Wer auf den Wind achtet, wird nicht säen, und wer auf die Wolken sieht, wird nicht ernten.
Elberfelder 1871 – Kohelet 11,4
Wer immer nach dem Wind sieht und auf das passende Wetter wartet, der kommt weder zum Säen noch zum Ernten.
Gute Nachricht Bibel 2018 – Kohelet 11:4
Wer auf den Wind achtet, kommt nicht zum Säen,
und wer nach den Wolken schaut, kommt nicht zum Ernten.
Zürcher 1931 – Prediger 11,4
Wer immer nur auf das passende Wetter wartet, wird nie säen; und wer ängstlich auf jede Wolke schaut, wird nie ernten.
Hoffnung für Alle – Prediger 11:4

Wer lenkt die Wolken? Und wer sorgt dafür, dass es regnet?
In einem Land in dem jeder 7.Tag völlig arbeitsfrei war, und in dem bestimmte Feiertage mit einer längeren Reise verbunden war – musste deutlich zeigen, dass er diesem „Lenker der Wolken“ vertraut!
Wer sein Leben dadurch ordnen möchte, daß er im voraus herauszufinden sucht, was geschehen oder nicht geschehen mag, wird nichts zustande bringen. Salomo sagte: „Wer auf den Wind achtet, wird nicht Samen säen [da er fürchtet, daß der Wind den Samen wegbläst]; und wer nach den Wolken schaut, wird nicht ernten [da er fürchtet, daß das geschnittene Getreide naß wird, bevor er es in seinen Lagerraum bringen kann]“ (Pred 11:4).
Wachtturm – 1.März 1978
Wir sollten daher die Hände nicht in den Schoß legen, sondern tun, was getan werden muß, in dem Bewußtsein, daß es immer Ungewißheiten geben wird. Es besteht keine Möglichkeit, das Werk Gottes zu ergründen, das heißt eine Regel zu entdecken, durch die genau bestimmt werden kann, was er tun oder bei der Verwirklichung seines Vorsatzes tolerieren mag, und dann unsere Geschäfte nach dieser Regel auszurichten. Salomo wies darauf hin, daß Gottes Werk für den Menschen ein ebenso großes Geheimnis ist wie die Entwicklung des Kindes im Mutterleib. Er schrieb: „So, wie du nicht weißt, welches der Weg des Geistes ist in den Gebeinen im Leib der Schwangeren, ebenso kennst du nicht das Werk des wahren Gottes, der alle Dinge tut“ (Pred 11:5).
In Anbetracht der Unsicherheiten des Lebens und der Unfähigkeit des Menschen, gewisse feststehende Gesetze zu ändern, gibt Salomo den Rat: „Am Morgen säe deinen Samen, und bis zum Abend laß deine Hand nicht ruhen; denn du weißt nicht, wo dies Erfolg haben wird, entweder hier oder dort, oder ob beides gleicherweise gut sein wird“ (Pred 11:6). Am besten machen wir uns also mit Fleiß an unsere Arbeit und lassen uns durch Ungewißheiten nicht so weit beunruhigen, daß wir uns an unserem Wirken hindern lassen, sei es in Verbindung mit unserem Glauben, unserem Berufsleben oder in bezug auf Freigebigkeit.
Der Bauer (V. 3-6). Daniel Webster nannte die Bauern „die Begründer der Zivilisation“, und Thomas Jefferson bezeichnete sie als „das auserwählte Volk Gottes“. Landwirtschaft war noch nie eine leichte Arbeit, und das galt besonders für das Heilige Land in den Tagen der Bibel. Die Juden bearbeiteten einen felsigen Boden und waren auf die frühen und späten Regenfälle angewiesen, um ihre Saat zu ernähren. Niemand kann das Wetter vorhersagen, geschweige denn es kontrollieren, und der Bauer ist der Natur ausgeliefert.
Warren W. Wiersbe – Sei Commentary Serie
Strophe 3 stellt die Wolken dem Baum gegenüber. Wolken sind immer im Wandel. Sie kommen und gehen, und der Bauer hofft, dass sie ihr kostbares Wasser auf seinen Feldern verschütten werden. Bäume sind etwas Beständiges. Sie stehen an der gleichen Stelle, es sei denn, ein Sturm stürzt sie um; dann liegen sie da und verrotten. Die Vergangenheit [der Baum] kann nicht geändert werden, aber die Gegenwart [die Wolken] steht uns zur Verfügung, und wir müssen jede Gelegenheit ergreifen.
Aber sitzen Sie nicht herum und warten Sie auf ideale Umstände (V. 4). Der Wind ist nie günstig für den Sämann und die Wolken sind nie günstig für den Schnitter. Wenn Sie nach einer Ausrede für Ihr Nichtstun suchen, können Sie eine finden. Billy Sunday sagte, eine Ausrede sei „die Haut eines Grundes, die mit einer Lüge gefüllt ist“. Das Leben ist ein Abenteuer, und oft müssen wir uns im Glauben auf den Weg machen, auch wenn die Umstände ungünstig erscheinen.
