prunkvolle Kirchen = unbiblisch?

nun muss ich es doch noch loswerden, denn der Artikel im neuen Erwachet schreit einfach danach:

Wir hatten vor einigen Tagen ein interessantes Gespräch mit einem der Naturfreunde an unserem See, der nach eigener Aussage mal die ganze Bibel gelesen hat und erzählte, dass er einem Freund auf dessen Anklage Richtung prunkvolle Kirchen geantwortet hat, dass doch Jehova selbst für die Stiftshütte kostbare Bauweise und Einrichtung gefordert hatte. Dies ist in meinen Augen ein gutes Argument, denn wie kann ich dann verwerflich finden, dass die Kirchen sich prunkvolle Gotteshäuser bauen, wenn doch für die Anbetung Jehovas nur das Beste gut genug ist?

Jule 28. Mai 2012 Religion 3 Kommentare Trackback URI Kommentare RSS

3 Kommentare zu “prunkvolle Kirchen = unbiblisch?”

  1. Juleam 28. Mai 2012 um 19:59 Link zum Kommentar

    Warum hat in dieser Hinsicht scheinbar ein Umschwung stattgefunden? Warum ist es heute unbiblisch und damals aber von Jehova gefordert? Thom sagte noch, dass ja Jehova auch die Baupläne für den Tempel Salomos gegeben hatte und dieser war ebenfalls sehr prunkvoll…

    In dem o.g. Erwachet vom August 2012 wird in dem Artikel „Was sagt die Bibel? Muss man zum Beten in eine Kirche oder ein anderes Gotteshaus gehen? auf Seite 15 gesagt:

    Für wahre Anbeter Gottes spielt das Zusammenkommen mit Glaubensbrüdern eine wichtige Rolle, weil man so christliche Eigenschaften in einem Ausmaß entwickeln kann, wie man es allein niemals könnte – sprich: Liebe, Freundlichkeit, Milde, Friedfertigkeit und die Bereitschaft zu verzeihen (2. Korinther 2:7; Galater 5:19-23).

    Wo versammelten sich die ersten Christen, um Gemeinschaft zu pflegen und Gott anzubeten? Oft trafen sie sich in Privathäusern (Römer 16:5; Kolosser 4:15). …

    Anbeter Gottes brauchen also keine prunkvollen Gebäude. Es reicht völlig, wenn man einen Saal hat, der ausreichend Platz bietet und in dem sich alle wohlfühlen. Genau das ist in den sogenannten Königreichssälen der Zeugen Jehovas der Fall. … Es handelt sich um einfache, zweckmäßige Gebäude…

    Weiter wird in dem Artikel auf Seite 14 auszugsweise gesagt:

    Für Jesus standen nicht Bauwerke im Vordergrund, sondern entscheidend war, dass sich die Anbetung auf die Wahrheit gründete und aus einem aufrichtigen Herzen kam.

    Dass nicht unbedingt ein prunkvoller Bau nötig ist, um Jehova anzubeten, ist die eine Sache, denn ich persönlich benötige keinen Prunk, um meinem Gott nahe zu sein und mit ihm zu sprechen. Darauf wird ja in dem Artikel auch eingegangen, dass ‚die vertraute Momente, die wir mit unserem Gott verbringen‘ sehr wertvoll sind und niemand von uns sie missen möchte. Aber warum kann ich daraus schließen, dass heute prunkvolle Anbetungsstätten unbiblisch und damit verwerflich sind?

    Weil sich durch das Kommen Jesu und mit ihm durch den neuen Bund alles geändert hat? Weil der Tempel nur eine Vorschau auf das sein sollte, was später im himmlischen Bereich kommen sollte?

    Beim Lesen des Buches „Dann ist das Geheimnis Gottes vollendet“ (1970 Wtlib) ist mir aufgefallen, dass sich vieles von den Dingen des Tempels im himmlischen Bereich wiederfindet und daher wohl so von Jehova „gefordert“ war, damit man später das verstehen konnte, was Johannes in der Offenbarung sagte. So heißt es dort in Kapitel 1 Absatz 3 auszugsweise:

    Als ob er für uns photographieren wolle, was er sah, schrieb der Apostel Johannes unter Inspiration den Bericht über seine Ehrfurcht einflößende Vision nieder. Aber konnte der betagte Apostel Johannes mit Worten der menschlichen Sprache den herrlichen Anblick beschreiben, um uns Menschen mit so schwachen Augen zu helfen, in etwa eine Vorstellung von dem zu bekommen, was er sah?

