Dann werden meine Feinde umkehren an dem Tage, da ich rufe; dieses weiß ich, daß Gott für mich ist. (O. denn Gott ist für mich) Elberfelder 1871 – Psalm 56,10
Dann werden meine Feinde zurückweichen an dem Tage, da ich rufe; das weiß ich ja, dass Gott bei mir ist. Die Philippson-Bibel – Psalm 56:10
Dann müssen rückwärts meine Feinde sich kehren am Tag, da ich rufe, – dies erkannte ich, daß Gott für mich ist. Buber & Rosenzweig 1976 – Ps 56,10
Es kommt der Tag, an dem meine Feinde weichen müssen – auch dies wird ein Tag sein, an dem ich zu dir rufe. Eines weiß ich jetzt schon: Gott ist auf meiner Seite! Neue Genfer Übersetzung 2013 – Ps 56:10
So werden denn meine Feinde weichen, sobald (zu Gott) ich rufe; dessen bin ich gewiß, daß Gott mir beisteht. Menge 1967 – Psalter 56,10
Wenn wir die aktuellenNachrichten uns anschauen, dann merken wir schnell, dass sich Gottes Volk Israel von fast der gesamten Welt gehasst wird. Leider werden diese aber momentan immer wieder dazu manipuliert, auf die restlichen wenigen Länder und Völker zu vertrauen, die ihnen momentan noch vor der UNO „den Rücken freihalten“. Aber die Bibel zeigt deutlich: Gottes Volk Israel muss zu IHM schreien, damit ER rettend eingreift, ja das ER wirklich wieder kommt! David hatte dies damals verstanden: der einzige der wirklich helfen kann: Jehovah – denn ER ist treu und allmächtig! Wer also heute versucht, Gottes Volk dazu zu bewegen, auf menschliche Führer zu vertrauen, ist in Wirklichkeit ein Werkzeug des Widersachers, der unbedingt Gottes Volk völlig zerstören will, bevor dieses nach „seinem Gott“ rufen kann!
David war voller Vertrauen, weil Gott ihn ganz genau kannte und sogar seine Tränen zählte. Das Bild, daß Gott Davids Tränen in einem Weinschlauch sammelte, bedeutet, daß Gott sein Leiden nicht vergessen hatte. Aufgrund dieser Tatsache konnte David voller Vertrauen sagen: Gott ist für mich.
Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar
Der Autor ist zuversichtlich, dass seine Feinde besiegt werden, wenn er Gott um Hilfe anruft (Vers 9). Diese Zuversicht beruht auf seiner Gewissheit, dass Gott auf seiner Seite steht (Vers 9c). Das Verb in Zeile a wird von RSV und TEV als Passiv übersetzt (will be turned back); es ist jedoch besser, es als Aktiv zu verstehen, wie es die meisten Übersetzungen tun: „will turn back“. In Zeile c, wie auch anderswo, kann die hebräische Konjunktion ki als „dass“ (Dies weiß ich, dass Gott …) oder als „weil“ („Ich weiß dies, weil Gott …“) verstanden werden; siehe Text und Rand von TEV und RSV. Vers 10 ist im Hebräischen in Form und Bedeutung ähnlich wie Vers 4a; die Aussage wird wiederholt, zuerst mit Gott und dann mit dem Herrn (siehe RSV); TEV hat die beiden Zeilen verkürzt und zu einer zusammengefasst. Wenn der Ausdruck, dessen Wort ich preise, zweimal wiederholt wird, erscheint er in vielen Sprachen als unnötige Wiederholung und kann daher wie in TEV auf eine Zeile reduziert werden. Wenn der Übersetzer dem TEV folgt und das Wort mit „Versprechen“ übersetzt, wird es in einigen Sprachen notwendig sein, z. B. zu sagen: „Ich spreche gut von dem, was er verspricht.“
Bratcher – Ein Übersetzerhandbuch zum Buch der Psalmen
In den Versen 8-9 erinnerte David den Herrn an die Leiden, die er im Exil ertragen hatte, und meinte dann, dass diese Leiden ihn dazu qualifizierten, dass seine Gebete erhört und seine Feinde besiegt würden. Das würde David die Gewissheit geben, dass Gott hinter seiner Sache steht (Röm 8,31-39). Gott wusste um Davids Wanderungen und zählte sie (121,8), und er hatte auch seine Tränen bewahrt (siehe 2. Könige 20,1-6). Gott listete seine Tränen auf seiner Schriftrolle auf (v. 8, NIV), oder legte sie in seine Flasche oder seinen Weinschlauch (KJV, NASB). Archäologen haben kleine „Tränenflaschen“ ausgegraben, in denen Trauernde ihre Tränen auffingen und die Flasche dann an der Grabstätte deponierten. Es geht einfach darum, dass Gott weiß, was wir fühlen und wie wir leiden, und dass seine Aufzeichnungen genau sind (69:28; 87:6; 130:3; 139:16; Ex. 32:32; Neh. 13:14; Hes. 13:9; Dan. 7:10; Mal. 3:16; Offb. 20:12; 21:27). David wiederholte den Refrain in den Versen 10-11, aber er benutzte diesmal den Bundesnamen „Jehova“.
Warren W. Wiersbe – Sei Commentary Serie
Der nächste Doppelpunkt enthält eine rhetorische Frage und einen impliziten Vergleich: „Stehen sie nicht in deinem Buch?“ Der Sinn der Frage besteht darin, zu bestätigen, dass sie es sind. Aber das Buch ist auch bildlich gemeint, denn Gottes Wissen muss nicht auf einer schriftlichen Aufzeichnung beruhen (der Ausdruck ist wie das Buch des Gedächtnisses; siehe Mal 3,16; Dan 7,10). Die Schmerzen und Ängste des Psalmisten, die ihn zum Umherirren veranlassten, waren Gott voll und ganz bekannt, so wie ein Mensch schriftliche Aufzeichnungen führt, um sie nicht zu vergessen. Während dieser Abschnitt also anschaulich sein Vertrauen in Gottes Fürsorge für ihn schildert, verwandelt er ihn in ein Gebet, dass Gott sein Leiden besonders zur Kenntnis nimmt. Durch die Verwendung von Zahlen ist es ein Appell an Gott, dies mit Barmherzigkeit zu tun.
Wenn Gott das tut, dann werden die Feinde zurückgedrängt. Wenn Gott durch die ungerechte Behandlung seines Volkes zum Mitleid bewegt wird, wird er sozusagen eingreifen und sie ändern. In dieser Zeile behauptet er, dass die Feinde umkehren werden (יָשׁוּבוּ; s.v. Ps. 126:1) (das Substantiv אָחוֹר, „Hinterteil, Hindernis“, wird hier adverbial verwendet). Das Verb und dieses Wort zusammen ergeben den Begriff „zurückschlagen“. Die Feinde werden von Gott zurückgeschlagen. Der Psalmist will, dass die Unterdrückung durch die Feinde aufhört und die Feinde selbst für immer gestürzt werden. Dies wird geschehen, sagt er, „wenn ich rufe“ (בְּיוֹם אֶקְרָא). Diese Konstruktion ähnelt der von Vers 3; „an dem Tag, an dem“ deutet auf eine Zeitklausel hin, und das Imperfekt betont die Möglichkeit – wann immer ich rufen mag. Wenn er seinen Gott um Hilfe anruft, wird das Ergebnis sein, dass die Feinde zurückgedrängt (d. h. besiegt) werden.
Der nächste Doppelpunkt sagt, warum das so ist: „Das weiß ich (d.h. „ich weiß das“), dass Gott für mich ist. Das Verb „ich weiß“ (יָדַעְתִּי) weist auf die Art von Wissen hin, das durch persönliche Erfahrung gewonnen wird (s.v. Ps. 67:2; und Ps. 139:1). Und er weiß, dass Gott für ihn ist, auf seiner Seite. Diese Erkenntnis gründet sich auf Gottes Wort an ihn, für das er Gott lobt; aber sie wird in der Weise verwirklicht, dass Gott sein Wort gehalten hat. Und wenn Gott für ihn ist, wer kann dann gegen ihn bestehen? Oder, wie er sagt: „Was kann Fleisch gegen ihn tun?“
Allen P. Ross – Ein Kommentar zu den Psalmen
»Am Tag, da ich rufe« ist gleich konstruiert wie »am Tag, da ich mich ängste« (V. 4). Das wollen wir von David lernen: Er macht den Tag der Angst zu einem Tag des Rufens (wie in 20,2; und wie Asaph: 77,2). Und was geschah? Da mussten seine »Feinde weichen«. Wenn wir rufen, werden sie weichen, aber nicht eher. Wann werden wir’s endlich glauben? »Das weiß ich«: Wir dürfen wissen, dass Gott für uns ist. Wir müssen es sogar wissen; sonst wird die Drangsal uns überwältigen und der Schmerz uns verschlingen. Gott war die ganze Zeit für Hiob, aber so lange er meinte, Gott sei gegen ihn, war ihm sein Leiden unerträglich. Erst als er sich vertrauensvoll an Gott wandte und sich ihm ergab, legte sich der Friede Gottes wie kühlender Balsam auf seine brennende Seele. Jetzt wusste er, dass Gott sein Freund war; jetzt konnte er bekennen: »Mein Auge hat dich gesehen« (Hi 42,5). »Gott ist für mich«: Das ist der Siegesruf des Glaubenden, das ist das Rühmen des Erwählten, Berufenen, Gerechtfertigten und Verherrlichten: »Ist Gott für uns, wer mag wider uns sein?« (Röm 8,30). Die Feinde – die anders als bei David nicht Menschen aus Fleisch und Blut, sondern geistliche Mächte der Bosheit sind (Eph 6,12) – mögen schnauben, aber sie vermögen nichts. Wenn ich in diesem Vertrauen zu Gott rufe, »müssen meine Feinde weichen«. Was bewegt sie plötzlich zur Umkehr? Gottes Hand hält sie zurück, Gottes Hand wendet sie; denn auch sie sind in seiner Hand.
Und frühmorgens, als es noch sehr dunkel war, stand er auf und ging hinaus und ging hin an einen öden Ort und betete daselbst. Elberfelder 1871 – Markus 1,35
Am nächsten Morgen verließ Jesus lange vor Sonnenaufgang die Stadt und zog sich an eine abgelegene Stelle zurück. Dort betete er. Gute Nachricht Bibel 2018 – Markus 1:35
Und frühmorgens, als es noch tief in der Nacht war, stand er auf ‹und› ging hinaus. Und er ging weg an einen einsamen, ‹öden› Ort. Und dort war er am Beten. Jantzen & Jettel 2017 – Mk 1,35
Ganz früh am nächsten Morgen, noch halb in der Nacht, ging Jesus aus dem Ort hinaus an eine einsame Stelle. Dort betete er. Das Buch – 2009 – Mk 1:35
Beten nach Plan? Oder ist Beten etwa ein Gespräch – und für ein gutes Gespräch möchte man „keine Ablenkung“ und ist deshalb mit „seinem Gegenüber“ gern allein, um über alle Dinge zu sprechen, die einem auf dem Herzen sind. Ist Gebet für dich genau das: ein „Gespräch mit einem Gegenüber“??
Trotz der Anstrengung des vergangenen Tages (V. 21 – 34) stand Jesus am nächsten Morgen noch vor Tage auf (etwa um vier Uhr morgens) und ging hinaus an eine einsame (erEmon, „unbewohnt, abgelegen“) Stätte und betete dort. Er zog sich vor dem Ansturm der Menschen in Kapernaum in die Wüste zurück – den Ort, an dem er zum ersten Mal Satan begegnet war und seinen Versuchungen widerstanden hatte (vgl. V. 12 – 13). Dreimal zeigt Markus Jesus im Gebet: zu Beginn seines Berichts (V. 35), in der Mitte (Mk 6,46) und am Ende (Mk 14,32-42). Jedesmal ist eine Atmosphäre von Dunkelheit und Einsamkeit um ihn. In allen drei Situationen stand Jesus vor der Versuchung, seinen messianischen Auftrag auf angenehmere, weniger mühselige Art und Weise zuerfüllen. Doch jedesmal gab das Gebet ihm Kraft, die übernommene Aufgabe weiterzuführen.
Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar
Herrlichkeit … der schillernde Glanz der Gegenwart Gottes‘ verhüllt in menschlichem Fleisch. Herrlichkeit … nicht auf den Flügeln der Engel, sondern im Schoß einer jugendlichen Bäuerin. Herrlichkeit … nicht auf einem Kissen neben den knisternden Scheiten eines Kamins‘ sondern in einem Futtertrog inmitten des dampfenden Dungs von Schafen und Ziegen.
