Wer?

Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.
Elberfelder 1871 – Joh 1,1

Johannes berichtet von Jesus
Jesus Christus – Gottes Wort an die Welt
Am Anfang war das ewige Wort Gottes: Christus.
Immer war er bei Gott und ihm in allem gleich.
Wörtlich: Am Anfang war das Wort, und das Wort war zu Gott hin(gewandt), und das Wort war Gott. Dieses war im Anfang zu Gott hin(gewandt). Vgl. 1. Mose
Hoffnung für alle – 1996 – Johannes 1,1–2

Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott; und ein ‚Gott‘ war das Wort. 2 Dies war im Anfang bei Gott.
Johannes Greber NT – 1936 – Johannes 1:1–2

IM Anfang (aller Dinge) war bereits das Wort – denn es ist vorzeitig und ewig (vgl. Joh 8,58; 17,5) – Joh 1,1; Offb 19,13; Joh 1,14.16.17; Offb 19,15; Ps 33,6; 119,105; Spr 8; 9; Ps 107,20; 147,15; Jes 55,10.11- ; das Wort war eng vereint mit Gott -Joh 6,46; 17,24-, ja göttliches Wesen hatte das Wort -vgl. Joh 20,28f.-.  
Dies war im Anfang eng vereint mit Gott.
Ludwig Albrecht – Joh 1:1–2

Haben wir nicht fast alle bei Johannes 1:1 den griechischen Begriff im Ohr? Aber was, wenn Johannes als gebürtiger Jude gar nicht vom griechischen Begriff sondern von seiner Muttersprache her gedacht hat???

In einer Zeit, die so weit zurückliegt, wie der Mensch nur denken kann – im Anfang – war das Wort. Für den theologischen Terminus „Wort“ steht hier der ganz normale griechische Begriff logos, der einfach „Sprechen, Botschaft oder Wörter“ bedeutet. Er war sowohl in der griechischen Philosophie als auch in der jüdischen Weisheitsliteratur wohlbekannt. Wahrscheinlich wählte Johannes diesen Ausdruck, weil er seinen Lesern so vertraut war; doch er verlieh ihm eine ganz eigene Bedeutung, die gleich im Prolog entwickelt wird.
Das Wort war bei Gott, d. h., es hatte innerhalb der Trinität eine ganz besondere Beziehung ewiger Gemeinschaft mit Gott. „Bei“ ist die Übersetzung des griechischen pros, hier im Sinne von „Gemeinschaft haben mit“ (vgl. dieselbe Bedeutung von pros in Joh 1,2; 1Thes 3,4; 1Joh 1,2). Dann fügt Johannes hinzu: Gott war das Wort. Die Zeugen Jehovas schreiben: „das Wort war ein Gott“ – eine falsche Übersetzung, die – logisch zu Ende gedacht – zum Polytheismus führt. In anderen Bibelversionen steht „das Wort war göttlich“, wasjedoch ebenfalls nicht ganz eindeutig ist und zu einem falschen Verständnis von Jesus führen könnte. Richtig übersetzt kann dieser Vers dagegen die Lehre von der Trinität ganz entscheidend erhellen. Das Wort ist ewig; es steht in Beziehung zu Gott (dem Vater); und es ist Gott.
Johannes
Das Wort war schon immer bei Gott. Christi Existenz begann nicht irgendwann innerhalb der Zeit, genausowenig wie er erst zu irgendeinem Zeitpunkt in Beziehung zum Vater trat. Der Vater (Gott) und der Sohn (das Wort) sind seit Ewigkeit eine liebende Einheit. Sowohl Vater als auch Sohn sind Gott, und dennoch gibt es nicht zwei Götter.

