Denn ihr selbst wisset genau, daß der Tag des Herrn also kommt wie ein Dieb in der Nacht
Elberfelder 1871 – 1.Thessalonicher 5,2
Denn ihr selbst wißt sehr wohl, daß Jehovas Tag genauso kommt wie ein Dieb in der Nacht.
neue Welt Übersetzung – Bi 12 – 1.Thessalonicher 5:2
Denn ihr wisst ja ganz genau, dass der große Gottestag kommen wird, wie ein Dieb in der Nacht kommt.
Das Buch – 2009 – 1.Thess 5,2
denn selbst wisst ihr höchst genau, dass, was Tag des Kyrios heißt, also kommt, wie ein Dieb in der Nacht.
Pfleiderer Übersetzung – 1.Thess 5:2
αὐτοὶ γὰρ ἀκριβῶς οἴδατε, ὅτι [ἡ] ἡμέρα κυρίου ὡς κλέπτης ἐν νυκτὶ οὕτως ἔρχεται.
Von Soden – Die Schriften des Neuen Testaments – 1. Thess 5,2
הֲרֵי אַתֶּם יוֹדְעִים הֵיטֵב שֶׁיּוֹם יהוה יָבוֹא כְּגַנָּב בַּלַּיְלָה.
ha-Berit ha-ḥadashah_2000 – 1.Thess 5:2

Paulus stellt hier eine Reihe von Gegensätzen zwischen den Christen und den Verlorenen vor:
Warren W. Wiersbe – Wiersbes Erläuterungen zum Neuen Testament
A. Licht/Dunkelheit.
Das Kommen Christi wird für die Welt plötzlich und unerwartet sein, wie ein Dieb in der Nacht; aber nicht für den Gläubigen. Wir warten darauf, dass er kommt. Die Ungläubigen tappen im Dunkeln: Ihr Verstand ist verfinstert (Eph 4,18; 5,8); sie lieben die Finsternis (Joh 3,19-21; Eph 5,11); sie werden von der Macht der Finsternis beherrscht (Eph 6,12); und sie sind auf dem Weg in die ewige Finsternis (Mt 8,12). Der Christ aber ist mit dem Licht verbunden, denn Gott ist Licht, und Christus ist das Licht der Welt (Johannes 8,12). Der Christ ist ein Kind des Lichts (Eph 5,8-14), obwohl er einst selbst Finsternis war. Der Wandel, der sich vollzog, wird in 2. Korinther 4,1-6, Kolosser 1,13 und 1. Petrus 2,9 beschrieben. Da Christen dem Tag angehören, sollten sie im Licht leben und für die Wiederkunft Christi bereit sein.
B. Wissen/Ignoranz.
Satan mag es, Menschen im Dunkeln zu lassen (Apostelgeschichte 26:18). Judas tappte im Dunkeln (Johannes 13:27-30), ebenso Ananias und Sapphira (Apostelgeschichte 5). Die Welt weiß nichts von Gottes Plänen, weil die Welt Christus und die Bibel abgelehnt hat. Lesen Sie Jesaja 8,20, um zu sehen, warum sogar intelligente Weltpolitiker im Dunkeln tappen, wenn es darum geht zu verstehen, was in der Welt vor sich geht. Sie richten sich nach dem äußeren Anschein und sagen: „Wo ist die Verheißung seines Kommens?“ (siehe 2. Petrus 3) Aber der Christ, der seine Bibel liest und seine Augen offen hält, weiß, wie Gott in dieser Welt wirkt, und ist nicht unwissend.
C. Erwartung/Überraschung.
Die unerlöste Welt lebt in falscher Sicherheit, wie die Menschen vor der Sintflut (Gen 6) oder die Bürger von Sodom und Gomorra (Gen 18-19). Paulus zieht zwei Vergleiche zum Kommen Christi: (1) den Dieb, der die Überraschung und Unvorbereitetheit der Betroffenen beschreibt; (2) die gebärende Frau, die die Plötzlichkeit und das damit verbundene Leid beschreibt. Wenn Christus die Kirche aus der Welt herausgenommen hat, wird der Tag des Herrn beginnen, eine siebenjährige Periode der Bedrängnis und des Leidens für die Welt. Der Tag des Herrn wird also für die Welt wie ein Dieb in der Nacht kommen, aber nicht für die Gläubigen.
