Was ist Liebe?

Denn kaum wird jemand für einen Gerechten sterben; denn für den Gütigen möchte vielleicht jemand zu sterben wagen. Gott aber erweist seine Liebe gegen uns darin, daß Christus, da wir noch Sünder waren, für uns gestorben ist.
Elberfelder 1871 – Röm 5,7–8

Mal ehrlich, wer hat von uns denn schon Bock, bloß für einen einzigen guten Menschen zu sterben? Gott ist aber noch derber drauf als das. Er beweist seine Liebe für uns dadurch, dass Jesus für uns gestorben ist, obwohl wir sogar noch total dreckig und schlecht waren.
VolxBibel – Römer 5,7–8

Sonst im Leben wird wohl kaum jemand für einen gerecht Dastehenden sterben wollen; es ist schon eher möglich, dass einer für jemand sein Leben wagt, der gut zu ihm gewesen ist. Gott aber beweist seine Liebe zu uns dadurch, dass Christus für uns starb, als wir noch von Gott abgefallen waren.
Johannes Greber – 1936 – Römer 5:7–8

Als nächstes geht Paulus nun zur Beschreibung des Wesens der Liebe Gottes über und erklärt, inwiefern sie die Hoffnung der Gläubigen sicherstellt. Gott hat seine Liebe im Tod seines Sohnes, Jesus Christus, erwiesen. Das geschah schon zu der Zeit, als wir noch schwach (asthenOn; vgl. Joh 5,5) waren, und es geschah für (hyper) uns Gottlose (asebOn; vgl. Röm 4,5). Christi Tod war ein stellvertretender Tod, er starb für andere. Die griechische Präposition hyper bedeutet meist „wegen“, manchmal allerdings auch „anstelle von“, wie aus Röm 5,7 ,wo ebenfalls hyper steht, hervorgeht. Eine Person, die bereit ist, um eines Gerechten oder um des Guten willen zu sterben, bietet sich selbst als Ersatz an, damit der Gerechte leben kann bzw. die gute Sache siegt. Darin liegt der höchste Ausdruck menschlicher Liebe und Hingabe. Die Liebe Gottes aber ist dieser Liebe sowohl ihrem Wesen als auch ihrem Ausmaß nach völlig entgegengesetzt, denn Gott erweist (das Präsens deutet auch hier wieder auf die fortdauernde Handlung hin) seine Liebe zu uns darin, daß Christus für (hyper, „anstelle von uns“) uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren. Es mag zwar durchaus vorkommen, daß ein Mensch um eines guten Menschen oder einer guten Sache willen sein Leben wagt – wenngleich auch das sehr selten ist -, doch Christus tat mehr als das. Er starb anstelle der Schwachen (V.6), der Gottlosen (V.6; Röm 4,5), der Sünder (Röm 5,8) und sogar seiner Feinde (V. BC=10)!

Walvoord Bibelkommentar

„Nun stirbt kaum jemand um eines Gerechten willen; um des Guten willen wagt er vielleicht sein Leben.“
Das ist das unfassbare Wunder: Gott liebt die Unfrommen, Ungerechten und Bösen, dafür gibt der Sohn sein Leben. Das ist völlig anders, als wir Menschen handeln würden. Wir wären ja nicht einmal für einen unbestrittenen Gerechten, Hochangesehenen bereit zu sterben. Im äußersten Fall würden wir unser Leben vielleicht für einen „Guten“, einen Wohltäter wagen, Gott handelt wider alles menschliche Denken und Erwarten.
„Gott aber erweist seine Liebe gegen uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.“
Seine Liebe zu uns stellt Gott dadurch heraus, „dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren“. Darin tritt seine Liebe zu uns ins hellste Licht: Er liebt uns, die wir seiner Liebe unwürdig sind. „Als wir noch Sünder waren“, das benennt ja die Feindschaft gegen Gott. Wer sündigt, der sagt zu Gott selbst Nein, der will und hat einen anderen Herrn. Doch Gott liebt uns heraus aus der Gefangenschaft der Sünde. Christus stirbt für uns, er bezahlt mit seinem Leben unsere Schuldscheine, die uns sonst rettungslos an die Sünde ketten. Wie umfassend ist die Liebe Gottes; sie gibt sich selbst im Sohn! Die hellste Klarheit, wie Gott Liebe ist, strahlt am Kreuz Jesu Christi. Gewiss keine harmlose Liebe, die sich so weit in die Finsternis hineingibt. Eine heilige Liebe, die nicht oberflächlich fünfe grade sein lässt, die den Sohn das Leben kostet, aber eben darin Liebe ist. Sagten wir oben (vgl. Röm 1,18), wir seien Gott seinen Zorn wert, so fügen wir jetzt staunend hinzu: Wir sind Gott seine Liebe wert, wir sind Gott seinen Sohn wert (vgl. 1Petr 3,18).