Jochanan beschrieb Jeschuas Herrlichkeit mit diesem Satz: Es war „die Sch’khinah des einzigen Sohnes des Vaters‘ voller Gnade und Wahrheit“ (Joh 1,14). Jeschuas Herrlichkeit war nicht seine blendende Schönheit und Pracht – seine Herrlichkeit war sein Status als einziger Sohn des Vaters.
Wie hat Jeschua diese herrliche Gemeinschaft aufrechterhalten? „Sehr früh am Morgen‘ als es noch dunkel war‘ stand Jeschua auf‘ ging weg‘ an einen einsamen Ort und blieb dort betend“; die Zeitform in diesem Satz deutet darauf hin, dass dies Jeschuas ständige Gewohnheit war (Markus 1,35). Selbst im dunklen Schatten des Richtpfahls betete er: „Vater, verherrliche deinen Namen!“ (Johannes 12,28). Durch die Gebete des Juden Jesus können wir einen Blick auf das innere Leben Gottes werfen. Wir sehen. … ein Gott, der Freude daran hat, das Unerwartete zu tun. … ein Gott, der unsere Annahmen über seine Werke und seine Wege erschüttert. … ein Gott, der eine Gemeinschaft schaffen will, die seine Herrlichkeit widerspiegelt. … ein Gott, der sich so sehr nach einer neuen Zukunft für uns sehnt, dass er bereit war, seinen Sohn zu opfern, um sie zu schaffen.
Und das ist noch nicht alles. Genauso wichtig ist, dass die Gebete, die Jeschua betete, offenbaren, dass es im Zentrum von Gottes Wesen eine herrliche Gemeinschaft des Gebets gibt. Das bedeutet, dass wir, wenn wir beten, nicht nur ein paar Sätze an den Herrscher des Universums schicken – obwohl das an sich schon erstaunlich genug wäre. Durch das Gebet haben wir „Anteil an der Natur Gottes“ (2 Petrus 1,4). Wir erleben die unendliche‘ innere Gemeinschaft Gottes. Wir erhalten einen Vorgeschmack auf die glorreiche Zukunft, die Gott für uns geplant hat. Karl Barth sagte einmal: „Sich im Gebet die Hände zu reichen, ist der Beginn eines Aufstandes gegen die Unordnung der Welt. „Ich denke, er hatte Recht. Wenn ich bete, nehme ich teil am inneren Leben des Einen, der sich danach sehnt, dass seine Schöpfung seine eigene Herrlichkeit vollkommen widerspiegelt, und der bereit war, den Juden Jesus, seinen kostbaren Messias, zu opfern, um seine Sehnsucht erfüllt zu sehen.
Timothy – P. Jones Beten wie der Jude Jesus – Die antiken Wurzeln des neutestamentlichen Gebets wiederentdecken
Früh am nächsten Morgen ging Jeschua allein los, um zu beten. Er suchte eine Zeit der Einsamkeit, eine Zeit weg von den Menschenmassen und doch eine Zeit mit dem Vater, um sich auf die nächste Phase seines Dienstes vorzubereiten (Markus 1,35; Lukas 4,42). Als die Apostel ihn fanden, teilte er ihnen mit, dass er nicht in Kapernaum bleiben würde, sondern von Stadt zu Stadt gehen würde, um die gute Nachricht vom Königreich zu verkünden (Markus 1,38; Lukas 4,43). Dies würde Jeschuas zweite große Predigttour sein.
Arnold Fruchtenbaum – Jeschua – Das Leben des Messias aus einer messianisch-jüdischen Perspektive
Die Wüste ist der wesentliche Übergang. Ohne diese zweifache Lektion wird es keine Begegnung mit einem heiligen Gott geben. Wir stellen uns manchmal eine geistliche Reise vor, die einen sofortigen Übergang von Ägypten zum Sinai bietet, die uns von den alten Wegen trennt und uns in die vollständige Offenbarung bringt, ohne die Realitäten von Disziplin, Prüfung und Vorbereitung. Aber wir werden die Begegnung mit einem heiligen Gott nicht wollen, wenn wir immer noch denken, dass wir etwas in uns selbst sind. Der früheste Bericht über das Leben des Messias beginnt in der Wüste. Johannes ist „die Stimme eines Rufenden in der Wüste“, die vom Propheten Jesaja vorausgesagt wurde (Markus 1,3). Wie Mose ruft er die Israeliten hinaus in die Wüste, um Gott zu begegnen. Sie bereiten sich auf die Begegnung vor, indem sie im Jordan untertauchen und ihre Sünden bekennen. Auch Jeschua geht zu Johannes in die Wüste und wird ebenfalls untergetaucht, um dann weiter in die Wüste zu gehen und versucht zu werden. Nach der Versuchung ist er bereit, in die Dörfer und Städte Israels zurückzukehren, aber er kehrt immer wieder in die Wüste zurück, um Gott zu suchen und zu beten (Markus 1,35.45; Lukas 5,16). Im weiteren Verlauf der Geschichte nimmt er auch seine Jünger mit in die Wüste. Sie etablieren einen Rhythmus der Auseinandersetzung mit den Bedürfnissen der Menschen und des Rückzugs in die Gegenwart Gottes. Wüste ist wesentlich für unsere Bildung als Volk und als Individuen. Wir müssen die Wüste, die Stille und die Einsamkeit als Quellen der spirituellen Fülle annehmen. Andere Disziplinen, wie Fasten, Abstinenz von Unterhaltung oder einfach das Befolgen des Gebots, am Schabbat von unseren eigenen Werken abzulassen, führen uns zurück in die Wüste. Dort erinnern wir uns an eine zweifache Lektion: Wir sind verletzlich und abhängig, und Gott begegnet uns in unserer Abhängigkeit.
Russell Resnik – Tore zur Tora
Nur Markus und Lukas (Lk 4,42ff.) berichten diesen Vorfall. Die Art, wie Markus erzählt, deutet darauf hin, dass er die anschauliche Schilderung des Petrus wiedergibt. Obwohl der vorausgehende Abend (Mk 1, 32) anstrengend war, erhebt sich Jesus »am frühen Morgen, noch vor Tage« (Mk 1, 35). Es ist die Zeit zwischen 3 und 6 Uhr morgens. »Er verließ die Stadt« (d. i. Kapernaum), weil er die Einsamkeit suchte. Vermutlich stieg er die Anhöhen westlich oder nordwestlich von Kapernaum hinauf. »Dort betete er.« Nach der Grammatik des griech. Textes ist daraus zu schließen, dass er längere Zeit im Gebet verweilte. Häufig weisen die Evangelien auf solche Gebetszeiten Jesu hin (vgl. Mt 14,23; 26,36; Lk 3,21; 5,16; 6,12; 9,18.28; 11,1). Offensichtlich konnte Jesus nur wirken, weil er viel und dringlich betete. Tun wir dies auch? Doch Jesus fand nicht die Ruhe, die er sich gewünscht hatte.
Gerhard Maier – Edition C
Mächtig ist die Volksbewegung in Kapernaum geworden. Das Volk sieht in Jesus vor allem den Wundermann und Helfer in aller materiellen Not.
Jesus entzieht Sich diesem Treiben, indem Er noch vor Sonnenaufgang, als es noch völlig Nacht war, in die Einsamkeit geht, um Sich im Gebet Kraft und Orientierung vom Vater zu holen. Noch mehrere Male, aber im ganzen recht sparsam und zurückhaltend (Markus 1,45;6,46;14,32; Lk 5,16;6,12;9,18), wird von den Evangelisten ein solcher Vorgang: Er ging fort an eine einsame Stätte, wo Er betete, vermerkt. Häufig genug mag im Leben des Heilandes dieser Gebetsvorgang sich ereignet haben.
Wichtig ist hier, in V 35 zu beobachten, daß drei Zeitbestimmungen die Morgen frühe betonen: 1. proi = frühmorgens – 2 ennycha = nächtlicherweise (dieses Wort steht im ganzen NT nur hier) -. lian = sehr. Man kann daraufhin so übersetzen: „Als es noch völlig Nacht war.“ Als also alles noch im Schlafe lag, noch völlig Nacht war, da drängt es den Sohn Gottes zum Vater. Im Gebet flieht der Sohn in die tiefste Einsamkeit.
„Was das Gebetsleben Jesu vor allem kennzeichnet, ist also die Verborgenheit, in der es verläuft. Wenn der Herr von den Seinen fordert: Betest du, dann gehe in dein Kämmerlein, schließ die Türe zu und bete zu deinem Vater im Verborgenen (Mt 6,6), so hat Er das vor allem selbst geübt. Nirgends betet Er lieber denn in der Einsamkeit, dort, wo kein anderer Mensch ist, wo nur der Vater ist. Und da Er das Volk entlassen hatte, stieg Er auf einen Berg, um allein zu beten. Und es war sehr spät. Und Er war dort allein (Mt 14,23 = Markus 6,46;Johannes 6,15). In nächtlicher Einsamkeit, wo geheimnistiefes Schweigen um Ihn war, da fand Er Seinen Vater, Ihn allein. In Lk 6,12 erfahren wir: Und es begab sich in diesen Tagen, daß Er auf einen Berg ging, um zu beten. Und Er verbrachte die ganze Nacht im Gebet zu Gott.
Dieses einsame Beten Jesu floß aber nicht bloß aus dem Bedürfnis Seiner Andacht, konzentriert, gesammelt zu beten. Noch ein viel Größeres lag hier verborgen. Es ist die geheimnisschwere Einsamkeit des Sohnes. In Seiner menschlichen Seele war ein Punkt, und zwar gerade der tiefste, innerste Punkt, der völlig menschenleer, völlig erdenfrei, der restlos allen irdischen Beziehungen entrückt, der in einer schlechthin überirdischen Aufgeschlossenheit dem Vater geweiht war. „Der Vater‘ war Seine Welt, Seine Wirklichkeit, Sein Leben. Erst durch den Vater wird Sein Leben, Sein irdisches Leben fruchtbarste Wirksamkeit. Jesu Beten ist nichts anderes denn ein immer neues Fühlungnehmen mit dem Vater, eine beglückende Nötigung, die Einsamkeit Seines Ich im Du des Vaters zu entspannen und auszulösen. Gerade im Gebet schließt Er sich mit dem Vater in eine Einheit zusammen, an der sonst niemand von den Menschen Teil hat, nicht einmal Seine Jünger. Der Vater, zu dem Er ruft, gehört Ihm in ganz besonderem Sinne an. Jesu Beten ist ein einzigartiges Beten, weil es die Einsamkeit des Sohnes mit dem Vater ist.“ (Vgl. Karl Adam „Jesus Christus“ S. 146.)
F. Rienecker – Wuppertaler Studienbibel
Bemerkenswert ist wieder die zweite Zeitangabe (s. Anm. zu 1,32). Indem Markus ausdrücklich einen Zeitpunkt noch vor Sonnenaufgang markiert (Anm. zu 13,35), schließt er aus, daß Jesu Beten sich aus der jüdischen Sitte des Morgengebetes erklärte. Fromme Juden übten drei tägliche Gebete: das erste bei Sonnenaufgang, das zweite um 15.00 Uhr zur Zeit des Abendopfers im Tempel und das dritte bei Sonnenuntergang. Beten darüber hinaus, gar zu jeder Zeit, stieß auf Skepsis, galt teilweise sogar als verboten, um nicht den Allerhöchsten zu belästigen (Bill. II, 237f.1036). Jesus aber betete stundenlang und zu untraditionellen Zeiten (vgl. 6,46; 14,32ff), nach Lk 6,12 durch die ganze Nacht hindurch. Jedenfalls fiel sein Beten auf (Lk 11,1). Er war der Beter ohnegleichen, der Sohn. So werden mitten im Heilungsbetrieb zu Kapernaum die Linien des Sohneszeugnisses nachgezogen und damit auch die Wunder Jesu eingeordnet (s. zu 1,27). Daß sie keinesfalls ausgeschieden werden sollen, wird V. 39 zeigen. Jesu Beten stand hier und 6,46 und ganz deutlich 9,29 im Zusammenhang mit seiner Wundertätigkeit.
Adolf Pohl – Wuppertaler Studienbibel
Jesus stand schon »frühmorgens, als es noch sehr dunkel war«, auf und ging an einen Platz, wo er nicht abgelenkt wurde, um dort eine Zeit im Gebet zu verbringen. Der Knecht Gottes öffnete jeden Morgen sein Ohr, um von Gott dem Vater Anweisungen für den Tag zu erhalten (Jes 50,4.5). Wenn der Herr Jesus es nötig hatte, morgens eine »Stille Zeit« einzulegen – wie viel mehr haben wir es nötig! Man beachte, dass er zu einer Zeit betete, die von ihm ein Opfer verlangte. Er stand auf und ging hinaus, als es noch sehr dunkel war, d. h. sehr früh am Morgen. Das Gebet sollte nicht eine Sache der persönlichen Bequemlichkeit sein, sondern der Selbstzucht und der Hingabe. Erklärt das vielleicht, warum heute so viel unfruchtbarer Dienst getan wird?