Walvoord Bibelkommentar

Die Sätze sind schlichtes Griechisch und gleichzeitig von geheimnisvoller, unauslotbarer Tiefe. Sie sind knapp, rhythmisch und fast psalmartig poetisch, aber doch nicht so streng formgebunden, dass sie nicht auch ausführliche Erklärungen zuließen, wo es nötig Ist. Erst wenn man sie mit dem Evangelium und mit dem AT zusammenhält, gewinnen sie ihre volle Aussagekraft. Was ist nun ihr Inhalt?
»Im Anfang« steht sehr bewusst und präzise am Beginn des gesamten Evangeliums. Dieselben Worte stehen am Beginn der griechischen und hebräischen Bibel, in 1Mose 1,1. Sowohl dort als auch in Johannes 1,1 fehlt der Artikel, so dass man ganz wörtlich übersetzen müsste:
»In einem Anfang«. Wenn Johannes genauso formuliert wie 1Mose 1,1, dann gibt er damit ein Doppeltes zu erkennen:
a) Sein Evangelium ist ebenso »Heilige Schrift« wie das 1Mosebuch.
b) Wie es in 1Mose 1 um die Schöpfung ging, so geht es jetzt um die zweite, nämlich die in Jesus beginnende Neuschöpfung. Wir werden gleich sehen, wie eng der Zusammenhang zwischen Schöpfungsbericht und Johannes 1,1ff. ist.
Jetzt beachten wir ein Drittes:
Wenn Johannes mit denselben Worten beginnt wie die Bibel Israels, dann deutet er auf die unzertrennliche Verbindung von AT und NT hin. Dass Israel und die messianische Gemeinde des Neuen Bundes, dass AT und apostolische Lehre zusammengehören, ist auch im Johannesevangelium ein eherner Grundsatz.
Wir stoßen auf ein Viertes:
Mit dem Rückgriff auf den Anfang der Bibel in 1Mose 1 zeichnet Johannes sein Evangelium in eine Heilsgeschichte ein, die mit der ersten Schöpfung ihren Ausgang nahm und schließlich im ewigen Gottesreich zum Ziel kommen wird. Wer auf den »Anfang« hinweist, erinnert gleichzeitig an das »Ende« aller Dinge. So ist es nur konsequent, wenn derselbe Johannes später zum Seher der Offenbarung wird (vgl. auch 1Joh 1,1ff.). Wenn aber die Evangelisten heilsgeschichtlich denken, ergibt sich daraus für uns die Verpflichtung, heilsgeschichtlich auszulegen.
»Im Anfang«, sagt Johannes, »war das Wort.« Der Leser ist überrascht! Warum und wie ausgerechnet »das Wort«? In der berühmten Studierzimmer-Szene lässt Goethe den Faust darüber nachsinnen:
»Geschrieben steht:
Im Anfang war das Wort! … Ich kann das Wort so hoch unmöglich schätzen. Ich muss es anders übersetzen …« Dreimal nimmt Faust einen Anlauf, um nach den Übersetzungen:
»Im Anfang war der Sinn« und »Im Anfang war die Kraft« schließlich »getrost« zu schreiben:
»Im Anfang war die Tat!«
Doch die Bibel beharrt dabei:
»Im Anfang war das Wort.« Ein erster Weg zum Verständnis bahnt sich an, wenn wir noch einmal 1Mose 1,1 aufschlagen:
»Im Anfang schuf«. Dieses »schuf« erklären aber die Bibel und das Judentum durchweg als »das Wort«, so z. B. in Psalm 33,6:
»Der Himmel ist durch das Wort des Herrn gemacht«, und in Hebräer 11,3:
»Durch den Glauben erkennen wir, dass die Welt durch Gottes Wort gemacht ist.« Das stimmt mit dem Vorgang von 1Mose 1,3ff. völlig überein. Daraus ergeben sich zwei Konsequenzen:
a) Das Wort gehört auf die Seite Gottes und nicht zu den Geschöpfen; b) das Wort war schon vor der Schöpfung da.
Ein zweiter Weg zum Verständnis bahnt sich an, wenn wir die weitere Offenbarungsgeschichte betrachten. In Sprüche 8,22ff. erscheint die Weisheit Gottes als eine Art Person, die von sich sagt:
»Der Herr hat mich schon gehabt im Anfang seiner Wege, ehe er etwas schuf, von Anbeginn her. Ich bin eingesetzt von Ewigkeit her, im Anfang, ehe die Erde war.« Und in Sprüche 8,35 erklärt sie:
»Wer mich findet, der findet das Leben.« In Sirach 24,9 lesen wir von ihr:
»Von Ewigkeit, vom Anfang an schuf er mich, und bis in Ewigkeit werde ich nicht aufhören.« Wer ist diese Weisheit in Person? Das NT erklärt einstimmig:
Jesus Christus, der Gottessohn (vgl. Mt 13,54; Lk 2,40.52; 1Kor 1,24.30; Kol 2,3). Wie beim erschaffenden Wort ergeben sich zwei Konsequenzen:
a) Die Weisheit in Person gehört auf die Seite Gottes und nicht zu den Geschöpfen; b) Sie war schon vor der Schöpfung da.
Damit lässt sich Bilanz ziehen:
Mit dem »Wort« ist Jesus Christus gemeint. Er ist kein Geschöpf, sondern ewig – schon »im Anfang« existierend (»war«!). Er ist als »Wort« der Schöpfungsmittler (1Kor 8,6; Kol 1,16; Heb 1,2), und erscheint auch am Ende der Tage als »das Wort Gottes«! (Offb 19,13). Als den »Anfang der Schöpfung Gottes« bekennt ihn seine Gemeinde (Kol 1,15.18; 1Joh 2,13; Heb 1,2ff.; Offb 3,14).
Damit haben wir das Generalthema des Johannesevangeliums ausgemacht. Es heißt:
Jesus Christus – und nichts anderes. Mit ihm beginnt es (Joh 1,1), und mit ihm schließt es (Joh 20,30ff.; Joh 21,25), ihn bezeugt es als den einzigen Weg zum ewigen Leben (Joh 14,6).
Johannes stellt nun klar:
»Das Wort war bei Gott« – also in Gottes Gemeinschaft, nicht im Gewimmel der Geschöpfe. Es war so »bei Gott«, wie später der Menschensohn von Daniel 7,13. In dem »bei« steckt das Auf-Gott -hin -orientiert -Sein, bzw. das Ihm-zu-Diensten -Stehen. Eine aktive und willensmäßige Einheit von »Gott« und »Wort« ist hier angedeutet, die später in Johannes 10,30 mit aller Offenheit ausgesprochen wird (vgl. Spr 8,27.30). Dennoch sind »Wort« und »Gott« nicht dasselbe, sondern unterscheidbare Größen – ein Geheimnis, das sofort eine weitere Klarstellung erfordert:
»Das Wort war Gott.« Hier kommt es wieder auf jede Einzelheit an. Es heißt nicht:
»Das Wort war der Gott.« Denn das »Wort« ist nicht der ganze Gott. Es heißt auch nicht:
»(Der Gott) war das Wort.« Denn Gott als Vater und »das Wort« müssen unterschieden werden. Es war der Fehler der sog. Patripassianer, dass sie die These vertraten:
Pater»passus est« = »der Vater hat gelitten«. Nein! Der »Gottessohn« hat gelitten. Deshalb kann man christlich auch nicht von einem »gekreuzigten Gott« sprechen, sondern nur von einem »gekreuzigten Gottessohn«. Was heißt der Satz:
»Das Wort war Gott« aber dann? Dass Jesus als das Wort »Gott« ist! Dass er die volle Gottheit sein eigen nennt! Genau mit diesem, mit dem Bekenntnis der Gottheit Jesu, endet das Evangelium auch (Joh 20,28). Dieses Bekenntnis erfüllt die ganze Urkirche (vgl. Röm 9,5; 1Joh 5,20; Heb 1,1ff.; Phil 2,6; Kol 1,15ff.; Kol 2,9; Offb 1,17.18; 5,12ff.; Offb 21,23). Deshalb nennt sie Jesus ihren »Herrn« und betet sie zu ihm (1Kor 1,2). Dass Martin Luther in einem Weihnachtslied »den Sohn des Vaters, Gott von Art« (EKG 15, 5) besingt, ist von Johannes 1,1 her berechtigt. Ein Bekenntnis, das nicht von der Gottheit Jesu sprechen kann, ist nicht christlich.
Stehen jetzt aber nicht zwei »Götter« nebeneinander? Droht hier nicht die Gefahr des Ditheismus (Zwei-Götter-Glaubens)? Der Islam bejaht diese Frage und zieht seine Kraft aus der Ablehnung der Gottheit Jesu. So heißt es in der 5. Sure des Koran (5, 172):»Sagt aber nichts von einer Dreiheit (= dem dreieinigen Gott) … Es gibt nur einen einzigen Gott. Fern von ihm, dass er einen Sohn habe!« Und in einem moslemischen Flugblatt, das in der Bundesrepublik verteilt wurde, heißt es:
»Allah droht jedem mit Strafe, der Jesus einen Gott nennt.« Vers 2 will gerade ein solches Missverständnis verhüten, indem die zweite Satzhälfte wiederholt wird:
»Dieses (nämlich: das Wort) war im Anfang bei Gott.« Damit wird die Zuordnung und die Willenseinheit des Wortes = Jesu Christi im Blick auf den Vater unterstrichen. In Vers 18 wird das personale Geheimnis der Einheit von Vater und Sohn betont (vgl. Joh 10,30). Man kann sich dieses Geheimnis am Menschen selbst ein Stück weit veranschaulichen:

Edition C

Chronologisch geht die Aussage von Johannes 1,1 dem Text in 1 Mose 1,1 voraus. Johannes 1,1 sagt zwar auch Im Anfang, fährt jedoch fort: … war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Durch das Wort wurden die Himmel und die Erde geschaffen (Joh 1,3). Also erwähnen sowohl Genesis 1,1 als auch Johannes 1,1 den Ausdruck Im Anfang. Genesis 1,1 enthüllt nicht, wann dieser Anfang war; doch das Im Anfang aus Johannes 1,1 geht chronologisch dem Im Anfang des 1. Mosebuches voraus. Denn ganz offensichtlich existierte der Messias – das Logos, das Memra – vor der Erschaffung von Himmeln und Erde.

Arnold Fruchtenbaum – Das 1. Buch Mose

Der erste Abschnitt ist die Einleitung von Johannes zu seiner Biographie von Jesus, dem Messias. Das Thema des Johannes ist: Jeschua, der Messias, der Sohn Gottes. Der Abschnitt beginnt mit Vers 1: Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.
Der griechische Begriff „logos“, den Johannes verwendet, wird mit dem englischen Begriff „word“ übersetzt. Weil Johannes den Begriff „logos“ verwendet, gehen viele Kommentare zum Johannesevangelium an dieser Stelle in eine ziemlich lange Abhandlung über, um zu erklären, was logos in der griechischen Philosophie bedeutet.
Am Ende sagen sie alle das Gleiche: dass der Logos in der griechischen Philosophie zwei Konzepte hatte; das Konzept der Vernunft und das Konzept der Rede. Sie behaupten dann, dass das, was Johannes zu tun versuchte, darin bestand, zu zeigen, wie Jesus die Ziele der griechischen Philosophie in beiden Bereichen, Vernunft und Sprache, erfüllte. Durch die „Vernunft“ war er die Idee Gottes und durch die „Sprache“ war er der Ausdruck Gottes selbst. Das ist alles schön und gut zu wissen, bis auf ein großes Problem: Johannes war von Beruf kein griechischer Philosoph, er war ein jüdischer Fischer. Was er wirklich im Sinn hatte, war nicht griechische Philosophie, sondern jüdische Theologie des ersten Jahrhunderts in Israel.
Die Rabbiner jener Zeit hatten ein Konzept, das als Memra bezeichnet wurde. Das Memra ist ein aramäischer Begriff, der „Wort“ bedeutet. Als Johannes sein Evangelium auf Griechisch schrieb, brauchte er einen griechischen Begriff, um den jüdischen Begriff memra zu übersetzen, und der einzige griechische Begriff, den er hatte, war logos. Aber Johannes meinte nicht den logos der griechischen Philosophie, sondern die memra der jüdischen Theologie. Die Schriften der Rabbiner jener Zeit lehrten, dass es sechs Dinge gab, die an der memra wahr waren.

