκλησις macht neben παραγγέλλω u. a. einen Befehl persönlicher und eindringlicher (2Thess 3, 12; 2Kor 10, 1. 6; dagegen bitten statt befehlen Phlm 8f; Ign Röm 4, 1. 3), neben νουθετέω die Strenge der Seelsorge väterlicher (1Kor 4, 14. 16), neben δέομαι die Bitte nachhaltiger (2Kor 8, 4). π./παράκλησις erscheint neben ἐλέγχω nüchterner (Tit 1, 9; 2, 15; vgl. 2Tim 4, 2), neben ἐρωτάω kollegialer, mehr auf freiwillige Erfüllung angelegt (1Thess 4, 1; 5, 12; Phil 4, 2f), neben παραμυθέομαι/παραμυθία(-ιον) noch freundlicher (1Thess 2, 12; Phil 2, 1f). Die immer mit intendierte Wirkung heben στηρίξαι (neben π. τὰς καρδίας 2Thess 2, 17; vgl. Apg 14, 22; 1Thess 3, 2), οἰκοδομεῖτε/οἰκοδομή (1Thess 5, 11 / 1Kor 14, 3 Aufbau durch Mahnung und Trost) und χαρά (2Kor 7, 4; Phlm 7) hervor. 1Kor 14, 31 ist παρακαλῶνται nach προφητεύειν und ἵνα μανθάνωσιν fast mit οἰκοδομεῖσθαι identisch.

    Mk (schwächer Mt und Lk) gebraucht π. freimütig-dringend (kniefällig) bitten als formelhaften Anfang von Heilungsgeschichten. Daneben findet sich drängen (5, 17), wünschen (V. 18; zu VV. 10 und 12 → 2.a. 1). – Erhörungsgewiß bitten (Mt 26, 53) unterscheidet sich durch Aor. leicht von erhörungsungewiß bitten (Impf.: Lk 8, 41; → 2.a. 8). – Mt und Lk nehmen den Klang des Endzeit-Trostes (→ 2.a. 3) mit auf, der in der Ankündigung von Gottes Tat besteht: „Heil den Trauernden, denn sie werden (durch Gottes Eintreten für sie) getröstet werden“ (Mt 5, 4) – bzw. durch die Überwindung der Not dieser Welt (Lk 16, 25). – Lk steht schon in der Paraklese-Tr. des Pls (→ 5): „Johannes mahnte noch viel anderes (π. der Bußpredigt) und setzte so die Verkündigung des Evangeliums für das Volk fort (παρακαλῶν εὐηγγελίζετο)“, 3, 18. Im Einladen des Vaters 15, 28 könnte die werbende Verkündigung durchklingen (die Adresse steht V. 2).
    a) Ntl. Briefe sind „Wort des Zuspruchs“ λόγος παρακλήσεως (Hebr 13, 22). Man kann mit dieser Kurzformel die Absicht (aktuelle Hilfe), die Anlage (Wechsel von Lehre und Mahnung) und den Inhalt (Ermutigung und Warnung) ntl. Briefe zusammenfassen. Vgl. Apg 15, 31; 1Petr 5, 12; Jud 3 (Schmitz 793, 22).
    b) Briefe ergänzen die in den Gemeinden geübte Paraklese (1Kor 1, 6; 1Thess 5, 11b; Kol 2, 1f). Es geht um wechselseitigen Zuspruch: συμπαρακληθῆναι (Röm 1, 11). Fremde Verf. werben daher um Mit-Anerkennung (Hebr 13, 22; Jud 3; Röm 15, 14). Andere Formzwänge für christl. παράκλησις als die Beachtung dieser Wechselseitigkeit gibt es nicht. π. gibt alle formalen Möglichkeiten vom spontan-zufälligen Wort bis zur institutionalisierten Rede um der Agape willen frei.
    c) Paraklese kommt innerhalb der Gemeinde deutlicher zum Ausdruck als in der Einseitigkeit der Missionspredigt (doch → 5.d. 1). π. rechnet (fast) immer mit einer gläubigen bzw. zustimmenden Antwort.
    d) Paraklese redet persönlich, werbend, direkt (im Gegensatz zur Popularphilosophie und zur Spruchweisheit). Sie hat imperativischen Charakter infolge 1) der atl. Gottesrede (mit folgender indikativischer „Begründungsklausel“; zum Haustafel-Impf. vgl. Goppelt 499), 2) des Zuwendungscharakters der Sendung Jesu, 3) der χάρις, die zum persönlichen χάρισμα führen soll. Paraklese ist vorwiegend konkret. Mehr grundsätzliche Ausführungen der Paraklese ergehen meist als Vor- oder Zwischenbemerkungen (1Thess 3, 7–9; 1Petr 1, 13–21; Phil 1, 27–30; 2, 12–18; Eph 4, 17–24; – alle ohne π.).