Edition C

In diesem Vers wird das Thema der Liebe Gottes, das in V. 5 eingeführt wurde, mit Hilfe eines Gegensatzes fortgeführt. Menschliche Liebe, die bestenfalls äußerst begrenzt ist, schafft es nicht, den Platz eines Gerechten einzunehmen und an seiner Stelle zu sterben, selbst wenn dazu aufgerufen oder es verlangt würde. Der Gerechte ist hier jemand, der nach menschlichen Maßstäben aufrichtig ist. Paulus meint hier das allgemeine Verhalten einer Person, und nicht jemanden, der von Gott gerechtfertigt worden ist, wie es das Thema in früheren Kapiteln dieses Briefes war. Obwohl der Gedanke in seinem Charakter hypothetisch ist, ist seine Wahrheit dennoch real. Es gibt wenige Menschen, wenn überhaupt, die für einen anderen in den Tod gehen würden, wenn nicht zumindest eine kleine Chance besteht, dem letztendlichen Opfer im entscheidenden Augenblick zu entkommen.
    Paulus geht mit seiner Darlegung jedoch zügig voran. Er stellt hypothetisch einen weiteren Fall vor. Dieses Mal geht er von einem gütigen (andere übersetzen: guten) Menschen aus. Das ist nicht unbedingt ein Mensch, der von seinem inneren Wesen her gut ist. Das käme in vieler Hinsicht dem Aufrichtigen aus der ersten Illustration gleich. Wenn er das gemeint hätte, dann hätte er das Wort kalos benutzt. Er verwendet jedoch agathos , was jemanden beschreibt, der nützlich ist, jemanden, der sich mit wohltätigen Dingen beschäftigt. Ein solcher Mensch würde die Gefühle anderer ansprechen, und zwar wahrscheinlich deshalb, weil der andere durch praktische Freundlichkeit Hilfe erfahren hat. Selbst in diesem Fall besteht zögernde Unschlüssigkeit. Für einen solchen Menschen würde man es vielleicht in Erwägung ziehen, zu sterben. Zumindest die Möglichkeit besteht, ein solches Opfer zu erbringen. Es würde mit höherer Wahrscheinlichkeit stattfinden, als daß man für einen Gerechten sterben würde, doch ist es immer noch ein höchst unwahrscheinliches Ereignis. Der Kontrast ist hier der springende Punkt. An der Liebe Gottes gibt es keinerlei Faktoren für große oder geringe Wahrscheinlichkeit. Es ist Seine eigene Liebe; sie ist einzigartig, und im menschlichen Bereich gibt es nichts vergleichbares. Der nächste Vers wird verdeutlichen, welche Art von Menschen von der Liebe Gottes angenommen wird, und wie weit Seine Liebe für solche bereit ist zu gehen, die keinerlei Anspruch auf Seine Gnade haben.
Nun wird der Kontrast in die richtige Perspektive gerückt. Menschliche Liebe würde bestenfalls für einen gütigen Menschen ein Opfer bringen. Diese Möglichkeit wird von der Gewißheit übertroffen, was Gott getan hat. Er verkündet Seine Liebe, präsentiert sie in ihrem wahren Charakter. Sie ist eine Demonstration Seiner unverdienten Zuwendung. Aus Seiner eigenen Gütigkeit heraus erweist Er Sein göttliches Mitgefühl, das in keiner Weise von den Menschen, denen Seine Liebe galt, ausgelöst wurde. Diese Menschen werden hier nicht als gut beschrieben, sondern als das identifiziert, was sie sind: als Sünder. Das hier verwendete Wort ist das allgemeinste und umfassendste Wort für Sünder. Für niemanden gibt es irgendeine Möglichkeit, durch die Maschen des Netzes zu schlüpfen. Alle Menschen allen Alters an allen Orten stehen unter dem Urteil, wie bereits an früherer Stelle gesagt wurde: »Alle haben gesündigt und erreichen nicht die Herrlichkeit Gottes« (3,23).
    Die Liebe Gottes erfordert keinen Fortschritt im moralischen Maßstab, bevor sie wirksam wird. Das Wunder dieser Liebe besteht darin, daß sie erwiesen wurde, »als wir noch Sünder waren«. Der höchst unwahrscheinliche Erweis Seiner Liebe wird mit wenigen Worten erklärt: »Christus ist für uns gestorben.« Zur bestimmten Zeit starb Christus für Gottlose. Nun wird dies persönlicher angewendet: Christus starb für uns. Es gibt keine Ausnahmen. Alle sind darin eingeschlossen. Auch solche, die als gute und leuchtende Vorbilder angesehen sind, werden mit allen anderen zu der einen Gruppe gerechnet. Allgemein gesagt, sind alle gottlos und alle brauchen Errettung. Mit persönlicherem Unterton kann man jedoch sagen, daß die Tatsache unausweichlich ist: »Christus ist für uns gestorben.« Der Apostel schließt darin auch sich selbst und seine Mitarbeiter ein, wodurch er allen Lesern des Briefes klar macht, daß es keine Ausnahmen gibt. Die ganze Welt braucht Errettung, und das Mittel zum Heil ist für alle vorhanden: »Denn so hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingeborenen Sohn gab.« Paulus verfügte noch nicht über das Johannesevangelium, doch sicherlich war er sich über die Reichweite der Liebe Gottes zur Menschheit im Klaren. Bei seinem Eröffnen der Wahrheit des Evangeliums macht er diese Liebe bekannt, wo immer er Gelegenheit dazu findet.