    Ab Absatz 8 heißt es auszugsweise weiter:

    Der Hintergrund vor dem dieser majestätische Herrscher thronte, hatte einige Merkmale, die den Apostel Johannes an Gottes Tempel erinnern konnten, der einst im alten Jerusalem gestanden hatte. Wie passend all dies doch für eine allerheiligste Stätte war! Im Allerheiligsten des Tempels war Jehova Gott durch die Schekina, das übernatürliche Licht, versinnbildlicht worden, so daß Jehova mitten im alten Jerusalem gethront hatte…

    9 Gott, der Schöpfer, ist der größte König. Diese Tatsache wird durch das veranschaulicht, was dem Apostel Johannes als nächstes in bezug auf Gottes Thron enthüllt wird. Johannes sagt: „Und rings um den Thron, da sind vierundzwanzig Throne, und auf diesen Thronen sah ich vierundzwanzig ältere Personen sitzen, mit weißen äußeren Kleidern bekleidet, und auf ihren Häuptern goldene Kronen. Und aus dem Throne gehen Blitze und Stimmen und Donner hervor; und da sind sieben Feuerlampen, die vor dem Throne brennen, und diese bedeuten die sieben Geister Gottes. Und vor dem Throne, da ist gleichsam ein gläsernes Meer, wie Kristall.“ — Offenbarung 4:4-6. …

    16 Angezündete Lampen dienen dazu, Personen in einem Raum oder in einem gewissen Gebiet Licht zu spenden. Die vollkommene Zahl der Lampen — sieben — würde eine Fülle an Licht verbreiten, eine Erleuchtung, die darauf zurückzuführen ist, daß Gottes Geist siebenfach, in seiner vollen Kraft, wirksam ist. (1. Korinther 2:10) Diese sinnbildlichen sieben Lampen deuten an, daß Gott in Erfüllung der Vision des Johannes im Interesse der reinen, lauteren Anbetung in seinem himmlischen Tempel thront, da in Gottes irdischem Zelt oder dem Tempel in Silo vor den Tagen König Davids ein siebenarmiger Leuchter war, der sieben Lampen für die Beleuchtung des Heiligtums hatte. — 2. Mose 25:31-40; 40:1-4, 24, 25.

    17 Ein weiterer Hinweis darauf, daß diese Szene Gott in seinem himmlischen Tempel darstellt, ist die Tatsache, daß „vor dem Throne . . . gleichsam ein gläsernes Meer [ist], wie Kristall“. (Offenbarung 4:6) In Gottes Einrichtung der alten Zeit unter den Israeliten gab es ein Waschgefäß oder -becken, das zwischen dem Kupferaltar und dem Heiligtum stand (2. Mose 30:18-21; 40:7, 11, 30, 31); und später, im Tempel König Salomos in Jerusalem, war dieses Waschgefäß oder Becken so groß, daß es als Meer bezeichnet wurde. — 1. Könige 7:23-44; 1. Chronika 18:8.

    18 Das gegossene Meer im Tempel Salomos war aus Kupfer gemacht, aber das Meer, das Johannes in seiner Vision sah, war gläsern, „wie Kristall“, durchsichtig. Wie im alten Israel das Meer des Tempels für die opfernden Priester da war, damit sie reichlich Wasser hatten, um sich Hände und Füße zu waschen, so deutet das ‘gläserne Meer wie Kristall’ an, daß diejenigen, die sich Gott nahen, rein, lauter sind. Paulus, ein Mitapostel des Johannes, spricht in Epheser 5:25, 26 von der Reinigung der Nachfolger Christi „mit dem Wasserbad durch das Wort“. In Übereinstimmung mit dem Bild sorgt Gott dafür, daß sein ‘gläsernes Meer wie Kristall’ immer mit dem läuternden Wasser seines Wortes der Wahrheit gefüllt ist. Diejenigen, die sich Gott auf annehmbare Weise nahen, müssen durch sein Wort gereinigt werden. — Johannes 15:3. …