    e) Paraklese gründet nicht auf gesetzlichen Normen (vgl. Apg 15, 28 mit V. 32; doch → k) und mildert die Gehorsamsforderung zum Bitten ab (anders Jak; Gal 5–6). Ihre Sprache verschleiert weithin die Nahtstelle zwischen Tr. und aktuellem Wort (anders bei den Rabbinen) bzw. zwischen Norm und Rat (anders 1Kor 7 – ohne π.). Autorität wird väterlich geübt (1Kor 4, 13–17; Schlier 342).
    f) Der praktische Charakter der Paraklese läßt in den meisten Briefen keinen Raum für einen selbständigen „dogmatischen“ Teil (vgl. z. B. 1Kor 1, 10; 1Petr 2, 11). Lehrhaftes wird vielmehr in die Danksagung eingebettet (z. B. Eph 1–3; Kol 1, 3ff) oder in die Paraklese (z. B. Eph 4, 7–16; Phil 2, 5ff). Ausnahmen sind Röm und Hebr.
    g) Geistlicher Zuspruch will weiterwirken (Eph 6, 22/Kol 4, 8; 1Kor 16, 15; 1Petr 5, 1; Hebr 3, 13; 10, 25; vgl. Röm 15, 14 u. a.). Eine parakletische Kette der Zuwendung erreicht, von Gott (in Christus) ausgehend (2Kor 5, 20), über die Verkünder die Menschen (→ b) und wirkt immer neu das Annehmen und Weitergeben von Mahnung (Phil 2, 1).
    h) Die Kette der Zuwendung wirkt zurück als Erfahrung stärkenden Zuspruchs: παρεκλήθημεν (1Thess 3, 7; 2Kor 7, 4–7. 13) und als Lobpreis Gottes (2Kor 1, 11, vgl. V. 3 εὐλογητός). Paraklese ist auch hierin im Gottesdienst verankert, vgl. π. als Leitbegriff in Segenssprüchen (2Thess 2, 16f; Röm 15, 5; 2Kor 13, 11).
    i) Im offiziellen griech. Brief bringen „p(arakalō)-Sätze“ („Ich ermahne, daß …“) einen „würdigen und urbanen Ausdruck der Aufforderung, dem alles Befehlende (sc. bei Königsbriefen) oder Untertänige (sc. bei Antragstellern) fernliegt“, und leiten zu einem konkreten Anliegen über (Bjerkelund 110). „Bitten“ kann demnach Ausdruck apostolischer Autorität sein. – Die Aufteilung der Stellen auf diesen (urspr.) profanen Gebrauch und auf einen rel. verkennt allerdings 1) den engen Zshg. der mündlichen und der brieflichen Paraklese, 2) die Leitfunktion von π. (→ 5.b), 3) die schwierige Abgrenzung „typischer“ π.-Sätze (vgl. die Äquivalenz von λέγω, μαρτύρομαι, ἐρωτάω usw.) sowie 4) die „Emphase“ der gerade mit den π.-Sätzen verbundenen präp. Wendungen, Röm 12, 1 (E. Käsemann, Röm [HNT] z. St.); 15, 30 (→ 5.d. 2).
    k) Paraklese und Lehrtradition stehen in engem Wechselverhältnis. Oft folgen auf π. Briefteile mit hohem Anteil paränetischer Tr. Gemeindepredigt und Brief hatten vielfach die Form einer Applikation der Tr. für die gegenwärtigen Hörer – wie es angesichts der jungen (1Thess 4, 1ff) oder der angefochtenen Gemeinden (Anfechtungs-Paraklese Hebr 10, 32ff; 12, 1ff in Anlehnung an die Tr. von Jak 1, 2–12 par.) auch nahelag (zum Verhältnis Lehrnorm – Geistwirken vgl. H. D. Wendland). – Past und Jud ziehen die Linie des Pls aus: seine Anleitung, zu bewahren, zu aktualisieren und die Botschaft – als sittlichen Willen Gottes – auf sich selbst und auf die Hörer zu applizieren (1Kor 4, 13–17; Röm 16, 17f).