MacDonald – Kommentar zum Neuen Testament
Der Herr hatte einen Tag unermüdlichen Dienstes in Kapernaum verbracht. Dennoch stand er früh auf, um an einem einsamen Ort mit Gott im Gebet Gemeinschaft zu pflegen und seinen Geist zu erfrischen. Es gibt zwei Worte im griechischen Text, die anzeigen, wie früh es war, als er Simons Hausverließ und sich zu einem einsamen Ort begab: „sehr früh“, und „nachts“. Diese wertvolle Mitteilung, die wir ausschließlich bei Markus finden, erinnert an das prophetische Wort über den Dienenden Herrn: „Erweckt jeden Morgen, er weckt mir das Ohr, damit ich höre gleich solchen, die belehrt werden.“ (Jes 50, 4). Das unterstreicht die völlige Abhängigkeit des Vollkommenen Dieners, der doch Sohn Gottes war, währender Jahwe dienend auf der Erde wandelte. Gebet ist der Ausdruck von Abhängigkeit. Jesus bedurfte Zeiten der Zurückgezogenheit und Gemeinschaft, in denen er sich immer wieder von neuem auf den Vater werfen konnte, dessen Ehre er suchte und für dessen Ruhm er gekommen war um zudienen und zu leiden. Bevor er in einen neuen Abschnitt seines Dienstes eintrat, verbrachte er Zeit allein mit Gott. Darin ist er unser Beispiel. Wie oft versagen wir in unserem Dienst, weil wir den heiligen, vertrauten Umgang mit dem Vater versäumen. Jeder Diener Gottes kennt die Wichtigkeit des Alleinseins im Gebet mit Gott, denn nur darin liegt das wahre Geheimnis der Kraft zu Dienen.
Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt
BIBLISCHE BESINNUNG: DER MORGEN
Jeder neue Morgen ist ein neuer Anfang unsers Lebens. Jeder Tag ist ein abgeschlossenes Ganzes. Der heutige Tag ist die Grenze unsers Sorgens und Mühens (Mt 6,34 Jac 4,14). Er ist lang genug, um Gott zu finden oder zu verlieren, um Glauben zu halten oder in Sünde und Schande zu fallen. Darum schuf Gott Tag und Nacht, damit wir nicht im Grenzenlosen wanderten, sondern am Morgen schon das Ziel des Abends vor uns sähen. Wie die alte Sonne doch täglich neu aufgeht, so ist auch die ewige Barmherzigkeit Gottes alle Morgen neu (Klag. 3,23). Die alte Treue Gottes allmorgendlich neu zu fassen, mitten in einem Leben mit Gott täglich ein neues Leben mit ihm beginnen zu dürfen, das ist das Geschenk, das Gott uns mit jedem neuen Morgen macht. In der heiligen Schrift ist der Morgen eine Zeit voller Wunder. Er ist die Stunde der Hilfe Gottes für seine Kirche (Ps 46,6), die Stunde der Freude nach einem Abend des Weinens (Ps 30,6), die Stunde der Verkündigung des göttlichen Wortes (Zeph 3,5), der täglichen Austeilung des heiligen Mannas (2 Mose 16,13 f). Vor Tagesanbruch geht Jesus beten (Mk 1,35), in der Frühe gehen die Frauen zum Grab und finden Jesus auferstanden, im Morgengrauen finden die Jünger den Auferstandenen am Ufer des Sees von Tiberias (Joh 21,4). Es ist die Erwartung der Wunder Gottes, die die Männer des Glaubens früh aufstehn läßt (1 Mos 19,27 2 Mos 24,4 Hiob 1,5 und öfter). Der Schlaf hält sie nicht mehr. Sie eilen der frühen Gnade Gottes entgegen. Beim Erwachen vertreiben wir die finsteren Gestalten der Nacht und die wirren Träume, indem wir alsbald den Morgensegen sprechen und uns für diesen Tag für Hilfe dem dreieinigen Gott befehlen. Böse Launen, unbeherrschte Stimmungen und Wünsche und Sorgen, die wir am Tag nicht mehr los werden, sind oft genug Nachtgespenster, die nicht beizeiten verjagt worden sind und uns den Tag vergällen wollen. In die ersten Augenblicke des neuen Tages gehören nicht eigene Pläne und Sorgen, auch nicht der Übereifer der Arbeit, sondern Gottes befreiende Gnade, Gottes segnende Nähe. Wen die Sorge frühzeitig aufweckt, zu dem sagt die Schrift: „es ist umsonst, daß ihr frühe aufsteht und hernach lange sitzet und esset euer Brot mit Tränen“ (Ps 127,2). Nicht die Angst vor dem Tag, nicht die Last der Werke, die ich zu tun vorhabe, sondern der Herr „weckt mich alle Morgen; er weckt mir das Ohr daß ich höre wie ein Jünger“; so heißt es vom Knecht Gottes (Jes 50,4). Bevor das Herz sich der Welt aufschließt, will Gott es sich erschließen, bevor das Ohr die unzähligen Stimmen des Tages vernimmt, soll es in der Frühe die Stimme des Schöpfers und Erlösers hören. Die Stille des ersten Morgens hat Gott für sich selbst bereitet. Ihm soll sie gehören. Vor das tägliche Brot gehört das tägliche Wort. Nur so wird auch das Brot mit Danksagung empfangen. Vor die tägliche Arbeit gehört das morgendliche Gebet. Nur so wird die Arbeit in der Erfüllung des göttlichen Befehls getan. Für stille Gebetszeit und gemeinsame Andacht muß der Morgen eine Stunde hergeben. Das ist wahrhaftig keine vergeudete Zeit. Wie könnten wir anders gerüstet den Aufgaben, Nöten und Versuchungen des Tages entgegengehen? Und ob wir auch oft nicht „in Stimmung“ dafür sind, so ist es doch schuldiger Dienst an dem, der von uns angerufen, gelobt und gebeten sein will und der uns unsern Tag nicht anders als durch sein Wort und unser Gebet segnen will. Es ist nicht gut von „Gesetzlichkeit“ zu reden, wo es um die Ordnung unsers christlichen Lebens, um die Treue in den gebotenen Dingen des Schriftlesens und Betens geht. Unordnung zersetzt und zerbricht den Glauben. Das muß der Theologe besonders lernen, der Zuchtlosigkeit so leicht mit evangelischer Freiheit verwechselt. Wer einmal ein ausfüllendes geistliches Amt versehen und nicht in Betriebsamkeit sich und seine Arbeit zugrunde richten will, der lerne beizeiten die geistliche Disziplin des Dieners Jesu Christi. Der junge Theologe wird es als eine große Hilfe erfahren, wenn er sich für sein stilles Gebet und für die Andacht feste Zeiten setzt, die er in großer Beharrlichkeit und Geduld einhält. Die stille Gebetszeit braucht jeder Christ. Der Theologe, der Christ sein will, braucht sie nötiger als irgend ein anderer. Er braucht mehr Zeit für Gottes Wort und für das Gebet, denn dazu ist er besonders [ein]gesetzt (Akta 6,4). Wie sollen wir den Tag über mit Gottes Wort umgehen, predigen und unterweisen lernen, anderer Menschen Last brüderlich tragen helfen, wenn wir nicht selbst Gottes Hilfe für den Tag erfahren haben? Wir wollen ja nicht Schwätzer und Routiniers werden. Es ist ratsam der stillen Gebetszeit ein Wort Gottes zugrunde zu legen. Das gibt dem Gebet Inhalt, festen Grund und Zuversicht. Es kann für eine Woche derselbe Schriftabschnitt sein. Dann wird das Wort in uns zu wohnen und zu leben beginnen und uns bewußt oder unbewußt gegenwärtig sein. Ein zu rascher Wechsel macht oberflächlich. Auf dem Grund der Schrift lernen wir in der Sprache, in der Gott zu uns gesprochen hat, zu Gott sprechen, wie das Kind zum Vater. Vom Worte Gottes ausgehend beten wir alles was das Wort uns lehrt, bringen wir den kommenden Tag vor Gott und reinigen unsre Gedanken und Vorsätze vor ihm, beten wir vor allem um die volle Gemeinschaft Jesu Christi mit uns. Wir wollen nicht vergessen für uns selbst zu beten. „Achte deine Seele hoch in Demut“ ([Jesus Sirach 10,31]17). Dann aber liegt vor uns das weite Feld der Fürbitte. Hier weitet sich der Blick, er sieht nahe und ferne Menschen und Dinge, um sie der Gnade Gottes zu befehlen. Keiner, der uns um unsre Fürbitte gebeten hat, darf fehlen. Dazu kommen all die, die uns persönlich oder beruflich besonders anbefohlen sind und das sind viele. Schließlich weiß jeder von Menschen, denen sonst wohl kaum einer diesen Dienst tut. Nicht vergessen wollen wir, Gott für die zu danken, die uns durch ihre Fürbitte helfen und stärken. Wir wollen die stille Gebetszeit nicht beschließen, bevor wir mehrfach und schließlich mit großer Gewißheit das Amen gesprochen haben. Zur gemeinsamen Andacht suchen wir Hausgenossen oder Brüder aus der Nachbarschaft, um mit ihnen zusammen das Wort Gottes zu hören, zu singen und zu beten. In die Andacht gehören vor allem die gemeinsam gelesenen Psalmen, die nur dann zu unsrem Besitz werden, wenn wir sie täglich und reichlich und ohne Auslassung lesen und beten, auch dort wo sie uns schwer werden. Dann sollte ein nicht zu bescheidener Abschnitt im Alten und Neuen Testament fortlaufend zur Verlesung kommen. Das Lied der Kirche stellt uns in die große Gemeinde der Gegenwart und Vergangenheit. Das Gebet, das einer für die ganze Gemeinschaft spricht, bringt die gemeinsamen Anliegen der kleinen Hausgemeinde vor Gott. Nun hat Gott in dem Schweigen des Morgens sein Wort geredet, nun haben wir mit ihm und mit der Gemeinde der Christen Gemeinschaft gefunden. Sollten wir nun nicht zuversichtlich an das Tagewerk gehen?
Dietrich Bonhoeffer – Illegale Theologenausbildung: Finkenwalde 1935–1937
Und euch, als ihr tot waret in den Vergehungen und in der Vorhaut eures Fleisches, hat er mitlebendig gemacht mit ihm, indem er uns alle Vergehungen vergeben hat; Elberfelder 1871 – Kolosser 2,13
Auch euch, die ihr durch eure Übertretungen und den unbeschnittenen Zustand eures Fleisches (einst) tot waret, auch euch hat Gott zusammen mit ihm lebendig gemacht, indem er uns alle Übertretungen aus Gnaden vergeben hat, Menge 2003 – Kolosser 2:13
Ihr wart ja tot [für alles Göttliche] und stecktet auch ganz und gar in eurer Sünde und eurer ungöttlichen Art. Nun aber hat Gott euch in der Gemeinschaft mit ihm zum Leben geführt. Er hat euch alle Fehltritte verziehen. Bruns 2013 – Kol 2,13
Und so machte Er euch, als ihr den Fehltritten und dem Unbeschnittensein der menschlichen Natur gegenüber abgestorben seid, zusammen mit sich selbst lebendig, nachdem Er uns all die Fehltritte gnädig verziehen hatte. Gottes Agenda – Kol 2:13
Überdies hat [Gott] euch, obwohl ihr tot wart in euren Verfehlungen und in dem unbeschnittenen Zustand eures Fleisches, zusammen mit ihm lebendig gemacht. Er hat uns alle unsere Verfehlungen verziehen neue Welt Übersetzung – Bi12 – Kolosser 2:13
Unsere Liebe und unsere Taten sind die Folge! und nicht die Voraussetzung für das Handeln Gottes!
