Als nun Jesus die Mutter sah und den Jünger, welchen er liebte, dabeistehen, spricht er zu seiner Mutter: Weib, siehe, dein Sohn!
Elberfelder 1871 – Johannes 19,26
Als nun Jesus [seine] Mutter sah und den Jünger, den er liebgewonnen hatte, dabeistehen, sagt er zu seiner Mutter: „Frau, siehe!, [da ist] dein Sohn.“
Leonberger Bibel – byzantinischen Text von Robinson-Pierpont 05 – 2020 – Joh 19,26
Als Jesus nun [seine] Mutter sah, und dass der Jünger, den er besonders mochte, ihr beistand, sagt er zu [seiner] Mutter: „Frau, sieh, dein Sohn!“
Leonberger Bibel – Nestle-Aland 28 – 2015 – Joh 19:26
Jesus sah seine Mutter und den Schüler, den er besonders lieb hatte, und sagte zu seiner Mutter: »Frau, schau, das ist jetzt dein Sohn!
Das Buch – 2009 – Johannes 19:26

Den Vers 27 hatten wir schon einmal … also heute nur Ergänzungen:
damals schrieb ich :
Jesus sorgte sich auch in den letzten Minuten um seine Mutter- Sein Verhältnis zu ihr hatte sich nicht verändert. Kein „wir sehen uns ja bald wieder“ – sondern aktive Hilfe für den sofortigen Augenblick.
ἰδών Aor. Ptz. ὁράω, temp. παρ-εστῶτα Pf. (Wz.-Pf., H-S § 109a; m. präs. Bdtg.) Ptz. -ίσταμαι, AcP (A300); Ἰησοῦς οὖν ἰδὼν τὴν μητέρα καὶ τὸν μαθητὴν παρεστῶτα als Jesus seine Mutter und neben ihr den Jünger stehen sah. ἠγάπα Ipf. ἀγαπάω hier im Sinn v. besonders lieb haben. λέγει V. 4, ebenso V. 27. γύναι Vok. γυνή. ἴδε V. 4
Neuer Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament
Trotz seiner eigenen Leiden hatte Jesus noch liebevoll auf andere acht. Als er seine »Mutter« und »den Jünger« Johannes sah, stellt er ihr Johannes als den vor, der nach seinem Tod den Platz ihres Sohnes einnehmen sollte. Indem er seine Mutter mit »Frau« ansprach, ließ er keineswegs Respektlosigkeit ihr gegenüber erkennen. Doch ist es bemerkenswert, dass er sie nicht »Mutter« nennt. Ist das eine Lehre für diejenigen, die versucht sein könnten, Maria auf einen Platz zu erheben, an dem sie angebetet wird? Jesus befahl Johannes hier, für Maria zu sorgen, als ob sie seine eigene Mutter sei. Johannes gehorchte und nahm Maria fortan »zu sich«.
MacDonald – Kommentar zum Neuen Testament
Johannes erwähnt auch das Dabeisein seiner eigenen Mutter (Mt 27, 56) nicht. Daß er selber — offenbar im Unterschied zu allen andern Jüngern — bei dem sterbenden Herrn steht, erfahren wir nur dadurch, daß sich Jesus nun ausdrücklich an ihn wendet. Er kann seinem Herrn keinen Dienst leisten. Er kann den Sterbenden nicht stärken oder trösten. Auch von der Mutter hören wir kein Wort des Zuspruchs an den leidenden Sohn. Den Kelch des Vaters trinkt Jesus ohne Hilfe von Menschen. Aber auch in den Qualen und Beängstigungen des Kreuzestodes bleibt Jesus innerlich frei für die Menschen, die vor ihm stehen. Er handelt barmherzig und tröstlich an ihnen. „Als Jesus nun die Mutter sah und den Jünger, den er liebte, dabeistehen, sagt er zu der Mutter: Frau, da ist dein Sohn. Dann sagt er zu dem Jünger: Da ist deine Mutter.“
de Boor_2008 – Wuppertaler Studienbibel
Wie in Kap. 2, 4 nennt Jesus auch jetzt Maria nicht „Mutter“, sondern redet sie als „Frau“ an. Er, der Sohn Gottes, gehört ihr nicht, wie sonst Söhne der Mutter gehören. Wie einst bei dem ersten Wunder auf der Hochzeit zu Kana, muß auch jetzt beim Ausgang seines Lebens der Abstand gewahrt bleiben, der „den Heiligen Gottes“ von der „Frau“ trennt, die ihn als Menschen geboren hat. Aber Jesus „sieht“ sie, und dieses sein „Sehen“ ist nicht ein bloßes äußeres Erblicken. Immer erfaßt das „Sehen“ Jesu mit ernster Liebe die wesentliche Lage des andern. So „sieht“ Jesus hier die Mutter, vor der das Witwenlos mit besonderer Schwere liegt. Helfen kann er ihr selber nicht mehr. Zu hinterlassen vermag er ihr nichts, nachdem die Soldaten ihm selbst die Kleider genommen. Aber er gibt ihr eine neue Heimat bei seinem Jünger Johannes. Damit tröstet Jesus zugleich Johannes selbst. Denn immer ist das der wirksamste Trost, wenn wir Aufgaben bekommen, bei denen unser verwundetes Herz seine Liebeskraft für andere einsetzen kann.