    a) Die hohe Modulationsfähigkeit und theol. Relevanz von π./παράκλησις im NT wird vor allem durch Pls (und Apg) belegt. Nur einmal drückt Pls das Anrufen des Kyrios mit π. aus (2Kor 12, 8), läßt aber oft Mahnen in Bitten übergehen (vgl. Phlm 8 mit V. 10). Sachbetontes Auffordern → 2.a. 2. Meist erinnert der werbende Klang des π. unüberhörbar an die Rettungsbotschaft.

    b) 1Thess zeigt die Verkündigung als aktuellpraktische Erneuerung der Berufung. Im Dank- und Rechenschaftsteil Kap. 1–3 schildert Pls die Erstverkündigung und ihre Wirkung. „Unser Predigen“ (ἡ παράκλησις ἡμῶν 2, 3) meint neben den Worten die Haltung des Verkünders: seine in Anfechtung gereifte Freiheit und seine volle Zuwendung zu den Hörern und zum Dienst (VV. 1–12), deren Frucht ein lauterer und leidensstarker Glaube (VV. 13f) und – rückwirkend – der Trost für den Verkündiger ist (3, 7). – Die Berufung zum Glauben zielt nicht in eine rel.-dogmatische Gedankenwelt, sondern in den „Alltag der Welt“ (Käsemann 200f). Hier begegnen sich alter und neuer Äon. „Weiter bitten und ermahnen wir euch“ leitet – mit formelhaftem λοιπόν (4, 1; s. Cavallin) – nicht einen ethischen Briefanhang, sondern die aktuelle Erneuerung der Berufung mit dem Ziel des Zunehmens ein. Dies nennt Pls 1) brüderlich (V. 1), 2) Zuwendung Christi selbst ἐν κυρίῳ, 3) Erinnern an empfangene Tr., 4) Vergewisserung der Bewahrung im Gericht (V. 6; 5, 9). – Die Heiligung (V. 7) ist Frucht, nicht Bedingung des Zuspruchs und dieser Vergewisserung. – Die Paraklese bettet das Aktuelle – das offen und ohne versteckte Anspielung genannt wird (vor allem 4, 10b–12. 13–18) – in fünf Anläufen (5mal π. mit wechselnder Nuance in 4, 1ff) in das Traditionelle ein und zielt dabei immer auf den wechselseitigen Zuspruch in der Gemeinde, und zwar über Klärung der Lehre (4, 15–18) und deren sittliche Anwendung (5, 1–11) sowie über die Gemeindeordnung, in deren Rahmen die Paraklese eigens zum Thema wird (5, 12–25). Die Serie der knappen Anweisungen an die Leitenden (VV. 14–15a) geht bruchlos in Anweisungen zum Gemeindeleben über, wie sie gern am Schluß der Paraklese stehen (Phil 4, 2–9; Kol 4, 2–6; Hebr 13, 1–21; Eph 6, 18–20; vgl. Röm 15, 30–33; 16, 17–20). – Die Paraklese mündet in den Segensspruch (VV. 23f), der ihr Anliegen als eigene Sache Gottes bezeugt.

    c) 2Kor zeigt π./παράκλησις als fruchtbaren Beistand Gottes in der Krisensituation des Menschen (1, 3–4). Mittel dieser göttlichen Paraklese sind 1) Worte: als Rettungsbotschaft (5, 20), als brüderlicher (1, 4), verzeihender (2, 7), warnender (6, 2), wechselseitiger (13, 11) Zuspruch; als Hinweis auf Jesu Beispiel (10, 1), als gute Nachricht (7, 4–7. 13), als kirchlicher Auftrag (8, 6. 17; vgl. 9, 5). – Mittel der Paraklese sind 2) Erfahrungen: der Zuwendung Gottes (1, 3), bes. zum Gedemütigten (7, 6a), der tröstlichen Wirkung des Glaubens (1, 4) und des Segens des Leides (1, 6f). – π. ist die Klammer, die vom rettenden Ruf bis zur künftigen Herrlichkeit die Anfechtung und den Glauben verbindet und in Spannung hält (4, 13–17).

    d) 1) Missionsbotschaft und Gemeindeparaklese bleiben darin gleich, daß der Hörer die Zeiten-Krise (bleibend) als persönliche Krise erfährt. Darum kann Pls den mit Gott bereits Versöhnten zurufen: „Wir bitten (hiermit jetzt) als Helfer Christi: laßt euch (Imp.) versöhnen mit Gott!“ (2Kor 5, 20). Die imperativische Anrede gründet nicht nur im Bedrohtsein des Menschen durch die Sünde, sondern primär in seinem Personsein, seiner Erwählung zum Partner Gottes, seinem Angewiesensein auf Gottes Anruf.

    2) Christus selbst segnet, indem er die παράδοσις an den Herzen bestätigt; so gibt Gott Mut für die Zukunft: παράκλησιν αἰωνίαν (2Thess 2, 15f). Darum charakterisieren kurze theol., speziell präp. Wendungen mit διά (κυρίου), ἐν (κυρίῳ) u. a. (vgl. ὑπέρ 2Thess 2, 1) die παράκλησις (→ 4.i). Das volle Gewicht der Heilserkenntnis bringt Pls für die Füllung dieses offenen Begriffes ein (→ 5.b zu 1Thess 4, 1; Übersicht über Wendungen mit διά bei Bjerkelund 163–173).