Bevor ein Mensch zu diesem neuen Leben in Christus befreit wird, ist er tot … in seinen Sünden und in der Unbeschnittenheit seines Fleisches (vgl. den Kommentar zu „Gliedern … auf Erden“ in Kol 3,5 und zum „alten Menschen“ in Kol 3,9). Der Tod bedeutet eine Trennung, nicht die Auslöschung. Selbst die Unerlösten tragen noch immer die Ebenbildlichkeit Gottes in sich ( 1Mo 9,6; Jak 3,9), doch sie sind von Gott geschieden. Sie sind zwar vom geistlichen Leben abgeschnitten, aber sie haben noch ihr menschliches Leben. Nun aber hat Gott euch mit ihm (Christus) lebendig gemacht (vgl. Eph 2,1-6). Dieselbe „Kraft“ (energeias; vgl. Kol 1,29), die Christus von den Toten auferweckt hat (Kol 2,12), erweckt gläubige Sünder zu geistlichem Leben (V. 13). Dieses neue Leben wurde den Menschen zuteil, als Gott ihnen alle Sünden (vergeben) hat, denn er hat den Schuldbrief getilgt. Vor Gottes Gesetz, seinem „Schuldbrief“, standen die Menschen verurteilt da (vgl. Röm 3,19 ), denn er war mit seinen Forderungen gegen sie. Doch in Christus ist dasGesetz erfüllt (Röm 8,2) und abgetan ( Gal 3,25; Hebräer 7,12). Es ist deshalb falsch, sich nach wie vor ans Gesetz zu klammern, denn die Gläubigen sind in Christus tot für das Gesetz. Christus hat die Forderungen des Gesetzes in seinem Leben und durch seinen Tod erfüllt, und die Christen sind in ihm. Weil die Menschen das Gesetz nicht halten können, sind sie seine Schuldner. Weil sie ihre Schuld nicht bezahlen können, sind sie Verbrecher. Doch Jesus hat diese Anschuldigung durch seinen Tod weggetan. Es ist, als habe er sie an das Kreuz geheftet, an dem er selbst hing und mit dem er deutlich machte, daß er die Schuld bezahlt hat. Das Schuldkonto der Menschen ist gelöscht.
Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar
Die Übersetzung „euch lebendiggemacht – uns vergeben“ orientiert sich an Nestle-Aland (26. Aufl. 1979/1983 und 27. rev. Aufl. 1993). Beide Pronomina sind handschriftlich unsicher. In der Literatur wird das zweite Pronomen sowohl an das vorausgehende angeglichen (euch lebendiggemacht – euch vergeben) als auch als redaktionelle Angleichung an den folgenden Wir-Stil verstanden. Doch ist ist zu beachten, dass der Verfasser auch sonst (vgl. 1,12f.) von der zweiten zur ersten Person wechselt.
Theologischer Kommentar zum Neuen Testament
Gott hat Seine göttliche Kraft in einzigartiger Weise angewendet, als Er den für uns gestorbenen, mit all unserer Schuld und Not beladen ins Grab gesenkten Christus auferweckte. Wir aber „glauben“ an dieses Eingreifen Gottes, das die Weltgeschichte und auch die Geschichte unseres Lebens entscheidend gewendet hat. Dieser „Glaube“ ist aber hier ganz deutlich etwas sehr anderes als intellektuelle Zustimmung zu einer Lehre. Es steht hier nicht, wie wir freilich im Deutschen sagen müssen, Glaube „an“, nicht einmal wie in 1, 4 Glaube „in“, sondern wörtlich „Glaube der Wirkungsmacht Gottes“. Das könnte ein Genetiv des Subjekts sein und könnte dann besagen, daß der Glaube durch die gleiche Kraftwirkung Gottes entsteht, die auch Jesus aus der Welt der Toten herausrief. So hat es Paulus in der Tat im Brief an die Epheser 1, 19 ausgesprochen. Dann ist klar, wieso das „Gläubigwerden“ eines Menschen tatsächlich und ohne weiteres sein „Mitauferweckt werden“ ist. Aber auch wenn wir daran denken, daß sich die Genitivverbindung an anderen Stellen – z. B. Mr 11, 22; Apg 14, 9; Rö 3, 22. 26; Gal 2, 20; Eph 3, 12; Offb 2, 13 – so findet, daß der Genitiv das Objekt des Glaubens bezeichnet, ändert das an dem Sinn und Inhalt der Aussage nichts. Es bleibt ja der Glaube etwas, durch das ein Mensch „mit auferweckt“ ist. Glaube im Sinn des Neuen Testaments ergreift sein Objekt nicht nur gedanklich (das freilich durchaus auch!), sondern mit der ganzen Person, so daß er eine reale Verbindung mit dem Objekt herstellt und eine Anteilhabe an dem Objekt verleiht. Wer an die Machtwirkung Gottes, der Jesus aus den Toten auferweckte, wirklich „glaubt“, der steht damit selbst unter dieser Machtwirkung Gottes und wird „mit auferweckt“ und in ein wirkliches neues Leben versetzt. Wir, die wir so leicht alles in „Gedanken“ und „Anschauungen“ verwandeln, was wir in die Hand bekommen, müssen uns immer wieder neu mühen, den ganzen Realismus des Neuen Testaments zu erfassen. Dort ist es nicht ein hübscher Gedanke, eine theologische Anschauung, eine erbauliche Redensart, dort ist es von der „Wirk“ ung Gottes her „Wirk“-lichkeit: „Und euch, die ihr tot wart durch die Fehltritte und durch die Unbeschnittenheit eures Fleisches, euch machte Er zusammen mit Ihm lebendig.“ So allein ist das neue Leben zu gewinnen, nach dem sich die Menschen sehnen. Es ist für die Kolosser gewonnen, so wahr sie Glaubende sind. Was wollen sie eigentlich noch? Wollen sie sich von den Philosophen aus dieser Herrlichkeit und Freiheit in die Sklaverei abführen lassen, wo man vergeblich nach Lebenserneuerung mit moralischen oder religiösen Methoden „nach der Überlieferung der Menschen“ ringt?!
Wuppertaler Studienbibel
Gott ist noch Subjekt dieses Satzes. Er ist der Handelnde, »er hat euch mit ihm lebendig gemacht«. Jetzt erst, nachdem die Kolosser zum Glauben finden durften, nachdem der »alte Mensch« mit Christus begraben ist und der »neue Mensch« auferweckt wurde, jetzt »leben« die Kolosser. »Mit lebendig gemacht« betont die Dauer dieses neuen Lebens. Jetzt entfaltet sich das neue Leben; der geistliche Mensch wächst, nimmt zu an Stärke, und aus dem »Kind« wird ein »Mann« (vgl. 1Kor 13,1ff.; 1Kor 14,20; Eph 4,13). Das ist ein Wunder, wenn der Blick zurückgeht auf das, wie es vorher war: »die ihr tot wart in euren Sünden«. Das ist ein entsetzliches Urteil über den Zustand des natürlichen Menschen. Er ist »tot«, bei allem, was an Leben da ist. Es ist nur scheinbares Leben; in Wirklichkeit aber Tod. So sagt Jesus einmal: »Lasst die Toten ihre Toten begraben« (Mt 8,22; vgl. auch Lk 15,24; Röm 6,13; Eph 2,1; 1Tim 5,6; Offb 3,1). Die Sünde tötet; sie trennt von Gott, der allein das Leben ist. Der so Tote »lebt« »in der Unbeschnittenheit des Fleisches«. Dan ist nichts Gottgeweihtes, nichts Gottähnliches; die alte sündige Natur ist »unbeschnitten«, gehört nicht zu Gott, ist nicht in seinem Heilsbund. Ohne Gott zu leben, das ist jetzt schon Tod und führt in den ewigen Tod.
»Lebendig gemacht»wird vollzogen und tägliche Wirklichkeit in der Vergebung, die Gott gibt: »Er hat uns vergeben alle Sünden.« Im »uns« schließt sich Paulus mit den Kolossern, ja allen Glaubendenden betont zusammen. Auch der große Völkerapostel lebt aus der Vergebung. »Vergeben« (wörtlich »eine Gunst erweisen«) ist Gottes unverdiente, freie, schenkende Güte. Es ist kein Aufrechnen oder Abwägen, sondern überfließende Gnade. Das betont auch das Wort »alle«. Gottes Vergebung macht wirklich neu. Nichts darf uns mehr belasten oder anklagen (vgl. zu Kol 1,20). Für »Sünde« nimmt Paulus hier das Wort, das mit »Fehltritt«, eigentlich noch drastischer mit »Absturz«, wiedergegeben werden kann. So gefährlich ist die Sünde: wie ein Fehltritt bei einer Felswand mit tödlichem Absturz.
Gerhard Maier – Edition C
Mit der Aussage » und euch, als ihr tot waret in den Vergehungen und in der Vorhaut eures Fleisches « beschreibt Paulus den Zustand der Kolosser vor ihrer Wiedergeburt. Er spricht von ihrer vormaligen Stellung vor Gott in zweierlei Weise: a) in Vergehungen, denn ihr Leben wurde in Ungehorsam Gott gegenüber geführt, waren sie doch Sünder, Abkömmlinge eines gefallenen Geschlechts; und b) in der Vorhaut ihres Fleisches, was zwei Dinge bedeuten kann. I) sie waren Heiden ohne das Gesetz und daher Fremdlinge betreffs des Bundes Gottes (Eph 2,11-12). II) Sie führten ein Leben ungezügelter Sünde, indem sie jeder fleischlichen Lust und Leidenschaft nachgaben (Röm 6,20). Weiteres paßt nicht nur zum Zusammenhang, sondern entspricht auch der Tatsache, daß Juden und Heiden, im Fleisch beschnitten oder nicht, gleicherweise tot sind wegen ihrer Übertretungen und ihrer fleischlichen, menschlichen Natur. In den Worten » hat er mitlebendig gemacht mit Ihm « ist Gott das Subjekt. Aber die Frage erhebt sich: Ist Gott durchgehend bis zum Vers 15 der Handelnde? Wiederum gehen die Meinungen der Gelehrten auseinander. Alford (Bd. III 1958, S.221) sieht durchwegs Gott als den Handelnden. Ellicott vertritt die Meinung, daß Christus das Subjekt sei (Paul’s Epistles to the Philippians, the Colossians and Philemon, 1875, S. 162-163) . Lightfoot sagt: » Es scheint notwendig, das Subjekt zu ändern . « Er sieht in » hat er mitlebendig gemacht « Gott als den Handelnden, während er annimmt, daß im Vers 14 ab dem Verb » weggenommen « Christus der Handelnde ist (Paul’s Epistles to the Colossians and to Philemon,1892, S.183). Es scheint, daß der Wechsel des Subjekts in Einklang ist mit dem bei Paulus üblichen Gebrauch der Begriffe. Gott hat uns neues Leben in Seinem Sohn gegeben. Wir sind, mit den Worten des Herrn Jesus, vom Tode ins Leben übergegangen (Joh 5,24). Jetzt leben wir für Gott in Seinem Sohn. Unsere Mitauferweckung mit Ihm bedeutet, daß Sein Leben unser Leben, unsere Fülle und unser alles ist. Wenn wir lesen » indem er uns alle Vergehungen vergeben hat « , dann sehen wir, wie Paulus sich beeilt, sich selbst und alle übrigen Gläubigen in diese reiche Erfahrung göttlicher Gnade mit einzuschließen. Dies ist die Vergebung, die in Seinem Namen verkündigt (Apg 13,38), in Seinem Blut erworben (Eph 1,7), in Seiner Gnade dargeboten (Kol 1,13) und im Glauben in Besitz genommen (Apg 10,42) wird. In allen genannten Stellen steht dieses » alle « , sodaß man dessen Bedeutung unmöglich übersehen kann. In der Elbf kommt im ganzen 23 mal » alles « oder » ganz « vor, » allezeit « in 1,3 mitgerechnet. Wie in diesem Vers, so drückt es bei jedem Vorkommen die Universalität aus, wie sie für diesen Brief charakteristisch ist. Frühere Aussagen dieses Briefes haben uns daran erinnert, was ins Dasein gerufen worden ist-die ganze Schöpfung in ihrer Größe und Majestät. Dieser Vers nun sagt uns, was abgeschafft worden ist-alle unsere Sünden. Hiskia schrieb: » Denn alle meine Sünden hast du hinter deinen Rücken geworfen « (Jes 38,17), das bedeutet, daß Er sie nicht mehr sieht! Micha sagt in frohmachender Gewißheit: » Und du wirst alle ihre Sünden in die Tiefen des Meeres versenken « (7,19); damit sind sie außer Reichweite; während Jahwe selbst gesagt hat: » Denn ich werde ihre Missetat vergeben und ihrer Sünden nicht mehr gedenken « (Jer 31,34), das heißt aus dem Denken verbannt. Und hier ist die Vergebung so vollständig und so radikal, daß unsere Vergehungen aus dem Dasein verschwunden sind, und zwar alle, für immer! Wir wichtig ist dieses kleine Wort » alle « in diesem Vers, wie in allen 23 Stellen. Es wäre nützlich, alle aufzulisten. Die Auswahl, die hier getroffen worden ist, mag den Leser anspornen, dem weiter nachzudenken, bis er sich der volle Tragweite ihrer Botschaft bewußt ist: » ganze « in Zusammenhang mit Seiner Fülle (2,9) umfaßt die Gottheit . » alle « im Zusammenhang mit Seiner Schatzkammer (2,3) umfaßt alle Weisheit und Erkenntnis. » alles « in Zusammenhang mit Seinem Vorrang (1,18) umfaßt alle Dinge. » alle « in Zusammenhang mit Seinem Werk am Kreuz (1,20) umfaßt das Universum. » alle « in Zusammenhang mit Seiner Vergebung (2,13) umfaßt alle Übertretungen. » alle « in Zusammenhang mit dem Geheimnis (RV; Luther) umfaßt alle Zeitalter. » alle « in Zusammenhang mit Seinem Evangelium umfaßt die ganze Welt. Diese großartige Fülle gnädiger Vergebung betrifft Juden wie Heiden den. Wenn Paulus von » euch « Kolossern zu » uns « wechselt, schließt er alle übrigen Gläubigen neben den Kolossern ein. Gott hat auch für sie gewirkt, was er nach den Worten des Paulus für seine Leser gewirkt hat. Es ist eben der Einschluß der Juden, der es Paulus erlaubt, so weiterzufahren, wie er es tut. Dann ist auch die Sache der Vergebung von solchem Gewicht, daß Paulus durch den Geist geführt wird, ihr in den Versen 14.15 noch weitere Aufmerksamkeit zu schenken. Indem wir des Zusammenhangs wegen zum Vers 13 zurückgehen, stellen wir fest, daß der Gläubige durch die belebende Kraft Gottes die Befreiung aus dem geistlichen Tod erfährt. Dem folgt (obwohl es in der Erfahrung gleichzeitig geschieht) Vergebung, welches die Befreiung von den Sünden und ihren Folgen proklamiert. Zusammen mit diesen Gnadentaten Gottes zur Errettung ist auch die daraus folgende Freiheit vom Gesetz. Wie diese Freiheit durch Gottes und Christi Wirken erlangt wurde, wird in diesen Versen in unüberbietbarer Klarheit dargelegt. Um mit einem Blick den unermeßlichen Wert des Werkes von Golgatha zu erfassen, listen wir auf, was gemäß den Versen 14.15 dort geschah.