Es ist nicht ausgeschlossen, dass Jesus und der Apostel Johannes Cousins waren und dass dies das Hochzeitsfest des Johannes war. Im Matthäus-Evangelium lesen wir, dass Johannes der Sohn des Zebedäus war (Matthäus 4,21). Bei Matthäus lesen wir auch, dass die Mutter des Johannes, die Frau des Zebedäus, mit Maria am Kreuz war (Matthäus 27,56). Im Markusevangelium lesen wir, dass die Mutter des Johannes Salome hieß (Markus 15,40), und im Johannesevangelium lesen wir, dass Salome die Schwester von Jesu Mutter Maria ist (Johannes 19,25). Nach der Ausschlussmethode müssten die Mütter von Jesus und Johannes Schwestern sein, und somit wären Jesus und Johannes Cousins. Wenn Marias Neffe geheiratet hat, ist es nur natürlich, dass sie bei den praktischen Vorbereitungen der Hochzeit geholfen hat, was wiederum erklärt, warum sie sich Sorgen macht, dass der Hochzeitswein ausgegangen ist. Dass Johannes nicht namentlich erwähnt, wer geheiratet hat, entspricht dem Umstand, dass er sich in seinem eigenen Evangelium nie namentlich nennt. Es ist nicht möglich, mit Sicherheit festzustellen, dass dies die Hochzeit des Johannes ist, aber es ist auch nicht möglich, dies auszuschließen.
Christian Mölk’s Bibelkommentar
Im Nebensatz, der ein letztes Handeln Jesu gegenüber anderen vor seinem Tod einleitet, wird die Szenerie vervollständigt. Jetzt führt Johannes auch noch den Schüler, den Jesus liebte, als beim Kreuz stehend an. Jesus wendet sich jeweils an seine Mutter und ihn und weist sie einander zu: „Als nun Jesus seine Mutter erblickte und den Schüler, den er liebte, bei ihr stehen, sagte er seiner Mutter: ‚Frau, sieh doch, dein Sohn!‘ Danach sagte er dem Schüler: ‚Sieh doch, deine Mutter!‘ “ Diese Zuweisung hat zugleich den Charakter eines Gebotes. Sie ist das Letzte, was Jesus vor seinem Tod gebietet, und bekommt so den Charakter eines Vermächtnisses. Ihm wird sogleich entsprochen: „Und von jener Stunde an nahm sie der Schüler bei sich auf.“ Diese Stunde ist Jesu Stunde, von der er nach 13,1 wusste, dass sie gekommen sei. Nun erreicht sie mit Jesu Tod ihren Höhepunkt. Von dieser Stunde an, vom Kreuz Jesu her, nimmt der Schüler die Mutter Jesu bei sich auf, verhält er sich ihr gegenüber solidarisch. Es ist das genau gegenteilige Verhalten zu dem vorher geschilderten der Soldaten. Während sie den kärglichen Besitz Jesu an sich rafften, wird hier sein Vermächtnis erfüllt, einander zu lieben. Dieses Vermächtnis hat Jesus – im Wissen, dass seine Stunde gekommen sei – seinen Schülern in 13,34f. gegeben. Vom Kreuz herab konkretisiert er es jetzt gegenüber der Mutter und dem Schüler. So entsteht ein eindrückliches Bild dessen, worauf das Vermächtnis Jesu zielt: dass von seinem Kreuz herkommend solidarisch gehandelt wird. So ist dieser namenlose Schüler der ideale Schüler, mit dem sich alle identifizieren können und sollen.
Wengst – Theologischer Kommentar zum Neuen Testament
Die Gestalt des Schülers, den Jesus liebte, steht an dieser Stelle nicht in einem unmittelbaren Gegenüber zu Simon Petrus. Es könnte aber eine implizite Gegenüberstellung mit der Szene beabsichtigt sein, in der dieser Jesus verleugnet. Dagegen harrt der ideale Schüler unter Jesu Kreuz aus und lässt sich von da einweisen in die geschwisterliche Gemeinde (vgl. 20,17).