    Nur 10mal steht π. im Pass., sonst immer im Akt. Auch das Nomen actionis hat nur 7mal pass. Bedeutung. Die Vorliebe des Pls für subst. Formulierungen zeigt sich auch in seinem hohen Anteil am Vorkommen von παράκλησις.
    a) Bei ganz profaner Grundbedeutung wird π./παράκλησις „auf das unbefangenste für die Bezeugung des ntl. Heilsgeschehens in Dienst gestellt“ (Schmitz 797, 18), bleibt trotz seines häufigen theol. Gewichts leicht und vielseitig modulationsfähig und ist nirgends schon auf eine Spezialbedeutung festgelegt (anders διδαχή, εὐαγγέλιον, κήρυγμα). Entspr. vielfältig ist die Syntax (vgl. Bauer Wörterbuch s. v. π. 1–4). Das Wort drückt überwiegend eine persönliche, oft emphatische Zuwendung aus.
    Das schlichte herbeirufen/bitten steht „fast immer irgendwie in Beziehung zur Heilsverkündigung“ (Schmitz 791, 12f; z. B. Hebr 13, 19). Es drückt die Antwort auf die offenbare Heilandsmacht Jesu (Apg 8, 31; diff. Mk 5, 10. 12. 17) – die als Fürsprache einlegen einem Dritten gelten kann (Mk 7, 32; 8, 22; Lk 7, 4 par.; vgl. Phlm 10) – oder ein einladen aus (Akk. der Person; → 7). – Wenn der Redende nicht für sich (oder den Dritten), sondern für den Angeredeten selbst etwas will, ergibt sich die Bedeutung ermuntern (Apg 27, 33f; → παραινέω; negativ warnen/abraten Apg 19, 31; 21, 12); sie entwickelt sich leicht zu allen Nuancen des mahnenden und herzlichen Zuspruchs (2) oder zu gut Zureden, trösten (3).
    2) In der überwiegenden Zahl der Fälle wird eine inhaltliche Angabe bzw. Andeutung über den mahnenden Zuspruch durch ein paralleles Vb. (→ 2.b) und/oder durch Inf.-Konstruktion ausgesprochen (seltener durch Finalsatz, der bei der Bitte häufiger ist). Folgt die mahnende Aussage unverbunden (oder nur durch Anrede eingeleitet), so hat sie den Ton der konkreten Aufforderung (z. B. zum Amt des Ermahnens 1Thess 5, 14; 1Petr 5, 1f; oder zur Unterstützung des Apostels Röm 15, 30; mit dem Ton der Anweisung durch Aor. 1Tim 1, 3; 2Tim 4, 2; diff. Tit 2, 15; → 4.g). Absolutes π. kann auch die Entwicklung zum t. t. „Anwendung der Heilsbotschaft (der Lehrtradition) auf den angeredeten Einzelnen (den aktuellen Fall)“ im Sinn der applicatio anzeigen.
    3) Der ältere jüd. Sprachgebrauch „Endzeit-Tröstung“ (→ 3) bleibt zwar erhalten, tritt aber ganz hinter der Hilfe durch das gegenwärtige Heil – im Wort (2Kor 7, 7) oder im Geschehen (Apg 20, 12) – zurück. – Da im bibl. Trösten immer ein segnendvollziehendes Element mitschwingt (keine Vertröstung: Mt 2, 18), liegt die Verbindung von Trösten und Mahnen zu den Abschiedssegen geben nahe (Apg 16, 40; 20, 1; diff. 15, 32; 2Thess 2, 16 παράκλησις; vgl. Röm 15, 5).
    4) Leicht gehen die Bedeutungen in einander über: Bitten und Mahnen (Apg 16, 15; 2Thess 3, 12); Mahnrede und Stärkung (Kol 2, 2); Trösten und Mahnen (2Kor 2, 7–8). Das hängt im NT speziell mit der Eigenart des Evangeliums zus.: Als παράκλησις führt es den Menschen in die Krise und entfaltet in ihr seine Kraft, und zwar als Anspruch auf ihre Bewältigung und als Zuspruch in ihrer Not.
    5) Im Pass. von π. haben die Stellen für trösten (5mal 2Kor 1 und 7; dazu Lk 16, 25; Apg 20, 12 und mit atl. Vorlage Mt 2, 18; 5, 4) bzw. für stärken (1Thess 3, 7) ein leichtes Übergewicht gegenüber einladen (Apg 28, 14) und mahnen (1Kor 14, 31; sich mahnen lassen 2Kor 13, 11). – Auch παράκλησις hat seltener pass. Bedeutung (Genitivus objectivus 2Kor 1, 5–7; 7, 13; dazu Lk 6, 24 [uneigtl.]; Phlm 7).
    6) Hinter der παράκλησις in akt. Bedeutung stehen als Handelnde: der kommende Messias (Lk 2, 25), Gott (Röm 15, 5; 2Kor 1, 3), Gottes Geist (Apg 9, 31), die Schriften (Röm 15, 4; Hebr 6, 18; 12, 5), der Missionar (1Thess 2, 3), der Charismatiker (Röm 12, 8; 1Kor 14, 3; 1Tim 4, 13; Apg 4, 36), die Gemeinde (Phil 2, 1), ein Brief (Apg 13, 15).
    7) Die akt.-pass. Doppelfunktion von παράκλησις 2Kor 1, 4; 7, 7 (bezogen auf παρεκλήθη und auf ἀναγγέλλων) macht die begriffsbildende Kraft des Pls auch in diesem Bereich deutlich.
    8) Die Tempora werden sorgfältig gewählt (→ 3). Impf. (und Ptz. Präs.) bezeichnen die unsichere Folge (Apg 21, 12) oder die andauernde Rede (Apg 2, 40; – einreden auf Pls 19, 31; nach abgeschlossenem Brief ἔγραψα παρακαλῶν 1Petr 5, 12: „Ich schrieb und ermahne und bezeuge nun noch …“). – Aor. bezeichnet den sicheren Erfolg (Apg 16, 15; diff. 1Kor 16, 12: entschiedene und doch abschlägig beschiedene Bitte) oder das Neue (Apg 16, 39 neben Impf.), Ereignishafte (2Kor 7, 6f neben Ptz. Präs. sowie neben Pf. V. 13) oder Abgeschlossene eines Zuspruchs (Apg 16, 40; vgl. 2, 40 διεμαρτύρατο neben παρεκάλει, → 2.b).
    9) Ein Spezifikum des NT sind auch die von Pls eingeführten theol. Attribute zu π. in Form von Appositionen zum Subjekt (Phlm 9; Eph 4, 1; 1Petr 5, 1) oder zur Anrede (mit ὡς 1Petr 2, 11) oder präp. Wendungen (→ 5.d. 2).
    10) Die Wortgeschichte ist stark beeinflußt von der griech. Rhetorik (P. Wendland) sowie der Form des griech. Briefes (Bjerkelund). Der heutige t. t. Paraklese greift sehr unscharf den alten rhetorischen Gattungsbegriff („eine Rede halten, die um Zustimmung zu einer bestimmten grundsätzlichen Auffassung wirbt“) auf. Die griech. Begriffsentwicklung trifft im Judentum und NT mit einer Linie von der LXX her zus. LXX zeigt das Interesse, eine rel. Sprache auszubilden, in der bestimmte griech. Begriffe bestimmte Gehalte der heiligen Schriften durchgehend repräsentieren. Die Übersetzer verbanden π. (statt παραμυθέομαι) mit hebr. nḥm („trösten“) und mit seinen Äquivalenten (Jes 40, 1–11 LXX). Aus tröstlichem Zuspruch und tröstlicher Fügung wurde die tröstende Gottesrede.