A. Das Gleiche, aber von Gott unterschieden
Erstens war die Memra manchmal dasselbe wie Gott, aber manchmal war sie von Gott verschieden. Die Rabbiner haben nie versucht, das offensichtliche Paradoxon zu erklären: Wie war es möglich, dass die Memra einerseits dasselbe wie Gott ist, andererseits aber von Gott verschieden ist? Sie lehrten einfach beide Aussagen als wahr und beließen es dabei.
Das ist dasselbe, was Johannes in Vers 1 sagte. Indem er sagt, dass das Wort bei Gott war, bedeutet es, dass Jesus von Gott verschieden war. Indem er sagt, das Wort war Gott, bedeutet es, dass Jesus derselbe wie Gott war. Wie die Rabbiner hat Johannes an dieser Stelle nicht versucht, das offensichtliche Paradoxon zu erklären: Wie ist es möglich, dass das Wort dasselbe wie Gott ist und sich doch von Gott unterscheidet? Dies wird erst später im Evangelium im Sinne der Dreieinigkeit erklärt. Der Logos ist insofern von Gott verschieden, als er nicht Gott der Vater ist, noch ist er Gott der Heilige Geist. Aber er ist derselbe wie Gott, weil er die zweite Person dieser Dreieinheit ist; er ist Gott der Sohn und daher derselbe wie Gott. Nur in Begriffen der Dreieinheit kann das rabbinische Paradoxon der Memra in der jüdischen Theologie erklärt werden.

B. Der Agent der Schöpfung
Die zweite Sache, die die Rabbiner über die Memra lehrten, war, dass die Memra auch das Mittel der Schöpfung war. Alles, was Gott erschaffen hat, hat Er mittels Seiner memra, mittels Seines Wortes, erschaffen; also würde ohne die memra nichts existieren, was jetzt existiert. In Vers 3 schreibt Johannes: Alle Dinge sind durch ihn gemacht, und ohne ihn ist nichts gemacht worden, was gemacht worden ist.
Was in der jüdischen Theologie für die Memra gilt, gilt auch für den Logos, von dem Johannes schrieb. Alles wurde durch ihn gemacht, und ohne ihn wurde nichts gemacht, was gemacht wurde, und so würde ohne ihn nichts existieren, was jetzt existiert: Er ist das Mittel der Schöpfung.

C. Das Mittel der Erlösung
Die dritte Sache, die die Rabbiner über die Memra lehrten, war, dass die Memra das Mittel der Erlösung war. Wann immer Gott in der Geschichte des Alten Testaments rettete, sei es eine physische Rettung wie der Auszug aus Ägypten oder eine geistliche Rettung, rettete Gott immer mittels seiner memra, mittels seines Wortes. In Johannes 1,12 sagt Johannes: Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er das Recht, Kinder Gottes zu werden, denen, die an seinen Namen glauben: …
Wie bei der Memra der jüdischen Theologie, so beim Logos des Johannes: Er ist das Mittel des Heils. Denn diejenigen, die persönlich an seine Messiasschaft glauben und ihn aufnehmen, werden zu Kindern Gottes und erhalten von ihm, dem Vermittler des Heils, das geistige Heil.

D. Die sichtbare Manifestation der Anwesenheit Gottes
Die vierte Sache, die die Rabbiner über die Memra lehrten, war, dass die Memra das Mittel oder der Weg war, durch den Gott auf den Seiten des Alten Testaments sichtbar wurde. In der christlichen Theologie wird dieses Phänomen eine „Theophanie“ genannt. Eine Theophanie ist die sichtbare Manifestation Gottes, die in der Geschichte des Alten Testaments auftrat.
Die Rabbiner hatten einen anderen Begriff, Schechinah oder die Schechinah-Herrlichkeit; die Schechinah-Herrlichkeit ist die sichtbare Manifestation der Gegenwart Gottes. Wann immer der unsichtbare Gott eine sichtbare Form annahm, wann immer die Allgegenwart Gottes lokalisiert wurde, war diese sichtbare, lokalisierte Gegenwart die Schechinah-Herrlichkeit. Während des größten Teils der alttestamentlichen Geschichte nahm die Schechinah-Herrlichkeit die Form eines Lichts oder Feuers oder einer Wolke oder einer Kombination dieser Dinge an. Laut den Rabbinern kam dies durch die Memra.