und du hast Ausharren und hast getragen um meines Namens willen, und bist nicht müde geworden. Elberfelder 1871 – Offenbarung 2,3
Und von eurer Ausdauer: Um meinetwillen habt ihr gelitten und doch nicht aufgegeben. Gute Nachricht Bibel 2018 – Offenbarung 2:3
Und du ertrugst, und du hast Ausdauer, und wegen meines Namens hast du gearbeitet und bist nicht ermüdet gewesen. Jantzen & Jettel 2017 – Offb 2,3
Ja, du hast Ausdauer bewiesen und hast um meines Namens willen viel ausgehalten, ohne dich entmutigen zu lassen. Neue Genfer Übersetzung 2013 – Offb 2:3
Wer spricht eigentlich hier zu der Versammlung in Ephesus? Ertragen Christen wirklich für CHRISTUS „schlimme Sachen“ – oder doch nur wegen eigener Meinungen und Streitereien? Ahmen wir wirklich Jesus nach? Oder sind wir politisch aktiv? oder für eine Organisation, anstatt für IHN? Trete ich wirklich für die Schwachen und Notleidenden ein?
Neuer Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament
Christus lobte die Glieder der Gemeinde in Ephesus für ihre Werke und … Mühsal und … Geduld sowie dafür, daß sie die Bösen verurteilt und jene, die sich fälschlich als Apostel ausgaben, als Lügner gebrandmarkt hatten. (In den ersten vier Gemeinden, an die die sieben Sendschreiben gerichtet sind, waren durchweg solche falschen Lehrer aufgetreten; vgl. V. 2.6.9.14.15.20 Aber die Gemeindeglieder wurden auch dafür gelobt, daß sie die Last getragen haben und … nicht müde geworden sind in ihrem Dienst für Gott. Die Gemeinde in Ephesus hatte also mehr als 40 Jahre getreulich an ihrem Dienst für Gott festgehalten.
Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar
Die Bösen ertrugen die Christen in Ephesus nicht; aber die Schwachen mit ihren Mängeln trugen sie; mit ihnen hatten sie Geduld, so wie unser Herr mit uns Geduld hat. Und auch im Kreuztragen bewährten sie Tragkraft, auch auf die Länge der Zeit. h) »Du bist nicht müde geworden«: Sie haben angesichts der Schwere der Aufgabe und der Not, des Widerstandes der Welt, des oft ausbleibenden Erfolgs und der Mängel in den eigenen Reihen nicht mutlos, verzagt und glaubenslos aufgegeben.
Gerhardt Maier – Edition C
An Jesu Namen festhalten WENN man von Smyrna aus auf der Küstenstraße 80 Kilometer weit in nördlicher Richtung reist und dann 24 Kilometer weit landeinwärts durch das Tal des Kaikos, gelangt man nach Pergamon, das jetzt Bergama heißt. Die Stadt war berühmt wegen ihres Zeus- oder Jupitertempels. Im 19. Jahrhundert wurde der Altar jenes Tempels nach Deutschland überführt, wo man ihn im Pergamonmuseum in Berlin nebst vielen Statuen und Reliefen heidnischer Götter besichtigen kann. Welche Botschaft würde der Herr Jesus der Versammlung zukommen lassen, die von soviel Götzendienerei umgeben war? 2 Zuerst sagt Jesus etwas Näheres über seine Person: „Und dem Engel der Versammlung in Pergamon schreibe: Diese Dinge sagt der, der das scharfe, lange zweischneidige Schwert hat“ (Offenbarung 2:12). Jesus wiederholt hier die Beschreibung, die in Offenbarung 1:16 von ihm gegeben wird. Als Richter und Urteilsvollstrecker wird er die Verfolger seiner Jünger niederstrecken. Welch ein Trost ist doch diese Zusicherung! Was jedoch das Gericht betrifft, so gilt die Warnung auch denen innerhalb der Versammlung, denn Jehova wird durch seinen „Boten des Bundes“, Jesus Christus, „ein schneller Zeuge sein“ gegen alle angeblichen Christen, die Götzendienst treiben, unsittlich handeln, lügen und unehrlich sind und die für die Notleidenden keinen Finger rühren (Maleachi 3:1, 5; Hebräer 13:1-3). Der Rat und die Zurechtweisung, die Gott durch Jesus gibt, müssen beherzigt werden.
Die Offenbarung — Ihr großartiger Höhepunkt ist nahe!
Jesus hat nicht übersehen und vergessen, was die Christenheit von Ephesus im Gehorsam gegen ihn und in seiner Liebe getan hat. Sie hat es ihm getan, und er bewahrt das in treuem Gedächtnis und wird ihr den Dank und die Vergeltung dafür nicht verkürzen. Er ermißt auch, daß die Gemeinde nur mit Anstrengung und Mühe das vollbringen konnte, was sie in ihrem eigenen Kreis und in ihrem Verkehr mit den Juden und Heiden zustande brachte. Sie hat dabei auch gelitten und Schmerzen und Opfer nicht gemieden, sondern tapfer auf sich genommen, was es zu leiden gab. Ein besonderes Lob erhält die Gemeinde deshalb, weil sie bei sich den Kampf gegen die Schlechten mit Entschlossenheit und Erfolg durchgeführt hat. Die Unlauterkeit und der boshafte Wille, der sich nicht bekehren mag, sondern nur zum Schein fromm ist, findet bei ihr keinen Platz. Die innere, geistliche Macht der Zucht, die nicht durch äußere Ordnungen entsteht oder durch solche ersetzt werden kann, ist das sichere Merkmal dafür, daß eine Gemeinde treu und gesund ist. Dann halten es die Schlechten bei ihr nicht aus, sondern gehen wieder weg. Die Kraft der bei ihr geltenden Zucht hat die Gemeinde auch in einem besonders schwierigen Fall bewährt, als Männer zu ihr kamen, die sich für Apostel ausgaben, also mit großen Worten eine besondere Sendung durch Jesus für sich in Anspruch nahmen und dadurch vor jeder Prüfung und jedem Widerspruch geschützt sein wollten. Die Gemeinde blieb sich aber ihrer Pflicht bewußt, sich vor niemandem zu beugen als allein vor Gott und gegen alles, was sie von ihm weglockt, auf ihrer Hut zu sein. Darum hat sie sich nicht vor dem Apostelnamen gefürchtet, sondern die Kraft gehabt, den falschen Schein, mit dem jene Männer arbeiteten, zu zerstören und ihre grundlose Autorität zu beseitigen. Schwerlich gab es am Ende der apostolischen Zeit noch Männer, die sich deshalb eigenmächtig den Apostelnamen beilegten, weil sie behaupteten, daß auch sie zu den Begleitern Jesu gehört und von ihm vor seiner Kreuzigung die Einsetzung in das Botenamt erhalten hätten. Damals konnte ein falsches Apostolat nur dadurch entstehen, daß sich diese Männer auf den Geist beriefen, der sie zu Aposteln eingesetzt habe. Das zeigt, wie tief die Erschütterung war, die diese Vorgänge über die Gemeinden brachten. Diese Männer machten sich von dem, was Jesus auf der Erde gesagt und getan hatte, frei. War das nicht längst vergangen und bloß ein Anfang, über den die Kirche nun emporgehoben war? Regierte nicht Christus die Gemeinde jetzt durch seinen Geist? Konnte er ihr nicht auch jetzt neue Boten senden? Wichtiger als die Tatsachen, die zur Geschichte Jesu gehörten, war nach dem Urteil dieser Männer die Erleuchtung, die sie selber in ihrem inneren Leben empfangen zu haben meinten. Darum reichte die Frage, die bei ihrer Ankunft zu entscheiden war, in die Tiefe der christlichen Überzeugung hinab. Was bedeuteten die Erinnerungen an die Geschichte Jesu für die Christenheit? War sie für immer und einzig an das gebunden, was er einst während seines menschlichen Lebens gesagt und getan hatte? Die Christen von Ephesus widerstanden der Versuchung, das geringzuschätzen, was der Herr einst getan hatte, und blieben fest bei seinem Wort und Werk. Dafür erhalten sie nun Jesu Lob. Die, die sie entlarvten, waren nicht seine Boten, und der Kampf mit ihnen hat sie nicht mit Christus entzweit; vielmehr geschah durch ihre Abweisung sein Wille. Solche der Zucht dienenden Handlungen sind immer schwer und schmerzhaft und bringen nicht nur denen, die sie treffen, tiefe Demütigungen, sondern bereiten auch denen, die sie um der Wahrheit willen zum Schutz der Gemeinde widerlegen und beschämen müssen, ein hartes Leid. Darum war es für die Gemeinde eine große Wohltat, daß ihr für die Abweisung jener Apostel ausdrücklich die Zustimmung Jesu zuteil wurde. Die Beschämten zogen im Zorn davon mit Klagen über den Ungehorsam der Christen von Ephesus, vielleicht mit starken Drohungen, die ihnen Gottes Gericht ankündigten. Die Gemeinde soll aber wissen, daß sie sich dadurch in Jesu Augen als treu bewährt hat. Der Kraft, mit der sie in ihrem eigenen Kreis die Zucht übt, entsprach die tapfere Standhaftigkeit, mit der sie alles Schwere auf sich nahm, das ihr im Kampf mit ihrer Umgebung widerfuhr.
Schlatters Erläuterungen zum Neuen Testament
Das dritte Wortpaar zeigt, dass die Gemeinde verständig im grundlegenden Zeugnis war. Wiederum repräsentieren die beiden Aussagen eine negative und eine positive Seite: »Du hast Ausharren und hast getragen« , und »du bist nicht müde geworden.« Zwischen den beiden Teile dieser Aussage stehen die gewichtigen Worte »um meines Namens willen«. Sie haben eine doppelte Funktion, indem sie eine Erklärung für die erste Aussage darstellen und gleichzeitig den Beweggrund für die zweite nennen. Auf diese doppelte Weise bewies die Versammlung, dass sie begriff, worauf es beim Zeugnis der Versammlung ankommt. Auf der negativen Seite hatte die Gemeinde viel unter dem Druck von Menschen und der Umstände gelitten. Die Wiederholung des Zeitwortes »tragen« legt nahe, dass die Last von den bösen Leuten aus dem vorherigen Vers herrührte. Die Wiederholung des Wortes »Ausharren« hebt die Umstände hervor, unter denen der Charakter der Heiligen geformt wurde. Was gab ihnen die Kraft zum Tragen dieser Last und dieses Kampfes? Sie taten es »um meines Namens willen« . Dieser Ausdruck erinnert uns an Mt 10,22; 24,9. Er lässt uns an alles denken, was in Christus geoffenbart worden ist. Was die Feinde der Wahrheit angreifen, ist den Gläubigen Panier und Inspiration im Kampf um die Verbreitung eben dieser Wahrheit. Das sehen wir im positiven Teil dieses Paares. Das Perfekt in den beiden letzten Verben (das gilt nur für TR) zeigt, dass die Prüfungen und das Zeugnis der Vergangenheit bleibende Ergebnisse gezeitigt hatten. Elbf lässt wie RV im Gegensatz zu Luther 1912 (und verträgst und hast Geduld, und um meines Namens willen arbeitest du und bist nicht müde geworden) das Verb »arbeiten«, kopiao, aus. Swete schlägt vor, das Perfekt von kopiao zu übersetzten: du bis nicht müde«, was den Gedanken gut trifft.