Der Herr zeigte denen Seine Zuneigung, die treu zu Ihm hielten, dies trotz der Pein, die Er erlitt. Es ist unmöglich, darüber Gewißheit zu erlangen, ob dies vor oder nach den Stunden der Finsternis geschah; wir nehmen an vor, da Johannes Zeit hatte, die Mutter des Herrn wegzuführen und zum Kreuz zurückzukehren, um das Ende zu verfolgen. Es mag seltsam erscheinen, daß Johannes und die Frauen solche Nähe zum Kreuz aufsuchen konnten. Der Herr erkannte sie darin als jene, die Ihn liebten, dies im Gegensatz zu den Volksmengen, die ihn wie die Bienen umringt hatten (Ps 118,11.12).
Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt
Der Herr spricht
. Johannes spricht in verdeckter Form von sich selbst als dem „Jünger, welchen der Herr liebte“. Als der Herr ihn sah, sprach Er zu seiner Mutter: „Weib, siehe, dein Sohn!“ Er lenkte ihre Aufmerksamkeit nicht auf ihre natürlich empfangenen Söhne, die, so weit wir es zu erkennen vermögen, bis zu Seiner Auferstehung noch ungläubig waren (Mt 12,46; Joh 2,12;7,3-5; Apg 1,14; 1Kor 15,7; Gal 1,19). Vielmehr lenkte Er ihre Aufmerksamkeit auf den Apostel Johannes.
»Als nun Jesus die Mutter sah …, spricht er zu seiner Mutter«: Er denkt inmitten seiner Leiden an den Schmerz seiner Mutter und spricht zu ihr. Jesus ist der ewige Gottessohn; er ist Gott »offenbart … im Fleisch« (1Tim 3,16). Gerade das will uns das Johannesevangelium zeigen (1,1.14). Wir hätten wohl gedacht, es passe nicht zur Absicht gerade dieses Evangeliums, dass Johannes uns zeigt, wie Jesus sich in seiner Erhabenheit um die Bande kümmert, die ihn an Familie und Freunde knüpften. Doch es ist äußerst angemessen; denn Gott ist mächtig, aber er verachtet und übersieht niemanden (Hi 36,5). Er handelt erhaben in seiner Macht – und ist dabei ein Lehrer, der sich zu den Menschen neigt und zu ihnen spricht (Hi 36,22). Und so tut jetzt der Sohn Gottes. Er, der Maria erschaffen hatte, kümmert sich um sie und spricht zu ihr; sie soll wissen, dass sie nicht ohne Sohn bleibt, wenn ihr Erstgeborener und natürlicher Versorger sie jetzt verlässt. Und der »Jünger, den er liebte«, der später das Evangelium schrieb, soll wissen, dass sein Meister sich um seine Mutter sorgt.
Benedikt Peters – Kommentar zum Johannes-Evangelium
Wenn Jesus seine Mutter mit »Frau« anspricht, hebt er ihre besondere Aufgabe und Bedeutung hervor. Sie ist jene Frau, von der Gott gesprochen hatte, als er zum ersten Mal einen kommenden Retter verhieß, den »Samen der Frau«, der die Macht des Bösen über den Menschen brechen sollte (1Mo 3,15). Da steht nun diese Frau und wird Zeugin dieses alles umwälzenden Geschehens: Ihr sterbender Sohn macht in seinem Tod den zunichte, der die Macht über den Tod hatte (Hebr 2,14), und führt unzählige Seelen vom Tod zum Leben.
Dass Jesus sie nicht mit »Mutter« anspricht, ist auch ein Ausdruck von Mitgefühl: »Es war ein Ausdruck großer Freundlichkeit, dass er sie mit ›Frau‹ ansprach … Das Wort ›Mutter‹ hätte das Schwert – von dem Simeon geweissagt hatte (Lk 2,35) – nur tiefer durch ihre Seele gebohrt. Hier am Kreuz wie bei der Hochzeit zu Kana verwendet der Herr das Wort ›Frau‹, damit Maria nicht mehr an ihn als an ihren Sohn denke; denn je mehr sie in ihm den Sohn sieht, muss sie umso mehr leiden, wenn sie ihn leiden sieht. Maria muss anfangen, Jesus als ihren Herrn anzusehen … Dann wird sie verstehen, dass sein Leiden zwar unbeschreiblich ist, aber herrlich, weil es einem herrlichen Ziel dient« (Hendriksen).






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