Ruhe – nach getaner Arbeit

Also bleibt noch eine Sabbathruhe dem Volke Gottes übrig.
Elberfelder 1871 – Hebr 4,9

Es gibt also noch eine besondere Ruhe für das Volk Gottes, die noch in der Zukunft liegt.
Neues Leben – Bibel 2006 – Hebr 4:9

Darum steht die (eigentliche) Sabbatruhe für das Volk Gottes noch aus.
Bruns 2013 – Hebräer 4,9

Es bleibt daher eine Ruhe für das Volk Gottes aufbewahrt. Jetzt wird ein anderes Wort für „Ruhe“ (vgl. Luther ’56) vorgestellt. Es ist ein ungewöhnliches Wort. Ja, es ist einzigartig. F.F. Bruce sagt, daß „hier zum ersten Mal dieses Wort in der noch existierenden griechischen Literatur bezeugt wird“. Eine griechische Nachsilbe wird an ein hebräisches Wort angefügt, was den Begriff sabbatismos, wörtlich „das Sabbath-Einhalten“ (vgl. „Sabbatszeit“, Konkordante) ergibt. Er erinnert sehr stark an den lieblichen hebräischen Gruß am siebenten Tag, Schabbat Schalom! Er umfaßt Friede und Ruhe, friedvolle Atmosphäre und Ungestörtsein. Darin bestand Gottes Absicht und Ziel von Anfang an. Ein vollbrachtes Werk! Gott ruht! Und Menschen haben Teil daran! Doch so war es nicht gewesen. Weder in Eden noch in Kanaan wurde dies verwirklicht. Ja, auch nicht in Davids Tagen nach so langer Zeit. Und dennoch wird den Menschen im Evangelium die Botschaft überbracht, daß Gott eines Tages ruhen wird und diejenigen, die glauben, daran Anteil haben. Dann werden wir wahrhaftig in unseren sabbatismos eingegangen sein. Wir werden hören, wie Er zu uns sagt: Schabbat Schalom! Dies bleibt dem Volk Gottes aufbewahrt. Denn dies erhoffen wir und darauf warten wir mit Geduld. Die Schöpfung seufzt wie wir danach (Röm 8,22-24), und an einem herrlichen zukünftigen Tag wird es zu Seinem Wohlgefallen und zu Seiner Herrlichkeit völlig offenbar werden.

Was die Bibel lehrt

Endlich kann unser Verfasser feierlich feststellen: »Es ist also noch eine Ruhe vorhanden für das Volk Gottes.« Mit dieser Feststellung greift er auf die vorhergehenden Verse zurück. »Also« – weil Gott eben »von einem anderen Tage« redet (vgl. V. 8). Es wird doch »einige« geben, die in die Ruhe eingehen werden, die noch aussteht (vgl. V. 6). Diese »einige« bestehen aus dem »Volk Gottes«, dem wahren Israel (Gal 6,16). Hat Gott einen neuen Tag angekündigt und ist noch niemand in seine Ruhe gegangen – dann bleibt also eine Sabbatruhe, oder besser: ein Sabbatfest dem Volke Gottes aufbewahrt.
An dieser Stelle unterlässt die Luther-Übersetzung es leider, den ursprünglichen Wortlaut präzise wiederzugeben. Statt »Ruhe« steht im Grundtext sabbatismos, also »Sabbatfest«. Der Verfasser bezieht sich hier auf eine Erwartung, die zur Zeit des NT im Kreis der jüdischen Gelehrten gehegt wurde: Die zukünftige Welt wird ganz Sabbat und Fest sein. Die neue Welt Gottes (vgl. Offb 21,5) wird eine Welt der Ruhe und der Sabbatfeler sein, ein einziger vollkommener Sabbattag (O. Hofius). Was das Volk Gottes vom Eingehen zur Ruhe Gottes erwarten darf, ist also alles andere als Passivität, sondern eben ein »Sabbatfest«. Anbetung und Lobpreis Gottes sind grundlegende Elemente der ewigen Sabbatruhe des Gottesvolkes. (Vgl. Offb 7,15: »Darum sind sie vor dem Thron Gottes und dienen ihm Tag und Nacht in seinem Tempel.«)