    Und so geht es immer weiter: all die Dinge, die wir bereits aus der Stiftshütte und später aus dem Tempel kennen, tauchen hier in der himmlischen Vision wieder auf und da Johannes – wie jeder Jude, der die hebräischen und aramäischen Schriften kannte – wusste, was es damit auf sich hatte, konnte er eine Beschreibung abgeben, die alle verstanden. Hierin sind die Juden uns heutigen Christen ja oftmals im Vorteil, dass sie die Hintergründe besser kennen, als wir selbst. Wir hatten ja vor einiger Zeit auch einen interessanten Studienartikel dazu. „Lehren ziehen aus dem Rahmenbau der Wahrheit“.

    Könnte es also sein, dass Jehova die Anweisungen für die Stiftshütte und den Bauplan vom Tempel in Voraussicht darauf gegeben hat, was er später seinen Dienern über das „heilige Geheimnis Gottes“ offenbaren würde? Und damit hatten sie ihren Sinn und ihre Berechtigung verloren, ebenso wie der Sabbat und die Opfer, die damals zu bringen waren?

    Trotzdem war es doch später nicht verwerflich, sich weiterhin daran zu halten, es war nur nicht mehr wesentlich. Aber vielleicht ging es darum, dass wir zeigen, dass wir den Sinn verstanden haben und begriffen haben, was es mit dem Lösegeld auf sich hat, indem wir die alten Dinge aus dem GESETZ lassen und nur noch dem folgen, was Jesus später sagte und einführte?

    Jesus hatte in seiner Empörung den Tempel gereinigt. Auch hier haben wir eine Erklärung in dem neueren aktuellen Studienartikel „Der Sohn will den Vater offenbaren“, wenn es in Absatz 11 heißt:

    Und wie steht es mit dem Bericht darüber, wie Jesus den Tempel reinigte? Mal dir die Szene aus: Jesus macht aus Stricken eine Peitsche und treibt dann die Rinder und Schafe samt ihren Verkäufern hinaus. Er verstreut die Münzen der Geldwechsler und stößt ihre Tische um (Johannes 2:13-17). Jesus ging so energisch vor, dass seine Jünger unwillkürlich an die prophetischen Worte von König David denken mussten: „Echter Eifer um dein Haus hat mich verzehrt“ (Psalm 69:9). Sein entschlossenes Handeln verriet, wie viel ihm daran lag, die wahre Anbetung zu verteidigen. Erkennst du darin die Persönlichkeit des Vaters? Dieser Bericht führt uns vor Augen, dass Jehova nicht nur alle Macht hat, das Böse von der Erde hinweg zu fegen – es ist auch sein brennender Wunsch! Die Beschreibung, wie heftig Jesus auf das Böse reagierte, lässt darauf schließen, was Jehova empfindet, wenn er heute mit ansehen muss, wie die Bosheit auf der Erde überhand nimmt. Macht uns das nicht viel Mut, gerade wenn wir unter Ungerechtigkeit zu leiden haben?

    Aber hier ging es ja nicht um Prunk, sondern darum, dass sie Geschäfte damit trieben, dass die Leute opfern „mussten“ und dass die Priester mit ihnen einen Deal hatten, dass sie die Tiere nicht annahmen, die die Israeliten von zu Hause mitnahmen, sondern behaupteten, diese seien nicht fehlerlos und so mussten sie völlig überteuert die Tiere der Tempelhändler kaufen.

    Also noch mal:

    Warum ist es scheinbar auf einmal verwerflich, wenn die Kirchen den Prunk aufweisen, den sie haben?

  2. Juleam 31. Mai 2012 um 02:06 Link zum Kommentar

    Warum nutzten sie ersten Christen nicht den Tempel oder die Synagogen?
    Weil sie ja von den Juden verfolgt wurden, die bereits für den Tod von Jesus verantwortlich waren. Sie hielten ja ihn und seine Lehren für gotteslästerlich.