So wie niemand „den Weg des Windes“ kennt (V. 5, NKJV, und siehe Johannes 3:8) oder wie der Fötus im Mutterleib geformt wird (Ps. 139:14-15), so kennt auch niemand die Werke Gottes in seiner Schöpfung. Gott hat für alles eine Zeit und einen Zweck (3:1-11), und wir müssen im Glauben an sein Wort leben. Deshalb sollten wir jeden Tag weise nutzen (V. 6). Steh früh auf und säe deine Saat, und arbeite hart bis zum Abend. Erledige die anstehende Arbeit und „löse die Zeit ein“ (Eph 5,15-17), im Vertrauen darauf, dass Gott zumindest einige der von dir erledigten Aufgaben segnen wird. So wie der Kaufmann mehr als ein Schiff aussendet, so arbeitet auch der Bauer mehr als eine Ernte ein.
Das Leben ist ein Abenteuer des Glaubens, und jeder von uns ist wie ein Kaufmann, der heute in das investiert, was sich morgen auszahlen wird. Wir sind wie der Bauer, der verschiedene Arten von Saatgut in unterschiedliche Böden sät und Gott die Ernte anvertraut (Gal 6,8-9; Ps 126,5-6; Hos 10,12). Wenn wir uns Sorgen machen würden, dass der Wind einen Baum auf uns stürzt oder die Wolken uns mit Regen übergießen, würden wir nie etwas erreichen. „Natürlich gibt es keine Formel für den Erfolg“, sagte der berühmte Konzertpianist Arthur Rubinstein, „außer vielleicht der bedingungslosen Akzeptanz des Lebens und dessen, was es bringt.“
Der Prediger führt nun Beispiele aus der Landwirtschaft (Säen und Ernten) an, um seine Leser aufzufordern, nicht untätig herumzusitzen und auf den für eine Unternehmung günstigsten Moment zu warten, sondern fortwährend fleißig zu arbeiten. Die Zukunft entzieht sich dem Menschen ebenso wie das Wirken Gottes in der Natur, wenn der Regen herniederströmt oder ein Baum durch einen Sturm entwurzelt wird. Ein Mensch, der zu lange wartet, ehe er sät oder erntet, weil er befürchtet, daß der Wind den Samen wegblasen oder der Regen (die Wolken) die Ernte gefährden könnte, wird schließlich gar nichts mehr vollbringen.
Die Bibel erklärt und ausgelegt – Walvoord Bibelkommentar
Die beiden Verse sind chiastisch angeordnet: In V. 3 werden zuerst die Wolken genannt, dann die Auswirkungen des Windes, der einen Baum stürzt. In V. 4 werden umgekehrt zuerst der Wind erwähnt und dann die Wolken. Damit geht es wieder um Bilder aus der Landwirtschaft, die eigentlich simple Beobachtungen darstellen: Es regnet, wenn die Wolken voll werden, und ein einmal gefallener Baum bleibt so liegen, wie er umgefallen ist. Die ursprüngliche Bedeutung dieser Beobachtungen besagt, daß es Gesetzmäßigkeiten gibt, mit denen man rechnen muß, auch wenn man nicht weiß, wann es soweit ist. Wer deswegen jedoch ängstlich ständig Ausschau hält, und auf günstigere Zeiten wartet, kommt seiner eigentlichen Aufgabe nicht nach. Das dauernde Starren auf Wind und Wolken beeinträchtigt das Säen und Ernten.
Wuppertaler Studienbibel
Im übertragenen Sinn der Deutung c) besagt dies, daß die Werke der Barmherzigkeit getan werden sollen, auch wenn die weitere Zukunft verborgen ist. Wann der Regen fällt oder ob ein Baum stürzt und eventuell einen Teil der Saat beschädigt, steht eben nicht fest. Es ist aber auch so zu verstehen, daß dem barmherzig Gebenden zugesichert wird, daß seine Gaben auf alle Fälle ihren Lohn finden, so sicher wie die Wolken sich ausregnen und der Baum dort liegen bleibt, wohin er fällt. Schließlich erinnern die beobachteten natürlichen Gesetzmäßigkeiten auch an die in Kap. 3 beschriebene Ordnung der Schöpfung Gottes: Alles hat seine Zeit. Dazu zählt nicht nur der Ablauf der Naturgewalten, sondern auch das persönliche Erleben von Freude und Leid. Insofern kann sich V. 3 im Anschluß an V. 2 auf das Unheil beziehen, das auf Erden geschehen wird. Der Mensch kann zwar über sein Ergehen nicht verfügen, aber er kann sein Leben im Bedenken, daß auch schlechtere Zeiten kommen können, so gestalten, daß er im Ernstfall nicht völlig überrascht und aus der Bahn geworfen wird, sondern auch dann zurechtkommt. Wer aber umgekehrt ständig Unheil wittert, sich sorgt und ängstlich zurückzieht, wird auf Dauer mit seinem Leben nur schwer zurechtkommen. Wenn Unglück ihn überfällt, wird er eher verzagen und im Klagen stecken bleiben als mutig und getrost weiterzugehen. Gerade dazu aber hat Kohelet bisher regelmäßig ermutigt. Insofern legt der genannte Gesamtzusammenhang eine Deutung in diesem Sinn nahe.