Was die Bibel lehrt

Liebe, nur ein gutes Gefühl?
Häufig hört man die Meinung, dass Liebe ein gutes Gefühl sei, das mit „Schmetterlingen im Bauch“ zu tun hat. Doch ist das alles? Was tun, wenn das Gefühl nicht vorhanden ist? Oder wenn es aufhört? Nicht zuletzt führt dieses falsche Verständnis von Liebe häufig zu Ehebruch und Ehescheidung. Das ist in Gottes Augen eine große Sünde! Was ist nun das richtige Verständnis von Liebe?
Im Neuen Testament werden verschiedene Worte für „Liebe“ benutzt. Zunächst beschreibt das Wort „agápē“ die göttliche Liebe, die einfach liebt, weil sie Liebe ist. Sie braucht im Gegenstand der Liebe keinen Anknüpfungspunkt, sie erwartet auch keine Gegenliebe. Wie dankbar sind wir, dass wir diese Liebe Gottes erfahren durften, als wir kraftlose Sünder und Feinde Gottes waren (s. Röm 5,8).
Dann wird das Wort „philia“ gebraucht. Es beschreibt eine Liebe, die im Gegenüber etwas Anziehendes, Liebenswertes findet. Zu dieser Liebe werden wir besonders aufgefordert, wenn es um die Beziehungen in der Familie Gottes, um die Bruderliebe, geht. Wir lieben die Glaubensgeschwister, weil wir in ihnen Merkmale des neuen Lebens und der Wesenszüge Christi finden.
Schließlich gibt es in der griechischen Sprache noch das Wort „eros“ für die körperliche Liebe. Für diese Art der Liebe hat Gott einen Rahmen gegeben, in der sie ausgelebt und genossen werden darf. Es ist die Ehe zwischen dem einen Mann und der einen Frau!

Bleib in mir 2019

Hier spiegelt Salomo Gottes Umgang mit dem Sünder wieder. Jesus zieht sich trotz meiner Sünde nicht von mir zurück. Auch wenn meine Sünde mir wie eine Milchglasscheibe den Blick auf Gott versperrt und ich ihn auf der anderen Seite nur erahnen kann, geht Gott nicht weg, sondern wartet auf meine Buße. Er kann und wird mich immer auf die gleiche Weise lieben, und zwar mit der Liebe, die er am Kreuz gezeigt und bewiesen hat.
Auch wenn wir das kaum glauben können: Nichts kann uns von der Liebe Christi scheiden (Römer 8,35.38-39). So wie Jesus uns am Kreuz geliebt hat, liebt er uns bis zum Schluss. Und wenn er uns schon so geliebt hat, als wir noch Sünder waren (Römer 5,8), wie viel mehr dürfen wir uns derselben Liebe dann jetzt bewusst sein, wo wir Kinder Gottes sind (1Johannes 3,1)? Egal wie dein Leben gerade aussieht – vielleicht gibt es tief in deiner Persönlichkeit wurzelnde Sünde, von der du denkst, dass du sie nie los wirst, oder es gibt Eheprobleme, die aussichtslos erscheinen -, vergiss eines nicht: Gott liebt dich so wie am ersten Tag.
Wir sind aus Gnade gerettet (Römer 3,24), dürfen täglich zum „Thron der Gnade“ treten, um Barmherzigkeit und Gnade zu empfangen (Hebräer 4,16) und erwarten die Wiederkunft Jesu, der uns seine Gnade mitbringt (1Petrus 2,13). Unser ganzes Leben ist in Gnade eingebettet und soll von ihr beherrscht werden (Römer 5,21). Gott liebt uns nicht für unsere Leistung oder weil wir nie Fehler machen! Er liebt uns, weil wir seine Kinder sind. Und dasselbe tut Salomo im Umgang mit Sulamith. Er liebt sie nicht, weil sie die perfekte Ehefrau ist – das wird sie nie sein -, sondern er liebt sie, weil sie seine Frau ist.

K. Fischer – Crashkurs Leidenschaft

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