Thomas Pape

,

niemand zu lästern, Kämpfe zu meiden, freundlich zu sein und volle Sanftmut gegen alle Menschen zu beweisen.

niemand zu lästern, nicht streitsüchtig zu sein, gelinde, alle Sanftmut erweisend gegen alle Menschen.
Elberfelder 1871 – Titus 3,2

Ermahne sie, über niemand schlecht zu reden und nicht zu streiten, sondern friedfertig zu sein und allen Menschen freundlich zu begegnen.
Gute Nachricht Bibel 2018 – Titus 3:2

 niemanden schlechtzumachen, keinen Streit zu suchen, freundlich zu sein und allen Menschen gegenüber Milde walten zu lassen.
Zürcher Bibel 2007 – Tit 3,2

Veränderungen sichtbar? und Weil wir uns in Jesu Menschwerdung …getragen wissen

Beim scharfen Gegensatz gegen die Juden und Heiden in der religiösen Frage hatte jedes dieser Worte Tag um Tag für den Verkehr der Christen mit ihrer Umgebung die größte Wichtigkeit.
Nun folgt ähnlich wie 2,11 wieder ein Wort, in das Paulus das ganze Evangelium zusammenfaßt, um an ihm zu zeigen, daß sie mit denen, die der Gemeinde feindlich bleiben, nicht anders verkehren können als so, wie es die vorangehenden Worte beschrieben haben. Es so und nicht anders zu machen, dazu sind sie durch die Grundwahrheit des Evangeliums berufen und fähig gemacht.

Schlatters Erläuterungen zum Neuen Testament

Vom speziellen Verhältnis der Christen in Kreta zu übergeordneten Instanzen, kommt Paulus zu allgemeineren Dingen, die Titus in Erinnerung rufen soll, nämlich, nicht schlecht über andere zu reden, nicht auf Streit mit anderen aus zu sein, sondern im Gegenteil, mild und sanftmütig gegen alle Menschen auftretend und ihnen diese Eigenschaften, die der Herr Jesus in Vollkommenheit hat, praktisch zu zeigen.

Peter Streitenberger – Der Titus-Brief

In diesem Zusammenhang bedeutet „zu jedem guten Werke (agathon ergon) bereit zu sein“, voll und ganz mit staatlichen Behörden darauf hinzuarbeiten, daß all das gefördert wird, was für Staat und Gesellschaft gut (agathon) ist, und dennoch den Grundsatz zu wahren, daß unser Tun dem Willen Gottes entsprechen muß.
V. 2 bringt unsere sozialen Beziehungen ins Spiel. Hier gibt es zwei negative und zwei positive Anordnungen.
Die Ermahnung, „niemand“, wörtlich „nicht einmal einen Menschen“, „zu lästern“ (hlasphemeo), war vermutlich in erster Linie an unterdrückte Gläubige gerichtet, die von Natur aus dazu neigten, ihre Herren zu lästern (siehe 2.Petr. 2,10 und Judas 1,10 zu diesem Prinzip), wurde dann aber als allgemeiner Grundsatz erweitert. Der Ausdruck bedeutet natürlich nicht, daß wir nie über die Schlechtigkeiten von Menschen reden noch sie bloßstellen sollen, doch es steht uns gewiß nicht zu, andere zu verleumden oder verletzend über sie zu sprechen.
In der Wendung „nicht streitsüchtig zu sein“ bedeutet das griechische Adjektiv amachos „sich des Streits enthaltend“, „nicht streitlustig“. Wir kommen mit solchen in Kontakt, deren Lebensstil dem der Christen total entgegengesetzt ist, dabei sollen wir nicht streitsüchtig sein. Es ist sehr schwer für diejenigen, welche die Wahrheit kennen und schätzen, in den Augen ihrer Leugner nicht als Streithahn zu gelten.
Die Konjunktion „sondern“ ist in der Elberf. weggelassen. Das Wort „gelinde“ (epieikes) bedeutet mild oder sich aktiv enthaltend – das genaue Gegenteil von streitsüchtig sein. Der gleiche Ausdruck, hier mit „nicht streitsüchtig zu sein, gelinde“ wiedergegeben, wird in umgekehrter Reihenfolge in 1.Tim. 3,3 „gelinde, nicht streitsüchtig“ übersetzt. Dort befindet er sich unter den für einen Ältesten erforderlichen Eigenschaften, hier sollen alle Gläubigen so gekennzeichnet sein.
Das griechische Verb endeiknumi vermittelt die Vorstellung des Vorzeigens und der Lieferung eines Beweises (siehe Erläuterungen zu 2,10). Wir sollen diese Eigenschaft als etwas aufweisen, das uns gehört, jetzt in uns ist. Die Bedeutung von Trautes wird in unserer deutschen Sprache nicht sauber ausgedrückt. Negativ beschrieben ist sie das genaue Gegenteil von Hochmut und Überheblichkeit. Diese Gnade der Sanftmut soll nicht nur im Umgang mit unseren Glaubensgeschwistern, sondern „gegen alle Menschen“ offenbar werden. Daran zeigt sich eindeutig, daß wir wahre Jünger dessen sind, der sagen konnte: „Ich bin sanftmütig und von Herzen demütig“ (Mt. 11,29). Diese letzten beiden positiven Eigenschaften werden in 2.Kor. 10,1 zusammengebracht, wo der Apostel sagt: „Ich selbst aber, Paulus, ermahne euch durch die Sanftmut und Gelindigkeit des Christus“. Christus selbst ist das vollkommene Beispiel.

Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt

»Gegen alle Menschen« (V. 2): In Tit 2,11 sagt Paulus, daß die »heilsame Gnade Gottes allen Menschen« gelte. Deshalb müssen auch alle Menschen sie erfahren. Darum ist die für die Gemeinde Jesu Missionsaufgabe erstrangig. Doch auch das Gesamtverhalten der Nachfolger Jesu gegenüber ihren Mitmenschen in nah und fern muß dem entsprechen, daß auch die noch nicht Glaubenden von Gott geliebt und von seinem Retterwillen mitumfaßt sind (1 Tim 2,4); demgemäß gilt es ihnen zu begegnen:
a) »Zu allem guten Werk bereit«: Dieses Wort bezieht sich sowohl auf das Verhalten der Christen gegenüber der Obrigkeit (V. 1) wie auch gegenüber »allen Menschen« (V. 2). Es geht hier nicht um eine jüdische oder griechische »Moral« etwa der Gesetzeslehrer oder Philosophen. »Gute Werke« der an Jesus Glaubenden sind solche, die im Glauben an Jesus wurzeln und die nun im Glaubensgehorsam (Röm 1,5; 16,26) gegenüber Jesus geschehen, in der Kraft seines Geistes und in den Bahnen von Gottes Wort, der Jesus-Art, wie sie uns in der Schrift gezeigt wird: etwa, wie Jesus sich über einen einsanjen, sich darniederliegenden Menschen beugte (Joh 5,5), wie er das Ohr des Malchus heilte (vgl. Lk 22,51; Joh 18,10), wie er noch sterbend für seine Feinde betete (Lk 23,34; vgl. Apg 7,59). Dieses Leben »in Christus« allein ist rechte Gesetzeserfüllung, ist die »bessere Gerechtigkeit«, von der unser Herr spricht (Mt 5,17–20). Die Frage ist in jedem Fall: Was will hier Jesus? Welchen Weg geht Jesus hier mit mir?
b) »Niemanden verleumden«: Nachfolger Jesu treten vielmehr für andere ein – sowohl vor Gott in der Fürbitte wie auch vor Menschen in Wahrheit und Liebe. Auch wo sie, etwa in einem Gespräch über einen Abwesenden, dadurch zu »Spielverderbern« werden, machen sie in jedem Fall auch das geltend, was für die andern spricht. Es gilt, »Gutes von ihnen zu reden und alles zum Besten zu kehren« (M. Luther in der Erklärung zum achten Gebot).
c) »Nicht streiten«, »nicht streitsüchtig sein«: Sünde zerstört den Frieden zwischen Gott und Menschen und den der Menschen untereinander (1 Mo 3; 4; Jes 59,2). Und nun hat es Gott in seinem Sohn unternommen, wieder Frieden zu schaffen, beginnend mit dem Kreuz und mit der Verkündigung des durch das Kreuz ermöglichten Friedens mit Gott (2 Kor 5,19f.; Eph 2,17; Kol 1,20). Gott heißt wiederholt in seinem Wort »der Gott des Friedens« (Röm 15,33; 16,20; 1 Thes 5,23; Hebr 13,20); das ist geradezu die »Berufsbezeichnung«, die Gott sich selbst zugelegt hat. Und nun gehört es zum Wesen seiner Kinder, daß auch sie Menschen zum Frieden zu führen versuchen, mit Gott und mit den andern Menschen, und auch selbst den Frieden mit allen suchen (Röm 12,18). »Selig sind die Friedfertigen«, die Friedensstifter, »denn sie werden Gottes Kinder heißen« (Mt 5,9).
d) »Gütig« oder »freundlich« sein: In einer so harten Welt, damals und heute, war und ist dieses Verhalten überaus hilfreich und eine besonders wirksame Einladung zu dem gütigen, freundlichen Gott, der sich in Jesus Christus geoffenbart hat. »Danket dem Herrn, denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich«: Zu diesem Lobpreis werden wir dadurch um so mehr miteinander kommen.
e) »Alle Sanftmut beweisen«: Wo doch unser Herr selbst als der Erhöhte noch immer geduldig und unaufdringlich an den Türen der Menschen steht und klopft (Offb 3,20) und sich nicht aufdrängt, sondern fragt, ob man ihn überhaupt haben will, und wo er so auch uns begegnet ist, da können wir doch nicht anders als auch behutsam zu sein, Geduld zu üben und linde Hände zu haben, insbesondere da, wo wir den Menschen den Frieden Gottes anbieten, und ebenso auch da, wo wir die zerrissenen Bande zwischen Menschen wieder zu knüpfen versuchen.

Edition C Bibelkommentar
0