    Im NT geht „Trösten im Angesicht der Endzeit“ über in die Christusverkündigung im Angesicht der Endzeit, die zwei Arten hat: die werbende missionarische Verkündigung und die Gemeinde-Paraklese.

    b) Aus dem Vergleich mit Parallelbegriffen (die öfter in Gruppen stehen, 1Kor 14, 3; 2Kor 13, 11; Phil 2, 1; 1Thess 4, 13; 2Tim 4, 2; vgl. 1Thess 5, 14) läßt sich der spezifische Gehalt von π./παράκλησις gut abgrenzen: Zuspruch bedient sich der Information (Kol 4, 8 par. neben γινώσκοντες) bzw. der Bekundung einer festen Überzeugung (1Petr 5, 12 neben ἐπιμαρτυρῶν). Er erfolgt in der Gemeinde nach Maßgabe der Lehrtradition (Röm 16, 17; 1Kor 4, 13ff; Tit 1, 9). In der Heilsverkündigung bezeichnet π. den Übergang vom Kerygma (informatives διεμαρτύρατο [Aor.!] Apg 2, 40) zur Applikation (παρεκάλει [Impf.!]), deren Ausführung Lukas mit „Laßt euch retten!“ zusammenfaßt. (Emphatisches μαρτυρεῖν neben π. 1Thess 2, 12.) π. dokumentiert so den Doppelcharakter des Wortes als Indikativ und Imperativ (Schmitz 777, 45). – π./παράκλησις macht neben παραγγέλλω u. a. einen Befehl persönlicher und eindringlicher (2Thess 3, 12; 2Kor 10, 1. 6; dagegen bitten statt befehlen Phlm 8f; Ign Röm 4, 1. 3), neben νουθετέω die Strenge der Seelsorge väterlicher (1Kor 4, 14. 16), neben δέομαι die Bitte nachhaltiger (2Kor 8, 4). π./παράκλησις erscheint neben ἐλέγχω nüchterner (Tit 1, 9; 2, 15; vgl. 2Tim 4, 2), neben ἐρωτάω kollegialer, mehr auf freiwillige Erfüllung angelegt (1Thess 4, 1; 5, 12; Phil 4, 2f), neben παραμυθέομαι/παραμυθία(-ιον) noch freundlicher (1Thess 2, 12; Phil 2, 1f). Die immer mit intendierte Wirkung heben στηρίξαι (neben π. τὰς καρδίας 2Thess 2, 17; vgl. Apg 14, 22; 1Thess 3, 2), οἰκοδομεῖτε/οἰκοδομή (1Thess 5, 11 / 1Kor 14, 3 Aufbau durch Mahnung und Trost) und χαρά (2Kor 7, 4; Phlm 7) hervor. 1Kor 14, 31 ist παρακαλῶνται nach προφητεύειν und ἵνα μανθάνωσιν fast mit οἰκοδομεῖσθαι identisch.