Die Frauen ebenso, würdig, nicht verleumderisch, nüchtern, treu in allem. Elberfelder Übersetzung. Edition CSV Hückeswagen – 1.Timotheus 3,11
Ebenso müssen auch ihre Frauen ehrbar sein, nicht klatschsüchtig, nüchtern (= ernst), zuverlässig in allen Beziehungen. Menge 1967 – 1.Timotheus 3:11
Desgleichen
sollen
ihre
Frauen
ehrbar
sein
,
a
nicht
verleumderisch
,
ὡσαύτως2
•
→
γυναῖκας1
σεμνάς3
•
μὴ4
διαβόλους5
hōsautōs
gynaikas
semnas
mē
diabolous
ὡσαύτως
γυνή
σεμνός
μή
διάβολος
hōsautōs
gynē
semnos
mē
diabolos
αυτος ως
γυνη
σεβω
μη
βαλλω
autos ōs
gynē
sebō
mē
ballō
B
NAPF
JAPF
BN TN
JAPF
5615
1135
4586
3361
1228
64.16
9.34
88.47
69.3
33.397
nüchtern
,
treu
in
allen
Dingen
.
νηφαλίους6
πιστὰς7
ἐν8
πᾶσιν9
←
nēphalious
pistas
en
pasin
νηφάλιος
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ἐν
πᾶς
nēphalios
pistos
en
pas
νηφω
πιστευω
εν
πας
nēphō
pisteuō
en
pas
JAPF JAPM
JAPF
P
JDPN
3524
4103
1722
3956
88.87
31.87
89.5
59.23
Luther 1984 – 1.Tim 3,11
Ebenso [sollen] die Frauen ehrbar [sein], nicht verleumderisch, [sollen] nüchtern [sein], treu in allem. Jantzen & Jettel – 1.Tim 3:11
Dasselbe gilt für Frauen, ‹denen eine solche Aufgabe übertragen wird›. Man muss sie achten können. Sie dürfen nicht verleumderisch sein und müssen sich durch Besonnenheit und Zuverlässigkeit in jeder Hinsicht auszeichnen. NeÜ bibel.heute Stand 2023 – 1. Tim 3,11
Auch die Frauen sollen sich so verhalten, dass sie respektiert werden und nicht durch ihr Reden Menschen durcheinanderbringen. Sie sollen besonnen und in allen Angelegenheiten zuverlässig sein. Roland Werner – Das Buch – 2009 – 1. Tim 3:11
Manche übersetzen V. 11 mit „Diakonissen“; das Wort ist wahrscheinlich „Ehefrauen“. Wir haben im Neuen Testament keine eindeutigen Hinweise darauf, dass es in der frühen Kirche neben Diakonen auch Diakonissen gab. In jedem Fall galten diese Normen auch für die Ehefrauen der Diakone. Beachten Sie, dass sowohl Pastoren als auch Diakone sich bewähren müssen, bevor sie das Amt erhalten, d. h. sie müssen ihre Gaben in anderen Diensten ausüben dürfen, bevor sie zu Leitern ernannt werden. Das Amt des Diakons soll genutzt und nicht nur ausgefüllt werden. Kirchliche Amtsträger, die treu sind, werden einen guten Ruf (Grad) vor Gott und den Menschen erlangen und so in der Lage sein, das Werk Christi zu fördern.
Wiersbes Erläuterungen zum Neuen Testament
Viele Kommentare haben die Übersetzung „ihre Frauen“ in Frage gestellt, indem sie darauf hinweisen, daß es keinen Artikel gibt, der als besitzanzeigendes „ihre“ übersetzt werden könnte. Indem sie zu recht die Elberf. Übersetzung „Weiber“ verwerfen, als ob Frauen im allgemeinen gemeint wären, schlagen solche Ausleger wie Alliot, Alford, Vine, The Expositor‘ s Greek Testament vor, daß wir hier eine Klasse von Jüngerinnen haben, deren Qualifikationen hier genannt werden. In Unterstützung dieser Ansicht wird Phöbe (Römer 16,1) als Beispiel dieser Klasse von Frauen angeführt, die innerhalb der Versammlung als solche anerkannt waren, die besondere Aufgaben in ihrem Bereich wahrnahmen. Man sucht auch Unterstützung in der Grammatik, indem man darauf hinweist, daß „desgleichen“ (Losautos) Klassen kennzeichnet. Es ist so in V. 8, und so wird, wie man behauptet, in V. 11 eine dritte Klasse eingeführt. Die Begründung ist aber sehr schwach. Paulus hätte das Wort „Diener“ in der weiblichen Einzahl verwenden können (das Mehrzahlwort hätte das gleiche sein können, wie das Wort in V. 8), wenn er eine weitere Klasse hätte kennzeichnen wollen. Zumindest hätten wir etwas spezifischeres als gynaikas (Frauen oder Ehefrauen) ohne den Artikel erwartet. Ein Studium der vier Stellen mit hosautos in dem Brief (2,9; 3,8.11; 5,25) oder den anderen dreizehn Vorkommen im Neuen Testament, unterstützt nicht die Ansicht, daß es notwendigerweise eine neue Klasse einführt, sondern dient vielmehr dazu, eine neue Aussage mit der vorangegangenen zu vergleichen. Der untadelige Aufseher (V. 2) entspricht dem untadeligen Diener (V. 8) und in Übereinstimmung damit müssen auch ihre Frauen (sowohl die des Ältesten als auch des Dieners) einen bestimmten Charakter aufweisen. Es wäre höchst seltsam, hier eine neue Klasse einzuführen, und die Qualifikationen des Dieners in V. 12 wieder aufzunehmen. Es ist klar, daß die Rev. Elberf. Übersetzung („ihre“ Frauen) aufrecht erhalten werden muß. Der Grund, warum der Vers in der Passage hier eingeschlossen ist, kann der sein, daß Diakone notwendigerweise viel im öffentlichen Blickfeld sind, sogar mehr noch als die Altesten, daß ihre Ehepartner mit ihnen im Charakter und Verhalten übereinstimmen müssen. Die Qualifikationen der Frauen reflektieren ziemlich genau die Qualifikationen der Diener. Das Wort „würdig“ ist das gleiche wie in V. 8 und verdeutlicht die Ernsthaftigkeit, die würdigem Verhalten zugrunde liegt. In Philipper 4,8 wird es mit „würdig“ übersetzt und in der Rev. Elberf. mit „ehrbar“. „Nicht verleumderisch“ (me diabolous) ist ein Widerhall des vierunddreißigmal im Neuen Testament für Satan als den Ankläger (den Teufel) verwendeten Wortes. In 2.Tim. 3,3, und Titus 2,3 wird es mit „Verleumder“ übersetzt und verdeutlicht die Gefahr bösartigen und übelwollendem Nachredens, welches das Werk des Teufels tut. Vergleiche das Wort in V. 8 „doppelzüngig“. The Expositor’s Greek Testament bemerkt treffend „Während die Männer mehr als Frauen zur Doppelzüngigkeit neigen, neigen Frauen mehr als Männer zur Verleumdung.“ „Nüchtern“ ist das gleiche Wort wie in V. 2, es enthält den Gedanken der Selbstbeherrschung, die aus einem wohlausgewogenen Denken entspringt (s. zu dem verwandten Hauptwort 2,9). Vergleiche auch die parallele Anweisung in V. 8 „nicht vielem Wein ergeben“. Paulus fügt nun hinzu „treu in allem“. Wir hatten in diesem Brief einen „treuen“ Apostel (1,12), ein „treues“ Wort (1,15; 3,1) und jetzt eine „treue“ Frau, wo der Gedanke „zuverlässig“ ist. Man kann sich auf sie in jedem Bereich verlassen. Wie die vorbildliche Frau von Sprüche 30,10-11. „vertraut das Herz ihres Mannes auf sie“. Eines von „allen“ Dingen wird zweifelsohne das Umgehen mit dem Haushaltsgeld sein (vergl. V. 8 „schändlicher Gewinn“) .
Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt
Paulus führt nun Frauen ein, die könnten die Mitarbeiter der Diener (bzw. evtl. selbst Diener, obwohl dies dann eine sehr knappe einschiebende Betrachtung wäre) bzw. die Ehefrauen der Diener sein. Γυναῖκας („Frauen“) ist wiederum Akkusativ, da er als Subjekt des AcI von „es ist nötig“ (δεῖ) abhängt.
P. Streitenberger – 1. Timotheus
Vielleicht wichtig: es geht hier um EBENSO – also nicht um einen Unterschied zwischen den Brüdern und Schwestern und deren angenommenen verschiedenen Eigenschaften! Paulus will deutlich machen, dass Vorbilder eben richtige Vorbilder sein sollen – und diese Eigenschaften, die Paulus hier aufführt, kann man nicht durch „viel Anstrengung“ sondern nur durch die Wirkung des heiligen Geistes erreichen!
andere Meinungen:
Die Forscher sind sich uneins darüber, ob mit den »Frauen« hier weibliche Diakone oder aber die Ehefrauen der Diakone gemeint sind; seit dem Jahr 112 n.Chr. scheinen allerdings sogar der römischen Verwaltung weibliche christliche Diakone bekannt gewesen zu sein. Der Apostel verlangt hier also entweder ein unbescholtenes Verhalten von den Frauen der Gemeindebeamten (in der antiken Gesellschaft wurden die Männer häufig für das Betragen ihrer Frauen verspottet), oder er führt Forderungen an, die weibliche Diakone erfüllen mussten. Klatsch wurde in der antiken Welt – wohl aus konkreten Gründen – vor allem mit Frauen in Verbindung gebracht (vgl. 5,13 ).
Craig Keener – Kommentar zum Umfeld des Neuen Testaments
»Desgleichen sollen ihre Frauen …« (V. 11): Das Wort »ihre« steht im Urtext nicht; es können auch »Diakoninnen« gemeint sein, so wie Phöbe »im Dienst der Gemeinde von Kenchreä« stand (Röm 16,1). Doch möglich ist ebenfalls, dass hier Paulus von den Ehefrauen der Diakone redet; dafür spricht, dass Paulus gleich anschließend, in V. 12, etwas über die Ehen der Diakone sagt. Die Ehefrauen der Diakone arbeiteten naturgemäß gewiss oft mit, hatten ebenfalls an den Lasten des Dienstes zu tragen und standen so gleicherweise im diakonischen Dienst. Bei ihnen müssen ähnliche Voraussetzungen erfüllt sein wie bei ihren Männern, wenn auch ihre Arbeit und der gemeinsame Dienst der beiden Gatten hilfreich und segensvoll sein soll.
Auch die Frauen sollen »ehrbar« sein wie die Männer (V. 8). Wie sehr vermag oft die Haltung ihrer Frauen das Vertrauen zu Gemeindeleitern und Diakonen in der Gemeinde und darüber hinaus zu stärken!
»Nicht verleumderisch«: Wie bei den Männern (V. 8), kommt Paulus zuerst auf die Sünden mit Worten zu sprechen. Bei ihren dienstlichen Besuchen in den Häusern erfuhr das Diakonenpaar viel: Was sie dort erlebten und beobachteten und was sie da über Dritte hörten, galt es zu »bewahren«. Es ist eben so schön, so viele Neuigkeiten zu wissen und davon einer staunenden Zuhörerschaft einiges mitteilen zu können. Und damit das Staunen noch verstärkt wird, mag man geneigt sein, einiges mit noch dickeren Farben aufzutragen. Es gehört in solch einem Fall schon ein gutes Stück Selbstzucht dazu, die »Zunge im Zaum zu halten«, mehr noch: die Zucht des Heiligen Geistes – was um so wichtiger ist, als wir »von jedem nichtsnutzigen Wort Rechenschaft geben müssen« Mt 12,36; vgl. Jak 1,26; 3,5ff.).