    Warum bauten sie sich keinen eigenen Tempel?
    Weil die meisten Dinge, die Jehova für den Tempel vorgesehen hatte, nur eine Vorschau auf den Messias waren, wie z.B. der Hohepriester, das Allerheiligste usw..

    Warum bauten sie sich keine eigenen „Kirchen“, die ebenso kostbar ausgestattet waren wie der Tempel?
    Weil sie keine Zeit dazu hatten: Jesus hatte ihnen einen klaren Auftrag gegeben, bevor er in den Himmel auffuhr: sie sollten den Menschen von Gottes Königreich erzählen und Jünger machen. Das haben die ersten Christen getan, wie wir aus der Apostelgeschichte erfahren. Dann sollten sie in die ganze Welt hinaus ziehen und die Menschen belehren. Bevor sie weiter zogen, gründeten sie neue Versammlungen, die dann ebenfalls den gleichen Auftrag hatten. So blieb keine Zeit für aufwendige und kostspielige Bauten. Sie lebten laut Jesu Aussage in der Zeit des Endes und mussten die Zeit für das Predigen nutzen.

    Später, als das Christentum verwässert wurde und immer mehr von den heidnischen Bräuchen übernahm, baute man wieder prachtvolle Bauten. Vielleicht setzte man einfach die Prioritäten falsch?

    Als Ende vom 18. Jahrhundert die ersten Gruppen sich wieder intensiv mit der Bibel beschäftigten, erkannten sie, dass auch wir in der Zeit des Endes leben, dass das im ersten Jahrhundert nur eine kleinere Erfüllung der Prophezeiung war und dass sie ebenfalls den Aufrag hatten, die Menschen über das Königreich Gottes zu belehren. Dies war oberste Priorität und durch die starke Mehrung mussten laufend neue Zusammenkunftsstätten gebaut werden. Wenn sie sich nun mit dem Bau aufwendiger „Kirchen“ aufgehalten hätten, hätten sie sich nicht so auf das Predigtwerk konzentrieren können, wie es ihr Herr Jesus von ihnen erwartete. Also bauten sie nur einfache Säle, da Jehova keinen Pomp benötigt und auch sie keinen Luxus brauchten, um ihrem Gott nahe zu sein. So ist es bis heute geblieben, die Königreishssäle der Zeugen Jehovas sind einfache und bescheidene Bauten, die oftmals in wenigen Tagen von den Brüdern erstellt werden.

    Sind die kostspieligen Kirchen daher verwerflich in Gottes Augen?
    Immerhin sind sie erbaut worden, bevor die Erkenntnis aufkam, dass man die ersten Christen nachahmen soillte und jeder einzelne Christ die Aufgabe hätte, das Wort Gottes zu verkündigen. Die neueren Kirchenhäuser sind ebenfalls einfache Bauten, auch bei den evangelischen oder katholischen Glaubensgemeinschaften.

    Tja, nun stehe ich wohl wieder am Anfang: sind die kostspieligen Kirchen wirklich so verwerflich?

    Bei der Frage ging es ja nicht darum, dass viele heidnische Elemente dort Einzug gehalten haben und dass die Heiligenbilder nicht in Übereinstimmung mit dem sind, was Jehova in seinem Wort sagt. Es ging ja nur darum, dass die Bauten sehr kostspielig sind und wertvolle „Schätze“ enthalten..

  3. Juleam 18. Juni 2012 um 20:25 Link zum Kommentar

    aus Gedanken zu 1. Könige 6:20-22

    [… ]Wie ich vorhin gesehen habe, hatte ich zu diesen Versen vor einiger Zeit selbst den Gedanken, dass der Prunk der Kirchen hierin seinen Ursprung hätte

    Wie Vers 38 zeigt, waren dies ja Vorgaben von Jehova, denn ER war es ja, der David seinerzeit die Pläne gab, die dieser dann seinem Sohn weiter reichte.

    Im 11. Regierungsjahr Salomos, im Monat Bul, dem 8. Monat des Jahres, war der Tempel fertig. Insgesamt hatte man also sieben Jahre daran gebaut. Jede Einzelheit stimmte genau mit den Bauplänen überein.

    […]

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