    Mk (schwächer Mt und Lk) gebraucht π. freimütig-dringend (kniefällig) bitten als formelhaften Anfang von Heilungsgeschichten. Daneben findet sich drängen (5, 17), wünschen (V. 18; zu VV. 10 und 12 → 2.a. 1). – Erhörungsgewiß bitten (Mt 26, 53) unterscheidet sich durch Aor. leicht von erhörungsungewiß bitten (Impf.: Lk 8, 41; → 2.a. 8). – Mt und Lk nehmen den Klang des Endzeit-Trostes (→ 2.a. 3) mit auf, der in der Ankündigung von Gottes Tat besteht: „Heil den Trauernden, denn sie werden (durch Gottes Eintreten für sie) getröstet werden“ (Mt 5, 4) – bzw. durch die Überwindung der Not dieser Welt (Lk 16, 25). – Lk steht schon in der Paraklese-Tr. des Pls (→ 5): „Johannes mahnte noch viel anderes (π. der Bußpredigt) und setzte so die Verkündigung des Evangeliums für das Volk fort (παρακαλῶν εὐηγγελίζετο)“, 3, 18. Im Einladen des Vaters 15, 28 könnte die werbende Verkündigung durchklingen (die Adresse steht V. 2).
    a) Ntl. Briefe sind „Wort des Zuspruchs“ λόγος παρακλήσεως (Hebr 13, 22). Man kann mit dieser Kurzformel die Absicht (aktuelle Hilfe), die Anlage (Wechsel von Lehre und Mahnung) und den Inhalt (Ermutigung und Warnung) ntl. Briefe zusammenfassen. Vgl. Apg 15, 31; 1Petr 5, 12; Jud 3 (Schmitz 793, 22).
    b) Briefe ergänzen die in den Gemeinden geübte Paraklese (1Kor 1, 6; 1Thess 5, 11b; Kol 2, 1f). Es geht um wechselseitigen Zuspruch: συμπαρακληθῆναι (Röm 1, 11). Fremde Verf. werben daher um Mit-Anerkennung (Hebr 13, 22; Jud 3; Röm 15, 14). Andere Formzwänge für christl. παράκλησις als die Beachtung dieser Wechselseitigkeit gibt es nicht. π. gibt alle formalen Möglichkeiten vom spontan-zufälligen Wort bis zur institutionalisierten Rede um der Agape willen frei.
    c) Paraklese kommt innerhalb der Gemeinde deutlicher zum Ausdruck als in der Einseitigkeit der Missionspredigt (doch → 5.d. 1). π. rechnet (fast) immer mit einer gläubigen bzw. zustimmenden Antwort.
    d) Paraklese redet persönlich, werbend, direkt (im Gegensatz zur Popularphilosophie und zur Spruchweisheit). Sie hat imperativischen Charakter infolge 1) der atl. Gottesrede (mit folgender indikativischer „Begründungsklausel“; zum Haustafel-Impf. vgl. Goppelt 499), 2) des Zuwendungscharakters der Sendung Jesu, 3) der χάρις, die zum persönlichen χάρισμα führen soll. Paraklese ist vorwiegend konkret. Mehr grundsätzliche Ausführungen der Paraklese ergehen meist als Vor- oder Zwischenbemerkungen (1Thess 3, 7–9; 1Petr 1, 13–21; Phil 1, 27–30; 2, 12–18; Eph 4, 17–24; – alle ohne π.).
    e) Paraklese gründet nicht auf gesetzlichen Normen (vgl. Apg 15, 28 mit V. 32; doch → k) und mildert die Gehorsamsforderung zum Bitten ab (anders Jak; Gal 5–6). Ihre Sprache verschleiert weithin die Nahtstelle zwischen Tr. und aktuellem Wort (anders bei den Rabbinen) bzw. zwischen Norm und Rat (anders 1Kor 7 – ohne π.). Autorität wird väterlich geübt (1Kor 4, 13–17; Schlier 342).
    f) Der praktische Charakter der Paraklese läßt in den meisten Briefen keinen Raum für einen selbständigen „dogmatischen“ Teil (vgl. z. B. 1Kor 1, 10; 1Petr 2, 11). Lehrhaftes wird vielmehr in die Danksagung eingebettet (z. B. Eph 1–3; Kol 1, 3ff) oder in die Paraklese (z. B. Eph 4, 7–16; Phil 2, 5ff). Ausnahmen sind Röm und Hebr.
    g) Geistlicher Zuspruch will weiterwirken (Eph 6, 22/Kol 4, 8; 1Kor 16, 15; 1Petr 5, 1; Hebr 3, 13; 10, 25; vgl. Röm 15, 14 u. a.). Eine parakletische Kette der Zuwendung erreicht, von Gott (in Christus) ausgehend (2Kor 5, 20), über die Verkünder die Menschen (→ b) und wirkt immer neu das Annehmen und Weitergeben von Mahnung (Phil 2, 1).
    h) Die Kette der Zuwendung wirkt zurück als Erfahrung stärkenden Zuspruchs: παρεκλήθημεν (1Thess 3, 7; 2Kor 7, 4–7. 13) und als Lobpreis Gottes (2Kor 1, 11, vgl. V. 3 εὐλογητός). Paraklese ist auch hierin im Gottesdienst verankert, vgl. π. als Leitbegriff in Segenssprüchen (2Thess 2, 16f; Röm 15, 5; 2Kor 13, 11).
    i) Im offiziellen griech. Brief bringen „p(arakalō)-Sätze“ („Ich ermahne, daß …“) einen „würdigen und urbanen Ausdruck der Aufforderung, dem alles Befehlende (sc. bei Königsbriefen) oder Untertänige (sc. bei Antragstellern) fernliegt“, und leiten zu einem konkreten Anliegen über (Bjerkelund 110). „Bitten“ kann demnach Ausdruck apostolischer Autorität sein. – Die Aufteilung der Stellen auf diesen (urspr.) profanen Gebrauch und auf einen rel. verkennt allerdings 1) den engen Zshg. der mündlichen und der brieflichen Paraklese, 2) die Leitfunktion von π. (→ 5.b), 3) die schwierige Abgrenzung „typischer“ π.-Sätze (vgl. die Äquivalenz von λέγω, μαρτύρομαι, ἐρωτάω usw.) sowie 4) die „Emphase“ der gerade mit den π.-Sätzen verbundenen präp. Wendungen, Röm 12, 1 (E. Käsemann, Röm [HNT] z. St.); 15, 30 (→ 5.d. 2).
    k) Paraklese und Lehrtradition stehen in engem Wechselverhältnis. Oft folgen auf π. Briefteile mit hohem Anteil paränetischer Tr. Gemeindepredigt und Brief hatten vielfach die Form einer Applikation der Tr. für die gegenwärtigen Hörer – wie es angesichts der jungen (1Thess 4, 1ff) oder der angefochtenen Gemeinden (Anfechtungs-Paraklese Hebr 10, 32ff; 12, 1ff in Anlehnung an die Tr. von Jak 1, 2–12 par.) auch nahelag (zum Verhältnis Lehrnorm – Geistwirken vgl. H. D. Wendland). – Past und Jud ziehen die Linie des Pls aus: seine Anleitung, zu bewahren, zu aktualisieren und die Botschaft – als sittlichen Willen Gottes – auf sich selbst und auf die Hörer zu applizieren (1Kor 4, 13–17; Röm 16, 17f).