»Nüchtern«: Auch kein Überschwang der Empfindungen darf daran hindern, dass die zur Verfügung stehenden Mittel der Hilfe gerecht, unparteiisch und sachgemäß eingesetzt und verteilt werden. Bei aller Liebe dennoch rechte Nüchternheit, Besonnenheit und Sachlichkeit festzuhalten, ist in solch einer Aufgabe unerlässlich.
Treu in allen Dingen«: Dann wird mit größter Sorgfalt mit den zur Verfügung stehenden Mitteln umgegangen, wohlbedacht werden sie eingesetzt. Und sorgsam wird auch mit der zur Verfügung stehenden Zeit umgegangen.
Gerhard Maier – Edition C
Dieser Vers bezieht sich offensichtlich auf die »Frauen« der Diakone, oder aber auf die Frauen von Aufsehern und Diakonen. Die »Frauen« von denen, die Verantwortung in der Gemeinde tragen, sollen zweifellos Frauen sein, die ein gutes christliches Zeugnis haben und unbescholten sind, sodass sie ihre Männer bei ihrer wichtigen Aufgabe unterstützen können. Doch das Wort, das hier steht, kann man sowohl mit Ehefrau als auch einfach neutral mit »Frau« übersetzen. Diese Auslegung würde es erlauben, dass auch Frauen im diakonischen Dienst stehen können. Es gab solche Frauen in der Urgemeinde (z. B. in Römer 16,1). Dort wird Phöbe als »Dienerin«, wörtlich »Diakonin«, der Gemeinde in Kenchreä genannt. Ein Schlüssel für die Art des Dienstes, den diese Frauen taten, lässt sich in Römer 16,2 finden, wo Paulus von Phöbe sagt, dass sie »vielen ein Beistand gewesen« ist, »auch mir selbst«. Welcher Auslegung man auch immer den Vorzug geben mag, diese Frauen »sollen ebenso ehrbar«, würdig und nüchtern sein. Sie dürfen »nicht verleumderisch« sein, ihre Zeit nicht mit Klatsch und Tratsch verbringen oder falsche oder bösartige Reden verbreiten, die den Ruf anderer schädigen könnten. Sie müssen »nüchtern« sein, Selbstkontrolle üben können und zurückhaltend sein. Schließlich müssen sie noch »treu in allem« sein. Das kann sich nicht nur auf den christlichen Glauben allein beziehen, sondern auch darauf, dass sie verlässlich, treu und vertrauenswürdig sind. Sie sollten imstande sein, persönliche Bekenntnisse und vertrauliche Dinge innerhalb der Familie für sich zu behalten.
MacDonald – Kommentar zum Neuen Testament
Die Diakonie hat immer die Mitarbeit der Frauen bedurft, da für Dienste, die im Frauengemach zu geschehen hatten, der Mann nicht brauchbar war. Dazu sind aber die Frauen nur dann tüchtig, wenn sie denselben Ansprüchen genügen, die Paulus an jeden stellt, der im Namen der Gemeinde, also im Dienst des Christus, zu handeln hat. Ehrbarkeit, für boshafte Nachreden verschlossene Wahrhaftigkeit, ein durch keinen Rausch verwirrtes klares Urteil und völlige Zuverlässigkeit in jedem Fall sind die Rüstung der dienenden Frau. Haben diese Frauen eine selbständige Tätigkeit? Erscheint hier, wie Röm. 16, 1, neben dem Diakon die Diakonin? Da Paulus im nächsten Satz noch einmal von den Diakonen, ihrer Ehe und ihrer Familie spricht, kann man auch daran denken, daß dann, wenn die eheliche Gemeinschaft rein und vollständig war, für die Frau eines Diakon reichlicher Anlaß vorhanden war, ihren Mann in seinem Dienst zu unterstützen. Wenn sie aber wegen ihres Handelns anfechtbar ist, schädigt sie den Dienst. Nun denkt Paulus noch an die Ehe und die Familie des Diakons. Für ihn gilt dieselbe Regel wie für den Bischof. „Wohl vorstehen sollen sie den Kindern und den eigenen Häusern“; unterschieden werden die Kinder und das Haus, weil dieses auch das Gesinde umfaßt. Es war keineswegs die Meinung des Paulus, daß sich die Übernahme der Diakonie für den nicht schicke, der ein eigenes Haus zu verwalten habe; im Gegenteil ist er gerade dann, wenn er sein eigenes Geschäft löblich verwaltet, auch fähig, für die Gemeinde zu sorgen.
Adolf Schlatter – Die Kirche der Griechen im Urteil des Paulus: Eine Auslegung seiner Briefe an Timotheus und Titus
so sage ich auch euch nunmehr. Ein neues Gebot gebe ich euch, daß ihr einander liebet; gleichwie ich euch liebgewonnen habe, daß auch Ihr einander liebet. Johann Albrecht Bengel – Johannes 13:34
Aber ich übergebe euch eine neue Anweisung. Ihr sollt einander so lieben, wie ich euch geliebt habe. Das habe ich getan, damit auch ihr euch gegenseitig voller Liebe annehmt. Roland Werner – Das Buch – Johannes 13,34
Ich will euch heute eine neue wichtige Lebensregel von Gott mitgeben: Liebt euch gegenseitig! So wie ich euch geliebt habe, so sollt ihr euch auch gegenseitig lieben! VolxBibel – Joh 13,34
Die Konjunktion ἵνα („dass“) für den Inhalt des Gebots ein, nämlich die gegenseitige Liebe. Der Maßstab ist die Liebe des Herrn Durch die Vergleichspartikel καθὼς („wie“) nimmt der Herr den Übertrag von seiner Liebe zu der der Jünger vor.
P. Streitenberger – Johannes
Die elf Jünger würden in seiner Abwesenheit überleben, indem sie seinem Beispiel der Liebe folgten. Dieses Gebot war insofern neu, als es sich hier um die besondere, an JesuOpfer am Kreuz anschließende Liebe zu anderen Gläubigen handelt: … daß ihr euch untereinander liebt, wie ich euch geliebt habe. Die Liebe und Hilfsbereitschaft der Christen untereinander sollte es ihnen ermöglichen, in einer feindlichen Welt zu überleben. Wie Jesus die Verkörperung der Liebe Gottes war, so sollte jetzt jeder Jünger die Liebe Christi verkörpern. Diese Liebe ist ein Zeichen für die Welt und für jeden Gläubigen (1Joh 3,14).
Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar
Er gebietet ihnen nicht vielerlei, nennt ihnen nicht eine lange Reihe von Werken, die sie von nun an für ihn zu tun hätten, gibt ihnen vielmehr ein einziges Gebot, für alle dasselbe: einander liebzuhaben. Nichts als das! ein törichter Gedanke, wenn wir so sprächen. Denn mehr als irgend etwas, was er hätte nennen können, ist dies ein Beruf, der das ganze Leben umspannt, alle Kraft fordert, immer uns begleitet und nie abgetan ist, sondern mit immer neuem Antrieb Herz und Willen, Wort und Tat in Bewegung setzt. Jesus macht ihnen an dem, was er ihnen selber tat, deutlich, warum er das und nichts anderes von ihnen verlangte. Dem entspricht das, was er nun als ihren Dienst ihnen anbefiehlt, wie er es ihnen schon durch das Zeichen, das er ihnen gab, durch die Fußwaschung, erläutert hat. Sie haben in ihrem Teil fortzusetzen, was er ihnen tat, sollen einander so ansehen, wie sie Jesus ansah, und einander als die behandeln, denen Jesu Liebe gehört. Von Haus aus gingen die Jünger einander nichts an; der eine war aus Bethsaida, der andere aus Kana, der dritte aus einem dritten Ort; der eine war früher Zöllner, der andere Zelot gewesen. Was sie verband, war, daß Jesus ihnen allen seine Liebe gegeben hatte. Dies tat er aber dazu, um sie auch in ihnen zu erwecken; darum vergab er ihnen, damit sie vergeben, half ihnen, damit sie helfen lernen, und nahm sie zu sich, um sie untereinander zu verbinden, alle Zertrennung zwischen ihnen wegzuheben und die Gemeinschaft zwischen ihnen zu schaffen, in der einer für den anderen lebt. Er heißt das ein neues Gebot, das ihnen niemand geben konnte als er. Durch ihn ist für die Jünger alles neu geworden, sowohl ihr Anteil an Gott als ihre Verbundenheit miteinander. Neu ist für sie ihre Versetzung in Gottes Gnade, neu darum auch das Gebot, das ihnen jetzt kundtut, worin ihr Dienst Gottes bestehen muß. Neu ist auch ihre Gemeinschaft miteinander. Sie ist durch Jesus geschaffen. Auf seiner Gnade beruht ihre Liebe, auf seinem Vergeben ihre Geduld, auf seinem Wort ihre Eintracht im Denken und Handeln, auf seiner Verheißung ihre Hoffnung füreinander. Auch er selbst hat ihnen sein Gebot bisher noch nicht in dieser Weise gegeben, sondern gibt es ihnen erst jetzt neu. Die Stellung und Aufgabe der Jünger wurde ja durch seinen Weggang völlig neu. Daß sie nicht miteinander streiten, einander nicht beneiden und hassen, sondern liebhaben sollten, war ihnen freilich schon bisher durch ihr Gewissen vorgeschrieben, durch das Gesetz als heiliger Wille Gottes anbefohlen und durch Jesu ganzen Unterricht deutlich gemacht. Allein bisher war es Jesus selbst, der ihren Kreis zusammenhielt, auf jeden unter ihnen achtgab, für sie sorgte, alles wegnahm, was sie trennen konnte, und eines jeden Herz und Willen zum anderen hinwandte. Nun müssen sie selbst einander lieben; deswegen, weil ihr Kreis das Haupt verliert, das alle verband und leitete, darf er nicht auseinanderfallen. Er hat sie dazu liebgehabt, damit sie beieinander bleiben und füreinander leben, und gibt ihnen deshalb jetzt, da er seine Liebe an ihnen vollendet hat, dies als sein neues Gebot, das von jetzt an für sie in Kraft tritt, daß jetzt sie einander lieben.
Schlatters Erläuterungen zum Neuen Testament
Die Jünger würden eines Tages tatsächlich auferstehen und für immer beim Herrn sein; für die Zwischenzeit aber gab Er ihnen ein neues Gebot, das der Liebe, das seinem Beispiel folgte. Diese Liebe Christi zeigte sich, als Er in Demut die Bedürfnisse der Jünger stillte (V.1). Es war opferbereite Liebe, welche zu Seinem Tod führte (Gal 2,20; Eph 5,2). Das Vorbild Christi wird gesehen im Wörtlein „gleichwie“. Es findet sich auch in Eph 4,32 (wo es um Vergebung geht), und in Eph 5,2 (wo es um Wandel geht), und in 1Jo 2,6 (wo es ebenfalls um Wandel geht). Zudem war dieses Gebot ein „neues“. Schon das Gesetz hatte Liebe geboten: „Du sollst den Nächsten lieben wie dich selbst“ (3Mo 19,18), was der Herr in Seiner Lehrtätigkeit zitierte (Mt 19,19;22,39 ). Als aber die Gnade an die Stelle des Gesetzes trat, mußte die alte Liebe gemäß der Gnade verwandelt werden. Das Alte war vergangen. So mußte nicht nur der Nächste, sondern auch der Feind geliebt werden. Der Charakter christlicher Liebe wird in 1Kor 13 ausbuchstabiert, obgleich diese Liebe einem Ungläubigen seltsam erscheinen mag, und zwar nicht nur, wenn sie ihm erwiesen wird, sondern auch, wenn sie sich unter den Gläubigen zeigt. In V.35 heißt es, daß die Welt erkennen würde, daß diese Liebe von Ihm stammte, und das konnte zum Erfassen des Heils führen (17,21).
Geliebte, laßt uns einander lieben, denn die Liebe ist aus Gott; und jeder, der liebt, ist aus Gott geboren (O. von Gott gezeugt) und erkennt Gott, Elberfelder 1871 – 1.Johannes 4,7
Meine Freunde! Laßt uns einander lieben, denn die Liebe kommt von Gott. Wer seinen Bruder liebt, beweist damit, daß er ein Kind Gottes ist und Gott wirklich kennt. Hoffnung für alle – 1996 – 1.Johannes 4:7
Ihr Hingegebenen, lasst uns in Liebe füreinander da sein, denn von Gott stammt die Liebe und jeder, der sich immer wieder hingibt, ist bereits von Gott gezeugt worden und lernt Gott kennen. Gottes Agenda – 1.Joh 4,7
Ihr Lieben, lasst uns einander in Liebe begegnen, denn die Liebe hat ihren Ursprung in Gott. Und jeder, der in der Liebe lebt, der ist aus Gott geboren und kennt Gott wirklich. das Buch 2022 – 1.Joh 4:7
Liebe zu anderen? Ja, Jesus sagte, dass die Liebe der meisten erkalten würde. Das zeigt sich unter anderem, dass Kindesmissbrauch und Ehebrecher weiterhin geduldet werden, wenn man nicht mindestens zwei Zeugen bringen kann. Das ist wirklich lieblos den Opfern gegenüber! Oder schauen wir auf die Menschen, die andere gläubige Menschen nur deshalb als „korrupter Tyrann“ bezeichnet, weil er einer anderen christlichen Demonstration angehört! Das ist wirklich lieblos! Wessen Geist zeigen diese Beispiele??