In Vers 14 schreibt Johannes: Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns …
Das Wort, das in Vers 1 im Anfang bei Gott war – immer bei Gott war und immer Gott war -, nahm zu einem bestimmten Zeitpunkt in der menschlichen Geschichte sichtbare Gestalt an. Aber dieses Mal kam Er nicht in der Form eines Lichtes, Feuers oder einer Wolke, sondern Er kam in der Form von Fleisch. Er wurde Mensch, er wurde Mensch, und Jeschua war als Mensch die sichtbare Manifestation der Gegenwart Gottes.

Johannes fährt fort: Er wohnte unter uns. Der von Johannes verwendete Begriff, der mit dem englischen Begriff „dwell“ übersetzt wird, ist nicht der normale griechische Begriff für „wohnen“. Vielmehr ist es ein griechischer Begriff, der eigentlich aus dem Hebräischen entlehnt wurde, skeinei. Als die Griechen in Kontakt mit der jüdischen Welt kamen, stießen sie auf den Begriff Schechinah und mochten, was er ausdrückte. Sie wollten ihn in ihre Sprache aufnehmen, denn in der griechischen Mythologie gab es Geschichten, in denen die Götter vom Olymp herabstiegen, eine Art sichtbare Gestalt annahmen und sich eine Zeit lang unter die Menschen mischten. Das Problem war, dass die griechische Sprache keinen „sch“-Laut hatte. Das Hebräische hat einen Buchstaben namens shin, mit dem der „sch“-Laut erzeugt wird. Im Englischen braucht man die Kombination von zwei Buchstaben, „s“ und „h“, um den „sh“-Laut zu erzeugen. Aber im Griechischen kann man keine Buchstaben kombinieren, um den „sh“-Laut zu erhalten. Die Griechen konnten ein hartes „s“ machen; sie konnten „sssss“ sagen, aber sie konnten nicht „schhhh“ sagen. Sie nahmen das hebräische Wort Schechinah, hellenisierten es und daraus wurde das griechische Wort skeinei; das ist der Begriff, den Johannes hier verwendet. Wörtlich bedeutet es nicht „wohnen“, sondern „tabernakeln“. Es hat seinen Ursprung in der Erzählung von Exodus 40, wo die Schechinah-Herrlichkeit in Form einer sichtbaren Wolke ihren Wohnsitz im Allerheiligsten der Stiftshütte aufnahm. Im Hebräischen ist mishkan die gleiche hebräische Wurzel wie Schechinah.
So „wohnte“ die Schechinah-Herrlichkeit für die nächsten Jahrhunderte beim Volk Israel, bis sie es in den Tagen von Hesekiel 8-11 verließ. Jetzt ist die Schechinah-Herrlichkeit in der Person von Jesus von Nazareth wieder erschienen. Noch einmal, für eine gewisse Zeit, „wohnte“ Er unter uns. Wie die Rabbiner brachte auch Johannes die Schechinah mit der Herrlichkeit Gottes in Verbindung; denn er fährt in Vers 14 fort: … (und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit wie die des eingeborenen Sohnes vom Vater), voller Gnade und Wahrheit.

Jeschua war diese neue Schechinah-Herrlichkeit: Er war die sichtbare Manifestation der Gegenwart Gottes.

Die Tatsache, dass Jesus die Schechinah, das Licht der Herrlichkeit, war, wurde kurz in Johannes 1,4-10 entwickelt, als er schrieb: In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis erkannte es nicht. Es kam ein Mensch, von Gott gesandt, der hieß Johannes. Dieser kam zum Zeugnis, damit er von dem Licht zeugte, damit alle durch ihn glaubten. Er war nicht das Licht, sondern er kam, damit er von dem Licht Zeugnis gebe. Da kam das wahre Licht, nämlich das Licht, das jeden Menschen erleuchtet, in die Welt. Er war in der Welt, und die Welt wurde durch ihn gemacht, und die Welt kannte ihn nicht.

Mit diesen Worten betonte Johannes, dass Jeschua dieses neue Schechinah-Herrlichkeitslicht ist. Er ist die Quelle des Lebens und Er ist die Quelle des Lichts für alle Menschen, weil Er der Schöpfer aller Menschen ist.

Arnold Fruchtenbaum – Die Geburt und das frühe Leben des Messias

War Jesus also „ein Gott“ wie einige wenige Bibelübersetzter schreiben? Oder war Jesus die Schechinah-Herrlichkeit des „AT“??

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