Bei der Menge meiner Gedanken (O. Sorgen, Kümmernisse) in meinem Innern erfüllten deine Tröstungen meine Seele mit Wonne
Elberfelder 1871 – Psalm 94,19
wann meine Sorgen mir im Innern sich mehren,
erquicken deine Tröstungen mir die Seele.
Buber & Rosenzweig – Psalm 94:19
Bei meiner Sorgen Fülle in meinem Innern erfreuen mich deine Tröstungen.
Die Philippson-Bibel – Ps 94,19
Herr, entsprechend meinem großen Kummer in meinem Herzen
haben deine Tröstungen meiner Seele Liebe erwiesen
Septuaginta Deutsch – Ps 93:19
Wenn mir das Herz schwer war von tausend Sorgen,
hat mich dein Trost wieder froh gemacht.
Gute Nachricht Bibel – Psalm 94,19

In Vers 19 bedeutet TEV „ich bin ängstlich und besorgt“ übersetzt „die vielen Gedanken in meinem Herzen“. Das hebräische Wort für „Gedanken“ kommt nur hier und in 139,23 vor; hier sind die Gedanken eindeutig beunruhigend und beunruhigend. In Vers 19b wird dein Trost am besten durch eine Verbphrase dargestellt, „du tröstest (oder tröstest oder beruhigst)“; und „mein nefesh“ (meine Seele) ist wieder eine Art, „mich“ zu sagen.
Bratcher – Ein Übersetzerhandbuch zum Buch der Psalmen
Schon zu Salomos Zeiten hatten Menschen, die missbraucht und ausgebeutet wurden, keinen Rechtsbehelf und fanden niemanden, der in ihrem Namen Recht sprach (Prediger 4:1), also muss es in den Tagen Manasses, kurz vor dem Fall Jerusalems, noch viel schlimmer gewesen sein. Die Frage in Vers 16 ist rhetorisch und der Schreiber beantwortet sie selbst in Vers 17- „der HERR“. Der Psalmist erlebte die hinterhältigen Intrigen der bösen Führer und schrie zu Gott um Hilfe. Er wusste, dass die Richter das Gesetz verdrehten, um die Armen auszubeuten (V. 20), und er war dabei, in eine tiefe und gefährliche Situation zu geraten. Sein Herz war innerlich unruhig, aber der Herr hielt ihn aufrecht, zog ihn heraus und gab ihm inneren Frieden. Er war dankbar für andere Gläubige, die ihm beistanden und mit ihm beteten, denn aus „mein Gott“ in Vers 22 wurde zu „unser Gott“ in Vers 23. Er vertraute darauf, dass der Herr das Gericht herbeiführen würde, das die bösen Führer verdienten. Wie Asaph in Psalm 73 war er in seinem Glauben und seinem Lebenswandel ins Schleudern geraten, aber Gott zeigte ihm, dass die Gottlosen auf schlüpfrigen Wegen waren und schnell auf das Gericht zusteuerten (73:2-3, 18, 27-28).
Warren W. Wiersbe – Sei Commentary Series
In bösen Tagen danken wir, dass wir den Herrn als unsere Zuflucht und Festung haben. Aber wir verstecken uns in ihm, nicht um der Verantwortung zu entgehen, sondern um gerüstet zu sein, hinauszugehen und den Feind zu bekämpfen. Als Salz der Erde und Licht der Welt (Mt 5,13-16) sollte das Volk Gottes alles tun, was es kann, um die Gerechtigkeit in dieser Welt zu fördern. Wie Edmund Burke sagte: „Es ist nur notwendig, dass der gute Mensch nichts tut, damit das Böse triumphiert“. Letztlich ist es aber der Herr, der die Herzen der Menschen kennt und der gerecht richten wird.
Aus dem Knäuel der »Unzahl der Gedanken« hätte er keinen Ausweg gefunden; es gab wohl auch keinen Ausweg – außer dem Ausweg in die Gegenwart Gottes (2Kor 4,8). Sehen wir ihn, sind wir getröstet im Wissen, dass er weiß, was wir nie wissen können.