D. Nüchternheit/Betrunkenheit.
Christen, die auf die Ankunft Christi warten, werden wach bleiben und aufmerksam sein; sie werden nicht trunken werden wie die Menschen der Welt. „Wachen“ und „schlafen“ bedeuten hier nicht „lebendig“ und „tot“ wie in 4,13-18; sie bedeuten „wachsam“ und „unachtsam“. Christen sollten ein reines, engagiertes Leben führen, wenn Jesus kommt
Das Wort »Tag« ( hêmera ) wird im AT und im NT mit unterschiedlichen Bedeutungen verwendet:
Benedikt Peters – Was die Bibel lehrt
Eine Periode von 24 Stunden mit einem Teil Licht und einem Teil Finsternis (1.Mo 1,5).
Eine von bestimmten Merkmalen geprägte Periode: z.B. der Tag des Heils (2.Kor 6,2), der Tag des Grichts (Röm 2,5).
Eine Periode im heilsgeschichtlichen Sinn. Die folgenden sollten unterschieden werden:
a) Der Tag des Menschen (1.Kor 4,3, englische Revised Version, Fußnote). Dieser umfaßt die gegenwärtige Periode der Rebellion des Menschen gegen Gott.
(AdÜ: Es soll nicht bestritten werden, daß eine solche Periode in der Schrift zu unterscheiden ist; doch meint die zitierte Stelle vielleicht etwas ganz anderes: anthrôpinê hêmera, ganz wörtl. »menschlicher Tag« ist ein menschlicher Gerichtstag, hier im Gegensatz zum Gerichtstag Gottes. Sämtliche von mir nachgeschlagene 20 deutsche Übersetzungen lesen »menschlicher (Gerichts-)Tag«, »menschliches Gericht«).
b) Der Tag Christi (Phil 1,10; 2,16), der Tag Jesu Christi (Phim 1,16), der Tag des Herrn Jesus (1.Kor 5,5; 2.Kor 1,14), der Tag unseres Herrn Jesus Christus (1.Kor 1,8). Der Textzusammenhang jedes dieser Ausdrücke zeigt, daß derselbe Tag gemeint ist, nämlich der Seiner Freude und Genugtuung, wenn Seine Gemeinde vollständig vor dem (Preis-)Richterstuhl ( bêma ) erscheint.
c) Der Tag des Herrn
Im AT kommt der Ausruck bei den Propheten Jesaja, Jeremia, Hesekiel, Obadja, Amos, Zephanja, Sacharja und Maleachi vor. Während er sich in manchen Fällen auf örtlich und zeitlich begrenzte Umstände in Israels Kriegen gegen ihre Feinde bezieht, weist er in vielen Fällen auf einen »großen und furchtbaren Tag Jahwes« (Joe 2,31; Mal 4,5) in der Zukunft voraus. »Dieser Tag wird den endgültigen Triumph Jahwes im völligen Sieg über die heidnischen Weltmächte (Jes 13,9-11; 34,8; Dan 2,34.44; Ob 1,15) bringen, sowie die damit verbundene Errettung Israels, Seines Volkes von alters her und die Einsetzung »Seines Königs auf Zion, Seinem heiligen Berg‘ (Ps 2,6; vgl. Ps 110)« (Hogg und Vine). Sacharja 9-14 verwendet bei der Beschreibung der Ereignisse des Tages des Herrn den Ausdruck »jener Tag« achtzehnmal. Im NT findet sich der Ausdruck »Tag des Herrn« nur in Apostelgeschichte 2,20; 1.Thess 5,2; 2.Thess 2,2; 2.Petr 3,10 (vgl. Offenbarung 6,17). Ein sorgfältiges Studium all dieser Stellen zeigt, daß der Tag des Herrn Zustände und Ereignisse auf der Erde nach der Entrückung der Gemeinde beschreibt. Er ist eine Zeit des Gerichts über Israel und die Nationen. Er umfaßt die Große Drangsal, die Schlacht von Armagedon, die Erscheinung des Herrn in Herrlichkeit und Sein tausendjähriges Friedensreich, mit der letzten Rebellion an dessen Ende.
d) Der Tag Gottes (2.Petr 3,12-13).
Dieser Ausdruck kommt nur ein einziges Mal in der Schrift vor. Er beschreibt die Auflösung der Himmel und der Erde und den Beginn des ewigen Zustandes, in welchem Gerechtigkeit wohnt.