    a) Die hohe Modulationsfähigkeit und theol. Relevanz von π./παράκλησις im NT wird vor allem durch Pls (und Apg) belegt. Nur einmal drückt Pls das Anrufen des Kyrios mit π. aus (2Kor 12, 8), läßt aber oft Mahnen in Bitten übergehen (vgl. Phlm 8 mit V. 10). Sachbetontes Auffordern → 2.a. 2. Meist erinnert der werbende Klang des π. unüberhörbar an die Rettungsbotschaft.

    b) 1Thess zeigt die Verkündigung als aktuellpraktische Erneuerung der Berufung. Im Dank- und Rechenschaftsteil Kap. 1–3 schildert Pls die Erstverkündigung und ihre Wirkung. „Unser Predigen“ (ἡ παράκλησις ἡμῶν 2, 3) meint neben den Worten die Haltung des Verkünders: seine in Anfechtung gereifte Freiheit und seine volle Zuwendung zu den Hörern und zum Dienst (VV. 1–12), deren Frucht ein lauterer und leidensstarker Glaube (VV. 13f) und – rückwirkend – der Trost für den Verkündiger ist (3, 7). – Die Berufung zum Glauben zielt nicht in eine rel.-dogmatische Gedankenwelt, sondern in den „Alltag der Welt“ (Käsemann 200f). Hier begegnen sich alter und neuer Äon. „Weiter bitten und ermahnen wir euch“ leitet – mit formelhaftem λοιπόν (4, 1; s. Cavallin) – nicht einen ethischen Briefanhang, sondern die aktuelle Erneuerung der Berufung mit dem Ziel des Zunehmens ein. Dies nennt Pls 1) brüderlich (V. 1), 2) Zuwendung Christi selbst ἐν κυρίῳ, 3) Erinnern an empfangene Tr., 4) Vergewisserung der Bewahrung im Gericht (V. 6; 5, 9). – Die Heiligung (V. 7) ist Frucht, nicht Bedingung des Zuspruchs und dieser Vergewisserung. – Die Paraklese bettet das Aktuelle – das offen und ohne versteckte Anspielung genannt wird (vor allem 4, 10b–12. 13–18) – in fünf Anläufen (5mal π. mit wechselnder Nuance in 4, 1ff) in das Traditionelle ein und zielt dabei immer auf den wechselseitigen Zuspruch in der Gemeinde, und zwar über Klärung der Lehre (4, 15–18) und deren sittliche Anwendung (5, 1–11) sowie über die Gemeindeordnung, in deren Rahmen die Paraklese eigens zum Thema wird (5, 12–25). Die Serie der knappen Anweisungen an die Leitenden (VV. 14–15a) geht bruchlos in Anweisungen zum Gemeindeleben über, wie sie gern am Schluß der Paraklese stehen (Phil 4, 2–9; Kol 4, 2–6; Hebr 13, 1–21; Eph 6, 18–20; vgl. Röm 15, 30–33; 16, 17–20). – Die Paraklese mündet in den Segensspruch (VV. 23f), der ihr Anliegen als eigene Sache Gottes bezeugt.

    c) 2Kor zeigt π./παράκλησις als fruchtbaren Beistand Gottes in der Krisensituation des Menschen (1, 3–4). Mittel dieser göttlichen Paraklese sind 1) Worte: als Rettungsbotschaft (5, 20), als brüderlicher (1, 4), verzeihender (2, 7), warnender (6, 2), wechselseitiger (13, 11) Zuspruch; als Hinweis auf Jesu Beispiel (10, 1), als gute Nachricht (7, 4–7. 13), als kirchlicher Auftrag (8, 6. 17; vgl. 9, 5). – Mittel der Paraklese sind 2) Erfahrungen: der Zuwendung Gottes (1, 3), bes. zum Gedemütigten (7, 6a), der tröstlichen Wirkung des Glaubens (1, 4) und des Segens des Leides (1, 6f). – π. ist die Klammer, die vom rettenden Ruf bis zur künftigen Herrlichkeit die Anfechtung und den Glauben verbindet und in Spannung hält (4, 13–17).

    d) 1) Missionsbotschaft und Gemeindeparaklese bleiben darin gleich, daß der Hörer die Zeiten-Krise (bleibend) als persönliche Krise erfährt. Darum kann Pls den mit Gott bereits Versöhnten zurufen: „Wir bitten (hiermit jetzt) als Helfer Christi: laßt euch (Imp.) versöhnen mit Gott!“ (2Kor 5, 20). Die imperativische Anrede gründet nicht nur im Bedrohtsein des Menschen durch die Sünde, sondern primär in seinem Personsein, seiner Erwählung zum Partner Gottes, seinem Angewiesensein auf Gottes Anruf.

