Ich will euch heute eine neue wichtige Lebensregel von Gott mitgeben

so sage ich auch euch nunmehr. Ein neues Gebot gebe ich euch, daß ihr einander liebet; gleichwie ich euch liebgewonnen habe, daß auch Ihr einander liebet.
Johann Albrecht Bengel – Johannes 13:34

Aber ich übergebe euch eine neue Anweisung. Ihr sollt einander so lieben, wie ich euch geliebt habe. Das habe ich getan, damit auch ihr euch gegenseitig voller Liebe annehmt.
Roland Werner – Das Buch – Johannes 13,34

Ich will euch heute eine neue wichtige Lebensregel von Gott mitgeben: Liebt euch gegenseitig! So wie ich euch geliebt habe, so sollt ihr euch auch gegenseitig lieben!
VolxBibel – Joh 13,34

Den Text hatten wir schon einmal – deshalb heute nur Ergänzungen:

Die Konjunktion ἵνα („dass“) für den Inhalt des Gebots ein, nämlich die gegenseitige Liebe. Der Maßstab ist die Liebe des Herrn Durch die Vergleichspartikel καθὼς („wie“) nimmt der Herr den Übertrag von seiner Liebe zu der der Jünger vor.

P. Streitenberger – Johannes

Die elf Jünger würden in seiner Abwesenheit überleben, indem sie seinem Beispiel der Liebe folgten. Dieses Gebot war insofern neu, als es sich hier um die besondere, an JesuOpfer am Kreuz anschließende Liebe zu anderen Gläubigen handelt: … daß ihr euch untereinander liebt, wie ich euch geliebt habe. Die Liebe und Hilfsbereitschaft der Christen untereinander sollte es ihnen ermöglichen, in einer feindlichen Welt zu überleben. Wie Jesus die Verkörperung der Liebe Gottes war, so sollte jetzt jeder Jünger die Liebe Christi verkörpern. Diese Liebe ist ein Zeichen für die Welt und für jeden Gläubigen (1Joh 3,14).

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

Er gebietet ihnen nicht vielerlei, nennt ihnen nicht eine lange Reihe von Werken, die sie von nun an für ihn zu tun hätten, gibt ihnen vielmehr ein einziges Gebot, für alle dasselbe: einander liebzuhaben. Nichts als das! ein törichter Gedanke, wenn wir so sprächen. Denn mehr als irgend etwas, was er hätte nennen können, ist dies ein Beruf, der das ganze Leben umspannt, alle Kraft fordert, immer uns begleitet und nie abgetan ist, sondern mit immer neuem Antrieb Herz und Willen, Wort und Tat in Bewegung setzt.
Jesus macht ihnen an dem, was er ihnen selber tat, deutlich, warum er das und nichts anderes von ihnen verlangte. Dem entspricht das, was er nun als ihren Dienst ihnen anbefiehlt, wie er es ihnen schon durch das Zeichen, das er ihnen gab, durch die Fußwaschung, erläutert hat. Sie haben in ihrem Teil fortzusetzen, was er ihnen tat, sollen einander so ansehen, wie sie Jesus ansah, und einander als die behandeln, denen Jesu Liebe gehört. Von Haus aus gingen die Jünger einander nichts an; der eine war aus Bethsaida, der andere aus Kana, der dritte aus einem dritten Ort; der eine war früher Zöllner, der andere Zelot gewesen. Was sie verband, war, daß Jesus ihnen allen seine Liebe gegeben hatte. Dies tat er aber dazu, um sie auch in ihnen zu erwecken; darum vergab er ihnen, damit sie vergeben, half ihnen, damit sie helfen lernen, und nahm sie zu sich, um sie untereinander zu verbinden, alle Zertrennung zwischen ihnen wegzuheben und die Gemeinschaft zwischen ihnen zu schaffen, in der einer für den anderen lebt.
Er heißt das ein neues Gebot, das ihnen niemand geben konnte als er. Durch ihn ist für die Jünger alles neu geworden, sowohl ihr Anteil an Gott als ihre Verbundenheit miteinander. Neu ist für sie ihre Versetzung in Gottes Gnade, neu darum auch das Gebot, das ihnen jetzt kundtut, worin ihr Dienst Gottes bestehen muß. Neu ist auch ihre Gemeinschaft miteinander. Sie ist durch Jesus geschaffen. Auf seiner Gnade beruht ihre Liebe, auf seinem Vergeben ihre Geduld, auf seinem Wort ihre Eintracht im Denken und Handeln, auf seiner Verheißung ihre Hoffnung füreinander. Auch er selbst hat ihnen sein Gebot bisher noch nicht in dieser Weise gegeben, sondern gibt es ihnen erst jetzt neu. Die Stellung und Aufgabe der Jünger wurde ja durch seinen Weggang völlig neu. Daß sie nicht miteinander streiten, einander nicht beneiden und hassen, sondern liebhaben sollten, war ihnen freilich schon bisher durch ihr Gewissen vorgeschrieben, durch das Gesetz als heiliger Wille Gottes anbefohlen und durch Jesu ganzen Unterricht deutlich gemacht. Allein bisher war es Jesus selbst, der ihren Kreis zusammenhielt, auf jeden unter ihnen achtgab, für sie sorgte, alles wegnahm, was sie trennen konnte, und eines jeden Herz und Willen zum anderen hinwandte. Nun müssen sie selbst einander lieben; deswegen, weil ihr Kreis das Haupt verliert, das alle verband und leitete, darf er nicht auseinanderfallen. Er hat sie dazu liebgehabt, damit sie beieinander bleiben und füreinander leben, und gibt ihnen deshalb jetzt, da er seine Liebe an ihnen vollendet hat, dies als sein neues Gebot, das von jetzt an für sie in Kraft tritt, daß jetzt sie einander lieben.

Schlatters Erläuterungen zum Neuen Testament

Die Jünger würden eines Tages tatsächlich auferstehen und für immer beim Herrn sein; für die Zwischenzeit aber gab Er ihnen ein neues Gebot, das der Liebe, das seinem Beispiel folgte. Diese Liebe Christi zeigte sich, als Er in Demut die Bedürfnisse der Jünger stillte (V.1). Es war opferbereite Liebe, welche zu Seinem Tod führte (Gal 2,20; Eph 5,2). Das Vorbild Christi wird gesehen im Wörtlein „gleichwie“. Es findet sich auch in Eph 4,32 (wo es um Vergebung geht), und in Eph 5,2 (wo es um Wandel geht), und in 1Jo 2,6 (wo es ebenfalls um Wandel geht).
 Zudem war dieses Gebot ein „neues“. Schon das Gesetz hatte Liebe geboten: „Du sollst den Nächsten lieben wie dich selbst“ (3Mo 19,18), was der Herr in Seiner Lehrtätigkeit zitierte (Mt 19,19;22,39 ). Als aber die Gnade an die Stelle des Gesetzes trat, mußte die alte Liebe gemäß der Gnade verwandelt werden. Das Alte war vergangen. So mußte nicht nur der Nächste, sondern auch der Feind geliebt werden. Der Charakter christlicher Liebe wird in 1Kor 13 ausbuchstabiert, obgleich diese Liebe einem Ungläubigen seltsam erscheinen mag, und zwar nicht nur, wenn sie ihm erwiesen wird, sondern auch, wenn sie sich unter den Gläubigen zeigt. In V.35 heißt es, daß die Welt erkennen würde, daß diese Liebe von Ihm stammte, und das konnte zum Erfassen des Heils führen (17,21).

Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt