Worauf warte ich?

indem wir erwarten die glückselige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit unseres großen Gottes und Heilandes Jesus Christus, der sich selbst für uns gegeben hat, auf daß er uns loskaufte von aller Gesetzlosigkeit und reinigte sich selbst ein Eigentumsvolk, eifrig in guten Werken.
Elberfelder 1871 – Tit 2,13–14

da wir das beglückende zu erwartende Gut und Sichtbarwerden des Herrlichkeitsglanzes vom gewaltigen Gott und von unserem Retter Jesus, dem Messias, begehren. Er hat sich selbst für uns verschenkt, um uns von jeder Schrankenlosigkeit loszukaufen und ein Ihn selbst umgebendes Bundesvolk als Nacheiferer guter Taten zu reinigen.
Gottes Agenda – Das Neue Testament urtextnah ins heutige Deutsch übersetzt von Andreas Eichberger – Titus 2,13–14

Seine Gnade führt auch dazu, dass wir voll Sehnsucht auf die Erfüllung der Hoffnung warten, die unser höchstes Glück bedeutet: das Erscheinen unseres großen Gottes und Retters Jesus Christus in seiner ganzen Herrlichkeit (andere übersetzten „in ihrer ganzen Herrlichkeit). Er ist es ja, der sich selbst für uns hingegeben hat, um uns von einem Leben der Auflehnung gegen Gottes Ordnungen loszukaufen und von aller Schuld zu reinigen und uns auf diese Weise zu seinem Volk zu machen, zu einem Volk, das ihm allein gehört und das sich voll Eifer bemüht, Gutes zu tun.
Neue Genfer Übersetzung 2013 – Titus 2,13–14

Erwarte ich wirklich die Erscheinung der Herrlichkeit??? oder fällt mir bei dem Vers nur auf, dass es zwei Möglichkeiten gibt, diesen zu übersetzen?
Zeigt mein Leben, dass mein Blick darauf gerichtet ist, dass Jesus Christus wieder kommt? Oder ist das nur eine Theorie, die sich eh nicht in meinem Leben erfüllen wird?

In Verbindung mit Titus 2:13 wird die Frage aufgeworfen, ob die Übersetzung des griechischen Textes lauten sollte „Herrlichkeit unseres großen Gottes und Heilandes Jesus Christus“ oder „Herrlichkeit unseres großen Gottes und unseres Heilandes Jesus Christus“. Vincent Taylor schreibt: „Es gibt Grammatiker, die sich für die eine Wiedergabe, und andere, die sich für die andere Wiedergabe entscheiden.“ Wie bei Johannes 1:1, so kann man auch bei diesem Text allein aufgrund der Grammatik nicht eindeutig erkennen, wie der Text übersetzt werden sollte.
Wie gewisse Texte übersetzt werden müssen, ob sie Jesus als wahren „Gott“ darstellen sollen oder als von Gott, dem Allmächtigen, getrennt und ihm untergeordnet, hängt somit von dem ab, was die Schrift in anderen Texten über die Persönlichkeit Gottes aussagt. Was zeigt eine Prüfung der biblischen Beweise?

Erwachet! 1972

Nun im diese Frage kurz zu beantworten: wenn ich diese Frage schon mit einem Bild von „meinem Gott“ festgelegt habe, werde ich die Bibel nicht verstehen. Wenn ich in einer Diskussion nur zwei der vielen Möglichkeiten, wie Jehovah sein könnte in die Waagschale werfe – dann ist die Antwort leichter – und fällt genauso falsch aus! Man muß sich schon ALLE Bilder der Bibel anschauen, und auch alle Bilder, die alle Christen im laufe der letzten 2000 Jahre von Christus hatten!

Aber zurück zum Thema des Verses!!!

Das Evangelium der Gnade hat ganz konkrete Auswirkungen auf das gegenwärtige Leben, indem es die Gläubigen auf Gottes unverdientes Geschenk, das ihnen in der Vergangenheit gemacht wurde, ausrichtet (zur Dynamik dieses Vorgangs vgl. das Gleichnis in Mt 18,23-35 ). Aber das Evangelium fördert auch im Blick auf die Zukunft ein gottgefälliges Leben: Die Christen freuen sich auf die selige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit des großen Gottes und unseres Heilandes Jesus Christus (vgl. 2Tim 4,8). Der, auf den die Christen sich freuen, ist also auch der, der sich selbst für uns gegeben hat, damit er uns erlöste (lytrOsEtai, „freikaufte“; vgl. Lk 24,21; 1 Petrus 1,18) von aller Ungerechtigkeit und reinigte sich selbst ein Volk zum Eigentum, das eifrig wäre zu guten Werken. Er zahlte diesen hohen Preis für ein heiliges Volk. Das Wissen um die Sühnetat Christi wird einen Christen, der Christus wirklich liebt und sich auf seine Wiederkunft freut, deshalb stets dazu veranlassen, alles zu tun, um sein Leben in Einklang mit dem Willen seines geliebten Herrn zu bringen und ihn nicht zu enttäuschen. Daran dachte auch der Apostel Johannes, als er über die Hoffnung der Christen auf die Wiederkunft Christi schrieb: „Ein jeder, der solche Hoffnung auf ihn hat, der reinigt sich, wie auch jener rein ist“ (1Joh 3,3). Wer all diese Dinge ganz begreift, wird ganz von selbst immer stärker zu einer gottesfürchtigen Lebensführung finden. Eine Gott nicht wohlgefällige Lebensführung bei einem Christen dagegen ist ein klares Zeichen dafür, daß er noch nicht zur vollen Erkenntnis gelangt ist oder daß es ihm an Glauben mangelt.

Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar

»Und wir warten …« (V. 13). Das alles geschieht vor dem Horizont der großen Hoffnung auf die Wiederkunft unseres Herrn. Diese Zukunft soll und kann unsere Gegenwart bestimmen. Wir stehen zwischen zweierlei »Erscheinen« unseres Herrn: seinem Erscheinen bei seinem ersten Kommen als Mensch (V. 11) und seinem Erscheinen in Herrlichkeit (V. 13). Wir kommen her von diesem ersten Erscheinen und gehen auf sein neues Erscheinen zu, auf das wir warten und das unser Heute bestimmt. Solches »Warten ist eine große Tat« (Chr. Blumhardt).

»Selig« ist diese »Hoffnung«: Wir hoffen auf unsre künftige Seligkeit, die uns in Jesus Christus verheißen ist (vgl. Tit 3,5-7). Er ging uns voran durch den Tod zum Leben und spricht: »Ich lebe, und ihr sollt auch leben« (Joh 14,19). Doch es geht nicht nur um zukünftige Seligkeit. Diese »selige Hoffnung« zu haben, ist auch jetzt schon ein Stück Seligkeit. In einer Welt und Zeit, in der andere mit Spraydosen an Betonwände schreiben: »No future!« (»Keine Hoffnung!«), bedeutet uns die große Hoffnung, die wir in Christus haben dürfen, jetzt schon Freude, ja Seligkeit.

Die Wiederkunft unseres Herrn schließt zugleich in sich auch die »Erscheinung der Herrlichkeit des großen Gottes«, d. h. seines göttlichen »Lichtglanzes«, was das Urtextwort bedeutet. Dann ist die Zeit des »Nicht -Sehens und Doch -Glaubens« (Joh 20,29; 2Kor 5,7) vorüber; Gott lässt die Schleier fallen und tritt aus der Verborgenheit hervor. Und dieser Lichtglanz Gottes ist zugleich der unseres »Retters«, unseres »Heilands Jesus Christus«. Auch in dieser Hinsicht spricht Gott zu seinem Sohn: »Was mein ist, das ist dein.« Unser Herr wird also so ganz anders wiederkommen, als er in seinen Erdentagen erschien, eben in enthüllter Macht und Hoheit Gottes.

»Unser Heiland« (wörtlich: »unser Retter») heißt nun hier auch unser Herr Jesus Christus, nachdem in V. 10 Gott so genannt worden ist. Unser Herr ist ja sozusagen die rechte Hand Gottes bei dessen Rettungswerk. – So wird hier ausführlich ausgesprochen, wodurch vor allem Jesus der Retter, der Heiland wurde: Seine wichtigste Aktion war seine Passion, das, wovon bereits das AT in Jes 53 sagt. Das Kreuz Jesu ist die große Wende in der Heilsgeschichte Gottes (vgl. Offb 5); es wird sich auch einmal als die große Wende der Weltgeschichte erweisen.

Sein Leben für uns

Paulus schreibt hier von diesem Werk unseres Herrn: »Er hat sich selbst für uns dahingegeben« (V. 14). Leben musste für Leben gegeben werden; Jesus hat sein Leben für unser Leben gegeben (vgl. 1Petr 1,18f.). Unser Herr verfolgte dabei einen doppelten Zweck:
» … damit er uns erlöste von aller Ungerechtigkeit.« Unser Herr spricht: »Wer Sünde tut, der ist der Sünde Sklave« (Joh 8,34). Und hinter der Sünde steht der geheimnisvolle Feind Gottes und der Menschen: der Satan. Mit jeder Tat, mit der wir ihm Folge leisten, liefern wir ihm einen Faden zu der Fessel, mit der er uns bindet, versklavt; wir geben ihm ein Anrecht an uns. Das Wort »erlösen«, »freikaufen«, knüpft an die damalige Rechtsordnung an: Wenn jemand dadurch, dass er Schulden gemacht hatte, u. U. in Schuldhaft – in die Sklaverei eines Gläubigers – geraten war, so konnte er daraus etwa von Verwandten oder von einem Freund freigekauft, »abgelöst« werden. Hier jedoch reichte Geld nicht aus. Leben musste, wie gesagt, gegen Leben gegeben werden. Petrus schreibt: »Ihr seid nicht mit vergänglichem Silber oder Gold erlöst, sondern mit dem teuren Blut Jesu Christi« (1Petr 1,18). Im Anschluss daran sagt M. Luther in seiner Erklärung des Zweiten Glaubensartikels: »Ich glaube, dass Jesus Christus … sei mein Herr, der mich verlorenen und verdammten Menschen erlöst hat … vom Tod und von der Gewalt des Teufels, nicht mit Gold oder Silber, sondern mit seinem heiligen, teuren Blut und mit seinem unschuldigen Leiden und Sterben, auf dass ich sein eigen sei …«

» … und reinigte sich selbst ein Volk zum Eigentum … «Am Kreuz von Golgatha tat unser Herr also noch ein Zweites: Er reinigte sich sein Volk. Wir hätten auch nach unserem Freikauf vom Satan noch nicht zu Gott gepasst. Für die Gemeinschaft mit ihm wären wir nicht tauglich gewesen und auch nicht für die mit unserem Herrn Jesus Christus. Von Gott ausgeschlossen wären wir auf Grund der uns anhaftenden Schuld von Gott gewesen (vgl. Jes 59,2), ja dazuhin dem Gericht und Urteil Gottes verfallen. Doch unser Herr, dem der Vater ja alles Gericht übergeben hat (Joh 5,22.27), hat die Last unsrer Schuld von unserem Rücken genommen (vgl. 3Mose 16; Joh 1,29) und sich selbst auferlegt mit der Bereitschaft: »Wenn schon gerichtet werden muss, dann will ich gerichtet werden. Wenn schon um der menschlichen Sünde willen verurteilt werden muss, dann will ich verurteilt werden. Wenn schon um der Sünde willen gestorben werden muss, dann will ich sterben.« So hat unser Herr das einzigartige Reinigungsmittel verschafft: sein Opferblut (vgl. 1Joh 1,7). Und als durch unseren Herrn Losgekaufte gehören wir ihm – auf den, der nach römischer Rechtsordnung einen Sklaven freikaufte, ging das Eigentum an diesem über, auf den, der ihn »ablöste«. Und die so von Jesus Freigekauften und von ihm Gereinigten taugen nun in seine und des Vaters Gemeinschaft für alle Ewigkeit. Einen unausdenklich großen Liebesdienst hat Jesus uns mit dem allem getan.

Die rechte Wirkung von dem allem bei uns ist, »dass wir eifrig wären zu guten Werken«, nicht, weil wir durch die guten Werke erst für Gott annehmbar gemacht werden, sondern aus Liebe und Dank tun wir sie, in der Kraft des Heiligen Geistes und unter seiner Leitung, weil unser Herr uns bereits für Gott annehmbar und gemeinschaftsfähig und für die himmlische Herrlichkeit »hoffähig« gemacht hat. »Er ist es wert, dass man ihn ehrt und sich in seinem Dienst verzehrt.«

Edition C

Die Gnade, die uns Heil bringt und uns erzieht, wirft Licht auch auf die Zukunft, „indem wir erwarten (prosdechomai) die glückselige Hoffnung“. Die Tatsache, daß das Partizip mit dem Personalpronomen „wir“ in V. 12 übereinstimmt, erinnert uns daran, daß die Träger dieser Hoffnung diejenigen sind, die in der Gegenwart die Zucht der Gnade Gottes erfahren. Das Verb prosdechomai mit der Bedeutung „auf etwas warten“ vermittelt eine Stimmung der Vorfreude auf die erwartete Person oder Sache, und des Eifers sie begrüßen zu wollen.
Aber was ist das Ziel unserer Erwartung? Es ist „die glückselige Hoffnung und (kai) Erscheinung der Herrlichkeit unseres großen Gottes und Heilandes Jesus Christus“. so sollte die Wiedergabe lauten. Eine Regel der griechischen Grammatik ist, daß bei dem Verbundensein zweier Substantive im gleichen Fall durch kai, indem das erste Substantiv den Artikel hat und das zweite nicht, sich das zweite Substantiv auf den gleichen Sachverhalt wie das erste bezieht und dieses näher beschreibt. Nun ist genau das hier der Fall, wenn von „der glückseligen Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit“ gesprochen wird, so daß Paulus hier nicht die beiden Phasen des zweiten Kommens, nämlich die Entrückung und die Erscheinung, darlegt, wie manche anregen wollten.
Der Autor dieser Auslegung möchte klarstellen, daß er auf die nahe bevorstehende Wiederkunft des Herrn Jesus in der Luft wartet, um Sein eigenes bluterkauftes Volk zu sich zu nehmen. Mit den Herausgebern dieser vorliegenden Kommentarreihe glaubt er, daß „die Entrückung“ „die Hoffnung der Gemeinde“ ist und „sie vor der großen Trübsal entrückt werden wird, der in Gottes prophetischen Ablaufplan die Drangsal Jakobs, die öffentliche Erscheinung Christi und das Tausendjährige Reich der Segnungen folgen wird“.
Hier in diesem Abschnitt denkt Paulus jedoch an die Wiederkunft des HERRN in Herrlichkeit, betrachtet sie aber von zwei verschiedenen Gesichtspunkten. Für den Gläubigen ist es „die glückselige (pakarios) Hoffnung“ (elpis). Hoffnung wird hier nicht subjektiv für unsere Haltung der Hoffnung, sondern objektiv für das gebraucht, worauf gehofft wird. Wenn „Hoffnung“ im Neuen Testament benutzt wird, gibt es natürlich keine Ungewißheit hinsichtlich ihrer Erfüllung. Das Adjektiv „glückselig“ bedeutet in diesem Zusammenhang „mit Reichtum, Nützlichem und Gutem erfüllt“. Es ist das einzige Mal im Neuen Testament, wo pakarios auf ein Objekt angewandt wird, das sich nicht selbst des Segens erfreut, sondern Segensquelle für andere ist.
Die griechische Konjunktion kai, die hier eine bessere Wiedergabe ist als „sogar“, will erklären und leitet die Definition des Wesens dessen ein, worauf gehofft wird. Für den HERRN selbst wird es „die Erscheinung der Herrlichkeit“ sein. Für Ihn wird es die volle Offenbarung Seiner, von der Welt jetzt nicht erkannten und mißachteten, Herrlichkeit bedeuten. Erinnern wir uns daran, daß das letzte, was diese Welt von unserem heiligen HERRN sah, die Kreuzabnahme und Grablegung war, denn Er erschien nach Seiner Auferstehung nur den Seinen. Manchmal singen wir aus vollem Herzen: „Das wird allein Herrlichkeit sein!“ Doch ziehen wir dabei in Betracht, was jener Tag der Offenbarung für Ihn bedeuten wird?
Es wird auf die Erscheinung der Herrlichkeit „unseres großen Gottes und Heilandes Jesus Christus“ hingewiesen. Diese Wendung spricht nicht von zwei Personen, da die Bezeichnungen „Gott“ und „Heiland“ im Griechischen von einem einzigen Artikel regiert werden. Es ist der Herr Jesus Christus selbst, an den in diesem umfassenden Ausdruck gedacht ist. Hier finden wir eine direkte Aussage in Bezug auf die Gottheit Christi. Sie wird allen bei Seinem zweiten Kommen offenbar werden, welches ebenso Seine Macht als Heiland erweisen wird.
Nur hier wird im Neuen Testament das Adjektiv „groß“ (megas) auf Gott angewandt. Diese Stelle betont in wunderbarer Weise die Größe Christi. Der Engel Gabriel sagte zu Maria vor der Geburt Jesu: „Dieser wird groß sein“ (Lk. 1,32). Der HERR selbst sprach von Jerusalem als „des großen Königs Stadt“ (Mt. 5,35). Diejenigen, die miterlebten, wie Er den Jüngling zu Nain aus den Toten auferweckte, bestätigten: „Ein großer Prophet ist unter uns erweckt worden“ (Lk. 7,16), während der Schreiber des Hebräerbriefes uns daran erinnert, daß wir „einen großen Priester über das Haus Gottes“ (Hebräer 10,21) haben und unser Herr Jesus „der große Hirte der Schafe“ (Hebräer 13,20) ist.
Nach dem Lukasevangelium warteten Simeon, Anna und Joseph von Arimathia mit Sehnsucht auf den Messias. Wir sollten zur Kenntnis nehmen, daß „wartete(n) auf‘ (Lk. 2,25.38) und „erwartete“ (Lk. 23,51) das gleiche griechische Verb prosdechomai wiedergeben, das im vorliegenden Kontext mit „erwarten“ übersetzt wird (Titus 2,13). Simeon wartete auf einen Propheten, „wartete auf den Trost Israels“ (Lk. 2,25). Anna wartete auf einen Priester, sie „redete von ihm zu allen, welche auf die Erlösung warteten in Jerusalem“ (Lk. 2,38). Joseph von Arimathia wartete auf einen König, „der auch selbst das Reich Gottes erwartete“ (Lk. 23,51). Von Simeon wird gesagt: „Dieser Mensch war gerecht und gottesfürchtig“ (Lk. 2,25). Offensichtlich lebte er rechtschaffen und gottselig. Anna diente Gott „Tag und Nacht mit Fasten und Flehen“ (Lk. 2,37). Indem sie fastete, sagte sie zu ihrem Ego „nein“ und lebte somit besonnen, während sie in ihrem Dienst für Gott ein gottseliges Leben führte. Joseph von Arimathia war „ein guter und gerechter Mann“ (Lk. 23,50) und lebte daher besonnen und gerecht. Welch ein Ansporn und Beispiel ist dieser gottselige Überrest im Lukasevangelium für uns, „besonnen und gerecht und gottselig zu leben in dem jetzigen Zeitlauf, indem wir erwarten die glückselige Hoffnung“!
Der Tod des Herrn Jesus war freiwillig, „der sich selbst … gegeben hat“, stellvertretend, „für uns“, und verfolgte einen Zweck – negativ ausgedrückt, „auf daß er uns loskaufte von aller Gesetzlosigkeit“, und positiv ausgedrückt, „reinigte sich selbst ein Eigentumsvolk, eifrig in guten Werken“. Beachten wir, daß wir in diesem Abschnitt des Kapitels folgende Momente finden:
das historische, „ist erschienen“ (V. 11)
das erzieherische, „unterweist uns“ (V. 12)
das prophetische, „indem wir erwarten“ (V. 13)
das opfernde, „der sich selbst … gegeben hat“ (V. 14)
das praktische, „reinigte … ein Volk, eifrig in guten Werken“ (V. 14).
Der Relativsatz, „der sich selbst … gegeben hat“ bezieht sich offenbar nur auf Christus, doch der Satzbau läßt uns den ganzen vorangegangenen Ausdruck „unser großer Gott und Heiland Jesus Christus“ als sein Bezugswort auffassen. Dies bestätigt, daß eine und nicht zwei Personen im vorherigen Vers angesprochen sind. Der Heiland gab das, was nicht mit Geld zu bezahlen ist, „der sich selbst für (hyper, zugunsten von) uns gegeben (didomi) hat“, denn als Er am Kreuz starb, gab Er sich für uns hin. Dieser Ausdruck ist zutiefst paulinisch; vgl. „der sich selbst für unsere Sünden hingegeben hat“ (Galater 1,4), „der … sich selbst für mich hingegeben hat“ (Galater 2,20), „gleichwie auch der Christus die Versammlung geliebt und sich selbst für sie hingegeben hat“ (Epheser 5,25) und „der sich selbst gab zum Lösegeld für (Super) alle“ (1.Tim. 2,6).
Das Ziel Seiner Selbsthingabe wird zuerst negativ ausgedrückt, „auf daß er uns loskaufte (lutroo) von (apo) aller Gesetzlosigkeit“ (anomia). Es ist wahrscheinlich, daß diese Worte der LXX Psalm 130,8 entnommen sind (die Elberf. gibt sie mit „Und er, er wird Israel erlösen von allen seinen Ungerechtigkeiten“ wieder), wo nicht nur das gleiche Verb, sondern dieselbe Wendung „von aller Ungerechtigkeit“ (vgl. Titus 2,14 bei Luther) – wenn auch im Plural – vorkommt. Das griechische Verb Strom bedeutet „aufgrund der Zahlung eines Lösegeldes freilassen“. Es wird hier im Mittel benutzt und zeigt damit an, daß die Person, welche die Tat ausführt, ein besonderes Interesse daran hat. Unsere Bande im Zustand der Gesetzlosigkeit (anomia ist nebenbei gesagt von a, der Verneinung, und nomos, dem Gesetz, abgeleitet) mußten gelöst werden. Bei der Erlösung wird hier mehr an unsere Befreiung von der Macht als von der Schuld der Gesetzlosigkeit gedacht. Die verwendete Präposition, nämlich apo (von), bezeichnet die Vollständigkeit dieser Erlösung.
Das positive Ziel Seiner Selbsthingabe für uns bestand darin, „sich selbst ein Eigentumsvolk, eifrig in guten Werken“ zu reinigen (katharizo). Gläubige sind nicht nurAuserwählte Gottes (Titus 1,1), sondern auch Gereinigte Gottes (siehe Erläuterungen zu 1,15). Wenn in 1,15 an die Menschen, „die Reinen“, gedacht ist, sehen wir hier den Preis, „der sich selbst . .. hingegeben hat“, und das Ziel, damit wir ein Volk seien zu Seinem Besitztum. Somit ist dieses Besitztum das Ergebnis der Reinigung.
Der HERR sagte den Kindern Israel durch Mose: „Ihr sollt mein Eigentum sein vor allen Völkern“ (2.Mo. 19,5). Wir können beobachten, daß Gott ein Ziel damit verfolgt, Israel als Sein besonderes Besitztum während der messianischen Herrschaft im Land zu haben, ein Volk, das Ihm selbst gehören sollte. Inzwischen sind die Gläubigen im jetzigen Zeitalter Sein „Eigentumsvolk“ (Laos peroiusios) in dieser Welt. Als solches sollten wir jedoch dadurch gekennzeichnet sein, daß wir „eifrig in guten Werken“ sind. Dieser Brief hat uns über Werke (ergon) viel zu sagen – siehe Erläuterungen zu 1,16.
Das mit „eifrig“ wiedergegebene Wort ist in Wirklichkeit das adjektivisch gebrauchte Substantiv zelotes und bedeutet „Zelot“, d. h. kompromißloser loser Partisan. Ja, Paulus benutzt dieses Wort in Galater 1,14 für seinen eigenen Eifer, die Überlieferungen seiner Väter zu bewahren. Wir sollen mit glühender Leidenschaft nach guten Werken streben.

Was die Bibel lehrt

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