    2) Christus selbst segnet, indem er die παράδοσις an den Herzen bestätigt; so gibt Gott Mut für die Zukunft: παράκλησιν αἰωνίαν (2Thess 2, 15f). Darum charakterisieren kurze theol., speziell präp. Wendungen mit διά (κυρίου), ἐν (κυρίῳ) u. a. (vgl. ὑπέρ 2Thess 2, 1) die παράκλησις (→ 4.i). Das volle Gewicht der Heilserkenntnis bringt Pls für die Füllung dieses offenen Begriffes ein (→ 5.b zu 1Thess 4, 1; Übersicht über Wendungen mit διά bei Bjerkelund 163–173).

    Exegetisches Wörterbuch zum Neuen Testament

      — 4. ermuntern, zusprechen, trösten (Plut., Otho 16,2. Gen 37,35. Ps 118,50. Hi 4,3) m. Akk. d. Pers. (Sir 48,24. Jos., bell. 1,667. TestRub 4,4) 2Kor 14b 76a. 1Kl 59,4. B 14,9 (Jes 61,2). H 38,10. παρακαλεῖν τινα ἔν τινι jmdn. durch etw. trösten 2Kor 76b. π. τινα ἐπί τινι jmdn. in bezug auf etw. trösten 14a. π. τινα ὑπέρ τινος jmdn. zugunsten von oder in etw. ermuntern 1Th 32. παρακαλεῖτε ἀλλήλους ἐν τοῖς λόγοις τούτοις sprecht einander mit diesen Worten Trost zu 418.

      Griechisch-Deutsches Wörterbuch zu den Schriften des Neuen Testaments und der frühchristlichen Literatur

      Trost (sprachlich verwandt mit »trauen«), die von Gott geschenkte Glaubenszuversicht, auch in größter Enttäuschung u. in ausweglosen, leidvollen Situationen durch die unbegreifliche Liebe Gottes getragen zu sein (Ps 39,8; 71,21; 73,26; Sir 51,35; 2 Kor 1,3–6). Oft tröstet der Glaube in der Gestalt der 🡕Hoffnung auf die Erfüllung der Zusagen Gottes (Mt 5,4). Aufgabe der Getrösteten ist es, andere zu trösten (2 Kor 13,11; 1 Thess 4,18; 5,14 u. ö.). In Leid- u. Notsituationen wirken phrasenhafte Vertröstungen u. das Fehlen von 🡕Mitleid u. 🡕Solidarität verheerend.

      Neues Theologisches Wörterbuch

      Hier wie sonst geschieht das Getröstetwerden durch Menschen; aber es ist nur darum wirklich Trost, weil Gott der letztlich und wesentlich Tröstende ist. Dementsprechend wird er in dem großen Trostkapitel des NT als „der Gott jeder Tröstung“ gepriesen, „der uns in unserer ganzen Bedrängnis tröstet, damit wir die zu trösten vermögen, die in jeder Bedrängnis sind, mit der Tröstung, mit der wir selber von Gott getröstet werden (2 K 1, 3f). So wird aus der Leidensgemeinschaft zwischen dem Apostel und der Gemeinde eine Trostgemeinschaft, und zwar beides in reichlichem Ausmaße (2 K 1, 5–7). Bedeutsam ist, daß hier παράκλησις und σωτηρία beisammenstehen und daß die Tragkraft der Korinther im Leiden, in der die Tröstung wirksam wird, den Apostel mit sicherer Hoffnung für sie erfüllt. Mit anderen Worten: obwohl es sich um die tröstende Hilfe durch das gegenwärtige Heil Gottes handelt, steht dieses Getröstetwerden im Licht der zukünftigen Errettung184. Nicht umsonst stehen hier wie 2 Th 2, 16 und R 15, 4 παράκλησις und ἐλπίς nahe beieinander. Aus diesem Eingetauchtsein in den göttlichen Trost rät Paulus den Korinthern im Blick auf seinen Beleidiger, nunmehr „zu verzeihen und zu trösten“ (2 K 2, 7). In allen diesen Fällen geschieht die tröstende Gegenwirkung gegen die Betrübnis durch Worte, wie es 1 Th 4, 18 auch ausdrücklich sagt. Doch erfolgt das tröstende παρακαλεῖν, im Unterschied von dem bittenden und ermahnenden παρακαλεῖν, nicht nur durch Worte, sondern auch durch Geschehnisse, wie die Ankunft des Titus (2 K 7, 6), die Errettung des Paulus aus höchster Todesgefahr (vgl 2 K 1, 3ff mit 1, 8–11) und die Wiederbelebung des Eutychus (Ag 20, 12).

      Theologisches Wörterbuch zum Neuen Testament Kittel