Edition C

Es gilt jedoch, daß in Gottes Ruhe nur eintritt, wer auch von seinen Werken (ruht), so wie Gott von den seinen. Diese Äußerung ist sowohl eine Zusicherung als auch eine Ermahnung. Einerseits bestätigt sich darin die Schlußfolgerung des Verfassers (Hebräer 4,9), daß es eine solche Ruhe gibt, in die die Menschen eintreten können. Andererseits werden die Leser jedoch auch daran erinnert, daß sie nur dorthin gelangen können, wenn sie ihre eigenen Aufgaben erfüllen, wie Gott die seinen bei der Schöpfung erfüllt hat. In der Wendung „ruht … von seinen Werken“ gebraucht der Verfasser eine Art Wortspiel, denn das Verb für „ruhen“ heißt gleichzeitig auch „aufhören“ – ein Hinweis auf den erfolgreichen Abschluß einer Tätigkeit, zumal vor dem Hintergrund des Werkes Gottes. Das ist die Pointe des ganzen Abschnittes: Die Christen sollen ihr Leben nach dem Vorbild Jesu Christi einrichten, der „treu ist dem, der ihn gemacht hat“ (Hebräer 3,2), und müssen sich darum bemühen, „die Zuversicht vom Anfang bis zum Ende festzuhalten“ ( Hebräer 3,14; vgl. Hebräer 3,6). Nur so können sie im freudigen Genuß ihres Erbes im messianischen Königreich von ihren Werken ausruhen.

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

In Vers 9 verlässt der Verfasser die Kanaan-Ruhe, um sich der Sabbatruhe zuzuwenden:
Also bleibt noch eine Sabbatruhe dem Volk Gottes übrig
Der Schreiber benutzt hier für Ruhe das zweite griechische Wort, das sich in diesem Kapitel findet. Es ist das Wort sabbatismos. Dieser griechische Begriff wird nur hier und sonst nirgendwo im Neuen Testament gefunden. Gleason sagt zu diesem Begriff Folgendes:
Der Schreiber des Hebräerbriefes bezeichnete diese ursprüngliche Ruhe als sabbatismos. Obwohl dieser Begriff in der griechischen Literatur vor Abfassung des Hebräerbriefes nirgendwo zu finden war, taucht er mehrmals in anderen frühchristlichen Schriften auf. Jedes Mal ist mit [sabbatismos] nicht der Sabbattag gemeint, sondern vielmehr die „Einhaltung des Sabbats“ oder die „Sabbatfeier“. Die Betonung lag nicht auf dem Aufhören der täglichen Aktivitäten, sondern vielmehr auf Israels unbegrenzten Möglichkeiten, Gottes lebenserhaltende Gegenwart unter ihnen zu feiern (2Mose 31,12-16; vgl. 2Makk 8,27). Als solche war die Sabbatfeier gedacht als eine Zeit des festlichen Lobpreises, einschließlich besonderer Opfer, die an Gottes Fürsorge erinnern sollten (3Mose 23,27-32; 24,5-8; 4Mose 28,9.10; 1Chr 9,32; 23,30.31; 2Chr 2,4; 8,12.13; 31,3). Die Tatsache, dass diese Sabbatruhe ihren Ursprung in der Schöpfung hat, weist darauf hin, dass sie über jene Ruhe hinausgeht, welche die Exodus-Generation eingebüßt und die man unter David und Josua genossen hat. Diese Ruhe bleibt somit heute für jeden Gläubigen erreichbar (Heb 4,4).

Das ist die ideale Ruhe. Sie wird von Gott bereitgestellt. Sie ist heute zu bekommen und die Leser des Hebräerbriefes können sie durch Glauben erlangen. Sie bedeutet, dass ihre Leistungen ein gewisses Stadium erreicht haben, nachdem sie Gottes Ziele für ihr Leben zufriedenstellend erfüllt haben. Gott vollendete sein Werk und trat in die Sabbatruhe ein. Sabbatruhe ist eine Typologie für geistliche Reife. Sie war in 2 Mose 20,8-11 in erster Linie für Israel bestimmt. Ihre symbolische Bedeutung besteht darin, dass sie für die wahren Gläubigen, sowohl Juden als auch Heiden, erhalten bleibt. Hier wird eine Ruhe verheißen, die jedem Gläubigen zugänglich ist. Wenn ein Christ am Glauben festhält, wird er ein Niveau geistlicher Reife erreichen, wo er aufhört, sich ständig mit den Grundlagen des Glaubens herumzuschlagen.

Arnold Fruchtenbaum – Der Hebräerbrief

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