Johannes beginnt mit einer Warnung vor den falschen Geistern in der Welt. Denken Sie daran, dass das Neue Testament noch nicht vollendet war und das Geschriebene noch nicht allgemein bekannt war; bis zur Vollendung des Neuen Testaments waren die Ortsgemeinden auf den Dienst von Menschen mit geistlichen Gaben angewiesen, die sie die Wahrheit lehrten. Wie konnte ein Gläubiger wissen, ob ein Prediger von Gott war und ob man seiner Botschaft vertrauen konnte? (Siehe 1. Thess. 5:19-21.) Schließlich ist der Satan ein Nachahmer. Johannes sagt, dass die falschen Geister nicht bekennen werden, dass Jesus der Christus ist (siehe 1. Korinther 12,3). Die falschen Kulte leugnen heute die Gottheit Christi und machen ihn zu einem bloßen Menschen oder einem inspirierten Lehrer. Aber der Christ hat den Geist in sich, die neue Natur, und das gibt ihm Überwindungskraft.
Es gibt heute zwei Geister in der Welt: Gottes Geist der Wahrheit, der durch das inspirierte Wort spricht, und Satans Geist des Irrtums, der Lügen lehrt (1. Tim. 4:1ff). Von Gott gesandte Lehrer werden von Gott sprechen, und Gottes Kinder werden sie erkennen. Satans Arbeiter werden aus weltlicher Weisheit sprechen und sich auf diese verlassen (1. Korinther 1,7-2,16). Die wahren Schafe erkennen die Stimme des Hirten (Johannes 10:1-5, 27-28). Wahre Schafe erkennen auch einander und lieben einander. Satan ist ein Spalter und Zerstörer; Christus vereinigt die Menschen in Liebe.
Wiersbes Erläuterungen zum Neuen Testament
In diesem nächsten Abschnitt (7-16) lenkt Johannes den Blick wieder auf die Liebe, und insbesondere „identifiziert er sowohl die Quelle als auch die Definition der Liebe als Gott selbst. Gottes Liebe kommt am stärksten darin zum Ausdruck, dass er seinen Sohn als Sühneopfer für unsere Sünde gesandt hat, damit wir durch ihn ewig leben können“.1 Jobes führt weiter aus: „Die Begründung für das Liebesgebot ist, dass die Liebe ein Wesensmerkmal Gottes ist. Daher werden diejenigen, die aus Gott geboren sind, auch durch ihre Liebe zu anderen definiert.“
Geliebte Freunde – Der Älteste bezeichnet seine Zuhörer erneut als agapetoi (Geliebte, ἀγαπητοὶ) und erinnert sie daran, dass sie nicht nur vom Autor, sondern auch von Gott geliebt werden.
Wer nicht liebt, kennt Gott nicht – Dies ist wieder eine Rückkehr zum Gebot der gegenseitigen Liebe, eine Erweiterung der Diskussion aus den Kapiteln 2 und 3 (siehe insbesondere den Kommentar zu 2:9-22 und 3:11-18) und wird in Kapitel 4 noch erweitert. Wie Jobes bemerkt, „sind die persönliche Erkenntnis Gottes und die Liebe zu anderen, wie Gott sie definiert, untrennbar miteinander verbunden. Die Ermahnung des Johannes verlangt daher implizit eine Selbstprüfung“.
Rabbiner Joshua Brumbach – Die drei Briefe des Johannes – Hoffnung, Liebe und Bündnistreue
Alles in unserem Leben spiegelt unsere Beziehung zu Gott wider. Wenn wir vor Gott Angst haben, ihm insgeheim misstrauen oder versuchen, unseren wahren Zustand vor ihm zu verbergen, werden auch unsere anderen Beziehungen an einem Mangel jenes Vertrauens und jener Offenheit leiden, die eine Voraussetzung für echte Liebe sind.
June Hunt – Schlüssel zur biblischen Seelsorge
Der Sinn der Aufforderung am Anfang: „Geliebte, laßt uns einander lieben!“ ist nicht, das spezielle Thema der Bruderliebe anzuschlagen; denn der Kern dessen, was der Verf. jetzt ausführen will, folgt erst im ὅτι-Satz, und dieser stellt die Liebe ganz allgemein (ἡ ἀγάπη) in den Mittelpunkt. Es geht ihm hei der Sonderung der Christen von den „Pseudopropheten“ darum, festzustellen, daß der echte Christ ein Liebender ist, so wie jeder zur „Welt“ Gehörige ein Hassender ist: 3, 13, vgl. Joh 15, 18f; 17, 14. Die Liebe als solche ist die Art Gottes (ἐκ τοῦ θεοῦ) und Gottes allein. Die „Welt“ kann zwar auch ihresgleichen „lieben“ (φιλεῖν), Joh 15, 19; aber ihre eigentlichen Begierden sind Lüge und Mord (vgl. Joh 8, 44; 1 Joh 3, 12. 15).
Erkennt man diese Fragestellung und dieses umfassende Thema von der „Liebe“ schlechthin, dann wird man in 7c an der allgemeinen Fassung πᾶς ὁ ἀγαπῶν nicht rütteln. Sowohl die Lesart von Cod. A, der τὸν θεόν ergänzt, als auch die stillschweigende Einfügung τοὺς ἀδελφούς gemäß 7a bedeutet eine unzulässige Einengung.
Jeder Liebende, sofern er liebt, ist aus Gott geboren. Das heißt natürlich nicht, daß die Geburt aus Gott in der Liebe besteht, sondern, wie in ähnlichen Sätzen in 1 Joh, in ihr erkennbar wird. In nächste Nachbarschaft mit der Zeugung aus Gott tritt die Erkenntnis Gottes. Auch für sie wird die Liebe ein Kriterium, wie V 8 bestätigt. Der Gedanke selbst, nur auf die Bruderliebe bzw. das „Erfüllen der Gebote“ spezialisiert, ist bereits aus 2, 3ff bekannt. Wenn sich die „Zeugung aus Gott“ mehr auf den Ursprung bezieht, so „Gott erkennen“ stärker auf die bleibende Gemeinschaft mit Gott. Nur wer sich als Liebender erweist, zeigt — eben durch seine Liebe —, daß er Gottes Art und Gemeinschaft besitzt. Der Verf. gebraucht bewußt diese Wendungen, die das gemeinsame Ziel der damaligen religiösen Sehnsucht außerhalb und innerhalb des Christentums wiedergeben, um seiner Liebesforderung Klang zu verleihen, und zugleich, um die Gegner abzutun.
Herders Theologischer Kommentar zum Neuen Testament
Die klare Scheidung von den Irrlehrern, falschen Propheten und Antichristen ist nicht lieblos, wie bis heute oft gesagt wird. Es ist gerade gelebte Liebe, wenn wir als Christen deutlich auf die antichristlichen Geister hinweisen und warnen. Ist das lieblos, wenn ich einem, der verblendet auf einen Abgrund zugeht, laut und deutlich: »Halt! Stopp! Kehre um! Du gehst in dein Verderben!« zurufe? Wenn ich nicht rufen würde, das wäre lieblos! So wird gerade der Kampf gegen Irrlehre aus Liebe geführt, muss um der Liebe willen geführt werden. Das sollte man uns Christen auch abspüren, und hier mangelt es oft bei uns. Fanatismus kommt nie aus der Liebe.
Doch ist der Kampf gegen die Irrlehre auch nie unser erstes Werk, sondern vielmehr der Mitbau am Reich Gottes, die Erbauung der Gemeinde und die gelebte brüderliche Liebe. Dan hinein ruft Johannes jetzt noch einmal (vgl. 1Joh 2,7ff.; 1Joh 3,11ff.) seine Gemeinden. Er ist selbst von der Liebe durchdrungen, und die Anrede »Geliebte« zeigt sein Innerstes. Im Griechischen kann das Folgende sowohl Aussage als auch Aufforderung sein. »Wir lieben einander« oder »lasst uns einander lieben«. Von Vers 11 her, wo es Aufruf ist (»wir sollen … lieben«), entscheiden wir uns für die Aufforderung. Christliche Liebe geschieht nicht automatisch, sondern bedarf des Wollens (vgl. zu 1Joh 3,11). Die Liebe wächst dort in uns,« wo wir den Geist Gottes in uns verändernd wirken lassen, denn er entzündet zur Liebe; er schenkt uns das neue Wollen, den Willen zu lieben.
Es ist nicht eine allgemeine Gefühlsliebe gemeint, sondern die Liebe, die von Gott ist, eine Liebe, die frei ist von Selbst – und Begehrsucht; die göttliche Liebe, die in allem uns will, beschenkt und sucht. Wer so liebt, »der ist aus Gott geboren und kennt Gott.« Solche Liebe können wir nicht in uns selbst machen, wollen oder suchen. Die erlangen wir durch die Neugeburt; »der ist aus Gott gezeugt«, schreibt Johannes. Göttliche Liebe und natürliche, menschliche Liebe sind völlig wesensverschieden. Doch wo Gott uns neu zeugt, wo wir wiedergeboren sind, da ist Art von Art, da bleibt der »Same« Gottes in uns (vgl. 1Joh 3,9). Christliche Liebe ist Art von Gottes Art. Denn wir leben nun mit Gott in untrennbarer Gemeinschaft, »kennen Gott«, sind Art von Art.
Gerhard Maier – Edition C
Es scheint nun auf den ersten Blick ein abrupten Wechsel von einem etwas unerquicklichen Thema zu einem Hauptgedanken zu geben, der dem Leser weitaus mehr gefällt. Es ist der Übergang von „dem Geist des Irrtums“ zu „einander lieben“. Dennoch besteht hier eine Verbindung. Johannes hat den Geist der Wahrheit erwähnt (V.6), wobei ohne jeden Zweifel die Liebe Gottes in unsere Herzen durch den Heiligen Geist ausgegossen wurde. Wir sind aus dem Geist geboren und damit Kinder Gottes geworden. Daher sollten wir einander lieben. Der Geist des Irrtums erweist sich in denen, die von der Welt sind und die entgegengesetzten Merkmale besitzen: „Wundert euch nicht, Brüder, wenn die Welt euch haßt“ (3,13). „Geliebte“ ist eine liebevolle Anredeform. In Übereinstimmung mit der Wahrheit schärft er jetzt den Heiligen ein: Da Er uns also liebt, müssen wir einander lieben. Obwohl es stimmt, daß wir in Gemeinschaft mit Gott „eine sündige und vom Sündenfall zugrunde gerichtete Welt“ lieben müssen, geht es hier um eine gegenseitige Liebe, die besondere Liebe, die der Vater Seinen Kinder entgegenbringt und die wir nun einander erweisen. „Hier steigt der Brief zum Höhepunkt aller Offenbarungen empor“ (Law). „Laßt uns einander lieben“ (V.7); „Wir sind schuldig, einander zu lieben“ (V.11); „Wenn wir einander lieben“ (V.12); „Liebe ist aus Gott“ (V.7). Welcher Art ist diese Liebe? Keinesfalls die Liebe zur Welt, die wir nicht lieben sollen! Nicht die Liebe der Welt, denn die Welt liebt das Ihrige (vgl. Joh 15,19), sondern die Liebe des Vaters ist uns zuteil geworden. Er ist der Ursprung dieser Liebe, denn „die Liebe ist aus Gott“. „Ihr“ (V.4) sowie „wir“ (V.6) sind aus Gott, und daher wird die Liebe göttlichen Ursprungs in denen deutlich entfaltet werden, die Seine Kinder sind. Jeder, der Liebe erweist, ist aus Gott gezeugt (liebt mit der gleichartigen, göttlichen Liebe) und liebt Gott praktisch. Dies sind zwei Beweise der Neugeburt. „Gott hat sich uns in Jesus Christus als aufopfernde Liebe geoffenbart. Weil Gott Liebe im Wesen ist (V.8.16) und uns in Christus geliebt hat (V.12.13), müssen wir einander lieben“ (Stott).
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