Während der »Tag des Herrn« sich über eine sehr lange Zeitperiode mit vielen die Erde erschütternden Ereignissen erstreckt, beschäftigt sich Paulus hier mit seinem Beginn. Er vergleicht ihn mit einem Dieb, der in der Dunkelheit wirkt. Wenn ein Dieb in ein Haus einbricht, kündigt er sein Kommen nicht vorher an. Seine Absicht ist, zu stehlen, und zwar so unbemerkt wie möglich. Das Bild wird von unserem Herrn in Mt. 24,43 und von Petrus in 2.Petr 3,10 verwendet, wobei beide sich auf den »Tag des Herrn« beziehen. Bei der Entrückung kommt der Herr nicht wie ein Dieb (V. 4), sondern als Bräutigam. Der Dieb kommt schweigend im Dunkeln und trägt oft eine gefährliche Waffe bei sich. Sein Besuch zeitigt Verlust und Angst. Der Bräutigam kommt mit einem Siegesruf zurück und bringt die Seinen in eine Umgebung unbeschreiblichen Lichts und unsagbarer Freude (2,19.20; Jud 1,24). Das Bild des raubenden und plündernden Diebes spricht von der Plötzlichkeit des Beginns des »Tages des Herrn« und dem Charakter dieser Periode; er ist geprägt durch finstere Nacht.
Paulus kann auch hier auf Bekanntes zurückgreifen: »Denn ihr wisst selbst genau«. Mit dieser Formulierung erinnert er in diesem Brief mehrfach an die persönliche Unterweisung, die er während seines Besuchs den Thessalonichern vermittelt hat (1Thess 1,5 u. ö.). »Genau« wird bei Paulus außer hier nur noch in Eph 5,15 gebraucht (sonst im NT in Mt 2,8; Lk 1,3; Apg 18,25ff.; Apg 23,15.20; 24,22). Man hat vermutet, dass darin die Anfrage der Thessalonicher zitiert sein könnte: »Sag uns genau, wann die Wiederkunft erfolgt!« Sollte dies zutreffen, so würde Paulus diese Anfrage den Thessalonichern mit dem Hinweis zurückgeben, dass nicht einzelne Begleitumstände, sondern die Art und Weise von Jesu Kommen »genau« zu wissen sei: »wie ein Dieb in der Nacht«. Paulus wiederholt hier die Absage an alle Berechnungen, so wie dies Jesus zuvor gegenüber seinen Jüngern getan hat (Mt 24,36; Apg 1,7). Zwar sollen Christen keineswegs unbeteiligt an den Zeitereignissen vorübergehen; vielmehr gilt ihnen der doppelte Aufruf: »Seht zu und erschreckt nicht« (Mt 24,6). Dan die Erlösung naht, soll der Blick auf den Kommenden gerichtet werden (Lk 21,28). Doch hat die nüchterne und prüfende Begleitung des Weltgeschehens nicht zu Rechenexperimenten, sondern zur Erneuerung der Wachsamkeit zu führen. Letztlich bewirkt die Erstellung eines »Endzeitfahrplans« das Gegenteil von dem, worum es der apostolischen Verkündigung ging: Der Blick wird gefangengenommen durch die Vielzahl von Tagesereignissen, die möglicherweise als endzeitliche Zeichen von Bedeutung sein könnten. Damit wird er von Jesus selbst abgelenkt. Das Streben nach Informationen über künftige »Zeiten und Stunden« verdrängt die Gewissheit des Glaubens und die »Arbeit in der Liebe« (1Thess 1,3; 4,9). Wer nur auf einen fixierten Zeitpunkt zulebt, bleibt auf sich selbst bezogen; für ihn wird die Zeit zuvor letztlich bedeutungslos.
Gerhard Maier – Edition C
Indem Paulus das Bild vom Dieb aufgreift, bringt er, wie Jesus, zum Ausdruck: Es gilt, allezeit bereit zu sein. (vgl. Mt 24,43ff.). Denn niemand weiß, wann der Dieb kommt. Außerdem bereitet ein Dieb demjenigen eine Fülle von Unannehmlichkeiten, der nicht für sein eventuelles Kommen gerüstet ist (außer bei Paulus wird derselbe Vergleich auch in 2Petr 3,10 und Offb 3,3; 16,15 aufgenommen).
Der Vergleich vom Dieb ist bezogen auf den »Tag des Herrn«. Der Tag Jahwes im AT ist der Tag des Gerichts (Am 5,18-20; Jes 13,6-16; Hes 30,3; Joel 1,15), der zugleich Heil für die Gerechten bringt (Ob 1,15-20; Zeph 1,14; Sach 14,7). Jesus spricht vom »Tag des Menschensohns« (Lk 17,24.30). Im Griechischen wird der Gottesname Jahwe mit »kyrios«, »Herr«, übersetzt, und so redet das NT dann vom »Tag des Herrn« (Apg 2,20). Dan auch Jesus als der »Herr« bekannt wird, ist der »Tag des Herrn« zugleich der »Tag Jesu Christi« (vgl. 1Kor 1,8; 2Kor 1,14; Phil 1,6.10; 2,16). So ist der »Tag des Herrn« zunächst der Tag der Wiederkunft Jesu Christi, an dem sein Gericht und sein Heil offenbar wird (Joh 5,22; Apg 17,31; 2Kor 5,10).