Benedikt Peters – Die Psalmen
›Als ich inwendig viel Bekümmernis hatte, ergötzten deine Tröstungen meine Seele‹: Der Vers hat fast den selben Sinn wie der vorherige. Jener meldet die Gedanken der Verzweiflung … dieser aber redet von den mancherlei Gedanken, die einer in solcher Verzweiflung hat, wie er davonkommen solle oder könne. Da denkt er hierhin und dahin und sucht alle Winkel und Löcher, findet aber keine. Da spricht er nun: Als ich in solcher Marter war und mich mit meinen Gedanken schlug, hier und da Trost suchte und doch nicht fand, da kamst du mit deinem Trost und ergötztest mich und hieltest dich mit Sprüchen und Exempeln der Heiligen Schrift freundlich zu meiner Seele, sodass ich wohl sagen kann: ›Selig ist der, den du züchtigst und lehrst durch dein Gesetz‹ (V. 12)« (Luther).
Wer hat nicht die gewaltige Glaubenssprache empfunden, die in den Psalmen unserer Bibel geführt wird? Wie sprechen sie von einem Weltweh, von dem sich die einzelnen Völker, ja die ganze Schöpfung erfasst sieht. Wer von uns hat nicht seinen tiefsten Schmerz, für den unsere Seele keinen Ausdruck zu finden vermochte, in den einzelnen Klagen und Seufzern der Psalmen wiedergefunden! Denn in den Psalmen spricht nicht fromme Theorie, in ihnen zittert die nackte Wirklichkeit und der ganze Ernst unseres menschlichen Lebens wieder. Sie kennen das Leid, den Kampf, die Bosheit, die Schuld, die Spannungen unseres todverfallenen Daseins.
Jakob Kroeker – ER sprach zu mir
Aber die Psalmen künden uns mehr. Sie reden auch von einem Glauben, der aus dem Weh der Gegenwart den Weg zu Gott findet. Wie selten bleibt ein Psalm allein bei dem Leid der Zeit stehen. Der Glaube, der in ihm weint und klagt, erhebt sich zu Gott, bis er in Gott selbst zur Ruhe kommt.
Daher finden wir in den Psalmen nicht nur die bekannten Bußgebete, klingen in ihnen nicht nur die einzelnen Klagelieder wieder, sondern sie enden in so manchen Fällen mit seltenem Dank und tiefer Anbetung. Wenn wir auch keine scharfe Grenze zwischen Dank und Anbetung ziehen, aber die Dankgebete bleiben doch mehr oder weniger bei dem stehen, was der Mensch an einzelnen Segnungen von Gott empfangen hat. Man hat die Vergebung der Sünden erlebt und preist nun die Barmherzigkeit, die unsere Schuld zuzudecken und unser Leben mit neuem Segen zu krönen vermag. Oder man hat sichtbar Gottes Eingreifen in unsere Not und Verhältnisse erfahren, und zwar in einer Stunde, wo alle Wogen und Wellen über uns ergingen. Nun preist die Seele den, der auch aus dem Tode erretten kann. Die Dankeslieder bleiben in der Regel bei dem stehen, was man als Gabe, als Segen, als Rettung und Hilfe von Gott empfangen hat.
Es gibt aber auch Psalmen, in denen das Lob der Seele sich nicht mehr mit dem beschäftigt, was man von Gott empfangen hat, sondern was Gott uns in seiner Person, in seiner Majestät, in seiner Gegenwart und Herrlichkeit geworden ist. In ihnen spricht ein Glaube mit seinem geistigen Schauen, dem Gott mehr ist als seine Gabe, ein Glaube, der in seiner Hingabe und Anbetung Gott über alles ehrt. Er hat über den Segen den Weg zum Segnenden gefunden und bekennt vor der ganzen Schöpfung Gottes: „Du, Herr, bist mein Gut, nichts geht mir über Dich!“